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Die Statistik vom Quiz

Wild heart, soft spirit, sweet soul - Welchem Gryffindor gehört dein Herz?

29.13 % der User hatten die Auswertung: Dein Name ist Victoria Wright und du lebst mit deiner Mutter in der Nähe von London, auf einer kleinen Insel namens East Mersea in Colchester. Gemeinsam mit deiner Mutter und deiner Großmutter betreibst du eine magische Gärtnerei. Deine Geschichte beginnt, als die Schlacht um Hogwarts bereits 4 Jahre in der Vergangenheit liegt. Der Alltag ist in die Zaubererwelt zurückgekehrt, was auch in eurem kleinen Geschäft deutlich zu spüren ist. Jeden Tag strömen Hexen und Zauberer auf euren Hof, bestaunen eure Klassiker und Kuriositäten und decken sich mit den neuesten Pflanzen für ihre Gärten ein. Während deine Mutter sich hauptsächlich um die Aufzucht und den Verkauf neuer Pflanzen kümmert, planen deine Großmutter und du auch die Blumendeko für Familienfeste, größtenteils natürlich für Hochzeiten. „Vicky, kannst du mir hier vorne kurz zur Hand gehen?“ „Klar, Mum.“ Eilig bedecke ich noch die letzte frisch umgetopfte Alraune mit etwas Erde und gehe dann zu meiner Mutter an die Kasse. Eine kleine Schlange hat sich gebildet und ich erkenne auch gleich den Grund. Vorne am Tresen steht meine Mutter. Zusammen mit Luna Lovegood versucht sie mit Leibeskräften, eine halbstarke peitschende Weide in ihren Transportkarton zu bugsieren. Die Weide, die Luna sich ausgesucht hat, ist bereits groß und kräftig. Eigentlich Eigenschaften, die man sich für einen jungen Baum wünschen würde, aber die Weide schlägt mit ihren knotigen Ästen immer wieder um sich und versucht, sich aus ihrem Karton zu befreien. Beherzt greife ich nach den zwei größten Ästen und zu dritt gelingt es uns schließlich, den Deckel zu schließen. „Danke, Vicky.“ Luna zupft mir ein Weidenblatt aus meinen blonden Haaren. Ich lächele. „Keine Ursache. Wie schön, dich zu sehen.“ Genau wie Luna auch war ich zu meinen Schulzeiten in Ravenclaw. Bereits seit unserem ersten Tag in Hogwarts sind wir unzertrennlich und auch wenn wir uns mittlerweile nicht mehr jeden Tag sehen können, so ist sie doch meine beste Freundin. Gemeinsam tragen wir die peitschende Weide zum Parkplatz, wo Lunas Freund bereits wartet. „Warum kommt er so selten mit in den Laden?“, frage ich meine Freundin neugierig. Luna zuckt nur mit den Schultern und lächelt versonnen. „Große Menschenansammlungen machen ihm Angst. Er interessiert sich mehr für magische Kreaturen, weißt du.“ Ich grinse. „Da hast du ja Glück, dass er für dich eine Ausnahme macht.“ „Was denkst du, wie die Hochzeit auf Malfoy Manor am Wochenende werden wird?“, fragt sie unvermittelt, während ihr Freund den magisch vergrößerten Kofferraum öffnet. „Ugh, erinner mich bitte nicht daran!“, stöhne ich. „Warum das nicht?“; Rolf Scamander, Lunas Freund, schaut mich irritiert an. „Ich dachte, du magst Hochzeiten.“ „Ich liebe Hochzeiten.“, seufze ich, „aber-“ „Aber Vicky kann das Brautpaar und seine Freunde nicht ausstehen. Es stimmt, aber sie ist nur zu höflich, um einen Auftrag deshalb abzulehnen.“, spricht Luna meine Gedanken laut aus. „Wie auch immer,“, fährt Luna jetzt lächelnd fort, „Es war schön, dich zu sehen. Und ich bin mir sicher, das Wochenende wird etwas Gutes für dich bereithalten. Die Doxys in eurem Garten haben es mir gesagt.“ „Eh – klar.“ Mittlerweile kenne ich meine Freundin gut genug, um zu wissen, dass sie wahrscheinlich Recht hatte. Aber auch gut genug, um zu wissen, dass weitere Nachfragen bei ihr keineswegs für mehr Klarheit sorgen würden. Also umarme ich sie zum Abschied und laufe zurück zur Gärtnerei. Genervt versuche ich, die Gedanken an die bevorstehende Hochzeit bei Seite zu schieben. Doch allein der Gedanke an diese arrogante, überkandidelte Sippschaft schlägt mir auf den Magen. Während ich das Brautpaar selbst einfach nur furchtbar unsympathisch finde, missfällt mir die Vorstellung, Blaise Zabini dort zu treffen doch sehr. Es war zwar schon fast 4 Jahre her, aber kurz nach der Schlacht hatte ich eine Weile viel Zeit mit ihm verbracht und eine Zeit lang tatsächlich geglaubt, er hätte ernsthaftes Interesse an mir gehabt. Kurz bevor ich ihn hatte fragen wollen, ob er mich nicht einmal zu meiner Mutter und meiner Großmutter begleiten wollte, hatte ich ihn im Bett erwischt mit seiner 'besten Freundin'. Von meinem gebrochenen Herzen mal abgesehen – das alles hatte mich auch in meinem Stolz unheimlich gekränkt und ich hatte mir von diesem Tag an geschworen, mein Herz nur noch an Pflanzen und Tiere, statt an Männern zu hängen – zumindest für's Erste. „Vicky, Liebes – hast du die Ranunkeln und die Pfingstrosen gesehen? Ich hätte schwören können-“ „Keine Sorge, Grandma – alles schon verladen und bereit für morgen.“, beruhige ich meine Großmutter. Sie lächelt erleichtert und fährt sich durch das graue Haar. Schon seit ich mich erinnern kann, trägt sie es in einem langen, geflochtenen Zopf, der ihr über die Schulter fällt. „Dann machen wir Schluss für heute, würde ich sagen.“ Mit einem Schlenker ihres Zauberstabes verschließt sie die Gewächshäuser. „Morgen wird ein langer Tag.“ Ich nicke und stibitze mir noch einen Zweig Baldrian aus dem Beet neben mir. Ein kleines bisschen Hilfe zu Einschlafen würde heute sicher nicht schaden. *** Es ist Samstagmorgen, 6:00 Uhr und ich sitze bereits neben meiner Großmutter in unserem Lieferwagen. Unsere Ladefläche ist gefüllt mit den schönsten Blumen, die der Frühling zu bieten hat und ich ärgere mich ein wenig, dass wir sie alle nur für diesen einen Tag – und dann auch noch für diese Leute – hatten abschneiden müssen. Die Sonne schiebt sich langsam zwischen den sanft geschwungenen Hügeln hindurch, als ich die lange Einfahrt zu Anwesen der Malfoys entdecke. Bedrohlich lehnt sich der schwarze Zaun, eingerahmt von weiß gekalkten Ziegeln gegen die hohen Bäume, hinter denen sich Malfoy Manor verbirgt. Ein schlaksiger Mann in einem schwarzen Anzug stoppt mit einer Handbewegung unser Auto. Meine Großmutter kurbelt die Scheibe herunter. „Name?“, fragt der Mann mit schnarrender Stimme. Meine Großmutter hebt überrascht die Augenbrauen. „Hatty Wright“ „Und was ist ihr Anliegen?“ „Falls Ihnen die Blumen auf der Ladefläche und die Aufschrift mit 'Wir liefern die Blumen für ihre Familienfeier!' auf dem Auto nicht aufgefallen sind – wir liefern die Blumen für die Hochzeit.“, fauche ich etwas genervter als beabsichtigt. Der Mann schaut unbeeindruckt auf sein Klemmbrett. Schließlich setzt er ein Häkchen und antwortet mit zusammengekniffenen Lippen: „Durchfahren bis zum Haupthaus, der Trauzeuge wird Sie dort in Empfang nehmen.“ „Danke.“ Meine Oma lächelt ihn an und wir setzen unseren Weg fort. „Es ist nur ein Tag.“, meint sie dann aufmunternd an mich gewandt. „Und sie bezahlen sehr gut.“ „Ich weiß.“, stöhne ich, „Aber das ändert nichts daran, dass ich ausnahmslos alle Leute hier absolut abstoßend finde.“ „Fokus auf die Blumen, Liebes. Und vielleicht findest du nicht alle Menschen hier so abstoßend.“, fügt sie mit einem Augenzwinkern hinzu, als wir vor der weiß gekalkten Villa der Malfoys halten. Ich verschränke die Arme vor der Brust und schaue sie zweifelnd an. „Vic, was für eine Überraschung!“, höre ich plötzlich eine sanfte Stimme hinter mir. Mein Magen zieht sich zusammen und ich hätte fast eine Kiste mit Ranunkeln fallen gelassen. „Sind sie der Trauzeuge?“, höre ich meine Großmutter fragen. „Oh ja! Wie schön, dass sie die Blumen bringen. Aber ich habe gar nicht gewusst, dass Vic jetzt mit ihrer Mutter die Hochzeiten ausrichtet.“ „Ach, sie schmeicheln mir junger Mann! Ich bin aber Vickys Großmutter, Hatty.“ Ganz langsam drehe ich mich um und riskiere einen Blick über meine Schulter. Da steht er, den Kopf abwartend in den Nacken gelegt, die weißen Hemdärmel hochgerollt und lächelt mich mit strahlenden Augen an – Blaise. „Blaise.“ Ich nicke knapp. „Wo sollen wir die Pfingstrosen aufstellen?“ „Oh.“ Ein neugieriges Lächeln huscht über das Gesicht meiner Großmutter. „Vicky, kümmerst du dich mit dem jungen Mann hier darum, die Blumen ins Haus zu bringen? Ich hole noch jemanden vorne am Eingang ab. Wir können heute alle helfenden Hände gebrauchen. Summend und mit schwingenden Händen geht sie wieder zurück zum Eingangstor. „Hier.“ Ich drücke Blaise eine Kiste in die Hand und greife mir dann selbst eine. „Wohin damit?“ Blaise lächelt mich gewinnend an. „Mir nach, Lady.“ Während wir durch die übergroße Eingangshalle und den Salon auf die marmorierte Terrasse laufen, frage ich mich, ob Blaise sein Gedächtnis verloren hatte oder ob er wirklich glaubte, ich würde noch irgendetwas mit ihm zu tun haben wollen. Schweigend tragen wir Kiste für Kiste auf die Terrasse. Ich spüre Blaises Blick in meinem Rücken, als ich ein letztes Mal zurück zum Transporter laufe. „Hey Oma!“, rufe ich erleichtert, als du den grauen Zopf meiner Oma hinter der offenen Autotür entdecke. „Unser Freund vom Eingangstor hatte ein paar Probleme, unseren Kollegen zu identifizieren.“, kichert sie. Dann taucht eine Gestalt hinter dem Lieferwagen auf, schwer beladen mit Tischdecken und Blumenvasen. „Warte, ich nehme dir was ab.“, erwidere ich schnell und greifst nach der obersten Kiste. Voller Überraschung schaue ich plötzlich in ein paar grüne Augen, die mich dankbar anlächeln. Seine kurzen dunkelbraunen Haare streicht er sich mit einer schnellen Handbewegung aus der Stirn. Mein Atem stockt, als ich erkenne, wen ich da vor mir habe. „Neville!“, rufe ich verblüfft. Auch wenn ich in der Schule nur ein Jahr unter ihm gewesen bin, hatte ich ihn immer als schlaksigen, etwas tollpatschigen und schüchternen Typen in Erinnerung gehabt – aber der Mann, der hier vor mir stand, hatte nichts mehr mit meiner Erinnerung zu tun. „Hi.“, erwidert er doch etwas schüchtern. „Lange nicht gesehen, was?“ „Eine Weile, ja. Komm, ich zeig dir, wo die Blumen hin müssen.“ Damit keine peinliche Stille entsteht, laufe ich einfach los, zurück auf die Terrasse. „Geschafft.“ Lächelnd stelle ich die letzte Kiste auf einen der Tische. Neville lehnt sich an die Tischkante und lächelt ebenfalls. „Was kommt als nächstes?“ Noch bevor ich antworten kann, taucht Blaise plötzlich wieder neben mir auf. „Ich denke, ich muss dir Vic für einen Augenblick entführen.“ „Ich denke nicht.“ Genervt schlage ich seine Hand weg, die er gerade auf meine Schulter legen wollte. „Hey, ich habe eine Überraschung für dich – das willst du dir sicher nicht entgehen lassen.“ „Ich arbeite!“, fauche ich. „Falls es also nichts mit der Blumendeko zu tun hat, lass mich jetzt bitte in Ruhe.“ Beleidigt verschwindet Blaise in dem parkartig angelegten Garten. „Was war das denn?“, fragt Neville belustigt. Ich winke ab. „Ein wandelnder Fehler auf zwei Beinen – bitte verurteil mich nicht, ja?“ Er lacht und wir beginnen, die Blumen auf den runden Tischen zu arrangieren. Auch meine Oma ist inzwischen wieder zu uns gestoßen und auch ihr entgeht nicht, dass mein Blick immer wieder zu Neville wandert, der gedankenverloren die Pfingstrosen und Ranunkeln in den Vasen verteilt und dabei jede Blume so vorsichtig und liebevoll behandelt, als wäre sie ein zerbrechliches Küken. Irgendwann sind wir fertig und meine Großmutter stützt zufrieden die Hände in die Hüften. „Ich werde jetzt der Braut ihren Strauß und dem Bräutigam seinen Anstecker überreichen – ihr beiden kümmert euch um die Anstecker für die Brautjungfern und die engen Freunde des Bräutigams.“ Mit diesen Worten drückt meine Großmutter uns eine große Holzkiste in die Hände und verschwindet dann wieder im Haus. Neville schaut irritiert auf die bis zum Rand mit Blumenansteckern gefüllte Kiste in seinen Händen. „Ich dachte immer, Brautjungfern sind die engsten Freundinnen der Braut.“ „Ich glaube, Leute wie die Malfoys haben eine andere Definition von 'enge Freunde'.“, meine ich achselzuckend und Neville huscht ein Grinsen über sein Gesicht. Dann kommt auch schon eine ganze Schar festlich gekleideter Menschen aus dem Haus geströmt und stellt sich in einer Schlange vor unserem Tisch auf. Ich erkenne Pansy Parkinson, Tracey Davis, Astorias Schwester Daphne und weiter hinten auch Adrian Pucey und Marcus Flint. Nicht zum ersten Mal an diesem Tag denke ich mir, dass es Verschwendung ist, so schöne Blumen an solche Leute zu geben. Die Hochzeitsgäste treten immer paarweise vor unseren kleinen Tisch und mit Hilfe unserer Zauberstäbe befestigen wir die Anstecker an den Sakkos und Kleidern. Schließlich ist auch der letzte Stecker verteilt und alle verteilen sich wieder Häppchen futternd und Champagner schlürfend im Garten. „Das wäre geschafft.“ Neville lässt erleichtert den Zauberstab sinken. „Wieso bist du eigentlich hier?“, frage ich jetzt unvermittelt. Dann füge ich noch schnell hinzu: „Also nicht, dass ich mich nicht freuen würde, aber – na ja, ich wusste nicht, dass du Gärtner geworden bist.“ Neville fährt sich durch die Haare und grinst. „Bin ich auch nicht. Aber das Studium zahlt sich ja nicht von selbst und meine Grandma ist der Meinung, dass ich 'was vernünftiges' hätte lernen sollen, also gibt’s auch keine Unterstützung von ihr.“ „Was studierst du denn so Unvernünftiges? Wahrsagen?“ Jetzt lacht er. „Nee – Kräuterkunde. Ich will in Hogwarts unterrichten, wenn ich fertig bin.“ Ich schaue ihn erstaunt an. „Also wenn Lehrer kein vernünftiger Beruf ist, dann weiß ich auch nicht.“ „Na ja – Grandma wollte schon immer, dass ich mehr so bin, wie meine Eltern. Also ist eigentlich jeder Beruf, der nichts mit dem Auror sein zu tun hat, unvernünftig.“ Neville lächelt noch immer, aber seine Stimme verrät, dass er gekränkt sein muss. Ich verschränke verärgert die Arme vor der Brust. „Entschuldige, aber wenn ich mich richtig erinnere, hast du in der Schlacht von Hogwarts der verdammten Schlange von Voldemort den Kopf abgeschlagen und so mal eben unsere gesamte Welt gerettet. Also – und das meine ich echt Ernst – ist deine Oma noch bei Verstand?“ „Manchmal frage ich, ob sie das jemals gewesen ist.“, antwortet Neville jetzt etwas leiser, denn mit meiner Schimpftirade habe ich ungewollt die Aufmerksamkeit auf uns gezogen. „Aber das ist schon okay. Ihr bezahlt mich gut, da kann man angenehm von leben.“, fügt er jetzt lachend hinzu und lehnt sich an die Tischkante. Ich stelle mich neben ihn und gemeinsam beobachten wir die Partygäste eine Weile. Verstohlen schaue ich ihn von der Seite an und frage mich, warum ich mich zu Schulzeiten nie getraut hatte, ihn anzusprechen. Dann fällt mir aber wieder ein, dass ich mich schon in der Schule eher für Pflanzen und Tiere als für andere Menschen interessiert hatte – Blaise Zabini war eben ein fataler Fehler gewesen. Neville bemerkt jetzt meinen Blick und schaut mich interessiert an. Schnell, sag irgendetwas Gutes, Vicky, denke ich mir. „Wie geht’s eigentlich Hannah?“, frage ich dann und ärgere mich gleich über mich selbst. Luna hatte vor einer Weile erwähnt, dass Neville kurz nach der Schule mit Hannah zusammengekommen war. Er zieht erstaunt die Augenbrauen hoch. „Keine Ahnung.“, gibt er zu. „Oh!“, erwidere ich erstaunt. „Luna hat erzählt, dass ihr euch eine Wohnung suchen wolltet.“ „Ja... Nein. Sagen wir, was Blaise für dich ist, ist Hannah für mich.“ Neville grinst und macht eine wegwerfende Handbewegung. Ich freue mich insgeheim natürlich sehr, antworte aber betont gelassen: „Jeder macht mal Fehler. Ich hol uns mal was zu trinken.“ An der Bar treffe ich auch meine Großmutter, die sich gerade ein Glas funkelnden Blubbersaft genehmigt. „Vicky, Liebes – amüsierst du dich?“, fragst sie und zieht ihre Augenbrauen verschwörerisch nach oben. „Oma!“, rufe ich verlegen und hoffe, dass meine roten Wangen nicht allzu sehr auffallen. „Ich frag ja nur.“ Meine Großmutter schlürft lächelnd an ihrem Cocktail. Ich schaue zuerst in die Getränkekarte und dann zweifelnd zur Barfrau. „Was darf ich dir bringen?“, fragt sie betont freundlich. „Habt ihr Bier?“, frage ich wenig hoffnungsvoll. Das Mädchen schüttelt lachend den Kopf. „Nein, tut mir leid.“ Genervt rolle ich mit den Augen. „Okay, dann irgendetwas anderes mit Alkohol – außer Champagner?“ „Wir haben Otter's Fizzy Orange Juice – also Orangensaft mit Sekt.“ Sie kichert und murmelt noch irgendetwas davon, wie abgehoben die Brautleute in ihren Augen waren. „Dann hätte ich gern zwei davon.“, erwidere ich. Die Sonne steht inzwischen schon recht tief und verteilt ihr goldenes Licht im Garten. Auf der Suche nach Neville kommen mir immer mehr Leute entgegen, unter ihnen auch Blaise und Theodore. „Hey Vic, wohin willst du denn?“, fragt Blaise und stellt sich mir in den Weg. „Wüsste nicht, was dich das angeht.“, antworte ich knapp und umklammere die Gläser in meiner Hand. „Die Trauung beginnt jeden Moment.“, erklärt Theo jetzt. „Würde ich mir an deiner Stelle nicht entgehen lassen – dann siehst du noch einmal, was dir entgeht, weil du Blaise wegen so einer Kleinigkeit hast sitzen lassen.“ „Hey, da bist du ja!“, höre ich plötzlich die Stimme von Neville an meinem Ohr. Sanft, aber bestimmt nimmt er mir das Glas aus der Hand, mit dem ich gerade auf Theo gezielt hatte. Blaise verzieht sein Gesicht zu einem spöttischen Grinsen. „Mein Gott, ich wusste ja, dass du niemand besseren als mich finden kannst, aber dass du so tief sinken kannst-“ „Du erbärm-“ „Komm Vicky,“ Neville legt eine Hand auf meine Schulter und dreht mich von den beiden weg. „Wir wollen doch nicht, dass der Trauzeuge und der Mann mit den Ringen zu spät zur Trauung kommen.“ Blaise wirft einen hektischen Blick auf seine absurd große Armbanduhr, dann entfernen er und Theo sich mit zügigen Schritten. „Wie kannst du da so ruhig bleiben?“ Ich schaue Neville fassungslos an. Er lacht. „Ich raste doch auf der Arbeit nicht aus, wenn meine Chefin neben mir steht.“ „Ach spinn doch nicht!“ Ich piekse ihm spielerisch in die Seite. Gemeinsam schlendern wir im Schutz der großen Bäume am Rand des Grundstücks entlang und nähern uns langsam dem pompösen Traubogen, vor dem sich schon unzählige Gäste versammelt haben. Während ein Teil von mir mehr als glücklich ist, Zeit allein mit Neville zu verbringen, überlege ich auch die ganze Zeit, ob er mich eben gerade in die sprichwörtliche Friendzone – oder eher Workzone – gesteckt hatte. Schließlich erreichen wir die Gruppe der wartenden Hochzeitsgäste, bleiben aber im Schutz der Bäume stehen. Mit Jeans und Top fühle ich mich nämlich so absolut gar nicht passend angezogen für diese Gesellschaft. Plötzlich ist es so weit und Astoria taucht am Anfang des über und über mit Blumen und Feen geschmückten Ganges auf. Dracos Gesicht, das die ganze Zeit zur sprichwörtlichen Faust geballt gewesen war, erhellt sich augenblicklich. „Weißt du, ich kann die beiden ja echt nicht sonderlich gut leiden, aber-“, beginne ich mit Blick auf die Zeremonie. „Aber ich glaube, die beiden würden das ganze hier lieber allein durchziehen, ohne das ganze Gefolge hier.“, beendet Neville meine Gedanken. Ich schaue ihn verstohlen an. Nicht nur, dass er so unverschämt gut aussah – er konnte augenscheinlich auch noch Gedanken lesen. Neville bemerkt meinen Blick und grinst. „Aber bei aller Abneigung musst du zugeben, dass die beiden echt klasse aussehen.“ „Hm,“, ich runzele die Stirn. „schön ja, aber Draco war noch nie so mein Typ, nicht mal äußerlich.“ „Was ist denn dein Typ?“ „Was?“ Mir wird plötzlich ganz heiß und ich nehme hastig einen Schluck aus meinem Sektglas. Nevilles Ohren verfärben sich rosa und auch er schaut verlegen in sein Glas. „Na ja,“, meine ich dann gedehnt, während sich das Sektkribbeln bis in meine Fingerspitzen ausbreitet. „Malfoy auf jeden Fall nicht. Ich stehe mehr Männer, die auch mal ihre Gefühle zeigen können, ohne vorher ihren Vater um Erlaubnis zu fragen. Die wissen, was sie vom Leben wollen. Und dunkle Haare mag ich auch.“ Wie ein Wasserfall sind die Worte aus mir herausgesprudelt und mir wird schlagartig klar, dass alles, was ich gerade gesagt habe, auf Neville zutrifft. Ihm ist das anscheinend auch aufgefallen, denn sein ganzes Gesicht leuchtet jetzt vor Verlegenheit. „Oh.“, macht er nur, senkt den Blick und stürzt den Rest seines Drinks hinunter. Weil wir anscheinend beide genau gleich wenig Talent im Flirten haben, nehme ich ihm kurzerhand das leere Glas aus der Hand, um Nachschub zu holen. Am Tresen taucht plötzlich meine Oma auf und schaut mich interessiert an. „Läuft alles nach Plan?“, fragt sie und kann nur schwer ein erwartungsvolles Grinsen unterdrücken. Ich bestelle dieses Mal zwei große Gläser Feuerwhiskey und antworte dann: „Ja, alle Blumen sind verteilt, wir sind so weit fertig.“ Meine Oma schaut von den Whiskygläsern zu mir. „Ich spreche nicht von den Blumen.“ Ich kneife die Lippen zusammen und krame umständlich in meiner Tasche umher. „Ich lasse die Hintertür heute Nacht auf – falls ihr nach Hause apparieren wollt.“ „Mensch, Oma!“ Ich reiße entsetzt die Augen auf. „Als ob ich ein erstes Date nachts zu dir und Mama mit nach Hause bringen würde!“ Meine Oma greift nach ihrem Glas Giggelwasser und flötet: „Ich wollte eigentlich damit sagen, dass der nette junge Mann für die Zeit, in der er für uns arbeitet, das Gästezimmer beziehen kann, aber du kannst ihn natürlich auch als 'Date' mit nach Hause bringen.“ Mit einem Kichern und einem Augenzwinkern lässt sie mich verdutzt stehen. Kopfschüttelnd greife ich nach den Gläsern und will mich gerade umdrehen, da laufe ich prompt in jemanden hinein. „Wollte nur sichergehen, dass Zabini dich nicht verschleppt hat.“ Neville nimmt mir grinsend ein Whiskeyglas ab. „Auch gut.“ Ich zucke grinsend mit den Schultern. „Dann ist der Weg zum Nachschub nicht so weit.“ *** „Wir sollten jetzt wirklich ins Bett gehen.“, flüstert Neville mir zu und legt schwankend einen Arm um mich. Nur der Mond beleuchtet die Terrasse meines Zuhauses. Im Haus brennt kein Licht mehr. Meine Oma war schon vor Stunden nach Hause gefahren und hatte wie versprochen die kleine Seitentür offen gelassen. Neville und ich hatten uns von der netten Barfrau eine Flasche Feuerwhiskey geben lassen, uns an den Rand des Gartens verzogen, die Party noch eine Weile aus der Entfernung beobachtet und dabei über Gott und die Welt gesprochen. Mit jedem Gläschen Whiskey war mir bewusst geworden, dass ich nur allzu gerne ein richtiges Date mit Neville hätte – Arbeitskollege hin oder her. „Komm mit, die Tür ist offen.“ Mit leicht schwankendem Gang dirigiere ich Neville auf die kleine Holztür zu und schiebe uns beide auf den dunklen Flur. Die Tür fällt hinter uns ins Schloss und Stille umgibt uns. „Dein Zimmer ist hier drüben.“, sage ich, aber mein Tonfall macht es mehr als deutlich, dass ich mir gerade nicht unbedingt wünsche, dass Neville allein in seinem Zimmer verschwinden würde. Ich greife nach seiner Hand und ziehe in zu mir heran. Eine Sekunde lang sieht er mich erstaunt an und ich sehe in seinen Augen, dass er gerade all seinen Mut zusammen nimmt. Dann, als würde er seine Zweifel loswerden wollen, schüttelt er kurz den Kopf, legt eine Hand an meine Wange und küsst mich vorsichtig. Vom Whiskey ermutigt fahre ich mit den Händen durch seine Haare und erwidere den Kuss stürmisch. Er lächelt in den Kuss hinein und lässt sein kariertes Hemd achtlos neben sich zu Boden fallen, ohne sich von mir zu lösen. Gerade will ich einen Schritt nach hinten machen, um ihn unauffällig in mein Zimmer zu lotsen, da geht mit einem scheppernden Geräusch der Topf mit den glitzernden Petunien hinter mir zu Boden. Aufgeschreckt fahren wir auseinander. Etwas außer Atem streiche ich mir die blonden Haare aus der Stirn und schaue Neville abwartend an. Der wird jetzt rot bis an die Ohrenspitzen und zückt seinen Zauberstab. „Ich geh dann mal ins Bett.“, stammelt er, ohne mich anzusehen und fügt den Topf wieder zusammen. „Eeh-“ „Gute Nacht, Vicky!“ Er schaut mich noch einmal kurz an und verschwindet dann mit glühendem Kopf in seinem Zimmer. Mein Kopf fühlt sich plötzlich so schwer an, als würde er gleich zerbrechen. Vollkommen verwirrt schwanke ich in mein eigenes Zimmer, lasse meine Klamotten auf den Boden fallen und lege mich mit weit aufgerissenen Augen ins Bett. Doch noch bevor ich mir ernsthafte Gedanken machen kann, was hier gerade passiert war, senkt sich die Müdigkeit wie ein bleierner Vorhang über mich und lässt mich in einen tiefen, traumlosen Schlaf fallen. *** „Guten Morgen, Liebes!“, ruft meine Mutter mir zu, als ich am nächsten Morgen mit schmerzendem Kopf in die Küche schleiche. „Hi, Mum.“, erwidere ich etwas matt. „Ist noch Tee da?“ „Mit Milch?“ Ich schüttele den Kopf und fürchte, dass selbst der Tee womöglich schon zu viel für meinen Magen sein könnte. Meine Mutter schaut mich besorgt, aber gleichzeitig auch amüsiert an. „Geht's dir nicht gut?“ Ich versuche angestrengt, nicht an den gestrigen Abend, meinen schmerzenden Kopf und meinen rebellierenden Magen zu denken. „Ach... Keine Ahnung, vielleicht hab ich mir die Grippe eingefangen.“ „Die Grippe?“ Meine Mutter grinst mich verschwörerisch über ihre Teetasse hinweg an. Jetzt kommt meine Oma in einem langen geblümten Umhang in die Küche geschwebt und kann ein Kichern nicht unterdrücken, als sie mich sieht. „Na, war der letzte Whiskey schlecht?“ „Oma!“ „Wo hat unser netter Kollege denn letzte Nacht geschlafen?“, fragt meine Mutter neugierig. „Der war ja heute morgen vor mir wach und hat angefangen, die singenden Dahlienzwiebeln in den Gewächshäusern zu pflanzen.“ „In seinem Zimmer, wo sonst.“ Ich starre angestrengt in meinen Tee, als mir etwas klar wird. „Halt, was hat Oma dir erzählt?“ „Gar nichts hab ich erzählt!“ „Nur, dass ihr beiden euch gestern Abend sehr gut verstanden habt.“ Meine Mutter sitzt jetzt mir gegenüber und schaut mich irgendwie anerkennend an. „Kann ich verstehen, als ich noch in deinem Alter gewesen bin, wäre das auch total mein Typ gewesen!“ „Boah, Mama!“ Ich halte mir müde und beschämt die Ohren zu. Meine Oma legt mir aufmunternd die Hand auf die Schulter. „Schäm dich doch nicht, meine Süße. Verliebtheit und Liebe sind ganz wundervolle Dinge, je mehr es davon gibt, desto besser!“ Meine Mutter nickt zustimmend und ich muss unfreiwillig lächeln. „Ihr seid solche Hippies, wisst ihr das?“ „Aber wir haben Recht, nicht wahr?“ Meine Mutter drückt mir einen Kuss auf die Stirn und steht dann auf. „Ugh, können wir das Thema wechseln?“, bitte ich. „Was steht heute auf meiner Liste für die Arbeit?“ Das Gesicht meiner Oma erstrahlt. „Das wird dich freuen – ich habe Neville gesagt, du würdest ihm gleich dabei helfen, die Dahlien zu setzen.“ Als ich meine Oma das sagen höre, wünsche ich mir augenblicklich, wirklich mit einer Grippe im Bett zu liegen. Aber weil ich eine pflichtbewusste Hexe bin, springe ich nach dem Tee unter die Dusche, knote meine Haare in einen Dutt und mache mich auf zu den Gewächshäusern, um diese blöden Dahlien möglichst schnell und ohne peinliche Zwischenfälle in die Erde zu bringen. Bevor ich die halb geöffnete Tür des Gewächshauses erreiche, höre du bereits eine vertraute Stimme, die die verschiedensten Melodien summt. Lächelnd werfe ich einen Blick durch den Türspalt. Neville trägt ein dunkles Shirt und hat die Beine seiner Jeans hochgekrempelt. Mit nackten Füßen läuft er durch die Reihen und setzt sorgsam eine kleine Zwiebel nach der anderen in die Erde. „Meinst du, die können noch mehr Melodien lernen?“, frage ich belustigt und lehne mich an den Türrahmen. Neville schreckt zusammen und fährt zu mir herum. Sofort nimmt sein Gesicht wieder die vertraute rote Färbung an. „Wer weiß...“, meint er achselzuckend und grinst mich an. „Gut geschlafen?“ Mit klopfendem Herzen greife ich mir auch eine Kiste mit Blumenzwiebeln. „Ich hab geschlafen, ja. Über den Rest sprechen wir besser nicht.“ „Verständlich.“ Ein schiefes Lächeln huscht über Nevilles Gesicht und ich widme mich den kleinen, faltigen Gestalten, die da vor mir in der Kiste hocken. Auf den ersten Blick handelte es sich um ganz normale Dahlienzwiebeln, aber bei genauerem Hinsehen konnte man kleine, zerknautschte Gesichter erkennen, die unentwegt die verschiedensten Melodien summten. Ein bisschen stolz bin ich schon, denn diese Dahlien habe ich ganz alleine gezüchtet und bin schon gespannt, was sie wohl singen würden, wenn sie denn ausgewachsen waren. „Was machst du eigentlich heute Nachmittag?“, versuche ich es, als wir auch die letzte Zwiebel in die Erde gebracht habt. Neville schaut mich überrascht an. „Hm... Lernen für die Uni, denke ich. Im Juli sind die Abschlussprüfungen.“ „Oh“ Enttäuscht lasse ich die Schultern sinken. „Wenn ich dir irgendwie helfen kann, sagst du Bescheid, ja?“ Er nickt und ich frage mich, ob der Kuss von gestern Abend wirklich oder doch nur in meinen Träumen passiert ist. Unterhaltungen wie diese werden in den nächsten Tagen zu unserer Routine. Während der Arbeit können wir vollkommen ungezwungen über allerlei botanische Themen sprechen, aber sobald das Gespräch irgendwie [oder durch meine Oma] auf etwas anderes gelenkt wird, verschließt Neville sich schneller als eine Mittagsblume und verzieht sich dann in sein Zimmer, um zu lernen. *** „Ich weiß auch nicht, was ich noch machen soll!“ Ich verschränke trotzig die Arme vor der Brust und schaue in die wilde Blumenwiese, die sich hinter Lunas Haus erschreckt. Wie zur Antwort füllt Luna mein leeres Glas noch einmal mit Wein. „Ich weiß gar nicht, wo dein Problem liegt.“ „Mein Problem ist, dass ich nicht weiß, wo sein Problem ist!“ Energisch nehme ich einen Schluck. „Frag ihn doch.“, schlägt meine Freundin vor. Ich rolle mit den Augen. „Super Idee. 'Hi Neville! Du, ich frag mich schon 'ne ganze Weile: Hatte unser Kuss von neulich eigentlich irgendeine tiefere Bedeutung? Oder sind wir doch nur Arbeitskollegen. Erzähl doch mal, ich bin nämlich echt scheiß verwirrt deswegen!' So ungefähr?“ Luna kichert. „Versuchen kannst du es ja mal. Immerhin scheint alles andere nicht wirklich zu funktionieren, oder?“ „Ja, aber das kann ich doch nicht machen!“ „Wieso nicht?“ Wieso eigentlich nicht, denke ich mir insgeheim aber auch. Immerhin arbeiten wir jetzt schon seit mehreren Wochen zusammen und waren nach unserem wilden Rumgeknutsche auf dem Flur am ersten Abend nicht über die Ebene von guten Kollegen hinausgekommen. „Ja, weißt du was? Ich werd ihn darauf ansprechen.“, sage ich und trinke den letzten Schluck Wein aus. „Ja, super!“ „Einfach geradeheraus.“ „Das ist die richtige Einstellung, Vicky!“, Luna nimmt euphorisch meine Hand. Ich stehe auf und strahle sie an. „Ich appariere jetzt nach Hause und rede mit ihm. Falls es schief geht, bin ich in 10 Minuten wieder da!“ „Was?“ Luna lässt die Hand sinken. Mit einem leisen plopp verschwinde ich und sehe auch Luna nicht mehr, die mir mit einer Mischung aus Bewunderung und Besorgnis nachschaut. Kurze Zeit später tauche ich zwischen unseren Gewächshäusern auf. Sofort erkenne ich Neville, der gedankenverloren die Dahlien gießt, die inzwischen schon kurz vor der Blüte stehen. Ich hole noch einmal tief Luft, dann stoße ich schwungvoll die Tür auf und gehe auf Neville zu. „Vicky, hey!“, begrüßt er mich überrascht. „Ich dachte, du wärst heute Nachmittag bei Luna.“ „Und ich dachte, du lernst für die Uni.“, kontere ich grinsend. Neville lächelt mich ertappt an. „Deine Oma hat mich gefragt, ob ich ihr beim Gießen helfen kann.“ „Ich bin ja auch nicht hier, um deinen Lernfortschritt zu überwachen.“, meine ich versöhnlich. „Sondern?“ Er tritt nervös von einem nackten Fuß auf den anderen. Ich lasse mich auf einen Stapel leerer Kisten neben der Eingangstür fallen und versuche, mein wild klopfendes Herz zu ignorieren. „Ich – na ja, ich hab mich gefragt – also – na neulich abends, nach Malfoys Hochzeit.... Was war das?“, stottere ich und ärgere mich, dass ich keinen besseren Einstieg in das Gespräch gefunden habe. Neville wird erst rot, dann weiß wie ein Gespenst. „Nach der Hochzeit? Ich – äh – was genau, meinst du? Weil -“ Ich beiße mir resigniert auf die Lippe. Wenn er sich nicht einmal daran erinnern konnte, konnte ihm der Kuss ja nicht ansatzweise so viel bedeutet haben wie mir. „Ist auch nicht so wichtig.“, presse ich hervor, als ich merke, wie die Tränen der Enttäuschung sich schon hinter meinen Augen sammeln. „Ich – äh – hab noch was bei Luna vergessen. Werde zum Essen nicht da sein, denke ich.“ Und mit einem letzten Blick auf Nevilles verwirrtes Gesicht disappariere ich, um nur einen Augenblick später wieder auf Lunas Terrasse zu stehen. „Oh, Vicky.“ Meine Freundin lächelt mich sanftmütig an. „Du solltest nicht hier sein.“ „Ach hör bloß auf!“, rufe ich und ein Schluchzer bricht aus mir hervor. „Hey!“ Luna, die um einiges kleiner ist als ich, nimmt mich schnell in den Arm und streichelt meinen Rücken. Während ich mit tränenerstickter Stimme etwas von 'Die sind doch alle gleich-' und anderen Klischees in ihre Schulter schluchze, gibt sie ihrem Freund Rolf mit einer Handbewegung zu verstehen, dass jetzt nicht der richtige Zeitpunkt wäre, um ein Gespräch über magische Pflanzen zur Ablenkung zu beginnen. „Wie konnte ich nur so blöd sein?“ Zum wiederholten Mal putze ich meine rote Nase und wische mir über meine genau so roten Augen. „Na ja,“ Luna dreht eine ihrer blonden Locken um den Zeigefinger. „Das einzige, was man dir vielleicht als 'blöd' auslegen könnte, ist, dass du ihn gar nicht hast ausreden lassen.“ „Luna!“, jaule ich und löse meinen Zopf, denn ich habe schreckliche Kopfschmerzen. „Es ist ja aber so.“ Luna zuckt mit den Schultern. „Aber sieh es mal so, noch ist doch nichts verloren.“ Ich schüttele nur seufzend den Kopf. Plötzlich wird das Rot der untergehenden Sonne von einem gleißend weißen Licht durchbrochen. Ich hebe irritiert den Kopf. Ein Patronus in Gestalt eines leichtfüßigen Luchses schwebt vor uns in der Blumenwiese. Ich erkenne ihn sofort, er gehört meiner Großmutter. „Liebes, komm bitte sofort nach Hause!“, schallt ihre glockenhelle Stimme durch die laue Sommerluft. „Deine Dahlien brauchen dringend deine Hilfe!“ Dann schüttelt der Luchs noch einmal sein langes Fell und verschwindet im Sonnenuntergang. Verwirrt schaue ich von Luna zu dem Luchs, der am Horizont immer kleiner wird. „Worauf wartest du noch?“ Luna schaut mich abwartend an. „Warum sollten die Dahlien mich brauchen? Für gewöhnlich sind sie doch jetzt ganz gut vers-“ „Für gewöhnlich können Dahlien aber auch nicht singen!“, unterbricht meine Freundin mich. „Und jetzt ab mit dir!“ Kopfschüttelnd schließe ich die Augen und appariere zu den Gewächshäusern. Noch viel verwirrter als zuvor schaue ich mich um. Inzwischen beginnt es zu dämmern und unsere scheinbar endlos langen Blumenbeete liegen friedlich im Dunkeln da. Nur ein Gewächshaus ist von unzähligen kleinen Lichtern erfüllt, die in der Dämmerung tanzen. Wie von selbst tragen meine Füße mich zu eben diesem Gewächshaus und ich stecke neugierig den Kopf durch die Tür. Mein Atem stockt und mein Herz macht einen Satz. Drinnen steht Neville, die Arme voller winzig kleiner singender, klingender Bäumchen, die er gewissenhaft zwischen den Dahlien verteilt. Unter der gläsernen Decke schweben unzählige Feen, die den Raum in warmes Licht tauchen. „Neville!“, hauche ich ehrfürchtig. Er schreckt zusammen und schaut mich überrascht an. „Du solltest doch gar nicht hier sein!“ „Also – noch nicht!“, fügt er schnell hinzu und stellt die restlichen Bäumchen in eine Ecke. „Komm rein!“ Seiner Aufforderung folgend betrete ich staunend das Gewächshaus. Die ersten Dahlien summen eine leise Melodie und die Luft ist erfüllt vom hellen Klingen der kleinen Bäumchen. Auf dem Pflanztisch in der Ecke steht ein alter Plattenspieler. „Das ist wunderschön geworden! Aber warum hast du das gemacht?“, frage ich ihn. Neville vergräbt die Hände in den Taschen seiner Jeans. „Na ja – ich habe von jemandem den freundlichen Hinweis bekommen, dass du unser Gespräch heute möglicherweise missverstanden haben könntest – und – wenn wir ehrlich sind, war es auch echt missverständlich-“ „War jemand zufällig meine Oma?“, unterbreche ich ihn grinsend. „Möglicherweise.“ Neville grinst und schwingt kurz seinen Zauberstab. „Bier?“, fragt er lächelnd, als eine grüne Flasche auf mich zuschwebt. „Unbedingt!“ Ohne einen Gedanken an den Wein von heute Nachmittag zu verschwenden, greife ich nach der Flasche, um meine Nervosität in Bier zu ertränken. Mit einem weiteren Schlenker seines Zauberstabs versetzt Neville den Plattenspieler in Bewegung, der einen langsamen Walzer zu spielen beginnt. Ein dusseliges Grinsen breitet sich auf meinem Gesicht aus und ich falle ihm spontan um den Hals. „Tut mir leid, dass ich vorhin einfach abgehauen bin.“, murmele ich kleinlaut in seine Halsbeuge und drückst ihn fester an mich. Ich spüre, dass er ebenfalls über beide Ohren strahlt, als er antwortet: „Mir tut es leid, dass ich mich wochenlang verhalten habe wie ein zwölfjähriger Vollidiot!“ „Oma hat mich nur gefragt, ob du dich immer verhältst wie ein verliebter Schuljunge, oder ob das was besonderes ist.“ Mein Herz schlägt schneller, als ich diese Worte ausspreche. Neville legt seine Arme etwas fester um mich und sagt nur: „Na ja, zumindest fühle ich mich so in deiner Gegenwart.“ Ich kichere. „Wie ein Schuljunge?“ Aber er tritt einen Schritt zurück und schaut mich ernst an. „Nein. Verliebt. Glücklich, sicher, aufgeregt, verwirrt, großartig, als könnte ich auf Wolken laufen -“ Bei jedem Wort kommen sich unsere Gesichter ein kleines Stückchen näher und kurz bevor sich unsere Nasenspitzen berühren, hält er inne. „Verrückt.“, murmele ich und schaue von seinen grünen Augen auf seine Lippen. „Das Selbe wollte ich gerade von dir behaupten.“ Neville öffnet den Mund, um noch etwas zu sagen, aber ich verschließe seine Lippen einfach mit einem langen Kuss. Seine Lippen formen ein Lächeln und er streicht liebevoll über meine Wangen. „Tanzt du gerne?“, fragt er und plötzlich höre ich auch wieder den leisen Walzer, der immer noch aus dem Plattenspieler klingt. Ich nicke. „Nicht gut, aber sehr gerne!“ Neville lacht, legt eine Hand an meine Taille und wiegt mich lächelnd durch die schmalen Gänge des Gewächshauses. Noch stundenlang tanzen wir im schummrigen Licht der schwebenden Feen zu den leisen Tönen des Plattenspielers, der kleinen Bäumchen und der Dahlien. Erst als die ersten Dahlien müde ihre üppigen Blütenköpfe schließen, lassen wir uns auf eine Bank außerhalb des gläsernen Gewächshauses fallen. „Weißt du,“, beginnt Neville, als ich mich mit glücklich glühenden Wangen in seine Armbeuge kuschele. „das hier wollte ich schon machen, seit wir uns bei der Hochzeit so betrunken haben.“ Ich lächele und schlinge die Arme um seinen Brustkorb, der sich langsam hebt und senkt. „Mach dir nichts draus. Vor sechs Wochen wären die Dahlien doch noch längst nicht so schön gewesen wie heute Nacht.“ Gedankenverloren spielt Neville mit meinen Haaren. „Wieso bist du eigentlich noch einmal hergekommen?“ „Oma.“, antworte ich knapp und spüre, wie er lacht. „Aber sie war doch hier.“, stellt er dann fest. „Sie hat ihren Patronus geschickt.“ „Ihren Patronus?“ „Ja.“, ich setzt mich auf und lehne den Kopf an seine Schulter. „Ein Luchs. Luna hat nicht schlecht geguckt, als der in ihrem Garten aufgetaucht ist.“ „Was ist dein Patronus?“, fragt Neville. Ich zücke meinen Zauberstab. „Ein Blauwal. Vielleicht nicht sehr elegant, aber ausgesprochen effektiv. Und deiner?“ Während ich spreche, schwinge ich meinen Zauberstab und aus seiner Spitze steigt ein riesiger, silbrig schimmernder Wal in den Nachthimmel. Friedlich breitet er seine Flossen aus und gleitet lautlos und anmutig durch die Dunkelheit, bis er schließlich im Sternenhimmel verschwindet. Neville schaut dem hellen Licht ehrfürchtig nach, bis wir wieder von Dunkelheit umhüllt sind. „Und was ist jetzt mit dir?“, frage ich erwartungsvoll. Neville schweigt betreten. „Keine Ahnung.“ „Wie, keine Ahnung?“ Er kneift die Lippen zusammen. „Ich hab's halt noch nie geschafft, einen Patronus zu beschwören. Vielleicht fehlen mir einfach die glücklichen Erinnerungen.“ Seine Worte versetzen meinem Herzen einen Stich und ich ziehe ihn fester an mich. „Woran hast du bisher gedacht?“, frage ich leise. Neville schaut mich mit einem schmerzerfüllten Lächeln an. „An meine Eltern. Daran, wie sie wohl gewesen sind, als sie noch gesund waren. Aber dann fällt mir jedes Mal wieder ein, dass sie es nicht sind. Und dass sie es nie wieder werden, egal, was ich mache.“ Weil es nichts gibt, was ich sagen könnte, um diesen Schmerz zu verringern, nehme ich ihn einfach noch ein wenig fester in den Arm. „An was denkst du?“, fragt er plötzlich. „Welcher Gedanke lässt deinen Wal erscheinen?“ Ich streiche ihm beruhigend durch die Haare und denke nach. „Das ist eigentlich nie nur ein Gedanke. Oder zumindest wechselt die Erinnerung öfters mal. Und es ist völlig egal, ob die Erinnerung groß ist oder klein, sie muss dir nur genug bedeuten und du musst in dem Moment einfach vollkommen glücklich gewesen sein. Ich habe eine Zeit lang immer an den Erdbeerkuchen von Mum gedacht. Oder eben, da habe ich daran gedacht, wie wir uns auf der Hochzeit der Malfoys am Waldrand betrunken haben, haha.“ Neville lacht und steht auf. „Meinst du, man kann auch als Erwachsener noch neue Zauber lernen?“ „Logisch!“, ich springe ebenfalls auf. „Die Bewegung des Zauberstabs kennst du, oder? Und dann schließ' einfach die Augen und denk an das Gefühl, dass du in diesem glücklichen Moment hattest. Nur an das Gefühl, an nichts anderes.“ Er schaut mich vertrauensvoll an, hebt seinen Zauberstab und schließt die Augen. „Expecto Patronum.“, flüstere ich. Mein Blauwal wiegt sich wieder sanft über den nächtlichen Sternenhimmel, als Neville ebenfalls murmelt: „Expecto Patronum.“ Ein kleines helles Licht erscheint an der Spitze seines Zauberstabs und er öffnet verunsichert die Augen. „Weiter, lass das Gefühl nicht los!“, ermutige ich ihn und greife nach seiner freien Hand. Er lächelt mich an und drückt meine Hand etwas fester. „Expecto Patronum!“, ruft er jetzt in die Nacht hinaus und aus dem kleinen Schimmer an seinem Zauberstab wird ein Ball aus Licht, aus dem sich vier Beine und ein dicker Schädel formen. Vollkommen fasziniert legt Neville seinen Arm um meine Schulter und hebt seinen Zauberstab in die Höhe. „Neville, das ist ein Braunbär!“, rufe ich begeistert und kann meinen Blick nicht von den beiden Lichtgestalten im Himmel abwenden. „Ein Braunbär!“, flüstert er völlig fassungslos und lässt mich nicht los. „Ein Braunbär! Wenn ich das Mum und Dad erzähle!“ *** Als wir am nächsten Morgen am Frühstückstisch meiner Mutter und meiner Oma gegenübersitzen, bin ich viel zu glücklich und müde, um die unzähligen 'Wir haben es dir ja gleich gesagt' – Anspielungen zu beachten und Neville geht es nicht anders. Unsere singenden Dahlien werden ein absoluter Kassenschlager und sogar Nevilles Oma kann nicht verbergen, dass sie ein bisschen stolz auf ihren Enkel ist. Auch als Neville bereits als Professor in Hogwarts arbeitet, nimmt er sich die Zeit, um jeden Abend nach Hause zu apparieren – sehr zur Freude meiner Mutter und meiner Oma, die seine tatkräftige Unterstützung zu schätzen wissen. Jeden Sonntag besuchen wir seine Eltern im St. Mungo's und bringen ihnen unsere neuesten Pflanzenkreationen mit. Die singenden Dahlien fanden die beiden schon toll, aber heute haben wir einen Topf mit farbwechselnden Astern und schwebenden Rosenbüschen dabei. Aufgeregt betreten wir gemeinsam das Zimmer. Frank kommt uns auf wackeligen Beinen entgegen, während Alice noch auf ihrem Bett am Fenster sitzt und andächtig die Dahlien betrachtet. „Mum, Dad, wir haben euch was mitgebracht.“, begrüßt Neville die beiden mit sanfter Stimme. Frank kommt auf mich zu und schaut mich erwartungsvoll an. „Ich weiß schon Frank, du interessierst dich mehr für alles Essbare.“, grinsend drücke ich ihm einen Beutel bunte Brausedrops in die ausgestreckte Hand. Er lächelt verstohlen und streichelt dankbar meine Hand. Neville ist inzwischen zu seiner Mutter ans Fenster getreten und stellt den üppig bepflanzten Blumentopf auf das Fensterbrett. „Hier Mum, die sind für dich.“ Alice schaut strahlend auf die bunten Blüten. Hektisch durchsucht sie die ausbeulten Taschen ihrer Hose und reicht Neville dann ein kleines silbernes Kaugummipapier – wie immer. Aber heute schiebt Neville ihre Hand sanft, aber bestimmt zurück und winkt mich zu sich heran. „Du wolltest das Geschenk doch heute Vicky geben, schon vergessen, Mum?“ Alice schüttelt schnell den Kopf und macht einen Schritt auf mich zu. „Das ist wirklich lieb, aber du hast ihr doch die Blumen geschenkt.“ Ich schaue Neville verwirrt an. Er räuspert sich und strafft seine Schultern. „Ja, ich weiß und eigentlich machen wir das auch immer so, aber heute-“ Alice streckt erwartungsvoll die Hand mit dem zusammengeknüllten Papier aus und Neville sinkt auf seine Knie hinab. „Aber heute wollte ich dich etwas ganz besonderes fragen und ich wollte, dass diese ganz besonderen Menschen dabei sein können.“ Mein Hals fühlt sich vor Aufregung an wie zugeschnürt und meine Augen wandern immer wieder zwischen Neville und seinen Eltern hin und her. Mit fahrigen Händen greift er nach meiner Hand. „Du bist der erste Mensch, der mich so sieht, wie ich wirklich bin und der mich mit all meinen Fehlern akzeptiert – ja darin sogar noch Stärken sieht. Ich war noch nie in meinem Leben so glücklich wie mit dir – willst du meine Frau werden, Vic?“ „Ja, natürlich!“, stammele ich gerührt und wische mir verstohlen eine Träne aus dem Augen. „Mum, jetzt!“, flüstert Neville und tippt seine Mutter kurz an. Langsam greife ich nach dem silbernen Papier, das Alice mir unter die Nase hält und spüre sofort, dass es schwerer ist als sonst. Behutsam wickele ich es aus und entdecke darin einen feinen Silberring, auf dem ein grob bearbeiteter Mondstein ruht. „Für mich?“, flüstere ich kaum hörbar. Alice nickt energisch und streichelt ihrem Sohn unentwegt den Rücken, als er den Ring an meinen Finger steckt. Ich falle Neville überglücklich um den Hals und er wirbelt mich durch die Luft. Als wir uns ein wenig beruhigt haben verteilt Frank mit feierlicher Miene Brausebonbons an jeden von uns. Nach der Hochzeit leben wir zuerst weiterhin auf der Blumenfarm meiner Mutter und Großmutter, ziehen aber kurz darauf in ein kleines Cottage am Rande von Hogsmeade, wo ich einen kleinen Blumenladen eröffne, während Neville weiter in Hogwarts unterrichtet. Du würdest gerne mehr von mir lesen? Hier gibt es leichte Unterhaltung mit Happy End: https://www.testedich.de/liebestests/welche-beruehmtheit-ist-dein-lover/welche-filmfigur-ist-dein-lover/welcher-harry-potter-charakter-ist-dein-lover/dein-boy/quiz66/1608325312/love-is-a-simple-thing-isnt-it-dein-liebes-leben-in-der-welt-von-harry-potter Und hier gibt es etwas mehr Drama: https://www.testedich.de/persoenlichkeitstests/stars-figuren/kino-filme/harry-potter/dein-leben/quiz67/1611733970/all-that-you-are-is-all-that-ill-ever-need-dein-leben-in-hogwarts Auf Wunsch von Rose erscheint unter diesem Link auch die Geschichte von Lina in aller Ausführlichkeit. Ich versuche, von Montag-Freitag jeden Tag ein Kapitel hochzuladen. Aber ich arbeite nebenbei, also habt Geduld, falls mal einen Tag lang nichts passiert.:) https://www.testedich.de/quiz68/quiz/1619445667/Run-the-Risk-Ein-Austauschjahr-auf-Hogwarts

20.38 % der User hatten die Auswertung: Hi, du musst Isabeau Jansen sein. Du bist eine Hexe aus den Niederlanden. Dort bist du auch aufgewachsen und hast den Großteil deiner Schulzeit verbracht. Nur dein vorletztes Schuljahr hast du in Großbritannien absolviert, in Hogwarts natürlich. Dort wurdest du Hufflepuff zugewiesen und Tonks war schnell zu deiner besten Freundin geworden. Du hast dich auch mit allen anderen gut verstanden, mit manchen Leuten auch ganz besonders gut, aber dazu später mehr. Jetzt ist deine Schulzeit schon ein paar Jahre her und du lebst in einer kleinen Stadt in den Niederlanden, wo du als Reiseleiterin für magische Reisen arbeitest. Es gibt sicher spannendere Jobs und du wirst das hier auch sicher nicht länger machen, als unbedingt nötig, aber du sparst gerade darauf, dir deinen Lebenstraum zu verwirklichen: deine eigene magische Menagerie. Hier kommt deine Geschichte: „Bleibt bitte zusammen, wir wollen doch nicht, dass hier jemand verloren geht!“, rufe ich mit liebevoller Strenge in die Gruppe der Hexen und Zauberer, die sich jetzt vor mir versammelt haben. Wir sind am Bahnhof King's Cross in London angekommen und wollen jetzt in den Hogwarts-Express umsteigen. Während ich geduldig erkläre, wie man zum Gleis 9 ¾ gelangen konnte, hört meine kleine Reisegruppe mir gespannt zu. Alle meine Teilnehmer sind schon im fortgeschrittenen Alter und für viele war es die erste Reise ins Ausland. Man sollte meinen, Zauberer wären nicht so leicht zu beeindrucken wie Muggel, aber wenn es um Reisen in fremde Länder ging, unterschieden sie sich kein bisschen von nicht magischen Rentner-Reisegruppen. „Ist das auch sicher?“ Eine kleine Hexe schaut argwöhnisch auf die Ziegelwand zwischen Gleis 9 und 10. Ich lege ihr zuversichtlich eine Hand auf die Schulter. „Natürlich, sonst würde ich es euch doch nicht sagen. Wenn du dir unsicher bist, lauf einfach ein bisschen schneller, dann ist es einfacher.“ Als ich höre, wie diese Worte aus meinem Mund kommen, legt sich eine Gänsehaut auf meine nackten Unterarme. Genau mit diesen Worten hatte mich auch Molly Weasley zum Gleis geschickt, als ich vor meinem Austauschjahr verunsichert hier gestanden hatte. Und jetzt hatte ich sie schon so lange nicht mehr gesehen... „Genau Liebes, und ich werde mit dir zusammen gehen – komm!“ Helga, eine rundliche kleine Hexe harkt sich jetzt bei ihrer verunsicherten Freundin unter und steuert schnurstracks auf die Mauer zu. Ohne ein weiteres Geräusch verschwinden die beiden. „Kommt schon, weiter geht’s!“, ermutige ich den Rest der Gruppe und einer nach dem anderen wechselt mehr oder weniger selbstbewusst das Gleis. „Bereit, Kurtis?“ Ich werfe noch einen kurzen Blick in meine ausgebeulte Umhängetasche. Aus einem weißen Fellhaufen blicken mir ein paar hellbrauner Augen vertrauensvoll entgegen und blinzeln langsam. Kurtis ist ein Demiguise, den ich vor ein paar Wochen in einem Pub in Amsterdam entdeckt hatte. Meine Reisegruppe von damals, ein Junggesellenabschied, hatte darauf bestanden, auch die zwielichtigen Gegenden der Stadt zu erkunden. In einem Pub hatte ich ein paar ältere Zauberer beobachtet, die ganz offensichtlich um einen wertvollen Preis pokerten. Bei näherem Hinsehen hatte ich dann einen völlig verängstigten Demiguise in einem Käfig von der Decke baumeln sehen und ihn kurzerhand den Männern abgeluchst. Hätte man sie gefragt, hätten sie behauptet, ich hätte sie betrogen. Ich würde sagen, ich könnte einfach besser pokern. Dass mir ab und zu ein zukunftsweisender Blick in die blauen Augen meines neuen pelzigen Gefährten geholfen hatte, musste ja keiner erfahren. Kurz wird es dunkel um mich, dann stehe ich auf dem Gleis 9 ¾. Einen Augenblick lang genieße ich die vertraute Atmosphäre, das geschäftige Treiben und den Anblick der großen Lok, dann fällt mir meine Reisegruppe wieder ein. „Isabeau, wohin jetzt?“ Helga tritt ungeduldig von einem Fuß auf den anderen. „Na in den Zug natürlich!“, ich lache, „versucht, alle in Wagen 4 einen Platz zu finden. Wir müssen erst an der Endstation aussteigen, also macht es euch bequem. Ich sage euch rechtzeitig Bescheid, bevor wir ankommen.“ Langsam setzt sich die Gruppe in Bewegung und besteigt den Zug. Ich habe ihnen Zimmer in Hogsmeade reserviert, denn morgen würden wir eine Führung durch Hogwarts bekommen. Es ist die letzte Augustwoche, also sind noch keine Schüler im Schloss und auch der Bahnsteig ist dementsprechend leer. Gerade, als ich die Stufen zum Zug erklimmen will, schiebt sich eine Gestalt an mir vorbei in den Zug. Er muss es eilig haben, denn er stößt mich unsanft zur Seite und ich höre Kurtis in meiner Tasche empört schnaufen. „Hallo?“, rufe ich genervt und umklammere meine Tasche fester. Der Mann hält in seiner Bewegung inne und fährt zu mir herum. An seinem schockierten Gesicht sehe ich, dass er mich anscheinend tatsächlich nicht bemerkt hatte. „Entschuldige“, murmelt er und streckt mir die Hand aus, um mir in den Zug zu helfen. „Charlie!“ Ich stehe immer noch am Bahnsteig und starre ihn an. Ein Lächeln erscheint auf seinem Gesicht. „Izzy!“ Er greift schnell nach meiner Hand und zieht mich in den Zug. Ich kann ihn immer noch nur anschauen. Tausend Gedanken schießen durch meinen Kopf. Wie viele Abende ich mit ihm und Tonks bei Hagrid verbracht hatte, wie oft ich ihn in den Fuchsbau zu seiner Familie begleitet hatte, wie schrecklich verliebt ich in ihn gewesen war – und wie er absolut gar nichts von all meinen Gefühlen mitbekommen hatte. „Was machst du denn hier?“, fragt Charlie mich jetzt. Seine Augen leuchten aufgeregt. Ich deute mit meiner freien Hand auf die letzten alten Leutchen, die gerade in einem freien Abteil verschwinden. „Meine Reisegruppe. Wir machen eine Rundreise durch Großbritannien, die letzten zwei Wochen verbringen wir in Hogsmeade.“ Wir steuern auf ein freies Abteil zu und lassen uns auf die abgewetzten Polster fallen. Charlie mustert mich verwundert. „Warum reist du mit so.... alten Leuten?“ Die letzten Worte spricht er ganz leise und schaut abwartend zur Tür, als hätte ihn jemand hören müssen. „Ich bin die Reiseleiterin, Charlie! Das sind meine Kunden!“ Lachend schüttele ich den Kopf. Jetzt fällt auch bei ihm der Groschen und er fährt sich grinsend durch die seine roten Haare, von denen sich ein paar Strähnen aus seinem kurzen Zopf gelöst haben. „Und was bringt dich wieder hier her?“ „Die Arbeit.“, er strafft stolz die Schultern, „Vor dir sitzt der neueste Wildhüter von Hogwarts. Also, ab dem 1. September dann.“ „Wahnsinn, gratuliere, Charlie!“ Ich falle ihm spontan um den Hals und er drückt mich fest an sich. „Hat jemand Helga gesehen?“, mit schriller Stimme reißt Brigitta, die ängstliche Hexe vom Bahnsteig jetzt die Tür zu unserem Abteil auf. Erschrocken falle ich zurück auf meinen Platz und sehe meine Umhängetasche samt Kurtis zu Boden fallen. Dann ein kurzer Schatten und ich weiß, Kurtis ist aus seiner Tasche geflohen. „Oh scheiße!“, rufe ich und schaue mich suchend um. Aber natürlich entdecke ich ihn nicht, denn der kleine Demiguise nutzt die einzige Tarnung, die er hat – er macht sich unsichtbar. Brigitta nickt energisch und Charlie schaut verwirrt zwischen mir und der alten Frau hin und her. „Junger Mann,“, sagt sie jetzt an ihn gewandt, „sie können uns doch sicher helfen!“ Charlie nickt und lässt sich von ihr mit auf den Gang ziehen. Die Türen schließen sich wieder und ich lasse den Blick durch das Abteil wandern. „Komm her, Kurtis.“, flüstere ich leise. „Sie ist weg, versprochen. Entschuldige, dass sie dich erschreckt hat. Ich weiß doch, du magst das nicht.“ Nach ein paar Minuten betritt Charlie wieder das Abteil und schaut mich belustigt an. „Ich hätte erwartet, dass es einfacher wäre, mit Erwachsenen zu reisen.“ „Pff, weit gefehlt! Ich würde lieber mit einer Horde halbstarker Drachen reisen, da hast du weniger Stress.“ „Verständlich, würde ich auch so machen.“ Er grinst, aber ich weiß, dass er es durchaus ernst meint. „Jetzt finden wir erstmal deinen kleinen Kumpel, oder was meinst du?“ „Woher weißt du -“ Charlie zwinkert mir zu. „Was meinst du, wer mir verraten hat, dass die liebe Helga gleich den Gang runterkommen wird, weil sie Schokofrösche vom Servierwagen haben möchte.“ „Kurtis!“, lache ich. Plötzlich sehe ich ihn in der Ecke sitzen, wie er mich mit seinen leuchtend blauen Augen anschaut. Dann erhalte ich auch schon einen kurzen Blick in die Zukunft. Ich sehe ein festlich geschmücktes weißes Zelt vor dem Fuchsbau, überall hängen und schweben Blumen, die unzähligen Leute sind festlich gekleidet und ich werde in einem nachtblauen Abendkleid über die Tanzfläche gewirbelt – von Charlie. An dem breiten Grinsen, das ich in der Vision auf dem Gesicht trage, sieht jedermann, dass ich überglücklich sein muss. Plötzlich blinzelt Kurtis erneut. Seine Augen nehmen wieder ihre normale, haselnussbraune Farbe an und er rollt sich mit einem zufriedenen Grunzen in der Tasche auf meinem Schoß zusammen. Mit offenem Mund schaue ich auf sein weißes Fell. Dann wandert mein Blick ganz langsam zu Charlie, der Kurtis genau so fasziniert beobachtet. „Äh- hast du das auch gesehen?“, stottere ich. „Allerdings.“ Charlie lehnt sich zurück, seine Mundwinkel zucken belustigt. „Du weißt was das heißt, oder?“ „Nein?“, gebe ich irritiert zu. Ich hatte mal gelesen, dass Demiguises sehr misstrauische Kreaturen sein sollten, die nur wenigen Personen in ihre Zukunftsvisionen einweihten. Dafür, finde ich, steckten Kurtis und Charlie ganz schön schnell unter einer Decke. „Dein kleiner Freund hier möchte anscheinend, dass du meine Begleitung zur Hochzeit bist.“ Ein kurzer Blick auf Kurtis verrät mir, dass er noch immer aufmerksam zuhört. Seine braunen Augen ruhen gespannt auf mir. „Hochzeit?“ „Oh- ja. Ron und Hermine heiraten am Wochenende. Das ist natürlich auch ein Grund, aus dem ich jetzt schon hier bin.“ Ein Lächeln huscht über mein Gesicht. Ich freue mich für die beiden. „Und du meinst, ich soll da mit dir aufkreuzen? Ich habe euch alle doch schon seit Jahren nicht mehr gesehen.“, gebe ich zu bedenken, aber insgeheim bin ich schon voller Vorfreude auf die Feier – und darauf, Zeit mit Charlie zu verbringen. „Ach Quatsch, so lange war es nun auch wieder nicht.“ Charlie macht eine wegwerfende Handbewegung. „Außerdem habe nicht ich das gesagt. Kurtis hat es gesehen und was er sieht, ist nun mal die Zukunft. Wie zur Bestätigung greift Kurtis jetzt mit seinen langen weißen Fingern nach meinem Zeigefinger und umschließt ihn fest. Ich lächele ihn liebevoll an und streiche über sein Fell. „Tja ich schätze, dagegen kann ich wohl nichts sagen. Ich komme gern mit.“ Charlies Gesicht erhellt sich und er erwidert schnell: „Sehr gut. Und ich meine, wer sind wir schon, die Zukunft in Frage zu stellen.“ Ich lache und schaue dann schnell aus dem Fenster. Hätte ich ihn noch einen Moment länger angeschaut, hätte er womöglich die Schmetterlinge bemerkt, die sich in meinem Bauch ausgebreitet haben. Oder Kurtis, diese kleine Tratschtante, hätte es ihm irgendwie verraten. „Hat dein Freund auch nichts dagegen?“ „Wer?“ Ich schaue Charlie verwirrt an. „Na, ich dachte, du hast doch sicher einen Freund.“, er spielt nervös mit seinen Fingern, „Und der würde doch wissen wollen, wenn-“ „Charlie!“, unterbreche ich ihn grinsend und schaue ihm tief in die Augen. „Ich habe gar keinen Freund!“ Die Erleichterung steht ihm ins Gesicht geschrieben, trotzdem fügt er noch schnell hinzu: „Aber war da nicht mal dieser Typ aus deiner Schule? Ich dachte, der wäre...“ „Ach.“ Ich rolle mit den Augen. „Das ist schon seit Jahren vorbei. Hat mich vor die Wahl gestellt, die Tiere oder er. Hab ihn dann vor die Tür gesetzt.“ „Nachvollziehbar.“, meint Charlie knapp und ich kann mir ein Kichern nicht verkneifen. Am Bahnhof angekommen nimmt meine Reisegruppe mich gleich voll in Beschlag und ich kann mich nur kurz von Charlie verabschieden. Aus dem Augenwinkel sehe ich aber noch, wie er einen Cracker an meine Tasche hält und wie ein paar langer, haariger Finger schnell danach greifen, nur um dann gleich wieder zu verschwinden. Es ist nur so eine kleine Geste, aber sie sorgt dafür, dass ich Charlie noch einen Moment lang sehnsüchtig nachschaue, während er mit langen Schritten in der Menge verschwindet. *** „Wer war denn der nette junge Mann heute im Zug?“ Helga schaut mich über den Rand ihrer übergroßen Brille verschwörerisch an. Ich nehme schnell einen Schluck Kürbissaft, um nicht antworten zu müssen. Auch die anderen Frauen aus meiner Gruppe, die mit uns am Tisch sitzen und zu Abend essen, schauen mich jetzt neugierig an. „Was für ein Mann denn?“, fragt eine Hexe. „Ich hab ihn gesehen!“, raunt Brigitta jetzt geheimnisvoll und beugt sich vor. „Rote Haare hat er gehabt und ganz tätowierte Arme! Sah aus wie ein Wilder, aber unheimlich hilfsbereit und höflich!“ „Brigitta!“, unterbreche ich ihre erschreckend akkurate Beschreibung von Charlie. Brigitta kichert. „Schäm dich nicht, wir waren doch auch mal jung!“ Und an die anderen Frauen gewandt fährt sie fort: „Und er sieht wirklich gut aus! Aber ich wusste ja schon immer, dass unsere Isabeau einen guten Geschmack hat.“ „Wann siehst du ihn das nächste Mal?“ „Und wo werdet ihr euch treffen?“ „Wird er bei unserer Führung durch diese Schule dabei sein?“ Die Fragen prasseln auf mich ein und ich spüre, wie mir die Röte ins Gesicht schießt. Ich war schon immer schlecht darin, meine Gefühle zu verstecken, erst Recht, wenn sie schon von jemandem bemerkt worden waren. Irgendwann kann ich mich schließlich von den aufgeregten Frauen, die inzwischen angeregt über die Vorzüge britischer Männer philosophieren, loseisen und verschwinde auf mein Zimmer. Von dort aus kann ich über die Dächer von Hogsmeade hinweg in der Ferne auch die Türme von Hogwarts erkennen, die sich erhaben gegen den dunklen Nachthimmel erheben. Ein beklemmendes Gefühl macht sich in meiner Brust breit. In dem Schloss, das jetzt so friedlich im Mondlicht lag, hatte noch vor wenigen Jahren ein entsetzlicher Krieg getobt, bei dem auch meine Freundin Tonks und ihr Mann ihr Leben verloren hatten. Was für große Pläne hatten wir gehabt – Tonks hatte mich unbedingt mit ihrem Mann bekannt machen wollen. Sie hatte mich in ihr gemütliches Zuhause eingeladen, wo wir dann eine unbeschwerte Zeit mit Remus und ihrem kleinen Sohn hatten verbringen wollen. Und jetzt? Jetzt war nur noch der kleine Teddy Lupin übrig – aber auch all die Menschen, die überlebt hatten, um ihm später einmal zu erzählen, wie seine Eltern ihr Leben im Kampf für eine bessere Welt gegeben hatten. Meine Gedanken wandern wieder zu Charlie. Auch ihm fehlte seit der großen Schlacht sein kleiner Bruder. Wir alle hatten uns immer geschworen, ein riesiges Fest zu feiern, sobald ich wieder hier sein würde. Und jetzt - Geräuschlos krabbelt Kurtis auf meinen Schoß und beobachtet mich nachdenklich. Dann schlingt er seine langen Arme um meine Schultern und drückt seinen kleinen Körper fest an mich. Ich lächele und das beengende Gefühl in meiner Brust verschwindet langsam. Gemeinsam schauen wir noch eine Weile auf die flackernden Lichter des Schlosses, bis mir schließlich die Augen zufallen. *** Am nächsten Morgen bin ich als Erste wach und sorge dafür, dass alle ihr Frühstück bekommen und dass niemand in den Drei Besen vergessen wird, bevor wir den Fußweg nach Hogwarts antreten. Die Sonne erhebt sich gerade gemächlich über die geschwungenen Hügel, da sind wir schon unterwegs zum Schloss. „In welchen Haus warst du noch gleich, Liebes?“ „In Hufflepuff.“ Rainer, ein kleiner grauhaariger Zauberer, und einer der wenigen Männer in der Gruppe, nickt eifrig. „Davon habe ich gelesen! Ich glaube, es gibt noch Gryffindor, Slytherin und Ravenc-“ „Ravenclaw!“, unterbricht Brigitta ihn aufgeregt. „Ich denke, da würde ich hingehören!“ Helga schüttelt lachend den Kopf. „Bist du dir sicher, Gitti?“ „Was denkst du denn, Helga?“ Und so philosophieren sie für den Rest des Weges weiter. Ich höre aber nur mit einem halben Ohr zu, so fasziniert bin ich von meiner Umgebung. Der schwarze See, die peitschende Weide und das Schloss, das aus den schroffen Felsen selbst zu wachsen schien. Alles war genau so, wie ich es in Erinnerung gehabt hatte. „Ah, Miss Jansen, wie schön, sie zu sehen!“, ich hatte fast vergessen, wie klein Professor Flitwick tatsächlich gewesen war und kann ein Schmunzeln nicht unterdrücken, als er uns aus dem hölzernen Eingangstor heraus zuwinkt. Er führt uns in die große Halle, durch die verschiedenen Klassenzimmer und durch die Gemeinschaftsräume. Obwohl ich alles schon kenne, lausche ich gebannt jedem seiner Worte und bin genau so fasziniert wie der Rest meiner Reisegruppe. „Und nun,“ meint der kleine Mann und reibt sich erwartungsvoll die Hände, „möchte ich sie alle in die Hände meiner werten Kollegin übergeben. Erkunden Sie jetzt die Gewächshäuser von Hogwarts mit Professor Pomona Sprout!“ Wie aufs Stichwort betritt Professor Sprout den Innenhof, in dem wir uns versammelt haben. Als sie mich entdeckt, beginnen ihre Augen zu strahlen. „Isabeau, wie schön, sie zu sehen!“, sagt sie und schließt mich sofort in die Arme. Kurtis, der schon die ganze Zeit über unsichtbar auf meinen Schultern gesessen hatte, hält erschrocken die Luft an. „Professor!“ Ich bekomme das Strahlen gar nicht mehr aus dem Gesicht, so glücklich bin ich, wieder hier zu sein. „Es ist auch schön, sie zu sehen.“ „Kommen Sie!“, ruft Professor Sprout jetzt, als würde sie zu einer Gruppe aufgeregter Zweitklässler sprechen. „Wir gehen jetzt in die Gewächshäuser und werden gemeinsam die Schönheit der schottischen Flora kennen lernen!“ Ich fühle mich wieder, als wäre ich eine Schülerin, während ich meine Schützlinge gemeinsam mit der Professorin zu den Gewächshäusern führe. „Es ist gut, sie wieder zu sehen.“ Sie klopft mir kräftig auf die Schulter. „Und da gibt es noch jemanden, der sich ganz besonders über ihre Anwesenheit freut.“ Mit einem wissenden Lächeln nickt sie in die Richtung von Hagrids Hütte. Als ich die schlanke Gestalt mit den feuerroten Haaren sehe, die gerade an Hagrids Tür klopft, schießt mir prompt wieder die Röte ins Gesicht. „Hagrid wusste doch schon lange, dass ich komme.“, versuche ich, mich dumm zu stellen. Professor Sprout zwinkert mir zu. „Er hat den ganzen Abend nur davon gesprochen, wie sehr er die Fahrt mit ihnen im Zug genossen hat.“ „Oh...“ Mein Gesicht muss inzwischen glühen wie ein rote Ampel und die Schmetterlinge in meinem Bauch spielen verrückt. „Das wissen sie aber nicht von mir.“, fügt die Lehrerin noch schnell hinzu, bevor sie die gläsernen Tore der Gewächshäuser öffnet. Dann versammeln sich alle um den rechteckigen Pflanztisch und Professor Sprout beginnt ihren Vortrag. Obwohl ich mich sehr für Kräuterkunde interessiere, kann ich ihr heute nicht so richtig folgen. Immer wieder wandert mein Blick aus dem Fenster. Natürlich kann ich Hagrids Hütte von hier aus nicht sehen, aber bei dem Gedanken daran, dass sie die nächste Station unserer Führung ist, schlägt mein Herz sofort schneller. Ein Klopfen an den gläsernen Türen lässt mich aus meiner Träumerei aufschrecken. Hinter dem milchigen Glas zeichnet sich unverkennbar Hagrids riesenhafte Gestalt ab. „Bin hier, um die Reisegruppe abzuholen, Professor.“, meint er knapp, als er eintritt. Professor Sprout nickt. „Ich verabschiede mich nun von Ihnen. Zögern Sie nicht, mich bei weiteren Fragen anzusprechen!“ „Izzy!“, ruft Hagrid jetzt, als er mich entdeckt und schließt mich sofort in seine Arme. „Is' das schön!“ Ich lächele, denn er sieht immer noch genau so aus, wie ich ihn in Erinnerung habe. „Komm, wir woll'n gleich los! Hab ein paar aufregende Sachen für deine alten Leutchen vorbereitet, wirst staunen!“, Mit einer Handbewegung bedeutet er meiner Gruppe, ihm zu folgen und verlässt das Gewächshaus. Mit ehrfürchtigem Schweigen setzen sich alle in Bewegung. „Ich bin gespannt!“, gebe ich zu und schaue Hagrid abwartend an. Inzwischen konnte er Geheimnisse aber anscheinend besser für sich behalten, denn er presst seine Lippen fest zusammen und grinst nur. „Ich verrate nix. Nich', bis wir unten sind. Aber die werden sich freuen! Und du erstmal!“ Jetzt bin ich auch gespannt und halte angestrengt Ausschau nach Hinweisen. „So, alle mal herschauen!“ Wir haben seine Hütte inzwischen erreicht und Hagrid klatscht in die Hände. Die Gruppe versammelt sich im Halbkreis um ihn und schaut erwartungsvoll auf die Kiste, die zu seinen Füßen steht. Einen Moment lang befürchte ich, in der zitternden Kiste könnte sich etwas gefährliches befinden, aber dann sehe ich wie Hagrid einen rosa pelzigen Ball aus der Kiste zieht und ihn fürsorglich an sich schmiegt. „Ein Pygmi Puff!“, ruft Brigitta entzückt, „Die sind unheimlich selten!“ „Richtig!“, lobt Hagrid. „Diese Bande hier is' noch ganz jung. Hab'n ihre Mama verloren und brauchen unsere Hilfe. Desweg'n werd'n wir uns jetzt alle so ein kleines Baby schnapp'n und ich zeig euch, wie man sie richtig füttert!“ Ein aufgeregtes Raunen geht durch die Gruppe und nach und nach kommt jeder nach vorn, um eine der flauschigen Kreaturen aus der Kiste zu heben. Ich trete ein paar Meter zurück, um Erinnerungsfotos zu schießen, da höre ich plötzlich eine Stimme an meinem Ohr. „Und, wie macht er sich?“ „Charlie!“, erschrocken fahre ich herum und er schaut mich mit einem schiefen Grinsen an. „Super.“, antworte ich dann schnell. „Er hat alles im Griff.“ „Sehr gut. Er war schrecklich aufgeregt, weißt du? Ich übernehme seine Stelle als Wildhüter, weil er nämlich der neue Lehrer für Pflege magischer Geschöpfe wird. Seine zweite Chance, sozusagen.“ „Das schafft er. Wer eine Horde Rentner bespaßen kann, für den sind Kinder kein Problem.“, meine ich lachend und beobachte Hagrid, der gerade durch die Reihen seiner „Schüler“ schreitet und sorgfältig Hinweise und Lob verteilt. „Und was machst du jetzt?“ Charlie kratzt sich am Kopf. Nachdenklich zucke ich mit den Schultern. „Ich warte, schätze ich.“ „Du weißt aber, dass das hier noch ein paar Stunden dauern kann, oder?“, fragt Charlie mit hochgezogenen Augenbrauen. Er lacht, als er meinen irritierten Blick bemerkt. „Komm mit, die werden es schon eine Weile ohne dich aushalten. Du bist ja schließlich auch zu Gast in Hogwarts, also werde ich mich jetzt um dich kümmern.“ „Wenn Sie das sagen, Wildhüter Weasley.“, zwinkere ich ihm zu und hoffe inständig, dass niemand bemerkt, wie schnell mein Herz gerade schlägt. Charlie führt mich an den Waldrand, weg vom Rest der Gruppe. Jetzt scheint auch Kurtis auf meiner Schulter sich wieder sicher zu fühlen, denn er gibt seine Unsichtbarkeit auf, um Charlie mit großen Augen anzublinzeln. Ein Lächeln breitet sich auf Charlies Gesicht aus und er fährt mit einer Hand sanft durch Kurtis' weißes Fell. Dabei streift er auch meinen Hals und eine Gänsehaut breitet sich auf deinen Armen aus. „Na, hast du mich vermisst?“, fragt er und krault den kleinen Demiguise am Kopf. „Allerdings“, rutscht es mir heraus und ich beiße mir sofort auf die Zunge. Charlie schaut mich belustigt an. „Na Kurtis – ich bin mir sicher, dass er dich vermisst hat, nachdem du im Zug so nett zu ihm gewesen bist.“, füge ich hastig hinzu. Immer noch hängt ein schiefes Grinsen auf Charlies Gesicht fest und er lässt mich nicht aus den Augen. „Also, was würdest du jetzt gerne machen?“, fragt er dann ganz unvermittelt. Ich zucke unschlüssig mit den Schultern. „Ich hab eine Idee.“, meint Charlie schnell und läuft in den Wald. „In den verbotenen Wald, echt?“ Ich kann mir ein Lachen nicht verkneifen. Er schaut mich über seine Schulter hinweg an. „Für Schüler verboten – Aber du hast Glück, du bist schließlich mit dem Wildhüter unterwegs.“ „Na dann.“ Ich schließe zu ihm auf und laufe an seiner Seite zwischen den hohen Bäumen hindurch. Eine Weile schweigen wir einfach, dann hält Charlie mich plötzlich am Unterarm fest und legt einen Finger auf seine Lippen. Ich schaue ihn überrascht an und folge dann mit meinem Blick seiner ausgestreckten Hand. Auch Kurtis macht einen langen Hals. „Ist das wirklich-“ Ich traue mich gar nicht, weiter zu sprechen. „Ja“, flüstert Charlie, „das ist ein Einhorn. Es ist noch nicht lange hier, aber ich denke, es gefällt ihm hier ganz gut.“ Kurtis schwingt sich von meiner Schulter und schleicht auf die strahlend weiße Kreatur zu. Ich will ihn schon zurückrufen, aber Charlie bedeutet mir, leise zu bleiben. Dann entdeckt das Einhorn ihn und bleibt interessiert stehen. Ganz langsam bewegt Kurtis sich auf das große Tier zu und streckt seine Hand nach der samtigen Nase aus. Vollkommen fasziniert von diesem Bild habe ich gar nicht bemerkt, dass Charlie noch immer meine Hand festhält. Nach ein paar Minuten schlendert das Einhorn weiter und verschwindet irgendwann zwischen den Bäumen. Als würde ein Zauber von mir abfallen, sprudelt es jetzt aus mir heraus: „Charlie, das ist ja der Wahnsinn, ich habe noch nie im Leben ein Einhorn gesehen!“ Er strahlt übers ganze Gesicht. „Ich wusste, dass es dir gefallen würde.“ Ich schaue nach unten. Meine Hand liegt immer noch in seiner. „Was würdest du jetzt gerne machen?“, frage ich und schaue zu ihm auf. Er erwidert meinen Blick und ein Lächeln umspielt seine Lippen. „Ich würde dich jetzt wahnsinnig gerne küssen.“ Ich nehme auch seine andere Hand. „Was hält dich davon ab?“ Charlie beugt sich zu mir nach vorn und küsst mich sanft. Mein ganzer Körper kribbelt vor Aufregung und - „Helga!“ Noch bevor ich richtig realisieren kann, was hier gerade passiert, reißt mich die schrille Stimme von Brigitta aus den Gedanken. Charlie fährt aufgeschreckt herum und ich sehe noch, wie Kurtis in der Tasche von Charlies übergroßem Mantel verschwindet. „Brigitta!“ „Isabeau! Mr. Wildhüter!“ Charlie grinst. „Es ist eigentlich 'Weasley', gute Frau.“ „Hier seid ihr!“ Schließlich taucht auch die gesuchte, Helga, zwischen den Bäumen auf. „Was macht ihr denn alle hi-“ Sie schaut verwirrt zwischen uns hin und her, dann bleibt ihr Blick an meinen Händen hängen, die immer noch die von Charlie halten. „Oh!“, macht sie und in ihren Augen flammt die Neugier auf. „Du Gitti, ich glaube, wir sollten jetzt gehen. Dieser Mr. Hagrid wollte uns doch noch etwas zeigen.“ Brigitta runzelt die Stirn. „Ich dachte, wir sind fertig?“ „Gitti, komm.“, erwidert Helga mit Nachdruck und schleift ihre Freundin zum Waldrand. Wir bleiben allein zurück und schauen uns an. „Die beiden sind...“, beginne ich, obwohl ich gar nicht richtig weiß, was ich sagen will. „Ganz besonders.“, beendet Charlie meinen Gedanken grinsend. „Sie sorgen sich eben um dich.“ „Oh man“ Ich fahre mir durch die Haare und verberge mein glühendes Gesicht in den Händen. Charlie grinst und fährt sich ebenfalls durch die roten Haare. Anscheinend ist ihm die Situation auch nicht gerade angenehm. „Oh hey“, sagt er jetzt schnell, „Mum fragt, ob du heute Abend schon kommen willst.“ „Das ist nett, aber warum?“, frage ich, erleichtert über den Themenwechsel. „Na wegen der Hochzeit!“, antwortet er lachend. „Die ist morgen – schon vergessen?“ Toll, von einem Fettnäpfchen ins nächste, denke ich mir. „Natürlich nicht.“, erwidere ich schnell. „Ich wollte mich nur noch vorher nach einem Kleid umsehen.“ Inzwischen bewegen wir uns langsam wieder auf den Waldrand zu. „Wir könnten zusammen gehen.“, schlägt Charlie unvermittelt vor. „Ich brauche auch noch einen Anzug.“ „Klar.“ Ich freue mich, mehr Zeit mit ihm zu verbringen – ohne meine Reisegruppe. „Kurtis sei Dank wissen wir ja, wonach wir suchen müssen.“ Charlie grinst und Kurtis lugt aus der Tasche seines Mantels hervor. „Ich hol dich ab, okay? Wohnt ihr in den drei Besen?“ Ich nicke und fühle mich, als würde ich auf Wolken laufen, als wir zu meiner neugierigen Reisegruppe zurückkehren. *** „Isabeau, da steht jemand vor der Tür und fragt nach dir!“ Kaum hat Rainer diese Worte ausgesprochen, drehen sich alle Köpfe im kleinen Aufenthaltsraum über den Drei Besen zu mir. „Ist es der gutaussehende Wildhüter?“ Helga rückt schnell ihre Brille zurecht. „Dieser Mr. Hagrid ist doch viel zu alt für sie!“, wirft Brigitta ein, schaut mich aber trotzdem prüfend an. „Gitti!“, ruft Helga kopfschüttelnd. „Natürlich nicht! Der gutaussehende Wildhüter, hab ich gesagt!“ „Es ist der Rothaarige, nicht wahr?“ Brigitta schaut mich mit großen Augen an. „Natürlich, wer denn sonst?“, beteiligt sich jetzt auch Rainer an der Diskussion. „Charlie.“, erkläre ich und stehe auf. „Er heißt Charlie.“ Ein kurzes Schweigen, dann sprudelt es aus Helga hervor: „Hab ich's doch gewusst, siehst du Gitti! Isabeau Liebes, wenn du ein paar Ratschläge brauchst, kannst du uns immer fragen, das weißt du, oder?“ Ich kann mir ein Lachen nicht verkneifen. Es ist schon niedlich, wie besorgt sie sind. „Klar – ihr seid die ersten, die irgendwelche Neuigkeiten von mir erfahren werden.“ Die drei sehen mir neugierig nach, als ich durch die Tür nach draußen verschwinde. Vor der Tür steht Charlie und lächelt mich an. „Dieses Mal ohne Begleitung?“ „Bis jetzt zumindest. Ich kann aber für nichts garantieren.“ Ich muss lachen, denn als wir noch einen Blick zu den Fenstern werfen, sehen wir die Mitglieder meiner Reisegruppe, die dann aber betont schnell in die andere Richtung schauen. Mit Hilfe einer weiteren Zukunftsvision von Kurtis finden wir innerhalb von kürzester Zeit unsere Outfits und machen uns dann auf den Weg zum Fuchsbau. „Izzy, Schatz, wie schön, dass du hier bist!“ Ich bin noch gar nicht ganz aus dem Kamin gestiegen, da schließt Molly mich schon in ihre Arme. „Wie lange ist es her, dass wir uns zum letzten Mal gesehen haben? Vier Jahre? Fünf?“ Sie hält mich immer noch in den Armen und begutachtet mich von oben bis unten. „Viel zu lange auf jeden Fall.“ Charlie tritt hinter mir aus dem Kamin und wird ebenfalls von Molly in den Arm genommen. „Es ist noch niemand hier, ihr seid die Ersten.“, erklärt Molly und führt uns an eine reich gedeckte Teetafel. „Hier, bedient euch. Ihr seid sicher hungrig!“ Sie schiebt uns die voll beladenen Teller mit Scones und Sandwiches näher. Dankbar greife ich zu und auch Charlie ist hungrig. „Izzy, ich schicke dein Gepäck schon mal nach oben. Du kannst in Percys altem Zimmer schlafen, er und seine Frau bleiben nicht über Nacht.“ Ich lasse mein Sandwich sinken. „Mein Gepäck?“ Molly nickt. „Ja Liebes, heute Nachmittag war eine Hexe bei uns, sie meinte, du würdest ein paar Tage bei uns bleiben und hat deshalb dein Gepäck gebracht.“ „Was?“ „Ja, sicher.“, jetzt taucht auch Arthur im Wohnzimmer auf. „Sie sagte, sie wäre aus deiner Reisegruppe, aber du hättest ihnen für die nächsten Tage etwas freie Zeit eingeplant. Wie hieß sie noch gleich, Molly? Birdie?“ „Bridget?“ „Bertie?“ „Brigitta!“, rufe ich aus und schaue Charlie entschuldigend an. „Genau, Brigitta hieß sie!“, erwidert Molly. „ Nett von ihr, dass sie dein Gepäck gebracht hat.“ „Ich kann mich doch nicht einfach bei euch einladen.“, meine ich jetzt verlegen. „Ach Izzy, das ist doch Blödsinn!“, Molly macht eine wegwerfende Handbewegung. „Du gehörst doch zur Familie!“ Ein warmes Gefühl durchströmt mich, als ich sie das sagen höre und ich bin Brigitta sogar ein bisschen dankbar dafür, dass sie ihre Nase – mal wieder – in Angelegenheiten gesteckt hat, die sie nichts angehen. Wir sitzen noch bis in den Abend hinein zusammen und ich erzähle bereitwillig alles, was mir in den vergangenen Jahren passiert ist. Auch Charlie hört mir gespannt zu und ich fange immer mal wieder einen Blick von ihm auf, den ich nicht wirklich deuten kann. Irgendwann wird es still im Wohnzimmer der Weasleys. Kein Ton ist zu hören, nur das leise Schnarchen von Arthur, der in seinem Sessel eingenickt ist, erfüllt den Raum. „Es ist so still hier.“, stelle ich ehrfürchtig fest. Molly winkt ab und flüstert: „Genieß es, so lange es so ist. Morgen früh werden das Zelt und das Essen geliefert, danach kommen auch schon die ersten Gäste – es wäre ganz wundervoll, wenn ihr mit anpacken könntet, wenn es euch keine Umstände macht – und dann kommt auch schon unser Brautpaar.“ Ihre Augen leuchten auf, als sie über ihren Sohn und ihre zukünftige Schwiegertochter spricht. „Ist doch logisch, Mum.“ Charlie steht auf und drückt seine Mutter noch einmal. „Izzy und ich werden uns um alles kümmern.“ Ich nicke bekräftigend. „Aber deswegen“, fügt Charlie hinzu, „gehen wir jetzt auch ins Bett. Gute Nacht, Mum.“ „Gute Nacht, Molly.“ „Gute Nacht ihr beiden.“ Molly schaut uns nach, als wir die knarzenden Stufen zu den Schlafzimmern hinaufsteigen. Schließlich erreiche ich Percys Zimmer. Die Tür steht einen Spalt breit offen und gibt den Blick auf meine Koffer und ein kleines Nachtlicht frei, das den Raum in warmes Licht taucht. Ein Grinsen huscht über mein Gesicht, als ich an meine ganz besondere Reisegruppe denke, die das hier möglich gemacht hat. „Da hast du schon ein paar ganz besondere Omas, mit denen du unterwegs bist.“, spricht Charlie meine Gedanken aus und lehnt sich an den Türrahmen. „Das stimmt wohl.“, sage ich und drehe mich zu ihm um. „Was die jetzt wohl machen?“ Charlie macht einen Schritt auf mich zu, seine Augen leuchten. „Ich bin mir sicher, es geht ihnen ganz ausgezeichnet – was machen sie denn morgen?“ Etwas Herausforderndes liegt in seiner Stimme und ich sehe ihm an der Nasenspitze an, dass er sich wirklich nicht dafür interessiert, ob ein Haufen niederländischer Touristen in den drei Besen gerade Bridge oder Kanaster spielten. „Keine Ahnung.“, gebe ich zu und wie von selbst legen sich meine Hände auf seine Hüften. „Sie sind auf jeden Fall nicht hier.“ „Also keine überraschenden Besucher?“ Er zieht mich näher zu sich heran. Ich schüttele lächelnd den Kopf und noch bevor ich etwas antworten kann, hat Charlie meine Lippen bereits mit einem leidenschaftlichen Kuss verschlossen. Ich fühle mich wie befreit und erwidere den Kuss stürmisch. Er drängt mich in das schwach erleuchtete Zimmer und ich lehne mich gegen den hölzernen Tisch in der hintersten Zimmerecke. Seine Berührungen jagen mir einen Schauer über den Rücken und während ich seine Halsbeuge küsse, fahren seine Hände unter mein Shirt. Ich denke gerade darüber nach, ob es nicht besser wäre, die Tür zu schließen, da höre ich Geräusche von den Treppen. „Charlie“, flüstere ich etwas außer Atem zwischen zwei Küssen. „Charlie, ich glaube, da kommt jemand.“ „Hier oben schläft heute Nacht niemand“ Charlie lässt sich nicht beirren und küsst mich erneut. Aber das Knarzen der Stufen wird lauter und dann hören wir Mollys wohl vertraute Stimme: „Charlie, Izzy, ob ihr wohl morgen das Zelt annehmen könnte – oh!“ Im letzten Moment springen wir auseinander und einen Wimpernschlag später erscheint auch schon Mollys Kopf im Türrahmen. „Äh-“ Ich ziehe nervös mein Shirt wieder an Ort und Stelle. „Klar Mum, kein Thema.“, erwidert Charlie geistesgegenwärtig und streicht sich die Haare hinter die Ohren. „Sonst noch was?“ Molly schaut prüfend zwischen Charlie und mir hin und her. Charlie bemerkt ihren Blick und deutet schnell auf meine Koffer, die immer noch in der Zimmerecke stehen. „Ich hab Izzy nur geholfen, ihre Koffer ins Zimmer zu bringen.“ „Genau.“, stimme ich zu und hoffe, dass mein rotes Gesicht im Halbdunkel nicht all zu gut erkennbar ist. „Danke, Charlie.“ Molly grübelt noch ein paar Sekunden, dann erstrahlt ihr Gesicht wieder in der gewohnten Wärme und Herzlichkeit. „Wie auch immer.“, sie zwinkert uns zu, „Das Zelt kommt morgen früh um sieben. Gute Nacht.“ Geheimnisvoll lächelnd steigt sie die Stufen wieder hinab. „Oh Gott!“ Ich halte mir beschämt die Hände vor das Gesicht. Charlie grinst schief. „Vor ihr kann man eh keine Geheimnisse haben.“ Ich seufze. Mein zügelloses Selbstbewusstsein von eben ist verschwunden und ich trete verlegen von einem Fuß auf den anderen. Er beobachtet mich amüsiert. „Wir sollten schlafen.“ Dann zieht er mich noch einmal in eine innige Umarmung, in die ich mich dankbar fallen lasse. „Mach dir keine Gedanken. Ich weck dich morgen früh, okay?“, murmelt er in meine blonden Haare. „Alles klar. Schlaf gut.“ „Du auch.“ Er zwinkert mir zu und schließt dann die Tür hinter sich. Mit einem tiefen Seufzer lasse ich mich auf das Bett fallen und bedecke mein Gesicht mit den Händen. Kurtis, der es sich schon vor einer Weile am Fußende gemütlich gemacht hatte, gibt ein empörtes Grunzen von sich. „Sorry, Kumpel.“, meine ich entschuldigend. „Aber erklär mir lieber, warum das alles so kompliziert sein muss.“ Natürlich gibt Kurtis mir keine Antwort, aber er gähnt herzhaft und krabbelt dann an meine Seite, wo er mich wieder mit seinen großen Augen anblinzelt. Schnell schlüpfe ich in meinen Schlafanzug und husche dann zu meinem Gefährten unter die Decke. Kurtis hatte die seltsame Angewohnheit, immer unter der Decke schlafen zu müssen, ansonsten konnte er ausgesprochen unangenehm werden. Sofort umklammert der Demiguise wieder meinen Oberarm und ich stelle erstaunt fest, dass seine Augen wieder blau leuchten. „Ein Blick in die Zukunft, hm? Meinst du, das hilft jetzt?“, frage ich zweifelnd. Aber Kurtis blinzelt noch einmal und schon bin ich nicht mehr in meinem Zimmer, sondern sehe in Charlies Zimmer. Die Sonne scheint kraftvoll durch die weißen Leinengardinen. Am Fensterbrett steht ein Stuhl, über den halbherzig gefaltet ein weißes Hemd und ein schwarzer Festumhang hängen. Ein blaues Kleid – mein blaues Kleid baumelt achtlos von der Rückenlehne. Das Bild wandert zu dem Bett, das direkt daneben steht. Ein Schopf roter Haare lugt unter der Bettdecke hervor und zwei tätowierte Arme, die mich fest umschlungen halten - „Kurtis!“, flüstere ich vorwurfsvoll, als der Demiguise die Vision mit einem Zwinkern seiner Augen wieder beendet. „Nicht hilfreich!“ Aber Kurtis schüttelt langsam den Kopf und sein schmaler Mund formt ein Lächeln. Dann schließt er seine Augen und kurz darauf verrät mir ein leises Schnarchen, dass er eingeschlafen sein muss. Ein Teil von mir ist voller Freude und wäre am liebsten jetzt schon zu Charlie gelaufen, aber ein anderer Teil von mir erinnert sich noch viel zu lebhaft an die Enttäuschung, die ich gefühlt hatte, als Charlie all meine Hinweise und Annäherungsversuche ignoriert hatte und dann schließlich sogar nach Rumänien gegangen war, ohne mir irgendwas zu sagen. Aber was das jetzt nicht schon ewig her? Warum sollte es jetzt nicht alles ganz anders sein? Ich seufze angestrengt und irgendwann fallen mir dann doch die Augen zu. *** Am nächsten Morgen erwache ich, weil ich ein Gewicht auf meiner Brust spüre. Ein kurzer Blick aus meinen verschlafenen Augen verrät mir, dass die Sonne gerade aufgeht – und dass Kurtis hellwach auf mir sitzt und mich eindringlich ansieht. „Du bist schon wach?“, murmele ich. Doch Kurtis regt sich nicht, er deutet nur mit seinen kugelrunden Augen nach links, in Richtung der Tür. Ich folge seinem Blick und schrecke auf. Da steht Charlie, auch noch im Pyjama und beobachtet das Geschehen belustigt. „Die Frage ist eher, warum du noch schläfst.“, stellt er fest und lehnt sich an den Türrahmen. Mir fällt Mein Schlafanzug ein, auf dessen Shirt ein riesiges rosarotes Pony-Emblem prangt und ich ziehe blitzartig meine Decke bis zum Hals. Das Shirt war flauschig und normalerweise sah mich ja nur Kurtis beim Schlafen und nicht der wohl bestaussehendste Wildhüter der Welt. „Tu ich ja gar nicht!“, verteidige ich mich schnell. „Natürlich nicht.“ Charlie zwinkert mir zu. „Ich bin unten und mach uns Tee.“ „Bin in 5 Minuten unten.“, verspreche ich und Charlie verschwindet auf den Treppen. Sobald er außer Sichtweite ist, springe ich auf und ziehe mir als erstes das Shirt, das ich plötzlich sehr albern finde, über den Kopf. Nach kurzer Suche in meinem Koffer finde ich ein weißes Tank Top und ziehe es mir über. Unten pfeift bereits der Teekessel, also beschließe ich kurzerhand, meine Pyjamahosen noch eine Weile anzubehalten und laufe barfuß nach unten. „Morgen!“ In der Küche erwartet mich nicht nur Charlie, sondern auch George, der mich über den Rand seiner Tasse hinweg wissend anschaut. „Äh- Morgen!“, bringe ich hervor und versuche möglichst nicht so auszusehen, als wäre ich gestern Abend fast mit George Weasleys Bruder im Bett gelandet. „Und?“, fragt George jetzt. Ich schaue ihn verwundert an. „Was?“ „Schnarcht mein Bruder laut?“ Ich reiße ertappt die Augen auf und bringe keinen Ton hervor. „Woher soll sie das wissen, Brüderchen?“, fragt Charlie jetzt unbeeindruckt und reicht mir eine Tasse Tee. George schaut euch mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Ach,-“ „Das Zelt kommt sicher gleich!“, unterbreche ich die beiden, bevor es noch peinlicher für mich werden könnte. George grinst mich an. „Weiß ich doch. Und weil ich hier anscheinend der einzig verantwortungsbewusste Erwachsene bin, der schon Klamotten anhat, gehe ich jetzt raus und lasse euch zwei Turteltauben noch Zeit, euch was anzuziehen.“ Beschwingt tritt er dann durch die Tür nach draußen in den Garten. „Charlie?“, frage ich zaghaft und schaue angestrengt in meinen Tee. „Hm?“ Er schaut mich mit schief gelegtem Kopf an. „Ich – wir – also was machen wir hier eigentlich?“, stammele ich und wünsche mir sofort, dass ich lieber den Mund gehalten hätte. Charlie kommt auf mich zu und greift nach meinen Händen. Meine Knie werden wieder ganz weich, wo er so nah vor mir steht. „Wir bauen das Zelt für die Hochzeit meines Bruders auf.“ Er schaut kurz über seine Schulter, dann nimmt er mein Gesicht in seine Hände und gibt mir einen langen Kuss, der alle Schmetterlinge in meinem Bauch verrückt spielen lässt. Nach einer Weile lösen wir uns voneinander und ich schaue ihn überglücklich, aber immer noch fragend an. „Und darüber“, er gibt mir noch einen kurzen Kuss, „sprechen wir später noch in aller Ruhe, in Ordnung?“ Ich habe das Gefühl, als würde ich gleich abheben, so aufgeregt und glücklich bin ich. „Alles klar.“ Dann laufen wir beide nach oben, um uns umzuziehen. Mein Blick fällt auf das bodenlange dunkelblaue Wickelkleid, das an einem Kleiderbügel vor meinem Fenster hängt und auf seinen Einsatz heute Abend wartet. Die Visionen von Kurtis kommen mir wieder in den Sinn und lassen mein Herz schneller schlagen. Weil die Vorbereitungen für eine Hochzeit aber weitaus weniger glamourös sind als die Feier an sich schlüpfe ich fürs Erste in ein paar bequeme Jeans und ein schwarzes T-Shirt. Als ich wieder auf den Flur trete, entdecke ich Charlie, der anscheinend auf mich wartet. Er hält Kurtis auf dem Arm, kitzelt ihn an seinem pelzigen Kinn und sagt ihm immer wieder, was für ein hübscher kleiner Kerl er doch sei. Kurtis genießt die Aufmerksamkeit sichtlich und streckt enthusiastisch die Hände in die Höhe. „Na, habt ihr Spaß?“, frage ich nach einer Weile belustigt. Wie zur Bestätigung setzt Kurtis sich auf und klettert auf Charlies Schulter, von wo er mich aufmerksam beobachtet. „Er mag mich eben.“, stellt Charlie fest und auf seinem Gesicht erscheint ein schiefes Grinsen. Nachvollziehbar, denke ich mir und bin ein mal mehr fasziniert von diesem Mann. Ein lautes Hupen aus dem Garten verrät uns, dass das Zelt angekommen sein muss. Arthur hatte darauf bestanden, ein Zelt bei einem Muggel-Zeltverleih auszuleihen. Insgesamt sah er die ganze Hochzeit als großartige Gelegenheit, alle möglichen Gegenstände und Gebräuche aus der Muggelwelt zu entdecken. Als wir unten ankommen, sehen wir George, der bereits mit dem Fahrer spricht. Misstrauisch beäugt der Fahrer George, den wilden Vorgarten mit den fleischfressenden Begonien und die Ente, die in Schlips und Kragen den kleinen Pfad entlang watschelt und mir wird klar, warum der Fuchsbau normalerweise mit einem Zauber belegt ist, der ihn für Muggel unsichtbar macht. Nachdem wir den Papierkram geregelt haben, hat der Fahrer es ausgesprochen eilig, wieder zu verschwinden und lässt uns vor einem Haufen Planen, Schnüre und Zeltstangen zurück. „Und jetzt?“, frage ich stirnrunzelnd. „Na was schon, wir bauen es auf – genau wie die Muggel!“ Plötzlich ist Arthur im Garten aufgetaucht und reibt sich motiviert die Hände. „Hat denn einer von euch die Anleitung bekommen?“ Charlie sieht George und mich fragend an. Ich zucke mit den Schultern, aber Arthur greift bereits nach der ersten Stange und antwortet: „Ach was, wie schwer kann das sein? Wir nehmen einfach das hier – und dann – nein... So vielleicht?“ Nach ein paar Versuchen lässt er die Stange wieder sinken und schaut argwöhnisch auf das Zelt, das immer noch eingepackt am Boden liegt. Ein Quietschen des Gartentores kündigt Besuch an. Es sind Harry und Ginny, die mich sofort freudestrahlend begrüßen. Ginny hakt sich sofort bei mir unter und führt mich weg von den Männern, die jetzt Harry mit Fragen löchern. Schließlich müssten seine Tante und sein Onkel so ein Zelt doch schon unzählige Male aufgebaut haben, oder? „Wow, man könnte die Energie zwischen euch buchstäblich sehen!“, stellt Ginny schmunzelnd fest, als wir wieder ins Haus gehen. Meine Wangen färben sich wieder in einem verräterischen Rot. Bei Ginny habe ich keine Chance zu bluffen oder vom Thema abzulenken, das hatte schon nicht funktioniert, als sie noch ganz klein gewesen war. Also streiche ich mir nur verlegen die Haare hinter die Ohren. „Weiß Mum es schon?“ „Was weiß sie?“ „Na dass du nicht nur eine Freundin, sondern seine Freundin bist.“, meint Ginny ganz selbstverständlich und legt ihre Tasche auf dem Sofa ab. „Ginny!“, rufe ich und schaue mich schnell um, ob uns jemand gehört haben könnte. „Ja was?“ Sie grinst und fährt ungerührt fort: „Alle wissen es. Harry wusste es von Hermine, und die hatte es von Ron.“ „Moment mal, Ron war gar nicht hier!“, unterbreche ich sie. Ginny zuckt mit den Schultern. „Der hatte es von George und George hatte es von Mum.“ Verwirrt schaue ich sie an. „Wie-“ „Mum hat euch gestern Abend gesehen, schon vergessen?“ Sie grinst mich schelmisch an und sieht George in diesem Moment verblüffend ähnlich. „Aber sie – wir haben doch vorher -“, stammele ich. „Wenn er schon sagt, er hätte dir die Koffer ins Zimmer getragen,“, Ginny nimmt sich betont gelassen einen der Kekse, die auf dem Küchentisch stehen, „dann solltet ihr die Koffer nicht unbedingt genau da stehen lassen, wo meine Mutter höchstpersönlich sie vorher abgestellt hat.“ „Oh Gott!“ Ich verberge mein Gesicht in den Händen. Ich warst mir so sicher gewesen, dass sie nichts bemerkt hatte. Aber Ginny lacht nur. „Bleib locker, Izzy. Wir mögen dich. Meine Eltern mögen dich. Und, am allerwichtigsten, mein Bruder ist verrückt nach dir! Worüber machst du dir Gedanken?“ Eigentlich hatte sie ja recht. Worüber mache ich mir also Gedanken? Ich lächele schief und nehme mir ebenfalls einen Keks. „Stimmt schon.“ Ginny wirft einen prüfenden Blick auf die Küchenuhr. Der Zeiger von Ron bewegt sich langsam, aber sicher in Richtung „Home“. „Sie sind sicher gleich da. Kannst du Charlie fragen, wann seine Kollegin die Torte bringen will?“ „Seine Kollegin bringt eine Torte?“, frage ich verblüfft. „Davon hat er gar nichts erzählt.“ Erneut huscht ein schelmisches Grinsen über Ginnys Gesicht. „Ich glaube, ihr hattet gestern wichtigere Dinge zu... 'besprechen', da kann man das schon mal vergessen.“ „Ginny!“ „War ja nur Spaß. Sie liefert das Futter für die magischen Kreaturen nach Hogwarts und hat angeboten, eine Torte zu organisieren, als Überraschung für Ron und Hermine. Sie hat da wohl einen Cousin oder so, der ganz gut backen kann – aber frag nicht mich, frag Charlie, der freut sich.“ Ich nicke und bin immer noch ganz verlegen, weil die Sache für die gesamte Familie Weasley anscheinend schon sonnenklar ist. Ich als neue Freundin von Charlie – aber sah er selbst das jetzt auch so, oder war er nur benebelt von der Wiedersehensfreude? Grübelnd gehe ich nach draußen, wo – zu meinem Erstaunen – ein komplett fertig aufgebautes Festzelt auf der Wiese thront. „Wie habt ihr das denn gemacht?“, frage ich anerkennend in die Ruhe. Harry und Arthur schauen betreten zu Boden und George grinst. „Man muss ja nicht alles ganz genau so machen wie die Muggel, oder?“ Charlie wackelt mit den Augenbrauen und dreht wie zur Erklärung seinen Zauberstab zwischen den Fingern. Dann rollt ein weiteres Auto in die Auffahrt der Weasleys. „Das muss Betsy sein.“, sagt Charlie und schaut mich an. „Sie bringt die Torte, ist eine Kollegin von mir. Zeigst du ihr schnell den Weg in die Küche?“ Ich nicke und wende mich zum Gehen, da hält Charlie mich plötzlich am Unterarm fest. Eine Gänsehaut breitet sich auf meiner Haut aus und ich schaue ihn erwartungsvoll an. Er lächelt mich an und ich würde nichts lieber tun, als ihn auf der Stelle zu küssen, aber da fällt uns wieder ein, dass wir nicht allein sind. Harry und George beobachten uns mit hochgezogenen Augenbrauen, während Arthur angestrengt an einer Schleife am Zelteingang herumnestelt. „Jedenfalls... Bis gleich.“ Charlie lässt meine Hand schnell wieder los und fährt sich durch die Haare. „Bis gleich.“ Grinsend laufe ich jetzt zum Zaun, wo der Lieferwagen wartet. Als ich ihn erreicht habe, öffnet sich die Tür und eine schlanke Frau steigt aus dem Wagen. Ich hebe lächelnd die Hand und sie mustert mich von oben bis unten. „Bist du die Braut?“, fragt sie irritiert. Ich stocke. „Nee – ich bin Izzy, ich bin auch nur ein Gast.“ Die Frau wirft ihre seidigen, himmelblauen Haare über die Schultern und schaut mich prüfend an. „Du bist keine Weasley, oder?“ Ich schüttele den Kopf. Noch nicht, hätte ich am liebsten gesagt, aber ich schweige. In ihrem Blick liegt etwas argwöhnisches, das ich nicht richtig einordnen kann. „Mit wem bist du dann hier?“ „Mit Charlie – er hat mich eingeladen.“ Ich deute auf das Zelt im Garten und frage mich gleichzeitig, wie ich in dieses Verhör gelangt war. „Mit Charlie Weasley?“ Ihre Stimme wird kurz schrill. „Wusste gar nicht, dass er neuerdings auf graue Mäuschen steht.“ „Und du bist?“, frage ich, erstaunt über diese spontane Feindseligkeit. „Betsy.“, ist die knappe Antwort. Dann geht sie zum Kofferraum und befördert mit ihrem Zauberstab eine imposante Torte ans Tageslicht. „Hat Charlie nichts erzählt?“ „Nein, was soll er denn erzählen?“ Ich halte ihr das Tor auf und fühle mich ein bisschen selbstbewusster, als ich ihr gekränktes Gesicht sehe. „Na ja,“, wieder wirft Betsy ihre schillernden, himmelblauen Haare über die Schultern. „Was da eben so läuft zwischen uns – aber er weiß wahrscheinlich, dass man mit dir nicht über so was sprechen kann – also von daher...“ Fast wäre ich über meine eigenen Füße gestolpert, fange mich dann aber im letzten Augenblick. „So? Das hat er gar nicht erzählt. Wie auch immer, die Torte kommt hier her.“, betont beiläufig deute ich auf die kleine Speisekammer. Ich versuche, ein lockeres Gesicht zu behalten, aber der Kloß in meinem Hals wird immer größer und meine Augen füllen sich mit Tränen. „Alles klar, ich such dann mal Charlie.“ Betsy grinst mich triumphierend an. „Und noch was – mach dir keine all zu großen Hoffnungen bei ihm. Ich bin die einzige, die ihm geben kann, was er braucht – nicht böse gemeint, Mäuschen. Ich bewahre dich nur davor, dir das Herz brechen zu lassen.“ „Klar.“, bringe ich noch hervor, dann stürme ich an einer verdutzten Ginny vorbei nach oben und schlage die Tür hinter mir zu. Ich werfe mich auf mein Bett und mein blaues Kleid rutscht vom Bügel auf den Fußboden. Ein Schluchzen bricht aus mir hervor und ich vergrabe mein Gesicht in den Kissen, damit mich niemand hören würde. Warum hätte es auch dieses Mal anders sein sollen? Was hatte sich schon geändert? Meine Schultern werden immer wieder vom Schluchzen geschüttelt, als ich spüre, dass jemand neben mir Platz genommen hat. Ich hole tief Luft und riskiere einen Blick nach oben. Mein Blick trifft auf ein paar haselnussbraune Augen. Kurtis sieht besorgt aus, wie er so den Kopf schief legt und eine seiner kleinen Hände nach mir ausstreckt. Schniefend wische ich mir die Tränen aus dem Gesicht und nehme seine Hand. „Du kannst nichts dafür.“, sage ich und streiche mit dem Daumen über seine Finger. „Jeder irrt sich mal, Kumpel. Und es wäre schön gewesen, das weiß ich.“ Kurtis schüttelt den Kopf so energisch und schüttelt dabei meine Hand, als wäre er fest überzeugt, dass ich im Unrecht wäre. Als ich sehe, wie sich seine Augen wieder blau färben, kneife ich die Augen zusammen. Ein Blick in die Zukunft ist das Letzte, was ich jetzt gebrauchen kann. Aber es hilft nichts. Wieder sehe ich mich in meinem wunderschönen Kleid über die Tanzfläche schweben. Wieder sehe ich Charlie, der mich anlächelt und festhält, als wäre ich das Zentrum der Welt. Molly und Arthur, die uns beide in die Arme schließen und Ron, der seinem Bruder und mir einen Toast in seiner Rede widmet. Dann wechselt das Bild wieder ins Schlafzimmer. Von unseren Kleidern, die achtlos auf einem Haufen liegen zu uns, die aneinandergeschmiegt den blassen Vollmond beobachten. Ich sehe Charlie mit meinen Haaren spielen und mich, wie ich mich vertrauensvoll an ihn lehne. Ich liebe dich, Izzy, höre ich ihn flüstern. Kurtis blinzelt ein zweites Mal und ich schließe ihn weinend in meine Arme. Er klopft immer wieder sanft meinen Rücken und ich weiß, er versteht überhaupt nicht, warum ich so unglücklich bin. „Ich hab es mir doch auch so sehr gewünscht, wirklich.“ „Was gewünscht?“ Ginnys Kopf taucht im Türrahmen auf. „Du liebe Güte Izzy, was ist denn mit dir los?“ Schockiert lässt sie sich neben mich auf das Bett fallen. „Bist du verletzt?“ Ich schüttele den Kopf. „Was ist dann? Sag schon los!“ „Betsy.“, antworte ich mit tränenerstickter Stimme. „Ich wusste ja nicht, dass sie -“ Ginnys Blick verfinstert sich. „Dass sie eine notorische Lügnerin ist, die schon seit Schulzeiten scharf auf meinen Bruder ist?“ „Hä?“ Ginny schließt mich in ihre Arme und hält mich so lange fest, bis ich mich einigermaßen beruhigt habe. Dann hält sie mich an beiden Schultern und sieht mich eindringlich an. „Ich hätte dich vorwarnen sollen, entschuldige. Aber mal ehrlich, hast du ihr das wirklich geglaubt?“ Sie legt den Kopf schief. „Aber ist auch egal, ich werd mich jetzt mal um die Alte kümmern!“ Entschlossen springt sie auf und läuft mit gezücktem Zauberstab die Treppen hinab. Ich höre ein paar Türen knallen, dann bin ich wieder von Stille umgeben. Ich stehe auf und strecke mich. So dankbar wie ich war, ein Teil dieser Familie zu sein, so viel Angst hatte ich auch, sie alle wieder zu verlieren. Durch das Fenster sehe ich das Festzelt, das sich langsam aber sicher mit den ersten Gästen füllt. Wann Ron und Hermine wohl ankommen würden? „Suchst du jemanden?“ Ein sanftes Klopfen an der Tür holt mich zurück in die Wirklichkeit. Vor mir steht Charlie, die Hände in den Taschen vergraben wie ein Schuljunge, der etwas ausgefressen hatte. Ich zucke mit den Schultern und wische mir noch einmal über die geröteten Augen. „Ich hab sie weggeschickt.“ Er kommt auf mich zu. „Na ja, eigentlich hat Ginny sie vom Hof gejagt. Hat gedroht, sie in ein fettes Chinchilla zu verwandeln!“ Diese Vorstellung bringt mich unfreiwillig zum Lachen. Charlie legt seine Arme um mich. „Du hast ihr doch nicht geglaubt, oder?“ „Natürlich nicht! Wie könnte ich auch, nachdem eine atemberaubend schöne Frau, die dich viel besser und viel länger kennt als ich, mir erzählt, dass sie deine Freundin ist? Warum sollte ich das glauben, nachdem du damals in der Schule schon nicht mitbekommen hast, dass ich eine verdammte Schwäche für dich habe, Charlie Weasley?“ Ich schlage ihm bei jedem Wort mit der flachen Hand auf die Brust, was ihm aber nicht mehr als ein amüsiertes Schmunzeln entlockt. Bei meinen letzten Worten wird sein Gesicht allerdings erst. „Was?“ „Was?“, fauche ich außer Atem. Charlie lässt mich los und fährt sich mit der Hand über den Mund. „Warum hast du mir das nie gesagt?“ „Das war ziemlich offensichtlich, also-“, will ich gerade meine Schimpftirade fortsetzen, als er mich einfach packt und mit einem Kuss zum Schweigen bringt. Mit einem mal sind all meine Zweifel und Unsicherheiten verschwunden. Er hält mein Gesicht mit beiden Händen fest und atmet schnell, als er mich noch näher zu sich zieht. „Das hättest du mir doch sagen müssen!“ Er lehnt seine Stirn an meine. „Als ob ich so was selbst merken würde, du kennst mich doch! Ich wollte mit dir zusammen sein, seit ich dich das erste Mal gesehen habe.“ Jetzt lächelt er und spricht weiter. „Na ja – genau genommen - als du mir geholfen hast, die knallrümpfigen Kröter umzusiedeln, die die Schule einfach killen wollte, weil sie sich in der Eulerei eingenistet hatten – da wusste ich, dass du die Richtige bist!“ „Du bist ein Idiot, Charlie Weasley!“ Lachend streiche ich ihm über die Wange. „Nicht ganz richtig!“, flüstert er und küsst mich wieder. „Ich bin jetzt ganz offiziell dein Idiot – wenn du das möchtest.“ Ich nicke strahlend und schmiege mich an ihn. „Also ich unterbreche euch ja nur ungern, aber so weit ich weiß, feiern wir heute die Hochzeit unseres kleines Bruders, Charles! Aber eure ist dann ganz sicher die nächste, versprochen.“ George steht grinsend auf dem Flur und schaut uns abwartend an. Die Zeremonie ist unheimlich romantisch und ich genieße es, Ron und Hermine so glücklich zu sehen. Als die Sonne langsam zwischen den sanft geschwungenen Hügeln verschwindet, erstrahlt das Zelt im Glanz unzähliger Lichterketten und schwebender Kerzen. Den ganzen Abend lang weicht Charlie nicht von meiner Seite. Voller Begeisterung stellt er mich jedem, der uns über den Weg läuft als seine Freundin vor und ich bin mir sicher, vor lauter Glück eine handbreit über dem Boden zu schweben. Spät in der Nacht, alle Gäste sind längst abgereist, liegt der Fuchsbau still und friedlich im Mondschein da. Nur ein einziges Fenster ist weit geöffnet. Auf seinem Fensterbrett sitzen Charlie und ich. Er lehnt an der Wand, ich trage sein T-Shirt und lege meinen Kopf an seine nackte Brust. Gemeinsam schauen wir in die nächtliche Stille hinaus und sind einfach nur glücklich. „Ich liebe dich, Izzy.“, höre ich Charlies Stimme an meinem Ohr, dieses Mal ganz und gar real. George sollte mit seiner Äußerung übrigens Recht behalten. Schon im Dezember ziehe ich permanent nach Großbritannien, sehr zum Bedauern meiner letzten Reisegruppe. Nur zwei Jahre nach der Hochzeit von Ron und Hermine steht wieder ein wunderschönes Festzelt im Garten der Weasleys und wir feiern eine rauschende Sommerhochzeit. Nach der Hochzeit wohnen wir noch eine kurze Zeit lang im Fuchsbau. Aber nur, bis wir unseren gemeinsamen Traum verwirklicht haben. Charlie arbeitet weiter als Wildhüter in Hogwarts, doch mit Erlaubnis der Schulleiterin McGonagall hat er das Reservat jetzt vergrößert. Gemeinsam kümmern wir uns um alle Wesen, die im verbotenen Wald und im schwarzen See leben. Außerdem kann ich am Fuße des Schlosses eine kleine Vermittlungsstelle für Eulen, Ratten, Kröten und Katzen eröffnen, sodass jeder Schüler auf Hogwarts das passende Haustier adoptieren kann. *** Du hättest gerne etwas mehr Drama? Dann lies doch gerne die Auswertungen in diesem Test von mir. https://www.testedich.de/persoenlichkeitstests/stars-figuren/kino-filme/harry-potter/dein-leben/quiz67/1611733970/all-that-you-are-is-all-that-ill-ever-need-dein-leben-in-hogwarts Oder doch lieber noch ein bisschen leichte Unterhaltung mit Happy End? Dann gefällt dir sicher dieser Test: https://www.testedich.de/liebestests/welche-beruehmtheit-ist-dein-lover/welche-filmfigur-ist-dein-lover/welcher-harry-potter-charakter-ist-dein-lover/dein-boy/quiz66/1608325312/love-is-a-simple-thing-isnt-it-dein-liebes-leben-in-der-welt-von-harry-potter Auf Wunsch von Rose erscheint unter diesem Link auch die Geschichte von Lina in aller Ausführlichkeit. Ich versuche, von Montag-Freitag jeden Tag ein Kapitel hochzuladen. Aber ich arbeite nebenbei, also habt Geduld, falls mal einen Tag lang nichts passiert.:) https://www.testedich.de/quiz68/quiz/1619445667/Run-the-Risk-Ein-Austauschjahr-auf-Hogwarts Wen wollt ihr im nächsten Test sehen? Ich freue mich auf eure Gedanken und Kommentare!

50.5 % der User hatten die Auswertung: Dein Name ist Eleanor MacMillan. Du lebst in einer kleinen Stadt an der Westküste von Schottland, in Peterhead [schaut euch die Stadt wirklich mal bei Google Earth an, sie ist wunderschön:-) ]. Deine Schulzeit liegt schon eine Weile zurück. Du bist 1989, also gemeinsam mit Fred und George in die Schule gekommen. Wie du dir vielleicht schon aufgrund deines Nachnamens gedacht hast, bist du die große Schwester von Ernie Macmillan. Durch die feingliedrigen Gesichter und die honigblonden Haare, die ihr beide habt, könntet ihr eure Verwandschaft nicht abstreiten, selbst wenn du wolltest. Während er nach Hufflepuff kam, schickte der sprechende Hut dich allerdings nach Slytherin. Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass du, genau wie dein Bruder, alles für deine Freunde tun würdest und ebenso zielstrebig warst, wie er. Allerdings warst du dabei auch mit einer gesunden Portion an Argwohn und Misstrauen ausgestattet, die dich schon so manches Mal vor einer Enttäuschung bewahrt haben. Wir starten deine Geschichte im Oktober 1999. Die Schlacht von Hogwarts liegt etwa anderthalb Jahre zurück und langsam, ganz langsam kehrt wieder so etwas wie ein Alltag in die Zaubererwelt ein. Du hast gleich nach der Schule begonnen, als Aurorin zu arbeiten und hast auch nach der Schlacht noch geholfen, die letzten versprengten Todesser hinter Gitter zu bringen, aber danach hattest du beschlossen, dass es Zeit für ein neues Kapitel in deinem Leben sein würde und dir erst einmal eine Auszeit genommen. „Na endlich!“, ruft Ernie, als ich den tropfenden Kessel betrete. „Ich dachte schon, du kommst gar nicht mehr.“ Ich fahre grinsend durch seine Haare und bringe den Seitenscheitel, den er sich so mühevoll gezogen hatte, wieder durcheinander. „5 Minuten, mehr waren das sicher nicht.“ „5 Minuten, in denen wir schon hätten bestellen können.“ Er ordnet schnell seine Haare, lächelt aber ebenfalls. „Ruhig bleiben, Brüderchen. Die erste Runde geht auf mich.“ Mit diesen Worten erhebe ich mich und mache mich auf dem Weg zum Tresen. Obwohl es noch recht früh am Abend ist, drängen sich bereits unzählige Leute um die alte Theke und warten auf ihre Getränke. Seufzend stelle ich mich zu ihnen und lasse meinen Blick durch die Menge schweifen. Ich entdecke Percy und seine Frau Audrey. Lächelnd hebe ich die Hand und die beiden grüßen mich ebenfalls. Dann nehmen die beiden ihre Getränke entgegen und verschwinden wieder in der Menge. Während der Schulzeit hatte ich mich immer gut mit Percy und auch dem Rest der Weasleys verstanden. Am Anfang hatte ich als Slytherin am Tisch der Gryffindors zwar einige argwöhnische Blicke auf mich gezogen, aber schon nach kurzer Zeit hatte ich mich dank meiner direkten und ehrlichen Art mit allen gut verstanden. „Und für dich, Kleine?“, reißt mich eine heisere Stimme aus meinen Gedanken. „Hä?“ „Na was du trinken willst! Oder stehst du nur hier, um die Speisekarte zu bewundern?“ Der Wirt schüttelt lachend den Kopf. Ich fahre mir mit den Händen übers Gesicht. „Klar – sorry! Zwei Butterbier, bitte.“ Der Wirt nickt und verschwindet kurz unterm Tresen, um ein neues Fass zu öffnen. Als er wieder auftaucht, hat mein Blick sich verfinstert. „Stimmt was nicht?“ Er schaut mich erstaunt an. Ich zucke mit den Schultern. „Nein, nein. Alles gut – andererseits – noch zwei Feuerwhiskey!“ Mit hochgezogenen Augenbrauen wirft der Wirt ebenfalls einen Blick in die Menge der Gäste, um zu erkennen, wer da für meinen plötzlichen Stimmungswechsel verantwortlich sein könnte. Als er offensichtlich nichts entdeckt, reicht er mir kommentarlos meine Getränke. „Ist es nicht noch ein bisschen zu früh für so was?“, fragt Ernie, als ich ihm den Whiskey vor die Nase setze. Noch bevor ich ihm antworte, stürze ich mein Glas schnell hinunter. „Warum hast du mir nicht gesagt, dass er hier ist?“ Mein Bruder runzelt die Stirn und schaut über seine Schulter. „Wer?“ Ich beuge mich nach vorn und schaue ihn finster an. „Na Wood – wer sonst?“ Ernies Mundwinkel zucken belustigt, aber er gibt sich größte Mühe, ein Grinsen zu unterdrücken. Ich hatte ja schon erwähnt, dass ich mich zu deiner Schulzeit eigentlich mit allen Gryffindors gut verstanden hattest. Mit allem, außer mit dem einen, für den ich von Beginn an eine Schwäche gehabt hatte. Oliver hatte nie vollkommen darüber hinweg sehen können, dass ich eben eine Slytherin war und noch dazu seine Konkurrenz beim Quidditch. Ich hatte zwar öfters versucht, ihm klarzumachen, dass ich nur eine Auswechselspielerin war, aber das war in seinen Augen stets genau so „schlimm“. Eine Tatsache, die mich noch heute zutiefst kränkt. Allerdings könnte die Schwäche, die ich noch immer für Oliver habe, nicht ganz unschuldig daran sein – aber wer weiß das schon, richtig? „Tut mir leid, Schwesterherz, aber ich prüfe nicht jeden Ort, an dem wir uns treffen auf mögliche Exfreunde von dir.“ „Du Blödmann!“ Ich trete ihm halbherzig gegen sein Schienbein, was ihm aber nur ein Lächeln entlockt. „Überhaupt – wo ist eigentlich Susan?“ Ernies Gesicht verfärbt sich augenblicklich. Der leuchtende Pinkton, in dem seine Wangen jetzt leuchten, lässt mich grinsen. „Bei ihrer Mutter. Bin morgen da zum Essen eingeladen.“ Er schaut betreten in sein Bierglas. „Oh Ernie! Das ist doch großartig!“ Meine Augen weiten sich aufgeregt. Seinem Gesichtsausdruck nach ist Ernie allerdings nur halb so begeistert wie ich. „Und wenn sie mich nicht mag?“ „Mensch, du willst was von Susan und nicht von ihrer Mutter!“ Ich lache. „Trotzdem soll sie mich mögen.“ Ernie greift nach dem Feuerwhiskey, aber ich ziehe das Glas schnell zu mir. „Hey!“ Ich schüttele entschieden den Kopf. „Ich habe nur gemeint, dass es nicht so wichtig ist, ob sie auch so verrückt nach dir ist wie Susan – nicht, dass es in Ordnung wäre, wenn du wie ein Schnapsladen riechst!“ Ernie rollt genervt mit den Augen. Dann fällt sein Blick auf jemanden hinter dich und er winkt, um die Person zu eurem Tisch zu bitten. Nachdem du einen Blick über deine Schulter riskiert hast, schnappst du dir spontan das zweite Glas Feuerwhiskey und stürzt es ebenfalls hastig hinunter. Dein Bruder grinst und nur einen Augenblick später hat Oliver sich einen Stuhl geschnappt und setzt sich zu euch an den Tisch. „Ernie, wie lange haben wir uns schon nicht gesehen!“ Oliver umarmt ihn strahlend. Dann wendet er sich zu mir. Sein Gesicht strahlt immer noch, aber er zögert. „Eleanor“, bringt er schließlich nach einer peinlichen halben Umarmung hervor. „Schön, dich mal wieder zu sehen.“ Ich nicke stumm und ärgere mich, dass seine braunen Augen immer noch ein Kribbeln in meinem Bauch auslösen. „Ich... Ich hol uns dann mal noch eine Runde.“, sagt Oliver schließlich, um das peinliche Schweigen zu unterbrechen. „Gute Idee!“, erwidere ich. Sobald er in der Menge verschwunden ist, trete ich Ernie schwungvoll gegen sein Schienbein. „Au! Was sollte das denn?“, fragt er unschuldig. „Sag mir lieber, was das hier sollte.“, fauche ich und nicke in die Richtung, in der ich Oliver gerade vermute. „Hättest eben nicht meinen Whiskey trinken dürfen.“, antwortet er weiterhin unschuldig. Ich verschränke die Arme. Es gibt wenig, dass ich unangenehmer finden würde, als genau diese Situation hier. „Ach komm.“ Mein Bruder streicht mir aufmunternd über die Hand. „Jeder muss sich mal seinen Dämonen stellen. Heute du und Wood. Morgen das Schwiegermonster und ich.“ Unfreiwillig schleicht sich ein Lächeln auf mein Gesicht. Das hier war einer der Gründe, warum ich meinen kleinen Bruder so sehr liebe – egal, was er tat, am Ende hatte er immer nur gute Absichten. Also ordne ich kurz meine langen Haare und warte dann mit klopfendem Herzen darauf, dass Oliver wieder zu uns kommt. Als er nach einer Weile wieder mit vollen Händen auf uns zu kommt, erkenne ich an seinem schwankenden Gang, dass er anscheinend schon etwas länger hier sein musste. Konzentriert stellt er jetzt die Gläser auf den Tisch. „Ernie, mein Freund – hier!“, ruft er und schiebt Ernie sein Glas zu. „Danke“ „Und hier, schöne Frau!“, sobald Oliver diese Worte aussprichst, spüre ich die Hitze in meinem Gesicht aufsteigen. Aber auch ihm wird scheinbar jetzt erst bewusst, dass er gerade laut gesprochen hat und er schaut angestrengt in sein Glas. Ich muss meinen Bruder nicht einmal ansehen, um zu wissen, dass er gerade grinst wie ein Honigkuchenpferd. „Also dann!“, erlöst er uns dann aber doch aus der Situation und hebt sein Glas. „Auf die alten Zeiten!“ Zwei, drei Bier später finde ich den ganzen Abend gar nicht mehr peinlich und auch Olivers Gesellschaft ausgesprochen angenehm. Ernie und er unterhalten sich angeregt über Quidditch, aber ich höre nur mit versonnenem Lächeln zu. „Ich sag es dir, Ern! Hätten die Appleby Arrows einen vernünftigen Hüter, wären sie unschlagbar!“, erwidert Oliver eindringlich und stützt die Arme auf den Tisch. Plötzlich spüre ich eine Berührung an deinem Schienbein. Der kurze und etwas verunsicherte Blick, den ich von Oliver auffange, verrät mir, dass es sein Bein sein muss. Ich lächele. „Meinst du, mit dir wären sie besser dran?“ Oliver nimmt einen großen Schluck aus seinem Bierglas. „Klar!“, ruft Ernie jetzt. „Oliver ist ein Gewinn für jede Mannschaft!“ Ich ziehe lachend die Augenbrauen hoch und hoffe, dass Oliver den verschwörerischen Blick von Ernie eben nicht bemerkt hat. Dann schaut mein kleiner Bruder auf seine Armbanduhr. „Tut mir leid, Leute, aber ich muss echt los.“, meint er entschuldigend und erhebt sich. „Du wolltest mich doch mit nach Hause nehmen!“, werfe ich schnell ein. Ernie winkt ab. „Ach – Oliver bleibt doch noch. Und er bringt dich nachher bestimmt gerne nach Hause.“ Oliver grinst schief. „Klar – wenn ich darf?“ In meinem Bauch breitet sich wieder ein Flattern aus. Was musste der Kerl auch so schrecklich charmant sein? Ernie verabschiedet sich und so sitze ich allein mit Oliver in dem Pub, der immer noch gut gefüllt ist. Plötzlich fühle ich mich gar nicht mehr so selbstbewusst und wünsche mir, mein kleiner Bruder würde noch eine Weile bleiben. „Mit wem bist du eigentlich hergekommen?“, frage ich jetzt. Oliver runzelt die Stirn. „Allein.“ „Oh“, mache ich nur und weiß nicht, was ich noch sagen soll. „Aber,“, er schenkt mir noch ein Glas Whiskey ein, „ich bin ja jetzt in guter Gesellschaft.“ Ich lächele ihn an. „Das denke ich auch.“ Wir reden und reden ohne Unterbrechung. Es ist laut in dem überfüllten Raum, so passiert es mehr als einmal, dass Oliver mir eine Haarsträhne hinter mein Ohr streicht, um mir seine Antwort ins Ohr zu raunen. Obwohl ich mir Mühe gebe, bin ich mir sicher, dass er die Gänsehaut, die sich dabei jedes Mal auf meinem Arm ausbreitet, bemerken muss. Irgendwann bemerke ich, dass der Wirt bereits beginnt, die Stühle rechts und links von uns auf die Tische zu stellen und sehe Oliver kichernd an. „Ich glaube, wir müssen jetzt gehen.“ Sein Blick fällt auf die leeren Tische neben uns. „Stimmt wohl. Also darf ich?“ „Darfst du was?“ Ich schaue ihn verwirrt an. „Na dich nach Hause begleiten!“ Er lacht und hält mir meinen Mantel hin. „Achso! Klar!“ Schnell schlüpfe ich in den Mantel und steuere auf die Tür zu. „Ich muss auch nur bis zum Dorfende, danach kann ich apparieren.“ Oliver hält mir grinsend die Tür auf. „Wohin auch immer, ich bin dabei.“ Mein Herz schlägt aufgeregt in meiner Brust, als wir zum Ortsausgang von Hogsmeade laufen. Auf dem Dorf selbst liegt genau wie auf dem Schulgelände ein Bann, der das Apparieren unmöglich macht. Es ist bereits stockdunkel, als wir Seite an Seite durch die Gassen streifen. Nur ein paar beleuchtete Kürbisse erhellen die kleinen Fenster in den ansonsten dunklen Häusern. „Weißt du noch,“ beginnt Oliver, „als wir den Troll in der Schule hatten – an Halloween?“ Ich lache. „Oh ja! Das war Percys großer Tag! Endlich sein erster großer Einsatz als Vertrauensschüler! Ich finde, wir hätten Flint auch gleich aus der Schule werfen sollen!“ Der Gedanke an die trollhafte Gestalt meines Klassenkameraden lässt mich erschaudern. „Eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Troll konnte er nicht leugnen.“ Mittlerweile haben wir die letzten Häuser passiert und nur noch das verwitterte Holzschild, auf dem „Hogsmeade“ steht, trennt mich von dem Punkt, an dem ich apparieren kann. Dann greift Oliver nach meiner Hand. Mein Herz macht einen aufgeregten Satz. „Oliver?“, frage ich zaghaft, während er mir näher kommt. „Du weißt aber schon noch, wer ich bin, oder?“ „Hm?“, macht er verwundert. Ich lege eine Hand an seine Wange. Eigentlich würde ich nichts lieber, als ihn küssen, aber diese Frage soll er mir erst noch beantworten. „Du konntest mich nicht leiden in der Schule. Ich will nicht, dass du das hier bereust.“ Oliver schüttelt den Kopf und zieht mich zu sich heran. „Ich dachte, Slytherins wären mit einer gewissen Menschenkenntnis ausgestattet.“ Etwas Provokantes liegt in seiner Stimme, auf das ich nur zu gern einsteige. „Was soll das denn heißen?“ „Na dann solltest du doch wissen, dass ich in meiner Schulzeit zuweilen ein überehrgeiziger Idiot sein konnte, der außer Quidditch nichts im Kopf hatte und sich so vielleicht eine großartige Chance hat entgehen lassen.“ „Damit könntest du sogar recht haben.“, entgegne ich und küsse ihn endlich. Anscheinend habe ich ihn doch etwas überrascht, denn einen Moment lang hält er die Luft an, bevor er mein Gesicht in seine Hände nimmt und den Kuss erwidert. Eine knallende Tür in einem der Häuser hinter uns lässt uns aufschrecken. Oliver fährt sich kurz durch die Haare und schaut mich erwartungsvoll an. Lächelnd halte ich ihm deine Hand hin. „Du hast doch versprochen, mich nach Hause zu bringen.“, entgegne ich so unschuldig wie möglich. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht, als er nach meiner Hand greift. „Versprochen ist versprochen.“ *** Ich schlage die Augen auf und lasse die Ereignisse der letzten Nacht Revue passieren. Ernie, der mir von dem Besuch bei seiner Schwiegermutter in spe erzählt hatte, der Feuerwhiskey, den ich quasi inhaliert hatte, nachdem Oliver aufgetaucht war. Ernie, der sich irgendwann verabschiedet hatte. Oliver, der versprochen hatte, mich sicher nach Hause zu bringen. Oliver, den ich mit meinem Kuss in der Dunkelheit überrumpelt hatte. Oliver, der mir noch im Flur meines Hauses mein T-Shirt über den Kopf gezogen hatte, gleich nachdem er sein eigenes Hemd achtlos hatte fallen lassen. Meine Augen weiten sich und ich erkenne auch meine Jeans, die auf dem Flur vor meinem Schlafzimmer liegt. War das wirklich passiert? Ein Arm, der sich plötzlich von hinten um mich legt, verrät mir, dass das alles tatsächlich passiert ist und dass Oliver sich auch noch nicht heimlich aus dem Staub gemacht hatte. Erstaunt, aber glücklich greife ich nach seiner Hand und kuschele mich noch einmal tiefer unter die Decke. Ich habe gerade die Augen noch einmal geschlossen und frag mich, wie ich ihn wohl gleich begrüßen sollte, wenn er aufwachen würde, da spüre ich auch schon sanfte Bewegung hinter mir. Erschrocken stelle ich mich weiter schlafend und warte. Ich will um alles in der Welt vermeiden, dass er gleich irgendeine fadenscheinige Ausrede suchen muss, um schnell zu verschwinden und sich danach nie wieder bei mir zu melden. Aber er steht nicht auf. Ganz im Gegenteil – er stützt den Kopf auf die eine Hand, mit der anderen streicht er mir sanft die Haare aus dem Gesicht. Zu meinem Leidwesen bin ich unheimlich kitzlig, deshalb fliegt meine Tarnung augenblicklich auf, weil ich mir kichernd das Gesicht reibe. „Warst du die ganze Zeit wach?“ Oliver schaut mich belustigt an. „Nee!“, beteuere ich schnell. „Bin nur echt kitzlig.“ Mein Gegenüber grinst. „Das merk ich mir.“ „Das könnte gefährlich für dich enden, ich warne dich!“ Ich schlage die Decke zurück und setze mich auf. „Das Risiko gehe ich ein.“ Noch bevor er mich wieder zu sich ziehen kann, stehe ich auf, um zu duschen. Während ich zur Tür laufe, spüre ich seinen Blick auf mir ruhen. Im Türrahmen drehe ich mich noch einmal um. „Machst du Tee?“ Er schaut mich tatsächlich immer noch fasziniert an. „Wo ist deine Küche?“ Ich lache. „Da, wo du gestern dein Hemd hast fallen lassen.“ Als ich wieder aus der Dusche steige, trockne ich mich ab und schnappe mir dann sein T-Shirt, das noch über dem Treppengeländer im Flur hängt – wenn er jetzt immer noch da war, war es auch in Ordnung, sein T-Shirt zu tragen, finde ich. Während Oliver im Badezimmer verschwunden ist, ziehe ich mir noch ein paar dicke Socken über und schlendere nach unten in die Küche. Tatsächlich stehen auf meinem kleinen runden Küchentisch schon zwei Tassen und eine dampfende Teekanne. Sogar Edith, meine plattnasige Perserkatze schmatzt bereits genüsslich über ihrem gefüllten Napf. „Der Mann denkt auch an alles, oder?“, frage ich Edith und habe fast das Gefühl, als würde sie zustimmend nicken. Eine Weile hocke ich noch neben ihr und streichele ihr graues Fell. „Steht dir.“, stellt Oliver fest, der jetzt neben mir auftaucht. Ich zucke kurz zusammen, erwidere dann aber Olivers Lächeln. Schweigend trinken wir unseren Tee und schauen aus meinem Küchenfenster auf das Meer. Dieses Mal ist das Schweigen aber ganz und gar nicht unangenehm. Ich habe meine nackten Beine über Olivers Schoß gelegt und er spielt gedankenverloren mit meinen Fingern. Als Edith ihr Frühstück beendet hat, springt sie kurzerhand ebenfalls auf seinen Schoß und quetscht sich zwischen meine Schienbeine und seine Oberschenkel. „Sie mag dich.“, sage ich anerkennend. „Das können nicht viele Menschen von sich behaupten.“ Oliver stellt seine Tasse ab, um die alte Katze zu streicheln. „Wir beide verstehen uns ja auch.“ Während er das sagt, schaut er mir so tief in die Augen, dass ich mir nicht sicher bin, ob er von uns beiden oder von sich und Edith spricht. „Halb eins schon!“ Mein Blick fällt auf die Küchenuhr. Oliver schaut mich an. „Musst du heute noch irgendwo sein?“ Ich nicke, auch wenn ich mir wünsche, es wäre nicht so. „Ich treffe mich mit Ernie bei unseren Eltern – er will von seinem Schwiegermutter-Erlebnis erzählen.“ Oliver lächelt. „Dann sollte ich mich jetzt vielleicht auf den Weg machen.“ Ich nehme seine Hand. „Du musst noch nicht gehen.“ Komm doch mit, hätte ich am liebsten hinzugefügt, aber ich bin nicht naiv und weiß, dass man einen one night stand nicht seinen Eltern vorstellen sollte. Er küsst mich auf die Stirn und steht auf. „Ich will nicht, dass du wegen mir zu spät kommst.“ „Ach-“ Aber Oliver legt mir einen Finger auf die Lippen. „Ich will es mir nicht mit deinem Bruder verscherzen – ein Hufflepuff ist der letzte, mit dem man Stress haben möchte, glaub mir.“ „Da hast du wohl Recht.“, gebe ich zu und beobachte ihn, wie er zuerst in seine Jeans schlüpft und sich dann sein Hemd überstreift. „Hier.“, ich will mir schnell das T-Shirt über den Kopf ziehen, „Das ist auch von dir.“ Grinsend zieht er mir das T-Shirt wieder an Ort und Stelle. „Behalte es doch – dann hab ich eins hier, wenn ich dich das nächste Mal nach Hause bringe.“ „Na wenn du das sagst.“ Mehr fällt mir dazu nicht ein, so glücklich bin ich in diesem Moment. Oliver zwinkert mir noch einmal zu, dann schlüpft er in seine Schuhe und seinen Mantel. An der Türschwelle dreht er sich zu mir um und küsst mich liebevoll. Ich stelle mich auf die Zehenspitzen und verschränke meine Hände hinter seinem Kopf. „Hör mal“, flüstert er dann, ohne sich wirklich von mir zu lösen, „das hier war nicht nur eine einmalige Sache, oder?“ Ich lächele in den Kuss hinein. „Ganz sicher nicht. Du glaubst doch nicht, dass ich dich nach so vielen Schuljahren Wartezeit einfach wieder laufen lasse.“ Jetzt lächelt Oliver auch, löst sich aber schließlich doch von mir. „Ich will wirklich nicht, dass du wegen mir zu spät kommst. Sonst muss ich vor einem Besuch bei deiner Familie noch so viel Angst haben, wie Ernie heute vor seinem Besuch.“ Bevor ich noch etwas erwidern kann, ist Oliver schon mit einem leisen „plopp“ verschwunden und lässt mich vollkommen perplex auf deiner Türschwelle zurück. Die Tür des Reihenhauses neben mir schwingt auf und die wilde Lockenmähne meiner Nachbarin Gemma taucht auf. Sie nickt anerkennend. „Deiner?“ „Ich schätze, irgendwie schon.“, stelle ich mit einem Blick auf sein T-Shirt fest. Gemma grinst. „Zu schade – er hat nicht zufällig ältere Geschwister?“ „Gemma!“ „Ich frag doch nur!“, Gemmas Lachen klingt gackernd, wie ein übergroßes Huhn. „So verliebt, wie ihr euch anhimmelt, sieht der eh keine anderen Frauen außer dir.“ „Was?“ Die Schmetterlinge in meinem Bauch waren mir die ganze Zeit überaus bewusst gewesen, aber nicht, dass meine Gefühle auch für andere so offensichtlich waren. Gemma leert grinsend ihren Briefkasten. „Muss dir doch nicht peinlich sein.“ „Ist es ja auch gar nicht!“, verteidige ich mich. „Also hast du dein Herz an ihn verschenkt – schon nach einer Nacht.“, stellt Gemma fest und klingt dabei ein wenig zu spöttisch für meinen Geschmack. „Als ob!“, antworte ich dann etwas härter, als es unbedingt nötig gewesen wäre. Dann hebe ich noch einmal lächelnd die Hand und verschwinde schnell wieder ins Innere des Hauses. *** Spike, die englische Bulldogge meiner Eltern begrüßt mich bereits am Gartenzaun und bellt aufgeregt, noch bevor ich überhaupt das Grundstück betreten habe. Die letzten Astern blühen noch in leuchtendem Pink in ihren Beeten und machen dem bunten Herbstlaub ziemlich Konkurrenz. Als ich die Haustür aufdrücke, höre ich bereits gedämpfte Stimmen aus dem Wohnzimmer. Geräuschlos ziehe ich meine Schuhe aus, hänge meine Jacke auf und beobachte meine Familie einen Augenblick lang unbemerkt. Ernie und meine Mutter diskutieren gerade angeregt über die Ergebnisse der Quidditchspiele von gestern Abend, während Susan und mein Vater sich nicht weniger enthusiastisch darüber austauschen, welches wohl das beste Diätfutter für Spike sein könnte. Ein warmes Gefühl breitet sich in meinem Bauch aus. So unterschiedlich die vier auch sein mochten und so merkwürdig ich ihre Interessen manchmal auch fand – es gab nichts auf der Welt, das mir wichtiger sein könnte als das Wohlergehen meiner Liebsten. „Elle, komm rein!“, reißt mein Vater mich jetzt aus meinen Gedanken. Ernie rutscht auf dem Sofa beiseite, um mir Platz zu machen. „Genau, steh da nicht rum wie ein Gespenst.“ Lächelnd trete ich ein und lasse mich von allen zur Begrüßung umarmen. Einen ganzen Scone kann ich in Ruhe verspeisen, dann fällt mir der erwartungsvolle Blick meiner Mutter auf. „Mum, ist alles in Ordnung?“, frage ich lachend. Meine Mutter streicht sich eine Haarsträhne hinters Ohr und lächelt unschuldig. „Natürlich, was soll denn sein?“ Ich zucke die Schultern und will gerade nach einem zweiten Scone greifen, da sprudelt es doch aus ihr heraus: „Wie war es denn gestern Abend noch?“ „Gestern Abend?“ „Mum!“ Ernie rollt mit den Augen und sieht ertappt aus. „Ich frag ja nur!“, ereifert sie sich und schaut dann gespannt zu mir. „Also?“ „War gut.“ Dann stopfe ich mir so schnell wie möglich den Scone in den Mund, um nicht weiter antworten zu müssen. Mein Vater blättert belustigt weiter in der Broschüre mit dem Hundefutter, die Susan ihm mitgebracht hatte. Zum Glück kommt Spike in diesem Augenblick durch die Hundeklappe ins Wohnzimmer gestürmt und schaut uns mit seinen großen Kulleraugen bettelnd an. „Ich glaube, da möchte jemand spazieren gehen.“, stellt Susan fest. „Elle, Ernie, gehen wir eine Runde?“ Ich hätte die Freundin meines Bruders am liebsten gleich noch einmal umarmt. Sie wusste, wie unangenehm die Situation für mich sein musste und hatte entschieden, mich zu erlösen. „Auf jeden Fall!“ Ich nicke eifrig und bin schon aufgestanden. Meine Mutter schüttelt lachend den Kopf. Sie weiß, dass ich wichtige Ereignisse gerne erst einmal für mich behalte, sie aber am Ende doch immer in alles einweihe. Die kühle Herbstluft wirkt belebend auf mich und ich fühle mich, als würde ich über Wolken laufen, während wir durch den nahegelegenen Park streifen. „Gott sei Dank hast du mich da eben rausgeholt, Susan!“, stelle ich erleichtert fest. Aber Susan grinst mich schelmisch an. „Ich weiß doch, dass man über so was nicht mit den Eltern spricht – aber -“ „mit dem eigenen Bruder und der Schwägerin in spe doch auf jeden Fall!“, beendet Ernie mit dem gleichen Gesichtsausdruck seinen Satz. „Oh Leute!“ Ich halte mir die Hände vors Gesicht. „Hat er dich zum Dorfausgang begleitet?“, will Ernie wissen. Ich nicke. Dass Oliver mich noch ein ganzes Stück weiter begleitet hatte, musste er ja nicht wissen – und so lange mich niemand fragte, würde ich es auch nicht erzählen. „Wie habt ihr euch verabschiedet?“, fragt Susan jetzt und ich spüre, wie sich meine Wangen verfärben. Als ich schweige, fragt Ernie misstrauisch: „Ist es nicht gut gelaufen?“ Ich schüttele entschieden den Kopf. „Häh - gut oder nicht gut?“ Aber Susan schlägt aufgeregt die Hand vor den Mund. „Du hast ihn geküsst!“ „Na ja...“ „Elle!“, ruft Ernie erstaunt. „Mensch Ernie, lass sie doch! Sie ist deine Schwester!“, entgegnet Susan und zieht ihm seine Mütze ins Gesicht. Sie wirft mir noch einen kurzen Seitenblick zu und ich sehe, dass sie mein Schweigen richtig gedeutet hatte und sehr wohl wusste, dass mein Abend mit Oliver gestern nicht am Ortsausgang vom Hogsmeade geendet hatte. „Du Elle, ich fahre nachher mit dem Zug zurück nach Hause. Willst du mit? Wir fahren doch in die selbe Richtung?“ Für Ernie musste es wirken, als hätte Susan beiläufig das Thema gewechselt, aber ich bin mir jetzt sicher, dass sie über alles Bescheid wissen musste – oder zumindest eine Ahnung hatte. „Klar, warum nicht.“, antworte ich trotzdem. Ich mag Susan und vertraue ihr. Eine beste Freundin hatte ich nie wirklich gehabt, aber seit sie mit meinem Bruder ausging, war Susan zumindest eine sehr enge Freundin von mir geworden. Ernie wirft einen Blick auf die Uhr. „Dann sollten wir uns langsam auf den Weg zurück machen, sonst wird das nichts.“ Auch Spike scheint froh darüber, den Heimweg anzutreten und ich bin erleichtert, endlich das Thema wechseln zu können. „Also Susan – wie hat mein Bruder sich denn gestern bei deiner Mutter angestellt?“, frage ich schnell, bevor irgendjemand wieder auf das Oliver-Thema zu sprechen kommen kann. „Er war ein richtiger Gentleman.“ Susan lacht. „Hat meiner Mutter sogar den Stuhl zurechtgerückt und alles.“ Jetzt ist es Ernie, der rot anläuft. „Mensch, Bruderherz!“ Ich klopfe ihm anerkennend auf die Schulter. Ernie zuckt mit den Achseln. „Ich will ja, dass sie mich mag.“ Susan nimmt glücklich seine Hand. „Mögen wäre ja wohl die Untertreibung des Jahrhunderts. Sie ist vollkommen hin und weg von dir!“ Am Haus meiner Eltern angekommen, verabschieden Susan und ich uns noch von allen, dann gehen wir gemeinsam zum nahegelegenen Bahnhof. Als wir in einem Abteil Platz genommen haben und der Zug sich langsam in Bewegung setzt, schaut Susan mich erwartungsvoll an. „Was?“, frage ich lachend. „Und?“, gibt sie nur zurück. Ich runzele die Stirn. „Na was ist wirklich passiert?“ Meine Freundin beugt sich aufgeregt nach vorn. Ich betrachte nachdenklich meine Hände. „Heißt das, wir können es nicht dabei belassen, dass er mich zum Dorfausgang gebracht hat und dass es dort einen kurzen Kuss und ein 'Gute Nacht' gab?“ „Das glaubt dir ja nicht mal deine Katze!“ Susan lacht ausgelassen. „Die findet ihn aber auch sehr nett!“ „Was?“ „Eh-“ Manchmal ärgere ich mich über mich selbst. Erst denken, dann sprechen, ermahne ich mich innerlich. „Eleanor!“, flüstert Susan jetzt verschwörerisch. „Hast du tatsächlich den Frauenschwarm unserer Schulzeit abgeschleppt?“ „Wir sind aber nicht mehr in der Schule.“, meine ich beschwichtigend. „Es war ein... netter Abend, ja. Reicht das?“ Aber Susan schüttelt entschieden den Kopf. „Nein! Ich will alles wissen! Wann ist er gegangen? Habt ihr zusammen gefrühstückt? Wann siehst du ihn wieder?“ Noch die ganze Zugfahrt lang quetscht sie mich aus. Ich weiß, dass sie wirklich nur gutes im Sinn hat und sich ehrlich für mich freut, trotzdem bin ich erleichtert, als der Zug in Peterhead hält und ich endlich aussteigen kann. „Sag mir Bescheid, wenn du weißt, wann ihr euch das nächste Mal trefft!“, ruft Susan mir noch aus dem geöffneten Fenster des Zuges nach. Ich lächele nur und hebe kopfschüttelnd die Hand. Als ich in der Abenddämmerung die schmale Straße zu meinem Haus am Hafen hinabläufst, hallen ihre Worte immer wieder durch meinen Kopf. Ruf ihn an, hatte Susan gesagt. Ruf ihn an, noch heute. Eigentlich fand ich es noch zu früh, immerhin war er vor ein paar Stunden erst aus meinem Bett aufgestanden. Ihn jetzt gleich anzurufen, würde doch bestimmt verzweifelt wirken, oder? Andererseits wäre er aber bestimmt nicht so lange geblieben, wenn ihm nicht auch etwas an mir liegen würde – oder doch? Während ich grübele, erreiche ich meine Haustür, vor der Edith schon auf mich wartet. Anscheinend ist sie hungrig, denn als ich den Schlüssel im Schloss drehe, scharrt sie bereits ungeduldig an der Tür und schaut mich vorwurfsvoll an. Noch bevor ich meinen Mantel ausziehe, fülle ich ihren Napf mit Trockenfutter, aber der vorwurfsvolle Blick meiner Katze ruht weiterhin auf mir. „Ja was?“, frage ich belustigt, während ich mich auf die Couch fallen lasse. „Hat Oliver dir dein Futter schöner in den Napf gekippt?“ Aber Edith seufzt nur und frisst dann zögerlich ihr Futter. Als ich nach der Fernbedienung greife, fällt mein Blick auf das Telefon. Ruf ihn an, Elle! In diesem Augenblick verfluche ich Susan für ihr offenes Ohr. Ich weiß, dass sie eigentlich Recht hat, aber hätte ich nicht mit ihr gesprochen, wäre ich gar nicht auf die Idee gekommen, Oliver heute schon anzurufen. Oder immerhin hätte ich jetzt eine Ausrede gehabt, es nicht zu tun. Denn ohne Susan hätte ich jetzt auch nicht dieses kleine Stück Papier in der Hand, auf dass sie mir schnell die Telefonnummer von Oliver gekritzelt hatte. Ich atme noch einmal tief durch und greife dann hastig nach dem Telefon. Jetzt oder nie, denke ich mir. Mit zittrigen Händen tippe ich die Nummer ab und lausche dann dem Freizeichen. Es tutet – und tutet – und tutet. Tja, wahrscheinlich war er gar nicht zuhause, denke ich mir erleichtert und will gerade den Hörer ablegen, da höre ich ein Knacken in der Leitung. „Hallo?“ Meine Hand umklammert den Hörer und ich schlucke schwer. „Hallo?“ „Wer ist denn da?“ Die Frauenstimme auf der anderen Seite klingt genervt. „Ich-“ Ich beiße mir auf die Lippe. „Ist Oliver da? Hier ist Elle.“ Stille auf der anderen Seite. „Er ist nicht da, tut mir leid.“, antwortet die Frau knapp. „Sonst noch was?“ „Nein.“ Ohne eine Antwort abzuwarten knalle ich den Hörer wieder zurück auf die Gabel und starre auf den dunklen Fernseher. Was war das denn? Wer war diese Frau? Für seine Mutter zu jung, für eine kleine Schwester zu alt und überhaupt kam mir die Stimme irgendwie bekannt vor. Unschlüssig fahre ich mir durch die Haare. Dann greife ich wieder nach dem Telefon. „Hallo?“ „Susan, ich hab ihn angerufen!“, brülle ich in den Hörer, ohne eine Antwort abzuwarten. „Und? Was hat er gesagt?“ Der Tonfall meiner Freundin ist voller Vorfreude und Erwartung. „Na ja...“ Ich zögere. „Er ging nicht ran, aber -“ „Warum rufst du dann mich an? Du musst doch die Leitung freihalten, weil er bestimmt gleich zurück-“ „Susan, da ist eine Frau ans Telefon gegangen!“, unterbreche ich sie schnell und spüre, wie sich ein Schmerz in meiner Brust ausbreitet. „WAS?“ Jetzt brüllt Susan. Ich nicke und kämpfe gegen den Kloß in meinem Hals. „Wäre ja auch zu schön gewesen.“ „Wo bist du?“ „Zuhause, wieso?“, frage ich irritiert. „Rühr dich nicht von der Stelle!“ Susans Tonfall ist ernst. „Ich bin in zwanzig Minuten da.“ „Du musst nicht-“ Aber noch bevor ich meinen Satz beenden kann, hat sie bereits aufgelegt. Seufzend lege ich den Hörer weg und ziehe meine Knie an die Brust. Wie hätte es auch anders sein können? Als ob jemand wie Oliver Wood in unserem Alter nicht längst in einer festen Beziehung wäre. Die Frau am Telefon musste seine Freundin sein. Wahrscheinlich hatten die beiden gestern Abend einfach Streit gehabt, er hatte Ablenkung gesucht und jetzt hatten sie sich wieder vertragen. Während all diese düsteren Gedanken durch meinen Kopf kreisen, höre ich nicht das leise 'plopp' an meiner Haustür. Erst das Klopfen lässt mich aufschrecken und zur Tür laufen. Im Schein der Straßenlaterne erkenne ich Susans bleiches Gesicht. Ich habe die Tür noch gar nicht ganz geöffnet, da fällt sie mir schon um den Hals. „Oh Elle, es tut mir so leid!“, ruft sie und drückt mich fest an sich. Ich streichele ihr beruhigend über den Rücken. „Hey, du bist ja enttäuschter als ich.“ „Ach“, erwidert Susan lächelnd, „Das nicht, ich habe nur ein schlechtes Gewissen.“ „Quatsch, wieso das denn?“ Wir lassen uns beide auf mein gemütliches Sofa fallen. „Na hätte ich dich nicht gedrängt, ihn anzurufen, wärst du jetzt nicht traurig.“, gibt sie kleinlaut zu. Ein lautes Lachen entfährt mir. „Wenn überhaupt, bin ich dankbar dafür!“ „Hä?“ „Na guck mal, hätte ich ihn nicht angerufen, hätte ich doch nie von dieser anderen Frau erfahren und hätte mich womöglich wirklich noch öfters mit ihn getroffen.“ Susan lächelt schief. „Wenn man es so betrachtet...“ „Siehst du. Und so lange du nicht die andere Frau warst, brauchst du wirklich kein schlechtes Gewissen zu haben.“ Jetzt lacht Susan auch und zieht einen großen Container Eiscreme, Weißwein und Schokolade aus ihrer kleinen Handtasche. „Ich glaube, das hilft jetzt trotzdem gut.“, stellt sie dann fest. Ich nicke und schaufele schweigend die Schokolade in mich hinein, während Susan den Fernseher einschaltet und mich liebevoll in eine Decke hüllt. „Weißt du, ich hätte wirklich gedacht, er wäre anders!“, stelle ich nach meinem dritten Glas Weißwein schnaubend fest. „Aber nein! Männer sind doch alle gleich!“ Susan schaut mich mitleidig an. „Alle nicht...“ Ich mache nur eine wegwerfende Handbewegung. „Außer meinem Dad und meinem Bruder – alle anderen schon!“ „Wir wissen doch noch gar nicht, wer diese Frau ist.“, unterbricht Susan meine Schimpftirade. „Vielleicht ist alles ganz harmlos.“ Ihre Stimme ist so ruhig, dass es mich fast wütend macht. „Willst du ihn etwa ihn Schutz nehmen?“ Meine Freundin grinst mich über den Rand ihres Glases hinweg an. „Ich sage nur, dass wir ihn nicht vorschnell verurteilen sollten. Das wäre nicht f-“ „Nicht fair, ich weiß.“, ich rolle die Augen. „Aber was, wenn es seine Freundin war? Wenn er sie mit mir betrogen hat? Wenn ich 'die andere Frau' gewesen bin?“ Der Weißwein lässt meine Augenlider schwer werden, lässt mich aber auch den Schmerz und die Enttäuschung über die ganze Situation umso deutlicher spüren. Susan zieht die Decke fester um mich und nimmt mich in den Arm. „Alles wird gut, du wirst schon sehen.“ Ihre Worte sind so sanft, aber doch so bestimmt und zuversichtlich, dass ich meinen Schutzpanzer aus Wut und Kratzbürstigkeit aufgebe. „Aber was, wenn-“ Mein Hals fühlt sich plötzlich an wie zugeschnürt und die ersten Tränen laufen mir über die Wangen. „Nichts, wenn.“ Sie reicht mir noch ein Stück Schokolade. „Wir sollten jetzt erst einmal schlafen, morgen finden wir dann raus, was hinter all dem steckt. Okay?“ Ich nicke und schließt die Augen. Ein paar Mal werden meine Schultern noch von einem Schluchzen geschüttelt, aber irgendwann werden alle Geräusche im Hintergrund immer leiser und ich gleite in einen tiefen, traumlosen Schlaf. *** Als ich am nächsten Morgen die Augen aufschlage, höre ich bereits ein Klappern aus der Küche. Ich strecke mich und mir fällt wieder ein, wie Oliver gestern noch in meine Küche spaziert ist. Schmerzerfüllt fällt mein Blick auf sein Shirt, das immer noch auf dem Sessel liegt, wo ich es gestern ausgezogen hatte, bevor ich zu meinen Eltern gefahren war. Mit hängenden Schultern schleiche ich in die Küche, wo Susan bereits ein komplettes Frühstück gezaubert hat. „Magst du Speck zu deinem Rührei?“, fragt sie und stellt mir eine Tasse Tee vor die Nase. Ich zucke die Schultern. „Ist mir egal.“ „Das nehme ich mal als 'ja, gerne'.“ Während ich schweigend an meinem Toast knabbere, zieht Susan ein großes Stück Papier hervor und sieht mich bedeutungsvoll an. „Ich habe einen Plan.“, erklärt sie und schiebt das Papier ein Stück weiter zu mir. „Wir werden diese ominöse Frau heute finden und es wird sich herausstellen, dass alles ein riesiges Missverständnis gewesen ist.“ Ein schwaches Lächeln huscht über mein Gesicht. „Wenn du mir das nur oft genug sagst, glaube ich es vielleicht auch irgendwann.“ Ich würde mich ohnehin eher als Realistin als als Optimistin bezeichnen und gerade, wenn etwas schon schlecht aussah, hatte ich eigentlich nie Hoffnung, dass es sich auf wundersame Weise noch zum Guten wenden würde – einer der Gründe, warum ich nicht in Hufflepuff gelandet bin. „Und wenn ich, entgegen aller Erwartungen, Unrecht haben sollte, dann fahren wir zu ihm hin, sagen dieser verrückten Alten, was Sache ist und hauen diesem Dreckskerl so richtig aufs Maul!“ „Susan!“ Ich lache. „Seit wann kannst du so wütend werden?“ Aber meine Freundin schaut mich ernst an. „Glaub mir, ich bin nicht wütend, noch nicht. Aber sollte sich rausstellen, dass der Kerl zweigleisig fährt – und dann auch noch mit dir, der Schwester meines Freundes – dann mögen ihm Merlin und alle guten Götter gnädig sein, wenn er mir über den Weg läuft.“ Ich schaue sie ehrfürchtig an und bin gerührt, wie loyal und bedingungslos sie hinter mir steht. „Aber wie auch immer“ Susans Stimme klingt jetzt wieder hell und fröhlich wie immer. „So weit wird es gar nicht erst kommen, ich weiß es einfach.“ Lachend schüttele ich den Kopf. „Also, was ist jetzt dein Plan?“ „Zuerst einmal finden wir heraus, wer diese Frau ist. Du hast doch gesagt, ihre Stimme kam dir bekannt vor, oder?“ „Ja.“ „Sehr gut.“ Susan stellt das Geschirr in die Spüle. „Katie Bell müsste jeden Augenblick hier sein. Sie ist eine Freundin von mir und kennt einen Zauberspruch, mit dem man die Gespräche aus Telefonen noch einmal hören kann. Vielleicht erkennt eine von uns ja die Stimme.“ „Und das soll funktionieren?“, frage ich skeptisch. Aber da klopft es auch schon an der Tür und Susan bittet Katie herein. Zu meiner Überraschung stellt sie keinerlei neugierige Fragen und widmet sich sofort dem Telefon. Schon ein paar Sekunden später schallt das schreckliche Gespräch von gestern Abend wieder durch mein Wohnzimmer und ich bedecke mein Gesicht mit den Händen. Als das Telefon verstummt schaut Katie mich durchdringend an. „Und, kennst du sie?“, frage ich und luge zwischen meinen Fingern hindurch. Sie nickt. „Allerdings. Das ist Romilda Vane.“ „Wer?“ Susan macht große Augen. „Romilda Vane?“ „Wer ist denn das jetzt?“, frage ich ungeduldig. Susan schaut besorgt. „Na ja, du hast ja ihre Stimme auch erkannt. Sie war auch in Gryffindor, aber ein Jahr unter Katie und mir. Und, na ja... Wie sage ich das jetzt -“ Katie unterbricht sie. „Guck, wenn Susan hier ein Tier wäre, dann wäre sie ein Schwan – ein mal den richtigen Partner gefunden, bleiben sie für immer zusammen. Aber Romilda hingegen – sagen wir, sie ist ein fleißiges Bienchen. Von Blume zu Blume, jeden Tag den ganzen Tag.“ Susan nickt bekräftigend. „Das kann man so sagen.“ „Wow.“, sage ich nur mit heiserer Stimme. „Danke für deine Hilfe, Katie.“ „Kein Problem.“ Katie erhebt sich und streift sich ihren Mantel über. „Sag Bescheid, wenn ich noch was für dich tun kann.“ „Klar.“ Ich hebe die Hand und sehe zu, wie sie in der Tür verschwindet. Resigniert lasse ich mich zurück auf das Sofa fallen. „Und jetzt?“ Susan stemmt etwas ratlos die Hände in die Hüften. „Jetzt -“ Sie wird vom Klingeln des Telefons unterbrochen. Schockiert schaue ich von ihr zum Telefon und wieder zurück. „Na los, geh schon ran!“, fordert sie. Aber ich schüttele energisch den Kopf. „Was, wenn er dran ist?“ „Genau das wollen wir, Liebes!“ Mit diesen Worten hebt meine Freundin den Hörer und hält ihn an mein Ohr. Ich schlucke. „Hallo?“ „Elle, bist du das?“ Natürlich musste er es sein. Wer auch sonst? „Ja,“, krächze ich, „Was gibt’s denn?“ Oliver räuspert sich kurz. „Na ja, ich will nicht vorschnell oder verzweifelt wirken, aber – ich hab mich gefragt, ob ich dich morgen abholen und zum Picknick einladen kann?“ Susan, die alles mitgehört hat, reibt sich begeistert die Hände. „Eh- Klar, wieso nicht? Um halb drei?“ „Das passt super! Ich hol dich dann ab! Bis morgen!“ Noch bevor ich etwas erwidern kann, hat Oliver aufgelegt. Entgeistert starre ich auf den Hörer. „Was war das denn?“ „Ein gutes Zeichen! Hab ich dir doch gesagt!“ „Ja aber Susan,“, beginne ich zögerlich, „ich will mich nicht mit einem vergebenen Mann treffen. Das ist doch genau das, was ich nicht wollte.“ „Ach Quatsch!“, entgegnet sie. „Das wird sich morgen alles aufklären! Was ziehst du an?“ Ich wünsche mir in diesem Moment nichts sehnlicher, als den Optimismus meiner Freundin. Trotzdem kann ich mir noch nicht vorstellen, dass sich alles als so harmlos herausstellen würde, wie ich es gerne hätte. „Keine Ahnung.“, antworte ich Susan schließlich. Sie zieht mich auf die Beine und lotst mich zielsicher zu meinem Kleiderschrank. „Wollen wir doch mal sehen...“ Konzentriert durchsucht sie die einzelnen Fächer. Nach unzähligen 'Was ist hiermit?', 'Oder das hier?', 'Oh, das hier ist toll' haben wir uns schließlich auf eine helle Jeans und ein grün kariertes Flanellhemd festgelegt. „Oliver wird Augen machen!“, freut Susan sich. Ich vergrabe die Hände in meinen Hosentaschen. „Der wird erstmal Augen machen, wenn ich ihn damit konfrontiere, was ich weiß.“ „Immer positiv denken!“, ermahnt meine Freundin mich. „Immer positiv denken!“, wiederhole ich in einem albernen Tonfall, sodass wir beide lachen müssen. *** Die Zeiger auf meiner Uhr rücken erbarmungslos vorwärts, während ich meine Frisur zum hundertsten Mal im Spiegel kontrolliere. In 5 Minuten sollte er hier sein – genug Zeit um noch einmal – da klingelt es auch schon an der Tür. Durch das Fenster in der Küche kann ich Oliver sehen. Er steht vor der Tür, in der einen Hand einen Weidenkorb und in der anderen hielt er wahrscheinlich einen Blumenstrauß, oder zumindest etwas mit der gleichen Form, das in braunes Papier eingeschlagen war. Ich atme noch einmal tief durch, dann schlüpfe ich in meine Jeansjacke und öffne ihm die Tür. „Hey, Elle!“ Oliver strahlt mich an und umarmt mich, so gut das eben mit seinen vollen Händen möglich ist. Über seine Schulter hinweg schaue ich auf das Meer, das heute in friedlichen kleinen Wellen an den Strand plätschert. „Wie schön, dass du da bist.“, erwidere ich und meine es auch so. Einfach nur in seiner Nähe zu sein macht mich immer noch zur glücklichsten Frau überhaupt, wäre da nicht der Gedanke an Romilda. „Ich hab dir was mitgebracht.“ Etwas umständlich fummelt er an dem braunen Papier herum und enthüllt einen riesigen Strauß voller Wildblumen. „Für mich?“, frage ich überflüssigerweise und schaue auf die Blumen. Keine sieht aus wie die andere und sie leuchten in den schönsten Farben, die der Herbst zu bieten hat. Bei genauerem Hinsehen erkenne ich sogar ein paar winzige Elfen, die es sich in den größeren Blütenkelchen gemütlich gemacht haben. „Komm mit rein, wir stellen sie in eine Vase.“ Er folgt mir in die Küche, wo Edith ihm sogleich um die Beine streicht. Schnell ziehe ich eine Vase aus dem Schrank und stelle die Blumen hinein. „Die sind wirklich schön.“, gebe ich zu. „Danke.“ Oliver strahlt. „Ich dachte, sie würden dir gefallen. Und ich hatte das Gefühl, so etwas normales wie Rosen oder Chrysanthemen wären dir nicht ansatzweise gerecht geworden.“ Ich erröte, gerührt von diesem Kompliment. Für einen Moment vergesse ich die Gedanken an Romilda, nehme sein Gesicht in meine Hände und gebe ihm einen vorsichtigen Kuss. „Sollen wir zum Strand gehen?“, frage ich dann. Er nickt. „Wohin auch immer du willst.“ Während wir die Promenade entlang schlendern, reden wir über Gott und die Welt, über die neuen Scherzartikel aus Georges Laden und fragen uns, wie sich Neville wohl als Lehrer in Hogwarts machte. Dann wechselt der Weg von ausgewaschenen Pflastersteinen zu festgetretenem Sand und Oliver greift nach meiner Hand. Ein warmes Gefühl breitet sich in meiner Brust aus und ein unfreiwilliges Lächeln schleicht sich auf mein Gesicht. Irgendwann kommen wir in einer windgeschützten kleinen Bucht an, in der wir uns zwischen das zerzauste Gras fallen lassen. „Es ist so schön hier.“, stellt Oliver fest. „Ich verstehe, warum du gerne hier lebst.“ Ich nicke. „Ich würde nirgendwo auf der Welt lieber sein. Guck mal, da hinten! Siehst du die Felsen da an der Küste? Und überhaupt, wie endlos lang der Strand ist! Unglaublich, oder?“ Während ich inbrünstig Lobeshymnen auf meine Heimatstadt gesungen habe, ist mir nicht aufgefallen, dass Oliver nicht mehr auf das Meer und die Küste schaute, sondern nur noch auf mich. „Unglaublich, oder?“, frage ich noch einmal und schaue ihm tief in seine braunen Augen. „Ich finde, du bist unglaublich.“, murmelt er und kommt mir langsam näher. Plötzlich finde ich alles um uns herum gar nicht mehr so interessant und schließe lächelnd die Augen, als ich seine Lippen auf meinen spüre. Er rückt näher an mich heran und streicht mir die Haare aus dem Gesicht, die der Wind aus meinem Zopf gelöst hatte. „Wie konnte mir nur all die Jahre entgehen, was für ein wundervoller Mensch du bist?“, fragt er mich nach einer Weile und streckt sich im Sand aus. Ich lege mich neben ihn, stütze neinen Kopf auf die Hände und schaue ihn an. Eigentlich bin ich gerade überglücklich, wäre da nicht diese Sache mit Romilda, die immer noch an mir nagte. Er streicht mir noch einmal lächelnd über die Wange, dann schließt er die Augen und hält sein Gesicht in die Sonne. „Ich hätte dich schon viel früher anrufen sollen.“, stellt er fest. „Du, Oliver?“ Langsam halte ich es nicht mehr aus. „Hm?“, macht er, ohne die Augen zu öffnen. „Wer ist Romilda Vane?“, platzt es aus mir heraus. Verärgert rolle ich mit den Augen. Das war wahrscheinlich der am wenigsten taktvolle und diplomatische Weg gewesen, den es überhaupt gab. Oliver runzelt die Stirn und öffnet die Augen. „Wieso fragst du?“ „Ist sie deine Freundin?“ „Was?“ „Ist sie es oder nicht?“ Ich klinge verzweifelter, als es mir lieb ist. Er fährt sich mit den Händen über das Gesicht und seufzt. „Woher weißt du von ihr?“ Also doch! Wut breitet sich in mir aus und am liebsten hätte ich ihm jetzt tausend verschiedene Flüche auf den Hals gehetzt. Aber ich denke an Susan, die mir das sicher übel genommen hätte, also atme ich einmal tief durch und antworte dann: „Ich hab mit ihr gesprochen. Es war gar keine Absicht, aber – Am Sonntag, abends als ich wieder zuhause war, ist mir klar geworden, wie gerne ich Zeit mit dir verbringe und dass ich das unbedingt wiederholen will. Also hab ich dich angerufen, um dich zu fragen, wann wir uns wieder sehen. Aber am Telefon warst nicht du, sondern sie – und sie war nicht erfreut, von mir zu hören. Also?“ Abwartend ziehe ich eine Augenbraue in die Höhe. Oliver schweigt einen Augenblick, als würde das, was er gerade gehört hatte, erst nach und nach zu ihm durchdringen. „Was hat sie denn gesagt?“ Jetzt reißt mein Geduldsfaden. Wütend springe ich auf und stemme die Hände in die Hüften. „Was soll sie schon gesagt haben? Dass du nicht da bist, das hat sie gesagt! Wie kannst du es nur wagen, sie zu betrügen? Und mich zu betrügen!“ Oliver steht jetzt vor mir und hebt beschwichtigend die Hände. „Es ist nicht so wie-“ „Komm mir nicht damit!“, rufe ich schrill. „Es ist nicht so wie ich denke? Was soll ich denn denken, wenn sie an dein Telefon geht und mir sagen kann, dass du nicht da bist, hm?“ Beim jeden Wort trommele ich auf seine Brust. „Elle...“, erwidert er verunsichert. „Nichts Elle!“, unterbreche ich ihn und trommele weiter auf ihn ein. „Jetzt beruhig dich doch!“ Zaghaft greift er nach meinen Handgelenken. „Mich beruhigen? Ich beruhig dich gleich, das kannst du aber-“ „Eleanor!“ Jetzt hält er meine Hände fest und schaut mich durchdringend an. Ich verstumme und schaue ihn schwer atmend an. „Romilda ist meine Exfreundin.“, erklärt er ruhig. „Aha!“, rufe ich triumphierend, lasse dann aber meine erhobene Hand sinken. „Warte, was?“ Oliver lächelt mich an und ich merke, wie meine Wut mit einem Mal verpufft. „Hättest du mich ausreden lassen, hätte ich dir das gleich erzählen können. Es lief schon lange nicht mehr gut mit ihr, deshalb habe ich mich vor ein paar Monaten von ihr getrennt. Sie hatte aber noch Sachen in meiner Wohnung, die sie ewig nicht abgeholt hat. Ich habe ihr ein Ultimatum gesetzt. Entweder, sie holt ihren Kram bis vorgestern ab, oder er landet im Müll. Als sie mit dir am Telefon gesprochen hat, habe ich wahrscheinlich gerade eine ihrer Kisten vor die Tür gestellt und deshalb nichts gehört.“ „So einfach?“, frage ich ungläubig. „Und wahrscheinlich hat sie mir nichts von deinem Anruf erzählt weil -“ „Weil sie eine garstige alte Ziege ist.“, beende ich den Satz für ihn. Oliver grinst. „Ich hätte es nicht besser sagen können.“ Beschämt verberge ich mein Gesicht hinter meinen Händen. „Oh Gott – du musst mich jetzt für schrecklich blöd und eifersüchtig halten.“ Ich höre ihn lachen, dann spüre ich seine Hände, die nach meinen greifen. „Ach was – aber meinst du, wir können jetzt da weitermachen, wo wir vorhin aufgehört haben?“ Anstatt zu antworten, falle ich ihm um den Hals und küsse ihn überschwänglich. Oliver erwidert den Kuss lächelnd und lässt seine Hände auf meine Hüften sinken. Als ich einen Schritt nach hinten mache, stolpere ich und ziehe ihn mit mir in den Sand. Kurz darauf löst er sich kurz von mir und grinst. „Ich meinte eigentlich das Picknick.“ Ich schlage ihm lachend gegen die Brust und gebe ihm noch einen kurzen Kuss. Aneinander gelehnt beobachten wir, wie die Sonne immer weiter im Meer verschwindet. „Wir sollten langsam nach Hause, oder?“, fragt Oliver, zieht mich aber noch ein bisschen näher an sich. Ich drehe mich zu ihm um und hebe die Augenbrauen. „Bringst du mich nach Hause?“ Seine Mundwinkel zucken, als er mir antwortet: „Klar doch, schöne Frau.“ Im Mondlicht laufen wir Arm in Arm den schmalen Pfad zu meinem Zuhause. Vor der Tür zögert Oliver kurz. „Was ist?“, frage ich ihn grinsend. Er nimmt meine Hände. „Was ich neulich gesagt habe – dass es mir ernst mit dir ist – das habe ich auch so gemeint. Also wenn ich jetzt lieber gehen -“ Mein Bauch fühlt sich an, als wäre er gefüllt mit Schmetterlingen. „Ich doch auch.“, flüstere ich und küsse ihn sanft. Ich spüre, wie er sich entspannt. „Also komm mit rein.“ Ich öffne die Tür und finde einen kleinen Zettel auf der Fußmatte. „Und außerdem,“, füge ich noch hinzu, nachdem ich den Zettel gelesen habe, „hättest du es morgen sonst doch unnötig weit, wenn wir zu Ernie zum Essen gehen. Er hat uns beide eingeladen – Susan kommt auch.“ Oliver strahlt mich an. Dann gibt er mir einen langen Kuss, hebt mich in die Luft und löscht das Licht im Haus. Wir bleiben vorerst in meinem kleinen Haus an der Küste wohnen. Nach unserer Hochzeit ziehen wir in ein kleines Haus am Rande von Hogsmeade. Von hier aus hat Oliver es nicht weit zum Training seiner Mannschaft und ich werde, angesteckt von seiner Leidenschaft für Besen und Quidditch, die neue Trainerin für Quidditch in Hogwarts. Noch nicht genug gelesen? Hier sind meine anderen Tests: https://www.testedich.de/liebestests/welche-beruehmtheit-ist-dein-lover/welche-filmfigur-ist-dein-lover/welcher-harry-potter-charakter-ist-dein-lover/dein-boy/quiz66/1608325312/love-is-a-simple-thing-isnt-it-dein-liebes-leben-in-der-welt-von-harry-potter Du hättest gerne noch eine Geschichte mit Oliver? Dann lies hier die Auswertung von Amy Barnes: https://www.testedich.de/persoenlichkeitstests/stars-figuren/kino-filme/harry-potter/dein-leben/quiz67/1611733970/all-that-you-are-is-all-that-ill-ever-need-dein-leben-in-hogwarts Auf Wunsch von Rose erscheint unter diesem Link auch die Geschichte von Lina in aller Ausführlichkeit. Ich versuche, von Montag-Freitag jeden Tag ein Kapitel hochzuladen. Aber ich arbeite nebenbei, also habt Geduld, falls mal einen Tag lang nichts passiert.:) https://www.testedich.de/quiz68/quiz/1619445667/Run-the-Risk-Ein-Austauschjahr-auf-Hogwarts Wen wollt ihr im nächsten Test sehen? Ich freue mich auf eure Gedanken und Kommentare!