Springe zu den Kommentaren

Dancing for the Shine - Onew Lovestory FF

star goldstar goldstar goldstar goldstar grey FemaleMale
13 Kapitel - 12.498 Wörter - Erstellt von: Sunny34 - Aktualisiert am: 2018-07-13 - Entwickelt am: - 269 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Ich hätte mir niemals erträumen lassen, SHINee persönlich auch nur sehen zu können...Schließlich sind Korea und Deutschland fast 12 Flugstunden voneinander entfernt, und Seoul ist groß. Aber eines Tages bekam ich die einmalige Chance, bei den Vier eine Stelle als Backroundtänzerin zu bekommen...Und was dann alles geschah...lest selbst.

(Dies ist eine Geschichte über mich, wenn ich älter wäre und ich tatsächlich auf SHINee treffen könnte. Einiges könnte nicht ganz der Wahrheit entsprechen...Verzeiht mir bitte, was das angeht.)

    1
    Als ich an diesem Morgen die Augen aufschlug, erwischten mich die Sonnenstrahlen direkt mein Gesicht und blendeten mich. Schnell setzte ich mich in einem gemütlichen Bett auf, als ich mich daran erinnerte, was ich heute vorhatte. Ich hatte mich mit meiner Mutter um Punkt 12 Uhr in einem Café weiter weg verabredet. Ich lebte schon seit einigen Jahren alleine in einer Wohnung am Stadtrand Stuttgarts, in Baden-Württemberg, während meine Eltern nach Bayern gezogen waren. Eigentlich kommen meine Eltern und ich aus Korea, aber wir sind nach Deutschland gezogen, als ich gerade mal fünf war. Gott, so lange war das schon her...Fast schon zwanzig Jahre. Ich lächelte bei dem Gedanken. Ja, ich hatte eine schöne Kindheit, das konnte man sagen. Nachdem ich mein Abitur geschafft hatte und dann zu einer Uni in Heidelberg ging, hatte sich mein Vater dazu entschlossen, wegzuziehen, um ruhiger sein Leben genießen zu können. Meine Mutter wollte nach Korea, aber mein Vater hatte sie dazu überredet, mit ihm in Bayern zu bleiben. Und heute wollte ich mich mit ihr treffen, weil sie mir etwas Wichtiges sagen wollte. Nach acht Jahren würde ich sie wiedersehen. Mein Lächeln wurde immer breiter, als ich mich aus dem Bett schwang und gut gelaunt ins Wohnzimmer lief. Ich lebte in der Mietwohnung, in der ich mit meiner Familie schon vorher gewohnt hatten. Dementsprechend war es etwas größer als eine Wohnung für eine Person, aber das machte mir nichts aus. Mit einem Blick auf die Küchenuhr stelle ich erschrocken fest, dass es schon fast neun Uhr war. Um zwölf musste ich dort sein, und die Fahrt dauerte auch eine, oder anderthalb Stunden! Schnell bereitete ich mir mein Frühstück zu, wusch mich und zog mich angemessen an. Im Vorbeigehen schnappte ich mir noch den Wohnungsschlüssel, an dem auch mein Autoschlüssel dran war, und eine Umhängetasche mit meinem Handy und einem Notizblock mit Bleistift und Kugelschreiber. Dann ging ich endlich aus dem Haus.


    Während der Fahrt spielte ich mit meinem mp3-Player, welcher neben den anderen Sachen auch noch in der Tasche war, im Auto Musik ab, um die Langweile zu vertreiben. Grundsätzlich waren das nur Lieder von der K-Pop-Band SHINee, von der ich seit drei, vier Jahren Fan bin. Ich war nur zufällig durch YouTube auf sie gestoßen, und ich fand sie recht gut. Meine Mutter hatte mir gesagt, dass sie auch mal Shawol war (so nennt man die Fans von SHINee) aber jetzt A.R.M.Y ist. Also ein BTS-Fan. Ich wäre vielleicht auch ein A.R.M.Y geworden...aber diese Boygroup ist einfach nicht mein Typ...Aber egal, das ist ein anderes Thema. Gerade lief Everybody, und ich musste erneut schmunzeln. Das war das erste Lied gewesen, welches ich von SHINee je gehört hatte. Beim Refrain sang ich lauthals mit, obwohl ich eigentlich gar nicht der Typ bin, der so etwas tut. Zumindest nicht vor anderen Leuten, aber in dem Moment war es mir egal, ob die Leute in den Autos neben mir zu mir herübersahen oder nicht. "Everybody, Everybody, Every-everybody, jamdeul i bameul kkaewo!" Daraufhin grinste ich, weil ich fast die Ausfahrt von der Autobahn verpasst hätte.


    Als ich vor dem vereinbarten Treffpunkt hielt, sah ich meine Mutter schon im Café mit einem Schokomuffin und einer Tasse Kaffee sitzen. Fröhlich parkte ich am Straßenrand und stieg aus dem Auto. Fast hätte ich vergessen, den Autoschlüssen aus dem Zündschloss zu ziehen, aber ich bemerkte es noch rechzeitig. Wie oft war mir soetwas schon passiert...Ich hatte aufgehört, zu zählen, wie oft ich schon etwas irgendwie liegen- oder fallengelassen, oder vergessen hatte. Beschwingt lächelnd über mich selbst betrat ich das Café. Die Sofaecke, wo meine Mutter saß, stach mir sofort ins Auge und ich lief darauf zu. "Sura!" kam es mir auch schon entgegen. "Eomma! Du bist hier!" rief ich glücklich und umarmte sie erstmal fest. "Warum sollte ich nicht hier sein? Ich halte mich an die Versprechen, die ich gebe!" lachte sie, als wir uns von der Umarmung lösten. Ich grinste kurz. "Ich weiß nicht...ich freue mich einfach, dich wiederzusehen...nach acht Jahren..." "Du hast Recht. Ich habe dich auch vermisst...Die Zeit ging trotzdem so schnell vorüber, findest du nicht? Wie erwachsen du geworden bist, mein Kind!" Verlegen setzte ich mich gegenüber ihr und stützte meine Ellenbogen auf den Cafétisch. "Eomma...du wolltest mir etwas sagen?" Schlagartig änderte sich die Stimmung und meine Mutter klang etwas traurig als sie sagte: "Meine Freundin aus Grundschulzeiten hat mich vor wenigen Wochen angerufen...Sie wohnt in Korea, ganz in der Nähe von Seoul. Ihr Enkel ist letzten Winter verstorben, angeblich hatte er...wie heißt das...Suizid? begangen." Ich musste an Jonghyun aus SHINee denken, der am achtzehnten Dezember 2017, also letztes Jahr, gestorben war...an einer Kohlenstoffdioxidvergiftung oder so etwas in die Richtung. Und ich hatte auch im Internet gelesen, dass es Suizid gewesen war...richtig geglaubt habe ich es aber nicht... "Sie hat das bisher gut verkraftet, aber jetzt hat sich ihr Zustand plötzlich verschlechtert. Und ich habe mich bereit erklärt, zu ihr zu kommen, um ihr zu helfen." "Das heißt...du gehst nach Seoul?" stotterte ich erschrocken. Nach vielen Jahren sah ich meine Mutter wieder - und bald sollte sie wieder weg sein? "Also...Ich habe mir überlegt...dass du mitkommst, Sura."

    2
    "M..mitkommen? Nach Seoul? Für wie lange?" löcherte ich sie daraufhin sofort mit Fragen. Sie nippte kurz an ihrem Kaffee und antwortete ruhig: "Du musst nicht, wenn du nicht willst. Die Entscheidung liegt bei dir. Eigentlich sollte dein Vater mitkommen, aber..." Sie machte eine wegwerfende Handbewegung, "seit unserer letzten längeren Autofahrt wissen wir, dass ihm bei so etwas schnell schlecht wird. Und da wird ein Flugzeug kaum besser für ihn sein als ein Auto. Deshalb frage ich dich auch erst jetzt. Und wie lange...ich schätze mal, bis es Jinya wieder soweit gut geht, dass sie ihr Leben ohne große Probleme weiterführen kann." "Jinya?" "So heißt meine Freundin." erklärte sie mir. "Aber ich habe mal den Flug zurück in vier Monaten gebucht. Der Termin kann ich noch verändern...wird er wahrscheinlich auch." Ich nickte und fragte erneut: "Und wann geht der Flug nach Seoul?" "Diese Woche Samstag. Um 13 Uhr, im Frankfurter Flughafen. Wir fliegen dann so zehneinhalb Stunden, in der koreanischen Zeit sollten wir frühmorgens dort ankommen." Diese Woche schon! Etwas aufgeregt zog ich meinen Notizblock und meinen Kugelschreiber aus der Tasche und schrieb mir alles auf. "Sonst vergesse ich es noch womöglich...auch, wenn ich es eher nicht denke. Aber zur Sicherheit..." meinte ich auf den verdutzten Blick meiner Mutter. Als ich fertig war, und die Sachen wieder in die Tasche gleiten ließ, seufzte meine Mutter plötzlich. "Was ist los?" fragte ich besorgt und sah sie an. Schließlich war sie nicht mehr die Jüngste...Aber so, als hätte sie meine Gedanken gelesen, erwiderte sie: "Nur, weil ich fast sechzig bin, heißt das noch lange nicht, dass ich zu den Senioren zähle...Ich mache mir nur Sorgen um Jinya. Sie liegt seit vielen Tagen mit hohem Fieber und schwachem Herz nur im Bett und das Anstrengenste, was sie macht, ist vielleicht Treppensteigen. Sie könnte jederzeit einen Herzinfarkt erleiden...fürchte ich." "Die Arme...Wie hieß ihr Enkel eigentlich?" Sie zuckte zusammen. "Ich wusste, du würdest es früher oder später fragen...ich wollte es dir eigentlich ersparen, weil du dich dann gegenüber Jinya bestimmt...seltsam fühlen würdest." Verwirrt zog ich eine Augenbraune hoch und sagte: "Warum sollte ich mich bei ihr seltsam fühlen?" Meine Mutter senkte den Blick auf ihren Kaffee und murmelte: "Sie ist Jonghyuns Tante."


    "Jonghyun?" Ich brauchte erst ein paar Momente, bis ich die Antwort richtig realisierte. Der Jonghyun aus SHINee? Er war der Grund, warum meine Mutter nach Korea ging? Mit mir? Mein Herz setzte einen Schlag aus. Irgendwie passte es...Meine Mutter hatte ja gesagt, Jinyas Enkel hatte, letzten Winter, Suizid begangen, wie Jonghyun. Meine Mutter war mit einer Verwandten von einem SHINee-Mitglied befreundet? "Warum hast du mir das nicht früher gesagt?" rutschte es aus mir heraus. Meine Mutter seufzte: ''Weil du dich jetzt bestimmt komisch fühlst, wenn du mit der Tante deines Idols sprichst, oder sogar mit ihr zusammenwohnst. Ja, ich denke, wir werden bei Jinya solange wohnen, damit ich ihr immer und jederzeit helfen kann.'' Okay...zugegeben, wenn man darüber nachdachte, klang das klang schon etwas...absurd. Langsam nickte ich. Eine Pause entstand, welche sich wie eine kleine Ewigkeit anfühlte. ''Ähm, wie ist es dir in der Zwischenzeit so ergangen?'' versuchte ich, die Stille zu brechen und das Thema zu wechseln. Daraufhin fing meine Mutter an, von Bayern zu erzählen und von irgendwelchen Urlaubsorten, aber das Gerede ging an meinen Ohren vorbei. Bald würde ich bei einer Verwandten von Jonghyun leben! Einer Verwandten von einem SHINee-Mitglied! Noch war die Freude etwas gedämpft, worüber ich schon etwas froh war. Eine Fangirl-Attacke hier im Café wäre mir schon etwas peinlich gewesen... ''Und was ist bei dir alles passiert?'' riss mich die Stimme aus den Gedanken und ich sprach etwas von meiner Uni und meiner Job als Kellnerin in einem etwas berühmten Restaurant meiner Stadt. So ein Japaner. Da sind aber auch ein paar Koreaner eingestellt, mit denen ich mich auch etwas angefreundet hatte. Aber nebenbei war ich freie Illustratorin und Autorin für Jugendbücher. Zugegeben, deutsche Bücher. Nach all den Jahren konnte ich Deutsch eigentlich besser als Koreanisch...Das würde auch ein kleines Hindernis in Seoul darstellen...Zur Not musste ich halt Englisch sprechen. ''Schön.'' meinte meine Mutter dann, als ich geendet hatte. ''Willst du vielleicht noch was essen oder einen Kaffee?'' ''Nein, schon gut.'' lehnte ich ab, obwohl mein Magen sich sofort leise meldete. Aber meine Mutter bemerkte es nicht und stand auf. ''Dann...wir sehen uns am Samstag. Ich komme dann so um zehn Uhr mit dem Auto dich zum Flughafen fahren, okay?'' ''Gut, dann sehen wir uns da.'' sagte ich, stand ebenfalls auf und umarmte sie noch zum Abschied über den Tisch hinweg. Sie blieb noch etwas sitzen und ich spürte, dass sie mir nachsah, als ich aus dem Café ging und meinen Autoschlüssel aus der Tasche kramte.

    3
    //Zeitsprung zur Ankunft in Korea//


    Ich hob mich gähnend von meinem Flugzeugsitz. Endlich, nach vielen Stunden, war das Flugzeug beim Incheon Flughafen angekommen. Ich war zwar schon oft so nach Korea gekommen, aber ich hatte mich immer noch nicht mit dem Druck in den Ohren abfinden können, der mich nicht schlafen ließ. Umso froher war ich, als auch die anderen Passagiere allmählich aufstanden, ihre Taschen und anderes Zeugs herausholten und nach und nach aus dem Flugzeug liefen. Meine Mutter lächelte mir zu und zog ihre Handtasche unter ihrem Sitz hervor. Ich tat es ihr nach und nach einer guten Viertelstunde standen wir endlich an der Gepäckausgabe und warteten auf unsere Koffer. "Es ist schön, wieder in Korea zu sein..." meinte ich. Meine Mutter nickte. "Auch, wenn die Gründe nicht ganz so...erfreulich sind." Diesmal nickte ich, aber ich musste mich beherrschen, nicht wenigstens ein kleines bisschen auszuflippen. Bald würde ich auf Jonghyuns Tante treffen...Vielleicht würde ich die anderen SHINee-Mitglieder irgendwie zu Gesicht bekommen? Ich Wahrscheinlichkeit war zwar sehr gering - um nicht zu sagen, beinahe unmöglich - aber mein Fangirl-Herz machte mir Hoffnung. Vor allem Onew würde ich gerne mal live zu Gesicht bekommen...Er war der Leader und der Älteste der Boygroup, aber manchmal führte er sich genauso süß auf, als wäre er der Maknae (der Jüngste). Auf YouTube habe ich mir beinahe alle Onew Condition-Videos angeschaut. Er konnte so knuffig sein! "Sura, hast du mir gerade überhaupt zugehört?" riss mich die Stimme meiner Mutter aus meinen Gedanken. Ich nickte erst reflexartig, dann schüttelte ich wahrheitsgemäß den Kopf. Meine Mutter seufzte: "Ich habe dir gesagt, dass wir ein Taxi rufen werden und kein Auto mieten, da ich wenig Gelegenheit haben werde, aus dem Haus zu kommen...Jinya braucht mich." "Aber ich kann doch einfach nach Seoul gehen und mir die Stadt anschauen?" fragte ich etwas bittend. Sie wiegte den Kopf hin und her und zögerte mit der Antwort. Doch da rief sie: "Unsere Koffer! Schnell, wir müssen sie holen!" Etwas verdattert über den plötzlichen Themawechsel raste ich zum Gepäckband und zog unsere beiden Koffer auf den Boden. Würde ich mit Jinya und meiner Mutter die ganzen vier Monate lang bei Jinya bleiben müssen, ohne richtig rauszugehen?



    //Zeitsprung zur Ankunft bei Jinya//


    "So, hier wohnt sie." sagte meine Mutter und deutete mit einem Kopfnicken auf das schon etwas älteres, aber dennoch in einem einigermaßen guten Zustand gehaltenes, hübsches Appartment. Es war geschätzt 6 Stockwerke hoch, aber im Vergleich zu Seoul war das nicht sehr hoch. Jinya wohnte im ersten Stockwerk, also im Erdgeschoss, hatte mir meine Mutter erklärt. "Sie hat mir die Schlüssel per Post zuschicken lassen, weil sie uns die Tür nicht aufmachen könnte, geschweige überhaupt aufstehen." erklärte sie mir, als sie eine Art Schlüsslkarte an einen Monitor neben der automatischen Glasschiebetür hielt. Ich nickte. Jinya musste es wirklich sehr schlecht gehen...Wir traten in den Flur ein und zogen unsere Koffer zur Tür zu Jinyas Wohnung. Diesmal gab meine Mutter einen Code in ein Gerät neben dem Türgriff ein. "0..5..0..9" murmelte sie zu mir hin. "Merk die die Nummer, das ist ihr Geburtstag." Mit einem klickenden Geräusch ließ sich der Türgriff runterdrücken und die Tür öffnen. Eine bedrückende Stille wehte uns entgegen, gemischt mit vereinzeltem, heiserem Keuchen. "Jinya?" rief meine Mutter leise in den Raum hinein. "Ich bin es...Yeojin." Als Antwort kam nur ein Husten. "Ich muss nach ihr schauen..." flüsterte meine Mutter wie zu sich selbst, zog hastig ihre Schuhe aus und verschwand in einem Raum rechts von mir. Die Koffer und mich ließ sie einfach stehen, was ich ihr nicht verübeln konnte. Ich wusste nicht recht, ob ich Jinya überhaupt sehen wollte. Wahrscheinlich lag sie todkrank in ihrem Bett, halb abgemagert und schlafend...Ich schüttelte den Kopf, um das schaurige Bild zu verdrängen. Ich zog meinen grauen Cardigan aus, den ich im Flugzeug über mein T-shirt angezogen hatte und streifte meine Turnschuhe ab. Für einen Moment vergaß ich die Koffer und ich lief mit einem dumpfen Gefühl auf den vorhin besagten Raum zu...

    4
    Zu meinem großen Glück und Erstaunen sah die schon etwas ältere Frau, die auf einem hellbraunen Sofa saß, gar nicht so krank aus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Jinya hatte schwarze bis dunkelgraue Haare, die man zu einem Dutt hochgesteckt hatte. Über ihr Gesicht zogen sich vereinzelte Falten, ein müder Ausdruck lag auf ihren Augen. Aber schien keineswegs abgemagert oder auf sonstige Weise sehr krank. Ich atmete auf und ging zu meiner Mutter, die auf einem Holzstuhl neben dem Sofa saß und vorsichtig Jinyas Hand hielt. Sie sah nur kurz zu mir und sagte an Jinya gewandt: "Das ist meine Tochter Sura...Ich hatte dir von ihr erzählt, wegen...du weißt schon." Sie lächelte verkniffen und biss sich auf die Unterlippe. Ich zog verwirrt eine Augenbraune hoch. "Wegen was?" fragte ich. Jinya deutete ein müdes Lächeln an und antwortete nur: "Das wirst du schon sehen..." "Es ist eine...sagen wir, Überraschung. Eine ziemlich große." Ich wusste nicht so ganz, was ich darauf erwidern sollte. Wie ich diese Überraschung finden würde, hing ganz davon ab, was es war... "O..kay." Ich beschloss, nicht weiter nachzufragen und schaute stattdessen Jinya an. Nach näherer Betrachtung sah sich doch etwas kränker aus als vorhin. Sie schien ziemlich getroffen von Jonghyuns Tod zu sein...Wie, als hätte meine Mutter meine Gedanken gelesen, meinte sie: "Jonghyun lag ihr sehr am Herzen...nicht wahr?" Die kranke Frau nickte und fügte leise hinzu: "Ich war so stolz auf ihn, dass er mit SHINee so weit gekommen ist...ich weiß nicht, was ihn dazu veranlasst hat..." Ihre Stimme ging in einem Beben unter. Nun nahm ich ihre andere Hand und drückte sie sanft. "Ich...verstehe es auch nicht." murmelte ich tröstend. Vielleicht bekam ich in Deutschland zu wenig mit, aber meiner Meinung nach hatte Jonghyun einfach keinen Grund dazu. "Ich war bei seinem Begräbnis dabei." fuhr Jinya zitternd fort, "Ich weiß nicht, warum es mir erst jetzt so schlecht geht, und nicht schon, als ich von ihm erfahren habe." Meine Mutter nickte verständnisvoll. "Jetzt sind wir ja da. Auch, wenn..." Sie lächelte ihrer Freundin bedeutungsvoll zu und ich wurde immer neugieriger, was es mit der 'Überraschung' auf sich hatte.



    Ich blieb noch lange bei den beiden, bis ich mich schließlich dazu entschloss, etwas zu kochen. Seit dem eher mageren Abendessen im Flugzeug hatte ich nichts zu mir genommen und mein Bauch knurrte vernehmlich. Ich entschuldigte mich und ging aus dem Zimmer. Die nächsten Minuten verbachte ich damit, die Wohnung zu inspizieren und mir alles zu merken. Das war nicht schwierig, sie bestand nur aus enem großen Wohn- und gleichzeitig auch Esszimmer, welches mit der Küche verbunden war, und drei Nebenräumen. Eines, in dem Jinya und meine Mutter waren, das zweite das Badezimmer und das dritte der Gästeraum. Ich lief in die Küche und warf einen prüfenden Blick in den Kühlschrank. Da fiel mir ein, dass ich Jinya gar nicht gefragt hatte, was sie essen wollte.
    Ich ging zurück zu ihr, doch als ich sah, wie sie und meine Mutter schliefen, beließ ich es dabei und nahm mir bloß kaltes Reis aus der Reismaschine und etwas Kimchi aus dem Gefrierschrank. Damit kam ich auch zurecht...Und während ich still vor mich hin aß, überlegte ich, was sie Überraschung sein könnte. Eine große Überraschung, hatte meine Mutter gesagt. 'Hat es irgendetwas mit SHINee zu tun?' schoss es mir durch den Kopf, aber ich verwarf den Gedanken sofort. Warum sollte es mit meinen absoluten Idols zu tun haben. Das wäre zu heftig und obendrein auch noch unmöglich zu organisieren. Also...was war es dann?

    5
    Als ich mich am nächsten Morgen auf meiner Schlafmatratze räkelte, hörte ich Regentropfen ans Zimmerfenster prasseln. Blinzelnd schlug ich die Augen auf. Dumpfes Licht erhellte das Gästezimmer, in dem ich geschlafen hatte und ich richtete mich gähnend auf. Um ein Haar wäre ich wieder in mein Kissen zurückgesunken und mit den beruhigenden Regengeräuschen wieder eingeschlafen, wären da nicht die Stimmen, die aus dem Wohnzimmer kamen. Neugierig schlich ich zur Zimmertür, die wohl jemand zugemacht hatte (gestern war sie nämlich noch weit geöffnet), um zu lauschen. Ich musste mich sogar bemühen, um nicht zu laut zu atmen, da Jinya wirklich leise redete. War wahrscheinlich besser für sie. "Wann wirst du es ihr sagen? Erst heute Mittag oder schon jetzt?" fragte sie jetzt. Meine Mutter antwortete darauf: "Ich denke, wenn sie aufgestanden ist. Je früher sie es erfährt, umso besser, und umso besser stehen ihre Chancen..." 'Was für Chancen?' fragte ich mich. Chancen, bei etwas zu gewinnen? Ein Gewinnspiel oder so etwas in die Richtung? War das die Überraschung? "Hm...du hast Recht. Wirst du mit ihr gehen?" hörte ich wieder Jinyas Stimme. Danach folgte eine kleine Pause, in dem meine Mutter vermutlich nickte oder den Kopf schüttelte. "Ich muss doch bei dir bleiben. Schon zuzusehen, wie du alleine hier ins Wohnzimmer stolperst, kann ich nicht ertragen. Du musst schnell wieder gesund werden!" In meinem Kopf arbeitete es. Es musste eine Art großes Gewinnspiel oder Lose sein, und man musste dafür sogar irgendwo hin...Zögernd drückte ich die Türklinke herunter und machte die Tür auf. "Wohin soll ich gehen?" fragte ich, um möglichst unschuldig zu schauen. Meine Mutter zuckte kurz erschrocken zusammen und drehte sich zu mir um. Die beiden saßen am Esstisch, jeweils mit einer Tasse vor ihnen. "Wie viel hast du mitgehört?" kam die Gegenfrage und ich log: "Ah...ab dem Teil, als Jinya gefragt hat, ob du mitgehst...wohin?" Meine Mutter winkte mich zu ihr und ich setzte mich etwas aufgeregt auf den Stuhl neben ihr. Ich musste mich beherrschen, um nicht herumzuzappeln. Ja, ich war schon lange erwachsen. Was aber nicht unbedingt hieß, dass ich mich immer so verhielt... "Also, was ist das für eine Überraschung?" Langsam wurde ich ungeduldig. Ich bemerkte, dass Jinya lächelte und bedeutungsvoll zwinkerte. Meine Mutter sah mir etwas ernst, aber auch freundlich in die Augen und löste endlich auf: "Weißt du, SM Entertainment hat zurzeit etws Mangel an Backroundtänzern. Ich weiß nicht warum...Aber weil sie deshalb auch den ganzen Boy- und Girlgroups bei ihnen keine vielen Tänzer zur Verfügung stellen können, aber diese für Konzerte, Musikvideos und so weiter gebraucht werden, macht das Entertainment bald ein Casting, um neue Backroundtänzer zu erwerben. Als ich das im Internet gesehen habe, musste ich daran denken, wie gerne du getanzt hast. Weißt du noch, in deiner Zeit im Gymnasium." Ich nickte mechanisch. Bis ich in die Uni kam, war ich in einem Tanzverein angemeldet gewesen. Also kein Ballett, ich tanzte Hip-hop zu Popmusik. Mir hatte das großen Spaß gemacht und die Trainerin dort hatte auch gesagt, dass ich wirklich Talent hätte. Aber dann musste ich wegen der Uni immer lernen und ich musste das Hobby aufgeben... "Und?" Ich hatte schon eine Art Vorahnung, aber die war wirklich heftig, sodass ich es noch nicht richtig in Worte fassen, geschweige denn mir hätte vorstellen können. "Ich habe ihnen mit einer E-mail ein Video zugeschickt, wo du mal beim Tag der offenen Tür deiner Tanzschule getanzt hast." fuhr meine Mutter fort. "Und sie schrieben mir mit ihrer Antwort, dass sie dich wirklich gut fänden und dich mal gerne sehen wollen." Das hieß...Ich schnappte kurz nach Luft. "Ich gehe zum Casting?" Ich krallte mich an der Tischkante fest, als meine Mutter und Jinya gleichzeitig strahlend nickten.

    6
    "Das ist...unglaublich! Wann ist das Casting? Was muss ich da tun? Wo ist das?" sprudelte es da aus mir heraus. Meine Mutter deutete auf einen Briefumschlag, der mittig des Tisches lag. Den hatte ich wohl die ganze Zeit übersehen... "Der Brief kam diesen Donnerstag bei mir an." erklärte sie mir. Ihre Augen leuchteten, was ich wirklich lange nicht mehr gesehen und auch etwas vermisst hatte. "Da stehen alle wichtigen Informationen drin. Schau ihn dir an." Ich schnappte mir den Umschlag, öffnete ihn und nahm das gefaltete DIN A4 - Briefblatt heraus. Mit klopfendem Herz, und unter der Beobachtung von meiner Mutter und Jinya, entfaltete ich es, strich es einmal glatt und begann murmelnd vorzulesen:

    "Sehr geehrte Frau Lin Yeojin,

    Wir danken Ihnen für das Video von Ihrer Tochter Sura. Sie tanzt wirklich gut, und sie ist auch durchaus gutaussehend. Wie Sie wahrscheinlich wissen, ist das auch ein wichtiger Punkt, um Backroundtänzer zu werden. Also würden wir sie gerne zum Casting in Seoul, in der Sporthalle der Seoul Universität, einladen. Unter den vielen Teilnehmern werden dann die besten dreißig Tänzer ausgewählt, die dann auf die Gruppen verteilt werden.

    Es findet am Mittwoch, dem 27.6 diesen Jahres, wie gesagt, in der Sporthalle der Seoul Universität statt. Bei den vielen Teilnehmern haben wir wenig Zeit, deshalb steht die genaue Reihenfolge des Ablaufs noch nicht fest. Wir bitten ihre Tochter, am besagten Mittwochmorgen auf unsere Homepage zu kommen, dort stehen dann die offiziellen Zeitpläne des Castings.

    Die Teilnehmer sind dazu verpflichtet, beim Casting die folgende Choreografie zu zeigen: www.×××××××××.com

    Wir wünschen Ihrer Tochter ein gutes Gelingen.

    Han Se Min
    Co-Direktor des SM Entertaiments
    "


    Fassungslos endete ich. Mein Mund war ganz trocken vom Sprechen und überflog den Brief noch zwei, drei Male, um sicherzugehen, dass es Wirklichkeit war. Ich würde in einem Casting mitmachen! Für das Entermainment, in welchem auch SHINee drin war! Und vielleicht...würde ich SHINee sogar sehen, mit ihnen zusammenarbeiten? Ich schluckte, als mein Blick noch einmal auf das Datum des Castings fiel. Mittwoch, der 27. Das war in...drei Tagen? Wie sollte ich das bitte schaffen? Meine Motivation sank abrupt. Das schien auch meine Mutter zu bemerken, die mir beruhigend eine Hand auf meine Schulter legte. "Ich weiß, es ist ziemlich kurzfristig...Aber ich habe ihr dir so schnell gegeben, wie ich konnte. Hätte ich es in Bayern noch zu dir nach Stuttgart per Post geschickt, wäre es vielleicht erst angekommen, wenn wir schon hier wären. Außerdem...so schwer sieht der Tanz gar nicht aus. Ich glaube, die vom SM haben die Briefe absichtlich alle so spät geschickt, um zu schauen, ob man auch schnell lernt und die Choreografie innerhalb weniger Tage kann." Ich schöpfte etwas Hoffnung. Wenn alle Teilnehmer es so spät bekommen hatten, würden sie auch nicht sehr gut sein, oder? Ich könnte es noch schaffen! "Danke!" Urplötzlich umarmte ich meine Mutter wild. Es war schließlich alles ihr Verdienst. "Erstmal sehen wir, ob du genommen wirst, oder nicht." lachte Jinya leise. Aber ich konnte ihre Zuversicht aus ihrer Stimme heraushören, und ich fiel in das Lachen ein.



    Nach dem Frühstück schnappte ich mir sofort den Brief und meinen Laptop aus dem Schrank, ging ins Gästezimmer und tippte den Link ein. Nach ein paar Momenten öffnete sich eine Seite mit einem YouTube-Video. 'Casting-Choreografie' stand drunter und ich klickte aufgeregt auf 'Play'. Zu sehen war eine Frau mit zu einem Pferdeschwanz hochgebundenen, pechschwarzen Haaren mit Sportkleidung, die in einem Raum die Choreo vortanzte. Das Lied, wozu sie tanzte, war irgendein K-Pop Lied, das ich nicht kannte. Ich blickte gebannt auf das Video. Meine Mutter hatte Recht, so schwierig sah sie wirklich nicht aus. Ich vergrößerte den Bildschirm, als es zu Ende war, und sah es mir noch ein paar Mal an. Schließlich so oft, bis ich sogar schon ein paar Teile davon konnte. Den restlichen Vormittag verbrachte ich damit, den Tanz zumindest bis zur Hälfte zu üben und auswendig zu lernen. Das klappte auch besser, als ich gedacht hatte, obwohl es bei manchen Stellen doch etwas knifflig wurde. Als mich dann meine Mutter zum Mittagessen rief, war ich schon etwas außer Atem. Wie schnell die Zeit vergangen war! Zufrieden klappte ich meinen Laptop zu, um Energie zu sparen, und ging verschwitzt ins Wohnzimmer. "Und, wie läuft es?" lächelte meine Mutter, während ich mir noch mit meinem Arm die Stirn abwischte. "Sehr gut, würde ich sagen." strahlte ich. Ich war zuversichtlich, dass ich die Choreo bis Mittwoch schaffen würde. Und irgendwie hatte ich auch das Gefühl, dass das ganze nicht umsonst sein würde.

    7
    //Zeitsprung zum Casting//


    Ungeduldig wippte ich mit meinen Füßen auf und ab. Ich war viel zu früh dran gewesen, als ich mich um punkt zwölf Uhr mittags auf dem Weg zur Seoul Universität gemacht hatte. Ich sollte um 13.29 Uhr vor den Casting-Leuten auftreten, und ich hatte noch mindestens zwanzig lange Minuten Zeit. Passende Kleidung hatte ich auch schon an, nämlich ein schlichtes, schwarzes Top und einer dunkelgrauen Dreiviertelleggins mit lilanen Streifen an den Seiten entlang. Die hatte ich mir erst letztens in Deutschland gekauft, weil mir meine alte Sportkleidung zu klein gewesen war. Fast jede dreißig Sekunden sah ich auf mein Handy, welches ich in meiner Umhängetasche hatte, um genervt festzustellen, dass ich noch ewig warten musste. "Maaan..." stöhnte ich leise. Noch ganze zwölf Minuten. Wie sollte ich das aushalten? Die Choreografie vom Casting war ich schon gefühlte milliarden Mal im Kopf durchgegangen und ich fühlte mich sehr sicher. Irgendwie hatte ich ein gutes Gefühl bei der ganzen Sache. Und meinen Notizblock hatte ich bei Jinya gelassen, damit ich ihn nicht verlieren würde. Da waren die ganzen Ideen für Bücher und Geschichten drin, die teilweise etwas...Naja. Es war besser, ihn in Sicherheit zu wissen. Ich lief vor der Tür, die mich vom Castingraum trennte, auf und ab. In einem mehr oder weniger regelmäßigen Rhythmus kamen Leute hinaus oder andere gingen hinein. Nervös beobachtete ich die Menschen, die hinauskamen. Manche hatten ein zufriedenes, siegessicheres Lächeln auf ihren Lippen, während andere so aussahen, als wüssten sie schon, dass sie total schlecht gewesen waren. Vor allem ein Junge war da, er schien völlig aufgelöst zu sein und weinte sogar beinahe. Ich schätzte ihn auf siebzehn oder achtzehn, er könnte aber auch älter sein. Ich überlegte einen Moment, ob ich vielleicht zu ihm hingehen und etwas Ermutigendes sagen sollte, doch da fing mein Handy an, zu vibrieren. Ich hatte mir einen Wecker um 13.29 Uhr gestellt, damit ich es auf gar keinen Fall verpassen konnte...Hastig stellte ich ihn aus, ging durch die Tür und sah mich erstmal um. Ich war in einem etwas abgedunkelten Raum mit Lautsprechern und auch ein paar Überwachungskameras an den Wänden. Als ich etwas weiter lief, entdeckte ich ein paar Leute, die an zwei Schultischen saßen und irgendwelche Papiere vor sich hatten. War das die Jury oder etwas in die Richtung? Ein Anflug von Unsicherheit überkam mich, doch ich wurde von einer Securityperson auf eine Art viereckige Bühne vor der Jury geschoben. "Trödel nicht herum, wir haben nicht viel Zeit." brummte er dabei auf koreanisch und ich nickte nur hastig. Meine Tasche legte ich neben der Bühne ab und ich ging hinauf. Über mir baumelte eine große Lampe, die genug Licht für den gesamten Raum spendete. "Ähm." räusperte ich mich unbehaglich. Jemand aus der Jury, ein Mann mit schwarzen, kurzen Haaren und Brille, lächelte kühl. "Du bist Lin Sura, nicht wahr?" fragte er ohne Umschweife und ich nickte langsam. "Na dann leg los." Er winkte kurz jemandem zu und dann wurde schon das Vorspiel für den Tanz eingespielt. In meiner Aufregung bekam ich nicht so ganz mit, wie das vertraute Lied anfing und ich fast schon wie von selbst begann, zu tanzen. Für diese drei, vier Minuten vergaß ich alles um mich herum und konzentrierte mich nur noch darauf, möglichst sauber und elegant zu tanzen. Ich war wie in meiner eigenen Welt...



    Als das Lied ausklang und ich schließlich in der Schlusspose dastand, nahm ich wieder alles deutlich war. Ich bemerkte, dass ich etwas schwitzte und die Leute von der Jury mich nur ausdruckslos anschauten. Einer von ihnen nickte sogar leicht und deutete in Richtung Tür. "Ja, äh...verstanden." stammelte ich mir zusammen, verbeugte mich kurz, schnappte mir meine Tasche und eilte aus dem Zimmer. Beinahe wäre ich über eine der Kabeln für die Lautsprecherboxen gestolpert, aber ich konnte mich noch fangen und schloss erleichtert die Tür hinter mir. Jetzt hieß es nur noch warten...Auf der Homepage vom SM Entertainment, die ich heute früh noch wegen der Reihenfolge gecheckt hatte, hatte es noch gehießen, dass es um halb elf Uhr Abends hier eine Versammlung geben würde, um die dreißig Gewinner bekannt zu geben. Das waren immerhin noch gute acht Stunden...Aber wie ich die verbringen wollte, das wusste ich schon längst. Lächelnd machte ich mich auf dem Weg zur nächsten Bushaltestelle.



    Die Zeit vertrieb ich mir, indem ich in die Innenstadt fuhr und in so ziemlich alle Kaufhäuser ging. Ich kaufte aber nichts, da ich nur 20 000₩ dabei hatte (ungefähr 20 Euro) und es mir für wichtigere Fälle aufsparen wollte. Dabei verging die Zeit tatsächlich wie im Flug. Um Viertel nach zehn war ich wieder auf dem Weg zur Seoul Universität. Als ich dort ankam, hatte sich schon eine beachtliche Menge an Menschen bei den Eingangstreppen versammelt. Ich sah, dass die Leute von der Jury und noch jemand anders ganz oben, mit einem Mikrofon und einer Lautsprecherbox stand und gesellte mich zu der Menge unten. Der Fremde hustete kurz in das Mikrofon und fing an: "Es freut mich wirklich sehr, dass sich so viele darum erworben haben, Backroundtänzer bei uns zu werden. Aber wie ihr wisst, konnten wir nur die dreißig besten nehmen, selbst wenn es welche gab, die ich persönlich auch noch genommen hätte...Aber gut, so ist es nun Mal. Nun werde ich die "Gewinner" aufsagen, diese bitte ich, zu uns hochzukommen..." Der schwarzhaarige Jury-Mann mit der Brille übergan ihm einen Zettel. Der Mann am Mikrofon nickte ihm zu und fuhr fort: "Aber wer noch seine Platzierung wissen will, die Listen hängt für diesen Tag - oder eher Nacht - noch am Eingangsbereich aus." Und dann begann er, die Namen vorzulesen. Relativ weit am Anfang meinte ich, den Jungen von vorhin, der fast geweint hatte, die Treppen hochsteigen zu sehen. Aber er sah seltsamerweise noch unglücklicher aus. War er nicht glücklich darüber? Ich zog eine Augenbraune hoch, achtete aber danach wieder auf die Namen. Meiner wurde noch nicht genannt..."Zin Minjang, Zja Taeun..." Doch plötzlich hörte der Mann auf, zu sprechen. Erschrocken zählte ich die Frauen, Mädchen, Männer und Jungs, die bei den ganzen Casting-Leuten standen. Es waren dreißig. Vor Schock verstand ich erst gar nicht, was passiert war. Ich hatte versagt? Ich war nicht unter den besten dreißig gewesen! Panisch rannte ich hinaus zu den Zetteln mit der Platzierung. Was ich dann aber sah, gab mir entgültig den Rest. Zitternd blickte ich auf meinen Namen und die Zahl dahinter: Lin Sura - 31. Platz

    8
    Vor Schock wusste ich erst gar nicht, wie ich darauf reagieren sollte. Mein Herz setzte einen Schlag aus und kurz hatte ich eine Art Schwindelgefühl. Eine Träne lief an meiner Wange hinunter und holte mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Ich war so knapp an meiner wahrscheinlich einzigen Chance zur Erfüllung meines größten Wunsches vorbeischrammt. So verdammt knapp! Wie hatte das passieren können? Und warum der 31. Platz? Ich biss mir auf die Lippen, um jegliche weiteren Tränen zurückzudrängen. Das konnte nicht sein...Um einen Platz...Meine Knie wurden weich, und ich zwang mich, wieder zu den Treppen zurückzulaufen. Vielleicht würde etwas passieren...Ich wusste nicht, was, aber es durfte hier nicht enden. Die letzten Tage hatte ich doch so ein gutes und sicheres Gefühl! Ich konnte mich nicht getäuscht haben. Ich sah zu den glücklichen Gewinnern des Castings, die mit dem Mann, der vorhin am Mikrofon gesprochen hatte, zuhörten. Die Jury schien in der Zwischenzeit gegangen zu sein. Der Junge, der fast geweint hatte, schien noch wütender zu sein, als ich, und versuchte nicht mal, zu lächeln. Ich beobachtete ihn weiterhin. Was fand er denn so schlecht daran, dass er Backroundtänzer bei einer K-Pop-Gruppe sein durfte? Es gab so viele Vorteile...Ich verstand ihn einfach nicht. Wie schön wäre es, wenn ich mit ihm tauschen könnte. Dann wären wir beide vermutlich damit glücklich gewesen. Plötzlich, so als ob der Junge meinen Blick gespürt hätte, schaute er zu mir und unsere Blicke trafen sich. Lange sahen wir uns an, bis er schließlich wieder wegsah und so tat, als würde er dem Mann vor ihm zuhören. Ich schaute auch verwirrt zu Boden. Was war das gerade? Es fühlte sich so an, als hätte er gewusst, warum sie noch hier war. Doch ehe ich mir darüber mehr Gedanken machen konnte, hustete jemand kurz und deutlich, und der Redeschwall des Mannes brach ab. "Was gibt es, Kim Sunju?" fragte der mit einem genervten Unterton. Da deutete der Junge zu meiner Überraschung mit der Hand auf mich und sagte: "Könnten Sie vielleicht statt mich die dort drüben nehmen? Mich einfach mit dem 31. tauschen? Das wäre mir lieber und ihr wahrscheinlich auch." Warte, was? Hatte er meine Gedanken gelesen oder woher wusste er, dass ich es mir gerade am meisten gewünscht hatte? Völlig verdutzt starrte ich ihn an. "Ehrlich gesagt, hätte ich es auch schon in Betracht gezogen." erwiderte der Mann, was mich noch mehr verwunderte. "Sie scheinen ja nicht mehr motiviert auf ihre Stelle bei uns zu sein, Herr Sunju." Dieser Junge, der offensichtlich Kim Sunju hieß, nickte darauf. "Es wäre besser für alle, wenn Sie sie statt mich nehmen. Ich bin glücklich, sie ist glücklich, das Entertainment ist glücklich. Also?" Ich musste mir wegen seiner direkten und nicht gerade höflichen Art ein Grinsen verkneifen und schaute nun zum Mann. "Ähm, nun...Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Befugnis dazu habe. Aber gewissermaßen haben Sie recht. Frau Lin Sura, kommen sie bitte hoch zu uns." Ich nickte gehorsam jnd stieg fast schon mechanisch die Treppen zu ihm und den ganzen anderen Casting-Gewinnern hoch. Das Gefühl hatte mich also nicht getäuscht! Ich hatte noch eine gute Chance... "Sind Sie sich auch wirklich sichef, Herr Kim Sunju?" Sunju nickte flüchtig auf die Frage des Mannes und musterte mich kurz. Ich ignorierte das gekonnt und wendete mich voll uns ganz dem Mann zu. "Ich würde mich wirklich freuen, wenn ich mit ihm tauschen dürfte. Ich meine - wenn es Ihnen nichts ausmacht." sagte ich in einem etwas holprigen Koreanisch und warf Sunju einen "siehst-du-so-macht-man-das-Blick" zu. Doch er schnitt nur eine Grimasse und ich verdrehte die Augen. "Nun, mir macht es wenig aus...wenn es für ihn wirklich in Ordnung ist..." "Ja, für mich ist es gut so. Dann - darf ich gehen?" Der Mann seufzte leise und nickte bloß. Danach redete er einfach weiter, so, als wäre nichts passiert und ich wäre seit Anfang an dabei gewesen. Ich glaube, Sunju hätte mehr gestört als dem Entertainment geholfen, und das hatte auch der Mann gewusst.



    Eine halbe Stunde später schloss der Mann, der Lee Hachun hieß, und für das ganze Casting verantwortlich war, seine lange Erklärung ab. Er hatte darüber gesprochen, dass wir morgen früh um zehn Uhr beim SM Hauptsitz in Gangnam sein mussten, damit wir auf die einzelnen K-Pop-Gruppen verteilt werden konnte. Und noch etwas über das Entertainment, wann es entstanden war, welche Gruppen es überhaupt gab, und so weiter. Bei dem Teil hörte ich nur halb zu, denn das Meiste wusste ich schon. Dann ließ er uns frei und ich rannte hinaus. Es war schon relativ dunkel, aber die Laternen und Lichter am Weg spendeten genug Licht. Dann sah ich auch Sunju an einer Wand lehnen und ich lief zu ihm hin. "Hallo Sunju." Er zuckte kurz sammen, nahm sich schwarze Kopfhörer, die ich nicht gesehen hatte, aus seinen Ohren und runzelte die Stirn. "Was wollen Sie?" Ich fragte mich schon, ob er immer so drauf war. Ich versuchte, nett zu bleiben, als ich antwortete: "Ich wollte mich bedanken...für vorhin." Er nickte daraufhin nur knapp und steckte sich einen der Kopfhörer wieder ins Ohr. Leicht genervt sah ich ihn an. "Warum eigentlich?" Mit der Frage hatte er nicht gerechnet, sodass er erst unsicher herumstotterte: "Das war...ähm...weil...also..." Dann war er plötzlich wieder ganz der Coole und grinste knapp. "Wüsstest du wohl gerne. Tja." Seit wann duzte er mich? Gut, eigentlich war es mir egal. Sollte er doch. "Dann eben nicht. Gut, dann tschüss." Ich wendete mich ab, um mich auf den Weg zur Bushaltestelle zu machen, als er mich leicht am Arm packte und mir noch ein "erkläre ich dir vielleicht wann anders" murmelte. Ich warf ihm einen teils verwirrten und teils verständlichen Blick zu und eilte davon. Vielleicht hatte er wirklich seine Gründe. Aber in dem Moment war ich so müde, sodass ich nicht weiter darüber nachdenken wollte. Und ich konnte es kaum abwarten, meiner Mutter und Jinya alles zu erzählen.

    9
    Pünktlich um 10 Uhr fand ich mich am nächsten Morgen vor dem SM-Gebäuse in Gangnam ein. Gähnend lief ich durch die geöffnete Glastür. Es war mir nicht leicht gefallen, heute überhaupt aufzustehen, da ich erst so gegen ein Uhr nachts eingeschlafen war. Irgendwie hatte ich es aber doch geschafft, mich aus meiner Matratze zu quälen und hierher zu kommen. Ich unterdrückte gerade noch so noch ein Gähnen, da kam eine Frau auf mich zugelaufen und sprach mich an: "Sind Sie Frau Lin Sura?" Ich nickte. "Wo muss ich denn eigentlich hin?" kam meine Gegenfrage. Und die wurde sogleich beantwortet, als die Frau sagte: "Herr Lee Hachun wünscht Sie zu sprechen. Er ist in seinem Büro, die erste Tür rechts." Als sie geendet hatte, deutete sie auf einen Gang, der sich von dem, in dem wir uns befanden, nach Rechts abzweigte. "Verstanden." Sie nickte mir noch zu und verschwand dann in einer anderen Tür. Sollte die Sache mit der Verteilung in Lee Hachuns Büro stattfinden, oder wollte er wirklich ein ernstes Wörtchen mit mir wechseln? Ich schluckte. Hatte es etwas mit dem gestrigen Vorfall zu tun? Vielleicht hatte jemand bemerkt, dass ich eigentlich nur durch Tausch hier war und jetzt durfte ich doch nicht tanzen? Beruhig dich!, schwor ich mir still. Ich interpretierte immer viel zu viel in solche Sachen hinein. Das war schon immer so gewesen. Kurz erschrocken bemerkte ich, dass ich schon vor der besagten Tür stand und meine Hand auf der Türklinke ruhte. Ich zog sie schnell zurück und klopfte zwei Mal. "Herr Lee Hachun?" "Sind Sie das, Frau Lin Sura? Kommen Sie rein." kam es aus dem Raum und ich öffnete die Tür. Das Büro sah aus...eben wie ein Büro. Da war kein großer Unterschied, bis auf die Tatsache, dass auf dem Tisch vor dem Mann keine Papierstapel oder Ordner lagen. "Anyeonghaseyo." begrüßte ich ihn dann und verbeugte mich kurz. "Sie wollten mich sprechen?" "Ja, das stimmt. Aber es ist nichts allzu Ernstes." meinte er und stand von einem Drehstuhl auf. Er sah schon fast verlegen aus, als er mir verriet: "Wissen Sie, ich denke, ich bin ihnen noch etwas schuldig...Herr Kim Sunju schien überhaupt nicht erfreut zu sein, unter den besten dreißig beim Casting gewesen zu sein. Und ehrlich gesagt, die Manager der K-Pop-Gruppen hätten ihn früher oder später...sagen wir, gefeuert." Und das hieß was? Ich neigte nur höflich fragend den Kopf. "Ich danke Ihnen, dass sie noch dageblieben sind, als die alle anderen Leute, die nicht gewählt wurden, schon gegangen sind. Und da ich ebenfalls für die Einteilung der Tänzer zuständig bin, dürfen Sie sich aussuchen, zu welcher Group sie möchten..." 'Wie bitte?' wäre es mir fast herausgerutscht, ich konnte mich aber noch davon abhalten. Ich durfte selbst wählen? Nur, weil ich sozusagen dafür verantwortlich war, dass Sunju mit mir getauscht hatte? Mir blieb vor Staunen die Luft weg. Ich musste mich beherrschen, nicht auszuticken, als ich antwortete: "Könnte ich bei SHINee tanzen? Ich mag SHINee sehr..." Wow, der zweite Satz hatte ihn auch so was von interessiert. Hatte ich ja ganz toll gemacht. Doch zum Glück schien Lee Hachun heute gut drauf zu sein, denn er überhörte es entweder, oder er war an dumme Fangirls oder -boys gewöhnt. "Gut, dann wäre das geklärt. Übrigens," Er sah mich mit einer gewissen Strenge an, "das bleibt unter uns, verstanden? Ich glaube nicht, dass ich die Erlaubnis habe, Sie entscheiden zu lassen, egal, ob ich Ihnen etwas schulde." Ich lächelte knapp, um meine Aufregung zu verbergen. "Ja, verstanden. Gamsahamnida." "Meine Assistentin wird Sie zu dem Raum begleiten, in dem sich der Manager von SHINee befindet. Weiteres sehen Sie dann." Ich nickte und verneigte mich noch kurz zum Abschied, dann ging ich zur Tür. Sobald ich ihm den Rücken zugedreht hatte, grinste ich so breit, dass es schon fast gruselig aussehen könnte. Oh mein Gott, war ich glücklich und aufgeregt! Ich wírde tatsächlich bei SHINee tanzen, sie mal nicht vom Bildschirm aus sehen und...ich könnte sogar mit ihnen sprechen! Ich war beinahe wieder daran, in einen durchgeknallten Fangirl-Modus zu fallen, aber ich wusste, wenn es dann soweit war, würde ich nur noch mehr durchdrehen. Ich versuchte, mich zurückzuhalten. Nicht leicht, wenn man am selben Tag noch auf seine absolute Lieblingsgroup treffen könnte...



    //Ein kleiner Zeitsprung//

    Nachdem ich ein Gespräch mit dem Manager von SHINee über meinen Tagesplan geführt hatte, folgte ich ihm durch ein paar Gänge, während ich mir noch mal alles durch den Kopf gehen ließ. Jeden Tag um halb zehn morgens sollte ich zur Übungshalle von SHINee kommen - die Adresse hatte ich mir noch schnell aufgeschrieben - und dort würde ich dann von einer Backroundtänzerin, die schon länger als solche tätig war, mir die nötigen Choreografien für kommende Auftritte und Ähnliches zeigen. Und ab und zu dürfte ich auch SHINee beim Üben zusehen...Darauf freute ich mich am meisten. Und ehrlich, ich war Überrascht, dass ich das Gespräch mit dem Manager ohne Probleme hinter mir gebracht hatte. Gut, ich hatte schon immer dieses Phänomen gehabt, dass ich in Korea einfach besser koreanisch sprechen konnte, als ich es in Deutschland konnte. Ich hatte keine Ahnung, warum. War aber auch besser so... "Ich werde dich jetzt mit dem Leader von SHINee bekannt machen. Damit er auch Bescheid weiß..." Bitte was? Ich würde den Leader von SHINee jetzt sofort persönlich sehen? Das hieß...oh Gott..."Onew?" hauchte ich fassungslos. Tja, da würde ich ihn doch schneller "in Echt" sehen, als ich es mir vorgestellt hatte... "Hier, durch die Tür." murrte der Manager statt einer Antwort unwirsch und drückte die Türklinke einer Tür neben sich herunter. Mich überkam diese Seelenruhe, die man hatte, bevor irgendwer oder irgendetwas die große Bombe platzen ließ und man vollkommen austicken würde. Ich hoffte wirklich, dass es nicht auf mich zutreffen würde...Einfach ruhig bleiben. Atmen, kein peinliches Fangirl-Gekreische und vor allem auf gar keinen Fall eine Panikattacke. Einfach ruhig bleiben...Die Tür öffnete sich einen Spalt und ich konnte einen kleinem Teil des Raumes schon sehen. Da stand bloß ein breiter Glastisch mit einigen Klappstühlen drum herum. Eine Kaffeetasse stand auf der rechten, vorderen Hälfte des Tisches. Und dann ging die Tür ganz auf.

    10
    Als ich vom Manager einen kleinen Stoß bekam, stolperte ich zwei ungelenke Schritte nach vorne und stand nun im Raum. Hinter mir hörte ich die Tür zugehen. Ich versuchte, mich unauffällig im Raum umzusehen, um nicht zum Tisch zu schauen. Aber bis auf diese Tatsache, und, dass es wahrscheinlich ziemlich unhöflich herüberkommen würde, brachte mir das rein gar nichts. Die Wände waren kahl weiß. Ein Fenster gab es zwar, aber das zeigte bloß auf eine mäßig befahrene Straße. Das Zimmer war auch nicht sehr groß, der Glastisch und die Stühle waren so ziemlich die einzigen Möbel. Wahrscheinlich war dieser Raum nur zu kleineren Gesprächen gedacht und nicht zu Meetings oder Ähnlichem. "Ah, Sie sind schon wieder zurück. Ist das die einzige neue Tänzerin?" vernahm ich die vertraue Stimme. Mein Herz schlug augenblicklich schneller und ich musste wirklich aufpassen, nicht dämlich zu lächeln. Bisher hatte ich diese Stimme nur aus meinem Handy, Laptop oder Fernseher gehört, und es war etwas...seltsam, die Person, der die Stimme gehörte, in wenigen Metern vor mir zu haben. Ich wagte es immer noch nicht, zu Onew hinzuschauen. Ich hatte mehr Angst, mich völlig zu blamieren, als einen schlechten Eindruck auf ihn zu machen. Ich meine, auch so war ich um Welten freundlicher als Sunju. Wenn der Manager wüsste...! "Die Verteilung findet eigentlich erst jetzt statt, also weiß ich nicht, wie viele noch kommen. Aber bei ihr war es wohl eine Art Ausnahme, deshalb ist sie jetzt schon da." Der Manager betonte das Wort 'Ausnahme' so, als würde ihm das nicht so ganz passen. Aber ich beschloss, es zu ignorieren. "Verstehe..." Onew nickte. Warte, wie hatte ich gerade gesehen, dass er genickt hatte? Aus Reflex schoss mein Blick zu ihm und ich schluckte. Er sah einfach so aus, wie ich es sonst immer auf YouTube oder in Konzert-DVDs gesehen hatte...Seine Haarfarbe hatte sich wieder mal geändert (die Idols färben sich ja ziemlich oft die Haare), nun waren sie schwarz, aber es war immer noch der selbe Style. Er trug ein schlichtes, weißes Shirt mit einer dunkelgrauen Wolljacke drüber, außerdem noch blaue Jeans. Aber sein Lächeln toppte alles. Ich wäre wirklich gerne entweder in ein Fangirl-Gekreische ausgebrochen, um mich abzuregen, oder einige Schritte nach vorne gerannt, um ihn zu umarmen, oder ihn um ein Autogramm und Selfie gefragt, oder... Gut, da gab es noch sehr viele andere Dinge, die ich jetzt lieber getan hätte, als die unwissende Person zu spielen, die auf jeden Fall nicht SHINee-verrückt war. Aber ich brachte nur ein schwaches Lächeln zustande und starrte ihn weiterhin mit klopfendem Herzen an. Irgendwie schaffte es der Manager, mich aus der Trance zu reißen, indem er anfing, zu reden: "Wir werden noch sehen, ob Frau Lin Sura dann soweit ist, um beim Musikvideo mitzumachen..." Er deutete mit einem Kopfnicken auf mich. Onew warf mir einen fragenden Blick zu und erwiderte: "Sie heißen Lin Sura?" Dabei nahm sein Gesicht eine etwas nachdenkliche Miene an, was auch echt süß aussah... Moment, ich saß nicht vor einem Bildschrim. Das war kein "Try-not-to-fangirl"-video! Obwohl es von der Situation ähnlich war...Trotzdem, hier war es zumindest wichtig, nicht auszuticken. "Meinen Sie, Sie schaffen es, heute und morgen die Choreografie für ein Musikvideo zu lernen?" Ich nickte mechanisch, ohne richtig realisiert zu haben, wie die Frage noch mal lautete. "Schön, Seo Taeyang wird Ihnen dann alles Nötige zeigen und mit Ihnen üben...Sie sollte auch bald hier eintreffen." Und wenn man vom Teufel sprach, in dem Moment klopfte es an der Tür und ich war etwas erleichtert, endlich meinen Blick von Onew lösen zu können. Noch ein paar Minuten länger und es wäre peinlich geworden...Ich sah zur Tür und zu meiner Überraschung kam eine mir bekannt vorkommende Frau hinein. Sie hatte schwarze, hochgebundene Haare, die mich stark an das Casting-Video erinnerten. "Ich soll die Backroundtänzer abholen?" fragte sie und schenkte uns ein warmes Lächeln. Der Manager nickte. "Frau Lin Sura, das ist Seo Taeyang, sie wird Ihnen die Choreografie für das Musikvideo zeigen." erläuterte mir er mir und trat einen Schritt von mir und Taeyang weg zu Onew. Taeyang lächelte immer noch und sah mich freundlich an. "Wir werden dann zur Übungshalle gehen," meinte sie und nickte dem Manager noch zu. Sie nahm mich am Arm, als ob wir uns schon lange davor gekannt hätten, und zog mich aus dem Raum. Ich konnte es nicht lassen, Onew noch ein mal anzusehen, und bemerkte, dass er mich auch ansah. Schnell schwor ich mir, wegzuschauen und folgte Taeyang, die mich zielsicher aus dem Gebäude führte. Aber Onews Blick konnte ich irgendwie nicht vergessen...Warum hatte er so nachdenklich ausgesehen?



    "...Da wären wir." sagte Taeyang, als wir vor einem großen, dunkelgrauen Gebäude standen. Sie hatte mich den ganzen Weg so festgehalten, wie sie mich noch im SM-Gebäude gepackt hatte, und obwohl ich eher gar nicht der Mensch bin, der schnell körperlichen Kontakt sucht, fand ich es voll okay. Ich hätte mich schnell verlaufen, auch, wenn wir vielleicht mal zehn Minuten gelaufen waren. "Hier üben wir meistens. Aber ab und zu ist in der Halle irgendeine Veranstaltung von einem Verein und dann müssen wir woanders üben..." fügte sie dann hinzu und lächelte wieder. Mir fiel auf, dass sie mir fast sofort sympatisch gewesen war. Sie war diese Sorte Mensch, die immer alles optimistisch betrachtete und meistens gute Laune hatte. "Die Halle ist aber im ersten Stock, und es gibt hier keinen Aufzug. Aber ehrlich, wir sollten froh sein, dass wir nicht ins siebte Stockwerk müssen..." Ich grinste kurz. Irgendwie war ihre gute Laune ansteckend und ließ mich zumindest für ein paar Sekunden die Sache mit Onew vergessen. Im Nachhinein war mir das Ganze total peinlich, weil ich zuerst versucht habe, ihn nicht anzuschauen und ihn dann die ganze Zeit angestarrt hatte. Man hatte es schwer als Fangirl...Aber was sollte man machen? Ich war mehr als froh, dass ich hier gelandet war.

    11
    Die nächsten Stunden vergingen wie im Flug. Ich bekam von Taeyang alles gezeigt und beigebracht, was ich im Musikvideo machen musste und ich freundete mich schnell mit ihr an. Unter anderem erzählte mir, dass sie seit vier Jahren bei SHINee tanzte, was ich schon eine ziemlich lange Zeit fand. Irgendwie sahen die Backroundtänzer bei den Konzerten und Videos immer anders aus. Auch sagte sie mir, dass sie eigentlich nur halb Koreanerin war, da ihre Mutter aus Japan kam und ihr somit auch japanisch beigebracht hatte. Deshalb war Taeyang auch bei SHINee-Konzerten in Japan meistens dabei. Ein wenig bewunderte ich sie schon, auch, wenn ich wusste, dass ich auch schon bald vor Kameras oder auf der großen Bühne vor zehntausenden Leuten tanzen könnte. Ich freute mich schon richtig auf das Drehen des Musikvideos übermorgen. Nachdem ich mindestens vier Stunden 'Training' hinter mir hatte, meinte Taeyang: "Wir machen lieber Schluss für heute, ich denke, du hast das meiste schon ganz gut drauf." Erleichtert nickte ich und wischte mir den Schweiß von der Stirn. Da die Übungshalle keine Fenster hatte, war es schon recht warm hier drin geworden. Und dazu war es Anfang Sommer, sodass es draußen wahrscheinlich sowieso nicht viel besser gewesen wäre. Anscheinend hatte Taeyang schon vorgesorgt, sie warf mir eine 1-Liter-Wasserflasche zu, die sich angenehm kühl anfühlte. "Woher hast du die denn?" fragte ich sie, da ich die ganze Zeit weder eine Flasche, noch irgendeinen anderen Gegenstand im Raum gesehen hatte. Taeyang grinste verschmitzt. "Wüsstest du wohl gerne..." Ich verdrehte gespielt genervt die Augen und grinste zurück. "Dann eben nicht." erwiderte ich und öffnete die Flasche. Erst jetzt bemerkte ich, wie durstig ich war. Fast schon röchelnd ließ ich das kalte Wasser durch meine Kehle laufen und trank unbeabsichtigt ein Drittel der Flasche aus. Taeyang grinste immer noch, als ich sie ihr zurückgab. "Was ist denn?" Da fing sie an zu kichern, und ich sah sie nur schräg an. Ich hatte keine Ahnung, was los war. Als sie sich wieder eingekrigt hatte, prustete sie: "Sag bloß, du hast diese vier, fünf Stunden plus den Weg hierher nicht bemerkt, dass ich eine Sporttasche hatte?" Sie deutete auf die Tür, die aus der Halle zum Flur führte und ich folgte verwirrt ihrem Blick. Gleich neben der Tür lag eine schwarz-weiße Tasche, die ich bisher wirklich vollkommen übersehen hatte. Daraus ragte noch eine weitere Wasserflasche heraus. Daher hatte Taeyang sie also! Da musste ich auch anfangen, zu lachen, und meine neue Freundin stimmte mit ein. Aber schon bald hatten wir uns beruhigt und ich bat sie noch mal nach der Flasche, weil ich irgendwie nach dem Lachen wieder Durst hatte. Sie gab sie mir, und gerade, als ich das Wasser herunterschluckte, hörte ich Schritte und dir Tür wurde geöffnet. Aus dem Augenwinkel erkannte ich, wer das war, und ich verschluckte mich so sehr, dass ich das Wasser zwar vollständig geschluckt hatte, aber in einen großen Hustanfall ausbrach. "Alles okay?" erkundigte sich Taeyang, worauf ich nur japsen konnte und schwach zur Tür gestikulierte. Ich sah, wie sie dann sagte: "Oh, ähm, hallo. Warum bist du hier?" Oh Gott, wie peinlich... "'Tschuldigung..." murmelte ich und sah auf. Was vermutlich ein kleiner Fehler war, denn ich sah direkt in Onews Gesicht. "Ist wirklich alles in Ordnung?" fragte er noch mal nach, und als ich seine warme Stimme hörte, vergaß ich sogar kurz, zu husten. Ich musste mich wirklich noch daran gewöhnen, ihn und SHINee fast täglich zu sehen...Ein letztes Keuchen entwich mir und ich nickte knapp. "Ja, alles gut. Hab' mich nur verschluckt." Als ich beim Sprechen in seine Augen sah, musste ich automatisch lächeln. Irgendwie konnte ich es immer noch nicht fassen, dass ich gerade mit ihm redete, wie mit einer normalen Person. Er erwiderte das Lächeln, worauf ich Angst hatte, dass meine Beine gleich nachgeben würden. Das sah so süß aus... "Ich wollte kurz mit dir reden, Sura. Wenn es okay ist." Sein Blick huschte zu Taeyang, die fast sofort zustimmte: "Natürlich! Dann gehe ich schon mal. Du findest doch alleine wieder nach Hause, oder?" Und bevor ich noch großartig antworten konnte, nahm sie die Flasche, die ich unwissend noch in meiner Hand hielt, schnappte sich ihre Tasche und war dann schon verschwunden. Mir wurde etwas mulmig, als ich alleine mit Onew in der Halle stand. "Also, warum geht es?" fragte ich ihn etwas nervös. Er schien etwas zu zögern, als würde es ihm schwer fallen, darüber zu reden. "Ich glaube...ich kenne deine Mutter persönlich." Ich sah ihn nur verblüfft an. "P..persönlich?" Er seufzte kurz, bevor er weitersprach: "Vor zwei Jahren hat Jonghyun sich nach langer Zeit wieder mit seinen Eltern und ein paar anderen Verwandten getroffen, und ich bin mit ihm gekommen. Und da war auch seine Tante dabei...Die mit ihrer Freundin gekommen ist. Lin Yeojin. Ich erspare dir die Einzelheiten, aber sie hat mich nach einem Autogramm gefragt, unter dem ich noch den Namen ihrer Tochter setzen sollte. Und heute Vormittag, als der Manager dich mir vorgestellt hat, habe ich mich wieder daran erinnert. Lin Yeojin ist doch deine Mutter, oder?" Ich schluckte, als er geendet hatte. Ich wusste genau, wovon er sprach. Nachdem meine Eltern wegzogen, hatte ich nicht mehr viel Ahnung, was sie eigentlich so trieben. Aber vor zwei Jahren bekam ich einen Brief von meiner Mutter, dem eine Autogrammkarte mit Unterschrift und meinem Namen drauf beilag. Ich hatte sie fragen wollen, woher sie die Karte herhatte, aber auf dem Telefon konnte ich sie nicht erreichen und nach der Zeit hatte ich es einfach vergessen. Ich bewahrte es aber immer noch in meiner Wohnung auf. Ich hatte gedacht, meine Mutter hätte von irgendwo her die Autogrammkarte bekommen und dann selbst mit Edding meinen Namen druntergesetzt. Wie es aussah, hatte ich falsch gelegen... "Sura?" Ich fuhr aus meinen Erinnerungen und stellte erschrocken fest, dass ich ihn wieder mal die ganze Zeit angestarrt hatte. Verlegen senkte ich den Blick und nuschelte: "Ja...ich hab die Autogrammkarte noch." Es entstand eine seltsam peinliche Pause. Später würde ich meine Mutter noch mal ausfragen müssen...warum hatte sie mir nicht schon früher gesagt? "Ja dann..." Ich sah wieder auf. Da durchzuckte mich der kuriose Gedanke, dass seine Stimme wie eine Art Wecker war. Ich musste immer zu ihm hinschauen, wenn er redete. Ich sag ja, kuriose Vorstellung. Plötzlich war ich es, die das Gespräch beendete. "Dann...gehe ich lieber, sonst...ähm, macht man sich noch Sorgen..." stotterte ich zu meiner eigenen Überraschung und rannte fluchtartig aus der Halle. Ich spürte seinen Blick auf mir ruhen, und ich blieb stehen. Allerdings war ich schon an den Treppen angelangt. Normalerweise war ich nicht so. So ein Fluchtverhalten hatte ich noch nie gehabt...Aber war das nicht vorhersehbar? Man redet nicht jeden Tag mit seinem Bias aus einer K-Pop-Group, die man schon fast verabgöttert. Als ich unten ankam, und ich schon die ersten Schritte aus dem Gebäude gemacht hatte, fiel mir siedend heiß ein, dass ich meine Tasche oben in der Halle vergessen hatte. Ich fluchte leise. Das wäre so was von peinlich, wenn ich hochgehen und ihn wieder holen würde, wenn Onew noch da drin war. Aber was, wenn die Tasche irgendwie geklaut wurde? Da war mein Handy, und vor allem, mein Notizblock drin! Selbst wenn dort alles auf Deutsch geschrieben stand und demnach auch niemand es lesen könnte, es bedeutete mir trotzdem unheimlich viel. Ich überlegte hin und her, was ich nun tun sollte. Plötzlich tippte mich jemand an.

    12
    Nicht in bester Stimmung wendete ich den Kopf zu der Person, die neben mir stand, und zog eine Augenbraune hoch. Ich hatte erwartet, dass es Onew sei, der vielleicht meine Tasche gesehen hatte und sie mir wiedergeben wollte, aber es war jemand, der mir sehr bekannt vorkam. Sein Name lag mir schon fast auf der Zunge, aber irgendwie hatte ich es geschafft, ihn in den letzten Stunden zu vergessen. War das nicht... "Lin Sura?" Mist, ja, das war dieser Junge vom Casting. Wie konnte ich so vergesslich sein und nicht mehr wissen, wie er hieß? Im Stillen fluchte ich noch mal und sah ihn nur weiterhin an. Er stöhnte genervt und verdrehte die Augen. "Sag bloß, du hast keine Ahnung mehr, wer ich bin. Wir haben uns doch erst gestern gesehen!" So etwas ähnliches ging mir auch durch den Kopf, als ich leise erwiderte: "Doch...hab bloß...deinen Namen vergessen." "Ernsthaft..." Er seufzte und lächelte kühl und belustigt zugleich. "Sagt dir Kim Sunju was?" "Ah. Ja, stimmt. Tut mir Leid." murmelte ich schnaubend über mich selbst. In wie viele peinliche Situationen wollte ich heute eigentlich noch geraten? Erst dieses unhöfliche Wegschauen und wieder Anstarren im SM-Gebäude, dann der Hustanfall und jetzt noch das! Mein Leben als Backroundtänzerin ging ja gut los... "Was machst du hier?" fragte ich ihn, um mich selbst etwas davon abzulenken. Er zuckte bloß mit den Schultern. "Ich bin nun mal zufällig hier in der Nähe gewesen, hab dich gesehen, und bin hergelaufen. Das war's auch schon." "Und warum bist du überhaupt zu mir gekommen?" fragte ich weiter. "Keine Ahnung," antwortete mir Sunju informativ. Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: "Mir war langweilig." Wow. Dann hätte er auch genauso gut in den McDonald's gut zehn Meter neben diesem Gebäude gehen können, oder? Auf den Stichpunkt McDonald's fing mein Magen an, sich leise bemerkbar zu machen, dabei mochte ich diese Imbissbuden nicht mal. Hing wahrscheinlich damit zusammen, dass ich noch nichts zu Mittag gegessen hatte und es schon später Nachmittag war. Wenn nicht, Frühabend. War zwar fast das gleiche, aber egal. Sunju musste mein Magenknurren gehört haben, denn er grinste und meinte: "Hast du Lust auf einen Burger? Ich lade dich ein." Dabei deutete er mit dem Kopf zum McDonald's hin. Hatte ich etwas verpasst, oder seit wann waren wir so etwas wie Freunde? Wir kannten uns nicht mal einen Tag lang und er lud mich schon ein. Zu einem wahrscheinlich vor Fett triefenden Burger, aber ich hatte wirklich Hunger, und ablehnen konnte ich schlecht. "Na schön. Ich...hab mein Geld gerade sowieso nicht bei mir." Ich erinnerte mich, dass sich mein Geldbeutel auch in der Tasche befand. Etwas resigniert lief ich los, Sunju neben mir, als würden wir uns schon länger kennen als ca. 20 Stunden.



    Als ich wenig später in meinen Burger biss, packte Sunju gerade seine Chicken Nuggets-Box aus. Nachdem wir bezahlt hatten, waren wir wieder aus dem McDonald's gegangen und uns an den Wegrand gestellt, da es drinnen viel zu warm gewesen war. Der Burger schmeckte besser, als ich erwartet hatte, aber noch machte ich mir keine großen Hoffnungen. Seit meiner Kindheit waren Burger und ich nicht die besten Freunde gewesen und das hatte sich über die Jahre nicht sehr verändert. Als ich ungefähr ein Drittel verdrückt hatte, fiel mir etwas ein und ich schaute zu Sunju. "Sag jetzt, warum hast du mit mir getauscht?" Dieses mal schien es so, als hätte er mit der Frage gerechnet, denn er blieb gelassen und antwortete: "Musst du nicht wissen. Sonst hast du noch Mitleid mit mir, und das will ich nicht." Er verzog das Gesicht. Kurz überlegte ich, ob ich weiter nachfragen, oder das Thema einfach lassen und wieder vergessen sollte. Aber schließlich gewann die Neugier in mir. "Bitte sag es mir. Ich verspreche dir, dass ich versuchen werde, kein Mitleid mit dir zu haben!" "Das sagen viele, und dann versuchen sie, mich zu trösten. Nee, lieber nicht." "Komm schon..." "Nein." Er blieb genauso hartnäckig, so oft ich ihn auch fragte. Nach vielen Versuchen seufzte ich und warf ihm einen bösen Blick zu, welchen er aber ignorierte und er einfach ruhig weiteraß, als wäre nichts gewesen. Ich seufzte und konzentrierte mich auf meinen Burger, der schon etwas matschig geworden war, und es schwierig wurde, ihn zu essen, ohne eine kleine Sauerei zu veranstalten. Irgendwie hatte ich es geschafft, auch das zweite Drittel ohne Komplikationen herunterzubringen. Da hörte ich, wie sich Schritte entfernten, und ich sah auf. Sunju murmelte mir ein flüchtiges "Tschüss, bis dann." zu und entfernte sich gemächlich, bis er um die Ecke ging und verschwunden war. Ich schüttelte fassungslos den Kopf. Aus diesem Jungen wurde ich einfach nicht schlau. Ich beschloss, den Rest des Burgers wegzuwerfen, da mir der Appetit vergangen war und dieses übrige Stück sowieso nur noch aussah, als hätte man wahllos verschiedenes Gemüse, Fleisch und etwas Brot auf einen Haufen geschmissen. Warum mussten Burger und ich so große Feinde sein? Ich wickelte ihn in eine Serviette ein und ließ es in einen Mülleimer in der Nähe fallen. "Igitt." murmelte ich und sah mich um. Ich hatte nicht wirklich Ahnung, wo ich hier eigentlich war. In der Nähe entdeckte ich ein paar Taxen, aber das brachte mir auch nicht viel, ohne Geld. Kaum war meine Tasche weg, brauchte ich schon gefühlt alles, was drin war! Mein Geld, mein Handy - zumindest könnte ich da Google Maps benutzen, auch wenn ich mit der App nicht wirklich gut zurecht kam - und mein Notizblock. Um den machte ich mir am meisten Sorgen. Ziellos lief ich zurück zum Gebäude mit der Übungshalle, und in dem Moment, als ich an der Tür ankam, öffnete sie sich. Heraus kam ein Mann mit einer schwarzen Mundschutzmaske und Cap, die ihm tief ins Gesicht gezogen war. Als er mich sah, schob er sich vorsichtig die Cap wieder hoch und schaute mich an. Ich brauchte erst ein paar Momente, bis ich Onew hinter der Mundschutz erkannte. Ich wusste, dass Idols so etwas tragen mussten, damit man sie auf der Straße nicht erkannte, also ersparte ich mir einen Kommentar. Stattdessen sagte er zuerst: "Hier, deine Tasche. Die hast du oben vergessen." Seine Stimme klang gedämpft und nuschelnd, aber dennoch hätte ich seine Stimme unter Tausenden wiedererkennen können. Er reichte mir die Umhängetasche, und ich nahm sie endlos erleichtert entgegen. Ich hatte vorgehabt, sie morgen zu holen, wenn ich wieder zum Training kam. Aber ich musste mir eingestehen, dass ich dann wohl heute kaum hätte schlafen können. "Danke." gab ich ebenso leise zurück, obwohl ich im Gegensatz zu ihm keinen Grund dafür hatte. Aber irgendwie schien es mir richtig. Er nickte mir noch zu, dann ging er auch. Ich schaute ihm lange hinterher. Wäre ich nicht als Backroundtänzerin bei SHINee, und dazu noch einer der Hyper-Fangirls, hätte ich vermutlich meine Tasche in einen OP-gesicherten Safe gesteckt, da Onew ihn berührt und ihn mir persönlich zurückgebracht hatte. Aber erstens war ich eben kein Hyper-Fangirl und zweitens war ich nun mal Backroundtänzerin bei SHINee. Aber trotzdem fand ich es...ziemlich süß, dass er mir meinen so ziemlich wichtigsten Gegenstand wiedergebracht hatte. Wider Willen und trotz aller peinlichen Momente, die sich wieder vor meinem geistigen Auge abspielten, breitete sich ein friedliches Lächeln auf meinem Gesicht aus. Ja, ich war ein verrücktes Fangirl. Aber auf eine besondere Weise fühlte es sich im Moment anders an, mit Onew geredet zu haben.

    13
    Am übernächsten Morgen wachte ich viel zu früh auf. Da ich nicht zu diesem wichtigen Dreh des Musikvideos zu spät kommen wollte, war ich ausnahmsweise mal früh schlafen gegangen und hatte mir sogar einen Wecker auf meinem Handy gestellt. Draußen war wohl gerade die Sonne aufgegangen, denn das Zimmer wurde in hellorangenes Licht getaucht. Ich versuchte vergeblich, wieder einzuschlafen, aber nach einer Weile setzte ich mich seufzend auf. Gestern war nicht viel passiert, außer dass Taeyang und ich so etwas wie beste Freunde geworden waren und dass ich auch die anderen Backgroundtänzer etwas kennengelernt und mit ihnen geübt hatte. Onew hatte ich leider nicht wiedergesehen, genauso wie Sunju. Aber heute würde ich zum ersten mal alle Mitglieder von SHINee gleichzeitig ''live'' sehen, was auch vermutlich der Grund war, warum ich so früh aufgewacht war. Wenn ich schon bei Onew Schwierigkeiten hatte, mich in irgendeiner Weise normal zu verhalten, wie sollte es bei allen Vieren auf einmal funktionieren? Ich ließ mich nervös wieder in mein Kissen zurücksinken. Sofort hatte ich alle möglichen Vorstellungen, wie es ablaufen würde, unter anderem auch einige peinliche Szenen. Irgendwie verging so die Zeit, bis mein Handy plötzlich anfing, laut den Anfang von Everybody zu spielen und ich beinahe einen Herzinfarkt bekam. Nachdem ich vom ersten Schock erholt hatte, erinnerte ich mich an den Wecker und tastete nach meinem Handy. Als ich es hatte, schaltete ich den Alarm aus, als plötzlich der Nachrichtenton erklang und mir angezeigt wurde, dass jemand mir geschrieben hatte. Ich ging auf "Nachrichten" und sah, dass es Taeyang war, sie hatte gestern noch darauf bestanden, mit mir Nummern zu tauschen. Ich öffnete den Chat und las: Hey, schon wach? Vergiss nicht, heute ist der Dreh! Komm pünktlich, sonst könnest du ein paar Probleme bekommen. Ich lächelte. Der Manager war da wohl ziemlich pingelig.

Kommentare (1)

autorenew

Sonnenfluga aka Sunny34 ( von: Sonnenflug)
vor 49 Tagen
Hey Leute, dies ist eine Kopie des Orinigals, die TesteDich ungewollt erstellt hat...ich schreibe nur beim Orinigal weiter:

https://www.testedich.de/quiz55/quiz/1529265528/Dancing-for-the-Shine-Onew-Lovestory-FF