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Remnants of Chaos

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1 Kapitel - 4.440 Wörter - Erstellt von: - Aktualisiert am: - Entwickelt am: - 276 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

In einer Welt, deren Lebensenergie von den Menschen aufgezehrt wird, gerät eine Gruppe von Söldnern in einen Kampf, der alles für sie verändert

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    Zuallerst möchte ich sagen, dass diese Geschichte eine Fanfiction von Final Fantasy 7 und 15 ist, mit ein paar eigenen Charaktern, welche jedoch an L
    Zuallerst möchte ich sagen, dass diese Geschichte eine Fanfiction von Final Fantasy 7 und 15 ist, mit ein paar eigenen Charaktern, welche jedoch an Last Story angelehnt sind. In der Story lassen sich ganz klar Elemente von Final Fantasy finden, aber das war auch meine Absicht. Ich hoffe, sie bringt euch Spaß. Sie ist bereits fertiggestellt mit 12 Kapiteln und einem Epilog.

    Kapitel I

    Staub wirbelte auf, als sieben Motorräder die sandige Straße hinaufpreschten, kurz darauf langsamer wurden und schließlich zum Stehen kamen. Der Erste von ihnen, ein junger Mann mit blonden abstehenden Haaren und einem großen Schwert auf dem Rücken, schob sich seine Fliegerbrille in die Stirn und sah zu dem runden Gebäude hinüber, welches sie stolz ihr Hauptquartier nannten.
    Sie waren Söldner und arbeiteten für den Konzern Vitolo wie für den König Osbald Vylles gleichermaßen.
    Die Tür öffnete sich und ein rothaariger Mann mit einem langen Zopf und ebenfalls einer Fliegerbrille auf der Stirn winkte ihnen zu.
    „Hey, Cloud! Der Prinz ist hier, ihr beeilt euch besser.“
    „In Ordnung, Reno.“
    Cloud wandte sich an die anderen und der Rothaarige schloss wieder die schwere Tür.
    „Keiner ist verletzt?“, fragte er und sie schüttelten den Kopf, während sie von ihren Motorrädern abstiegen, die sie alle perfekt nebeneinander geparkt hatten. Eine hochgewachsene dunkelhaarige Frau klappte Schwertfächer neben ihrem Sattel aus und schob ihr schmales Schwert in eine von zwei Lücken. Ihr grimmiges Gesicht sprach Bände.
    „Ich habe ein Schwert verloren“, knurrte sie, während sich die Fächer automatisch wieder an das Motorrad anlegten.
    „Mach dir nichts draus, Ayana.“ Ein großer, gebräunter Mann mit golden Augen und staubiger Kleidung ging an ihr vorbei. „Vitolo ersetzt uns unser Material doch eh.“
    „Ja, das stimmt“, meinte ein Jüngerer von hohem Wuchs, der einen helleren Mantel als die anderen trug.
    Die Gruppe ging die Metalltreppe zur Tür hinauf, die noch im selben Moment wieder aufschwang und zwei schwarzhaarige Frauen lächelten sie an.
    „Elysa, Tifa, ist etwas vorgefallen?“, wollte Cloud wissen. Er sprach immer ruhig und besorgt und vergewisserte sich ständig, ob es den anderen gut ging. Die beiden Frauen schüttelten den Kopf. „Nein. Aber Prinz Noctis ist hier.“
    „Es scheint bei Vitolo etwas passiert zu sein“, fügte die Zweite, Elysa, leicht nachdenklich hinzu.
    Vincent, ein großer, schweigsamer, in Rot und Schwarz gekleideter Mann, trat an ihnen vorbei in den Raum. „Das ist ja nichts Neues“, sagte er mit dunkler Stimme.
    Ein weißhaariger Jugendlicher mit einer Augenklappe über dem rechten Auge verschränkte die Armee. „Wahrscheinlich tut Vymera mal wieder nicht das, was der König von ihr verlangt“, sagte er zynisch und ein Krieger mit abstehenden schwarzen Haaren stimmte ihm mit einem Nicken zu. „Ist doch immer so, Yuris.“
    „Mach mal halblang, Zack“, mischte sich ein Mann mit dunkelblonden Haaren und einem verschmitzten Gesichtsausdruck ein. „Letztendlich gewinnt der König ja eh, und das obwohl Vitolo uns allen das Licht ausknipsen könnte.“
    „Das ist richtig. Mit ihrem Großkonzern, der unsere Stadt versorgt, kann Vymera uns eigentlich mehr kontrollieren als der König.“ Ayana hatte die Hände in die Hüften gestemmt. Sie regte sich oft über den Einfluss von großen Konzernen auf die Politik auf, aber Leander, der junge Mann mit dem hellen Mantel, beruhigte sie.
    „Ist doch auch besser so. Nichts gegen unseren Freund Noctis, aber Osbald wird uns alle noch einmal ruinieren.“
    „Da muss ich dir zustimmen, Leander“, unterbrach sie eine junge Stimme amüsiert und die Söldner sahen zur Tür hinüber, die in den Versammlungsaal führte. Dort stand ein junger Mann mit schwarzen Haaren und leuchtend blauen Augen. Er lehnte sich lässig an die Tür. An seinem Erscheinungsbild, gekleidet in praktische schwarze Kleidung mit Dreiviertelhose und kurzen Stiefeln, konnte man kein bisschen erkennen, dass er der Thronfolger Midgars war, Noctis Vylles.
    „Deshalb bin ich auch hier. Um euch zu warnen. Aber kommt erst einmal rein. Sind Yuria, Acacio und Shane nicht bei euch?“
    „Sie sollten bald zurückkommen“, antwortete Leander.
    Die Gruppe folgte ihm in den großen Raum mit einer langen Glasfassade, die sie auf die Landschaft hinter der Hauptstadt Carystorias blicken ließ. Das Quartier der Söldner lag ganz am Rand auf der Landseite, um an die Küste zu kommen, mussten sie die gesamte Stadt durchqueren.
    Reno und Rude, ein großer, dunkelhäutiger Mann, der einige Jahre älter war als Reno, eine Glatze hatte und egal bei welchen Lichtverhältnissen immer eine Sonnenbrille trug, saßen bereits an dem langen Tisch und Reno nahm seine Füße vom Tisch, als Noctis sich zu ihm umdrehte. Während alle Platz nahmen, blieb Noctis stehen und stützte sich mit den Armen auf den Tisch. Seine Freunde Ignis, Gladiolus und Prompto, die auch gleichzeitig auf ihn aufpassen sollten, obwohl er das sehr gut selber konnte, standen neben der Tür.
    „Mein Vater hat Vymera nun endgültig verboten, dass auch nur ein Funke der Energie Carystoria verlässt. Noch nicht einmal in unserem Reich, das heißt in Tenebrae, Accordon oder Regia, darf sie Fabriken eröffnen. Und selbst wenn der Schwarzmarkt Energiebehälter in die anderen Städte bringt, reicht dies nicht aus, um diese zu versorgen. Nur Vymera weiß, wie man die Energie des Planeten abzapft. Wenn mein Vater so weitermacht, wird er jegliche Vernunft verlieren, die er noch besitzt.“
    „Garantiert“, murmelte Tifa und Dacre machte ein ernstes Gesicht.
    Lovell lehnte sich zurück. „Und das kann man nicht verhindern?“
    Noctis schüttelte bedauernd den Kopf. „Ich kann nichts tun, auch wenn man das annehmen sollte.“
    Draußen erklang das Geräusch von Motorrädern und Reno sprang sofort auf.
    „Sie sind endlich zurück.“
    Noctis richtete sich auf. „Wo sind sie gewesen?“
    „Bei einer Quelle in der Nähe von Braedon.“ Elysas Stimme klang besorgt. „Vymera hat sie geschickt, durch das Abzapfen der Energie tun sich an immer mehr Stellen Löcher auf, aus denen die Energie ungehindert den Lebensstrom verlässt.“
    „Stimmt es“, meldete sich Ignis unwohl zu Wort. „Dass uns die Energie bei Kontakt mit unseren Körpern besondere Fähigkeiten verleiht?“
    „Das könnt ihr gleich Yuria und die anderen fragen“, erwiderte Cloud. Doch es war richtig, er hatte die Erfahrung schon selber gemacht. Er war fasziniert davon, wenn auch ein wenig beängstigt, machte sich die neue Kraft aber, über die er dann verfügte, im Kampf zu nutze.
    Reno hatte bereits den Versammlungsraum verlassen und als Cloud ihm folgte, sah er, wie sein Freund ein junges Mädchen umschlang.
    „Hey, Reno“, sagte Yuria, während sie sich von ihm löste. „Mir geht es gut.“
    „Und uns soweit auch.“ Ein verschlagen aussehender Mann mit dunklen Haaren und einem Verband über dem linken Auge schloss hinter sich und Acacio die Tür.
    „Wieso, was ist passiert, Shane?“, fragte Cloud besorgt.
    „Die Quelle, sie ist explodiert.“
    Erst jetzt erkannten die Söldner die rußige Kleidung ihrer Kumpane. Erschrocken blickte Reno auf sein weißes Hemd, welches jetzt schwarz war.
    „Was zum…?“
    „Sorry, Reno. Du warst einfach zu stürmisch.“
    Noctis trat neben Cloud. Die anderen warteten schweigend im Saal.
    „Wie nahe ward ihr der Explosion?“
    „Wir waren einige hundert Meter entfernt. In der Nähe war ein Dorf. Jetzt steht nur noch die Hälfte davon.“ Acacios Stimme klang emotionslos, sein Gesichtsausdruck verriet auch nicht mehr.
    „Die Regierung Braedons fordert eine Erklärung. Sie macht Vitolo dafür verantwortlich.“ Yuria zog ihren Mantel aus. Ihr Gesicht war ebenfalls staubbedeckt, nur dort, wo ihre Brille gewesen war, war ihre Haut noch weiß und brachte ihre hellen blauen Augen zum Leuchten.
    „Ist ja verständlich“, murmelte Ignis, der neben dem Prinzen stand und die drei Ankömmlinge mit wachsender Unruhe betrachtet hatte. Er, Shane und Yuria kamen aus Braedon und er wusste, dass auch sie sich Sorgen um die Stadt in Tenebrae machten.
    Noctis ging nicht darauf ein. Was hätte er auch erwidern können, schließlich hatte er gerade noch von den Auseinandersetzungen seines Vaters und Vymeras geredet.
    „Die Energie, ist sie noch in euch gespeichert?“, fragte er stattdessen.
    „Ja.“ Ein feines Leuchten umgab Acacio und im nächsten Moment befand er sich neben dem Prinzen, ein paar Meter von seinem vorherigen Aufenthaltsort entfernt. Eine blaue Spur folgte ihm, die sich schließlich auflöste.
    „Eine Kurzstreckenteleportation“, stellte Noctis unbeeindruckt fest. „Könnt ihr das nicht sowieso mit euren Waffen?“
    „Nein, nicht alle von uns“, meinte Cloud leise. Nur einige von ihnen, und zwar diejenigen, die von Vitolo ausgebildet worden waren, besaßen die gleichen Fähigkeiten wie der Prinz. Dazu gehörten Cloud, Zack Leander, Yuris, Yuria und Aeron. Vincents Kräfte waren anders und hatten einen anderen Ursprung, der den restlichen Söldnern nicht vollkommen klar war.
    „Außerdem habe ich meine Waffe ja auch gerade nicht geworfen.“ Acacio klang beleidigt und das merkte Noctis, aber er wusste nicht, was er sagen sollte. Yuria mischte sich ein. „Das ist schließlich nicht das Einzige. Nicht wahr, Cloud?“
    Er nickte leicht. „Yuris` Kräfte zum Beispiel.“
    Noctis sah ihn an. „Das Werfen von formbarer Energie?“
    „Kurz gesagt: Zerstörungsmagie“, sagte Shane.
    Der Thronfolger verschränkte die Arme. „Hört mal, ihr müsst das für euch behalten. Ich hoffe ja, dass die Menschen in Braedon nicht auch kurzzeitig über die Energie verfügen, denn mein Vater darf das auf keinen Fall erfahren. Ihr wisst, was dann passieren wird.“
    Die anderen Söldner drängten sich hinter ihm schweigend in den Vorraum. Jeder betrachtete ihre verrußten Freunde und Noctis` Worte hallten in ihren Köpfen wieder.
    „Denkt Ihr wirklich, dass wir das für immer geheim halten können?“, fragte Elysa schließlich. Sie arbeitete im Krankenhaus der Stadt und hielt es kaum für möglich, das Einspeichern der Energie gerade vor anderen Kriegern oder Ärzten zu verbergen.
    „Versucht es einfach. Mein Vater könnte Vitolo damit beauftragen, seine Armee damit auszustatten.“
    „Dann würde der Konzern ja noch mehr Energie abzapfen müssen!“, sagte Tifa entsetzt.
    „Nicht nur das, König Vylles würde dann Krieg mit Niflheim und Lucis anfangen“, fügte Ignis kühl hinzu.
    „Kommt nicht in die Nähe von Vymeras Leuten, damit meine ich auch Eliza und Mevio. Sie haben Apparate bei sich, mit denen sie Energie aufspüren können. Wartet, bis sich in euren Körpern alles abgebaut hat oder verbraucht sie so schnell wie möglich.“ Noctis sprach selten so bestimmt. In diesen Momenten merkte man, dass er der Sohn des Königs war. Auch wenn es ihm schwerfiel, konnte er es sich nicht erlauben, unsicher oder gedankenlos zu handeln. Man verließ sich auf ihn, aber er wusste, dass er unter seinen Freunden mehr der Mensch sein konnte, der er sein wollte.
    Die Söldner nickten, allen voran war seine Rede schließlich an Yuria, Acacio und Shane gerichtet.
    Der Prinz wandte sich zum Gehen und Ignis, Prompto und Gladiolus folgten ihm, aber Clouds Stimme hielt ihn zurück.
    „Noctis…Vymera weiß mit Sicherheit von der Kraft der Energie, sie will es Vylles bloß nicht sagen. Jeder kennt doch Sephiroth…“
    „Cloud hat recht. Alles was uns die Energie ermöglicht, kann Sephiroth seit dem Experiment seiner Mutter ebenfalls.“
    Alle starrten Yuria an.
    „Vymera ist doch nicht seine Mutter“, meinte Acacio verächtlich. „Das geht doch gar nicht.“
    „Doch. Denkt doch mal darüber nach, wie lange ihr alle Vymera schon kennt. Ist sie jemals gealtert?“
    Ayana dachte nach. „Nicht, dass man es bemerkt hätte.“
    „Und Sephiroth ist vor 26 Jahren geboren“, äußerte sich Yuris leise.
    Noctis hörte den Überlegungen der Krieger schweigend zu. Alle stritten ab, dass Vymera Vitolo, die Gründerin des Vitolo Konzerns, Sephiroths Mutter war. Nein, das sei eine andere Frau gewesen, sagten sie. Nur Cloud und Yuria wichen nicht von ihrer Meinung ab.
    Irgendwann sahen alle zu ihm. „Was weißt du über Vymera?“, fragte Prompto ihn von der Seite.
    „Ich habe ehrlich gesagt noch nie über sie nachgedacht. Ich habe auch immer geglaubt, dass eine andere Frau Sephiroths Mutter wäre.“
    Bei seinen Worten, so als müsse er es ja wissen, obwohl er sich genauso unsicher war wie sie, sahen alle triumphierend zu Cloud und Yuria. Cloud gab es auf, aber sie schüttelte den Kopf. „Was Cloud gerade gesagt hat, ist doch wahr! Vymera weiß viel mehr, sie weiß, wie verschieden man die Energie nutzen kann. Sie ist seine Mutter, ich weiß es schließlich von Eliza!“ Bis zu ihrem letzten Satz war sie immer lauter geworden, was sie nur sehr selten tat. Sie atmete tief aus und Cloud hob wieder den Kopf. „Ja“, meinte er nur. „Ich auch.“
    „Ach ja, und das glaubt ihr auch einfach so?“, fragte Lovell. „Warum erzählt sie euch das denn überhaupt?“
    „Weil Cloud vor ihr schon einmal geäußert hat, was er gerade gesagt hat. Dass Vymera dem König gar nicht sagen will, was sie weiß.“
    „Sie möchte ihm nicht dienen“, fügte Cloud hinzu.
    „Das stimmt. Er unterbindet ihr zu viel.“ Noctis lehnte sich an die Tür. „Vymera ist also Sephiroths Mutter.“ Eine Aussage. Sie beseitigte auch die letzten Zweifel. Wenn man darüber nachdachte, war es logisch. Alles andere wäre zwar nicht weniger logisch gewesen, aber es stand fest, dass die Präsidentin des Großkonzerns kaum noch alterte.
    „Um auf deine Warnung zurückzukommen, Prinz“, meldete sich Zack zu Wort, der Noctis mit einem lockeren Ton „Prinz“ nannte.
    „Heißt das, dass es erst gefährlich wird, wenn der König persönlich von der körpereigenen Einspeicherung der Energie erfährt.“
    „So sieht es aus. Dennoch, geht kein Risiko ein. Ich möchte keinen Krieg.“
    Ein Chor von Zustimmungen erklang und auf Noctis` Gesicht entstand ein leichtes Lächeln. „Ich danke euch.“

    ***

    Ayana stand auf, als Motorengeräusche von draußen erklangen. Es waren keine Motorräder und Noctis und seine Freunde konnten es auch nicht sein, denn sie hatten gestern gesagt, dass sie die nächsten Tage keine Zeit haben würden, sie zu besuchen.
    Die Söldnerin schaute aus dem Fenster und bekam einen Schreck. „Warum…!“
    „Was ist los?“, fragte Dacre, der gerade die Treppe vom ersten Stock herunterkam. Ihr turmartiges Hauptquartier besaß drei Stockwerke und mehrere anschließende Gebäude, in denen die Gruppe wohnte.
    „Königliche Einheiten und ein Wagen von Vitolo, das kann doch nichts mit gestern zu tun haben.“
    Dacre sagte nichts, aber sein Gesicht veränderte sich und wurde finster. „Wo sind Yuria, Acacio und Shane?“
    „Hinten auf dem Trainingsplatz. Oh verdammt noch mal.“
    Ayana riss die Tür zum Innenhof auf und stürmte die Veranda hinunter. Reno und Yuria, die im Schatten auf einer Bank saßen und Zack und Cloud beim Training zu sahen, sprangen auf.
    „Was ist los?“, fragte Reno, als er Ayanas Blick sah.
    „Vitolo ist hier. Begleitet von der Elite des Königs.“
    Schwerter fielen klirrend zu Boden und Staub wirbelte auf. Zack und Cloud wandten sich gleichzeitig zu ihnen um.
    „Woher wissen sie das?“ Die Stimme des blonden Kriegers war leise, machte aber sein Entsetzen deutlich.
    „Das kann nur Zufall sein. Osbald hat etwas erfahren und zwingt Vymera nun es durchzusetzen“, meinte Zack.
    „Garantiert. Aber es geht auf jeden Fall um das, wovor Noctis uns noch gestern gewarnt hat“, knurrte Acacio, während Shane seinen Bogen senkte und zustimmend nickte.
    Dacre erschien auf der Veranda.
    „Eliza und Mevio sind hier. Vielleicht täuscht ihr euch…“
    Ohne ein Wort gingen Ayana und Reno an ihm vorbei. Er hörte Reno nur knurren. Obwohl dieser und Rude bei Vitolo angestellt und eigentliche keine Söldner waren, hielten sie mehr zu diese als zu ihrem Konzern. Aber das lag natürlich daran, dass auch sie nicht wollten, dass der König einen Krieg mit den Nachbarländern Lucis und Niflheim begann.
    Eliza, Vymeras rechte Hand und der zweite Kopf der Firma, welche jedoch sehr viel mehr Mitgefühl für die Söldner hatte, stand in dem Versammlungssaal und betrachtete die Landschaft. Mevio, ein Wissenschaftler, stand ein paar Meter hinter ihr, flankiert von zwei Elite Soldaten.
    „Ayana“, begrüßte Eliza sie wie eine Freundin, die sie unter anderen Umständen bestimmt auch sein würde.
    „Wir haben den königlichen Auftrag von seiner Majestät erhalten, zu analysieren, ob die Energie euch stärkere Kräfte ermöglicht.“
    In nur einem Satz hatte sie alles auf den Punkt gebracht.
    Kein anderer von ihnen hätte in der Nähe von zwei Elite Soldaten, ohne mit der Wimper zu zucken, einem Befehl Vitolos widersprochen. Aber sie erinnerte sich an Noctis` Besorgnis und wusste, dass dieser Moment einen Krieg um Einiges beschleunigen würde.
    „Das kann ich nicht zulassen.“
    „Genau das habe ich von dir erwartet.“
    Ohne Ayanas Reaktion abzuwarten, bedeutete Eliza den Elite Soldaten und Mevio auf die Veranda zu gehen. In der Tür lehnte Reno mit verschränkten Armen.
    „Reno, aus dem Weg“, befahl Mevio.
    Seine Kiefermuskeln spannten sich an und er hielt Mevios Blick stand.
    „Reno!“, wiederholte Eliza scharf.
    „Na schön.“ Er trat theatralisch zur Seite und verbeugte sich. Unter seinen roten Strähnen, die ihm ins Gesicht fielen, und der Fliegerbrille, warf er Mevio einen warnenden Blick zu. Wehe, ihr tut meiner Freundin etwas an.
    Der Vitolo Konzern war kein Krankenhaus. Experimente konnten dort schon etwas anders ablaufen.
    Cloud und Zack rührten sich nicht, als die Soldaten an ihnen vorbeiliefen. Sie trugen maskenähnliche Helme, die ihr Gesicht verdeckten und Gunblades hingen auf ihren Rücken. Die Waffen ähnelten einem Bajonett, nur dass die Klinge in das Gewehr eingearbeitet und sie moderner waren.
    Einer von ihnen blieb vor Yuria und Acacio stehen.
    Diese warfen sich einen Blick zu. Der König wusste also sogar genau, wer von ihnen als Letztes bei einer Quelle gewesen war. Und nur die Söldner und Vymera waren eigentlich über die Mission nach Braedon informiert.
    Der andere Soldat trat vor Shane.
    Von drinnen erklang Elizas Stimme. „Ich würde es sehr bedauern, euch zwingen zu müssen.“
    An Shanes Gesichtsausdruck merkte Cloud, dass der Schütze kurz davor war, etwas Dummes zu tun. Aber er wusste nicht, was er sagen sollte, also murmelte er nur: „Shane…“
    Durch Yuria ging ein Ruck. Sie schob sich an dem Soldaten vorbei, ging die Treppe zur Veranda hinauf, blickte kurz zu Reno und dann zu Eliza. Diese nickte leicht.
    Ayana und Dacre standen mit verschränkten Armen vor der Glasfassade und beobachteten das Geschehen. Acacio und Shane folgten den beiden Frauen schließlich, als Eliza die Tür öffnete und Yuria vor ihr das Gebäude verließ. Mevio, der das Quartier als Letzter verließ, blickte noch einmal zu Dacre. Die Miene des Söldners war verschlossen, während Ayana neben ihm mit den Zähnen knirschte.

    Im Transporter drängten sich Yuria, Acacio und Shane zu dritt auf die Rückbank und machten sich nicht die Mühe sich anzuschnallen. Mit einem Seufzen startete Eliza den Motor und deutete auf die fünf Lieferwagen mit dem Wappen des Königs hinter ihnen. „Wie ihr seht, waren es nicht nur die Zwei. Wir mussten mit allem rechnen.“ Sie wendete den Wagen und Yuria konnte Ayana hinter dem Fenster des Saals stehen sehen. Dacre war bereits verschwunden.
    „Karten auf den Tisch“, sagte sie. „Der König weiß es weder persönlich von uns und wie wir annehmen auch nicht von euch. Was ist hier los?“
    „Wir können nicht darüber reden. Wir haben den Auftrag einfach erhalten.“
    „Eliza, Cloud und ich haben doch schon einmal mit dir darüber gesprochen.“
    „Und ihr habt es allen anderen erzählt?“ Eliza wich von der Frage der jungen Söldnerin ab und betrachtete diese prüfend im Rückspiegel. Shane mischte sich ein. „Als könnten wir uns das nicht denken. Vymera hat es satt, sich von Osbald einschränken zu lassen. Und dass sie Seph-“
    „Also stimmt es, dass der König das auch nicht von Vymera weiß?“, fragte Acacio schnell, bevor Shane ausplapperte, worüber die Freunde gestern mit dem Prinzen geredet hatten.
    „Es sollte euch nicht interessieren, woher seine Majestät das weiß, sondern was jetzt passieren wird“, sagte Mevio kühl.
    „Wir halten euch für klug genug, zu wissen, dass es einen Krieg gewaltigen Ausmaßes geben wird und das schon sehr bald. Je nachdem wie eure Testergebnisse ausfallen, wird die Königliche Armee mit Energie versorgt werden. Was heißt, dass noch mehr abgezapft und in unzähligen Behältern versiegelt werden muss“, fuhr er fort.
    Die Söldner schwiegen. Auf ihre weiteren Fragen würden sie eh keine Antworten bekommen.

    ***

    Yuria saß in einem weiß gestrichenen, sterilen Flur auf einer harten Bank, über ihr flackerte bläuliches Licht. Mevio trat aus eine der vielen Türen, auf denen nur Zahlen und für Yuria unverständliche Abkürzungen standen.
    „All eure Teste waren positiv. Eure Blutteste, eure Reaktionsteste, eure, wie ihr sie nennt, magischen Fähigkeiten…“ Er rückte seine Brille zurecht. „Auch wenn ich es als Wissenschaftler sagen muss, dass es sich ganz und gar nicht um Magie handelt. Es hat alles seinen Ursprung in der Energie. Da du bei Vitolo ausgebildet worden bist und dir die Kraft der Energie schon länger zur Verfügung steht, waren die Ergebnisse von Shane und Acacio für uns von höherer Bedeutung. Wenn es bei ihnen funktioniert, wird es auch bei den einfachen Soldaten funktionieren.“
    Yuria stand auf. „Kann ich gehen?“, fragte sie schroff.
    „Ja, das kannst du. Acacio und Shane werden wir hierbehalten müssen bis wir wissen, wie lange die Energie in ihren Körpern gespeichert bleibt. Darauf basierend werden wir das Militär ausstatten.“
    „Denkt ihr, dass es in meinem Körper länger oder kürzer anhält?“, fragte sie, aber sie wusste die Antwort bereits.
    „Länger. Das solltest du eigentlich bemerkt haben, du warst schließlich nicht das erste Mal bei einer Quelle, oder?“
    Sie erwiderte nichts, sondern wandte nur den Kopf ab und er nickte. „Aha.“
    „Bringt mich jemand nach Hause?“
    „Ich befürchte, das wird nicht möglich sein.“
    Sie schnaubte. „Dann werde ich jemanden anrufen müssen.“
    „Hier hast du wegen der verstärkten Wände keinen Empfang, geh nach draußen.“
    Ohne noch etwas zu Mevio zu sagen, zog sie ihr Mobiltelefon aus der Tasche und lief den Flur hinunter. Sie stieß eine Tür auf und heftiger Wind wehte ihr entgegen. Der Konzern war am Rand der Küste gebaut, die Luft war salzig und unter ihr schlugen die Wellen krachend gegen die Klippen. Aber von der Umgebung war kaum noch Natur übrig. Überall befanden sich Rohre und Leitungen von Vitolo, die bis tief in die Erde reichten.
    Sie klappte ihr Handy auf und betrachtete für einen Moment das Display. Sie hatte viele Nachrichten bekommen, zwei von Reno, eine von Cloud, von Ayana und Vincent, der erfahren hatte, was passiert war. Cloud ließ auch von Zack fragen, ob alles gut gegangen war und ob sie herausgefunden hatten, woher Osbald von all dem wusste. Sie antwortete keiner der Nachrichten, sie fand es besser ihnen alles persönlich zu berichten und außerdem sparte sie gerne an ihrem Guthaben. Sie suchte gerade nach jemanden, der sie abholen konnte, als sie auf Noctis` Nummer stieß. Yuria zögerte kurz, dann rief sie ihn an.
    Er nahm recht schnell ab. „Yuria?“
    „Hey, Noctis.“ Sie sah in den grellen Himmel. „Ich bin gerade bei Vitolo. Sie haben uns abgeholt.“
    „…Was? Aber woher…?“
    „Wir wissen es nicht. Eliza rückt nicht mit der Sprache raus, aber wie es scheint, war es nicht Vymera, die es deinem Vater erzählt hat. Aber einer von uns kann doch auch nicht gewesen sein.“
    „Ich äußere das nur ungerne, aber ihr seid Söldner. Und im Allgemeinen verdient ihr euer Geld mit Krieg. Also-“
    „Das ist richtig, aber durch die Abwehr des Planeten haben wir doch auch so genug zu tun. Traust das wirklich einen von uns zu?“
    „Ich weiß nicht. Nein, eigentlich nicht.“
    „Noctis, wir hören alle auf deinen Rat. Was immer hier los ist, jetzt wird es nicht mehr lange dauern, bis Vitolo die königliche Armee ausrüsten muss. Alle Testergebnisse waren positiv.“
    Er antwortete nicht sogleich, sie hörte gedämpfte Stimmen. Er schien die Nachricht seinen Freunden mitzuteilen.
    „Wo seid ihr gerade?“, fragte sie, aus Neugierde, aber auch in der Hoffnung, dass er sie abholen konnte.
    „Bist du beim Hauptkonzern?“, wollte er jedoch wissen, ohne ihr zu antworten.
    „Ja.“
    „Ich hole dich ab.“
    „Danke.“
    Sie legte auf und begann die Treppe hinunterzusteigen, die zur Straße führte. Einige Soldaten kamen ihr entgegen und sie blieb stehen, um ihnen Platz zu machen.
    Dann blickten sie noch einmal zu dem großen verschachtelten und doch grobschlächtigen Gebäude hinauf und verfluchte es.
    Aber alles was sie gerade tun konnte, war sich vor dem scharfen Wind zu schützen und zu warten, bis Noctis kam.

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