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Red

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1 Kapitel - 1.281 Wörter - Erstellt von: - Entwickelt am: - 615 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

( OC x Kid/ Law) Elenore, eine junge Frau mit einem schlechten Leben. Sie ist stets bemüht, doch die Zukunft hält nichts Gutes für sie bereit... oder doch? Sie kämpft für die Zukunft, gegen die Vergangenheit und auch für Liebe. Sie kämpft vor allem gegen sich selbst und sieht ein, dass sie dies nicht allein meistern kann. Real life

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Still Alive

Ich sitze allein in der Notaufnahme. Keine Menschenseele ist bei mir. Man kann nur die dämlich plärrende Musik im Wartebereich hören. Ich sitze einsam auf einem der vielen Stühle. Die Knie angewinkelt und meine Stirn darauf gebettet. Ich weiß nicht recht, wie ich hier her gekommen bin und auch nicht wie lange ich hier schon sitze. Die Musik drängt sich unangenehm in meine kreisenden Gedanken.
Ich hebe meinen Kopf. Vor mir erblicke ich eine Gestalt. Eine widerliche Gestalt, mit dreckiger Kleidung und einem zugerichtetem Gesicht. Ich erhebe mich von meinem Platz um näher an die Gestalt heran zu treten. Fest umklammere ich das bereits blutdurchtränkte Tuch, welches mir die Schwester vorhin brachte.
Ich komme näher. Kann die Gestalt besser erkennen. Die Lippe aufgeplatzt, eine Platzwunde über dem Auge, das Gesicht voller Blut und Dreck und die Augen voller Leid. Unzählige Verletzungen. Doch Mitleid empfinde ich nicht. Ich hebe meine blutverschmierte Hand und zeige der Gestalt den Mittelfinger. Mein Spiegelbild tut das Gleiche. Ich Hätte liegen bleiben sollen. Ich hätte verrecken sollen.
Mein Spiegelbild und ich hatten es so verdient. Selbsthass…, war schon immer mein Ding. Entspannt stehe ich da und starre auf die Gestalt die sich in der Fensterscheibe widerspiegelt. Doch etwas Anderes hat meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Eine andere Gestalt ist aufgetaucht. Ich kneife meine Augen etwas zusammen und erblicke einen Halbgott in weiß, der schräg hinter mir an einer Wand lehnt und interessiert zu mir blickt. Ruckartig drehe ich meinem Kopf zu ihm und sofort werde ich abschätzig gemustert. Selbst von dieser Entfernung kann ich das Stahlgrau seiner Iriden erkennen. Ich lasse interessiert meinen Blick über den jungen Mann schweifen.
Gebräunte Haut, groß, schlank, schwarzes Haar und ein ebenso schwarzer Kinnbart. Halbgott eben, denke ich. Er wendet sich ab und deutet mir mit einer Handbewegung ihm zu folgen. Großen Schrittes geht er voran und ich folge ihm so gut es geht. Der lange, helle Gang in den wir abbiegen riecht nach Desinfektionsmittel.
Er öffnet eine weiße Tür auf der rechten Seite und geht ins Innere eines kleinen Behandlungszimmers. Mit einer Geste deutet er mir, mich auf die Liege zu begeben und setzt sich selbst an den Schreibtisch, um eine leere Akte heraus zu kramen. Unschlüssig stehe ich in der Tür. Komischer Typ, denke ich. Gehe dann zur Liege um mich einfach drauf zu setzen.
Der Halbgott zieht sich weiße Handschuhe über und kommt mit einer Taschenlampe bewaffnet auf mich zu. Mit dem Zeigefinger hebt er leicht mein Kinn, denn im Sitzen muss ich deutlich zu ihm aufblicken. Intensiv schaut er mir in die Augen und ich vergesse fast zu atmen. Ein komisches Gefühl macht sich in mir breit und seine Augen scheinen mich förmlich zu fesseln. Meine Gedanken werden jäh von dem grellen Licht der Taschenlampe unterbrochen. Er leuchte in beide Augen, um nachzusehen ob die Pupillen durch den Lichteinfall gleichmäßig kleiner werden. So schnell wie das Licht kam ist es auch schon wieder erloschen. Ich blinzle mehrmals.
Als ich wieder klar sehe dreht sich der Halbgott mit einer Nierenschale voller Utensilien zur Wundreinigung und Nähzeug um. Er sitzt auf einem Hocker und rollt zu mir an die Liege. Diesmal sind wir auf einer Augenhöhe. Er muss wirklich groß sein. Vorsichtig entfernt er das frische und eingetrocknete Blut aus meinem Gesicht. Als das erledigt ist macht er sich an meiner Lippe zu schaffen. Er ist hochkonzentriert doch sein Gesicht ist entspannt. Weder die Stirn wirft Falten, noch die Augen wirken angestrengt.
Ich zucke jedes mal zusammen, wenn die Nadel die empfindliche Haut durchbohrt. Doch den Blick halte ich starr auf sein Gesicht. Ich will es weiter so ungestört betrachten. Nun wendet er sich der Platzwunde, die knapp über dem linken Auge liegt, zu. Ich bekomme einem Blick auf die gerade Nase, die schmalen Lippen, auf den schwarzen Kinnbart, die Koteletten, die zwei goldenen Ohrringe an jedem Ohr und auf die stahlgrauen Augen, die undefinierbar in Meine blicken.
Mein Herz setzt aus und mir wird heiß. Er hat bemerkt dass ich in gemustert habe. Der Halbgott wendet sich ab, stellt die Nierenschale ab und schreibt erneut Etwas in die Akte.‘ Haben Sie erbrochen? Schwindel? Sehstörungen? Einschränkungen im Gehör?‘, rattert er monoton herunter und trotzdem ist seine Stimme wohltuend tief und lässt mir einen Schauer über den Rücken laufen.
‘Nein', antworte ich leicht heißer.
‘Wie ist das passiert?’, fragt er. Er hat mir immer noch den Rücken zugedreht und schreibt weiter in die Akte.
‘Bin gestürzt‘, versuche ich es so überzeugend wie möglich. Als Antwort bekomme ich nur ein Schnauben. Er glaubt mir nicht. Warum auch? Nicht einmal ich selbst glaube mir.
‘Wer war das?‘, fragt er nun.
‘Bin gestürzt!‘, Lüge ich zähneknirschend.
‘Waschen Sie ihre Hände und ziehen Sie Ihr Oberteil aus.’, verlangt er leicht knurrend . Ich schlucke. Ich will gar nicht wissen wie es unter meinem, einst türkisem, Oberteil aussieht. Ich tue wie geheißen und wasche mir großzügig die Hände an dem kleinen Waschbecken neben der Tür. Zufrieden betrachte ich wie das rote Wasser das makellos weiße Porzellan befleckt. Ich trockne meine Hände gehe zur Liege und befreie mich von meinem Oberteil welches unangenehm an mir klebt.
Nun stehe ich da. Unzählige Blutergüsse, die fast die selbe Farbe haben wie mein schmuckloser schwarzer BH. Der Halbgott hat sich zu mir gewandt, die Handschuhe ausgezogen und fährt mit seinen warmen Fingern die Flecken vorsichtig nach. Eine Gänsehaut kann ich bei diesen Berührungen nicht unterdrücken und hoffe das es ihm gleichgültig ist. Er hebt meine Arme, kontrolliert Nieren, Leber und Rippen. Bei Letzterem unterdrücke ich einen Aufschrei. Er nimmt es schweigend hin. Er wendet sich ab und ich ziehe mich wieder an. Nun warte ich auf das finale Urteil und bekomme es.
‘ Eine Gehirnerschütterung haben Sie nicht. Wenn Sie heute noch Erbrechen, suchen Sie sofort einen Arzt auf. Die Organe scheinen ebenfalls in Ordnung zu sein. Bei den geprellten Rippen können Sie nichts weiter machen als sich zu schonen und Schmerzmittel zu nehmen. Außerdem sollten Sie unbedingt in den nächsten Tagen zum Zahnarzt, nur um sicher zu gehen.‘, sagt er gelangweilt und sieht ebenso gelangweilt zu mir.
‘Wir sind hier fertig!‘, sagt er recht ruppig, drückt mir meine Krankenkarte in die Hand und schiebt mich ohne ein weiteres Wort aus dem Behandlungszimmer. Unschlüssig stehe ich vor der weißen Tür, die er mir gerade vor der Nase zugeschlagen hat. Was war das denn? Zügig verlasse ich das Gebäude. Wenigstens bin ich noch am Leben.

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