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Ausgetauscht

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1 Kapitel - 766 Wörter - Erstellt von: - Entwickelt am: - 436 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Eine (vielleicht etwas brutale) Kurzgeschichte über Verrat und Rache.

    1
    Eben war ich noch mit meiner besten Freundin Svea im Kino, jetzt stehe ich schon wieder in der Kälte. Wenn ich eine Abkürzung durch die ganzen verwinkelten Gassen gehe, bin ich am schnellsten daheim und ich mag es nicht im Dunklen alleine rumzulaufen, also beeile ich mich.
    Um mich abzulenken denke ich über den Film nach, so eine Komödie, eigentlich ganz lustig aber nicht besonders tiefgründig. Also genau Sveas Lieblingsgenre.
    Dann sehe ich dich.
    Du stehst an einer Straßenecke und bemerkst mich nicht. Allein bist du auch nicht. Ein Mädchen ist bei dir, sie ist hübsch, doch ich kenne sie nicht. Ihr lacht. Ich kann es nicht ertragen, wie glücklich ihr ausseht. Nahm dich das alles gar nicht so sehr mit wie mich? Oder hast du mich schon längst vergessen?
    Ich beobachte wie ihr euch umarmt, wie du sie anschaust. Als wäre sie das Kostbarste, was es auf dieser Welt gibt. Genauso hast du mich immer angeschaut. Jetzt hast du mich einfach ausgetauscht, wie kaputte Jeans.
    Ihr habt mich immer noch nicht bemerkt, also gehe ich noch ein wenig näher. Dabei will ich mich eigentlich abwenden. Doch es geht nicht. Zu sehr fesselt mich das Geschehen, denn ich erkenne, wie sehr ich mich in dir getäuscht habe.
    Auf einmal halte ich das Taschenmesser in der Hand, das du mir zu unseren ersten Jahrestag geschenkt hattest. Zusammen mit den Rosen und der Karte. Damals dachte ich noch, wir wären für die Ewigkeit. Du fandest es süß, dass ich so praktisch veranlagt bin und das Taschenmesser ist echt toll. Ich hatte mich so gefreut.
    Warum ich es nicht längst weggeschmissen habe? Keine Ahnung. Jetzt macht mich der Anblick wütend. Es bedeutet nichts, das hat es nie. Das wird mir erst jetzt richtig klar, als ich es direkt vor Augen habe.
    Plötzlich überkommt mich Wut. Heiße, glühend heiße Wut. Mein Verstand scheint gelähmt. Wie in Trance nehme ich wahr, wie ich auf euch zustürme und ihr euch überrascht zu mir umdreht.
    Du sagst meinen Namen. Genau wie früher.
    Dein Gesichtsausdruck regt mich auf, er ist reuevoll, ängstlich, mitleidig.
    Das macht mich noch wütender. Ich überwinde den restlichen Abstand zu dir und ramme dir das Messer in den Bauch.
    Einmal, Zweimal, Dreimal.
    Immer öfter, bis du zusammensackst. Bis dein Herz aufhört zu schlagen.
    Das Mädchen kreischt.
    So laut.
    Das Geräusch holt mich in die Realität zurück. Ich wusste nicht mal, dass ich zu so etwas fähig bin. Doch es erfüllt mich mit Zufriedenheit. Zu sehen, wie dein Gesichtsausdruck sich änderte, das Leben aus deinen Augen wich.
    Bereue ich es? Nein, ich glaube nicht. Das hattest du verdient.
    Das Mädchen rennt weg und zückt im Laufen ihr Handy. Ich halte sie nicht auf, sie ist unschuldig. Wahrscheinlich ruft sie die Polizei. Ich weiß, dass ich etwas Schlimmes getan habe, doch so fühlt es sich nicht an. Du hast mein Herz kaputt gemacht, und das habe ich dir doppelt zurückgezahlt.
    Im Tod siehst du immer noch gut aus. Nicht einmal das Blut tut deinem Aussehen etwas an. Normalerweise hätte mich das wieder wütend gemacht, doch zum ersten Mal fühle ich mich endlich überlegen.
    Ich setze mich neben dich und warte auf die Polizei, wegrennen bringt nichts, ich werde mich gleich stellen. Was dann mit mir passieren wird bleibt abzuwarten. Aber darum kümmere ich mich nicht, sollen sie mich doch wegsperren.
    Ich habe mein Ziel erreicht. Ich habe mich gerächt. Du bist selbst schuld, hättest mich ja nicht verlassen müssen. Jetzt müssen wir beide mit den Konsequenzen leben. Naja, du wohl eher weniger. Doch ich kann endlich kann ich mit dir abschließen.
    Kurz darauf bemerke ich schon die Streifenwagen. Polizisten steigen aus und nehmen mich mit. Ich tue nichts und folge bereitwillig. In Gedanken verabschiede ich mich, denn ich weiß, das war das letzte Mal, dass ich dich sah.

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Kommentare (4)

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vor 202 Tagen flag
Insgesamt gefallen mir deine Story und der schreibstil echt sehr gut,aber als konstruktive Kritik will ich gerne noch anmerken das man (wie ich finde) etwas wenig Empathie für die Protagonistin entwickeln konnte, aber ist halt auch eine Kurzgeschichte. Da finde ich das mit Empathie manchmal sehr schwierig. Aber sonnst sehr mitreißend geschrieben. Respekt.
vor 231 Tagen flag
Interessante Geschichte! Vor allem krass, dass die Protagonistin keine Reue oder Angst verspürt, nachdem sie ihn ermordet hat...😨
vor 231 Tagen flag
Danke Eleni ^^
Ich freue mich über jede Bewertung (auch über Kritik, solange sie begründet und berechtigt ist)!^^
vor 233 Tagen flag
Ich fand sie richtig schön und spannend! Du hast es auch gut geschrieben! (Vielleicht kann ich das nicht do gut bewerten weil ich nie gut in deutsch war) aber mir hat es sehr gefallen!