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Dancing for the Shine - Onew Lovestory FF

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22 Kapitel - 23.953 Wörter - Erstellt von: - Aktualisiert am: - Entwickelt am: - 2.919 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Ich hätte mir niemals erträumen lassen, SHINee persönlich auch nur sehen zu können...Schließlich sind Korea und Deutschland fast 12 Flugstunden voneinander entfernt, und Seoul ist groß. Aber eines Tages bekam ich die einmalige Chance, bei den Vier eine Stelle als Backgroundtänzerin zu bekommen...Und was dann alles geschah...lest selbst.

(Dies ist eine Geschichte über mich, wenn ich älter wäre und ich tatsächlich auf SHINee treffen könnte. Einiges könnte nicht ganz der Wahrheit entsprechen...Verzeiht mir bitte, was das angeht.)

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    Als ich an diesem Morgen die Augen aufschlug, erwischten mich die Sonnenstrahlen direkt mein Gesicht und blendeten mich. Schnell setzte ich mich in ei
    Als ich an diesem Morgen die Augen aufschlug, erwischten mich die Sonnenstrahlen direkt mein Gesicht und blendeten mich. Schnell setzte ich mich in einem gemütlichen Bett auf, als ich mich daran erinnerte, was ich heute vorhatte. Ich hatte mich mit meiner Mutter um Punkt 12 Uhr in einem Café weiter weg verabredet. Ich lebte schon seit einigen Jahren alleine in einer Wohnung am Stadtrand Stuttgarts, in Baden-Württemberg, während meine Eltern nach Bayern gezogen waren. Eigentlich kommen meine Eltern und ich aus Korea, aber wir sind nach Deutschland gezogen, als ich gerade mal fünf war. Gott, so lange war das schon her...Fast schon zwanzig Jahre. Ich lächelte bei dem Gedanken. Ja, ich hatte eine schöne Kindheit, das konnte man sagen. Nachdem ich mein Abitur geschafft hatte und dann zu einer Uni in Heidelberg ging, hatte sich mein Vater dazu entschlossen, wegzuziehen, um ruhiger sein Leben genießen zu können. Meine Mutter wollte nach Korea, aber mein Vater hatte sie dazu überredet, mit ihm in Bayern zu bleiben. Und heute wollte ich mich mit ihr treffen, weil sie mir etwas Wichtiges sagen wollte. Nach acht Jahren würde ich sie wiedersehen. Mein Lächeln wurde immer breiter, als ich mich aus dem Bett schwang und gut gelaunt ins Wohnzimmer lief. Ich lebte in der Mietwohnung, in der ich mit meiner Familie schon vorher gewohnt hatten. Dementsprechend war es etwas größer als eine Wohnung für eine Person, aber das machte mir nichts aus. Mit einem Blick auf die Küchenuhr stelle ich erschrocken fest, dass es schon fast neun Uhr war. Um zwölf musste ich dort sein, und die Fahrt dauerte auch eine, oder anderthalb Stunden! Schnell bereitete ich mir mein Frühstück zu, wusch mich und zog mich angemessen an. Im Vorbeigehen schnappte ich mir noch den Wohnungsschlüssel, an dem auch mein Autoschlüssel dran war, und eine Umhängetasche mit meinem Handy und einem Notizblock mit Bleistift und Kugelschreiber. Dann ging ich endlich aus dem Haus.


    Während der Fahrt spielte ich mit meinem mp3-Player, welcher neben den anderen Sachen auch noch in der Tasche war, im Auto Musik ab, um die Langweile zu vertreiben. Grundsätzlich waren das nur Lieder von der K-Pop-Band SHINee, von der ich seit drei, vier Jahren Fan bin. Ich war nur zufällig durch YouTube auf sie gestoßen, und ich fand sie recht gut. Meine Mutter hatte mir gesagt, dass sie auch mal Shawol war (so nennt man die Fans von SHINee) aber jetzt A.R.M.Y ist. Also ein BTS-Fan. Ich wäre vielleicht auch ein A.R.M.Y geworden...aber diese Boygroup ist einfach nicht mein Typ...Aber egal, das ist ein anderes Thema. Gerade lief Everybody, und ich musste erneut schmunzeln. Das war das erste Lied gewesen, welches ich von SHINee je gehört hatte. Beim Refrain sang ich lauthals mit, obwohl ich eigentlich gar nicht der Typ bin, der so etwas tut. Zumindest nicht vor anderen Leuten, aber in dem Moment war es mir egal, ob die Leute in den Autos neben mir zu mir herübersahen oder nicht. "Everybody, Everybody, Every-everybody, jamdeul i bameul kkaewo!" Daraufhin grinste ich, weil ich fast die Ausfahrt von der Autobahn verpasst hätte.


    Als ich vor dem vereinbarten Treffpunkt hielt, sah ich meine Mutter schon im Café mit einem Schokomuffin und einer Tasse Kaffee sitzen. Fröhlich parkte ich am Straßenrand und stieg aus dem Auto. Fast hätte ich vergessen, den Autoschlüssen aus dem Zündschloss zu ziehen, aber ich bemerkte es noch rechzeitig. Wie oft war mir soetwas schon passiert...Ich hatte aufgehört, zu zählen, wie oft ich schon etwas irgendwie liegen- oder fallengelassen, oder vergessen hatte. Beschwingt lächelnd über mich selbst betrat ich das Café. Die Sofaecke, wo meine Mutter saß, stach mir sofort ins Auge und ich lief darauf zu. "Sura!" kam es mir auch schon entgegen. "Eomma! Du bist hier!" rief ich glücklich und umarmte sie erstmal fest. "Warum sollte ich nicht hier sein? Ich halte mich an die Versprechen, die ich gebe!" lachte sie, als wir uns von der Umarmung lösten. Ich grinste kurz. "Ich weiß nicht...ich freue mich einfach, dich wiederzusehen...nach acht Jahren..." "Du hast Recht. Ich habe dich auch vermisst...Die Zeit ging trotzdem so schnell vorüber, findest du nicht? Wie erwachsen du geworden bist, mein Kind!" Verlegen setzte ich mich gegenüber ihr und stützte meine Ellenbogen auf den Cafétisch. "Eomma...du wolltest mir etwas sagen?" Schlagartig änderte sich die Stimmung und meine Mutter klang etwas traurig als sie sagte: "Meine Freundin aus Grundschulzeiten hat mich vor wenigen Wochen angerufen...Sie wohnt in Korea, ganz in der Nähe von Seoul. Ihr Enkel ist letzten Winter verstorben, angeblich hatte er...wie heißt das...Suizid? begangen." Ich musste an Jonghyun aus SHINee denken, der am achtzehnten Dezember 2017, also letztes Jahr, gestorben war...an einer Kohlenstoffdioxidvergiftung oder so etwas in die Richtung. Und ich hatte auch im Internet gelesen, dass es Suizid gewesen war...richtig geglaubt habe ich es aber nicht... "Sie hat das bisher gut verkraftet, aber jetzt hat sich ihr Zustand plötzlich verschlechtert. Und ich habe mich bereit erklärt, zu ihr zu kommen, um ihr zu helfen." "Das heißt...du gehst nach Seoul?" stotterte ich erschrocken. Nach vielen Jahren sah ich meine Mutter wieder - und bald sollte sie wieder weg sein? "Also...Ich habe mir überlegt...dass du mitkommst, Sura."

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    "M..mitkommen? Nach Seoul? Für wie lange?" löcherte ich sie daraufhin sofort mit Fragen. Sie nippte kurz an ihrem Kaffee und antwortete ru
    "M..mitkommen? Nach Seoul? Für wie lange?" löcherte ich sie daraufhin sofort mit Fragen. Sie nippte kurz an ihrem Kaffee und antwortete ruhig: "Du musst nicht, wenn du nicht willst. Die Entscheidung liegt bei dir. Eigentlich sollte dein Vater mitkommen, aber..." Sie machte eine wegwerfende Handbewegung, "seit unserer letzten längeren Autofahrt wissen wir, dass ihm bei so etwas schnell schlecht wird. Und da wird ein Flugzeug kaum besser für ihn sein als ein Auto. Deshalb frage ich dich auch erst jetzt. Und wie lange...ich schätze mal, bis es Jinya wieder soweit gut geht, dass sie ihr Leben ohne große Probleme weiterführen kann." "Jinya?" "So heißt meine Freundin." erklärte sie mir. "Aber ich habe mal den Flug zurück in vier Monaten gebucht. Der Termin kann ich noch verändern...wird er wahrscheinlich auch." Ich nickte und fragte erneut: "Und wann geht der Flug nach Seoul?" "Diese Woche Samstag. Um 13 Uhr, im Frankfurter Flughafen. Wir fliegen dann so zehneinhalb Stunden, in der koreanischen Zeit sollten wir frühmorgens dort ankommen." Diese Woche schon! Etwas aufgeregt zog ich meinen Notizblock und meinen Kugelschreiber aus der Tasche und schrieb mir alles auf. "Sonst vergesse ich es noch womöglich...auch, wenn ich es eher nicht denke. Aber zur Sicherheit..." meinte ich auf den verdutzten Blick meiner Mutter. Als ich fertig war, und die Sachen wieder in die Tasche gleiten ließ, seufzte meine Mutter plötzlich. "Was ist los?" fragte ich besorgt und sah sie an. Schließlich war sie nicht mehr die Jüngste...Aber so, als hätte sie meine Gedanken gelesen, erwiderte sie: "Nur, weil ich fast sechzig bin, heißt das noch lange nicht, dass ich zu den Senioren zähle...Ich mache mir nur Sorgen um Jinya. Sie liegt seit vielen Tagen mit hohem Fieber und schwachem Herz nur im Bett und das Anstrengenste, was sie macht, ist vielleicht Treppensteigen. Sie könnte jederzeit einen Herzinfarkt erleiden...fürchte ich." "Die Arme...Wie hieß ihr Enkel eigentlich?" Sie zuckte zusammen. "Ich wusste, du würdest es früher oder später fragen...ich wollte es dir eigentlich ersparen, weil du dich dann gegenüber Jinya bestimmt...seltsam fühlen würdest." Verwirrt zog ich eine Augenbraune hoch und sagte: "Warum sollte ich mich bei ihr seltsam fühlen?" Meine Mutter senkte den Blick auf ihren Kaffee und murmelte: "Sie ist Jonghyuns Tante."


    "Jonghyun?" Ich brauchte erst ein paar Momente, bis ich die Antwort richtig realisierte. Der Jonghyun aus SHINee? Er war der Grund, warum meine Mutter nach Korea ging? Mit mir? Mein Herz setzte einen Schlag aus. Irgendwie passte es...Meine Mutter hatte ja gesagt, Jinyas Enkel hatte, letzten Winter, Suizid begangen, wie Jonghyun. Meine Mutter war mit einer Verwandten von einem SHINee-Mitglied befreundet? "Warum hast du mir das nicht früher gesagt?" rutschte es aus mir heraus. Meine Mutter seufzte: ''Weil du dich jetzt bestimmt komisch fühlst, wenn du mit der Tante deines Idols sprichst, oder sogar mit ihr zusammenwohnst. Ja, ich denke, wir werden bei Jinya solange wohnen, damit ich ihr immer und jederzeit helfen kann.'' Okay...zugegeben, wenn man darüber nachdachte, klang das klang schon etwas...absurd. Langsam nickte ich. Eine Pause entstand, welche sich wie eine kleine Ewigkeit anfühlte. ''Ähm, wie ist es dir in der Zwischenzeit so ergangen?'' versuchte ich, die Stille zu brechen und das Thema zu wechseln. Daraufhin fing meine Mutter an, von Bayern zu erzählen und von irgendwelchen Urlaubsorten, aber das Gerede ging an meinen Ohren vorbei. Bald würde ich bei einer Verwandten von Jonghyun leben! Einer Verwandten von einem SHINee-Mitglied! Noch war die Freude etwas gedämpft, worüber ich schon etwas froh war. Eine Fangirl-Attacke hier im Café wäre mir schon etwas peinlich gewesen... ''Und was ist bei dir alles passiert?'' riss mich die Stimme aus den Gedanken und ich sprach etwas von meiner Uni und meiner Job als Kellnerin in einem etwas berühmten Restaurant meiner Stadt. So ein Japaner. Da sind aber auch ein paar Koreaner eingestellt, mit denen ich mich auch etwas angefreundet hatte. Aber nebenbei war ich freie Illustratorin und Autorin für Jugendbücher. Zugegeben, deutsche Bücher. Nach all den Jahren konnte ich Deutsch eigentlich besser als Koreanisch...Das würde auch ein kleines Hindernis in Seoul darstellen...Zur Not musste ich halt Englisch sprechen. ''Schön.'' meinte meine Mutter dann, als ich geendet hatte. ''Willst du vielleicht noch was essen oder einen Kaffee?'' ''Nein, schon gut.'' lehnte ich ab, obwohl mein Magen sich sofort leise meldete. Aber meine Mutter bemerkte es nicht und stand auf. ''Dann...wir sehen uns am Samstag. Ich komme dann so um zehn Uhr mit dem Auto dich zum Flughafen fahren, okay?'' ''Gut, dann sehen wir uns da.'' sagte ich, stand ebenfalls auf und umarmte sie noch zum Abschied über den Tisch hinweg. Sie blieb noch etwas sitzen und ich spürte, dass sie mir nachsah, als ich aus dem Café ging und meinen Autoschlüssel aus der Tasche kramte.

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    //Zeitsprung zur Ankunft in Korea// Ich hob mich gähnend von meinem Flugzeugsitz. Endlich, nach vielen Stunden, war das Flugzeug beim Incheon Flughaf
    //Zeitsprung zur Ankunft in Korea//


    Ich hob mich gähnend von meinem Flugzeugsitz. Endlich, nach vielen Stunden, war das Flugzeug beim Incheon Flughafen angekommen. Ich war zwar schon oft so nach Korea gekommen, aber ich hatte mich immer noch nicht mit dem Druck in den Ohren abfinden können, der mich nicht schlafen ließ. Umso froher war ich, als auch die anderen Passagiere allmählich aufstanden, ihre Taschen und anderes Zeugs herausholten und nach und nach aus dem Flugzeug liefen. Meine Mutter lächelte mir zu und zog ihre Handtasche unter ihrem Sitz hervor. Ich tat es ihr nach und nach einer guten Viertelstunde standen wir endlich an der Gepäckausgabe und warteten auf unsere Koffer. "Es ist schön, wieder in Korea zu sein..." meinte ich. Meine Mutter nickte. "Auch, wenn die Gründe nicht ganz so...erfreulich sind." Diesmal nickte ich, aber ich musste mich beherrschen, nicht wenigstens ein kleines bisschen auszuflippen. Bald würde ich auf Jonghyuns Tante treffen...Vielleicht würde ich die anderen SHINee-Mitglieder irgendwie zu Gesicht bekommen? Ich Wahrscheinlichkeit war zwar sehr gering - um nicht zu sagen, beinahe unmöglich - aber mein Fangirl-Herz machte mir Hoffnung. Vor allem Onew würde ich gerne mal live zu Gesicht bekommen...Er war der Leader und der Älteste der Boygroup, aber manchmal führte er sich genauso süß auf, als wäre er der Maknae (der Jüngste). Auf YouTube habe ich mir beinahe alle Onew Condition-Videos angeschaut. Er konnte so knuffig sein! "Sura, hast du mir gerade überhaupt zugehört?" riss mich die Stimme meiner Mutter aus meinen Gedanken. Ich nickte erst reflexartig, dann schüttelte ich wahrheitsgemäß den Kopf. Meine Mutter seufzte: "Ich habe dir gesagt, dass wir ein Taxi rufen werden und kein Auto mieten, da ich wenig Gelegenheit haben werde, aus dem Haus zu kommen...Jinya braucht mich." "Aber ich kann doch einfach nach Seoul gehen und mir die Stadt anschauen?" fragte ich etwas bittend. Sie wiegte den Kopf hin und her und zögerte mit der Antwort. Doch da rief sie: "Unsere Koffer! Schnell, wir müssen sie holen!" Etwas verdattert über den plötzlichen Themawechsel raste ich zum Gepäckband und zog unsere beiden Koffer auf den Boden. Würde ich mit Jinya und meiner Mutter die ganzen vier Monate lang bei Jinya bleiben müssen, ohne richtig rauszugehen?



    //Zeitsprung zur Ankunft bei Jinya//


    "So, hier wohnt sie." sagte meine Mutter und deutete mit einem Kopfnicken auf das schon etwas älteres, aber dennoch in einem einigermaßen guten Zustand gehaltenes, hübsches Appartment. Es war geschätzt 6 Stockwerke hoch, aber im Vergleich zu Seoul war das nicht sehr hoch. Jinya wohnte im ersten Stockwerk, also im Erdgeschoss, hatte mir meine Mutter erklärt. "Sie hat mir die Schlüssel per Post zuschicken lassen, weil sie uns die Tür nicht aufmachen könnte, geschweige überhaupt aufstehen." erklärte sie mir, als sie eine Art Schlüsslkarte an einen Monitor neben der automatischen Glasschiebetür hielt. Ich nickte. Jinya musste es wirklich sehr schlecht gehen...Wir traten in den Flur ein und zogen unsere Koffer zur Tür zu Jinyas Wohnung. Diesmal gab meine Mutter einen Code in ein Gerät neben dem Türgriff ein. "0..5..0..9" murmelte sie zu mir hin. "Merk die die Nummer, das ist ihr Geburtstag." Mit einem klickenden Geräusch ließ sich der Türgriff runterdrücken und die Tür öffnen. Eine bedrückende Stille wehte uns entgegen, gemischt mit vereinzeltem, heiserem Keuchen. "Jinya?" rief meine Mutter leise in den Raum hinein. "Ich bin es...Yeojin." Als Antwort kam nur ein Husten. "Ich muss nach ihr schauen..." flüsterte meine Mutter wie zu sich selbst, zog hastig ihre Schuhe aus und verschwand in einem Raum rechts von mir. Die Koffer und mich ließ sie einfach stehen, was ich ihr nicht verübeln konnte. Ich wusste nicht recht, ob ich Jinya überhaupt sehen wollte. Wahrscheinlich lag sie todkrank in ihrem Bett, halb abgemagert und schlafend...Ich schüttelte den Kopf, um das schaurige Bild zu verdrängen. Ich zog meinen grauen Cardigan aus, den ich im Flugzeug über mein T-shirt angezogen hatte und streifte meine Turnschuhe ab. Für einen Moment vergaß ich die Koffer und ich lief mit einem dumpfen Gefühl auf den vorhin besagten Raum zu...

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    Zu meinem großen Glück und Erstaunen sah die schon etwas ältere Frau, die auf einem hellbraunen Sofa saß, gar nicht so krank aus, wie ich es mir v
    Zu meinem großen Glück und Erstaunen sah die schon etwas ältere Frau, die auf einem hellbraunen Sofa saß, gar nicht so krank aus, wie ich es mir vorgestellt hatte. Jinya hatte schwarze bis dunkelgraue Haare, die man zu einem Dutt hochgesteckt hatte. Über ihr Gesicht zogen sich vereinzelte Falten, ein müder Ausdruck lag auf ihren Augen. Aber schien keineswegs abgemagert oder auf sonstige Weise sehr krank. Ich atmete auf und ging zu meiner Mutter, die auf einem Holzstuhl neben dem Sofa saß und vorsichtig Jinyas Hand hielt. Sie sah nur kurz zu mir und sagte an Jinya gewandt: "Das ist meine Tochter Sura...Ich hatte dir von ihr erzählt, wegen...du weißt schon." Sie lächelte verkniffen und biss sich auf die Unterlippe. Ich zog verwirrt eine Augenbraune hoch. "Wegen was?" fragte ich. Jinya deutete ein müdes Lächeln an und antwortete nur: "Das wirst du schon sehen..." "Es ist eine...sagen wir, Überraschung. Eine ziemlich große." Ich wusste nicht so ganz, was ich darauf erwidern sollte. Wie ich diese Überraschung finden würde, hing ganz davon ab, was es war... "O..kay." Ich beschloss, nicht weiter nachzufragen und schaute stattdessen Jinya an. Nach näherer Betrachtung sah sich doch etwas kränker aus als vorhin. Sie schien ziemlich getroffen von Jonghyuns Tod zu sein...Wie, als hätte meine Mutter meine Gedanken gelesen, meinte sie: "Jonghyun lag ihr sehr am Herzen...nicht wahr?" Die kranke Frau nickte und fügte leise hinzu: "Ich war so stolz auf ihn, dass er mit SHINee so weit gekommen ist...ich weiß nicht, was ihn dazu veranlasst hat..." Ihre Stimme ging in einem Beben unter. Nun nahm ich ihre andere Hand und drückte sie sanft. "Ich...verstehe es auch nicht." murmelte ich tröstend. Vielleicht bekam ich in Deutschland zu wenig mit, aber meiner Meinung nach hatte Jonghyun einfach keinen Grund dazu. "Ich war bei seinem Begräbnis dabei." fuhr Jinya zitternd fort, "Ich weiß nicht, warum es mir erst jetzt so schlecht geht, und nicht schon, als ich von ihm erfahren habe." Meine Mutter nickte verständnisvoll. "Jetzt sind wir ja da. Auch, wenn..." Sie lächelte ihrer Freundin bedeutungsvoll zu und ich wurde immer neugieriger, was es mit der 'Überraschung' auf sich hatte.



    Ich blieb noch lange bei den beiden, bis ich mich schließlich dazu entschloss, etwas zu kochen. Seit dem eher mageren Abendessen im Flugzeug hatte ich nichts zu mir genommen und mein Bauch knurrte vernehmlich. Ich entschuldigte mich und ging aus dem Zimmer. Die nächsten Minuten verbachte ich damit, die Wohnung zu inspizieren und mir alles zu merken. Das war nicht schwierig, sie bestand nur aus enem großen Wohn- und gleichzeitig auch Esszimmer, welches mit der Küche verbunden war, und drei Nebenräumen. Eines, in dem Jinya und meine Mutter waren, das zweite das Badezimmer und das dritte der Gästeraum. Ich lief in die Küche und warf einen prüfenden Blick in den Kühlschrank. Da fiel mir ein, dass ich Jinya gar nicht gefragt hatte, was sie essen wollte.
    Ich ging zurück zu ihr, doch als ich sah, wie sie und meine Mutter schliefen, beließ ich es dabei und nahm mir bloß kaltes Reis aus der Reismaschine und etwas Kimchi aus dem Gefrierschrank. Damit kam ich auch zurecht...Und während ich still vor mich hin aß, überlegte ich, was sie Überraschung sein könnte. Eine große Überraschung, hatte meine Mutter gesagt. 'Hat es irgendetwas mit SHINee zu tun?' schoss es mir durch den Kopf, aber ich verwarf den Gedanken sofort. Warum sollte es mit meinen absoluten Idols zu tun haben. Das wäre zu heftig und obendrein auch noch unmöglich zu organisieren. Also...was war es dann?

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    Als ich mich am nächsten Morgen auf meiner Schlafmatratze räkelte, hörte ich Regentropfen ans Zimmerfenster prasseln. Blinzelnd schlug ich die Auge
    Als ich mich am nächsten Morgen auf meiner Schlafmatratze räkelte, hörte ich Regentropfen ans Zimmerfenster prasseln. Blinzelnd schlug ich die Augen auf. Dumpfes Licht erhellte das Gästezimmer, in dem ich geschlafen hatte und ich richtete mich gähnend auf. Um ein Haar wäre ich wieder in mein Kissen zurückgesunken und mit den beruhigenden Regengeräuschen wieder eingeschlafen, wären da nicht die Stimmen, die aus dem Wohnzimmer kamen. Neugierig schlich ich zur Zimmertür, die wohl jemand zugemacht hatte (gestern war sie nämlich noch weit geöffnet), um zu lauschen. Ich musste mich sogar bemühen, um nicht zu laut zu atmen, da Jinya wirklich leise redete. War wahrscheinlich besser für sie. "Wann wirst du es ihr sagen? Erst heute Mittag oder schon jetzt?" fragte sie jetzt. Meine Mutter antwortete darauf: "Ich denke, wenn sie aufgestanden ist. Je früher sie es erfährt, umso besser, und umso besser stehen ihre Chancen..." 'Was für Chancen?' fragte ich mich. Chancen, bei etwas zu gewinnen? Ein Gewinnspiel oder so etwas in die Richtung? War das die Überraschung? "Hm...du hast Recht. Wirst du mit ihr gehen?" hörte ich wieder Jinyas Stimme. Danach folgte eine kleine Pause, in dem meine Mutter vermutlich nickte oder den Kopf schüttelte. "Ich muss doch bei dir bleiben. Schon zuzusehen, wie du alleine hier ins Wohnzimmer stolperst, kann ich nicht ertragen. Du musst schnell wieder gesund werden!" In meinem Kopf arbeitete es. Es musste eine Art großes Gewinnspiel oder Lose sein, und man musste dafür sogar irgendwo hin...Zögernd drückte ich die Türklinke herunter und machte die Tür auf. "Wohin soll ich gehen?" fragte ich, um möglichst unschuldig zu schauen. Meine Mutter zuckte kurz erschrocken zusammen und drehte sich zu mir um. Die beiden saßen am Esstisch, jeweils mit einer Tasse vor ihnen. "Wie viel hast du mitgehört?" kam die Gegenfrage und ich log: "Ah...ab dem Teil, als Jinya gefragt hat, ob du mitgehst...wohin?" Meine Mutter winkte mich zu ihr und ich setzte mich etwas aufgeregt auf den Stuhl neben ihr. Ich musste mich beherrschen, um nicht herumzuzappeln. Ja, ich war schon lange erwachsen. Was aber nicht unbedingt hieß, dass ich mich immer so verhielt... "Also, was ist das für eine Überraschung?" Langsam wurde ich ungeduldig. Ich bemerkte, dass Jinya lächelte und bedeutungsvoll zwinkerte. Meine Mutter sah mir etwas ernst, aber auch freundlich in die Augen und löste endlich auf: "Weißt du, SM Entertainment hat zurzeit etwas Mangel an Backgroundtänzern. Ich weiß nicht warum...Aber weil sie deshalb auch den ganzen Boy- und Girlgroups bei ihnen keine vielen Tänzer zur Verfügung stellen können, aber diese für Konzerte, Musikvideos und so weiter gebraucht werden, macht das Entertainment bald ein Casting, um neue Backgroundtänzer zu erwerben. Als ich das im Internet gesehen habe, musste ich daran denken, wie gerne du getanzt hast. Weißt du noch, in deiner Zeit im Gymnasium." Ich nickte mechanisch. Bis ich in die Uni kam, war ich in einem Tanzverein angemeldet gewesen. Also kein Ballett, ich tanzte Hip-Hop zu Popmusik. Mir hatte das großen Spaß gemacht und die Trainerin dort hatte auch gesagt, dass ich wirklich Talent hätte. Aber dann musste ich wegen der Uni immer lernen und ich musste das Hobby aufgeben... "Und?" Ich hatte schon eine Art Vorahnung, aber die war wirklich heftig, sodass ich es noch nicht richtig in Worte fassen, geschweige denn mir hätte vorstellen können. "Ich habe ihnen mit einer E-mail ein Video zugeschickt, wo du mal beim Tag der offenen Tür deiner Tanzschule getanzt hast." fuhr meine Mutter fort. "Und sie schrieben mir mit ihrer Antwort, dass sie dich wirklich gut fänden und dich mal gerne sehen wollen." Das hieß...Ich schnappte kurz nach Luft. "Ich gehe zum Casting?" Ich krallte mich an der Tischkante fest, als meine Mutter und Jinya gleichzeitig strahlend nickten.

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    "Das ist...unglaublich! Wann ist das Casting? Was muss ich da tun? Wo ist das?" sprudelte es da aus mir heraus. Meine Mutter deutete auf ein
    "Das ist...unglaublich! Wann ist das Casting? Was muss ich da tun? Wo ist das?" sprudelte es da aus mir heraus. Meine Mutter deutete auf einen Briefumschlag, der mittig des Tisches lag. Den hatte ich wohl die ganze Zeit übersehen... "Der Brief kam diesen Donnerstag bei mir an." erklärte sie mir. Ihre Augen leuchteten, was ich wirklich lange nicht mehr gesehen und auch etwas vermisst hatte. "Da stehen alle wichtigen Informationen drin. Schau ihn dir an." Ich schnappte mir den Umschlag, öffnete ihn und nahm das gefaltete DIN A4 - Briefblatt heraus. Mit klopfendem Herz, und unter der Beobachtung von meiner Mutter und Jinya, entfaltete ich es, strich es einmal glatt und begann murmelnd vorzulesen:

    "Sehr geehrte Frau Lin Yeojin,

    Wir danken Ihnen für das Video von Ihrer Tochter Sura. Sie tanzt wirklich gut, und sie ist auch durchaus gutaussehend. Wie Sie wahrscheinlich wissen, ist das auch ein wichtiger Punkt, um Backgroundtänzer zu werden. Also würden wir sie gerne zum Casting in Seoul, in der Sporthalle der Seoul Universität, einladen. Unter den vielen Teilnehmern werden dann die besten dreißig Tänzer ausgewählt, die dann auf die Gruppen verteilt werden.

    Es findet am Mittwoch, dem 27.6 diesen Jahres, wie gesagt, in der Sporthalle der Seoul Universität statt. Bei den vielen Teilnehmern haben wir wenig Zeit, deshalb steht die genaue Reihenfolge des Ablaufs noch nicht fest. Wir bitten ihre Tochter, am besagten Mittwochmorgen auf unsere Homepage zu kommen, dort stehen dann die offiziellen Zeitpläne des Castings.

    Die Teilnehmer sind dazu verpflichtet, beim Casting die folgende Choreografie zu zeigen: www.×××××××××.com

    Wir wünschen Ihrer Tochter ein gutes Gelingen.

    Han Se Min
    Co-Direktor des SM Entertaiments
    "


    Fassungslos endete ich. Mein Mund war ganz trocken vom Sprechen und überflog den Brief noch zwei, drei Male, um sicherzugehen, dass es Wirklichkeit war. Ich würde in einem Casting mitmachen! Für das Entermainment, in welchem auch SHINee drin war! Und vielleicht...würde ich SHINee sogar sehen, mit ihnen zusammenarbeiten? Ich schluckte, als mein Blick noch einmal auf das Datum des Castings fiel. Mittwoch, der 27. Das war in...drei Tagen? Wie sollte ich das bitte schaffen? Meine Motivation sank abrupt. Das schien auch meine Mutter zu bemerken, die mir beruhigend eine Hand auf meine Schulter legte. "Ich weiß, es ist ziemlich kurzfristig...Aber ich habe ihr dir so schnell gegeben, wie ich konnte. Hätte ich es in Bayern noch zu dir nach Stuttgart per Post geschickt, wäre es vielleicht erst angekommen, wenn wir schon hier wären. Außerdem...so schwer sieht der Tanz gar nicht aus. Ich glaube, die vom SM haben die Briefe absichtlich alle so spät geschickt, um zu schauen, ob man auch schnell lernt und die Choreografie innerhalb weniger Tage kann." Ich schöpfte etwas Hoffnung. Wenn alle Teilnehmer es so spät bekommen hatten, würden sie auch nicht sehr gut sein, oder? Ich könnte es noch schaffen! "Danke!" Urplötzlich umarmte ich meine Mutter wild. Es war schließlich alles ihr Verdienst. "Erstmal sehen wir, ob du genommen wirst, oder nicht." lachte Jinya leise. Aber ich konnte ihre Zuversicht aus ihrer Stimme heraushören, und ich fiel in das Lachen ein.



    Nach dem Frühstück schnappte ich mir sofort den Brief und meinen Laptop aus dem Schrank, ging ins Gästezimmer und tippte den Link ein. Nach ein paar Momenten öffnete sich eine Seite mit einem YouTube-Video. 'Casting-Choreografie' stand drunter und ich klickte aufgeregt auf 'Play'. Zu sehen war eine Frau mit zu einem Pferdeschwanz hochgebundenen, pechschwarzen Haaren mit Sportkleidung, die in einem Raum die Choreo vortanzte. Das Lied, wozu sie tanzte, war irgendein K-Pop Lied, das ich nicht kannte. Ich blickte gebannt auf das Video. Meine Mutter hatte Recht, so schwierig sah sie wirklich nicht aus. Ich vergrößerte den Bildschirm, als es zu Ende war, und sah es mir noch ein paar Mal an. Schließlich so oft, bis ich sogar schon ein paar Teile davon konnte. Den restlichen Vormittag verbrachte ich damit, den Tanz zumindest bis zur Hälfte zu üben und auswendig zu lernen. Das klappte auch besser, als ich gedacht hatte, obwohl es bei manchen Stellen doch etwas knifflig wurde. Als mich dann meine Mutter zum Mittagessen rief, war ich schon etwas außer Atem. Wie schnell die Zeit vergangen war! Zufrieden klappte ich meinen Laptop zu, um Energie zu sparen, und ging verschwitzt ins Wohnzimmer. "Und, wie läuft es?" lächelte meine Mutter, während ich mir noch mit meinem Arm die Stirn abwischte. "Sehr gut, würde ich sagen." strahlte ich. Ich war zuversichtlich, dass ich die Choreo bis Mittwoch schaffen würde. Und irgendwie hatte ich auch das Gefühl, dass das ganze nicht umsonst sein würde.

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    //Zeitsprung zum Casting// Ungeduldig wippte ich mit meinen Füßen auf und ab. Ich war viel zu früh dran gewesen, als ich mich um punkt zwölf Uhr m
    //Zeitsprung zum Casting//


    Ungeduldig wippte ich mit meinen Füßen auf und ab. Ich war viel zu früh dran gewesen, als ich mich um punkt zwölf Uhr mittags auf dem Weg zur Seoul Universität gemacht hatte. Ich sollte um 13.29 Uhr vor den Casting-Leuten auftreten, und ich hatte noch mindestens zwanzig lange Minuten Zeit. Passende Kleidung hatte ich auch schon an, nämlich ein schlichtes, schwarzes Top und einer dunkelgrauen Dreiviertelleggins mit lilanen Streifen an den Seiten entlang. Die hatte ich mir erst letztens in Deutschland gekauft, weil mir meine alte Sportkleidung zu klein gewesen war. Fast jede dreißig Sekunden sah ich auf mein Handy, welches ich in meiner Umhängetasche hatte, um genervt festzustellen, dass ich noch ewig warten musste. "Maaan..." stöhnte ich leise. Noch ganze zwölf Minuten. Wie sollte ich das aushalten? Die Choreografie vom Casting war ich schon gefühlte milliarden Mal im Kopf durchgegangen und ich fühlte mich sehr sicher. Irgendwie hatte ich ein gutes Gefühl bei der ganzen Sache. Und meinen Notizblock hatte ich bei Jinya gelassen, damit ich ihn nicht verlieren würde. Da waren die ganzen Ideen für Bücher und Geschichten drin, die teilweise etwas...Naja. Es war besser, ihn in Sicherheit zu wissen. Ich lief vor der Tür, die mich vom Castingraum trennte, auf und ab. In einem mehr oder weniger regelmäßigen Rhythmus kamen Leute hinaus oder andere gingen hinein. Nervös beobachtete ich die Menschen, die hinauskamen. Manche hatten ein zufriedenes, siegessicheres Lächeln auf ihren Lippen, während andere so aussahen, als wüssten sie schon, dass sie total schlecht gewesen waren. Vor allem ein Junge war da, er schien völlig aufgelöst zu sein und weinte sogar beinahe. Ich schätzte ihn auf siebzehn oder achtzehn, er könnte aber auch älter sein. Ich überlegte einen Moment, ob ich vielleicht zu ihm hingehen und etwas Ermutigendes sagen sollte, doch da fing mein Handy an, zu vibrieren. Ich hatte mir einen Wecker um 13.29 Uhr gestellt, damit ich es auf gar keinen Fall verpassen konnte...Hastig stellte ich ihn aus, ging durch die Tür und sah mich erstmal um. Ich war in einem etwas abgedunkelten Raum mit Lautsprechern und auch ein paar Überwachungskameras an den Wänden. Als ich etwas weiter lief, entdeckte ich ein paar Leute, die an zwei Schultischen saßen und irgendwelche Papiere vor sich hatten. War das die Jury oder etwas in die Richtung? Ein Anflug von Unsicherheit überkam mich, doch ich wurde von einer Securityperson auf eine Art viereckige Bühne vor der Jury geschoben. "Trödel nicht herum, wir haben nicht viel Zeit." brummte er dabei auf koreanisch und ich nickte nur hastig. Meine Tasche legte ich neben der Bühne ab und ich ging hinauf. Über mir baumelte eine große Lampe, die genug Licht für den gesamten Raum spendete. "Ähm." räusperte ich mich unbehaglich. Jemand aus der Jury, ein Mann mit schwarzen, kurzen Haaren und Brille, lächelte kühl. "Du bist Lin Sura, nicht wahr?" fragte er ohne Umschweife und ich nickte langsam. "Na dann leg los." Er winkte kurz jemandem zu und dann wurde schon das Vorspiel für den Tanz eingespielt. In meiner Aufregung bekam ich nicht so ganz mit, wie das vertraute Lied anfing und ich fast schon wie von selbst begann, zu tanzen. Für diese drei, vier Minuten vergaß ich alles um mich herum und konzentrierte mich nur noch darauf, möglichst sauber und elegant zu tanzen. Ich war wie in meiner eigenen Welt...



    Als das Lied ausklang und ich schließlich in der Schlusspose dastand, nahm ich wieder alles deutlich war. Ich bemerkte, dass ich etwas schwitzte und die Leute von der Jury mich nur ausdruckslos anschauten. Einer von ihnen nickte sogar leicht und deutete in Richtung Tür. "Ja, äh...verstanden." stammelte ich mir zusammen, verbeugte mich kurz, schnappte mir meine Tasche und eilte aus dem Zimmer. Beinahe wäre ich über eine der Kabeln für die Lautsprecherboxen gestolpert, aber ich konnte mich noch fangen und schloss erleichtert die Tür hinter mir. Jetzt hieß es nur noch warten...Auf der Homepage vom SM Entertainment, die ich heute früh noch wegen der Reihenfolge gecheckt hatte, hatte es noch gehießen, dass es um halb elf Uhr Abends hier eine Versammlung geben würde, um die dreißig Gewinner bekannt zu geben. Das waren immerhin noch gute acht Stunden...Aber wie ich die verbringen wollte, das wusste ich schon längst. Lächelnd machte ich mich auf dem Weg zur nächsten Bushaltestelle.



    Die Zeit vertrieb ich mir, indem ich in die Innenstadt fuhr und in so ziemlich alle Kaufhäuser ging. Ich kaufte aber nichts, da ich nur 20 000₩ dabei hatte (ungefähr 20 Euro) und es mir für wichtigere Fälle aufsparen wollte. Dabei verging die Zeit tatsächlich wie im Flug. Um Viertel nach zehn war ich wieder auf dem Weg zur Seoul Universität. Als ich dort ankam, hatte sich schon eine beachtliche Menge an Menschen bei den Eingangstreppen versammelt. Ich sah, dass die Leute von der Jury und noch jemand anders ganz oben, mit einem Mikrofon und einer Lautsprecherbox stand und gesellte mich zu der Menge unten. Der Fremde hustete kurz in das Mikrofon und fing an: "Es freut mich wirklich sehr, dass sich so viele darum erworben haben, Backgroundtänzer bei uns zu werden. Aber wie ihr wisst, konnten wir nur die dreißig besten nehmen, selbst wenn es welche gab, die ich persönlich auch noch genommen hätte...Aber gut, so ist es nun Mal. Nun werde ich die "Gewinner" aufsagen, diese bitte ich, zu uns hochzukommen..." Der schwarzhaarige Jury-Mann mit der Brille übergab ihm einen Zettel. Der Mann am Mikrofon nickte ihm zu und fuhr fort: "Aber wer noch seine Platzierung wissen will, die Listen hängt für diesen Tag - oder eher Nacht - noch am Eingangsbereich aus." Und dann begann er, die Namen vorzulesen. Relativ weit am Anfang meinte ich, den Jungen von vorhin, der fast geweint hatte, die Treppen hochsteigen zu sehen. Aber er sah seltsamerweise noch unglücklicher aus. War er nicht glücklich darüber? Ich zog eine Augenbraune hoch, achtete aber danach wieder auf die Namen. Meiner wurde noch nicht genannt..."Zin Minjang, Zja Taeun..." Doch plötzlich hörte der Mann auf, zu sprechen. Erschrocken zählte ich die Frauen, Mädchen, Männer und Jungs, die bei den ganzen Casting-Leuten standen. Es waren dreißig. Vor Schock verstand ich erst gar nicht, was passiert war. Ich hatte versagt? Ich war nicht unter den besten dreißig gewesen! Panisch rannte ich hinaus zu den Zetteln mit der Platzierung. Was ich dann aber sah, gab mir entgültig den Rest. Zitternd blickte ich auf meinen Namen und die Zahl dahinter: Lin Sura - 31. Platz

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    Vor Schock wusste ich erst gar nicht, wie ich darauf reagieren sollte. Mein Herz setzte einen Schlag aus und kurz hatte ich eine Art Schwindelgefühl.
    Vor Schock wusste ich erst gar nicht, wie ich darauf reagieren sollte. Mein Herz setzte einen Schlag aus und kurz hatte ich eine Art Schwindelgefühl. Eine Träne lief an meiner Wange hinunter und holte mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Ich war so knapp an meiner wahrscheinlich einzigen Chance zur Erfüllung meines größten Wunsches vorbeischrammt. So verdammt knapp! Wie hatte das passieren können? Und warum der 31. Platz? Ich biss mir auf die Lippen, um jegliche weiteren Tränen zurückzudrängen. Das konnte nicht sein...Um einen Platz...Meine Knie wurden weich, und ich zwang mich, wieder zu den Treppen zurückzulaufen. Vielleicht würde etwas passieren...Ich wusste nicht, was, aber es durfte hier nicht enden. Die letzten Tage hatte ich doch so ein gutes und sicheres Gefühl! Ich konnte mich nicht getäuscht haben. Ich sah zu den glücklichen Gewinnern des Castings, die mit dem Mann, der vorhin am Mikrofon gesprochen hatte, zuhörten. Die Jury schien in der Zwischenzeit gegangen zu sein. Der Junge, der fast geweint hatte, schien noch wütender zu sein, als ich, und versuchte nicht mal, zu lächeln. Ich beobachtete ihn weiterhin. Was fand er denn so schlecht daran, dass er Backroundtänzer bei einer K-Pop-Gruppe sein durfte? Es gab so viele Vorteile...Ich verstand ihn einfach nicht. Wie schön wäre es, wenn ich mit ihm tauschen könnte. Dann wären wir beide vermutlich damit glücklich gewesen. Plötzlich, so als ob der Junge meinen Blick gespürt hätte, schaute er zu mir und unsere Blicke trafen sich. Lange sahen wir uns an, bis er schließlich wieder wegsah und so tat, als würde er dem Mann vor ihm zuhören. Ich schaute auch verwirrt zu Boden. Was war das gerade? Es fühlte sich so an, als hätte er gewusst, warum sie noch hier war. Doch ehe ich mir darüber mehr Gedanken machen konnte, hustete jemand kurz und deutlich, und der Redeschwall des Mannes brach ab. "Was gibt es, Kim Sunju?" fragte der mit einem genervten Unterton. Da deutete der Junge zu meiner Überraschung mit der Hand auf mich und sagte: "Könnten Sie vielleicht statt mich die dort drüben nehmen? Mich einfach mit dem 31. tauschen? Das wäre mir lieber und ihr wahrscheinlich auch." Warte, was? Hatte er meine Gedanken gelesen oder woher wusste er, dass ich es mir gerade am meisten gewünscht hatte? Völlig verdutzt starrte ich ihn an. "Ehrlich gesagt, hätte ich es auch schon in Betracht gezogen." erwiderte der Mann, was mich noch mehr verwunderte. "Sie scheinen ja nicht mehr motiviert auf ihre Stelle bei uns zu sein, Herr Sunju." Dieser Junge, der offensichtlich Kim Sunju hieß, nickte darauf. "Es wäre besser für alle, wenn Sie sie statt mich nehmen. Ich bin glücklich, sie ist glücklich, das Entertainment ist glücklich. Also?" Ich musste mir wegen seiner direkten und nicht gerade höflichen Art ein Grinsen verkneifen und schaute nun zum Mann. "Ähm, nun...Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Befugnis dazu habe. Aber gewissermaßen haben Sie recht. Frau Lin Sura, kommen sie bitte hoch zu uns." Ich nickte gehorsam jnd stieg fast schon mechanisch die Treppen zu ihm und den ganzen anderen Casting-Gewinnern hoch. Das Gefühl hatte mich also nicht getäuscht! Ich hatte noch eine gute Chance... "Sind Sie sich auch wirklich sichef, Herr Kim Sunju?" Sunju nickte flüchtig auf die Frage des Mannes und musterte mich kurz. Ich ignorierte das gekonnt und wendete mich voll uns ganz dem Mann zu. "Ich würde mich wirklich freuen, wenn ich mit ihm tauschen dürfte. Ich meine - wenn es Ihnen nichts ausmacht." sagte ich in einem etwas holprigen Koreanisch und warf Sunju einen "siehst-du-so-macht-man-das-Blick" zu. Doch er schnitt nur eine Grimasse und ich verdrehte die Augen. "Nun, mir macht es wenig aus...wenn es für ihn wirklich in Ordnung ist..." "Ja, für mich ist es gut so. Dann - darf ich gehen?" Der Mann seufzte leise und nickte bloß. Danach redete er einfach weiter, so, als wäre nichts passiert und ich wäre seit Anfang an dabei gewesen. Ich glaube, Sunju hätte mehr gestört als dem Entertainment geholfen, und das hatte auch der Mann gewusst.



    Eine halbe Stunde später schloss der Mann, der Lee Hachun hieß, und für das ganze Casting verantwortlich war, seine lange Erklärung ab. Er hatte darüber gesprochen, dass wir morgen früh um zehn Uhr beim SM Hauptsitz in Gangnam sein mussten, damit wir auf die einzelnen K-Pop-Gruppen verteilt werden konnte. Und noch etwas über das Entertainment, wann es entstanden war, welche Gruppen es überhaupt gab, und so weiter. Bei dem Teil hörte ich nur halb zu, denn das Meiste wusste ich schon. Dann ließ er uns frei und ich rannte hinaus. Es war schon relativ dunkel, aber die Laternen und Lichter am Weg spendeten genug Licht. Dann sah ich auch Sunju an einer Wand lehnen und ich lief zu ihm hin. "Hallo Sunju." Er zuckte kurz sammen, nahm sich schwarze Kopfhörer, die ich nicht gesehen hatte, aus seinen Ohren und runzelte die Stirn. "Was wollen Sie?" Ich fragte mich schon, ob er immer so drauf war. Ich versuchte, nett zu bleiben, als ich antwortete: "Ich wollte mich bedanken...für vorhin." Er nickte daraufhin nur knapp und steckte sich einen der Kopfhörer wieder ins Ohr. Leicht genervt sah ich ihn an. "Warum eigentlich?" Mit der Frage hatte er nicht gerechnet, sodass er erst unsicher herumstotterte: "Das war...ähm...weil...also..." Dann war er plötzlich wieder ganz der Coole und grinste knapp. "Wüsstest du wohl gerne. Tja." Seit wann duzte er mich? Gut, eigentlich war es mir egal. Sollte er doch. "Dann eben nicht. Gut, dann tschüss." Ich wendete mich ab, um mich auf den Weg zur Bushaltestelle zu machen, als er mich leicht am Arm packte und mir noch ein "erkläre ich dir vielleicht wann anders" murmelte. Ich warf ihm einen teils verwirrten und teils verständlichen Blick zu und eilte davon. Vielleicht hatte er wirklich seine Gründe. Aber in dem Moment war ich so müde, sodass ich nicht weiter darüber nachdenken wollte. Und ich konnte es kaum abwarten, meiner Mutter und Jinya alles zu erzählen.

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    Pünktlich um 10 Uhr fand ich mich am nächsten Morgen vor dem SM-Gebäuse in Gangnam ein. Gähnend lief ich durch die geöffnete Glastür. Es war mir
    Pünktlich um 10 Uhr fand ich mich am nächsten Morgen vor dem SM-Gebäuse in Gangnam ein. Gähnend lief ich durch die geöffnete Glastür. Es war mir nicht leicht gefallen, heute überhaupt aufzustehen, da ich erst so gegen ein Uhr nachts eingeschlafen war. Irgendwie hatte ich es aber doch geschafft, mich aus meiner Matratze zu quälen und hierher zu kommen. Ich unterdrückte gerade noch so noch ein Gähnen, da kam eine Frau auf mich zugelaufen und sprach mich an: "Sind Sie Frau Lin Sura?" Ich nickte. "Wo muss ich denn eigentlich hin?" kam meine Gegenfrage. Und die wurde sogleich beantwortet, als die Frau sagte: "Herr Lee Hachun wünscht Sie zu sprechen. Er ist in seinem Büro, die erste Tür rechts." Als sie geendet hatte, deutete sie auf einen Gang, der sich von dem, in dem wir uns befanden, nach Rechts abzweigte. "Verstanden." Sie nickte mir noch zu und verschwand dann in einer anderen Tür. Sollte die Sache mit der Verteilung in Lee Hachuns Büro stattfinden, oder wollte er wirklich ein ernstes Wörtchen mit mir wechseln? Ich schluckte. Hatte es etwas mit dem gestrigen Vorfall zu tun? Vielleicht hatte jemand bemerkt, dass ich eigentlich nur durch Tausch hier war und jetzt durfte ich doch nicht tanzen? Beruhig dich!, schwor ich mir still. Ich interpretierte immer viel zu viel in solche Sachen hinein. Das war schon immer so gewesen. Kurz erschrocken bemerkte ich, dass ich schon vor der besagten Tür stand und meine Hand auf der Türklinke ruhte. Ich zog sie schnell zurück und klopfte zwei Mal. "Herr Lee Hachun?" "Sind Sie das, Frau Lin Sura? Kommen Sie rein." kam es aus dem Raum und ich öffnete die Tür. Das Büro sah aus...eben wie ein Büro. Da war kein großer Unterschied, bis auf die Tatsache, dass auf dem Tisch vor dem Mann keine Papierstapel oder Ordner lagen. "Anyeonghaseyo." begrüßte ich ihn dann und verbeugte mich kurz. "Sie wollten mich sprechen?" "Ja, das stimmt. Aber es ist nichts allzu Ernstes." meinte er und stand von einem Drehstuhl auf. Er sah schon fast verlegen aus, als er mir verriet: "Wissen Sie, ich denke, ich bin ihnen noch etwas schuldig...Herr Kim Sunju schien überhaupt nicht erfreut zu sein, unter den besten dreißig beim Casting gewesen zu sein. Und ehrlich gesagt, die Manager der K-Pop-Gruppen hätten ihn früher oder später...sagen wir, gefeuert." Und das hieß was? Ich neigte nur höflich fragend den Kopf. "Ich danke Ihnen, dass sie noch dageblieben sind, als die alle anderen Leute, die nicht gewählt wurden, schon gegangen sind. Und da ich ebenfalls für die Einteilung der Tänzer zuständig bin, dürfen Sie sich aussuchen, zu welcher Group sie möchten..." 'Wie bitte?' wäre es mir fast herausgerutscht, ich konnte mich aber noch davon abhalten. Ich durfte selbst wählen? Nur, weil ich sozusagen dafür verantwortlich war, dass Sunju mit mir getauscht hatte? Mir blieb vor Staunen die Luft weg. Ich musste mich beherrschen, nicht auszuticken, als ich antwortete: "Könnte ich bei SHINee tanzen? Ich mag SHINee sehr..." Wow, der zweite Satz hatte ihn auch so was von interessiert. Hatte ich ja ganz toll gemacht. Doch zum Glück schien Lee Hachun heute gut drauf zu sein, denn er überhörte es entweder, oder er war an dumme Fangirls oder -boys gewöhnt. "Gut, dann wäre das geklärt. Übrigens," Er sah mich mit einer gewissen Strenge an, "das bleibt unter uns, verstanden? Ich glaube nicht, dass ich die Erlaubnis habe, Sie entscheiden zu lassen, egal, ob ich Ihnen etwas schulde." Ich lächelte knapp, um meine Aufregung zu verbergen. "Ja, verstanden. Gamsahamnida." "Meine Assistentin wird Sie zu dem Raum begleiten, in dem sich der Manager von SHINee befindet. Weiteres sehen Sie dann." Ich nickte und verneigte mich noch kurz zum Abschied, dann ging ich zur Tür. Sobald ich ihm den Rücken zugedreht hatte, grinste ich so breit, dass es schon fast gruselig aussehen könnte. Oh mein Gott, war ich glücklich und aufgeregt! Ich wírde tatsächlich bei SHINee tanzen, sie mal nicht vom Bildschirm aus sehen und...ich könnte sogar mit ihnen sprechen! Ich war beinahe wieder daran, in einen durchgeknallten Fangirl-Modus zu fallen, aber ich wusste, wenn es dann soweit war, würde ich nur noch mehr durchdrehen. Ich versuchte, mich zurückzuhalten. Nicht leicht, wenn man am selben Tag noch auf seine absolute Lieblingsgroup treffen könnte...



    //Ein kleiner Zeitsprung//

    Nachdem ich ein Gespräch mit dem Manager von SHINee über meinen Tagesplan geführt hatte, folgte ich ihm durch ein paar Gänge, während ich mir noch mal alles durch den Kopf gehen ließ. Jeden Tag um halb zehn morgens sollte ich zur Übungshalle von SHINee kommen - die Adresse hatte ich mir noch schnell aufgeschrieben - und dort würde ich dann von einer Backgroundtänzerin, die schon länger als solche tätig war, mir die nötigen Choreografien für kommende Auftritte und Ähnliches zeigen. Und ab und zu dürfte ich auch SHINee beim Üben zusehen...Darauf freute ich mich am meisten. Und ehrlich, ich war Überrascht, dass ich das Gespräch mit dem Manager ohne Probleme hinter mir gebracht hatte. Gut, ich hatte schon immer dieses Phänomen gehabt, dass ich in Korea einfach besser koreanisch sprechen konnte, als ich es in Deutschland konnte. Ich hatte keine Ahnung, warum. War aber auch besser so... "Ich werde dich jetzt mit dem Leader von SHINee bekannt machen. Damit er auch Bescheid weiß..." Bitte was? Ich würde den Leader von SHINee jetzt sofort persönlich sehen? Das hieß...oh Gott..."Onew?" hauchte ich fassungslos. Tja, da würde ich ihn doch schneller "in Echt" sehen, als ich es mir vorgestellt hatte... "Hier, durch die Tür." murrte der Manager statt einer Antwort unwirsch und drückte die Türklinke einer Tür neben sich herunter. Mich überkam diese Seelenruhe, die man hatte, bevor irgendwer oder irgendetwas die große Bombe platzen ließ und man vollkommen austicken würde. Ich hoffte wirklich, dass es nicht auf mich zutreffen würde...Einfach ruhig bleiben. Atmen, kein peinliches Fangirl-Gekreische und vor allem auf gar keinen Fall eine Panikattacke. Einfach ruhig bleiben...Die Tür öffnete sich einen Spalt und ich konnte einen kleinem Teil des Raumes schon sehen. Da stand bloß ein breiter Glastisch mit einigen Klappstühlen drum herum. Eine Kaffeetasse stand auf der rechten, vorderen Hälfte des Tisches. Und dann ging die Tür ganz auf.

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    Als ich vom Manager einen kleinen Stoß bekam, stolperte ich zwei ungelenke Schritte nach vorne und stand nun im Raum. Hinter mir hörte ich die Tür
    Als ich vom Manager einen kleinen Stoß bekam, stolperte ich zwei ungelenke Schritte nach vorne und stand nun im Raum. Hinter mir hörte ich die Tür zugehen. Ich versuchte, mich unauffällig im Raum umzusehen, um nicht zum Tisch zu schauen. Aber bis auf diese Tatsache, und, dass es wahrscheinlich ziemlich unhöflich herüberkommen würde, brachte mir das rein gar nichts. Die Wände waren kahl weiß. Ein Fenster gab es zwar, aber das zeigte bloß auf eine mäßig befahrene Straße. Das Zimmer war auch nicht sehr groß, der Glastisch und die Stühle waren so ziemlich die einzigen Möbel. Wahrscheinlich war dieser Raum nur zu kleineren Gesprächen gedacht und nicht zu Meetings oder Ähnlichem. "Ah, Sie sind schon wieder zurück. Ist das die einzige neue Tänzerin?" vernahm ich die vertraue Stimme. Mein Herz schlug augenblicklich schneller und ich musste wirklich aufpassen, nicht dämlich zu lächeln. Bisher hatte ich diese Stimme nur aus meinem Handy, Laptop oder Fernseher gehört, und es war etwas...seltsam, die Person, der die Stimme gehörte, in wenigen Metern vor mir zu haben. Ich wagte es immer noch nicht, zu Onew hinzuschauen. Ich hatte mehr Angst, mich völlig zu blamieren, als einen schlechten Eindruck auf ihn zu machen. Ich meine, auch so war ich um Welten freundlicher als Sunju. Wenn der Manager wüsste...! "Die Verteilung findet eigentlich erst jetzt statt, also weiß ich nicht, wie viele noch kommen. Aber bei ihr war es wohl eine Art Ausnahme, deshalb ist sie jetzt schon da." Der Manager betonte das Wort 'Ausnahme' so, als würde ihm das nicht so ganz passen. Aber ich beschloss, es zu ignorieren. "Verstehe..." Onew nickte. Warte, wie hatte ich gerade gesehen, dass er genickt hatte? Aus Reflex schoss mein Blick zu ihm und ich schluckte. Er sah einfach so aus, wie ich es sonst immer auf YouTube oder in Konzert-DVDs gesehen hatte...Seine Haarfarbe hatte sich wieder mal geändert (die Idols färben sich ja ziemlich oft die Haare), nun waren sie schwarz, aber es war immer noch der selbe Style. Er trug ein schlichtes, weißes Shirt mit einer dunkelgrauen Wolljacke drüber, außerdem noch blaue Jeans. Aber sein Lächeln toppte alles. Ich wäre wirklich gerne entweder in ein Fangirl-Gekreische ausgebrochen, um mich abzuregen, oder einige Schritte nach vorne gerannt, um ihn zu umarmen, oder ihn um ein Autogramm und Selfie gefragt, oder... Gut, da gab es noch sehr viele andere Dinge, die ich jetzt lieber getan hätte, als die unwissende Person zu spielen, die auf jeden Fall nicht SHINee-verrückt war. Aber ich brachte nur ein schwaches Lächeln zustande und starrte ihn weiterhin mit klopfendem Herzen an. Irgendwie schaffte es der Manager, mich aus der Trance zu reißen, indem er anfing, zu reden: "Wir werden noch sehen, ob Frau Lin Sura dann soweit ist, um beim Musikvideo mitzumachen..." Er deutete mit einem Kopfnicken auf mich. Onew warf mir einen fragenden Blick zu und erwiderte: "Sie heißen Lin Sura?" Dabei nahm sein Gesicht eine etwas nachdenkliche Miene an, was auch echt süß aussah... Moment, ich saß nicht vor einem Bildschrim. Das war kein "Try-not-to-fangirl"-video! Obwohl es von der Situation ähnlich war...Trotzdem, hier war es zumindest wichtig, nicht auszuticken. "Meinen Sie, Sie schaffen es, heute und morgen die Choreografie für ein Musikvideo zu lernen?" Ich nickte mechanisch, ohne richtig realisiert zu haben, wie die Frage noch mal lautete. "Schön, Seo Taeyang wird Ihnen dann alles Nötige zeigen und mit Ihnen üben...Sie sollte auch bald hier eintreffen." Und wenn man vom Teufel sprach, in dem Moment klopfte es an der Tür und ich war etwas erleichtert, endlich meinen Blick von Onew lösen zu können. Noch ein paar Minuten länger und es wäre peinlich geworden...Ich sah zur Tür und zu meiner Überraschung kam eine mir bekannt vorkommende Frau hinein. Sie hatte schwarze, hochgebundene Haare, die mich stark an das Casting-Video erinnerten. "Ich soll die Backroundtänzer abholen?" fragte sie und schenkte uns ein warmes Lächeln. Der Manager nickte. "Frau Lin Sura, das ist Seo Taeyang, sie wird Ihnen die Choreografie für das Musikvideo zeigen." erläuterte mir er mir und trat einen Schritt von mir und Taeyang weg zu Onew. Taeyang lächelte immer noch und sah mich freundlich an. "Wir werden dann zur Übungshalle gehen," meinte sie und nickte dem Manager noch zu. Sie nahm mich am Arm, als ob wir uns schon lange davor gekannt hätten, und zog mich aus dem Raum. Ich konnte es nicht lassen, Onew noch ein mal anzusehen, und bemerkte, dass er mich auch ansah. Schnell schwor ich mir, wegzuschauen und folgte Taeyang, die mich zielsicher aus dem Gebäude führte. Aber Onews Blick konnte ich irgendwie nicht vergessen...Warum hatte er so nachdenklich ausgesehen?



    "...Da wären wir." sagte Taeyang, als wir vor einem großen, dunkelgrauen Gebäude standen. Sie hatte mich den ganzen Weg so festgehalten, wie sie mich noch im SM-Gebäude gepackt hatte, und obwohl ich eher gar nicht der Mensch bin, der schnell körperlichen Kontakt sucht, fand ich es voll okay. Ich hätte mich schnell verlaufen, auch, wenn wir vielleicht mal zehn Minuten gelaufen waren. "Hier üben wir meistens. Aber ab und zu ist in der Halle irgendeine Veranstaltung von einem Verein und dann müssen wir woanders üben..." fügte sie dann hinzu und lächelte wieder. Mir fiel auf, dass sie mir fast sofort sympatisch gewesen war. Sie war diese Sorte Mensch, die immer alles optimistisch betrachtete und meistens gute Laune hatte. "Die Halle ist aber im ersten Stock, und es gibt hier keinen Aufzug. Aber ehrlich, wir sollten froh sein, dass wir nicht ins siebte Stockwerk müssen..." Ich grinste kurz. Irgendwie war ihre gute Laune ansteckend und ließ mich zumindest für ein paar Sekunden die Sache mit Onew vergessen. Im Nachhinein war mir das Ganze total peinlich, weil ich zuerst versucht habe, ihn nicht anzuschauen und ihn dann die ganze Zeit angestarrt hatte. Man hatte es schwer als Fangirl...Aber was sollte man machen? Ich war mehr als froh, dass ich hier gelandet war.

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    Die nächsten Stunden vergingen wie im Flug. Ich bekam von Taeyang alles gezeigt und beigebracht, was ich im Musikvideo machen musste und ich freundet
    Die nächsten Stunden vergingen wie im Flug. Ich bekam von Taeyang alles gezeigt und beigebracht, was ich im Musikvideo machen musste und ich freundete mich schnell mit ihr an. Unter anderem erzählte mir, dass sie seit vier Jahren bei SHINee tanzte, was ich schon eine ziemlich lange Zeit fand. Irgendwie sahen die Backroundtänzer bei den Konzerten und Videos immer anders aus. Auch sagte sie mir, dass sie eigentlich nur halb Koreanerin war, da ihre Mutter aus Japan kam und ihr somit auch japanisch beigebracht hatte. Deshalb war Taeyang auch bei SHINee-Konzerten in Japan meistens dabei. Ein wenig bewunderte ich sie schon, auch, wenn ich wusste, dass ich auch schon bald vor Kameras oder auf der großen Bühne vor zehntausenden Leuten tanzen könnte. Ich freute mich schon richtig auf das Drehen des Musikvideos übermorgen. Nachdem ich mindestens vier Stunden 'Training' hinter mir hatte, meinte Taeyang: "Wir machen lieber Schluss für heute, ich denke, du hast das meiste schon ganz gut drauf." Erleichtert nickte ich und wischte mir den Schweiß von der Stirn. Da die Übungshalle keine Fenster hatte, war es schon recht warm hier drin geworden. Und dazu war es Anfang Sommer, sodass es draußen wahrscheinlich sowieso nicht viel besser gewesen wäre. Anscheinend hatte Taeyang schon vorgesorgt, sie warf mir eine 1-Liter-Wasserflasche zu, die sich angenehm kühl anfühlte. "Woher hast du die denn?" fragte ich sie, da ich die ganze Zeit weder eine Flasche, noch irgendeinen anderen Gegenstand im Raum gesehen hatte. Taeyang grinste verschmitzt. "Wüsstest du wohl gerne..." Ich verdrehte gespielt genervt die Augen und grinste zurück. "Dann eben nicht." erwiderte ich und öffnete die Flasche. Erst jetzt bemerkte ich, wie durstig ich war. Fast schon röchelnd ließ ich das kalte Wasser durch meine Kehle laufen und trank unbeabsichtigt ein Drittel der Flasche aus. Taeyang grinste immer noch, als ich sie ihr zurückgab. "Was ist denn?" Da fing sie an zu kichern, und ich sah sie nur schräg an. Ich hatte keine Ahnung, was los war. Als sie sich wieder eingekrigt hatte, prustete sie: "Sag bloß, du hast diese vier, fünf Stunden plus den Weg hierher nicht bemerkt, dass ich eine Sporttasche hatte?" Sie deutete auf die Tür, die aus der Halle zum Flur führte und ich folgte verwirrt ihrem Blick. Gleich neben der Tür lag eine schwarz-weiße Tasche, die ich bisher wirklich vollkommen übersehen hatte. Daraus ragte noch eine weitere Wasserflasche heraus. Daher hatte Taeyang sie also! Da musste ich auch anfangen, zu lachen, und meine neue Freundin stimmte mit ein. Aber schon bald hatten wir uns beruhigt und ich bat sie noch mal nach der Flasche, weil ich irgendwie nach dem Lachen wieder Durst hatte. Sie gab sie mir, und gerade, als ich das Wasser herunterschluckte, hörte ich Schritte und dir Tür wurde geöffnet. Aus dem Augenwinkel erkannte ich, wer das war, und ich verschluckte mich so sehr, dass ich das Wasser zwar vollständig geschluckt hatte, aber in einen großen Hustanfall ausbrach. "Alles okay?" erkundigte sich Taeyang, worauf ich nur japsen konnte und schwach zur Tür gestikulierte. Ich sah, wie sie dann sagte: "Oh, ähm, hallo. Warum bist du hier?" Oh Gott, wie peinlich... "'Tschuldigung..." murmelte ich und sah auf. Was vermutlich ein kleiner Fehler war, denn ich sah direkt in Onews Gesicht. "Ist wirklich alles in Ordnung?" fragte er noch mal nach, und als ich seine warme Stimme hörte, vergaß ich sogar kurz, zu husten. Ich musste mich wirklich noch daran gewöhnen, ihn und SHINee fast täglich zu sehen...Ein letztes Keuchen entwich mir und ich nickte knapp. "Ja, alles gut. Hab' mich nur verschluckt." Als ich beim Sprechen in seine Augen sah, musste ich automatisch lächeln. Irgendwie konnte ich es immer noch nicht fassen, dass ich gerade mit ihm redete, wie mit einer normalen Person. Er erwiderte das Lächeln, worauf ich Angst hatte, dass meine Beine gleich nachgeben würden. Das sah so süß aus... "Ich wollte kurz mit dir reden, Sura. Wenn es okay ist." Sein Blick huschte zu Taeyang, die fast sofort zustimmte: "Natürlich! Dann gehe ich schon mal. Du findest doch alleine wieder nach Hause, oder?" Und bevor ich noch großartig antworten konnte, nahm sie die Flasche, die ich unwissend noch in meiner Hand hielt, schnappte sich ihre Tasche und war dann schon verschwunden. Mir wurde etwas mulmig, als ich alleine mit Onew in der Halle stand. "Also, warum geht es?" fragte ich ihn etwas nervös. Er schien etwas zu zögern, als würde es ihm schwer fallen, darüber zu reden. "Ich glaube...ich kenne deine Mutter persönlich." Ich sah ihn nur verblüfft an. "P..persönlich?" Er seufzte kurz, bevor er weitersprach: "Vor zwei Jahren hat Jonghyun sich nach langer Zeit wieder mit seinen Eltern und ein paar anderen Verwandten getroffen, und ich bin mit ihm gekommen. Und da war auch seine Tante dabei...Die mit ihrer Freundin gekommen ist. Lin Yeojin. Ich erspare dir die Einzelheiten, aber sie hat mich nach einem Autogramm gefragt, unter dem ich noch den Namen ihrer Tochter setzen sollte. Und heute Vormittag, als der Manager dich mir vorgestellt hat, habe ich mich wieder daran erinnert. Lin Yeojin ist doch deine Mutter, oder?" Ich schluckte, als er geendet hatte. Ich wusste genau, wovon er sprach. Nachdem meine Eltern wegzogen, hatte ich nicht mehr viel Ahnung, was sie eigentlich so trieben. Aber vor zwei Jahren bekam ich einen Brief von meiner Mutter, dem eine Autogrammkarte mit Unterschrift und meinem Namen drauf beilag. Ich hatte sie fragen wollen, woher sie die Karte herhatte, aber auf dem Telefon konnte ich sie nicht erreichen und nach der Zeit hatte ich es einfach vergessen. Ich bewahrte es aber immer noch in meiner Wohnung auf. Ich hatte gedacht, meine Mutter hätte von irgendwo her die Autogrammkarte bekommen und dann selbst mit Edding meinen Namen druntergesetzt. Wie es aussah, hatte ich falsch gelegen... "Sura?" Ich fuhr aus meinen Erinnerungen und stellte erschrocken fest, dass ich ihn wieder mal die ganze Zeit angestarrt hatte. Verlegen senkte ich den Blick und nuschelte: "Ja...ich hab die Autogrammkarte noch." Es entstand eine seltsam peinliche Pause. Später würde ich meine Mutter noch mal ausfragen müssen...warum hatte sie mir nicht schon früher gesagt? "Ja dann..." Ich sah wieder auf. Da durchzuckte mich der kuriose Gedanke, dass seine Stimme wie eine Art Wecker war. Ich musste immer zu ihm hinschauen, wenn er redete. Ich sag ja, kuriose Vorstellung. Plötzlich war ich es, die das Gespräch beendete. "Dann...gehe ich lieber, sonst...ähm, macht man sich noch Sorgen..." stotterte ich zu meiner eigenen Überraschung und rannte fluchtartig aus der Halle. Ich spürte seinen Blick auf mir ruhen, und ich blieb stehen. Allerdings war ich schon an den Treppen angelangt. Normalerweise war ich nicht so. So ein Fluchtverhalten hatte ich noch nie gehabt...Aber war das nicht vorhersehbar? Man redet nicht jeden Tag mit seinem Bias aus einer K-Pop-Group, die man schon fast verabgöttert. Als ich unten ankam, und ich schon die ersten Schritte aus dem Gebäude gemacht hatte, fiel mir siedend heiß ein, dass ich meine Tasche oben in der Halle vergessen hatte. Ich fluchte leise. Das wäre so was von peinlich, wenn ich hochgehen und ihn wieder holen würde, wenn Onew noch da drin war. Aber was, wenn die Tasche irgendwie geklaut wurde? Da war mein Handy, und vor allem, mein Notizblock drin! Selbst wenn dort alles auf Deutsch geschrieben stand und demnach auch niemand es lesen könnte, es bedeutete mir trotzdem unheimlich viel. Ich überlegte hin und her, was ich nun tun sollte. Plötzlich tippte mich jemand an.

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    Nicht in bester Stimmung wendete ich den Kopf zu der Person, die neben mir stand, und zog eine Augenbraune hoch. Ich hatte erwartet, dass es Onew sei,
    Nicht in bester Stimmung wendete ich den Kopf zu der Person, die neben mir stand, und zog eine Augenbraune hoch. Ich hatte erwartet, dass es Onew sei, der vielleicht meine Tasche gesehen hatte und sie mir wiedergeben wollte, aber es war jemand, der mir sehr bekannt vorkam. Sein Name lag mir schon fast auf der Zunge, aber irgendwie hatte ich es geschafft, ihn in den letzten Stunden zu vergessen. War das nicht... "Lin Sura?" Mist, ja, das war dieser Junge vom Casting. Wie konnte ich so vergesslich sein und nicht mehr wissen, wie er hieß? Im Stillen fluchte ich noch mal und sah ihn nur weiterhin an. Er stöhnte genervt und verdrehte die Augen. "Sag bloß, du hast keine Ahnung mehr, wer ich bin. Wir haben uns doch erst gestern gesehen!" So etwas ähnliches ging mir auch durch den Kopf, als ich leise erwiderte: "Doch...hab bloß...deinen Namen vergessen." "Ernsthaft..." Er seufzte und lächelte kühl und belustigt zugleich. "Sagt dir Kim Sunju was?" "Ah. Ja, stimmt. Tut mir Leid." murmelte ich schnaubend über mich selbst. In wie viele peinliche Situationen wollte ich heute eigentlich noch geraten? Erst dieses unhöfliche Wegschauen und wieder Anstarren im SM-Gebäude, dann der Hustanfall und jetzt noch das! Mein Leben als Backroundtänzerin ging ja gut los... "Was machst du hier?" fragte ich ihn, um mich selbst etwas davon abzulenken. Er zuckte bloß mit den Schultern. "Ich bin nun mal zufällig hier in der Nähe gewesen, hab dich gesehen, und bin hergelaufen. Das war's auch schon." "Und warum bist du überhaupt zu mir gekommen?" fragte ich weiter. "Keine Ahnung," antwortete mir Sunju informativ. Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: "Mir war langweilig." Wow. Dann hätte er auch genauso gut in den McDonald's gut zehn Meter neben diesem Gebäude gehen können, oder? Auf den Stichpunkt McDonald's fing mein Magen an, sich leise bemerkbar zu machen, dabei mochte ich diese Imbissbuden nicht mal. Hing wahrscheinlich damit zusammen, dass ich noch nichts zu Mittag gegessen hatte und es schon später Nachmittag war. Wenn nicht, Frühabend. War zwar fast das gleiche, aber egal. Sunju musste mein Magenknurren gehört haben, denn er grinste und meinte: "Hast du Lust auf einen Burger? Ich lade dich ein." Dabei deutete er mit dem Kopf zum McDonald's hin. Hatte ich etwas verpasst, oder seit wann waren wir so etwas wie Freunde? Wir kannten uns nicht mal einen Tag lang und er lud mich schon ein. Zu einem wahrscheinlich vor Fett triefenden Burger, aber ich hatte wirklich Hunger, und ablehnen konnte ich schlecht. "Na schön. Ich...hab mein Geld gerade sowieso nicht bei mir." Ich erinnerte mich, dass sich mein Geldbeutel auch in der Tasche befand. Etwas resigniert lief ich los, Sunju neben mir, als würden wir uns schon länger kennen als ca. 20 Stunden.



    Als ich wenig später in meinen Burger biss, packte Sunju gerade seine Chicken Nuggets-Box aus. Nachdem wir bezahlt hatten, waren wir wieder aus dem McDonald's gegangen und uns an den Wegrand gestellt, da es drinnen viel zu warm gewesen war. Der Burger schmeckte besser, als ich erwartet hatte, aber noch machte ich mir keine großen Hoffnungen. Seit meiner Kindheit waren Burger und ich nicht die besten Freunde gewesen und das hatte sich über die Jahre nicht sehr verändert. Als ich ungefähr ein Drittel verdrückt hatte, fiel mir etwas ein und ich schaute zu Sunju. "Sag jetzt, warum hast du mit mir getauscht?" Dieses mal schien es so, als hätte er mit der Frage gerechnet, denn er blieb gelassen und antwortete: "Musst du nicht wissen. Sonst hast du noch Mitleid mit mir, und das will ich nicht." Er verzog das Gesicht. Kurz überlegte ich, ob ich weiter nachfragen, oder das Thema einfach lassen und wieder vergessen sollte. Aber schließlich gewann die Neugier in mir. "Bitte sag es mir. Ich verspreche dir, dass ich versuchen werde, kein Mitleid mit dir zu haben!" "Das sagen viele, und dann versuchen sie, mich zu trösten. Nee, lieber nicht." "Komm schon..." "Nein." Er blieb genauso hartnäckig, so oft ich ihn auch fragte. Nach vielen Versuchen seufzte ich und warf ihm einen bösen Blick zu, welchen er aber ignorierte und er einfach ruhig weiteraß, als wäre nichts gewesen. Ich seufzte und konzentrierte mich auf meinen Burger, der schon etwas matschig geworden war, und es schwierig wurde, ihn zu essen, ohne eine kleine Sauerei zu veranstalten. Irgendwie hatte ich es geschafft, auch das zweite Drittel ohne Komplikationen herunterzubringen. Da hörte ich, wie sich Schritte entfernten, und ich sah auf. Sunju murmelte mir ein flüchtiges "Tschüss, bis dann." zu und entfernte sich gemächlich, bis er um die Ecke ging und verschwunden war. Ich schüttelte fassungslos den Kopf. Aus diesem Jungen wurde ich einfach nicht schlau. Ich beschloss, den Rest des Burgers wegzuwerfen, da mir der Appetit vergangen war und dieses übrige Stück sowieso nur noch aussah, als hätte man wahllos verschiedenes Gemüse, Fleisch und etwas Brot auf einen Haufen geschmissen. Warum mussten Burger und ich so große Feinde sein? Ich wickelte ihn in eine Serviette ein und ließ es in einen Mülleimer in der Nähe fallen. "Igitt." murmelte ich und sah mich um. Ich hatte nicht wirklich Ahnung, wo ich hier eigentlich war. In der Nähe entdeckte ich ein paar Taxen, aber das brachte mir auch nicht viel, ohne Geld. Kaum war meine Tasche weg, brauchte ich schon gefühlt alles, was drin war! Mein Geld, mein Handy - zumindest könnte ich da Google Maps benutzen, auch wenn ich mit der App nicht wirklich gut zurecht kam - und mein Notizblock. Um den machte ich mir am meisten Sorgen. Ziellos lief ich zurück zum Gebäude mit der Übungshalle, und in dem Moment, als ich an der Tür ankam, öffnete sie sich. Heraus kam ein Mann mit einer schwarzen Mundschutzmaske und Cap, die ihm tief ins Gesicht gezogen war. Als er mich sah, schob er sich vorsichtig die Cap wieder hoch und schaute mich an. Ich brauchte erst ein paar Momente, bis ich Onew hinter der Mundschutz erkannte. Ich wusste, dass Idols so etwas tragen mussten, damit man sie auf der Straße nicht erkannte, also ersparte ich mir einen Kommentar. Stattdessen sagte er zuerst: "Hier, deine Tasche. Die hast du oben vergessen." Seine Stimme klang gedämpft und nuschelnd, aber dennoch hätte ich seine Stimme unter Tausenden wiedererkennen können. Er reichte mir die Umhängetasche, und ich nahm sie endlos erleichtert entgegen. Ich hatte vorgehabt, sie morgen zu holen, wenn ich wieder zum Training kam. Aber ich musste mir eingestehen, dass ich dann wohl heute kaum hätte schlafen können. "Danke." gab ich ebenso leise zurück, obwohl ich im Gegensatz zu ihm keinen Grund dafür hatte. Aber irgendwie schien es mir richtig. Er nickte mir noch zu, dann ging er auch. Ich schaute ihm lange hinterher. Wäre ich nicht als Backroundtänzerin bei SHINee, und dazu noch einer der Hyper-Fangirls, hätte ich vermutlich meine Tasche in einen OP-gesicherten Safe gesteckt, da Onew ihn berührt und ihn mir persönlich zurückgebracht hatte. Aber erstens war ich eben kein Hyper-Fangirl und zweitens war ich nun mal Backroundtänzerin bei SHINee. Aber trotzdem fand ich es...ziemlich süß, dass er mir meinen so ziemlich wichtigsten Gegenstand wiedergebracht hatte. Wider Willen und trotz aller peinlichen Momente, die sich wieder vor meinem geistigen Auge abspielten, breitete sich ein friedliches Lächeln auf meinem Gesicht aus. Ja, ich war ein verrücktes Fangirl. Aber auf eine besondere Weise fühlte es sich im Moment anders an, mit Onew geredet zu haben.

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    Am übernächsten Morgen wachte ich viel zu früh auf. Da ich nicht zu diesem wichtigen Dreh des Musikvideos zu spät kommen wollte, war ich ausnahmsw
    Am übernächsten Morgen wachte ich viel zu früh auf. Da ich nicht zu diesem wichtigen Dreh des Musikvideos zu spät kommen wollte, war ich ausnahmsweise mal früh schlafen gegangen und hatte mir sogar einen Wecker auf meinem Handy gestellt. Draußen war wohl gerade die Sonne aufgegangen, denn das Zimmer wurde in hellorangenes Licht getaucht. Ich versuchte vergeblich, wieder einzuschlafen, aber nach einer Weile setzte ich mich seufzend auf. Gestern war nicht viel passiert, außer dass Taeyang und ich so etwas wie beste Freunde geworden waren und dass ich auch die anderen Backgroundtänzer etwas kennengelernt und mit ihnen geübt hatte. Onew hatte ich leider nicht wiedergesehen, genauso wie Sunju. Aber heute würde ich zum ersten mal alle Mitglieder von SHINee gleichzeitig ''live'' sehen, was auch vermutlich der Grund war, warum ich so früh aufgewacht war. Wenn ich schon bei Onew Schwierigkeiten hatte, mich in irgendeiner Weise normal zu verhalten, wie sollte es bei allen Vieren auf einmal funktionieren? Ich ließ mich nervös wieder in mein Kissen zurücksinken. Sofort hatte ich alle möglichen Vorstellungen, wie es ablaufen würde, unter anderem auch einige peinliche Szenen. Irgendwie verging so die Zeit, bis mein Handy plötzlich anfing, laut den Anfang von Everybody zu spielen und ich beinahe einen Herzinfarkt bekam. Nachdem ich vom ersten Schock erholt hatte, erinnerte ich mich an den Wecker und tastete nach meinem Handy. Als ich es hatte, schaltete ich den Alarm aus, als plötzlich der Nachrichtenton erklang und mir angezeigt wurde, dass jemand mir geschrieben hatte. Ich ging auf "Nachrichten" und sah, dass es Taeyang war, sie hatte gestern noch darauf bestanden, mit mir Nummern zu tauschen. Ich öffnete den Chat und las: Hey, schon wach? Vergiss nicht, heute ist der Dreh! Komm pünktlich, sonst könnest du ein paar Probleme bekommen. Ich lächelte. Der Manager war da wohl ziemlich pingelig. Schnell schrieb ich ihr zurück: Ja klar:-) bin schon lange wach. Wenige Sekunden später kam es schon von Taeyang: Aufgeregt? Ein wenig. Sorry, muss jetzt los. Bis später! Dann schaltete ich mein Handy aus. Noch drei Stunden bis zum Dreh, die wahrscheinlich entweder viel zu schnell oder viel zu langsam vergehen würden.


    //Ganz kleiner Zeitsprung XD//

    Schließlich stand ich eine ganze halbe Stunde zu früh vor dem Studio, in dem das Musikvideo gedreht werden sollte. Taeyang hatte gesagt, dass es sich nicht gelohnt hätte, irgendwo draußen zu drehen, da das meiste mit Greenscreen gemacht werden würde. Das Studio war ein graues rechteckiges Gebäude, mit ein paar Türen gleicher Farbe. Außer mir war der Platz davor komplett verlassen. Ungeduldig zog ich mein Handy aus der Tasche und schrieb Taeyang an: Hey, wo bist du gerade? Ich wusste, dass es noch viel zu früh war, aber ich wusste nicht, wie ich mir sonst die Zeit totschlagen könnte. Ein paar Minuten wartete ich auf eine Antwort, aber als keine kam, ließ ich mein Handy wieder genervt in die Tasche fallen. Das war eine ähnliche Situation wie vor dem Casting. Irgendwie bekam ich weitere fünf Minuten rum, bis auf einmal eine der Türen aufging und vier Menschen heraustraten. Ich erkannte sie sofort, traute mich aber nicht, etwas zu sagen. Es war SHINee, alle vier, Onew, Minho, Taemin und Key, nur wenige Meter von mir entfernt. Etwas traurig dachte ich daran, dass Jonghyun auch bei ihnen sein könnte, als einer von ihnen mich sah und dann alle auf mich zuliefen. "Hey Sura. Onew hat uns von dir erzählt." begrüßte mich Key vorab und ich lächelte schüchtern zurück. Hatte er das? Ich sah Onew an, der bloß mein Lächeln erwiderte. Oh mein Gott, dieses Lächeln brachte mich fast um... "Du bist früh dran." lachte Minho. "Es geht doch erst in zwanzig Minuten los." "Zwanzig Minuten noch? So lange?" rutschte es aus mir heraus und biss mir danach auf die Zunge. Wow, sonst ärgerte ich mich, dass ich so schüchtern sein könnte, aber jetzt... "Keine Sorge, vielleicht kommen ja gleich auch die anderen." meinte Taemin ruhig und warf Minho einen Blick zu. Ich unterdrückte ein Grinsen, als ich sämtliche 2min-Momente vor meinem inneren Auge ablaufen sah. 2min, also Taemin und Minho, war einer der beliebtesten Shippings bei SHINee und es gab ziemlich viele Videos auf YouTube darüber. Eine fremde Stimme riss mich aus den Gedanken, die von der halb geöffneten Tür, durch die die Vier gekommen waren, etwas schwer verständliches herausrief. "Ah, wir sollten wieder rein." sagte Key. "Dann bis gleich." Damit drehten sich alle um und liefen wieder zurück ins Studio. Ich sah ihnen nach, als Onew sich plötzlich noch mal zu mir umdrehte und mir ein warmes Lächeln zuwarf. Aber noch bevor ich es so richtig realisieren und darüber nachdenken konnte, hörte ich jemand Vertrautes hinter mir rufen: "Hey Sura!" "Hallo Taeyang..." Ich drehte mich um und erschrak, als sie direkt vor mir stand. "Erschreck mich doch nicht so!" Sie grinste nur und erwiderte: "War das gerade so das erste Zusammentreffen von SHINee und dir, stimmt's? Nach deinem nicht ganz normalen Verhalten zu urteilen..." "Du hast es erfasst." seufzte ich halb verträumt, halb strahlend. Sie packte mich sanft am Arm, um mich wieder in die Realitàt zurückzuholen. "Also ich war ja auch total der Shawol, als ich hier neu war...Aber man gewöhnt sich dran und mittlerweile ist es seltsam, so vertraute Personen auf Werbungen und so zu sehen." Ich schaute sie nur verblüfft an, woraus sie dann lachte und fragte: "Also, wer ist dein Bias, hm?" "Naja...eigetlich sind alle so unfassbar süß und so...aber Onew ist noch einmal eine ganz andere Sache..." "Aha! Verstehe, er ist dein Bias." Ich nickte. "Und wer ist deiner?" Ich hätte die Frage wohl nicht stellen dürfen, denn Taeyangs sonst immer leuchtende Augen wurden für einen Moment trüb. "Mein Bias ist, oder war besser gesagt, Jonghyun...Und er wird es auch immer sein." Eine verhaltene Pause entstand, in der ich mich verfluchte, sie gefragt zu haben. Aber da wechselte sie auch schon das Thema: "Und, bist du schon aufgeregt? Dein erstes Mal, dass du in die Öffentlichkeit kommst!" "Schon ein wenig." gab ich zu. "Deshalb bin ich auch so früh da. Wollte ich eigentlich gar nicht." "Lieber zu früh als zu spät." meinte Taeyang. "Der Manager hasst Verzögerungen." "Habe ich mir schon gedacht, nach der Nachricht von heute Morgen." grinste ich. Wir alberten noch viel herum, bis es dann endlich soweit war und uns der Manager ins Studio rief. Ich hoffte nur, dass ich beim Dreh nichts vergessen oder falsch machen würde.



    Taeyang nickte mir ermutigend zu, als es endlich, nach ein paar kleinen Erklärungen vom Manager, losging. Zum Glück war meine Position neben die von Taeyang, sodass ich leicht zu ihr herübersehen konnte. Was ich wahrscheinlich auch ab und zu machen würde. Da hörte ich noch einmal die Stimme des Managers: "An alle neuen Tänzer: Nicht direkt in die Kamera schauen! Lieber auf den Boden ein paar Meter vor euch, die einzigen, die in die Kamera sehen, sind SHINee. Denkt daran!" Nun, ich würde zu Taeyang herüberschielen, wenn es nicht zu sehr auffiel. Was es vermutlich tun würde, also ging ich noch mal schnell im Kopf die Choreo durchgehen. SHINee stand schon auf der Fläche vor dem Greenscreen, wo es gedreht wurde. Ich konnte mir nicht verkneifen, ein paar Blicke zu ihnen herüberzuwerfen, und hörte erst damit auf, als einer von ihnen es bemerkte und auch zu mir sah. Eilig lenkte ich meinen Blick zu Taeyang. Die grinste nur und meinte: "Je schneller du dich daran gewöhnst, umso besser. Und jetzt komm!" Sie zog mich zu den anderen Tänzern, die neben dem Filmbereich standen, da wir so gegen Mitte des Liedes einlaufen sollten. "Gut, und jetzt los!" Die vielen Kameras wurden alle gleichzeitig angeschaltet.

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    Viel zu viele Gedanken schossen mir während diesem Vor- und Nachmittag durch den Kopf. Ich meine, das Musikvideo würde nahezu jeder auf der Welt seh
    Viel zu viele Gedanken schossen mir während diesem Vor- und Nachmittag durch den Kopf. Ich meine, das Musikvideo würde nahezu jeder auf der Welt sehen können. Auch, wenn die Zuschauer wahrscheinlich mehr auf SHINee achten würden, als auf die eintönig gekleideten Tänzer im Hintergrund, aber trotzdem war ich ziemlich aufgeregt darüber. Taeyang war doch keine so große Hilfe, da ich stur auf den Boden unter der Frontkamera schauen sollte und ich sie nur gerade noch so aus den Augenwinkeln sehen konnte. Und trotz aller Aufregung klappte es besser, als ich erwartet hätte. Ich dachte immer, so ein Dreh brauchte ziemlich viele Versuche, aber schon nach drei, vier Anläufen hatten wir so ungefähr die Hälfte im Kasten. Dann bekamen wir eine kleine Pause, und fast alle liefen raus, um frische Luft zu schnappen. Tat ich dann auch, da die Luft im Studio wirklich nicht die Beste war. Von der Temperatur war es zwar gleich, aber irgendwie trotzdem besser als drinnen. Taeyang kam neben mich und fragte: ''Und? Wie fandest du es als dein erstes Mal?'' ''War sogar voll okay,'' meinte ich lächelnd. ''Gar nicht so schlimm, wie ich es immer dachte. Ging auch schneller.'' ''Wenn du wüsstest...'' lachte sie. ''Beim Dreh von 'Why so serious?' wäre unser Manager fast ausgerastet, weil eine Szene einfach nicht geklappt hat. Und bei 'Everybody' ist mal die Kamera, die durch die Beine von SHINee fahren sollte, steckengeblieben!'' Ich grinste und war froh, dass es heute anscheinend sehr gut funktioniert hatte. Blieb noch zu hoffen, dass wir das restliche Video auch so hinbekommen würden...Etwas gedankenverloren ließ ich meinen Blick über den Platz schweifen. Da sah ich Key bei der Tür, er murmelte Onew, der neben ihm stand, etwas zu und machte eine kleine Handbewegung in unsere Richtung. Onew verneinte hektisch, indem er abwinkte und verhalten lachte. Anscheinend hatte Key eine ihm unangenehme Frage gestellt...Aber warum hatte er zu uns herübergedeutet? Doch bevor ich mir mehr Gedanken darüber machen konnte, waren die beiden wieder ins Studio gegangen und Taeyang wedelte mit der Hand vor meinen Augen herum. "Hey! Bist du noch geistig anwesend?" hörte ich sie und ich zuckte zusammen. "Sorry...War kurz abgelenkt." "Hab ich auch bemerkt." meinte sie trocken, "Was war denn?" "Weiß nicht..." Ich zuckte mit den Schultern. "Key und Onew haben über irgendetwas geredet und Key hat dabei auf uns gezeigt." "Und?" "Na ja...mich interessiert es schon, was man über mich redet. Bin ja neu." versuchte ich eine Erklärung zu finden. Sie klang sogar ganz plausibel, dafür, dass ich eigentlich nicht so der Mensch war, der sich in solchen Situationen auf die Schnelle etwas einfallen lassen konnte. Außerdem war es mir normalerweise halbwegs egal, was andere über mich dachten...Normalerweise. Taeyang sah mich an, als ob sie sich nicht sicher sein würde, ob sie es mir glauben sollte, oder nicht. Schließlich sagte sie: "Denk nicht zu viel über sowas nach. Solange keiner wegen dir am Verzweifeln ist, machst du deine Sache gut." "Meinst du?" fragte ich noch mal nach, um die Aussagen von vorhin glaubwürdiger erscheinen zu lassen. Sie verdrehte die Augen. "So unsicher kenne ich dich gar nicht. Du willst mir die Wahrheit nicht sagen, odet? Dann eben nicht." Noch bevor es zu einer dieser typischen Pausen kam, wo wir uns anschwiegen würden und keiner so richtig eine Ahnung hatte, wie man sie wieder auflöste, bemerkte ich, dass die meisten schon wieder hineingegangen waren und ich folgte ihrem Beispiel. Taeyang zog ich wortlos mit.



    Nach weiteren mehr oder weniger anstrengenden Stunden war alles fertiggedreht und wir durften gehen. Völlig verschwitzt verließ ich das Studio und stieß fast gegen Taeyang, die - wie auch immer - vor mir hinausgekommen war und auf mich gewartet hatte. "Sura, 'tschuldigung wegen vorhin. War nur neugierig..." erklärte sie mir und ich war erleichtert. Ich hatte doch gedacht, sie wäre wegen dieser kleinen Sache eingeschnappt gewesen. Ich kannte nämlich gewisse Leute aus meiner Schulzeit, die so waren...Aber das war eine andere Sache. "Schon gut." sagte ich. "Und eigentlich...hattest du sogar Recht." "Womit denn?" Ein verwirrter Gesichtsausdruck schlich sie auf ihre Miene, und ich antwortete: "Eigentlich bin ich sonst gar nicht so, was dieses Thema angeht. Nur irgendwie...ist es hier etwas anderes." "Ah, verstehe." Jetzt grinste sie wieder, aber es wirkte so, als ob sie etwas ahnen würde. Nun war ich etwas verwirrt. "Und weswegen grinst du jetzt so?" Sie blinzelte verschwörerisch. "Eine Frage..." "Ja?" Ihr plötzlicher Wechsel von normal zu verwirrt und dann zu wissend war mir etwas unheimlich... Sie sah mich belustigt an. "Ist dir eigentlich nicht aufgefallen, dass Onew die ganze Zeit zu dir herüberschaut, wenn er die Gelegenheit dazu hat?" Warte, was? "Ähm?" stotterte ich und sah sie mit aufgerissenen Augen an. Ihr machte es offenbar Spaß, mich so schockiert zu sehen, denn sie fuhr seelenruhig fort: "Zwischen den einzelnen Aufnahmen schaut er immer zu dir, wenn er denkt, dass keiner ihn beobachtet. Und als du gerade aus dem Studio gegangem bist, hat er dir auch nachgesehen." "O..okay..." Ich war ziemlich verwirrt. Warum sollte er das tun? Ich war nur eine Backgroundtänzerin von vielen anderen...Und auch noch neu. Vielleicht war es das? Aber ich war doch nicht die Einzige, die zu SHINee gekommen war. Warum dann ungedingt ich? Ich würde, wie meine Wangen sich rot färbten. Das passierte mir eigentlich wirklich selten...Taeyang meinte wohl, die Tatsache herausgefunden zu haben, als sie mir erklärte: "Wir hatten schon mal durch ein Casting neue Tänzer bekommen, aber so unter "Beobachtung" stand bisher keiner...Glaub mir, da weiß ich Bescheid." Ich nickte bloß. Irgendwie war mir die Sache unangenehm, aber ich konnte ein glückliches Lächeln nicht zurückhalten. Das wär's, wenn Onew...Ich führte den Gedanken lieber nicht zu Ende, um mir keine allzu großen Hoffnungen zu machen. Aber da sprach es Taeyang schon aus: "Entweder er will was von dir, oder irgendjemand hat ihm gesagt, er soll dich im Auge behalten." Die erste Möglichkeit war nahezu unerreichbar, während die zweite auch nicht sehr wahrscheinlich war. Taeyang lachte leise. "Komm, bevor du noch hier festwächst. Hast du vielleicht Lust noch zu mir zu kommen? Es ist hier ganz in der Nähe." Ich nickte etwas planlos und folgte ihr, als sie loslief. Ich warf noch einen letzten Blick zurück, da ich schauen wollte, ob Taeyang Recht hatte. Und tatsächlich. Ich konnte es kaum glauben, als ich Onew dort sah, wo Taeyang und ich vor wenigen Momenten gestanden hatten. Key stand wieder neben ihm, beide sahen mich an. Dann taten sie so, als wären sie in ein Gespräch vertieft. Aber ich wurde das Gefühl nicht los, dass Onew mir noch ein paar weitere Blicke zuwarf, ich als mit Taeyang um die Ecke bog.

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    Während ich mit Taeyang zu ihrer Wohnung lief, dachte ich über das nach, was sie mir vorhin gesagt hatte. Wenn das wirklich stimmte, dann...Ich wagt
    Während ich mit Taeyang zu ihrer Wohnung lief, dachte ich über das nach, was sie mir vorhin gesagt hatte. Wenn das wirklich stimmte, dann...Ich wagte es nicht, mir noch mehr darunter vorzustellen. Taeyang war so taktvoll und versuchte es nicht mal, mich davon abzulenken, und grinste die ganze Zeit nur still vor sich hin. Ich warf ihr einige böse Blicke zu, was kein bisschen daran änderte. Wusste sie überhaupt, wie es war, wenn zuerst einer der größten Träume wahr wurde und kurz darauf die Möglichkeit bestand, dass ein noch größerer, scheinbar unmöglicher Wunschtraum sich auch noch erfüllte? So oft ich versuchte, nicht mehr daran zu denken, es klappte einfach nicht. "Hm." machte Taeyang, und ich hatte das Gefühl, als würde sie ein Kichern unterdrücken. Leicht genervt wollte ich zu einem Gemecker ansetzen, als sie mir zuvorkam: "Wir sind da." Wir standen vor einem der gefühlt tausend Apartments Seouls, das dem von Jinya nicht unähnlich sah. Sie tippte was auf der Tastatur neben der automatischen Schiebetür ein und dann gingen wir hinein. Dieses Apartment hatte zwölf Stockwerke, und Taeyang sagte, sie wohnte im zehnten. Ich war wirklich erleichtert, als ich den Aufzug am Ende des Eingangsflures entdeckte. Taeyang bemerkte es offenbar, denn sie meinte: "Ich wäre gar nicht hier eingezogen, wenn ich jeden Tag so viele Treppen steigen müsste..." Der Aufzug schien aber auch nicht ganz das modernste zu sein, denn er war nicht gerade schnell und auch nicht sehr groß. Naja...trotzdem besser als Treppen. Als wir nach einer Ewigkeit oben ankamen, und Taeyang ihre Tür "entsperrte", hörte ich ein zweistimmiges Bellen, und sah, dass der Eingangsbereich durch eine durchsichtige Tür vom Rest der Wohnung abgetrennt war und auf einmal zwei kleine, weiße Hunde angelaufen kamen und an der Tür kratzten. Taeyang lächelte fröhlich. "Darf ich vorstellen: Candy und Snow." "Naaaw...Du hast mir gar nicht gesagt, dass du Hunde hast!" Ich war zwar mehr der Katzenmensch, aber Hunde fand auch unheimlich süß...Und diese beiden waren wirklich niedlich. "Soll auch eine Art Überraschung sein. Deshalb habe ich dich hergeholt." Ich öffnete die Tür, die uns von den Hunden trennte, und sogleich stürmten sie heraus und sprangen an meinen Beinen hoch. Ich lachte und fragte Taeyang: "Und wer ist jetzt wer? Sie sehen beide komplett gleich aus." Taeyang scheuchte die Tiere und mich erstmal ganz in die Wohnung und machte sie Tür zu. "So, also die größere und etwas rundlichere ist Candy, und die andere ist Snow. Ich hab die beiden von meiner Cousine bekommen, die hatte keine richtige Zeit mehr, sich um sie zu kümmern." Sie zog mich ins Wohnzimmer, im Vorübergehen bemerkte ich, dass ihre Wohnung viel größer als die von Jinya war, ungefähr so wie meine in Deutschland. Auch, wenn das Gebäude hier deutlich älter zu sein schien, irgendwie sah es hier ziemlich neu aus. "Ich bin erst vor einem halben Jahr hier eingezogen. Davor habe ich bei meinen Eltern gelebt." erklärte sie mir. Da fiel mir auf, dass ich gar nicht wusste, wie alt sie eigentlich war. Wir hatten über alle möglichen Dinge geredet, aber nie über so etwas nebensächliches wie unser Alter. "Wie alt bist du eigentlich? Sorry, wenn das eine dumme Frage ist..." Es war seltsam, sie so etwas zu fragen, nachdem wir so gute Freunde geworden waren. Sie lachte und antwortete: "Irgendwie ist es ja schon seltsam, dass wir noch nie darüber gesprochen haben...Ich bin 22. Du?" Erstaunt sah ich sie an. Ich hätte gewettet, dass sie nicht viel jünger wäre als ich, vielleicht sogar ein Jahr älter. Aber 22? "Ich bin 25..." Auch sie schien etwas verblüfft zu sein, denn sie meinte: "Echt? Ich dachte, du bist jünger." Verlegen grinsten wir uns an.



    Wenig später saßen wir auf dem breiten, schwarzen Sofa im Wohnzimmer, Candy und Snow saßen bei Taeyang teilweise auf ihrem Schoß. Es war schon später Nachmittag, und wir hatten noch nichts zu Mittag gegessen, also bestellte Taeyang zwei große Chickenboxen. Während wir auf die Lieferung warteten, redeten wir über dies und das, bis ich das Thema irgendwann auf den Dreh heute lenkte. "Und du meinst echt, Onew..." "Du denkst immer noch darüber nach?" schnitt sie mir belustigt das Wort ab. "Morgen siehst du ihn eh wieder und dann werden wir ja sehen." "Morgen? Warum morgen?" Sie grinste. "Wegen den ganzen Comeback-Auftritten und so weiter üben wir regelmäßig zusammen mit SHINee. Hättest du dir eigentlich auch denken können." Ich machte den Mund auf, und klappte ihn gleich wieder zu. Warum konnte es mir nicht egal sein, wie oft ich Onew sah? Es gehörte jetzt zu meinem Alltag, ich sollte daran gewöhnt sein...Aber es war mir nicht egal, so oft ich es mir auch sagte. Neben mir wurden Taeyangs Augen etwas größer. "Sag bloß, du..." "Ich bin nicht verliebt." rutschte es mir automatisch heraus. Wie kam ich denn jetzt darauf? Ich war nie verliebt und so würde es auch bleiben. Und ich war vollkommen zufrieden damit. Aber etwas ließ mich zweifeln, was das anging... Ich seufzte leise. Ich musste an das kurze Gespräch mit SHINee heute morgen denken, und daran, wie Key und Onew irgendetwas beredet hatten. Im Stillen wusste ich, dass ich mir keine Hoffnungen machen sollte. Aber Hoffnungen für was? So seltsam es auch schien, ich war verwirrt über mich selbst. "Ooooh doch, bist du sehr wohl." kicherte Taeyang und stieß mir mit dem Arm in die Seite. "Ich habe genug K-Dramas geschaut, um zu wissen, wie verliebte Leute aussehen." "Ich bin aber nicht verliebt!" fuhr ich sie ungewollt heftig an. Dann fügte ich hinzu: "'Tschuldigung, war nicht so gemeint..." "Schon gut." winkte sie ab und grinste. Ich warf ihr einen vernichtenden Blick, den sie aber entweser ignorierte oder gar nicht bemerkte, denn in dem Moment ertönte ein lautes Piepen und die Hunde bellten laut auf. Das Essen war da.

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    Der restliche Abend verlief ruhig, wenn man von den Hunden absah, die ständig versuchten, etwas vom Chicken zu ergattern, oder bei der Suche nach irgendwelchen Essensresten fast eine Lampe umgeschmissen hätten, hätte Taeyang nicht noch rechzeitig hingespringen und sie noch aufgehalten. Sie hatte da wohl nach der Zeit Reflexe dafür entwickelt, was sie mir dann scherzhaft erklärte. Aber bis auf diese Dinge war es wirklich relativ ruhig. Ob es die Anstrenung vom Dreh heute war, oder wir beide in Gedanken versunken waren, wir redeten kaum noch. So gegen 22 Uhr verabschiedete ich mich von ihr und ging nach Hause. Mir fiel auf, dass ich Jinyas kleine Wohnung schon als Zuhause bezeichnete, obwohl ich gerade mal eine Woche dort lebte. Aber in Seoul fühlte ich mich einfach so...wie zu Hause. In Deutschland hatte ich schon oft Fernweh nach der Hauptstadt Südkoreas gehabt. Oder konnte man das schon Heimweh nennen? Theoretisch war ich ja Koreanerin... Mit solchen Gedanken schlug ich mich herum, bis ich in Jinyas Wohnung eintrat. Dann erstarrte ich, da vollkommene Stille mir entgegenkam. Die Wände waren hier ziemlich dünn, sodass man es hören konnte, wenn jemand lauter atmete als sonst. Und bei Jinya war das auch eigentlich der Fall...Die Stille gefiel mir gar nicht. Als ich dann mit pochendem Herzen in ihrem Zimmer nachsah, verengte ich verwirrt und zugegeben, auch etwas beängstigt die Augen. Sie war nicht da, und meine Mutter war auch nicht zu sehen. Ich ermahnte mir, mich zu beruhigen. Vielleicht war ich einfach nut taub und sie waren in einem anderen Raum. Ich suchte die gesamte Wohnung ab, aber meine Hoffnung sank, als ich schließlich wieder im Flur stand. Wo um alles in der Welt waren sie? Jinya konnte nicht urplötzlich wieder stark genug geworden sein, um draußen herumlaufen zu können. Selbst nicht mit Hilfe. Unendlich besorgt kramte ich in meiner Tasche nach meinem Handy, um zu schauen, wie viel Uhr es gerade war. 22.48 Uhr zeigte es an. Und auch noch so spät... "Ring Ding Dong, Ring Ding Dong, Ring Didigidigidigi ding ding ding!" plärrte das Gerät in meinen Händen auf einmal los, sodass ich einen mega Schock bekam und es fallen ließ. Fluchend hob ich mein Handy wieder auf und starrte aufs Display. Lin Yeojin (Eomma) stand da, über dem WhatsApp-Profilbild meiner Mutter. Ich beschloss, mir später ein Facepalm zu geben. Warum war ich nicht auf die Idee gekommen, meine Mutter anzurufen, anstatt grundlos in Panik zu verfallen? Bestimmt gab es da einen harmlosen Grund. Ich nahm hastig den Anruf an und stellte auf Lautsprecher. Irgendwie war das auch so eine komische Angewohnheit von mir...Ich hasste es, mein Handy so dicht ans Ohr zu halten. "Eomma? Wo seid ihr? Ich bin gerade Zuhause angekommen und ihr wart nicht da..." sprudelte es aus mir heraus und ich bemerkte, dass ich wie ein verängstigtes Kleinkind klang, das seine Eltern vermisste. Aber das war mir im Moment egal. Etwas war anders...wäre alles normal gewesen, dann hätte meine Mutter über meine kindliche Art gelacht und munter geantwortet. Wäre alles normal, würde sie nicht zögern und keine Stille wäre im Hintergrund. In Seoul war es nie ganz leise. Doch das war der Fall. "Eomma?" fragte ich noch mal leise nach. Eine furchtbare Ahnung überkam mich... "Was ist passiert? Sag es mir, bitte!" Ich musste schon fast hysterisch klingen, denn meine Mutter antwortete nun schnell: "Jinya hatte vor wenigen Minuten einen Herzanfall. Ich habe den Krankenwagen gerufen und sie wird jetzt untersucht. Ich weiß noch nicht, wie es um sie steht." Mir stockte kurz der Atem, aber ich fragte weiter: "Und wo bist du?" "Vor dem Krankenhaus, weil ich dich anrufen und darüber informieren wollte..." Ich biss mir auf die Unterlippe. Was war mit diesem Tag nur los? Es wurde ja immer schlimmer... "Soll ich kommen?" stellte ich erstickt meine letzte Frage. Ich konnte geradezu hören, wie meine Mutter den Kopf schüttelte. "Bleib lieber bei Jinya und versuche zu schlafen. Ich muss wissen, wie es um Jinya steht und das bedeutet vermutlich nur, dass ich warten muss." Ich schluckte und erwiderte: "Okay. Sag mir dann bitte Bescheid, wenn du etwas weißt." Geschockt legte ich auf und ließ meinen Arm, in dem ich das Handy hielt, sinken. Warum hatte Jinya diesen Herzanfall gehabt? Ihr war es doch besser gegangen, seit meine Mutter bei ihr war. Hätte ich mich auch mehr um sie kümmern sollen? Schuldgefühle überkamen mich, als ich wie benebelt in mein Zimmer lief, meine Tasche irgendwo auf den Boden warf und mich auf meine Matratze fallen ließ. Der gesamte Tag zog an mir vorbei und hinterließ einen Wirbel an Gefühlen und Erinnerungen in meinem Kopf zurück. Das Gespräch mit SHINee heute morgen, welches mir auf einmal so unbedeutend erschien, Taeyangs Meinung, was Onew betraf, die Hunde und die Sache mit Jinya...Irgendwann drängte die Müdigkeit alle Gedanken zur Seite und ich fiel in einen unruhigen Schlaf.

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    Zu meiner eigenen Überraschung wachte ich am nächsten Morgen nicht mit dem Gefühl auf, wenig geschlafen zu haben. Ich hatte zwar wirre Träume gehabt, die zu seltsam waren, um mich noch mal an sie erinnern zu können, aber davon angesehen hatte ich gut geschlafen. Wie hatte ich das hinbekommen? Nach ein paar Momenten morgentlichen Friedens holte mich die Realität wieder ein und ich stöhnte. Ich lag immer noch in meinen Sportsachen und eine kleine Welle von Panik ergriff mich, als mir Jinya wieder einfiel. Ich tastete nach meinem Handy, welches sich natürlich nicht über Nacht von selbst aufgeladen hatte und gerade eine Warnung wegen dem Akku piepste, und ging auf "Nachrichten". Mit großen Augen las ich dann, was meine Mutter mir geschrieben hatte: Die Ärzte sagen, Jinya könnte es schaffen. Sie hatte einen nicht zu heftigen Herzanfall, aber da sie eigentlich schon davor nicht ganz gesund war, ist ihr Zustand gerade unstabil. Sie sind sich nicht komplett sicher, wie es genau um sie steht...Aber es gibt eine Chance, dass sie es ohne weiteren Probleme überlebt. Erleichtert schrieb ich ihr ein "Okay, gut." zurück. Als ich mich aufrichtete, bemerkte ich trocken im Stillen, dass ich mich heute nicht umziehen musste. Mein Handy war nicht mehr im Zustand, mitgenommen zu werden, denn die Batterieleiste zeigte 8% an. Heute musste ich wohl ohne jegliche Kontaktmöglichkeit rausgehen...Ich schloss es schnell ans Ladekabel und verließ den Raum. Hätte ich gewusst, was Taeyang mir unmittelbar danach geschrieben hatte, hätte ich mir ein paar peinliche Minuten ersparen können...Aber ich wusste nichts und so verließ ich auch die Wohnung.



    Die ersten Anzeichen dafür, das etwas anders war, erwarteten mich schon am Eingang des Gebäudes, in dem sich die Übungshalle befand. Ein Bund Luftballons war an einer Stange neben der Tür befestigt und schwebte im leichten Wind hin und her. Verwirrt blieb ich kurz stehen. Was sollte das? Taeyang hatte mir gestern nichts von irgendeiner Veranstaltung gesagt, und ich hatte nicht den geringsten Schimmer, was es damit auf sich hatte. Mit einem mulmigen Gefühl betrat ich schließlich das Gebäude und zuckte zusammen, als ich Leute miteinander reden hörte. Ich lief bis zum Anfang der Treppe, die hochführte, als ich erstarrte. Noch ein paar mehr Ballons waren am Treppengeländer festgeknotet und ich sah, wie ein paar (oder auch viele, wie man es nahm) Leute oben im ersten Stock miteinander redeten. Siedend heiß fiel mir ein, was Taeyang mir gesagt hatte, als ich zum ersten Mal hier war. Waren hier nicht diese Veranstaltungen von einem Verein? Das würde die Luftballons erklären, und auch die vielen Leute. Als mich schon ein, zwei Leute bemerkt hatten und sich zu mir umsahen, ging ich schnell wieder hinaus. Als ich Draußen stand, atmete ich erstmal kurz durch. Ich stand vor einem kleinen Problem...Wo zum Himmel musste ich jetzt hin? Das hatte Taeyang mir damals nicht gesagt... Frustriert dachte ich an mein nicht aufgeladenes Handy. Mit den 8% hätte ich zumindest noch Taeyang anrufen können. Jetzt noch wieder zurück nach Hause zu gehen und mein Handy zu holen, um das nachzuholen, würde nur darauf hinauslaufen, dass ich vermutlich zu spät kommen würde. Aber es war immer noch besser, als durch Seoul zu irren...Ich konnte ja auch schlecht irgendwelche Passanten danach fragen. Sollte ich wirklich zurück? Wie spät war es überhaupt schon? Ich hatte schon vor ein paar Tagen bemerkt, dass ich ohne meine Sachen aufgeschmissen war, aber das es mal zu so einer Situatuon kommen würde... "Mist. Verdammt!" murmelte ich fluchend vor mich hin. Warum ausgerechnet heute? Deprimiert ließ ich meinen Blick über die Straße vor mir schweifen, als könnte ich dort die Lösung für das Problem finden. Aber da waren nur Autos, die ihre Abgase in die Luft pusteten, irgendwelche Leute, die es offenbar eilig hatten... Da blieb mein Blick an einem Menschen hängen, der gerade die Straße überquerte. Er hatte eine graue Cap an, die gerade noch so seine Augen freiließen und eine schwarze Mundschutzmaske. Als er näher kam, klappte mir leicht mein Mund auf und ich beeilte mich, ihn wieder zuzubekommen. Er lief auf mich zu, seine Augen huschten kurz nach links und rechts, als würde er sich umschauen. Dann sah er mich an und ich nahm augenblicklich meine Aussage von vorhin zurück. Es sah so aus, als hätte ich meine Lösung doch auf der Straße gefunden. Oder die Lösung hatte eher mich gefunden. Und ich könnte schwören, dass mein Gegenüber sein Mund hinter der Maske zu einem Lächeln verzog.



    "Was..." fing ich an, konnte aber nicht weitersprechen, weil ich wirklich zu überrascht war. Er zog sich seine Maske etwas herunter, sodass ich sein Gesicht größtenteils erkennen konnte. "Ich habe schon geahnt, dass einer der Neuen hierher kommen würde." sagte Onew und schenkte mir ein belustigtes Lächeln. Ich wusste nicht so recht, was ich darauf erwidern sollte. Ich beließ es bei einem verhaltenen Schulterzucken und meinte leise: "Ich habe mein Handy zu Hause gelassen...Deshalb habe ich nicht mitbekommen, dass es heute woanders ist." Er schaute mich etwas verdutzt an und fragte: "Du weißt, dass hier manchmal Vereine ihre Veranstaltungen und so etwas abhalten?" Ich bekam ein Nicken zustande. "Taeyang hat es mir gesagt." Ich versuchte, ihn einfach nur normal anzuschauen und mich möglichst normal zu verhalten, und schaffte es sogar einigermaßen. Es war sogar er, der den Blickkontakt abbrach. Hatte Taeyang womöglich doch Recht? War er wirklich...Nein, am besten nicht darüber nachdenken... "Die andere Halle ist nur vier, fünf Straßen entfernt." erklärte er mir dann und zog sich seine Maske wieder hoch. Das nahm ich als Ende des Gesprächs und lief ein paar Schritte los. Irgendwie war mir die Situation unangenehm...Da nahm mich Onew plötzlich an der Hand, weswegen mein Kopf sich gleich wieder zu ihm drehte. "Hier lang." hörte ich gedämpft seine Stimme und er zog mich leicht in dir andere Richtung. Ich beeilte mich, ihm hinterherzulaufen und lächelte dämlich hinter seinem Rücken. Auf eine mir unbekannte Weise gefiel es mir, dass er meine Hand hielt...Es war mir gleichzeitig auch etwas peinlich, wenn jemand ihn erkennen würde, wäre vermutlich die Hölle los. Erst Recht, wenn Taeyang es sehen würde. Ich hörte schon Innerlich, wie sie etwas von "Händchen halten" faseln würde. Aber eine Art Gefühl sagte mir, dass Taeyang gestern nicht ganz Unrecht hatte. Vielleicht...Hatte ich mich wirklich verliebt. Zum ersten Mal in meinem bisherigen Leben, wohlgemerkt. Ich hoffte, dass es nicht so sein würde. In einen Member der Lieblings-Boygroup verschossen zu sein, in der man auch noch als Tänzerin "arbeitete", brachte viele Nachteile...Wie sollte ich das lange überleben, ohne, dass es jemand bemerkte? Verlegen fiel mir auf, dass es immer noch meine Hand hielt, obwohl wir uns dem vermutlichen Zielort, einem weiteren großen Gebäude, wie so tausend andere in Seoul, näherten. Erst ein paar Meter vor dem Eingang ließ er sie wieder los und murmelte: "Tut mir Leid." Dann ließ er mich stehen und verschwand im Gebäude. Etwas verwirrt sah ich ihm hinterher. War diese Entschuldigung dafür, dass er meine Hand gehalten hatte? Das hörte sich schon in Gedanken kitschig an...Ich schüttelte den Kopf, um ihn frei zu bekommen. Ich musste es später Taeyang erzählen, egal, was sie davon halten würde. Ich setzte eine möglichst normale Miene auf und folgte Onew.

    18
    Nach dem heutigen Üben kam Taeyang sofort zu mir gelaufen und konfrontierte mich: "Lass mich raten: Du bist zu unser üblichen Übungshalle gekommen?" Ich grinste und versuchte mich zu verteidigen: "Ja, bin ich. Aber auch nur, weil ich mein Handy zu Hause gelassen habe...Sonst hätte ich dich angerufen, als ich diese Luftballons an der Tür hängen gesehen hätte." "Warum hast du es nicht dabei?" wollte sie dann wissen. Ich bereute es kurz, es ihr gesagt zu haben, da sie sich, wenn ich es ihr erklärte, vielleicht auch Sorgen um Jinya machen würde. Und das wollte ich ihr eigentlich nicht antun. Aber ich konnte es niemandem sonst erzählen, da sie so ziemlich die einzige war, die wusste, dass meine Mutter und ich überhaupt bei Jinya wohnten. Deshalb blieb mir nichts anderes übrig. "Jinya hatte gestern einen Herzanfall, kurz bevor ich von dir nach Hause kam. Meine Mutter hat den Krankenwagen gerufen, denke ich, und seitdem liegt sie im Krankenhaus. Deshalb war ich erstmal in Panik und danach ziemlich müde...Ich bin schlafen gegangen und habe nicht mehr daran gedacht, mein Handy aufzuladen. Heute Morgen dachte ich, mit 8% Akku ist das Ding unbrauchbar, und hab es nicht mitgenommen." Ich hatte alles in einem recht schnellen Tempo heruntergerattert und schluckte erstmal. Taeyang sah mich lange an. "Und wie geht es Jinya jetzt?" "Die Ärzte sagen, ihr Zustand ist unstabil...Aber sie könnte es schaffen." sagte ich ihr, was meine Mutter mir heute morgen geschrieben hatte. Daraufhin lächelte sie erleichtert. Ich musterte kurz ihr Gesicht. Eigentlich war sie nicht wirklich die Person, die ihre Gefühle und so richtig zeigte. Aber die Erleichterung und Besorgnis stand ihr ins Gesicht geschrieben. Wahrscheinlich bedeutete ihr Jinya fast genauso viel wie mir etwas, weil Jonghyun ihr Bias gewesen war, fiel mir ein. Plötzlich wurde das Lächeln zu ihrem typischen Grinsen, als sie das Thema wechselte: "Und wie hast du hierhergefunden?" Ich unterdrückte ein Seufzen und wappnete mich innerlich gegen irgendwelche Sprüche, als ich ihr alles erzählte. Trotz allem war sie meine Freundin und ich fühlte mich verpflichtet, mit ihr über die Sache zu reden. Als ich geendet hatte, verdrehte sie leicht die Augen. "Soll ich dir mal was sagen? Schon allein dass er deine Hand gehalten hat, ist verdächtig." Ich hatte doch gewusst, dass sie damit anfangen würde... "Was meinst du mit 'verdächtig'?" fragte ich sie, doch da hörte ich ein Räuspern und ich fuhr herum. Vor mir stand ein etwas hochgewachsener, bärtiger Mann. "Wenn Sie jetzt bitte rausgehen würden...Ich schließe gleich ab." brummte er mit einer tiefen Stimme und schwenkte dabei einen Schlüsselbund in seiner rechten Hand hin und her. Noch während ich erst realisierte, dass Taeyang und ich die einzigen waren, die noch nicht gegangen waren, packte mich meine Freundin wie so oft am Arm und schleifte mich aus dem Gebäude. Währenddessen murmelte sie: "Das ist der Typ, dem die Halle eigentlich gehört. Er scheucht immer alle überpünktlich raus. Keiner mag ihn und er mag keinen, zumindest kenne ich keinen, der gut mit ihm auskommt." "Aha?" machte ich und hoffte, dass der Mann es nicht gehört hatte.



    "So, jetzt beantworte mir endlich die Frage." meinte ich, als wir uns irgendwo in Seouls Innenstadt befanden und uns bei BaskinRobbins (Eine amerikanische Eisdiele, von denen es ziemlich viele in Korea gibt (glaube ich)) ein Eis gönnten. Taeyang zwinkerte unschuldig und fragte: "Was für eine Frage?" Ich seufzte. "Die von vorhin...Kurz bevor uns dieser Typ aus der Halle gescheucht hat." "Ach so die..." erwiderte sie gedehnt und grinste. "Kannst du es dir nicht denken?" "Nö. Jetzt sag es mir." gab ich zurück, obwohl ich es schon halb wusste. Aber aus Sicherheit wollte ich es aus Taeyangs Mund hören, da sie praktisch nicht lügen konnte. Dann sagte sie schließlich so, als ob sie mit einem ungehorsamen Kleinkind reden würde: "Die Situation von heute Morgen und das, was ich vom Musikvideodreh gesehen habe, spricht eindeutig dafür, dass der Dubu Leader...sagen wir, für dich schwärmt?" Sie benutzte einer der Spitznamen, den man Onew gegeben hatte. Und da hatte er schon einige... "Übertreib nicht." ermahnte ich sie und irgendwie auch gleichzeitig mir selbst. Meine Ahnung hatte sich bestätigt, aber das hieß noch lange nicht, dass es wirklich, zu 100% stimmte. Ein kleiner Teil von mir wünschte sich, dass Taeyang und ich uns beide nur täuschten. Aber der größere Teil wusste genau, dass es nicht so war...Und sich selbst anzulügen ist nicht gerade leicht. "Wenn 'schwärmen' dir zu viel ist..." meinte Taeyang fast schon beiläufig. Ich seufzte tief und starrte auf meinen Eisbecher, der schon angefangen hatte, zu schmelzen(also das Eis, nicht der Becher...). "Schon gut, hab verstanden." murmelte sie und schaute in die Ferne, als ob sie nachdenken müsste. Ich sah auf und beobachtete sie. Es kam nicht oft vor, sie so in Gedanken versunken zu sehen. Eigentlich nur, wenn sie beleidigt war, oder sonst etwas passiert war. Reuevoll versuchte ich sie, sie aus ihrer Trance zu holen: "Hör mal, tut mir Leid, falls ich..." Den Satz bekam ich nie zu Ende, denn da schreckte sie hoch, als wäre ihr etwas eingefallen. Ihre Augen leuchteten, als sie mich fragte: "Dein Notizblock und deinen Stift hast du aber dabei, oder?" Ich war von der Frage etwas überrascht und stammelte: "Ja...aber...warum?" "Kann ich kurz ein Stück Papier haben? Und den Stift?" fragte sie weiter, ohne eine Antwort zu geben. Verwirrt holte ich beides aus meiner Tasche. Ich hasste es normalerweise, Seiten von meinem Block abzureißen, aber ich tat es jetzt ihne Bedenken, da ich wissen wollte, was aus heiterem Himmel in Taeyang gefahren war. Zum Glück saßen wir Drinnen, also legte ich ihr Kugelschreiber und Papier vor ihr auf den Tisch und sah, dass sie ihr Handy gezückt hatte und etwas nachsah. Dann schrieb sie etwas auf das Stück Papier. Es waren Zahlen, und ich hatte nicht die geringste Ahnung, was das sollte. Als sie anscheinend fertig war und ein Dutzend Ziffern auf dem Blatt standen, gab sie mir die Sachen wieder zurück. Ich zog eine Augenbraune hoch und schaute sie an. Sie lächelte vielsagend, und mein Blick fiel auf die Ziffern. Nach einer kleinen Weile meinte ich: "Warum Zahlen? Eine Telefonnummer, oder was..." In dem Moment, als ich es aussprach, begriff ich es. Ich hatte es nur als Scherz gemeint, aber es sah aus, als wäre es wirklich eine Telefonnummer. "Tja, und drei mal darfst du raten, von wem." frozelte Taeyang. Ich starrte sie an: "Woher. hast. du. Onews. Nummer?" "Alle, die schon eine Weile mit SHINee zusammenarbeiten, haben ihre Nummern untereinander." winkte sie lässig ab. Ich verfluchte mich noch einmals, dass ich mein Handy nicht dabei hatte. Wenn ich diesen Zettel irgendwo verlieren würde, bevor ich die Nummer gespeichert hatte...Ich würde mich selbst schlagen wollen. Sobald ich zu Hause war, schwor ich mir, würde ich ihn anschreiben. Wenn ich es nicht dann tat, würde ich mich nie trauen. Wie peinlich es auch werden würde, war mir im Moment egal. "Danke..." hauchte ich, mein Herz schlug vor Freude schneller. Und spätestens jetzt war mir entgültig klar, dass ich mich wohl in den Leader verliebt hatte.

    19
    Zu Hause angekommen, prüfte ich noch mal nach, ob sich der Zettel mit Onews Nummer noch in der Tasche befand. Wäre typisch für mich gewesen, wenn er weg wäre, aber zu meinem Glück war er noch da. Ich lief direkt in das Gästezimmer, in dem sich aber meine Mutter auf meine Matratze gelegt hatte. Ich beobachtete kurz, wie sie friedlich schlief und dachte an Jinya, die immer noch im Krankenhaus liegen musste. Meine Mutter tat mir ziemlich Leid und ich konnte verstehen, dass sie übermüdet war. Also verzog ich mich ins Wohnzimmer und schmiss mich aufs Sofa. Dank dem Eis vor einer guten halben Stunde war ich noch satt, also holte ich mein Handy raus und beschloss, meinem Plan zu folgen und Onew anzuschreiben, bevor ich mich nicht mehr trauen würde. Ich ging auf "Kontakte" und drückte auf das Plus oben in der Ecke. Die Seite für das Hinzufügen eines neuen Kontaktes erschien und ich kramte den Zettel mit der Nummer heraus. Als ich sie lächelnd eintippte, dachte ich darüber nach, wie ich ihn einspeichern sollte. Viele Spitznamen kamen mir da in den Kopf, welche aber alle etwas peinlich sein würden, wenn jemand anders es sah. Schließlich entschied ich mich, ihn ganz simpel als "Onew" einzuspeichern. Sein echter Name war zwar Lee Jinki, aber das war mir dann etwas zu...persönlich. Ich atmete kurz durch, als ich ihn speicherte und auf das Nachrichten-Icon drückte. Ich schrieb schnell ein "Hey Onew...", noch bevor ich groß überlegen konnte. Erst dann wurde mir richtig klar, was ich da gerade tat. Ich schrieb mit Onew. Mit dem Leader von SHINee...Der zudem noch so ziemlich das süßeste Lächeln auf Erden besaß. Ich lächelte weiterhin verträumt und wartete mit Herzklopfen auf eine Antwort. Ich dachte daran, dass viele, sehr viele andere SHINee-Fans vollkommen durchdrehen würden, wenn sie die Nummer von einem Member hätten. Wahrscheinlich würden manche sie dann vollspamen oder so ähnlich... Ein leiser Pfeifton riss mich aus den Gedanken und ich schaute auf mein Handy. Er hatte zurückgeschrieben! Mein Herz setzte kurz einen Schlag aus, als ich las: Entschuldigung, aber bist du? Ich schlug mir gedanklich vor die Stirn. Natürlich wusste er nicht, dass ich seine Nummer hatte. Ich hätte auch selbst darauf kommen können. Ich bin es, Lin Sura. Schrieb ich schnell zurück. Eine der neuen Backgroundtänzer. Ah...Hallo Sura. Tut mir Leid, du hättest auch irgendein Fan sein können, der von irgendwoher meine Nummer hat... Gewissermaßen hatte er ja Recht. Ich war ein Fangirl, das seine Nummer hatte... Taeyang hat mir deine Nummer gegeben. Sieht ihr ähnlich. Es würde mich nicht wundern, wenn sie dir bald die Nummer vom Manager und sämtlichen anderen Tänzern geben würde. Ich musste grinsen, als ich das las. Taeyang musste schon wirklich lange bei SHINee sein, wenn man schon so über sie sprach. Kann sein:-). Danach kam nichts mehr zurück. Halb frustriert, halb erleichtert, warf ich mein Handy neben mich hin und schüttelte den Kopf über mich selbst. So viel Drama um so eine Sache... Ich schaute noch einmal auf mein Handy, um sicherzugehen, dass Onew wirklich wieder offline war, was nicht der Fall war, denn er hatte geschrieben: Übrigens...Sag bitte Jinki zu mir, wenn du mit mir schreibst. Onew ist nur mein Stagename. Ich war etwas überrascht von der Aufforderung, da mir das irgendwie zu persönlich vorkam, aber ich tippte ein Okay. zurück und schaltete mein Handy aus. In dem Moment hörte ich Schritte und meine Mutter kam etwas schlaftrunken aus dem Gästezimmer gelaufen. "Du bist zurück." stellte sie fest und ich nickte. "Schon seit ungefähr einer Viertelstunde...Aber ich wollte dich nicht wecken." Meine Mutter gähnte und sagte: "Ich wollte nur sehen, was du machst. Und übrigens...Die Ärzte haben vorhin angerufen. Sie sagen, Jinya ist auf einem guten Weg zur Besserung." Damit drehte sie sich wieder um und verschwand im Zimmer.

    20
    //Timeskip von ungefähr zwei Wochen//


    Ich saß still auf meinem Sitz, während Taeyang uns beide mit ihrem Auto nach Gangnam fuhr. Heute Morgen hatte meine Freundin mich angerufen und hatte mir mitgeteilt, dass der Manager mit uns allen sprechen wollte und wir wieder zum SM Hauptsitz kommen sollen. Taeyang hatte mit auch danach angeboten, mich zu fahren, da ich diese Nachricht wieder mal nicht früher bekommen konnte und es mit der Zeit nicht mehr gereicht hätte, um alleine pünktlich dort anzukommen. Demnach war ich froh drüber gewesen und hatte zugestimmt. Als wir dann losfuhren, schwiegen wir uns eine ganze Weile an. Entweder hatte Taeyang nicht gut geschlafen und war müde, oder sie war in Gedanken, wie ich. Ich dachte über die vergangenen Wochen nach, wofür ich bisher wenig Zeit gehabt hatte. Wie viel sich alles geändert hatte...Von einem eher ruhigen Leben in Deutschland war es zu einem Leben geworden, das ich mir früher nur erträumen konnte. Jemals SHINee zu Gesicht zu bekommen - Sogar das schien unmöglich gewesen zu sein. Aber jetzt...Mir fiel auch ein, was mich die letzten Tage beschäftigt, und ich zuerst gar nicht realisiert hatte. Eigentlich war ich nur wegen Jinya hier. Ich war nicht hierher umgezogen oder ähnliches, meine Wohnung in Deutschland stand auch noch. In mindestens vier Monaten würde ich zurückfliegen. Aber was war dann mit dem, was ich hier geschafft hatte? Würde mich der Manager einfach gehen lassen, wenn es dann soweit war? Und...was war mit Taeyang und Onew? Ich würde sie vermutlich nie wiedersehen...Ich schluckte schwer und sah aus dem Fenster. Die letzten Tage hatte ich auch über Onew nachgedacht. Ich war in ihn verliebt, das war mir bewusst geworden. Es verging kaum ein Tag, an dem ich nicht an ihn dachte. Aber er schien so unerreichbar. Er war ein Idol, hatte einen Ruf zu verlieren und mit einer Beziehung könnte er ganz SHINee in den Ruin stürzen. Ich hatte gehört, dass HyunA aus Triple H und E'Dawn aus Pentagon zugegeben hatten, dass sie sich schon seit zwei Jahren daten. Ich wusste nicht so ganz, was so schlimm daran war, aber ich hatte gehört, dass Triple H jetzt angeblich nicht mehr performen würde und ihre Konzerte abgesagt hatten und E'Dawn vielleicht Pentagon verlassen würde. So etwas ähnliches wollte ich SHINee nicht antun. Nicht, nach dem, was mit Jonghyun passiert war. Außerdem war ich mir immer noch nicht sicher, ob Onew meine Gefühle erwiderte. Er benahm sich wie immer, wenn ich in seiner Nähe war und allgemein behandelte er mich so wie die anderen Tänzer. Taeyang hatte dazu nun auch nichts mehr zu sagen, denn zurzeit war sie merkwürdigerweise stiller geworden als sonst. Sie hatte immer noch ihr Temperament und ihren fröhlichen Charakter, aber sie war öfters in Gedanken versunken. So wie jetzt...Ich seufzte. Irgendwie lief nichts mehr so, wie ich es mir am Anfang erschienen war. Warum musste das Leben manchmal so unfassbar kompliziert sein?


    Als der Manager dann als letztes den "Konferenzraum" betrat, schauten alle zu ihm. Er ging zu einem für ihn gedachten Platz am einen Ende von ein paar zusammengeschobenen Tischen ein, blieb aber stehen und begrüßte uns zuerst. Dann setzte er sich auch und begann zu reden: "Ich habe euch heute hierher gerufen, um euch etwas mitzuteilen. Es betrifft alle, und ist äußerst wichtig." Ich nickte nur stumm, so wie die meisten anderen. Ich hatte noch in der Zeit, in der wir auf den Manager gewartet hatten, überlegt, warum er dieses Treffen eingerufen hatte. Aber sowohl mir als auch Taeyang war nichts treffendes eingefallen. Der Manager sprach weiter: "SHINee hatte vor drei Monaten ihr Comeback mit Story of Light, und das ist ziemlich gut bei den Shawols angekommen. Nach einiger Besprechung mit dem Präsidenten vom SM Entertainment und ein paar anderen..." Er ließ seinen Blick über jeden einzelnen von uns schweifen, "Haben wir uns dazu entschlossen, dass SHINee ein Konzert geben soll. Wir hatten zwar erst im Frühjahr eins im Tokyo Dome, aber dieses mal soll es nur eins in Seoul sein." Für ein paar Momente herrschte Stille im Raum. Bis dann ein unruhiges Gemurmel aufkam und Taeyang leise etwas vor sich hin sagte, was ich nicht verstand. Der Manager räusperte sich, und sofort wurde es wieder still. "Es ist noch nichts zu hundert Prozent festgelegt, also kann es auch durchaus sein, dass das Konzert gar nicht stattfinden wird, das kommt darauf an. Also...hat jemand noch eine wichtige Frage?" Key meldete sich: "Ungefähr wann würde es dann sein?" Der Manager schien kurz zu überlegen, dann antwortete er: "In etwa vier bis fünf Monaten. Das ist dann genug Zeit, um alles zu planen und durchzugehen." Ich unterdrückte ein frustriertes Seufzen. Ich würde bei dem Konzert wahrscheinlich nicht dabei sein...Außer, es ginge Jinya wieder schlechter und meine Mutter müsste noch länger mit mir hierbleiben. Aber ich wollte Jinya nichts Böses wünschen, das hatte sie nicht verdient. Ich schaute unauffällig zu Onew, der nur mit einem undeutbaren Ausdruck nickte. Ich versuchte, mich abzulenken und meine düsteren Gedanken zu vertreiben. Vielleicht würde etwas passieren, dass ich zumindest bis zum Konzert noch in Korea war. Das Schicksal hatte mich schon so weit gebracht...Vielleicht hatte ich Glück und alles würde sich irgendwie wieder einrenken.




    Das hier (also das grüngeschriebene) gehört nicht zur Geschichte! Aber ich fände es trotzdem schön, wenn ihr es euch durchlest...

    Danke an alle, die sich noch diese FF durchlesen. Ich hatte die letzten Tage irgendwie keine Motivation, mich ans Handy zu setzen, und zu schreiben. Ich war allgemein nicht mehr auf TesteDich...Ich weiß auch nicht genau, was mit mir los war. Aber dafür kommen heute zwei Kapitel. Also dieses hier und dann noch eins. Dass sich überhaupt noch jemand die Mühe macht, die FF zu lesen...Ich danke euch echt. Ich habe eine Frage: Ich glaube, mein Schreibstil hat sich in diesem Kapitel etwas verändert. Seht ihr es auch so? Wenn ja, findet ihr den "neuen" auch in Ordnung? Zurzeit verändert sich mein RL Charakter auch etwas, da macht mein Schreibstil irgendwie auch mit...XD Bitte schreibt es mir in die Kommentare.

    Und danke an Stormi, eine meiner RL besten Freundinnen, dass du mich dazu bringst, weiterzuschreiben. Ohne dich wäre diese FF wahrscheinlich nicht so weit, wie sie jetzt wäre...Außerdem kann man mit dir über alles reden und ich danke dir echt.

    Gut, das war's mit Danksagungen XD Vielleicht kommt so etwas ähnliches noch einmal, wenn ich die FF komplett fertig habe. So etwas wie in echten Büchern auch. Naja...Wie auch immer. Danke an euch.:-)

    21
    Nach dem Meeting, bei dem wir noch etwas weiter über das Konzert geredeten hatten, hatten die meisten frei, da sich die anderen noch länger darüber besprechen wollten. Taeyang war wieder etwas redselig geworden, und nachdem wir wieder zurück zu ihr und das Auto abgestellt hatten, schlenderten wir durch die Innenstadt Seouls. Wir redeten wieder über alles Mögliche, und ich war froh, diese Sorgen von heute Morgen zumindest für diesen Nachmittag vergessen zu können. Auch, wenn sich Taeyang doch etwas seltsam verhielt. Sie schaute sich oft um, so, als würde sie nach jemandem Ausschau halten. Aber ich sprach sie nicht darauf an, vielleicht hatte sie auch einen Grund dafür. Als wir dann in einen etwas ruhigeren und nicht so belebteren Teil Seouls kamen, verstummte unser Gespräch auf einmal und Taeyang schaute sich wieder mit ihren Blicken um. Langsam fand ich es dann wirklich komisch und fragte sie: "Suchst du nach jemandem?" Sie zuckte kurz zusammen, worauf ich schloss, dass ich Recht hatte. Taeyang schien das unangenehm zu sein, und zögerte erst. Als sie dann aber zu einer Antwort ansetzen wollte, schloss sie ihren Mund wieder und sah geradeaus den Weg entlang. Ich schaute sie mit hochgezogenen Augenbraunen als und folgte verwirrt ihrem Blick. Da war nichts Besonderes...Außer...Ich lächelte leicht, als ich Sunju an einer Straßenlaterne lehnen sah. Er hatte sein Handy in der Hand, mit Kopfhörern in beiden Ohren. Dann wendete ich mich an Taeyang: "Sag mal...kennst du Sunju?" Sie wich meinen Blicken aus und nuschelte: "Wir haben uns oft auf meinem Heimweg von der Übungshalle getroffen...Und ab und zu miteinander geredet. Mehr nicht." Irgendwie klang das nicht überzeugend. Ich fing an, zu ihm zu laufen, als Taeyang mich zurückhielt: "Was hast du vor?" fragte sie mich. Ich dachte kurz, eine Art Panik in ihrer Stimme mitschwingen zu hören, aber vermutlich hatte ich mir es nur eingebildet. "Ihn ansprechen. Was sonst?" "Uh...okay. Woher kennst du ihn eigentlich?" Diese unsichere Art kannte ich gar nicht von ihr. Was war nur zurzeit mit ihr los? "Lange Geschichte..." wich ich der Frage aus. "Außerdem weiß ich auch nicht zu ganz, was da passiert ist." "Was meinst du damit?" Ich ging nicht darauf ein und setzte meinen Weg zu ihm weiter fort. Er bemerkte mich erst, als ich direkt vor ihm stand. "Oh...hey Sura." Er sah auf und lächelte kurz. "Und, weißt du noch meinen Namen?" Ich verdrehte die Augen. Warum musste er immer noch darauf herumreiten... "Ja, Sunju. So vergesslich bin ich auch wieder nicht." Da tauchte Taeyang neben mir auf. "Hallo Sunju." sagte sie. Das Lächeln des Jungen wurde breiter, wenn ich mich nicht täuschte. Ich schaute Taeyang von der Seite an. Was verschwieg sie mir? Sunju steckte sich die Kopfhörer aus seinen Ohren und fragte: "Wie geht's euch?" "Gut, dir?" erwiderte meine Freundin. "Auch." Er hatte gar nicht auf meine Antwort gewartet. Etwas verwirrt blickte ich zwischen den beiden hin und her. Ich hatte das Gefühl, nicht am Gespräch teilzunehmen, obwohl ich direkt bei ihnen stand. Sie schienen mehr als nur flüchtige Bekannte zu sein...Eindeutig. "Und woher kennt ihr euch jetzt?" wiederholte Taeyang nun ihre Frage, die ich nicht beantwortet hatte. Bevor ich etwas sagen konnte, kam mir Sunju zuvor, indem er das erzählte, was beim Casting vorgefallen war. Nur, warum er mit mir getauscht hatte, ließ er wieder aus. Ich hörte nur halb zu, da vibrierte mein Handy und ich holte es schnell heraus. Meine Mutter hatte mir wieder geschrieben. Jinya wird, wenn die Ergebnisse der Untersuchung von heute positiv sind, morgen aus dem Krankenhaus erlassen. Damit du dir keine Sorgen mehr machen musst. Ich war froh, als ich es las. Meine Mutter würde bald nicht mehr so oft beim Krankenhaus sein, um stundenlang auf irgendwelche Antworten der Ärzte zu warten und könnte sich ausruhen. Ich machte mir schon fast genauso viele Sorgen um sie, wie um Jinya. "Ist etwas, Sura?" riss mich Taeyangs Stimme aus den Gedanken. Ich wusste nicht so ganz, warum ich das tat, aber ich antwortete: "Es war meine Mutter...Sie hat mir geschrieben, ich soll zum Krankenhaus kommen. Tut mir Leid, ich glaube, ich muss gehen." Ich schätzte, es lag daran, dass ich mich...Irgendwie in der Art ausgeschlossen fühlte. Ohne noch irgendetwas abzuwarten lief ich einige Schritte davon. Als ich dann so fünf Meter gelaufen war, drehte ich den Kopf nach hinten, um zu sehen, wie sie darauf reagierten. Ich schnaubte entrüstet, da sie sich wieder unterhielten, als wäre ich nie da gewesen. Ich war nicht eifersüchtig, da sie bessere Freunde zu sein schienen als ich mit Sunju. Aber ich fand es einfach seltsam und außerdem verschwieg mir Taeyang auf jeden Fall etwas, was das anging. Ich hörte noch, wie sie ihn fragte: "Und warum hast du jetzt mit ihr getauscht? Hast du es nicht mal ihr gesagt?" Ich erwartete, dass Sunju wieder abblocken würde, aber was er dann meinte, überraschte mich: "Ich habe Angst, dass sie es nicht versteht, okay? Sie erscheint mir einfach so... Als hätte sie nicht viel Ahnung davon." "Von was denn?" Ich blieb stehen. Ich wusste, ich sollte nicht lauschen. Aber es ging teilweise um mich, da wollte ich auch wissen, was sie sagten. Sunju seufzte. "Du lässt nicht locker, oder?" Taeyang schüttelte den Kopf. "Nee." "Na schön...Aber wenn du es jemandem weitererzählst..." Ich hatte letztes Mal beim McDonald's auch nicht so schnell nachgegeben, aber bei Taeyang reichte schon ein "nee"? "Ich sage es keinem weiter. Versprochen." Sunju schien zu zögern, ehe er anfing, zu erzählen: "Du musst wissen, meine Eltern sind ziemlich...ehrgeizig, was meine Leistungen angeht. In der Schule musste ich immer die besten Noten schreiben, bei Wettbewerben immer gewinnen, und so weiter. Tanzen habe ich immer als heimliches Hobby betrieben, wenn meine Eltern nicht dabei waren. Ich ging in eine Art Tanzschule, während ich meinen Eltern sagte, dass ich mit Freunden lernen würde." Er machte eine kurze Pause. "Ich hatte nicht mal wirklich Freunde. Wegen meinen Noten hielt mich jeder für einen Streber und auch sonst war ich...nicht sehr freundlich zu ihnen. Irgendwo musste ich meinen Stress ablassen...Ich weiß, das war nicht unbedingt richtig, sag nichts. Aber irgendwann haben mich meine Eltern erwischt und natürlich wollten sie, dass ich mit meinem Talent fürs Tanzen hoch hinaus komme. Dieses Casting war dann genau das, wonach sie gesucht hatten. Sie haben mich nicht mal gefragt, ob ich wollte. Aber als ich dann da war...Ich kann einfach nicht schlecht tanzen. Es fühlt sich falsch an. Und wenn ich zu weit hinten gelandet wäre, wären meine Eltern misstrauisch geworden. Deshalb war ich dann unter den besten dreißig. Ich hab mich dann auch etwas dreckig gegenüber dem Mann benommen, der für das Casting zuständig war. Und als ich dann Sura gesehen habe, habe ich mir gedacht, dass ich die Chance ausnutzen, und mit ihr tauschen könnte. Das ich knapp daran vorbeigeschrammt wäre, unter den dreißig zu sein, hätten mir meine Eltern geglaubt, was sie auch getan haben." Ich konnte nicht so ganz glauben, was ich da hörte. Viele Gedanken schossen mir durch den Kopf. "Du... hast sie sozusagen... ausgenutzt?" sprach Taeyang unwissend eine meiner Gedankengänge aus. Sunju zuckte kurz. "Wenn du das so siehst...Dann hätte ich es dir gar nicht sagen sollen. Du verstehst mich auch nicht, oder?" "Das habe ich nicht gesagt." verteidigte sie sich. "Ich meine ja nur...Und irgendwo kann ich es auch verstehen. Sind deine Eltern wirklich so schlimm?" "Hm-hm." machte er bejahend. "Ich versuche ihnen so oft wie möglich aus dem Weg zu gehen. Deshalb bin ich immer irgendwo draußen." Ich beschloss, dass ich genug gehört hatte. Ich betete zu allem, dass keiner der beiden mich bemerkt hatte, als ich mich unter die Menschenmenge mischte und nachdenklich meinen Weg zu Jinyas Wohnung suchte.

    22
    Die nächste Woche verging schnell. Ich verbrachte den haben Tag mit den anderen Tänzern in der Übungshalle, da ich unter anderem zu denen gehörte, die die Choreografien der schon etwas älteren Lieder nie gelernt hatte, und wegen dem Konzert in ein paar Monaten brachten uns die „Älteren“ alles bei. Was für Songs beim Konzert überhaupt dran kamen, war noch längst nicht entschieden, das hieß, dass wir alle wichtigen Choreos erlernen mussten. Ich hatte zwar nichts dagegen, da mir das eigentlich Spaß machte, aber jeden Tag völlig überhitzt aus der Übungshalle zu kommen machte mich fertig. Und das war nicht die einzige Sache… Jinya lag immer noch im Krankenhaus, ihr Zustand hatte sich weder gebessert noch verschlechtert. Meine Mutter war die ganze Zeit bei ihr, und wenn nicht, holte sie einen Teil ihres vermissten Schlafes in unserer Wohnung nach. Mittlerweile hatte ich es mir angewöhnt, Jinyas Wohnort auch den von uns zu nennen, da sie zurzeit eh nicht darin wohnte. Auf irgendeine Weise deprimierte es mich, meine Mutter in ihrem Zustand zu sehen. Sie war nur noch mit Jinya beschäftigt… nicht, dass ich eifersüchtig wäre oder so etwas in die Richtung, nein. Ich machte mir Sorgen um sie. Aber es war nicht nur meine Mutter, auch Taeyang verhielt sich anders. Ich bemerkte, wie sie versuchte, sich wie immer zu benehmen, aber etwas stimmte nicht mit ihr. Manchmal war sie so sehr in Gedanken, dass ich mehrere Anläufe brauchte, bis sie auf meine Frage antwortete oder sie hörte mir gar nicht erst zu. Natürlich hatte ich sie schon darauf angesprochen, aber sie war mir nur vage ausgewichen und danach hatte ich beschlossen, es auf sich beruhen zu lassen, bis sie es mir erzählen würde. Sunju hatte ich diese Woche gar nicht mehr gesehen, was mich nachdenken ließ, ob er Ärger mit seinen Eltern hatte. Aber das war eine familiäre Sache und da konnte ich mich schlecht einmischen. Und als Letztes noch… Ganz SHINee verhielt sich komisch. Ich sah oft, wie Minho und Taemin sich ständig einander etwas zuflüsterten und Key warf mir oft diese undeutbaren Blicke zu, während Onew mich kaum beachtete. Nun war es Sonntagabend, ich lag auf meiner Matratze in der Wohnung und war komplett verwirrt, nachdem ich mir alles durch den Kopf gehen ließ. Alle waren anders, alles veränderte sich, nur ich lief weiter planlos durchs Leben. So viel war passiert, wie lange würde es noch so weitergehen? Und wie würde es weitergehen? Ich hatte meine Mutter gefragt, wann wir voraussichtlich wieder zurück nach Deutschland zurückfliegen würden, und sie hatte mir ein Datum genannt, welcher gut möglich vor dem Konzert eintreffen könnte. Mit einem Seufzer schloss ich meine Augen, um zu schlafen. Ich war dankbar für mein Leben und dass ich so weit gekommen war, aber wieder musste es jetzt auf einmal bloß so kompliziert werden? Und warum sagte mir mein Bauchgefühl und mein Instinkt, dass ich am Anfang der Veränderungen stand? Ich fröstelte leicht, trotz der Sommerhitze. Natürlich musste es so kommen, dass ich plötzlich hellwach geworden war. Mein Handy war gerade am Akku aufladen, da war es besser, das Gerät in Ruhe zu lassen. Ich wälzte mich unruhig hin- und her, versuchte, einzuschlafen, aber das half kein bisschen. Also setzte ich mich leise stöhnend auf und fuhr mir kurz durch die Haare. Vermutlich sah ich schrecklich aus, da ich mich so herumgeworfen hatte, aber das war mir im Moment egal. Langsam stand ich auf und war dabei, zur Tür zu laufen, als ich hörte, wie die Eingangstür aufging und mit einem leisen Krachen wieder ins Schloss fiel. Meine Mutter musste wiedergekommen sein. Wie erstarrt blieb ich stehen, da ich im nächsten Moment vernahm, wie ihr Handy klingelte. Doch der Ton verstummte sofort wieder, meine Mutter hatte den Anruf wohl weggedrückt. Aber der Anrufer gab nicht auf und rief immer wieder an, irgendwann folgte nach dem Verstummen des Klingeltons keine Stille mehr, sondern das, was ich seit mehreren Jahren nicht mehr erlebt hatte. „Was willst du? Kannst du mich nicht einen Tag lang in Ruhe lassen?“ hörte ich sie schreien und ich zuckte heftig zusammen. Als ich noch in der fünften, sechsten Klasse war, hatte ich diesen Tonfall oft genug gehört. Da war ich in die Phase namens Pubertät gekommen und war, sagen wir, nicht das bravste Kind mehr gewesen, weswegen mein Vater oft die Geduld mit mir verlor und mich oft harsch angefahren hatte. Meine Mutter hatte dann die Geduld mit ihm verloren, und so war es dazu gekommen, dass sich meine Eltern beinahe jede drei Tage gestritten hatten. Ich wusste, sie meinten es auf ihre Weise gut mit mir, aber selbst ich war mit meinen Nerven am Ende, wenn ich sie streiten gehört hatte. Ich hatte beide Eltern nie mehr schreien gehört, seit ich in der Oberstufe gewesen war. Und ich wünschte mir in dem Moment, es wäre auch so geblieben. Wer auch immer der Anrufer war, ich könnte ihn dafür bezahlen lassen, dass er meine Mutter zum Austicken brachte. Ich hatte meine Eltern wirklich sehr gerne, obwohl ich schon längst erwachsen war. Mein Herz klopfte schneller, als ich sie wieder hörte: „Ich kümmere mich gerade um meine schwer kranke Freundin und um Sura, und was tust du? Bestimmt genießt du das Leben, jetzt, wo ich weg bin, nicht wahr?“ Geschockt taumelte ich ein paar Schritte zurück. Es musste eine Person sein, mit der meine Mutter wohl gar nicht auskam. Hatte sie in Bayern vielleicht Freunde gefunden, mit denen sie sich heftig zerstritten hatte? Oder war es jemand weiteres aus ihrer Kindheit? „Du hast es mir schon oft genug erklärt und ich weiß, was du meinst. Es ist ziemlich spät hier, wir reden morgen.“ Mit diesen knappen Sätzen verabschiedete sich anscheinend und ein lautes, verzweifeltes Seufzen drang zu mir. In meinem Kopf wirbelten die Gedanken umher. Wer war der Anrufer oder die Anruferin gewesen? Ich wusste, meine Mutter würde es mir nicht sagen, da sie mir keine Sorgen bereiten wollte, deshalb musste ich es wohl selbst herausfinden… Vielleicht, wenn meine Mutter morgen früh noch da war, könnte ich mich an ihr Handy schleichen und nachschauen, ob es eine fremde Nummer war oder jemand, den ich kannte. Und wenn ich ihn kannte, wer es war. Auf einmal überkam mich endlich die geballte Ladung Müdigkeit, auf die ich gewartet hatte. Ich huschte zu meiner Matratze und legte mich schnell wieder hin. Ich glaube es selbst kaum, aber für einen kurzem Moment verdrängte ich alles, was passiert war und dieser Moment reichte, um mich ins Reich der Träume zu schicken.

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Kommentare (36)

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vor 779 Tagen flag
Danke Moon^^ Sorry dass so lange nichts kam...Ich komme einfach nicht dazu, hier was zu schreiben. Vielleicht schaffe ich diese Woche noch ein Kapitel, kann aber nichts versprechen....
vor 782 Tagen flag
Yay, ich hab diese FF wieder gefunden °.°
Ich lieeeeeeeeebeeeeee sie! @.@)
vor 800 Tagen flag
Sorry dass so lange nichts kommt...oder kam...Ich hatte eine Schreibblockade -.- und als ich das 19. Kapitel weitergeschrieben habe, sind die Fotos wieder alle verschwunden...
vor 813 Tagen flag
Yesss, neues Kaaaaaap *. *
vor 813 Tagen flag
Freut mich, Katie, dass die FF dir gefällt^^
vor 813 Tagen flag
Ja schreib auf alle Fälle weiter 😘
Ich Feier dein schreibstil total und freue mich jedes Mal wenn ein neues Kapitel da ist 😀
vor 814 Tagen flag
Nachdem das 16. relativ kurz war, ist das 17. etwas länger..Soll ich morgen weiterschreiben?
vor 814 Tagen flag
Hab das 16. Kapitel mitten in der Nacht geschrieben, weil ich Lust darauf hatte...Keine Garantie auf Qualität.
vor 814 Tagen flag
Iiiiiiiiiiiiiiiich lese sie auch noch
vor 815 Tagen flag
Yeh. Freue mich schon aufs nächste
vor 815 Tagen flag
Ich hatte eigentlich vor, heute weiterzuschreiben, aber da kamen mir meine Eltern in die Quere :-/ vielleicht schaffe ich heute noch ein halbes Kapitel, mal schauen. Aber morgen kommt auf jeden Fall etwas.
vor 815 Tagen flag
Wann geht es weiter?
vor 815 Tagen flag
Gute Frage. Das habe ich mich gerade selbst gefragt. Vergess das einfach
vor 815 Tagen flag
Was für eine andere meinst du?
vor 815 Tagen flag
Nur mal so...wer liest das eigentlich noch mit?
vor 830 Tagen flag
Sorry, dass so lange nichts mehr kam! Ich hab noch Schule und die Lehrer sehen keinen Grund,uns weniger Hausaufgaben zu geben T.T ich werde heute noch das angefangene 13. Kapitel fertig schreiben, dafür kommen morgen vielleicht zwei...Mal sehen. Noch mal sorry!
vor 832 Tagen flag
Ich liebe deine Kapitel😀😀😀 Mach weiter so
vor 833 Tagen flag
Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaa, neues Kap! 😍 *wild umher hüpf und schreiend wie ein Fangirl durch die Gegend lauf*

Sonniflug, ist doch nicht schlimm :)
vor 835 Tagen flag
Also es kann sein, dass Fotos verschwinden...TD löscht immer Fotos, wenn ich mehrere Kapitel habe. Tut mir Leid.
vor 836 Tagen flag
Ich denke, heute kommt eher keins. Und eigentlich stresst mich das kaum, es macht mir Spaß^^ Morgen kommt wahrscheinlich das nächste Kapitel. Bin mir noch nicht sicher.