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Hast du die Welt gesehen? ~ Hast du das Werk gesehen?

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Juli - sieben Worte - tordens Schreibwettbewerb

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    ((gray))Seine gelehrten Augen betrachten die verschiedenen Bücherücken, welche vor Staub fast niesen. Eines nach dem anderen schiebt er zurück und
    Seine gelehrten Augen betrachten die verschiedenen Bücherücken, welche vor Staub fast niesen. Eines nach dem anderen schiebt er zurück und lauscht den Klängen um sich herum, stille. Bekannte Stille. Sein Atem ist das einzige Geräusch neben diesen stummen Büchern, all den Monographien, die voller Wissen und doch so trocken sind. Von denen er Tag ein und aus Abschriften macht, die Hände anschließend mit Tinte verschmiert und das Kratzen der Feder auf Papier verdrängt. Er wendete sich zum nächsten Regal, welches bis an die Decke reicht und sein raues Gewand stört ihn, das Gewand eines Mönches. Das Leben scheint ihn zu verhöhnen, die Bücher ebenfalls. Ein Lichtstrahl fällt durch das Fenster, welches den Blick auf neblige Wälder offenbart. Diese Welt scheint so geheimnisvoll, verführerisch, vielversprechend, gefährlich. Seine Füße leiten ihn, die Gedanken weichen von seiner Aufgabe ab und plötzlich sieht er sie, die weite und unberechenbare See. Gischt peitscht in sein Gesicht und die Wellen lassen das Schiff tanzen, ihn wanken. Schritte die er noch nicht kennt und doch so vertraut scheinen.

    Er war seit jeher anders als die anderen. Er sah mehr. Er wollte, es wäre ihm vorherbestimmt, Weise zu werden, denn je weiter er ging, desto mehr glaubte er sich selbst zu vergessen. Heute schlug ein kalter Wind das Meer, die Wellen rauschten hoch auf, übertrumpfen sich jähzornig und eigenwillig. Das Schiff schwankte, doch keiner sorgte sich darum. Es war aus lebendigen Holz gebaut und von den Göttern selbst gesegnet. Trotzdem glaubte er, dass es sinken würde, allen Segnungen zum Trotz. Wenn nicht heute, dann bald. Als er über die verkrusteten Holzplanken strich, spürte er kaum etwas unter der dicken Hornhaut, die sich über seinen Fingerkuppen gebildet hatte. Das Salz lag viel zu schwer auf seiner Zunge, schwerer als das Bier nach einem langen Abend am Feuer. Er wäre gern für die See geschaffen worden, lange hatte er gehofft, seine Erfüllung im Rauschen der Wogen zu finden und der Anerkennung, die man ihm beibrachte, sobald er Heim kehrte. Doch das Schiff trug ihn zu fernen Orten, die er zerstören würde. Er dachte an das Gold, an die feinen Steine und Stoffe. Sklaven, die er erbeuten würde. Brennende Ruinen. Er war oft dabei gewesen, ganz an der Spitze. Aber es war die kunstvolle Schrift auf diesen hauchdünnen Seiten, die ihn gefangen genommen hatte. Darin lag der Schatz, den er sich nun so ersehnte. Doch die Erinnerungen an feines Pergament wurden ihm je entrissen, als eine Stimme ihm polemisch und scheltend zurück an's Ruder rief. Der Sturm nahm gerade erst fahrt auf.

    Rauer Gesang erfüllt die Luft, scheint gegen den pfeifenden Wind ankommen zu wollen. Unschickliche Worte, doch sein Herz lacht über diese primitiven Ausdrücke, als hätte es danach gelächzt einfach nur sein zu dürfen. Die Segel flattern wild, lassen sich vom Wind aufblasen und treiben das Schiff weiter voran. Wellen werden durchbrochen, Wasser knallt nieder und trägt alles mit seinem nass. Der Käpten ruft etwas, gröllt Befehle, welche aus seinem Mund kommen. Kein Widerstand, alle machen was er ihnen befiehlt. Die See scheint sich als einzige aufbäumen zu wollen, doch er weiß mit ihr umzugehen. Möwen schreien über ihnen, als würden sie ein Unglück kundtun wollen. Felsen Ragen auf, spitze Zähne die das Schiff zerreißen wollen. Nicht mit ihm. Er ist wilder, gefährlicher, daheim. Das Steuer dreht sich Steuerbord, das Schiff lässt sich verlässlich zur Seite neigen und weicht aus als wäre es ein Spiel das im seinem Blut liegt. Die Möwen fliegen, der Wind zerrt am Segel und wird eingeholt. Seile flattern und werden festgezurrt. Der Gesang geht weiter, treu und voller Stolz lässt sich niemand unterkriegen vom Salz im Gesicht, nass im Haar und der Kälte in den Knochen. Seine Männer sind treue Wesen und erfüllen sein Seemansherz mit Stolz.

    Die Monotonie lässt ihn weiter reisen, als sein Schiff je segeln könnte. Da weicht die pralle Sonne endlich dem abendlichen Kerzenschein und es duftet nach Zimt und alten Büchern. Er will selbst so eines schreiben, mit diesen Buchstaben, die die Welt erklären. Wenn er nur verstehen könnte, was sie ihm sagen wollen, was sie doch so eifrig jedem ins Gesicht schreien, in ihrer schwarzem Beständigkeit, die nur das Feuer brechen kann. Er könnte sie zurechtbiegen, nach der Feile greifen und auch für sein ungestümes Volk verständlich machen. Dann, wenn es keine Träume mehr in ihm zum aufschreiben gäbe, würde er in diesen reichen Schätzen nach neuer Nahrung suchen. Die Weißheit jener Fremder würde auch ihn ereilen, ja, so würde es sicherlich sein. Er hatte von ihrem Gott gehört, ihrem einzigen. Aber auch von Studien und Ausarbeitungen, die ein einfacher Mann wie er nur durch strebsames Lernen verstehen könnte. Er sah sich, wie er das tropfende Schwert niederlegte, wie Blut und Salz wirkungslos im Teppich verloren ging. Dann fühlte er das Leder unter seinen rauen Händen und als er es aufschlug, dieses Buch, da war es ein Wegweiser über alle Pflanzen dieser Welt. Die Worte verstand er nicht, aber die Zeichnungen wohl. Er sah Fichten, Birken und Eichen, aber auch Palmen, Bonsais und Orchideen. Und obwohl er ihre Namen nicht kannte, wusste er mit einem Schlag, wie groß dieses Reich sein musste und er wollte nur noch mehr davon verstehen.

    Plötzlich lichtet sich die See und das laute Pfeifen des Windes weicht einer angenehmen Briese. Die Sonne lässt das Wasser glitzern, sich beruhigende Wellen so harmlos wirken und die nasse Kleidung trocknen. Er lacht so Rau wie seine Männer, lacht das Meer und das Unwetter aus, trotz allen und jedem. Diese Welt gehört ihm mit all den kleinen und großen Unwettern, den unklaren und klaren Dingen, der brutzelnden Sonne, den kalten Nächten. All die Schätze und Gefahren locken ihn, lassen ihn nicht los. Eine Welt nach der anderen wird er entdecken und Kämpfe gewinnen. Sein Kampfesschrei wird Geschichten und Lieder mit sich tragen. Seine Nachkommen werden ihn in Ehre halten, Kinder werden nach ihm benannt und der Haupt geneigt. Sein Grab wird sein Zuhause die See sein. Die Freiheit steht ihm ins Gesicht geschrieben, dieses süße Ding welches so vergänglich ist.
    Ein Räuspert durchfährt alles, ungeduldig und tadelnd klingt es. Reißen ihn heraus und setzten ihn wieder an unsichtbare Ketten. Der Blick ist auf ihn gerichtet, als hätte er die Geduld wie einen Bogen gespannt. Die Bücher, die Pflichten rufen. Schreien stumm nach ihm, lassen ihn nicht zur Ruhe kommen. All die Schreiben die auf ihn warten, dieses ab-, auf- und anschreiben. Die Regale, Bücher und die Eintönigkeit verschlucken ihn als wäre er nichts. Die See weit weg, die Abenteuer nie passiert. Nur freie Fantasie zwischen den klaren Schriften und Worten der gelehrten.


    Die Ruhe, die ihn umfängt, wenn er sich endlich am Feuer niederlässt, um sich seiner Arbeit zu widmen, seinem Lebenswerk. Einer Schrift, die das Denken in allen Ländern dieser Welt verändern wird. All die Dinge, die er erst lernen musste haben ihn reicher gemacht, aber auch klüger. Und er hat neue Dinge auf die alten gebaut, endlich eigene Schlüsse gezogen und eigene Zeichen geschrieben. Sie für andere aufbewahrt. Seine Kinder werden ihm so nah sein können, wenn sie seine Werke betrachten. Denn seine Seele wird in ihnen leben. Das Schwert wird nur noch eine blasse Erinnerung sein, viel mehr eine Fantasie, als eine Waffe. Und vielleicht wird er eines Tages vergessen, wozu er sie einst gebraucht hat. Weil der sanfte Rhythmus des Schreibens seine größte Kraft im Kampf geworden ist. Aber dann - plötzlich - erklingt die Stimme wieder und jemand schlägt ihm barsch gegen die Stirn. Er darf das Rudern nicht Vergessen, das Land naht schon. Hinter den grauen Himmeln ragen die feinen Gemäuer auf, mit all ihren Schätzen und Reichtümern. Und wenn sie sie hinter sich lassen, wird kaum mehr bleiben als Asche und Rauch.

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