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Das Leben ist schön

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1 Kapitel - 1.129 Wörter - Erstellt von: - Entwickelt am: - 681 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

[DMxLL] [oneshot] Die Schlacht um Hogwarts ist vorbei, alle Menschen sind erleichtert. Alle, bis auf Draco Malfoy, der in den verwüsteten Gängen Hogwarts' Trost sucht und vielleicht sogar findet.

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    Draco Malfoy starrte auf seine Hände. Seit Stunden traute er sich nicht, den Blick zu heben. Er wollte die Blicke nicht sehen, all diese abfälligen, mitleidigen Blicke voller Hass und Abscheu.
    Voldemort war tot.
    Harry Potter lebte.
    Die Angst hatte endlich ein Ende gefunden. Doch aus der Asche der alten Angst vor Voldemort wuchs eine Frische, eine Angst vor der neuen Welt. Es würde lange dauern, bis die Malfoys von der Gemeinschaft wieder akzeptiert werden würden, wenn überhaupt. Seit Stunden drängten sich Draco und seine Eltern auf einer der Bänke in der großen Halle zusammen, unsicher ob sie willkommen waren. Doch bislang hatte sie niemand großartig beachtet.
    Langsam leerte sich die große Halle. Familien und Freunde sammelten sich und reisten ab, nach Hause, wo auch immer das war.
    Eine schwere Hand legte sich auf Dracos Schulter, der instinktiv zusammen zuckte, doch es war bloß sein Vater. Lucius Malfoy versuchte tapfer, sein altes, gebieterisches Gehabe wieder anzulegen, indem er eine wichtige Miene aufsetzte und sagte: „Komm, Draco. Wir werden nun auch ins Malfoy Manor zurückkehren.“ Er und seine Frau Narzissa standen auf, doch Draco regte sich nicht. Er hob nicht einmal den Blick. „Ich komme gleich“, murmelte er, „Geht schon vor.“ Lucius Malfoy setzte zu einer empörten Mahnung an, wieso hörte sein Sohn nicht auf ihn, doch Narzissa legte beschwichtigend eine Hand auf seinen Arm. Dein Sohn braucht eine Pause, wollte sie damit sagen, gewähre ihm etwas Zeit. Und so blieb Draco allein zurück, noch ein wenig einsamer als zuvor. Als er sich schließlich erhob, folgte misstrauische Blicke ihm durch die große Halle, bis er endlich den schattigeren Teil des zerstörten Schlosses erreichte. Ziellos wanderte er durch die Gänge von Hogwarts. Sollten seine Eltern doch warten. An einem zersplitterten Fenster blieb er stehen und betrachtete die Scherben am Boden. Sein Leben kam ihm vor wie eben dieser Scherbenhaufen. Hogwarts war einst sein zweites, geliebtes Zuhause gewesen, nun nichts weiter als eine Ruine, in der düstere Erinnerungen auf ihn warteten. Draco wusste nicht, wie es jetzt weitergehen sollte.
    „Das muss schwierig sein“, ertönte eine weiche Stimme hinter ihm. Eine Person war neben ihn getreten, mit ebenso blonden Haaren wie Dracos, doch reichten die Haare der Person bis zur Taille. „So lange gezwungen sein, in Angst zu leben, und jetzt all die neuen Probleme, mit denen deine Familie umgehen muss.“ Draco nickte bloß. Er kannte die Person nur aus der Ferne. Seine Freunde hatten sich oft über die Person lustig gemacht, zum Beispiel über ihre unnatürlich blonden Haare. Keiner von ihnen hatte dabei gemerkt, wie Dracos Gesicht einzufrieren schien und er sich an die eigenen, platinblonden Haare gefasst hatte. Aus diesem Grund hatte Draco sich nie an den Witzen über die Person beteiligt. Er gab zu, sie kam stets ein wenig seltsam rüber, aber trotzdem immer irgendwie… gutherzig. „Ich hoffe“, fuhr die Person mit verträumter Stimme fort, „dass für euch und besonders für dich alles gut werden wird. Du hast mehr als genug durchgemacht.“
    „Danke“, murmelte Draco, dann fügte er, noch leiser, hinzu: „Aber ich habe es nicht anders verdient.“ Das Mädchen neben ihm legte eine Hand auf Dracos Schulter, doch es fühlte sich anders an als bei seinem Vater. Weniger besitzergreifend und dafür mehr wie eine freundliche, mitfühlende Geste. „Natürlich hast du das nicht verdient“, erklärte das Mädchen mit einer Sachlichkeit, die Draco überraschte. „Egal, was du getan hast. Ich kenne dich nicht besonders gut, aber ich glaube, du bist ein guter Mensch.“ Zum ersten Mal seit Stunden wagte Draco es, den Blick zu heben. Luna Lovegoods große, blaue Augen betrachteten ihn voller Offenheit. Sie schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln. „Alles wird gut“, sagte sie simpel und griff nach Dracos Hand. Ihre schlanken Finger legten sich um seine und auf einmal spürte Draco schmerzlich, wie sehr er menschliche Zuwendung vermisst hatte. Luna drückte seine Hand und lächelte noch ein wenig mehr. „Du darfst nicht vergessen, wie schön das Leben ist, Draco Malfoy.“ „Ich bin Schuld daran, dass manche Menschen kein schönes Leben hatten“, gestand Draco. Es fühlte sich überraschend gut an, das zuzugeben. „Aber du bereust es.“ Es war eine Feststellung, keine Frage, trotzdem nickte Draco. „Dann ist alles gut“, sagte Luna, als wäre es die einfachste Sache der Welt. Doch das Lächeln verschwand aus ihrem Gesicht, bevor sie fort fuhr: „Ich wollte dich vorwarnen. An den Ausgängen des Schlosses warten Auroren. Ich vermute, sie werden deine Eltern und dich festnehmen wollen.“ Draco nickte. „Das habe ich mir schon gedacht“, erwiderte er, „Danke für die Warnung. Ich kann nicht glauben, dass mein Vater dachte, wir würden einfach davonkommen.“ Er schüttelte verbittert den Kopf. „Ich will auch nicht mit dem davonkommen, was ich getan habe. Ich habe die Ausreden satt. Ich werde die Wahrheit sagen und alles gestehen, was mir zu Schulden kommt. Kein Weglaufen mehr.“ Lunas Daumen strich sanft über seine Haut. „Das ist mutig.“ Mutig. So hatte Draco noch niemand genannt. „Ich werde nach Askaban kommen“, sagte er und konnte nicht verhindern, dass seine Stimme bei dem Gedanken zu zittern begann. Luna schüttelte leicht den Kopf. „Das glaube ich nicht. Harry hat erzählt, wie deine Mutter ihn gerettet hat.“ Überrascht sah Draco Luna fragend an. "Meine Mutter hat... was?" Doch Luna winkte ab. „Das kann deine Mutter dir bestimmt besser selbst erzählen. Weißt du, ich muss langsam gehen. Mein Dad wartet auf mich. Du solltest auch zu deinen Eltern gehen.“ Draco nickte. „Ich finde es schön, dass du dich freiwillig stellen willst“, erklärte Luna und drückte erneut Dracos Hand. Der blonde Junge seufzte leise, als Luna seine Hand losließ und sich abwandte. Doch einmal drehte sie sich noch nach ihm um.
    „Wenn deine Prozesse vorbei sind, dann kann ich dir zeigen, wie schön das Leben ist. Denn das ist es. Das Leben ist schön, Draco Malfoy“, lächelte sie, ehe sie hüpfend in der Dunkelheit verschwand.

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Kommentare (1)

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