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Die Statistik vom Quiz

Ein Wüstenstern in Mittelerde - Sturm aus dem Süden

57.64 % der User hatten die Auswertung: Melian Haradwen, Herrscherin von Düsterwald 'Tis better to have loved and lost, than never to have loved at all. (Lord Tennyson) Thranduil kniet neben der reglosen Gestalt seiner Frau. Ihre Hand ist noch warm, und ihr Gesicht ist in einem gequälten Ausdruck erstarrt. Einen Moment lang hält ihn das Entsetzen in einer eisernen Starre fest, dann kommt er wieder zu sich und presst seine Hände auf die Wunde, aus der noch immer Blut fließt. Es wird in regelmäßigen Stößen aus ihrer Wunde gepresst, ein Zeichen, dass ihr Herz noch schlägt. Schwach zwar, doch es schlägt. Thranduil schließt die Augen. In seinem Herzen sucht er nach den Heilkräften, die seinem Volk schon seit Urzeiten innewohnen, und versucht sich zu konzentrieren. Seine Hände erglühen in einem sanften weißen Licht, als seine Elbenmagie anfängt, in Melians Körper zu fließen. Kein Kraut der Welt kann sie jetzt retten, nur die reine Heilkraft der Eldar. Thranduil spürt, wie seine Energie in seine Frau hinein strömt, doch ihr Herzschlag wird nicht regelmäßiger. Doch aufgeben kommt für den Elbenkönig nicht infrage. Er muss sie retten, ohne sie kann er nicht leben. Sie ist der Zauber, der die Sonne wieder in sein Leben gebracht hat. Sie ist sein Alles. Er kann sie nicht verlieren. Thranduil bemerkt kaum, wie Gandalf beschwörend auf ihn einredet. Nein, er kann nicht aufhören, er muss sie retten. Seine Brust schnürt sich zu und die Hände auf Melians Wunde beginnen zu zittern. Er wird ihr all seine Kraft geben, wenn er sie nur retten kann. *** Du blinzelst verwirrt ins Sonnenlicht. Warmes grünes Gras kitzelt deine Füße. Moment...warst du nicht eben noch auf der steinernen Ebene, mitten in der Schlacht. Rasch setzt du dich auf und siehst dich um. Du sitzt auf einer großen Wiese. Ein buntes Blumenmeer blüht um dich herum, Schmetterlinge fliegen umher. Es riecht nach Sommer, nach zuhause. Bist du etwa im Waldlandreich? Wahrscheinlich bist du ohnmächtig geworden...nur noch schemenhaft erinnerst du dich an die Schlacht. Du hast Toknosh getötet, das ist das letzte, woran du dich erinnern kannst. Mit wackeligen Knien stehst du auf und gehst ein paar Schritte. Plötzlich blitzt etwas in deinem Augenwinkel auf. Du wendest den Kopf und siehst...im Gras liegt eine Krone! Eine Krone aus Gold und bunten Edelsteinen. Statt zu Zacken ist das Metall zu Blättern geformt, und die Edelsteine sind angeordnet wie kleine Blüten. Sie ist wunderschön. Du willst dich herunterbeugen und sie aufheben, doch da ertönt hinter dir ein Geräusch und du drehst dich um. Thranduil!, schießt es dir durch den Kopf und dein Herz macht einen freudigen Sprung. Doch dann erkennst du, dass das Tier, das dort steht, kein Elch ist, sondern ein majestätischer Hirsch, und auf seinem Rücken sitzt nicht dein Mann. Die Gestalt lässt sich elegant vom Rücken des Tieres gleiten, ihre nackten Füße berühren kaum den Boden. Es ist eine Südländerin, die dir sehr ähnlich sieht mit ihrer hochgewachsenen Gestalt, der goldenen Haut und den schwarzen Haaren. Nur ihre Augen sind nicht Schwarz wie deine, sondern von einem unnatürlichen, schillernden Grün. Instinktiv fällst du vor ihr auf die Knie. Sie spricht dich an, mit einer Stimme wie ein Sommertag. "Erhebe dich, Melian Dìaren." Du stehst langsam auf und siehst die Frau an. Sie kommt dir auf eine seltsame Weise vertraut vor. "Bist du...Bist du Inevera? Die Göttin des Stolzes?" Inevera lächelt leicht. "So nennen mich die Haradrim. Bei den Elben Mittelerdes bin ich bekannt als Nessa." Deine Augen weiten sich. "Die Valie?" Inevera, beziehungsweise Nessa, nickt leicht. "Ich beschütze die, welche stolze Herzen und die Gabe des Tanzes in sich tragen. Und auch dich habe ich immer begleitet." Dir wird plötzlich kalt. "Heißt das, ich bin...tot?" Nessa sieht dich an, in ihren Augen glänzt Trauer. "Nein. Zumindest noch nicht. Nimm meine Hand, Melian." Du folgst ihrer Aufforderung, und plötzlich seid ihr nicht mehr auf der idyllischen Wiese, sondern zurück auf dem Schlachtfeld. Du entdeckst Thranduil und willst schon freudestrahlend zu ihm laufen, als du bemerkst, dass er über jemandem kniet. Er kniet über dir. Entsetzen erfüllt dich und du siehst an dir herunter, doch du stehst hier - und liegst dort, blutend und zerschlagen. Thranduil presst seine Hände auf deinen Bauch und an seinen leuchtenden Händen erkennst du, dass er seine Heilkräfte anwendet. Hinter ihm steht Gandalf und redet beschwörend auf dich ein. Du siehst wieder zu Nessa. "Wird er mich retten?" Ihr Blick verdüstert sich. " Das liegt an dir." Ihre Antwort verwirrt dich. "Wie meinst du das?" Sie seufzt leise. "Sie ist du diese Krone?" Sie deutet auf den Kopfschmuck, der immer noch neben dir liegt. "Dies ist die Krone der Waldlandherrscherin. Der Herrscherin, die du warst, für ein paar Stunden. Der Herrscherin, die du sein könntest." "Die ich sein könnte? Nessa, ich verstehe das nicht!" Sie schüttelt den Kopf. "Es gibt eine uralte Regel in den Hallen Valinors. Ein Leben für den Sieg." Dich beschleicht ein ungutes Gefühl, was die Bedeutung ihrer Zeilen betrifft, doch du lässt sie weiterreden. "Diese Regel existiert schon seit ewigen Zeiten. Um den Sieg zu erlangen, muss ein Leben gegeben werden." "Und ihr habt mich ausgewählt?" Tränen steigen dir in die Augen. Nessa deutet auf Thranduil. Er sieht erschöpft aus, doch er hört nicht auf zu versuchen, dich zu retten. "Beim Heilen übertragen Elben ihre eigene Lebensenergie auf den Geheilten. Je nach Schwere der Verletzung zehrt es mal mehr, mal weniger an ihren Kräften." "Und kann er mich retten?" "Er kann es. Die Frage ist, ob du es zulässt." Ein schweres Gefühl beschleicht dich. "Warum sollte ich es nicht zulassen?" Nessa sieht dich wieder an. "Deine Wunden sind tief, Melian Dìaren. Tödlich. Wenn er dich rettet, muss er all seine Kraft dir geben. Er würde selbst sterben." Entsetzen erfüllt dich. Du siehst Thranduil an. Sein Gesicht ist bleich, Schweiß steht ihm auf der Stirn. Sein ganzer Körper wird von Krämpfen geschüttelt. Er wird nicht mehr lange durchhalten. Innerhalb von Sekunden fällst du deine Entscheidung. "Wie kann ich das verhindern?" "Du musst loslassen. Du musst sterben." Du schließt einen Moment die Augen. Als du sie wieder öffnest, steht dein Entschluss. "Wie?" Nessa zeigt auf die Krone. " Wenn du sie deinem Körper aufsetzt, wirst du sterben. Setzt du sie dir selbst auf, so wirst du leben, doch Thranduil wird sein Leben geben." Du musst schlucken und greifst nach der Krone. Einen Moment lang zögerst du noch. "Kann er mich sehen?" "Nein. Aber wenn er genau hinhört, kann er dich hören." "Wenn...Wenn Ich sterbe...bin Ich dann weg oder gibt es ein danach?" Nessa schüttelt leicht den Kopf. "Das kann ich dir nicht sagen. Du wirst es herausfinden." "Tut es weh?" "Du hast das Schlimmste hinter dir." Du atmest tief durch. Dann trittst du zu Thranduil und kniest dich neben ihn. Du siehst auf dich herab, wie du reglos am Boden liegst. Dann blickst du Thranduil an, jeden einzelnen Zentimeter seiner Erscheinung prägst du dir ein. Einst so stark, jetzt kurz vor dem Zusammenbruch. Du beugst dich zu ihm, küsst ihn auf die Wange. "Ich liebe dich", flüsterst du tränenerstickt. Dann beugst du dich hinab und drückst die Krone auf das Haupt der sterbenden Melian. *** Thranduil spürt, wie die Ohnmacht naht. Lange hält er das nicht mehr durch. Doch er wird bis zum Ende gehen, um Melian zu retten. Er würde für sie sterben. Gerade droht er abzudriften, als er eine federleichte Berührung an der Wange spürt. Dann schwebt ein gehauchtes Ich liebe dich an seinem Ohr. Hoffnung erfüllt ihn. Ist Melian aufgewacht? Er sieht zu ihr, hofft auf eine Es gibt in ihrem lieblichen Gesicht. Auf einmal erscheint eine wunderschöne Krone wie aus dem Nichts auf ihren Haarsträhnen. Im selben Moment hört ihr Körper auf an seiner Energie zu ziehen. Das bedeutet... Thranduil legt den Kopf in den Nacken und schreit seinen Schmerz in die Welt hinaus. Seine Melian, sein Wüstenstern, hat ihn verlassen. Und sie wird nicht zurückkehren. Gandalfs Hand legt sich auf seine Schulter. "Sie hat losgelassen", murmelt er. "Sie ist jetzt bei den Valar." Doch keines seiner Worte vermag den Elbenkönig zu trösten. *** Viele Jahrzehnte sind ins Land gegangen. Mittelerde hat einen neuen Krieg überstanden, und das Böse aus Mordor ist besiegt. Thranduil hat lange Zeit sein Reich regiert, doch er ist nie mehr der Alte geworden. Jetzt spürt er, dass seine Zeit gekommen ist, Arda zu verlassen. Gemeinsam mit den letzten Elben und Gandalf besteigt er das letzte Schiff, um in die unsterblichen Lande zu segeln. Es schmerzt ihn sehr, sein altes Leben zurückzulassen, doch ein Funken Hoffnung erfüllt sein Herz. Das Schiff erreicht eine unbekannte Küste. Bläulicher Dunst hängt über dem Land. Als es sich nähert, erkennen die Reisenden eine Gruppe Gestalten am Ufer. Die Valar haben sich versammelt, um die letzten Eintreffenden aus Mittelerde zu empfangen. Doch Thranduil hat nur Augen für Eine. Inmitten der leuchtenden Lichtgestalten steht eine, die nicht so sehr glänzt wie die anderen, doch Thranduil kommt es vor, als würde er den hellsten aller Sterne ansehen. Melian! *** Du trittst vor und greifst nach Thranduils Hand, um ihm vom Schiff zu helfen. Ganz kurz zögert er, bevor er seine Arme um dich legt und dich in eine innige Umarmung zieht. Mit einem Mal ist es genauso wie früher, so, wie du es immer in Erinnerung hattest. Du hast sechzig Jahre lang auf diesen Augenblick gewartet, doch vor euch liegt die Ewigkeit. Thranduil vergräbt sein Gesicht in deinem Haar. " Ich dachte, du seiest tot. Für immer verloren." "Ich bin tot. Doch alle Wege führen letztendlich nach Valinor", murmelt du in sein Ohr. Dann ziehst du sein Kinn sanft zu dir hin, bevor sich eure Lippen zu einem innigen Kuss treffen, in dem du all die Trauer und Sehnsucht der vergangenen Zeit schmeckst. Endlich. Als du dich von ihm löst, siehst du in seine eisblauen Augen. "Le melin, Thranduil." Er beugt den Kopf zur Seite, und ganz kurz glaubst du, Tränen in den Augen deines Elbenkönigs zu sehen. "Le melin anuir, Melian", antwortet er leise. (Ich liebe dich bis zur Ewigkeit.) Und gemeinsam wendet ihr euch nach Westen, wo das sanfte Licht der Leuchten Elbereths das Land in all seiner Schönheit offenbart. So, das war es mit der Geschichte um Melian Dìaren, das Mädchen aus dem Süden. Ich hoffe, es hat euch ganz gut gefallen. Ich freue mich natürlich über konstruktive Kritik und weitere Kommentare und hoffe auf ein Wiedersehen, denn ein neues Projekt ist bereits in Planung. Bis dahin: Anor feanol a sîdh uireb!

9.49 % der User hatten die Auswertung: Melian Raweth, Fürstin von Thal The way to love anything is to realize that it might be lost. (G.K. Chesterton) "Nein, nein, nein, nein, nein, Melian, du musst bei mir bleiben! Bleib wach, wir kriegen das wieder hin...", stammelt Bard vor sich hin. Seine Hände schweben über der Wunde seiner Frau, doch er weiß überhaupt nicht, was er tun soll. Er hat nie in seinem Leben mit Heilern zu tun gehabt. Verzweifelt wendet er sich um. "Gandalf! Ihr müsst sie retten, bitte!" Der Graue Zauberer tritt zu ihm und legt ihm sanft eine Hand auf die Schulter. "Ich kann nichts mehr für sie tun", sagt er betrübt. "Verabschiede dich von ihr." Doch Bard ist nicht bereit, sie gehen zu lassen. Er nimmt ihre blutige Hand in seine und streichelt sie sanft, während er wie hypnotisiert zusieht, wie sich ihre Brust in unregelmäßigen Abständen hebt und senkt. "Atme weiter, meine kleine Löwin. Mein Wüstenstern", murmelt er. "Atme weiter. Tu es für mich." Doch mit einem Mal erstarrt die Gestalt seiner Geliebten. Bards Herz verkrampft sich. Nein! Ohne Melian will er nicht leben. *** Das Plätschern von Wasser weckt dich. Du hast das Gefühl, aus tiefem Schlaf zu erwachen und blinzelst die Müdigkeit aus deinen Augen. Neugierig siehst du dich um. Du sitzt am Ufer des Langen Sees, hinter dir erheben sich die vertrauten Mauern von Thal. Wie bist du hierher gekommen? Eben noch warst du verletzt, und... Eine Bewegung im Wasser lenkt dich ab. Die glitzernde Oberfläche kräuselt sich leicht, und mit einem Mal erhebt sich eine Frau aus dem See. Obwohl sie gerade aus dem Wasser kommt, ist sie nicht nass. Ihre Haut ist blass und schimmert bläulich, ihre Augen sind von einem intensiven blaugrün, das aussieht wie der Grund des Meeres. Ihre Haare fallen weit hinab und glänzen silbrig blau, sie scheinen mit der Oberfläche des Sees, in dem sie steht, zu verschmelzen. Instinktiv weichst du vor ihr zurück. Sie sieht auf dich hinab. "Sei gegrüßt, Melian Dìaren." Ein Teil von dir fragt sich, woher sie dich kennt, doch der andere Teil weiß, dass diese Frau kein Mensch ist. "Wer bist du?" Die Frau lächelt leicht. "Ich habe viele Namen und viele Gesichter. Hier in Mittelerde kennen mich manche als Uinen, die Maia des Wassers. Doch in Harad bin ich bekannt als -" "Latisha. Die Göttin der Milde", geht dir ein Licht auf. Sie nickt. Besorgt baust du auf deiner Lippe. "Aber...wenn Ich hier bin...heißt das, ich bin tot?" Latishas Blick zerfließt beinahe vor Mitleid. "Nein. Noch nicht. Du befindest dich in den Nebeln, der Schwelle zwischen Leben und Tod. Nur hier können wir Götter mit lebenden Sterblichen in Kontakt treten. Aber die Zeit, die du hier verbringst, ist kurz, und deswegen ist Eile geboten." Sie kniet sich hin und nimmt deine Hände. Ihre Berührung ist sanft, erfrischend wie ein Wasserfall an einem heißen Sommertag. "Der Sieg über Toknosh verlangt ein Opfer", erklärt Latisha. "Noch ist nicht entschieden, wer es sein wird. Du musst entscheiden, Melian." Eine Träne rollt über ihre Wange und hinterlässt eine Spur aus Regenbogen. "Bard von Thal denkt, dass du bereits tot bist. Er ist kurz davor, sich selbst in sein Schwert zu stürzen. Nur du kannst ihn aufhalten." Deine Augen füllen sich mit Tränen. "Wie?" Latisha sieht dich an, voll Verständnis und Schmerz. "Du musst sterben. Wenn du tot bist, kann ich dir helfen, noch einige Augenblicke in der Welt der Lebenden zu verweilen. Nur du kannst ihn davon überzeugen, dass es sich lohnt zu leben. Wenn du zu lange wartest und er stirbt, wirst du wieder erwachen." Du musst schlucken, doch insgeheim steht dein Entschluss längst fest. "Wie...Wie kann ich sterben?" Latisha - oder Uinen - steht auf und zieht dich an den Händen auf die Füße. "Ich helfe dir", murmelt sie. "Bist du dir wirklich sicher?" "Ja." Entschieden nickt du. Latisha lächelt dich traurig an. "Nun gut...Es wird nicht wehtun, versprochen." Mit diesen Worten zieht sie dich in den See hinein. Zunächst hast du noch Boden unter den Füßen. Das Wasser umfängt dich wie eine kühle Berührung. Schon immer hast du es geliebt zu schwimmen. Der Der wird bald tiefer, das Wasser reicht dir schon bis zur Brust, und Latisha zieht dich bestimmt weiter hinein. Als du den Boden unter den Füßen verlierst, beginnst du automatisch zu schwimmen. Doch da packt Latisha doch fest an der Hand und taucht unter, wobei sie dich mit hinab zieht. Um dich herum ist Dunkelheit, doch sie ist beruhigend und sanft. Du siehst zu Latisha und bemerkst, dass sie nun eine Art Fischschwanz besitzt, mit dem sie euch kräftig schlagend in die Tiefe befördert. Dass dir langsam die Luft ausgeht, bemerkst du kaum. Es wird immer dunkler, während ihr euch weiter nach unten bewegt. Doch irgendwann wird es wieder heller. Über euch erkennst du die Oberfläche des Sees - Moment! Seid ihr nicht eigentlich zum Grund getaucht? Bald durchbrecht ihr die Oberfläche und du siehst dich um. Es ist weder Thal noch der Einsame Berg zu sehen. Latisha, die neben dir aufgetaucht ist, zieht dich rasch zum Ufer. "Keine Zeit für Fragen", kommt sie dir zuvor. "Ich werde dich jetzt zurück nach Mittelerde schicken. Ein paar letzte Momente kann ich dir geben. Nutze sie gut!" Und auf einmal stehst du auf dem Schlachtfeld. Du siehst Bard, der über deiner Leiche kniet - in seiner Hand ein Messer, das er auf sich selbst gerichtet hat. Gandalf steht hinter ihm und redet beschwörend auf ihn ein. Ohne zu Zögern trittst du zu Bard. *** Bard traut seinen Augen kaum, als plötzlich seine Frau als leuchtende Lichtgestalt neben ihn tritt. Er schnappt nach Luft. "Melian! Was?" Sie lächelt sanft und kniet sich neben ihn. "Ich bin hier, um dir zu sagen, dass es für mich in Ordnung ist." "Bist...Bist du tot?" Sie seufzt leise. "Ja. Aber es ist in Ordnung für mich." Bard schüttelt energisch den Kopf. "Dann will auch ich nicht mehr leben." Er bewegt das Messer auf seine Brust zu, doch da packt Melian seinen Arm und hält ihn auf. Er ist überrascht, das ihre Geistergestalt ihn berühren kann, ihre Hände sind stark und kräftig. "Nein!", sagt sie entschieden. "Du weißt, wie gerne ich wieder mit dir vereint sein würde. Doch bevor es so weit ist, hast du hier noch etwas zu erledigen. Wir dürfen jetzt nicht egoistisch sein. Thal braucht dich als seinen Fürsten. Deine Kinder brauchen dich." *** Bards Hände beginnen zu zittern und Tränen laufen ihn über die Wangen. Es tut weh, ihn so zu sehen, und du verfluchst einmal mehr Toknosh, der an allem schuld ist. Doch jetzt kannst du es nicht mehr ändern. "Mittelerde braucht dich", wiederholst du. Und er lässt das Messer fallen. "Versprich mir, dass du das nie tun wirst", verlangst du. Er nickt betrübt. "Versprochen." Er sieht dich voll Trauer an - Dann zieht er dich zu sich hin und küsst dich, ein letztes Mal. Als ihr euch voneinander löst, hält er noch deine Hand fest. "Werden wir uns wiedersehen?", fragt er. "Ich weiß es nicht. Beim Sterben habe ich keine Anleitung für das Leben danach bekommen." Er lächelt leicht. Auf einmal spürst du ein ziehen in deinem Inneren. Du hast nicht mehr viel Zeit. "Ich muss jetzt gehen. Sorge für Edraith, und sag allen, dass es mir leid tut. Und sag Bain, Sigrid und Tilda, dass ich sie lieb habe wie meine eigenen Kinder." Die ich nie haben werde. Du spürst, wie eine unsichtbare Macht an dir zerrt, und siehst Bard ein letztes Mal an. "Ich liebe dich." Dann lässt du zu, dass das Totenreich dich holt. *** "Nein, Melian, bleib noch bei mir!" Verzweifelt klammert Bard sich an seine Frau. Doch sie beginnt zu flackern, und kurz darauf ist sie verschwunden. Nur ein geflüstertes "Ich liebe dich" hängt noch in der Luft. Der Fürst von Thal will nichts mehr als seine Frau zurück. Er will wieder bei ihr sein. Doch er hat ihr etwas versprochen. Er wird nicht eher gehen, als das Schicksal für ihn vorgesehen hat. Er ballt seine Hände zu Fäusten und steht auf. In der Ferne geht die Sonne unter und taucht den Himmel in blutrote Dämmerung. Melian ist für ihn gestorben. Jetzt muss er für sie leben. *** Mit Spannung wartest du am Ufer des Sees. Auf deiner Stirn ruht ein schlichter Bronzereif, einfach und ohne Edelsteine. Doch ein Wellenmuster ist eingraviert, sorgfältig und ordentlich. Lange Zeit hast du gewartet, dass ihr euch endlich wiedersehen würdet. Bard hat ein langes Leben gehabt, er war ein gerechter und milder Fürst. Doch nun ist auch seine Zeit gekommen. Du siehst hinab auf die Oberfläche des Sees. Nur wenige Augenblicke später taucht Latisha auf. Sie hat dir versprochen, Bard sicher auf die andere Seite zu geleiten. Kurz darauf taucht er auf. Er sieht sich verwirrt um. Vom Totenreich aus hast du gesehen, wie er alt geworden ist, mit grauem Haar und knackenden Knochen. Doch jetzt sieht er aus wie damals, als du gestorben bist. Als er dich sieht, läuft er mit großen Schritten aus dem Wasser hinaus und nimmt dich stürmisch in die Arme. Die ist es egal, dass dein Gewand durchnässt wird. Du drückst dich an ihn und genießt, ihn wieder bei dir zu haben. Über seine Schultern hinweg siehst du, wie Latisha dich sanft anlächelt. Du erwiderst das Lächeln. Lange seid ihr getrennt gewesen. Doch jetzt seid ihr wieder vereint. Bis in Ewigkeit. So, das war es mit der Geschichte um Melian Dìaren, das Mädchen aus dem Süden. Ich hoffe, es hat euch ganz gut gefallen. Ich freue mich natürlich über konstruktive Kritik und weitere Kommentare und hoffe auf ein Wiedersehen, denn ein neues Projekt ist bereits in Planung. Bis dahin: Anor feanol a sîdh uireb!

16.2 % der User hatten die Auswertung: Melian Taengyl, Königin unter dem Berge The course of true love never did run smooth. (William Shakespeare) Thorin kniet fassungslos neben seiner sterbenden Frau. Er bemerkt nicht einmal, wie eine Träne über seine Wange rollt und glitzernd in seinem Bart hängen bleibt. Ahnungslos, was er jetzt tun soll, schweben seine Hände über ihrer Wunde. Er weiß genau, dass sie für ihn verloren ist, doch ein Teil von ihm weigert sich, sie loszulassen. So viel haben sie schon gemeinsam durchgestanden. Sie haben Orkangriffe überstanden, einen Drachen überlebt und sie sind lebend durch die Schlacht der Fünf Heere gekommen. Und jetzt stirbt sie durch die Hand ihres eigenen ehemaligen Volkes. Die bittere Ironie der Situation veranlasst den Zwergenkönig, trotz allem ein freudloses Machen auszustoßen. Melian hat ihm damals das Leben gerettet. Und jetzt war er nicht in der Lage, sie vor dem Tod zu bewahren. In diesem Moment würde Thorin alles geben - seine Krone, seine Schätze und sein Leben - wenn er damit Melian retten könnte. *** Du erwachst auf der Ebene vor dem Einsamen Berg. Was ist passiert? Du weißt nur noch, wie du Toknosh getötet hast, danach verschwimmen deine Erinnerungen. Ist das hier ein Traum? Die Hirngespinste einer Ohnmacht? Gerade als du aufstehen willst, hörst du Schritte und du wendest den Kopf. Eine Frau kommt auf dich zu. Sie sieht dir auf erschreckende Weise ähnlich sieht: schwarze Locken, nussbraune Haut und Augen wir flüssiges Gold. Sie trägt eine Art Rüstung. Um ihre Hüfte ist ein Tuch geschwungen, wie ein Gürtel, auf dem drei große goldene Sterne aufgestickt sind. Ihre Arme sind unbedeckt, und auf ihren Schultern und Handflächen glänzen goldene sternförmige Tätowierungen, ein weiterer Stern prangt mitten auf ihrer Stirn. In der Hand hält sie ein mächtiges Schwert, das mit schweren Edelsteinen verziert ist. Die Kriegerin sieht dich durchdringend an und auf unheimliche Weise ist es, als würdest du in einen überirdischen Spiegel blicken. Du erwiderst ihren Blick furchtlos und ein hoheitsvolles Lächeln erscheint auf ihrem Gesicht. "Sei gegrüßt, Melian Dìaren." Du neigst leicht den Kopf vor ihr. "Wer seid Ihr?" Die Kriegerin hebt amüsiert eine Braue. "Du weißt es doch schon längst." "Ihr seid Halika, die Tapfere." Halika nickt. "Ja, so nennen mich die Südländer. Doch ich bin viel mehr als das." Sie macht eine Pause, doch du wartest ab, bis sie weiterspricht. "Hast du schon einmal von den Valar gehört?" "Den Göttern der Elben?" "So ähnlich. Varda Elentári, die Valie der Sterne und des Lichts, erschuf aus ihren Sternen Sternbilder. Diese Sternbilder wurden zu den Göttern der Haradrim." "Also bist auch du...ein Sternbild?" Die Vorstellung kommt dir ein wenig absurd vor, doch irgendwie macht es auf eine seltsame Weise Sinn. Halika nickt. "So ist es. Ich bin Menelmacar, Schwertträger des Westens. Dies ist meine irdische Gestalt." Du überlegst einen Moment. "Wenn ich dich sehen kann - Träume ich gerade?" Halika schüttelt den Kopf. "Nein. Du bist tot", offenbart sie ohne Umschweife. Es trifft dich nicht so hart, wie du erwartet hattest. Auch deine Erinnerungen kehren mit einem Mal zurück und du spürst einen leichten Schmerz bei dem Gedanken an Toknosh, der dir sein Schwert in den Leib bohrt. "Euer Sieg über das Südland hat einen Tribut gefordert. Die Valar haben dich auserwählt", erklärt Halika. Du denkst kurz nach. "Ist das hier also das Leben danach? Das Totenreich?" Halikas Mundwinkel hebt sich zu einem leichten Lächeln. "Nein. Jedenfalls nicht ganz." Dein Herz beginnt aufgeregt zu klopfen. "Heißt das, es gibt einen Weg zurück? Zurück nach Mittelerde?" Zurück zu Thorin? Halikas Lächeln erblasst. "Nein. Es gibt keinen Weg zurück ins Leben. Aber es gibt eine Entscheidung zu treffen, welchen Weg du ab jetzt gehst." "Welche Wege stehen mir denn zur Verfügung?" Du verschränkst deine Arme vor der Brust. "Aufgrund deiner elbischen Abstammung steht es dir frei, nach Valinor zu gehen. Dort allerdings wird dein Zwergenkönig nie gelangen. Mahals Sippe ist der Zugang zum Segensreich verwehrt. Oder du entscheidest dich, ins Totenreich der Sterblichen zu gehen. Dorthin kann auch Thorin gelangen. Allerdings besteht die Gefahr, dass du wiedergeboren wirst, bevor er stirbt. Dann würdet ihr euch niemals finden." Es ist, als würde der Boden unter deinen Füßen weggezogen werden. "Also habe ich eine Wahl zwischen Ich sehe Thorin ganz sicher nicht wieder und Ich sehe Thorin wahrscheinlich nie wieder?" Entsetzen erfüllt dich. Tot sein hast du dir irgendwie angenehmer vorgestellt. Halika sieht dich fest an. "Es gibt noch eine dritte Möglichkeit." "Welche?" Ganz kurz zögert sie. "Du könntest meinen Platz einnehmen, bis er stirbt. Dann könntet ihr gemeinsam dorthin gehen." "Als Göttin?" "Als Göttin und Sternbild, ja." Verwirrt schüttelst du den Kopf. "Wie?" Halika sieht in die Ferne. "Ich will einmal in meiner Unsterblichkeit hinab nach Mittelerde. Du weißt nicht, wie einsam es sein kann am unendlichen Himmel. Ich will wissen, wie es ist, zu leben." Du siehst die Göttin an. Dir war nie klar, dass die unsterblichen Wesen im Grunde so menschlich sind. "Doch ich kann nicht einfach gehen", fährt Halika fort. "Jemand muss das Sternbild sein. Jemand muss Menelmacar sein." "Wie kann ich sicher sein, dass du wieder da sein wirst, um deinen Platz einzunehmen, wenn Thorin stirbt und nicht einfach in Mittelerde bleibst?", fragst du mit gehobener Braue. Halika sieht dich fest an. "Ich verspreche es dir. Das Versprechen einer Göttin kann nicht gebrochen werden." Du blickst sie eine Weile lang an, in ihren Augen liest du die Wahrheit. "Ich tue es." "Bist du dir ganz sicher, Melian? Bis er stirbt, können viele Jahrzehnte vergehen. Das Dasein als Sternbild kann sehr einsam sein." "Ich würde in alle Ewigkeit einsam und unglücklich sein, wenn ich ihn nie wiedersähe", erwiderst du entschlossen. Halika nickt. "In Ordnung. Dann sei unsere Abmachung hiermit besiegelt." Sie hält dir ihr Schwert hin. Du zögerst keine Sekunde und greifst nach der Waffe. Das Schwert beginnt zu leuchten. Ein paar Herzschläge lang sind Halika und du untrennbar verbunden. Dann spürst du, wie sich eine unsichtbare Last auf deine Schultern legt. Halika lässt das Schwert los. Sie hat sich nicht verändert, doch auf deinen Handflächen sind geisterhafte Umrisse der Sterne zu sehen. Du trägst jetzt einen schmalen Goldreif, der mit winzigen Gravuren und roten Edelsteinen verziert ist. Auf der Stirn ist er breiter und ein liegender Löwe ist eingraviert. Du willst das Schwert in deinen Gürtel stecken, doch du musst feststellen, dass das Heft der Waffe untrennbar mit deiner Haut verwachsen ist. Schwertträger, denkst du grimmig. Das hätte sie mir ruhig vorher sagen können...Dann hätte ich es in die andere Hand genommen. Schon jetzt spürst du, wie das Gewicht des Schwertes schmerzhaft an deinen Muskeln zerrt. Doch du hast deine Wahl getroffen. Du wirst warten. Warten, bis Thorin stirbt. So lange würdest du jede Bürde der Welt tragen, nur damit du wieder bei ihm sein kannst. *** Thorin sitzt auf den Mauern des Einsamen Berges und starrt hinauf in den Nachthimmel. Sein engster Freund und Vertrauter Dwalin tritt zu ihm und folgt dem Blick des Zwergenkönigs hinauf in die Dunkelheit. "Zu solltest endlich zu Bett gehen", bemerkt er. Doch Thorin reagiert kaum auf seinen Rat. Stattdessen zeigt er hinauf in die Nacht. "Manchmal denke ich, sie ist noch bei mir. Irgendwo dort oben, im Himmel", meint er gedankenverloren. Dwalin weiß sofort, von wem sein Freund spricht, und er sagt es nicht, ihn zu unterbrechen. "Ich glaube, sie ist dort und wartet auf mich", fährt der Zwergenkönig fort. Dwalin sieht ihn besorgt an. "Du wirst doch nicht..." Thorin sieht ihn an. "Nein. Ich werde mich nicht vor meiner Verantwortung drücken. Sie wird warten, bis meine Zeit gekommen ist, das weiß ich." Er sieht zurück zu den Sternen, die ihr Licht auf den Großen See werfen - Wie jede Nacht. König Thorin herrschte lang über den Einsamen Berg und führte sein Volk zu neuem Glanz. Doch nie vergaß er seine geliebte Frau, ohne die er all das nie erreicht hätte. *** Du siehst zu, wie Halika auf dich zu kommt. Die Göttin, deren Platz zu eingenommen hast, sieht glücklich aus. Dein Herz beginnt schneller zu klopfen. Ist es endlich so weit? "Ist es geschehen?", fragst du aufgeregt. Halika lächelt. "Ja. Es geschah im Morgengrauen, im Schlaf. Er hat nichts gespürt. Doch nun muss es schnell gehen. Gib mir das Schwert." Du reichst ihr die Waffe, und kaum hat sie sie berührt, fällt das Gewicht des Schwertes von dir ab. Deine Zeit als Menelmacar ist vorbei, doch es ist gut so. Du folgst Halika zurück zu dem Ort, wo sie dich damals abgeholt. Und sie hatte Recht: Thorin steht dort, jung und stark, jede Spur von Grau ist aus seinem Haar gewichen und keine Falte ist auf seinem Gesicht zu sehen. Als er dich erkennt, erhellt sich sein Blick. "Melian! Bist du es wirklich?" Du stürzt auf ihn zu und wirfst die Arme um seinen Hals. "Ja, ich bin es. Du weißt nicht, wie glücklich ich bin, dich wiederzusehen." Thorin legt seine Arme um dich. "Ich habe immer gewusst, dass du auf mich warten würdest", murmelt er in dein Haar. Über seine Schulter hinweg siehst du zu Halika, die euch beobachtet. Danke. Sie neigt leicht den Kopf, bevor sie sich abwendet und wieder zum Himmel empor steigt, dorthin, wo sie hingehört. Und du bist nun auch endlich da, wo du hingehörst: an die Seite deines Mannes. Du greifst nach Thorins Hand. "Es ist Zeit", murmelst du. "Wir müssen gehen." Er lächelt dich an. "Meinem Wüstenstern folge ich überall hin." Und gemeinsam geht ihr in die Ewigkeit. So, das war es mit der Geschichte um Melian Dìaren, das Mädchen aus dem Süden. Ich hoffe, es hat euch ganz gut gefallen. Ich freue mich natürlich über konstruktive Kritik und weitere Kommentare und hoffe auf ein Wiedersehen, denn ein neues Projekt ist bereits in Planung. Bis dahin: Anor feanol a sîdh uireb!

16.67 % der User hatten die Auswertung: Melian Erumiël, Kronprinzessin des Erebor A pair of star-cross'd lovers take their life. (William Shakespeare) "Melian..." Verzweifelt klammert Fíli sich an die leblose Hand seiner geliebten Melian. Gandalf kniet sich neben ihn, doch der junge Zwergenprinz wendet den Blick nicht von der Toten ab. Ihre Augen sind geschlossen und ihre entspannten Züge erwecken den Eindruck, als würde sie friedlich schlafen. Welch ein Trug. Der Graue Zauberer legt ihm sanft eine Hand auf die Schulter. "Sie hat sich geopfert", sagt er leise. Fíli spürt, wie ihm die Tränen über die Wangen laufen, doch er wischt sie nicht ab. "Aber zu welchem Preis, Gandalf?", schluchzt er erstickt. Gandalf senkt den Kopf. "Sie hat es für Mittelerde getan." "Und was hat Mittelerde für sie getan?", gibt Fíli wütend und traurig zugleich zurück. Da tritt noch jemand hinzu. "Mittelerde wird sie in Ehren halten. Man wird ihre Geschichten erzählen, so wie sie einst den Soldaten am Feuer Geschichten erzählte." Ecthelion, der Thronfolger von Gondor, kniet vor Melians Leiche nieder. "Sie hat uns alle gerettet", sagt er und neigt das Haupt vor der Toten. "Ich hätte an ihrer Stelle sterben sollen", flüstert Fíli. Gandalf schüttelt den Kopf. "Nein. Sie wusste, was sie tat. Sie hatte keine Angst. Und sie hätte es nicht getan, wenn sie nicht gewusst hätte, dass du eines Tages verstehen würdest." "Verstehen...Ich weiß nicht, wie." Gandalf seufzt leise. "Ich kann dir nicht helfen, Fíli. Das kann nur die Zeit." *** Du öffnest die Augen und siehst auf ein Sternenmeer. Der Himmel ist tiefdunkelblau, und die Sterne brennen wie kleine Silberflammen. Du setzt dich auf und siehst dich um. Schräg links von dir befindet sich der Einsame Berg. Zu deiner Rechten spiegelt sich der Nachthimmel im Großen See. Kurz fragst du dich, ob du vielleicht träumst, doch eigentlich bist du dir sicher, dass du es nicht tust. Du siehst wieder zum Himmel. Auf einmal beginnt einer der Sterne, sich zu bewegen. Er wird ganz langsam immer größer, beinahe sieht es so aus, als würde er vom Himmel fallen. Der Stern bewegt sich genau auf dich zu und wird immer heller. Du bedeckst deine Augen mit den Händen, um nicht geblendet zu werden. Als du es schließlich wieder wagst die Augen zu öffnen, steht eine junge Frau vor dir. Sie hat lange dunkelbraune Haare und karamellfarbene Haut, doch das sind auch die einzigen Gemeinsamkeiten, die ihr habt. Sie ist wunderschön. Ihre Augen sind strahlend silbern und funkeln wie Sterne, die Pupillen darin sind von dem hellsten Weiß, das du je gesehen hast. Ihre Gestalt ist zierlich, und in einer Hand hält sie ein dünnes Buch mit einem seltsamen Zeichen auf dem Einband. Instinktiv weißt du, wer sie ist, und du neigst den Kopf vor ihr. "Sei gegrüßt, Melian Dìaren." Du siehst zu ihr auf. "Ihr seid Sayânnah, nicht wahr?" Die Göttin der Gerechtigkeit lächelt leicht. "Sayânnah heiße ich bei den Südländern. Doch ich habe auch andere Namen." Sie blickt dich mit ihren Sternenaugen an. "Kennst du dich mit der Mythologie Mittelerdes aus?" "Ich kenne sehr viele Geschichten, ja." Sayânnah lächelt. "Natürlich. Nun, dann ist dir sicher auch die Valie Varda Elentári bekannt." "Ja. Sie war die mächtigste der Valar, die Elben nennen sie Elbereth. Sie ist die Herrin von Licht und Sternen." "So ist es." Sayânnah nickt. "Elbereth erschuf die Sterne aus dem Silbertau des Baumes Telperion. Und einige dieser Sterne, die sie erschuf, wurden zu den Göttern der Haradrim. Ich selbst bin Elemmíre." "Sternenjuwel", übersetzt du den elbischen Begriff. Sayânnah nickt. Du denkst über das nach, was du soeben erfahren hast. "Warum bist du hier?" Auf Sayânnahs Lippen erstirbt das Lächeln. "Die Frage sollte eher sein, warum du hier bist. Nun, Melian...Du bist gestorben." Betrübt blickst du zu Boden. "Ja...Ich erinnere mich." Sayânnah legt dir sanft eine Hand auf den Arm. "Es war unvermeidbar. Eine Seele für den Sieg, heißt es. Eine Seele, um Mittelerde zu retten." Du nickst langsam. "Es ist richtig, wie es ist. Ich werde nur Fíli sehr vermissen. Werde ich ihn wiedersehen, wenn...wenn er stirbt?" Sayânnah sieht zu Boden. "Nicht, wenn du dich mit dem Tod zufrieden gibst", murmelt sie. Verwirrt blinzelst du sie an. "Wie meinst du das?" Sayânnah blickt dich fest an. "Wir befinden uns gerade in einer Welt zwischen Leben und Tod. Gewöhnliche Sterbliche gehen direkt ins Totenreich, doch ich habe beschlossen, dir eine Wahl zu lassen." "Was für eine Wahl? Und warum?" "Im Totenreich würdest du Erlösung finden, ewige Ruhe. Doch du würdest Fíli nie wieder sehen, denn dort ist der Tod endgültig und lediglich die Seele bleibt erhalten. Die Seele verliert alle Erinnerungen. Das ist das, was Sterbliche als Erlösung bezeichnen." Du schluckst. Ein Teil von dir sehnt sich nach solch einer Ruhe, doch mehr als alles andere willst du Fíli wieder bei dir haben...eines Tages. "Was ist die andere Möglichkeit?", willst du wissen. "Ich würde dich zu einem Stern machen. Nicht zu einer Göttin, doch zu einer Seele, deren Licht hell strahlt." "So wie sie es mit Beren und Lúthien gemacht hat?" "Ja. Wenn Fíli stirbt, würde auch seine Seele ein Stern werden. Am Himmel hättet ihr Zeit, euch zu finden, und wenn eure Seelen sich schließlich kreuzen, kann es sein, dass ihr eines Tages gemeinsam wiedergeboren werdet. Eure Sterne wären verbunden wie im Leben." "Ich will es", murmelst du. Sayânnah sieht dich durchdringend an. "Bist du dir ganz sicher? Bedenke, dass eure Seelen nicht die Erlösung finden würden. Erst nach eurer Wiedergeburt und einem sterblichen Leben auf Mittelerde hättet ihr diese Möglichkeit." "Ich liebe Mittelerde. Und Fíli wird es verstehen. Ja, ich bin mir sicher." Sayânnah nickt, auf ihren Lippen liegt ein leichtes Lächeln. "Dann schließ die Augen und gib mir deine Hand." Du folgst ihrer Aufforderung und atmest tief durch. Die Berührung ihrer Hände ist leicht und kühl. Kaltes Licht durchflutet deine Adern, und du spürst, wie du immer leichter wirst. Du hast das Gefühl, emporzusteigen...zum Nachthimmel über dem Erebor. *** Betrübt sitzt Fíli auf den Mauern des Erebor. Hier haben er und Melian dich das erste Mal geküsst. Hier haben Sie sich ihre Liebe gestanden. Es war einer der glücklichsten Augenblicke seines Lebens. Er blickt nach oben in die Nacht. Unter ihm spiegeln sich die Sterne im Großen See, doch Fílis Blick bleibt auf den Himmel über ihm gerichtet. Gandalf tritt zu ihm. Er folgt dem Blick des Zwerges zum Himmel. "Ich habe mich nie mit den Sternen beschäftigt", beginnt Fíli. "Aber Melian wüsste über jeden von ihnen eine Geschichte zu erzählen." Der Graue Zauberer neigt zustimmend den Kopf, dann zögert er. "Über diesen dort nicht." Er deutet auf einen kleinen, unscheinbaren Lichtpunkt, der direkt über der Spitze des Einsamen Berges steht. Bei genauerer Betrachtung erkennt Fíli, dass er rotgolden flackert. "Dieser Stern ist neu", murmelt Gandalf nachdenklich. Fílis Herz beginnt fester zu klopfen. "Glaubst du, sie ist es?", fragt er aufgeregt. "Glaubst du, es ist Melians Seele?" Gandalf lächelt sanft. "Es ist nicht unmöglich", antwortet er. Ein Funken Hoffnung erblüht in Fílis Brust. Ich werde dich finden, Melian, denkt er. Ich werde einen Weg zu dir finden, mein Wüstenstern. Eines Tages werden wir wieder vereint sein. *** Nach Thorins Tod herrschte Fíli viele Jahre lang gerecht über den Erebor. Du hast ihn jeden Tag und jede Nacht begleitet, unsichtbar und doch immer da. Und jetzt, da er gestorben ist, wartest du sehnsüchtig darauf, dass Sayânnah ihn endlich zu dir bringt. Wie Sayânnah kannst du als Stern von Zeit zu Zeit deine menschliche Gestalt annehmen. Auf deinem Kopf ruht ein geschwungener Reif aus verschlungenen hauchdünnen Silberfäden, der einen Rubin auf der Stirn hält. Du wartest nun also im Reich zwischen Leben und Tod. Endlich tritt Sayânnah ins Licht, an der Hand führt sie Fíli. Bei seinem Anblick macht dein Herz einen Sprung. Er sieht sich fasziniert um, doch kaum fällt sein Blick auf dich, hat er nur noch Augen für dich. Ihr fallt euch in die Arme. Nach so langer Zeit hast du schon beinahe vergessen, wie es war, seinen warmen Körper an dir zu spüren. Er streicht dir über den Rücken. "Sayânnah hat es mir schon erzählt. Ich bin so glücklich, dass du dich für uns beide entschieden hast", murmelt er. "Wirklich? Auch wenn es heißt, dass wir noch eine Ewigkeit zusammen verbringen müssen?", lachst du leise. Er lächelt glücklich. "Nichts würde ich lieber tun." Du spürst, wie eine unsichtbare Macht dich wieder zum Himmel zieht. Fest greifst du nach Fílis Hand und gemeinsam geht ihr zurück, um euren Platz unter den Sternen einzunehmen. *** Als der Alte Zauberer Jahre später wieder auf den Mauern des Einsamen Berges steht, fallen ihm die beiden Sterne ins Auge, die heller funkeln als je zuvor. "Lebt wohl, meine Freunde", murmelt der Istar. Vielleicht werden wir uns eines Tages wiedersehen. So, das war es mit der Geschichte um Melian Dìaren, das Mädchen aus dem Süden. Ich hoffe, es hat euch ganz gut gefallen. Ich freue mich natürlich über konstruktive Kritik und weitere Kommentare und hoffe auf ein Wiedersehen, denn ein neues Projekt ist bereits in Planung. Bis dahin: Anor feanol a sîdh uireb!