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Geschichte hat keinen Titel

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17 Kapitel - 9.299 Wörter - Erstellt von: - Aktualisiert am: - Entwickelt am: - 1.412 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

    1
    Ein leises Kratzen weckte mich.
    Ich blinzelte einige Male, bis ich mich erinnerte, wo ich war und dass er nicht da war. Langsam setzte ich mich auf und stöhnte. Ein Tag, an dem ich so einfach aus dem Bett kam kann ja nur scheíße werden.
    Ich zuckte leicht zusammen, als ich hörte, wie er sich im Bett aufrichtete. Das Geräusch von seinen Fingernägeln an der Wand bereitete mir Gänsehaut. Es war genauso schlimm wie quietschende Kreide an der Tafel. Ich überlegte kurz, ob es überhaupt noch Kreide und Tafeln gab, die irgendwer benutzte… Dann ging ich ins Bad. Beim Wasser ins Gesicht klatschen blickte mir ein hässlicher Gremlin im Spiegel entgegen. Ich konnte nicht verstehen, wieso irgendwer sowas „schön“ finden konnte. Die Worte meiner Mutter, etwas, wie die tiefen Schatten unter meinen Augen oder die furchtbar bleiche und „krank“ aussehende Haut, hallten in meinem Kopf wieder. An ihre Stimme konnte ich mich nicht erinnern, was wahrscheinlich daran lag, dass ich ihre Nachrichten und Anrufe solange ignoriert hatte, bis sie aufhörten. Das ich sie hasste, wusste ich aber noch. Manchmal hatte Vergesslichkeit doch seine Vorteile. Als ich seine Schritte näherkommen hörte, lief ich davon. Auf diese Begegnung hatte ich nun wirklich keine Lust.

    Draußen wanderte ich ein wenig herum, dann ging ich zu dem Grab im kleinen Wäldchen. Das Grab war recht klein, da es sehr hart war es auszuheben, aber ein richtiges Grab insbesondere der Grabstein war furchtbar teuer.
    Ich warf mich hin und lehnte mich an den „Grabstein“. Ihn hierher zu schleppen war anstrengend gewesen und die Inschrift reinzuritzen nahezu unmöglich. Ich zündete mir eine Zigarette an und fuhr mit den Fingern die im Stein eingeritzten Sachen nach. Dann kroch ich zu der Vorderseite und hob die kleine laminierte Karte auf, die das Einzige war, dass auf dem Grab lag.
    Auf ihr standen nur zwei Wörter. „Idiot“ und „Scherbi“. Ich grinste. Die Karte lag schon seit Ewigkeiten dort, aber sie zu entfernen oder auszutauschen war unnötig. Sie brachte ihre Nachricht, die sich nicht änderte, perfekt zum Ausdruck.
    Mit einem Seufzen stand ich auf und verließ den einzigen Ort, an dem ich meinen Frieden sicher fand. Wie jeden Tag.

    Einige Straßen weiter beobachtete ich die Kinder, die von der Schule nach Hause gingen. Wobei Kinder das falsche Wort war. Jugendliche passte eher. Als ich wieder weiterging hörte ich jemanden „Laura!“ schreien. Ich kannte mal eine Laura. Wir waren „Freunde“ gewesen. Damals waren wir wohl noch im Kindergarten. Sie hatte eine freundliche und kümmernde Familie und so eine Sessel-Schaukel im Garten. Ich hatte sowas nicht. Wobei ich zugeben musste, dass ich damals sehr neidisch auf sie war. Ich hätte auch sehr gerne so eine Schaukel gehabt.
    Ich warf einen Blick zu dem gegenüberliegenden Krankenhaus und dachte an Scherbis Krankenbett, das jetzt leer war. Ich seufzte leise und wanderte weiter. Ich drehte mich nicht um, als ich Schritte hinter mir hörte, da ich wusste, dass er es war.
    Plötzlich hörte ich ein leises Sirren. Dann ein patsch. Ich spürte Schmerz, als mein Kopf von der Wucht des Schlages nach vorne sackte. Dann flammte die Aggression wieder auf. Ein Fluch entweichte meinen Lippen. Ich drehte mich um und sah sie. Zwei von den nervigen Leuten, die mich nicht in Ruhe ließen, egal was für einen Unsinn ich wieder anstellte. Die mich immer wieder einfingen, egal wie oft ich weglief. Das beruhigte mich wieder.
    Ich stöhne, richtete mich auf und warf einen Blick auf das Mädchen, dass mir ein nicht-ganz-so-dickes Buch über den Kopf gezogen hatte.
    Ich seufzte wieder. „Milly. War das wirklich nötig?“ „Ja.“ Antwortete sie. Eine klassische Milly-Antwort, schließlich konnte man ‚…‘und ‚qwq‘ schlecht sagen.
    Jetzt stellte sich auch Schneeei vor mich. „Du warst jetzt lange genug weg. Komm mit nach Hause…“ sagte sie. Ich antwortete nicht. Das übernahm Milly, indem sie mich an den Haaren packte und mich mitzog. Vielleicht war sie sauer. Oder sie hatte einfach keine Lust mehr. Ich wusste es nicht, schließlich weiß ich ja nicht, was sie denken… Schneeei wirft mir einen leicht besorgten Blick zu. Aber es ist ok. Ich bin es gewohnt an den Haaren herumgeschleift zu werden. Früher, durch die Hand meiner Eltern hat es viel mehr wehgetan. Jetzt spüre ich es kaum noch.

    Vor dem großen, leicht heruntergekommenen Haus bleiben wir stehen. „Zu Hause“
    Schneeei öffnet die Tür. Sie und Milly gehen rein. Ich folge ihnen. Im Türrahmen drehe ich mich noch einmal um. Zum ersten Mal seit langer Zeit ist er nicht da und ich hab meine Ruhe von ihm. Ein angenehmes Gefühl, welches ich sonst nur dachte beim Grab zu verspüren.
    Nicht immer vor ihm davonlaufen zu müssen, auf seine Schritte achten zu müssen, immer angespannt und wachsam sein zu müssen, nie lange an einem Ort bleiben zu können und durchgehen in Bewegung sein zu müssen…
    Ich lächle leicht. Eine Auszeit von der Auszeit ist vielleicht doch ganz schön.

    2
    „Yooooooooooooooriiiiiiiiiiiiiiiiiiii!“ kommt mir von drinnen entgegengeflogen.
    Dann habe ich eine Drachi im Arm. Und falle fast hin, weil sie mit sehr viel Schwung gekommen ist.
    „Drachi!“ ruft Milly begeistert. „Ich wusste nicht, dass du da bist.“ „Ferien.“ War ihre Antwort darauf.
    Und dann bin ich Drachi wieder los, weil sie und Milly jetzt am rumkuscheln sind. Meine Zeit um abzuhaun. Ich eile in die Küche und hole mir einen Eimer voll Eis. Das hatte ich schon ewig nicht mehr. Im Wohnzimmer schau ich mich kurz nach Robin um, sehe aber nur einen Spargel auf dem Sofa pennen. Ich quetsche mich zu ihm. Mitten aufs Sofa. Er wird ein bisschen eingequetscht, was aber nicht schlimm sein sollte, da er ja eh so mager ist.
    Die Berührung lässt den Spargel aufwachen. „Yori?“ fragt er verwundert. „Nein, Brokkoli.“ Antworte ich und schiebe ihm einen Löffel voll Eis in den Mund, weil ich nicht reden will. Er schluckt runter, seufzt leise und wirft mir einen klassischen Scherbi-Blick zu, der nun wirklich alles bedeuten kann. Ich zucke nur mit den Schultern. „Brokkoli?“ fragt er jetzt doch nach. Ich bemühe mich nichtmal mehr um eine Antwort, sondern stopfe ihm gleich noch einen weiteren Löffel voll Eis rein. Scherbi erkennt nun wohl, dass ich wirklich keine Lust habe. Er fängt an hinter mir wie ein Fisch an Land rumzuwackeln um sich zu befreien, da sein Oberkörper rechts und seine Beine links von mir sind. Ich bewege mich nicht von der Stelle, verkneife mir aber ein Grinsen. Manchmal kann ich wohl auch zu ihnen recht fies sein.
    „Was macht ihr denn da?“ ertönt eine Stimme hinter uns. „Robin.“ Sagt Scherbi nur und streckt seinen Arm aus. Mit einem leicht amüsierten Blick zieht ihn dieser nun hinter mir hervor. Dann mustert er mich. „Du bist wieder da?“ „Milly hat mich an den Haare hergeschleift. Also ja?“ antworte ich, ohne ihn anzusehen. Ich starre einfach nur geradeaus. Als wäre der ausgeschaltene Fernseher das interessanteste Teil der Welt. Ich bleibe solange so sitzen, bis ich so viel Eis gefressen habe, dass mir schlecht geworden ist. Dann räume ich den Eimer wieder auf.
    Da ich nicht weiß was ich tun soll, schaue ich mich ein bisschen um. Es hat sich eigentlich nichts verändert, seit ich gegangen bin. Nur die, von den Anderen aufgestellte, Fragen-Wand mit der Überschrift ‚Woher hat Yori das ganze Geld?‘ hat eine neue Unterfrage bekommen. Die ‚Wie hat es Yori geschafft, Drachis und Millys Eltern davon zu überzeugen, die Beiden hierher kommen zu lassen?‘-Abteilung. Tja, meine Vorstellung, die etwa so aussah wie: ‚Hallo. Ich bin Yori. Ein unverantwortlicher ‚Erwachsener‘ und Freund ihrer Kinder. Ich kann ihnen versichern, dass Drachi und Milly hier nicht sterben werden.‘ hat sie wohl überzeugt.
    Interessiert werfe ich einen Blick zu dem ‚Was meint Yori mit „mein Vater ist ‚plötzlich‘ verstorben ‚und niemand weiß wieso‘?‘-Abteil. Scherbi hat ein paar interessante Vorschläge und Ideen dazu gebracht, aber leider entspricht keine der Wahrheit.
    Drachis Stimme tönt aus dem Flur. Seitdem ihre Eltern ihr Erlaubt haben hierher zu kommen, ist sie jede Ferien hier um uns alle zu sehen. Anfangs wär sie sogar jedes Wochenende gekommen, aber das wollten ihre Eltern dann doch nicht. Bei Milly war es schon weitaus einfacher, weil ‚das Haus, mitten im Nirgendwo‘, dass ich kurz nach meinem 18. Geburtstag gekauft habe, in der Nähe ihres eigentlichen Wohnortes war. Nun lebt sie praktisch hier.
    Drachi, die mich plötzlich am Arm packt und zu den Anderen zieht, die gerade ein Brettspiel aufbauen, reißt mich aus meinen Gedanken. „Komm. Spiel mit.“ Sagt sie nur. Und ich lächle nur leicht. „Ok.“
    Und so spielen wir.
    Und Draußen geht die Welt unter.

    3
    Das Ende der Woche näherte sich.
    Eigentlich war das nichts Besonderes, doch heute war Drachis letzter Tag. Wie üblich steht die Sonne schon hoch am Himmel, also erwartete ich, Drachis und Millys dramatischen und tränenreichen Abschied hier irgendwo zu sehen. Aber er war nicht da. Der Flur war leer. Drachi konnte aber nicht schon weg sein, da sie mich vorher sicher aufgeweckt hätten. Zumindest glaube ich das.
    Im Wohnzimmer fand ich Scherbi, der anscheinend wieder seine Kuschelphase hatte, da er auf Robin hing und auf seinen Haaren rumkaute. Normalerweise würde Robin etwas dagegen sagen, oder sich aufregen, allerdings war er gerade zu beschäftigt damit sich von Schneeei beim UNO fertig machen zu lassen. So sah es zumindest aus. Und ich will jetzt nicht sagen, dass Robin ein Versager beim UNO spielen ist, aber er ist ein Versager beim UNO spielen. Oder alle Anderen sind einfach nur weitaus besser als er. Da mir langweilig war und ich bereits wieder vergessen hatte, was ich eigentlich tun wollte, setze ich mich zu ihnen und fing an kleine Zöpfchen in Scherbis Haare zu flechten. Natürlich so, dass er möglichst wenig davon mitbekam. Nach einigen Partien viel mir wieder ein, dass ich nach Drachis und Millys tränenreichen Abschied suchte, deshalb fragte ich Schneeei danach.
    „Die Züge sind heute ausgefallen. Alle. Morgen auch.“ Sagte sie.
    Das war seltsam. Hieß aber, dass Drachi noch eine Weile bei uns bleiben konnte und Milly…
    Jedenfalls kümmerte ich mich nicht weiter darum.
    Kurz darauf gibt Robin auf. Schubst Scherbi von sich und rennt davon. ‚Zur Arbeit‘. Daraufhin muss ich wohl oder übel mit Scherbis umstyling aufhören. Dafür darf ich ihm dann dabei zusehen, wie er, mit den Händen in seinen Haaren rumfuchtelnd um die Zöpfchen aufzulösen, leise fluchend das Zimmer verlässt. Schneeei meint, sie muss jetzt auch langsam los… Diese scheíß Erwachsenen mit ihrer Arbeit. Wer braucht sowas denn schon?
    Ich bin mir nicht sicher, ob ich zu Milly und Drachi hochgehen sollte… Die Beiden verdienen eigentlich ihre Privatsphäre. Also mache ich einen kleinen Spaziergang zum Grab und rauche dabei. Was soll man denn auch sonst tun.
    Später stelle ich mich auf die Zehenspitzen und werfe einen Blick durch Scherbis Fenster in sein Zimmer. Da sitzt er auf dem Boden. An seinem Handy.
    Kurz überlege ich mir, ob ich meinen Kopf voll an die Fensterscheibe knallen sollte um ihn zu erschrecken, lasse es dann aber doch sein. Da Scherbi seine Privatsphäre ebenfalls verdient, wir leben a schon zusammen, weiter stalken ist etwas unnötig, geh ich wieder rein und warte auf der Couch bis Robin wiederkommt. Er ist heute mit Abendessen dran. Drachi findet mich aber zuerst. „Und? Was hast du heute so gemacht?“ fragt sie mich. „Nicht wirklich irgendwas…“ antworte ich ihr wahrheitsgemäß. „und du so? Was habt ihr heute so gemacht?“ frage ich sie daraufhin mit einem Grinsen, wobei ich das ‚ihr‘ besonders betone. „Das hört sich falsch an.“ Mischt Milly sich jetzt ein. „Tut es das?“ frage ich zurück. Milly und ich starren uns an. Drachi steht leicht ratlos daneben. „Streitet ihr euch schon wieder?“ mischt sich jetzt auch Robin ein, der sich von hinten angeschlichen hat. „Nein. Mach Essen!“ meint Milly nur.
    Ich mustere ihn. Robin humpelt nicht und er sieht weder verschwitzt aus, noch hat er Schweißperlen an seiner Stirn.
    Also ignoriere ich den Gestank von Blut, der von ihm kommt, einfach.

    4
    Das Abendessen fiel unterschiedlich aus. Für Scherbi zum Beispiel mager, da er eigentlich nichts gegessen hatte. Robin und Schneeei hatten sich aber vollgestopft, also fiel es für die das Gegenteil von mager aus. Für Drachi, Milly und mich fiel es normal aus. Allerdings hatte ich laut den ‚Grrmbleeröghunnr‘-Geräuschen, die mein Bauch jetzt von sich gab, mal wieder zu viel gegessen. Es fiel mir halt immer noch schwer, die Grenze zu finden.
    Da es aber schon recht spät war, verzichteten wir auf das Abendspiel. Milly musste morgen ja wieder in die Schule, Robin und Schneeei arbeiten und Drachi was mit den Zügen machen oder so.
    Ich wollte aber noch nicht schlafen gehen. Also legt ich mich auf die Couch und dachte darüber nach, was ich heute noch alles machen wollte.
    Und plötzlich war ich wach. Es war halb drei. Ich saß auf dem Sofa. Nach einem kurzen blinzeln fing ich an, über die Maulwurf-Nilpferd-Mutanten-Babys nachzudenken, von denen ich gerade geträumt hatte. Vielleicht waren es auch diese anderen Tiere gewesen. Diese, mit der fetten Haut, die sich wie Kellerasseln zusammenrollen konnten. Opossums? Gürteltiere? Sowas in der Art?
    ‚Knrg‘
    Mein Kopf zuckte in die Richtung, aus der das Geräusch kam. Ohne großartig nachzudenken, weil nachdenken die Reflexe verlangsamt. Und da stand Scherbi. Mitten in der Nacht um halb drei. Mit nem Kuchen im Mund. Der mich mit einem ‚Ertappt-Blick‘ anstarrte.
    Mein, vom schlafen noch halbtotes Gehirn, braucht mal wieder ne Weile um zu verarbeiten was es da sieht. Und da ich nicht nur so einen ‚dumm-rumsteh-Moment‘ haben wollte, sagte ich was. Und das erste, was mit einfällt, und was ich dann einfach sage, weil ich dumm bin, ist „Du isst?“ Und dann hat mein Gehirn endlich das Bild verarbeitet. Hat lange gedauert. Muss wohl daran liegen, dass es Scherbi ist…
    Also macht es ‚bling!‘ und ich realisiere.
    Deshalb füge ich noch „meinen Kuchen!“ hinzu. Und dann stürze ich mich auf ihn. Und Scherbis halb-drei-in-der-Nacht-Gehirn muss das wohl auch erst verarbeiten, denn er bewegt sich nicht. Vielleicht war ich zu unlogisch für ihn. Zumindest mein auf ihn stürmen.
    Aber ein Yori, der gerade aufgestanden ist, es drei Uhr morgens ist und DEM SEIN VERDÀMMTER KUCHEN WEGGEFRESSEN WIRD ist nicht logisch! Meine Bahn ist frei. Allerdings kommt dann ‚Yori ist ein tollpatschiger Idiot‘ in die Quere. Ich verhedder mich nämlich voll in meiner Bettdecke, die, wenn ich darüber nachdenke eigentlich nichts auf dem Sofa zu tun hat, und falle auf Scherbi und reiße ihn mit mir zu Boden. So. Jetzt hab ich Scherbi unter mir und meine Knie tun weh. Und jetzt?
    „Y-Yori-Chan…“ höre ich leise von ihm kommen.

    5
    „Mein Kuchen!“ heule ich ihn an.
    Und mir war, als hätte ich gerade voll einen vielleicht-romantischen oder gar einen romantischen Moment zerstört… Aber scheíß auf die Romantik! Mein Kuchen!
    Und dann ging das Licht an. Und Scherbi und ich hatten beide diesen ‚KsSsShH! Ahrg! Meine Augen!‘-Vampir-Moment und krümmten uns zusammen. „Ihr Beide…“ hörte ich Robins Stimme. Mit tränenden Augen spähte ich langsam durch meine Finger und sah Schneeei und Robin in der Tür stehen. Dann wandert meine Aufmerksamkeit zu der Brechstange, die Robin in der Hand hält. Und dann zu Schneeei, die einfach nur grinst. „Tut uns ja Leid. Wir wollten nicht beim rummachen stören.“ Kam es jetzt von ihr.
    Also schmiss ich Scherbi-Puppe nach ihr. Ja, ich hatte ihn immer noch und ja, ich konnte immer noch nicht ohne ihn einschlafen und ja, über die Jahre ist er ein bisschen ‚verstörender‘ geworden, aber egal. Das Ding an meinem süßen kleinen Scherbi-Puppe ist, dass er mit dieser Füllwolle gefüllt ist. Die, die so Geräusche von brechenden Knochen von sich gibt, wenn man ihn drückt. Die aber auch verdámmt hart ist. Und ich kann recht kräftig schmeißen. (Das meine Bälle aber immer eine Kurve machen und ich deshalb mein Ziel selten treffe ignoriere ich hier mal lieber. Wunder geschehen ja immer wieder.) Und obwohl ich so ziemlich blind bin, treffe ich Schneeei. Voll ins Gesicht. Ha! Geschieht dir recht!
    Eigentlich würde ich jetzt gerne aufstehen, habe aber Angst davor auf Scherbis Gliedmaßen zu treten, weil er ja so lang und unter mir verstreut ist. Also bleibe ich. Und Scherbi hat anscheinend kein Problem damit, oder ist zu sehr mit seiner eigenen Blindheit beschäftigt um es zu merken.
    Als sich meine Augen von dem Schock erholt hatten, holte ich mir Scherbi-Puppe wieder. „Und? Was macht ihr hier“ meinte ich jetzt zu Robin. „Ich wart so laut. Wir dachten es wären Einbrecher…“ antwortet er mir. „Oho? Du und Schneeei? Hab ihr etwa zusammen geschlafen?“ kam es jetzt schelmisch von mir. Und Robin gab mir einen genervten Blick, anstelle einer Antwort zurück. Stimmt… Hat er nicht eine Freundin oder so? Naja, ist ja auch egal… Drachi und Milly schlafen ja auch in nem Bett. Zusammen. Ich hoffe, die stellen da oben keine unanständigen Sachen an. Die sind ja noch unschuldige Kinder! Zwar schon um die 15, aber Kinder! Ich drehe mich um und Scherbi hat sich verzogen! Dieser Místkerl! Erst meinen Kuchen fressen und dann abhaun! Achja… MEIN KUCHEN! „Scheerrrrrrbiiiiiiiii!“ stürm ich ihm hinterher, aber Schneeei fängt mich ab und presst mir die Hand auf den Mund. Verflucht sein diese Menschen, mit normalen Muskeln! Ich stehe mir meiner Muskelkraft, oder eher der, die ich auch bewusst einsetzen kann, zwar über Scherbi, weil ich mehr esse und draußen bin und so, allerdings unter allen anderen, deshalb kann ich mich nicht wirklich wehren. „Geh wieder schlafen Yori.“ Meint Robin müde. Ach, der war ja auch noch da.
    Und dann gehen sie schlafen. Und ich bleibe auf der Couch sitzen und trauere um meine Erdbeer-Sahne-Torte-Kuchenstück-Teil.

    6
    Gegen 5 Uhr fing es an kalt zu werden. Mir war kalt. Und auf einmal sitzen Drachi und Milly neben mir auf dem Sofa. Und sie kuscheln miteinander. Und Drachi neben mir strahlt Wärme aus, also ist es nicht mehr ganz so kalt.
    Mir gefällt die Situation aber nicht wirklich, weil es nicht viele Dinge gibt, die man tun kann, wenn neben einem zwei Leute rummachen. Man kann gehen, was ich nicht tun werde, selbst mit wem rummachen, wobei keiner hier ist, oder vielleicht einen Film schaun?
    Und welchen Film? Natürlich Chicken Run! Welcher Film würde den besser zu einer romantischen Atmosphäre passen, als ein Film über Hühner, die versklavt in Angst und Schrecken leben und zu Pastete verarbeitet werden?
    Also krieche ich zum Fernseher und hole die VHS-Kassette, die so ziemlich meine ganze Kindheit war, heraus und stecke sie in den Rekorder. Drachi und Milly mustern mich jetzt neugierig. Wahrscheinlich haben die noch nie eine VHS-Kassette gesehen… Die war bestimmt noch von vor ihrer Zeit.
    Und dann schaun wir uns Chicken Run an.
    Nach dem Film wird gefrühstückt. Und während ich meinen völlig überzuckerten Kaffee vor mich hin schlürfe, wunder ich mich, warum Robin nicht bei uns ist… Dass Scherbi zu den Frühstückszeiten fehlt ist normal, doch Robins Abwesenheit ist etwas, was eigentlich noch nie passiert ist…
    Und dann bin ich allein, weil heute anscheinend kein Wochenende war. Traurig. Aber zum Glück bin ich arbeitslos. Mein Chef wär sicher mit den Nerven am Ende, wenn er einen Angestellten hat, der vergisst, welchen Tag wir haben…
    Aus Langeweile wander ich im Haus herum. Scherbi ist in seinem Zimmer und macht Scherbi-Sachen. Robin ist anscheinend nicht im Haus. Wobei eher definitiv nicht. Wenn es hier irgendwelche geheimen Gänge oder so gäbe würde ich ja schließlich davon wissen. Also ist Robin nicht da. Vielleicht arbeitet er. Vielleicht ist er aber auch ein geheimer Superschurke und musste mitten in der Nacht los um irgendwelche Gefängnisse in die Luft zu sprengen um so Untergeordnete zu rekrutieren um die Welt zu beherrschen. Bei Robin kann man ja nie wissen. Kann mich nämlich nicht daran erinnern, dass der mal erzählt hat, was er überhaupt arbeitet.
    Als die Langweile zu stark wird, gehe ich ins Wohnzimmer zurück um ein wenig fernzusehen. Erst überlege ich, ob ich mir wieder Chicken Run anschaun sollte, entscheide mich aber dann für die Nachrichten. Und dabei rauche ich, obwohl ich weiß, dass ich dann Ärger von Schneeei bekommen werde. Ich könnte es aber auch auf Scherbi schieben, als Rache für die Kuchen-Sache, wobei Scherbi sich hier, insbesondere beim Fernseher, nicht wirklich aufhält…
    Oh, es wurde tatsächlich ein Gefängnis in die Luft gesprengt… Robin, ich erwarte eine Erklärung! Erstmal aufschreiben, weil ich es sonst wieder vergesse…
    Wenn wir schonmal beim Thema sind… Manchmal passiert es, dass ich etwas tue, oder wo hin gehe und das dann vergesse. Und dann völlig verwirrt bin. So wie gerade jetzt. Ich sitze nämlich auf dem Dach. Am Rand. Da, wo es gefährlich ist, weil man runterfallen kann. Und halte Scherbis Bein fest. Und hab keine Ahnung, wie ich hier her gekommen bin, oder was ich getan hab… Und Scherbi? Der hängt kopfüber und bewusstlos vom Dach runter. Was zum Teufel ist passiert?
    Wobei ich Scherbis Bein mal lieber ganz ganz fest halte, weil ein Scherbi-Gehirn, das als Matsche aufm Boden liegt will ich nun wirklich nicht haben… Insbesondere, weil da unten schon wer Matsche-Matsche liegt. Sollte ich wohl besser aufräumen, bevor Milly und Drachi nach Hause kommen.

    7
    Ganz ganz vorsichtig ziehe ich Scherbi hoch. Er ist erstaunlich leicht. Sein Glück. Alle anderen wären an seiner Stelle nämlich schon tot.
    So. Scherbi ist oben. Liegt sicher in meinen Armen. Hat jetzt zwar n bisschen ausgeleierte Klamotten, weil ich beim hochziehen n paar Nähte hab reißen hören, was mich definitiv in Panik versetzt hat, aber jetzt ist alle gut.
    Naww, schon irgendwie cute. N bewusstloser Scherbi in Yoris Armen, am Rande vom Dach mit nem toten Matsche-Matsche-Typ am Boden und wenn sich jetzt auch nur ein Dachziegel hier ‚lol, nope‘ denkt, mit drei toten Matsche-Matsche-Typen am Boden…
    Lieber wieder reingehen.
    Und auf dem Weg in Scherbis Zimmer fällt mir ein, dass Scherbi bewusstlos ist. Bewusstlos. Und hilflos.
    Erstmal kuscheln.
    Ha! Ich hatte Recht! Scherbi ist kuschelig. Auch wenn er sagt, dass er es nicht ist.
    Wie auch immer… Das hier ist nie passiert.
    So. Scherbi wurde abgeliefert. Und jetzt? Achja, der Matsche-Matsche Typ, der n bisschen wie Robin aussah…

    8
    Zum Glück war es nicht Robin. Sondern ein wildfremder Typ. Was mich noch mehr wundert, weil es jetzt noch seltsamer ist… Wer ist dieser Typ und wieso ist er von unserem Dach gefallen…
    Vorsichtig kratze ich seine Überreste zusammen und stopfe sie in ne Mülltüte. Natürlich habe ich darauf geachtet, dass ich Handschuhe trage und somit keine Fingerabdrücke da sind.
    Ich bin ja nicht blöd.
    Und jetzt trage ich die Tüte auch noch zu nem Nachbarn, der etwas weiter entfernt wohnt. Augenzeugen gibt es hoffentlich nicht.
    Wieder zurück entferne ich auch alle Beweismittel hier.
    Hat es wer bemerkt? Weiß nicht.
    Hab ich sowas schonmal gemacht? Vielleicht.
    Hmm… Alles hier so ungenau. Aber es wird schon passen.
    Hoffentlich.
    Ui, Drachi und Milly sind wieder da! Gutes Timing. Jetzt kann ich Mittagessen für die beiden machen und ihnen meine Verschwörungstheorien zu Robin erzählen und mich damit auf andere Gedanken bringen. Ja, ich hab nicht vergessen, dass du ein Gefängnis in die Luft gesprengt hast, Robin. Auch wenn ich es nicht beweisen kann.
    Aber Drachi scheint die Idee zu gefallen… Bei Milly bin ich mir nicht sicher… Vielleicht ist sie nicht kindisch genug, um Robins böse Machenschaften zu sehen…
    Scherbi stürmt ins Zimmer. Er sieht aufgebracht aus. Und starrt mich jetzt an. Vielleicht wegen dem ehemaligen Matsche-Matsche-Typ. Oder weil er selber fast Matsche-Matsche gewesen wäre…
    „Was denn, Scherbilein? Hattest du einen Albtraum? Willst du ne Umarmung? Oder ne Zigarette?“ „Äh.. Letzteres.“ „Ok…“ und dann nimmt er eine Zigarette von mir und geht raus zum Rauchen. Und vielleicht auch um den Boden zu untersuchen. „Nicht traurig sein, Yori.“ Sagt Drachi jetzt. Aber es ist schon ok… Yori-chan ist wohl nicht gut genug für ne Umarmung. Und Scherbi dreht hoffentlich nicht durch und zweifelt an seinem mentalen Zustand oder so, aber es ist halt einfach besser, wenn man die Zeugen so minimal wie möglich hält. Ist bestimmt n Zitat von irgendeinem Anime-Typen.
    „Yoro!“ kommt Schneeei ins Zimmer. „Hm?“ antworte ich. Hätten wir geschrieben wär die Antwort ‚Owo‘ gewesen, aber anscheinend sagen nur seltsame Leute sowas.
    „Du hast Essen gemacht, Yoro?“ kommt es von Schneeei. „Ein Wunder? Ist wer gestorben?“
    „Damit liegst du nicht ganz so falsch, aber wir feiern wohl Robins böse Machenschaften. Er hat vermutlich ein Gefängnis in die Luft gesprengt um Untertanen für seine Weltherrschaft zu bekommen.“ „Robo war böse.“ Sagt Schneeei grinsend. „Nein.“ Sagt Robin, der sich mal wieder angeschlichen hat. „Nein.“ Also wer sich ständig so anschleichen kann, kann ja nur was böses an sich haben. Aber Robin ist wohl noch nicht bereit das einzusehen.

    9
    Ich liege auf dem Sofa. Bin alleine in Raum. Versuche mich zu entspannen.
    „Na du? Wie war deine Woche diesmal?“ „So wie immer“ seufze ich. „Das ist aber nicht schön… Dabei ist doch so viel passiert. Drachi bleibt bei euch. Jemand ist hier gestorben. Du hast eine Leiche versteckt und verstehst dich gut mit den Anderen. Da kann es doch nicht so schlimm gewesen sein, sondern eher aufregend?“ „Wenn du das sagst…“ meine ich nur.
    Ich setzt mich auf und mustere die Schatten an den Wänden. Sie bewegten sich. Sie kratzten leise und liefen herum. Zumindest nach den Geräuschen, die sie von sich gaben, zu beurteilen. Ich konnte spüren, wie sich ihr Grinsen weitete. Die Woche war so voll gewesen, dass ich glatt die Schattenseite des Lebens vergessen hatte. Oder eher das, was ich mit mir rumtrug. Meine Monster. Mein Leben. Etwas, dass ich nicht leiden konnte.
    Ein leises Lachen riss mich aus meinen Gedanken. „Keine Sorge. Die werden dich schon nicht fressen.“ „Wenn du meinst…“ stöhne ich nur. Überzeugt bin ich ja nicht gerade.
    „Yori? Mit wem redest du?“ fragt Drachi, die mit den Anderen den Raum betritt. „Mit dem Commander meines Alienraumschiffes.“ Grinse ich sie an. Das Yori eine fröhliche und aufgeweckte Person, die dazu noch extrem kindisch ist und sich nicht wirklich um was kümmert ist, sollte ich besser nicht vergessen. Immerhin ist er ein Großteil meines Lebens und das, was mich wie einen Menschen erscheinen lässt. Ich hab ihn vor Jahren erschaffen und seitdem hat er mir die Leute besorgt, die man Freunde nennen kann. Ihn loszuwerden kommt nicht in Frage. Immerhin fiel es mir ja nicht schwer Yori zu spielen.
    Die Anderen hatten sich mittlerweile versammelt und gingen ihren normalen Beschäftigungen nach. Schneeei mobbte wahrscheinlich wieder irgendwelche Kinder im Internet, Robin war auch dabei, Milly machte irgendwas am Handy, so wie Scherbi und Drachi und ich redeten. Nicht miteinander. Sondern mit Scherbi-Puppe und Hisan. Wer das ist? Fragt sie doch selber.
    Auf jeden Fall sind wir beschäftigt, bis es Abend wird.
    Nachts passiert auch nichts Besonderes.
    Am Morgen, nachdem alle weg waren, kommt Scherbi zu mir. Er will wissen, was passiert ist.
    Das es nur ein Traum war, will er mir wohl nicht glauben. Also erzähl ich ihm, dass ich mich um die Leiche gekümmert habe und frage ihn, wer das überhaupt war, weil ich mich nicht mehr daran erinnern kann. Das weiß er aber auch nicht. Also sitzen wir beide nebeneinander und fragen uns, was ein wildfremder hier wollte…
    Und dann kam Robin. Und er hatte einen Freund dabei. Und dieser war höchstwahrscheinlich tot.

    10
    „Oh“, sagen Robin und ich gleichzeitig. Dann blickte er leicht verlegen weg. Es war ihm wohl unangenehm, in einer Situation wie dieser gelandet zu sein. Ich werfe einen Blick zu Scherbi. Dieser wirkte leicht verwirrt. Ich hätte mir auch nicht vorgestellt, dass er beim Anblick einer Leiche in Panik geraten oder verstört sein würde. Aber seine Verwirrung war verständlich. Robin mit einer Leiche zu sehen ist schließlich auch nichts Normales. Das ist so wahrscheinlich, als wenn Milly auf einmal mit einem Messer auf uns zurennen würde und meint, dass sie uns alle abstechen wird. Wobei das nach einer extremen Runde WwO eigentlich durchaus vorkommen könnte.
    Robin reißt mich aus meinen Gedanken. „Ich hätte nicht gedacht, dass ihr hier seid…“ meinte er leise. Scherbi antwortet nicht. Er weiß wohl keine Antwort darauf. Ich auch nicht. Yori ist schließlich nicht auf so eine Situation vorbereitet. Ich hätte immerhin nicht gedacht, dass sowas mal tatsächlich passieren würde. Sota schweigt ebenfalls, da er trotz seiner üblichen wortgewandheit und seinem Drang zu reden, nichts dazu zu sagen hat. Aber Kataji mischt sich ein. „Hä? Wieso sollten wir nicht hier sein? Wir haben keine Arbeit! Und auch nichts zu tun? Wir sind der Abschaum der Gesellschaft! Wo sollten wir den bitteschön sonst sein?“ Robin und Scherbi werfen mir einen Überraschten Blick zu. Klar, das war ja jetzt auch nicht wirklich Yori-mäßig. Also lasse ich Yori versuchen davon abzulenken. „Außerdem, wieso bringst du überhaupt eine Leiche mit nach Hause? Bist du dumm? Wenn die Polizei den hier findet, dann sind wir alle sofort die Hauptverdächtigen.“ Daraufhin weiß Robin nicht was er sagen soll. Oder er überlegt sich dazu eine passende Antwort. Die Zeit reicht mir jedoch um Kataji zu ermahnen. Er soll schön dort bleiben, wo er hingehört. Und zwar in meinem Kopf.
    „Es wird niemand nach ihm suchen.“ Meint Robin jetzt. Dann verschwindet er. Seine Antwort machte ihn aber noch verdächtiger. Vielleicht hatte es was mit seiner Arbeit zu tun. Und wenn das der Fall war, dann war ja klar, warum er bisher nicht darüber geredet hat.
    Ein Klacken an der Tür erregt meine Aufmerksamkeit. Aber es ist nur Schneeei, die heute früher als sonst fertig war. „Hallo! Ihr seht ja fur- Eww! Ich bin in was reingetreten!“ kommt es von ihr. „Ah, das musss das Blut von dem Typen sein.“ Erklärt Scherbi. „Warte, Blut? Typ?“ fragt Schneeei verwirrt. „Robin kann ja aber auch echt nicht hinter sich saubermachen.“ Knurre ich. „Robin?“ fragt Schneeei jetzt noch verwirrter.
    Scherbi verzieht sich in die Küche um einen Eimer zu holen. Als ich ihm zu Hilfe eilen will, werde ich von Schneeei aufgehalten. „Was ist mit Robin, Blut und dem Typen?“ fragt sie mich. „Ach. Nichts Besonderes. Robin hat nur ne Leiche mitgebracht und jetzt müssen wir schon wieder hinter ihm saubermachen.“ Meine ich nur. „Was? Robin hat was? Aber wieso? Und wieso bist du so unbekümmert?“ „Ich bin nicht unbekümmert, sondern genervt. Der andere Typ kommt wahrscheinlich auch von Robin. Aber sein Gehirn vom Boden zu kratzen war wesentlich anstrengender, als das hier jetzt sein wird. Trotzdem ist das schon Robins zweite Leiche diese Woche und immer lässt er seinen Dreck liegen!“ “Schon die Zweite? Was passiert hier, Yori?“ „Frag mich doch nicht? Woher soll ich denn das wissen?“
    Schneeeis Handy klingelt und gibt mir die Möglichkeit zu fliehen. „Hallo? Oh. Du bist das! Ich hab ja schon ewig nichts mehr von dir gehört!“ höre ich noch leise von ihr kommen.

    11
    Es ist inzwischen Abend geworden. Robin schweigt weiterhin eisig. Milly und Drachi haben erfahren, was passiert ist. Warum sollten wir ihnen auch nichts erzählen? „Robin. Bitte sag doch, was los ist.“ meint Drachi leise. Doch Robin schweigt. „Tsuki hat angerufen.“ Meint Schneeei jetzt. Das lässt Robin aufhorchen. Mit ihm hat sie also vorhin telefoniert. Danke Tsuki. Nur deinetwegen bin ich Schneeeis Fragen entkommen. „Was soll mit Tsuki sein?“ fragt Scherbi. „Er und Robin arbeiten zusammen.“ Meint Schneeei. „Oho? Also das ist ja mal was interessantes“ meine ich ernst. „Er hat erzählt, dass er sich Sorgen um uns macht. Irgendwas von einer Bombe und dass die Züge nicht funktionieren, weil ein Vorgesetzter seine Finger da im Spiel hatte.“ Erzählt Schneeei. „Bombe?“ kommt es von Milly. „Dieser Idiot“ knurrt Robin leise. Dann bekommt er eine Nachricht. Und seufzt. „Scheint, als müsste ich euch morgen mitnehmen.“
    Am Morgen sitzen wir alle gespannt am Esstisch und frühsticken gemeinsam. Sogar Scherbi ist da. Wir essen Matsche zusammen. Es sieht aus wie Matsche, riecht wie Matsche und schmeckt nach Zucker. Aber es ist sättigend. Und wir wissen nicht, was jetzt passieren wird. Kann ja sein, dass wir für die nächsten zwei Tage nichts mehr zu essen bekommen. Also besser darauf vorbereitet sein.
    Die Aufregung steigt, als wir in das riesige Auto steigen, das Robin scheinbar aus dem Nichts hergezaubert hat.
    Kurze Zeit später fahren wir an einer Klippe einen schlängelnden, brückenartigen Weg entlang, der ziemlich ungesichert aussieht und unter dem sich nur Wasser befindet. Und das in so einer Höhe, dass es zu 100% sicher ist, dass man stirbt, wenn man da runterfällt. Und Robin fährt nicht gerade langsam. Schneeei sitzt neben ihm. Was sie macht kann ich von meinem Platz aus nicht sehen. In der Reihe hinter ihr sitzen Drachi und Milly. Drachi Links und Milly auf dem Mittelsitz. Was sie machen muss ich gar nicht sehen, da ich sie hören kann. Drachi beschwer sich nämlich lautstark, dass sie nur Wand sieht. Und Milly versucht sie zu beruhigen. Ganz hinten sind natürlich Scherbi und ich. Er sitzt neben mir in der Mitte und ich rechts am Fenster, wo ich einen guten Ausblick auf die tödlichen Tiefen habe. Scherbi ist ein bisschen bleicher als sonst. Er lässt sich sichtlich zwar nicht anmerken, allerdings weiß ich, dass er Panik hat. Es kommt mir vor, als könnte ich kleine Männchen in seinen Augen sehen, die panisch herumlaufen und Tische, Stühle und ähnliches umwerfen. Außerdem krallt er sich an meinem Arm fest. Das ist natürlich auch ein klares Zeichen. Und ich bin ihm auch sehr dankbar dafür, weil der Schmerz mich wunderbar von meinem Kótzreiz ablenkt und ich deshalb nur halbtot am Fenster hänge. Meine Motion Sickness, oder auch Reisekrankheit, wie das im Deutschen heißt, verfluche ich aber trotzdem noch.
    Dann sind wir angekommen. Vor einem gigantischen Anwesen. Schneeei, Drachi und Milly steigen erstaunt aus und schauen sich um. Robin steigt auch aus, sieht aber nicht sehr glücklich aus. Und Scherbi und ich steigen erleichtert aus und atmen erstmal durch.
    „Hallo ihr alle. Ihr werdet schon erwartet.“ Erstönt eine Stimme aus der Nähe. Es ist ein Mann, der einen Doktorkittel trägt. Er lächelt freundlich.
    „Oh.“ Meine ich etwas lauter, als gedacht, „Der Stalker. Äh, ich mein, der Typ, mit dem ich geschlafen hab!“

    12
    Alle starren mich an. Der Typ ist sichtlich verlegen. „Was?“ frag ich, „ich musste ja irgendwo die Nacht verbringen? Und auf dem Boden pennen wollte ich nicht.“ „Und deshalb hast du bei nem wildfremden Typen gepennt?“ fragt Scherbi mit einem Unterton, den ich nicht ganz deuten kann.
    Ich lege ihm meine Hand auf die Schulter. „Scherbi. Ich bin seit ich 10 bin darauf vorbereitet eines Tages plötzlich entführt vergewáltigt, zerstückelt und im Wald vergraben zu werden. Ich kann ‚schlafen‘ wo ich will.“ Erkläre ich ihm. „Ach deshalb haben wir so einen Bunker im Keller?“ fragt Drachi jetzt. „Ich bin nicht paranoid!“ fauche ich sie an. „Nicht ganz… Ich habe meine Gründe!“ füge ich dann noch leiser hinzu.
    „J-Jedenfalls, kommt ihr am besten erstmal mit… Der Boss erwartet euch.“ Meinte der Wissenschaftler-Typ jetzt. Also folgen wir ihm. Robin wirkt aufgeregt. Hat er den Boss etwa noch nie getroffen? Der Wissenschaftler öffnete eine fette Eichentür. Dahinter war ein fetter Raum mit einem fetten Schreibtisch und einem schlanken alten Mann. Der Boss. Er lächelte uns freundlich an. „Willkommen. Ich habe schon viel von euch gehört.“ Meinte er freundlich. „B-Boss.“ Stammelte Robin. „Es tut mir Leid. Meinetwegen passiert das hier alles.“ „Das ist schon in Ordnung, Robin. Es war sowieso schon seit einer Weile geplant sie mit ins Team zu holen.“ „Also, warum sind wir hier?“ mischt sich Milly jetzt ein. „Und warum hab ihr die Zugfahrten eingestellt?“ fragt Drachi.
    „Also. Um es nicht unnötig lang zu ziehen… Wir hab die Info, dass bald die Welt untergehen wird.“ Meinte der Boss. „So wie diese Verschwörungstheorien?“ meinte Schneeei und klang nicht sehr überzeugt. „Nein. Dieses Mal wirklich. Aufgrund einer Art Pandiemie. Allerdings haben sich die hohen Tiere weltweit zusammengesetzt und einen Plan entwickelt. Sie werden schon sehr bald Bomben abschicken, die besondere radioaktive Strahlen und Chemikalien von sich geben und somit den Auslöser der Pandemie stoppen. Allerdings haben diese Strahlen auch einen Nachteil.“ Und der wäre?“ frage ich gespannt. „Er verändert die Menschen.“ Meint der Boss leicht besorgt.
    „Zombies?“ fragt Schneeei aufgeregt. „Nein.“ Lacht der Boss leise, „Die Menschen werden sich auflösen. Sie schmelzen einfach.“ „Also wird die Menschheit so und so aussterben.“ Brummt Scherbi. „Allerdings haben wir spezielle Maschinen erstellt, die die Strahlen nicht durchlässt. Also können wir zumindest einige Menschen am Leben lassen.“ „Also sind wir an dem Punkt angekommen, wo Geld unser Überleben bestimmt?“ fragt Scherbi kurrend. „Natürlich nicht! Sonst würden ja nur die Reichen überleben,“ lacht der Boss. „Wir werden die Überlebenden aussuchen. Und das machen wir nach dem ‚Wer würde am ehesten Überleben und eine neue Menschheit erzeugen?‘-Verfahren. Und ihr werdet daran teilnehmen. Ihr alle gehört zu Fraktion B2. Herzlichen Glückwunsch!“ lächelte der Boss. „Und was, wenn wir nicht wollen?“ fragt Scherbi finster. „Das ist natürlich auch ok. Der Auslöser der Pandemie ist immerhin schuld der jetzigen Menschheit, also war ein Auswahlkriteruim auch, ob ihr nur die jetzige Menschheit kopieren oder eine neue und bessere Menschheit kreieren werdet.“ Antwortete der Boss.
    „Es wird also auch andere Überlebende geben?“ fragt Robin, der bisher eher im Hintergrund geblieben war. „Natürlich. Jedes Land wird eine auswählen. Unseres hat jedoch zwei, da wir als Organisation selbst noch eine privat erwählen dürfen. Immerhin haben wir die Bomben und die Maschinen erfunden.“ Kam als Antwort.
    „Übrigens. Erinnert ihr euch an den Vorfall von vor etwa einem halben Jahr? Der Autounfall? Ich hörte, jemand von eurer Gruppe war darin beteiligt? Ein paar Menschen waren in den Autounfall verwickelt. Allerdings hat nur einer schwer verletzt überlebt. Alle Anderen waren sofort tot. Wir haben ein bisschen an dem Überlebenden herumgearbeitet und seine Überlebenschancen erhöht.“
    In den Unfall verwickelt. Stimmt ja, Scherbi war derjenige, der schwer verletz wurde, aber überlebt hatte. Ich hatte mich schon gewundert, weshalb seine Verletzungen so schnell verheilt waren, aber dass sowas passiert ist, hätte ich nicht erwartet.
    „Ich bin…“ kommt es erstaunt von Scherbi. „Zwar noch menschlich, aber nicht mehr ganz.“ Beendete der Boss Scherbis Satz.
    „Whoa! Scherbi könnte also ein Superheld werden?“ rief Schneeei aufgeregt. „Naja. Das wissen wir nicht. Zurzeit sind die Gene noch nicht ganz ausgeprägt, deshalb ist er zurzeit noch normal. Was passiert, werdet ihr wohl erst später sehen. Und dann werde ich wohl leider nicht mehr da sein.“ Meinte der Boss und wirkte ein bisschen enttäuscht.
    „Wartet!“ rief Drachi plötzlich. „Milly hat mir von dem Unfall erzählt.“
    Und ihr nächster Satz ließ alle erstarren.
    „Es waren doch zwei aus unserer Gruppe in den Unfall verwickelt…“

    13
    Stimmt. Es gab noch eine Person, die den Unfall zusammen mit Scherbi hatte. Und diese Person ist dabei sofort gestorben, da Scherbi der einzige Überlebende ist. Das heißt ein Toter ist unter uns?
    Nein.
    Das heißt…

    „Ich bin toooooot?“ rufe ich aufgebracht und verwirrt. „Das heißt das Grab vom Anfang war meins?“ ruft Yori in meinem Kopf. „Nein! Wartet! Ich würde es merken, wenn wir tot wären. Und ich kann euch versichern, dass wir zurzeit zu 100% lebendig sind!“ meint Kataji. „Oh. Ok.“ Kommt es daraufhin von dem Rest von uns.

    „Yori war ja auch beim Unfall dabei.“ Meinte Robin, der jetzt ganz bleich ist. „Also bist du ein Zombie, Yoro?“ fragt Schneeei mich beunruhigt. „Ne.“ Antworte ich daraufhin. „Yori hatte ganz sicher den Unfall. Also ist die Information, dass Scherbi der einzige Überlebende ist, falsch?“ frag Milly den Boss. „Nein. Es gibt nur einen Überlebenden. Und dessen Wunden konnten nur wegen uns so gut heilen.“ Antwortete dieser daraufhin. „Einen weiteren Überlebenden gibt es nicht. Und erst recht keinen, der keine sichtbaren Wunden hat. Einen Unfall wie diesen ohne großartige Verletzungen, oder gar unverletzt, zu überstehen ist unmöglich. Also muss ich dich jetzt fragen… Wer bist du? Die, den hier anwesenden als Yori bekannte Person, ist nämlich bei dem Unfall definitiv gestorben.“ Der Boss wirkt nervös, als er diese Worte von sich gibt. Und die anderen sagen nichts. Sie sind erstarrt. Sprachlos.
    „Ohje… Das ist gar nicht gut… Vielleicht sollten wir jetzt rennen?“ meinte Sota leise. „Wegrenne wird nichts bringen. Die kriegen uns, bevor wir sonderlich weit kommen.“ Brummte Kataji.
    Ein Wächter, der mich plötzlich angriff, unterbrach unser kleines Gespräch. Das störte mich. Ich hatte zwar keine Ahnung, was gerade passierte, aber Sota wusste sicher was. Also stoppte ich die Attacke. Was mich überraschte. Ich hätte nicht gedacht, dass ich stark genug für sowas war. Lag das an Kataji? Oder war ich wirklich jemand anderes?
    Sota beschloss jetzt sich einzumischen. Er seufzte leise, als er den Wächter von uns schlug. „Hey, Hey. Warum denn so aggressiv? Ich bin doch kein Feind? Aber ein drittes Mal zu sterben wäre schon lästig.“
    „Ein drittes Mal?“ fragt der Boss. „Oh? Kann es sein? Du bist doch nicht etwa… Seine… Tochter? Kind?“ meint er jetzt etwas verwirrt.
    Sota lächelte ihn an. „Bitte sag doch sowas nicht. Ich will mit diesem Kerl nicht in Verbindung gebracht werden. Er ist tot. Er hat für seine Sünden bezahlt. Er war dumm. Beinahe wäre er davongekommen, dich dieser eine Fehler, den er begangen hat, hat ihn dann schließlich umgebracht.“
    „Du bist also schon vor dem Unfall einmal gestorben?“ fragt Scherbi verwirrt. „Genau. Und das war schon bevor ich auf TD gekommen bin. Das richtige ich kennt ihr also nichtmal“ antwortet Sota ihm fröhlich.
    Und das würde auch einiges erklären. Ich verstand jetzt. Ich war also nicht nur eine Kopie, sondern die Kopie, von der Kopie von der Kopie, die man auch als Original bezeichnen könnte. Mein Original. Nicht das echte Original. Das war schon lange tot.

    14
    Der Boss seufzte. „Eure Chancen sind somit gestiegen.“ Er musterte mich „Wärst du dein Bruder, würde ich um einiges sagen, immerhin sollte er eigentlich der überlegende Überlebende werden, allerdings bist du das nicht.“
    Ich zuckte nur mit den Schultern. Die Menschheit ausgelöscht zu sehen reichte mir.
    Man könnte so klischeehaft sein und sagen, dass das der große Traum von mir und einem Freund war, der schon lange gegangen ist, auch wenn es damals vermutlich nur Spaß war. Aber jetzt passiert es wirklich. Und das war doch was Schönes, oder?
    Plötzlich wurde die Tür aufgerissen. Tsuki und ein anderes Mädchen kamen reingestürzt. „Oh? Ihr seid ja noch da?“ meinte sie. „Tsuki!“ kam es überrascht von Schneeei.
    „Tsuki…“ Scherbi mustert ihn. „Und das ist?“ „Ich bin Fufu!“ ruft sie empört. „Oh…“ antwortet er. Er hat sie nicht erkannt. Aber um ehrlich zu sein… Ich auch nicht. Sie war irgendwie erwachsen geworden...
    „Ihr seid auch da?“ lenkte Milly vom Thema ab. „Wir sind A-Squad.“ Grinst Fufu stolz. „Fraktion. Fraktion A!“ ermahnt Tsuki sie streng. Ihm scheint das ganze recht wichtig zu sein.
    „Du wirst also auch überleben…“ Kam es von Robin, gefolgt von einem tödliche-Blicke-Starrwettbewerb, oder sowas in der Art.
    „Tsuki du lebst ja noch!“ unterbreche ich die Beiden. Die Anderen wirkten ebenfalls erleichtert. Wir hatten uns ja schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen.
    „Tsuki, bist du fertig?“ frägt der Boss. „Ja…“ antwortet Tsuki und seine Stimmung verdüstert sich. Er scheint den Boss ja nicht sonderlich zu mögen.
    Fufu und Tsuki gehen wieder. Und die Stimmung hat sich verändert…

    Ein großer, schlanker junger Mann mit langen roten Haaren gesellt sich zu Tsuki. „Du kennst die Leute aus B2?“ fragt er.
    Tsuki nickt und lehnt den Kopf an die Wand. Heute wird wohl wieder ein anstrengender Tag für ihn.

    15
    Am Tag davor:

    Ich packe mein Handy weg. Es war ein Langer Tag. Das Telefonat hat mich fast wütender gemacht als ich sowieso schon war. Ich meine, das die anderen noch Leben hätte ich nicht gedacht. Wir wurden damals getrennt. Ich dachte sie wären alle gestorben. Aber offensichtlich nicht. Das Robin auch noch mit mir arbeitet macht mich noch wütender. Mein Boss hat es sogar gewusst. Ich meine, ich habe ja mal gesehen das ein Robin für ihn arbeitet. Aber es gibt Gott wie viele Robins auf der Welt. Okay die Menschenmenge hat sich vor über einem Jahr fast halbiert, aber trotzdem. Aber das sie Leben... das ist Gut. Sie haben vielleicht gedacht ich sei Tot. Und Gott, zum glück geht es Yori gut. Wie auch immer.
    Ich packe die beiden Säcke. Ich befinde mich in einem Hochhaus. Meine Pistole wackelt in seinem Holster wärend ich mit den beiden blauen, schweren Müllsäcken die Treppe runtergehe. Der Fahrstuhl hat Überwachungskameras und ich bin im 17 Stock. Das ist perfekt für einen Killer. Ich packe noch kurz eine Tüte aus und zieh mir eine Line rein. Oha tut das gut. Dann geh ich weiter. Ich hab Drogen verabscheut... aber naja.
    In meiner Basis angekommen sehe ich wie sich mein Boss fertig macht.
    ,, Hallo Tsuki, ich habe gleich einen Termin. Ich möchte das du mich nicht störst." Ich nicke ihn nur zu. So ein Arsch. Was verschweigt er mir noch alles. Wahrscheinlich hält er die anderen sogar hier fest. Ich lache innerlich. Was ein scheiß. Ich schmeiße die Tüten in unseren Container. Ich hasse diesen Job. Mein Boss meinte die Leichen müssen noch erkennbar sein sonst bekommt er sein Geld nicht. Ich hätte die Körper gerne ein wenig aufgeschnitten. Am besten wenn sie Leben und man die Schreie schön hören kann. Aber was soll es. Ich meine, ich bekomme viel Geld und da kann ich Menschen töten. Wie viele, verbinde ich Hobby und Beruf.
    Ich gehe wieder zurück und sehe meinen Boss der gerade den Bunker verlässt. Er geht raus? Das macht er enorm selten. Ich betrete mein Büro und überprüfe die Aufträge. Mh... nichts interessantes... ich versuchte also in den Daten zu schauen. Mein Boss redet in letzter Zeit oft von Experimenten. Angeblich hätte er einen Menschen der bei einem Unfall fast gestorben wäre in einen "Übermenschen" verwandelt. Klingt lustig. Hab ich bisher aber nur in Filmen gesehen. Ich versuche mich in das System zu hacken. Aber anscheinend bin ich dafür nicht gut genug.
    Ich lege mich hin. Es ist ein langer Tag gewesen

    16
    Der Rothaarige wandert durch die Gänge. Er ist noch nicht lange hier. Das Militär hat ihn für diese Mission ausgewählt. Er soll mit einigen anderen jungen Menschen die Menschheit wiederbeleben. In ein paar Tagen soll es losgehen. Aber wie die Zukunft wirklich aussieht, ist ungewiss. Im Schlimmsten Falle sind die Lebensbedingungen bis dahin für Menschen unmöglich geworden.
    Wer weiß, was in den Jahren, in denen die Überlebenden schlafen, passieren wird. Es wurde auch noch nicht gesagt, wie lange man denn überhaupt in den Maschinen liegt. Es sollte ihnen zwar nur wie ein paar Sekunden Schlaf vorkommen und altern werde sie auch nicht, aber irgendwelche Nachteile muss das ganze ja haben.
    Der junge Mann betritt nun den Aufenthaltsraum von Fraktion A. Und wirft einen Blick zum selbsternannten Anführer, der schon seit längerem bei der Organisation arbeitet. Er hat sich als Tsuki vorgestellt, wobei das wahrscheinlich nicht sein echter Name ist. Meistens hängt er bei zwei jüngeren Mädchen herum. Sie sind noch Kinder, also ist es eher erstaunlich, dass sie ausgewählt wurden. Allerdings hieß es, dass sie die Vorfälle von damals gut überstanden haben, also kann man sie wohl nicht mehr zu den normalen Kindern zählen. Es muss wohl schlimm für die Armen gewesen sein, dachte er sich.
    Dann fasste ihn jemand an der Schulter an. Es war eine zwielichtige junge Frau, die in Zukunft wahrscheinlich viele Probleme machen wird. Sie fragte ihn nach Gruppe B2. Sie sollten eigentlich nicht existieren, aber Fraktion B ist vor einigen Jahren furchtbar fehlgeschlagen. Deshalb wurde B2 gegründet. Allerdings besteht für deren Mitglieder keine großartige Überlebenschance. Sie werden wohl leider ziemlich früh sterben.
    Laut den Informationen, die die Anderen erhalten haben, gibt es nicht einmal jemanden vom Militär oder einen Überlebensspezialisten bei ihnen. Zwar arbeitet einer von ihnen bei der Organisation, aber das wird ihm bald auch nicht mehr helfen. Und am schlimmsten ist natürlich das Gerücht, dass sich unter ihnen ein Massenmörder befindet. Sollte das wahr sein, werden sie vermutlich alle sterben.
    Der Mann seufzte. Die Zeiten waren schlimm und es gab keine Besserung in Sicht.

    17
    Etwa eine Woche später ging die Bombe hoch. Zumindest sollte sie das. Wir waren zu der Zeit schon eingeschläfert worden. Für uns hieß er nun schlafen, bis wir aufgeweckt werden. Was danach passieren sollte, war noch keinem klar.
    Ich wache auf, als ich ein leises Sirren hörte. Ein Ruck geht durch meinen Körper, der nun aufgewacht ist. Langsam setze ich mich auf und schaue mich um. Ich bin in dem Raum mit den seltsamen Maschinen, in dem unsere Gruppe schlafen gegangen ist. Allerdings ist meine Maschine als einzige geöffnet. Die anderen scheinen noch zu schlafen. Ich stehe auf und nehme mir meine Zeit zum Nachdenken. Wieder zurück in die Maschine zu gehen und versuchen weiterzuschlafen ist sinnlos. Ich hab ja immerhin keine Ahnung, wie man das Teil anschaltet.
    Es wäre wohl am sinnvollsten, wenn ich mich erstmal umsehen würde. Also gehe ich aus dem Raum und stelle sicher, dass die fette Luftschleuse gut verschlossen ist. Immerhin ist das Überleben der Anderen da drinnen weitaus wichtiger als mein eigenes.
    Und nach einigem Herumgerenne und zahlreichen Verirrungen und Flüchen hab ich den Kontrollraum gefunden. Der Strom und das alles scheint noch da zu sein. Ich werfe einen Blick auf das Datum. „Oh. Gestern wurden die Bomben abgeworfen…“ murmel ich. Aber warum bin ich dann schon wach? Das ist doch sicher gefährlich? Ein schriller Schrei reißt mich aus meinen Gedanken. Automatisch zuckt mein Kopf in die Richtung, von der er zu kommen scheint.
    Das heißt wohl, dass ich angespannt bin? Sicherheitshalber atme ich einige male ein und aus. Das hilft mir runterzukommen. Dann gehe ich vorsichtig in die Richtung, aus der der Schrei kam.
    Vorsichtig öffne ich die Tür, die zur Lobby führt. Der Raum ist, wie alle anderen auch, leer und alles ist ruhig. Zwar sind da Blutflecken auf dem Boden, allerdings ist das nichts neues und auch nicht sonderlich überraschend. Erleichtert atme ich ein. Meine Augen fangen an zu tränen und ein scharfer Schmerz geht durch meine Luftröhre. Ich fange an zu Husten und halte mir die Hände vor Mund und Nase. Was ist das? Die Luft ist giftig? Es fühlt sich an, als hätte ich gerade Säure eingeatmet. Ich stolpere zurück und verschließe die Tür. Der Schmerz ist unerträglich und der Husten macht es auch nicht besser. Ich stolpere den Gang entlang und versuche frische Luft einzuatmen. Allerdings scheint es keine zu geben. Vielleicht ist diese Säure auch schon so tief in meine Lunge eingedrungen, dass der Schaden nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Und das soll die neue Welt sein? Ich hoffe die Luft wird wieder atembar, bevor die Anderen aufwachen. Jetzt ist es ja fast unmöglich zu überleben.
    Meine Kniee geben unter mir nach. Ich falle auf den Boden. Langsam nehme ich meine Hände von meinem Mund. Das ist furchtbar. Sowas habe ich noch nie erlebt. Verzweiflung bricht über mich herein. Die Tränen rinnen jetzt unkontrolliert mein Gesicht herab. Kleine Pfützchen, ein Gemisch aus Sabber und Tränen, bildet sich auf dem Boden unter mir. Und zum ersten Mal, seit ich mich erinnern kann, fühle ich mich allein. Warum muss mir das passieren? Warum ich? Warum muss ich immer Leiden?
    Ein Geräusch hinter mir erregt meine Aufmerksamkeit. Ich drehe mich um.
    Ich kann nicht sehen, was da vor mir steht. Ich will nicht sehen, was da vor mir steht. Ich weiß nicht, was da vor mir steht.
    WAS IST DAS?

    Ich grinse.

    Tränen rinnen mein Gesicht herab.

    Sabber läuft mir aus dem Mund.

    „Ah…“

    Und dann verschwindet alles.


    Und das war mein erster Tod nach der Apokalypse.

Kommentarfunktion ohne das RPG / FF / Quiz

Kommentare (44)

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vor 151 Tagen flag
Doch. Die ist besser. Die hat nämlich nicht so hirnverbrannte Namen wie in deiner... o.o
vor 153 Tagen flag
Naaah nd so gut wie meine uwu
vor 167 Tagen flag
Ich vergöttere diese Geschichte.
vor 201 Tagen flag
0o0
Wie klein die Welt doch ist XD
Oder haben wir einfach nur die selben Ideen und den gleichen Geschmack? O.o
vor 202 Tagen flag
OoO

Und ich hab auch nen großen, schlanken Chra mit langen roten Haaren. Der hat mehrmals seinen Freund geschlagen und trotzdem sind die jetzt verlobt.. O.O
vor 202 Tagen flag
Mich auch, Milly. Mich auch... Aber jetzt sollte es nicht mehr so kompliziert werden?

Sota heißt ein Typ in meinem Kopf! O.O
vor 202 Tagen flag
Sota heißt ein Chara von mir! O.O
vor 203 Tagen flag
Das neue Kapitel verwirrt mich komplett.
vor 203 Tagen flag
Hab ich schon ein neues Kapitel hochgeladen?
Oh, ja hab ich xD
vor 203 Tagen flag
Keine Ahnung. Tsuki hat gesagt, ich soll es hier hin schicken und sonst nervt der nur weiter rum.
vor 203 Tagen flag
Meinst du Torsten?

Und was soll das überhaupt bringen?
vor 203 Tagen flag
Für den neuen Uwurianer:
,,Wie heißt der Admin von TesteDich.de?
Hail UwU

Forum 25.3.2020 12:21"

Ich mache das komplett unfreiwillig, einen random Kommentar hier zu schreiben, aber ich habe keine Lust das Tsuki mich weiterhin nervt.
vor 204 Tagen flag
Hmm... Bis spät in die Nacht Anime suchten, dann seltsame Träume haben und sich zeug ausdenken, durch manga lesen und spiele spielen?
vor 204 Tagen flag
Woher nimmst du diese Ideen, ey?
vor 212 Tagen flag
Aber schreib weiter. sie ist schon toll... -.- so ganz ohne.. naja
vor 212 Tagen flag
Schöne geschichte
vor 215 Tagen flag
Owo
Ich dachte die heutige Generation hätte sich mit CDs begnügt owo
vor 215 Tagen flag
Bruh... Ich hab früher sogar VHS-Kassetten gehört… Die alten von meiner Mutter... Pumuckl und so... qwq
vor 216 Tagen flag
Oho? Du und Schneeei? Hab ihr etwa zusammen geschlafen?“
😂
vor 216 Tagen flag
Also ich habe schon mal 'ne VHS-Kassette gesehen. Wegen meiner Oma. owo

Danke fürs Kopfkino. qwq((esmall)