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Der Schatten des Lichts - Magie der Glühwürmchen

Was tun, wenn plötzlich keine Sterne mehr am Himmel sind? Wenn nur noch ungemütlichstes Wetter herrscht? Arin macht sich auf zur Hexe, um Rat zu holen. Wie erklärt man sich dieses Phänomen?
Eine wichtige Aufgabe lastet nun auf Arin. Er muss den Weltuntergang stoppen. Und zwar schnell.

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    Vorwort

    Dies ist meine Geschichte für den Schreibwettbewerb der Wörter von VikTak.
    Ich habe das Thema „Geheimnisvoller Nachthimmel“ gewählt und folgende Wörter mussten in der Story vorkommen:
    -Sterne
    -Funkeln
    -Dunkelheit
    -Galaxien
    -Schatten
    Ich kennzeichne diese, indem ich sie dick schreibe.

    Aber nun viel Spaß beim Lesen der Geschichte! Ich freue mich über Feedback in den Kommentaren 🤗

    2

    Kapitel 1

    Der Regen trommelte prasselnd auf das runde Kopfsteinpflaster, ein lauer Herbstwind fegte pfeifend durch die schmalen Gassen.
    Mit großen zügigen Schritten lief eine Gestalt, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, an den hochgewachsenen Häusern vorbei.
    Eine düstere, samtene Finsternis lastete auf dem Land - die Sonne war schon vor Stunden hinter den kantigen Hügeln abgetaucht und hatte Platz für den sternenlosen Nachthimmel gemacht.
    Die ungemütliche Kälte kroch unter den schwarzen Mantel der Gestalt, ließ sie frösteln. Unwillkürlich zog sie den Mantel enger. „Verflucht“, schimpfte sie und trat in die nächste Pfütze. Bald wäre der ganze Boden von Wasser und Schlamm überschwemmt.
    Zügig schritt die Person ans Ende der Gasse. Da wollte, musste sie hin. Das war die einzige Möglichkeit. Da ruhte die letzte Hoffnung.
    - Da wohnte sie.

    „Wer bist du?“, schnauzte die alte Hexe, nachdem sie die Tür aufgezogen hatte. Schwaches Licht flutete hinaus in die Dunkelheit.
    Die dunkle Gestalt trat ein, zog die Kapuze vom Kopf und schüttelte einige Regentropfen ab. Das Gesicht wurde von dichten dunklen Locken verdeckt.
    „Du bist über die Vorfälle informiert?“ Es war keine Frage, vielmehr eine Feststellung.
    „Wer bist du?“ Die alte Hexe schloss knallend die morsche Holztür und hielt ihren Staubwedel vor sich wie einen Degen. Ihre Augen blitzten vor Misstrauen, die vielen Falten in ihrem Gesicht verzogen sich.
    Die dunkle Gestalt lachte leise. „Das müsstest du doch am besten wissen, Hexe.“
    Argwöhnisch verengte die alte Frau ihre Augen zu Schlitzen. „Arin“, sagte sie dann. „Was führt dich zu mir?“ Ihre Stimme krächzte unheilvoll.
    „Die Vorfälle in der Stadt“, wiederholte Arin. „Sie verbreiten sich. Wir haben schon Mitteilungen von vierzehn anderen Orten bekommen.“
    Die Hexe nickte wissend. „Komm herein.“

    Im Wohnzimmer prasselte ein warmes Feuer im Kamin. Die Decke war unbeschreiblich niedrig und großzügig mit den klischeehaften von der Decke hängenden Kräuterbündeln geziert.
    Arin ließ sich auf einem der drei Ohrensessel nieder und sank unmittelbar ein gutes Stück tiefer. „Ich brauche Rat“, sagte er, während die alte Hexe ächzend ihm gegenüber Platz nahm.
    „Das dachte ich mir schon“, krächzte sie.
    „Was sollen wir tun?“ Arin strich sich die Locken aus dem Gesicht und band sie ungeschickt hinter dem Kopf zusammen. Seine braun-gelben Augen huschten unruhig im Raum umher. Ihm war nicht ganz wohl bei der Sache.
    „Ganz direkt vorneheraus, was?“ Die Stimme der alten Hexe war rau. Sie musste lange nicht mehr gesprochen haben.
    Arin rutschte nervös in seinem Sessel herum. „Ja“, sagte er. „Wir haben nicht viel Zeit.“
    „Jaja. Die Jugend von heute hat es immer eilig.“ Murmelnd stützte sich die Hexe auf einen improvisierten dicken Stock und humpelte langsam in den Gang hinaus.
    Arins Herz klopfte.
    Ein paar Minuten später erschien die alte Hexe wieder gebeugt wie vorher in der Tür. Was hatte sie jetzt so dringend zu erledigen gehabt?
    „Komm mit.“
    Folgsam ließ sich Arin in einen anderen kleinen Raum führen. Er diente wohl eher als Rumpelkammer denn als Esszimmer.
    „Da.“ Die alte Hexe deutete schwankend auf einen Karton auf dem höchsten Brett eines Regals. „Hol mir das runter.“
    „Wozu brauchen wir den denn?“
    „Mach einfach.“

    Als Arin den Karton auf den wackeligen Tisch zurück im Wohnzimmer gehievt hatte, wischte die alte Hexe kurz darüber, um die dicke Staubschicht zu lösen, und klappte ihn dann auf. „Ohne Kristallkugel geht gar nichts“, kicherte sie. Es klang unheimlich, fast schon so, als hätte die Alte nicht mehr alle Tassen im Schrank.
    Unsicher beobachtete Arin, wie die Hexe unter Anstrengungen eine große milchige Kugel aus dem Karton zog und polternd auf dem Tisch ablegte.
    „Und darin werden Sie jetzt die Zukunft sehen?“
    „Kein Grund, gleich so zweifelnd zu klingen“, ächzte die Hexe.
    „Aber ist das wirklich jetzt nötig?“
    Aus runzeligen Augen sah die Hexe Arin an. „Ritual ist Ritual“, sagte sie. „Das macht meine Familie eben so.“
    Also nein. Innerlich stöhnend lehnte Arin sich schlapp im Sessel zurück. „Die Zeit rennt uns gerade wirklich davon.“
    „Jaja.“

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    Kapitel 2

    „Also was willst du wissen?“ Die Hände der Hexe kreisten über der Kristallkugel.
    Arin setzte sich rasch aufrecht hin.
    „Was passiert da gerade in der Stadt?“
    Die Hexe blickte auf. „Die Hülle“, sagte sie unheilvoll. „Sie bekommt immer größere Löcher. Risse.“
    „Welche Hülle?“ Zitternd beobachtete Arin die Alte. Was meinte sie damit?
    „Die Hülle!“ Die Augen der Hexe weiteten sich, ihre Stimme glich nun der eines verrückten Psychos. „Die Natur!“
    Verständnislos starrte Arin die alte Frau an. „Die Natur bekommt Risse?“
    „Sprechbildlich, du Dummerchen! Die Natur ist die Hülle, der Himmel!“
    „Das verstehe ich nicht ganz“, sagte Arin. „Aber ist ja auch egal. Wie können wir das stoppen?“
    Die Alte widmete sich wieder ihrer Kugel, fuhr murmelnd mit ihrer faltigen Hand darüber. Arin stöhnte leise. Dann sah ihn die Hexe wieder direkt an. „Glühwürmchen.“
    „Glühwürmchen? Was heißt das jetzt schon wieder?“
    Seufzend warf die alte Hexe das lilafarbene quadratische Tuch, das auf dem Tisch gelegen hatte, über ihre Kristallkugel. „Ich sehe … wir müssen ganz von vorne anfangen …“
    Arin schnappte nach Luft. Sollte das jetzt eine Beleidigung sein?
    „Halt den Mund und hör zu!“, fuhr ihn die Alte unwirsch an. „Was ich jetzt sage, sage ich nur einmal. Kapiert?“
    Arin nickte.
    „Also … Vor langer langer Zeit erschuf Gott die Welt … - Ich nehme an, du kennst diese Geschichte?“
    Arin nickte erneut.
    „Gut. Also Gott erschuf die Welt. Die Atmosphäre hatte dabei nicht nur die Aufgabe, gefährliche Strahlungen der Sonne zu dämpfen. Nein, sie hielt die Welt zusammen. Sie war die Hülle. Der Himmel. Die Natur. Und auch den Glühwürmchen trug Gott etwas wichtiges auf. Sie repräsentierten die Natur. Die Sterne. Und sie waren die Wächter der Hülle.
    Die ersten Jahrtausende lang war alles okay. Aber dann kam der Mensch und zerstörte alles. - Mit „alles“ ist die Natur gemeint. - Indem er, der Mensch, ihr, der Natur, den Lebensraum nahm, schränkte er sie ein. Und dadurch wurden auch die Glühwürmchen weniger. - Du musst wissen: Die Glühwürmchen und die Natur wurden von Gott verbunden, sie brauchen sich gegenseitig. - Dadurch wurden wiederum die Sterne weniger, die Hülle wurde weniger stark bewacht. Und auch sie wurde dadurch schwächer, bekam Risse. Dass keine Sterne mehr am Himmel sind, liegt auch daran, dass es weniger Glühwürmchen gibt. Und irgendwann - sehr bald wahrscheinlich - wird die Hülle in sich zusammenfallen. Und die Erde zerstören.“

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    Kapitel 3

    So langsam drang die Erkenntnis in Arin vor. Wenn er sich nicht beeilte, würde das den Weltuntergang bedeuten.
    Würde nur noch die unendliche Finsternis übrigbleiben. Der Schatten dessen, was einst die glitzernde Schönheit des Himmels war. All die Sterne, Wege in andere Galaxien. Sie wären auf immer versunken, verloren. Unerreichbar.
    Arin hatte seine Kapuze wieder tief ins Gesicht gezogen und hielt den Kopf gesenkt, um sich vor dem eisigen Wind zu schützen. Was hatte die Hexe gleich noch gesagt? Es braucht mehr Glühwürmchen. Mehr freie Natur.
    „Ich muss es schaffen“, knurrte Arin entschlossen. „Ich muss!“
    Den nächsten Schritt setzte er auf weichen Waldboden. Sofort umfing ihn dieses Gefühl der Geborgenheit. Der Wärme.
    Arin blickte auf, klappte die Kapuze wieder zurück. Die dichten Kronen der Bäume hielten den Regen praktischerweise gut ab.
    „Jetzt mach schon!“, trieb sich Arin selbst an. Seine Schritte beschleunigten sich, seine Augen warteten auf die geringste Bewegung, das leistete Leuchten eines Glühwürmchens.
    Eine gefühlte Ewigkeit sah er nur schwarz. Aber dann huschte ein kleiner leuchtender Punkt vor seinem Auge durch den Wald.
    Eine kribbelnde Gänsehaut auf dem Rücken folgte er dem Glühwürmchen.
    Sein Weg führte ihn über moosigen, unebenen Waldboden, wurde erschwert von Wurzeln, dick wie Pythonschlangen.
    Arin stöhnte leise, doch als er den Kopf wieder hob, sah er sie. Die Lichtung, die erfüllt war mit dem Funkeln der kleinen Tiere. „Wow …“
    Das Licht der Glühwürmchen ließ die Luft leise flimmern, verbreitete überall diesen magischen Glanz, die überwältigende Atmosphäre.
    Ergriffen sah Arin sich um. „Die Wächter der Hülle …“, flüsterte er andächtig.

    Aber dann geschah es. Zuerst ploppte es nur vereinzelt, nicht wirklich auffallend, aber dann kam Arin nicht mehr hinterher. Rasend schnell löste sich ein Glühwürmchen nach dem anderen mit leisen Geräuschen wie von tausend kleinen Explosionen in Luft auf.
    Erschrocken riss Arin die Augen auf, blieb in seiner Starre. „Was passiert hier?“ Er flüsterte es panisch und seine Stimme klang viel zu hoch. Was ging hier ab? Verdammt! Aus seinem Mund drang nur noch leises verzweifeltes Quietschen.
    Was sollte er tun? Was bedeutete das?

    Und schon im nächsten Moment explodierte die Welt vor seinen Augen. Allumfassende Dunkelheit zog sich blitzschnell über den Himmel, verschluckte Bäume, Häuser, Gräser. Einfach alles.
    Licht, Geräusche, Gefühle. Gedanken.
    Es war zu spät.
    Das war Arins letzter Gedanke.
    Denn das hier war er. Er war gekommen. Der Weltuntergang.

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    Nachwort

    Jup, das war meine Geschichte ^^
    Also ich hoffe, sie hat euch einigermaßen gefallen und … ja 😅
    Die Botschaft in dieser Story ist … vielleicht etwas versteckter. Wie auch inhaltlich schon kurz erklärt, habe ich die Glühwürmchen die Natur repräsentieren lassen, gleichzeitig die Sterne und Wächter der Hülle. Also die Wächter der Natur, um es kurz auszudrücken. Die Hülle steht somit also auch in einer Verbindung mit der Natur.
    Was ich damit sagen will: Die Welt braucht die Natur. Und wenn der Mensch zu viel davon zerstört, zerbröckelt sie. Die Hülle klappt in sich zusammen und dann kann auch die Welt nicht mehr überleben.

    Ja, möglicherweise etwas zu sprechbildlich 😂 Aber die Nachricht dahinter ist: Schützt die Umwelt, verdammt! Schon Kleinigkeiten helfen und jeder ist wichtig dafür!

    Und ja, das ist alles, was ich sagen wollte 😅
    Ich freue mich darauf, in den Kommentaren noch einmal von euch zu hören 🙃
    Eure Luna 🦋💫🍀

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