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Books wash away from the soul the dust of everyday life

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4 Kapitel - 4.180 Wörter - Erstellt von: - Aktualisiert am: - Entwickelt am: - 849 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit - 2 Personen gefällt es

Also ich habe verschiedenste Buchanfänge (also haben Kapitel 1 und Kapitel 3 ÜBERHAUPT NICHTS miteinander zu tun) geschrieben. Hier sind jetzt zwei davon. Über Lob und vor allem KRITIK würde ich mich freuen.

    1
    Es ist die Schuld, die mich konfrontiert. Es ist die Wahl zwischen Leben und Tod. Leute, die nicht genau wissen wofür sie sich entscheiden sollen, bezeichne ich als verrückt, und doch stehe ich jetzt vor dieser Wahl.
    ,, Du spielst mit dem Feuer“, ich kann gar nicht sagen, wie oft ich das in den letzten Jahren gehört habe. Wie oft ich es ignoriert habe.,, Komm“, flüstert er. Christian hält mein Handgelenk fest, fähig mich wegzuziehen, wenn ich nicht freiwillig mitkomme. Mich wegzuziehen bevor ich eine Entscheidung treffe, die ich bereuen werde. Ich wische meine Hände an der Shorts ab, und der abstoßende Geruch frischen Blutes steigt in meine die Nase. Blut, das an meinen Händen klebt. Meine Tränen wische ich mit dem Ärmel meines blutbeflecktem Pullover weg, bedacht darauf, es nicht in meinem ganzen Gesicht zu verteilen. Ohne etwas zu sagen drehe ich mich um und lasse mich von Christian mitziehen. Ich blende alle Stimmen und den Lärm um mich herum aus und schaue niemanden ins Gesicht. Ich spüre, wie sich mein Herz zusammenkrampft, wie das schlechte Gewissen seine Finger langsam schließt und kräftig zudrückt. Auch ohne den Vorwurf in den Gesichtern zu sehen weiß ich, was ich bin, für was ich gehalten werde. Mit mir im Schlepptau stößt Christian an den Toiletten angekommen die Tür auf und reißt gleich einige Tücher vom Stapel um sie unter dem Wasserhahn zu halten. Ich beuge mich nach vorne bis an das Waschbecken stoße und betrachte das Monster mir gegenüber im Spiegel genauer. Mit ihren Augenringen, den schwarzen Klamotten und dem Lichtkontrast sieht sie bleich und blass aus. Es ist dieses käsige weiß, das einen Menschen ungesund aussehen lässt. Mein Blick wandert von ihren einst weichen Gesichtszügen, ihren dunklen, dämonisch glänzenden Augen zu dem Christian im Spiegel. Er fixiert die nassen Tücher, stellt das Wasser ab und schaut auf. Obwohl er im Gegensatz zu mir noch Farbe im Gesicht hat, ist unsere Ähnlichkeit nicht zu Übersehen. Die schmale, spitzte Nase haben wir von Mom, so wie auch die dunklen Augen. Sein spitz zulaufendes Gesicht und die blond-grau ähnlichen Haare hat er von Dad. Mom`s Haarfarbe und Gesichtsform habe ich vererbt bekommen.
    Er stützt sich am Waschbecken ab.,, Yass, wie geht es dir?“, er fragt das so ruhig und gelassen, als wäre nichts passiert. Jeden anderen hätte ich für diese Frage umgebracht. Ich stutze und mir wird klar, dass ich ich das getan habe. Er bemerkt mein Zögern und zieht misstrauisch und besorgt die Augenbrauen hoch. Die Linke höher als die Rechte. Ich starre die Yasmine im Spiegel an, ich frage mich, wie ich es zu so etwas fähig sein könnte, ob ich es wieder tun könnte? All dies sind Fragen dessen Antworten ich gar nicht hören will.
    Tränen sammeln sich in meinen Augen, die erste rollt über meine Wange. Es ist nur der Vorbote, der, der die nächste und die darauf folgende Träne ankündigt. Ich weiß, dass ich nicht aufhören werde und auch, dass ich ernste Sorgen und Probleme habe, weshalb ich den Kloß in meinem Hals herunterschlucke und mit provokativ die Tränen wegwische.
    ,, Erwartest du eine Antwort auf deine Frage?“ Meine Stimme ist rau und dunkler als sonst. Er hat geduldig gewartet und richtet sich auf.,, Es ist deine Entscheidung“, fängt er an und beginnt meine Hände mit den feuchten Tüchern Stück für Stück von dem Blut zu befreien. Es fühlt sich an, als würde die Schuld von mir abfallen.,, Wenn du gehen willst, komme ich mit. Aber an deiner Stelle würde ich nicht warten bis es zu spät ist.“
    Er wirft die Tücher in den Mülleimer unter den Waschbecken und zieht sich seinen roten Hoodie über den Kopf. Das olivgrüne New York T-Shirt trägt er darunter. Seinen Hoodie zwischen die Beinen geklemmt fordert er mit der linken Hand meinen Pulli und sucht mit der rechten in der Tasche seiner Jeans nach etwas. Ich bekomme seine Forderung mit, reagiere jedoch nicht. Er hält inne und schaut mich an.,, Könntest du?“ demonstrativ strecke ich meine Arme hoch und schaue wartend zur Decke. Er geht meiner Bitte nach und zieht mir den Pulli über den Kopf. Schützend schlinge ich die Arme um mich und beobachte, wie er den Pullover mit dem Feuerzeug, dass er aus seiner Hosentasche hat, anzündet und auf den fliesenbedeckten Boden wirft.,, Es ist besser, wenn wir alles was mit dem...“, er unterbricht sich,, Vorfall in Verbindung gebracht werden kann beseitigen bis du dich entschieden hast. Hier“
    Er reicht mir seinen roten Hoodie den ich mir ohne zu zögern über das Tanktop streife.
    ,, Geh schon mal auf dein Zimmer, ich komme gleich nach.“ Mit diesen Worten bückt er sich zu dem verkokelten Pulli. Ich drehe mich um und laufe auf den Gang raus.

    2
    FORTSETZUNG KAPITEL 1:

    Wenn ich jetzt darüber nachdenke, was passiert ist und was unweigerlich passieren wird, wird mir flau im Magen. Ich habe das Gefühl spucken zu müssen und beuge mich, in meinem Zimmer angekommen, über die Toilettenschüssel im Badezimmer daneben. Ich würge. Mir genauer ins Gedächtnis zu rufen, wie sie mich angesehen hat, wie ich das Messer auf einmal nicht mehr in der Hand hatte und ich in ihre glasigen Augen gesehen habe, bringt mich dazu erneut zu würgen, ohne, dass was passiert. Ich rutsche auf den Boden, bis ich mit dem Gesicht auf den kühlen Fliesen liege.
    Wenn ich hier einfach liegen bleibe, werden sie mich spätestens in zwei Tagen holen. Und dann...was passiert dann? So genau habe ich darüber noch nicht nachgedacht. Sofort umbringen werden sie mich nicht. Ob mich das beruhigen sollte, weiß ich nicht. Ich weiß nicht was ich davon halten soll, von allem hier. Wir sind Laborratten, hocken hier eng aufeinander, irgendwann musste das passieren.
    Manchmal glaube ich, dass wir aus genau diesem Grund hier sind. Nach dem Frühstück bekommen wir eine Tablette; es ist so eine, wie die, die meine Großmutter jeden Tag nehmen musste. Immer wieder werden Einzelne aus der Klasse zu irgendwelchen Versuchen geholt. Aus dem zweiten Stock im ersten Gebäude, direkt über der Bibliothek hört man am Wochenende Schreie. Wenn ich jetzt genauer darüber nachdenke, fallen mir lauter Dinge ein, die hier definitiv schief laufen.
    Ich höre Schritte. Es sind schwere Schritte, die in Richtung meines Zimmers kommen. Ich kenne diese Schritte. Es sind unverkennbar Christians Schritte. Schritte, die ich schon seit Jahren auf diesen Gängen höre. Ein leises Klicken, noch ein Klicken.,, Yass? Wo bist du?“ Christan Ich rappel mich auf, ziehe mich an der Toilette hoch und lehne mich mit dem Rücken an die Duschwand hinter mir. Seine Schritte näheren sich und schon sehe ich seinen Kopf durch den geöffneten Spalt der Badezimmertür. Er drückt diese auf und setzt sich mir gegenüber, legt den Kopf in den Nacken. Er sieht erschöpft aus. Ich kenne diesen Ausdruck in seinem Gesicht. Diesen Ausdruck hat er immer, wenn ich was angestellt habe, er es wieder gerade biegen musste und mir eine Predigt hält, im Sinne von,, Yasmine, mach das nie wieder. Das nächste Mal, hast du nicht so viel Glück und kommst davon“
    Auf genau diese Predigt warte ich. Er schaut zu mir, mustert mich von unten bis oben aber er sagt nichts.
    Es gibt diese Momente, Momente, in denen einem etwas klar wird, was die ganze Zeit schon offensichtlich war, was man die ganze Zeit schon hätte wissen können, verstehen müssen. Es sind Momente, in denen einem die Wahrheit wie ein Schlag trifft.
    Christian wird mir keine Predigt halten, er wird mir nicht sagen, dass ich etwas falsch gemacht habe, wie er es normalerweise macht. Denn, dieses Mal ist es nicht wie sonst, es ist anders, es ist schlimmer.
    ,, Weißt du, es ist okay. Niemand wirft dir was vor, hörst du?“ Christian ist der von uns beiden, der mit Worten umgehen kann. Er ist verantwortungsbewusst, clever und immer freundlich. Er hat einen beruhigenden Einfluss auf mich. Diese Mal ist es allerdings anders. Mein Puls beschleunigt sich und ich beginnt zu zittern. Ich spüre wie ich anfange zu schwitzen. Ich versuche die Hände an meiner Hose abzuwischen.,, Ich hab jemanden umgebracht“, ich flüstere, rede eher mit mir selbst als mit meinem Bruder. Mein Blick huscht zu ihm, zu seinem besorgten Blick.,, Ich habe jemanden umgebracht“ Ich spreche langsamer, deutlich und lauter.,, Ich habe sie umgebracht!“
    Ich sehe sie wieder vor mir. Ihr Gesicht hat sich verzogen, sie hat gezuckt, keuchend eingeatmet, versucht nach Luft zu schnappen. Meine Hand war um des Messer geschlossen. Reflexartig hab ich es raus gezogen. Von dem Messer habe ich zu ihr gesehen, dann wieder zurück. Wie lange genau ich dann noch da stand und nichts getan habe, kann ich nicht einschätzen. Irgendwann habe ich das Messer fallen gelassen und mich zu ihr auf den Boden gestürzt, verzweifelt meine Hände auf die Wunde gepresst.
    ,, Yasmine! Yasmine!“ Christian hat mich an den Schultern gepackt, rüttelt mich. Ich spüre eine Träne an meiner Wange hinabrollen. Ich schaue ihn an, versuche ein Lächeln. Dann bemerke ich die Person hinter ihm auf.

    3
    Ich spüre das Dröhnen, das Hämmern. Es kommt mir vor, als würde ich mit dem Kopf auf dem Boden aufschlagen. Ich atme tief ein und keuchend wieder aus, huste. Verzweifelt blinzle ich die Tränen weg, vergebens.
    ,,...ich weiß das Thema hatten wir schon einige Male durch, aber...Hey, was ist los?“
    Mit dem Ärmel wische ich die Tränen weg, atme entschlossen ein, versuche ein Lächeln und drehe mich zu Hellen um. Es bricht mir das Herz, ein so standhaftes, starkes Mädchen wie sie leiden zu sehen.,, Was?“ Meine Stimme rutscht eine Oktave zu hoch. Ich räuspere mich, schaue mich nach etwas um, das mich aus der Situation retten kann, beiße mir so sehr in die Wange, dass ich das Blut schmecke.,, Ich habe nicht verstanden...“
    ,, Ist alles okay, Kira?“, unterbricht sie mich. Ihre Stimme ist wieder fest, der Gesichtsausdruck ernst, nur ihre glasigen Augen spiegeln die Angst, Sorge wider, die sie empfinden muss. Hellen ist ein sensibles, emotionales, zerbrechliches Wesen - Mit ihrer kleinen Statur, der hellen fast durchsichtig blassen Haut, den großen blauen Augen und den langen blonden Barbie-Haaren – Allerdings ist sie auch eine ziemliche Klatschtante. Diese Seite liebe ich an ihr.
    Ich übergehe ihre Frage und kontre gleich mit der nächsten:,, Sollen wir Abkürzung durch den Wald nehmen oder auf den Bus warten?“. Angriff ist die beste Verteidigung.
    ,, Dann laufen wir, der Bus kommt ja erst in einer Stunde“, meckert sie.
    Die Abkürzung führt durch den Wald, der am Ende der Geländes der Highschool beginnt. Außer an einer Stelle treffen wir auf den Highway, und da wo wir über den Highway laufen ist es ungefährlich . Keine Kurven, keine toten Winkel. Nur eine zweispurige Straße, mit um dieser Uhrzeit wenig Verkehr.
    Mit Hellen im Schlepptau laufe ich zügig durch die Gänge der überfüllten Highschool. Noch zwei Jahre denke jedes Mal, wenn ich das alte, aus Ziegelstein gebaute Gebäude betrete. Und immer, wenn ich am Ende des Tages wieder raus laufe, atme ich die frische Luft ein und bin froh, dass ich einen weiteren Tag in der High school geschafft habe. Sobald Hellen mich dann zutextet, tauche ich in eine andere Welt ab. Inzwischen bin ich geübt darin an den richtigen Stellen zu nicken, ihr zuzustimmen oder ihre Entrüstung zu teilen. Doch dieses Mal ist es anders.
    Die Luft draußen ist schwül, da war es im Gebäude mit der Klimaanlage eindeutig angenehmer. Hellen, der man normalerweise nicht folgen kann, so schnell wie sie das Thema wechselt, ist zur Abwechslung einmal still. Sie druckst rum, versucht es mit small talk. Ich werfe ihr einen genervten Blick zu. Sie atmet tief durch. Jetzt kommt`s. Ich ignoriere die Kopfschmerzen und das Knistern vom Kies auf dem Weg zum Park, der vor dem Wald liegt.
    ,, Ich hab das vorhin schon angesprochen, aber da hast du mir ja nicht zugehört, weil du...Was war eigentlich? Hast du mir das gesagt? Hab ich es vergessen?“ Panik klingt in ihrer schrillen Stimme mit.,,Ähm, mir geht es gut, ehrlich“, versuche ich die Kurve.,, Erzähl weiter!“
    ,, Also, nun ja... es geht um Tyler.“ Dieses eine Wort, dieser Name hat mir schon gereicht. Kein Wunder ist sie den ganzen Tag über so durch den Wind.
    ,, Tyler ist tabu!“ Er ist nicht mein Freund oder so, aber er ist mein bester Freund und das soll schon was heißen. Tyler ist quasi mein Bruder. Seit Tyler Wasley auf unsere High school gekommen ist, ist er schon mein bester Freund. Er und Hellen, das wäre eine Katastrophe!
    ,, Nein, lass die Finger von ihm!“
    ,, Hey“, sie klingt verletzt,,, er gehört nicht dir“, jetzt ein wenig wütend.
    ,, Wieso fragst du dann?“
    ,, Weil...“, wild gestikulierend fuchtelt sie in der Gegend herum
    ,, Bitte!“, versuche ich es freundlicher.
    Was sie sagt bekomme ich nicht mehr mit. Schwarze Punkte tauchen in meinem Sichtfeld auf, und mir wird schwindelig. Ich reibe mir über die Augen, reiße sie auf um sie schnell wieder zu schließen. Hellens Stimme erklingt wie aus weiter Ferne. Ein Regentropfen fällt auf die Blätterschicht vor meinen Füßen. Das unerträglich platschende Geräusch das synchron einsetzt holt mich aus meiner Benommenheit. Ich presse mir die Hände auf die Ohren.

    Das nächste was ich sehe ist warmes Sonnenlicht, das durch das Blätterdach über mir fällt. Dann sehe ich einen Kopf. Große blau, grüne Augen, blondes welliges Haar. Eine Kette, mit einem Engelsflügel auf Silber als Anhänger, baumelt um ihren Hals. Ein Engel. Der erste klare Gedanke den ich fassen kann ist ein Name; Hellen. Ich sortiere ihn irgendwo zwischen unnötig und überflüssig ein. Hellen, das Mädchen, dass über mich gebeugt ist, scheint etwas zu sagen. Ihre Lippen bewegen sich. Sie schaut sich hektisch um. Panik spiegelt sich in ihrem Blick wider.
    Es kommt mir so vor, als würde ich die Situation aus zwei Perspektiven sehen. Ich liege nicht mehr auf dem Blätter überdeckten Boden, sondern stehe etwas entfernt hinter einem Baum, der breit genug ist, eine Person versteckt zu halten. Hellen kniet sich neben die Person die da liegt. Die Person durch dessen Augen ich geschaut habe. An dem vorgelesenen Rütteln, erkenne ich, dass sie nicht mehr lebt, und auch Hellen bemerkt es.
    Ich stutze, etwas stimmt nicht. Ich weiß nicht woher ich es weiß, aber ein unwohles Gefühl beschleicht mich. Eine düstere Vorwarnung. Hellen, die Person und ich sind nicht die einzigen hier. Warum rennt Hellen nicht weg? Sie schaut auf, direkt zu mir. Ihr Blick schweift weiter. Aufmerksam blicke ich in die selbe Richtung wie sie und bemerke die Leute, die auf uns zukommen, im selben Augenblick. Sie springt auf, will sich umdrehen und weglaufen. Doch nicht einmal die Umdrehung schafft sie, bis eine Waffe auf sie gerichtet und abgedrückt wird. Hellen fällt zurück auf die Knie, ihre weiße Bluse ist blutgetränkt. Ihre eben noch bewundernswerten blau-grünen Augen werden glasig, den Mund wie zum Schrei halb geöffnet, fällt sie neben die tote Person auf den Boden.

    4
    FORTSETZUNG KAPITEL 3:

    Ich höre einen Schrei. Zitternd öffne ich die Augen, eine Träne läuft mir über die Wange. Ich schnappe japsend nach Luft und versuche den schnellen Atem unter Kontrolle zu bekommen.
    ,, Hellen“ Ich versuche mich aufzurichten. Es ist unangenehm sich mit den Handflächen auf dem Kies abzustützen und dabei das Gewicht meines Oberkörpers mit den Händen zu stützen.
    ,, Hellen?“ Mein Blickt huscht unruhig von dem Kies suchend in der Gegend herum.
    ,, Oh mein Gott Kira!“, sie ist laut, schreit fast,, Bist du auf Drogen oder so?“ Ich höre die Sorge in ihrer Stimme als sie das fragt.
    Nein. Nein, bin ich nicht. Ich will den Kopf schütteln, bringe dafür allerdings nicht die nötige Kraft auf. Ich würde selber gerne wissen, was das war. Ich überlege schon eine ganze Weile, ob ich verrückt bin oder so, muss ja so sein. Erschöpft lege ich mich zurück auf den Boden, es ist wesentlich gemütlicher hier zu liegen, anstatt mich auf den Händen abzustützen. Hellen kniet neben mir, rutscht jetzt etwas näher und hebt meinen Kopf an, um ihn auf ihrem nun ausgestreckten Bein zu betten. Sie beginnt mir einzelne verirrte Haarsträhnen aus der Stirn zu streichen. Mein Puls verlangsamt sich und ich habe endlich die Gelegenheit, darüber nachzudenken, was gerade passiert ist. Fangen wir von ganz vorne an, Kira ich atme langsam aus Du hattest Kopfschmerzen, dann wurde dir hier schwindelig, du hast das Bewusstsein verloren und warst auf einmal im falschen Film...okay, alles ganz normal Ich fange erneut an zu schluchzen und krümme mich zusammen. Hellens beruhigenden Worte machen es ein wenig besser, ein wenig erträglich.
    Ich schlucke, ich habe sie sterben gesehen. Oder nein nicht sie, nicht die Hellen, die gerade hier ist, die Hellen mit den lockigen Haaren, die ich nicht als meine Hellen, meine beste Freundin identifizieren konnte.
    Ich gehe alle Möglichkeiten durch; es könnte eine Vision oder etwas ähnliches sein gewesen sein können, vielleicht ein Deja-vu, müglicherweise ist es heute aber auch einfach zu warm und ich habe zu wenig getrunken oder gegessen.
    Ein Auto hält an, der Motor wird abgestellt, eine Tür aufgestoßen und zugeknallt, Schritte ihm Kies, die auf uns zukommen. Hellen dreht den Kopf und auch ich mache mir die Mühe. Der Mann kniet sich neben uns auf den Boden.
    ,, Kira, alles okay? Was ist passiert“, Johns Stimme klingt besorgt. Ich muss lächeln. Hellen ist genial. Ich versuche mich erneut etwas aufzurichten und lehne mich nach vorne um mich in seine Arme zu stürzen. John nimmt mich in den Arm und drückt mich an sich. Mein Kopf lehnt an seiner Brust und ich rieche sein Parfum. Hanna, Maria, Madison und ich hatte es ihm zu Weihnachten geschenkt.
    John wiegt mich noch immer in seinen Armen und legt sein Kinn auf meinen Kopf.,, Was ist passiert, Süße? Kate und ich haben uns sorgen gemacht, als Hellen angerufen hat. Sie macht sich immer noch Sorgen, und wartet auf einen Anruf von mir. Du weißt ja wie sie ist, sie muss unbedingt wissen, dass es allen gut geht. Sie sitzt jetzt wahrscheinlich am Esstisch mit dem Telefon in der Hand und starrt abwechselnd auf das Telefon und aus dem Fenster“, sein raues Lachen lässt mein Herz einen Salto machen. Es fühlt sich endlich etwas normal und gewohnt an. Ich kann nicht anders als in sein Lachen einzufallen. Wenn man Kate und John kennt muss man sich glücklich schätzen. Ich bin jeden einzelnen Tag dankbar dafür, dass ich zu ihnen gekommen bin. Ich hab keine Ahnung, was für verrückte Menschen es gibt, die Kinder aufnehmen, ich habe keine Ahnung, wie mein Leben anders gelaufen wäre, und ich will es auch gar nicht wissen.
    Der Fakt, dass meine Eltern mich nicht wollten, oder aus welchem Grund auch immer sie mich nicht bei sich haben, mich nicht großziehen wollten, reicht mir, mich hier wohl, sicher, geborgen und vor allem gewollt zu fühlen.
    Ich lehne mich wieder zurück, ziehe die Beine an die Brust und schlinge meine Arme um sie, nachdem ich mir die letzten Tränen weggewischt habe.
    ,, Mir ging´s heute einfach nicht so gut, die Kopfschmerzen heute Morgen, haben mich schon umbracht und dann war es heute auch noch so heiß. Jetzt geht es mir aber wieder gut, ehrlich.“ Ich nicke immer wieder, vielleicht um es glaubwürdiger und überzeugender rüber zu bringen, vielleicht aber auch um selber zu glauben, was ich sage. Ja, klar stimmt alles, nur waren es lediglich die Ursachen, nicht die Auslöser. Das macht mir Angst. Nicht zu wissen was los ist, macht mich wahnsinnig.
    ,, Aha, na dann“, John nickt wissend und steht auf.,, Du machst heute mal langsam und ruhst dich aus, dazu ist das Wochenende schließlich da. Hellen, wir können dich mitnehmen.“

    ***

    Mit dem Kopf an die Scheibe des Autos gelehnt liege ich eher auf dem Beifahrersitz, als richtig zu sitzen. Hellen, haben wir zuhause abgesetzt. Sie hat sich bedankt und ist erst gegangen, als sie sich davon überzeugt hat, dass es mir gut geht und sie mir das Versprechen abgenommen hat, sie später noch anzurufen.
    Uninteressiert schaue auf die Straße und den angrenzenden Waldrand, nur um nicht John ansehen zu müssen und diese Stille mit einem erzwungenen Gespräch auszufüllen. Ich beginne die Bäume zu zählen, schaue auf die gelben Straßenschilder und präge mir die Nummernschilder der vorbei fahrenden Autos ein.
    John schaut immer wieder prüfend zu mir rüber um sich zu versichern, dass ich nicht vom Sitz rutsche, oder als würde er erwarten, dass ich jeden Moment zusammen breche.
    ,, Mir geht es gut, wirklich.“, vielleicht etwas zu schroff, aber auf jeden Fall bestimmt und ehrlich und mit einem Augenrollen gebe ich ihm die Antwort auf seine unausgesprochene Frage. Mir geht es die ganze Zeit schon gut, den Umständen entsprechend. Vorhin der Schock, ja, aber dann, als Hellen bei mir war und John gekommen ist, ab da ging es mir wieder gut. Wir haben uns in den Ranger Rover gesetzt, Dad hat diesen schrecklich Countrysong angemacht, von mir einen strafenden Blick geerntet, Hellens begeistert strahlendes Lächeln und ihre Intuition, mit der sie, nur um mich zu ärgern, gleich mit John um die Wette gesungen hat.
    ,, Das macht ihr nie wieder, hast du mich verstanden?“ Ich beäuge ihn gespielt misstrauisch und versuche ernst zu bleiben.
    ,, Wieso? Gefällt dir der Song etwa nicht?“, nimmt er meine Vorlage an, hebt entrüstet den Blick von der Straße und schaut mich schockiert an. Das liebe ich so an ihm. John, Dad hat etwas an sich, dass ihn sofort sympathisch erscheinen lässt. Es ist eine Ironie, alles was er tut, ist für andere. Er denkt zuerst an alle anderen, dann an sich. Er ist meiner Meinung nach die lebendige Verkörperung für das was man als,, guten Menschen“ bezeichnet. Das ist der Grund, weshalb er sich die wenigen Sachen, die er sich wünscht auch verdient hat, oder? Naja, das Universum sieht es wohl anders.
    ,, Der Song ist schrecklich, Dad. Tut mir leid, dass ich deine ganzen Träume zerstöre“
    ,, Tut es dir nicht“ Nein, tut es mir wirklich nicht. Der Song ist schrecklich, würden nicht so viele schönen Erinnerungen mit ihm verbunden sein, würde bestimmt keiner so was anhören.
    ,, Wieso laufen solche Lieder, während was schönes passiert?“ Ich setzte mich etwas aufrechter hin, verschränke die Beine im Schneidersitz. Um die schönen Sitze von Johns heiß geliebten Ein-und-alles nicht zu verschmutzen, wie er es gerne ausdrückt, liegen meine Schuhe auf dem Rücksitz. Nach dem Versuch Hellen zur Bestrafung abzuwerfen blieben sie da hinten liegen.
    ,, Was soll <solche Lieder> denn jetzt heißen hn?“
    ,, Die gesamte Playlist, solche Lieder eben“ In Gedanken ohrfeige ich mich dafür, dass ich das gesagt habe. Ihm einen Grund zu geben die Musik bis zum Anschlag aufzudrehen, war nicht mein Plan.

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Kommentare (3)

autorenew

vor 260 Tagen flag
Echt gut!
Aber du könntest ein paar Sachen ausführlicher beschreiben, wie Johns Auto und ein paar Redewendungen einsetzen. ^^
Sehr spannend und kreativ!
vor 265 Tagen flag
Hi,
Ich finde vor allem die erste Geschichte sehr spannend und würde total gern wissen, wie es weitergeht! Dadurch, dass du vieles noch nicht aufdeckst, wurde ich sofort gebatnnt. Ich finde deinen Schreibstil auch sehr gut, auch wenn die Geschichzen etwas bedrückend sind... Aber ich fnde sje suler!
vor 272 Tagen flag
Hey Maddy,
Dein Schreibstiel ist, ohne mich einschleimen zu wollen, beeindruckend! Hier und da sind ein paar wenige Rechtschreibfehler, aber ich glaube nicht, dass auch nur ein einziger Grammatikfehler in den Texten war. Der größte Kritikpunkt ist ein klein: Du hast ein Sprichwort falsch benutzt. Es nicht „Angriff ist die beste Abwehr“, sondern „Angriff ist die beste Verteidigung“. Aber das sind Kleinigkeiten. Den zweiten Anfang fände ich nicht so spannend, aber das ist jetzt wirklich Geschmacks Sache. Ich würde mich freuen, wenn du sowohl zu der dritten, als auch zu der ersten weiter schreibst.