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Die Statistik vom Quiz

Forgotten Love - Dein Leben in Mittelerde Teil 1

27.68 % der User hatten die Auswertung: Mit einem letzten Blick in das Gästezimmer schließe ich die Tür hinter mir und gehe leise die Treppe hinunter zum Empfangsbereich. Dort steht ein älterer Herr, der gerade die Theke putzt. „Entschuldigung?“, frage ich, „Erinnert Ihr Euch möglicherweise daran, mit wem ich gestern Nacht hier eingetroffen bin?“ Der Mann mustert mich kurz, widmet sich aber wieder seiner Theke. „Nee, war viel los gestern und wird‘s auch heute sein, also verschwinde“, murmelt er unfreundlich. Na gut. Ich verlasse das Gasthaus und lasse mir erstmal frischen Wind ins Gesicht wehen. Meine Kopfschmerzen sind immer noch beinahe unaushaltbar. Dabei kann ich mich gar nicht entsinnen, gesoffen zu haben. Dumpf erinnere ich mich an ein kleines Gläschen, gefüllt mit hellroter Flüssigkeit – alles, was danach passiert sein muss, ist wie ausradiert. „Oh, Lynna!“ Cayn kommt schlitternd vor mir zum stehen. „Ich habe dich überall gesucht. Wo warst du gestern?“, fragt er besorgt, „Herr Giron ist außer sich, seit er weiß, dass du nicht die Arbeit gemacht hast, für die er bezahlt wird.“ „Ach, tatsächlich“, murmele ich und folge meinem Freund schweigend zurück zum Anwesen. Das Erste, was ich tue, ist baden. Bevor ich dem Herren gegenübertrete, will ich mich frisch machen, denn wer weiß, ob er mir je wieder Zeit dazu geben würde. Das warme Wasser beruhigt meine Glieder und wäscht für einen Moment die vernebelten Gedanken aus meinem Kopf. Zehn Minuten später stehe ich vor Giron Doryar, dessen unförmiges Gesicht rot vor Zorn ist. „Ist dir klar, dass du meinen Ruf ruinierst! Alles, was ihr tut, fällt auf mich zurück! Und was bekomme ich zu hören? Nein, nicht, dass ihr eure Arbeit zufriedenstellend erledigt habt, sondern dass du erst unseren König mit Saft überschüttest und später einfach vom Festplatz verschwindest! Die anderen Weiber hatten dadurch mehr Arbeit und deren Herren bekommen jetzt einen größeren Anteil am Gewinn! Du bekommst zumindest keine Belohnung und auch dein toller Freund nicht, der den Platz verlassen hat, um dich zu finden! Ihr bringt alles durcheinander!“ Speicheltropfen fliegen mir entgegen, während Giron mich anschreit. „Ich habe für euch bezahlt. Du warst nicht günstig und trotzdem gebe ich dir jeden Monat ein paar Münzen. Aber nun werde ich dich brechen. Und dann wirst du mir widerstandslos gehorchen. Ab in den Keller mit dir!“ Sein finsterer Ton jagt mir einen Schauer über den Rücken. „Wie Ihr wünscht.“ Der Keller ist mehr ein Kerker – ein feuchter dunkler Raum mit schwerer Eisentür und nur einem winzigen Fenster. Ich bin nicht das erste Mal hier, aber es wird nie erträglicher. Seufzend lehne ich mich an die graue Wand. Mehr als nackten Stein gibt es hier drin nicht. Das werden ein paar laaange Tage werden… „He!“ Ich schrecke hoch. Sofort fliegt mein Blick zum Fenster, wo mir Cayns helle Augen entgegen funkeln. „Hier“, sagt er und schiebt ein kleines Törtchen hindurch, was ziemlich umständlich aussieht, da seine Arme nur knapp durchs Fenster passen und er das ganze im liegen bewerkstelligen muss, um überhaupt an das tiefliegende Fenster ran zu kommen. „Danke!“, rufe ich strahlend aus und nehme das Schokoladentörtchen entgegen. „Rest vom Buffet?“, frage ich, woraufhin er nickt. „Ich muss jetzt aber leider wieder los. Ich komm‘ vorbei, sobald ich kann, ja? Halt durch.“ Er zwinkert und will sich zurückziehen, doch ich halte ihn auf. „Warte!“ Meine Hand wandert in meine Tasche und holt das fleckige Stoffstück heraus, welches ich im Gasthaus gefunden hatte. „Dumme Frage, aber kannst du mir irgendwas hierzu sagen?“, frage ich beiläufig, als ich Cayn den Fetzen entgegenhalte. „Also...“, er überlegt kurz, „dank meinen großartigen Analysierfähigkeiten kann ich dir sagen: das ist ein verdrecktes Stück Stoff.“ „Ach, wirklich? Wie unfassbar hilfreich.“ Gerade will ich es wieder einstecken, als er die Hand danach ausstreckt. Ich lege den Stoff in seine offene Handfläche. „Hmm...fühlt sich hochwertig an. Und riecht nach Alkohol, Sekt vermute ich.“ „Was!“, entfährt es mir. Gut, es kann auch Zufall sein, aber kurz vor meinem Totalausfall hatte ich doch den König Gondors mit Sekt überschüttet...Nein, beruhige dich, Lynna. Bestimmt haben auch viele andere sich bekleckert. Trotzdem...irgendwie habe ich das Gefühl, dass ein Zusammenhang zwischen den Ereignissen besteht. „Lynna, du bist ganz blass!“ Cayns besorgte Stimme ruft mich in die Gegenwart zurück. „Nein, es ist nichts“, beruhige ich ihn, „Gib mir den Stoff zurück und geh arbeiten, bevor du meinetwegen in Schwierigkeiten gerätst.“ „Ich geh ja schon – aber den Stoff nehme ich mit, vielleicht finde ich noch mehr darüber raus, da es dir so wichtig zu sein scheint. Bis später!“ Das liebe ich an Cayn – er erkennt sofort, wenn mir etwas am Herzen liegt. Allerdings weiß ich nicht, ob ich will, dass er...Details über den Ursprung dieses Fetzen herausfindet. Gefühlte Stunden später ist Cayn immer noch nicht zurück, um mich zu besuchen. Zitternd liege ich in einer Ecke des Raumes. Meine Kleidung hat sich mit Feuchtigkeit vollgesogen und es gibt keine Möglichkeit, sich zu wärmen. Es geht mir nicht direkt schlecht – eine Pause von den Aufgaben Girons tut mir gut und solang ich hier bin, bestraft er mich nicht mit Schlägen – aber lang würde ich es hier drin so allein nicht mehr aushalten, ohne psychische Schäden davon zu tragen. „Verdammt, mir ist so langweilig!“, schreie ich und schlage mit der Faust auf den Boden, was ich sogleich bereue. „Ahhh, Schmerzen...“ „Dich kann man keine zehn Sekunden allein lassen, oder?“, höre ich Cayns belustigte Stimme am Fenster. „Das waren eher zehn Stunden“, grummle ich zur Antwort. „Ich habe den Besitzer deines Fetzens ausfindig gemacht“, verkündet Cayn so unverwandt in betont beiläufigem Ton, dass ich erschrocken aufspringe, „Es war gar nicht so schwer mithilfe des ortsansässigen Schneiders.“ „Was? Wie? Wer ist es?“ „Das, meine Liebe, wirst du gleich selbst herausfinden. Er hat sich darum gekümmert, dass du sogleich hier raus geholt wirst – aber jetzt erklär mir mal, wie du an den Fetzen rangekommen bist.“ Ich spüre, wie mir die Röte in die Wangen steigt. Zum Glück ist es hier dunkel… „Das ist eine seltsame Geschichte. Kann das nicht warten?“ „Na gut“, seufzt Cayn, „Dann sage ich deinem edlen Retter mal, dass er dich holen kommen kann.“ „Hey, Cayn – DU bist mein edler Retter.“ „Gut erkannt.“ Damit lasse ich ihn gehen. Als zehn Minuten lang nichts geschieht, beginne ich, am Edelmut meines Retters zu zweifeln – bis ich höre, wie die schwere Eisentür aufgezogen wird. „Ihr, Lady. Kommt mit“, ruft mir ein Soldat in voller Rüstung zu. Schweigend folge ich ihm nach draußen, während ich aus einem entfernten Zimmer geschriene Sätze wie „Mein Eigentum!“ oder „...habe dafür bezahlt!“ vernehme. Anscheinend freut der Herr sich nicht über nächtlichen Besuch. „Was ist mit den anderen Bediensteten? Werden wir befreit?“, frage ich hoffnungsvoll an den Soldaten gewandt, doch dieser zuckt nur mit den Schultern. „Vielen Dank“, spricht eine mir bekannte Stimme plötzlich aus den Schatten,“Lasst mich bitte eine Weile mit ihr allein. Lynna, geht Ihr ein Stück mit mir?“ Völlig baff starre ich den Mann an, der nun vor mir steht – es ist tatsächlich Aragorn, oder eher König Elessar von Gondor. Heißt das etwa…? „Ihr verlangt sicherlich eine Erklärung, nicht wahr?“, fragt er ruhig, während wir in Richtung des kleinen Stadtparks gehen. „Warum es so gekommen ist?“ Überfordert versuche ich, einen klaren Gedanken zu fassen. „Ich weiß überhaupt nichts mehr von gestern“, beginne ich schließlich, „Also außer unserem Zusammenstoß...damit meine ich, als ich auf dem Fest in Euch...also...“ Hektisch suche ich nach Worten, die nicht total falsch klingen. „Beruhigt Euch“, lacht Aragorn, „Ihr meint, Ihr wisst nicht mehr, was danach geschehen ist? Ihr erinnert Euch auch nicht mehr an die Zeit, bevor Ihr verkauft wurdet?“ „Nein“, gebe ich zu, irritiert, was meine Vergangenheit hiermit zu tun hat und woher er davon weiß. Kurz meine ich, Enttäuschung in seinem Gesicht lesen zu können, doch es ist so schnell vorbei, wie es aufgetaucht war. „Eigentlich ist das gar nicht schlecht, wenn man es Recht bedenkt“, überlegt er, „Da Ihr alles vergessen habt, könnt Ihr mich nicht damit erpressen oder irgendetwas beweisen – was sowohl für meine Ehre, als auch für meine Ehe von Vorteil ist.“ „Selbst wenn ich mich erinnern würde, würde ich so etwas nie tun!“, entgegne ich aufgebracht. Was für ein Gespräch soll das denn bitte werden? Will er mich nur dazu bringen, den Mund zu halten? „Das wollte ich Euch gar nicht vorhalten. Es ist eher...“ Abrupt bleibt er stehen. „Es ist eher so, dass ich seit der Nacht ständig an Euch denken muss, Lynna...Ihr mögt Euch nicht erinnern, doch wir haben stundenlang geredet. Ihr wart so ehrlich und offen, seid mir wie einem Mann begegnet und nicht wie einem König.“ Schockiert starre ich ihn an. Heißt das, ich habe, ohne es zu wissen, dem König Gondors den Kopf verdreht? Das kann doch nicht wahr sein...eine Sklavin wie ich und ein verheirateter König wie er, noch dazu einer der Gefährten? Zur Sicherheit kneife ich mir in den Arm – das muss doch ein verrückter Traum sein! „Ich...weiß nicht, was ich sagen soll“, stammle ich unsicher lachend, „Ich glaube, das ist zu viel für mich.“ Meine Beine fühlen sich an wie Pudding und meine Hände zittern unangenehm. Aragorn bemerkt es und will mich stützen, doch ich weiche vor seiner Berührung zurück. „Ist das ein Test? Ob ich die erstbeste Gelegenheit nutze, um mich an meinen König ranzuschmeißen?“, frage ich beinahe hysterisch. „Nein, Lynna. Ich meine es ernst. Ich kann nicht sagen, ich sei wieder verliebt in Euch – dafür war unsere Zeit zu kurz. Aber was ich sagen kann, ist, dass Ihr irgendetwas mit mir gemacht habt, dass ich ständig an Euch denken muss. Nicht nur gestern, sondern auch damals.“ Sein verzweifelter Gesichtsausdruck deutet darauf hin, dass das tatsächlich kein Scherz ist. „Warum seid Ihr dann einfach gegangen, am nächsten Morgen?“, frage ich, aber kann ihn nicht dabei ansehen. Diese Situation ist so unglaublich absurd. „Ich war schockiert von mir selbst“, gesteht er, „Immerhin habe ich Arwen, die ich von Herzen liebe und war nie die Art Mann, die zum Vergnügen mit Frauen schläft.“ Ich atme tief durch. „Das ist ja ein ganz schönes Dilemma – leider kann ich Euch dabei nicht weiterhelfen. Ich sollte zurück ins Anwesen, bevor mein Herr sich eine grausame Art überlegen kann, mich zu töten. Es war schön, mit Euch zu sprechen“, erkläre ich einigermaßen ruhig und möchte gehen. Ich kenne diesen Mann doch gar nicht richtig, natürlich ist er der König und sieht unfassbar gut aus, aber deswegen mische ich mich doch nicht in seine Beziehung ein und ziehe den Zorn ganz Mittelerdes auf mich! „Ihr braucht dort nicht mehr hinzugehen. Ich habe Giron Doryar all seine Bediensteten abgekauft und freigelassen. Seinem König konnte er dies nicht verweigern.“ Überrascht drehe ich mich wieder zu Aragorn um, als er diese Worte ausspricht, bis ich realisiere, was sie bedeuten. „Abgekauft!“, wiederhole ich außer mir, „Was soll das denn nützen?“ In meiner Rage vergesse ich alles, was er mir bis jetzt gesagt hat und denke nur an Cayn und meine anderen Kollegen. „Die Sklaverei muss beendet werden, aber so kann Giron sich wieder neue Sklaven holen! Und was geschieht mit den von Euch Freigekauften? Sie haben keine Arbeit und werden an den nächsten reichen Herren geraten, vielleicht schlimmer als Giron! Ihr seid der König, warum unterbindet Ihr dieses Treiben nicht?“ Aragorn sieht mich lange an. „Ich habe es gut gemeint“, flüstert er, „Doch wie es aussieht, versage ich als König. Dabei hat jeder an mich geglaubt...Boromir, es tut mir Leid, dass ich dich enttäusche...“ Ich nutze sein wirres Gemurmel, um mich zu beruhigen. Erst macht der König mir eine Art ‚Zuneigungsgeständnis‘ und dann mache ich ihn nieder. Ich werde Cayn viel zu erzählen haben, wenn ich ihn gefunden habe. Was er wohl dazu sagen wird? „Hört mir zu“, spreche ich Aragorn wieder an, „Es wäre verrückt, Eure Beziehung aufs Spiel zu setzen, obwohl Ihr mich kaum kennt. Ich weiß nicht, was wir gestern geredet haben, was ich Euch über mich erzählt habe und ob ich den Eindruck erweckt habe, verliebt in Euch zu sein. Ich kann nur sagen, dass Ihr in diesem Moment ein Fremder für mich seid.“ Hilflos zucke ich mit den Schultern. „Ich bin Euch sehr dankbar, dass Ihr uns die Freiheit geschenkt habt. Vermutlich werde ich Minas Tirith verlassen, das wird das Beste für Euch sein – und auch für mich.“ Dass ich nicht weiß, wie ich das anstellen soll ohne Besitz und Geld, erwähne ich nicht. Ich möchte ihn nicht ausnutzen. „Es stimmt nicht, dass ich Euch kaum kenne. Ihr wisst es nur nicht.“ Er überlegt kurz. „Ich will Euch nicht von hier vertreiben, aber vermutlich habt Ihr Recht“, entgegnet er monoton. Ein Schatten scheint über seinen Augen zu liegen. „Aber vergesst nicht, dass Ihr mir immer etwas bedeutet habt und immer einen Platz in meinem Herzen haben werdet.“ Mit diesen Worten lässt er mich stehen. Mit einem Mal bricht alles, was in den letzten Stunden passiert ist, in einem Schwall über mir zusammen. Meine zitternden Beine geben nach und ich lande auf den Knien im Gras. Was sollten diese Anspielungen auf meine Vergangenheit? Kannte ich Aragorn bereits zuvor? Unmöglich. Warum nur kann ich mich an nichts erinnern! Ich hasse es! Eine gefühlte Ewigkeit bleibe ich, wo ich bin, bis ein leichter Nieselregen einsetzt und mich aus meiner Starre löst. Müde rappele ich mich auf. „Alles in Ordnung, werte Dame?“, fragt ein Wachmann im Vorbeigehen, doch ich renne an ihm vorbei. Ich brauche ein weiches Bett und Cayn. Ersterem begegne ich auf dem Weg leider nicht, aber in der Nähe des Anwesens steht Cayn, wo ich ihn zurückgelassen hatte. Süß, er hat die ganze Zeit hier gewartet. „Du siehst mitgenommen aus“, stellt er fest, obwohl er einen mindestens genauso erschöpften Eindruck macht wie ich. „Ich werde Minas Tirith verlassen“, platze ich heraus, doch er sieht überhaupt nicht überrascht aus. „Um ehrlich zu sein, möchte ich auch ungern hierbleiben. Wer weiß, was der alte Giron plant, um sich an uns zu rächen“, meint er schulterzuckend, „Also schätze ich, dass ich dich begleite.“ Überglücklich lächle ich ihn an. „Danke. Allein würde ich es nicht aushalten.“ In der selben Nacht noch verschwinden wir aus der Stadt. „Wir sind so verdammt bescheuert“, schimpfe ich. Seit Stunden irren wir durch einen Wald und wissen nicht einmal, wo Norden ist. Unser Ziel war es, erst einmal ein Dorf zu finden und vielleicht auf einem Feld zu arbeiten, um ein paar Münzen zu verdienen und dann weiterzuziehen. Allerdings verzweifeln wir schon daran, überhaupt eine einzige Hütte zu finden. „Ich dachte, der Wald wäre kleiner“, murrt Cayn, „Und ich wüsste nicht, wer uns hätte führen können.“ Dann endet es eben so, dass wir zu Waldmenschen werden, die sich von Beeren und Pilzen ernähren, denn Waffen zum Jagen haben wir natürlich auch nicht. „Ist ja gut, selbst das hier ist besser als-“ „Lynna!“ Schreiend stürze ich einen Abhang hinunter. Panisch versuchen meine Hände, sich an Wurzeln und Ästen festzukrallen, doch dabei reiße ich mir nur die Haut auf. Immer wieder knallt mein Körper gegen Baumstämme, doch ich kann mich nie festhalten. Wie tief geht es hier abwärts! Mit zusammengepressten Augen und höllischen Schmerzen am ganzen Körper warte ich auf den Aufprall. Dann höre ich auf zu fallen. Oh, die Landung hat gar nicht so wehgetan. „Alles gut!“, schreie ich zu Cayn hoch, der an den Rand des Abhangs krabbelt und zu mir hinuntersieht. Seine Augen weiten sich vor Schock, er taumelt zurück und ich höre Würgegeräusche. Verwundert sehe ich an meinem Körper hinunter. „Oh.“ Ein spitzer Ast hat mich aufgespießt, mitten durch meinen Bauch. Erschöpft senke ich meinen Kopf auf das Laub unter mir und starre in den Himmel. Warum tut mir plötzlich nichts mehr weh? Dumpf vernehme ich, wie Cayn vorsichtig den Hang hinunter schlittert und neben mir auf die Knie fällt. Tränenüberströmt fleht er mich an, wach zu bleiben, während mein Leben an mir vorbeizieht. Jede Sekunde meines Lebens spielt sich vor meinen Augen ab. Jede Sekunde. Jede Sekunde, die ich vergessen habe. Jede Sekunde, bevor ich ohne Erinnerung im Wald aufgewacht bin – jede Sekunde, die ich mit der Liebe meines Lebens verbracht habe. „Ich liebe dich“, flüstere ich. Eine einzelne Träne bahnt sich ihren Weg über meine Wange. „Was?“, fragt Cayn schluchzend. „Ich liebe dich“, wiederhole ich und denke an den Mann, der alles für mich war. „Ich liebe dich auch, Lynna“, gesteht Cayn und beugt sich nieder, um mich zu küssen. Warum tut er das? Ich verstehe das nicht. Ich spreche nicht von Cayn. Ich spreche von Streicher, dem Waldläufer. (Das ist das Ende von Teil 1 dieses Tests – tut mir Leid, wenn das nicht ganz so war, wie ihr es gewohnt seid, aber ich wollte einfach mal etwas ‚anderes‘ machen. Ich kann nicht beurteilen, ob es mir gelungen ist, also entschuldige ich mich, falls es zu lang und zu seltsam war. Teil 2 wird nicht ganz so verwirrend, versprochen!:) Um die Zeit bis dahin zu verkürzen, könnt ihr meine Stories auf Wattpad (Erynah_) oder Sweek (Erynah) lesen, wenn ihr wollt)

21.25 % der User hatten die Auswertung: Wieder angezogen verlasse ich das Zimmer und gehe in den Empfangsbereich. Niemand da. Eigentlich sollte ich so schnell wie möglich zum Anwesen zurückkehren, doch mache erst noch einen Abstecher zum Marktplatz „Entschuldigung, wisst Ihr, was für ein Holz das ist?“, frage ich eine Frau in den mittleren Jahren, die an ihrem Stand aus Holz gefertigte Waren verkauft. Ich halte ihr mein Fundstück aus dem Gästehaus hin, doch sie schüttelt mit dem Kopf. „Danke für die hilfreiche Auskunft“, sage ich zuckersüß und wende mich ab, Wie soll ich irgendetwas über meine nächtliche Bekanntschaft erfahren, wenn mein einziger Anhaltspunkt ein gammliges Holzstück ist, das möglicherweise nichts mit dem Geschehen zu tun hat? Ich kann die Sache nicht einfach auf sich beruhen lassen - ich will wissen, was passiert ist! Freudlos kehre ich zum Anwesen zurück, wohl wissend, dass ich keinen herzlichen Empfang zu erwarten habe. Meine Erwartung wird bestätigt, als ich eintrete und sofort groß von einer anderen Bediensteten angestarrt werde. „Ich hatte schon gedacht, sie wäre über Nacht abgehauen“, flüstert sie einer kleinen dunkelhaarigen Kollegin zu, die sogleich energisch den Kopf schüttelt. „Das würde niemand wagen, dem sein Leben lieb ist“, gibt sie ihrer Freundin zur Antwort. Da hat sie Recht. Ich mag zwar oft an Flucht gedacht haben, doch ohne Geld, ohne Plan und mit von Giron angeheuerten Soldaten auf den Fersen? Dafür müsste ich schon echt verzweifelt sein. „Lyyynnaa, du wurdest übrigens schon mehrmals von unserem hochgeehrten Herren angefragt“, wendet sich die dunkelhaarige jetzt an mich, ihre Mundwinkel schadenfroh nach oben gezogen. Klar, solang ich das Opfer des Herren bin, haben die anderen ihre Ruhe. Ich würde mich an ihrer Stelle vermutlich genauso freuen. Kurz darauf stehe ich vor Giron, der sich mit rotem Gesicht in seinem Lieblingssessel niedergelassen hat, um mich anzuschreien. „Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll!“ Wütend schlägt er mit der Faust auf die Sessellehne, verzieht kurz das Gesicht und reibt sich die Fingerknöchel, „Nicht nur, dass du mich sowieso seit deiner Anwesenheit immer wieder aufregst – jetzt überschüttest du sogar den ehrwürdigen Éomer aus Rohan mit den Getränken, die du hättest verteilen sollen und dann verschwindest du einfach vom Platz! Ist dir klar, dass ich jetzt weniger Geld ausgezahlt bekomme? Ich sollte dich auf die Straße werfen dafür, doch leider warst du nicht günstig.“ Mit zusammengekniffenen Augen mustert er mich. „Weißt du was? Ich sorge schon noch dafür, dass du mir gehorchst und tust, was man dir aufträgt.“ Abwartend verschränke ich die Arme. Egal, was er sich ausgedacht hat, ich würde es durchstehen. „Zum essen bekommst du ab heute nur noch Brot. Dein Zimmer wird abends abgesperrt. Dein Cayn befindet sich schon im Keller, da auch er den Platz unerlaubt verlassen hat, um dich zu suchen. Ach ja“, plötzlich grinst er mich breit an, „Du darfst das Anwesen vorerst nicht mehr verlassen.“ Schockiert lasse ich die Schultern nach unten sacken. Er weiß ganz genau, dass ich eine Person bin, die ihre Freiheiten braucht, dass ich es unerträglich finde, eingesperrt zu sein. Noch dazu könnte ich so nichts über meine vergessene Nacht herausfinden. Leider ist Cayn im Keller eingesperrt, was heißt, dass ich nicht einmal jemanden zum Reden habe. Lieber würde ich ein paar Schläge einstecken, als das! Der Herr sieht mir meinen Schock an und lächelt vor Genugtuung. „Ich hoffe, du lernst daraus. Da das nun geklärt ist – raus hier.“ Wütend renne ich ins Bad, wo ich mich nach über vierundzwanzig Stunden endlich wieder wasche. Ein Küchenmädchen hat mir eben bereits mitgeteilt, dass ich beim Kochen helfen solle, doch vorher könne ich mich noch frisch machen. So liege ich nun in der schmalen Wanne und versuche, zu entspannen, so gut es geht. Bis es vor dem Fenster kracht. Erschrocken setze ich mich auf. Was war das? Das Bad liegt im zweiten Stock, mit einem riesigen Baum direkt vorm Fenster. Schnell wickle ich mich in ein Handtuch, um nachzusehen, was passiert ist. „Was zum-“, entfährt es mir, als ich das Fenster öffne und Faramir höchstpersönlich an der Mauer hängt, sich an einen Vorsprung klammernd, weit unter ihm am Boden ein abgebrochener Ast des Baumes. „Gefunden“, sagt er triumphierend, während ich ihn nur wie erstarrt angaffe. „SPANNERT IHR?“, schreie ich ihn an, was ihn panisch um sich schauen lässt. „Nicht so laut!“, warnt er, „Würdest du mir hoch helfen?“ Kurz überlege ich. „Ich bin in fünf Minuten wieder da. Ihr könnt ja solang bis zehn zählen“, sage ich, schließe das Fenster und ziehe mich eilig an. Ich habe keine Lust, nur im Handtuch vor ihm zu stehen. Endlich öffne ich das Fenster wieder. Faramir hängt noch an Ort und Stelle, bloß etwas blasser im Gesicht und mit vor Anstrengung geröteten Händen. „Hilfst du mir jetzt, Lynna?“, fragt er mit gequältem Lächeln. „Ja ja, hier, ergreif das.“ Ich binde mein großes Handtuch am Standfuß der schweren Badewanne fest und werfe ihm das andere Ende zu, damit er daran hochklettern kann. Als er im Zimmer ankommt, lasse ich ihm keine Zeit zum durchatmen: „Was macht Ihr hier? Und woher kennt Ihr meinen Namen?“ Verblüfft starrt er mir in die Augen. „Du weißt nicht...also...“ Plötzlich errötet er und fährt sich durch die rotbraunen Haare. „Was weiß ich nicht?“, frage ich vorsichtig, da mir ein Verdacht kommt. Ich habe doch nicht mit Faramir, einem der bekanntesten Männer Mittelerdes… Eilig durchsuche ich meine Tasche nach dem Holzstück und halte es ihm vors Gesicht. „Kennt Ihr das?“, frage ich und wedle damit hin und her. „Ja, das kenne ich sehr gut. Es ist ein Stück des Hornes von Gondor, das meinem Bruder gehört hat...“ Bei diesen Worten sehe ich, wie seine Augen trüber werden. „Das heißt, wir haben gestern...“, setze ich an, woraufhin er langsam nickt. „Du erinnerst dich also wirklich nicht an gestern? Und auch nicht an alles andere?“ Beklommen sieht er zu Boden. Was heißt hier ‚alles andere‘? Ich wüsste nicht, wann ich Faramir je zuvor begegnet sein sollte, außer dass ich ihn hin und wieder aus der Entfernung in der Stadt gesehen habe. Aber wer weiß, meinem Gedächtnis kann ich immerhin nicht trauen. „Könnte ich das wiederhaben?“, fragt er jetzt und greift nach dem Holzstück. Ich lasse meine Hand zuschnappen und ziehe sie weg. „Erst, wenn Ihr meine Fragen beantwortet.“ Oh man, ich sollte längst in der Küche sein. „Natürlich“, antwortet er. Ich atme tief durch. „Warum seid Ihr einfach aus dem Gästezimmer abgehauen? Warum brecht Ihr in dieses Anwesen ein, gerade, als ich hier drin bade?“ „Ich bin gegangen, weil ich überfordert war“, gibt er mit belegter Stimme zu, „Es tut mir Leid, Lynna. Dich wiederzusehen nach all der Zeit...wie viel wir gestern miteinander geredet haben...und Éowyn. Ich konnte nicht mit der Situation umgehen. Was die zweite Frage betrifft, so war es wohl Zufall – oder Schicksal – dass du gerade hier warst, wo ich doch genau nach dir gesucht habe. Zuerst wollte ich auf normalem Wege hereinkommen, doch Giron Doryar ließ das nicht zu, mit der Begründung, er wolle keine Besucher im Haus haben, solang er noch nichts gegessen hat.“ „Woher wusstet Ihr, dass ich hier arbeite?“ „Du nennst das arbeiten? Ihr werdet wie Sklaven von ihm behandelt! Meinst du, ich habe gestern Nacht nicht die Narben und die blauen Flecken auf deinem Körper gesehen?“ Faramirs Tonfall wird immer lauter. Mir ist das Ganze äußerst unangenehm. Dieser Mann wusste Dinge, die er nicht wissen sollte. „Warum tust du dir das an?“, fragt er leise und sieht mir intensiv in die Augen. Reflexartig schlinge ich mir die Arme um den Körper. „Ich habe keine Wahl“, antworte ich schlicht. Dann werfe ich ihm sein Holzstück zu, was er nicht erwartet. Beim Versuch, es zu fangen, prallt es an seiner Hand ab und fliegt in hohem Bogen aus dem Fenster. „Ups“, sage ich und muss mir das Lachen verkneifen. Verlegen kratzt Faramir sich im Nacken. „Nun...ich werde es nachher wohl suchen müssen. Aber jetzt komm.“ Er streckt mir seine Hand entgegen. „Was?“, frage ich verwirrt. „Ich hole dich hier raus. Wir verschwinden.“ „Nein! Das geht nicht. Wenn der Herr das erfährt!“, rufe ich aus. „Dann sorge ich dafür, dass er dir nichts tut.“ „Ich gehe nicht ohne meinen besten Freund hier weg! Und was ist mit Éowyn? Ihr wird das sicher nicht gefallen.“ „Was das angeht...“, sagt er zögerlich, „Ich habe mich von ihr getrennt. Ich kann ihr das nicht antun, mit ihr zusammen zu sein, obwohl ich eine andere liebe.“ Wie bitte! Faramir hat mit seiner Éowyn Schluss gemacht – wegen mir? Dabei empfinde ich doch gar nichts für ihn! Wie naiv kann ein Mann nur sein? „Lynna“, nun klingt er schon fast verzweifelt, „Ich weiß, ich kann dir nichts aufzwingen und es ist in Ordnung, wenn du mich fortschicken möchtest. Soll ich gehen?“ Er sieht mich mit großen Augen an. Nervös reibe ich mir über den Arm. Das könnte meine einzige Möglichkeit sein, dieses Anwesen zu verlassen und tatsächlich die Chance zu haben, ein neues Leben zu beginnen, fern von hier. Cayn muss ich wohl oder übel zurücklassen, da wir nicht einfach in den Keller spazieren und die schwere Eisentür einschlagen können. Mein bester Freund wird mir das nie verzeihen, aber ich fasse einen Entschluss. „Faramir...Ich komme mit dir, wo auch immer du hingehst. Ich spüre, dass uns irgendetwas verbindet.“ Gelogen, aber ich will endlich frei und selbstständig sein, meine eigenen Entscheidungen treffen. Faramir strahlt mich an. „Lynna, ich werde alles versuchen, damit du dein Gedächtnis wiedererlangst. Jetzt komm. Wir haben schon viel zu viel Zeit verloren.“ Ich ergreife seine Hand und mithilfe von zusammengebundenen Handtüchern entkommen wir aus dem Anwesen. Zwei Stunden nach unserer Flucht sitzen wir auf Pferden und sind auf dem Weg nach Ithilien, da Faramir dort Fürst ist. Sein Haus in Minas Tirith hat er Éowyn überlassen, die allerdings vermutlich bald zurück nach Edoras reisen würde. Mein Plan ist, mich beim erstbesten Dorf zu verstecken, mir mit Feldarbeit etwas Geld zu verdienen und dann dorthin zu gehen, wohin es mich zieht. Mit Faramir eine Beziehung einzugehen, ohne Interesse an ihm zu haben, käme nicht in Frage. Er ist nur Mittel zum Zweck. Relativ bald kommen wir in ein Dorf, in dem wir rasten wollen. Faramir geht zum Markt, um etwas zum essen zu besorgen. Als er mich fragt, ob ich ihn begleiten möchte, lehne ich ab, mit der Begründung, erschöpft zu sein. Lächelnd winke ich ihm, bis er aus meinem Sichtfeld verschwunden ist. Auf geht‘s. Ich durchsuche die Taschen seines Pferdes nach ein paar Münzen für den Anfang und einem Dolch für alle Fälle. Ich habe alles und möchte triumphierend abhauen, als eine Hand mich an der Schulter packt. Erschrocken drehe ich mich um, nur um in Faramirs zutiefst enttäuschtes Gesicht zu blicken. Warum ist er wieder da! „Du fühlst etwas, das uns verbindet, ja?“, wiederholt er meine früheren Worte verletzt. Ertappt sehe ich zu Boden, ehe ich antworte: „Ihr könnt doch nicht erwarten, dass ich mich zu einem mir Fremden hingezogen fühle. Es tut mir Leid, dass ich Euch auf dem Fest Hoffnungen gemacht habe, doch ich war in einer Art Rausch und wollte überhaupt nicht die Nacht mit Euch verbringen. Ihr seid nicht einmal die Art Mann, die mich interessiert!“ Er lässt mich los und ich sehe ihm an, dass es ihm gerade unglaublich schlecht geht. Er hat zwar angedeutet, wir wären uns bereits vor meinem Gedächtnisverlust vor zwei Jahren nahe gewesen, doch Dinge, an die ich mich nicht erinnere, können nicht mein jetziges Leben bestimmen. „Dann geh“, sagt er beinahe unhörbar, „Ich werde nach Ithilien gehen und versuchen, dich zu vergessen.“ Er schwingt sich auf sein Pferd und verschwindet. Das zweite Pferd lässt er da. In Ordnung. Ich habe ihn verletzt und unbeabsichtigt seine Beziehung ruiniert, doch es geht hier um mich. Mit neuer Hoffnung nehme ich mein Pferd an den Zügeln und gehe dem nächsten Hof entgegen, um dort nach Arbeit zu fragen. Doch dazu kommt es nicht, denn ein Seil legt sich von hinten um meinen Hals. Überrascht wende ich mich um und sehe zwei Männer um die vierzig, die mich süffisant angrinsen. „Danke, dass du deinen Beschützer vergrault hast, so haben wir‘s leichter“, raunt der größere der beiden mir ins Ohr. Ich will nach ihm schlagen, doch er zieht das Seil um meinen Hals fester, sodass meine Hände sofort dorthin fliegen, um an der Schlinge zu ziehen. „Was...wollt ihr…von mir“, keuche ich, da ich nur noch schwer Luft bekomme. „Ach, eigentlich möchten wir nur unseren Spaß haben“, nuschelt der Kleinere mit schleimiger Stimme. Wir sind nah am Dorf und es ist hell, wieso suchen diese Typen sich einen solchen Ort aus, um Frauen anzugreifen! Tatsächlich! Da vorne, neben einem kleinen Hof, läuft eine alte Dame vorbei. „He!“, schreie ich, so gut ich kann. Sie sieht auf, doch blickt eilig wieder weg und beschleunigt ihre Schritte. Was! Fassungslos starre ich ihr hinterher, während meine Angreifer höhnisch lachen. „Hier sind wir die Chefs“, sagt der Große stolz, „Und jetzt kommst du schön mit uns.“ Sie ziehen mich ein paar Meter mit, doch ich stemme die Beine fest auf den Boden und mache es ihnen schwer. „Denkst du, sie hat was drauf?“, fragt der Schmalere und beäugt meine kläglichen Versuche, mich zu wehren. „Ich würde mich ja geistig mit euch duellieren“, entgegne ich schnippisch, „doch das wäre unfair – denn wie ich sehe, seid ihr unbewaffnet.“ „Zumindest ist sie frech“, murrt der hässliche Große. Unter Anstrengung schleppen sie mich in eine Hütte am Rand des Dorfes, wo sie mich unsanft auf den Boden werfen. Hektisch nesteln sie an ihrer Kleidung rum, als mir einfällt, dass ich Faramir ein Messer gestohlen hatte! Unauffällig ziehe ich die Waffe aus meiner Tasche, doch meine Entführer sehen genau in dem Moment auf, als ich mit dem Messer nach ihnen stechen will. Geistesgegenwärtig packt einer von ihnen meinen Arm, wodurch der andere es leicht hat, mir meine Waffe zu entwenden. So leicht gebe ich mich nicht geschlagen. Mit voller Wucht ramme ich ihm mein Knie an seine verletzlichste Stelle. Allerdings vergesse ich dabei, dass er gerade mein Messer in der Hand hat, welches er mir jetzt vor lauter Wut in den Körper rammt. Erschrocken spüre ich, wie es sich auf Höhe meines Herzens in mein Fleisch bohrt. „Lass uns verschwinden“, zischt er seinem Freund zu und hastig rennen sie aus der Hütte, um mich dort allein sterben zu lassen. Schwach sacke ich zusammen. Alle meine Erinnerungen erscheinen vor meinen Augen und spielen sich wie ein Film ab. Alle. Ich weiß alles wieder. Alles, was vor meinem Gedächtnisverlust geschehen ist. „Faramir!“, schreie ich mit letzter Kraft. Wie konnte ich meine einzig wahre Liebe vergessen und alles, was wir zusammen erlebt haben? Doch jetzt ist er auf dem Weg nach Ithilien – auf dem Weg, mich zu vergessen. Das habe ich also von meinem Egoismus. (Das ist das Ende von Teil 1 dieses Tests – tut mir Leid, wenn das nicht ganz so war, wie ihr es gewohnt seid, aber ich wollte einfach mal etwas ‚anderes‘ machen. Ich kann nicht beurteilen, ob es mir gelungen ist, also entschuldige ich mich, falls es zu lang und zu seltsam war. Teil 2 wird nicht ganz so verwirrend, versprochen!:) Um die Zeit bis dahin zu verkürzen, könnt ihr meine Stories auf Wattpad (Erynah_) oder Sweek (Erynah) lesen, wenn ihr wollt)

26.52 % der User hatten die Auswertung: Nervös öffne ich die Tür und spähe in den Flur. Leere. Ich gehe langsam in den Eingangsbereich, wo mich sofort zwei Angestellte interessiert mustern. Errötend verstecke ich mein gefundenes Seil hinter meinem Rücken und eile aus dem Gästehaus. Draußen lehne ich mich an die Hauswand und versuche, mich zu beruhigen. Gut. Ich gehe in Gedanken noch einmal alles durch, was gestern geschehen ist. Erst habe ich Faramir – ausgerechnet! - angerempelt und später einen schmackhaften Trank zu mir genommen. Sicher war da irgendwas Gefährliches drin, sonst wäre mein Verstand danach nicht völlig ausgestiegen – auch wenn es sich gar nicht so schlecht angefühlt hat, selbstbewusst zu sein, aber dass es so weit ging… Energisch schüttle ich den Kopf. Ich weiß nur noch, dass ich mit irgendwem getanzt habe, aber das war‘s. Missmutig betrachte ich das Seil. Ich wette, hiermit wurde ich gefesselt und gegen meinen Willen benutzt, denn freiwillig würde ich so etwas nie mitmachen! Oder…? „Ach, verdammt…!“, rufe ich aus und will zurück zum Anwesen des Herren gehen, doch laufe gedankenlos mitten in jemanden rein. Ich schaue hoch in Faramirs Gesicht. Nicht schon wieder! „Ich erkenne Euch. Ist das ein Déjà-vu?“, fragt er lächelnd und ich erröte abermals. „Entschuldigt. Ich weiß nicht, wo mir der Kopf steht“, entgegne ich leise. „Dann braucht Ihr vielleicht eine Ablenkung“, überlegt er, „Kommt mit.“ „Aber-“, setze ich an, doch da hält er mich schon am Arm und führt mich über den Platz. Ich muss doch zum Anwesen, sonst lässt der Herr mich noch umbringen… Andererseits verbringe ich gerade tatsächlich Zeit mit dem berühmten Faramir, der einfach nur unglaublich attraktiv und liebenswert ist. Erstaunlich, was für ein Glück ich habe. „Das hier ist mein Lieblingsplatz“, sagt Faramir und setzt sich auf eine Bank, von der man einen tollen Blick auf den Park hat und einen kleinen Teich betrachten kann. „Hier kommen nur wenige Menschen vorbei, sodass man in Ruhe lesen oder einfach seine Gedanken beruhigen kann.“ Ich setze mich neben ihn. „Genau das, was ich jetzt brauche.“ Lange sitzen wir da und reden. Jegliche Gedanken an Giron Doryar oder Éowyn verdränge ich. „Ich hoffe, wir treffen uns bald wieder“, sagt Faramir zum Abschied. Mit pochendem Herzen kehre ich zum Anwesen zurück. Alles ist mir egal, solange ich Faramir wiedersehen darf. Selbst diese Nacht im Gästezimmer spielt keine Rolle mehr. „Du wagst es, jetzt hier aufzutauchen, kurz bevor ich schlafen gehen möchte? Ich sollte dich wegsperren und verhungern lassen, doch dafür habe ich leider zu viel für dich bezahlt!“, schreit Giron Doryar mich an, als ich beschämt vor ihm stehe, die Augen starr auf den Boden geheftet. „Erst einen der Retter Mittelerdes mit Sekt beschütten, dann einfach vom Platz verschwinden und jetzt nach fast vierundzwanzig Stunden wieder auftauchen! Ich war kurz davor, nach dir suchen zu lassen. Unfassbar. Herel, hol die Peitsche und kümmere dich darum“, beendet er seine Standpauke an einen seiner Schutzmänner gewandt, der die ganze Zeit schweigend an der Tür gestanden hatte. Eine Stunde später sitze ich mich brennendem Rücken in meinem Zimmer. So kann ich nicht schlafen. Still gehe ich an mein kleines Fenster und sehe hinaus. Die Straße ist leer, ein paar Fackeln erhellen die Nacht. Seufzend wende ich mich ab. Wie schön wäre es, jetzt mit Faramir im Park zu sitzen und einfach die Ruhe zu genießen. Doch das Leben ist kein Traum. Mein Schicksal ist es, zu dienen und zu gehorchen. Niemand wird mich je lieben. Ich vergrabe mein Gesicht in meinen Händen und lasse den Tränen freien Lauf, die sich über Stunden angesammelt haben. Wenn ich doch nur wüsste, wer ich früher einmal gewesen bin, bevor ich ohne Erinnerungen im Wald gefunden und an Giron verkauft wurde. Das Ganze ist zwei Jahre her. Hätte man mich denn nicht gefunden, wenn man nach mir gesucht hatte? Jemand Wichtiges kann ich also nicht gewesen sein. In den nächsten Tagen erledige ich nur Arbeiten im Haus und wage es nicht, nach draußen zu gehen. Einige der Gefährten sind mittlerweile abgereist. Ob Faramir noch in der Stadt ist? Ich bekomme die Möglichkeit, es herauszufinden, als ich auf dem Markt Lebensmittel besorgen soll. Bevor ich meinen Einkauf erledige, laufe ich eilig zu Faramirs Bank im Park, doch dort ist niemand. Enttäuscht kehre ich zurück auf den Markt. Gerade, als ich gehen möchte, sehe ich Éomer an einem anderen Stand Dinge kaufen. Vielleicht weiß er, ob Faramir noch da ist… Schüchtern gehe ich auf ihn zu und spreche ihn an. „E-entschuldigt, dürfte ich Euch etwas fragen?“ Erschrocken lässt er den Helm fallen, den er gerade betrachtet hat, was der Verkäufer mit einem erschrockenen Aufschrei quittiert. „Lynna, du...Ähm, ja, natürlich“, stottert er. „Woher kennt Ihr mich?“, frage ich überrascht. Sein Gesichtsausdruck wechselt von entgeistert zu unsicher und dann zurück zu entgeistert. „Es wäre schon sehr traurig, würde ich meine Exfreundin nicht erkennen, wo wir doch am Abend des Festes unser Wiedersehen gefeiert haben“, antwortet er, wobei er sich nervös durch die Haare fährt. Exfreundin? Wiedersehen? Was? Oh. Am liebsten würde ich im Erdboden versinken, als mich die Erkenntnis trifft. Also war er es, mit dem ich im Gästehaus gelandet bin? „Ich kann mich nicht erinnern, was geschehen ist“, gebe ich zu, „und dass ich Eure Exfreundin sein soll, davon weiß ich nichts.“ Ich lächle leicht und zucke unbeholfen mit den Schultern. „Nichts? Aber wie kann das sein? Vor ein paar Tagen schienst du das noch zu wissen. Oder verarschst du mich gerade?“ Bei seiner letzten Frage klingt er nicht mehr ganz so freundlich wie zuvor. Ich weiche ein wenig zurück. „Nein, so etwas würde ich nicht tun!“, beteuere ich. „Ich hätte bei dir bleiben sollen...“, murmelt er plötzlich aus dem Zusammenhang gerissen, fasst sich dann aber wieder und sieht mich stechend an. „Was wolltest du mich fragen, Lynna?“ Ich schlucke. Wie soll ich nach diesem merkwürdigen Gespräch nach Faramir fragen? Egal, ich muss einfach wissen, ob er abgereist ist. „Nun...ist...ist Faramir noch in der Stadt?“, bringe ich es hinter mich. Erst antwortet er nicht. Dann scheint er zu überlegen. Ungeduldig wippe ich auf und ab. Ich bin schon viel zu lange hier. „Ach, so ist das also“, platzt er plötzlich heraus, „Faramir also? Von allen Männern muss es ein Freund von mir sein, dem du jetzt deine Aufmerksamkeit schenkst? Ich habe nach dir gesucht, ich habe dich nie vergessen, doch habe versagt. Und jetzt empfindest du rein gar nichts mehr für mich.“ Bedrückt sehe ich zu Boden. Egal, was einmal zwischen uns gewesen sein soll, ich kann doch nichts dafür, dass ich mich nicht erinnere und nun an einem anderen Mann Interesse habe. „Er ist noch hier“, beantwortet er schließlich meine Frage und geht - nicht ohne mich noch einmal voller Schmerz anzusehen. Schnellen Schrittes gehe ich zum Anwesen zurück. „Faramir!“, rufe ich, als ich ihn am nächsten Tag im Park finde. „Guten Morgen, Lynna“, begrüßt er mich. Er sieht mich so süß an, dass mein Herz immer lauter zu pochen scheint. Hoffentlich sieht man mir das nicht an! „Schön, Euch zu sehen“, sagt er, „Nachher mache ich mich auf die Reise zurück nach Ithilien und es freut mich, dass ich nicht ohne Abschied gehen muss.“ Mein fröhliches Lächeln erstirbt. „Ihr reist ab?“ Meine Stimme klingt erstickt und ich muss mich zusammenreißen, nicht zu weinen. Das darf nicht sein! „Das nimmt Euch so sehr mit?“, fragt er verwundert. „Natürlich!“, entgegne ich mit zitterndem Ton, „Ich...ich...ich liebe Euch doch...“ Faramir sieht aus wie vom Blitz getroffen. „Was?“ Er versucht, sich zusammenzureißen. „Es tut mir Leid, aber ich liebe Éowyn. Ihr seid eine Freundin für mich. Jemand, mit dem ich mich gut unterhalten kann, da wir uns recht ähnlich sind.“ Nein. Nein, nein, nein. Ich wende mich von ihm ab und renne, bis ich an eine einsame Ecke gelange, wo ich mich auf den Boden knie und hemmungslos weine. Mein Leben ist grauenvoll. Nichts funktioniert. Mein Wunsch, endlich Zuneigung zu erfahren, wird niemals erfüllt werden. Nach einer Weile erhebe ich mich und gehe zurück zum Anwesen, ohne irgendetwas zu denken. Mein Kopf ist leer. Gedanken bringen nur Schmerz. Tagelang spreche ich mit niemandem, nicht einmal mit Cayn, der sich unglaubliche Sorgen um mich macht, doch es kümmert mich nicht mehr. Ich will nicht mehr. Ich will keine Schmerzen mehr erleiden, weder äußerlich noch innerlich. Nur ein kurzer Schmerz ist nötig, um alles zu beenden. Ich stehe am Fenster des Dachzimmers und sehe nach unten. Tief. Mein Herz schlägt schmerzhaft gegen meine Brust. „Nur kurz. Dann ist es vorbei“, flüstere ich in die Stille. Nie mehr Sklave sein. Nie mehr wünschen. Ich klettere auf die Fensterbank. Meine schwitzenden Hände klammern sich am Fensterrahmen fest und sind kurz davor, wegzurutschen. Ich schließe die Augen und lasse mich fallen. Meine Augen sind offen. Sie sehen, doch gleichzeitig sehen sie nicht. Sie sehen keinen Boden, sie sehen keinen zerschmetterten Körper, sondern sie sehen vergangene Träume und Wünsche. Mein gesamtes Leben spielt sich vor ihnen ab und ich sehe zu wie eine Außenstehende. Alles ist wieder da, all meine Erinnerungen. Ich lächle. Einst wurde ich tatsächlich geliebt. Éomer hat mich geliebt. Und ich habe ihn geliebt. (Das ist das Ende von Teil 1 dieses Tests – tut mir Leid, wenn das nicht ganz so war, wie ihr es gewohnt seid, aber ich wollte einfach mal etwas ‚anderes‘ machen. Ich kann nicht beurteilen, ob es mir gelungen ist, also entschuldige ich mich, falls es zu lang und zu seltsam war. Teil 2 wird nicht ganz so verwirrend, versprochen!:) Um die Zeit bis dahin zu verkürzen, könnt ihr meine Stories auf Wattpad (Erynah_) oder Sweek (Erynah) lesen, wenn ihr wollt)

24.55 % der User hatten die Auswertung: Ich betrachte noch einmal die silberne Kette, bevor ich aus dem Zimmer gehe und in den Empfangsbereich schlendere. Dort treffe ich auf einen Angestellten, der gerade Glasscherben eines zerbrochenen Fensters einsammelt. „Guten Morgen, wart ihr gestern Abend hier?“, frage ich. Vielleicht könnte er mir sagen, in wessen Begleitung ich hier erschienen bin. „Ja“, antwortet er zerstreut, „Warum?“ „Habt Ihr mich gestern Abend hier gesehen? Möglicherweise in Begleitung?“ „Tut mir Leid“, antwortet er errötend, „Ich kann mich an nichts erinnern, was gestern passiert ist.“ „Habt Ihr zufällig einen rötlichen Trunk probiert?“, frage ich neugierig, woraufhin er nickt. Na, zumindest bin ich nicht die Einzige. „Aber die hier gehört nicht Euch, oder?“, frage ich mit der silbernen Kette wedelnd. „Nicht, dass ich wüsste“, entgegnet er. Schade eigentlich, mit seinen großen grünen Augen und den dunklen unordentlichen Haaren ist er echt süß. Aber wer weiß, vielleicht ist der eigentliche Besitzer der Kette noch süßer – falls ich es je herausfinden werde. „Danke. Viel Erfolg noch“, sage ich und nicke in Richtung der Scherben. Er reckt den Daumen nach oben. Auf der Straße zurück zum Anwesen kommen mir viele Menschen entgegen – manche mit Karren voll Möbel und Dekorationen vom Festplatz, andere mit großen Taschen auf Pferden, vermutlich auf dem Heimweg in die verschiedensten Winkel Mittelerdes. Auch Merry und Pippin befinden sich in diesem Strom, lachend und ausgelassen. „Das war ein wundervolles Feuerwerk gestern!“, rufe ich ihnen winkend zu. Sie erkennen mich freudig, denn ich hatte ihnen einige Zeit zugesehen – vor meinem Totalausfall. „Einen schönen Tag wünsche ich“, begrüßt mich Merry, als die beiden sich zu mir gesellen. „Wir haben eine lange Rückreise vor uns, nur noch wenig Pfeifenkraut und eine Menge Gepäck.“ Er zeigt auf einen Rucksack, aus dem ein paar unbenutzte Feuerwerkskörper herausragen. „Wenn Ihr möchtet, könnt Ihr eins haben“, sagt Pippin und zieht ein kleines gelbes hervor, das er mir überreicht. „Es sieht zwar klein aus, ist aber ziemlich imposant, wenn es explodiert“, erklärt er stolz, „Wenn Ihr das zündet, sehen wir es sicherlich noch im Auenland.“ „Vielen Dank“, sage ich ehrlich. Wer sonst bekommt schon ein original Feuerwerk von zwei der berühmtesten Hobbits Mittelerdes geschenkt? „Ich hoffe, ich finde einen guten Anlass, um es zu benutzen. Es gibt selten solche Feste wie gestern hier.“ „Hm, vielleicht an Eurem Geburtstag? Wenn wir es dann am Himmel sehen, denken wir an Euch und wünschen Euch alles Gute“, schlägt Merry vor. „Eine gute Idee“, antworte ich. Dass ich nicht weiß, wann ich Geburtstag habe, erwähne ich nicht. „Ein gewisser Herr denkt bestimmt jetzt schon an euch“, meint Pippin augenzwinkernd. Überrascht sehe ich ihn an. „Pippin!“, ruft Merry aus, „Wir sollten doch darüber schweigen, solange er-“ „Worüber schweigen?“, werfe ich schneidend dazwischen. Ich mag die beiden, aber wenn sie etwas vor mir verheimlichen… „Na jaaaa. Über Euch und Euren Verehrer“, erklärt Merry zögerlich. „Ich weiß auch nicht, warum. Aber er wollte erst irgendetwas in Erfahrung bringen, bevor er Euch wieder aufsucht.“ „Wer ist dieser Verehrer?“, frage ich neugierig und verschränke die Arme. Jetzt wird sich endlich alles aufklären. „Ihr wisst es nicht?“, fragt Pippin mit großen Augen, „Dabei habt Ihr doch die ganze Zeit getanzt und geredet.“ „Natürlich weiß sie es nicht“, sagt Merry ungeduldig, „Sie war doch völlig hinüber! Was immer Ihr geraucht habt, das muss starkes Zeug gewesen sein“, meint er nun an mich gewandt. „Ich habe nichts geraucht. Das war ein Getränk.“ „Wie auch immer“, winkt er ab, „Euer Liebster wird sich bei Euch melden, wenn er soweit ist. So haben wir ihn wahrlich noch nie erlebt! Aber jetzt müssen wir wirklich los – hoffentlich sieht man sich wieder!“ Beide verneigen sich spielerisch vor mir, bevor sie ihre Abreise fortsetzen. Schade, dass sie nicht länger bleiben. Bestimmt hätten wir Freunde werden können. Doch viel wichtiger ist, dass ich wohl bald erfahren werde, mit wem ich die Nacht verbracht habe. „Du bist reichlich spät“, stellt Giron Doryar wütend fest, als ich in sein Wohnzimmer eintrete. „Hast du noch immer nicht verstanden, dass es Regeln gibt, an die man sich halten sollte? Anscheinend bist du masochistisch veranlagt, da du dir lieber Strafen einhandelst, anstatt deine Arbeit richtig zu machen!“ Genervt rolle ich mit den Augen. „Du tust es schon wieder!“, schreit er, „Derartige Respektlosigkeit! Nichtmal eine Entschuldigung dafür, dass du erst einen elbischen Gast mit Sekt überschüttest und dann vom Festplatz verschwindest, statt zu arbeiten! Ist dir klar, dass ich nun weniger Lohn als erwartet erhalte? Ich würde dich am liebsten loswerden, doch keiner würde mir das zahlen, was ich damals für dich gezahlt habe, jetzt, da du nicht mehr frisch bist. Du darfst nicht mehr nach draußen – auch nicht in den Pausen – bis ich sicher bin, dass du gehorchst. Bei jedem Fehler gibt es ein fröhliches Treffen mit der Peitsche. Verstanden?“ „Verstanden“, antworte ich und sehe genauso stechend in seine Augen, wie er in die meinen schaut. Angestrengt wische ich den Boden im Esszimmer. Nach jeder Mahlzeit hinterlässt der Herr den Raum, als hätte eine Meute Orks hier gefeiert. Cayn putzt die Fenster im gleichen Raum. „Du wirkst schlecht gelaunt“, sagt er nach einer Weile der Stille. „Ach, wirklich?“, entgegne ich schneidend, „Ist ja nur so, dass ich bis auf weiteres hier eingesperrt bin.“ Dabei wollte sich laut Merry und Pippin mein unbekannter Verehrer bei mir melden. Wie soll er das tun, wenn ich die ganze Zeit hier festsitze? „Tut mir Leid“, erwidere ich an Cayn gewandt, „Ich weiß einfach nicht mehr, was ich denken soll. Das hier ist kein Leben für mich. Ich will wieder Spaß haben, Cayn. Doch ich bin nichts als eine Sklavin. Ich halte das nicht länger aus.“ Bedrückt hält er inne und sieht mich an. „Ich verstehe das. Mir geht es nicht anders. Aber wir müssen nach vorn blicken. Irgendwann wird sich unser Leben ändern. Der Herr ist nicht mehr jung. In ein paar Jahren ist er entweder tot oder hat nicht mehr die Motivation, uns einzufangen, wenn wir davonlaufen.“ „In ein paar Jahren!“, rufe ich aus und ramme den Wischmopp auf den Boden. „In ein paar Jahren werde ich so daran gewöhnt sein, in Abhängigkeit zu leben, dass ich vielleicht gar nicht mehr fliehen will und an den nächsten Sklavenhalter gelange.“ Energisch wische ich weiter über den Boden, obwohl die Stelle bereits glänzt. Seufzend macht sich Cayn wieder an seine Arbeit. Meine Augenlider sind schwer vor Müdigkeit und fallen in dem Moment zu, als ich mich kaputt ins Bett fallen lasse. Trotzdem schaltet mein Bewusstsein nicht ab. Stundenlang wälze ich mich hin und her und kann einfach nicht einschlafen, obwohl ich unglaublich müde bin. „Ach, verdammt“, nuschele ich und schwinge mich wieder aus dem Bett, schwanke kurz, stütze mich an der Wand ab. Der Herr ist sicher tief und fest am schlafen. Wenn ich ganz leise bin, kann ich vielleicht auf den Balkon schleichen und ein bisschen frische Nachtluft genießen. Vorsichtig gehe ich durch den Flur, die Treppe hoch und öffne bedächtig die Balkontür. Sofort weht mir kühler Wind entgegen, den ich freudig empfange. „So frei wie du wäre ich auch gern“, flüstere ich dem Wind zu. „Das bist du bereits. Du weißt es nur noch nicht“, antwortet eine klare Stimme. Perplex drehe ich mich um mich selbst – niemand da. „Ist das ein Traum?“, frage ich und kneife mich sicherheitshalber – nein, müsste eigentlich real sein. „Hier oben“, lacht die Stimme. Plötzlich höre ich neben mir einen sanften Aufprall. Ein blonder Elb - er ist anscheinend vom Dach gerutscht und elegant neben mir gelandet. Erschrocken weiche ich zurück. „Ihr seid einer der Gefährten. Legolas, richtig?“ Seine leuchtend blauen Augen scheinen mir traurig bis in die Seele zu sehen. Es ist mir unangenehm, also verschränke ich abwehrend die Arme vor der Brust. „Es tut weh, Distanz von dir zu erfahren“, sagt der Elb leise. „Kennen wir uns?“, frage ich misstrauisch. Ich kann mich nicht entsinnen, jemals zuvor mit ihm gesprochen zu haben. „Ja und nein“, antwortet er ruhig, „Wir haben uns so gut gekannt, wie ein Wesen das andere kennen kann. Doch nun sind wir Fremde.“ Falls wir uns tatsächlich gekannt haben sollten, muss das vor meinem Gedächtnisverlust vor zwei Jahren gewesen sein. Komisch allerdings, da Elben nicht meine liebste Gesellschaft darstellten. Bisher sind mir alle, denen ich je begegnet bin, sehr abgehoben und herablassend gegenübergetreten. „Was macht Ihr hier?“, frage ich, da es nicht oft vorkommt, dass Elben auf unserem Dach rumsitzen. „Ich habe hier gewacht und auf eine Situation wie diese gewartet, um mit dir zu sprechen. Ich weiß, dass du dich an nichts erinnern kannst. Deswegen bin ich auch direkt gegangen – ich wollte dich nicht erschrecken. Das war nicht richtig von mir. Ich hätte warten sollen, bis du aufwachst, doch ich war schockiert von mir selbst, dass ich deinen Rausch so ausgenutzt habe.“ Hä? Ich versuche, zu entziffern, was er mir damit sagen will. Dann macht es klick. „Also seid Ihr der Verehrer, von dem die Hobbits gesprochen haben? Ich schätze, das hier gehört also Euch?“ Ich ziehe die silberne Kette aus meiner Tasche und halte sie ihm hin. Für den Bruchteil einer Sekunde starrt er die Kette nur an, dann lächelt er leicht. „Nein, sie gehört dir“, antwortet er, „Doch es fehlt etwas.“ Seine Hand verschwindet kurz in seiner Tasche und holt etwas kleines hervor. Dann nimmt er mir die Silberkette aus der Hand, fädelt den kleinen Gegenstand auf und gibt sie mir zurück. Ein filigran gearbeiteter, wunderschöner Anhänger in Form eines Blattes hängt nun an der Kette. Staunend bewege ich ihn hin und her, da das Mondlicht ihn zum glitzern bringt. „Das kann ich nicht annehmen“, flüstere ich immer noch gebannt von der Schönheit des Anhängers. „Es gehört schon lange dir“, erklärt er mit einem Blick in die Ferne, in dem sich Erinnerung und Verlust widerspiegeln. Erstaunliche Augen hat er. Nach einigen Minuten Schweigen ergreift er wieder das Wort. „Ich weiß nicht, wie ich dein Gedächtnis zurückholen könnte. Vielleicht ist es für immer verloren – doch das möchte ich nicht glauben. Du kannst dir nicht vorstellen, wie gern ich deine Hand nehmen und dich von hier fortbringen würde. Doch das kann ich nicht tun, denn etwas sagt mir, dass du dein Glück nur finden kannst, wenn du hierbleibst.“ Schockiert öffne ich den Mund. Mein Glück finden, wenn ich hierbleibe? Wie bitte? Unbeirrt fährt er fort: „Ich will dich nicht überfordern oder verwirren, doch ich muss dir sagen, dass ich dich liebe. Es war unglaublich für mich, dich auf dem Fest wiederzusehen. Es fällt mir schwer, dich hierzulassen, obwohl du leidest, doch ich muss. Ich hole dich, wenn die Zeit gekommen ist. Das verspreche ich.“ Mit einem letzten unglücklichen Blick betrachtet er mich, dann schwingt er sich über das Gelände des Balkons und verschwindet in der Nacht. „Schau doch mal wieder vorbei, wenn du weniger Zeit hast!“, schreie ich ihm hinterher, voller Wut und Enttäuschung. Er wartet hier auf mich, lässt mich glauben, er würde mich lieben und retten wollen, aber dann lässt er mich stehen mit den Worten, hier würde ich mein Glück finden. Etwas dümmeres habe ich echt noch nie gehört! „Hey, du!“, höre ich hinter mir die tiefe Stimme eines Wachmanns Giron Doryars. „Dein Geschrei hat den Herren geweckt.“ Bevor er mich ergreift und nach drinnen zieht, werfe ich Legolas‘ Kette wütend in die Dunkelheit. Sie bringt sicher viel Geld, doch ich will sie nicht und genauso wenig will ich, dass der Herr sie bei mir findet und sie sich unter den Nagel reißt. „Ich hasse Elben!“, rufe ich der davonfliegenden Kette noch hinterher, dann reißt der Wachmann mich unsanft ins Anwesen zurück. „Keller“, beschließt Giron mit seltsam entspannter Stimme, „Ich glaube, die Peitsche würde dich nicht gehorsamer machen. Doch deine Freiheit ist dir anscheinend so lieb, dass du nachts verbotenerweise auf meinen Balkon gehst und mich mit deinem nervigen Geschrei aus dem Schlaf reißt. Also ist der Keller wohl die beste Strafe für dich.“ Mit leerem Blick starre ich einen unbestimmten Punkt irgendwo neben dem Herren an. Soll er mich doch bestrafen, womit er will. Wenn nicht einmal meine angebliche große Liebe mich retten will, dann wird es niemand tun. Alles ist egal. Tagelang liege ich schweigend und einsam im Keller, einem dunklen Raum ohne Möbel, mit Wänden aus kaltem Stein und nur einem winzigen Fenster. Von Cayn keine Spur – wahrscheinlich darf er mich nicht besuchen. Und auch Legolas taucht nicht auf. Vermutlich, weil er immer noch wartet, bis ich mein Glück finde, denke ich verbittert. Ich erwache, als ich etwas kaltes in meinem Gesicht spüre. Oh Gott! Erschrocken springe ich auf und drücke mich an die Wand. Draußen tobt ein Gewitter und es regnet in Strömen – der Keller ist bereits bis zu meinen Knöcheln vollgelaufen und da unter der Tür kein Spalt ist und das kleine Fenster, durch das das Wasser in den Keller läuft, so weit oben liegt, wird es noch ansteigen. Panisch renne ich zur Tür und schlage wild auf sie ein. „He! Lasst mich raus! Hallo!“ Keine Reaktion. Vermutlich denkt niemand daran, hier unten nach dem rechten zu sehen. Ganz ruhig. Hektisch durchsuchen meine Augen den kleinen Raum, finden aber nichts, was mir helfen könnte. Ich überlege, das Fenster mit meiner Kleidung zuzustopfen – doch selbst wenn ich ran käme, würde das die Flut kaum aufhalten. Verdammt, warum muss ausgerechnet jetzt so ein Monsun ausbrechen? Mein Herz klopft schmerzhaft gegen meine Brust und scheint danach zu schreien, dass ich irgendetwas tue. Doch mir fällt nichts ein. Weinend vor Angst drücke ich mich an die Wand und sehe dem Wasser beim steigen zu. Keine Luft mehr. Keine Möglichkeit, zu entkommen. Ich versuche, mich durch das Fenster zu quetschen, doch es ist zu eng. Ich tauche zur Tür, ziehe an ihr, schlage auf sie ein. Meine Hände platzen auf und färben das Wasser rot. Keine Chance. „Du hast mich umgebracht, Elb! Ist das das Glück, von dem du gesprochen hast?“, schreie ich stumm. Unmöglich, dass er hiervon gewusst hat und mich absichtlich dem Tod überlassen hat. Das würde doch keinen Sinn ergeben. Ich schließe die Augen. Hat keinen Zweck. Muss atmen. Überall Wasser. Ich atme. Meine Lungen füllen sich mit Wasser. Mein Puls rast, mein Körper will noch nicht aufgeben. Alles erschlafft. Ich öffne ein letztes Mal die Augen, nur einen Spalt. Sehe ein Leuchten. Der Anhänger. Ich habe ihn doch weggeworfen, wie kommt er hier her? Das Leuchten wird immer greller. Gleich ist es vorbei. Mein ganzes Leben spiegelt sich im Silber des Anhängers, all meine Erinnerungen. Alle. Jede einzelne. Jede, die ich für immer verloren geglaubt hatte. Jetzt kann ich Legolas verstehen. Er würde mich niemals dem Tod überlassen – er hatte aber gespürt, dass ich meine Erinnerungen nur hier zurückerlangen konnte. In Gedanken sehe ich Legolas‘ wundervolle Augen vor mir. „Ich bin so weit“, sage ich ihm, „Du kannst mich holen. Ich liebe dich.“ (Das ist das Ende von Teil 1 dieses Tests – tut mir Leid, wenn das nicht ganz so war, wie ihr es gewohnt seid, aber ich wollte einfach mal etwas ‚anderes‘ machen. Ich kann nicht beurteilen, ob es mir gelungen ist, also entschuldige ich mich, falls es zu lang und zu seltsam war. Teil 2 wird nicht ganz so verwirrend, versprochen!:) Um die Zeit bis dahin zu verkürzen, könnt ihr meine Stories auf Wattpad (Erynah_) oder Sweek (Erynah) lesen, wenn ihr wollt)