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School of Lost Hearts

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2 Kapitel - 3.217 Wörter - Erstellt von: - Aktualisiert am: - Entwickelt am: - 817 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Sie hatten mich gegen meinen Willen hierhergebracht, ließen die Außwenwelt für immer in dem Glauben, wie wären tot. Die Angst, die wir gefühlt hatten, als sie ihre Morde vortäuschten, werden wir nie wieder vergessen - wir, die Lost Hearts, so nennen uns die Hüter. Wir sind hier, weil wir anders sind und Schutz brauchen, auch wenn die eigentliche Bedrohung im Internat liegt. Sicherheit ist immer eine Illusion, erst recht hier...in der School of Lost Hearts.

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    Wie ein Schwarm gieriger Hornissen trommelte das Blitzlichtgewitter auf mich ein. Lächeln, verdammt, ich durfte nicht vergessen, zu lächeln. Meine strahlend weißen Zähne blitzten unter dem Licht der Fotoapparate, als wären sie die tausend Sterne, von denen ich gerade eben noch gesungen hatte. "Glitter! Glitter, hier drüben!" Ein hochgewachsener Mann mit schwarzer Brille und hellgrauen Augen stieß grob einige der anderen Journalisten aus dem Weg, um sich an meinen zwei Bodyguards vorbeizudrängen. Wofür bezahlte ich diese Loser überhaupt? "Mr. Starley mein Name! Lena Rosefield, was sagen sie zu einem Interview für die Pop and Top?" "Tut mir leid." Nein, nicht wirklich, aber ein Sie nerven echt: Ich bin mit Marie und Elsa verabredet, um mir in den dreißig Minuten Freizeit, die ich täglich habe, die Nägel lackieren zu lassen. Fragen Sie doch Tommy, meinen Bodyguard, der kann auch schön rumstehen und lächeln. Und für blöde Antworten ist der immer zu haben! hätt's auch nicht gebracht. Also tat ich, als wäre ich NUR am Arbeiten. "Es geht echt schlecht, da...mir gerade etwas Geniales für meinen neusten Hit eingefallen ist!" Begeistert und eifrig bemüht, die ersten zu sein, die über so ein dramatisches Ereignis berichteten, schnappten die Reporter und Journalisten nach Luft. "Aber, Glitter...entschuldigen Sie, Miss Rosefield, sie brauchen doch auch mal Ruhe." Ok, diesen Mr. Starley wurde ich nicht mehr los. Wo war Mom, wenn ich sie brauchte? Der Entschluss, mit diesem Typen von der unbekannten Pop and Top mitzugehen, würde mich weder entspannen noch meine fehlende Zeit mit Marie und Elsa entschädigen. "Geht es schnell?" Mr. Starly lächelte. "Selbstverständlich."

    "Tommy, sag meinen Termin um fünf Uhr bei Nails with Flowers ab. Dieser nette Herr möchte gerne ein Interview für...wie?" "Pop and Top, Miss Rosefield." Ich hasste meinen bescheuerten Nachnamen so sehr. Immerhin lebte meine Familie schon seit zwei Generationen in Deutschland und mit diesem komischen Amerika-Getue machte man nur unnötig auf sich aufmerksam. Das war es wohl gewesen, weshalb ich das weltweite Gesangscasting wohl für mich hatte entscheiden können. Englisch war doch sowieso gerade dabei, das normale Deutsch zu vernichten, oder?
    Tommy begleitete uns Backstage noch zu meinem persönlichen, kleinen Zimmer, das ich auch gerne den Fotografen zeigte, wenn sie wollten. Mom war davon natürlich nicht begeistert, aber was gab es schon, wofür ich mich zu schämen hatte? HEY, wenn ich schon diesen ganzen dummen Trubel um meine bescheuerte Stimme ertragen musste, dann wollte ich auch gefälligst so etwas wie Message. Verdammt. Englisch hatte diesen Übergriff schon lange für sich entschieden.
    Mein Privat-Room hatte einen pinken, großen Stern mit goldener Umrandung und zwei dunkelblauen Wölfen daneben auf der Tür. Glitter strahlte dem seltsamen Reporter, Mr.....Stanley?, in leuchtender Schrift ins Gesicht. "Was für ein Glamour...", hörte ich ihn flüstern, konnte aber nicht das Selbstbewusstsein aufbringen, etwas dagegen zu sagen. Vor vielen Leuten auf unnahbar und distanziert spielen, die coole Bitch, die von Millionen Teens gefeiert wurde, das war verdammt easy. Alleine mit einem dubiosen Fremden, dessen fette Kamera an ein widerliches Insekt erinnerte, das nur daran lechzte, deine peinlichsten Momente für immer für die Nachwelt zu bewahren....wäre doch nur Tommy noch da geblieben.
    "Kommen Sie bitte rein.", krächzte ich unbeholfen und drückte die unverschlossene Tür auf.
    Drinnen waren die vier Wände allesamt in einem auffälligem Dunkelviollett gestrichen, Einhörner, Pegasi, Edward und Bella schmückten das Zimmer damit auch jedem klar wurde, dass ich hier chillte. Mr. Starvey schien verblüfft. "Wohnt hier Ihre kleine Schwester, Miss Rosefield? Ihre Mutter hat gesagt, Sie hätten eine. Wie alt? Sieben? Vielleicht noch sechs?" "Sally trägt für gewöhnlich keine Aufschrift mit dem Namen Glitter an ihrem Zimmer, welches sich zufällig nicht auf einem Konzert befindet.", hielt ich dagegen. Gekontert. Gut oder schlecht? Ich ließ es auf Fantastic, jetzt schrieb er nur noch irgendeine Scheiße auf, um es mir, dummer Göre, heimzuzahlen beruhen.
    Mr. Warley lächelte verzückt. "Was für ein Temperament! Haha! Sie mögen also Twilight und Pferde?" "Früher bin ich gerne geritten.", gab ich zu, wusste nicht, ob das Interview schon begonnen hatte oder ob er sich nur bemühte, die Situation zu retten. "Verstehe." Hecktisch machte er sich eine kleine Notiz auf seinem Klemmbrett, die er später sowieso nicht mehr lesen können würde.
    Also Interview. Wieso sollte sich irgendjenand auch in echt für mein bescheuertes Leben interessieren? Es gab Justin und Selena, Miley Cyrus, Katy...ich war die Art Artikel, die bis zum zweiten Absatz gelesen und dann mit noch dämlicheren Smieys bekritztelt wurde, sobald die beste Freundin das nächste Mal zu Besuch kam.
    Sein grauer Blick wanderte wieder durch mein sehr privates Zimmer. "Mich wundert es nur, dass Sie offensichtlich so an kindlicheren Dingen hängen." "Wenn Sie wollen, beschaffe ich mir für das nächste Interview eine Sexpeitsche und drei Stripper. Zufrieden?" Das lief so gar nicht gut. "Stripper...", murmelte Mr. Waley, während er nachdenklich etwas auf sein Blatt Papier malte, das vermutlich teuer und nur von der baumverschwenderischten Papiermarke war. Das Bild sollte ein Einhorn sein, oder zumindest eine verdammt hässliche Version davon. Wow. Das war echt beleidigend.
    Nach einer Weile räusperte er sich. "Na gut, Miss Rosefield. Wollen Sie unseren Lesern auch verraten, was sie neben Ihren Kleinkind-Aktivitäten so anstellen?" Mom wäre an die Decke gegangen, die unsichere, gequälte Seite von mir sank dagegen nur tiefer in den coolen Sessel mit der rot glitzernden Decke. "Ich spiele Cello. Also, früher einmal hab ich das. Ich hab zwei Goldhamster, die sich sehr gut verstehen, obwohl das ja für gewöhnlich nicht so ist. Sie heißen Stella und Miley. Nach Miley Cyrus, verstehen Sie?" "Reden Sie nur ruhig weiter!" Gedankenverloren fummelte der Typ an seinem Aufnahmegerät herum, hielt mich aber nicht für wertvoll genug, seinen Speicher an meine dumme Stimme zu verschwenden.
    "Das, was Sie da machen, ist echt unhöflich. Ansonsten bin ich früher noch zum Ballett gegangen, heute mache ich erfolglos Hip Hop, schminke mich übermäßig viel, damit reiche Teens mit meinem überteuerten Make-up prahlen können und mache Musical.ly.", leierte ich meine tägliche To-Do-List hinunter. Langweilige Fakten, mit denen er seine drei Milliarden Euro im Momant verdiente? Konnte er haben.
    "Interessant...", murmelte er vor sich hin und als ich mich ein wenig über den Tisch beugte, waren die einzigen Anzeichen eines Stiftes auf seinem Brett die hässliche Einhornzeichnung, -hätte gerne mehr Stripper und spielt mit Einhörnern. Ich wollte gerade protestieren oder ihm zumindest tödlich heißen Kaffee eingießen, den noch nicht einmal Miley verkraftete (und die war schon einmal von einem Auto angefahren worden), als mir etwas Ungewöhnliches auffiel. "Sagen Sie noch einmal etwas.", forderte ich ihn energisch auf, den Blick fest auf seine schmalen Lippen gerichtet. Falls er dachte, ich wollte ihn küssen, malte ich ihn eben als Stripper auf seinen eigenen Notizblock.
    Ein erwartungsvolles Lächeln umspielte nun seine Mundwinkel. "Ich denke, dies ist nicht nötig.", meinte er, ohne seine ekligen Lippen zu öffnen. Dann hob er den Block, sodass ich die winzige Notiz ganz unten, die ich vorhin übersehen hatte, wieder unübersehen konnte. Verdacht bestätigt. Zielperson gefunden.

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    "Verzeihung, Glitter.", sagte er, als ob mir das irgendwie helfen täte. "Aber Sie werden mit mir jetzt mitkommen oder bei dem Versuch umkommen, es nicht zu tun." Fassungslos sprang ich von meinem Lieblingssessel auf, in dem ich schon zahlreiche Songs wie Starnight, Murder in the Disco, Blood of Children oder Run Girl grschrieben hatte. Nur in bequemen Sessel konnte ich mich so entspannen, dass mir die Anwesenheit von Verrückten nichts ausmachen sollte. Warum war ich noch wieder aufgestanden?
    "Gehen Sie jetzt, Mr. Warwey. Sonst rufe ich Tommy zurück." Was für eine lahme Drohung. Ein wenig war ich schon von mir selbst enttäuscht. Doch der Typ mit den jetzt funkelnden, grauen Augen, wie bei einem kleinen Kind, das in der Pause sein Lieblingsmobbingopfer gefunden hatte, stetzte sich etwas gerader hin. "Nein, das denke ich allerdings nicht. Sie werden nun einen Brief schreiben, in dem steht, Ihnen war der Stress und der Fame zu viel und sie werden von der Martinskirche springen." "Wow, wow, wow. Wait a minute. Ich soll also meinen TOD vortäuschen?" "Nun ja." Langsam stand auch der Mann auf, wobei mir der gefährliche Blick, den er Stella und Miley im knallgelben Käfig hinten im Raum zuwarf, nicht entging. "Tun Sie es oder muss ich wiedermal improvisieren?" "Was soll hier wiedermal heißen?", giftete ich zurück. Hecktisch sah ich mich im Raum um, ob ich mich denn nicht irgendwie mit meinem Mikrofon oder den niedlichen Katzenradiergummis verteidigen konnte. Ja, im Moment hätte ich wirklich verdammt gerne eine Peitsche. So richtig lang mit kleinen Stacheln oder Nieten, damit sie auch besonders weh tat. Wenn er es wagte, meinen Hamstern zu schaden, dannn...war ich nicht bereit, mit meinem Anwalt über diese Sache zu reden. Also, falls ich ihn in Rage ermordete oder so.
    Doch der Typ scherrte sich nicht im Geringsten um meine drohenden Gedanken, sondern fing mit einer schnellen Handbewegung die zappelige Stella ein, die Hellgraue mit den kleinen, weißen Flecken. "Lassn Sie sie ganz langsam runter.", knurrte ich ihm vom anderem Ende des Privat-Rooms zu. "Sonst bereuen Sie es." Auf einmal wirkte der Mann gehetzt und ein wenig nervös. "Seien Sie vernünftig, Rosefield. Schreiben Sie. Oder ich verspreche Ihnen, die Nachricht mit dem Blut Ihrer Miley zu verfassen." Mal ganz abgesehen davon, dass das den schwarzen Fransenteppich ruinieren würde und ich beim besten Willen kein Blut sehen konnte (sonst wäre ich lieber Tierärztin geworden), mein Herz raste wie wild. Nein, ich wollte das Risiko nicht eingehen.
    Die Ablage mit den rosa Zetteln befand sich mittig im Raum, dort wo mein vermeintlicher Reporter die Lage perfekt im Blick hatte. Ab jetzt würde ich für immer einen Horror bei der Farbe Grau haben.
    Also schrieb ich die Nachricht, wobei meine Finger so sehr zitterten, dass ich mehrmals von vorne anfangen musste. "Wehe, Sie tun ihr etwas. Außerdem heißt sie Stella. Die Honigfarbene mit dem goldenen Ring ist Miley." In solchen Momenten sollte man als berühmte Songwriterin panisch werden, richtig? Seltsamerweise war das einzige, das ich fühlte, eine schwache Angst um meinen Hamster, den ich jetzt schon seit fünf Jahren hatte. Ein ungewöhnlicher Alter für solche Zwerge, ich wusste das.
    Nannte man diesen Zustand Schock? Wäre ich nur Tierärztin geworden.

    "Wo bin ich?", kam es aus meinem lila geschminkten Mund, sobald ich die Augen wieder geöffnet hatte. Der Hamster-Mörder hatte Stella getötet. Einfach so. Dann hatte er sich Miley gekrallt und dann...was dann? Anhand meiner dröhnenden Kopfschmerzen und der Steifheit meiner Glieder schloss ich auf eine filmreife 3-Tage-Betäubung.
    "Ah, Miss Rosefield. Seit zwei Stunden habe ich schon angefangen, mir Sorgen zu machen." Ein sehr hochgewachsener, dünner Junge mit langen, dunkelbraunen Haaren, die dringend eine Bürste benötigten, saß angespannt auf einem Holzstuhl neben meinen Bett. In einem mir fremden Zimmer. Das seltsamerweise schon beinahe vollständig ausgestattet war.
    "Beruhigen Sie sich bitte. Es droht Ihnen keine Gefahr.", meldete sich das lebende Skelett neben mir wieder zu Wort. Seine blassen, mit blauen Adern durchzogenen Finger deuteten zu dem Gestell, ein überdimensionaler Hamsterkäfig mit Plastikröhren, lila Laufrädern und süßen Porzellanfigürchen, das sich durch die Hälte des Zimmers zog. "Miley geht es bestens, der Hamster schläft gerade." Über einer breiten Eichentür mit der Nummer 143 in goldener Schrift verlief eine breitere, durchsichtige Röhe, in der mein süßes Nagetier auf einem rosa Seidenkissen vor sich hin schlummerte. Hielt Miley da einen kastaniengroßen Strassstein-Pandabären in den Hamsterarmen?
    "Könnten Sie mir erklären, wieso ich nicht tot bin? Was wird das hier, Sie...was sind Sie? Vampir? Skelett? Dracula? Und das wichtigste von allem: Warum hat mein Hamster ein Stofftier und ich nicht? HÖREN SIE AUF, MICH ZU SIETZEN." Ich nahm mir jetzt einfach nal das Recht, extremst unhöflich und schnippisch zu sein. Immerhin sah der Kerl trotz seiner Aura nicht gerade bedrohlich aus. Oder wie ein hinterhältiger Reporter. Es war nicht zu fassen, dass ich solche Vergleiche ziehen konnte.
    Das Vampir-Skelett lächelte, wobei er spitz hervorstehende Zähne entblößte. Allerdings waren sie gar nicht wirklich so scharf, sondern das Zahnfleisch war viel zu mager. Aß er etwas? Und wenn er das tat: Standen berühmte Sängerinnen auf seiner transilvanischen Speisekarte?
    "Mein Name ist Oliver. Sorry, falls dich mein Aussehen so geschockt hat. Weshalb das Sekretäriat ausgerechnet meine traurige Unglücksgesalt für die Aufwachenden ausgesucht hat...frag mich nicht." Auch wenn er schlicht unheimlich wirkte und Miley mir vorzug, stand ihm die Spur Sarkasmus besser als Mr. Starley-Höflichkeit. "Schon ok, ...Oliver. Ich bin Glitter. Das ist mein Künstlername.", erzählte ich ihm. Was konnte schon Schlimmes passieren? Wenn er mich biss, Zähnd und Nägel hattr ich auch.
    Oliver grinste. "Willkommen an der Schule für verlorene Herzen. Verdammt. Vergiss das wieder, du bist noch benommen, also von vorne: Herzlich willkommen am Internat für schutzbedürftige Geschöpfe." "Das hört sich jetzt irgendwie wie eine Irrenanstalt an.", stellte ich ungehalten klar. "Bevor ich jetzt schreiend aus dem Zimmer renne, ein Fenster habe ich ja nicht, sag mir, wieso ich hier bin."
    Oliver räusperte sich wichtigtuerisch. "Dieses Interbat dient dem Schutz besonderer Lebewesen jeder Art und ist nur sehr wenigen "Normalen" bekannt. Kommt das jetzt alles ein bisschen schnell?" Stöhnend und mit wild blinzelnden Augen sank ich zurück auf das weiche, dunkellila Kopfkissen auf meinem breiten Bett, das neben Mileys Gehege fast das ganze Zimmer einnahm. Fenster gab es wirklich nicht, nur ein Wandtattoo, das mit echtem Holzrahmen auf eine Küste, türkisblaues Wasser und Fliederfelder zeigte. Außerdem waren da von den Wänden meines Privat-Rooms abgerissene Plakate von Edward und Bella, genau vier davon. Die Wände dagegen waren hellila gestrichen mit weißen, breiten Streifen, die der ganzen Location irgrndwas Abgedrehtes verleihten.
    Über meinem großen Bett, in dem eigentlich Platz für zwei Personen war (für Oliver wahrscheinlich nicht, der Typ war gigantisch), hing ein Spiegel, in dem ich mein wirres, dunkellila gefärbtes Haar mit dem bereits dunkelbraunem Ansatz erkennen konnte. Dunkle, fast schwarze Augen blickten zurück. Meiner Meinung nach war ich zu schlank oder lag das nur daran, dass Oliver neben mir gleich zusammenzufallen schien?
    "Ok.", räusperte ich mich verunsichert. "Mal angenommen, ich wache aus einem tragischen Koma nicht in den nächsten drei oder sieben Minuten auf: Wieso bist DU hier?" Oliver fuhr sich verlegen durch die Haare. "Ist mir unangenehm." "Unangenehmer als in einem fremden Internat mit fremden Zimmern auf unbekannten Holzgestellen aufzuwachen?" Der Typ war hier der einzige, den ich zur Rechnung ziehen konnte, aber auch wenn er sehr freundlich und scheu rüberkam, bescheuert war er sicher nicht. Oliver schüttelte zaghaft den Kopf. "No way, Glitter. Mein Geheimnis, dein Geheimnis. Du brauchst mir nicht zu erzählen, weshalb Mr. Starley dich weggeholt hat. Am besten lernst du schnell, dir diesen Fehler abzugewöhnen, sonst durchschaut dich jeder." Allmählich machte es mich wütend, dass selbst Oliver hier Experte war, während ich noch immer gebannt mein steifes Spiegelbild betrachtete. Ablenkung oder zumindest der Touch von etwas Gewohntem machte alles erträglicher.
    Langsam stieß ich die bereits aufgestaute Luft aus: "Sag es mir." "Darf ich dir einen Tipp geben?", grinste er mich an. "In den letzten zehn Minuten habe ich kein einziges Mal meinen Mund geöffnet." Ich runzelte die Augenbrauen. "Du bist Bauchredner?" Der alte Holzstuhl, welcher so überhaupt nicht in das moderne, erfrischende Zimmer passte, quietschte bedenklich, als Oliver sich aufrichtete. Fast wäre er mit seinem dunkelbraunem Schopf an die länglichen LED-Lampen mit helllila Strasssteinen gestoßen. "Weißt du was? Miley hat eine Uhr. Sag ihr doch bitte, sie soll dich um halb sieben zum Abendessen hochschicken. Make-up, Waschzeug, Klamotten, egal was, du findest das Zeug schon. Tschüss!" "Wa..." Einfach rausgegangen war er, ohne wenigstens sich von seiner begehrten Miley zu verabschieden, die satt und zufrieden vor sich hinschlummerte. Warte schien mir nicht mehr angebracht. "What the Hell?" Stöhnend richtete ich mich auf und dank meiner dünnen Figur wurde es nicht einmal umständlich, sich zwischen der gemusterten Wand und dem breiten, stylischen Bett durchzuquetschen. Stella und Miley hatte mir immer viel bedeutet, doch der Tod von Stella schien noch zu unwirklich für die Realität.
    Und Nein, ich fand es nicht verrückt, meinen Hamster nach Sachen wie Uhrzeit, Passwort, Termin, Zahnarzt oder Interview-Time zu fragen, denn die beiden waren nicht nur unwwahrscheinlich alt, sondern auch sehr wohl in der Lage, selbst zu sprechen. Vielleicht war es deshalb auch kein wirklicher Schock, als Oliver mir von meinem jetzigen Aufenthaltsort erzählt hatte.

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