Springe zu den Kommentaren

Laboratoruim Cats- Der Duft der Freiheit

star goldstar goldstar goldstar goldstar greyFemaleMale
12 Kapitel - 12.323 Wörter - Erstellt von: - Entwickelt am: - 642 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Eine mitreißende Geschichte einer genmanipulierten Katze, dessen Leben wegen ihrer Stärken und Kräfte viel schwerer ist als die einer normalen Katze.

+ Epilog und Prolog.

Band 1.

    1
    Tiere im Labor:


    Froze-
    Schneeweiße Katze mit besonders verstärkten Krallen, Zähnen und Augen; erster gelungener Prototyp einer zukünftigen Großkatzen- Krieger-Reihe.

    Ian-
    Leuchtend rot getigerter Maine-Coon-Kater mit bepinselten Ohren und cremefarbenem Bauch, feuerroten tigerstreifen und gelben Augen

    Fidalgo-
    Italienische Minensuchtratte mit grau-weißem Fell; bisher noch ohne sichtbaren Schaden.

    Funke-
    Schildpattfarbene Kätzin mit grünen Scanner-Augen und Feuerresistenz; fünfte Feuerresistente Katze.

    John Fitzgerald Kennedy-
    Norwegischer Waldkater mit dunklem Fell und sehr kurzen Beinen; kurz JFK

    Ferett-
    Dickes dunkelbraunes männliches Wiesel mit weißer Pfote; erkrankte an Dauerschnupfen, als man an ihm Versuche für Schnupfenresistenz durchführte.

    Esch-
    Kleine Orangerot getigerte Kätzin; Schwester von Lio, Ian und Fæ; tot

    Lio-
    Großer, muskulöser, Orangerot getigerter Kater; tot

    Fila-
    Schwarz-weißer, glatthaariger Kater, an dem unzählige Experimente durchgeführt haben; bisher trotzdem noch ohne sichtbaren Schaden.

    Peanut-
    Hübsche goldbraune Kätzin

    Butterblume-
    Für immer junge, kleine weiße Kätzin

    Semmel-
    Winziger Golden-Retriever Welpe, der nicht mehr wachsen wird

    Viola-
    Schwarze Neufundländer-Hündin; kann im Wasser bis zu einer Stunde die Luft anhalten

    Corona-
    Cremefarbener männlicher Mischlingswelpe; bisher noch ohne sichtbaren Schaden.

    Evie-
    Schimpansin mit großem menschlichen Wortschatz

    Lis& Lisi-
    Geklonte Wellensittich- Schwestern mit grünem Gefieder und schwarzen Knopfaugen

    Urs-
    Braun meliertes Kaninchen; bisher noch ohne sichtbaren Schaden.

    Samayang-
    Edler alter Siamkater mit sehr lang verlängertem Leben; bereits fünfunddreißig Jahre alt.

    Waldkatzen bzw. Katzen aus Fæ's Gruppe

    Fæ-
    Schlanker orangerot getigerter Kater mit weißer Schwanzspitze, als hätte man sie in Schnee getippt; Anführer der Waldkatzen

    Mia-
    Misstrauische braun-weiß getigert-gefleckte Kätzin mit eisblauen Augen

    Gizmo-
    Stämmiger braun-weiß gescheckter Kater; besitzt Heilfähigkeiten

    Ginny-
    Kräftige schwarz-weiße Kätzin

    Tu-Tu-
    Schlanke schwarzen Kätzin; ehemals Hauskatze Baghira

    Porzellan-
    Grazil gebaute Kätzin mit braunem und weißen Fell; floh vor einem halben Jahr aus dem Labor, ehemals Hauskatze Kitty

    2
    Prolog

    Das Licht um die undeutlichen Gestalten herum war grausam hell und schneidend. Wie graue Wattefiguren wuselten sie im grellen Licht der starken Lampe auf der Decke herum und leises Gemurmel stieg auf.
    Undeutlich zu erkennen zuckte ein genauso schneeweißes Geschöpf auf einer Plattform im Raum. Ihr helle Fell blendete fast im Kontrast zum silbern blitzenden Tisch, auf dem sie lag und den Messern und Skalpellen, Ampullen und Gläschen, die achtlos um den Tisch herum verstreut lagen.
    Eine große Gestalt im genauso schneeweißen Kittel beugte sich über das Tier.
    »Schlägt die Behandlung an?«, fragte er mit kehliger und unsicherer Stimme. Das Gemurmel der Menschen wurde erheblich lauter. Die Stille des Raums war schneidend, doch das Raunen und Murmeln der Menschen klang wie harte Trommelschläge in einer kühlen und verlassenen Nacht.
    »Ruhe!«, donnerte einer.
    »Ich hoffe das die Behandlung anschlägt«, gab ein anderer verärgert zu.
    »Was für eine Verschwendung!«, fauchte der allererste, der noch genauso über das arme Tier gebeugt stand wie vorher. Mit einer Hand hob er das grazile Gesicht an und mit der anderen fuhr er sanft über das Augenlied, dann hob er es leicht an. Die weiße Nickhaut des Tiers verriet, das sich eine Katze auf dem Tisch befand.
    »Ihre Augen sind noch normal.«
    Das helle gelb ihrer Augen wirkte fast tot, doch die Menschen wussten das das Geschöpf noch am Leben war. Die Geräte, die an das arme Tier angeschlossen waren, zeigten, das die Vitalfunktionen der Katze zwar geschädigt waren, jedoch funktionierten.
    »Pump ihr noch einmal was rein«, befahl er und ließ den Katzenkopf verärgert fallen. Das dumpfe ›Klonk‹ hallte durch den gespenstischen Raum.
    »Erfolgt«, zischte eine junge Frau und besah sich die Katze.
    Plötzlich geschah etwas. Die Katze begann zu zucken, an ihrem Rücken stellten sie die weißen Haare auf. Die Augäpfel unter den Augenlidern begannen heftig zu laufen, als ob die Katze durch Dir geschlossenen Augen hindurch sehen konnte. Ihre Beine bewegten sich, als ob sie im Traum sanft laufen würde, doch ihre panisch verzerrten Gesichtszüge sprachen eine andere Sprache.
    Dann, wie aus einer Trance erwacht begannen die Menschen hin und herzulaufen und suchten sich alle einen Platz mit guter Sicht auf das Tier. Das Fell der Katze sah aus, als würde kochendes Wasser darunter brodeln. Die Blasen verschwanden wieder. Die Katze hatte nun keinen zarten Körperbau mehr, nein, ihre Muskeln sprengten nur so durch ihr Fell. Ihre Pfoten wuchsen und grausam spitze Krallen bogen sich durch das weiße Fell zwischen den Zehen. Die Menschen starrten begeistert auf die mutierende Katze. In diesem Moment riss
    sie die Augen auf. Das helle, künstliche eisblau der Augen brannte sich in die Blicke der Menschen und ein unmenschliches Knurren stieg aus ihrer Kehle hoch. Um sie herum wurde es wieder laut. Der erste Mensch starrte sie voller Bewunderung und Zuversicht an. Die Katze fuhr die Krallen aus, eine unmissverständliche Drohung den Mund zu halten. Obwohl sie an den Tisch gezurrt war, ließ sie ihre mächtigen Muskeln spielen.
    »Es hat geklappt«, zischte der Mann und verzog den Mund zu einem verrückten Lächeln.
    »C-1-i 64«, verkündete er dann und wandte sich mit einem wilden Blick in den Augen an seine Partner. Die Leute jubelten und klatschten begeistert.
    »Wir haben einen neuen Prototyp. Es wird nicht mehr lang dauern, dann haben wir eine neue Generation von Killerkatzen erschaffen. Der Chef wird sich freuen.«

    3
    Froze

    Es ist finster. Das Kreischen der Papageien-Zwillinge dringt durch die Stille. Unruhig rascheln andere Vögel mit ihren Flügeln. Die Ratte im Käfig neben mir quiekt unablässig. Das Miauen der Katzen wird immer verzweifelter, das Winseln der Hunde immer lauter.
    Um es kurz zu sagen: der Ort ist schrecklich. Es ist fast andauernd dunkel, nur wenn die Zweibeine kommen wird es beißend hell und das weiße Licht stört unsere geweiteten Pupillen. Wir sind nicht nur die Spielzeuge der Zweibeine, wir sind auch ihre Versuchskaninchen. Die Ratte neben mir packt die Gitterstäbe mit den rosa Pfötchen und zerrt daran, doch das Eisen gibt nicht nach. Ich sehe Fiedalgo mitleidig an. Ich habe mich bereits damit abgefunden, hier zu sterben. Fidalgo ist jung und stark und eine Minensuchratte, die gefangen genommen wurde. Er ist erst seit ungefähr einem Monat hier und gibt nicht auf, an den Käfiggittern zu rütteln. Seit einem Dreivierteljahr bin ich hier im Labor der Zweibeine. Seitdem bin ich so anders.
    Mit anders meine ich nicht, das ich in der Nacht sehen kann oder gegen Feuer resistent bin oder telekinetische Fähigkeiten habe. Ich bin einfach nur: gruselig. Meine Augen sind stechend blau. Ein künstliches blau, ähnlich der künstlichen Sonne der Zweibeiner. Mittendrin prangt eine weiße Kugel, ein jämmerlicher Ersatz für eine Pupille, nehme ich an. Es ist ekelhaft. Doch hier im Labor finden mich zumindest nicht alle abstoßend, da manche selbst noch abstoßender sind als meine Wenigkeit.
    Neben mir keucht eine stinkende silbergraue Katze angestrengt. An ihrem Fell haftet der Geruch von Chemikalien und künstlichem Zweibein-Zeug; ich weiß, das die Namenlose nicht mehr lange unter uns weilen wird. Sie ist schwach und hat keinen Lebenswillen, keine guten Voraussetzungen für ein erfolgreiches dahinleben im Labor. Die Namenlose hustet und ich sehe nicht hin. Ich höre, wie sie das Blut aufzieht, das in ihre Nase gestiegen ist. Ihr Keuchhusten wird immer schrecklicher. Ihr schwaches Herz wird auch nicht gerade stärker. Ich betrachte die Namenlose traurig und mitleidig. Sie ist halbtot, dank der Zweibeine. Die töten alles, was man töten kann. Aber hätte die Behandlung bei der Namenlosen genauso angeschlagen wir bei mir, hätte man ihr das Elixier gegeben, das gegen ihren Keuchhusten und das schwache Herz half. Aber so, wegen der misslungenen Behandlung, muss die Namenlose sterben. Traurig, aber so sind Zweibeine eben. Wenn ihnen etwas nichts nützt, eliminieren sie es. Ich wende den Blick von der Namenlosen ab und starre wieder Fidalgo an, der knurrend an der Seite seines winzigen Käfigs zusammengesunken ist.
    Hier im Labor bin ich so etwas wie die Anführerin. Wenn ich in der Dunkelheit den Mund aufmache, hören mir alle mit im finstern leuchtenden Augen zu. Wenn ich über unsere vergeblichen Zukunftspläne spreche, mit einem Hoffnungsfunken im Unterton. Sie glauben, ich könnte Ihnen die Zuflucht versichern, die sie alle brauchen.

    Bald soll sich diese Gelegenheit geben; ich habe einen Plan. Wenn die Zweibeine mich aus dem Käfig holen, halten sie den Elektro-Schocker dabei. Dann binden sie mir die Schnauze und die Beine zusammen und bugsieren mich auf den Tisch, verpassen mir Augen- und Nasentropfen und machen mich benebelt, damit ich schwächer werde. Sie prüfen meine Stärke auf Monitoren. Ab und zu darf ich in einem Raum, der ganz leer ist und voller Kampftrainingsgeräte. Dort darf ich mir immerhin die Sachen einverleiben und mich bewegen. Die Namenlose wäre bestimmt erfreut, Bewegung zu bekommen. Aber heute werde ich nicht abwarten, bis ich einen Elektro-Schock bekomme. Wenn die Zweibeine mich herausholen, versenke ich meine Krallen in ihr weiches Fleisch. Sie schreien und lassen mich bestimmt los. Aber ich werde mir den Weg erkämpfen müssen, das weiß ich. Mit Krallen und Zähnen, meinem Verstand und den mir von den Zweibeinen verliehenen Gaben, die mich da durchhelfen werden.
    Die Dunkelheit ist erdrückend. Es ist langweilig und ich spiele mit meinem Monitor herum. Meine Sicht ist seltsam und anders, denn sie ist in vier Quadranten geteilt und in der Mitte, beim Treffpunkt der zwei Linien, befindet sich ein Kreis. Ich kann meinen Monitor auf herunterfahren, wenn ich den Befehl murmle. Oder denke. Ich werde es bald schaffen. Mit einem entschlossenen Gedanke weiß ich es. Mit der Hilfe der Maschine werde ich mich und meine Freunde befreien. Ich weiß es. Denn die Maschine bin ich. Und ich bin die Maschine. Wir sind eins.

    4
    Fidalgo

    Es sind wieder drei Stunden vergangen. Ich zähle die Minuten an der Wanduhr, da ich die Uhr gelernt habe. Ich weiß es von den Zweibeinen, bei denen ich früher gelebt habe. Bei den Missionaren, für die ich gearbeitet habe.
    Langsam werden die Zweibeine kommen. Die Luft ist kalt und es ist angenehm kühl im Raum, das weit einzig angenehme in diesem unangenehmen Terrain. Neben mir kauert Froze in ihrem Käfig. Ich sehe ihren zarten Körper, der sich rasch hoch-und niedersenkt und mir wird warm ums Herz. Froze ist meine Freundin, obwohl Katze-Ratte Freundschaften selten sind. Sie ist meine Seelenschwester, meine Seelenkatze. Ich sehe sie liebevoll an und strecke meine Pfote durch das Gitter.
    »Froze? Froze- bist du wach?«
    »Natürlich«, ihr Zischen erschreckt mich nicht. Sie wirbelt zu mir herum und starrt mich aus ihrer unergründlichen, künstlichen Augen an. Sie sind hellblau und weiß, Froze selbst hasst sie doch ich mag ihre seltsamen Augen. Sie sind so tiefgründig und scheinen einen zu scannen oder zu Röntgen. Froze blinzelt mir mit einem hoffnungsvollen Blinken in den Augen an. Ich merke gleich, das sie eine Idee hat, die in ihrem kleinen schlauen Kopf Gestalt angenommen hat.
    »Fidalgo! Fidalgo, Wir haun‘ ab. Ich habe eine sehr gute Idee, mit dessen Hilfe wir es schaffen werden. Wir sind frei!«
    Ich zwinge mich, nicht gleich vor Freude herumzutänzeln oder zu schreien und nicke nur begeistert. Zum ersten Mal scheint die weiße Schönheit selbst überzeugt zu sein, das der Plan klappen wird. Sie schnurrt laut und ruft dann mit vor Freude erstickter Stimme: »Tiere des Laboratoriums! Ich habe einen Weg gefunden, der uns diesmal wirklich zur Freiheit verhelfen könnte!«
    Mit entgeht nicht, das Froze einen hoffnungsvollen Blick zu der silbergrauen Katze neben sich wirft. Hofft sie etwa, das sie die silbergraue vor dem Tod bewahren kann? Jedenfalls sieht die silbergraue nicht besonders hoffnungsvoll aus, denn sie sagt kein Wort und starrt als ob sie nichts gehört hätte durch die Gitter ihres Käfigs. Es bleibt still. Jedes Tier muss sich erstmal aus dieser Starre im Käfig lösen, die einen übermannt, wenn man länger als einen Tag hier drin ist. Doch die starre reißt gleich.
    Protestgeheul steigt empor und ich fühle Zweifel in mir brodeln. Am liebsten würde ich sie alle hässlich anschreien, damit sie meiner Herzenskatze Gehör schenken, doch wer hört schon auf eine dreibeinige Ratte.
    »Ich werde die Zweibeine töten«, verkündet Froze. Der Schlag läuft wie ein Krallenhieb durch die Tiere und ein eisiges Schweigen nimmt Gestalt an. Ich bin fassungslos; obwohl ich es ihr schon oft genug vorgeschlagen habe, wollte sie nie heftige Gewalt anwenden. Mein Herz pocht immer hoffnungsvoller. Froze scheint wirklich daran zu glauben, und ich hoffe, das wir bald zusammen draußen im Wald leben dürfen. Mein Leben könnte wieder perfekt sein. Mit meiner besten Freundin, meiner Seelenverwandten an meiner Seite und eine Partnerin mit Jungen zu finden, war mein Wunsch. Mein Wunsch, glücklich zu werden. Ich habe nicht zu viel Zeit, um in Gedanken bei der glückseligen Zukunft zu sein, weil die Menge überrascht und vereinzelt sogar empört zu schreien beginnt. Ich sehe, wie Froze hilflos die Ohren anlegt und total resigniert wirkt.
    »Gute Idee!«, kläfft Semmel vom anderen Ende des Labors. Sein kleines Welpengesicht verzieht sich vor Anspannung und er trippelt auf kleinen Pfötchen unruhig in seinem Käfig herum. Offenbar beflügelt ihn der Gedanke an Freiheit so sehr, das er herumtänzelt.
    »Du wirst und alle in den Tod führen, du dumme Gans!«, brüllt Fila herüber, der Kater sträubt den Pelz und faucht noch einmal verärgert, bevor er uns den Rücken zukehrt. Ich rolle theatralisch mit den Augen und Froze und die silberne Katze lachen leise und kurz auf, bevor sie wieder verstummen und die silberne krächzt: »Ich werde dich dabei unterstützen, Froze.«
    Vereinzelte Zustimmung, wie etwa von mir, Viola oder Evie, wird kundgetan. Die letztens genannte Schimpansin johlt und klatscht, dann pfeift sie laut und Viola, die riesige Hündin bellt und knurrt begeistert. Ich freue mich, das wenigstens einige Tiere Froze unterstützen.
    Butterkeks und Peanut, zwei Kätzinnen, sehen sich bedröppelt an und sagen nichts. Sie sind neben mir im Käfig und sagen generell sehr wenig. Doch da jault Peanut mit zustimmendem Winseln auf: »Ja! Wir werden die Zweibeine besiegen! Froze wird für und kämpfen!«
    »Wie kommen frei!«, kreischt Butterkeks und wedelt mit einer Pfote rum. Ich bin ehrlich überrascht, das die beiden blöden Tussis mit den großen Augen etwas sagen.

    Butterblume, eine winzige weiße Katze meldet sich gleich zu Wort.
    »Umsichtig, umsichtig, Froze. Aber was, wenn die Zweibeine dich schnappen, was wenn sie dich töten, bevor du sie töten kannst?«
    Ihre Stimme kommt bedächtig und wie immer nickt sie nach jedem Satz. Sie ist jung, jünger als wir alle, jedoch wird Butterblume körperlich nie altern, wenn nur schrecklich langsam. Sie hat für eine Katze ungewöhnliche siebzehn Jahre am Stück und wird für immer ein süßes Kätzchen bleiben. Butterblume hat wohl mehr erlebt wie wir alle und nicht nur ich, sondern auch die ganze Crew respektiert und bewundert ihr Wissen, ihre Weisheit und ihre Art, alles ganz genau durch zu besprechen.
    Es wird schlagartig still. Die Tiere lauschen alle Butterblumes weisem Miauen, das hoch und piepsig wie die einer Baby-Katze klingt.
    »Ich habe einen Plan«, feuert Froze ungeduldig zurück. Meine Herzenskatze sträubt ihr Fell und wirkt bedrohlicher denn je. Sie ist vermutlich die einzige, die Butterblume nicht leiden kann. Ich möchte nicht, das meine besten Freunde streiten, also quieke ich dazwischen, bevor Butterblume etwas erwidern kann.
    »Hey! Froze hat einen Plan, ja. Erklärst du uns ihn genauer?«, frage
    ich sanft mit einem beruhigenden Pfotensenken und Sehe ihr tief in die Augen, die mich so sehr faszinieren.
    »Also, sie werden mich nicht töten«, meint sie und wirft mich kurz einen dankbaren Blick zu, den ich mit einem lockeren Pfeifen erwidere.
    Froze machte das Maul auf und begann zu erklären.
    »Wenn die Zweibeine kommen, um mich zu füttern, töte ich den ersten. Es wird nicht schwer sein, denn die Zweibeine vertrauen mir einigermaßen. Ich reiße ihn zu Boden und springe auf den zweiten. Es kommen meistens sowieso nur zwei. Nachdem der zweite tot ist, stoße ich die ganzen Chemikalien zu Boden. Ich habe bereits den Knopf erspäht, mit dem man alle Käfige öffnen kann. Wenn ich den Knopf gedrückt habe, flüchten wir. Evie kann das Fenster aufbrechen und Rosalie den kleinen hinaufhelfen.«
    Evie und Rosalie, die beiden Schimpansinnen, nicken eifrig und fangen fast an, zu schreien. Froze bringt die johlende Menge wieder zum schweigen und fährt mit einer gekonnten Kennermiene fort.
    »Wir dürfen nicht vergessen, sofort draußen in Deckung zu gehen...«
    Sie hat keine Gelegenheit, weiterzumiauen, denn ein gleißendes Licht blendet uns. Sofort ziehen sich alle zurück in die dunkelsten Ecken ihrer Käfige und drücken sich die Pfoten über die Augen. Ich aber nicht; ich bin an sehr helles Licht gewöhnt und trete näher an die Käfigstäbe. Die Menge der Tiere schweigt und ich versuche, einen guten Blick auf die Zweibein-Tür zu erhaschen.
    So früh schon!, schreit etwas in mir. Wie soll Froze sich jetzt daran machen, Zweibeine zu töten, wenn sie noch total unvorbereitet ist?
    Mein Magen zieht sich zusammen, als ich eine Bewegung entdecke. Aus der Hintertür kommen Unmengen von Zweibeinen. Und sie haben diese roten Spritzen in den Händen, die nur eins bedeuten: Tod. Sie werden die unnützeren von uns töten. Mit mir an der Spitze. Ich werde mich an das Gitter zu Froze und starre sie flehentlich an. Wenn sie jetzt nicht angreift, werden wir sterben. Viele von uns, wie es aussieht. Als Froze den Kopf hebt, sehe ich wie ihre Sicht sich verfinstert. Ich weiß es. Froze wird es tun.

    5
    Froze

    Die Zweibeine kommen auf mich zu. Fidalgos flehendem Blick im Rücken, wende ich mich Ihnen zu. Sie sind hässlich und kahl, zerlumpt und alt. Labor-Ratten, denke ich grimmig. Dieser Ausdruck würde am besten zu den Dummen Tieren vor mir passen.
    »Sieh einer an. Kampfkatze. Ist das nicht C-1-i 64?«
    Ein sehr hässliches Zweibein mit Busch um das Maul tretet vor und beugt sich zu mir. Ich sehe ihm geradewegs in die grausam ironisch funkelnden Augen und halte mich zurück, sie ihm einzeln aus dem Gesicht zu pulen. Stattdessen schnurre ich leise und verzweifelt. Ich muss hier raus, sonst werden viele von uns sterben. Bald.
    Ich schnurre lauter und reibe meinem Kopf gegen das Gitter. Dann schaue ich hoch und blinzle flehentlich. Das Zweibein lacht und dreht sich um.
    »Wir behalten C-1-i 64. Sie kann uns nicht gefährlich werden, das Schmusekätzchen. Ich dachte nach euren Berichten, das sie ein wildes Biest ist. Und was tut sie dann, die gute alte C-1-i 64? Sie schnurrt wie ein Schoßhündchen und reibt sich ans Gitter. Gebt ihr was zu Fressen«, befiehlt er dann an ein sehr junges Zweibein gewandt. Ich wittere meine Chance stärker denn je. Meine Krallen biegen sich in das verstärkte Metall und drücken die unzähligste Furche hinein.
    Der Junge kommt gleich zurück, mit einem kleinen Plättchen und in der anderen Hand einen großen Sack mit einer glücklichen Katze drauf. Ich beobachte jede seiner Bewegungen, bis er and Käfigtürchen tretet und mich unsicher anblickt. Ich merke, das er Angst vor mir hat.
    »Du brauchst heute nicht die volle Montur. Du siehst doch, sie ist zahm wie ein Kätzchen«, blafft das hässliche Zweibein barsch und funkelt den Jungen an. Er zittert, als er den Chip an die Käfigtür drückt und diese mit einem zarten ›Tglick‹ langsam aufgeht. Mein Herz pocht. Die Tiere schweigen und ich weiß, das ich es gleich tun werde. Ich und die Maschine werden wieder töten können.
    Im Moment, als er die Schüssel mit Futter befüllen will, katapultiere ich mich mit meinen Hinterbeinen aus dem Käfig. Der Junge schreit, das Futter fliegt zu Boden, der Junge auch, ich werde mich in einer sekunfe auf seine Brust, meine Krallen verankere ich in seinem Gesicht, ich reiße fest daran und spüre, wie die Haut sich in teilen herabschabt. Doch ich werfe keinen Blick zurück auf den erblindeten, schreienden Jungen und springe mit klopfendem Herzen auf den Labortisch.
    Die Zweibeine schreien. Schreien voller Angst, Wut und Hass auf ein Monster, das sie selbst erschaffen haben. Ich stehe da, dann verliere ich keine weitere Sekunde und reiße mit meinen blutverschmierten Krallen über den Tisch. Ampullen, Skalpelle und Gläschen fliegen zu Boden. Den Tisch habe ich mich einer frohen Verzierung meiner Krallenspuren versehen. Die Zweibeine Kreischen lauter, ich springe ab und lande dem hässlichen Zweibein mitten im Gesicht. Mit den Krallen ziehe ich ihn erneut eine über, dann weiß ich was zu tun ist; ich verwende die ›Kill‹-Option meines Monitors. Einen Moment später Schwellen meine Krallen an. Sie versinken wie von selbst im Fleisch des schreienden Zweibeins, ich reiße wieder fest daran und spüre, wie das Blut heftig aus den Wunden sickert. Er sackt in sich zusammen, winselnd und schniefend und vor Schmerz verzerrtem, verunstalteten Gesicht. Er sieht schrecklich gruselig aus, das Gesicht ist mit blutigen Fetzen versehen. Ich stehe kurz auf seiner Brust und genieße die Stille, die mein Triumph mit sich bringt. Einzig und allein das winseln der halbtoten verletzten lässt die bizarre Szene lebendig werden und vermittelt mir ein Gefühl von Macht. Die Tiere starren mich an, die Zweibeine ebenfalls. Sie sind alle schockiert. Ich dagegen bin glücklich, wieder mal meine Beine strecken zu dürfen und bewege mich dann rasch hin und her. Eine Bewegung des einzigen weiblichen Zweibeins lässt mich hochschauen. Die haltet den Elektro-Schocker bereit, doch ich grinse ihr wortwörtlich entgegen.
    »Hilfe!«, brüllt ein alter Sack und reißt rasch die Labortür aus, durch die er sich gleich verschanzt. Ich grinse breiter, die Schar winselt verzweifelt und das Weibchen umklammert den Schocker noch heftiger. Ich gebe ihr keine Zeit und schleudere mich geübt über ihren Kopf hinweg, hinauf an die Zimmerdecke. Ich versenke meine Krallen mit Leichtigkeit in dem Stoff und laufe kopfüber weiter. Die Zweibeine schreien entsetzt, ungläubig das ein Lebewesen so etwas machen kann. Mit weit aufgerissenen Augen starren sie mich an, bis einer die Fassung zurückgewinnt und nach mir schlägt. Ich weiche aus, doch da packt mich ein anderer am Schwanz und zerrt heftig daran. Dann sehe ich, wie das Weibchen mit dem Schocker auf mich deutet und ihn böse und vor Wut zuckend nach mir schlägt. Ein zischen des Schockers bringt mich dazu, fast die Fassung zu verlieren. Ich muss sie alle töten, obwohl ich es zuerst nicht wollte. Da trifft mich der Schock und ich erstarre. Meine Vitalfunktionen wollen aufgeben, doch ich zwinge mich an ›Heal‹ zu denken, das mich heilen würde. Schon kribbelt es in mir und Leben sickert in meine tauben Gliedmaßen. Erleichtert hänge ich noch einen Moment da, bis ich spüre, das etwas meinen Rücken aufschlitzt. Es tut unmenschlich weh und ich schreie laut auf. Ich spüre, wie das Blut aus der langen Wunde sickert.
    tDa entdecke ich den dicken roten Freilass-Knopf. Ich habe eine Idee und lasse meinen Körper erschlaffen. Der Griff um meinen Schwanz wird lockerer und die Zweibeine johlen hysterisch. Ich hänge da wie eine Fledermaus, bin die Zweibeine sich in falscher Sicherheit suhlen. Ich katapultiere mich wie eine Bombe mitten auf dem Kopf eines Zweibeins, schlitze ihm mühelos die Kopfhaut auf und unter seinem panischen Schmerzensgeheul springe ich weiter, von Kopf zu Kopf und verpasse Ihnen allen schreckliche Wunden. Das knirschen ihres Schädels, das bei manchen ertönt, wenn ich bis zu ihrem Schädelknochen vordringe, ignoriere ich. Dann werfe ich mich mühelos hoch, meine Pfote erwischt den Knopf und färbt die Wand herum in einen ekelhaften, eitergelb-roten Farbton.
    Vor Erleichterung breche ich fast zusammen. Die meisten Zweibeine sind fast tot und liegen am Boden, die restlichen flüchten durch die Hintertür. Die Käfigtüren öffnen sich, ein Jubelgeschrei ertönt. Ich will, das sie schnell gehen, denn meine Kräfte verlasen mich langsam. Die Tiere rasen aus ihren Käfigen und toben durch das Labor. Meine Augenlider flattern und ich fühle, wie die Stärke aus mir weicht. Ist der Preis für die Freiheit der Tiere mein Leben hoch?

    6
    Ian

    Ich sehe gerade noch, wie Froze zu Boden sinkt und Blut aus ihrem Rücken träufelt. Sie hat die Augen geschlossen und keucht rasch. In mir steigt leichte Gereiztheit hoch, denn ich weiß genau das sich Froze rasch heilen kann. Aber hey- wer täuscht nicht mal Schwäche vor, um bemitleidet zu werden?
    Die Tiere um mich herum sind viel zu beschäftigt mit dem Verwüsten des verhassten Laboratoriums, um zu merken, das ihre Heldin, Froze, blutend und zitternd am Boden liegt. Ich rolle kurz mit den Augen, bevor ich über zwei tänzelnde Schweinchen springe, die aufgeregt hin und her tollen. Meine Pfoten trommeln zum ersten Mal seit langem über natürlichen Boden und ich genieße es, denn meine Muskeln sind schon verkümmert von der schrecklich verminderten Bewegung. Ich dehne meine Muskeln und spüre, wie sie förmlich schreien vor Begeisterung und Glückseligkeit. Kaum zu glauben, aber früher war ich ein fettes Kätzchen gewesen das Bewegung hasste wie den Tod.
    Mit ein paar langen Sätzen und genüsslicher Miene war ich endlich bei Froze angelangt, die wie ein ausgerollter Nudelteig am Boden liegt. Ich schniefe kurz, hebe dann eine Pfote, fahre eine kleine Kralle aus und pikse Froze heftig in die Schulter. Das alte Weh-Weh-Maunzerchen reiśt die Augen auf und miaut laut und fluchend auf.
    »Zum stinkenden Himmel! Ian! Was tust du da?«, fragt sie mich empört und leckt sich sofort über ihre Schulter. Ich grinse und langsam beruhigt sich Froze wieder.
    »Du sahst ziemlich.... fast tot aus.«
    Froze hebt eine schöne Augenbraue. Wieder eine Sache, die ihr die Menschen verliehen haben. Sie hat stark betonte, dunkle Augenbrauen die einen großen Kontrast zu ihrem schneeweißen Pelz bilden. Sie ist trotzdem wunderschön.
    »Pha, du wärst auch tot wenn du eine halbe Horde Zweibeine getötet hättest«, zwitschert sie belustigt und ich sehe, wie sie sich heilt. Sie murmelt gerade das Codewort und gleich darauf verschwindet die Wunde an ihrem Rücken mit einer sanften Bewegung. Ich räuspere mich vernehmlich und werfe ihr einen unglücklichen Blick zu. Ich mag es nicht, wie Froze über Menschen redet. Sie nennt die Menschen ›Zweibeine‹. Ich halte nicht viel über diese Art, über Menschen zu sprechen.
    »Wir können gehen«, keucht sie und springt auf. Froze's Pfoten Zucken und ich freue mich, das sie sich ebenso auf unsere Zukunft freut wie ich. In diesem Moment übermannt mich wieder die Zuneigung und die Hoffnung, das Froze bei mir bleibt und meine Partnerin wird. Ich male mir ein paar Momente lang aus, wie es wäre, mit ihr zusammen zu sein und an ihrer Seite zu jagen und zu kämpfen. Und wenn es Zeit wäre, würden wir gemeinsam unsere Jungen hochziehen. Aber ich vertreibe den Gedanken wie eine lästige Fliege. Es ist noch zu früh, an Junge zu denken.

    In dem Moment, als ich und Froze Seite an Seite mit Fidalgo am Rücken aus dem zerbrochenen Fenster springen, verändert sich unsere Welt. Das Grün um uns herum ist stechend wunderschön und der Himmel blenden hellblau. Das Gras unter unseren verhärteten Pfoten knickt ein und ich rieche den Duft von verführerischem Gras, Borke, Blättern, Wasser und Natur. Es ist die pure Wonne, als ich und Froze mit einem kindlichen Lachen auf den Lippen über die Wiese rennen. Wir verlieren fast Fidalgo, der gleich von meinem Rücken springt und die Nase in das Gras steckt, tief einatmet und vor Wonne nur so lächelt. Alle Tiere schreien und freuen sich unglaublich. Es ist unsere Freiheit. Wir sind draußen, doch wir müssen uns beeilen. Wenn die Menschen zurückkommen, müssen wir bereits verschwunden sein. Viola, Hope, Butterblume, Fila und Evie Grinsen und tanzen durch die Gegend. Rosalie und Peanut Wagen sogar ein kleines Tänzchen. Semmel, der Hundewelpe, rennt wie ein Hase über das Gras und macht einen Purzelbaum. Ich Strecke meine steifen Glieder und renne los. Der Wind saust mir um die Ohren und mein Herz pocht schnell. Ich nehme auf einen Baum zu, renne immer schneller und mit einem halsbrecherischen Sprung lande ich zwischen den Zweigen. Während ich das Aroma der Blätter und das Gefühl der rauen Borke unter meinen Krallen genieße, folgt Froze mir ebenfalls. Ich merke nicht, wie sie hochkommt, doch der glückselige Ausdruck in ihrem Gesicht bringt mich noch mehr zum schnurren. Freiheit! Oh Himmel, wie lang habe ich schon nicht mehr auf Bäumen gesessen.
    Das zwitschern der Vögel ist wie eine Musik in meinen Ohren und das sanfte Plätschern des schmutzigen Wassers klingt wie sanftes Wasserplärren, ähnlich dem unseres uralten Wasserfalls in meinem alten zuhause. Ich bin glücklich.

    In diesem Moment beuge ich mich beglückt zu Froze hinüber und schlinge mich um sie. Unsere Körper umschlingen einander perfekt, meine Schnauze gleitet in ihre Halsbeuge und ich atme ihren süßen Duft ein. Wir verharren in dieser Position. Ihr Herz pocht knapp über meines, meine Zuneigung zu ihr kann ich in diesem Moment nicht in Worte fassen.
    »Ich liebe dich, meine Süße«, hauche ich ihr ins Ohr. Sie erstarrt. Mein Herz setzt aus und ich rapple mich sofort zurück. Der Ausdruck in diesen eisblauen Augen wird kalt wie Eis.
    »Ian...«, murrt sie und legt die Ohren an, bevor sie steifbeinig und offenbar sich schämend aufsteht.
    »Bitte, Ian. Es ist- es ist noch zu früh. Ian ich liebe dich auch, aber reicht es? Nein, es reicht nicht. Es tut mir leid. Lass uns Zeit.«
    Sie meint es ernst. Ich fühle, wie mein zerbrechliches Katerherz zersplittert. Ich betrachte meine Pfoten und schluckte schwer. Was ist denn so schlimm daran, das ich dich gern habe?, will ich ihr entgegen schreien, doch ich neige nur den Kopf und spüre, wie die Brösel meines Herzens einen kleinen Hoffnungskreis bilden.
    Die Hoffnung stirbt zuletzt, denke ich voller Gram und sehe Froze mit einem hoffentlich unerträglichen Blick an.
    »Ich werde warten«, sage ich leise.

    7
    Froze

    Die Wärme scheint auf mein Fell und ich fühle mich wahrhaft beglückt.
    Mir tut es ehrlich leid um Ian, aber ich bin gerade mit meiner neuerwonnenen Freiheit mehr als nur beschäftigt. Doch während ich mich genüsslich im Gras rolle, das ich seit Jahren nicht mehr gespürt habe, packen mich meine alten, paranoiden Ängste. Ich springe mit einem wehmütigen Blick auf und jaule laut auf.
    Die Tiere um mich herum sehen zum ersten Mal glücklich aus. Schweigen tretet fast augenblicklich ein, als ich gejault habe. Die Schimpansinnen sehen mich betreten an, Welpe Semmel knufft Ziehmutter Viola zärtlich ins flauschige Bein. Kater Ian torkelt wie ein Betrunkener Opa heran und verzieht mit einem müden Ausdruck im Gesicht die Schnauze. Ich sehe die Namenlose, die humpelnd zu mir kommt und ich sehe sie feierlich an.
    »Wir finden etwas gegen deinen Keuchhusten«, murmle ich ihr ins Ohr und weise ihr, neben mir Platz zu nehmen. Auch wenn ich sie erst jetzt richtig ansehen kann, spüre ich eine alte Freundschaft zwischen uns. Kann es sein, das ich die Namenlose vor meiner Zeit hier im Labor als Kätzchen gekannt habe? Die silberne verzieht die Schnauze zu einem dankbaren Lächeln und sie lässt sich neben mir nieder.
    »Hört ihr mich alle?«, rufe ich dann, alle Tiere reihen sich ausnahmslos vor mir in Halbkreisform auf und sehen mich erwartungsvoll an. Sie alle wollen hören, was ihre Anführerin zu sagen hat. Ich bin trotzdem etwas angenehm überrascht.
    Murmeln steigt hoch und Evie ruft: »Ja, Froze!«
    Ich neige den Kopf und beginne zu sprechen. Ich erläuterte ihnen, das wir -egal wie wunderbar dieser Ort auch sein mal- weiterziehen müssen. Die Zweibeine finden uns hier locker, wenn sie zurückkommen, und ich vermute das sie es bald tun würden - und zwar mit Verstärkung im Rücken.
    Einige sehen sich unsicher an, andere nicken tatfreudig und ich schnurre.
    »Es ist Zeit, das wir uns alle kennenlernen. Richtig. Ihr alle kennt mich, aber ich kenne viele von euch noch nicht. Angefangen mit Dir«, ich wende meinen Kopf der leicht hustenden Namenlosen zu, die den Kopf ehrfürchtig und mit einem kaum merklichen Lächeln denkt.
    »Wie heißt du?«
    »Ich habe keinen Namen«, röchelt die Namenlose und hebt wieder den Kopf. Ich sehe zum ersten Mal ihre Augen, die so hell und klar sind wie der Himmel über uns.
    »Dann verleihe ich dir Namen, in der Hoffnung er möge Dir in den kommenden Zeiten Stärke und Zuversicht verliehen. Die Namenlose lächelt selig und ich spüre, wie alle an meinen Lippen hängen.
    »Von diesem Moment an mögest du Hope heißen, in dem Wissen, das die Hoffnung immer weiterlebt.«
    Das jubeln der Tiere, das auf meine hoheitsvollen Worte folgt, ist unbeschreiblich.
    »Hope! Hope!«, brüllen einige.
    »Die Hoffnung stirbt zuletzt«, bestätigt Ian und er lebt langsam wieder auf, was mich etwas erleichtert, deswegen schnurre ich ihn zu, doch er ist offenbar nicht bereit es zu erwidern. Ich sehe wieder zu Hope, die in einer bescheidenen Geste den Blick zu Boden senkt und dann anfängt, zu Husten. Plötzlich höre ich ein Rascheln und ich Wirble herum, die Büsche hinter mir wackeln und ich spanne meine Muskeln an. Mein Beschützerinstinkt meldet sich und ich murmle: »Better Sight forward«
    Sofort wird meine Sicht klar und ich kann jeden Grashalm, jeden Zweig und jeden Käfer besser wahrnehmen. Ein schlanker Kater schiebt sich durch die Zweige und ich zucke zusammen. Er sieht ein wenig zerlumpt aus, sein rotes Fell ist struppig und seine gelben Augen strahlten uns trotzdem freundlich an.
    »Hallo, ich bin Fæ. Ich habe mich schon länger hier rumgetrieben. Eine Katze meinte ich könnte hier meinen Bruder finden.«
    Fæ starrt uns an und will fauchen, da ertönt Ians dünne Stimme.
    »Fæ? Fæ, es tut uns schrecklich leid, aber er ist weg. Esch und Lio sind tot.«
    Für einen Moment bin ich fassungslos. Woher kennt Ian den fremden Kater? Fæ starrt Ian fassungslos und voller Schmerz in den gelben Augen an. Der freundliche Ausdruck ist wie weggewischt und mir wird klar, das Ian ihn vielleicht von vor seiner Zeit im Labor kennen musste.
    »Woher weißt du das?«, jault Fæ auf und die geflohenen Tiere aus dem Labor rücken näher zusammen. Ich spüre ihre Unruhe.
    »Ich weiß es, Fæ. Ich weiß es- weil ich dein Bruder bin.«

    8
    Ian

    Mein Herz schlägt schneller, als ich meinem Bruder in die Augen starre. Ungläubiger Hass und Schmerz Funkeln in seinen Augen.
    »Ich habe außer Lio keine Brüder, nur eine Schwester, Esch. Du lügst.«
    Mich treffen seine Worte hart und ignoriere den drohenden Unterton in seiner Stimme. Mit ein paar Pfotenschritten bin ich bei ihm angelangt und schaue ihm in die gelben Augen, die den meines toten Bruders Lio so sehr ähneln.
    »Du siehst genauso aus wie Lio«, hauchte ich und hoffe, überzeugend genug zu klingen. Mein Bruder will mir nicht glauben, ich höre seinen schmerzhaft abgehackten Atem und sehe seine ungläubige Miene. Es ist wie ein Stich ins Herz, das mich Fæ nicht erkennt.
    »Ian ist mein Bruder«, faucht er dann und offenbar hat er seine Courage wiedergewonnen.
    »Ich bin Ian«, miaute ich verzweifelt und vergesse alles um mich herum.
    »Ian ist tot«, spuckt er mir ins Gesicht. Dann wirbelt Fæ mit hochgerecktem Schwanz und arroganter Miene verächtlich herum. Ich sehe, wie er langsam zu den Katzen trottet. In seinen Augen sehe ich immer noch den Schmerz, doch ich will das sich Fæ an unsere gemeinsame Zeit erinnert. Schmerzlich krame ich nach Erinnerungen, die stark genug wären um Fæ zu überzeugen, das ich sein Bruder bin. Endlich finde ich eine, die mein Leben wahrscheinlich geprägt hat.
    »Fæ! Weißt du noch, wie Papsi Tapsi gestorben ist?«
    Er wirbelt mit weit aufgerissenen Augen herum und bleckt die Zähne.
    »Du hast kein Recht Pa so zu nennen«, zischt Fæ, kommt mir erschreckend nah und stößt mir die Schnauze ins Gesicht. Ich weiche nicht vom Fleck und starre ihn beschwörend an. Er muss sich einfach an Papsi Tapsi erinnern.
    »Er ist... er ist an einem schönen Wintertag gestorben. Ich, du, Esch, Lio und Ma waren im Bau, als wir ein lautes raschen hörten. Als Esch neugierig aus dem Bau spähte, sah sie- sah sie Pa, wie er, ein blutiger Haufen Fleisch und Knochen... auf der Straße lag. Ein Auto hatte ihn erwischt. Seine Blutspuren hatte das Auto noch meilenweit voran verteilt.«
    Ich zucke bei jedem Wort zusammen. Ich bin erst zwei Jahre auf der Welt und der Schmerz wegen Papsi Tapsi's Tod sticht mir wie ein Dorn ins in Stücke zersplittertes Herz.
    »Fæ, ich kann Dir noch mehr erzählen«, flehe ich und sehe, wie sein Gesicht sich vor Schmerz und Angst verzieht. Er muss mir glauben!
    »Bitte! Fæ, da waren wir zwei und haben unseren ersten Fuchs gejagt... als Ma dich gerufen hat, ist der Fuchs weggerannt. Du bist in Fuchssprache benannt worden, und dein Name bedeutet...«
    »Berüchtigter Fuchsmörder in der Nähe«, haucht Fæ und sein Gesicht entspannt sich zum ersten Mal. Tränen kullern über sein schönes, meinem so ähnlichen Gesicht.
    Ich spüre, wie sich Froze's Blick in mich brennt. Sie ist wohl neugierig, wieso ich ihr nie von meinen Geschwistern erzählt habe, doch in diesem Moment zählt für mich nur die Nähe meines letzten Bruders.
    »Was ist mit Peach passiert?«, frage ich dann und hoffe, das sie ebenfalls aus dem Gebüsch stolziert kommt, mit einem Witz auf den Lippen und sich schnurrend an mich drückt. Doch Fæ's Blick wird zunehmend finstererer und ich beginne, die Hoffnung zu verlieren.
    »Was ist aus meinem Wurf geworden?«, frage ich entgeistert, bis ich eine erneute Bewegung wahrnehme.
    Viele Katzen strömen aus dem Gebüsch, vorneweg eine hübsche, schlanke, braun-weiße Kätzin, die sofort schützend an Fæ's Seite gleitet.
    »'n Problem mit Fæ?«, fährt sie mich an. Ich bin kurz beunruhigt, dann schnurre ich gönnerhaft. Offenbar hat Fæ eine Gefährtin, eine Partnerin gefunden, doch mein Bruder sieht betrübt aus. Er kommt näher zu mir und schnüffelt zärtlich an meiner dichten Halskrause.
    »Du siehst aus wie Pa, und du ähnelst Lio und Peach«, haucht er und mit geschlossenen Augen schnüffelt er an meinem Pelz. Ich schnurre und lecke ihn zwischen den Ohren, freue mich dass er mich akzeptiert.
    »Und du könntest eine genaue Ausgabe von Ma oder Esch sein«, schnurre ich ihm zu. Es stimmt tatsächlich; das glatte Fell unserer Mutter hatten wir nur an Esch und an Fæ gefunden, während ich, Lio und Peach den wuscheligen Maine-Coon-Pelz unseres Vaters geerbt hatten. Unsere Eltern hatten beide rötliches Fell gehabt, meine Mutter eher mit einem orangelichen und mein Vater einen feuerroten Unterton. Ich gleiche meinem Vater so sehr, das mich nach Pa's Tod einige mit Pa verwechselt hatten. Sogar meine Augen sind wie seine; eines von einem satten grün, das andere mit einem Sprenkel gelb darin. Und unsere Ohren ebenfalls; wir hatten beide die großen, breiten Ohren mit dem wuscheligen Pelz und den auffallenden Pinseln an den Ohren.
    Fæ ist schlank gebaut wie unsere Mutter, obwohl ich zugeben muss, dass er zurzeit schrecklich aussieht. Seine mageren Schultern stechen spitz unter dem Fell hervor und ich kann seine Rippen zählen. Trotzdem scheint es wenige Momente so, als wäre die Welt in Ordnung. Dann meldet sich Froze mit einem verärgerten Schwanzschnippen zu Wort.
    »Wollen wir jetzt einen Haufen Pelzscheißer aufnehmen, mit Dir an der Spitze, Kätzin?«, sie stößt ihre Schnauze in das Gesicht der schlanken braun-weißen und ich sehe, wie diese zusammenzuckt, als sie in Froze's Funken sprühende Augen sieht. Ich habe ein Gespür für das kommende: das gibt einen Zickenkrieg. Die beiden können sich offenbar nicht leiden. Die braun-weiße Waldkatze starrt Froze bitter an. Die Furcht in ihren natürlichen gelben Augen ist nicht zu übersehen, als sie Froze's ausgefahrene Killer-Krallen sieht. Ich würde mich selbst fürchten, wenn ich das erste mal ihre messerscharfen, mörderischen Klauen sehen täte.
    »Wie bitte«, zischt eine stämmige schwarz-weiße Waldkätzin mit vor Wut geschürzten Lippen. Sie scheint offenbar keine Angst vor Froze's Krallen und gebleckten Zähnen zu haben, was mir eine winzige Furchtfontäne einjagt. Wenn sich die Wildkatze nicht vor den mörderischen Kampfwaffen meiner Partnerin fürchtet, wie soll sie dann jemals Angst haben von uns gewöhnlichen Katzen? Die stämmige Wildkatze lässt ihre Muskeln spielen und die Drohung in ihren gelben Augen ist unmissverständlich.
    Froze schürzt ebenfalls die Lippen. Sie bäumt sich auf und beginnt, mit aufgesperrtem Maul auf die Kätzin zu zu stolzieren.
    »Ich meinte euch jämmerlichen Haufen Pelz-«
    Die schwarz-weiße lässt Froze nicht aussprechen. Mit weit aufgerissenen Augen und offenem Maul starre ich an, wie sich die Waldkatze mit einem fürchterlich verärgertem Schrei auf meine Freundin wirft. Die Kätzin drückt Froze mühelos zu Boden, doch diese entwindet sich mit einer fließenden Bewegung, die die einer Schlange gleicht, unter ihrem Bauch hervor. Froze ist offenbar genauso erschüttert wie ich, das die Waldkatze so unverschämt ist.
    Die braune Kätzin und mein Bruder starren ebenfalls beide entgeistert zu der Wildkatze. Es ist erbärmlich, wie Froze gleich darauf mit einer heftigen Bewegung das Gesicht der Unverschämten aufschlitzt. Die Kätzin schreit entsetzt und torkelt voller Angst zurück. Ich starre sie mit einem Würgereiz im Maul an. Denn das Gesicht der Wildkatze ist aufgeschlitzt und verunstaltet.

    9
    Froze

    Meine Wut schlägt in Hass und Gewalt durch. Meine Krallen gleiten mühelos in das Fleisch dieser dummen Katze und ich spüre mit einen perversen Genuss, als das warme Blut in meine Pfoten sickert und ich die Katze loslasse.
    Ihr Schrei klingt mir noch in den Ohren, als ich zurückweiche und mit einem verärgerten Blick beobachte, wie sie winselnd zu Boden sinkt. Das Schweigen meiner Kameraden trifft mich hart, immerhin hatte ich Jubel oder Freude erwartet. Stattdessen starrt mich jeder mit Angst in den Augen an und als ich Ian's Blick begegne, schrecke ich zurück. In seinem Gesicht zeichnen sich Übelkeit und Schwindel ab, als er zurücktaumelt. Ich bin betroffen und senke den Kopf, ohne wirklich zu wissen das das Gesicht meines Gegenübers wohl für immer verstümmelt sein muss.
    »Du blödes Biest!«, brüllt die braun-weiße Kätzin mit dem nun nicht mehr arroganten, sondern schockiertem Blick. Ich weiche zurück.
    »Das hast du mit deinem Pelzscheißer-Witz erreicht! Ginny!«
    Sie stürmt zu der Verletzten Katze, die hemmungslos schluchzend vor meinem Pfoten liegt. Ich weiche noch mehr zurück, um ihren verbrennenden Blick nicht zu begegnen. Mir fehlen die Worte und ich hebe ganz leicht die Augen. Mein Blick fällt auf Ginny, die verletzte Katze. Ihr halbes Gesicht ist aufgeschlitzt, direkt durch das Auge. Ein Winseln steigt mein Kehle empor.
    »Du bist so ein Viech! Ekelhaft! Egal für wie toll du dich hältst, du bist immer noch eine verdammte Fellkugel... eine ekelhafte Mörderin!«
    Neben mir bewegt sich etwas, doch ich wage nicht hoch zu sehen. Meine Kehle wird eng und mir entweicht ein Schluchzen. Ich hätte Ginny nicht so weh tun dürfen. Aber mein Instinkt hat mich wieder Mal übermannt und ich habe die Waldkatze auf einem Auge erblindet.
    Hope, meine kranke Freundin, stellt sich neben mich und faucht. Ihre Stimme hat sich lang nicht mehr so kräftig und stark angehört. Ich bin ein klitzekleines bisschen stolz auf sie, das sie all ihren Mut zusammenrafft und für mich eintretet.
    »Was willst du, Hustelinchen?«, faucht die braune Kätzin voller Hass und drückt sich an Ginny. In mir wird die Wut größer. Ich spüre förmlich, wie sich das Wort ›WUT‹ in meinem Bauch zusammenballt und meine Sicht vernebelt. Dann, gerade als die Kätzin kurz davor ist, sich auf uns zu werfen, wird mein Bildschirm schwarz und ich kippe um.

    Mein Atem ist regelmäßig und mein Herz pocht angenehm. Die sanfte Brise kitzelt mein Ohrhaare und ich schnaubte leicht. Ein Grashalm steht in mein Nasenloch. Mit einem Grunzen reiße ich die Augen auf und sehe die Dunkelheit um mich herum wie einen Teppich aus Schwärze mit winzigen kleinen gelblich weißen Fünkchen darauf. Sterne und der Nachthimmel. Schlagartig rapple ich mich auf und sehe, das ich in einem offenen Bau liege, warmes Moos streicht um meinen Rücken. Mein Herz setzt aus und ich erinnere mich mit einem keuchen an die vergangenen Stunden. Ja, es muss Stunden her sein, denn vorher sah man noch die Sonne am hellblauen Himmel und jetzt ist der Himmel kohlrabenschwarz mit kleinen Fünkchen. Die Panik in mir wird heftiger; bin ich hier eine Gefangene?
    Ich taumle über die Lichtung aus dem Nest und stolpere fast, in Erinnerungen an meinen plötzlichen Blackout versunken. Da stürzt mich etwas kaum merklich und ich sehe Hope und Ian an meine Seiten gleiten. Ich würde am liebsten losschreien, doch Ian legt seinen buschigen Schwanz über mein Maul. Verwirrt blicke ich ihn an.
    Was ist hier bloß los? Wo ist Fidalgo?
    »Pssch«, zischt er leise und streichelt meine Wange.
    »Du hattest einen Aussetzer, aber da Fæ der Anführer seiner Gruppe ist hat er fair reagiert und Dir verziehen. Wir haben uns im Lager der Waldkatzen niederlassen dürfen.«
    Ich sinke müde an Ian's Schulter und mein Kopf brummt. Ich bereue es, der schwarz-weißen Wildkatze das Gesicht zerfetzt zu haben, aber ein winziger Teil von mir findet, das Ginny das verdient hat. Immerhin habe ich mich nur verteidigt und Notwehr kann jeder verstehen.
    »Schon in Ordnung«, keucht Hope neben mir. Ihre rasselnde Stimme erschreckt mich und ich drücke ihr die Nase in die Wange.
    »Hope?«, hauche ich leise und wünsche mich zurück in das warme Nest. Mein Herz pocht schmerzhaft und in mir steigt Angst auf, dass die Katzen im Waldlager mich alle hassen würden.
    »Schon in Ordnung«, wiederholt meine Freundin mit dem silbernen Fell keuchend und stützt mich, bis ich sie mit einem Schulterzucken leicht abschüttle. »Ich kann schon alleine gehen«, dränge ich sie mit einem leichten Zucken meiner Ohren und Hope neigt den Kopf vor mir, ihre gelben Augen blinken zuversichtlich.
    »Sind die ganzen Geflohenen hier?«, frage ich an Ian gewandt und blinzle dem roten Maine-Coon Kater neugierig zu. Ich hoffe sehnlichst, das jeder meiner Labor-Kumpanen mit mir mitgekommen sind und sträube vor Aufregung das Fell. Dann sehe ich mich auf der Lichtung um und verstehe, weshalb die Waldkatzen sich diesen Ort ausgesucht haben; der Boden ist weich und fest zugleich und die Bäume schützen vor Regen, Wind, Schnee und zu starker Sonne. Sie spenden feuchte Luft und halten den Regen und die Hitze fern. Die Baue bewohnen die Waldkatzen offenbar schon länger, denn die Äste sind hübsch in die Wände eingeflochten und die Zweige weisen wettergegerbte Spuren auf. Ich bin in diesem Moment eifersüchtig auf die Katzen des Waldes, die so glücklich hier zu sein scheinen. Leises schnarchen und grunzen ertönt aus einem Bau neben mir und ich zucke zusammen.
    Was, wenn die Katzen uns davonjagen, sobald wir uns zu sehr auf sie verlassen?
    Meine alten, wie üblich paranoiden Ängste steigen in mir auf. Vielleicht ist meine Paranoia ein Teil des Experiments, doch ich verdränge die Gedanken mit Leichtigkeit, da sich Ian bald wieder mir zuwendet.
    »Es sind fast alle mitgekommen. Die Papageienzwillinge, Rosalie und Semmel sind sofort weggelaufen. Ich fürchte, sie werden bald wieder bei dem Menschen landen, da sie sich einen Unterschlupf in der Nähe des Labors eingerichtet haben. Wir sind hier im Herzen des Waldes, hier findet uns keiner. Fæ hat versprochen, uns bei sich aufzunehmen, jedoch protestieren einige der Waldkatzen dagegen und wollen nicht, das du...«
    Der Blick, den Ian und Hope wechseln, entgeht mir nicht. Ich weiß, das das Ende des Satzes ›bei uns bleibst‹ lautet, doch da ich den Hass und die Verachtung von anderen Geschöpfen gewohnt bin, berührt es mich nicht besonders.
    »Mein Blackout«, sage ich ohne die Blicke von Hope und Ian zu beachten.
    »Was ist währenddessen passiert?«

    10
    Ian

    Ich sperre das Maul auf und beginne, Froze über das Geschehene zu berichten.
    »Sofort eilten zwei Waldkatzen her, Porzellan und Gizmo, und untersuchten dich. Sie wussten das dein Anfall von längerer Dauer sein würde und so beschlossen wir, das wir dich mit ins Lager nehmen. Ein Laborkater, John Fitzgerald Kennedy und der Waldkater Gizmo schleppten dich den unendlich lang erscheinenden Weg zum Waldlager hin. Porzellan hat die ganze Zeit rumgejammert, sie ist die Heilerin des Lagers also müssen wir ihr Respekt erweisen, auch wenn sie eine Heulsuse ist.«
    Ich hole tief Luft beobachte die Kätzin, die mich gestern so gefühllos abgewiesen hatte. Das sie seit mehr als 24 Stunden einen Aussetzer gehabt hatte verschwieg ich ihr zunächst, doch Froze's Freundin, die silberne Kätzin Hope, miaut ziemlich taktlos dazwischen: »Seit gestern zu Sonnenschein warst du weggetreten.«
    Froze starrt mich anklagend an und ich hebe entkräftet die Schultern. Da ich mich nicht mit Hope abgesprochen habe, sie zu schonen, kann ich nicht einmal böse auf die silberne Streunerin sein. Wie ich mit einem verlegenen Gedanken bemerke, habe ich mich in den letzten eineinhalb Tagen wenig um die weggeknickte Froze geschert sondern eher mit meinem letzten Bruder über seine Gruppe, meine Gruppe, die Tests im Labor und unsere Familie geredet. Ich weiß jetzt, das Ma und Pa vor einem Jahr noch gelebt haben, also tun sie es wahrscheinlich immer noch. Das letzte mal hat Fæ von Ihnen gehört, als er nicht einmal sechs Monate alt gewesen war und von zuhause weggelaufen war, um Lio, Esch und mich zu finden, die nicht mehr nach Hause gekommen waren. Seitdem lebte Fæ für sich alleine und nachdem er von einigen Katzen über die Tierversuchsanstalt und über drei neu eingetroffene Kätzchen mit den Namen Ian, Esch und Lio erfahren hatte, hatte er sich hier in der Gegend niedergelassen und Katzen zusammengesammelt, die verloren oder ängstlich umherirrten. Porzellan, die schlanke hübsche Streuner-Waldkatze entfloh vor einem halben Jahr der Station, als man sie an einem Strick Probelaufen führte. Tatsächlich kann ich mich noch an die behandelte Katze erinnern, die unnatürlich schön geworden war mit glattem, fast schon glitschigen Fell und den grazilen langen Beinen. Mit Porzellan habe ich auch geredet und erkannt, was für eine wundervolle Katze sie ist. Porzellan ist hübsch und taktvoll und sie erinnert mich ein wenig an meine Schwester Esch, ich könnte mir tatsächlich vorstellen, sie zu lieben. Trotzdem berührt sie weder mein Inneres noch meine Gefühle so sehr wie Froze. Aber ich schüttle die Gedanken alle ab wie eine Decke aus Laub und sehe meine Freunde wieder klar und aufmerksam an.
    »Wie reizend«, bemerkt Froze trocken und sieht leicht beleidigt weg. Ich kann sie ehrlich gesagt verstehen, doch bewahre ich Distanz, anstatt meine Nase in ihrer Halskrause zu verstecken und mich überschwänglich zu entschuldigen. Sie wird trotzdem immer in meinem Herz bleiben, doch ist es nicht Zeit für mich, mich auf neue Pfade zu begeben? In diesem Moment fasse ich einen Entschluss; ich habe lange genug auf Froze's Herz gewartet. Ich werde mit Porzellan mehr Zeit verbringen, damit ich auch die Chance habe, die wahre Liebe zu finden.
    »Es tut mir leid«, murmelt Hope betreten und neigt den Kopf. Ihre Augen sprühen nervöse Funken und bedenken mich mit einem verärgerten Blick. Ich Schlucke und miaue: »Wie geht es jetzt weiter?«
    Es folgt stille auf meine Worte. Hope und Froze sehen sich unsicher an. Ich wünsche mir eine Antwort auf die Frage und sehe weg, doch Froze kommt mit einer Gegenfrage um die Ecke.
    »Was treibt ihr euch beide mitten in der Nacht herum? Solltet ihr nicht schlafen?«, fragt die Killerkatze mit einem sehr finsteren Blick in meine und Hope's Richtung. Ich und die silberne Kätzin sehen einander an. Was Hope gemacht hat, weiß ich nicht, aber ich jedenfalls habe Wache gehalten.
    »Wache«, miaue ich rundheraus und gähne. »Aber da es dir bestens geht, kann ich ja schlafen gehen.«
    Schnippisch drehe ich mich um und stolziere los. Froze's fragender Blick brennt sich in meinen Rücken, doch ich sehe kein einziges mal zurück, sondern gehe sofort in den Bau, den ich mir kurzzeitig mit Porzellan teilen darf.

    Die Kätzin mit dem warmen Geruch empfängt mich gleich. Der Duft in ihrem Bau ist überwältigend und benebelt teilweise meine Sinne. Ich gähne und werfe ihr einen resignierten Blick zu.
    »Hallo, Ian. Ich habe dich aus dem Bau schlüpfen gehört.«
    Ihre warme Stimme lässt mich weich werden und ich sehe ihr tief in die Augen.
    »Ich spüre das es dir nicht gut geht«, miaut sie dann besorgt und rückt in ihrem Nest weiter zur Seite, um mir Platz zu machen. Recht überrascht kuschle ich mich neben sie, da ich mir letzte Nacht ein eigenes kleines Nest hergerichtet habe. Mit einer Hinterpfote verpasse ich dem kleinen Häufchen einen Tritt und das dreckige Moos und die trockenen Farne zerfallen mit einem Rascheln und verteilen sich am Lehmboden. Es ist zum ersten Mal, das ich in einem Nest mit einer anderen Katze schlafe, und das seit mehr als einem Jahr. Ihr war keine vier Monate alt als die Menschen mich zum Labor brachten. Ich genieße den Atem von Porzellan, die nicht weiter auf mich eindrängt und sich wohlig warm an meinen Rücken kuschelt. Sie legt eine ihrer Vorderpfoten um meine Schultern und drückt ihre Schnauze in mein dichtes Nackenfell. Ihren langen, grazilen Schweif schlingt sie um meine Hinterbeine und knetet sanft schnurrend meine Schultern mit den zarten Pfötchen. Ich weiß, das ich sie vielleicht ausnutze und bei ihr Schutz suche, um mein von Froze gebrochenes Herz zu heilen, doch im Moment genügt mir das.

    Das Gezwitscher der Vögel ist wie Musik. Das warme Sonnenlicht dringt durch meine geschlossenen Augen, doch es ganz anders wie das eiskalte Laborlicht. Ich suhle mich in dem Wärme des Atems meiner neuen Freundin und dem Herzschlag, der mir mittlerweile vertraut ist. Meine Schnurrhaare zucken und ich spüre durch meine bepinselten Ohren den Wind, der trotzdem warm ist und eher einer Brise gleicht. Es ist angenehm, wie der Wind meine Ohren kitzelt und das Gebüsch über und graue und gelbe Blattschatten auf unsere Pelze wirft. Der Atem, der das Fell an meiner Schulter kräuselt, ist mir mittlerweile so vertraut wie mein eigener, denn ich habe ihm nächtelang gelauscht.
    Seit fast einem Monat leben die Labortiere nun hier im Waldlager. Allmählich wird Froze wirklich von den Katzen akzeptiert und wir haben uns endlich alle zusammengeschlossen, wie eine echte Gemeinschaft. Ich liege noch eine Weile neben meiner neuen Gefährtin in dem Nest, das ich mit ihr teile. Die Luft ist warm und ich fühle, wie schön die Freiheit ist. Der Duft der Freiheit, denke ich, während ich die Augen einen Spalt breit öffne und die Mundwinkel zu einem matten Lächeln verziehe. Neben mir regt sich Porzellan.
    »Guten Morgen«, schnurrt sie an mein Ohr und ich drehe mich im Nest zu ihr um. Ihre Augen sind noch müde und überhaupt nicht verstellt, sondern verschlafen und voller Zuneigung. Ich schnurre ebenfalls. Dann lege ich eine Pfote um ihre Flanke und schnurre noch lauter, als sie ihre Schnauze an meine drückt und leise miaut: »Wie geht es dir?«
    Ich miaue ein: »Wunderschön, perfekt, einwandfrei.«
    Und so ist es wirklich; nach ein paar Minuten Aufwachen stehen wir auf laufen auf die Lichtung. Die Sonne scheint warm auf unsere Pelze und nach ein paar Momenten sitzen wir neben Gizmo und JFK, einem Wald-und einem Laborkater, am Haufen mit dem Frischfleisch und teilen uns ein gigantisches Rehkitz, von dem jeder Essen kann und immer noch viel übrig bleibt.
    Gizmo wirft mir und Porzellan einen bedeutungsvollen Blick zu. Ich grinse verlegen und mache mich daran, ein Stück aus dem Kitz zu reißen, als plötzlich eine kleine Traube Katzen auf uns zu kommt. Ich meinte, Katzen und eine Ratte.
    Froze, Fæ, die Ratte Fidalgo, Butterblume und Hope kommen auf das Frühstück zu. Ich werfe meinem Bruder ein ›Guten Morgen‹ zu und sehe dann Froze, seit langem das erste mal richtig an. Mich überwältigt wieder die alte Zuneigung für die Hightech-Katze und ich muss meinen Blick heftig von ihr wegreißen, um zu verhindern, dass mich wieder Liebeskummer über den Verlust dieser großartigen Katze überkommt. Porzellan neben mir reißt ein Stück aus dem Kitz und isst es mit genüsslichen schmatzen weg, das mich wieder einmal zum schnurren bringt.
    »Guten Morgen«, brummt Fæ und setzt sich, an Froze's Seite, neben uns. Fidalgo schiebt sich zwischen den beiden hindurch und schnappt sich ein Stück aus dem Kitz. Ich schnurre der ehemaligen Minensuchratte zu und genehmige mir noch ein Stück Fleisch, das mir beim nächsten Anblick fast in der Kehle stecken bleibt; Fæ drückt sich eng an Froze, die Kätzin mit dem weißen Fell lässt es zu. Ich bin entsetzt; seit wann lässt sich meine ehemalige Herzenskatze von jemandem angrapschen? Mein Herz setzt aus und ich starre sie voller Abscheu im Bauch an.

    11
    Froze

    Fæ's schneeweicher Pelz wärmt meine Flanke an diesem wunderschönen Sommerabend. Die Zeit hier im Streunerlager vergeht rasend schnell und seitdem mich Fæ oft begleitet, sehen mich die Katzen gar nicht mehr so feindselig an.
    Mein Blick gleitet an Porzellan vorbei zu Ian. Der Bruder meines Freundes starrt mich mit einer Unbekannten Abscheu an, die ich von ihm nicht gewohnt bin. Einen Moment lang erinnere ich mich wieder an die Geschehnisse, die sich vor knapp einem Monat abspielten und senke unwillkürlich den Blick. Scham brennt sich in meinen Pelz und am liebsten würde ich ihm erklären, das Fæ bloß mein Freund ist, genauso wie JFK oder Fidalgo. Aber wenn Ian das glaubt, Soll er es. Ich habe keine Ahnung, was ich tun soll, deswegen kaue ich einfach lustlos an dem Stück Reh herum.

    Nach dem Frühstück ruft Fæ seine Katzen zusammen. Ich bin mittlerweile daran gewöhnt, ihm zu gehorchen, obwohl ich gewöhnlich nicht die Katze bin, die sich leicht herumkommandieren lässt. Als ich mich schweigend zwischen Hope und Tu-Tu setze, höre ich, wie meine silberne Freundin keucht. Ein dünner Blutstreifen rinnt an ihrem Mundwinkel herab, sie hustet und erneut rinnt frisches, scharlachrotes Blut über ihr Kinn und tropft auf den Boden. Gizmo, der Kater der Gruppe, der Heilfähigkeiten besitzt, hat es mit vielen Sachen versucht, doch Hope's Krankheit wird nicht besser. Ihr Bluthusten wird schlimmer und mittlerweile hat sie auch noch Fieber. Wir fürchten, das Hope es nicht mehr lang packt. Mein Herz krampft sich unangenehm zusammen beim Gedanken an Hope's Tod und ich schaudere. Sie ist mir so eine gute Freundin geworden, das sie meine engste Vertraute ist. Ich schnurre sanft und Hope versucht, ebenfalls zu schnurren, doch ihre Stimme versagt und sie keucht auf.
    »Katzen! Heute steht eine kleine Trainingsrunde am Plan. Ich möchte, das wir einander Kampftechniken, Tricks und Züge zeigen. Einverstanden?«
    Fæ's Art, seine Katzen zu führen, ist atemberaubend. Alle Katzen lieben ihn. Er kann es gut, Bitten und Befehle in fragen zu verpacken.
    »Ja!«, jault eine silberne Tigerkatze, dessen Namen ich gerade vergessen habe. Ich schnurre ebenfalls, mich beeindruckt die Anerkennung der Katzen, die Fæ bekommt.
    »Wann gehen wir?«, fragt Tu-Tu genervt. Ich kann sie wirklich nicht leiden und werfe ihr auch einen Blick zu, der sie das spüren lässt. Die Schwester der neuen Gefährtin von Ian starrt Fæ ausdruckslos an und schnippt mit der schwarzen Schwanzspitze. Ich rolle mit den Augen und Tu-Tu springt auf einen bedeutungsschweren Maunzer Fæ's auf.
    Ian und Porzellan sitzen mit Gizmo, Cupcake, Fernandez, Lil und Ginny am anderen Ende der Lichtung. Mit Schuldgefühlen im Herzen schaue ich weg. Ginny's entstelltes Gesicht jagt mir immer wieder Furcht und Schrecken ein. Einige, wie zum Beispiel Ginny selbst, Cupcake oder Chia, verurteilen mich immer noch wegen dem katastrophalen Unfall bei unserer ersten Begegnung. Ginny's Gesicht ist zur Hälfte offen, eine große Wulst zieht sich über ihr Auge; es sieht aus, als hätte sich eine dünne schwarze Schlange über den rosigen Fleck haut geschlungen. Ich schaue weg. Ginny soll nicht sehen, das ich sie immer noch anstarre.
    »Bitte, kommt nur mit wenn ihr auch in der nötigen Verfassung seid.« Fæ wirft Hope und Ginny einen unsicheren Blick zu. Die beiden Kätzinnen sehen jedoch zuversichtlich aus und lassen sich nicht anmerken, das sie gemeint sein könnten. Nur Hope zuckte kurz mit den Schnurrhaaren. Ich bin etwas unsicher, ob Hope Kampftraining packen kann, doch als Fæ mit steil empor gerecktem Schwanz losrennt, folgen ihm die Katzen und an Hope's Seite schlängeln wir uns durch Gebüsch und Gestrüpp. Ich stolpere unabsichtlich über eine Wurzel, sehe Vögel und genieße die frische Luft, die mir über die Zunge streift. Ich wittere keine Zweibein-Gerüche oder etwas, was mit den abscheulichen Kreaturen zu tun hat. Nach einem etwas längeren Marsch erreichen wir eine Lichtung, ich höre Hope neben mir keuchen und mache mir sorgen, ob es ihr gut geht. Auf meine Frage, wie es ihr gehe, zischt sie mir nur ein ›gut‹ zu, doch ich bin unsicher und lasse sie in Ruhe. Die Lichtung ist riesig, fast schon größer aus das Lager der Waldkatzen. Eichen und ein Par vereinzelte Erlen säumen den Rand und üppige Sträucher bieten Schutz. Käfer krabbeln an den dunklen Stämmen der Bäume hinauf und ein paar Kiebitze sitzen auf den Ästen weiter oben. Keiner von uns verspürt den Drang, sie zu jagen, da wir vor nicht allzu langer Zeit gefressen haben. Der Boden auf der Lichtung ist sandig und angenehm, wie er durch die Pfoten gleitet.
    »Ein guter Ort zum kämpfen und zum Trainieren«, schnurre ich Fæ zu, der bereits auf einem großen, abgebrochenen toten Ast sitzt und uns mit leuchtenden Augen bedeutet, uns hinzusetzen. Aus den Augenwinkeln erhasche ich einen Blick auf Ian und Porzellan, die eng aneinander gedrängt auf der Südseite der Lichtung hocken. Ein Teil von mir vermisst Ian als Anbeter, der andere Teil freut sich, das Ian endlich eine Gefährtin gefunden hat. Mein Blick bleibt an Porzellans hübscher Statur hängen und ich wundere mich nicht, das Ian sie hübsch findet. Ich fühle mich gedemütigt, wenn ich daran denke, das jemals ein Kater mich im Gegensatz zu Porzellan ansehen würde, denn jeder würde sich für die schöne Streunerin entscheiden. Fæ beginnt zu miauen.
    »Stimmt, Froze.« Der Anführer dreht sich zu mir und ich spüre seinen brennenden gelben Blick auf mir ruhen. Was er wohl über mich denkt? Ich spüre Hitze in mit aufsteigen, als Fæ mich anstrahlt. Ich schnurre ihm zu und Fæ sieht mich anerkennend an, dann wendet er sich wieder den Streunern und Laborkatzen zu.
    »Ich möchte, das Froze euch einen Kampf mit mir zeigt.«
    Ich weiche mit aufgerissenen Augen zurück. Das kann doch nicht sein!

    12
    Ian

    Die Katzen horchen auf. Ich und Porzellan wechseln einen verblüfften Blick. Was will denn mein schwächlicher Bruder gegen die beste Kämpferin weit und breit? Während die Katzen auseinander stoben, bildet sich ein Kreis aus Katzen, der sich um die Lichtung zieht. Froze und Fæ bleiben in dem Kreis drin und ich beobachte, wie sie sich zu umkreisen beginnen. Die Katzen murmeln, vor allem Tu-Tu, Porzellan's Schwester, zerreißt sich das Maul mit Gizmo und Lil, einer hübschen braunen Kätzin.
    »Sie wird ihn töten!«, stöhnt Lil und sieht sich ängstlich zu Fæ um, der knurrend Froze umkreist. Ich werfe dem Klatschmaul einen verärgerten Blick zu und Porzellan rollt stöhnend mit den Augen.
    »Fæ ist stark«, wirft Mia, die arrogante braune Kätzin, die unsterblich in meinen Bruder verknallt ist, selbstgefällig ein und mit sträubt sich das Fell bei ihren herablassenden Worten. Porzellan neben mir rollt erneut mit den Augen und stupst mich an.
    »Kümmer' dich nicht um die ganzen Klatschmäuler.« Meine Gefährtin spielt mit dem Fell an meiner Schulter herum und ich schnurre ihr sanft zu. Dann sehe ich's wie sie gesagt hat, zu den beiden Katzen und sehe gerade noch, wie sich Fæ blitzschnell auf Froze wirft, ihr ein paar heftige Schläge verpasst und unter ihrem kräftigen Körper hindurchglitscht. Dann torkelt die überraschte Froze herum, um Fæ wieder zu sehen, doch mein Bruder lauert im Schatten eines Baumes und wirft sich schlagfertig auf sie.
    »Hab ich's nicht gesagt?«, tönt Mia mit einem selbstgefälligen Grinsen. Ich weiß nicht, zu wem ich halte, aber ich weiß, das ich Mia nicht ausstehen kann. Lil jammert, das Froze Fæ sicher gleich umbringen wird und soll gleich darauf recht behalten; meine Freundin stürzt sich nun auf Fæ und reißt ihn zu Boden. Mein Herz setzt aus; sie punktet garantiert nicht bei den Katzen, wenn sie Fæ zu sehr weh tut. Ich zucke heftig zusammen, als sie ihm ein paar heftige Schläge verpasst und bösartig faucht. Dann gleitet mein Bruder jedoch überraschend geschickt unter dem Bauch der Kätzin hervor und schlittert über den Sand, doch Froze ist vorbereitet; obwohl sie ihn nicht sehen kann macht sie einen gewaltigen Rückwärtssalto, ob sie ihn trotzdem sehen könnte, Fæ starrt sie ungläubig an und sie landet mit einem hässlichen Fauchen vor seiner Schnauze. Ich schnappe nach Luft, obwohl ich Froze schon seit langem kenne sehe ich sie zum ersten Mal im Rage. Sie kann es nicht leiden, zu verlieren, das wird jetzt jedem klar. Fuchsteufelswild stürzt sie sich auf meinen Bruder, die Menge stöhnt auf und sie gräbt ihre widerstandsfähigen Krallen tief in seine Schultern. Das Blut verfärbt die cremefarbenen Fellpartien an Fæ's Schulter Scharlachrot und ich schnappe nach Luft. Ich weiß nicht, zu wem ich halten soll, aber ich weiß, das Froze gewinnen wird. Ihre Klauen schaben über das Fell des roten Tigerkaters, doch er flutscht erneut unter ihr hervor und rappelt sich auf. Seine Augen glühen furchtlos, doch er springt hoch und in einem gigantischen Satz landet er fast vor mir und Porzellan. Ich drücke sie sofort beschützerisch nach hinten, worauf ich mir ein missbilligendes fauchen von ihr einbüße. Fæ wirbelt herum, Sand stobt auf und gerät mir in Mund und Nase. Ich schnaube und werde den Sand los, kann gerade noch sehen wie die beiden Katzen in einem fauchenden Knäuel auf den Boden stürzen und Staub aufwirbeln. Das Publikum weicht zurück.
    »Er stirbt!«, jault Lil und bricht schluchzend in Tränen aus. Ich bedenke die feinfühlige Kätzin mit einem verärgerten Blick und starre wieder die kämpfenden Katzen an. Froze hat min die Oberhand gewonnen und schnappt mit Leibeskräften nach Fæ's Kehle. Ich schnappe nach Luft und Blase sie gleich wieder aus, als dieser mit einer Vorderpfote einen bösen Hieb auf ihrer Wange landet. Kreischend will Froze ihm die Kehle aufschlitzen, da springt sie wie vom Donner getroffen zurück und keucht. Fæ rappelt sich auf.
    »Sie hat doch noch Schiss bekommen. Jetzt ist sie selbst, die ach- so Stärke und perfekte Kätzin, die Pelzscheißerin« behauptet Mia mit einem selbstgefälligen Knurren und in mir steigt Hitze auf.
    »Hör auf!«, blaffe ich sie an und sträube das Fell. Ich kann Mia mit jedem Moment weniger ausstehen und bin kurz davor, mich selbst auf sie zu stürzen, bis Porzellan an meine Schulter tippt und mich sanft an schnurrt. Ich schlucke und wende meine Aufmerksamkeit wieder dem Kampf zu, der nicht mehr stattfindet. Fæ und Froze stützen einander und mein Bruder beobachtet Froze bewundernd, während sie ihn an den Rand der Lichtung führt. Eine klaffende Wunde zieht sich über Fæ's Schultern und ich starre sie entsetzt an. Auch Froze hat eine bösartige Wunde an der Wange und andauernd zuckt ihr Mundwinkel an der Seite der Wunde. Ob es Ihnen gut geht?
    Die Katzen brechen in Miauen aus und ich kann sie nur anstarren.
    »Froze sollte Anführerin sein!«, funkt JFK plötzlich dazwischen: Mia sträubt Ohrverletzung und funkelt ihn kurz an, dann miaut Butterblume weise: »Stimmt. Der Anführer muss die stärkste Katze sein.«
    Peanut und Cookie hampeln gemeinsam mit der Waldkatze Cupcake herum und rufen: »Froze gehört an die Spitze!«
    Ich sehe, wie Fæ zusammenzuckt. Offenbar hat er es auch gehört...
    Wie sollen die Katzen Fæ als Anführer Akzeptieren, wenn wir eine Katze haben, die viel stärker ist als vermuten lässt?

Kommentarfunktion ohne das RPG / FF / Quiz

Kommentare (4)

autorenew

vor 327 Tagen flag
Uuf Danke für den süßen Kommi, DJ ♥︎

Du hast recht, ich schreibe Fidalgo öfters mal Mit ›ie‹ :D schreibe ich ja uummmm!!!!!!

Ich bleibe eher bei Ian und Froze's PoV, aber ich mache auch auf Wunsch die PoV von bestimmten Charakteren möchtest du lieber Hope oder Fidalgos PoV haben, DJ?? ^^

Deine Lisa >.< !
vor 329 Tagen flag
W O W...

Die Geschichte ist HAMMERRRRR! Schreib unbedingt weiter.
Es gibt zwar ein paar Reschtschreibfehler aber sie sind leicht zu übersehen und außerdem nennst du die Ratte ab und zu Fidalgo und dann wieder Fiedalgo aber mit 'ie' ist der Name nicht so schön.
Du hast übrigens auch vergessen ein paar wichtige Charaktere oben reinzuschreiben wie auch Fæ oder den Toten Bruder Lio. Esch dagegen hast du trotzdem aufgelistet 🤷🏼‍♀️

Ich bleibe dran und hoffe das du mir irgendwann berichtest wenn die Geschichte weitergeschrieben hast offenbar sind wieder zwei neue Kapitel erschienen hab schon sofort gelesen ❤️

Schreib unbedingt einmal wieder von Fidalgos Sicht, eine Geschichte mit POV Hope wäre auch nicht schlimm...
vor 330 Tagen flag
Gute Geschichte mit Sinn jedoch ist die Autokorrektur dein größter Feind beim Geschichten-schreiben...

Es fehlen ebenfalls einige Beistriche, jedoch ist der Text super flüssig zum lesen. Ich empfehle ihn auf jeden Fall weiter und bleibe dran.
vor 331 Tagen flag
Coole Geschichte! Bitte schreibe weiter!