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Buckys Geschichte

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8 Kapitel - 9.966 Wörter - Erstellt von: - Aktualisiert am: - Entwickelt am: - 358 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Was geschah in Sibirien?

    1
    Weiß. Der menschliche Verstand ist auf seine verwirrende Weise schon irgendwie faszinierend. Keine Ahnung ob es an Hydra liegt oder an mir: Erinnerungen laufen ab, aber nicht in der richtigen Reihenfolge. Soviel kleine perfekte Momente.Steves wütender Blick, wenn man ihm den Arsch rettet, als hätte er das alleine hinbekommen. Wenn ich mir durch das Haar fahre, ist es manchmal, als spüre ich meine Mutter, wie sie es mir zerzaust.
    Einmal haben wir einen Schneemann in unsrer Größe gebaut, nachdem Steve unseren einzigen Ball über eine Mauer oder so etwas gekickt hatte. Ich weiß, dass es passiert ist, aber nicht wann. Frustrierend. Absolut kein Ereignis meiner Kindheit kann ich chronologisch perfekt einordnen, abgesehen vielleicht von meiner Einschulung. Und doch sind es die Momente die zählen, rede ich mir nachts ein. Das sind die Ereignisse, nach denen du bewusst graben solltest.Und dann gibt es noch eine Stimme, die flüstert etwas anderes. Unbedeutend, nichtig. Manchmal kommt mir meine Kindheit und Zeit bei der Armee vor wie ein Tunnel, ein lächerlich unwichtiger Teil des Weges, der unwiderruflich ins weiß führt. Ein so helles weiß, dass es in den Augen brennt und eine Mission, die endlich das verdammte Ende von Arnim Zola hätte sein sollen. Und wenn ich über diesen Punkt nachdenken will, sträubt sich mein Verstand. Es ist nicht so, als erinnere ich mich nicht mehr. Ich erinnere mich an jeden einzelnen Tag. Es ist eher wie eine Selbstschutzmasnahme. Denk nicht daran, denk nicht daran, denk nicht daran. Aber das muss aufhörend, denn wenn ich es tags vermeide, kommt es in der Nacht hoch. Meine Träume waren schon immer lebhaft und recht intensiv, ich erlebte die wildesten Abenteurer bei vollem Bewusstsein, war ein Forscher oder Super Held. Nun habe ich Angst vor dem einschlafen, bekomme mit Mühe 4 Stunden Schlaf am Tag. Dann beobachte ich von meinem Fenster aus die Sterne, die hier schwerer zu erkennen sind als in Sibirien. Sie haben mir so viel genommen, aber sogar meine Träume...
    Das muss aufhören.
    Also, sieh nicht weg. Stelle dich deinen Dämonen, die mit ihren blutroten Fangarmen nach dir greifen und dich wieder hinunterziehen wollen. Wenn wir einen Kopf abschneiden, wachsen zwei neue nach.

    2
    Die Mission

    Es war scheiße kalt an dem Tag. Ich konnte die Kälte noch nie wirklich leiden und jetzt hasse ich sie regelrecht. Ich möchte nie wieder an solch einem kalten Ort leben. Zwar war es kalt und gefährlich und ich hatte ein komisches Gefühl, aber ich ließ mich davon nicht beirren.
    Ob es eine Vorahnung war?
    Ich glaube nicht, denn jede Mission, die Arnim Zola oder Red Skull inkludierten fühlten sich seit unserer Gefangenschaft in der Hydrabasis, die Steve praktisch im Alleingang komplett zerstört hatte, irgendwie seltsam an. Denn auch damals schon versuchte ich, mich an diese Tage nicht zu erinnern und die Vorstellung von Zolas Gesicht half dabei nicht gerade. Ich hatte schon immer ein Problem mit seinem Gesicht, und kann es nicht einmal richtig erklären. Seine Hässlichkeit tat beinah weh und in seinen Augen schien es zu funkeln, wenn er einen ansah...als sei man ein Stück Fleisch oder vielleicht ein Kaninchen, dass er zu seinem Vergnügen piksen konnte. Was im Prinzip ja auch so war.
    Jedenfalls war ich extrem motiviert, ihn endlich zu kriegen, damit dieses Gefühl verschwand. Vielleicht wurde ich dann auch den Eindruck, ich hätte mich seit diesen Tagen verändert, endgültig los.

    Während ich schreibe, fallen mir meine Haare immer wieder nach vorne. Ich nehme sie zusammen und flechte sie zu einem losen Zopf, wie ich es bei meinen Schwestern oft getan habe. Vielleicht sollte ich die Haare loswerden, andererseits stören sie mich nicht wirklich, anders als der Arm.Aber den kann ich nicht gerade einfach abschneiden, oder?

    Wir seilten uns also auf einen fahrenden Zug am Rande eines riesigen Abgrundes ab, eine typische Mission, die praktisch Tod schrie, wir aber ohne auch nur von ihr beeindruckt zu werden meisterten. Der scheidende Wind traf mich mit voller Kraft im Gesicht und schien einem die Haut vom  herunterreißen zu wollen. Instinktiv wollte ich die Augen schließen, aber da ich sehen musste, um richtig landen zu können, kämpfte ich gegen den Impuls an und besiegte ihn schließlich. Meine Finger umklammerten den kalten Griff, bis ich tief durchatmete und losließ. In gedruckter Haltung landete ich auf hartem Untergrund und für einen Moment dachte ich, mein Körper könne den Winden nicht standhalten und ich würde wie ein  Schneeflöckchen über die Kante geweht werden und nur nicht so graziös auf einem Felsen landen, sondern fallen wie ein Stein. Meine Springerstiefel verließen den Untergrund nicht, als ich mich langsam über die Plattform bewegte und hinter Steve die Leiter herunterkletterte. Der Abgrund war sehr nah, und immer noch zogen neben allen möglichen Winden auch meine eigenen Ängste an mir.
    Dann waren wir drin und die Nervosität wich einer kalten Entschlossenheit.
    Mit einem Mal gab es keinen Wind mehr, nur Regale über Regale aus grauen Metall und trotz konzentrierter Angespanntheit war ich irgendwie froh, nicht mehr auf dem Dach zu stehen. Jedenfalls, bis mit einem Mal eine Tür zwischen Steve und mir zuging zuging, von deren Existenz ich bis dahin gar nichts bemerkt hatte und ich einen dieser seltsamen Schusswechsel mit irgendeinem Hydra Mensch beginnen musste. Schusswechsel sind allgemein schon ziemlich fragwürdig aber auf so engem Raum... In Rumänien gibt es andauernd solche Spiele, bei denen man zum Spaß mit Lasern aufeinander schießt, was ich irgendwie falsch finde, auch wenn ich wahrscheinlich recht gut in so etwas wäre. Wird man getroffen, wartet man ein paar Minuten und macht weiter. Damals konnte man nicht weitermachen, aber das war aufgrund des Adrenalins kaum ablenkend. Doch dann gab es eine dieser kurzen Pausen, in denen beide Seiten kurz nachladen, und meine Hand verkrampfte sich um den Lauf der Waffe als mir die Situation für einen Moment den Atem nahm. Ich würde sterben. Ich würde in einem verdammten Zug sterben, weil der Lagerraum zu klein war, um saubere Schüsse abzufeuern, das Zeitfenster zu kurz. Steve war irgendwo hinter dieser undurchdringlichen Wundertür und konnte mein Leiden machtlos mitansehen. Keine Rettung diesmal. Theoretisch konnte ich kapitulieren, nur weigerte ich mich, einer weiteren Gefangenschaft entgegenzugehen. Eher wollte ich tot sein als noch einmal Mr Zolas Kaninchen, denn ich konnte mir ein weiteres Mal in dieser grausamen Maschine einfach nicht vorstellen. Wenn ich beim ersten Mal für einen Moment noch nicht einmal meinen ältesten Freund erkannt hatte, was würde ich nächstes Mal vergessen? Meine Mutter? Die Geschwister? Meine Kindheit? Unser Team? Diese Erinnerungen bestimmten, wer ich war und eher würde ich sterben, als mich selbst zu vergessen.Lieber tot als nicht ganz lebendig. Alles oder nichts.
    Wenn du jetzt nicht handelst, wird genau das eintreten, sagte eine Stimme in meinem Kopf mit schneidender Intensität. Lass dich nicht wieder gefangen nehmen. Lebe.
    Ich betrachtete die hellgraue, glänzende Stahlwand neben ihr und versuchte, mich zu beruhigen. Das wird nicht noch einmal passieren. Alles wird gut. Du kommst nach Hause.
    Schuhe schliffen über den Boden, abrupt ausgestoßer Atem war zu hören.
    Sie kamen auf mich zu.
    Du bist dran!
    Ich verließ meine Deckung und schoss.Wieder und wieder. Deckung, warten, schießen. Eine gefährliche Routine, doch ich war es gewöhnt.
    Wie ein Tanz.
    Im Hintergrund waren Geräusche eines anderen Kampfes zu hören.
    Dann gab es einen weiteren dieser Nachladepause-Panik-Momente, in denen ich realisierte, das die seltsame Tür aufging und Steve mir mit einem Winken signalisierte, zur Seite zu gehen. Er rammte die Typen frontal mit seinem Schild weg, woraufhin ich schloss. Wir kannten die Bewegungen des anderen wie ein altes Ehepaar. „Ich hatte ihn", stellte ich klar, da ich immer noch seine Strategie anzweifelte, bei der er abgesehen von einer großen Frisbee völlig ungeschützt auf einen Mann mit einer Schusswaffe zurannte. „Ich weiß", gab er zurück und wurde jäh von einem kranken Ding unterbrochen, dass eine Art laser auf uns schoss, eine weitere seltsame Schöpfung Zolas. Trotz dem Schild wurden wir nach hinten geschleudert und ohne hinzuschauen wusste ich, dass wir ein gewaltiges Loch im Zug hatten, denn ich spürte den Wind wieder auf meiner Haut, konnte seinen anziehenden Sog fühlen. Über Lautsprecher gab Zola nützliche Befehle wie tötet ihn, während ich das Schild neben mir aufhob und auf die Beine kam. Obwohl ich keine Ahnung hatte, was genau mein Gegenüber war, ging ich auf es zu, ohne das Geschützfeuer zu unterbrechen.
    Es parierte seinerseits mit einem weiteren Schuss, den das Schild nicht richtig absorbieren konnte. Die schiere Wucht schleuderte meinen Körper aus dem Abteil, während sich das Schild aus meiner Hand löste und zu Boden fiel. Ich griff erneut danach und bekam stattdessen eine Stange des Zuges zu fassen.
    Außerhalb des Zuges.
    Ich hing an einem fahrenden Zug über einem schier unendlich tiefen Abgrund und hielt mich an einer lächerlich dünnen Eisenstange fest. Kurz schien sich mein Griff links zu lockern und ich klammerte schnell auch den Daumen darum, während meine Füße Halt suchten, wo es keinen gab. Ich baumelte und konnte absolut nichts dagegen tun, außer zu warten, bis meine Finger taub wurden und mein Griff sich lösen würde.
    In mir hätte es eigentlich schreien müssen, doch ich blieb ganz ruhig, konzentrierte mich darauf, nicht weggeweht zu werden.
    Und wartete.
    Denn wie schon so oft erschien Steve beinah sofort und robbte an der Außenwand entlang langsam zu mir hin, während er sich an einer Stange festhielt.
    Er kam immer früher oder später, genau wie ich,  seit wir Kinder waren hatte sich daran nie etwas geändert.
    „Halt dich fest", rief er, während er sich weiter zu mir hin bewegte.
    Im Rückblick ist das natürlich eine relativ sinnlose Anweisung, denn niemand lässt mit Absicht los. Doch in dem Moment war ich ein wenig abgelenkt. Er war gekommen. Wie immer. Alles wie immer.
    Dann streckte er die Hand aus und für eine Millisekunde schien sich sein hellbrauner Handschuh in das Schlammbespritze Patschehändchen des vierjährigen zu verwandeln, der damals im Dreck geweint hatte und auch meine fast tauben Finger wurden zu denen des kleinen Jungen, der sich entschied, diesem seltsamen Kind hochzuhelfen. Doch etwas stimmte dieses Mal nicht, die Distanz zwischen uns war zu groß.
    Unüberbrückbar, schoss es mir durch den Kopf.
    Du schaffst es nicht, keine Rettung diesmal.
    Dann brach die Stange.

    3
    Der Sturz

    Für einen winzigen Moment dachte ich, ich könnte die Hand noch greifen. Dann war da nur noch der Wind und der Abgrund und ein wahnsinnig lauter Schrei, der einem in den Ohren schmerzte, wahrscheinlich mein eigener. Einmal sind wir auf Coney Island im Dunkeln mit der Achterbahn gefahren. Erst ging es hoch hinauf aber ich konnte nicht richtig einschätzen, wie weit, da man ja nichts sehen konnte. Und schließlich hatten wir den höchsten Punkt erreicht und standen, die Panik stieg auf, mein Magen schien sich zu heben und von einer Sekunde auf die andere gab es nur noch den Fall, die Dunkelheit und meine eigene Kehle, die vom schreien wund zu werden schien.
    So ähnlich fühlte es sich an: in einem Moment hast du noch alles, ein Team, eine Mission, einen Freund, der dir alles bedeutet und die Aussicht auf eine entfernte Zukunft in Frieden. Du hast Hoffnung. Dann bricht die Stange und mit deinem sich verzweifelt nach dir ausstreckenden Freund verschwindet all das.
    Da war nur noch der Wind und der Himmel, das Fallgefühl und der Schrei.
    Und die Gewissheit, das ich sterben würde.

    Der Bleistift ist vom zerkauen zerbrochen, einfach so. Ich sollte einen Füller oder so etwas besorgen.

    Man sagt, in den letzten Augenblicken kurz vor deinem Tod spielt sich dein Leben vor einer Art innerem Auge ab, doch an dem Tag war dem nicht so.
    Mein schwindender Geist klammerte sich im Sturz an eine einzige Erinnerung: Steve's Hand, die sich hilflos nach mir aus streckte. Er würde noch nicht einmal meine zermatschte Leiche ansehen können.
    Der Weg hinab war lang.

    Seit ihr schon einmal nachts aufgewacht, weil ihr das Gefühl hattet, zu fallen? Ich habe gelesen, es liegt daran, dass das Herz beginnt, langsamer zu schlagen und dein Körper dir so signalisieren kann, aufzuwachen. Aber seit diesen Tagen in Sibirien scheint mein Körper manchmal gegen mich zu arbeiteten und deshalb wache ich durch den Fall nie auf.
    Er ist gerade erst der Anfang.

    4
    Verloren

    Der Aufprall nahm mir regelrecht den Atem. Er wurde einfach aus meinen Lungen herausgepresst, während nahezu all meine Knochen gleichzeitig brachen, mit einem Geräusch, das lauter in meinen Ohren zu klingen schien als mein abrupt abgebrochener Schrei.
    Ich hatte mich im Fall irgendwie gedreht, wesshalb mein Gesicht halb im Schnee lag und auf meinen rechten Arm starrte. Sein Winkel kam mir falsch vor. Dann jagte die erste Schmerzwelle durch meinen Körper, von den Zehenspitzen zu den Fingern hin schien mir jeder Muskel wütende Impulse zu senden, erst langsam, zögerlich, als müssten sie erst noch vorsichtig überprüfen, ob ich noch am Leben war, dann steigerten sie sich immer weiter hinein und mein Kopf wollte schlichtweg explodieren um sich das nicht antun zu müssen.
    Mein Mund öffnete sich zu einem stummen Schrei, doch ich hatte keine Luft mehr in meinen Lungen, um ihn freizulassen.
    Langsam kam mein Gehirn wieder ein wenig auf Kurs, doch es fühlte sich an, als wären meine Gedanken unter Wasser und könnten sich nur schleppend durch den Schmerz bewegen. Dann schaffte ich nach einer langen Weile, etwas halbes klares zu formulieren.
    Nicht ohnmächtig
    Adrenalin
    Wird aufhören
    Sie hatten recht, das Adrenalin würde mit der Zeit nachlassen und der Nebel sich lichten, damit die Schmerzen vollkommen von mir Besitz ergreifen konnten.
    Etwas anderes schlich sich hinzu, etwas bohrendes, widerliches.
    Stange.
    Mit einem Mal von einer schrecklichen Gewissheit erfüllt, drehte ich mit letzter Kraft den Kopf auf meine linke Seite.
    Ein gutes Stück unterhalb meiner Schulter, etwa bei der Hälfte meines Oberarms, lag die Metallstange mit dem scharfkantigen, gezackten Ende, dass vom Zug abgerissen war nach oben.
    Dann kam ein millimeterdicker Streifen reinen, weißen Schnees.
    Und noch ein winziges, aber doch unüberwindbares Stück weiter sah ich auf meinen linken Arm, der den Schnee um sich herum rosa färbte. Dort, wo er abgetrennt worden war glänzte ein weiteres helles Stück, der Knochen. Mein Blickfeld verschwamm am Rande ein wenig und ich hatte schwören können, eine Art summen zu hören.It's been a long, long time schoss es Mir durch den Kopf, bevor meine Welt schwarz und stumm wurde.[style type="bold"][/style]

    Madam Hopkins war eine kleine, doch überaus korpulente Frau, die ihren Nachbar im Hochhaus gegenüber so gar nicht leiden konnte. Wenn sie des nachts mit einem Glas Wein auf ihrem Balkon saß um die kühle Luft zu genießen, hatte dies ihr ständig ein Gefühl von völliger Ungestörtheit gegeben. Normale Menschen schliefen um die Zeit und so war sie der einzig wache Geist. Die Nacht gehörte ihr, sie war ihre Königin. Deshalb hatte sie sich auch nie ein Mittel gegen ihre Schlaflosigkeit verschreiben lassen, geschweige denn sie irgendwem gegenüber erwähnt. Sie befand sich des nachts in ihrer eigenen geheimnisvollen Blase und diese Tatsache wurde wohlgehütet bleiben.
    Jedenfalls bis der schmierige Kerl ins Hochhaus gegenüber zog und die Einsamkeit vorbei war. Sie erinnerte sich an diesen warmen Donnerstag (technisch gesehen Freitag morgen, 3 Uhr), als sie zum ersten Mal von einem leisen, sich jedoch steigenden Schrei bei ihren Gedankenspielen über literarische Werke gestört wurde, bis er mit einem Mal einfach abbrach. Mrs Hopkins holte schnell ihr Fernglas, mit dem sie manchmal Vögel beobachtete und spähte in die grobe Richtung. Dort befand sich sich ein typischer weißer Balkon, der friedlich vor sich hin existiert hatte, bis ein Mann heraustrat. Obwohl es sehr schwül war an dem Abend trug er einen Pullover, was Mrs Hopkins überaus schade fand, denn darunter schienen sich beachtliche Muskeln abzuzeichnen. Statt sich wie jeder normale Mensch einen Stuhl von drinnen mitzubringen, ließ der Fremde sich auf den Boden fallen und umklammerte das Gelände. Durch die Stille der Nacht hindurch konnte Mrs Hopkins seinen keuchenden Atem hören, der immer schneller wurde, während er vergeblich versuchte, ihn zu beruhigen. Sein Blick glitt ruhelos zwischen den Häusern umher und fixierte schließlich den Mond. Stundenlang saß der Mann so dort, auch als sein Atem sich längst normalisiert hatte wollte er sie einfach nicht alleine lassen, als könne er die Enge seines eigenen Hauses nicht ertragen.
    Dies geschah immer und immer wieder, Nacht für Nacht und nie kam er oberkörperfrei. Wie überaus bekümmerlich.

    Ich will nicht weiterschreiben. Es wird ziemlich pathetisch und ich fühle mich nicht bereit, weil es währenddessen immer wieder über mich hereinbricht. Die Alpträume werden auch nicht besser, aber ich habe keine Ahnung, was ich sonst tun soll. Ich muss weitermachen, und hoffen, sie gehen vorbei, wenn ich fertig bin.

    Mein Bewusstsein holte mich wieder langsam ein, als ich durch den Schnee geschleift wurde und dabei über mehrere Steine holperte. Als wollte mein Körper mir sagen: ändere etwas. Mein linker Arm zog eine blutige Spur durch den Schnee, nicht zu übersehen.
    Vielleicht würden diese Leute mir ja helfen. Vielleicht würden das Howling commando zu meinem Absturzort zurückkehren und am Boden keine Leiche entdecken. Vielleicht...ich verlor wieder das Bewusstsein.
    Als ich erneut aufwache, war der Grund ein Eimer sehr, sehr kaltes Wasser in meinem Gesicht, wahrscheinlich einfach nur geschmolzenes Eis. Davon haben sie dort reichlich. Eis und Schnee, das einzige, womit diese Landschaft zur genüge dienen kann. „
    6одрствующий, солда́т", kam es von einer barschen, tiefen Stimme über mir. Es klang wie das Gebell eines Hundeführers. „Was?", gab ich zurück und meine Stimme klang ganz seltsam, wie im Delirium.Der Typ verdrehte nur die Augen, was mich rückblickend extrem stört. Ich weiß, es war Hydra und ich weiß, ich sollte hier ernst bleiben aber kommt schon. Wer erwartet denn von irgendeinem Mensch, den er im Schnee findet, dass dieser russisch spricht. Ich trug sogar die Erkennungsmarke der amerikanischen Armee. Noch wichtiger, wer spricht bitte kein Englisch! Himmelhergott, unser Team hatte einen Franzosen und selbst der konnte sich verständigen.  Manchmal habe ich das Gefühl, ich ruiniere die rückblickende Erfahrung durch solche Kommentare, andererseits ist es nicht unberechtigt. Es schafft Distanz, irgendwie. Ich weiß nur noch nicht, ob das etwas Gutes ist.
    Der russische Typ nickte und begann, sich mit seinem Kollegen zu unterhalten. Der Witz davon ist, dass ich die Sprache jetzt theoretisch verstehen würde, mich an den seltsamen Kauderwelsch jedoch nicht mehr erinnere. Zu sehr war ich mit meinen eigenen Schmerzen beschäftigt und mit der Frage, wo zur Hölle ich mich befand. Früh genug würde ich es herausfinden.

    5
    Alte und neue Bekannte


    Sie redeten und ich driftete ab, andere Stimmen schienen nach mir zu rufen. Englische Wörter, die klangen wie ein Klagelied. Nach einer Weile in dieser dunklen Zwischenwelt erkannte ich das Lied, das auf der Beerdigung von Steve's Mutter gesungen worden war. Davor hatte ich ihm Versprechen müssen, meinen Fingernagel in sein Schlüsselbein zu bohren, sollte er anfangen zu heulen. Körperlicher Schmerz lenkt von emotionalem ab. Ich fragte mich, wer das auf meiner Beerdigung für ihn machen würde, denn im Moment sah es nicht so aus, als würde ich diesen Ort lebend verlassen. Trotz der Eiseskälte schien es mir, als stünde mein Körper vor Schmerz in Flammen und die Russen um mich herum taten absolut nichts dagegen, schauten nur mit einer Mischung aus Ekel und distanzierter Neugier auf mich hinab.
    Keine Ahnung wieviel Zeit verging, bis das Fieber nachließ und mit ihm die Halluzinationen verschwanden. Vorerst. Ich weiß nur noch, dass ich meine eigene Beerdigung miterlebte, doch der Sarg war aus Glas wie bei Schneewittchen, sodass ich Steve hemmungslos flennen sehen konnte. Er solle den Mund halten und mich herausholen wollte ich schreien, doch meine Lippen konnten keine Laute formen. Dann driftete ich davon und zurück in die Hydrabasis, nicht die in Sibirien, die andere. Steve kam, um mich zu retten, doch er war schwach und klein und scheiterte, fiel Meter entfernt an der Tür zu Boden. Er verwandelt sich in dutzende rote Hydras, die zu mir glitten um mich zu ersticken und sich in Arnim Zola verwandelten, der ohne ersichtlichen Grund auf mir saß und mich mit diesem Blick ansah, während er die Hand weiter auf meinen Mund gepresst hielt. Kurz bevor ich erstickte, verschwand er einfach. Ich wachte auf und war wieder in Sibirien und das Howling Commando unterhielt sich fröhlich mit meinen Rettern und nahm mich mit nach Hause und alles war gut, bis ich in Dum-Dums Augen sah, aus denen das Blut lief und jemand begann, sich an meinem linken Arm zu schaffen zu machen. Er wurde einfach mit einem sauberen Ruck abgerissen und ich wirbelte mit einem Schrei zu Steve herum, der nur mit den Schultern zuckte. „Superserum", meinte er und wedelte mit meinem blutenden Arm durch die Luft, dass mir die Tropfen ins Gesicht spritzen.
    Langsam erwachte ich wirklich, doch sofort wünschte ich, ich wäre im Traum gestorben. Vor mir stand, wahrlich und wahrhaftig Armin Zola und sah mich durch seine runden Brillengläser hindurch fasziniert an. Ich versuchte, wieder wegzugleiten, doch es war unmöglich, denn ich schlief nicht mehr. Dann wurde mir klar, was das bedeutete. Ich war nicht bei irgendwelchen netten, aber ahnungslosen Russen gelandet, die mich freundlich in ihr Heim aufgenommen hatten und nach meiner Genesung ins nächste Schiff nach Amerika setzen würden. Daran hätte ich vielleicht schon zweifeln sollen, als sie mich einfach nur angestarrt hatten, doch wie ein Narr hatte ich mich an einen letzten Funken Hoffnung geklammert und daraus meinen Überlebenswillen gezogen.
    Hura Bucky, du hast es geschafft, ertönte eine vor Sarkasmus nur so triefende Stimme in meinem Kopf, die verdächtig nach Howard Stark klang. Du lebst noch, bist dem Tod von der Schippe gesprungen, damit du Zola gerade recht kommst. Willkommen in der Hölle, mein Freund. „Sergeant Barnes", kam es aus Zolas Mund wie in der ersten Hydrabasis schon. Er hatte mich unter all den Gefangenen ausgewählt, weil ich ihr Anführer war und sie nur Schafe, die mir folgten und ohne Führer williger wären.So hatte er es glaube ich ausgedrückt. Mich und acht weitere Sergeants. Was war wohl aus ihnen geworden? „Die Prozedur hat bereits begonnen, Sergeant. Wie überaus faszinierend. Von denen, die ich benutzte, haben nur sie überlebt und dann auch noch einen Sturz aus dieser Höhe... Ja, das Serum hat bei ihnen wahrlich angeschlagen." Er beugte sich ein Stück vor und tätchelte mir den Kopf, wie ein Vater, der überraschenderweise Stolz auf das Produkt seines Spermas ist. Seine Berührung widerte mich an, genau wie seine Stimme.Obwohl ich tausend Fragen hatte, wollte ich mich nicht dazu herablassen, sie ihm zu stellen. Das wäre beinah, wie ihn um etwas zu bitten.
    Ich war vielleicht in meiner persönlichen Hölle gelandet, doch wie auch schon in der anderen Basis würde ich es ihm weiß Gott nicht leicht machen.
    Nur das er mich auch dort schon mit Leichtigkeit gebrochen hatte.
    „Sie halten was aus, Barnes", fuhr er liebenswürdig fort, während er seine Brille mit dem Mittelfinger zurechtrückte und sich an einer Infusion zu schaffen machte, die an meinem rechten Arm hing. Wie war sie nur dort hin gekommen? „Nun, da sie ein wenig von ihren Verletzungen genesen sind, kann ich die Dosis erhöhen, nicht wahr? Keine Angst vor Halluzinationen, sie sterben daran nicht. Wahrscheinlich. Ich habe es nach den ersten drei Toten optimiert."
    „Nein", flüsterte ich und Zola hielt tatsächlich Inne.
    „Wie war das? "
    „Lassen Sie mich." Meine Stimme klang in meinen eigenen Ohren fremd, weil ich sie so lange nicht benutzt hatte.
    „Aber Mister Barnes", auf Zolas Gesicht machte sich ein Grinsen breit, das mich erschaudern ließ, „ich habe doch kaum richtig angefangen."

    Mrs Hopkins war mit der unerwünschten Gesellschaft des jungen Mannes umgegangen, wie mit jeder Änderung in ihrem Leben, vom Kontaktverlust zu ihrer Tochter bishin zur Absetzung ihrer Lieblingsserie. Erst hatte sie sich schrecklich aufgeregt, doch nach einer Weile hatte sie sich an den Gedanken gewöhnt und ihn akzeptieren. Schließlich war es zur Routine geworden.
    Deshalb war sie ein wenig geschockt, als sich eines Tages etwas veränderte. Nach dem Hyperventilieren stand der junge Mann auf und sah nach unten auf die Straße. Mittlerweile hatte sie den Kerl dermaßen lieb gewonnen, dass sie sich ein neues Fernglas besorgt hatte, um ihn besser sehen zu können. Obwohl er keine Lichter angeschaltet hatte schien der Vollmond in der Nacht so hell, dass sie seine Unterlippe zittern sehen konnte. Und auch die Tränen, die sein Kinn hinabtropften und hundert Meter tiefer auf den Asphalt klatschen, wo sie bedeutungslos von der Straße aufgenommen wurden, blieben der Dame nicht verborgen.
    Und mit einem Mal kam ihr das schweigende beobachten seines ebenso stillen Leidens beinah unerträglich vor.
    Zum ersten Mal seit 20 Jahren wollte sie bewusst den ersten Schritt machen, etwas an ihrem Leben ändern. Sie nahm ihren ganzen, nicht unbeträchtlichen Mut zusammen und brüllte durch die Nacht:„Hey Jungchen"
    Der Mann blickte auf und fixierte sie direkt ohne die Balkone neben ihr mit seinem Blick zu Streifen, er wusste also schon länger, dass sie da war. Davon ließ sich Miss Hopkins jedoch nicht beirren: „Man hält das ja kaum aus. Kommen sie herüber oder gehen sie rein."
    Für einen Moment war es ihr, als würde er direkt in ihre Augen blicken, obwohl dies bei der Entfernung wohl kaum möglich war. Dann stand er zögerlich auf und machte sich auf den Weg.

    6
    Bevor ich das Haus verließ, suchte ich mir ein paar unauffällige Handschuhe um meine Metalhand zu verbergen und fischte im Dunkeln nach dem Haustürschlüssel. Ich wusste noch nicht einmal genau, warum ich mich entschieden hatte zu gehen, nur, dass es seltsam gewesen wäre, einfach nein zu sagen. Wie so oft konzentrierte ich mich auf das, was zu tun war: den Gang durchs Treppenhaus und über die Straße, dann wieder Treppen hoch, fixiert auf meine Schritte. So komme ich auch sonst durch den Tag: Er ist so gefüllt mit Arbeiten in der Bar, Einkäufe erledigen, schreiben, Dinge über das einundzwanzigste Jahrhundert herausfinden, dass mir in dieser Zeit kein Moment der Ruhe bleibt. Denn wenn ich zur Ruhe komme denke ich und wenn ich denke zerbreche ich. Und so schaffe ich es, mir das für nachts aufzusparen.
    Als ich den fünften Stock erreicht hatte, merkte ich, dass eine der Türen bereits einen Spalt offen stand und leise Musik aus dem Raum drang. Zögerlich trat ich ein und blieb seltsam an der Tür stehen, unsicher, was erwartet wurde. Die kleine, ältere Dame, die mich seit meinem Einzug jede Nacht durch ein Fernglas beobachtete, sah mich vom anderen Ende des Raumes aus an, dann winkte sie sich zu ihr. „Nur herein", lud sie auf rumänisch ein, „trinken sie ein Gläschen mit mir. "
    Auf ihrem Balkon stand ein zweiter Stuhl, auf den ich mich misstrauisch setzte, während sie mir ein Glas Rotwein einschenkte und dabei fröhlich vor sich hinsummte. Ich verstehe nicht, warum sie entschied, mich einzuladen, doch es war eine gute Idee, die Einladung anzunehmen. Auch wenn es bedeutete, sich normal verhalten zu müssen (oder so normal, wie es unter den Umständen möglich ist), während du Lilly McNeils winzigen Kopf siehst, der an die Wand gespritzt wird, während ihre Hände den Klammergriff um einen kleinen Stoffhasen lösen und er zu Boden fällt. Und die Waffe in deiner Hand.
    Gestern, als Mrs Hopkins sich entschied, mich zu sich zu rufen, konnte ich das Bild nicht mehr ertragen. Ich dachte stattdessen bewusst an meinen Sturz, überlegte, wie es wäre, vom Balkon aus in den Verkehr zu springen. Ob die Erfahrung ähnlich wäre.
    Doch Lilly wollte mich nicht in Ruhe lassen, zupfte an meinen Gedanken und beendete jeden meiner Gedanken mit einer Anklage. Als Mrs Hopkins mich gerufen hat, hatte ich gerade darüber nachgedacht, mich am Dachbalken meiner Wohnung aufzuhängen.[style type="bold"][/style]

    Eine Weile saß der junge Mann nur schweigend da, unschlüssig, was er sagen sollte und rührte seinen Rotwein nicht an. Also brach Mrs Hopkins zum zweiten Mal das Schweigen: „Wieso tragen sie Handschuhe an diesem lächerlich warmen Abend ähm..."
    „Bucky." für einen Moment hielt der Mann überrascht inne, als habe er seinen eigenen Namen schon eine Weile nicht mehr gehört. „und mir ist nicht warm."
    „Sie tragen immer einen Pullover, Bucky. Das ist nicht normal. Was haben sie zu verbergen. Ihren Körper?"
    Er nickte schweigend in sein Glas hinein und die alte Dame lachte kurz auf: „Sie sind jung und stark und gesund. Was gibt es es da zu verbergen?"
    Aus den Augenwinkeln heraus betrachtete er sie, dann machte sich auf seinem Gesicht ein Grinsen breit, das wieder von einem kurzen Moment der Verwirrung unterbrochen wurde, als hätte er länger nicht mehr gelacht. „glauben sie mir: ich bin weder stark, noch gesund. Aber am allerwenigsten bin ich jung." Dann begann er leise in seine Hand hinein zu lachen, beinah beschämt. Als wäre es nicht richtig von ihm, Freude am Leben zu haben.
    Mrs Hopkins war von seinem Verhalten, aber vor allem von der Bemerkung überaus verwirrt. „Wie alt sind sie, Ende zwanzig? Im Vergleich zu mir sind sie ein junger Hecht", gab sie zurück und grinste herausfordernd. Das schien den Balkonmann nur noch mehr zu amüsieren, denn obwohl er es nicht wagte, beim Lachen die Stimme zu heben, konnte er kaum aufhören, um zu antworten: „Das ist nicht wahr, glauben sie mir."
    „Soso", gab sie zurück und zwinkerte ihm zu, „und wie alt sind sie, wenn ich fragen darf?"
    Eine Weile dachte er nach, dann senkte er die Stimme noch weiter, wenn es überhaupt möglich war, „Können sie ein Geheimnis bewahren?"
    Trotz ihrer merklichen Überraschung nickte Mrs Hopkins beflissen.
    „ich werde demnächst achtundneunzig Jahre alt. "
    Sie lachte über diesen doch sehr seltsamen Scherz und er lachte mit ihr, dann stand sie auf und tätchelte seine Schulter. Sie fühlte sich hart wie Stahl an und unwillkürlich zuckte er zurück. „sie müssen sicher Hunger haben, ihr Jungspunde könnt ja alle nicht kochen. "

    Es wurde ein ruhiger Abend, und doch kein schlimmer Abend. Das Bild von Lilly wollte nicht verschwinden, doch es schien ein wenig zu verblassen. Und wie immer wenn ich etwas zu tun habe, rückte auch Sibirien für einen Moment in den Hintergrund.

    7
    Zola redete gerne, während er arbeitete.
    Er hatte offensichtlich außerhalb der Arbeit keinerlei sozialen Kontakte. Diese Angewohnheit teilten die meisten Hydraangestellten, von Red Skull bis Alexander Pierce. Manche von ihnen sprachen russisch miteinander, was ich nicht verstehen konnte. Andere, wie zum Beispiel Zola, hielten es für eine gute Idee, während ihrer Versuche mit mir zu reden, oder besser gesagt mir all ihre düsteren Pläne zu offenbaren. Es war beinah als müsse er es jemandem erklären, der nicht bereits Bescheid wusste, einfach um Anerkennung zu erhalten.
    Was er erzählte, verwandelte sich durch das Serum in dunkle Bilder, die ineinander übergingen.
    Und es erfüllte mich mit größerem Entsetzen als alle Halluzinationen zusammengenommen, denn ich wusste, er würde und könne es umsetzen. Es hatte bereits begonnen.
    „Die amerikanische Regierung hat mich mit Freuden in ihren Reihen aufgenommen, nachdem ich kapitulierte", plapperte er fröhlich vor sich hin, während er meinen halb abgetrennten Oberarm mit einer Flüssigkeit reinigte, die brannte wie heißes Metall, „noch habe ich ihr Vertrauen natürlich nicht gewonnen, doch mit der Zeit... " Sein Grinsen ließ ihn wahnsinnig erscheinen, vor allem, da er mich nicht ansah sondern eine Lampe über mir fixierte, sodass seine Brillengläser das Licht reflektierten und ich seine Augen nicht erkennen konnte. Sah ich sie, machte mich ihr Ausdruck panisch und unter all den Drogen irgendwie wütend, blieben sie mir verborgen, erfüllte es mich mit nacktem Grauen, denn obwohl sie seine kranke, sadistische Ader widerspiegelten, machten sie ihn dennoch menschlich. Ich wollte glauben, das Zola tief in seinem Inneren noch ein fühlendes Wesen war.
    Aber ich wollte nicht wahrhaben, was er sagte und sträubte mich gegen die unausweichlichliche Tatsache. Es war die einzige logische Erklärung, warum er hier war und nicht in irgendeiner Zelle vergammelte. Doch ich hatte sovieles akzeptieren müssen, unausweichliche, furchtbare Wahrheiten wie meinen Sturz und mein Überleben und Hydra und Zolas Gesicht.
    Wenn er nicht einfach aus Vergnügen log, bedeutete das andererseits, dass Steve noch am Leben war. Das unsere Einheit die Mission gemeistert hatte und weiterkämpfen würde.
    Die offenen Fragmente von Hydra zerschlagen. Doch die verborgenen...
    Steve lebte noch und wie ein kleines, ertrinkendes Kind klammerte ich mich an den Gedanken, dass sie mich finden würden.Irgendwann.
    Ich musste nur durchhalten und eine Fluchtmöglichkeit suchen.
    Zola schien mich einfach nicht allein lassen zu wollen, selbst wenn ich in einen unruhigen Halbschlaf fiel saß er halb vorgebeugt auf einem Stuhl und mustered mich fasziniert. Ich wachte auf und er machte weiter, immer weiter.
    Dann, ich weiß nicht ob es Tage oder Wochen gedauert hatte, steigerten sich Zolas gelegentliche hämische, sadistische oder irgendwie fröhliche Kommentare zu einem regelrechten Monolog. Mit Vorliebe spielte der Mann diese Psychospielchen, bei denen er hauptsächlich seine absolute Macht über mich genoss, während ich schweigend versuchte, seine Worte nicht in meinen Geist eindringen zu lassen und zwischen den Zeilen nach Antworten suchte.
    „Nun, James", irgendwann im Laufe dieses doch sehr einseitigen Gesprächs, hatte er begonnen, mich zu duzen und da hinter meinen Augen in diesem Moment bunte Lichter tanzen und meine Ohren irgendwie klingelten, hatte ich nicht die Energie gehabt, zu widersprechen. „Wie kommt es, dass sie mir immer wieder in die Hände fallen, im wahrsten Sinne des Wortes?" sein Lachen war kalt und hoch.Alles an Zola war in der ein oder anderen Weise irgendwie abartig. Hätte ich ihn im Alltag getroffen, wäre er die Art Mensch gewesen, die ein Unwohlsein auslöst, das man nicht genauer beschreiben kann, und die man nach Möglichkeit meidet.Genau das tat ich auch bei seinen schlechten Witzen, ich schwieg und ignorierte ihn. Hätte das Serum nicht schon dafür gesorgt, dass ich manchmal ernstlich dachte, mein Kopf würde vor Schmerz explodieren, wären es wohl Zolas Witze gewesen.
    „Es ist eine amüsante Laune des Schicksals, nicht wahr? So viele treue Hydraanhänger haben sich bereitwillig, ja mit Stolz sogar meinen Versuchen unterzogen. Und ausgerechnet sie, ein armseliger Amerikaner, an dem ich eine so unerprobte Version getestet habe... Ich war überzeugt, es würde sie töten, damals. Es war nur wichtig zu wissen, wann und ich wollte danach natürlich ihre Leiche sezieren um herauszufinden, wo es genau wirkt."
    Die Beiläufigkeit mit der er sprach ließ mir einen Schauer über den Rücken laufen. Als rede er nicht über Tote Menschen, sondern seiner täglichen Einkäufe. „Doch dann... Ihr Überlebenswille ist größer als der aller anderen zusammen und ich fragte mich, weshalb. Sie konnten gar nicht wissen, das dieser Hampelmann im Flaggenkostüm kommen würde, nicht damals. Also, wieso haben sie weitergemacht? Wieso sind sie mir damals nicht unter den Händen weggestorben? Nicht, dass ich ihnen nicht dankbar bin, ich bin ihnen sogar sehr dankbar."
    Er machte eine Art Kunstpause und ich war unsicher ob er ein bitteschön erwartete. Also zog ich unter Aufbringen meiner gesamten Kraft eine Augenbraue hoch.
    Wieso meine gesamte Kraft? Was war los? Ich versuchte einen Finger zu heben und scheiterte kläglich. Für einige Minuten gehörte mein Körper nicht wirklich zu mir, als wäre er eingeschlafen. Aber nicht nur das Bein oder die Hand, wenn man sich darauf setzt, sondern einfach alles. Ich verbarg den Schock darüber nur mit Mühe und verlor mich weiter in Schweigen, denn ich hatte ihm nichts zu sagen und auf die Art würde er vielleicht irgendwann verschwinden. Oder sich aus Trauer von einer Klippe stürzen. Keine Ahnung was ich erwartete, aber ich hatte mir das Schweigen hauptsächlich selbst auferlegt, da es sich beim Sprechen anfühlte, als würden meine Stimmbänder mit vielen kleinen Rasierklingen zerschnitten.
    „Doch verstehen sie mich nicht falsch, jemand, der auf meiner Seite steht, wäre mir deutlich lieber gewesen. Dann hätte ich nicht extra diesen schönen Apparat entwickeln müssen, um sie auf meine Seite zu ziehen, James."
    Er beugte sich über mich und mir war, als schimmerten Tränen der Freude in seinen Augen.
    Plötzlich wollte ich nicht mehr schweigen. Meine Stimme war das einzige, das ich hier kontrollieren konnte und die Vertrautheit, mit der Zola mit mir sprach fühlte sich so falsch ab, das es in meinem inneren zu brodeln begann.
    „James... Aber ihre Kollegen nennen sie anders, nicht wahr? Ihr patriotischer kleiner Freund hat ihnen den Namen einst gegeben, nicht wahr, Bucky? Jedenfalls ist es es toll, Bucky, wie das Schicksal... "
    „Sergeant Barnes."
    Selbst ich hatte meine eigene Stimme kaum vernommen, doch Zola sah mir direkt in die Augen und rückte ein Stück näher.
    „Wie war das?"
    Es war ein Fehler und ich wusste es. Der Klügere stellt sich in so einer Situation dumm, damit er noch wehrloser wirkt, als er ohnehin schon ist. Und ich war verdammt nahe dran gewesen, beinah hatte er geglaubt, ich befände mich in einem Delirium. Vielleicht hätte er dann aufgehört zu reden, oder noch besser, mir einen Standort oder andere nützliche Informationen gegeben, irgendetwas, das ich Steve nach meinem Ausbruch durchgeben konnte. Doch mein „kleiner patriotischer Freund" hatte mich offenbar mit seinem Hang zu unnötiger Waghalsigkeit in hoffnungslosen Situation angesteckt.
    „Sergeant Barnes für sie", fuhr ich also mit rauher Stimme fort, „von mir aus auch Mr Barnes. Aber nicht James und ganz sicher nicht Bucky. "
    Als Zola dieses Mal grinste konnte ich seine Augen sehen, und so habe ich herausgefunden, dass die Lichtreflektionen in der Brille das kleinere Übel waren.

    Wenn sie sich schon einmal gefragt haben, ob die Hölle existiert: Ich fand es sie in Zolas Augen.

    „Sie haben wohl nicht wirklich verstanden, wie das hier abläuft, nicht war, Bucky?"
    Die Art, wie er meinen Namen betonte, riss ihn auseinander. Ich verband mit diesem fragwürdigen Spitznamen alles, was mich ausmachte, alles, was gut und schön und rein war. Eine junge Frau, Clara hieß sie glaube ich, die ihn vor Wonne schrie. Meine Kindheit in Brokelyn, in der er so oft durch die Gassen geschollen war, hauptsächlich von meiner Mutter gebrüllt: „Bucky Barnes ich schwöre dir, wenn du nicht bei zehn oben am Esstisch sitzt... "
    Wenn sie von Bucky auf James umstieg wusste ich, ich steckte in ernsthaften Schwierigkeiten. Und Steve... In dem Namen steckte so viel von Steve, soviele Erinnerungen. Wie er an unserem ersten Tag im Kindergarten einfach so beschlossen hatte, mich so zu nennen zum Beispiel. Sein Lachen, wenn ich ihn in einem Spiel geschlagen habe hatte. Der geschockte Gesichtsausdruck, als er mich zum ersten Mal vor Zola gerettet hatte, als wäre er nicht sicher, ob ich noch lebte. Ich hatte erst gedacht, er sei ein Halluzinationen, denn er sah endlich so aus, wie er es sich schon immer gewünscht hatte. Doch dann sprach er und aus seinem Mund kamen weder Gemeinheiten noch Blut und ich bemerkte, dass er es wirklich war.
    Zola hatte meinen Namen verunreinigt, als er ihn in den Mund nahm, hatte all diesen reinen Erinnerungen ein dunkles Mal aufgedrückt. Wenn ich ihn innerlich sage, dann immer mit Zolas Stimme, ich kann nicht anders.
    „Ich kann mit ihnen machen, was immer mir beliebt. Ich kann sie nennen, wie immer ich möchte, Bucky. Und sie können absolut nichts dagegen tun, nicht wahr? "
    Er beugte sich noch ein Stück vor, sodass ich seinen stinkenden Atem riechen konnte.
    Rückblickend frage ich mich, wann Zola überhaupt seine Zähne geputzt und gegessen hat, denn er war ja immer da, Tag für Tag. Doch waren es überhaupt mehrere Tage gewesen? Vielleicht auch nur Stunden?
    Mir war klar, dass er recht hatte, denn durch das Serum war ich geschwächt, müde und verwirrt. Aber ich hatte auch wenig zu verlieren und wollte ihm sein Grinsen aus dem Gesicht wischen.
    Als er wieder begann, mein Haar zu streicheln, bemerkte ich, dass ich meinen Körper wieder bewegen konnte. Kurz prüfte ich die Finger der rechten Hand, dann sagte ich mir, dass das nicht der richtige Zeitpunkt für eine Flucht war. Ich musste warten, bis ich stärker war, mich gedanklich nicht halb unter Wasser befand.
    „Wie geht es Ihrem maskierten Freund überhaupt, Bucky? Was denken Sie wird e kommen, um sie zu retten? Wird er mir genauso erbärmlich in die Falle gehen wie Ihre erste Einheit? Was... "
    Vor meinen Augen schien es ein rotes Licht zu explodieren und ich schlug zu. Zolas Kopf riss nach hinten und eines der Gläser seiner hässliche Brille zersplitterte. Während er an die Wand zurücktaumelte, die Hände auf die Stirn gedrückt, hievte ich mich in Sitzposition und versuchte dabei, einen Haufen Schläuche abzureißen, die aus meinem rechten Arm ragten. Nur, womit? Den Verlust meines Linken hatte ich einfach nicht bedacht.
    Während irgendwo eine Sirene losging, gab ich es auf und stellte meine nackten Füße auf den eiskalten Steinboden. Sie hatten sich die Mühe gemacht, mir die Schuhe auszuziehen, meinen zweiten verdammten Arm aber einfach im Schnee liegenlassen. Die Erkenntnis regte mich noch mehr auf und ich zog daraus die Kraft, aufzustehen. Mein Knie knicken beinah ein, als sie mit einem Mal mein gesamtes Gewicht zu tragen hatten.
    Vorsichtig machte ich einen Schritt auf die Tür zu.
    Viel zu langsam.
    Ich machte einen zweiten, viel schnelleren Schritt, dann einen dritten.
    Für einen Sekundenbruchteil dachte ich ich, es würde mir tatsächlich gelingen, zu fliehen, obwohl ich immer noch einen Haufen Geräte mit mir mitzog. An der Tür konnte ich sie bestimmt irgendwie loswerden, denn ich passte durch und sie nicht, so würden die Schläuche reißen.
    Dann spürte ich einen dumpfen, plötzlichen Schlag am Hinterkopf und taumelte zurück. Meine ohnehin schon viel zu belasteten Knie knicken ein und ich sah vom Boden aus zu Zola hoch, der ein dicker Stück Metall hochielt, an dem Blut klebte. Mein Blut.
    Wieder versuchte ich, aufzustehen, obwohl ich ein Blick auf über die Schulter genügt hätte, um die nun von Wachen umstellte Tür zu sehen. Zola lächelte wieder und holte ein schwarzes Gerät aus seiner Tasche. Für einen Moment verstand ich nicht, dachte, es handle sich um einen Taser, dann erinnerte ich mich an eine größere Version davon, mit der ich schon einmal Bekanntschaft gemacht hatte, auch dank Zola.
    Er drückt mir das Ding an die Schläfe und mein Kopf schien zu explodieren.
    Ich hörte wie in weiter Ferne einen gequälten Schrei, wahrscheinlich wieder mal mein eigener, dann wurde meine Welten schwarz.

    Mrs Hopkins machten Essen. Zum ersten Mal seit vielen Jahren steckte sie in ihr Rezept sogar ein wenig Aufwand, statt wie immer Rührei zu essen, denn ihre Geschmacksnerven waren nicht mehr die besten, aber die des jungen Mannes...
    Wie immer setzte sie sich auf den Balkon, nur das sie dieses Mal auch den Ofen im Blick behalten musste. Und wie immer kam der junge Mann mit dem seltsamen Namen heraus, starrte in die Nacht und versuchte, sich zu beruhigen. Nach etwa einer halben Stunde blickte er zu ihr hinauf uns sie nickte ihm freundlich zu, um ihn nicht unter Druck zu setzten. Er nickte zurück und verschwand, um einige Minuten später an ihrer Haustür zu klingeln. „Nur hereinspaziert", lud sie ihn ein, „machen sie es sich bequem, ich hole schnell das Hähnchen aus dem Ofen"
    „Das... das Hähnchen?"
    Er schien verwirrt und sie lachte großmütterlich, „haben sie etwa keinen Hunger?"
    „Schon nur...sie backen ein Hähnchenbrust um", er warf einen Blick auf die rote Digitalanzeige der Mikrowelle, „zwei Uhr fünfundzwanzig in der Früh? "
    „Ja, warum denn nicht?"
    „weil es zwei Uhr morgens ist? "
    Bucky setzte sich.
    „ich weiß, es ist ein wenig ungewöhnlich", sie bückte sich und holte die Ofenhandschuhe aus einem der unteren Regale, „genau, wie mit Pullover zu schlafen. "
    Er betrachtete ihren Rücken eine Weile, bis er eine Antwort fand: „Ich habe... Narben am Arm."
    „Oh. "
    Das Hähnchen auf zwei Teller verteilend, begann Mrs Hopkins im darauffolgenden Schweigend unwillkürlich, ein altes deutsches Kinderlied zu summen, schlaf Kindlein schlaf vielleicht.
    Der junge Mann sah darin aus irgendeinem Grund einen Anlass, abrupt von seinem Stuhl aufzuspringen und ihn dabei umzustoßen, „Woher haben sie das?" Seine Stimme überschlug sich beinah und mit drei schnelle Schritten war er an der Tür.
    „Das Huhn?", fragte sie verwirrt, „Abinash schlachtet doch an der Ecke. "
    „Das Lied", gab er schnell zurück und als sie sich umdrehte, sah sie wilde Panik in seinen Augen funkeln, „warum sprechen sie deutsch? "
    „oh, ach ja", sie lächelte beruhigend und ging mit dem Teller in den Händen einen Schritt auf ihn zu. Er trat einen Schritt zurück.
    „Meine Mutter gehörte zu den Banater Schwaben. Das ist eine Volksgruppe, die während des Weltkrieges nach Rumänien gezogen ist aber ursprünglich aus Deutschland kam. Viele gingen zurück, doch meine Mutter blieb. "
    Er nickte kurz, doch seine Augen bauten eine gewisse Distanz auf, die vorher noch nicht dagewesen war. Als hätte das Lied eine unangenehme Erinnerung ausgelöst, die er nun mit ihr in Verbindung brachte. „Jetzt kommen sie schon, lassen sie uns essen", forderte sie gespielt fröhlich auf, auch wenn sein Verhalten sie irgendwie verletzte. Sie wusste nicht einmal warum, sie kannte ihn doch gar nicht.
    Bucky nickte zögerlich, während das Lied in seinem Kopf endlos widerhallte, unterbrochen von seinen eigenen Schreien.

    8
    Mr Hopkins hält mich nun für einen Freak mit Verfolgungswahn. Und es tut weh, zu wissen, dass Hydra meinen Glauben in die Menschheit soweit erschüttert hat, dass ich selbst in einer alten, gebrechlichen Dame eine Gefahr sehe. Aber ich kann nicht anders. Und ich werde nie wieder anders können. Dank Doktor Arnim Zola

    Als ich wieder zu mir kam fühlte es sich an, als sei ich mit Anlauf gegen eine Steinwand gelaufen. Ich wusste aufgrund einer extrem fragwürdigen Wette mit Steve bereits wie sich das anfühlte, danach hatten wir glaube ich beide eine leichte Gehirnerschütterung gehabt und unsere Mütter hatten sich für eines dieser ernsten Gespräche zusammengetan. Unsere Mütter... Steve's Mom hieß Sarah und hatte stets ein warmes Lächeln auf dem eingefallenen Gesicht, esseidem natürlich wir zogen so eine Aktion durch
    Meine Mom hingegen...Wie hieß sie noch gleich? Ich nannte sie stets Mom aber ihr richtiger Name war... Ich durchforstete fieberhaft meinen immer noch dröhnenden Kopf, drehte jede Erinnerung um, doch der Name meiner Mutter schien aus jeder einzigen gestrichen worden zu sein.
    Und ihr Gesicht...sie hatte dunkle Locken, die sich stets aus ihrem lockern Knoten zu lösen schienen, sodass sie sich oft selbstvergessen eine Strähne hinters Ohr strich. Ihre Augen waren grünbraun. Aber wie genau ihr Gesicht aussah...
    Ich wusste es nicht mehr.
    Sie hatten es gelöscht, so wie sie beim letzten Mal nacheinander so viel gelöscht hatten und ich mich langsam selbst vergessen hatte.
    Ich stieß einen kurzen, abgehackten Schrei aus und sprang auf, doch ein Gurt um meinen Bauch hielt mich zurück.
    Für einen Moment verfiel ich in wilde Panik, dann konzentrierte ich mich auf meinen schnellen, abgehackten Atem und zwang mich, ihn zu beruhigen.
    Das letzte Mal hatte Steve die Mauern, die Zola um diese wichtigen Info gebaut hatte innerhalb von wenigen Augenblicken völlig eingerissen. Noch war nichts verloren, denn meine Mutter war immer Mom gewesen und wurde es auch immer bleiben. Bald wurde ich auch ihr Gesicht wieder kennen.
    Konzentriert setzte ich aus all meinen Erinnerungen an sie ein grobes Bild zusammen und irgendwann machte es klick.
    Da stand sie, meine Mom und hielt mir eine Hand schmutzige Papiertüte hin, in der sich ein Butterbrot befand, dessen Fettflecken die Tüte an manchen Stellen dunkel verfärbte. Das war meine Mom...der Name würde mir schon noch einfallen.

    Bald schon würde ich ihr Gesicht wieder vergessen und es dauerte siebzig Jahre, bis ich mich an ihren Namen erinnern konnte.
    Wieder streiche ich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht, die einfach nicht hinten bleiben möchte. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass ich irgendwie Geschmack an den Haaren gefunden habe, obwohl ich den Arm mit Freuden abreißen würde, hätte er nicht Schmerzrezeptoren überall. Die Haare erinnern mich an meine Mom und meine Schwester, an die Art, wie sie ihre Haare berührten, die ich nun unbewusst übernommen habe. Meine Mom, Elizabeth und meine Schwester Marie

    Immerhin war Zola verschwunden. Daran hielt ich mich fest, als ich mich darauf vorbereitete, wieder in die dunkle Hölle meiner Träume abzudriften, die das Serum verursacht.
    Nichts geschah. Verwirrt blickte ich auf meinen Arm, an dem nun ein Schlauch weniger hing und fragte mich unwillkürlich, ob sie das Serum abgesetzt hatten, damit ich einfach so starb und Zola nicht weiter verärgerte. Dann spürte ich ein dumpfes Pochen in meinem Hinterkopf, das wohl von dem Schlag herrührte und hielt mich im letzten Moment davon ab, in eine tiefe Bewusstlosigkeit zu fallen.
    Mit vor Schmerz und Anstrengung zusammengekniffenen Augen betrachtete ich die Tür an der Zola mit verschränkten Armen lehnte und mich mit einem kalten, wissenden Blick anstarrte.
    „Na, neue Brille Arnim? ", presste ich hervor und wollte mir selbst erlauben, davonzugleiten. Zola hingegen hatte andere Pläne und war mit  zwei wütenden Schritten bei mir. Der Nebel der Müdigkeit wurde von einem grellen Blitz durchzuckt und als ich die zufallenden Augen aufriss, hatte Zola ein kleines, schmales Messer ins Narbengewebe meines Armstumpfes gestoßen. „Dr Zola, wenn ich doch bitten darf", er bleckte die Zähne.
    Das war ein Machtkampf und ich konnte ihn nur verlieren. Das unvermeidbare Ende herauszuzögern war gegen jede Vernunft, doch wie gesagt zerstörte Zolas Gesicht die Logik in mir immer ein wenig. „sicher, dass du das tun willst, Arnim? ", gab ich daher durch zusammengebissene Zähne zurück, „ich dachte, du hättest mich so gerne an einem Stück."
    Er drehte das Messer ein Stück und ich schrie unwillkürlich auf.
    „Das glaubst auch nur du", höhnte er und trieb den Griff noch ein Stück tiefer hinein. Ich biss die Zähne zusammen und stöhnte, wollte mich jedoch nicht zu einem weiteren Schrei hinreißen lassen.
    „Und nun: Doktor Zola! "
    Ich schüttelte stumm den Kopf, da ich befürchtete, meiner Stimme nicht zu trauen. Er bewegte das Messer, das nun bis zum Griff in mir steckte fröhlich hin und her.
    Es ist nur ein kleines Messer, betete ich mir wieder und wieder vor, nur ein winziges Messer. Du hast schon schlimmeres erlebt.
    Doch es war eben nicht nur ein kleines Messer
    Es war ein Ding, das nun in einen meiner Muskel Schnitt und das ich keine Sekunde länger ertragen konnte.
    Zola stützte sein ganzes Gewicht darauf und drückte es nach links.
    Ich presste die Lippen zusammen, wollte meinen Geist davon abhalten, doch... „Doktor Zola. "
    Wieder schenkte er mir dieses Piranhalächeln und ich brachte es nicht fertig, einen weiteren leisen Schrei zurückzuhalten, als er das Messer mit einem Ruck herauszog.
    An der Tür drehte er sich noch einmal um: „Ich verlasse sie für eine Weile, Bucky. Ich muss doch die Illusion eines braven Amerikaners wahren. Doch ich schwöre bei Gott, ich sorge dafür, dass sie sich nicht einmal mehr an ihren eigenen Namen erinnern werden. Guten Abend. "
    In einer geradezu lächerlich wirkenden Geste zog er kurz seinen Hut, bevor er sich auf dem Absatz umdrehte und verschwand.
    Die Tür fiel hinter ihm ins Schloss.

    Wieder einmal begann nackte Panik, von mir Besitz zu ergreifen. Meine vollkommene Wehrlosigkeit löste sie ebenso aus wie Zolas Drohung, außerdem ärgerte ich mich über meine eigene Feigheit. Nachdem ich eine Weile an die Decke starrte, beschloss ich, etwas dagegen zu unternehmen. Obwohl ich mich selbst zwang, die Umsetzung seiner Drohung als ein in weiter Ferne liegendes, unbestimmtes Übel zu betrachten, hatte ich doch gelernt, auf den schlimmsten Fall vorbereitet zu sein.
    Als ich eingezogen wurde hatte ich Steve geschworen, zurückzukehren und doch am selben Tag mein Testament aufsetzen lassen.
    Ich würde meinen Namen nicht vergessen, unter keinen Umständen, und vor allem würde ich dafür sorgen, dass man meine Leiche identifizieren konnte, solle ich hier sterben.
    Zola hatte davon gesprochen, mich auf seine Seite zu ziehen. Er wollte...beinah driftet mein Bewusstsein wieder ab und ich schüttelte verärgert den Kopf um den Schleier über mir loszuwerden.
    Er wollte mich zu einem von ihnen machen aber er würde sicher dafür sorgen, dass niemand wusste, wer ich war.
    Eine letzte Versicherung.
    Ich trug immer noch die Hose, mit der ich gestürzt war und obwohl sie meine Uniform aufgeschnitten hatten, um meine gebrochenen Rippen zu versorgen und mich an noch mehr Schläuche abzuschließen, spürte ich dennoch das beruhigende Kühl auf meiner nackten Haut, das zeigte, dass ich meine Identifizierungsmarke nicht verlorengegangen war.
    Wenn er mich wirklich dazu bringen wollte, mich selbst zu vergessen, würde er mir ganz sicher kein Schild mit meinem Namen um meinen Hals hängen.
    Mühsam griff ich mit meinem rechten Arm, der sich schwer wie Blei anfühlte, an meinen Hals und riss die Marke ab.
    Nur eine Rückversicherung, nichts weiter.
    Den letzten Machtkampf hatte er gewonnen aber ich würde mich nicht geschlagen geben.
    Ich drückte die Marke in meine Handfläche, bevor ich sie in eine Innentasche meiner Hose schob. Sollten sie sich irgendwann entscheiden, mir Schuhe zu geben, würde ich sie dort verbergen, doch was sollte mich davon abhalten, auch das Versteck zu vergessen? Mir fiel nur nichts besseres ein, und so übergab ich meinen Geist wieder einer dumpfen Bewusstlosigkeit.

    „Spielen Sie Bridge, Bucky? "erkundigte sich Mrs Hopkins, während Sie bereits ein uraltes Spiel herauskramte. Die Nachtluft war an diesem Abend so frisch, dass sie beide Pollover trugen. Dieses Mal hatte hatte der junge Mann beinah zaghaft angeklopft und sich für die Unannehmlichkeiten entschuldigt. Er schien nicht anzunehmen, dass sie ihn noch sehen wollte und wirkte immer wieder verwirrt über ihre beiläufigen Nettigkeiten, als hätte er so etwas lange nicht mehr erlebt. Auch sein Kopfschütteln war ein wenig verloren und so erklärte sie ihm die Regeln lang und breit. Während des ersten Spieles begannen sie, sich ein wenig genauer miteinander bekannt zu machen und am Ende des Abends trennten sie sich mit einem Lächeln.
    Erst als die Tür schon lange ins Schloss gefallen war, bemerkte Mrs Hopkins, dass der junge Mann nur Fragen gestellt hatte. Über sich selbst hatte er nichts preisgegeben. Wie sonderbar...


    Hallo potentielle Leser.
    Als erstes einmal Glückwunsch, dass ihr soweit gekommen seid.
    Wenn ihr Interesse daran habt, wie das hier weitergeht, bzw schneller weiterlesen wollt, solltet ihr meine Seite aber vielleicht auf Fanfiction.de suchen. Hier bin ich bereits bei Kapitel 18. Obwohl ich selbstverständlich auch hier weiter uploaden werde, geht es auf fanfiction.de für mich persönlich einfach besser und schneller, wesshalb meine Updates regelmäßiger sind.
    Naja, so oder so freut es mich, wenn ihr dabeibleibt.
    Irgendwann ab Kapitel 10 wird meine Rechtschreibung dann auch mal besser, weil ich begonnen habe, ernsthaft darauf zu achten.
    Es lohnt sich!

    Liebe Grüße, Yackie

Kommentarfunktion ohne das RPG / FF / Quiz

Kommentare (1)

autorenew

vor 38 Tagen flag
WOW, dass war die beste Geschichte EVER! Es war als wärst du wirklich Bucky OMG