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Shelter me in your wooden Arms

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1 Kapitel - 8.806 Wörter - Erstellt von: - Entwickelt am: - 943 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Das ist ein Sope oneshot.

Es geht um Themen wie Suizid und der gleichen.
( Schmerz, Trauer und Liebe)

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    🥀 Shelter me in your wooden arms🥀 Die kastanienbraunen Holzdielen knarzen unter jedem von Hoseoks Schritten. Es klingt ein Bisschen so, als wür
    🥀 Shelter me in your wooden arms🥀



    Die kastanienbraunen Holzdielen knarzen unter jedem von Hoseoks Schritten.
    Es klingt ein Bisschen so, als würden sie einen zurückhaltenden Willkommensgruß verlauten lassen. Als freuten sie sich, dass Hoseok nach all der Zeit endlich zurückgekehrt ist und ihn ermutigen weiterzugehen und die Dielen noch ein wenig länger mit der altbekannten Berührung seiner Füße zu beehren.

    Komm her. Lass uns nicht alleine. Die letzten Schritte, die auf uns getan wurden, sind schon seit Monaten verklungen.

    Die schmale Eingangstür fällt mit einem plumpen Geräusch hinter ihm zu, aber er nimmt es gar nicht zur Kenntnis. Stattdessen bleibt er schweigend inmitten des gedrungenen Raums stehen und beobachtet einen Augenblick lang die zahlreichen Staubpartikel, die im einfallenden Sonnenlicht durch die Luft tanzen. Jedes Mal, wenn Hoseok sich bewegt oder auch nur ausatmet, werden sie ein wenig wilder umher gewirbelt. Als würde selbst der Staub seine Wiederkehr mit einem Freudentanz feiern.
    Ein kurzer Rundumblick genügt, um festzustellen, dass alles noch genauso aussieht wie früher. Hoseok hat so viel Zeit in dieser heruntergekommenen Waldhütte verbracht, dass er jeden ihrer Winkel in- und auswendig kennt. Dass er es sofort bemerkt hätte, wenn etwas anders gewesen wäre. Doch abgesehen von der Tatsache, dass die modrigen Wand- und Bodendielen noch etwas mitgenommener und wettergezeichneter aussehen als Hoseok sie in Erinnerung hatte, ist alles gleich geblieben.

    Er findet alles so vor, wie sie es vor einem Jahr zurückgelassen haben. Scheinbar hat sich nichts an der Tatsache geändert, dass keine Person diese verwahrloste Hütte freiwillig aufsuchen will. Keiner, außer Hoseok und Yoongi – zumindest ist es für die beiden damals so gewesen.

    Durch die glaslosen Fenster fallen vereinzelte Sonnenstrahlen, die sich einen Weg durch die Baumkronen gebahnt haben, die um diese Jahreszeit bereits ihre Blätter verlieren und somit unfreiwillig Schlupflöcher für das warme Licht bieten. Es macht das Innere der Hütte weniger finster und der Anblick der kleinen Lichtflecken auf dem Boden schenkt Hoseok auf eine ganz eigene Weise Trost.

    Die Sonne sieht dich. Selbst hier drinnen musst du nicht alleine sein.

    Der schmale, altmodische Schrank aus dunklem Holz, der sich neben einem der Fenster an der Wand befindet, steht halb offen und die Türen hängen nur noch schief in ihren Angeln. Hoseok kommt seinem inneren Drang, etwas zu tun, entgegen und bewegt sich auf den Schrank zu, bis er unmittelbar davor steht. Vorsichtig schiebt er den rechten Türflügel noch etwas weiter auf und lugt hinein. Der Hauch eines Lächelns umspielt seine Lippen, als er sechs ordentlich gestapelte Schachteln auf dem mittleren Regalbrett entdeckt. Sie sind noch da. Unberührt haben sie ein Jahr lang dort gelegen und darauf gewartet, von Yoongi oder sogar Hoseok angezündet zu werden. Das Logo der billigen Zigarettenmarke leuchtet ihm vorwurfsvoll entgegen.






    Yoongi wollte nicht, dass seine Eltern davon erfuhren, dass er rauchte. Er ließ die Zigaretten nie bei sich zu Hause liegen und traute sich kaum, sie versteckt in der Hosentasche bei sich zu tragen. Aus diesem Grund hatte er die Schachteln sorgfältig hier gelagert und steckte sich auch meistens nur im Schutz dieser vier Wände eine Zigarette an. Folglich stank es in der Hütte immerzu ein Bisschen nach Rauch, aber weder Yoongi, noch Hoseok wussten daran etwas auszusetzen. Denn irgendwie gehörte das Rauchen stets dazu, wenn sie hier Zeit verbrachten. Es war eine ihrer vielen Methoden, für Entspannung und Ablenkung zu sorgen.






    Für einen Moment meint Hoseok, eine Fahne des beißenden Geruchs aufzufangen, aber nur eine Sekunde später ist sie wieder fort und er schüttelt den Gedanken ab. Nach nunmehr als einem Jahr hat sich der ständig präsente Rauch endgültig verflüchtigt und es gibt nichts als kühle, frische Herbstluft, die seine Lungen füllt.






    Zwei Teenager mit viel zu vielen Problemen, deren Leben aus irgendeinem Grund miteinander kollidiert waren. Man könnte meinen, bei dieser Kombination wäre es praktisch vorprogrammiert, dass sie nicht harmonieren würden. Doch wider aller Erwartungen funktionierte es zwischen Yoongi und Hoseok immer. Weil sie sich auf die ein oder andere Weise ähnlich waren. Weil sie einander verstanden.

    Zumindest glaubte Hoseok das stets.

    Der Tag, an dem sie die verlassene Waldhütte entdeckten, war ein schlechter. Denn es war derselbe Tag, an dem Yoongis Vater herausfand, dass sein Sohn einen anderen Jungen liebte. Dass Hoseok und er mehr als nur beste Freunde waren, die auffällig viel Zeit miteinander verbrachten.
    Yoongi erläuterte ihm nie die genauen Umstände des Vorfalls, doch an diesem Vormittag tauchte er plötzlich ohne Ankündigung vor Hoseoks Türschwelle auf. Die rechte Wange unheilvoll gerötet und geschwollen, tat Yoongi die Sache mit einem schiefen Lächeln und einem Schulterzucken ab, aber Hoseok wusste, wie sehr es ihn tatsächlich beschäftigte.

    Sie gingen gemeinsam in den Wald, nicht weit von Hoseoks Elternhaus. Es war ein Ort, den sie schon immer gerne aufgesucht hatten. Im Schutz der Bäume, inmitten der stillen Natur, war es einfach seine Sorgen zu vergessen. Sich auf den endlosen Wegen zu verlieren und sich für eine Weile genauso friedlich und resistent zu fühlen, wie die grauen, robusten Stämme, die sie umgaben.
    An diesem Tag verbrachten sie besonders viel Zeit dort, wichen von ihren üblichen Pfaden ab und drangen immer tiefer in den Wald ein, nur damit Yoongi so lange wie möglich nicht zurück nach Hause kehren musste.

    Wie das Schicksal es wollte, begann es irgendwann zu regnen, so heftig, dass auch die spärlich behängten Baumkronen sie nicht vom kühlen Nass abschirmen konnten.
    Yoongi lachte, während sie ziellos durch das Unterholz rannten und sich die durchweichten Jacken als Regenschutz über den Kopf hielten. Es war ein richtiges Lachen, eines, das Hoseok klar und deutlich hören konnte, obwohl er mit dem Rücken zu Yoongi lief. Es war keines von den lautlosen Lächeln, die seine schmalen Schultern zum Beben und seine Augen zum Glänzen brachten. Es war ein freudloses Lachen, aber vielleicht sorgte das Rauschen des Regens dafür, dass diese Tatsache vor Hoseoks Ohren verborgen blieb.

    Sie fanden die Hütte, als sie bereits bis auf die Knochen durchnässt waren. Da stand sie, in einem bewaldeten Tal, gleich neben einem umgestürzten Baum, der schon so lange dort liegen musste, dass sich seine Rinde gelöst hatte und er ganz nackt aussah. Es war kalt und sie zögerten nicht, die windschiefe Tür aufzutreten und in der Hütte Schutz zu suchen. Ein Bisschen Wasser hatte es zwar durch die Ritzen zwischen den losen Dachdielen geschafft, aber zum größten Teil war es in der Hütte trocken. Trocken und einladend, für zwei rastlose Jungen wie Hoseok und Yoongi.

    Kommt in meine hölzernen Arme. Hier seid ihr sicher. Sicher vor dem Regen, sicher vor dem Rest der Welt.

    So fing es also an.






    Hoseok nimmt die oberste der sechs Schachteln und schiebt sie auf. Sie fühlt sich irgendwie alt und staubig in seinen Händen an und seine Finger zittern ein wenig, als er sich eine Zigarette daraus angelt und sie sich zwischen die Lippen steckt. Dann schließt er die Schachtel wieder und legt sie fein säuberlich zurück auf den Stapel, ehe er zurücktritt und die Schranktüren zudrückt. Es gibt kein Feuerzeug da drinnen, nur die sechs Schachteln, aber das macht nichts. Hoseok hat sein eigenes dabei, ein leuchtend rotes, das er immer bei sich trägt, egal wohin er geht. Obwohl es eine Weile her ist, seit er es tatsächlich benutzt hat. Manchmal lässt er das kleine Rädchen daran einfach zurückschnappen und beobachtet die kurzlebige Flamme, die aus dem Feuerzeug heraus züngelt. Heute hat er jedoch tatsächlich eine Verwendung für die Flamme.

    Der erste Zug, den Hoseok von der Zigarette nimmt, ist ein tiefer und er lässt den Rauch länger als gewöhnlich durch seine Lungen geistern, bevor er den Kopf in den Nacken legt und eine graue Wolke in Richtung der Deckenbalken ausstößt.
    Billige Zigaretten in einer verlassenen Waldhütte rauchen – er hat es vermisst. Und es bereitet ihm unwillkürlich einen kleinen Stich in der Brust. Denn obwohl er nun hier steht, die glimmernde Zigarette zwischen den erhobenen Fingern, ist es nicht dasselbe wie damals. Jetzt ist er alleine.






    Nach diesem einen regnerischen Tag kamen sie immer zusammen her.

    Beide von ihnen hielten nicht besonders viel vom Lernen in überfüllten Bibliotheken und Klassenräumen – gut, zugegebenermaßen hielten sie beide überhaupt ziemlich wenig vom Lernen. Deswegen gingen sie fast jeden Tag nach der Schule in den Wald, weit weg von ihren Familienhäusern und Schulkameraden und verbrachten die verbliebene Zeit in der kleinen Hütte, bis es dunkel wurde. So hörten sie auf, sich irgendwo anders zu treffen. Nicht bei Hoseok Zuhause. Nicht bei Yoongi Zuhause. Immer nur im Wald, selbst wenn es eiskalt war oder regnete. Es wurde ihr Zufluchtsort und Hoseok liebte es dort. Einen Platz zu haben, an dem er sein konnte, wer er wollte, mit Yoongi an seiner Seite, löste in ihm stets ein Gefühl der Geborgenheit aus.

    Dabei ist es nicht so, als hätten sie besonders viel gemacht, wenn sie in der Hütte saßen. Aber die vier Wände gaben ihnen immerhin ein Bisschen Raum, um zu vergessen.






    Hoseok lässt den Blick durch den Rest der Hütte schweifen, sieht die bräunlichen Ranken mit den kleinen, toten Blättern, die sich durch die Zwischenräume der Bodendielen fressen und ungefragt in den Raum eindringen. Seine Augen wenden sich schneller von dem schmalen Hocker in der Ecke ab, als dass sie ihn richtig hätten erfassen können. Stattdessen bleiben sie auf der modrigen, fleckigen Matratze hängen, die auf dem Boden, direkt an der Wand liegt. Sie ist groß und breit – flächig genug für mindestens zwei Personen oder mehr und auch auf ihr scheint sich eine Schicht aus Staub niedergelegt zu haben. Es ist Hoseok vollkommen egal. Trotzdem geht er auf sie zu und setzt sich langsam darauf, spürt, wie das alte, vertraute Material unter seinem Gewicht einsinkt und ihn dankbar aufnimmt.

    Setz dich Hoseok. Setz dich und lass mich dich fühlen, wie ich dich vor einem Jahr gefühlt habe.

    Für eine Weile sitzt er einfach nur schweigend da und raucht, ohne sich von der Stelle zu bewegen. Bloß seine Augen huschen durch den Raum, als wären sie auf einer Suche, erkunden jeden Winkel, lediglich die Ecke mit dem Hocker ignoriert er geflissentlich und er sieht auch nicht nach oben zu den Deckenbalken.

    Hoseok fühlt sich leer und verlassen, wie er da in dieser Hütte sitzt, und er ist froh, dass er seinen Körper wenigstens mit Rauch füllen kann. Aber selbst der wird nicht bleiben, selbst den muss er früher oder später loslassen. Dann wird er nach oben zu den Deckenbalken schweben und sich dort verflüchtigen. Es kommt ihm unangenehm vertraut vor.

    Wenn er die Augen schließt und sich anstrengt, kann er sich vorstellen, wie Yoongi neben ihm sitzt. Die Knie bis ans Kinn hochgezogen, den Rücken an die Wand hinter der Matratze gelehnt und das Haar ein schwarzes Durcheinander, so wie immer. Vielleicht bildet er sich sogar ein, er könne Yoongi riechen. Möglicherweise ist es aber einfach nur der Rauch, der ihn umgibt.
    Hoseok hört Yoongis Stimme, doch sie ist bloß in seinen Erinnerungen, ebenso wie die Bilder, die sich vor seinem inneren Auge manifestieren. Er sieht die Hütte an warmen Sommernachmittagen vor sich, an kühlen Sommerabenden, an regnerischen und an sonnigen. Yoongi aber bleibt immer gleich. Yoongi ist immer schmal, blass und ganz in Schwarz. Der einzige Unterschied ist, dass er manchmal lächelt und manchmal nicht. Ab und zu sind die Ringe unter seinen Augen so dunkel, dass sie einen besorgniserregenden Anblick abgeben.

    Hoseok erschaudert. Als er die Lider wieder aufschlägt, verschwindet das Bild aus seinem Gedächtnis und er ist sich nicht sicher, ob er darüber erleichtert sein sollte oder nicht.






    Zuerst redeten sie nie über ihre Probleme, wenn sie gemeinsam in der Hütte saßen. Nicht über die ernsten, die wirklich wichtigen zumindest. Hoseok beschwerte sich gerne über Kleinigkeiten und er hielt sich damit auch nicht zurück. Er war nicht immer gut darin, sein Temperament zu zügeln. Also redete er viel. Genau genommen sprach er über alles und nichts, während er den Kopf auf Yoongis Schulter lehnte, oder durch den kleinen Raum wanderte, wie eine unruhige Katze.

    In erster Linie kamen sie dorthin, um alleine miteinander sein und vergessen zu können. Aber was das Vergessen anging, war Hoseok noch nie gut gewesen. Es fiel ihm schwer, seine Sorgen einfach abzuschalten und glücklich zu sein, auch wenn es auf seine Mitmenschen nicht so wirken mochte. Er trug seine Gefühle auf der Zunge und für gewöhnlich bewahrte er sie dort auf und hielt sie in Schach, indem er den Mund schloss, die Zungenspitze gegen den Gaumen presste und es mit einem breiten Lächeln überspielte. Nur wenn Hoseok tanzte, schüttelten die Bewegungen all die Gefühle aus seinem Körper und brachten sie zum Ausdruck, dort in dem kühlen, verspiegelten Raum, in dem er alleine trainierte, wenn die Sporthalle in den Mittagspausen unbelegt war. Doch seine Gefühle wurden sonst nur in Worte gefasst, wenn er bei Yoongi war. Vor Yoongi hatte Hoseok keine Hemmungen und er hörte ihm stets zu, seine dunklen Augen aufmerksam und aufrichtig.
    Aber dort in der Hütte hielt selbst Hoseok sich zurück, die richtigen Probleme auszusprechen, fast so, als würde er den Ort nicht mit seinen Sorgen beschmutzen wollen. Viel lieber wollte er die Luft in den hölzernen vier Wänden frisch und leicht halten, damit er atmen konnte. Nicht so wie Zuhause, wo all die Schwere den Sauerstoff zu verdrängen schien.

    Yoongi hingegen fiel es einfacher, womöglich weil er ohnehin viel weniger sprach als Hoseok. Wenn er redete, dann über die Dinge, die Hoseok ihm erzählt hatte. Fast nie sagte er etwas über sich selbst.

    So lief es meistens ab.
    Nach der Schule trafen sie sich und gingen den altbekannten Weg durch den Wald.
    Sie ließen die alte Holztür hinter sich zufallen und sperrten den Rest der Welt aus.
    Hoseok redete und Yoongi hörte zu.
    Sie küssten sich eine Weile lang.
    Dann lagen sie schweigend nebeneinander, Hoseok ließ die Finger sanft durch Yoongis unbändiges Haar fahren und Yoongi rauchte, während er an die Decke starrte und gedankenverloren mit seinem roten Feuerzeug spielte. Sein Daumen drehte an dem Rädchen, als würde er es gar nicht bemerken. Ließ die Flamme aufleuchten und erlöschen. Aufleuchten und erlöschen. Das tat er immer, wenn er besonders nachdenklich war.

    Yoongi war auf seine ganz eigene Weise schön und Hoseok sah ihn gerne an, wenn sie so nebeneinander lagen. Irgendwie schien er weich und hart gleichzeitig zu sein, sowohl in seinem Wesen, als auch in seinem Aussehen. Ein Bisschen wie eine Puppe aus Porzellan vielleicht, mit den fast schwarzen Augen, der kleinen Nase und dem Schmollmund. Aber immer, wenn Hoseok zum Ausdruck brachte, wie schön er Yoongi fand, wurde er ignoriert. Im besten Fall bekam er ein Augenrollen als Reaktion.

    Nur einmal lachte Yoongi auf Hoseoks Bemerkung hin. Und es war wieder kein lautloses Lachen. Es irritierte Hoseok, aber Yoongi fing sich schnell und der Augenblick schwand dahin, so dass er im Nachhinein beinahe glaubte, es sich bloß eingebildet zu haben.






    Der Aschenbecher steht noch da.

    Hoseok kann ihn sehen, klein und glänzend, auf dem schmalen Sims des gegenüberliegenden Fensters. Er betrachtet den mickrigen Stummel, der von seiner Zigarette übrig geblieben ist und fragt sich unwillkürlich, wie lange er gebraucht hat, um sie aufzurauchen. Ein wenig beunruhigt es ihn, dass er darauf keine Antwort hat, aber wirklich überrascht ist er nicht. Wenn er so darüber nachdenkt, könnte bereits eine Stunde vergangen sein, seit er in der Hütte angekommen ist, aber vielleicht sitzt er tatsächlich erst seit ein paar Minuten hier. Im Endeffekt ist es ihm egal – er muss nirgendwo hin und hat alle Zeit der Welt, hat sie sich extra hierfür genommen, weil er genau gewusst hat, dass er sie brauchen wird.

    Schließlich nimmt er einen letzten Zug von seiner Zigarette, öffnet den Mund und atmet den Rauch aus, während er beobachtet, wie die Wolke nach oben schwebt. Aber nur solange, bis die Deckenbalken am oberen Rand seines Sichtfelds auftauchen. Dann senkt er den Blick wieder hastig und steht eilig auf, als hätte man ihn unter Strom gestellt.
    Mit wenigen Schritten durchquert Hoseok den Raum und die Dielen knarzen, bis er vor dem Fenstersims zum Stehen kommt. Plötzlich wird er sich der Leere umso bewusster, als er einen zweiten, genaueren Blick auf den Aschenbecher wirft. Früher ist der kleine, durchsichtige Behälter beinahe übergequollen vor aufgerauchten Stummeln und grauer Asche – Yoongi rauchte immer eine Menge, wenn sie hier waren und ab und zu nahm auch Hoseok eine Zigarette aus den Schachteln im Schrank für sich. Jetzt aber sind nur noch ein paar Stummel zurückgeblieben, ansonsten ist der Becher fast leer. Hoseok kann seinen Boden sehen – da ist kaum Asche, die ihn bedeckt. Der Wind muss mit der Zeit all die Asche fortgetragen haben und es führt ihm vor Augen, wie lange er nicht mehr hier gewesen ist.

    Asche.

    „Irgendwann wird alles zu Asche. Irgendwann wird alles grau und unbedeutend“, wispert Hoseok in die Stille und es ist das erste Mal seit einem Jahr, dass menschliche Worte die staubige Luft der Holzhütte erfüllen.

    Es sind eigentlich nicht Hoseoks Worte und sie wurden schon einmal hier drinnen ausgesprochen. Er erinnert sich genau daran, wie Yoongis hübsche, gerötete Lippen sich in der Dunkelheit bewegten, als er sie damals aussprach. Sein Tonfall war monoton und er sah Hoseok nicht an.
    Und Hoseok sagte nichts, sondern beugte sich vor und küsste Yoongi. Weil er zu diesem Zeitpunkt an nichts anderes denken konnte, als Yoongis Lippen. Yoongis Körper. Yoongis Hände. Nicht aber an seine Worte, nein, dafür war er noch zu benebelt von seinem Hoch. Dafür war es noch zu früh in der Nacht.

    Mit der Fingerspitze tippt Hoseok auf den Stummel und lässt einen kleinen Schauer frischer Asche in den Becher rieseln, bevor er die Zigarette letztendlich ganz auf dessen Boden ausdrückt und dort zurücklässt. Neben ihren längst vergessenen, vor Ewigkeiten aufgerauchten Artgenossen, die einmal das Privileg hatten, Min Yoongis Lippen zu berühren. Ein Bisschen fühlt Hoseok sich ihnen deswegen verbunden. So unähnlich ist er den Zigarettenstummeln gar nicht, wie er feststellt. Sie beide haben Min Yoongi einmal berührt und ihm damit eine gewisse Zufriedenstellung bereitet, aber es war nicht von Dauer. Sie beide werden sich irgendwann in Asche verwandeln. Sie beide kommen sich vermutlich vergessen und alleingelassen vor, in dieser einsamen Hütte.

    Warum bleibst du nicht bei uns Hoseok? Du bist auch abgenutzt und verloren, ein mickriges Abbild deines alten Selbst, so wie wir es sind. Wir sind uns gleich.

    Schnell wendet Hoseok sich ab, bevor er den Drang, den Aschenbecher vom Fenstersims zu stoßen, in die Realität umsetzen kann.






    An besonders guten Tagen erfüllte Musik die kleine Hütte neben dem umgestürzten Baumstamm.

    Wenn es keine Belanglosigkeiten gab, über die Hoseok sich beschweren wollte, dann tanzte er für Yoongi. Zeigte ihm eine Choreographie, die er gerade lernte oder an der er arbeitete und ließ die Holzdielen unter seinen Schritten protestieren.
    Tanzen war immer das Einzige gewesen, was Hoseok mindestens genauso sehr liebte, wie seine Abende mit Yoongi in der Hütte.

    Und Yoongi schien es ebenfalls zu gefallen, wenn Hoseok tanzte. Zwar sprach er es nie wirklich aus, schenkte ihm höchstens zurückhaltende, anerkennende Worte, aber Hoseok wusste, dass Yoongi ihm gerne zusah. Er konnte es an seinen Augen sehen: Sie lächelten, obwohl seine Lippen es nicht taten.

    Es bestärkte Hoseok in seinem Können und seinem Vorhaben, nicht mit dem Tanzen aufzuhören, ganz egal, was seine Eltern davon hielten. Für sie war sowieso alles Zeitverschwendung, also warum sollte er überhaupt versuchen, es ihnen recht zu machen? Er mochte es zu tanzen und Yoongi mochte es, ihn tanzen zu sehen. Mehr brauchte es für gewöhnlich nicht, um seinen Ansporn am Leben zu halten.






    Hoseok tanzt immer noch. Nicht mehr hier in dieser Hütte und auch nicht in der Sporthalle seiner ehemaligen Schule. Aber er tanzt so viel wie noch nie und er weiß ganz genau dass es daran liegt, dass er seine andere Quelle der Freude verloren hat. Ihm ist nichts mehr geblieben, außer das Tanzen und er ist froh, dass er es damals nicht aufgegeben hat. Sonst hätte er jetzt womöglich gar nichts mehr und er kann sich nicht vorstellen, wie groß die Leere in seinem Inneren dann gewesen wäre. Wenigstens hat er etwas, das in vorantreibt.
    Und trotzdem ist Hoseok wieder hier, ist zurückgekommen, obwohl er bereits einen weiten Weg gegangen ist. Es ist schwer, aber irgendwie weiß er, dass es die richtige Entscheidung war, zumindest tief drinnen. Im Moment jedoch bezweifelt er es ehrlich gesagt, ob er froh ist, wieder hier zu sein oder nicht. Vielleicht löst es einfach zu viel in ihm aus.

    Einen Augenblick lang steht Hoseok nur planlos da und kommt sich fremd vor. Früher war ihm hier nie langweilig, er war immer zufrieden und auf irgendeine Weise beschäftigt. Jetzt aber fällt ihm erst richtig auf, wie wenig diese Hütte eigentlich zu bieten hat. Es waren immer nur Yoongi und Hoseok, die sie mit Leben, mit einem gewissen Etwas erfüllt haben. Zu zweit. Wenn man alleine hier ist, dann ist es ganz anders.

    Letzten Endes geht er zurück zu der Matratze auf dem Boden und setzt sich wieder dorthin, wo er vorhin schon saß. Dann kommt er sich wenigstens nicht so vor wie ein Eindringling, der mitten im Zimmer steht und keine Ahnung hat, was er tun soll. Nein, wenn er auf dieser Matratze sitzt, fühlt es sich eher so an, als würde er hierher gehören. Aber ihm fällt auch ein, wie er dieses Gefühl noch etwas mehr aufblühen lassen kann.

    Also lässt Hoseok sich zurückfallen, bis sein Rücken und sein Hinterkopf die staubige, weiche Matratze berühren. Seine Beine sind ausgestreckt und ganz leicht gespreizt, während seine Arme angewinkelt zu beiden Seiten seines Kopfes ruhen. Nun nimmt er den modrigen Duft der uralten Matratze ganz deutlich wahr, spürt, wie sie sich von unten gegen seinen Körper schmiegt und ihn willentlich aufnimmt. Er teilt die Lippen ein Bisschen, als würden sie auf etwas warten, aber weil da nichts als die staubige Luft ist, kann er seinen Atem ganz laut in der Stille hören. Damit er die Deckenbalken über ihm nicht sehen muss, schließt er die Augen.

    Diesmal muss Hoseok sich kaum konzentrieren, um sich Yoongi bei ihm vorzustellen. Fast ist es so, als würde er ihn tatsächlich fühlen können, als wäre er zum Greifen nahe. Aber es ist anders, als vorhin. Wo Hoseok ihn vor wenigen Minuten noch neben sich gespürt hat, ist Yoongi auf einmal über ihm. Auf ihm. Überall eigentlich. Wenn er sich ein wenig mehr anstrengt, kann er vielleicht sogar die Berührung seiner Lippen fühlen.






    Es war bereits dunkel draußen und für gewöhnlich wären Hoseok und Yoongi um diese Uhrzeit längst nach Hause gegangen.

    Sie hatten beide die Taschenlampe ihrer Smartphones angeschaltet und sie auf den Boden neben der Matratze gelegt, sodass die warmgelben Lichtkugeln hinauf an die Deckenbalken geworfen wurden. Eigentlich war es nicht besonders viel Licht, aber es war genug, damit sie einander sehen konnten. Damit Hoseok die dunklen Verfärbungen auf Yoongis Haut ausmachen konnte, leuchtend in Rot und Lila im Schein der Taschenlampen. Die Farben waren am präsentesten auf Yoongis blasser Wange und Hoseok zögerte, ihn an dieser Stelle anzufassen, aber Yoongi versicherte ihm, dass es okay war. Dass es ihm gut ging.

    An diesem Abend küsste Yoongi ihn länger, tiefer und hungriger als sonst, vermutlich weil er verzweifelt war und nach Wärme und Zuneigung suchte, obwohl er es natürlich nicht aussprach.

    Aber es machte Hoseok nichts aus, denn er wollte ihm gerne Wärme geben, ihn die Schmerzen vergessen lassen und gleichzeitig seine eigenen Sorgen in Yoongis Berührungen ertränken.
    Hoseoks Rücken drückte sich gegen die Matratze und sicherlich hätte er ihren modrigen Geruch in seine Nase steigen spüren, wenn er nicht so beschäftigt damit gewesen wäre, sich auf Yoongi zu konzentrieren. Auf Yoongi, dessen Gesicht über seinem schwebte, dessen kalte Hände auf seinem Körper ihn erschaudern ließen und der Hoseoks Lippen küsste, die ganz rau waren, weil er die schlechte Angewohnheit hatte, darauf herum zu kauen. Yoongi, der auf ihm war, um ihn herum und schließlich in ihm. Yoongi, der ihn vergessen und sich so unfassbar gut und geliebt fühlen ließ.

    Im Gegenzug fuhr Hoseok mit den Fingern über Yoongis Wange, ganz vorsichtig nur, und küsste die Verfärbungen auf seinem Körper, seine Schulterblätter, seine Arme und seinen Bauch, um den Schmerz zu lindern und ihn mit Wärme zu ersetzen. Um die groben Berührungen, die die Verfärbungen ursprünglich verursacht hatten, mit sanften und heilenden auszugleichen.

    Es war das erste Mal, dass sie sich auf diese Weise so nahe kamen und sie wollten diesen Moment der Intimität, Zweisamkeit und Zuneigung so lange festhalten, wie sie nur konnten. Also blieben sie die ganze Nacht in der Hütte, hielten einander fest und Hoseok streichelte Yoongis Haut, während Yoongis Atem warm gegen seinen Hals schlug. Sie lauschten den nächtlichen Geräuschen des Waldes, dem Ruf der Eulen, dem Rascheln der Bäume und den vorsichtigen Schritten von Tieren im Unterholz. Und sie redeten, tauschten geflüsterte Worte aus. Doch diesmal waren es keine Belanglosigkeiten, nein, in dieser Nacht sprachen sie über die richtigen Probleme, die sie sonst immer dringlich zu vergessen versuchten. Yoongi und Hoseok sprachen über Wut, Intoleranz und Unverständnis, über Gewalt, Geschrei und Leere.

    Yoongi sagte etwas von Asche und Hoseok ahnte nicht, dass er sich ein Jahr später noch so lebhaft an diesen Satz erinnern würde.

    Obwohl sie es zu Anfang nicht gewollt hatten, verloren die vier Wände der verlassenen Holzhütte in dieser Nacht ihre Unschuld.






    Hoseok wünscht sich diese Nacht zurück. Damals hat er das Gefühl gehabt, einfach loslassen zu können, mithilfe von Yoongis tröstlicher Nähe in der Dunkelheit. Er sehnt sich nach ihr und es frustriert ihn, dass er sie nicht vollkommen haben kann, egal wie sehr er sich konzentriert. Schlussendlich, das weiß er, ist diese Nähe, die er zu spüren scheint nichts weiter als ein alter Geist, eine Erinnerung, die diese Hütte nie verlassen hat. Erinnerungen, immer nur Erinnerungen – sie sind das einzige, was Hoseok noch bleibt und in manchen Momenten ist er dankbar dafür, in anderen ist er es leid. Denn oft quälen sie ihn, diese Bilder der Vergangenheit, weil er gerne zu ihnen zurückkehren, sie noch einmal erleben oder etwas an ihnen ändern würde, wenn er bloß könnte. Gleichzeitig fürchtet er sich davor, dass diese Erinnerungen eines Tages verloren gehen. Dass sie ihm entschwinden, wie Zigarettenrauch, der lange genug in der Luft herumgewabert ist und irgendwann weiter in Richtung Himmel schwebt und verschwindet. Hoseok will sie nicht verlieren, diese Erinnerungen, obwohl sie ihm wehtun. Sie sind sein Fluch und sein Segen zugleich.

    Aber jetzt im Moment sind sie ihm nicht genug. Er will mehr als bloß Bilder in seinem Kopf, die längst der Vergangenheit angehören. Er sehnt sich nach etwas, das greifbarer, das hier in der Gegenwart ist und ihm diese schreckliche Leere nehmen kann.

    Langsam, ganz langsam dreht Hoseok sich um, zuerst auf die Seite und dann auf den Bauch, bis er das Gesicht in der alten, wettergezeichneten Matratze vergraben kann, als wäre es die tröstende Schulter eines Freundes. Bewusst atmet er ganz tief ein und versucht mehr zu riechen, als bloß modrigen Stoff, Regen, Schmutz und Wald. Stattdessen möchte er Schweiß riechen und Tränen und Yoongi.
    Doch er kann nichts davon wahrnehmen, natürlich nicht, denn immerhin ist es schon ein Jahr her. Und wie die Zeit die Asche davon geweht hat, sind auch die vertrauten Gerüche von der Matratze verschwunden, als wären sie nie dort gewesen.
    Wieder einmal muss Hoseok sich damit abfinden, dass ihm wirklich nichts anderes bleibt, außer seine Erinnerungen. Und vielleicht noch die Zigaretten im Schrank und der Aschenbecher auf dem Fenstersims. Oder-

    Hoseok hebt den Kopf so schnell, dass ihm für den Bruchteil einer Sekunde schwindelig wird. Dann hievt er sich mit seinen Ellbogen nach oben und kniet sich hin, erlaubt sich wieder staubige Luft zu atmen, anstatt modrigen Stoff. Seine Hände finden die linke obere Ecke der Matratze und heben sie an, bevor er sich nach vorne beugt, um den Boden darunter sehen zu können.

    Und er hatte Recht. Es ist tatsächlich noch dort, mitten auf den Dielen. Schwarze Schrift, verwackelt auf den Rillen des Holzes, verblasst und fast vergessen.






    Yoongis Körper dicht an seinem wurde nach dieser einen Nacht in der Hütte zu einem vertrauten Gefühl für Hoseok. Nun wo er es entdeckt hatte, wurde er den Drang kaum los, Yoongi zu berühren und sich von dem anderen Jungen ebenso berühren zu lassen. Er fragte sich, wieso sie es nicht schon früher getan hatten und wieso es nicht immer so sein konnte.

    Ihre Routine änderte sich ein Bisschen.
    Nach der Schule trafen sie sich und gingen den altbekannten Weg durch den Wald.
    Sie ließen die alte Holztür hinter sich zufallen und sperrten den Rest der Welt aus.
    Sie küssten sich, bis es ihnen nicht mehr genug war. Bis sie dazu übergingen, sich zu berühren und einander zu fühlen.
    Sie probierten Dinge aus, Dinge, die sie bisher nur in verbotenen Träumen erlebt hatten und auf die sie neugierig waren.
    Langsam fanden sie heraus, welche Dinge ihnen gefielen und welche nicht.
    Danach, wenn sie bereits erschöpft und verschwitzt waren, lagen sie dicht nebeneinander.
    Hoseok redete und Yoongi hörte zu.
    Yoongi redete und Hoseok hörte zu.

    Sie hatten begonnen, den wahren Problemen Eintritt in die Hütte, in ihren Ruhe- und Fluchtort, zu gewähren und ihnen Klang zu verleihen. Worte, die sonst nie ihre Münder verließen und die hier in diesen hölzernen vier Wänden sicher waren.

    Vielleicht hatte Hoseok es nicht geglaubt, aber es fühlte sich gut an, über seine tiefsten Sorgen zu sprechen, erleichternd irgendwie. Ihm wurde klar, dass es viel besser war, als sie ständig zu verdrängen. Die neu entdeckte, körperliche Nähe zu Yoongi musste sie zusammengeschweißt haben, sie dazu verleitet haben, auch auf emotionaler Ebene intimer zu werden. Zumindest meinte Hoseok es zu wissen. Wie hätte er auch anders denken können?

    Es war so unglaublich neu, dass Yoongi ebenfalls über seine Gedanken sprach, wenn sie nebeneinander lagen, die Körper nackt und entblößt, während die untergehende Sonne orange und rot leuchtendes Licht durch die Fenster fallen ließ. Fast so rot, wie die Male auf Yoongis Haut. Seine Worte waren noch immer verschlüsselt, vage und abstrakt, aber es waren Worte und Hoseok lauschte jedem einzelnen davon aufmerksam, um sie zu verstehen und Yoongi deutlich zu machen, dass er da war und die Konversation schätzte.

    Für gewöhnlich war Min Yoongi niemand, der seine tiefsten und persönlichsten Gedanken jemals aussprach. Wenn er sie zum Ausdruck bringen wollte, dann schrieb er sie auf. Und wenn er es tat, dann an den willkürlichsten Orten. Er hatte diesen schwarzen, dünnen Filzstift mit dem Riss in der Kappe, den er immer bei sich trug. Es war einer der wenigen Gegenstände, die für ihn einen persönlichen Wert haben zu schienen. Da waren nur das rote Feuerzeug und der schwarze Stift, ansonsten besaß Yoongi nicht viel und es schien ihn nicht sonderlich zu kümmern – sie waren alles was er brauchte. Denn er benutzte den Stift, um seine Gedanken festzuhalten, wann immer ihm der Sinn danach stand. Hoseok hatte es oft genug beobachtet: Yoongi schrieb sie auf Servietten, in die Ecke von Buchseiten, auf die Zimmerwand neben seinem Bett. Es waren nie mehr als kurze Sätze, ab und zu sogar nur einzelne Wörter, die manchmal der einzige Beweis dafür waren, dass Yoongi überhaupt existierte und deren Bedeutung niemand kannte, außer er selbst. Dabei hätte Hoseok sie gerne verstanden. Aber er hatte schon lange aufgehört zu fragen, weil Yoongi ihm sowieso keine Antwort gab.

    Deswegen war es so ungewöhnlich, so neu, wie Yoongi seine Gedanken plötzlich direkt mit Hoseok teilte. Zwar nicht minder verschlüsselt, als wenn er sie in Schriftform festhielt, aber es war ein Anfang.

    Zumindest glaubte Hoseok das. Er konnte nicht wissen, dass es eigentlich der Übergang zum Ende war.

    Einmal lagen sie schweigend nebeneinander, nachdem Hoseok Yoongi erzählt hatte, wie müde er war. Weil er nicht hatte schlafen können. Weil er den aufgebrachten Wortwechsel zwischen seinen Eltern selbst durch die geschlossene Tür seines Zimmers hatte hören können.

    Sie sagten nichts und sie bewegten sich auch kaum, bis Yoongi sich auf einmal aufsetzte und nach seinem Sweatshirt griff, das irgendwann im Verlauf des Tages neben der Matratze gelandet war. Hoseok hatte keine Ahnung, was er tat, bis er seinen schwarzen Stift aus der vorderen Tasche seines Sweatshirts zog, bevor er es beiseite warf. Anschließend beugte er sich vor, so weit, dass seine Nase nur Zentimeter über dem Boden schwebte und begann zu schreiben, einfach so, direkt auf die Holzdielen. Es dauerte nicht lange und als Yoongi sich wieder aufrecht hinsetzte, starrte er auf die Schrift und schüttelte kaum merklich den Kopf. Dann legte er sich zurück neben Hoseok, als wäre nichts gewesen.

    Natürlich war Hoseok neugierig und konnte es nicht lassen, sich auf den Ellbogen abzustützen und einen Blick auf das zu werfen, was Yoongi auf die Dielen geschrieben hatte. Er las es und wurde nicht besonders schlau daraus, aber etwas anderes hatte er nicht erwartet. Also schwieg er und wartete darauf, dass Yoongi etwas dazu sagte, aber das tat er nicht. Stattdessen lag der blasse Junge einfach nur da, starrte hinauf an die Deckenbalken und wirkte noch nachdenklicher als sonst.

    Später, als sie sich wieder anzogen und bereit waren, nach Hause zu gehen, fiel Yoongis Blick zurück auf die schwarze Schrift auf dem Boden und er schien nicht zufrieden mit ihr zu sein. Er beugte sich nach unten und schob die Matratze über die Worte, die er geschrieben hatte, damit niemand sie mehr sehen konnte.

    Und da blieben sie, bis Hoseok schon fast vergessen hatte, dass sie überhaupt dort standen.

    Es war das einzige Mal, dass Yoongi seine Gedanken in der Hütte aufschrieb.






    „Ich hoffe die Dinge verschwinden wie eine Illusion, ich hoffe die Dinge verschwinden, ich hoffe mein“

    Die Worte stehen da, in Yoongis Handschrift und jetzt im Nachhinein wünscht Hoseok sich, er hätte tatsächlich vergessen, dass sie dort sind. Dass er sich nicht wieder an sie erinnert und unter dem Gewicht der Matratze ausgegraben hätte.
    Denn jetzt machen sie mehr Sinn, Hoseok glaubt sie endlich zu verstehen und er verflucht sich dafür, damals so dumm gewesen zu sein. Was er immer noch nicht weiß ist, was Yoongi eigentlich noch hatte hinzufügen wollen. Der Satz ist unvollständig und Hoseok wünscht sich, es wäre nicht so. Wenn Yoongi ihn damals zu Ende geschrieben hätte, hätte Hoseok ihn womöglich schon dann verstehen können. Jetzt weiß er zwar, was die bestehenden Worte zu bedeuten haben, aber er hat keine Ahnung, was Yoongi in diesem Moment noch gedacht hat. Was hat er gehofft? Er wird nie eine Antwort darauf bekommen und es frustriert ihn unendlich.
    Am liebsten würde er die Wort verschwinden lassen, sie vom Boden und aus seinem Kopf verschwinden lassen und so tun, als wären sie nie da gewesen. Sie aus den Holzdielen brennen, bis bloß noch ein schwarzes Loch übrig ist. Denn diese Worte sind ein stilles Geständnis gewesen, eines, das Yoongi versucht hat wieder zurückzunehmen und eines, das Hoseok zu diesem Zeitpunkt nicht verstanden hat.

    Tatsächlich holt er das rote Feuerzeug wieder aus seiner Hosentasche, aber er hebt es nicht an den Boden, um die schwarzen Worte in Brand zu setzen. Stattdessen lässt er es einfach ziellos an- und ausgehen, doch die kleine Flamme züngelt ihm höhnisch entgegen.

    Du bist nicht stark genug, mich Min Yoongis Worte zerfressen zu lassen. Du kannst es nicht, Hoseok. Du traust dich nicht, deinen Fehler zu vergessen.

    Vielleicht hätte es die Dinge geändert, wenn Hoseok damals schlauer gewesen wäre. Wenn er besser gewesen wäre.






    Yoongi schenkte ihm sein rotes Feuerzeug, als es abends, kurz nach Sonnenuntergang war und sie sich vor Hoseoks Elternhaus voneinander verabschiedeten.

    Hoseok war überrascht und wollte es nicht annehmen, immerhin wusste er wie viel der Gegenstand Yoongi bedeutete und dass er ihn überall mit hin schleppte.

    Aber Yoongi drückte es ihm entschieden in die Hand, zuckte die Schultern und sagte, er würde das Feuerzeug nicht mehr brauchen. Dann küsste er Hoseok auf die Lippen, bevor er sich umdrehte und ging.

    Es hätte ihm eine Warnung sein sollen. Eine rote, rechteckige Warnung, die man ihm direkt in die Hand gedrückt hatte. Aber Hoseok begriff es nicht. Für den Rest des Abends wunderte er sich über Yoongis Geschenk, doch er dachte nicht weiter.

    Am nächsten Tag kam Yoongi nicht in die Schule.

    Diese Tatsache beschäftigte Hoseok die ganze Zeit, während er in stickigen Klassenzimmern saß und nur mit halbem Ohr zuhörte. Yoongi war fast nie krank und selbst wenn er es war, ließen seine Eltern ihn trotzdem im Unterricht antanzen. Er war nie die Sorte Mensch gewesen, die die Schule schwänzten, sondern die Sorte, die hingingen und die Stunden aussaßen, ohne wirklich aufzupassen. Scheinbar hatte Yoongi sich etwas Ernstes eingefangen – eine andere Antwort auf sein Fehlen klang unlogisch. Obwohl er am vorherigen Abend noch so gesund wie immer gewirkt hatte.

    Es ließ Hoseok keine Ruhe und es half auch nicht, dass Yoongi keine seiner Anrufe und Textnachrichten beantwortete. Sobald er das Schulgelände an diesem Tag verlassen hatte, lief Hoseok zu Yoongis Elternhaus und klingelte, stürmischer als er es normalerweise tun würde. Immerhin wusste er ganz genau, wie wenig Yoongis Eltern von ihm hielten und eigentlich hatte er nie die Absicht, sich unbeliebter zu machen als er es ohnehin schon war. Aber an diesem Nachmittag vergaß er sein Temperament zu zügeln.

    Yoongis Mutter öffnete ihm die Tür, offensichtlich gereizt, und als Hoseok sich nach Yoongi erkundigte, sah sie ihn an, als wäre es eine vollkommen absurde Frage. Sie sagte ihm, dass Yoongi nicht Zuhause sei und er vermutlich schon wieder im Wald herumgeistere, so wie er es immer tat. Anscheinend hatte sie keine Ahnung, dass ihr Sohn nicht in die Schule gegangen war. Also hatte Yoongi doch geschwänzt.

    Hoseok bedankte sich und ging, lief mit hastigen Schritten in Richtung Wald, um nach seinem Freund zu suchen. Er dachte an Yoongis Geschenk vom Vortag und bekam das erste Mal ein wirklich schlechtes Gefühl. Aber er war sich sicher, wo er Yoongi finden würde. Der altbekannte Weg zu der Holzhütte neben dem umgestürzten Baumstamm erschien ihm irgendwie länger als sonst, ganz gleich, dass er so schnell lief wie er konnte, und er war erleichtert als er die schmale Tür aufstieß.

    Und tatsächlich fand er Yoongi dort.

    Aber obwohl Hoseok ihn deutlich sehen konnte, war er nicht mehr da.

    Min Yoongi war nicht mehr.

    Er war vom Boden abgehoben, schwebte in der Luft, wie eine Wolke Zigarettenrauch. Es hatte nicht mehr gebraucht als den alten, dreibeinigen Hocker, ein ausgefranstes Seil und einer der robusten Deckenbalken, um Min Yoongi fliegen zu lassen.

    Hoseok stand im Türrahmen und sagte seinen Namen, wieder und wieder, dabei wusste er, dass Yoongi ihn nicht hören konnte. Denn sein schmaler Körper war reglos und seine Augen weit offen, aber blind für die Welt.
    Hoseok stand da und fühlte sich taub, so taub, dass er nicht wusste wie viel Zeit verging und seine Finger sein Smartphone nicht richtig zu fassen bekamen und seine Lippen sich kaum bewegen wollten, als er mit dem Mann am anderen Ende der Leitung sprach.

    Der Mann sagte ihm, er solle bleiben wo er war, aber Hoseok drehte sich um und rannte, sobald er den Anruf beendet hatte. Er rannte und rannte und rannte, immer weiter in den Wald hinein und weit weg von der Hütte, weit weg von dem Anblick in ihrem Inneren. Erst als seine Lungen brannten und seine Knie zitterten blieb er stehen und es war, als hätte er sich beim Rennen die Taubheit vom Leib geschüttelt. Stattdessen brach ein Sturm über ihn herein, ein Wirbelwind aus Realisation, Schock, Verzweiflung und Wut und so vielem mehr, der ihn überwältigte und auf den Boden zwang.

    Also kauerte Hoseok sich am Fuß eines Baumes zusammen und weinte.

    Ein paar Polizeibeamte fanden ihn, als es bereits dämmerte und Hoseok längst keine Tränen mehr übrig hatte, so dass seine Schluchzer trocken und rau waren und er sich unfassbar leer fühlte. Sie mussten ein Stück zu Fuß gehen und obwohl sie nicht direkt daran vorbei liefen, konnte er die Hütte sehen. Ihre Hütte. Yoongis und Hoseoks Ort der Ruhe, Ort des Vergessens, der nun mit gelbem Absperrband umzäunt war und von uniformierten Menschen überrannt wurde.

    Sie brachten Hoseok nach Hause und keiner kümmerte sich um ihn.





    Min Yoongi war 17, als er starb.

    17. Irgendwie ist es ziemlich ironisch. Yoongi hat sich immer darüber ausgelassen, wie sehr er dieses Alter hasste. Zu alt, um ein Kind zu sein. Zu jung, um als erwachsen angesehen zu werden.

    Hätte Yoongi doch bloß noch ein Bisschen gewartet. Ein paar Monate, dann wäre er 18 gewesen. Dann wäre er diese lästige 7 endlich losgeworden. In diesen paar Monaten hätte alles besser werden können. Hoseok hätte sich bessern können. Für Yoongi.

    Aber er hatte nicht gewartet.

    Hoseok hat bereits viele Phasen durchgemacht, was Wut und Schuld angeht. Wütend auf Yoongi. Wütend auf die Welt. Wütend auf sich selbst.
    Er weiß nicht, was davon er im Moment ist und er will auch nicht zu lange darüber nachdenken.

    Mit festem Griff umschließt er das rote Feuerzeug in seiner Hand und lässt sich fallen, zurück in die weichen Arme der Matratze. Weil er bemerkt, wie sein Körper sich langsam schwerer anfühlt. Wie sich alles wieder schwerer anfühlt.
    So liegt er auf dem Rücken, aber schließt die Augen nicht. Nein, er hält sie offen und zwingt sich das erste Mal nach oben zu den Deckenbalken zu sehen. Er starrt sie an, fühlt wie seine Augen zu brennen beginnen, und sie scheinen zurück zu starren.

    Letzten Endes haben wir Min Yoongis Gewicht getragen, weil du es nicht konntest, Hoseok.

    Wenn er sich jetzt konzentrieren würde, könnte Hoseok Yoongi sicher sehen. Schwebend, schwerelos, wie ein Vogel. Aber er tut es nicht, weil er es nicht möchte. Er will diesen Anblick nicht noch einmal ertragen, sondern ihn vergessen, obwohl er weiß, dass er es nicht kann.






    Es gab keinen Abschiedsbrief. Zumindest keinen offiziellen.

    Ein paar Tage nach seinem Tod fanden seine Eltern unfertige Briefe in Yoongis Zimmer. Natürlich waren sie nicht an sie gerichtet, nein, alle von ihnen waren Hoseok gewidmet. Sie steckten die Briefe in eine Box und überreichten sie ihm, die Blicke so von Trauer erfüllt, dass Hoseok sie beinahe ausgelacht hätte.
    Erst nach Yoongis Ableben schienen seine Eltern tatsächlich begriffen zu haben, dass sie einen Sohn gehabt hatten. Einen menschlichen Sohn mit menschlichen Gefühlen, der darunter litt, wenn man ihn mit Händen und Füßen trat, anschrie und kalt und respektlos behandelte.
    Aber Hoseok lachte nicht, weil er früh genug erkannte, dass er ihnen vielleicht gar nicht so unähnlich war, wie er glauben wollte. Dass er auch erst begriff, wie viel Min Yoongi eigentlich gefühlt hatte und dass er nie das bekommen hatte, was er brauchte, als es zu spät war. Dass Hoseok es ihm nicht gegeben hatte.

    Doch Yoongi schien ihn dafür nie verantwortlich gemacht zu haben. Zumindest meinte Hoseok das aus seinen unvollständigen, hinterlassenen Worten herauslesen zu können. Yoongis Briefe waren genauso verschlüsselt, wie alles was Yoongi je von sich gegeben hatte. Sie waren ungeordnet und ehrlich und obwohl Hoseok nicht alles von ihnen verstand, behielt er sie und bewahrte sie sicher auf.






    Er hat sie immer noch. Und egal wie oft er sie sich durchliest, er kann sie nicht vollkommen entschlüsseln.

    Letzten Endes ist Hoseok sich nicht sicher, ob er Min Yoongi jemals wirklich gekannt hat. Yoongi hat stets einfach nur still existiert, mit seinen zahlreichen Gedanken und Fantasien, in denen er nicht er selbst war. Er hatte zu viele Gedanken um sie auszusprechen, also schwieg er die meiste Zeit und lauschte stattdessen Hoseoks. Und wenn er sprach, dann waren seine Worte immer so verzweigt und verschleiert, dass Hoseok das Ausmaß der Dunkelheit hinter ihnen nicht erkannte.
    Er weiß nicht, ob Yoongi nicht wollte, dass er davon wusste, wie es ihm tatsächlich ging, oder ob er darauf gehofft hat, Hoseok würde seine Worte verstehen.

    Da ist vieles, das er nicht weiß und auf das er nie eine Antwort bekommen wird. Er würde gerne wissen, wieso Yoongi ihm das rote Feuerzeug geschenkt und wieso er die Abschiedsbriefe nie fertiggestellt hat. Wieso er die Entscheidung getroffen hat zu sterben und wieso er es in der Hütte im Wald getan hat.

    Die Hütte, die nie mehr dieselbe sein wird und die sich Hoseok deswegen ein Jahr lang nicht getraut hat wieder zu betreten. Von der er so weit wie möglich hat entfernt sein wollen.

    Es ist das erste Mal seit einem Jahr, dass Hoseok überhaupt in seine Heimatstadt zurückgekehrt ist. Nachdem Yoongi fort war und ihn nichts als quälende Erinnerungen an diesen Ort banden, bewarb er sich an einer Tanzschule in Seoul, obwohl seine Eltern dagegen protestiert hatten. Es war ihm egal was sie dachten und er wollte einfach nur weg. Also ging er, sobald er angenommen worden war und kam nicht zurück. Bis jetzt.

    Und nun holen ihn die alten Geister endgültig ein, nachdem er ihren heißen Atem monatelang bedrohlich im Nacken gespürt hat. Nun ist ihr Atem Hoseoks eigener geworden und er ist fast so heiß wie die Tränen, die begonnen haben sein Gesicht hinunter zu strömen, ohne dass er es wirklich bemerkt hat.

    Hoseok liegt auf der alten Matratze in der verlassenen Hütte und weint und fühlt sich unglaublich leer und alleine, bis die Abenddämmerung einsetzt. Dann versiegen seine Tränen und er richtet sich auf, weil er fühlt, dass es Zeit ist zu gehen.

    Er erhebt sich und geht zur Tür, bleibt stehen und lässt den Blick durch den Raum schweifen, über den Schrank, über die Matratze und über den Hocker in der Ecke. Einen Augenblick lang denkt er darüber nach, die gesamte Hütte mit dem roten Feuerzeug in Brand zu setzen, aber er tut es nicht.
    In diesen vier Wänden schlummern zahlreiche Erinnerungen, so wird ihm bewusst, und so sehr sie ihn manchmal auch schmerzt, er möchte die Erinnerung an Yoongi nicht verbrennen, sondern sie aufbewahren. Hier drinnen einschließen, wo sie sicher ist und weiterleben kann.

    Denn Yoongi ist noch immer hier. Er erkennt es, wenn er den Aschenbecher auf dem Fenstersims, die sechs ordentlich gestapelten Zigarettenschachteln im Schrank und die verzerrte schwarze Schrift auf den Holzdielen sieht.

    Min Yoongi ist hier und er wird auch nirgendwo hingehen.

    Er ist in dieser Hütte und wenn Hoseok sich konzentrieren würde, dann könnte er ihn sogar sehen. Aber er tut es nicht. Hoseok dreht sich um und geht und die Tür fällt mit einem knarzenden Abschiedsgruß hinter ihm ins Schloss.

    Leb wohl, Jung Hoseok.




    *******************************


    Ich hoffe ihr musstet nicht
    weinen.

    An alle, die jetzt denken ich hätte Suizid Gedanken oder so, NEIN! Hab ich nicht. Nur, ich finde es ist ein sehr wichtiges Thema. Ich kenne mich zu wenig damit aus, aber an alle, denen es so schlecht in ihrem Leben geht, Kopf hoch! Es kommen noch bessere Zeiten.

    Last mir eure Meinung zum Thema Suizid und der gleichen in den Kommentaren da.

    Würde mich echt Interessieren, wie ihr mit dem Thema umgeht.

    Lg J- Hope Lover <3

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Kommentare (5)

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vor 233 Tagen flag
Als erstes danke das es dir gefällt Emily. Und zweitens, ich kenn das. Meine Freundin hat sich geritzt und hatte auch mal Suizid Gedanken aber ich konnte ihr sehr helfen in dem ich sie glücklich gemacht habe
vor 233 Tagen flag
Ich muss wirklich sagen, du hast unglaublich großes Talent zum Schreiben. Alles wurde so gut beschrieben und auch geschrieben, dass es sich anfühlte, als habe ich es selbst erlebt... Also wirklich, allergrößten Respekt!
Um ehrlich zu sein, musste ich auch weinen. Dies lag tatsächlich auch einfach daran, dass Suizid für mich ein unfassbar schwieriges Thema ist, das mich immer wieder zum Nachdenken anregt und wirklich jedes Mal zum Weinen bringt.
Ich kannte/kenne zu viele Leute, dich sich das Leben genommen haben/es wollten. Und niemals werde ich diese Menschen irgendwie wieder aus meinem Gedächtnis bekommen können. Ich selbst habe keine Depressionen oder derartiges, aber dennoch ist meine größte Angst, dass sich jemand aus meiner Familie oder vielleicht sogar ich selbst mal Suizid begehen werden. Ich glaube nicht, naja, eigentlich hoffe ich es, dass dies nicht passiert. Und ich bin mir auch sicher, dass ich zu positiv eingestellt bin, um einmal solche Gedanken zu haben. Aber... meine Erlebnisse und Bekannten haben mit gezeigt, dass es ganz schnell anders sein kann. Vier Leute aus meiner Klasse wollten Suizid begehen und jedes Mal war ich die Person, die das anhören musste. Die, die alles mitbekommen hat. Die, die nachts nicht mehr schlafen konnte. Letztendlich habe ich immer mit meinen Eltern darüber gesprochen und diesen Leuten ist nichts passiert, aber dennoch ist das Ganze sehr belastend.... Auch mein bester Freund wollte sich selbst das Leben nehmen und ich habe es nicht mal mitbekommen. Letztlich wurde er während dieses Versuchs gefunden. Und auch mein Nachbar hat sich das Leben genommen und zwei Kinder und eine Frau zurückgelassen. Das Schlimme ist... All diese Leute schienen immer so glücklich, dass man es nie von ihnen erwartet hat... Und doch hatten sie alle das selbe Problem. Seitdem ist Suizid ein sehr ernstes Thema für mich und meine größte Angst...
vor 234 Tagen flag
@ Jane
Das mit deiner Schwester tut mir echt leid ❤️

@ Maylin
Ohh🥺Aber ich hoffe sie hat Dir trotzdem gefallen❤️❤️
vor 234 Tagen flag
Zum Schluss musste ich weinen😢
vor 237 Tagen flag
ich habe eine Freundin die Depressionen hatte aber sie wollte nie mit mir darüber sprechen ich habe ihr gesagt sie könne mit mir darüber reden müsste aber nicht ich dachte es würde ihr vielleicht helfen aber naja klar hatte ich damals angst um sie aber als sie keine Depressionen mehr hatte sagte sie mir das sie darüber mal nachgedacht hatte aber sie gasagt hatte das sie siwas nicht tun würde und ich wollte sie nicht verlieren außer dem war der grund warum meine Schwester gestorben ist auch Suizid sie hat sich nicht umgebracht aber der pilot von dem Flugzeug hat Suizid begangen und meine Schwester ist dadurch gestorben 😔
Ich war am Boden zerstört und für mich ist das ein ernstes thema geworden.