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Pokémon - The Power of Rainbows

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57 Kapitel - 111.690 Wörter - Erstellt von: - Aktualisiert am: - Entwickelt am: - 5.983 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit - 3 Personen gefällt es

Rainbowheart - Mischwesen, die teils Mensch, teils Pokémon sind. Sie tragen eine geheimnisvolle Macht in sich, mit der sie sich auch vollständig in Pokémon verwandeln können. Dies brauchen sie als Tarnung, denn es gibt Menschen, die nach ihrer mysteriösen Kraft trachten...

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    Prolog

    Ein Mann mit kurzem, dunkelbraunen Haar sitzt auf einem Thron. Er trägt einen pechschwarzen Anzug mit einem violetten “SP“ vorne drauf. Neben ihm liegt ein Hundemon-Weibchen auf einem großen Kissen. Wachsam sieht sie zur Tür. Schritte nähern sich und ein Mann mit schulterlangen weißen Haaren und weißem Laborkittel kommt herein. Auch er hat ein violettes “SP“, allerdings am Rücken. In seinen eisblauen Augen funkelt es. “Mark-“ “Es heißt Boss. Oder meinetwegen auch Sir.“ Der Mann im Kittel senkt entschuldigend den Kopf. “Tut mir leid, Sir. Das alles ist noch etwas gewöhnungsbedürftig.“ Mark nickt verstehend. “Für mich auch. Vor ein paar Tagen war ich noch ein namenloser Rüpel und jetzt der Boss einer einst gefallenen Organisation. Deswegen habe ich Team Rocket auch einen neuen Namen gegeben. Und ich kann dir versichern, Theodor, dass Team Spaceship mehr als zehnfach so erfolgreich wird.“ Theodor nickt. “Deshalb hat die Mehrheit euch gewählt. Wir setzen unser Vertrauen in euch. Und deshalb bin ich hier. Als Zeichen unserer Anerkennung haben wir etwas für dich gemacht, was dich als unser Anführer ausweist.“ Er reicht seinem Boss einen Helm mit Hundemon-Hörnern. “Passend zu eurer treuen Partnerin.“ Hundemon bleckt die Zähne, was wohl ein Lächeln darstellen soll. Theodor lächelt kurz zurück, dann wendet er sich wieder an Mark. “Also, wie lautet der Plan?“ Sein Boss lächelt. “Du erinnerst dich doch an die Maschine, die wir gebaut haben? Die, in der wir den regenbogenfarbenen Splitter eingebaut haben, den wir auf dem Schwarzmarkt bekommen haben?“ Theodor nickt. “Der Splitter sollte angeblich magische Kräfte haben.“ “Das hat er auch. Meine Rechte Hand hat ihn längere Zeit bei sich getragen und erhielt plötzlich die Fähigkeit, mit Pokémon zu sprechen. Mit Pokémon auf diesem Level zu kommunizieren... wir könnten so mächtig werden! Wir brauchen nur mehr von diesen Splittern.“ Theodor überlegt. “Und wie? Die gibt es ja sicherlich nicht haufenweise auf dem Schwarzmarkt und selbst wenn, dann könnten wir das nicht bezahlen. Der eine Splitter allein war schon teuer genug.“ Mark lächelt. Er hat seinen Plan gut überdacht. “Sagen dir Rainbowheart etwas?“ Theodor schüttelt den Kopf. “Noch nie gehört. Ich nehme an, dass der Name von den Splittern stammt?“ “Überraschenderweise nicht. Sie sind Mischwesen, halb Mensch, halb Pokémon. Daher stammt ihr Name. Jedenfalls tragen diese Wesen solche Splitter in sich. Mithilfe der Maschine kann man die Magie extrahieren.“ Mark lacht. “Wirklich faszinierend, was unsere Bibliothek für Geheimnisse birgt. Also, du hast unsere Mission verstanden?“ Theodor nickt. “Ja, Sir. Aber ich habe eine Frage. Wie kommt es, dass wir bisher nicht von den Rainbowheart gehört haben?“ Sein Boss scheint geahnt zu haben, dass er diese Frage stellen würde. “Sie haben die Fähigkeit, sich in das Pokémon zu verwandeln, das sie teilweise sind. Ist jetzt zum Beispiel jemand halb Pikachu, kann er sich in ein Pikachu verwandeln.“ “Ich verstehe. Und die Aufgabe der Laboranten ist die Extraktion?“ Mark nickt. “Ganz genau. Und unsere Arbeit beginnt jetzt. Wegtreten.“ “Jawohl, Sir.“

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    Hallo alle zusammen! Ich bin Lou. Ich hab mich entschlossen eine FF zu schreiben, die auf mein RPG Leben als Mischherz, bzw. dem Reboot Rainbowheart basiert. (Von der Grundidee her. Das mit den Mischwesen und den Splittern.) Ich werde versuchen, euch jeden Montag ein Kapitel zu geben.

    Ach und an die, die in meinen RPGs zu dem Thema waren: Es tut mir leid, aber das hier wird mit frei von mir erfundenen Charakteren sein. (+ Charaktere aus Spiel und Anime) Danke für euer Verständnis ^^

    Und noch etwas. Ich werde (versuchen) die Bilder selbst zu zeichnen. Auf den selbst gezeichneten steht dann LounArts drauf. Bitte nichts davon ungefragt verbreiten oder für etwas verwenden. Danke. ^^
    Bilder können aber etwas dauern...

    Außerdem (ja ich weiß, ich bin gleich fertig) gibt es eine Charakterseite mit wichtigen (oder ziemlich oft erwähnten) Charakteren. Charaktere aus Spiel und Anime kennt man ja, die werden dort also nicht vorkommen.
    Hier der Link zur Charakterseite: https://www.testedich.de/quiz59/quiz/1552319163/Pokemon-The-Power-of-Rainbows-Die-Charaktere

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    Kapitel 1
    Versteckte Identität


    - Shay's Sicht-

    “Shay! Wo bist du schon wieder? Wir wollten doch in die Stadt!“ Ich sitze auf einem Baum und seufze. Meine Schwester möchte andauernd in die Stadt mit dem Vorwand, dass wir uns dort etwas anständiges zu Essen besorgen können. In Wahrheit liebt sie es, mit der Stromversorgung diverser Geschäfte zu spielen. Meistens endet das nicht nur mit einem Kurzschluss, sondern auch mit kaputten Kabeln und einer kleinen Explosion. Danach müssen wir zusehen, dass wir von dort verschwinden. Etwas zu Essen ergattern wir nie. “Was machst du da?“ Jetzt hat sie mich entdeckt. Wie immer ist sie vollständig Pokémon, ein Blitza. “Ich sitze auf einem Baum, Thea. Sieht man doch.“ “Das meine ich nicht! Warum bist du nicht getarnt?“ Ich rolle mit den Augen. “Hier oben sieht mich doch keiner.“ Thea schnaubt. “Ich hab dich gesehen.“ “Du bist auch meine Zwillingsschwester. Du kennst mich besser als jeder andere, du weißt wo ich mich gerne aufhalte.“ “Ich hab dich schon von weitem gesehen. Orange ist keine sehr unauffällige Farbe. Tarn dich jetzt, ich glaube da kommt jemand.“ Ich zucke mit meinen Ohren. Sie hat recht. Schnell tarne ich mich. Meine helle Haut verschmilzt mit meiner orangenen Hose und meiner orangenen Fleecejacke. Das hellgelbe Kunstfell an den Ärmeln und am Saum verschwindet, dafür bekomme ich einen Kragen in der gleichen Farbe. Meine hellgelben Turnschuhe verschwinden vollständig und meine blonden Haare schrumpfen zu einem hellgelben Büschel. Auch meine Körperform ändert sich. Meine Arme werden zu Beinen und meine komplette Statur wird verändert. Innerhalb von ein paar Sekunden verwandle ich mich in ein Flamara. Nur wie komme ich jetzt vom Baum? Ungetarnt ist das viel einfacher. Mit Armen und Händen klettert es sich besser... “Thea, ich komm hier nicht runter...“ Thea schlägt sich mit der Pfote an die Stirn. “Du bist echt heldenhaft. Und jetzt?“ “Ich weiß nicht...“, antworte ich ehrlich. Thea schnaubt belustigt. “Dann musst du jetzt wohl da oben bleiben. Ich gehe mich verstecken, sonst werde ich noch gefangen.“ Sie läuft davon. Erschrocken sehe ich ihr hinterher. “Thea, warte! Thea!“ Thea ist weg. Na super. Angespannt bleibe ich stehen und lausche. Die Schritte kommen immer näher. Bloß nicht sprechen... bloß nicht sprechen... wenn ich jetzt spreche, versteht der Mensch mich und soweit ich weiß, können Flamara keine Telepathie lernen. Also nicht sprechen... “Hey, wie bist du denn da raufgekommen?“ Mist! Hätte er nicht einfach vorbeigehen können? Tatsächlich ist es ein männlicher Trainer, ein ungefähr 16 Jahre alter Junge mit kurzen kastanienbraunen Haaren, die entweder länger keine Bürste gesehen haben oder von Natur aus so verwuschelt sind. Zudem hat er helle Haut und er trägt eine Jacke mit einem Muster, das stark an das 50% Zygarde erinnert, blaue Jeans und schwarze Turnschuhe. Als er zu mir hochsieht, erschrecke ich. Er ist blind! Neben ihm steht ein Arkani und mustert mich misstrauisch. Ich spüre, wie ich anfange zu zittern.

    - Thea's Sicht -

    Ich liege in meinem Versteck und beobachte das Geschehen. Eigentlich wollte ich Shay nur Angst machen, damit sie vom Baum runterkommt. Jetzt ist da dieser Trainer mit seinem Arkani. Er scheint etwas zu Shay zu sagen, doch ich kann nicht hören was. Plötzlich greift er nach ihr! Sofort renne ich los und nebenbei lade ich schon einen Donnerblitz auf. Der Trainer hebt Shay vom Baum und hockt sich hin. Endlich erreiche ich sie und stelle mich schützend vor sie, vollständig mit Strom geladen und bereit zum Angriff. Überrascht stelle ich fest, dass der Trainer blind ist. Ich habe keine Ahnung von Blinden, da wir Rainbowheart Menschen meiden und uns deshalb viel verstecken - weshalb wir uns auch untereinander nicht wirklich kennen - und ich bin überrascht, wie sicher er sich bewegen kann, ohne zu zögern oder zu tasten. Die kurze Ablenkung nutzt das Arkani, um mich außer Gefecht zu setzen. Es packt mich im Nackenfell und schüttelt mich kräftig, wovon mir schwindelig wird. Die Elektrizität, die ich angesammelt habe, scheint dem Arkani nichts auszumachen. Es schüttelt einfach weiter. “Flamer, es reicht. Lass das Blitza runter.“ Widerwillig lässt Flamer mich runter und ich torkel herum, weil ich nicht mehr geradeaus gucken kann. Besorgt stützt Shay mich. Der Trainer steht auf. “Tut mir wirklich sehr leid. Ihr habt nicht zufällig ein schwarzes Tuch gesehen?“ Na toll, geht's vielleicht etwas genauer? Ich schaue nach oben und rolle mit den Augen. Moment, ein schwarzes Taubsi? Shay hat bemerkt, dass ich etwas beobachte und auch der Trainer und Flamer sehen es. Plötzlich springt Flamer hoch und holt das seltsame Taubsi vom Himmel. Erschrocken weichen Shay und ich zurück. Es stellt sich heraus, dass das Taubsi eigentlich ganz normal ist. Neben ihm liegt ein schwarzes Tuch, wahrscheinlich das, was der Trainer gesucht hat. Flamer knurrt das Taubsi an. “Da bist du ja, Dieb!“ “Es war keine Absicht, Ehrenwort!“, verteidigt sich das Taubsi ängstlich. Ich möchte dem Taubsi helfen, aber wie? Mein Blick fällt auf das Tuch...

    - Shay's Sicht -

    Ich spüre, dass Thea etwas plant, doch bevor ich sie zurückhalten kann, stürzt sie sich schon auf das Tuch... und gibt dabei ihre Tarnung auf! Innerhalb weniger Sekunden steht sie als halber Mensch mit kurzem, gelbem Haar, violetten Augen und der gleichen Hautfarbe wie ich. Sie trägt eine gelbe Fleecejacke mit zwei Stofffetzen an der Seite, die Aussehen wie bei ihrer Pokémon Form an der Seite, wo etwas Fell absteht, eine enge gelbe Hose, einen weißen Schal, der dem weißen Kragen ihrer Pokémon Form ähnelt, und weiße Turnschuhe. “Hey! Flamer! Hierher!“ Sie schwenkt das Tuch und rennt weg. Flamer erstarrt kurz geschockt, dann rennt er ihr hinterher. Sein Trainer sieht ihnen verwirrt und irritiert hinterher. Zumindest sieht das so aus. Ich meine, wie kann er sehen, wenn er blind ist? Etwas verunsichert laufe ich schließlich Thea hinterher. Flamer wird sie auseinandernehmen, wenn er sie erwischt. Abgesehen davon, dass sie ihre Tarnung aufgegeben hat. Klar, der Trainer ist blind, aber Flamer nicht. Mittlerweile kann ich Thea und Flamer wieder sehen. Sie sind am Waldrand und Thea tarnt sich wieder und flüchtet durch das Unterholz. Schnell renne ich an Flamer vorbei und folge ihr. Flamer hat es als großes Arkani nicht leicht, uns zu folgen, weshalb wir ihn schnell abschütteln können. Nach einer Weile bleibt Thea endlich stehen. Erschöpft lege ich mich neben sie. Arkanis sind echt schnell. Und Blitzas auch. Oder ich bin einfach nur langsam. Thea lässt das Tuch fallen. Ich stehe wieder auf. “Thea, warum hast du das getan?“ “Ich wollte dem Taubsi Zeit verschaffen zu fliehen. Und was ist schon so wichtig an einem blöden Tuch?“ Ich seufze. “Vielleicht ist dieses Tuch für dich unbedeutend, aber offensichtlich ist es dem Trainer viel wert. Aber das ist nicht das Hauptproblem. Wie kamst du nur auf die Idee vor einem Menschen deine Tarnung aufzugeben? Oder zu sprechen?“ “Shay, der Typ ist blind. Er kann mich nicht sehen, er weiß nicht was ich bin.“ “Er hat erkannt, dass du ein Blitza bist. Kein Blitza kann einfach sprechen.“ Thea überlegt. “Stimmt... egal, in ein paar Tagen hat er das wieder vergessen.“ Ich glaube das nicht, habe aber keine Lust, weiter mit ihr zu diskutieren. “Wenn du meinst. Ich bringe ihm jetzt sein Tuch wieder.“ “Warte, was? Shay, das geht nicht!“, beschwert sich Thea. Ich schnaube nur. “Wenn du dich vor seiner Nase enttarnen kannst, kann ich ihm auch sein Tuch zurückbringen.“ Mit diesen Worten schnappe ich mir das Tuch und laufe zurück, achte aber darauf, dass ich Flamer nicht begegne. Irgendwie muss ich dabei eine Abkürzung gefunden haben, denn innerhalb kürzester Zeit bin ich angekommen. Der Trainer steht noch immer am selben Fleck. Ich lege ihm das Tuch vor die Füße. Er lächelt, hebt es auch und verbindet sich damit die Augen. Etwas verwirrt sehe ich ihm zu, dann geht mir ein Licht auf. Es ist schon ein ziemlich erschreckender Anblick, die Augen eines blinden zu sehen. Wahrscheinlich möchte er andere nicht erschrecken. Der Trainer hockt sich vor mir hin. “Danke.“ Er fängt an, mich hinter den Ohren zu kraulen. Schön angenehm... “Sag mal, bist du auch so wie das Blitza?“, fragt er plötzlich. Ich zucke zurück. Ich wusste es! Ich wusste, dass er erkannt hat, dass Thea kein normales Blitza ist. Das ist schlecht, das ist sehr. schlecht. Der Trainer merkt scheinbar, dass ich unruhig bin. “Ganz ruhig. Ich wollte es nur wissen. Ich habe noch nie Pokémon gesehen, die sich zumindest halb in Menschen verwandeln können.“ Er weiß von ihrer wahren Gestalt? Wie? Er ist blind! Panisch renne ich weg. Ich muss Thea finden. Wir haben ein Problem. Ein gewaltiges Problem!

    - Erzählersicht -

    Shay rennt so schnell sie kann zurück zu Thea. Der Trainer wartet noch auf Flamer, dann geht er mit ihm seinen eigenen Weg. Unterwegs wird er plötzlich von einer verhüllten Gestalt aufgehalten. “Ist ihnen zufällig ein Pokémon begegnet, das sprechen kann?“ Der Trainer nickt. “Ja, ein Blitza. Es konnte sich sogar halb in einen Menschen verwandeln! Ein Flamara war auch bei ihm, aber es hat weder gesprochen, noch hat es sich verwandelt.“ “Interessant... danke sehr.“ Die verhüllte Gestalt geht weiter und verschwindet in einer dunklen Gasse. Dort holt sie ein kleines Gerät raus und schaltet es an. Ein Hologramm vom Team Spaceship Boss Mark erscheint. “Und?“ Unter der Kapuze der Gestalt verbirgt sich ein Lächeln. “Wir haben eins. Ich habe es nicht persönlich gesehen, aber es ist in der Nähe.“ “Gut. Komm erstmal zurück, wir besprechen alles in unserer Basis.“ “Verstanden, Boss.“

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    ((big))((unli))Kapitel 2((ebig)) ((bold))Getrennte Wege((ebold))((eunli)) - Thea's Sicht - “Wie konnte er das bitte schön sehen? Ich meine, Fl
    Kapitel 2
    Getrennte Wege


    - Thea's Sicht -

    “Wie konnte er das bitte schön sehen? Ich meine, Flamer hätte es nicht sagen können, er war noch auf der Suche nach mir.“ Shay hat mir gerade berichtet, dass der Trainer von meiner wahren Gestalt weiß. Es ist ziemlich unglaubwürdig, aber sie würde über so etwas niemals scherzen. Ratlos sieht sie mich an. “Ich habe keine Ahnung. Aber es ist wahr.“ “Das glaube ich dir ja, aber wie...“ Mitten im Satz halte ich inne. Wir werden beobachtet. Shay merkt natürlich sofort, dass etwas ist. “Thea?“ “Psst!“ Ich lausche. Unser Beobachter möchte scheinbar fliehen, doch nicht mit mir! Innerhalb weniger Sekunden habe ich ihn aus dem Gebüsch geschubst. Besser gesagt sie. Es ist ein Lucario. Obwohl die Chancen gut stehen, dass sie stärker ist als ich, stemme ich eine Pfote auf ihren Brustkorb. “Weshalb beobachtest du uns?“ Das Lucario lächelt nur, hebt mich runter und steht auf. “Tut mir leid, ich war neugierig. Mein Name ist Aurora und...“ Sie grinst. “Ich bin das Pokémon von dem blinden Trainer.“ “Was?“, rufen Shay und ich gleichzeitig. Aurora nickt. “Ihr habt richtig gehört. Der Grund, warum Jonas euch und alles um sich herum sehen kann, ist, dass er mit der Aura sieht.“ Shay legt den Kopf schief. “Jonas? Ist das der Name des Trainers?“ Persönlich finde ich die Sache mit der Aurasicht interessanter, aber hey. Aurora nickt wieder. “Genau. Ich habe ihm beigebracht, mit der Aura zu sehen und mittlerweile ist er besser als jedes Lucario, das ich kenne. Wobei...“ Sie schließt ihre Augen und runzelt die Stirn. “Im Moment sind eure Auren Pokémon, wenn auch ganz leicht verzerrt. Könnte sich einer von euch bitte mal verwandeln?“ Ich schüttel den Kopf, doch Shay tut es tatsächlich. Auroras Miene wird noch verwirrter. “Die Aura verändert sich? Das ist interessant... aber wie?“ Shay zuckt mit den Schultern. “Ich würde sagen, wir haben einfach eine sehr zuverlässige Tarnung.“ Sie verwandelt sich zurück. “Bitte verrate uns nicht. Naja, zumindest mich nicht, Thea hat sich ja schon selbst verraten.“ Ja, schön dass du mich daran erinnerst Schwesterherz. Hoffentlich hat das keine Konsequenzen für uns... Shay redet weiter. “Sag mal, Aurora? Warum bist du eigentlich nicht bei deinem Trainer? Ich hab seinen Namen schon wieder vergessen, sorry.“ Aurora lächelt. “Nicht schlimm. Er heißt Jonas. Wir haben uns aufgeteilt, um nach einem schwarzen Tuch zu suchen. Damit verbindet er sich immer die Augen.“ Ich schüttel den Kopf. “Menschen sind komisch.“ “Eigentlich nicht“, erwidert Aurora. “Also manchmal schon, aber er macht es einfach, damit niemand seine Augen sieht. Gleichzeitig sieht es richtig cool aus!“ Ich schnaube nur. “Sag ich doch: Komisch.“ “Ach komm Thea, stell dich nicht so an. Aurora hat recht, es sieht wirklich cool aus!“ Ich rolle mit den Augen. Schon klar. “Nun, es war eine Freude mit dir zu sprechen Aurora, aber Shay und ich müssen gehen. Auf Wiedersehen!“ Ich laufe davon und Shay folgt mir. Aurora sieht uns noch eine Weile hinterher, dann geht sie in die andere Richtung. “Warum hast du es so eilig, Thea?“ Meine Schwester ist sichtlich enttäuscht. “Komm schon Shay, du weißt genau, dass wir uns nicht mit Menschen und ihren Pokémon anfreunden. Oder Pokémon allgemein. Sie könnten jederzeit gefangen werden und uns verraten.“ “Also willst du für den Rest deines Lebens isoliert bleiben? Versteckt vor der Welt? Ohne Freunde? Tagelang ohne Sonnenlicht?“ Ich nicke. “So hart es klingt, aber das machen alle Rainbowheart. Und ich verstehe jetzt auch warum. Also komm.“

    - Shay's Sicht -

    Erstarrt bleibe ich stehen. Das kann doch unmöglich ihr Ernst sein? Ich will nicht wieder in einer dunklen Höhle hausen, tagelang, nein, wochenlang ohne das Tageslicht zu erblicken. Dieser Zukunft sind wir dich gerade erst entflohen! “Komm Shay.“ Abwesend schüttel ich den Kopf. “Shay, hör auf ins Leere zu starren und komm!“ Mein Herz schlägt rasend schnell. Mein Verstand versucht, mich von meiner Entscheidung abzubringen. Doch mein Herz war schon immer stärker. “Tut mir leid, Thea...“ “Was? ...Shay!“ Ich drehe mich um und renne davon, auf den Ausgang des Waldes zu. “Shay! Warte! Shay, komm zurück!“ Ich brauche mich nicht einmal umdrehen um zu wissen, dass Thea mir hinterherrennt. Aber ich habe genügend Vorsprung. Schon bald liegt der Wald hinter mir. Vor mir liegt nichts als grüne Wiese mit Hügeln und einem kleinen Bach. Freiheit, ich komme!

    - Thea's Sicht -

    Wie konnte sie das nur tun? Ich weiß, dass Shay freiheitsliebend ist, aber mich dafür zurücklassen? Was ist nur los mit ihr? In einer dunklen Höhle zu hausen, tagelang ohne Sonnenlicht und nur mitten in der Nacht frische Luft schnappen kann doch nicht so schlimm sein! .... Na ja... vielleicht nicht gerade die beste Aussicht... aber es ist zu unserer Sicherheit! Ich rege mich noch eine Weile auf und fluche ein bisschen vor mich hin. Plötzlich kommt ein Netz auf mich zugeflogen. Ich kann gerade noch rechtzeitig ausweichen. Ich sehe mich um und sehe als Auslöser zwei Männer. “Mist, es hat uns bemerkt!“ “Natürlich hat es uns bemerkt du Dussel!“ Genau, ich bin schließlich nicht dumm. Natürlich sage ich das nicht laut, sonst würde ich mich ja verraten. Stattdessen verpasse ich den beiden mit Donnerblitz einen kräftigen Stromschlag und renne davon. Die Männer rufen ihre Pokémon. Der eine ruft ein Golbat, der andere ein Zubat. “Schnappt es euch!“ Die beiden Pokémon nehmen sofort die Verfolgung auf. Eine Weile renne ich noch, dann drehe ich mich um und setze Donnerblitz ein. Das Zubat wird getroffen und ist sofort K.O., das Golbat hingegen weicht aus. Dann geht es zum Gegenangriff über. Ich versuche auszuweichen, doch ich stolpere über einen abgebrochenen Ast und falle hin. Das Golbat setzt Giftzahn ein und ich merke sofort, wie ich schwächer werde. Ich rappel mich auf und setze Donnerzahn ein. Es haut das Golbat nicht um, doch dafür paralysiert es ihn. Ich nutze die Chance und haue ab, bevor es mich noch einmal angreifen kann. In kürzester Zeit habe ich es abgehängt. Leider wirkt das Gift weiterhin und ich sehe keine Pirsifbeere in der Nähe. Ich schleppe mich noch ein Stück weiter in einer kleine Höhle, dann kippe ich um.

    - Shay's Sicht -

    Ich nasche gerade einen Apfel, der von einem Baum gefallen ist. Zugegeben, ich habe den Baum ein bisschen geschüttelt. Und eigentlich war der Apfel noch nicht ganz reif, er ist noch recht sauer. Aber er schmeckt und ich hatte Hunger. Ich spüre den Wind, der durch mein Fell streicht und lächel. So habe ich mir das vorgestellt. “Oh wie süß! Ein Flamara!“ Erschrocken drehe ich mich um. Vor mir steht ein Mädchen, vielleicht etwas älter als ich. Ihre violetten Haare sind zu einem langen Zopf geflochten und ihre silbergrauen Augen funkeln. Sie trägt ein schwarzes Tshirt mit weißen Runen, darüber eine weiße, offene Jacke, hellblaue Jeans und schwarze Turnschuhe. Eigentlich sieht sie ganz freundlich aus. Nur der Pokéball in ihrer Hand gefällt mir nicht. Ich sehe zu, dass ich wegkomme. “He! Warte!“ Das Mädchen läuft mir hinterher. Arceus, ist die schnell! Ich lege noch einen Zahn zu. “Warte! Ich wollte mich doch nur mit dir anfreunden!“ Abrupt bleibe ich stehen und drehe mich zu ihr um. Sie hat noch immer den Pokéball in der Hand. Langsam weiche ich zurück. Verwundert beobachtet sie mich. Dann sieht sie auf ihren Pokéball... und wirft ihn weg? Verwirrt lege ich den Kopf schief. Das Mädchen lächelt. “Wenn du nicht gefangen werden willst, dann ist das okay. Ich kann trotzdem deine Freundin sein! Das heißt... wenn du willst?“ Sie hält mir ihre Hand hin. Ich will erst zu ihr laufen, doch dann zögere ich. Bin ich zu naiv? Andererseits, möchte ich weiterhin ohne Freunde bleiben? Ich setze mich hin und wäge das Für und Wider ab. Das Mädchen wartet geduldig mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Schließlich habe ich mich entschieden. Ich gehe zu ihr und reibe meinen Kopf an ihrer Hand. “Super!“, ruft das Mädchen begeistert. Sie hebt mich hoch und dreht sich mit mir im Kreis. Dann setzt sie mich wieder ab und kniet sich vor mir hin. “Ich bin übrigens Yara, hab ich ganz vergessen zu erwähnen.“ Sie kichert. “Passiert mir sehr häufig. Ist aber nicht schlimm, oder?“ Ich schüttel den Kopf. Yara ist ziemlich lebhaft. Das gefällt mir. Ich mag sie. “Flamara?“ Ich schaue fragend zu Yara hoch. “Ich möchte zum Lavandia Turm. Möchtest du mitkommen?“ Der Lavandia Turm? Hätte sie sich nicht etwas weniger gruseliges aussuchen können? Zugegeben, ich war noch nie in Lavandia, aber ich habe unheimliche Geschichten über den Ort gehört, vor allem über den Turm. Auf der anderen Seite weiß keiner, ob die Geschichten wahr sind. Warum also nicht? Ich nicke. “Fantastisch! Dann los!“ Sie rennt los und ich folge ich schnell.

    - Erzählersicht -

    Während Yara und Shay ihre Reise nach Lavandia beginnen, liegt Thea noch immer ohnmächtig in der Höhle. Das Gift hat nicht nachgelassen und es wird langsam immer brenzliger für Thea. Doch plötzlich entdeckt jemand sie. Thea wird aufgehoben und mitgenommen. Doch von wem? Freund oder Feind?

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    Kapitel 3
    Lavandias Geister


    - Thea's Sicht -

    Ich schwöre, ich habe mein Leben an mir vorbeiziehen sehen. Vieles war dunkel, aber es gab auch Bilder von Wiesen, Blumen, meinen Eltern, dem großen Ozean... Und plötzlich spürte ich, wie mein Herz schlägt. Ich habe das definitiv nicht geträumt! Das, was ich sehe, als ich die Augen öffne, kommt mir viel eher wie ein Traum vor. Es ist der blinde Trainer! Seinen Namen hab ich wieder vergessen. Ist mir auch egal. Ich muss hier weg. Leider fühlen meine Knochen sich an, als wären sie aus Blei. Immerhin bin ich noch getarnt. Der Trainer lächelt. “Hey, Blitzamädchen. Scheint, als hätten wir dich rechtzeitig gefunden.“ Warte... erzählt mir nicht der Typ hat mir das Leben gerettet. Das glaube ich nämlich nicht. Menschen retten keine Rainbowheart, sie jagen sie. Mein Blick fällt auf die Flasche in seiner Hand. Garantiert Gift. Mit irgendeinem Saft gemischt, das Zeug riecht nämlich süßlich. Der Trainer hat bemerkt, dass ich seine Flasche anstarre. “Das ist Pirsifbeerensaft. Wir haben auf die Schnelle welchen gepresst, da wir dich nicht dazu bringen konnten, eine Pirsifbeere zu essen. Und Gegengift hatte ich nicht dabei.“ Na klar. Das glaube ich ihm jetzt einfach. “Hey, Jonas! Wir sind zurück!“ Die Stimme kenne ich. Das Lucario. Ihren Namen hab ich auch schon wieder vergessen. Ich hab's nicht so mit Namen. Neben ihr läuft Flamer. Den Kerl vergesse ich nicht so schnell. Er mich wohl auch nicht. Wenn Blicke als Attacken eingesetzt werden könnten, würdet ihr hier ein unglaubliches Duell erleben können. Wobei ich mir nicht sicher bin, wer gewinnen würde. Wahrscheinlich Flamer. Jonas versucht, die angespannte Stimmung zu lockern. “Also, Blitzamädchen, Aurora erzählte mir dein Name ist Thea?“ Ich nicke nur knapp. “Das ist ein cooler Name, ehrlich!“ Jaja, spar dir deine Eingeschleime für jemanden, den es interessiert. Aurora grinst. “Du kannst ruhig reden, wir wissen dein kleines Geheimnis schließlich schon.“ Ich schüttel den Kopf. Zum einen kann uns jederzeit jemand beobachten. Zum anderen habe ich keine Lust, mit ihnen zu reden. Das scheint Jonas nicht zu stören, denn er redet einfach weiter. “Tut mir leid wegen Flamer. Er sieht es als seine Aufgabe an, mich zu beschützen und es kommt oft vor, dass er überreagiert.“ Hab ich gemerkt... “Normalerweise ist es meine Aufgabe, ihn zurückzuhalten“, meldet sich Aurora zu Wort, “Doch um Jonas Augenbinde zu suchen, haben wir uns aufgeteilt.“ Ah ja. Klingt logisch. Jonas lächelt. “Eigentlich sollte Aurora in der Stadt suchen, aber sie ist dann doch in den Wald gelaufen. Ich habe mit Flamer in der Stadt nach ihr gesucht, aber selbstverständlich haben wir sie nicht gefunden. Also habe ich sie kontaktiert und bin dann mit Flamer in den Wald gegangen. Dort haben wir dich gefunden.“ Aha. Interessant. Ich schweige weiterhin und überlege nebenbei, was ich jetzt tun soll. Am logischsten erscheint es mir, meine Schwester zu finden, doch selbst wenn ich sie finden würde, würde sie sich weigern mitzukommen. “Ach übrigens, Aurora? Unser nächstes Ziel ist Orania City.“ Jonas beugt sich zu mir runter. “Möchtest du mitkommen?“ Sehe ich so aus? Ich schüttel den Kopf. Jonas sieht enttäuscht aus, aber das ist mir egal. Ich werde meine Schwester suchen und mal ein ernstes Wort mit ihr reden. Ich finde nicht, dass ich mich verabschieden muss, also drehe ich mich einfach um und renne weg. Sobald das Trio außer Sichtweite ist, werde ich langsamer. Wo könnte mein naives Schwesterchen sein? Im Wald sicher nicht, in der Stadt auch nicht... also suche ich am besten erstmal die Wiese ab. Das dürfte nicht schwer sein, auf Wiesen kann man sich schließlich kaum verstecken. Das wird ein Klacks.

    - Shay's Sicht -

    Wir sind endlich in Lavandia angekommen und unser erstes Ziel ist das Pokémon Center. Im Moment ist alles normal. Die Leute sind sehr freundlich und Schwester Joy macht wie gewohnt ihre Arbeit. Das ist das erste mal, dass ich von Schwester Joy untersucht werde und ich bin etwas nervös. Doch es geht alles glatt. Ich bin fit und Schwester Joy hat nichts von meinem Geheimnis gemerkt. Als ich zurückgebracht werde, begrüßt Yara mich strahlend. Schwester Joy lächelt. “Deinem Pokémon geht es wunderbar.“ “Super! Danke Schwester Joy!“ Yara nimmt mich auf den Arm und verlässt das Center. Draußen senkt sich der Abend langsam über die Stadt. In der Ferne ziehen dunkle Wolken auf und man hört ganz dumpf den Donner grollen. Yara ist begeistert. “Gewitter! Warten wir noch etwas, bei Gewitter wird das richtig schön unheimlich. Also... noch unheimlicher als es eh schon ist.“ Sie kichert. Ich kuschel mich lieber in ihren Arm. Persönlich mag ich gruselige Sachen nicht so gerne. Aber ich bin schon neugierig, was es mit dem Turm auf sich hat. Yara geht mit mir erstmal ein wenig durch die Stadt und in den Pokémon Supermarkt, wo sie ein paar Sachen einkauft. Als das Gewitter die Stadt fast erreicht, machen wir uns auf dem Weg zum Turm. In den ersten beiden Stockwerken gibt es nichts außer Gräbern und trauernden Menschen. Im dritten Stockwerk spüre ich plötzlich die Anwesenheit von etwas. Es ist nichts zu sehen, aber ich bin mir sicher, dass etwas hier ist. Ich springe von Yaras Arm und sehe mich um. In einer dunklen Ecke bewegt sich etwas. Vorsichtig schleiche ich näher. Eine Kiste schwebt dort in der Luft, wirbelt hin und her und fällt dann zu Boden, nur um dann wieder durch die Luft zu wirbeln. Ich setze mich hin und beobachte das Schauspiel. Mein Vater hat mir mal erzählt, dass Geist-Pokémon gerne Schabernack treiben, um Leute zu erschrecken. Vielleicht ist es eines. Ich hebe zum Gruß die Pfote. Keine Reaktion. Es ansprechen kann ich nicht, da Yara in der Nähe ist. Also warte ich einfach ab. “Flamara? Was machst du da?“ Yara kommt näher. Obwohl sie sich große Mühe gibt es zu verstecken, kann ich ein leichtes Zittern in ihrer Stimme erkennen. Die Kiste wirbelt schneller. Nun deutlich ängstlich nimmt Yara mich auf den Arm. Ich höre ein leises Lachen. Erwischt! Ich springe von Yaras Arm, laufe zu der Kiste und tippe sie an. Die Kiste fällt runter und ein Alpollo erscheint. Yara bleibt vor Staunen der Mund offen stehen. “Wow... Flamara, woher wusstest du das?“ Ich lächel nur und laufe die Treppe hoch. War ja klar, dass die Spukgeschichten über den Lavandia Turm durch Geist Pokémon entstanden. Im nächsten Stockwerk ist es dunkel, aber auch hier kann ich erkennen, dass Geist Pokémon anwesend sind. Es sind viele verschiedene Arten, auch welche, die garantiert nicht aus Kanto kommen. Yara ist mittlerweile auch angekommen und sieht sich so gut es geht um. “So viele verschiedene Geist Pokémon... viele von ihnen wurden wahrscheinlich in Kanto ausgesetzt und fühlen sich hier am wohlsten.“ Ausgesetzt? Das ist sicher schön für sie gewesen. Raus aus den winzigen Bällen und endlich wieder Freiheit genießen. Ich mustere die verschiedenen Pokémon. Eines von ihnen trägt ein Pikachu Kostüm aus einem alten, angemalten Laken und einem Stock. Das Gesicht sieht etwas seltsam aus und das Laken ist ziemlich zerfetzt, aber das Pokémon scheint es zu mögen. Ich gehe hin und versuche, einen Blick unter das Laken zu werfen, doch das Pokémon hält mich davon ab und meinte, es sei gefährlich seine wahre Gestalt zu sehen. Also lasse ich es sein und sehe mich weiter um. Viele der Pokémon kenne ich nicht, wahrscheinlich weil sie aus anderen Regionen stammen. Doch dann entdecke ich ein Paragoni. Meine Mutter hat mir und meiner Schwester Geschichten von Menschenkindern erzählt, die sich im Wald verliefen und zu Paragoni wurden. Ob sich Paragoni wohl an ihr Leben als Menschen erinnern? Wie das wohl für sie sein muss? “Flamara?“ Yaras Stimme lässt mich aus meinen Gedanken schrecken. “Ich gehe schon mal ins nächste Stockwerk. Komm nach, wenn du fertig bist mit umsehen, okay?“ Ich nicke. Sie scheint ihre anfängliche Angst abgelegt zu haben. Yara läuft die Treppe hoch und verschwindet. Jetzt bin ich mit den Pokémon allein. Perfekt. Ich nähere mich dem Paragoni. “Hey! Ich bin Shay. Wie heißt du?“ “Paragoni...“, antwortet das Paragoni leise. Es scheint traurig zu sein. “Paragoni? Das ist dein Name?“ Das Paragoni nickt. “So hat mein Trainer mich genannt. Er war immer so nett zu mir...“ Ich weiß, dass ich eigentlich nicht nachfragen sollte, aber ich tue es trotzdem. “Was ist mit deinem Trainer? Hat er dich ausgesetzt?“ Das Paragoni schüttelt den Kopf. “Er... er hat es nicht geschafft...“ “Nicht geschafft? Was meinst du mit...“ Bevor ich den Satz beenden kann, geht mir ein Licht auf. Meine Schwester hatte damals denselben Ausdruck verwendet, als ich sie fragte, wo unsere Eltern sind. “Oh... das... das tut mir leid.“ Das Paragoni schüttelt den Kopf. “Du kannst ja nichts dafür... Manchmal... Manchmal hat er mich auch nur Para genannt. Das passt vielleicht nicht wirklich zu einem Jungen, aber ich mochte den Spitznamen. Also... du kannst mich auch Para nennen.“ Plötzlich hören wir einen Schrei. Das war Yara! Ich wende mich an Para. “Also, Para, es war nett dich kennenzulernen, aber ich muss jetzt los.“ Ich will die Treppe hochrennen, doch Para hält mich auf. “Sei vorsichtig... die Geister da oben... sie sind keine Pokémon mehr.“ Ich nicke und versuche mir mein Unbehagen nicht anmerken zu lassen. “Ich passe auf. Danke für die Warnung.“ Mit diesen Worten renne ich nach oben. Dort angekommen sehe ich Yara zitternd auf dem Boden knien. Als ich sehe, was ihr solche Angst gemacht hat, stockt mir der Atem.

    - Erzählersicht -

    Während Shay und Yara ihren Mut unter Beweis stellen müssen, läuft Thea mittlerweile möglichst unauffällig Jonas und seinen Pokémon hinterher. Nach einigen Auseinandersetzungen mit einem Schwarm Habitak, einem Ursaring, ein paar Bibor und einem Arbok hofft Thea, im Falle eines weiteren Angriffes die Hilfe des Trios nutzen zu können. Ihr Weg führt also zur Hafenstadt Orania City, wo sie hofft, ihre verschollene Schwester zu finden.

    6
    Kapitel 4
    Fluch oder Wunder


    - Thea's Sicht -

    Wir sind jetzt in Orania City angekommen. Warte, nein, ich bin in Orania City angekommen. Dass... wie hieß er noch gleich? Jacob? Joe? Johannes? Keine Ahnung... jedenfalls, dass der Trainer und seine beiden Pokémon auch da sind ist nur ein Zufall. Ich werde jedenfalls meine Schwester suchen gehen. Allein. Natürlich allein, was dachtet ihr denn? Ich entferne mich von dem Trio und laufe direkt in einen anderen Trainer. “Ein Blitza! Cool!“ Er holt einen Pokéball hervor. Hallo? Es gibt diverse stumme Regeln, zum Beispiel, dass man zu warten hat, wenn ein Trainer ein Pokémon mit dem Pokédex scannt. Oder auch, dass man auf der Straße im Normalfall keine Pokémon fängt! Ich renne weg und lande am Hafen. Viele Leute laufen hier herum. Scheinbar ist ein Schiff kurz davor, abzulegen. Ich schlängel mich durch die Menschen und ihre Koffer und gelange zu einem großen Schiff. Das scheint das Schiff zu sein, das ablegen soll. Eigentlich ist es zu riskant, jetzt dort raufzugehen, aber ich wollte schon immer wissen, wie so ein Schiff von innen aussieht. Und was für Elektronik es dort gibt. Hier stehen noch sehr viele Menschen, also wird es wohl noch eine Weile dauern. Ich könnte also einen kurzen Blick riskieren. Vorsichtig schleiche ich mich auf das Schiff. Es ist riesig! Von innen wirkt es noch größer als von außen. Es sieht sehr einladend aus. Ich erinnere mich selbst noch einmal daran, nicht zu lange zu bleiben, dann sehe ich mich um. Zuerst begutachte ich ein paar Räume, in denen die Passagiere wahrscheinlich schlafen. Danach schleiche ich mich in einen Raum mit vielen Tischen und Stühlen. Irgendwo in der Nähe muss eine Küche sein! Ich sehe mich um und nach ein paar Minuten habe ich sie gefunden. Leider sind hier schon Leute, weshalb ich umdrehe und einen anderen Raum besichtige. Das hier scheint ein Pokémon Center zu sein. Ich war nur einmal in einem Pokémon Center und das auch nur ganz kurz. Aber es hat definitiv einen ähnlichen Aufbau. Plötzlich höre ich das Gemurmel vieler Stimmen. Die Menschen sind hier! Ich sehe zu, dass ich verschwinde. Es ist bei der Masse an Menschen deutlich schwerer, herauszukommen, als in das leere Schiff reinzukommen. Dementsprechend dauert es deutlich länger. Ich laufe jetzt schon eine ganze Weile und langsam werde ich unruhig. Wo ist der Ausgang? Immer panischer renne ich durch das Schiff, bis ich schließlich nach draußen gelange. Mittlerweile ist es Nacht. Ich würde ja sagen es ist dunkel, aber wir haben Vollmond, weshalb es ziemlich hell ist. Ich laufe zum hinteren Teil des Schiffs und erschrecke. Der Hafen ist schon fast außer Sichtweite! Ich will und kann aber nicht mit dem Schiff fahren, ich muss in Kanto bleiben. Also springe ich vom Schiff. Hätte ich bloß bedacht, dass ich noch nie geschwommen bin... Als ich ins Wasser eintauche, fange ich wild zu strampeln an, aber das bringt mich nicht wirklich vorwärts. Ich sinke wie ein Stein und je tiefer ich sinke, desto größer wird der Druck auf meinen Lungen. Schließlich gebe ich auf. Ich habe einfach keine Kraft mehr. Ich kann noch nicht mal meine Tarnung aufrechterhalten. Ich wusste, dass es eine schlechte Idee war, den Wald zu verlassen. Jetzt hilft nur noch ein Wunder.

    - Shay's Sicht -

    Das. Kann. Nicht. Sein. Vor uns steht ein schillerndes Mega-Gengar-Rainbowheart. Richtig! Schillernd. Mega-Form. Rainbowheart. Ungetarnt. Es ist ein Junge, etwa siebzehn, schätze ich. Auf jeden Fall sieht er ein bisschen älter aus als wir. Aber... wieso ist er nicht getarnt? Ausdruckslos steht er vor uns. Zugegeben, ein bisschen sieht er aus wie ein Geist. Seine Haare, die nach allen Seiten abstehen, sind weiß. Sein Tshirt ist weiß. Seine Hose ist weiß. Seine Turnschuhe sind weiß. Seine Haut ist... naja, nicht weiß, aber sehr blass. Seine Augen sind dunkelgrau. Außerdem trägt er zwei weiße Armbänder. Am linken ist ein Schlüsselstein angebracht, am rechten ein Gengarnit. Eigentlich sieht er richtig cool aus. Wenn er uns nur nicht ansehen würde, als wolle er uns einen Fluch auf den Hals jagen. Yara liegt zitternd am Boden und murmelt etwas vor sich hin. Der Gengarjunge starrt uns weiter ausdruckslos an. “Verschwindet.“ Ich würde gerne antworten, aber das wage ich in Yaras Gegenwart nicht. Also setze ich mich einfach hin und sehe den Jungen mit schiefgelegtem Kopf an. Das scheint ihm nicht zu gefallen, denn sein Gesicht verändert sich von ausdruckslos zu wütend. “Ich sagte verschwindet!“ Yara steht zitternd auf, immer darauf bedacht, ihn nicht anzusehen. “Komm Flamara, gehen wir.“ Mit diesen Worten rennt sie davon. Ich warte, bis ich ihre Schritte nicht mehr höre, dann atme ich erleichtert auf. Ich nähere mich dem Jungen, der überrascht zurückweicht. “Du kleines Biest... Hau ab!“ Ich kann ein bisschen Angst in seiner Stimme hören. “Hab keine Angst“, versuche ich ihn zu beruhigen, “Ich habe nicht vor, dir etwas anzutun. Wie heißt du?“ Wirklich geholfen hat das nicht. “Das geht dich nichts an! Du bist doch garantiert ein Spion!“ “Nun ja, eigentlich...“ Ich gebe meine Tarnung auf. Das verschlägt dem Jungen die Sprache. Ich muss über sein ungläubiges Gesicht lächeln. “Glaub mir, ich war genauso überrascht, als ich dich gesehen habe. Mein Name ist Shay.“ Endlich beruhigt der Junge sich. “Mein Name ist Noroi. Warum bist du mit einem Menschen unterwegs? Wurdest du gefangen?“ Ich schüttel den Kopf. “Nein. Yara hat akzeptiert, dass ich nicht gefangen werden will. Mit ihr zu reisen bringt mir den Vorteil, dass niemand auf die Idee kommt mich zu fangen. Jetzt bin ich dran mit fragen. Warum bist du ungetarnt in diesem Turm?“ Noroi zuckt mit den Schultern. “Ein Mega-Gengar als Tarnung zu haben ist nicht gerade hilfreich. Die Geister-Geschichte ist eine viel bessere Tarnung.“ Ich nicke verstehend. “Das macht Sinn. Wobei es schon cool ist, dass du ein schillerndes Mega-Gengar-Rainbowheart bist.“ “Für mich war es bisher nicht sehr hilfreich...“ Ich denke nach. Fluch oder Segen? Das hängt wohl davon ab, wie man damit umgeht. “Flamara? Wo bist du? Bitte erzähl mir nicht, dass du noch da oben bist!“ “Erzählen tu ich dir sowieso nichts“, murmel ich leise, was bei Noroi ein Grinsen auslöst. Ich tarne mich wieder. “Tja, ich sollte wohl gehen, bevor sie noch vor Panik einen Herzinfarkt erleidet.“ Noroi nickt. “Auf Wiedersehen.“ “Ja, hoffentlich.“ Ich renne die Treppe runter, verfehle eine Stufe, überschlage mich zweimal und lande auf dem Bauch vor Yaras Füßen. Wenn schon hinfallen, dann mit Eleganz, nicht wahr? Immerhin hat meine Aktion die verängstigte Yara wieder zum Lachen gebracht. Prustend nimmt sie mich auf den Arm. “Geht's dir gut, Flamara?“ Ich nicke und mache es mir bequem. Kann der Tag noch besser werden? Naja, eigentlich nicht, er ist nämlich schon fast vorbei. Yara sucht uns eine Unterkunft. Das Zimmer, in dem wir schlafen, sieht etwas düster aus, aber die Betten sind schön weich, viel weicher als die Höhle, in der ich immer mit meiner Schwester geschlafen habe. Ich habe ein Bett ganz für mich allein und sogar eine Decke, in die ich mich einkuscheln kann. Es dauert nicht lange, da ist Yara schon eingeschlafen. Ich lausche ihrem regelmäßigen Atem, bis mir schließlich selbst die Augen zufallen.

    - Thea's Sicht -

    Das ist jetzt schon das zweite mal, dass ich Nahtoderfahrungen habe. Ich stelle garantiert noch einen Rekord auf. Als ich dieses mal die Augen öffne, steht vor mir... Woah woah woah! Moment mal! Verwirrt schließe ich die Augen und öffne sie wieder, aber es ist immer noch da. Die Person, die vor mir steht, hätte locker Schwester Joy sein können. Doch diese Person hat auf rechts und links je drei rosa Zöpfe, die an den Spitzen dunkler werden. Zudem trägt sie in ihrer rosa Schürze ein weißes Ei. Könnte es sein? “Oh gut, du bist wach. Meine Güte, du kannst froh sein, dass Aquamarin dich gefunden hat.“ Es dauert etwas, bis ich meine Sprache wiederfinde. “Aquamarin? Wer ist Aquamarin? Und wer bist du?“ Die Person lächelt. “Ich bin Melain, ein Chaneira-Rainbowheart und Helferin von Schwester Joy.“ Also doch! “Ist das nicht gefährlich?“ Melain lacht. “Schon, aber es gibt auch Rainbowheart, die in der Stadt leben und die können sich nicht einfach mit Beeren heilen. Außerdem kann es immer zu Notfällen kommen. Zum Beispiel ein ertrinkenes Blitza-Rainbowheart.“ Ja, danke. “Und... wer ist Aquamarin?“ “Ein Phione-Rainbowheart. Sie lebt am Hafen. In einer kleinen Höhle unter Wasser um genau zu sein. Wenn du dich bei ihr bedanken möchtest, musst du das morgen früh tun, sie schläft bestimmt mittlerweile.“ “Wow... wie kann man nur als Rainbowheart in der Stadt überleben?“ Etwas verständnislos sieht Melain mich an. “Bist du in einem Wald aufgewachsen?“ Jetzt sehe ich sie mindestens genauso verständnislos an. “Ähm... ja?“ “... Oh.“ Melain hilft mir, aufzustehen. “Ich habe dir schon ein Zimmer fertig gemacht. Dort sollte dich keiner stören. Wenn du dir super sicher sein willst, kannst du die Tür auch abschließen. Auf dem Nachttisch liegt ein Schlüssel. Falls du weißt, wie man den verwendet.“ “Na klar, ich bin schließlich nicht dumm.“ Melain führt mich zu meinem Zimmer, dann lässt sie mich allein. Ich nehme den Schlüssel und betrachte ihn. Natürlich habe ich noch nie einen Schlüssel verwendet, aber das heißt nicht, dass ich es nicht herausfinden kann.

    - Erzählersicht -

    Tatsächlich schafft Thea es, die Tür abzuschließen. Danach legt sie sich zufrieden ins Bett und schläft auch bald tief und fest. Auch ihre Schwester schläft wie ein Kleinstein, nicht ahnend, dass sie im Schlaf ihre Tarnung aufgegeben hat...

    7
    Kapitel 5
    Ertappt


    - Shay's Sicht -

    Als ich aufwache, ist das Zimmer leer. Scheinbar ist Yara schon irgendwo hingegangen und wollte mich nicht wecken. Ich will gerade aufstehen, als einheitlich gekleidete Leute ins Zimmer stürmen. Einer zeigt auf mich. “Da! Ein Rainbowheart!“ Erschrocken erkenne ich, dass ich unbewusst meine Tarnung aufgegeben habe. Schnell tarne ich mich und renne davon, doch diese Menschen rennen hinterher. Na super. Ich hätte es ahnen müssen. Was mache ich jetzt? Wenn ich zu Menschen renne, werden diese Leute mich verraten. Ich habe aber nicht genügend Ausdauer, um einfach davonzurennen. Da fällt mir die Lösung wie Schuppen von den Augen. Ich bremse scharf, drehe mich um und setze Flammenwurf ein. Es trifft direkt vor den Leuten auf und verursacht eine große Rauchwolke. Sie werden von der Wolke eingehüllt und können nichts mehr sehen. Ich nutze die Chance und renne in den Lavandia Turm. Die Treppen dort hochzurennen ist anstrengend, aber ich habe nicht vor deshalb aufzugeben. Als ich das Stockwerk mit den vielen Geist-Pokémon erreiche, höre ich eine Stimme. “Shay, was ist los?“ Ich bremse und drehe mich um. Es ist Para. “Keine Zeit, Para, irgendwelche komischen Typen verfolgen mich.“ Ich will gerade weiterrennen, als mir noch etwas einfällt. “Wenn Leute hier aufkreuzen, sorgt einfach für ordentlich viel Spuk, das sollte sie in die Flucht schlagen.“ Para nickt. “Verstanden.“ Ich renne die Treppe rauf. Noroi steht schon bereit, erkennt mich jedoch rechtzeitig. “Shay? Was machst du hier?“ Ich erzähle ihm knapp was passiert ist. Begeistert sieht er nicht aus, aber zum Glück muss ich mir keine Standpauke anhören. Zumindest keine richtige. Ruhig setzt Noroi sich hin. “Vielleicht wusstest du das noch nicht, aber wenn du unter Menschen bist, gibt es einige Regeln zu beachten. Unter anderem darfst du nicht reden, nur Pokémon Futter essen, zumindest wenn du einen Trainer begleitest, die Stadt nicht allein verlassen, da Trainer dich sonst fangen könnten und du darfst nicht in der Nähe eines Menschen einschlafen. Im Schlaf verlieren wir die Kontrolle über unsere Tarnung, das solltest du eigentlich wissen.“ Ich nicke schuldbewusst. “Eigentlich schon...“ “Noroi, wer ist das?“ Erschrocken starre ich das Wesen hinter Noroi an. Viel kann ich nicht erkennen, aber das Wesen hat rot glühende Augen und seine Stimme ist voller Misstrauen. “Du bist dafür zuständig, Menschen und Pokémon zu verscheuchen.“ Noroi nickt. “Ganz genau. Menschen und Pokémon. Von anderen Rainbowheart war nie die Rede.“ “Was? Das Flamara ist ein Rainbowheart?“ Noroi nickt. Die roten Augen sind wieder auf mich fixiert. “Beweis es mir!“ Ich sehe fragend zu Noroi. Als dieser nickt, gebe ich meine Tarnung auf. Ein zufriedenes Brummen ertönt und die roten Augen verschwinden. Ich tarne mich wieder. “Wer war das?“ Noroi schüttelt den Kopf. “Das darf ich dir nicht sagen. Ich bin dafür verantwortlich, eine Gruppe bestimmter Wesen zu schützen. Solange sie sich dir nicht zeigen und sich vorstellen, darf ich dir nichts über sie sagen. Also frag bitte auch nicht.“ “Na gut.“ Ich setze mich hin und schweige. Noroi scheint zu lauschen. Oder er überlegt. Jedenfalls hat er den Kopf leicht schief gelegt. Ich versuche mich umzusehen, aber hier ist es noch dunkler als im Stockwerk darunter. Ich kann nur Noroi und den Boden unter meinen Pfoten erkennen. Eigentlich ein guter Ort, um sich zu verstecken. Allerdings weiß ich nicht, was aus Yara werden soll... Naja, solange diese seltsamen Leute draußen rumhängen, komme ich hier eh nicht weg. Also lege ich mich hin und warte.

    - Thea's Sicht -

    Ich wache auf und sehe zuallererst nach, ob die Tür noch zu ist. Glücklicherweise ja. Diese Stofftücher vor dem Fenster sind auch praktisch. Ich kann nach draußen sehen, aber keiner kann von außen in das Zimmer sehen. Menschen sind tatsächlich nicht so dämlich wie ich dachte. Ich schließe die Tür auf, tarne mich schnell und verlasse das Zimmer. Unterwegs begegne ich Melain, welche mir verschwörerisch zuzwinkert. Grinsend zwinkere ich zurück. Ich verlasse das Pokémon Center und mache mich auf den Weg zum Hafen. Ich möchte gucken, ob Aquamarin zufällig da ist. Zu ihrer Höhle schwimmen kann ich nicht, da ich 1. nicht weiß wo sie ist und 2. nicht schwimmen kann, wie ihr vielleicht festgestellt habt. Ich habe eigentlich keine Ahnung mit wem ich rede, aber hey. Solange ich es nur in meinen Gedanken tue, sollte das keinen stören. “Hey, Thea!“ Mist. Ich renne los. “Warte! Erkennst du mich nicht? Ich bin's, Aurora!“ Natürlich erkenne ich dich, deshalb renne ich ja weg. Vor allem mache ich mir gerade Sorgen, dass sie mich verrät. “Jetzt warte doch mal!“ Nein. Ich renne weiter, doch als ich erkenne, dass ich auf das Wasser zurenne, bremse ich doch. Gerade noch rechtzeitig. Direkt an der Kante bleibe ich stehen. Ich will mich gerade freuen, da kracht Aurora von hinten in mich rein. Ernsthaft? Kann nicht einmal etwas klappen? Muss ich immer auf andere angewiesen sein? Ich hasse das! Nun ja, jetzt paddel ich wieder im Wasser um mein Leben. Aurora ist schnell wieder an Land. Wie macht sie das? Es ist praktisch unmöglich, hier nicht unterzugehen. Plötzlich sehe ich ein Dragonir unter mir schwimmen. Es hebt mich hoch und setzt mich an Land, wo ich mich erstmal kräftig schüttel. Aurora und einige Passanten gucken zu. Von ihnen kam keiner auf die Idee zu helfen. Ich frage mich, wieso ich sie vorhin als schlau bezeichnet habe. Nicht das Aurora es besser gemacht hätte... Ich drehe mich zu dem Dragonir um und nicke dankbar. Das Dragonir nickt zurück und verschwindet. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass es von mir wusste. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass es mich gestern Nacht gesehen hat. Ich drehe mich wieder zu Aurora, welche mich nur verständnislos ansieht. “Du kannst nicht schwimmen?“ Ich brumme nur und laufe an ihr vorbei. Langsam habe ich die Nase voll. Ich meine, wie wäre es mit 'Tut mir leid'? Ein schlichtes 'Sorry' hätte es auch getan. “Hey, Thea, wo willst du hin?“ Ich sehe mich kurz um, ob niemand da ist, dann wende ich mich wütend und genervt Aurora zu. “Hör auf mich Thea zu nennen!“ Aurora legt den Kopf schief. “Warum? Thea ist doch dein Name, oder nicht?“ Ich überlege. Es stimmt, aber das wäre die einmalige Gelegenheit, sie loszuwerden. “Thea?“ Ich stampfe mit der Pfote auf. “Ich heiße nicht Thea, das ist nicht mein Name.“ Nun ist Aurora komplett verwirrt. “Erzähl doch keinen Blödsinn, Thea. Deine Schwester hat dich auch so genannt.“ “Ich habe keine Schwester. Und das ist nicht mein Name!“ Ich laufe an ihr vorbei in die erstbeste dunkle Gasse. Nach einer Weile bleibe ich stehen und lausche, doch Aurora scheint mir nicht gefolgt zu sein. Erleichtert atme ich auf. Endlich Ruhe... “Au! Pass doch auf! Willst du Stress, oder was?“ Zu früh gefreut. Ich kann nicht erkennen, wen ich aufgeschreckt habe, doch ich habe auch keine Zeit nachzudenken. Der Schatten, den ich ziemlich grob angerempelt habe, holt aus und schleudert mich mit einem kräftigen Schlag durch die Gasse. Au... Ich lande auf einem Stapel Kisten, rolle dort runter und falle durch eine Art Tunnel. Ein sehr schmutziger Tunnel. Als ich auf der anderen Seite herauskomme, bin ich ein grau-braunes Blitza. Ich schüttel mich kräftig und muss mehrmals niesen. “Gesundheit!“ “Danke“, murmel ich abwesend. Als mir aufgeht, dass ich eventuell mit einem Menschen gesprochen haben könnte, sehe ich mich erschrocken nach dem Besitzer der Stimme um. Lange suchen muss ich nicht, doch was ich sehe verschlägt mir den Atem. Von diesem Schock muss ich mich erstmal eine Weile erholen.

    - Shay's Sicht -

    “Wach auf.“ Diese Aufforderung hätte nicht ruhiger sein können und doch riss sie mich aus meinen Träumen, als hätte mir jemand einen Schwall kaltes Wasser ins Gesicht geschüttet. Noch im Halbschlaf stehe ich auf, reibe mir die Augen und strecke mich. Noroi sieht mir zu. “Habe ich dich erschreckt?“ Ich schüttel nur leicht den Kopf. “Gut.“ Er steht auf. “Die Leute sind weg. Sie sind zwar in den Turm gekommen, haben aber ziemlich schnell wieder kehrt gemacht. Mittlerweile haben sie die Stadt verlassen. Du kannst den Turm also gefahrlos verlassen.“ Vielleicht kommt es mir so vor, weil ich noch recht verschlafen bin, aber irgendwie wirkt Noroi traurig. “Alles okay?“, frage ich vorsichtig. Noroi nickt. “Ja, wieso?“ “Du siehst irgendwie traurig aus.“ Noroi schüttelt den Kopf. “Ich bin nicht traurig. ...Naja, vielleicht ein bisschen. Es war einfach schön, etwas Gesellschaft zu haben. Auch wenn du die meiste Zeit geschlafen hast.“ Verwundert sehe ich ihn an. “Was ist mit denen, die du beschützt?“ “Sie bleiben lieber unter sich. Sie kommen selten so nah an die Treppe. Also bin ich die meiste Zeit allein.“ Der Arme... Noroi tut mir wirklich leid. Ich gehe zu ihm und umarme ihn. Noroi zuckt zusammen. “Wa-Was machst du da?“ Überrascht löse ich mich und sehe ihn an. “Hat dich noch nie jemand umarmt?“ Noroi schüttelt langsam den Kopf. “Meine Eltern halten von solchen Sachen nichts.“ Oh... “Das ist traurig...“ Noroi zuckt mit den Schultern. “Man gewöhnt sich daran. Es ist nicht so, als ob sie mich gehasst hätten.“ Na immerhin. Ich würde gerne noch etwas bleiben, doch ich höre unten Yara rufen. “Flamara? Bist du hier drin?“ Noroi nickt mir zu. “Geh schon. Deine Freundin wartet auf dich. Geh und erkunde die Welt.“ Ich lächel. “Das werde ich. Und dann komme ich zurück und erzähle dir von allem.“

    - Erzählersicht -

    Mit diesen letzten Worten tarnt Shay sich und läuft zurück zu Yara, welche sie glücklich und erleichtert in die Arme schließt. Shays Reise geht hiermit weiter. Doch was ist mit ihrer Schwester? Was hat Thea entdeckt?

    8
    Kapitel 6
    Träume


    - Shay's Sicht -

    Yara läuft mit mir schon seit ein paar Stunden über grüne Wiesen. Es gibt viele Hügel hier, das macht das ganze recht anstrengend, aber ich genieße die frische Luft und den Wind, der durch mein Fell weht. Yara scheint davon nicht wirklich Notiz zu nehmen. Wahrscheinlich hat sie Hunger. Zumindest grummelt ihr Magen ab und zu. Ich sehe mich um und gucke, ob ich ein paar Beeren finde, doch irgendwie gibt es hier nur Blumen. Und einen Bach. Und Hügel. Moment, habe ich das nicht schon erwähnt? Jedenfalls hat Yara Hunger und dementsprechend nicht sonderlich gute Laune. Genervt murmelt sie komisches Zeugs vor sich hin. Sehr komisches Zeugs. Einiges davon klingt etwas gruselig, aber im großen und ganzen klingt es einfach nur genervt. Ich überlege, wie ich sie aufmuntern könnte. Wahrscheinlich gar nicht, außer mit Essen. Ich weiß, wie sehr Hunger einem die Stimmung vermiesen kann. Thea ist so schon schnell genervt, doch wenn sie hungrig ist, kann sie blitzschnell in die Luft gehen. Bei dem Gedanken an Thea zucke ich zusammen. Ich habe nicht viele Gedanken an sie verschwendet, seit ich abgehauen bin. Wahrscheinlich hasst sie mich jetzt wegen der Aktion. Ich schüttel heftig den Kopf, um meine düsteren Gedanken loszuwerden. Leider ist mir davon jetzt schwindelig. Ich sehe alles doppelt. Das macht es mir schwer, mich zu orientieren. Und plötzlich macht es 'platsch' und ich liege im Bach. Erstaunlicherweise macht das Wasser mir nichts aus. Na gut, so erstaunlich ist es eigentlich nicht, schließlich trinken Feuer-Pokémon auch Wasser. Ich rappelvoll mich auf. Yara kommt gerade zu mir gelaufen. “Alles okay, Flamara?“ Ich nicke und gehe aus dem Bach. Yara grinst. “Hast du dein kurzes Bad genossen?“ Als ich nicke, fängt sie an zu lachen. “Damit hätte ich jetzt nicht gerechnet. Komm, folgen wir dem Bach und sehen, wohin er führt.“ Ich nicke erneut und laufe voraus. Aus dem Augenwinkel glaube ich kurz, einen seltsamen Schatten gesehen zu haben, doch als ich genau hinsehe, ist nichts dort. Zumindest nichts besonderes. Da spüre ich, wie Yara hinter mir unruhig wird. “Ähm... Flamara? Wie... Wieso hat dein Schatten Augen?“ Was? Ich drehe mich um, doch mein Schatten ist ganz normal. Seltsam... Ich versuche, nicht weiter darüber nachzudenken und laufe weiter. Es war sicher nichts außergewöhnliches.

    - Thea's Sicht -

    Okay, zuerst möchte ich einmal die Umgebung beschreiben. Die Wände waren wahrscheinlich ursprünglich weiß, doch auf ihnen wurden lauter bunte Bilder gesprüht. Und die sind richtig gut! Der graue Boden ist mit Farbtupfern besprenkelt. In einigen Ecken liegen Decken und Kissen auf einem Haufen. An einer Wand lehnen mehrere Matratzen, an einer anderen steht ein Kühlschrank. An der Decke hängen mehrere Lampen, von denen einige nicht mehr funktionieren. Es gibt auch noch eine Menge andere Sachen, aber zu sehr ins Detail gehen möchte ich dann doch nicht. Im großen und ganzen sieht es so aus, als hätte man mit viel Farbe versucht, den Ort nicht ganz so schäbig aussehen zu lassen, wie er ist. Nun aber zu seinen Bewohnern. Und an dem Punkt bin ich mir nicht sicher, ob dieses Pokémon von vorhin mich nicht doch ohnmächtig geschlagen oder sogar umgebracht hat. Vor mir stehen ein Pikachu - Junge, ein Kirlia - Mädchen, ein Absol - Junge, ein Hundemon - Junge, der übrigens aussieht, als würde er mich sofort wieder rausschmeißen wollen, ein Bubungus - Mädchen und ein Balgoras - Junge. Yep, das ist mein Ernst. Rainbowheart. Ein. Ganzer. Haufen. Der, der mich angesprochen hat, war der Pikachu - Junge. Wobei ich nicht verstehe, warum er ein wildfremdes Pokémon anspricht. Der Hundemon - Junge scheinbar auch nicht. Er zischt dem Pikachu - Jungen etwas zu. Der Absol - Junge kommt auf mich zu und packt mich. Er ist einen Kopf größer als ich, wenn ich nicht getarnt bin. Aber ich bin getarnt und das macht mich um einiges kleiner als ihn. Er kann mich problemlos tragen. Ich winde mich und versuche mich zu befreien, doch er packt nur noch fester zu. Sagen tut er gar nichts. Irgendwann geht mir die Kraft aus. Der Hundemon - Junge kommt jetzt drohend auf mich zu. “So Kleines, da du unser Geheimnis nun kennst...“ Er deutet mit einem Kopfnicken in Richtung des Kirlia - Mädchens. “Yume wird dir das alles mit Amnesie wieder aus deinem Kopf verbannen. Und nicht nur uns, sondern alles. Geht nicht anders, tut mir leid.“ “Du klingst nicht so, als würde es dir leid tun“, zische ich wütend. Der Hundemon - Junge grinst. “Ups, erwischt! Tja, Pokémon könnten uns verraten. Also wird allen, die hierher kommen, außer Rainbowheart, das Gedächtnis gelöscht. Allen!“ Jetzt bin ich diejenige, die grinst. “Ach, wäre ich ein Rainbowheart, ließet ihr mich in Frieden und würdet mich nicht verraten?“ Der Hundemon - Junge schaut überrascht, der Pikachu - Junge nickt im Hintergrund. Ich gebe meine Tarnung auf. Der Absol - Junge, der mich immer noch auf dem Arm hat, lässt mich schnell runter und wendet sich ab. Offenbar ist ihm das peinlich. Ich grinse frech. “Tja, das Leben ist voller Überraschungen, nicht?“ Alle im Raum sind sprachlos, nur der Pikachu - Junge kommt auf mich zu und grinst. “Hi! Ich bin Zap. Der Höllenfiffi ist Kyle-“ “Hey!“, unterbricht Kyle ihn, “Ich bin ein Hundemon!“ Zap grinst nur und stellt den Rest vor. “Der weißhaarige Emo aka das Absol ist Ayur und das Mädel mit dem rosa Hut ist Nemaja. Ihr Hut leuchtet im Dunkeln, wie bei ihrer Pokémon Form Bubungus! Der Kräftige dort drüben mit den kleinen orangenen Hörnchen ist Cruncher, zumindest will er so genannt werden. Seinen echten Namen verrät er nur Leuten, denen er wirklich vertraut. Also wirklich sehr vertraut. Yume ist bisher die einzige, die das geschafft hat. Ich frage mich wie... Naja, jedenfalls, Yume wurde dir ja mehr oder weniger schon vorgestellt.“ Ich nicke und gehe in Gedanken noch einmal alles durch. Der Pikachu - Junge heißt Zap, der Hundemon - Junge heißt Kyle, der Absol - Junge heißt Ayur, der Balgoras - Junge nennt sich Cruncher, das Bubungus - Mädchen heißt Nemaja und das Kirlia - Mädchen heißt Yume. “Und wie heißt du?“, fragt Nemaja. Sie ist neugierig, bleibt aber auf Abstand. “Ich bin Thea. Freut mich. Wisst ihr, ich habe noch nie so viele Rainbowheart auf einmal gesehen. Ist das nicht gefährlich?“ Ich zucke zusammen, als Zap in lautes Gelächter ausbricht. Vor Lachen tarnt und entarnt er sich mehrmals. Auch Kyle lacht, wobei er sich deutlich mehr unter Kontrolle hat. Yume tut mir den Gefallen und klärt mich auf. “Die älteren Rainbowheart halten sich tatsächlich eher außerhalb von Städten auf, aber je jünger, desto eher lebt man auch in Städten und größeren Dörfern. Es ist eigentlich ganz einfach, solange man bestimmte Dinge beachtet. Und das wir hier so sicher und unbemerkt leben, verdanken wir meiner Amnesie und dem Pokémon, das in der Gasse lebt. Ich wünschte nur, ich könnte meine Amnesie besser kontrollieren und nur bestimmte Dinge aus dem Gedächtnis löschen. Zum Glück verirrt sich hier selten jemand runter.“ Erstaunt sehe ich sie an. “Und das ist in allen Städten so?“ Yume nickt. “In den mir bekannten schon. Man kann voneinander viel lernen und sich gegenseitig helfen, das macht das Leben hier einfacher. Wenn du willst, könntest du auch bei uns bleiben.“ “Oh nein! Auf gar keinen Fall!“ Kyle stellt sich zwischen Yume und mich. “Yume, nur weil sie ein Rainbowheart ist, heißt das noch lange nicht, dass wir sie aufnehmen.“ Doch Yume stemmt nur die Hände in die Hüften. “Kyle, nur weil sie ein Mädchen ist, musst du nicht so einen Aufstand machen.“ Dann wendet sie mich wieder an mich. “Also?“ Ich denke nach. Kyle ist mir zwar nicht sonderlich sympathisch, doch der Rest scheint ganz nett zu sein. Und ich hätte ein paar Freunde... Freunde... Shay wollte schon immer Freunde... ihr hätte es hier gefallen. Mein Entschluss festigt sich. Ich lächel Yume an. “Danke Yume, das ist wirklich nett von dir. Es ist nur... Meine Zwillingsschwester ist irgendwo dort draußen. Ich muss sie finden.“ Yume nickt und lächelt ein wenig. “Das kann ich verstehen. Weißt du was? Geh und suche deine Schwester und wenn du sie gefunden hast, komm mit ihr zurück.“ Ich nicke dankbar. “Das werde ich. Vielen Dank!“ Ich verabschiede mich kurzerhand von allen und verlasse den Unterschlupf. Ich werde dich finden Shay. Ich werde dich finden und alles in Ordnung bringen.

    - Shay's Sicht -

    Wir sind an einem Waldrand und haben endlich ein paar Beeren gefunden. Yara hat schon jede Menge gegessen, was ihre Laune deutlich gebessert hat. Ich habe ebenfalls jede Menge Beeren verschlungen und laufe nun zum Bach, um etwas zu trinken. Dort angekommen trinke ich erst was und betrachte dann nachdenklich mein Spiegelbild. Manchmal frage ich mich, wohin ich gegangen wäre, wenn ich Yara nicht getroffen hätte. Was wäre mein Ziel gewesen? Was wäre mein Traum? Was ist mein Traum? Ich lasse mein Blick über die Landschaft schweifen, den Bach, die sanften Hügel, die Berge in der Ferne, der Wald... unwillkürlich fange ich an zu lächeln. Die Welt erkunden. Die verschiedenen Orte zu besuchen, die Wesen dieser Welt kennenzulernen, viele Freunde zu finden. Das ist mein Traum. Diese Erkenntnis lässt mein Lächeln noch breiter werden. Ich habe einen Traum. Und er liegt direkt vor meinen Füßen.

    - Erzählersicht -

    Ihres Zieles bewusst, kehrt Shay zu Yara zurück, nicht ahnend, dass sie von zwei leuchtenden Augen beobachtet wird. Auch Thea ist auf dem Weg zu ihrem Ziel: Ihre Schwester zu finden und sich mit ihr zu versöhnen, egal wie lange sie suchen muss.

    9
    Kapitel 7
    Folgen und verfolgen


    - Thea's Sicht -

    Kaum habe ich die Stadt verlassen, stellt sich meine Nervosität wieder ein. Durch die unerwartet vielen Rainbowheart in der Stadt habe ich begonnen, mich wohlzufühlen. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich in der Stadt Rainbowheart treffe. Schon gar nicht so viele. Seit wir laufen konnten haben unsere Eltern Shay und mir eingetrichtert, dass Rainbowheart in Städten nicht überleben können. Und auch den Wald verließen wir nur selten. Außer wenn wir kurz in der Stadt etwas vernünftiges zu Essen abstauben wollten. Ging meistens schief... aber das ist nicht meine Schuld! ... Na gut, vielleicht. Jedenfalls bin ich jetzt auf dem Weg zur nächsten Stadt. Getarnt natürlich. Ich habe zwar keine Ahnung, ob ich in die Richtige Richtung laufe, doch wenn ja, dann müsste ich als nächstes in Lavandia landen. Die Stadt kenne ich aus den Geistergeschichten meines Vaters. Im Turm soll es allerlei gruselige Dinge geben. Eigentlich ist das nicht so meins, aber egal. Nicht das ich Angst hätte. Ich habe keine Angst! Nicht vor irgendwelchen Geistern, die gar nicht existieren. Oder halbentwickelten Evolis. Oder... mutierten schwarzen Pikachus... Ähm, wo waren wir? Ich habe keine Angst vor solchem Kinderkram. Ich beweise es euch! Ich werde bis zur Spitze des Turms gehen! Und nebenbei suche ich Shay, auch wenn ich bezweifle, dass sie sich hier rein trauen würde. Aber bis ich in Lavandia ankomme, dauert es noch eine ganze Weile. Ich rede also später mit euch, wenn ich angekommen bin. Wer auch immer ihr seid.

    - Shay's Sicht -

    Schon seit einer ganzen Weile habe ich ein seltsames Gefühl, doch ich kann nicht ganz begreifen, was es auslöst. Wirklich beschreiben kann ich dieses Gefühl auch nicht. Auf jeden Fall ist es nicht angenehm. Yara scheint davon nichts mitzukriegen, sie möchte einfach nur in die nächste Stadt und was essen. Scheinbar haben Menschen es nicht so mit Beeren. Yaras miese Laune gefällt mir nicht. Sie murmelt schon wieder Sachen vor sich hin. Ich verstehe es nicht, aber es jagt mir einen eiskalten Schauer über den Rücken. Und ich bin Typ Feuer, das will also etwas heißen. Es liegt so viel negatives in ihrer Stimme, dass man nicht mehr erkennen kann ob sie wütend, traurig, genervt, hasserfüllt, rachsüchtig, enttäuscht oder irgendwas anderes ist. Ich frage mich, ob sie versehentlich ein paar schlechte Beeren gegessen hat. Plötzlich sehe ich aus dem Augenwinkel etwas leuchten. Doch als ich mich umdrehe, ist es verschwunden. “Ist etwas, Flamara?“ Ich schüttel den Kopf und gehe weiter. Yara sieht mich einen Moment prüfend an, bevor auch sie weitergeht. Eine Weile ist alles normal, doch dann sehe ich das Leuchten wieder. Dieses mal beobachte ich es aus dem Augenwinkel. Scheinbar verfolgt es uns, doch warum? Sind es diese Leute? Oder ist es nur ein Lichtspiel? Ruckartig drehe ich mich zum Leuchten, doch es ist wieder verschwunden. Also haben mir meine Augen wohl doch nur einen Streich gespielt. “Sieh mal, Flamara, da vorne ist Prismania City! Meine Heimatstadt!“ Yara lebt also dort? Vielleicht besuchen wir ja ihre Familie! Das wäre so cool! Vor Aufregung werde ich ein wenig schneller. Yara lächelt. “Freust du dich schon?“ Ich nicke fröhlich. Wir betreten die Stadt und Yara übernimmt die Führung. Sie erzählt mir ein wenig über die Gebäude der Stadt und zeigt mir die Arena. Leider nur von außen. Ich hätte sie liebend gerne von innen gesehen. Doch Yara läuft schon weiter. “Hey, Flamara? Möchtest du meine Familie kennenlernen?“ Ja! Endlich! Ich nicke eifrig. Yara lächelt. “Dann komm.“ Sie führt mich zu einem Gebäude, in das einige Leute rein und rausgehen. “Meine Eltern haben ein kleines Café, weißt du? Meine Mutter kann fantastisch backen und meine beiden jüngeren Brüder stellen selbst Eis her. Cool, nicht wahr? Mein älterer Bruder ist häufig in Alola und bringt uns von dort immer Malasadas mit, aber die verkaufen wir nicht. Wir verkaufen nur selbst Gebackenes. Mein Vater kümmert sich um den Bürokram.“ Yara mustert mein begeistertes Gesicht und lächelt. “Komm, gehen wir rein.“ Ich nicke und folge ihr nach drinnen. Das Café scheint sehr beliebt zu sein, denn es sind viele Leute hier. Es gibt kaum einen freien Platz. Yara scheint meine Gedanken gelesen zu haben. “Wir würden das Café eigentlich gerne ausbauen, aber dazu reicht unser Geld noch nicht. Ich meine, als Pokémon hat man vielleicht nicht viel Ahnung von Geld und Kosten und so was, aber selbst Pokémon wissen wahrscheinlich, dass man nicht nur Geld einnimmt.“ Da hat sie zumindest halb recht. Ich meine, ich bin zwar kein Pokémon, aber ich weiß auch so, dass Pokémon sehr wohl von einer Menge Ahnung haben. Auch von Geld und Kosten. Pokémon sind sehr wohl in der Lage zu lesen und zu rechnen, sofern sie es gelernt haben. Wie Menschen und Rainbowheart auch. Ich sehe mich um und entdecke hinter der Theke eine junge Frau, zu jung um Yaras Mutter zu sein, aber mit den selben violetten Haaren und den silbergrauen Augen. Allerdings sind ihre Haare zu einem Dutt gebunden und ihre Haut ist etwas gebräunter. Yara bemerkt meinen Blick. “Das ist meine Schwester Yume, die Älteste unter uns Geschwistern. Sie arbeitet meistens an der Theke. Die Bedienungen, die hier herumlaufen, sind Angestellte.“ Die sind mir noch gar nicht aufgefallen. Bei so vielen Menschen verliert man schnell den Überblick. Yara holt einen Muffin und hält ihn mir hin. “Wir backen auch Leckereien für Pokémon.“ Begeistert stürze ich mich darauf. Yara wartet lächelnd, bis ich aufgegessen habe, dann dreht sie sich um. “Komm Shay, ich zeige dir mein Zimmer.“ Ich nicke und folge ihr bis zur Theke, doch dann bleibe ich irritiert stehen. Habe ich mich gerade verhört? “Komm Kleines, lass Miss Yara nicht so lange warten“, spricht mich eine der Bedingungen an. Ich erstarre und spüre, wie mein Magen sich verkrampft. Mir wird eiskalt. Es liegt nicht daran, dass die Bedienung sie 'Miss' Yara genannt hat. Als Angestellter ist das wahrscheinlich sogar angebracht. Es liegt an seiner Stimme. Es ist schon fünf Jahre her, dass Jäger meine Eltern zur Strecke gebracht haben, doch diese Stimme werde ich nie vergessen. “Shay, lass die Bedienung und komm jetzt.“ Ich zittere am ganzen Leib. Sie weiß es. Sie weiß meinen Namen. Sie hat einen Jäger als Angestellten. Heißt das, sie ist eine Jägerin? Als ich weiterhin nicht reagiere, geht Yara ein Licht auf. “Ach, hattet ihr schon das Vergnügen?“ Immer mehr Leute verlassen das Café. “Gleich wird geschlossen!“, ruft die Frau an der Theke. Die restlichen Leute zahlen und verschwinden. Keiner scheint von dem ängstlichen Flamara Notiz zu nehmen. Yara lächelt. “Genau rechtzeitig. Nun, ich stelle euch besser mal vor. Shay, das ist Lyon, ehemaliger Pokémon - und Rainbowheart - Jäger und nun geschätztes Mitglied von Team Spaceship. Lyon, das ist Shay, ein Flamara - Rainbowheart.“ Ich zittere und will wegrennen, doch meine Beine fühlen sich an wie Blei. Yara lächelt nur. “Es dauert nicht mehr lange.“ Ich verstehe kein Wort von dem, was sie sagt, doch sie macht mir immer mehr Angst. “Hey! Lasst sie in Ruhe!“ Müde drehe ich mich zu der Stimme um. Es ist der blinde Junge, Jonas. Die zweite Bedienung fängt an zu lachen. “Willst du hier den Helden spielen? Nachdem du uns die nötigen Informationen geliefert hast, die wir brauchten, um die Rainbowheart zu finden?“ Erschrocken bleibt Jonas stehen. “Was?“ Die Bedienung grinst. “Du fandest es überhaupt nicht auffällig, dass dich jemand nach sprechenden Pokémon fragt, obwohl das eigentlich etwas ist, was überhaupt nicht möglich ist. Zumindest nicht bei gewöhnlichen Pokémon, wenn man von Psycho - Pokémon und ihrer Telepathie absieht. Du bist ganz schön naiv, Nebelauge.“ “Grr... na wartet, euch mach ich im Schlaf fertig! Flamer, los!“ Danach kann ich nichts mehr verstehen, weil alle gleichzeitig unterschiedliche Pokémon rufen. Fest steht: Jonas hat keine Chance. Und ich bin kurz davor, einzuschlafen. Die Welt um mich herum wird grau und ich habe das Gefühl, als würde ich in Wasser sinken. Kurz darauf schlafe ich ein.

    - Thea's Sicht -

    Pünktlich zur Mittagszeit bin ich in Lavandia angekommen. Das es Mittag ist, erkenne ich am Stand der Sonne und an meinem Magen, der mir mit einem Knurren zu verstehen gibt, dass er etwas zu Essen möchte. Doch ich habe nicht vor, während der Mittagszeit irgendwo hinzugehen, weil überall viele Menschen sind. Außer im Turm. Also nähere ich mich dem zuerst. Auch am helllichten Tag sieht er unheimlich und wenig einladend aus. Aber ich habe beschlossen, bis ganz nach oben zu gehen. Und dabei halte ich Ausschau nach Shay. Wie ich erwartet habe, ist der Turm menschenleer. Nur ein einziger älterer Herr steht im ersten Raum. Ich laufe die Treppe hoch. Bisher ist hier nichts interessantes. Keine Geister, nicht mal ein Geist - Pokémon. Je weiter ich gehe, desto dunkler wird es. Nicht weiter schlimm, schließlich versteckt sich ja nichts im Dunkeln, oder? Oder? Ach was, natürlich nicht. Ich befinde mich mittlerweile im vierten Stockwerk und es ist noch nichts passiert. Von wegen Geister, der Turm ist einfach nur dunkel! Ich nähere mich der Treppe, als plötzlich etwas vor mir schwebt. “Vorsicht.“ Vor Schreck bleibt mir fast das Herz stehen. Es ist ein Traunmagil und ich wäre fast hineingerannt. “T-tut mir leid, ich habe dich nicht gesehen...“, entschuldige ich mich. Ich sehe mich um und erkenne erst jetzt, dass der Raum voller Geist - Pokémon ist. Viele davon kommen nicht einmal aus dieser Region. Eines davon ist, glaube ich, nicht einmal ein Pokémon. Es sieht aus, als hätte man seinen Kopf durch eine Discokugel ersetzt. In einer Ecke entdecke ich ein Paragoni, das leise vor sich hin weint. Vorsichtig nähere ich mich ihm. “Wer bist du denn? Warum weinst du?“ Das Paragoni sieht zu mir hoch. “I-Ich bin Para... u-und... Ich f-fühle mich e-einfach allein. D-Die anderen Geister w-wollen gar nichts mit mir z-zu tun haben... w-wäre das n-nette Flamara wieder da...“ “Hast du gerade Flamara gesagt? Hat sie gesagt wie sie heißt?“ Verwirrt sieht Para mich an. “Shay... sie ist dann die Treppe dort hochgelaufen und dann-“ “Danke!“, unterbreche ich ihn und renne die Treppe nach oben. Sie ist hier! Arceus sei dank! Ich hab sie gefunden! Ich hab sie ge- “Aah!“ Ja, das war ich und ja, ich bin die letzten zwei Stufen wieder runtergefallen. Und ja, ich gebe zu, ich habe Angst bekommen. Aber ich stehe wieder auf und laufe die Stufen wieder hoch. Uuuuund... jetzt habe ich richtig Panik. Vor mir steht ein Geist. Hinter dem Geist sind leuchtende Augen. Und alle starren mich an, als wollten sie mich in Stücke zerreißen. Oh, bevor ich weitererzähle, eine Frage. Habt ihr jemals vor einem Geist gestanden und euch gefragt, ob ihr abhauen oder bleiben sollt, weil er einfach verdammt gut aussieht? Wahrscheinlich nicht, weil ihr noch nie einen Geist gesehen habt. Nun ja, jetzt stehe ich da wie angewurzelt und weiß nicht was ich tun soll. Der Geist scheinbar schon. “Verschwinde!“ Oha, der klingt aber schlecht gelaunt. Ich bleibe trotzdem stehen. Zumindest eine Sache möchte ich noch loswerden. “Wo ist Shay?“ Der Gesichtsausdruck des Geistes wechselt von wütend zu überrascht. “Du kennst Shay?“ Ähm... wie bitte? “Ich bin ihre Schwester! Wo ist sie?“ Eines der glühenden Augen beginnt zu sprechen und mein Fell beginnt zu knistern, so sehr zittere ich. “Du kannst uns nicht beweisen, dass sie deine Schwester ist, doch du kannst uns beweisen, dass du ein Rainbowheart bist.“ Ich nicke zögernd und gebe meine Tarnung auf. Tarnung aufgeben ist besser als gefressen zu werden. Die glühenden Augen verschwinden und auch der Geist beruhigt sich. Ich verschränke die Arme. “Also kennt ihr Shay. Wo ist sie?“ “Nicht hier“, antwortet der Geist knapp. Langsam habe ich die Nase voll. “Ich habe nicht gefragt wo sie nicht ist, ich habe gefragt wo sie ist!“ Der Geist seufzt. “Sie hat die Stadt verlassen, zusammen mit ihrer menschlichen Begleitung. Sie wurde nicht gefangen, es ist eher eine Art Freundschaft. Wahrscheinlich sind sie auf dem Weg zur nächsten Stadt, Prismania City.“ Warte, was? “Sie ist mit einem Menschen unterwegs? Das Mädel bringt sich noch um!“ “Bisher hat sie sich ganz gut geschlagen“, meint der Geist und klingt eigentlich recht locker. Doch er wirkt auch leicht angespannt. Irgendetwas verheimlicht er mir, doch dafür habe ich jetzt keine Zeit. “Weißt du eigentlich wie naiv Shay ist? Du brauchst nur freundlich lächeln, ihr anbieten dein Freund zu sein und schon ist sie dabei!“ “Sie hat wohl nicht viele Freunde, hm? Wahrscheinlich fühlt sie sich einsam.“ Bei diesen Worten zucke ich zusammen. “Sie hatte mich... bevor sie abgehauen ist...“ Ich schüttel den Kopf, um die düsteren Gedanken loszuwerden, die versuchen in meinem Kopf Platz zu finden. Dann verlasse ich eilig den Turm.

    - Erzählersicht -

    Während Thea leicht verunsichert ihre Suche nach Shay fortse- “Ist gut, ist gut, wir habens kapiert! Kapitel zuende!“ Thea! “Was?“ Ich habe ja nichts dagegen, wenn du dich mit den Lesern unterhältst, aber lass mich wenigstens auch ein bisschen zum Kapitel beitragen. “Du schreibst.“ Das meine ich nicht... “Mir egal, ich gehe jetzt was essen. Ciao!“ Phew... Was soll's. Wir sehen uns im nächsten Kapitel.

    10
    Kapitel 8
    Entscheidungen


    - Thea's Sicht -

    Mit gefülltem Magen beginne ich meine Reise nach Prismania City. Fragt nicht wo ich Essen bekommen habe. Ich folge dem Weg und hoffe, dass ich keinem Trainer begegne. Das wäre jetzt das letzte, was ich gebrauchen könnte. Während ich so laufe und mich dabei wachsam umsehe, spuken mir Konversationen durch den Kopf, die ich mit meiner Schwester haben könnte, sobald ich sie gefunden habe. So ziemlich alle enden im Streit. Das macht so echt keinen Spaß. Meine Gedanken schwenken über zu ihrer Begleitung. Der Geist hat, glaube ich, nicht erwähnt ob es ein Mädchen oder ein Junge ist. Aber dieser Jonas kann es nicht sein, den habe ich schließlich ein Weilchen verfolgt. Also hat sie sich auf jemand ganz fremden eingelassen, der nichts von ihrer Identität weiß. Ich wäre schon bei Jonas sauer, aber jemand, dem sie noch nie vorher begegnet ist? Wie naiv muss man sein? Ich weiß, sich aufzuregen bringt nichts. Ich tue es trotzdem. Hab eh nichts besseres zu tun. Außer natürlich laufen. Wisst ihr was? Ich langweile euch jetzt nicht weiter, sondern melde mich wieder wenn etwas interessantes passiert.

    - irgendwann später -

    Okay, ich bin jetzt in Prismania City und ziemlich erschöpft. Außerdem habe ich Seitenstechen. Und ich habe wieder Hunger. Und Durst. Okay, Thea, krieg dich wieder ein! Du bist hier, um Shay zu finden! Nur... wo fange ich zu suchen an? Mir fällt eine Arena ins Auge und ich laufe hin. Doch an der Tür hängt ein Schild, auf dem in großen Buchstaben 'Geschlossen' steht. Schade. Ich wende mich ab und gehe zum nächsten Gebäude. Hoffentlich hat Shay die Stadt nicht schon wieder verlassen...

    - Shay's Sicht -

    Als ich meine Augen öffne, bin ich in einer Art schwarz-weiß Version von Prismania City. Ich schließe und öffne meine Augen mehrmals, doch es ändert sich nichts. Als nächstes fällt mir auf, dass ich ungetarnt bin. Normalerweise enttarnt man sich nicht, wenn man in Ohnmacht fällt. Nur wenn man sich schlafen legt, also aus 'freiem Willen' den wachen Zustand verlässt, enttarnt man sich automatisch. Allerdings habe ich auch keine Ahnung was in dem Muffin drin war, den Yara aka die Verräterin mir verabreicht hat. Eigentlich sollte ich traurig, enttäuscht und all sowas sein, doch dazu bin ich viel zu verwirrt. Ich stehe auf und sehe mich um. Scheinbar bin ich nicht mehr im Café, doch ich bin noch immer in einem Gebäude. Es sieht aus wie eine Art Halle. Auf dem Boden ist ein großes Feld eingezeichnet. In meinem Kopf baut sich langsam eine Vermutung auf, wo ich sein könnte. Plötzlich höre ich die Tür quietschen. Ich fahre herum und entdecke ein blondes Mädchen. Sie trägt eine weiße Bluse, einen weißen Rock und weiße Schuhe. Auf ihrem Rücken hat sie einen rosa Rucksack. Unsicher sieht sie sich um. “Hallo? Ist hier jemand?“ Schnell versuche ich mich zu tarnen, doch es geht nicht. Hastig suche ich nach einem Versteck. Erst nach einer Weile geht mir auf, dass das Mädchen mich gar nicht zu sehen scheint. Als wäre ich ein Geist. Bin ich ein Geist? Das wäre... schlecht. Naja, darüber denke ich später nach. Ich wende meine Aufmerksamkeit dem Mädchen zu. Sie wartet wohl noch immer auf ein Lebenszeichen. “Hallo? Ich bin hier, um gegen den Arenaleiter anzutreten!“ Keine Reaktion. Sichtlich enttäuscht dreht das Mädchen sich um und will gehen. Doch da kommt ein junger Mann aus einer anderen Tür. Ist das ein Arenaleiter? Sonderlich spektakulär sieht er nicht aus. “Tut mir leid, junge Dame, aber aufgrund einiger Probleme finden im Moment keine Arenakämpfe statt. Genaueres darf und kann ich ihnen leider nicht sagen.“ Ist das vielleicht nur ein Mitarbeiter? Würde Sinn ergeben. Das Mädchen senkt enttäuscht den Kopf. “Schade... nun ja, dann komme ich später noch einmal wieder.“ Der Mann nickt und verschwindet. Das Mädchen dreht sich um und will ebenfalls gehen. Sie versucht die Tür zu öffnen, doch irgendjemand hat sie von außen abgeschlossen. “He! Lasst mich raus!“ Hinter mir ertönt ein Kichern. Blitzschnell drehe ich mich um. Vor mir steht ein Wesen, welches ich bisher nur aus den Geschichten meiner Mutter kenne: Marshadow. Frech grinst es mich an. “Hat lange gedauert bis du aufgewacht bist. Noch irgendwelche Nachwirkungen von dem Muffin?“ Ich nicke. “Ich kann mich nicht mehr verwandeln.“ Marshadow sieht zu Boden. “Mist. Das ist schlecht. Ich kann dich nicht ewig im Schatten verstecken. Warte... vielleicht liegt es daran, dass du hier bist. Ich bringe dich gleich hier raus, aber zuerst muss ich noch etwas erledigen. Dann reden wir weiter.“ Es schwebt zu einem Fleck bei dem Mädchen, der als einer der wenigen Dinge hier farbig ist. Scheinbar hängt das damit zusammen, wo überall Schatten ist. Marshadow geht hindurch, wie durch ein Portal. Das Mädchen erschrickt, doch Marshadow gibt ihr nicht die Chance etwas zu sagen. “Hi Lilly! Kennst du mich noch?“ “M-Marshadow? Hast du die Tür abgeschlossen?“ Marshadow kichert. “Na klar! So können wir in aller Ruhe reden. Außerdem hängt draußen ein Schild, da steht in großen Buchstaben drauf 'Geschlossen'“ Lilly rollt mit den Augen, sagt aber nichts. Scheinbar ist sie sowas schon gewohnt. Marshadow holt theatralisch tief Luft, bevor es mit seiner Geschichte beginnt. “Vor vielen vielen Jahren, lange bevor Legenden zu Legenden wurden und bevor Menschen Pokémon in Bällen fingen, gab es eine weitere Spezies, die überall in dieser Welt verbreitet war.“ “Marshadow, bitte“, unterbricht Lilly. “Fass dich kurz.“ Marshadow ist enttäuscht. “Schade. Das wäre so eine schöne Geschichte. Na gut. Lilly, ich möchte dir jemanden vorstellen, aber du musst versprechen, ihre wahre Identität geheimzuhalten. Versprich mir das!“ Lilly zögert. “Ich... Ich weiß doch nicht mal, wer es ist...“ “Versprich es! Ihr Leben hängt davon ab!“ Erschrocken reißt Lilly die Augen auf. “Ihr Leben? Das klingt dramatisch... ist das dein Ernst?“ Marshadow nickt. “Mein voller Ernst. Wir könnten Hilfe gebrauchen und ich vertraue dir. Aber trotzdem musst du mir versprechen, dass du ihre Identität geheimhältst.“ Lilly nickt. “Okay, ich verspreche es. Wie kann ich helfen?“ Marshadow lächelt. “Danke, Lilly. Ich bin gleich wieder da.“ Es kommt durch ihren Schatten zurück zu mir. “Oje, du wirst langsam grau... schnell, du musst hier raus.“ Ohne auf meine Antwort zu warten, zieht Marshadow mich mit sich. In kürzester Zeit haben wir die Schattenwelt verlassen. Marshadow stellt sich zwischen Lilly und mich. “Lilly, das ist Shay. Sie ist ein Wesen namens Rainbowheart, zumindest sind sie heutzutage unter diesem Namen bekannt. Ursprünglich hatten sie mal einen anderen Namen, aber der ging im Laufe der Zeit verloren. Jedenfalls sind Rainbowheart eine Art Mischwesen aus Mensch und Pokémon. Wie du siehst, ist Shay ein Flamara - Rainbowheart. Sie hat einige Merkmale des Flamara, wie zum Beispiel die Ohren. Die Kleidung erinnert ebenfalls an das Pokémon Flamara. Das ist kein Zufall. Rainbowheart beherrschen auch Attacken, können aber fünf lernen anstatt nur vier. Cool, nicht? Und sie können sich tarnen. Getarnt sehen sie aus wie das Pokémon, das sie teilweise sind.“ Marshadow macht eine kleine Atempause, bevor er sich an mich wendet. “Das ist Lilly aus Alola. Lilly ist bekannt bei den Legendären und wird von ihnen respektiert. Sie hat sich um ein Cosmog gekümmert und ihr bestes getan, um es zu beschützen. Zu dem Zeitpunkt hatte sie keine Pokémon und Cosmog ist äußerst neugierig, deshalb war es eine ganz schöne Herausforderung und es gab einige Turbulenzen, aber zum Glück hat sie einige gute Freunde und letztendlich entwickelte sich Cosmog zu Solgaleo. Natürlich war noch eine Stufe dazwischen, aber darum geht's jetzt nicht. Es geht darum, dass ich ihr vertraue und dass sie helfen kann, dich zu beschützen.“ Ich weiche einen Schritt zurück. “Ich dachte auch, ich könnte Yara trauen. Du weißt wohl selbst, wie das ausging.“ Marshadow nickt. “Schon, aber Yara kannte ich überhaupt nicht. Deswegen habe ich euch auch beobachtet. Es passiert nicht oft, dass ein Rainbowheart einen Menschen begleitet.“ “Woher wusstest du überhaupt, dass ich ein Rainbowheart bin?“, unterbreche ich Marshadow. Dieser grinst. Ja, ich bezeichne Marshadow jetzt einfach als einen Jungen. “Nun, ich liebe dunkle oder schattige Orte und Lavandia ist einer davon. Para hat sich Sorgen um dich gemacht. Es war seit Ewigkeiten keiner mehr so nett zu ihm.“ Para das Paragoni? Ich lächel ein wenig. Scheinbar tut man manchen schon einen großen Gefallen, wenn man sich einfach etwas Zeit nimmt und sich ihre Probleme anhört. Ich notiere mir innerlich, dass ich bei Gelegenheit nach Lavandia muss und mich bei ihm bedanke. Er hat mir das Leben gerettet. “Ähm... Entschuldigung?“, meldet sich Lilly zu Wort. “Was ist denn jetzt genau das Problem?“ Ich beschließe, Marshadow zu vertrauen und wende mich an Lilly. “Wenn Marshadow, ein mysteriöses und legendäres Pokémon, dir vertraut, dann werde ich das auch tun. Wie dir wahrscheinlich klar ist, haben Rainbowheart ihre Tarnung nicht ohne Grund. Aus mir unbekannten Gründen werden wir gejagt. Und die wenigsten Rainbowheart kommen glimpflich davon.“ Schockiert sieht Lilly zu Marshadow, welcher ernst nickt. “Es gab vor gar nicht allzu langer Zeit eine Art 'große Jagd'. Die zurückgezogenen Rainbowheart wurden ausfindig gemacht und verfolgt. Es hatte Jahre gedauert, diese Jagd vorzubereiten, doch für die Jäger hat es sich gelohnt. Viele junge Rainbowheart verloren ihre Eltern und die Jäger namen ein Vermögen ein. Danach suchten viele Rainbowheart einen neuen Platz zum Leben, noch weiter von der Zivilisation entfernt als zuvor. Und manche zogen näher an die Zivilisation, was auch keine schlechte Idee ist, da niemand sowas erwartet. Aber ich schweife ab. Nun sind erneut Leute hinter Rainbowheart her, eine noch im heimlichen arbeitene Organisation namens Team Spaceship. Die meisten von ihnen sind ehemalige Mitarbeiter von Team Rocket, die die Hoffnung auf Weltherrschaft noch nicht aufgegeben haben. Und sie haben neue Rekruten: ehemalige Rainbowheart - Jäger. Sie hätten Shay fast erwischt.“ Lilly sieht Marshadow etwas irritiert an. “Möchtest du etwa... dass ich sie beschütze?“ Marshadow nickt. “Du bist jetzt eine Trainerin, Lilly. Und eine richtig gute noch dazu. Deine Pokémon vertrauen dir vollkommen.“ “Aber... das Leben von jemandem zu beschützen... dazu bin ich wirklich noch lange nicht stark genug...“, widerspricht Lilly. Ich tarne mich. “Wie viele Pokémon hast du, Lilly?“ Lilly starrt mich kurz verwirrt an, wegen meiner Verwandlung, dann holt sie vier Pokébälle raus. “Es sind vier. Ein Alola Vulpix, ein Bisaknosp, ein Piepi und ein Dragonir.“ “Haben sie Spitznamen?“, frage ich weiter. Lilly nickt. “Mein Alola Vulpix heißt Flocke, Bisaknosp heißt Flora, Piepi heißt Rosa und Dragonir heißt Drake.“ Klingt, als wäre Drake der einzige Junge in ihrem Team. Der Arme. Na ja, darum geht's jetzt nicht. Ich überlege. “Ich könnte dich einfach begleiten, wie ich es vorher mit Yara gemacht habe... aber ich fürchte, das wäre auffällig.“ Marshadow nickt. “Sie werden jetzt wahrscheinlich jedes Flamara, das sie sehen, genau unter die Lupe nehmen.“ Hm... das fürchte ich auch. Ich überlege, dann sehe ich Marshadow direkt in die Augen. “Marshadow, wie sehr vertraust du Lilly?“ Marshadow sieht mich ernst an und zuckt nicht mal mit der Wimper. Nicht, dass er Wimpern hätte... “Ich würde ihr mein Leben anvertrauen.“ Ich nicke zufrieden. “Das reicht mir.“ Dann wende ich mich an Lilly. “Ich gebe dir die Erlaubnis, mich zu fangen.“

    - Thea's Sicht -

    Es ist mir ja schon ziemlich peinlich, aber... ich hatte schon wieder Hunger. Und ich habe mich in ein Café geschlichen und dort einen Muffin stibitzt. Aber irgendwas darin ist mir nicht bekommen. Ich liege hier mitten auf dem Weg und versuche verzweifelt, nicht einzuschlafen. Einige Passanten starren mich an und tuscheln miteinander. Einer knipst sogar Fotos! Wie respektlos muss man sein? Ich. Hasse. Menschen. Plötzlich drängelt sich ein Arkani an den Leuten vorbei und geht zu mir. Dann packt es mich sanfter als gedacht im Nacken und trägt mich weg von den Schaulustigen. Dann kann ich nur noch dumpf etwas hören und sehe nur verschwommene Farben, doch ich kann meine Tarnung aufrechterhalten, auch wenn ich spüre, dass es nach und nach schwerer wird. Ich versuche nie wieder, etwas zu stehlen! ... Irgendwas stimmt hier nicht... Was mache ich am Strand? Ich war noch nie am Strand. .... Doch. Ein einziges Mal, als Shay und ich noch kleine Evolis waren. Wir waren hier mit unseren Eltern. Es war unser Geburtstag und als Geschenk durften wir einmal raus aus dem Wald. Unsere Mutter war froh, endlich mal wieder am Meer sein zu können. Als Aquana ist das verständlich. Auf einmal sehe ich sie im Wasser schwimmen. Vor Schreck falle ich fast hin. Sie sieht genauso aus, wie ich sie in Erinnerung habe. Plötzlich spüre ich etwas, das sich wie ein starker Wind anfühlt. Ich bin wieder das kleine Evoli von damals. Vorsichtig nähere ich mich dem Wasser, bleibe direkt davor stehen und zucke jedes mal zurück, wenn die Gischt meine Pfoten berührt. Meine Mutter lacht. “Komm, Sarathea, das Wasser beißt nicht.“ Ihre sanfte Stimme erfüllt mich mit Mut. Ich laufe ins Wasser, bis nur noch der Kopf herausguckt. Dann enttarne ich mich, damit ich noch weiter reingehen kann. Ich höre meinen Vater vom Ufer rufen. “Sarathea! Tarn dich wieder! Wir sind nicht Zuhause!“ Erschrocken zucke ich zusammen und tarne mich schnell wieder, doch ich habe vergessen zurückzugehen und als ich merke, dass ich keinen Boden unter den Pfoten habe, kann ich nichts weiter tun außer hilflos und panisch planschen. Meine Mutter versucht, sich mir zu nähern, doch in meiner Panik haue ich ihr auf die Schnauze. Etwas benommen treibt sie zurück und schüttelt den Kopf. Währenddessen gehe ich unter und verliere langsam das Bewusstsein. Als ich wieder zu mir komme, liege ich in einer kleinen, scheinbar verlassenen Höhle. Neben mir sitzt getarnt meine Schwester. Am Ausgang stehen meine Eltern und unterhalten sich. Ich kann nur ein paar Fetzen der Unterhaltung aufschnappen, doch ihr besorgter Ton gefällt mir nicht. “.... Nicht normal... Fehler in der Tarnfähigkeit...“ “... noch jung... mit der Zeit legen...“ “... wenn nicht... gefährlich... besonders aufpassen...“ Endlich merken sie, dass ich wach bin. Sofort verstummen sie. Dann kommt mein Vater zu mir. “Geht es dir gut? Bist du verletzt?“ Ich will gerade den Kopf schütteln, als mir auffällt, dass seine Stimme immer mehr verzerrt. Meine Schwester und meine Mutter stellen sich neben ihn. Um uns herum wird alles schwarz und sie beginnen, sich immer weiter von mir zu entfernen. Ich versuche, hinterher zu rennen, doch ich kann mich nicht von der Stelle bewegen. “Wartet!“, rufe ich verzweifelt, “Bleibt hier! Bitte! Lasst mich nicht allein!“ “He, es ist alles gut. Du bist nicht allein.“ Ruckartig wache ich auf. Als erstes stelle ich fest, dass ich ungetarnt bin. Als nächstes sehe ich das Arkani, das mich gerettet hat. Und seinen Trainer. Dreimal dürft ihr raten wer es ist. Na? Bingo! Es ist Jonas. “Oh bitte nicht...“, murmel ich vor mich hin. Jonas verzieht den Mund. “Na das nenne ich mal eine nette Begrüßung. Nicht, dass ich etwas anderes erwartet hätte. Schon gar nicht nach einem Albtraum.“ Ich schüttel abwesend den Kopf. “Das war kein Albtraum... nicht wirklich...“ Jonas glaubt mir offensichtlich nicht. “Das hat sich aber ganz anders angehört.“ Ich rede im Schlaf? Na super. Themawechsel. “Warum habt ihr mich überhaupt gerettet?“ Jonas seufzt. “Weil ich derjenige bin, der dich und deine Schwester in Gefahr gebracht hat. Ich würde gerne mehr erklären, aber nicht hier. Städte sind im Moment kein geeigneter Ort für dich. Wir müssen in die Wildnis.“ Normalerweise würde ich mich nicht auf einen Menschen einlassen, aber das, was er zu sagen hat, könnte wichtig sein. Und solange es in meinem Spezialgebiet ist, kann ich mich im Notfall wehren und wegrennen. Also nicke ich. “Gut. Auf in die Wildnis.“

    - Erzählersicht -

    ... “Jetzt hab dich nicht so. Wenn ich hungrig bin, bin ich schlecht gelaunt. Das weißt du doch.“ Meinetwegen, aber nur, wenn du mich nie wieder unterbrichst. “Versprochen.“ Wenn du dieses Versprechen brichst, schaffe ich dich mit Jonas auf eine einsame Insel. “Bitte nicht! Ich werde mich dran halten.“ Danke, Thea. Also... Zusammen mit Jonas und seinen Pokémon verlässt Thea die Prismania City. Was würde sie wohl zu der schockierenden Entscheidung ihrer Schwester sagen? Und wird Lilly Shays Angebot annehmen?

    11
    Kapitel 9
    Flamey


    - Shay's Sicht -

    Lilly sieht mich leicht irritiert an, während Marshadow aussieht, als hätte er ein pinkes, sechsbeiniges Ponita gesehen, dass Sterne aus seinen Augen schießt. Was verrückteres ist mir spontan nicht eingefallen. “D-d-du... du lässt dich freiwillig fangen?“, stottert er erschrocken. Ich nicke. “Ich bin bereit, dieses Opfer zu bringen, um sicher... oder zumindest sicherer zu sein. Und wenn du Lilly so sehr vertraust, bin ich bereit ihr ebenfalls zu vertrauen.“ Marshadow ist immer noch erstaunt, scheint aber einverstanden zu sein. Lilly überlegt. “Und du bist sicher, dass du das willst?“ Ich nicke ernst. “Ich bin absolut sicher.“ Lilly hockt sich vor mir hin. “Okay. Und wenn das alles vorbei ist, lasse ich dich wieder frei, versprochen.“ “Wenn es je ein Ende nehmen würde...“, murmel ich leise. Lilly holt einen Pokéball aus ihrer Tasche und hält ihn mir hin. Ich tippe mit der Pfote dagegen. Mein ganzer Körper kribbelt, als ich mich in Plasma auflöse. Zumindest gehe ich davon aus, dass das rote Zeug Plasma ist. Bevor ich hinterfragen kann, wie ich noch am Leben bin, werde ich durch eine Art Portal gebracht. Plötzlich befinde ich mich auf einem weißen Fleck vor einer Blumenwiese. Daneben ist ein Wald, der aussieht, als hätte man ihn säuberlich von der Wiese abgetrennt. Ich sehe mich um und entdecke weitere abgetrennte Gebiete, zum Beispiel ein Vulkangebiet, ein Meer, eine Lagune, eine Eiswüste, ein Gebirge und so weiter. Überall sind Pokémon. Bevor ich irgendwas tun kann, blinkt der weiße Punkt grün auf und verschwindet dann. Ich befinde mich nun auf der Wiese. Ich möchte gerade losgehen und mich umschauen, als ich mich in Plasma auflöse und wieder aus dem Ball herausgezogen werde. Ich kapiere zwar nicht, wie das alles funktionieren kann, aber hey. Es gibt viele unlogische Dinge in dieser Welt. Zum Beispiel, dass Glurak nicht Typ Drache ist. Jedenfalls nehme ich wieder Form an. Lilly hockt immer noch an der gleichen Stelle. “Wir sollten dir auch einen neuen Namen geben.“ Ich nicke. “Aber nichts zu spezielles. Lieber etwas simples, leicht herzuleitendes, wie der Rest deines Teams.“ Lilly überlegt nicht lange. “Wie wär's mit Flamey? Du weißt schon, von 'Flame', also 'Flamme'?“ Ich nicke. “Gute Idee.“ Lilly lächelt und steht auf, doch dann zögert sie. “Also... was soll ich jetzt tun?“ Marshadow schließt die Tür auf, dann kommt er zu ihr. “Du setzt einfach deine Reise fort. Tu das, was du sowieso tun wolltest.“ Marshadows Idee scheint Lilly nicht zu helfen. Sie nickt zwar, ist aber immer noch unsicher. “Ja klar, aber... Ich muss auf den Arenaleiter warten.“ “Nicht mehr lange“, ertönt eine Stimme von der Tür. Wir drehen uns um. In der Tür steht eine Frau. “Tut mir leid. Es gab Unruhen in der Stadt. Scheinbar hat ein Gast im Café für Ärger gesorgt. Aber es ist alles wieder im grünen Bereich.“ Mir fällt ein, dass sie von Jonas spricht, doch sie klingt nicht, als hätte es irgendwelche Folgen gegeben. Also bleibe ich ruhig und setze mich neben Lilly. Marshadow ist inzwischen verschwunden. Die Frau kommt näher und reicht Lilly zum Gruß die Hand. “Ich bin Erika, die Prinzessin der Natur, Arenaleiterin von Prismania City.“ Lilly lächelt. “Ich bin Lilly. Es freut mich, sie kennenzulernen.“ Was sie danach sagen, bekomme ich nicht mehr wirklich mit. Kurzzeitig kann ich einen Schatten mit glühenden Augen erkennen, dann verschwindet er. Ich lächel. Marshadow passt immer noch auf. Wobei ich mich frage, auf wen er aufpasst. Auf Lilly oder auf mich? “Los, Flocke!“ Lillys Ruf schreckt mich aus meinen Gedanken. Der Arenakampf beginnt.

    - Thea's Sicht -

    Wir befinden uns mitten auf einer Wiese. Hier können wir zwar von weitem gesehen werden, doch wir können auch Feinde von weitem kommen sehen. Und ich bin natürlich getarnt. “Also“, wende ich mich an Jonas, “Was ist mit meiner Schwester passiert?“ Scheinbar klang das ein wenig drohend, denn Jonas zuckt ganz schön zusammen. “U-um genau zu sein habe ich keine Ahnung, wohin sie verschwunden ist. Aber lass mich von Anfang an erzählen. Ich weiß, das klingt ziemlich dämlich, aber ich wurde, kurz nachdem ich euch zum ersten mal getroffen habe, von einer verhüllten Person gefragt, ob ich zufällig einem sprechenden Pokémon begegnet bin.“ Ich merke schon, wohin das führt. “Und du hast ihr von mir und sogar von meiner wahren Gestalt erzählt, richtig?“ Jonas senkt beschämt den Kopf. “Ich war so aufgeregt, ich konnte nicht anders. Ich meine, wie oft begegnet man einem Pokémon, dass sie halb in einen Menschen verwandeln kann?“ Ich rolle mit den Augen. Doch bevor ich seine Tat kommentieren kann, fällt mir etwas anderes ein. “Moment mal! Das erklärt, warum sie hinter mir her sind, doch was ist mit meiner Schwester?“ “Zwei Mitglieder der Organisation haben euch beobachtet, als ihr mit Aurora geredet habt. Zu ihrem Pech ist Shay damals abgehauen, also haben sie dich verfolgt.“ Langsam werde ich misstrauisch. “Woher weißt du das alles?“ Jonas sieht mich an und grinst. “Bösewichte lieben lange Monologe. Yara hat gar nicht gemerkt, dass Shay plötzlich verschwunden ist.“ Alles klar... Ich meine, Unrecht hat Jonas nicht. In jeder Geschichte, die ich kenne, hält der Bösewicht einen langen Monolog, bevor der Kampf beginnt. Manchmal sind es auch Unterhaltungen zwischen Held und Bösewicht, aber meistens sind es Monologe. Okay, ich schweife ab. Ich überlege eine Weile, dann wende ich mich wieder an Jonas. “Okay, also kurzgefasst: Du hast uns versehentlich verraten und Shay ist wie vom Erdboden verschluckt, aber nicht bei Team Spaceship?“ Jonas nickt. “Ja und... Es tut mir wirklich leid. Um das wieder gutzumachen, möchte ich dich begleiten. Was sagst du?“ Ich kann nicht anders, ich fange lauthals an zu lachen. Ich meine, jemand hat euch gerade erzählt, dass er euch verraten hat, mit demjenigen, der eurer Schwester etwas antun wollte, gekämpft hat und danach feststellen musste, dass eure Schwester wie vom Erdboden verschluckt ist... würdet ihr euch von dieser Person begleiten lassen? Entschuldigung oder nicht, ich denke, dass ich ohne ihn eindeutig sicherer bin. Ich lache übrigens immer noch und langsam werde ich heiser. Jonas sieht mich verunsichert an. “Also... ist das ein ja?“ Ich höre auf zu lachen und schlage mir mit der Pfote gegen die Stirn. “Nein, natürlich nicht. Ich werde einfach weiterhin alleine reisen. Ich werde nur nicht mehr irgendwelche Sachen naschen, die von Menschenhand gemacht wurden.“ Jetzt ist Jonas eindeutig verwirrt. “Ehrlich nicht? Ich denke, du könntest Hilfe gebrauchen...“ Ich sehe ihm direkt in die Augen. “Kumpel, jetzt hör mir mal zu.“ Jonas hockt sich hin, um ungefähr auf gleicher Augenhöhe zu sein. Perfekt. “Also, Jonas, ich möchte dich nicht als meine Begleitung, weil wegen dir der ganze Ärger erst angefangen hat. Wärst du nicht gewesen, wäre ich jetzt immer noch mit meiner Schwester im Wald und alles wäre friedlich.“ “Ich denke nicht...“, beginnt Jonas, doch in unterbreche ihn mit einem leichten Stromschlag. “Nein! Ich brauche deine Hilfe nicht!“ Mit diesen Worten renne ich davon. Der hat vielleicht Nerven! Ich schüttel den Kopf und verschwinde im nächsten Wald.

    - Shay's Sicht -

    Lilly hat den Kampf gewonnen und einen Orden erhalten. Ich selbst habe nicht gekämpft und das finde ich auch ganz okay. Ich meine, als Feuer - Pokémon, beziehungsweise Rainbowheart, hätte ich zwar einen Vorteil gehabt, doch ich habe seit Ewigkeiten nicht mehr gekämpft. Zumindest nicht richtig. Lilly verlässt die Arena und ich folge ihr. Draußen wartet Lilly, bis die Luft rein ist, dann hockt sie sich neben mich. “Vielleicht ist es klüger, wenn ich dich in dieser Stadt erstmal im Ball lasse“, flüstert sie. Ich nicke verständnisvoll. Sie ruft mich zurück und ich lande wieder in dieser seltsamen Welt. Diesmal lande ich direkt auf der Wiese. Ich beginne mich umzusehen und stelle schnell fest, dass es in dieser Welt einen Ort für jede Art Pokémon gibt. Alle Orte sind merkwürdig abgegrenzt. Nach einer Weile sehe ich ein Pokémon, das auf einem weißen Kreis steht, wie ich, als ich mich fangen lassen habe. Doch im Gegensatz zu mir wehrt es sich. Es springt hin und her und knallt dabei immer wieder gegen eine Art unsichtbare oder transparente Wand. Plötzlich fangen die Wand und der Kreis an, rot zu blinken. Das Pokémon löst sich in Plasma auf und verschwindet. So würde man also aus einem Pokéball ausbrechen, wenn man nicht gefangen werden will. Ich wende mich ab, um mich weiter umzusehen, als ein Feelinara auf mich zukommt. “Hi! Ich bin Feelinara! Wer bist du?“ Ich will schon meinen richtigen Namen sagen, als mir einfällt, dass auch Pokémon von Team Spaceship hier sein könnten. Also stelle ich mich mit meinem neuen Namen vor. “Mein Name ist Flamey.“

    - Erzählersicht -

    Shay beginnt, mit Feelinara zu plaudern und lässt sich von ihr herumführen. Währenddessen führt Thea ihre Reise alleine fort, jedoch mit mehr Vorsicht als zuvor.

    12
    Kapitel 10
    Freiheit


    - Thea's Sicht -

    Ich bin schon längst in der Nähe der nächsten Stadt, doch meine Wut auf Jonas ist noch lange nicht verraucht. Was denkt er sich dabei? Dachte er wirklich, ich würde ihm erlauben, mich zu begleiten? Wovon träumt er nachts? .... Ehrlich gesagt möchte ich das lieber nicht wissen. Außerdem könnte die Chance bestehen, dass er auch bei dieser Organisation mitarbeitet. Ich meine, wer ist so naiv und erzählt jemandem, der nach sprechenden Pokémon fragt, ohne mit der Wimper zu zucken alles, was er gesehen und gehört hat. Und wenn das gesehene nur per Aurasicht war. Wenn du dann fertig bist mit aufregen... Jaja, schon gut... Huh? Moment mal... Wer war das? Hallo? Ich bin's, Yume. Yume? Das Kirlia - Mädchen Yume? Wie lange hörst du schon zu? Geschätzt zehn Minuten. Wir wollten wissen, ob es dir gutgeht. Naja, wir sind dann wohl sie, Zap, Nemaja und vielleicht noch Cruncher. Kyle und Ayur wohl eher nicht. Doch, die beiden auch, nur das Kyle wissen wollte, ob du vielleicht, ich zitiere, 'ordentlich einen auf den Deckel bekommen hast'. Zitatende. Nur Kyle? Ich bin überrascht. Leider muss ich ihn enttäuschen. Mir geht's prima. Sag mal, konntest du schon immer Telepathie? Ja. Ich nutze sie nur nicht so oft. Und ich habe manchmal das Problem, dass ich zum Beispiel als Antwort nur mit dem Kopf nicke und dann feststelle, dass mein Gesprächspartner das unmöglich sehen kann. Würde mir wahrscheinlich auch passieren. In welche Stadt gehst du als nächstes? Wenn ich die Wegweiser richtig gelesen habe... Fuchsania City. Hm... von da aus könntest du den Seeschauminseln einen Besuch abstatten. Allerdings solltest du dich von den Stränden fernhalten, wenn du Menschen meiden möchtest. Es ist nämlich ein äußerst beliebter Urlaubsort. Hm... würde meine Schwester dorthin wollen? Bestimmt! Es soll dort wunderschön sein. Aber such zuerst einmal in Ruhe Fuchsania City ab. Genau das hatte ich vor. Ich bin übrigens angekommen. Okay, dann werde ich jetzt still sein. Und ich sehe mich um. Die Stadt ist wirklich hübsch. Auch hier gibt es eine Arena, allerdings gehe ich nicht rein, um Kontakt mit Menschen zu vermeiden. An einem kleinen Teich bleibe ich stehen. Im Wasser tummeln sich ein paar Karpadore und unterhalten sich miteinander. Ich höre ihnen eine Weile zu, doch leider erwähnen sie keine besonderen Vorkommnisse oder ein Flamara. Also wende ich mich ab und suche weiter. Irgendwo hier werde ich sie finden. Das spüre ich.

    - Shay's Sicht -

    Als ich in den Pokéball kam, hätte ich nie gedacht, wie groß das hier ist. Feelinara führt mich bestimmt schon stundenlang herum. Und wir haben noch lange nicht alles gesehen. Plötzlich kommen ein Pam - Pam und ein Fennexis auf uns zu. Das Pam - Pam trägt eine Sonnenbrille und das Fennexis hat eine rote Schleife an seinem Stab. Feelinara bleibt stehen. “Oh, hi Leute! Was gibt's?“ Das Fennexis lächelt. “Du hast ja eine neue Freundin gefunden. Wir wollten eigentlich nicht stören, aber vielleicht sollten wir vor unserem nächsten Auftritt noch einmal üben.“ Feelinara überlegt. “Naja... das wäre sicher besser, aber...“ “Oh, mach dir keine Sorgen. Ich kann ja zusehen“, beruhige ich sie. Feelinara nickt erleichtert. “Okay. Legen wir los.“ Sie beginnen zu tanzen und nutzen die Umgebung, um ein paar Kunststücke zu vollführen. Es sieht allgemein wirklich gut aus, doch ich habe das Gefühl, dass das tanzen und die Kunststücke nicht alles sind. Nachdem sie fertig sind, beschließe ich, sie zu fragen. “Dieses ganze Tanzen und die Kunststücke sind nicht alles, was zu eurem Auftritt gehört, habe ich recht?“ Fennexis nickt. “Gut beobachtet. Normalerweise setzen wir auch Attacken ein. Attacken können nämlich nicht nur zum kämpfen verwendet werden, sondern auch, um atemberaubende Effekte zu erschaffen. Aber hier kann man keine Attacken einsetzen, damit die Pokémon, die sich nicht mögen, sich nicht gegenseitig verletzen.“ Das ist äußerst praktisch. Ich frage mich, wie man es geschafft hat, diese Welt zu erschaffen. Doch ich bezweifle, dass Fennexis darauf eine Antwort hat. Plötzlich leuchte ich rot und löse mich auf. Innerhalb von Sekunden bin ich außerhalb des Pokéballs bei Lilly. Feststellung Nummer eins: Wir sitzen auf einem Dragoran. Ich dachte, das wäre ein Dragonir? Hat es sich entwickelt? Wann ist das passiert? Wahrscheinlich hat man im Pokéball ein ganz anderes Zeitgefühl als außerhalb. So, Feststellung Nummer zwei: Wir fliegen! Fasziniert und gleichzeitig ängstlich sehe ich nach unten. Unter uns ist eine Wiese voll mir hohem Gras. Der Wind streicht über das Gras und lässt es aussehen wie Wellen. Irgendwo dazwischen scheint sich ein Pokémon zu verstecken, zumindest bewegt sich das Gras an der Stelle anders. “Ist das nicht eine wunderschöne Aussicht, Flamey?“, ruft Lilly begeistert. Ich nicke und lasse mir den Wind durch mein Fell streichen. Lilly lacht. “Und der Wind scheint die überhaupt nichts auszumachen. Ich habe beschlossen, einen kleinen Umweg zu machen. Drake brauchte eine Gelegenheit, um seine Flügel auszustrecken und ich brauchte eine Pause vom Laufen. Ich dachte, das könnte dir gefallen.“ Und wie es mir gefällt! So frei habe ich mich in meinem ganzen Leben noch nicht gefühlt. Irgendwie ironisch. Ich bin an einen Trainer gebunden und fühle mich freier als in all meiner Zeit bei meiner Schwester. Selbst bei Yara habe ich mich nicht so frei gefühlt. Freiheit hat wohl tatsächlich nicht unbedingt damit zu tun, wie ungebunden du bist, sondern wie sicher und wie wohl du dich fühlst. Oder... sie bedeutet für jeden etwas anderes. Na egal, ich habe jetzt keine Lust auf tiefsinnige Gedanken. Vorsichtig klettere ich auf Drakes Kopf. Vor uns liegt der weite Ozean. Die Sonne geht gerade unter und der Himmel sieht aus, als würde er in Flammen stehen. Unter uns kann ich jetzt ganz klein ein Lapras entdecken. Ich drehe mich um und klettere zurück zu Lilly. Diese lächelt. “Lasst uns nun zur Stadt fliegen.“

    - Thea's Sicht -

    Ich habe die ganze Stadt abgesucht. Jeden. Einzelnen. Winkel. Ich habe nicht ein einziges Flamara gesehen. Dabei war ich mir so sicher... Naja, ich sollte jetzt besser die Stadt verlassen. Ich bin ziemlich müde und ich möchte auf keinen Fall in der Stadt schlafen. Ich wende mich dem Ausgang der Stadt zu und will gerade losgehen, als ich eine Stimme wispern höre. “Psst, Thea!“ Erschrocken sehe ich mich um, doch ich sehe nichts. Yume, hast du etwas gesagt? Nein, wieso? Ich dachte, ich hätte etwas gehört... Na egal. Ich habe die Stadt fast verlassen, als ich die Stimme erneut höre. “Thea, hier drüben!“ Ich fahre mit dem Kopf herum. In einer dunklen Gasse steht ein Flamara. Es hebt kurz die Pfote und verschwindet dann in der Dunkelheit. Schnell folge ich. Das ist bestimmt Shay! Hey, ich weiß, dass du dich freust, aber bewahre einen kühlen Kopf, okay? Es kann auch ein ganz gewöhnliches Flamara sein. Aber sie kannte meinen Namen! Sie muss es sein! Hm... war es denn wirklich ihre Stimme? Um genau zu sein... Ich habe nicht drauf geachtet. ... Pass einfach bitte auf, okay? Okay... Ich betrete die Gasse und sehe mich suchend nach dem Flamara um, doch es ist verschwunden. “Shay?“, frage ich vorsichtig. Keine Antwort. Langsam gehe ich weiter die Gasse entlang. Da fällt mir eine Schlinge auf, die am Boden liegt. Ich wäre fast reingetreten. “Thea, da bist du ja.“ Vor mir steht... Shay? Ungetarnt? “Was ist denn, Thea? Freust du dich nicht, mich zu sehen?“ Die Stimme passt nicht. Das, was sie sagt, passt auch überhaupt nicht. Im Dunkeln ist es schwer zu erkennen, doch ich bin mir sicher, dass diese Person hellere Augen hat als Shay. “Thea? Erkennst du mich denn nicht? Ich bin es, deine Schwester.“ “Ich wüsste nicht, dass ich eine Fake-Shay als Schwester habe. Und in Stimmenimitation bist du grauenvoll.“ Fake-Shay fängt an zu grinsen. “Naww... dabei habe ich mir solche Mühe mit dem Kostüm gegeben. Und wir haben extra ein Flamara gefangen. Nur für dich.“ Ich seufze. “Lass mich raten. Du bist Yara?“ Fake-Shay lacht. “Bingo! Hat Nebelauge dir von mir erzählt?“ Ich brauche eine Weile, um zu kapieren, dass sie Jonas meint. Allerdings antworte ich ihr nicht. Ich meine, wieso sollte ich? “Keine Antwort? Na schön. Nun, da du nicht in unsere Falle getappt bist, machen wir es auf die harte Tour.“ Yara pfeift und augenblicklich treten mehrere ihrer Leute aus dem Schatten. Unter ihnen befinden sich einige Jäger. Man erkennt sie an ihrem kräftigen Körperbau und ihrer Ausrüstung. Yara streift ihre Verkleidung ab und grinst kalt. “Schnappt sie euch.“

    - Erzählersicht -

    Thea ist nicht bereit, sich einfach einfangen oder besiegen zu lassen und macht sich bereit zum Kampf. Währenddessen betritt Shay mit Lilly und Drake die Stadt. Noch ahnt sie nichts von der Gefahr, in der ihre Schwester schwebt...

    13
    Kapitel 11
    Erkenntnis


    - Thea's Sicht -

    Ich werde auf keinen Fall kampflos aufgeben. Ich weiche dem Netz eines Jägers aus, springe über seinen Kopf, drehe mich um und verpasse ihm mit Donnerblitz einen Stromschlag. Yara lacht. “Eine Rebellin! Das wird lustig.“ Der Jäger scheint das nicht so lustig zu finden. Ich ehrlich gesagt auch nicht. Ich knöpfe mir ein paar Nicht-Jäger vor, welche gerade ihre Pokémon rausholen. Hauptsächlich sind es Gift-Pokémon. Yay. Ich lasse ein paar Pokémon meinen Donnerblitz spüren und beiße einem Jäger mit Donnerzahn ins Bein. Jetzt kommen alle gleichzeitig von allen Seiten auf mich zu. Ich sehe mich um und überlege, was ich tun könnte. Sie haben mich fast erreicht, als mir eine Idee kommt. Ich bleibe stehen und setze mehrmals hintereinander Donner ein. Um mich herum ist nun eine Blitzwand und alle meine Feinde werden getroffen und gehen k.o. zu Boden. .... Okay, das war gelogen. Die Wahrheit ist, dass ich die Attacke Donner gar nicht beherrsche. In Wirklichkeit habe ich keine Ahnung, was ich tun könnte und dann werde ich von gefühlt tausenden Gift-Attacken gleichzeitig getroffen. Natürlich bin ich vergiftet. Kurz danach landet ein Netz auf mir. An den Enden hat es irgendwelche Metallkugeln. Was genau es ist weiß ich nicht. Ich kenne mich nicht mit Metallen aus. Jedenfalls hält es mich am Boden fest. Yara lacht wieder. “Ach, ist der Kampf etwa schon vorbei?“ “Nein! Er hat gerade erst angefangen!“ Okay, zur allgemeinen Aufklärung: Ich habe das nicht gesagt. Dementsprechend verwirrt sind alle. Mich eingeschlossen. Es dauert eine Weile, bis ich das Pikachu auf einem Stapel Kisten entdecke. Es hat sich einen roten Umhang angezogen. Doch bevor ich etwas sagen kann, zerschneidet eine Attacke direkt neben mir das Netz. Schnell krieche ich raus. Vor mir steht ein Absol. Suchend sehe ich mich um. Tatsächlich sehe ich noch ein Balgoras, ein Hundemon, ein Bubungus und ein Kirlia. Yara scheint nicht mehr zu wissen, ob sie sich freuen oder ärgern soll. Viel Zeit zum Überlegen hat sie nicht, denn Ayur greift sie direkt an. Ich wende mich ab und knüpfe mir einen Jäger vor. Fragen stellen kann ich auch später. Jetzt wird gekämpft! Ich werfe einen Spukball auf ihn, gefolgt von einem Donnerblitz. Der Jäger holt ein Jagdmesser aus seiner Tasche, weshalb ich lieber weiterhin Abstand halte und Abwechselnd mit Spukball und Donnerblitz angreife, während er versucht näherzukommen. Endlich geht er zu Boden und ich widme mich einem der zwei Trainer, die Yume auf Trab halten. Beziehungsweise ihre Pokémon. Yume nickt mir knapp zu und schleudert mit Psychokinese ein Pokémon in meine Richtung. Sofort greife ich es mit Donnerzahn an. Das Pokémon wird paralysiert, kann aber dennoch kontern. Eins muss man ihnen lassen, diese Leute sind keine Schwächlinge. Wir aber auch nicht. Wie Zap bereits sagte, der Kampf hat gerade erst begonnen.

    - Shay's Sicht -

    Ich bin wieder im Pokéball, zumindest fürs erste. Lilly und ich waren uns einig, dass das weniger Aufsehen erregt. Sie möchte zuerst ins Pokémon Center und dann zur Arena. Der Typ der Arena ist Gift. Flocke ist als Eis-Pokémon perfekt dafür geeignet. Ich möchte weiterhin nicht in einen Arenakampf verwickelt sein. Ich habe nämlich ehrlich gesagt noch nie richtig gekämpft. Hier und da mal eine Attacke, ja, aber kein richtiger Kampf. Ich bin gerade am Waldrand in der Nähe der Wiese, auf der ich gelandet bin, als Lilly mich gefangen hat. Feelinara scheint gerade mit ihren Freunden einen Auftritt zu haben. So etwas würde ich schon gerne mal sehen. Feelinara hat auch erzählt, dass sie aus ursprünglich aus Kalos kommen, wo solche Auftritte äußerst beliebt sind. Es soll dort viele Trainer geben, die mit ihren Pokémon zusammenarbeiten, um den Sieg zu erlangen. Das hat mich etwas nachdenklich gemacht. Uns wurde immer gesagt, dass Trainer selbstsüchtig und kaltherzig sind. Es hieß immer, dass die Pokémon die ganze Arbeit machen und die Trainer sich zurücklehnen und schimpfen, wenn ihr Pokémon verliert oder etwas nicht schafft. Angeblich sollen viele Trainer ihr Pokémon aussetzen, wenn es nicht gehorcht oder zu oft einen Kampf verloren hat. Also habe ich mich mal umgehört und ein paar Pokémon gefragt. Die meisten haben ähnliche Geschichten gehört, doch kaum einer ist jemals so einem Trainer begegnet. Das hat mich zum Grübeln gebracht. Seitdem sitze ich hier. Nachdenklich schließe ich die Augen, um mich besser zu konzentrieren. Plötzlich verändert sich die Luft um mich herum. Irritiert öffne ich die Augen. Vor mir ist die Arena und neben mir ist Lilly. “Hey Flamey, möchtest du vielleicht ein bisschen trainieren? Hier in der Nähe ist ein Kampfplatz.“ Mir fällt etwas glitzerndes in ihrer Hand auf. Scheinbar hat sie den Orden gewonnen. Ich fixiere den Orden und wedel mit dem Schwanz. Lilly braucht eine Weile, um zu verstehen was ich meine. Dann lächelt sie. “Ja, ich habe es geschafft! Hübsch, nicht? Sie hält mir den Orden hin. Er ist herzförmig, pink und glänzt im Sonnenlicht. “Also, Flamey, gehen wir trainieren?“ Ich nicke. “Gut, dann komm. Hier entlang.“ Ich folge Lilly zur Rückseite der Arena. Tatsächlich ist dort ein Feld eingezeichnet, dass dem in der Arena, in der ich Lilly begegnet bin, zum verwechseln ähnlich sieht. Wenn es nicht genau gleich ist. Da bin ich mir nicht sicher. Lilly holt Rosa aus dem Pokéball. “Ihr zwei werdet gegeneinander antreten. Ich werde euch nicht sagen, womit ihr angreifen sollt. Aber wenn ich stopp sage, hört ihr augenblicklich auf. Verstanden?“ Rosa und ich nicken gleichzeitig, wobei Rosa dabei fast umkippt. Der Körper eines Piepis ist einfach nicht zum Nicken gemacht. Nachdem sie sich gefangen hat, greifen wir an: Rosa mit Mondgewalt, ich mit Flammenwurf. Ihre Attacke geht durch meine Attacke hindurch und trifft mich mit voller Wucht. Ich rappel mich auf und schnaufe. “Du bist ganz schön stark,“ flüstere ich Rosa zu. Diese wird verunsichert. “So stark bin ich eigentlich nicht...“ Sie lässt mich auf Abstand gehen. Dann setzt sie Zauberblatt ein und ich Flammenwurf, doch ihre Attacke neutralisiert meine einfach und trifft mich trotzdem noch. Ich fühle mich so schwach wie noch nie in meinem Leben. Ich verstehe endlich, warum meine Schwester früher immer gegen mich kämpfen wollte. Ich verstehe auch, warum sie mich immer so sehr beschützt hat. Ich kann nicht kämpfen. Überhaupt nicht. Wäre ich in einen Kampf geraten, hätte ich keine Chance gehabt. Lilly sieht ratlos aus. “Das ist... schlecht. Du könntest dich im Notfall überhaupt nicht verteidigen. Es ist ein Wunder, dass du bis jetzt überlebt hast.“ Dieses Wunder ist meine Schwester... Ich spüre, wie sich Schuldgefühle in mir aufbauen. Doch da reißt Lilly mich aus meinen Gedanken. “Geht's dir gut, Flamey?“ Physisch oder emotional? Wahrscheinlich physisch. Ich nicke und stehe auf. Lilly lächelt aufmunternd. “Gut, dann wechseln wir deinen Gegner.“ Lilly holt ihr gesamtes Team aus den Bällen. “Okay Leute. Flamey braucht viel Training, aber wir müssen es vorsichtig angehen. Scheinbar hat sie in ihrer Vergangenheit wenig oder fast gar nicht gekämpft. Flocke, du kämpfst zuerst gegen sie.“ Flocke nickt und wechselt mit Rosa den Platz. “Okay, Flocke, greif mit Aurorastrahl an. Flamey, greif mit Flammenwurf an.“ Wir befolgen Lillys Anweisungen, doch es endet genau wie mit Rosa. Lilly grübelt. “Hm... Flocke, setz Schutzschild ein und halte es so lange aufrecht wie du kannst. Flamey, setze beliebige Attacken gegen das Schutzschild ein. Setze dir zum Ziel, es zu zerbrechen!“ Ich nicke. Eigentlich kann man Schutzschilde nicht zerbrechen, aber irgendwann wird Flocke das Schutzschild nicht mehr aufrechterhalten können. Ich muss auf jeden Fall daran denken, dass ich nur vier Attacken einsetzen darf. Ein Pokémon mit fünf Attacken wäre mehr als auffällig. Ich beginne mit Flammenwurf, dann setze ich Nitroladung ein. Nichts passiert, außer dass ich schneller werde. Ich setze noch einmal Nitroladung ein. Dann noch einmal und noch einmal. Mit jedem Mal werde ich schneller. Schließlich setze ich noch einmal Flammenwurf ein, dann versuche ich es mit Biss. Doch das Schild steht immer noch. Ich schnaufe. Irgendwann kriege ich dieses Schild kaputt! Ich setze wieder mehrmals Nitroladung ein. Irgendwann erreiche ich das Limit meiner Geschwindigkeit und ich wechsel zu Flammenwurf. Das Schild bleibt. Langsam geht mir die Puste aus, doch ich habe nicht vor aufzugeben. Ich greife weiter an, abwechselnd mit Flammenwurf und Nitroladung, da Biss gegen ein Schild ziemlich unangenehm ist. Ich spüre, wie meine Beine langsam immer schwerer werden. Flocke scheint das auch aufzufallen. Sie lässt das Schutzschild verschwinden. “Lass gut sein, Flamey, für heute hast du genug getan. Ich schüttel den Kopf, doch jetzt, wo die Anspannung weg ist, geben meine Beine nach. Lilly läuft zu mir. “Alles okay? Soll ich dich ins Pokémon Center bringen?“ Ich schüttel heftig den Kopf. “Oh... okay. Dann... dann schlage ich vor ihr geht alle erstmal zurück in die Pokébälle. Wir nicken zustimmend und nacheinander verschwinden alle in ihrem Ball. Als ich ankomme, befinde ich mich immer noch am Waldrand. Ich betrete den Wald und suche mir eine kleine Höhle, wo ich mich zusammenrolle. Ich habe schon festgestellt, dass ich im Pokéball meine Tarnung nicht aufgegeben kann. Das ist vielleicht in diesem Fall auch ganz gut so. Ansonsten ist es ein seltsames Gefühl, als würde man schwere, ganz enge Kleidung tragen. Tausend Gedanken schwirren durch meinen Kopf, doch ich bin so müde, dass ich innerhalb weniger Minuten einschlafe. Nachdenken kann ich morgen auch noch.

    - Erzählersicht -

    Shay hat einen anstrengenden Tag hinter sich und hat ihren Schlaf mehr als verdient. Doch wie geht es Thea? Thea und ihre Freunde kämpfen immer noch gegen Team Spaceship. Weder die eine, noch die andere Seite hat vor aufzugeben. Niemand von ihnen bemerkt den geheimnisvollen Schatten auf dem Dach, der den Kampf stillschweigend beobachtet...

    14
    Kapitel 12
    Durch und durch erfolglos


    - Thea's Sicht -

    Ich spüre, wie meine Kräfte mich langsam verlassen. Doch ich bin nicht die einzige. Allen anderen geht es genauso, Freunden und Feinden. Dieser Kampf ist doch verhext! Am Anfang ging noch alles gut, doch jetzt... Wie lange kämpfen wir jetzt schon, ohne dass auch nur einer schlapp gemacht hat? Eigentlich ist jetzt nicht der Zeitpunkt, um in den Himmel zu sehen. Doch als ich aus dem Augenwinkel den vollen Mond sehe, kann ich nicht anders. “Es ist mitten in der Nacht!“ Sofort hören alle auf zu kämpfen und sehen ebenfalls nach oben. Uns allen fehlt die Sprache. Und dann überkommt uns alle gleichzeitig die Erschöpfung. Einige lassen sich einfach auf den Boden fallen, andere setzen oder knien sich hin. Man hört nichts außer unseren Atem. Und den Wind, der über die Dächer weht. Zap sieht sich um. “... Und jetzt?“ Keiner von uns antwortet. Scheinbar weiß keiner von uns, was wir jetzt tun sollen. Zum Kämpfen sind wir zu müde, aber einfach wieder gehen? Das fühlt sich vollkommen falsch an. Die Sache ist nur... das einzige, was sich richtig anfühlt, ist schlafen. Und jetzt zu schlafen ist das gefährlichste, das man tun kann. Ich lausche dem rasselnden Atem der anderen. Nach einer Weile mischt sich ein anderes Geräusch ein, doch ich erkenne nicht, was es ist. Es klingt seltsam, irgendwie mechanisch, aber irgendwie auch menschlich. Zu spät erkenne ich, dass es zwei verschiedene Geräusche sind. Im nächsten Moment werde ich in einem Netz gefangen, genauso wie Zap, Yume und die anderen Rainbowheart. Eine männliche Stimme lacht. “Gute Arbeit, Miss Yara! Der Boss wird sehr zufrieden sein. Ihr habt sie geschwächt und so war es für uns ein leichtes, sie zu fangen. Vielleicht erwähne ich sogar nicht, wie geschwächt ihr selbst seid.“ Yara sieht äußerst genervt aus. Scheinbar verstehen die beiden sich nicht so gut. “Halt die Klappe und mach deinen Job. Ich komme mit dem Rest der Truppe nach.“ Der Mann verbeugt sich und ich kann einen Blick auf sein Gesicht erhaschen. Ein sehr bekanntes Gesicht. “LYON DU MONSTER!“ Lyon lacht. “Wow, du erinnerst dich sogar an meinen Namen! Da bist du deiner Schwester um einen Schritt voraus.“ Meiner... Schwester? Sie haben doch wohl nicht... “WO IST SIE!“, brülle ich Lyon an. Diese Frage wischt Lyon sein hämisches Lächeln aus dem Gesicht. “Das wollten wir eigentlich von dir wissen. Wir hatten sie fast und dann ist sie einfach verschwunden! Wie vom Erdboden verschluckt!“ Yara schlägt sich gegen die Stirn. “Toll gemacht, Lyon, Plan B ist im Eimer. Hoffen wir, dass Plan A reibungslos verläuft, sonst haben wir ein Problem. Los jetzt, bringt sie ins Hauptquartier, bevor sie wieder zu Kräften kommen.“ “Jawohl, Miss Yara!“, ertönt es einstimmig von Lyons Truppe. Dann schnappen einige sich jeweils ein Netz mit einem von uns Rainbowheart und bringen uns zu einer Art Professor oder so was. Der Typ sprüht uns mit irgendwelchem Zeug ab und grinst. “Süße Träume!“ Nicht, dass wir nicht sowieso schon müde sind oder so. Innerhalb kürzester Zeit schlafe ich ein.

    - Shay's Sicht -
    Als ich aufwache, habe ich ein ganz mieses Gefühl, doch ich kann mir nicht erklären warum. Ich bin noch dort, wo ich eingeschlafen bin und ich habe sogar noch meine Tarnung, was wohl daran liegt, dass ich im Pokéball bin. Aber irgendwas stimmt nicht. Ich würde gerne mit jemandem darüber reden, aber das geht nicht. Hoffentlich lässt Lilly mich bald raus und lässt mich üben. Dann kann ich mich ein wenig ablenken. Ich verlasse die kleine Höhle und tatsächlich lande ich kurze Zeit später außerhalb des Pokéballs. Wir befinden uns wieder auf dem Kampfplatz. Lilly begrüßt mich lächelnd. “Hi Flamey! Wir haben beschlossen, dass wir jetzt noch ein bisschen üben und dann zu Fuß zur nächsten Stadt gehen. Würden wir fliegen, würde es zwar viel schneller gehen, aber wir würden eine Menge verpassen. Außerdem haben wir es ja nicht eilig.“ Ich nicke einverstanden. Dann stelle ich mich auf meinen Platz. Flocke stellt sich mir gegenüber und aktiviert ihr Schutzschild. Lilly gibt das Zeichen zum Angriff. Als erstes setze ich Flammenwurf ein. Wie schon vorher scheint es gar nichts auszurichten, sinnloser als Platscher. Aber wenn ich es oft genug versuche, muss ich doch stärker werden, oder nicht? Also greife ich weiter an, unaufhörlich. Flammenwurf, Nitroladung, Nitroladung, Flammenwurf, noch einmal Nitroladung. Wieder und wieder greife ich an, bis... “Trödelt nicht so rum! Wir sollten eigentlich gestern schon zurück sein! Aber nein, es wollten ja alle unbedingt hier übernachten! Warum müsst ihr verwöhnten Verlierer eigentlich immer alles kompliziert machen? Na los, lauft schneller!“ Die raue Männerstimme lässt mich in der Bewegung erstarren und mein Fell stellt sich auf, als wäre es elektrisiert. Eigentlich sieht das ganz lustig aus, doch der Grund, warum ich aussehe wie ein Ball aus Fell, ist alles andere als lustig. Die Stimme gehört einem Jäger. Und ich weiß genau welcher Jäger es ist. Natürlich merkt Lilly, dass etwas nicht stimmt. Sie kommt zu mir und streichelt mich. “Was ist los, Flamey?“ “Jäger“, flüstere ich. “Rainbowheart-Jäger.“ Erschrocken reißt Lilly die Augen auf, redet aber zum Glück leise genug, dass es niemand hören kann. “Bist du sicher?“ Ich nicke. “Ich kenne diese Stimme besser, als ich mir wünsche.“ Lilly scheint zu verstehen, doch zum Glück geht sie nicht weiter darauf ein. Flocke ist inzwischen nachsehen gegangen, wer mir da so einen Schreck eingejagt hat und kommt zitternd zurück. “Das kann ja wohl nicht wahr sein! Die laufen eindeutig mit einer Art Uniform herum, haben Säcke auf den Rücken und einige haben sogar Waffen! Aber es interessiert keinen der Passanten, die scheinen nicht mal zu registrieren, dass diese Leute dort langlaufen!“ “Säcke?“, frage ich leicht erschrocken und vergesse für einen Moment, dass mich jeder in der Umgebung hören kann. Zum Glück verpasst Lilly mir einen leichten Stoß, bevor ich noch mehr sagen kann. “Vergiss nicht zu flüstern.“ “Tut mir leid...“, entschuldige ich mich. “Es ist nur... wenn da tatsächlich Leute mit Waffen bei waren und sie Säcke auf ihren Rücken haben, haben sie wahrscheinlich Jagd auf Rainbowheart gemacht.“ Flocke ist verwirrt. “Sechs Säcke? Meinst du nicht, dass es etwas weniger seltenes ist? Vielleicht ist es auch einfach Geld oder etwas vom Schwarzmarkt.“ Ich muss zugeben, sie hat Recht. Sechs Rainbowheart auf einmal klingt doch sehr unwahrscheinlich. “Wahrscheinlich hast du Recht“, stimme ich Flocke zu. Dann wende ich mich an Lilly. “Wir können weitermachen.“ Lilly nickt. “Wie du wünschst.“

    - Thea's Sicht -

    Als ich das erste mal aufgewacht bin, wurde ich kurz danach mit dem komischen Zeug von vorher besprüht und bin sofort wieder eingeschlafen. Als ich jetzt aufwache, befinde ich mich scheinbar in einem Gefängnis. Ich meine, die Wände und der Boden sind grau und die Tür besteht aus Gittern. Darunter stellt man sich doch eine Gefängniszelle vor, oder nicht? Fenster gibt es keine. Das einzige Licht kommt von einer Lampe außerhalb der Zelle. Ich höre Schlüssel klimpern. Scheinbar kommt jemand. Ich entferne mich von der Tür. Ich kann die Person nicht erkennen, da sie in einen schwarzen Mantel gehüllt ist und die Kapuze auf hat. Sie sagt nichts, sondern schiebt einfach still ein Tablett mit Essen unter der Tür hindurch. Eine Weile bleibt sie stehen und scheint auf eine Reaktion zu warten, doch das gönne ich ihr nicht. Schließlich geht die Person wieder. Ich nähere mich dem Essen und schnuppere. Das mag ungetarnt etwas komisch aussehen, doch das interessiert mich gerade nicht. Kaum habe ich den Duft wahrgenommen, erkläre ich das Essen als vergiftet. Bevor ich weitererzähle, eine Sache: Solltet ihr eine lebhafte Fantasie haben und habt gerade gegessen, lest das folgende besser nicht. Das Essen riecht nach einer Mischung aus vergammeltem Apfel, vermodertem Holz, totem Fisch und etwas, das ich nicht definieren kann. Außerdem sieht es aus, als hätte jemand es schon mal durchgekaut und dann ein paar Wochen stehen lassen. Nein danke, da hungere ich lieber. Ich schiebe das Tablett weit von mir weg. “Thea!“ Erschrocken blicke ich hoch, doch ich sehe niemanden. “Thea?“ Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich die Stimme kenne... “Wo bist du?“ Ich brauch gar nicht antworten, denn kurz darauf steht der Besitzer der Stimme vor meiner Zellentür. Dreimal dürft ihr raten wer es ist. Na? Richtig. Jonas. “Da bist du ja! Ich bin ihnen gefolgt und bin unbemerkt in ihr Versteck eingedrungen. War gar nicht so schwer. Um ehrlich zu sein, es war erschreckend leicht.“ Und er wird erwischt in drei, zwei, eins... “Hey! Wer ist da?“ Bingo. Entweder der Typ hat unendlich viel Pech, oder er bekommt wirklich von selbst nichts auf die Reihe.

    - Erzählersicht -
    Die verhüllte Gestalt, die Thea ihr Essen gebracht hat, kommt nun auf Jonas zu. Schnell ruft Jonas Flamer, bereit Thea zu beweisen, dass er seine Fehler wieder gutmachen kann. Währenddessen hat Shay ihre nächste Trainingseinheit erfolglos beendet. Zusammen mit Lilly und ihrem Team ist sie nun auf dem Weg zur nächsten Stadt, Saffronia City.
    Übrigens, danke an Jim für die Titelidee! ^^

    15
    Kapitel 13
    Rätsel, Fragen und andere Probleme


    - Shay's Sicht -

    “Ja! Endlich! Ich hab's geschafft!“ “Psst!“, ermahnt mich Lilly. Ich zucke zusammen. “Stimmt, sorry.“ Ich habe den Schutzschild abgebrochen. Zugegeben, Flocke hält den Schutzschild garantiert schon eine Stunde aufrecht, aber trotzdem. Rosa gratuliert mir fröhlich. “Glückwunsch Flamey!“ “Danke“, erwidere ich und diesmal bleibe ich leise. Flocke hat sich inzwischen ein schattiges Plätzchen gesucht und sich hingelegt. Ich sehe das als Zeichen dafür, dass ich deutlich stärker geworden bin. Wer weiß, vielleicht kann ich in ein paar Tagen einen richtigen Kampf wagen? Naja, vielleicht auch nicht. Aber für's erste ist sowieso Trainingspause. Ich lege mich hin und lasse mir die Sonne auf's Fell scheinen. Flocke sieht verwirrt zu mir. “Wie kannst du einfach dort liegen? Es ist furchtbar warm in der Sonne!“ “Für ein Eis-Pokémon vielleicht, aber Feuer-Pokémon lieben Hitze. Dasselbe gilt für Rainbowheart“, erkläre ich ihr. Flocke überlegt. “Naja, schon, aber ich dachte... Na egal.“ Ich sehe zu Lilly. Auch sie sitzt im Schatten. Das irritiert mich ein wenig. “Ist es wirklich sooo warm in der Sonne?“ Lilly nickt. “Vielleicht bin ich es einfach nicht mehr gewohnt, aber ich habe das Gefühl, dass es sogar noch wärmer ist als in Alola.“ Alola? Davon habe ich noch nie gehört. “Wo liegt das?“ Rosa sieht zu mir. “Ach, hat dir noch nie jemand von Alola erzählt?“ Ich schüttel den Kopf. “Nein, ich habe nur von den sogenannten 'Alola-Formen' gehört. Mir war nicht bewusst, dass Alola ein Ort ist.“ “Nun, Alola ist eine Region, die aus mehreren Inseln besteht“, erklärt Rosa. “Sie ist recht abgelegen, wahrscheinlich hast du deshalb nie davon gehört. Lilly kommt ursprünglich aus Alola. Flocke übrigens auch. Sie haben sich aber erst in Kanto kennen gelernt. Verrückte Geschichte, erzähl ich dir ein andern mal. Jedenfalls läuft in Alola alles ein wenig anders. Zum Beispiel gibt es dort keine Arenen. Stattdessen gibt es sogenannte Prüfungen, welche sich jeweils voneinander unterscheiden. Allerdings musst du in allen Prüfungen ein Herrscher-Pokémon besiegen. So ungefähr.“ Lilly kichert. “Ja, so ungefähr. Ich hätte auch einfach diese Prüfungen machen können aber...“ Ich warte eine Weile, bis mir aufgeht, dass sie nicht weiterreden wird. Plötzlich spüre ich einen starken Temperaturunterschied. Es passiert so kurz, dass ich kaum Zeit habe zu reagieren. Als ich nach oben sehe, ist nichts zu sehen. Ich sehe zu den anderen und stelle fest, dass sie es auch gespürt haben. Doch sie sehen genauso ratlos aus wie ich. Was könnte das nur gewesen sein?

    - Thea's Sicht -

    Warum Flamer? Flamer ist mir nicht geheuer. Man weiß nie, was er als nächstes tun wird. Na gut, im Kampf ist das vielleicht ganz praktisch, aber trotzdem. Die verhüllte Gestalt rührt nicht einen Muskel. Das scheint Jonas zu verunsichern. Mich verwirrt das auch. Ich meine, wie will sie ihn aufhalten? Will sie ihn anstarren, bis er einschläft? Plötzlich spüre ich, wie Elektrizität durch mein Fell streicht. “Vorsicht!“, rufe ich, bevor ich überhaupt weiß warum. In Flamers dichtem Fell hat sich ein Wattzapf versteckt. Flamer dreht sich ruckartig um und schleudert dabei das Wattzapf weg. Dieses macht ein paar Überschläge, bevor es sicher auf allen sechs... Beinen landet. Die verhüllte Gestalt ist alles andere als begeistert. Sie geht zu meiner Käfigtür. “An deiner Stelle würde ich die Klappe halte.“ “Lass sie in Ruhe! Flamer, los!“ Flamer zögert nicht und greift an. Die Person tritt einfach zur Seite. Jedes andere Pokémon wäre gegen die Käfigtür geknallt. Doch Flamer stößt sich nur an der Tür ab und greift weiter an. Eine Weile wiederholt sich dieses Schauspiel. Flamer greift an, die Person weicht aus, Flamer nutzt den Schwung und greift wieder an. Schließlich scheint die Person aus der Puste zu sein. Flamer greift an... und schlägt ins Leere. Verwirrt sehen er und Jonas sich um. Ein Stück hinter ihm steht ein weiteres Arkani. Es ist überzogen von Narben und scheint daher schon viele harte Kämpfe hinter sich zu haben. Die Person sitzt auf dem Rücken des Arkanis. Hinter dem Arkani steht ein Absol. Auf dem Rücken des Absols sitzt ein Pikachu. Es trägt einen schmutzigen, zerfetzten roten Umhang. Eine Weile starre ich nur verwirrt, dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Das ist Zap! Jonas flucht leise vor sich hin, dann wendet er sich an Flamer. “Flamer, lenk sie ab!“ Flamer nickt und greift an. Jonas zieht etwas kleines aus der Tasche und macht sich an meiner Käfigtür zu schaffen. Innerhalb weniger Sekunden ist sie auf. Wie hat er das gemacht? “Okay, komm!“ Schnell verlasse ich mein Gefängnis und sehe, wie ein Flammenwurf auf Zap zurast. “Zap!“ Ich tarne mich, springe zwischen Zap und die Attacke und setze Donnerblitz ein. Es neutralisiert die Attacke. Der lange Kampf gegen Yara und ihre Schergen hat mich stärker gemacht. Flamer hält irritiert inne und sieht fragend zu Jonas. Dieser ist gar nicht begeistert. “Was? Du stellst dich auf ihre Seite! Ich dachte wir wären Freunde!“ Ähm... bitte was? “Wer hat wann behauptet, wir wären Freunde?“ Jonas sieht nun wirklich wütend aus. “Na dieser Jonas, als ich ihn... oh.“ Was zum? Bevor ich reagieren kann, stürzt Flamer sich knurrend auf 'Jonas' und hält ihn fest. “Lauft!“, ruft er uns zu. Doch wir müssen nicht laufen. Ein Kirlia, wahrscheinlich Yume, taucht vor uns auf. “Berührt euch alle!“ Wir folgen ihren Anweisungen und auch das Kirlia berührt mich. Danach teleportiert es uns alle davon. Als letztes sehe ich, wie mehrere Rüpel Flamer einkreisen. Ich blinzel einmal und plötzlich sind wir draußen. Na gut, nicht ganz draußen. Wir sind in einer Art Höhle. Durch ein paar Löcher in der Decke schimmert Sonnenlicht. Der Höhlenboden ist teilweise mit Moos bedeckt. Ich frage mich, wie er auf blankem Steinboden wachsen kann. “Wo sind wir Yume?“, höre ich Zap fragen. Ich blicke auf und sehe mich um. Die ganze Gang ist hier. Und auch das Arkani und die geheimnisvolle Person wurden mit hergebracht. Scheinbar hat Yume Nemaja, Cruncher und Kyle schon vorher hierher gebracht. “Wir sind in einem Wald am Fuße des Silberbergs. Hier wurde ich geboren und hier habe ich den Großteil meiner Kindheit verbracht.“ “Danke für ihre Hilfe, junge Dame“, mischt sich da das Arkani ein. “Danke, dass sie uns befreit haben“, erwidert Yume. Ich wende mich an die immer noch verhüllte Person. “Also war das Essen nicht vergiftet?“ “Das kann ich nicht sagen, ich habe das Essen nicht gemacht. Aber ich habe einen Schlüssel darin versteckt“, antwortet die Person sanft. “Uhm... verzeiht, dass ich frage...“, meldet sich Nemaja zu Wort, verstummt dann jedoch. Zap stößt sie freundschaftlich an. “Komm schon, Nemaja, frag ruhig. Sie fressen dich schon nicht.“ Nemaja schluckt. “O-okay... also... Wer seid ihr eigentlich? Und... warum helft ihr uns?“ Das Arkani schüttelt den Kopf. “Tut uns leid, aber das können wir euch nicht sagen.“ “Dann können wir euch nicht vertrauen“, mischt sich Kyle knurrend ein. Cruncher nickt. “Er hat recht. Immerhin waren wir nicht grundlos dort eingesperrt.“ “Wenn wir euch vertrauen sollen, müsst ihr eure Identität preisgeben. Seid lieber ehrlich. Vollkommen ehrlich.“ Die verhüllte Gestalt nickt. “Das ist wahr. Es ist nur fair, wenn ihr unsere Identität kennt, bevor ihr euch auf irgendwas einlasst.“ Die Person legt ihren Mantel ab. Mir stockt der Atem. Und ich bin sicher nicht die einzige. Vor uns steht eine Rainbowheart! Es ist ein Vulnona. Zwischen ihren langen, blonden Haaren fallen ihre Ohren kaum auf. Ihre roten Augen mustern uns prüfend und ihre Schwänze hat sie um sich gewickelt. Als sie sie vorsichtig entknotet, kommt eine praktische, aber äußerst unpassende Kleidung zum Vorschein. Normalerweise erinnert die Kleidung an das Aussehen eines Rainbowheart als Pokémon. Doch die Kleidung dieser Frau besteht aus einem langärmeligen Oberteil mit dunkelbraunen Lederschienen, einer dunkelbraunen Lederhose und schwarzen Schuhen. “Mein Name ist Iria. Das ist mein Leibwächter Keraun.“ Keraun gibt seine Tarnung auf und vor uns steht ein muskulöser, vernarbter Mann mit längerem, hellorangenem Haar, einem gleichfarbigen Bart, dunklen Augen und einer schwarzen Lederrüstung. Zap klappt der Mund auf, der Rest von uns ist einfach nur still. Schließlich ist es Cruncher, der unsere Gedanken ausspricht. “Du... bist du eine Prinzessin?“ Iria lächelt traurig. “Ich war Königin des Sommerkönigreichs.“ “Moment, moment!“ Zap hat seine Sprache wiedergefunden. “Man kann so jung Königin werden?“ Iria sieht ihn kurz verwirrt an, dann lächelt sie plötzlich. “Das ist wirklich ein reizendes Kompliment. Wisst ihr, Vulnona-Rainbowheart können bis zu 1000 Jahre alt werden, wie das Pokémon Vulnona auch. Ich habe schon viele Jahre regiert.“ Ihr Lächeln verschwindet und sie wird ernst. “Selbst wenn nicht... unter bestimmten Umständen kann man auch früh König oder Königin werden. Doch diese Umstände wünscht sich niemand.“ “Ähm, entschuldige“, unterbricht Yume. “Habe ich das richtig gehört? Sie waren Königin?“ Iria senkt den Kopf. “Das ist wahr. Mein Königreich ist gefallen und ich bin seitdem mit Keraun auf der Flucht. Aber das ist eine Geschichte für ein anderes mal. Jetzt müssen wir auf den Silberberg.“

    - Erzählersicht -
    Mit diesen Worten verlässt Iria mit Keraun die Höhle. Die Gruppe folgt ihnen. Sie haben noch viele, viele offene Fragen. Auch Shay hat Fragen, jedoch hat sie im Gegensatz zu ihrer Schwester nicht die Möglichkeit, nachzufragen um ihre Antwort zu finden. Also zieht sie mit Lilly und ihrem Team weiter, in der Hoffnung, irgendwann auf dieser Reise ihr Rätsel lösen zu können.

    16
    Kapitel 14
    Zerstörtes Weltbild


    - Shay's Sicht -

    “Vielleicht war es Ho-Oh!“ “Oder es war ein Ninja!“ “Ein Ninja? Geht's auch realistischer?“ “Vielleicht ein Rainbowheart?“ “Ich sagte realistisch.“ “Hab ich gehört. Ich habe zwar keine große Ahnung von Rainbowheart, aber es ist bestimmt gar nicht so unwahrscheinlich, dass sich eines an einem abgelegenen Ort wie diesem aufhält.“ Ich höre dem Gespräch der anderen Pokémon schweigend zu und sehe in die Wolken. Persönlich würde ich auch auf ein Legendäres Pokémon tippen. Vielleicht nicht Ho-Oh, aber es könnte Arktos oder Lavados gewesen sein. Das würde zumindest den starken Temperaturunterschied erklären. Ich sehe mich um und stelle fest, dass Lilly fehlt. Wo ist sie hin? Ich entferne mich von den anderen und laufe tiefer in den Wald. Wenn man es überhaupt einen Wald nennen kann. Die Bäume stehen hier ungewöhnlich weit voneinander weg. Es dürfte relativ schwer sein, sich hier zu verstecken. Trotzdem dauert es eine ganze Weile, bis ich Lilly endlich entdecke. Sie sitzt auf einem kleinen Felsen und scheint einen Brief zu schreiben. Nebenbei summt sie eine mir unbekannte Melodie. Ich nähere mich so leise wie möglich, um sie nicht zu erschrecken. Dann setze ich mich neben sie und sehe zu. Meine Lesefähigkeit ist nicht die allerbeste, aber Lillys Schrift ist sauber genug, um die Wörter erkennen zu können.

    Lieber Tali,
    Tut mir leid, dass ich seit längerem nicht mehr geschrieben habe. In letzter Zeit ist eine Menge passiert. Ich habe bereits meinen fünften Orden erhalten! Außerdem hat Drake sich entwickelt und auch der Rest meines Teams ist um einiges stärker geworden. Allerdings gibt es nicht nur gute Nachrichten. Ich habe das Gefühl, dass bald etwas großes passieren wird. Und ich bin mir nicht sicher, ob es etwas gutes oder etwas schlechtes ist. Ich wünschte


    “Flamey? Wie lange bist du schon hier?“ “Eine Weile. Du bist ganz plötzlich verschwunden und da habe ich mir Sorgen gemacht.“ Lilly lächelt entschuldigend. “Das tut mir leid. Nächstes mal sage ich Bescheid.“ Sie schreibt weiter. “Du, Lilly?“, frage ich sie. “Ja?“ Eigentlich wollte ich sie nach ihrer Befürchtung fragen, die sie in ihrem Brief erwähnt, doch dann überlege ich es mir anders. “Wer ist Tali?“ Lilly lächelt. “Tali ist einer meiner Freunde aus Alola. Er trainiert dort sehr hart, um mal in die Fußstapfen seines Großvaters treten zu können und Inselkönig zu werden.“ “Sein Großvater ist ein König? Also ist er ein Prinz? Also bist du mit einem Prinzen befreundet?“ Vor Aufregung merke ich gar nicht, dass ich lauter geworden bin. “Psst“, mahnt Lilly mich. “Sorry. Das ist einfach so cool, dass du mit einem Prinzen befreundet bist.“ Jetzt lacht Lilly. “Flamey, Hala ist kein König in dem Sinne. Es gibt vier Hauptinseln in Alola. Jede dieser Inseln hat einen Inselkönig, oder eine Inselkönigin. Ich habe dir doch schon von den Prüfungen erzählt, oder?“ Ich nicke und Lilly fährt fort. “Auf jeder Insel besteht jeweils die letzte Prüfung darin, den Inselkönig zu besiegen. Deswegen sollte der Inselkönig möglichst stark sein. Außerdem kümmert er sich um die Bewohner der Insel, greift bei Streitigkeiten zwischen Pokémon ein... solche Sachen halt.“ Ich überlege. “Hm... Das hat schon Ähnlichkeiten mit einem König. Stark, kümmert sich um seine Mitmenschen... zumindest, wenn er ein guter König ist. Nö, Lilly, du kannst sagen was du willst, ich sage der Typ ist ein echter König und dein Freund ist ein Prinz.“ Lilly lächelt. “Ich kann es dir wohl nicht ausreden, was?“ Ich schüttelt grinsend den Kopf. Lilly wendet sich von mir ab und schreibt den Brief zuende. Dann steckt sie ihn in ihre Tasche und steht auf. “Komm Flamey, gehen wir zurück. Die anderen warten bestimmt auf uns.“

    - Thea's Sicht -

    Wir haben die Abkürzung genommen. Steil bergauf. Yume hat uns abwechselnd mit Psychokinese getragen. Mittlerweile ist sie zu erschöpft, weshalb Cruncher sie trägt. Endlich bleiben Keraun und Iria stehen. Iria dreht sich zu uns um. “Wartet hier.“ Sie nickt Keraun zu und verschwindet mit ihm im Schneesturm. Wir bleiben in der Kälte zurück und rücken automatisch näher zusammen, außer Kyle und Ayur. Kyle, weil er einfach zu stur ist und Ayur, weil er als Absol perfekt an dieses Wetter angepasst ist. Als Bubungus friert Nemaja am meisten, deshalb darf sie in die Mitte. Während wir warten stelle ich fest, dass Cruncher ungetarnt einen äußerst guten Teddy abgibt. Als ich ihn darauf anspreche, schweigt er. Yume kichert leise, sagt aber nichts. Endlich kommt Keraun getarnt zurück. Doch... Iria ist nicht mehr bei ihm. Zap ist der erste, der sich traut zu fragen. “Keraun, wo ist Iria?“ Ich stelle fest, dass Keraun ganz ruhig ist, also kann ihr nichts passiert sein. Er bedeutet uns, zu folgen. Wir tarnen uns und laufen eine Weile durch den Schnee, bis wir schließlich zu einer Höhle kommen. Aus dem Höhleneingang schimmert Licht. Ohne zu zögern läuft Keraun hinein und wir folgen ihm. In der Höhle ist es schön warm und trocken. Iria sitzt ungetarnt am Feuer und unterhält sich mit jemandem. Es ist ein Junge mit schwarzen Haaren und rot-weißer Kappe, einer gleichfarbigen Jacke, schwarzer Jeans und roten Turnschuhen. Rot. Er ist vielleicht ein Mensch, doch auch bei Rainbowheart ist er sehr bekannt. Die Geschichten über ihn sind unterschiedlich, doch alle besagen, dass Rot der stärkste aller Trainer ist. Ansonsten spalten sich die Versionen. Laut einigen kann Rot nicht sprechen, laut anderen möchte er einfach nicht sprechen. Einige behaupten sogar, er wäre ein Geist und spricht zwar, aber keiner kann ihn hören. Klar ist, dass Rot trotz der vielen Geschichten sehr mysteriös ist. Was könnte Iria nur von ihm wollen? Wir kommen näher und Iria verstummt. Rot blickt fragend zu uns, dann zu Iria. Iria nickt. “Das sind die Freunde, von denen ich dir erzählt habe. Das Arkani ist mein treuer Beschützer Keraun. Das Pikachu heißt Zap, das Kirlia Yume, das Bubungus Nemaja, das Balgoras Cruncher, das Hundemon Kyle und das Absol Ayur. Oh, und das Blitza heißt Thea. Rot mustert uns und hebt eine Augenbraue. Ich spüre, wie mein Fell sich auflädt. Der Typ gefällt mir nicht. Ich kann ihn überhaupt nicht einschätzen. Er wendet sich wieder Iria zu und nickt. Diese lächelt. “Danke.“ Dann wendet sie sich an uns. “Rot wird uns helfen. Wir dürfen hier schlafen und morgen brechen wir alle zusammen auf in die Verborgene Welt, meine Heimat.“ Warte, was? Schlafen? In der Nähe des mächtigsten Trainers aller Zeiten? Und der Typ soll mit uns mitkommen? Die anderen, bis auf Keraun, schauen ähnlich schockiert. Iria lächelt. “Keine Sorge, ihr könnt ihm vertrauen. Immerhin ist sein Halbbruder auch ein Rainbowheart.“ “WAS!“ Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich nicht die einzige bin, die das geschrien hat. Ich meine, Halbbruder? Von einem Rainbowheart? Was gibt es noch, was mir meine Eltern nicht erzählt haben? “Da bin ich, Bruderherz.“ Moment mal... das ist doch...! “Hallo. Hast du jemanden gefunden, der für dich auf den Lavandia Turm aufpasst?“ Okay, halt, halt, halt, noch einmal von vorne! Der Geist-Typ aus dem Lavandia Turm ist der Bruder von Rot? Und Rot kann tatsächlich sprechen? Wo bin ich hier gelandet? Mister-Weißer-Geist hat mich jetzt auch erkannt. “Hey, bist du nicht... die Schwester von Shay?“ Ich nicke. “Und dein Name war?“ Er grinst entschuldigend. “Stimmt, das habe ich gar nicht erwähnt. Ich bin Noroi, der Bruder von Rot. Ich bin hier, um euch zu helfen. Sag mal, hast du Shay eigentlich gefunden?“ Ich schüttel den Kopf. Noroi sieht enttäuscht aus, aber das ignoriere ich jetzt erstmal. Ich habe gerade ganz andere Probleme.

    - Shay's Sicht -

    Wir sind wieder unterwegs und nähern uns der Route, die nach Saffronia City führt. Mittlerweile sind wir alle relativ müde. Wir haben gegen einige wortwörtlich wilde Pokémon gekämpft und ich habe meinen ersten Trainerkampf hinter mir. Ich habe natürlich verloren. Den Kampf allgemein hat Lilly jedoch mit Flockes Hilfe gewonnen. Immerhin habe ich ein bisschen mehr Kampferfahrung gesammelt. Dadurch bin ich ein bisschen stärker. Also habe ich irgendwie auch gewonnen. Kurz bevor wir die Route erreichen, hält Lilly an. “Lasst uns hier unser Nachtlager aufschlagen, es ist schon spät.“ Wir nicken einstimmig und helfen, so gut wir können. Drake schläft vor dem Zelteingang, zum einen, weil er zu groß ist und zum anderen, weil er uns dann bei einem plötzlichen Angriff besser beschützen kann. Der Rest von uns schläft im Zelt. Zum Glück ist es recht groß. Mir fällt ein, dass ich mich außerhalb des Pokéballs ja zurückverwandle, wenn ich schlafe. Vorsichtig stupse ich Lilly an. “Lilly?“ Sie ist scheinbar fast eingeschlafen, denn sie brummt müde. “Hrm? Was ist, Flamey?“ “Wenn ich außerhalb des Pokéballs ganz normal einschlafe, verschwindet meine Tarnung automatisch“, kläre ich sie auf. “Dann verwandle dich jetzt schon zurück, damit es nachher keine Platzprobleme gibt.“ Mit diesen Worten dreht Lilly sich um und schläft kurz darauf tief und fest. Ich rücke von den anderen weg und enttarne mich. Zumindest war das der Plan. Hellwach und mit klopfendem Herzen starre ich an die Decke des Zelts. Ich kann mich nicht mehr enttarnen. Ich bin in der Pokémon Form gefangen.

    - Erzählersicht -

    Nach dieser furchtbaren Entdeckung liegt Shay noch lange wach und als sie endlich einschläft, wird sie von Albträumen geplagt. Thea ergeht es da besser. Obwohl sie sich nicht gerade auf die bevorstehenden Ereignisse freut, schläft sie äußerst schnell ein. Auch der Rest der Truppe liegt friedlich auf dem Boden und träumt.
    Währenddessen in Irias Welt...
    “Komm Luna, beeil dich! Sie holen auf!“ Ein Junge und ein Mädchen, beide circa zwölf, laufen durch die Korridore eines großen, seltsamen Schlosses. Die eine Seite ist mit dunklen Steinen gebaut und an der Wand hängen blaue Banner. Auf jedem Banner ist der Mond in einer anderen Phase zu sehen. Der Teppich auf dieser Seite ist ebenfalls blau. Die andere Seite ist mit hellen Steinen gebaut und an dieser Wand ist auf jedem Banner die Sonne zu einer anderen Tageszeit zu sehen. Der Teppich auf dieser Seite ist gelb. Durch eine Tür am Ende des Korridors, durch den die beiden Kinder gerade laufen, kommen verschiedene Pokémon. Einige von ihnen unterscheiden sich farblich von ihrer Art, andere sind mit hässlichen Narben überzogen. Wieder andere scheinen gar nicht wirklich Pokémon zu sein. “Schneller, Luna, gleich haben sie uns!“ Das Mädchen, Luna, scheint deutlich zu schwächeln. Zudem fällt es ihr schwer, in ihrem Kleid zu rennen. “Sol, ich... ich kann nicht mehr...“ Luna fällt hin. Sol läuft zu ihr und hilft ihr hoch. “Halt still“, befiehlt er ihr und reißt den unteren Teil ihres Kleides ab. “So sollte es besser gehen.“ Er nimmt ihre Hand und zieht sie weiter. Die Pokémon haben sie mittlerweile fast erreicht. Luna verzweifelt. “Das schaffen wir niemals!“ “Nicht aufgeben, Luna. Solange wir nicht aufgeben, können wir nicht verlieren.“ So zuversichtlich Sol auch klingt, Luna weiß, dass er ebenfalls Zweifel hegt. Sie kennt ihren Bruder. Sie kommen an einem der Balkone vorbei. Da hat Sol eine Idee. Er stößt die Tür zum Balkon auf und zieht Luna mit nach draußen. “Luna, verwandle dich!“ Entsetzt sieht Luna ihn an. “Bist du verrückt? Ich kann nicht fliegen und das weißt du!“ “Schon, aber es ist unsere einzige Chance zu entkommen! Versuch es, los!“ Widerwillig verwandelt Luna sich und wird zu ihrer Pokémon Form, Lunaala. Sol klettert auf ihren Rücken und hält sich fest. Im selben Moment erreichen die Pokémon den Balkon. Schnell stößt Luna sich vom Boden ab. Eines der Halb-Pokémon schnappt zu und erwischt Sol am Fuß. “Sol!“, ruft Luna panisch. Sol sieht nach unten. Noch sind sie über dem Balkon. Kurzerhand fasst er einen Entschluss. “Luna, flieg einfach weiter. Such nach dem Mädchen, von dem Mum und Dad erzählt haben.“ “Was? Sol, was hast du...“ Sol lässt los. Zusammen mit dem Halb-Pokémon fällt er auf den Balkon, mitten zwischen seine Verfolger. “Sol!“, kreischt Luna. “Flieg weiter Luna! Flieg einfach weiter!“ Luna spielt mit dem Gedanken, ihren Bruder zu retten, doch das einzige, was sie im Moment in der Luft hält, ist der Aufwind. Also gibt sie nach und fliegt schweren Herzens davon.

    17
    Kapitel 15
    Reise zwischen Welten


    - Thea's Sicht -

    Es ist früh am Morgen und wir stapfen schon durch den tiefen Schnee. Der Schneesturm hat aufgehört, dafür ist die Luft schneidend kalt, noch kälter als gestern. Alle außer Iria und Nemaja sind in ihrer getarnten Form. Nemaja sitzt auf Kerauns Rücken und kuschelt sich an sein warmes Fell. Iria läuft voraus, Rot folgt an ihrer Seite. Noroi läuft mit uns hintendran. Ab und zu fragt er mich Dinge über meine Schwester, doch als er merkt, dass ich nur entweder seinen Fragen ausweiche oder sie ignoriere, gibt er auf. Wir sind allgemein sehr still. Mehr als ein paar Worte werden nicht gewechselt. Vielleicht interessiert euch aber, wie die Umgebung aussieht. Die Sonne geht in der Ferne auf und ihr goldenes Licht lässt den tiefen Schnee glitzern. Die Felsen um uns herum zeigen nur wenige schneefreie Stellen. Als wir eine Weile eine Klippe entlanglaufen, kann man unten ein Tal sehen, wo sogar ein paar sehr farbenprächtige Blumen wachsen. Schließlich bleibt Iria stehen und dreht sich zu uns um. “Wir haben den Eingang erreicht.“ Verwirrt sehe ich mich um. Es ist nirgendwo ein Eingang zu sehen. Um uns herum ist nichts als Schnee. Auch die anderen haben dies bemerkt. “Ähm... Iria? Hier ist kein Eingang“, meldet sich Zap zu Wort. Iria lächelt. “Nicht alles findet man mit den Augen, mein Lieber.“ Sie gräbt ein Loch in den Schnee und macht irgendwas, doch ich kann nicht erkennen was. Plötzlich bebt es. Der Schnee zu unseren Füßen schmilzt. Eine schwarze Platte - wahrscheinlich aus Vulkangestein oder so, ich kenne mich mit Steinen nicht aus - kommt zum Vorschein. Abgesehen von ihrer Farbe sieht sie ganz normal aus, wie ein abgebrochenes Stück Felsen. Ein Stück Felsen mit einem Riss im der Mitte, der sich in alle vier Himmelsrichtungen ausbreitet. “Bleibt ganz ruhig“, höre ich Iria sagen. Dann fallen wir in ein tiefes Loch. Natürlich bleibt keiner ruhig. Abgesehen von Iria, Keraun und Rot schreien sich alle die Lunge aus dem Hals. Über uns schließt sich die “Platte“ wieder. Ungefähr gleichzeitig kommen wir auf dem Boden auf. Es ist stockfinster, kühl und es riecht irgendwie leicht nach vertrocknetem Blut. Könnte noch vom Kampf gegen Yara sein. Könnte aber auch etwas anderes sein... Nein, definitiv nicht. Iria lässt eine helle Flamme in ihrer Hand erscheinen und ich kann mir ein Bild von der Situation machen. Unser Fall wurde von einer Art großen Matratze abgefedert, allerdings sind wir praktisch alle aufeinander gefallen. Rot ist irgendwo ganz unten vergraben worden, nur seine Mütze ist noch zu sehen. Was mich angeht, ich liege ziemlich weit oben und habe daher einen guten Ausblick. Iria lächelt entschuldigend. “Tut mir leid wegen der unangenehmen Landung. Normalerweise wird der Durchgang nicht von so vielen Leuten auf einmal benutzt. Nun kommt, wir haben noch einen langen Weg vor uns.“ Wir rappeln uns alle nacheinander auf und strecken uns ausgiebig. Bis auf Rot. Er steht auf und geht zu Iria, als wäre nichts geschehen. Als auch der Letzte endlich fertig ist, dreht Iria sich um und führt uns still einen Gang entlang.

    - Shay's Sicht -

    Ich wache so ungefähr gegen Mittag auf. Irgendwie hab ich es geschafft, bei Sonnenaufgang einzuschlafen. Jetzt bin ich wieder hellwach. Als erstes stelle ich fest, dass ich auf einer Wiese liege, nicht mehr im Zelt. Lilly sitzt nur einen Meter von mir entfernt auf dem Boden. Flocke liegt auf ihrem Schoß und lässt sich von ihr bürsten. Die Beiden bemerken gar nicht, dass ich wach geworden bin. Ich stehe auf. Vier Pfoten. Immer noch. Ich seufze enttäuscht, was Lilly aufblicken lässt. “Oh, guten Morgen Flamey. Komm mal her!“ Lustlos trotte ich zu ihr und setze mich hin. “Also“, flüstert sie, “Warum hast du dich doch nicht zurückverwandelt? Meintest du nicht, du würdest das automatisch tun, wenn du einschläfst?“ Ich nicke. “Schon, aber irgendwie... kann ich mich nicht mehr verwandeln. Ich bin in meiner Tarnung gefangen.“ Lillys Gesichtsausdruck wird besorgt. “Liegt es an mir? Ist es meine Schuld, weil ich dich gefangen habe?“ Ich schüttel den Kopf. “Es könnte am Pokéball liegen, aber es ist definitiv nicht deine Schuld. Ich habe diesen Weg selbst gewählt, also muss ich die Verantwortung für die Konsequenzen tragen.“ Lilly ist nicht überzeugt. “Vielleicht sollte ich dich einfach wieder freilassen. Was, wenn der Zustand irgendwann dauerhaft wird?“ “NEIN!“ Erschrocken von mir selbst halte ich inne. Ich schließe kurz die Augen und beruhige mich. Dann rede ich weiter. “Wir brechen nicht ab. Wir ziehen das durch. Lilly, ich vertraue dir. Dass ich mich nicht mehr enttarnen kann ändert nichts daran. Also... Vertraust du mir?“ Eine Zeit lang sieht Lilly mich schweigend an. Ihre Miene verrät Zweifel. Doch schließlich verschwindet dieser Gesichtsausdruck und ein Lächeln legt sich auf Lillys Lippen. “Okay, wir ziehen es durch. Ich vertraue dir.“ Plötzlich kracht es lautstark hinter mir. Erschrocken drehe ich mich um und mache mich bereit anzugreifen, doch was ich sehe, lässt mich erstarren. Es ist groß, also wirklich groß und hat riesige halbmondförmige Flügel, die Aussehen, als hätte jemand den Nachthimmel in ihnen eingesperrt. Kurz und knapp: Es ist ein prächtiges und eindeutig legendäres Pokémon. “Lunalaa?“, ruft Lilly erschrocken. “Was macht Lunalaa in Kanto?“ Flocke sieht besorgt zu Lilly. “Vielleicht hat Wölkchen sie geschickt?“ Ich blinzel zweimal verwirrt. “Wer ist Wölkchen?“ Lilly starrt weiter Lunalaa an, während sie antwortet. “Ich habe Wölkchen als er noch ein Cosmog war gerettet. Mittlerweile ist er Solgaleo, der Repräsentant der Sonne geworden. Lunalaa ist die Verkörperung des Mondes. Es sind die beiden wichtigsten legendären Pokémon von Alola. Ich frage mich, was Lunalaa hier macht...“ Ich gehe näher ran. “Was auch immer es ist... Sie sieht sehr geschwächt aus. Und sie hat ein paar Schrammen vom Absturz.“ Lilly seufzt. “Okay, kümmern wir uns um sie. Flamey, Flocke, bleibt bitte bei ihr. Ich hole Wasser. Hoffentlich kommen die anderen bald zurück...“ Mit diesen Worten verschwindet Lilly zwischen den Bäumen. Flocke und ich setzen uns an den Kopf von Lunalaa. Es scheint ohnmächtig zu sein. Kein Wunder nach dem Absturz. Ich untersuche ihre gewaltigen Flügel, doch sie scheinen in Ordnung zu sein. Flocke kühlt inzwischen vorsichtig Lunalaas Kopf. Als ich gerade Lunalaas Rücken überprüfe, wacht sie plötzlich auf. Schnell springe ich runter und laufe zu Flocke. Lunalaa hebt ihren Kopf und sieht uns an. Erschrocken zuckt sie zurück. “W-wer seid ihr?“ Ihre Stimme klingt überraschend kindlich. Ich hätte mit einer Art ruhigen, kühlen, mystischen Stimme gerechnet. Vor Überraschung vergesse ich zu antworten, doch zum Glück übernimmt Flocke das für mich. “Ich bin Flocke und das ist Flamey. Keine Sorge, wir wollen dir nur helfen. Lilly holt gerade Wasser, sie kommt gleich wieder.“ Bei der Erwähnung von Lillys Namen weiten sich Lunalaas Augen. “Etwa die Lilly? Die, die Solgaleo gerettet und großgezogen hat?“ Nun ist Flocke verwirrt. “Ja. Ich dachte, Solgaleo hätte ihnen davon erzählt, Lunalaa?“ Lunalaa sieht uns kurz verwirrt an, dann nickt sie hastig. “Stimmt! Richtig! Ja, ja hat er, schon ganz oft, öfter als ich mir vorstellen kann! So oft, dass mein Bruder und ich mittlerweile jedes mal einschlafen, wenn er davon erzählt...“ Verwundert lege ich den Kopf schief. “Du hast noch einen Bruder?“ Flocke schüttelt den Kopf. “Es gibt meines Wissens nur Solgaleo und Lunalaa.“ Sie verengt die Augen und nagelt Lunalaa mit ein paar Eiszapfen am Boden fest. Dann sieht sie ihr fest in die Augen. “Wer bist du? Was willst du hier? Bist du ein Zorua? Ein Spion? Jemand, der uns in eine Falle locken will?“ Lunalaa wehrt sich verzweifelt, doch sie kann sich nicht vom Eis befreien. “Ich schwöre, ich wollte nur...“ Plötzlich kommt Lilly zurück und mit ihr der Rest des Teams. Entsetzt sieht Lilly zu Flocke. “Flocke, was machst du da?“ Flocke schnaubt. “Ich fürchte, das ist nicht die echte Lunalaa. Lunalaa hat außer Solgaleo keinen Bruder.“ Lunalaa gibt es auf, sich zu wehren. “Bist du Lilly?“ Etwas irritiert nickt Lilly. “Ja, wieso?“ Erleichtert atmet Lunalaa aus. “Endlich habe ich dich gefunden.“ Sie verwandelt sich. Mein Mund klappt mehrmals auf und zu und ich hinterfrage alles, was ich je von meinen Eltern gelernt habe. Vor uns steht ein ungefähr zwölf Jahre altes Lunalaa-Rainbowheart.

    - Thea's Sicht -

    Wir sind bestimmt ein paar Stunden gelaufen, bis wir am Ausgang angekommen sind. Doch wir sind angekommen und ich bin heilfroh, wieder Tageslicht zu sehen. Zudem ist die Landschaft wirklich wunderschön. Der Ausgang ist hinter einem Wasserfall, durch den man durchlaufen muss. Durch den starken Druck kann man aber nur vom Ausgang aus durch, nicht andersrum. Der Wasserfall kommt aus einem bemoosten Felsen und mündet in einen See, aus welchem wiederum ein breiter, aber ruhiger Fluss entspringt. Auf der einen Seite ist ein dichter Laubwald, auf der anderen seite eine weitläufige Wiese, wo man bestimmt gut um die Wette rennen kann. Ganz weit in der Ferne kann man einen dunklen, undefinierbaren Umriss sehen. Neugierig wende ich mich an Iria. “Iria? Was ist das dort hinten?“ Iria seufzt traurig. “Das, meine Liebe, sind die Ruinen meines Schlosses. Nun komm, wir müssen durch den Wald.“ Ich merke, dass sie nicht weiter darüber reden möchte, also folge ich ihr still. Eine Weile redet niemand, bis Nemaja schließlich all ihren Mut zusammennimmt und auch mal eine Frage stellt. “E-Entschuldigt bitte, Lady Iria, aber... w-wohin gehen wir?“ Iria lächelt ihr beruhigend zu und Nemaja entspannt sich ein wenig. Schließlich bekommt sie auch eine Antwort. “Wir gehen ins Herbst-Königreich. Vielleicht haben wir Glück und seine Mauern stehen noch.“

    - Erzählersicht -

    Somit verläuft der Rest ihres Waldspaziergangs schweigend. Jeder hängt seinen eigenen Gedanken nach.

    Währenddessen im Herbst-Königreich...

    Ein Stollrak-Rainbowheart kommt hastig in den Trohnsaal gelaufen und fällt vor seinem König auf die Knie. Dieser sieht ihn ernst und mit unbeweglicher Miene an. “Ihr seid viel eher zurück, als ich dachte. Was ist passiert?“ Das Stollrak-Rainbowheart schluckt. “Mein Herr, ich bringe schlechte Neuigkeiten. Das Himmelsschloss wurde eingenommen.“ “WAS? Wie kann das sein? Woher besitzt unser Gegner solche Stärke?“ Das Stollrak-Rainbowheart schüttelt den Kopf. “Wir können es nicht sagen, Herr. Wir haben auf der Stelle kehrt gemacht, um die Leute nicht in Gefahr zu bringen.“ Der König nickt. “Das war sehr vernünftig. Du darfst gehen. Ich werde mich mit meinem Rat treffen und sehen, was wir mit dieser neuen Situation anfangen.“ Das Stollrak-Rainbowheart rührt sich nicht. “W-Wenn ich einen Vorschlag machen dürfte, Herr?“ “Oh? Einen Vorschlag?“, fragt der König überrascht. Das Stollrak-Rainbowheart nickt. Interessiert lehnt sich der König ein wenig vor. “Lass hören.“ Nervös richtet sich sich das Stollrak-Rainbowheart auf. “Vielleicht wäre es eine gute Idee, ein Bündnis mit dem... mit dem Winter-Königreich zu schließen.“ Der König seufzt. “Nein. Und du weißt genau warum.“ “Schon, Herr, aber... Sie wissen doch, was mit dem Frühlings- und dem Sommer-Königreich geschehen ist...“ Der König runzelt die Stirn, bleibt aber ruhig. “Das Frühlings-Königreich besteht hauptsächlich aus Heilern und das Sommer-Königreich feiert lieber Feste, als sich um seine Sicherheit zu kümmern. Wir haben jede Menge starker Kämpfer und gute Verteidigung. Wir brauchen keine Hilfe von Winter-Königreich. Nun geh.“ Das Stollrak-Rainbowheart seufzt. “Jawohl, Herr.“

    18
    Kapitel 16
    Viele Überraschungen


    - Shay's Sicht -

    Nachdem ich mich beruhigt habe und wir alle unsere Fragen gestellt haben, also wer bist du, wo kommst du her, das übliche halt, bittet das Lunaala-Mädchen uns, dass wir uns erstmal hinsetzen. Scheint eine lange Geschichte zu werden. Das Lunaala-Mädchen wartet, bis wir alle sitzen, dann beginnt sie zu erzählen. “Mein Name ist Luna. Ich komme aus einer anderen Welt. Einer Welt ohne Menschen, in der die Rainbowheart bis vor kurzem in Frieden lebten... Naja, mehr oder weniger. Die Welt ist in vier Königreiche aufgeteilt, Frühling, Sommer, Herbst und Winter.“ “Aus welchem Königreich bist du?“, unterbricht Flocke vorsichtig. Luna lächelt unsicher. “Nun ja... Ich wohne in einem Schloss, das keinem Königreich angehört. Zumindest hatte ich dort gewohnt. Vor kurzem gab es einen Angriff auf das Schloss. Mein Bruder und ich wurden von mutierten Pokémon angegriffen. Einige von ihnen waren sogar halb Pokémon und halb Mensch, doch in einer anderen Weise als Rainbowheart. Sie sind blutrünstige Kreaturen und nur von Mordlust getrieben. Es ist ein Wunder, dass sie die anderen Mutanten nicht angegriffen haben. Sie waren nur hinter meinem Bruder und mir her. Mein Bruder... e-er... er ist zurückgeblieben... damit ich fliehen und Hilfe holen konnte. Unsere Eltern haben uns immer wieder von einem Mädchen namens Lilly erzählt. Sie soll Vater aufgezogen und sich bei den Legendären großen Respekt verdient haben. Also habe ich nach ihr gesucht. Tja und hier bin ich, in einer anderen Welt. Ich bin mir nicht ganz sicher, wann ich von einer Welt in die andere gelangt bin, aber zwischendurch war der Wind ungewöhnlich stark und hat mich eine Weile einfach nach seinem Belieben umhergewirbelt. Vielleicht war es da.“ Eine Weile schweigen wir einfach alle. Schließlich ist Lilly die erste, die sich traut zu fragen. “Wenn ich das richtig verstanden habe, sind Solgaleo und Lunaala eure Eltern. Aber... wie kann das sein? Ich meine, ihr seid Rainbowheart und sie sind Pokémon... oder?“ Luna nickt. “Stimmt, sie sind vollständig Pokémon. Aber ich kann mich nicht an meine Geburt erinnern. Ich habe auch nie danach gefragt.“ Ich überlege. Meine größte Frage hat sich damit geklärt, doch eine Sache beschäftigt mich noch. “Du hast gesagt, die Königreiche haben bis vor kurzem mehr oder weniger in Frieden gelebt. Was genau meinst du mit 'mehr oder weniger'?“ Luna seufzt traurig. “Vor vielen, vielen Jahren gab es einen großen Krieg. Ein Krieg, der entscheiden sollte, welches Königreich die große Aufgabe übernimmt, über unsere kleine Welt zu wachen. Die Könige und Königinnen dachten, diese Aufgabe würde ihr Reich zum Reich mit dem höchsten Rang machen. Während dem Krieg flohen einige Bewohner in diese Welt und blieben dann auch nach dem Krieg hier, da sie nie erfuhren, ob er vorbei ist. Mit der Zeit sind die Ereignisse bei den Rainbowheart in dieser Welt in Vergessenheit geraten. In der versteckten Welt dagegen... Der Krieg wurde abgebrochen durch Arceus höchstpersönlich. Die Bewohner litten, Dörfer, Städte, selbst Teile der Schlösser lagen in Trümmern. Arceus baute mit den anderen Legendären ein weiteres Schloss, ein Schloss ohne Königreich. Mein Zuhause. Fürs erste ließ er Solgaleo und Lunaala darin wohnen und über die Welt wachen, doch das war auf Dauer keine Lösung. Das erste legendäre Rainbowheart, ein Mewtu-Junge, wurde erschaffen, fragt mich aber bitte nicht wie. Die Zeit verging und der Mewtu-Junge wurde älter. Arceus wusste, er würde bald einen Nachfolger brauchen. Als nächstes war es ein Giratina-Junge. Doch auch er brauchte irgendwann einen Nachfolger. Dieser Nachfolger war ein Zygarde-Mädchen. Mit ihren Zellen konnte sie wunderbar sehen, was in den Königreichen vor sich ging. Traurig stellte sie fest, dass zwischen einigen Königreichen noch immer Zwietracht herrscht, nämlich zwischen dem Herbst- und dem Winter-Königreich und zwischen dem Sommer- und dem Frühlings-Königreich. Dieser Zustand hielt an, egal was sie versuchte. Schließlich wurde auch sie immer älter und sie bat Arceus, als nächstes zwei Nachkommen zu wählen und sie, sobald sie zehn Jahre alt sind, ins Schloss zu schicken, damit sie sie unterrichten kann. Diese Nachkommen waren mein Bruder und ich, wobei mein Bruder ein bisschen eher als ich dorthin kam, da er ein bisschen älter ist als ich. Das Zygarde-Mädchen hieß übrigens Helia. Ich habe keine Ahnung wo sie ist. Kurz vor dem Angriff ist sie einfach verschwunden. Nun ja... Ich hoffe das hat deine Frage beantwortet.“ Ach ja, richtig, meine Frage... Ich nicke einfach, da ich gar nicht mehr weiß was ich gefragt habe. Ich habe auf jeden Fall eine Menge erfahren. “Also...“, beginnt Lilly vorsichtig. “Was sollen wir jetzt tun? Was wird von mir erwartet?“ Lunas Gesicht hellt auf. “Das heißt du willst mir helfen?“ Lilly nickt. “Ich möchte es zumindest versuchen.“ Vor Freude fällt Luna ihr in die Arme. “Danke danke danke danke!“ Lilly lacht. “Schon gut. Nun, was ist dein Plan?“

    - Thea's Sicht -

    Wir laufen noch immer durch den Wald. Langsam hab ich Hunger. Außerdem nervt Zap mit seinem endlosen Gelaber. Ich kenne jetzt garantiert seine ganze Lebensgeschichte bis ins kleinste Detail. Wobei er sich ein paar Sachen ausgedacht hat. Er war garantiert kein Superheld. Außerdem glaube ich ihm nicht, dass er sich an sein letztes Leben erinnern kann. Auch wenn er wirklich kreativ war. Jedenfalls scheinen wir die Grenze zum Herbst-Königreich zu überqueren. Die Blätter werden immer bunter. Außerdem kühlt es ab. Nemaja scheint sich hier wohlzufühlen. Sie lächelt fast ununterbrochen. Allerdings ist sie so ruhig wie immer. Und wenn wir Pause machen und Kyle sich unbeobachtet fühlt fängt er an, wie ein Hundusterwelpe mit den Blättern zu spielen. Warum ich ihn beobachte? Ich traue ihm nicht! Ganz einfach! Ähm... jedenfalls scheinen auch Cruncher, Yume und Zap ihren Spaß zu haben. Ayur hingegen scheint den Schnee zu vermissen. Er schweigt die meiste Zeit. Langsam geht die Sonne unter. Wir schlagen unser Nachtlager in einer Höhle auf. Iria macht ein Lagerfeuer und Keraun verschwindet im Wald. Als die Sonne gerade hinter dem Horizont verschwindet kommt er wieder. Er ist getarnt und hat etwas großes im Maul. Erschrocken erkenne ich, dass es ein Kronjuwild ist. Er hat ein Kronjuwild getötet! “K-Keraun!“ Mehr bringe ich vor Schreck nicht raus. Keraun legt seine Beute ab. “Richtig, du bist das wahrscheinlich nicht gewohnt. Aber einige Rainbowheart können halt nicht nur von Pflanzen leben. Würde Ayur zum Beispiel in den Bergen leben, hätte er gar keine andere Möglichkeit als zu jagen. Rainbowheart jagen sich zwar nicht untereinander, aber sie jagen Pokémon. So war das schon immer. Das ist etwas, das niemals einfach vollkommen aus unserer Natur verschwindet. Pokémon jagen sich ebenfalls untereinander. Deshalb bekommen einige Pokémon mehr Nachwuchs als andere. Die Natur findet immer einen Weg, um sich in Balance zu halten.“ “A-aber...“ Keraun seufzt. “Ich weiß, es ist schwer zu verstehen, wenn man zum Vegetarier erzogen wurde, aber einige von uns müssen halt jagen, um zu überleben. Nun komm.“ Er nimmt seine Beute und geht rein. Ich folge ihm. Drinnen teilt er die Beute auf. Cruncher, Kyle, Ayur, Iria und er essen Fleisch. Yume, Nemaja, Zap und ich essen Beeren. Noroi isst von beidem etwas, beschließt aber, dass er Beeren lieber mag. Ich denke über das nach, was Keraun gesagt hat. Er meinte, ich wurde zum Vegetarier erzogen. Heißt das, Evoli und alle Entwicklungen essen auch Fleisch? Nun ja, wirklich wichtig ist mir das nicht. Ich bleibe lieber bei Beeren. Nach dem Essen legen sich alle in die Nähe des Feuers und schlafen. Natürlich nicht zu nah, das versteht sich ja von selbst. Ich bin die einzige, die noch wach ist. Bei den vielen Ereignissen, die in letzter Zeit passiert sind, habe ich meine Schwester vollkommen vergessen. Ich schäme mich deswegen. Auf der anderen Seite kann ich deswegen jetzt keinen Rückzieher machen. Ich muss einfach hoffen, dass Shay auf sich selbst aufpassen kann.

    - Shay's Sicht -

    Es ist stockfinster. Nicht nur, weil es mitten in der Nacht ist, sondern auch, weil wir uns gefühlt 50 Meter unter dem Erdboden befinden. Wo auch immer Luna uns hinführt, es muss etwas wichtiges sein. Etwas geheimes. Ich hoffe nur, dass es nicht gefährlich ist. Ich bin zwar deutlich besser als noch vor ein paar Tagen, aber meine Kampffähigkeiten lassen noch sehr zu wünschen übrig. Und ich hasse es, hilflos zu sein. Ich treibe eine kleine Flamme vor mir her, damit wir wenigstens etwas Licht haben. Wir alle sind mittlerweile braun und teilweise sogar schwarz vom Schmutz. “Ähm... Luna?“, höre ich Flocke hinter mir vorsichtig fragen. Der Tunnel ist recht eng. “Hm?“ “Wohin führst du uns? Wir laufen jetzt garantiert schon seit Stunden hier unten herum.“ Stimmt. Hoffentlich haben wir uns nicht verlaufen. Luna schweigt eine Weile. Schließlich holt sie Luft zum antworten, doch plötzlich bebt die Erde. Das heißt alles um uns herum bebt. Erschrocken zuckt Luna zusammen. Ihre Stimme zittert. “Ich hatte gehofft sie bemerken uns hier unten nicht...“ Sie sieht zu uns. Ihr Gesicht ist fast weiß vor Angst. “Lauft.“

    - Erzählersicht -

    Auch wenn keiner weiß wovor Luna so große Angst hat, laufen alle ihr hinterher. Drake wurde schon lange von Lilly in den Pokéball gerufen, doch nun ruft sie, während sie rennt, auch Rosa und Flora zurück. Sie steckt die Bälle zurück in ihre Tasche und kramt nach Flockes und Shays. Plötzlich hört sie hinter sich einen Aufschrei. Erschrocken dreht sie sich um. Eine seltsame, gruselige Mischung aus Tohaido und Mensch hat seine Zähne in Shays Rücken gegraben. Offenbar hat sie Flocke beschützt, denn diese liegt nur ein paar Zentimeter hinter ihr auf dem Boden. “Flamey! Flocke!“ Ihr panischer Schrei lässt den Tohaido-Mensch-Mix auf sie aufmerksam werden. Er lässt Shay zu Boden sinken und drängt sich an ihr und Flocke vorbei zu Lilly. Diese kramt hastig nach den Pokébällen. “Lilly, lass es! Hau ab!“ Luna scheint ganz genau zu wissen, was sie tut, denn als ihr Gegner sich ihr zuwendet, huscht ein Lächeln über ihr Gesicht. Der Tohaido-Mensch-Mix drängt sich an Lilly vorbei und läuft auf Luna zu. Diese bereitet schon eine Attacke vor. Der Halbmond, der ihre Stirn ziert und vorher fast nicht zu sehen war, leuchtet silbern auf. Ein Schattenstrahl schießt aus ihrer Stirn auf ihren Gegner. Die Wucht der Attacke schleudert den Gegner gegen die Wand und er wird kampfunfähig. Erschrocken fasst Luna sich an die Stirn. “Ich... ich wollte nicht... wie hab ich das?“ Doch ihr bleibt keine Zeit sich zu freuen. Das Beben wird stärker und Erd- und Steinbrocken fallen herab. Lilly hat in der Zwischenzeit Shay und Flocke in ihre Bälle zurückgeholt und läuft jetzt zu Luna. “Komm, wir müssen weg hier!“ Luna nickt und läuft hinter Lilly her. In der Ferne leuchtet etwas. Das Beben muss einen Ausgang freigelegt haben. Die beiden Mädchen rennen darauf zu. Plötzlich fällt ein Steinbrocken direkt vor Luna. Er ist eher klein und bevor Luna reagieren kann, stolpert sie und fällt hin. Etwas knirscht und ein stechender Schmerz fährt ihr durch den Knöchel. Luna wagt gar nicht hinzusehen und versucht leise fluchend aufzustehen. Es gelingt ihr nicht. Da trifft der nächste Pokémon-Mensch-Mix ein, diesmal ein Rizeros. Es ist perfekt an die Umgebung angepasst und Luna weiß, dass sie in ihrem Zustand keine Chance hat. Immerhin ist Lilly in Sicherheit..., denkt sie. Sie schließt die Augen und bereitet sich auf den Schmerz vor. Doch er kommt nicht. Verwundert öffnet Luna die Augen und sieht nach oben. Vor ihr steht ein Magnayen-Junge und schützt sie vor dem Rizeros-Mensch-Mix. “Tut mir leid, dass ich so spät bin, Majestät. Ihr habt gut dafür gesorgt, dass man euch nicht findet. Nur leider galt das für Freund und Feind.“ Vor Schreck bringt Luna gar nichts hervor. Der Magnayen-Junge kämpft eine Weile, doch schließlich geht sein Gegner zu Boden. Der Magnayen-Junge dreht sich zu Luna um und hockt sich hin. “Mein Name ist Nox. Ich wurde vom Winter-Königreich geschickt, um Euch zu helfen.“

    Weit entfernt schreckt Thea aus dem Schlaf hoch. Verwirrt starrt sie nach draußen. Erst glaubt sie, ihre Augen spielen ihr einen Streich und es ist die Morgensonne, die durch die Blätter scheint. Doch als sie den stechenden Geruch von Rauch wahrnimmt, besteht kein Zweifel mehr. Der Wald brennt.

    19
    Kapitel 17
    Der Biss eines Monsterhearts


    - Thea's Sicht -

    Schnell wecke ich die anderen. Außer Zap werden sofort alle wach. Zusammen versuchen wir Zap zu wecken, mit Attacken, kitzeln, Nase zuhalten, doch es hilft alles nicht. Schließlich tarnt Keraun sich und wir legen Zap auf seinen Rücken. Nemaja setzt sich hinter ihn und hält ihn fest. Der Rest von uns tarnt sich und wir rennen los. Mittlerweile ist das Feuer näher gekommen. Es ist furchtbar heiß. Schnell laufen wir in die andere Richtung. Ich muss mich ordentlich zusammenreißen, um nicht in Panik zu verfallen. Wären wir in einer weniger brenzligen Situation gewesen, hätte ich mich wahrscheinlich gefragt, warum Zap nicht aufwacht. Doch die Zeit habe ich gerade nicht. Als wir gerade glauben, wir wären für's erste in Sicherheit, hören wir in der Ferne ein markerschütterndes Heulen. Also kein richtiges Heulen. Es ist eine seltsame Mischung aus einem sehr hohen und einem sehr tiefen Ton mit einem kratzigen Unterton, als hätte derjenige Halsschmerzen. Besser kann man das nicht erklären. Es ist ein grausames Geräusch. Kurz darauf brechen seltsame Wesen durch das Gestrüpp. Einige von ihnen sind einfach seltsam gefärbte Pokémon und sie sehen an sich nicht soo gefährlich aus. Das andere sind Mischwesen, halb Mensch halb Pokémon, doch sie sind keinesfalls Rainbowheart. Sie sehen ein wenig wie Zombies aus. Oder zumindest so, wie ich mir Zombies vorstelle. Jedenfalls sehen sie aus, als könnten sie selbst ein ausgewachsenes, topfittes Mega-Glurak mühelos zerfleischen. Wir drehen um und laufen in eine andere Richtung. Die Meute folgt uns ohne zu zögern. Nemaja dreht ihren Kopf nach hinten und beobachtet unsere Verfolger. Zap lässt sie dabei nicht los. Endlich nähern wir uns dem Waldrand. Langsam spüre ich meine Beine nicht mehr und es fällt mir schwer, geradeaus zu gucken. Das einzige, was mich noch rennen lässt, ist die Angst. Plötzlich kracht es und neben uns fällt ein brennender Baum zu Boden. Das Feuer ist hier! Wir haben uns so sehr auf unsere Verfolger konzentriert, dass wir den Brand total vergessen haben! Wenn wir uns nicht beeilen, kommen wir hier nie mehr lebend raus! Auch wenn die Erschöpfung es beinahe unmöglich macht, werden wir noch ein bisschen schneller und verlassen gerade noch rechtzeitig den Wald. Kaum haben wir die letzte Baumreihe passiert, fängt auch diese an lichterloh zu brennen. Wir lassen uns alle seitlich zu Boden fallen, außer Keraun und Rot. Rot setzt sich ganz entspannt hin und Keraun wagt es nicht, sich hinzulegen, da Nemaja und Zap noch auf seinem Rücken sind. Die seltsamen Pokémon und was auch immer die anderen waren haben wir abgehängt. Zap ist immer noch nicht wach und jetzt, wo wir uns in Sicherheit wiegen, machen wir uns auch endlich Sorgen. Nemaja hebt Zap von Kerauns Rücken und legt ihn vorsichtig auf den Boden. Für ihre zierliche Statur ist sie ziemlich kräftig. Wir versammeln uns um Zap und versuchen, ihn zu wecken. Leider haben wir genauso viel Erfolg wie in der Höhle. “Komm schon Zap, wach endlich auf!“ “Wir sind gerade aus einem brennenden Wald geflohen und wurden von komischen Wesen verfolgt, du hast alles verpasst, du Held!“ “Wir sind in Sicherheit, alles ist gut, also öffne die Augen!“ “Ihr könnt reden so viel ihr wollt, es wird nicht helfen.“ Verwirrt drehen wir uns zu der fremden Stimme um. Vor uns steht eine Frau mit langen glatten schwarzen Haaren und gebräunter Haut. Ihre Augen sind hellgrau, wirken aber durch den Kontrast zur Haut und zu den Haaren fast weiß. Sie trägt eine grüne Jacke, eine enge schwarze Hose und grüne Turnschuhe. Doch am auffälligsten sind die grünen Schuppen in ihrem Gesicht. “H-Helia?“ Überrascht drehe ich mich zu Iria um. “Ihr kennt euch?“ Iria setzt zu einer Antwort an, wird aber von Helia unterbrochen. “Wir haben keine Zeit. Wenn wir noch länger warten, wird euer Freund zu einer blutrünstigen Bestie. Sie tastet an eine Stelle an seinem Kopf. Kaum berührt sie ihn, färbt die Stelle sich rot. Rot mit pechschwarzen Schlieren. Helia ist beunruhigt. “Er hatte das schon länger. Das ist nicht gut. Wenn sich alles schwarz gefärbt hat, wird er zum Monster.“ Sie hebt Zap hoch. “Kommt, ich kenne jemanden, der ihm helfen kann.“ Iria sieht nicht so begeistert aus. “Du weißt genau, dass er und ich uns nicht gut verstehen.“ “Hier geht es aber nicht um dich!“, ruft Nemaja plötzlich. Erschrocken drehen wir uns zu ihr um. Niemand wäre auf die Idee gekommen, so mit einer Prinzessin zu reden. Doch keiner sagt etwas, also redet Nemaja weiter. “Ich kenne diese Welt nicht und weiß nicht, warum ihr euch nicht mögt. Aber Zap ist unser Freund. Wir werden ihn nicht wegen irgendwelchen Streitereien zur Bestie mutieren lassen!“ Sie dreht sich zu Helia um. “Führe uns bitte hin.“ Diese nickt. “Selbstverständlich.“

    - Shay's Sicht -

    Ich habe etwas neues herausgefunden. Solange man sich im Pokéball befindet, ist der Schmerz wie verflogen. Verlässt man den Ball, kehrt der Schmerz schlagartig zurück. Nicht witzig. Ich liege neben Lilly und zittere vor Schmerzen. Lilly verbindet die Stelle auf meinen Rücken, wo mich das Monster gebissen hat. “Lilly, muss das sein?“, jammere ich. “Im Ball ist der Schmerz weg, als hätte er nie existiert. Kann ich da nicht wieder rein?“ Lilly schüttelt den Kopf. “Das geht nicht. Sieh mal.“ Sie holt etwas aus der Tasche. Es sind Teile eines Pokéballs. Er ist zerbrochen! Ungläubig schüttel ich den Kopf. “Wie kann das sein?“ “Keine Ahnung. Der Pokéball hat die ganze Zeit vibriert und andauernd die Farbe gewechselt, aber ich wollte dich nicht wecken. Plötzlich hat er Risse bekommen und ist einfach zerbrochen.“ Wow... Ich denke eine Weile still darüber nach. Auch Lilly scheint in Gedanken versunken zu sein. Plötzlich kommen Luna und Nox zurück. Bei ihnen ist ein Mimigma-Rainbowheart. Ich kann nicht erkennen ob es ein Mädchen oder ein Junge ist. Die Person ist komplett in einem Kostüm, wie Mimigma auch, allerdings ist das Kostüm stabiler und das Gesicht freundlicher. Nox sieht mich besorgt an. “Wie lange bist du schon außerhalb des Balls?“ Ich überlege. “Ich kann nicht genau sagen wie lange, aber die Sonne war schon über dem Horizont.“ Die Antwort scheint ihm nicht zu reichen. Er wendet sich an Lilly. “Hast du viele schwarze Schlieren gesehen, als du angefangen hast, sie zu verbinden?“ Lilly schüttelt den Kopf. “Nein, nur eine einzige.“ Nox seufzt erleichtert. “Dann dürfte das schnell gehen. Rainbowheart mit den Typen Geist und Fee können den Biss eines Monsterheart am besten heilen, doch selbst sie haben ab einem bestimmten Punkt keine Chance mehr.“ “Monsterheart?“, fragen Lilly und ich wie aus einem Mund. Nox nickt. “Die Königin des Winterkönigreichs hat sich den Namen ausgedacht.“ Nun bin ich verwirrt. Überall um uns herum ist es grün. Oh, und es gibt ein paar Blumenwiesen. “Das Winterkönigreich?“ Lilly kratzt sich verlegen am Kopf. “Das hatte ich vergessen die zu erzählen. Nox ist aus dem Winter-Königreich. Er ist nur hier, weil er nach Luna suchen sollte.“ Okay, das macht Sinn. Ich sehe mich um. “Wenn man von der Umgebung ausgeht... dann befinden wir uns im Frühlings-Königreich, richtig?“ Nox nickt. “Es leben aber nur noch wenige hier. Meistens in so unbedeutenden kleinen Dörfern, dass keiner sie findet. So, jetzt aber zu deiner Heilung. Tut mir leid, Lilly, aber könntest du den Verband wieder entfernen?“ Lilly seufzt, folgt aber Nox Anweisungen. Nox lächelt. “Danke.“ Er nickt dem Mimigma-Rainbowheart zu. Dieses kniet neben mir nieder und murmelt irgendwas. Dann setzt es eine Statusattacke ein. Ich habe keine Ahnung, was das ist, aber ich fühle mich gleich viel besser. Das Mimigma-Rainbowheart berührt meinen Rücken. Lilly atmet erleichtert auf. “Es ist weg.“ Nox nickt. “Aber der Pokéball wird dadurch nicht wieder heile.“ Lilly schüttelt den Kopf. “Das ist nicht schlimm. Hier ist Flamey in Sicherheit vor Menschen.“ Stimmt. Auch wenn es Spaß gemacht hat, mit Lilly zu reisen. Und jetzt, wo ich nicht mehr an den Pokéball gebunden bin, sollte ich mich zurückverwandeln können. Hoffentlich. Ich probiere es aus. Und es klappt! Glücklich drehe ich mich dreimal im Kreis, dann bemerke ich die erschrockenen Gesichter der anderen Rainbowheart. Der Kopf des Mimigma-Rainbowheart ist seltsam verdreht, Nox steht einfach nur der Mund offen und Luna stottert vor Überraschung. “D-D-Du... W-warum...“ Doch Luna fängt sich schnell wieder. “Deshalb konnte Lilly dich so gut verstehen. Ich meine, sie versteht ihre Pokémon allgemein unglaublich gut, aber bei dir hatte ich das Gefühl, dass sie tatsächlich jedes Wort versteht.“ Lilly lächelt verlegen. “Naja... Mir wird oft gesagt, ich verstünde Pokémon sehr gut.“ Nox steht noch immer der Mund offen. Das Mimigma-Rainbowheart tippt ihn vorsichtig an und Nox schüttelt den Kopf. “Du warst... Ich meine, du bist... Ich meine... Warst du etwa freiwillig in einem Pokéball?“ Ich nicke. “Nicht alle Menschen sind so freundlich zu Rainbowheart wie Lilly. Ich wäre fast geschnappt worden, hätte Marshadow mich nicht gerettet.“ “Du wurdest von Marshadow gerettet?“, fragt Luna ungläubig. Ich nicke. “Ja, wieso?“ Nox klärt mich an Lunas Stelle auf. “Die Legendären haben uns zwar im allgemeinen schon viel geholfen, aber einzelnen Rainbowheart zu helfen sieht ihnen eigentlich nicht ähnlich.“ Ich überlege. “Hm... Marshadow war aber total nett zu mir.“ Das wiederum macht Nox nachdenklich. “Also entweder ist Marshadow eine Ausnahme bei den Legendären, die Rainbowheart in eurer Welt leben wirklich sehr sehr gefährlich oder... du bist etwas besonderes.“ Stille. Ich spüre, wie ich rot werde. Ich meine, wie oft bekommt man zu hören, dass man etwas besonderes ist? Luna zieht eine Augenbraue hoch und grinst. Das Mimigma-Rainbowheart scheint mich unter seiner Maske zu fixieren. Nox kapiert gar nichts. “Was denn? Kann doch sein! Okay, vielleicht hab ich auch zu viele Bücher gelesen... Ich meine ja nur.“ “Nun ja, jedenfalls... Was machen wir jetzt?“, fragt Lilly und ich bin ihr sehr dankbar für den Themawechsel. Nox holt eine Karte raus. “Wir gehen zurück ins Winter-Königreich. Direkt an der Grenze gibt es ein Dorf. Wenn wir nicht zu sehr trödeln, sollten wir bei Einbruch der Nacht dort sein.“ Luna wirft einen Blick auf die Karte. “Hm... Am besten, wir brechen sofort auf.“ Sie sieht nach Zustimmung suchend zu uns. Lilly und ich nicken. Das Mimigma-Rainbowheart sieht uns an, dann winkt es und geht. Verwirrt sehe ich zu Nox. Dieser sieht dem Mimigma-Rainbowheart hinterher. Als er meinen fragenden Blick bemerkt, klärt er mich auf. “Er wohnt in einem Dorf in der Nähe. Wir haben echt Glück, dass wir ihn gefunden haben. Sonst hätten wir spätestens heute Abend ein Monsterheartproblem gehabt.“ Ich spüre einen eiskalten Schauer über meinen Rücken laufen. Der Biss hätte mich in ein Monsterheart verwandeln können? Ich schüttel mich, um die gruseligen Bilder aus meinem Kopf zu bekommen, die gerade herumspuken. Luna sieht Nox an. “Also Nox, führst du uns bitte zum Winter-Königreich?“ Nox nickt. “Mit Freuden. Hier entlang, bitte.“

    - Thea's Sicht -

    Wir befinden uns in einem winzigen Dorf im Herbst-Königreich. Also wirklich winzig. Es gibt fünf Gebäude. Drei Wohnhäuser, eine Scheune und eine Art... naja, Gemeinschaftshaus. Wo die Bewohner sich treffen, wenn es Probleme gibt, wenn sie etwas feiern wollen und draußen schlechtes Wetter ist, solche Sachen halt. Oder als Unterkunft für Gäste. Wobei ich bezweifle, dass es hier oft Gäste gibt. Wir befinden uns so ziemlich irgendwo im Nirgendwo. Helia führt uns zu einem Wohnhaus und klopft. Hinter der Tür hört man es rumpeln und irgendjemand flucht. Schließlich öffnet sich die Tür. Vor uns steht ein Simsala-Rainbowheart. Er lächelt. “Helia! Welch freudige Überraschung!“ Dann bemerkt er Iria und sein Lächeln verschwindet schlagartig. “Oh.“ Er seufzt. “Nun gut, die Umstände im Moment sind nicht gerade die besten. Kommt rein.“ Wir folgen seiner Einladung. Allerdings ist das gar nicht so leicht. Überall stehen Kisten und Körbe voller Früchte. Scheinbar wurden sie erst vor kurzem geerntet. Das Simsala-Rainbowheart schwebt einfach darüber hinweg. “Tut mir leid wegen der Unordnung. Wir arbeiten daran.“ “Wir?“, fragt Helia überrascht. Sie grinst ein wenig frech. “Kadan, sag bloß du hast endlich meinen Rat befolgt und dir einen Schüler genommen?“ Kadan? Seltsamer Name... Naja, es gibt bestimmt noch viele andere außergewöhnliche Namen. Kadan lächelt. “Ja, das habe ich. Und er ist so ein talentierter Junge.“ Wie gerufen erscheint ein Psiaugon-Rainbowheart wie aus dem nichts. Kadan lacht. “Wenn man vom Teufel spricht. Onyx, warum machst du nicht eine Pause und begrüßt unsere Gäste?“ Onyx sieht uns an. “Hallo.“ Er schnappt sich eine Kiste und verschwindet. Verwirrt sehen wir alle zu Kadan. Dieser seufzt. “Ja, das ist der Haken. Er ist zwar talentiert, aber auch sehr schüchtern.“ Schüchtern? Ich würde ihn eher als wortkarg und kühl bezeichnen. Kadan führt uns in das nächste Zimmer. Ein Kamin brennt hier und eine Wand ist komplett mit Bücherregalen bedeckt. Aus einem Fenster kann man in den Garten sehen. Der Himmel ist von dunkelgrauen Wolken bedeckt. Wahrscheinlich regnet es bald. Vor dem Kamin stehen ein Sofa und zwei Sessel. Helia legt Zap auf das Sofa. Dann wendet sie sich an Kadan. “Kadan, dieser Junge hier wurde von einer der Bestien gebissen. Das muss schon gestern gewesen sein, denn es haben sich schon viele schwarze Schlieren gebildet. Es könnte sehr brenzlig für ihn werden. Kannst du ihn heilen?“ Kadan berührt Zap am Kopf. Die Wunde wird sichtbar. Es sieht genauso grausam aus wie vorher, wenn nicht schlimmer. Auf Kadan's Stirn bilden sich Falten. “Hm... Das könnte schwierig werden... Ich kann es versuchen, aber versprechen kann ich nichts.“ Er hält die Hand über die Wunde und ein seltsames, regenbogenfarbendes Licht strahlt aus seiner Handfläche. Die Wunde hingegen beginnt, schwarz zu leuchten. Die beiden Lichter scheinen gegeneinander zu kämpfen. Auf Kadans Stirn bilden sich Schweißperlen. Was auch immer er macht, es scheint ihn viel Kraft zu kosten. Schließlich erlischen beide Lichter. Erwartungsvoll sehen wir zu Kadan. Doch er schüttelt nur stumm den Kopf. Dann lässt er sich erschöpft in einem Sessel sinken und schläft sofort ein. Ratlos sehen wir uns an. Was jetzt? Zap zurücklassen? Ihn aussetzen? Wir alle wissen, dass wir ihn nicht mitnehmen können, doch alleine lassen wollen wir ihn auch nicht. Helia mustert uns eine Weile, bis sie schließlich das Schweigen bricht. “Kadan könnte einen neuen Versuch unternehmen, wenn er wach ist. Bis Mittag haben wir garantiert noch Zeit.“ Nemaja nickt entschlossen. “Dann warten wir bis Mittag. Und bis dahin... sollten wir uns vielleicht auch ausruhen. Wer weiß, wann wir dazu wieder die Gelegenheit haben.“ Da hat sie recht. Im Moment sind wir alles andere als sicher, vor allem mit einer Prinzessin an unserer Seite. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass auch Helia eine wichtige Person ist. Wir legen uns alle einfach auf den Fußboden. Ich lege mich direkt vor den Kamin. Wenn meine Schwester schläft, strahlt sie immer unglaublich viel Wärme aus, finde ich. Normalerweise nervt mich das, jetzt jedoch erinnert die Wärme mich an die einzige Familie, die ich noch habe. Und während ich einschlafe, merke ich, wie eine Träne über meine Wange läuft.

    - Erzählersicht -

    Nachdem alle eingeschlafen sind, betritt Onyx den Raum. Er sieht sich um und entdeckt Zap auf dem Sofa. Vorsichtig bahnt er sich einen Weg zu ihm und guckt dabei, ob auch wirklich alle schlafen. Dann setzt er sich auf die Kante des Sofas und berührt Zap am Kopf. Zaps Wunde erscheint, noch ein Stück schwarzer als zuvor. Onyx hält seine Hand über die Wunde, wie es zuvor Kadan getan hat. Das regenbogenfarbende Licht erscheint auf seiner Handfläche und das schwarze Licht auf der Wunde beginnt zu leuchten. Die beiden Lichter leuchten stärker und verwandeln sich in zwei Gestalten. Das regenbogenfarbende Licht verwandelt sich in etwas, das Mew überraschend ähnlich sieht. Das schwarze Licht sieht fast aus wie Mewtu. Die beiden Gestalten kämpfen erbittert gegeneinander. Eine Zeit lang sieht es aus, als hätte das schwarze Licht die Oberhand. Doch dann bewegt Onyx seine Handfläche ruckartig und das regenbogenfarbende Licht erscheint hinter dem schwarzen. Das regenbogenfarbende Licht löst seine Gestalt auf und verschlingt das schwarze Licht. Die Wunde leuchtet auf und verschwindet, als wäre sie nie da gewesen. Zap öffnet die Augen. “W-wo bin ich?“ Überrascht sieht er sich um. “Warum liegen alle auf dem Boden?“ “Sie schlafen“, beruhigt Onyx ihn. Zap sieht Onyx an. “Wer bist du? Und warum schlafen sie hier und nicht in der Höhle? Wann sind wir hierher gekommen?“ “Eins nach dem anderen. Ich bin Onyx. Und sagen wir mal, sie hatten einen anstrengenden Morgen. Sie wurden von einer Freundin meines Lehrers hierher gebracht. Weitere Fragen kannst du später ihnen selbst stellen. Fürs erste solltest du dich auch schlafen legen. Wer weiß, wann ihr das nächste mal Gelegenheit dazu habt.“ Mit diesen Worten verschwindet Onyx und lässt einen verwirrten Zap zurück.

    20
    Kapitel 18
    Vertrauen


    - Shay's Sicht -

    Nox lag richtig mit seiner Schätzung. Die Sonne ist gerade hinter dem Horizont verschwunden, als wir das Dorf erreichen. Lilly und Luna seufzen erleichtert. Die beiden frieren erbärmlich, seit wir die Grenze überschritten haben. Nox führt uns direkt zu einem Gasthaus. Es überrascht mich, dass sie sowas in einem Dorf haben. Aber vielleicht ist das im Winter-Königreich nötig. Ich meine, es ist wirklich kalt. Ich musste mich unterwegs ordentlich aufheizen. Mein Körper kann sich gut der Außentemperatur anpassen, doch manchmal dauert das etwas, gerade bei großen Temperaturschwankungen. Nox scheint die Temperaturen gewohnt zu sein. Na ja, wenn er im Winter-Königreich lebt, ist das wohl selbstverständlich. Wir betreten das Gasthaus und sofort wird es warm. Ich merke, wie sich mein Magen verkrampft, als mein Körper versucht sich so schnell wie möglich der neuen Temperatur anzupassen. Verwirrt sieht Nox mich an. “Du bist blass, alles okay?“ “Ich vertrage extreme Temperaturschwankungen nicht so gut“, erwidere ich knapp. Lilly sieht sich um. “Hier ist ganz schön viel los dafür, dass wir uns im einem Dorf befinden.“ Nox nickt. “Viele Leute aus dem Frühlings-Königreich sind hierher geflohen, nachdem es zerstört wurde. Viele sind auch weitergezogen, doch einige möchten so nahe wie möglich an ihrem Heimatkönigreich bleiben.“ “Einige ist gut“, murmelt Luna. Sie hat recht. Hier sind wirklich viele Leute. Ob überhaupt noch etwas für uns frei ist? Nox geht zum Tresen und unterhält sich mit jemandem, der Augenscheinlich ein Wiesenior-Rainbowheart ist. Kurz darauf kommt er mit einem Schlüssel zurück. “Ich hoffe es stört euch nicht, aber wir werden uns ein Zimmer teilen müssen.“ Ich zucke mit den Schultern und auch Lilly macht es offensichtlich nichts aus. Nur Luna scheint sich nicht ganz wohl in ihrer Haut zu fühlen. “Ich weiß nicht... I-Ich habe noch nie mit einem Jungen im gleichen Zimmer geschlafen... abgesehen von meinem Bruder, aber das ist etwas völlig anderes. A-also... nichts gegen dich Nox, wirklich nicht...“ Nox seufzt. “Richtig, Prinzessin und so weiter. Pass auf, wir machen das so: Du nimmst das Bett an einem Ende des Zimmers und ich das Bett am anderen Ende. Mehr können wir nicht tun.“ Luna nickt. “O-Okay...“ Ich überlege, was ihr Titel mit alledem zu tun hat, gebe es aber genauso schnell wieder auf. Es gibt so vieles in dieser Welt, was ich nicht verstehe. Außerdem bin ich müde. Wir betreten unser Zimmer und suchen uns jeder ein Bett aus. Ich lege mich auf meins und schließe die Augen. Nur schlafen kann ich noch nicht. Die Ereignisse des Tages spuken noch wie wild in meinem Kopf herum. Eine gefühlte Ewigkeit liege ich da und lausche Lunas regelmäßigem Atem. Sie hat scheinbar keine Probleme beim Einschlafen. Irgendwann öffne ich die Augen. Nox liegt in seinem Bett, Lilly jedoch fehlt. Vorsichtig schleiche ich aus dem Zimmer und schließe so leise wie möglich die Tür hinter mir. Dann gehe ich hinunter in den Eingangsbereich. Lilly ist draußen und unterhält sich mit jemandem, der vom Aussehen her ein Dartignis- oder Fiaro-Rainbowheart ist. Ich geselle mich zu ihnen und mache durch ein Räuspern auf mich aufmerksam. Lilly dreht sich zu mir. “Hey, Flame- äh, ich meine Shay. Konntest du auch nicht schlafen?“ Ich schüttel den Kopf. “Nicht wirklich. Ich mache mir die ganze Zeit Gedanken darüber was passiert wäre, wenn der Pokéball den Prozess nicht aufgehalten hätte und ich als Monsterheart aus dem Ball ausgebrochen wäre...“ Lilly seufzt. “Ich bin dir noch etwas schuldig. Du hast Flocke gerettet.“ Das Fiaro-Rainbowheart unterbricht. “Um genau zu sein hätte dein Pokémon weniger Schaden davongetragen als Shay. Nur Rainbowheart können zu Monsterheart werden.“ Ich denke nach. “Mag sein... aber das Monsterheart hätte Flocke gefressen, wäre es an sie rangekommen.“ “Stimmt auch wieder“, gibt das Fiaro-Rainbowheart zu und reicht mir die Hand. “Ich bin übrigens Blaze. Freut mich.“ Ich schüttel seine Hand. “Ich bin Shay, aber das weißt du ja schon.“ Blaze nickt. Ich mustere ihn. Er ist im Halbdunkeln schwer zu erkennen, aber was ich sehe ist ein ziemlich seltsamer Kleidungsstil. Sein Oberteil ist definitiv Metall, seine eng anliegende Hose und seine Stiefel jedoch nicht. Die Stiefel sind komplett schwarz und auch die Hose hat eine dunkle Farbe. Es sieht aus wie eine seltsame Mischung aus Ritter und Jäger. Na ja, egal. Jeder das seine. Ich wende mich an Lilly. “Lilly? Sollten wir uns nicht langsam hinlegen? Luna schläft schon lange und ich glaube auch Nox ist schon im Reich der Träume.“ Lilly lächelt. “Gute Idee. Sonst werden wir morgen nicht richtig wach.“ Sie geht nach drinnen. Ich drehe mich noch einmal zu Blaze um und wünsche ihm gute Nacht, dann folge ich ihr.

    - Thea's Sicht -

    Ich wache als Letzte auf. Zumindest vermute ich das. Die anderen sind nämlich alle verschwunden. Draußen grollt der Donner und Regen fällt gegen die Fensterscheibe. Ansonsten ist es still. Ich stehe auf und sehe mich um. Das Feuer ist erloschen und es ist deutlich dunkler als vorher. Ein Schauer jagt mir über den Rücken. Irgendetwas stimmt hier nicht. “Hallo?“, rufe ich zögerlich. Keine Antwort. “Hallo?“, rufe ich noch einmal, diesmal lauter. Doch auch dieses mal bekomme ich keine Antwort. Nur Donnergrollen. Nein, warte. Das war kein Donner. Das war ein Knurren. Vorsichtig drehe ich mich um, doch da ist niemand. Erleichtert atme ich auf. Vielleicht habe ich mich getäuscht. Plötzlich spüre ich ein Prickeln im Nacken. Ruckartig drehe ich mich um. Das Wesen vor mir war wohl mal ein Flamara. Jetzt ist es eine Bestie, die bereit ist mich zu zerreißen. Und schlimmer... obwohl dieses Wesen garantiert nicht anders als alle anderen Flamara-Bestien aussieht, weiß ich instinktiv, dass das hier meine Schwester ist. Ich versuche selbstbewusst und warnend zu klingen, doch meine Stimme zittert so stark, dass ich mich fast selbst nicht verstehe. “Sh-Shay... tu das n-nicht...“ Shay knurrt nur. Ihre Nase bebt. Sie riecht meine Angst. Und das scheint mich noch appetitlicher zu machen. Ich versuche es noch einmal. “Shay, b-bitte...“ Meine Stimme bricht. Shays Augen leuchten vor Gier. Sie heult laut auf und greift an. “Nein!“ Ich fahre hoch. Alle starren mich an. Offenbar warten sie auf eine Erklärung oder so, aber das werde ich ihnen nicht geben. Da stelle ich fest, dass Zap auch wach ist. “Hi Zap, wieder unter den Lebenden?“ “Wirklich tot war er nicht“, wirft Helia ein. “Nur in einer Art Verteidigungsschlaf. Schwer zu erklären. Wir würden gerne weiterziehen.“ Überrascht hebe ich die Augenbrauen. “Du kommst mit?“ Helia nickt. “Das Problem betrifft uns alle. Ich werde euch bis auf weiteres begleiten.“ Bis auf weiteres? Na ja, viel mehr darf man wohl nicht erwarten. Ich stehe auf und strecke mich einmal ausgiebig. Dann nicke ich den anderen zu. “Los geht's.“ Zum Glück widerspricht keiner und wir gehen nach draußen, wo wir uns von Kadan verabschieden. Als ich noch einmal zur Tür schaue, kann ich kurzzeitig Onyx im Türrahmen sehen, doch dann verschwindet er plötzlich. Scheinbar macht er das gerne. Ich wende mich ab und folge den anderen. Unser Weg führt uns zu einer Kleinstadt, deren Namen ich vergessen habe. Na gut, um ehrlich zu sein habe ich gar nicht zugehört, als der Name erwähnt wurde. Ich weiß nur noch, dass sie im Westen liegt. Also kann man sich einfach am Stand der Sonne orientieren... Moment mal... “Äh... Leute? Irgendwas stimmt hier nicht.“ Überrascht drehen die anderen sich um. “Was stimmt denn nicht?“, fragt Keraun angespannt. Offenbar ist er nach allem, was passiert ist, noch vorsichtiger als sonst. Ich deute in den Himmel. “Die Sonne. Sie müsste im Westen sein, zumindest ein wenig. Aber sie ist im Osten. Sie geht auf. Haben wir etwa bis zum nächsten Morgen geschlafen?“ Ratlos sehen die anderen sich an. Kyle knurrt. “Wir können unmöglich so lange geschlafen haben. Vielleicht haben dieser Kadan und sein Gehilfe uns Drogen verabreicht.“ Helia schüttelt den Kopf. “Ihr irrt euch in Kadan. Er würde das niemals tun. Selbst wenn, aus welchem Grund? Es war einfach alles sehr anstrengend in letzter Zeit. Ihr hattet den Schlaf nötig.“ Kyle ist mit der Antwort alles andere als zufrieden. “Und was ist mit ihnen?“ Helia lächelt. “Ich kann auch Energie über das Sonnenlicht aufnehmen. Ich bin nicht auf Schlaf angewiesen.“ Das scheint Kyle immer noch nicht zu passen, doch er erwidert nichts mehr. Zap ist außergewöhnlich still, aber das ist auch verständlich. Hätte ich erfahren, dass ich mich fast in ein Monster verwandelt habe, müsste ich das auch eine Weile verdauen. Wir beschließen, unsere Reise erstmal fortzusetzen und unsere Fragen abends in der Stadt zu klären.

    - Erzählersicht -

    So nähert sich Theas Gruppe allmählich der Kleinstadt Keriga, die eine wichtige Rolle im Herbst-Königreich spielt. Auch Shay und ihre Freunde sind wieder unterwegs. Ihr Weg führt sie nach Sevca, einem kleinen, hübschen Dorf in einem Tannenwald.

    Währenddessen...

    “Onyx, du sagtest, du hast etwas neues herausgefunden?“ Onyx sieht Blades an. Blades ist ein Durengard-Rainbowheart und ist absolut immer kampfbereit. Seinen goldenen Schuppenpanzer, sein Schild und seine Schwerter legt er nur zum Schlafen ab. Trotzdem traut Onyx ihm noch nicht vollständig. Auf der anderen Seite sind seine Informationen eher Vermutungen als sichere Fakten. Zudem kann er niemandem helfen, wenn er Blades nichts anvertraut. Manchmal hasst Onyx sich selbst dafür, dass er so misstrauisch ist. Es hat ihm zwar schon zweimal das Leben gerettet, aber oft steht es ihm auch im Weg. Blades wartet geduldig. Er ist es schon gewohnt, dass Onyx Ewigkeiten braucht, um zu antworten. Schließlich seufzt Onyx. “Es ist mehr eine Vermutung und weniger ein fester Fakt. Ich habe bei meinem Lehrer ein Rainbowheart im letzten Stadium geheilt. Bei dem Versuch fingen meine Kraft und die des Monsterhearts an, in Gestalt eines Mew und eines Mewtu miteinander zu kämpfen. Meine war das Mew, die des Monsterhearts Mewtu.“ Blades überlegt und sieht Onyx dann ungläubig an. “Willst du mir etwa erzählen, dass Mewtu hinter den Monsterheart steckt? Das wäre nämlich völlig absurd.“ Onyx nickt. “Das wäre in der Tat absurd, deshalb nein. Ich habe komplizierter gedacht und mir ist dabei ein Gedanke gekommen, der mindestens genauso schrecklich, wenn nicht schlimmer, wäre.“ Blades wartet. Onyx ist wieder still. Da betritt eine dritte Person den Raum, eine junge Frau. Ihre glatten hellgrünen Haare gehen ihr bis zu den Knien und ein paar gelbe Spangen halten es aus ihrem Gesicht. Ihre Haut ist so blass, dass sie fast weiß leuchtet und ihre roten Augen scheinen durch den Kontrast zu glühen. Blades atmet erleichtert auf. Mit Riala dürfte die Sache leichter werden. Sie trägt ihr grünes Kleid mit den dunkelgrünen Ranken, also scheint sie sich länger hier aufzuhalten. Onyx sieht zu ihr und wird augenblicklich rot. Diese Wirkung hat Riala auf die meisten Leute in der M.P.O., von daher reagiert sie nicht weiter darauf. Blades räuspert sich und Onyx zuckt zusammen. “Richtig. Meine Vermutung. Soweit wir wissen, wurde Mewtu von Menschen erschaffen. Dazu wurden Gene von Mew genutzt. Überträgt man das auf uns und die Monsterheart...“ Blades Augen weiten sich. “...wurden die Monsterheart auch von Menschen erschaffen, nur mit unseren Genen“, beendet er den Satz für Onyx. Dieser nickt. “Das ist meine Vermutung. Ob das wahr ist, ist wieder etwas anderes. Aber es würde einige Dinge erklären.“ “Es wäre etwas, was wir untersuchen könnten“, mischt Riala sich ein. “Ich habe Nachricht von Blaze erhalten. Er ist einem Menschen begegnet. Wenn wir ihm schnell genug eine Nachricht schicken, könnte er sie noch einholen.“ Blades überlegt nicht lange. “Dann tun wir das. Wir brauchen alle Hinweise, die wir kriegen können. Und Onyx?“ Onyx wendet seinen Blick von Riala ab. “Ja?“ “Sag deinem Lehrer er soll dich das nächste Monsterheart-Opfer übernehmen lassen. Dann bring es her. Ich möchte diesen Kampf mit eigenen Augen sehen.“ Onyx knirscht mit den Zähnen. “Das ist mehr als nur riskant. Bist du sicher?“ Blades nickt. “Absolut.“

    21
    Kapitel 19
    Die kleinen großen Dinge


    - Shay's Sicht -

    Es ist gerade mal Mittag, als wir Sevca erreichen. Seit ein paar Minuten schneit es leicht, aber das macht keinen Unterschied. Luna und Lilly frieren auch so schon wieder. Ihre Kleidung ist einfach nicht für das Wetter geeignet. Aber bisher hatten wir auch nicht die Möglichkeit, Winterkleidung zu kaufen. In diesem Dorf gibt es leider auch keinen Laden. Um genau zu sein, gibt es nur ein paar Häuser und eine große Tanne in der Mitte. Ich frage mich, was wir hier machen. Wahrscheinlich legen wir einfach einen kleinen Zwischenstopp zum Aufwärmen ein. Nox lächelt. “Da wären wir. Willkommen in meinem Dorf!“ Überrascht sehen wir zu Nox. “Du wohnst hier? Das hast du uns gar nicht erzählt“, spricht Luna unsere Gedanken aus. Nox zuckt mit den Schultern. “Ihr habt nicht danach gefragt.“ Er steuert eine Blockhütte an und wir folgen ihm. Mit den geschmückten Fenstern und dem hübschen Willkommensschild sieht die Hütte wirklich einladend aus. Nox klopft an der Tür. Sofort werde ich nervös. Wie werden seine Eltern auf uns reagieren? Vor allem auf Lilly? Als sich endlich die Tür öffnet, bin ich zuerst einmal ein bisschen verwundert. Es ist eine ältere Dame, wahrscheinlich Nox' Oma, doch ich kann überhaupt nicht zuordnen was sie für ein Rainbowheart ist. Ihre weißen Haare sind zu einem lockeren Fischgrätenzopf geflochten. Sie hat dunkle Augen und blasse Haut. Ihre Falten im Gesicht lassen vermuten, dass sie sehr viel lächelt. Sie trägt einen roten Strickpullover mit goldenem Muster, eine graue Hose und rote Hausschuhe. Nox lächelt. “Ich bin zurück, Oma.“ Richtig geraten. Nox' Oma umarmt ihn und sieht dann zu uns. “Kommt doch rein.“ Wir folgen ihrer Einladung und betreten die Hütte. Ich bleibe einen Moment stehen und passe mich der neuen Temperatur an. Dann folge ich den anderen in ein Zimmer. Ein brennender Ofen steht hier und Lilly und Luna setzen sich sofort davor, um sich zu wärmen. Nox setzt sich auf eine Couch. Seine Oma verlässt das Zimmer. Ich sehe mich eine Weile um und setze mich dann zu Nox. “Hier lebst du also, hm? Hübsch.“ Nox lächelt. “Na ja... Ich lebe nicht wirklich hier. Die meiste Zeit bin ich irgendwo in der Welt unterwegs. Aber mindestens einmal im Moment komme ich hierher und erzähle Oma von meinen Erlebnissen. Und jedes Jahr zur Weihnachtszeit kommen meine Schwester und ich beide hierher und bleiben über Weihnachten bei ihr.“ “Du hast eine Schwester?“, frage ich überrascht. Nox nickt. “Yena ist fünfzehn, also zwei Jahre jünger als ich, aber das merkt man kaum. Sie verhält sich erwachsener als ich...“ Er seufzt. Verwirrt lege ich den Kopf schief. “Ist das so schlecht?“ “Nun... eigentlich nicht, aber sie ist immer furchtbar ernst. Und wenn ich immer sage, meine ich immer.“ Ich nicke verstehend. “Meine Zwillingsschwester ist genauso. Seit unsere Eltern von Jägern getötet wurden... Nun ja, eigentlich wollte sie mich ja nur beschützen. Aber ich kam mir vor wie gefangen. Wir spielten nicht mehr zusammen, sie lachte nicht mehr über meine Witze... und ich durfte auch keinen Spaß haben. Ich musste leise sein, durfte nachts nicht mehr den Wald verlassen und vor allem... Ich durfte mich mit niemandem anfreunden.“ Nox nickt. “Meine Eltern wurden von Monsterheart getötet. Das ist noch nicht so lange her...“ Plötzlich schüttelt Nox den Kopf. “Das reicht. Keine düsteren Gedanken mehr.“ Ich nicke und merke dann, dass Luna und Lilly zugehört haben. Man erkennt es an dem Ausdruck in ihren Gesichtern. Dann legt sich ein Schatten über ihre Gesichter. Unser Gespräch hat scheinbar irgendeine unangenehme Erinnerung heraufbeschworen. Dich bevor ich nachfragen kann, betritt Nox' Oma den Raum. In ihren Händen hält sie ein Tablett mit einem Teller Keksen und mehreren Tassen Heiße Schokolade. Ich habe erst einmal in meinem Leben Heiße Schokolade getrunken. Und damals war ich noch ein Evoli. Nox' Oma stellt das Tablett auf einem Tisch ab. “Bedient euch, nur keine Scheu.“ Das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Während wir essen, beziehungsweise trinken, legt Nox' Oma etwas Holz nach. Dann setzt sie sich zu uns. “Ich bin übrigens Narja, ein Chillabell-Rainbowheart. Vielleicht hat Nox euch das ja schon erzählt, aber ich lebe die meiste Zeit allein hier und er und seine Schwester kommen mich ab und zu besuchen. Deswegen habe ich immer ein paar Extra-Vorräte auf Lager.“ Sie mustert Lilly und Luna mitleidig. “Ihr friert wahrscheinlich fürchterlich in dieser Kleidung. Wartet einen Moment, ich bin gleich wieder da.“ Mit diesen Worten verlässt Narja den Raum wieder. Etwas verwundert sieht Luna zu Nox. “Weiß sie eigentlich, dass ich vom Himmelsschloss bin?“ Nox nickt. “Sie sagt nur nichts, um keine schlechten Erinnerungen aufkommen zu lassen.“ Luna seufzt. “Die habe ich auch so...“ Da kommt Narja auch schon wieder. Diesmal bringt sie einen Stapel Klamotten mit. “Das sind ein paar Sachen von Yena. Sie ist kein großer Fan von hellen Farben, deshalb zieht sie sie nie an. Es dürfte sie also nicht stören, wenn ihr die Sachen anzieht.“ Lilly lächelt. “Vielen Dank, Narja, Sie sind wirklich freundlich.“ Narja lacht. “Du bist sehr höflich Kind und das ist schön, aber duze mich doch bitte.“ Lilly nickt. “Okay.“ Sie und Luna suchen sich ein paar Sachen aus. Narja zeigt ihnen, wo sie sich umziehen können. Ich unterhalte mich währenddessen mit Nox über Erlebnisse mit unseren Geschwistern. Wir werden wohl noch eine Weile bleiben...

    - Thea's Sicht -

    Wir erreichen endlich die Stadt. Mittlerweile weiß ich auch wieder den Namen. Die Stadt heißt Keriga. Es ist zwar nur eine Kleinstadt, aber sie ist auch eine wichtige Handelsstadt und man kann eine Menge hier unternehmen. Wir beschließen, uns aufzuteilen. Ich habe keine Ahnung warum, aber ich bin froh über ein bisschen Freizeit, deshalb frage ich nicht weiter nach. Dieses bisschen Freizeit verbringe ich mit Cruncher und Yume. Wir gehen in ein Café, zumindest glaube ich, dass es eins ist. So ein Café habe ich noch nie gesehen. Es gibt jede Menge Regale voller Bücher und an den Tischen stehen keine Stühle, sondern Sessel. Wir setzen uns ans Fenster und bestellen uns jeweils ein Glas Saft und ein mit Schokolade gefülltes Gebäck. In meinem Fall ist es ein Croissant. Yumes ist ein Muffin und das von Cruncher ist ein Brownie. Ich grüble übrigens immer noch, was sein richtiger Name ist und warum er ihn nicht nennen will. Aber wenn ich ihn frage, gibt er keine Antwort. Nachdem wir unsere Mahlzeit beendet haben, stöbert Yume noch ein wenig in den Büchern. Ich halte nicht viel vom Lesen, also bleibe ich einfach mit Cruncher sitzen und warte. Als Yume endlich fertig ist, verlassen wir das Café und sehen uns in der Stadt um. Es ist eine Menge los. Überall werden Kisten geschleppt, verladen und entladen, Schiffe legen ab und an... ja, richtig gelesen, Schiffe. Ein großer Fluss fließt quer durch die Stadt. Und wenn ich groß sage, meine ich sowohl breit, als auch tief. Wir betreten einen Marktplatz. Hier herrscht noch regeres Treiben als am Hafen. Und es ist furchtbar laut. Wenn du hier jemanden verlierst, findest du ihn nicht wieder. Wir sehen zu, dass wir den Markt hinter uns lassen und beschließen, lieber wieder zu den anderen zu gehen. Doch dazu müssen wir sie erstmal finden. Zap und Nemaja zu finden ist leicht. Sie sind in einem Museum, in dem es um die Vegetation dieser Welt geht. Nemaja findet es interessant, Zap hingegen findet es langweilig. Seine Beschwerden sind nicht zu überhören, als wir uns nähern. “Komm schon, Maja, lass uns endlich gehen. Wir sind schon seit Stunden hier drin!“ Er bemerkt uns gar nicht. Grinsend schleiche ich mich hinter ihn. “Hi Zap!“ “AAAH!“ Zap tarnt sich blitzschnell und versteckt sich hinter Nemaja. Als er erkennt, dass ich es war, enttarnt er sich wieder und stellt sich neben Nemaja. “I-Ich meine natürlich... Hi Leute!“ Ich grinse, sage aber nichts. Yume wendet sich an Nemaja. “Ist es wirklich so langweilig, wie Zap sagt?“ Nemaja schüttelt den Kopf. “Ganz im Gegenteil! Hier gibt es Pflanzen aus dieser gesamten Welt! Okay, die meisten unterscheiden sich nicht von denen in unserer, aber es gibt einige ganz besondere Unterwasserpflanzen!“ Ich habe Nemaja noch nie so aufgeregt erlebt. Sie führt uns in eine Art Aquarium. Also nicht in das Aquarium selbst. Wir befinden uns in einem Glastunnel. Nemaja deutet auf eine Felsspalte im Aquarium, aus der ein Büschel hellblau leuchtende Blumen wachsen. Ich habe noch nie von Blumen gehört, die unter der Wasseroberfläche wachsen. Nicht, dass ich mich groß für den Ozean interessiere. Ich verbinde damit keinerlei gute Erinnerungen. Aber diese Blumen sehen wirklich schön aus. Und es gibt noch mehr, in verschiedenen Farben, Formen und Größen. Eine Sorte hat die Größe von Sonnenblumen, leuchtet tiefrot und sieht aus wie eine Kirschblüte. Die meisten dieser Blumen leuchten. Plötzlich ärgere ich mich, dass ich nicht schwimmen kann. Der Ozean dieser Welt muss wirklich wunderschön sein. “Ich denke ich verstehe deine Begeisterung, Nemaja“, sagt Yume schließlich. Der Rest von uns nickt, sogar Zap. Da kommen Iria, Keraun und Helia. Sie begrüßen uns und scheinen die Blumen nicht einmal zu bemerken. Scheinbar haben sie sie schon so oft gesehen, dass es für sie nichts sehenswertes mehr ist. Helia sieht sich um. “Sind die anderen auch irgendwo hier?“ Nemaja schüttelt den Kopf. “Nicht dass ich wüsste.“ Iria seufzt. “Dann sollten wir sie suchen. Bald fährt ein Schiff zum Schloss, da können wir mitfahren.“ Eine Schifffahrt... yay... Meine letzte Schifffahrt endete mit einem Sturz ins Wasser, erinnert ihr euch? Na ja, jedenfalls verlassen wir das Museum und machen uns auf die Suche nach Kyle, Ayur und Noroi. Ich frage mich, ob Kyle und Noroi sich vertragen haben. Um Ayur mache ich mir keine Sorgen, der sagt ja nie etwas. Wir finden die drei, als sie gerade ein Gebäude verlassen, aus dem ziemlich laute Musik kommt. Ayur sieht genervt aus, die anderen beiden scheinen sich köstlich zu amüsieren. Und... irgendwie taumeln sie ein wenig. Ayur sieht entschuldigend zu Iria. “Ich hab ihnen gesagt, sie sollen das nicht trinken. Man hat sofort gerochen, dass das Zeug giftig ist.“ Jetzt, wo er es sagt... Noroi und Kyle riechen wirklich sehr seltsam... Iria schüttelt nur den Kopf. “Ich hoffe für euch, dass ihr 16 oder älter seid. Sonst kriegen wir Probleme mit der Polizei.“ Sehen sie in ihren Augen jünger aus? Ich meine, immerhin können Vulnona-Rainbowheart tausend Jahre alt werden. Vielleicht haben sie eine andere Sicht der Dinge. Besorgt schaut Yume zu Iria. “Haben sie wirklich Gift getrunken?“ Iria denkt nach. “Nun... ja und nein. Sie haben Alkohol getrunken. In gewissen Mengen ist es giftig, aber der Körper kann sich bis zu einem bestimmten Punkt daran gewöhnen. Es ist kompliziert. Aber ich kann dich beruhigen. Das Schlimmste, was den beiden passieren kann ist, dass sie sich übergeben.“ Yume atmet erleichtert auf. “Gut, ich dachte schon...“ Nemaja schüttelt den Kopf. “Warum trinkt man so etwas? Es stinkt und man benimmt sich davon lächerlich.“ Helia schmunzelt. “Es gibt eine Menge Leute, die das abstreiten würden. Aber wenn das deine Meinung ist, ist das vollkommen okay. Nun kommt, gehen wir zum Schiff.“ Sie geht vor und wir folgen ihr. Das Schiff ist nicht so groß wie das, von dem ich ins Meer gestürzt bin, aber immer noch groß genug. Wir betreten es ist und sehen uns eine Weile um, dann teilen wir uns wieder auf. Ich bleibe mit Ayur, Kyle und Cruncher drinnen, die anderen gehen raus. Gegen Ayur und Cruncher habe ich nichts, aber auf Kyle habe ich gar keine Lust. Und er scheinbar auch nicht auf mich, so wie er mich ansieht. Übrigens läuft er wieder gerade, also kann es nicht sooo schlimm gewesen sein. Wir laufen ziellos die Gänge entlang, als wir einem Magnayen-Mädchen begegnen. Um genau zu sein, rennt sie mit voller Wucht gegen Kyle und wirft ihn um. “Hey! Pass doch auf!“, beschwert dieser sich lautstark. “Tut mir leid.“ Hastig hilft das Mädchen ihm hoch. Ich hätte damit gerechnet, dass Kyle sie zusammenstaucht, doch er bleibt eigenartig still. Das Mädchen drängt sich an ihm vorbei und läuft weiter. Kyle schüttelt den Kopf und geht weiter. Die anderen beiden Jungs folgen ihm. Ich drehe mich noch einmal um und sehe dem Mädchen hinterher. Sie hatte “M.P.O.“ auf ihrer Jacke stehen. Was das wohl bedeutet?

    - Shay's Sicht -

    Wir sind wieder im Schnee unterwegs, doch jetzt sind alle in viel besserer Stimmung. Wahrscheinlich liegt es daran, dass Luna und Lilly gesprächiger sind, seit sie wärmere Kleidung tragen. Wir stapfen querfeldein durch den tiefen Schnee. An manchen Stellen sacken wir bis zur Hüfte ein. Zumindest wir Mädchen. Irgendwie schafft Nox es, immer auf der Oberfläche zu bleiben. So geht das eine ganze Weile. “Sag mal, Nox?“, fragt Lilly schließlich. Nox dreht sich um. “Hm?“ “Wie schaffst du es eigentlich, nicht einzusinken?“ Nox überlegt. “Das kann ich nicht erklären... wenn man hier aufwächst, bekommt man einfach ein Gespür dafür.“ Schade. Wir gehen weiter, bis wir auf der Spitze eines großen Hügels angekommen sind. In der Ferne sehen wir die Lichter einer Großstadt. Anders als die Orte, die wir bisher gesehen haben, ist diese Stadt eindeutig sehr modern. Während wir Mädchen die Aussicht genießen, läuft Nox in den Wald. Kurz darauf kommt er mit vier großen Stücken Rinde wieder. “Also Mädels, könnt ihr rodeln?“

    Nach einem kleinen Crashkurs für Luna rodeln wir in hohem Tempo den Hügel hinunter. Schnee wirbelt durch die Luft und der Wind lässt selbst mein Gesicht kalt werden. Wenn wir unten ankommen, werden wir komplett durchgefroren sein. Ich weiß noch, als ich das letzte mal gerodelt bin... als Evoli, zusammen mit Thea. Unsere Eltern haben aufgepasst, dass wir getarnt bleiben und wir sind auf einem Stück Rinde einen Hügel runtergerodelt, wie jetzt. Nur war der Hügel von damals kleiner. Wenn man dort umgekippt ist, tat es vielleicht kurz weh, aber das war's dann auch. Kippt man hier um, wird das ein langer Weg nach unten. Und natürlich kippe ich um.

    - Erzählersicht -

    Während Shay nun den Hügel herunterrollt, dessen Schnee in der Abendsonne glitzert, gibt es auf dem Schiff, auf dem Thea sich befindet, eine Durchsage. “Achtung, Achtung! Die Ankunftszeit verzögert sich um mehrere Stunden, da der Fluss in ein paar Kilometern komplett blockiert ist. Das Problem wird gerade behoben.“ Na toll. Sollen sie etwa in dieser Teufelskiste schlafen? Was, wenn sie über Nacht untergeht? Thea seufze leise und lehnt sich gegen die Wand. Das wird eine seeeehr angenehme Nacht...

    Währenddessen im M.P.O.-Hauptquartier...

    Onyx heilt gerade ein Luxio-Rainbowheart, das kurz vor dem Ende des letzten Stadiums steht. Selbst Zaps Wunde war nicht so schlimm und Onyx zittert vor Anstrengung. Blades beobachtet den Kampf zwischen der Mew- und der Mewtu-Silouette und macht sich Notizen. Endlich besiegt Mew Mewtu und die Wunde heilt. Erschöpft lehnt Onyx sich gegen die Wand. Blades nickt zufrieden. “Du hast die Wahrheit gesagt. Ich werde mir darüber mal Kopf machen. Wenn es dir besser geht, kannst du den Patienten zurückbringen. Am besten noch bevor er aufwacht.“ Onyx seufzt, aber er folgt Blades' Anweisungen und teleportiert sich und das Luxio-Rainbowheart zurück zu Kadans Haus. Erschrocken stellt er fest, dass Kadan schon wartet. Doch sein Lehrer sieht nicht wütend aus. Er lächelt. “Wenn du ihn zurückgebracht hast, heißt das du hast es geschafft. Ich wusste du hast Potential, Junge.“ Onyx schnaubt und verschwindet. Kurz darauf wacht das Luxio-Rainbowheart auf. “W-Wo bin ich?“ Kadan sieht ihn an. “Du wurdest vor einem grausamen Schicksal bewahrt. Dein Biss ist geheilt. Du kannst nun unbesorgt zu deiner Familie zurückkehren.“ Das Luxio-Rainbowheart schüttelt den Kopf. “Erst muss ich einen Freund finden. Er könnte in Schwierigkeiten sein.“ Überrascht hebt Kadan die Augenbrauen. “Ein Freund? Wie ist denn sein Name?“ Das Luxio-Rainbowheart mustert ihn kurz, um abzuschätzen, ob er ihm trauen kann. Schließlich beschließt er, dass es nicht schaden kann, die Wahrheit zu sagen. “Sein Name ist Jonas.“

    22
    Kapitel 20
    “Töte sie“


    - Thea's Sicht -

    Glaubt es oder nicht, es ist morgens, als wir ankommen. Ich hätte damit gerechnet, dass wir mitten in der Nacht ankommen. Ich frage mich, was zur Hölle den Fluss blockiert hat. Das muss ja gewaltig gewesen sein. Oder vielleicht sind die Arbeiter zwischendurch eingeschlafen. Jedenfalls kommen wir endlich an und verlassen das Schiff. Es fühlt sich gut an, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Auch das Magnayen-Mädchen mit der M.P.O.-Anstecknadel steigt hier aus. Im Nu ist sie in der Menschenmenge verschwunden. Ich sehe mich um. Wir sind in einer mittelalterlichen Stadt und in der Nähe auf einem Hügel thront das Schloss. Ich unterdrücke ein Gähnen. Auf dem Schiff habe ich kein bisschen geschlafen. Aber ich habe auch nicht vor, einen schlechten Eindruck zu machen. Also reiße ich mich zusammen und folge den anderen. Iria führt uns durch die Stadt zum Eingang des Schlosses. Dort stehen zwei Wachen, Stollrak-Rainbowheart, und versperren uns den Weg. “Identifiziert euch!“ Iria tritt vor. “Ich bin Iriana Nonari Vulpes. Ich bitte um ein Gespräch mit dem König.“ Der eine Wächter seufzt. “Ich sehe wer ihr seid, Ma'am, jedoch gab es in letzter Zeit des öfteren Besuch von einem Zoroark-Rainbowheart. Ich werde einen handfesten Beweis brauchen.“ Iria holt ein halb zerstörtes Medaillon hervor und gibt es dem Wächter. “Das ist alles, was ich noch persönliches habe...“ Der Wächter betrachtet es eine Weile. Endlich nickt er und er und sein Kollege lassen uns durch. Wir folgen Iria durch den Korridor. Man merkt, dass sie schon oft hier war. Sie weiß ganz genau, wo es zum Thronsaal geht. Zwei weitere Wächter öffnen uns die Tür und wir gehen rein. Der Thronsaal ist riesig. Es ist mir ein Rätsel, warum man hier so viel Platz brauchen könnte. Doch dann erkenne ich, dass die Größe einschüchtern soll. Zumindest vermute ich das. Der König ist ein Kronjuwild-Rainbowheart. Sein Leibwächter, der uns eindringlich mustert, ist ein Chelterrar-Rainbowheart. “Was macht der Mensch hier?“, brummt er misstrauisch. Erschrocken drehe ich mich um. Ein Mensch? Da stelle ich fest, dass er Rot meint. Den habe ich total vergessen. Dadurch, dass er so still ist, fällt er überhaupt nicht auf. Eigentlich. Iria beruhigt den Leibwächter. “Keine Sorge, er ist den Rainbowheart friedlich gesinnt.“ Dann wendet sie sich an den König. “König Cheluo, ich bitte um ein persönliches Gespräch mit Ihnen Angesichts der... etwas unangenehmen Lage.“ König Cheluo schweigt eine Weile, doch schließlich nickt er. “So sei es. Wir treffen uns im Konferenzraum.“ Er wendet sich einem weiterem Wächter zu. “Bringe die restlichen Besucher in freie Quartiere.“ Mit diesen Worten steht er auf und verlässt den Saal. Sein Leibwächter folgt ihm. Auch Iria und Keraun gehen hinterher. Wenn die Leibwächter mitgehen, ist es zwar eigentlich nicht so persönlich, aber wahrscheinlich ist es besser so. Wir folgen dem Wächter durch das Schloss. Es ist riesig und so dauert es nicht lange, bis ich die Orientierung verloren habe. Die Quartiere sind zum Glück nicht so groß, wie ich befürchtet habe. Jedes Zimmer hat zwei Betten. Oh, und eine Menge Platz zum tanzen. Nein, ernsthaft. Es gibt zwei Betten, zwei Schränke, zwei Bücherregale... Ich habe nachgefragt, ob die Zimmer extra für Gäste sind und der Wächter hat ja gesagt. Also, Bücherregale? Warum Bücherregale? Yume findet das übrigens toll. Wer hätte das gedacht. Na ja, ich schweife ab. Es gibt noch in jedem Zimmer zwei Nachtschränke mit je einer Lampe, einen Tisch mit zwei Stühlen und ansonsten einfach nur eine Menge leere Fläche. Zu jedem Zimmer gibt es auch ein Bad. Und in jedem Bad gibt es, außer den üblichen Sachen, eine Art Badewannen-Whirlpool-Mix. An dem Punkt beschließe ich, trotz meiner großen Vorliebe für Wasser (*hust hust*) nachher ein Bad zu nehmen. Dann kommen wir zur Aufteilung. Helia, Iria und Keraun bekommen andere Zimmer, die wahrscheinlich noch luxuriöser sind, also spielen wir Mädchen eine Runde Schere-Stein-Papier. Die Gewinnerin hat ein Zimmer für sich allein. Entgegen meiner Erwartungen gewinne ich, aber es stört niemanden wirklich. Yume und Nemaja teilen sich ein Zimmer, Zap und Cruncher teilen sich ein Zimmer, Noroi und Rot teilen sich ein Zimmer und Ayur und Kyle teilen sich eins. Wir gehen alle in unsere jeweiligen Zimmer und ich belege zuallererst das Bad, wo ich es mir in der Luxuswanne bequem mache. Es ist noch nicht mal Mittag, aber da ich nachts überhaupt nicht geschlafen habe, fallen mir nach kurzer Zeit die Augen zu.

    - Shay's Sicht -

    Als ich aufwache, tut mir alles weh. Mühsam richte ich mich auf und sehe mich um. Ich befinde mich in einem hauptsächlich weißen Raum. Ein bisschen sieht er aus wie bei Schwester Joy. Ich bin allein. Das einzige Geräusch, das man hört, ist ein Knurren. Mein Magen. Ich habe furchtbaren Hunger. Ich stehe auf und strecke mich, dann verlasse ich den Raum und gehe den Flur entlang, der dahinter liegt. Dort stehen Nox und ein Turtok-Rainbowheart, welcher eine ähnlich seltsame Kleidung hat wie Blaze damals. Als sie mich sehen, erstarren sie. Verwirrt sehe ich sie an. “Was?“ Nox schüttelt nur verstört den Kopf und murmelt sinnloses Zeug vor sich hin. Das Turtok-Rainbowheart knurrt. “Du dürftest nicht wach sein.“ Ich bekomme plötzlich große Lust, ihm eine zu scheuern. Mit Krallen. Was ist so falsch daran, dass ich aufwache? Nox sieht mich flehend an. “Shay, geh wieder schlafen... bitte...“ Ich schaue ihn an. “Wieso? Ich hab genug geschlafen. Ich kann nicht noch länger schlafen. Übrigens... gibt es bald Frühstück? Ich hab Hunger.“ Jetzt wird Nox' Blick panisch. Was hat er denn? Als er mir immer noch nicht antwortet, reicht es mir. Ich gehe einfach an ihm vorbei. “Ich geh Luna und Lilly suchen“, rufe ich ihm noch zu, dann gehe ich ins nächste Zimmer. Dort warten Lilly und Luna auf einer Bank. Als sie mich sehen, springen sie erleichtert auf und umarmen mich gleichzeitig. Ich erwidere die Umarmung kurz, dann löse ich mich wieder. Lilly sieht mich forschend an. “Geht es dir besser?“ Ich nicke. “Der Schnee hat den Sturz genügend abgefedert, ich denke also, dass mein Kopf noch vollständig funktioniert.“ “Gut...“, erwidert Lilly, doch irgendwie habe ich das Gefühl, dass sie das nicht meinte. Was haben denn heute alle? Mit einem letzten Hoffnungsschimmer wende ich mich an Luna. “Habt ihr schon gefrühstückt? Ich hab Hunger.“ Luna lächelt entschuldigend. “Ja... Aber um die Ecke ist ein Bäcker. Wenn du möchtest-“ Ich lasse sie den Satz nicht beenden. Sofort verlasse ich das Gebäude - dazu springe ich aus dem Fenster - und laufe zum besagten Bäcker. Da fällt mir ein, dass ich gar kein Geld habe. Thea hat vielleicht noch Taschengeld von unseren Eltern aufbewahrt, aber ich kann sie ja schlecht fragen. Seufzend drehe ich wieder um. Einige Passanten starren mich an. Würde ich wahrscheinlich auch, wenn ein Rainbowheart aus einem Fenster springt. Da rennt jemand mit voller Wucht gegen mich und wir fallen beide um. Es ist ein Hundemon-Mädchen. “Pass doch auf!“, keift sie mich an. Empört richte ich mich auf, sodass ich größer bin als sie. “Warum brüllst du mich an? Du hast mich doch umgerannt!“ Das Hundemon-Mädchen sieht mich verächtlich an. “Na klar, nur Feiglinge schieben die Schuld auf andere.“ Ich knurre halb verärgert, halb belustigt. “Ach, du nennst dich also einen Feigling? Dir fehlt es eindeutig an Selbstvertrauen. Obwohl, warte, vielleicht hast du ja sogar recht! Du bist klüger, als du aussiehst.“ Das ist dem Mädchen zu viel. “Na warte du kleines...“ Sie greift an. Ich wehre ab und kontere. Ab da werde ich nur noch von einem Gedanken beherrscht. Bring sie um!
    Ich kann mich an keine Details vom Kampf erinnern. Ich weiß nur, dass ich sie gnadenlos angriff. Irgendwann erkenne ich, wie zerkratzt, zerbissen und blutig sie aussieht. Dann, ganz dumpf, höre ich ihre Stimme. Ich verstehe kein Wort, doch als ich in ihr Gesicht sehe, erkenne ich, dass sie um Gnade fleht, dass sie den Kampf aufgibt. Einen Moment lang beruhige ich mich. Doch dann spüre ich einen stechenden Schmerz. Töte sie! Ich greife an. Doch kurz bevor ich ihr Gesicht treffe, stocke ich. Plötzlich spüre ich eine angenehme innere Ruhe. Das letzte mal habe ich das gefühlt, als ich ein Evoli war und meine Mutter mir ein Schlaflied vorgesungen hat. Es ist Ewigkeiten her und ich kann mich nicht an den Text erinnern, aber die Melodie kann ich immer noch in und auswendig. Da warnt mich mein Unterbewusstsein und ich kehre zurück in die Wirklichkeit. Vor mir kniet ein Psiaugon-Junge und macht etwas an meinem Handgelenk. Es sieht aus, als würden ein regenbogenfarbendes Mew und ein schwarzes Mewtu miteinander kämpfen. Ich bemerke die Wunde an meinem Handgelenk und mir wird klar, dass der Junge mich gerade heilt. Vielleicht kann ich ihm irgendwie helfen? Ich stelle mir vor, dass Mewtu abzustoßen, es praktisch zu verscheuchen. Schwer zu erklären und äußerst kompliziert, aber es wirkt. Aus meiner Handfläche strömt ganz schwach regenbogenfarbendes Licht. Es ist nicht viel, aber es ist ein Anfang. Und es reicht, um dem Jungen zu helfen. Aber es ist auch sehr anstrengend. Sobald das Mewtu verschwunden und die Wunde verheilt ist, falle ich in einen tiefen Schlaf.

    - Thea's Sicht -

    Ich wache davon auf, dass ich Wasser in Nase und Lunge bekomme. Oh, und davon, dass es an der Tür klopft. “Einen Moment“, rufe ich und mache mich fertig. Dann gehe ich ins Zimmer und öffne die Tür. Als ich sehe, wer dort steht, hätte ich die Tür am liebsten wieder zugeschlagen. Es ist Jonas. Was macht der in dieser Welt? Er ist ein Mensch, er hat hier nichts verloren. Na ja, Rot eigentlich auch nicht, aber... ach, egal. “Was willst du?“ Okay, vielleicht klang das ein wenig sehr grob, aber er hat es nicht anders verdient. Jonas seufzt. “Hör zu, ich weiß, dass du mich nicht leiden kannst, aber ich könnte Hilfe gebrauchen.“ “Du hast recht“, antworte ich kühl. “Ich kann dich nicht leiden. Das heißt auch, dass ich dir nicht helfen werde.“ Ich versuche, die Tür zu schließen, doch Jonas stellt sich in den Weg. “Das eine hat mit dem anderen wenig zu tun. Hör mir zu. Ich bin auf der Suche nach einem Luxio-Rainbowheart namens Lumos. Er und ich haben ein wenig über Team Spaceship nachgeforscht und obwohl wir noch nicht viel wissen, ist eines klar: dieser lächerliche Name verbirgt einen grausamen Plan, grausamer als alles, was Team Rocket jemals getan hat. Die Fährte hat uns hierher geführt, doch dann wurden wir von Bestien angegriffen. Mich haben sie beinahe komplett zerfleischt, ihn haben sie verschleppt. Ich habe die Umgebung abgesucht, aber ich habe ihn nicht gefunden. Hast du wenigstens etwas gehört, das mir einen Hinweis geben könnte, wo er ist?“ Ich denke nach. Ich habe überhaupt nichts gehört. Das weiß ich. Aber vielleicht... Ich sehe Jonas an. Er trägt sein Tuch nicht und es sieht irgendwie gruselig aus, wenn er mich mit seinen weißen Augen so ernst ansieht. “Nun, ich weiß nichts über deinen Freund. Aber was unseren gemeinsamen Feind angeht... sagt dir M.P.O. was? Ich weiß nicht, was es ist, aber es klingt wichtig.“ Jonas überlegt. “Davon habe ich noch nie gehört. Aber ich werde Nachforschungen anstellen.... nachdem ich Lumos gefunden habe.“ Mit diesen Worten dreht er sich um und geht. Ich setze mich auf ein Bett und überlege. Mal ganz abgesehen davon, dass seine Geschichte verrückt klingt, wie ist er hier reingekommen?

    - Erzählersicht -

    Währenddessen...

    Lumos steht an der Stelle, an der er und Jonas angegriffen wurden. Jonas wird doch wohl nicht in seine Welt zurückgekehrt sein? Lumos schüttelt den Kopf. Das würde er nicht tun. Nicht nach dem, was Team Spaceship mit seinen Pokémon gemacht hat. Wahrscheinlich sucht Jonas nach ihm, so wie er nach Jonas. Doch was soll er tun? Hier warten? In die nächste Stadt gehen? Letzteres wäre auf jeden Fall sicherer. Also beschließt Lumos, in die nächste Stadt zu gehen. Das wäre dann Keriga. Lumos atmet tief durch. “Also gut“, murmelt er zu sich selbst. “Auf nach Keriga.“

    23
    Kapitel 21
    Die M.P.O.


    - Shay's Sicht -

    Als ich wieder aufwache, bin ich wieder in dem Krankenzimmer und hoffe, dass das alles nur ein Traum war. Leider kommen in genau diesem Moment Nox und der Psiaugon-Junge rein. Und so, wie sie mich ansehen, war das definitiv kein Traum. Ich richte mich auf und sehe Nox an. “Ihr wusstet es. Ihr wusstet, dass ich mich in ein Monster verwandeln würde.“ Nox nickt. “Es passierte, nachdem du unten angekommen bist und dein Bewusstsein verloren hast. Dort war ein Monsterheart, das scheinbar in der Stadt nach einem Opfer suchen wollte. Du bist ihm praktisch direkt vor die Füße gefallen.“ Ich überlege. “Und was ist mit dem Monsterheart passiert?“ “Ein paar Mitglieder der M.P.O. haben es in die Flucht geschlagen. Sie haben uns hierher gebracht und dich hier hingelegt“, erklärt Nox geduldig. Meine Verwirrung ist mir wahrscheinlich anzusehen, denn jetzt beginnt der Psiaugon-Junge zu erklären. “Die M.P.O. schützt die Rainbowheart und heilt Opfer von Monsterheart, bevor sie sich in Monsterheart verwandeln. M.P.O. ist die Abkürzung für Monsterheart-Purify-Organisation. Nachdem sie dich hierher gebracht haben, haben sie mich gerufen, um dich zu heilen.“ Erst denke ich, dass ich es verstanden habe, doch dann fällt mir ein, dass seine Erklärung dem Geschehenen widerspricht. “Du meintest, ihr würdet Opfer von Monsterheart heilen, bevor sie zu Monsterheart werden. Aber ich war ein Monsterheart.“ Der Psiaugon-Junge nickt. “Das stimmt. Und ohne deine Hilfe hätte ich dich nicht heilen können. Deswegen bin ich hier. Ich habe ein paar Fragen an dich.“ Nox sieht aus, als würde er sich überhaupt nicht wohlfühlen. “Ähm... Onyx?“, fragt er vorsichtig. Onyx sieht zu ihm. “Schon gut. Du darfst gehen.“ Erleichtert verlässt Nox den Raum. Oha. Warum ist Nox so nervös? Ich wende mich an Onyx. “Also?“ Onyx lehnt sich gegen die Wand und verschränkt die Arme. “War eines deiner Eltern ein Psiana? Vielleicht auch ein Feelinara?“ Ich schüttel den Kopf. “Nein, wieso?“ “Großeltern?“ Ich zucke mit den Schultern. “Ich habe meine Großeltern nie kennengelernt, aber warum fragst du?“ Onyx ignoriert meine Frage einfach weiter. “Bist du, abgesehen von dieser Lilly, schon mal mit Menschen in Berührung gekommen?“ Ich nicke. “Ja, aber-“ “Und weißt du, warum du trotz des Monsterheart-Bisses aufgewacht bist?“ “Nein, aber-“ “Und-“ Da habe ich die Schnautze voll. “ONYX! BEANTWORTE MEINE FRAGE!“ Onyx zuckt zusammen. “Schon gut, schon gut. Also... du hast mir geholfen, dich zu heilen. Als Feuer-Pokémon solltest du dazu gar nicht in der Lage sein. Also habe ich gedacht, dass es vielleicht an den Genen liegt. Oder daran, dass Menschen dir irgendwas verabreicht haben, was auch erklären könnte, warum du trotz des Bisses wach geworden bist.“ Sofort denke ich an den Muffin von Yara. “Yara hat mir so einen komischen Muffin gegeben, der mich einschlafen lassen sollte.“ Onyx mustert mich ernst. “Yara ist dann wohl ein Mensch?“ Ich nicke. “Sie gehört zu Team Spaceship, eine Organisation aus unserer Welt. Sie machen Jagd auf Rainbowheart und offenbar ist Yara dort von hohem Rang. Sie kann die Sprache der Pokémon verstehen, allerdings weiß ich nicht, wie sie das gelernt hat.“ Onyx läuft unruhig auf und ab. Seine Stirn legt sich in Falten. Offenbar denkt er sehr gründlich nach. Schließlich dreht er sich wieder zu mir. “Als du ein Monsterheart warst, was lief in deinem Kopf ab? Warst du immer noch du selbst, oder wurdest du von... naja, fremden Gedanken eingenommen?“ Das ist interessant formuliert... “Ich war eigentlich in einer Art Tobsuchtsanfall gefangen. Und die ganze Zeit war diese Stimme in meinem Kopf, die andauernd rief, dass ich das Hundemon-Mädchen töten soll.“ Onyx überlegt wieder, dann schreibt er in einem Notizbüchlein. Nachdem er alles aufgeschrieben hat, geht er zur Tür. “Ruh dich noch ein bisschen aus. Später reden wir noch einmal mit deinen Freunden.“ Mit diesen Worten verlässt er den Raum. Ich folge seinem Rat und lege mich wieder hin. Ich muss über eine Menge nachdenken.

    - Thea's Sicht -

    Ich habe dem Rest der Truppe von Jonas erzählt. Da Helia, Iria und Keraun aber vollkommen ruhig waren, scheint sein Auftauchen niemanden groß gestört zu haben. Komische Leute. Jedenfalls... weder Helia und Iria, noch König Cheluo wollten verraten, was bei ihrem Gespräch herausgekommen ist. Worum es überhaupt genau ging, erzählten sie uns auch nicht. Diese Geheimniskrämerei geht mir auf die Nerven. Wir wurden zu zweit losgeschickt, um die Stadt zu erkunden. Da ich alleine bin, sollte ich mich Kyle und Ayur anschließen, was mich extrem aufregt. Warum Kyle? Iria macht das doch mit Absicht! ... Hat sie wirklich. Sie hat es selbst gesagt. Wir sollten zusammen losziehen, um 'unsere Beziehung zu verbessern'. Urgh... Wir sind jetzt schon seit zwei Stunden unterwegs und Ayur musste mittlerweile schon bestimmt 20 mal Streit schlichten. Langsam scheint er die Nase voll zu haben. Nun gut, verübeln kann ich es ihm nicht. Wir kommen zum Hafen, wo wir angelegt haben. Dort unterhalten sich zwei Rainbowheart über die Überfahrt von letzter Nacht. Interessiert bleibe ich stehen und höre zu. Es sind ein Pelipper-Mann und eine Lapras-Frau. “Wer macht sich bitte schön die Mühe, so viele und vor allem so gewaltige Steinbrocken in den Fluss zu werfen?“, fragt die Lapras-Frau gerade. Der Pelipper-Mann schüttelt nur den Kopf. “Die Frage ist eher, wie sie das geschafft haben. Die Brocken waren so schwer, dass es unmöglich war, sie anzuheben. Selbst die Psycho-Rainbowheart, die wir um Hilfe gebeten haben, konnten es mit ihrer Psychokinese nicht anheben. Jeder Steinbrocken musste einzeln pulverisiert werden. Es war wie verhext.“ “Thea! Wo bleibst du? Beweg dich“, ruft Kyle aus der Ferne. Genervt laufe ich hin. Ich hätte gerne noch weiter zugehört. Als ich wieder zu den Jungs stoße, erzähle ich ihnen von dem Gespräch. Na ja, ich erzähle es Ayur und lasse Kyle zuhören. Meine Geschichte stimmt die beiden nachdenklich. Ein paar Minuten herrscht angenehme Stille zwischen uns, dann sieht Ayur Kyle und mich an. “Davon sollten wir Iria erzählen.“ Kyle schnaubt. “Kannst du machen. Aber ich wette mit dir, dass Prinzesschen davon schon weiß.“ “Hey, ich finde es auch nicht schön, dass sie uns so viel vorenthält, aber sei trotzdem respektvoll“, weise ich Kyle zurecht. “Oh, entschuldige Sonnenschein, ich werde ab jetzt nicht mehr schlecht von deiner Prinzessin reden“, erwidert dieser mit starkem sarkastischen Unterton. Hinter mir höre ich ein Kichern. “Wie süß. Ich würde auch gerne von jemandem Sonnenschein genannt werden. Oder Schneeflocke. Ja, Schneeflocke ist schön.“ Ich brauche mich nicht mal umzudrehen, um zu sehen, wer das ist. Ich brauche nur in Kyles Gesicht zu sehen. Hinter mir ist das Mädchen vom Schiff. Da ich aber nicht unhöflich sein möchte, drehe ich mich trotzdem um. “Schön dich wiederzusehen“, begrüße ich sie. Das Mädchen lächelt. “Freut mich auch. Mein Name ist Yena.“ “Ich bin Thea.“ Ich halte ihr die Hand hin und Yena schüttelt sie. Als nächstes stellt Ayur sich vor. “Ich bin Ayur.“ Kyle braucht eine Weile, aber schließlich nennt er auch seinen Namen, entgegen meiner Erwartungen sogar ohne zu stottern. “Mein Name ist Kyle.“ Yena nickt ihm knapp zu, scheinbar verübelt sie ihm noch die Sache auf dem Schiff. Dann wendet sie sich an uns alle. “Wir müssen euch einmal kurz entführen.“ Wie bitte? Entführen? Ich kann nicht einmal zu einer Antwort ansetzen. Im nächsten Moment sind wir in einer Art... Tunnel? Flur? Es sieht ein wenig aus wie in der Fabrik, in der ich einmal einen Kurzschluss verursacht habe. Ohne eine weitere Erklärung zieht sie uns durch den Flur, Tunnel, was auch immer. Also, sie zieht mich und die anderen beiden folgen. Wir kommen in einen Raum mit einem großen Tisch, auf der eine fast genauso große Karte liegt. Um den Tisch herum stehen mehrere Leute, unter anderem ein Durengard-Rainbowheart und ein Serpiroyal-Rainbowheart. Die beiden scheinen die Anführer zu sein. Alle drehen sich zu uns um und als ich Ayurs Gesicht und das der meisten anderen männlichen Rainbowheart sehe, ändere ich meine Meinung. Der Durengard-Rainbowheart ist der Anführer, die Serpiroyal-Frau manipuliert. Und auf einmal habe ich furchtbare Angst vor ihr und vor dem, was mit uns passieren wird.

    - Shay's Sicht -

    Irgendwann kommen Lilly und Luna rein. Nach einer freudigen Begrüßung sagen mir die beiden, dass wir uns in der Eingangshalle treffen sollen. Also stehe ich auf und folge den beiden. Die anderen warten schon auf uns. Ich schätze die meisten sind Mitglieder der M.P.O., aber sicher bin ich mir nicht. Onyx nickt uns zu, dann wendet er sich an die gesamte Gruppe. “Aufgrund der jüngsten Ereignisse haben die Ranghöchsten beschlossen, dass ich mit Prinzessin Luna und ihren Kameraden reise. Währenddessen werde ich dem Flamara-Mädchen-“ “Shay“, unterbreche ich ihn. Etwas aus dem Konzept gebracht sieht er zu mir. “Gesundheit.“ Ich schüttel den Kopf. “Mein Name ist Shay.“ Als ich ihm ins Gesicht sehe, merke ich, dass er das wusste. Aber das werde ich jetzt nicht weiter kommentieren. Onyx fährt seine Rede fort. “Während der Reise werde ich Shay beibringen, mit ihren Kräften besser umzugehen. Wir werden zum Schloss des Winter-Königreichs gehen, denn dort dürfte Prinzessin Luna in Sicherheit sein.“ Also wenn ihr mich fragt, kann Luna wunderbar auf sich selbst aufpassen. Jedenfalls besser als ich auf mich. Aber naja, Titel, wichtige Rolle, da kann man nicht gut genug beschützt werden. Arme Luna. Wobei ich das Schloss gerne sehen würde. Ob es wohl aus Eis ist? “Das wäre soweit alles.“ Na toll, jetzt habe ich vor lauter denken vergessen, zuzuhören. Plötzlich höre ich eine seltsame Melodie. Eines der M.P.O.-Mitglieder holt ein flaches Gerät hervor und legt es auf den Tisch. Ein Hologramm entsteht. Nox reißt erschrocken die Augen auf. “YENA!“ Seine Schwester ist im Hologramm zu sehen. “Hi Bruderherz. Bevor du fragst, ja, ich habe mich der M.P.O angeschlossen. So, aber eigentlich soll ich euch mitteilen, dass die Königin des Sommer-Königreichs in Sicherheit ist. Nur der Verbleib vom König des Frühlings-Königreichs ist uns noch immer ein Rätsel. Wenn ihr etwas herausfinden solltet, meldet euch bitte.“ Mit diesen Worten verschwindet sie wieder. Also ihr Hologramm. Nox seufzt. “Sie hat sich kein Stück für mich interessiert.“ Ich zucke mit den Schultern. “Besser, als wenn sie dich dauernd überwacht.“ Die Antwort scheint Nox nicht sonderlich zu gefallen, aber er sagt nichts weiter. Was danach passiert ist nicht sonderlich interessant. Wir packen unsere Sachen, was nicht viel ist, holen Proviant und verlassen die Stadt, was ich echt schade finde. Sie ist riesig. Ich hatte nie richtig Zeit, mich umzusehen. Diese Stadt ist viel moderner als die Orte, an denen wir vorher waren. Überall sind große Kaufhäuser, bunte Werbetafeln, Restaurants und viele andere Sachen. Bei einigen weiß ich nicht einmal, wie sie heißen. Meine Eltern haben nicht oft von der Welt der Menschen erzählt. Na egal, jedenfalls verlassen wir die große Stadt und Onyx teleportiert uns. Mitten in die eiskalte Wildnis. Ein Blizzard fegt über die Landschaft. Mir wird schwindelig von der extremen Temperaturschwankung. Geht es eigentlich allen Feuer-Rainbowheart so, oder hab nur ich das Problem? Empört dreht Nox sich zu Onyx um. “Was soll das, Onyx? Wir sind mitten im Nirgendwo!“ Dieser starrt nur entgeistert auf seine Hände. “Wie konnte das passieren?“ “Entschuldige“, unterbreche ich Onyx. “Sind wir wenigstens in der Nähe vom Schloss?“ Als ich Onyx' verängstigten Gesichtsausdruck sehe, möchte ich die Antwort gar nicht mehr hören. Ich wünschte, der Blizzard würde es einfach übertönen. Doch das tut er nicht. Onyx Worte treffen mich härter als der Kälteschock. “Ich weiß es nicht.“

    - Erzählersicht -

    Während Shay, Onyx und die anderen im Blizzard feststecken, atmet Thea im M.P.O.-Hauptquartier ein wenig auf. Yena hat erzählt, dass sie jemanden sucht und dabei Hilfe braucht, konnte aber nicht verraten, wen genau sie sucht. Diese Organisation ist Thea zwar noch nicht ganz geheuer, aber ihr droht keine Gefahr. Zumindest noch nicht...

    24
    Kapitel 22
    Im Nebel verborgen


    - Thea's Sicht -

    Wir bleiben den Rest des Tages noch im Hauptquartier, was mir ziemlich gegen den Strich geht. Diese Serpiroyal-Frau, Riala, ist mir nicht geheuer. Aus genau diesem Grund habe ich sie genau beobachtet. Ich lag mit meiner Vermutung richtig. Sie manipuliert Rainbowheart, die der Organisation noch nicht vollständig vertrauen. Zumindest die männlichen Rainbowheart, die praktisch von ihrer Schönheit gefesselt sind. Ich habe Ayur darauf angesprochen, aber der meinte, ich sei nur neidisch, weil sie so schön ist. Zugegeben, völlig Unrecht hat er nicht, aber das ist nicht der Hauptgrund, warum ich ihr nicht traue. Zum Glück kommen wir morgen hier raus. Ich liege in einem eigentlich recht gemütlichem Zimmer auf dem Bett und starre Löcher in die Luft. Hab nichts besseres zu tun. Doch dann klopft es an der Tür. Ich stehe auf und öffne sie vorsichtig. Und jetzt ratet mal, wer davor steht. “Was machst du hier?“, frage ich Jonas und verschränke die Arme. Dieser seufzt. “Ich weiß, dass du mich nicht leiden kannst, du brauchst es mir nicht immer wieder unter die Nase reiben.“ Ich warte eine Weile. Jonas sieht mich nur an. Jetzt bin ich diejenige, die seufzt. “Du hast meine Frage noch nicht beantwortet.“ Jonas rollt mit den Augen. “Ich weiß zwar nicht, wieso ich dir das erzählen sollte, aber ich tu es trotzdem, weil ich nett bin. Durch Zufall habe ich erfahren, dass Lumos kurzzeitig hier war, als Patient. Ich werde euch auf eurer Suche begleiten und hoffe, ihn unterwegs zu finden. Oh und ich soll dich holen. Yena möchte jetzt schon aufbrechen.“ Ich hebe eine Augenbraue. “Ich dachte, wir gehen erst morgen los?“ Jonas zuckt mit den Schultern. “Das hat der Rat zwar gesagt, aber Yena interessiert das nicht. Sie überredet gerade Ayur.“ Hoffentlich schafft sie das auch... “Wo treffen wir uns?“, frage ich Jonas. Er bedeutet mir nur, mitzukommen. Ich mag das eigentlich nicht, wenn Leute total geheimnisvoll tun, aber in diesem Fall kann ich es ein wenig verstehen. Also folge ich Jonas, ohne Fragen zu stellen. Es ist mir ein Rätsel, wie er hier den Überblick behält. Für mich sieht alles gleich aus. Aber tatsächlich sind wir innerhalb kürzester Zeit draußen. Wo genau kann ich nicht sagen. Ich sehe nur Wiese. Es könnte also im Frühlings-, Herbst- oder Sommer-Königreich sein. Winter denke ich eher nicht, dazu ist es zu warm. Jonas führt mich vom Ausgang weg zu einem kleinen Teich. Yena, Ayur und Kyle warten schon. Scheinbar konnte Yena Ayur überreden. Ich setze mich neben Yena. “Also, wie lautet der Plan?“ Yena sieht in die Ferne. “Ich möchte erst ins Frühlings-Königreich. Dort hat nämlich noch keiner nachgesehen. Aber erstmal erkläre ich euch Anderweltlern, nach wem wir hier überhaupt suchen.“ Anderweltlern? Was ist das denn für ein Wort? Und suchen wir nicht nach dem König? Genau das gleiche scheint auch Ayur durch den Kopf zu gehen. “Hieß es nicht, wir suchen nach dem König des Frühlings-Königreichs?“ Yena nickt. “Klar, aber wisst ihr zum Beispiel, wie er aussieht?“ Okay, das wissen wir nicht, da hat sie recht. Yena wartet nicht auf eine Antwort, sondern beginnt einfach zu erklären. “Zuerst... Sein Name ist Flori... Flori...“ Mit einem seltsamen Gesichtsausdruck zieht sie einen Zettel aus ihrer Tasche und liest ihn vor. “Floriaeon Gracien. Tut mir leid, wenn ich das falsch ausspreche. Aber mal ehrlich, müssen Könige und so immer so seltsame Namen haben?“ Wow... und ich dachte, Irias voller Name wäre seltsam. Yena schüttelt nur den Kopf und redet weiter. “Jedenfalls war er noch nicht lange König, bevor die Monsterheart angegriffen haben. Er ist erst 18 und damit noch ziemlich jung, aber sein Vater wollte unbedingt, dass er den Thron früh besteigt. Vielleicht hatte er selbst einfach keine Lust mehr, sich mit der Königin des Sommer-Königreichs anzulegen, also hat er die Aufgabe seinem Sohn zugeschoben, aber das ist nur eine Spekulation. Der jetzige König ist ein Shaymin-Rainbowheart. Er ist dauerhaft in der Zenit-Form und soll für sein Alter recht klein sein. Soweit verstanden?“ Wir nicken im Einklang. Yena lächelt zufrieden und steht auf. “Dann lasst uns keine weitere Zeit verlieren.“

    - Shay's Sicht -

    Das schlimmste an der Kälte: Nach ein paar Minuten wurde ich zum Kuscheltier. Angefangen hatte Lilly. Zugegeben, sie hat freundlich gefragt und ich hab ja gesagt. Die nächste war Luna. Eine Zeit lang haben die beiden sich abgewechselt. Als wir nach zehn Minuten immer noch keine Höhle gefunden hatten, fing Nox auch noch an. Nur Onyx war zu stolz. Dafür bin ich ihm ehrlich gesagt sehr dankbar. Im Moment trage ich Luna Huckepack. Sie ist die kleinste und leichteste. Plötzlich bleibt Nox stehen und schnuppert. “Ich glaube... Ich rieche Feuer...“ Er läuft voraus und wir folgen ihm. Tatsächlich gibt es ein paar Meter weiter ein... Dorf. Um genau zu sein sind es Iglus, die in einem Kreis angeordnet sind. Hoffentlich stört es die Leute nicht, wenn wir zu ihnen kommen. Wir betreten den Kreis und augenblicklich sind wir von Rainbowheart umzingelt. Wie erwartet sind es hauptsächlich Feuer- und Eis-Rainbowheart. Ein Rexblisar-Rainbowheart, offensichtlich ihr Anführer, tritt vor und mustert uns eindringlich. “Was wollt ihr hier?“ Onyx tritt vor. Er ist noch blasser als sonst. Seine Lippen sind blau und seine Hände zittern, doch sein Gesicht ist so ernst wie immer. “Ich bin Onyx, ich bin ein Heiler von der M.P.O. Wir wollen Prinzessin Luna zur Königin dieses Reichs bringen, jedoch kann ich mich nicht mehr teleportieren.“ Das Rexblisar-Rainbowheart nickt. “Die Königin hat dafür gesorgt, dass sich niemand ins Winter-Königreich teleportieren kann. Ihr befindet euch direkt an der Grenze.“ Na wunderbar. Ich setze Luna ab und sofort kommen ein paar Feuer-Rainbowheart und bringen sie in ein Iglu. Nox folgt ihnen. Soweit ich weiß hat er es sich schon lange zu seiner Aufgabe gemacht, auf Luna aufzupassen. Lilly, Onyx und ich folgen dem Rexblisar-Rainbowheart in ein anderes Iglu. Dort wärmen Lilly und Onyx sich gründlich auf. Ich setze mich hin und starre ins Leere. Normalerweise tagträume ich dann oder denke nach, doch jetzt fühlt sich mein Kopf einfach nur leer an. Mein Rücken tut weh vom vielen Tragen. Und obwohl ich gerade erst geschlafen habe, bin ich furchtbar müde. Allerdings habe ich auch noch ein paar Fragen. Ich sehe hoch zum Rexblisar-Rainbowheart. “Wer seid ihr?“ Das Rexblisar-Rainbowheart, dass bisher immer noch ernster als Onyx ausgesehen hat, lächelt mich warm an. “Du könntest uns als eine Art Grenzpatrouille ansehen. Wir passen auf, dass keine Monsterheart ins Reich kommen. Ein paar von uns sind gerade unterwegs, aber sie dürften bald zurückkommen und mit der nächsten Gruppe tauschen.“ Ich nicke zum Zeichen, dass ich verstanden habe. Dann stelle ich die nächste Frage. “Wie heißt du?“ Das Rexblisar-Rainbowheart lacht. “Stimmt, ich habe total vergessen mich vorzustellen. Mein Name ist Noel.“ Nun muss ich auch lächeln. “Mein Name ist Shay.“ Noels Lächeln verschwindet. “Shay?“ Ich nicke. “Shay. Wieso?“ Noel starrt mich eine Weile stumm an. Dann schüttelt er den Kopf. “Schon gut. Du erinnerst mich nur an jemanden.“ Jetzt bin ich neugierig. “An wen?“ “Eine alte Freundin. Shayla. Sie war auch ein Flamara-Rainbowheart. Sie hat in meinem Dorf gelebt, als ich noch ganz klein war. Sie hatte außergewöhnliche Kräfte und hat damit vielen Rainbowheart geholfen. Aber sie war schon alt und das ist über vierzig Jahre her.“ Ich überlege. “Shayla, hm? Mein voller Name ist Shayla... aber ich wurde nicht mehr so genannt seit...“ Ich stocke. Die letzten, die mich so genannt haben, waren meine Eltern. Thea hat mich immer nur Shay genannt. Und ich sie nur Thea. Ich beschließe, nicht weiter darauf einzugehen. Stattdessen bringe ich unser Gespräch zurück auf Noels Freundin. “Diese Kräfte... weißt du mehr darüber?“ Noel denkt nach. “Hm... Sie hatte mal etwas seltsames darüber gesagt... irgendwas wie... 'Meine Heilkräfte sind eine Kraft des Herzens.' Na ja, oder sowas in der Art.“ Dieser Satz löst etwas in mir aus. Ich komme mir vor wie bei einem Puzzle, bei dem ich ein bestimmtes Teil suche. Ja, Puzzle kenne ich, aber das ist eine Geschichte für ein anderes mal. Schließlich schüttel ich nur den Kopf. Zum Denken bin ich jetzt endgültig zu müde. Ich unterdrücke ein Gähnen und schlafe sofort ein.

    - Thea's Sicht -

    Nachts auf einer Wiese unterwegs zu sein ist das eine. Nachts in einem nebligen Nadelwald unterwegs zu sein das andere. Und bei dem Nebel hat es nicht lange gedauert, bis wir uns verlaufen haben. Wobei ich mir mittlerweile gar nicht sicher bin, ob Yena jemals wusste, wo wir sind. Wir irren also durch den Nebel und versuchen, uns nicht zu verlieren. Jedes mal, wenn irgendwo ein Ast knackt, zucken wir zusammen. Keiner sagt ein Wort. Plötzlich stolpere ich und falle auf's Gesicht. Wortwörtlich. Der Boden ist schlammig, deshalb tat es nicht allzu sehr weh. Aber als ich aufstehe und mir den Schlamm aus dem Gesicht wische, sind die anderen verschwunden. “Hallo?“, rufe ich. Obwohl sie noch nicht weit weg sein können, bekomme ich keine Antwort. Ich versuche es noch einmal, diesmal lauter. “HALLO?“ Keine Antwort. Haben sie mich absichtlich zurückgelassen? Ich laufe in die erstbeste Richtung weiter, als mir ein nur allzu bekannter Geruch in die Nase steigt. Jäger! Was machen die denn hier? Vorsichtig schleiche ich mich näher heran und plötzlich befinde ich mich auf einer nebelfreien Lichtung. Schnell verstecke ich mich in einem Gebüsch. Die Jäger sitzen um ein Lagerfeuer herum. Dahinter sitzen angekettete andersfarbige Pokémon und eingesperrte, schlafende Bestien. Ein etwas rundlicher Jäger murrt vor sich hin. Ich verstehe nur schwer, was er sagt. “...machen immer mehr von diesen Bestien. Und wir? Wir sind dann die Doofen, die auf diese Viecher aufpassen und sie füttern müssen.“ Ein anderer, ziemlich dünner Jäger seufzt entnervt. “Beschwer dich nicht, immerhin werden wir sehr gut bezahlt, wenn wir überleben.“ “Falls wir überleben“, mischt sich ein dritter, eher kleiner Jäger ein. “Es wird jeden Tag schwerer, die Monsterheart unter Kontrolle zu halten. Was denkt Mark sich eigentlich? Warum müssen wir die Drecksarbeit machen? Dazu hat er seine Rüpel!“ Da erhebt sich ein großer, muskelbepackter Jäger. Seine Stimme ist tief und rau und sein Gesicht und seine Arme sind gebräunt und voller Narben. Ein sehr klischeehafter Anführer. “Die Rüpel können die Monsterheart keine Sekunde unter Kontrolle halten. Und jetzt hört auf euch zu beschweren. Die Frauen, diese verrückten Amazonen, dürften gleich mit der Beute zurück sein.“ Beute? Wie gerufen erscheint in diesem Moment eine Gruppe Frauen zwischen den Bäumen. Sie treten näher ans Feuer. Als ich ihre 'Beute' sehe, erstarre ich. Das sind die anderen! “Wenn man vom Teufel spricht“, brummt der Anführer. Dann wendet er sich an die Frauen. “Das ging schnell.“ Eine Jägerin mit langen, dunklen Haaren tritt vor. Offenbar hat sie bei den Frauen das Sagen. “Durch den Nebel waren sie äußerst leicht zu erwischen. Ein Rainbowheart ist verschwunden, aber ich bin sicher, dass sie nach ihren Freunden suchen wird.“ Die Jägerin klatscht einer Bestie mit der flachen Hand auf den Rücken. Wütend brüllend erwacht diese. Die Jägerin zieht die Hand zurück, bevor die Bestie sie abbeißen kann. Dann löst sie die Fesseln von Ayur. Der Anführer verschränkt die Arme. “Sollten wir nicht zuerst den Menschen loswerden?“ Die Jägerin lächelt kalt. “Könnten wir... aber wäre es nicht viel amüsanter, wenn seine eigenen Freunde ihn umbringen?“ Man könnte unsere Gruppe nicht als Freunde bezeichnen, aber das schlägt dem Fass ja wohl den Boden aus! Ich muss irgendwas tun... einfach angreifen wäre nutzloser Selbstmord... Plötzlich erwacht Jonas. “Was?“ Als er merkt, wo er ist, verengen sich seine Augen zu Schlitzen. “Ich kenne euch...“ Die Jägerin lacht. “Willkommen in unserem Lager, Nebelauge!“ Jonas sieht sich um. Mit seiner Aurasicht, meine ich. Scheinbar hat er mich bemerkt, denn für den Bruchteil einer Sekunde verändert sich sein Gesichtsausdruck. Er richtet sich auf, sodass er sitzt. Dabei stößt er eine offene Flasche mit Wasser um. Einer der Jäger wird komplett durchnässt. “Ups“, murmelt Jonas grinsend. Er robbt ein Stück weiter und stößt noch eine Flasche um. Der gesamte Inhalt läuft aus. Der Anführer verengt die Augen. “Was soll das werden?“ Jonas macht ohne zu antworten weiter. Eine Weile ärgere ich mich darüber, dass er sich so lächerlich aufführt, doch dann trifft es mich wie ein Donnerschock. Wasser leitet Strom. Und da es insgesamt viele Jäger und Jägerinnen sind und sie wahrscheinlich noch länger dort campen wollten, haben sie viel Wasser. Der Anführer-Jägerin wird es schließlich zu bunt und sie packt Jonas. “Hör zu Kleiner, es bringt dir auch nichts wenn du unsere Vorräte zunichte machst, du wirst eh-“ In diesem Moment setze ich Donnerblitz ein. Durch das Wasser wird die ganze Meute getroffen. Schnell verstecke ich mich im Nebel und ändere meine Position. Der wirkungsvolle Überraschungsangriff hat für Verwirrung und ein paar paralysierte Jäger und Jägerinnen gesorgt. Ein Grinsen huscht über mein Gesicht. It's Showtime!

    - Erzählersicht -

    Als erstes befreit Thea ihre mittlerweile aufgewachten Kameraden. Dann nutzt sie die noch nicht verdunsteten Pfützen, um noch einmal Stromschläge zu verteilen. Ayur versteht die Taktik und vereist den Boden mit Eisstrahl. Kyle lässt das Eis schmelzen und der Spaß beginnt von neuem. Innerhalb von maximal zehn Minuten haben sie die Truppe erledigt. Yena und Jonas fesseln sie und binden sie an einen Baum. Dann holt Yena ihren Hololog hervor und gibt ein Signal ab. In einer Stunde würde eine Gruppe Rainbowheart hier sein und die Jäger, Jägerinnen, andersfarbigen Pokémon und Monsterheart abholen.

    25
    Kapitel 23
    Eiseskälte


    - Shay's Sicht -

    Als ich aufwache, ist draußen heller Tag. Ich muss lange geschlafen haben. Und ja, der Blizzard hat aufgehört. Außer mir ist niemand im Iglu. Ich stehe auf und gehe nach draußen. Dort warten die anderen schon auf mich. Sie sehen gelangweilt aus. Noel ist auch da. Ich gehe zu ihm. Als er mich bemerkt, setzt er ein Lächeln auf. “Guten Morgen Shay, gut geschlafen?“ Ich nicke. “Und wie. Hör zu, ich hätte noch ein paar Fragen...“ Noel seufzt. “Du kommst direkt zur Sache, hm?“ Ich senke den Kopf. “Tut mir leid... aber mir ist das wichtig.“ Ein weiterer Seufzer. “Okay.“ Ich sehe Noel in die Augen. “Danke. Also, es ist wegen Shayla.“ “Das hatte ich befürchtet...“, murmelt Noel, doch ich ignoriere ihn. “Wen, beziehungsweise was, hat sie früher geheilt?“ Noel überlegt außergewöhnlich lange. Ich dachte, er kennt sie sehr gut? Irgendwann schüttelt Noel schließlich traurig den Kopf. “Vergiss es. Die Sache ist... sie hat immer gesagt sie hätte Krankheiten geheilt, die das Herz der Rainbowheart angreifen. Nicht physisch, sondern psychisch. Und das geht nicht. Sie hat mir Lügen erzählt, Geschichten... wie man sie immer kleinen Kindern erzählt.“ Noel wendet sich ab und geht. Niedergeschlagen sehe ich ihm hinterher. Nicht nur habe ich nicht die Antwort bekommen, die ich mir erhofft habe, jetzt habe ich auch noch Noels Tag vermiest. Seufzend gehe ich zum Rand der Iglus. Auf halbem Weg hält Lilly mich auf. “Shay? Ein paar Eis-Rainbowheart meinten, wir sollten noch einen Tag bleiben. Ein weiterer Schneesturm soll aufziehen.“ “Ich bin nicht lange weg“, versichere ich ihr. Ich verlasse das 'Dorf' und begebe mich auf's freie Schneefeld. Der Schnee knirscht unter meinen Schuhen. Um mich herum ist es still. Ich bleibe stehen und sehe in den klaren, blauen Himmel. Von einem weiteren Schneesturm keine Spur. Aber Bewohner dieses Königreichs kennen sich damit wohl besser aus als ich. Nur was sollen wir den ganzen Tag machen? Plötzlich trifft mich ein Schneeball am Hinterkopf. Überrascht drehe ich mich um, doch es ist niemand zu sehen. Der nächste Schneeball trifft mich an der Schulter. Langsam reicht es mir. Ich forme einen Schneeball und sehe mich um. Kurzzeitig sehe ich den Übeltäter, doch dann trifft mich ein Schneeball im Gesicht. Ich schüttel den Kopf um den Schnee loszuwerden und werfe meinen Ball auf den Angreifer. Dieser bleibt nur erschrocken stehen und wird am Hals getroffen. Kopfschüttelnd gehe ich zu ihm. “Hast du echt gedacht du könntest mich bewerfen, ohne Rache zu erhalten?“ Der Junge blinzelt zweimal, sagt aber nichts. Ich mustere ihn. Er ist definitiv ein Rainbowheart, aber ich kann nicht zuordnen, was für eins. “Wie heißt du?“, frage ich ihn, in der Hoffnung, ein paar Worte aus ihm herauszukitzeln. Doch er bleibt stumm. “Na schön. Dann regeln wir das anders.“ Ich knie mich in den Schnee und forme einen weiteren Schneeball. Da rührt sich der Junge. Blitzschnell hat er Abstand genommen und formt zwei Schneebälle, die er gleichzeitig wirft. Doch diesmal bin ich vorbereitet. Ich lasse die Schneebälle schmelzen und werfe meinen eigenen auf den Jungen. Dieser dreht sich um und der Ball trifft ihn am Rücken. Es entwickelt sich die größte Schneeballschlacht, die ich je hatte. Der Junge ist außerordentlich flink und wenn mir meine Augen keinen Streich gespielt haben, kann er fliegen. Plötzlich bricht der Boden unter mir zusammen. Unter der dicken Schicht Schnee befindet sich ein gefrorener See, in den ich reinfalle. An der Luft meine Körpertemperatur anzupassen ist das eine, doch unter Wasser hat mein Feuer keine Chance. Das Wasser ist so eiskalt, dass es mir den Verstand raubt. Ich versuche zurück an die Oberfläche zu kommen, doch die Eissplitter sind zu groß und zu schwer, um sie zu bewegen. Plötzlich zerspringen die großen Splitter in viel kleinere Teile. Ich kämpfe mich an die Oberfläche. Meine Lunge brennt, meine Augen tränen und es ist ein Wunder, dass ich überhaupt noch bei Bewusstsein bin. Ganz machtlos scheint mein Feuer doch nicht gewesen zu sein. Der Junge zieht mich mit aller Kraft an Land. Dort breche ich zusammen, während mein Körper versucht, sich aufzuwärmen. Alles an mir dampft. Der Junge packt mich an den Schultern und zerrt mich mit. Ich bin zu kraftlos, um zu widersprechen, zu kraftlos, um nachzudenken. Sonst hätte ich mir vielleicht Sorgen um die dunklen Wolken gemacht, die in der Ferne aufziehen.

    - Thea's Sicht -

    Wir befinden uns wieder im Hauptquartier. Blades, der Anführer, hat uns zurechtgewiesen und Riala hat uns die ganze Zeit böse angestarrt. Ich versuche immer noch dahinter zu kommen, warum Ayur von ihr manipuliert werden kann und Kyle nicht. Aber irgendwie kommt mir nichts plausibles in den Sinn. Jonas ist übrigens auch noch da. Scheinbar hat er seinen Freund vergessen. Ich irre schon wieder planlos durch die Gänge. Wie Jonas gestern so schnell den Ausgang gefunden hat ist mir immer noch ein Rätsel. Aber vielleicht ist das ja ein Aura-Ding. Apropos Aura, wo stecken eigentlich seine Pokémon? Vielleicht hat er das zwischendurch mal erwähnt, aber wenn, dann kann ich mich nicht mehr daran erinnern. Ich laufe weiter, bis ich am Ende eines Ganges an einer Tür ankomme. Ich öffne die Tür und erkenne, dass ich irgendwie einen weiteren Ausgang gefunden habe. Er führt definitiv ins Herbst-Königreich. Ich gehe nach draußen und sehe mich um. Außer Wiese und ein paar Bäumen ist hier nichts. Die Bäume hängen voll mit reifen Äpfeln. Ich klettere auf einen der Bäume und esse einen Apfel. Er ist etwas sauer, schmeckt aber gut. Okay, okay, ich weiß, das ist langweilig. Hm... Ich springe vom Baum, sehe mich um und entdecke in der Ferne jemanden. Oder etwas. Vorsichtig nähere ich mich. Es ist eine Person. Als ich versuche, noch näher zu schleichen, dreht die Person sich um. Er scheint nicht mal überrascht zu sein, hier mitten im Nirgendwo jemanden zu treffen. “Hi! Ich bin Blau. Ich suche meinen Freund, Rot.“ Also ist er ein Mensch? Würde mich nicht wundern. Okay, was erzähle ich ihm jetzt? Die Wahrheit? Nee, versuchen wir es mit einer Frage. “Wie bist du hierher gekommen?“ Blau grinst. “Rot geht mir gerne aus dem Weg, deshalb bin ich ziemlich gut darin geworden, ihn zu finden. Also, weißt du wo er ist?“ Sehr hilfreiche Antwort. Aber hey, dann antworte ich eben genauso. “Bei seinem Halbbruder.“ Hah! Blau guckt jetzt ziemlich verwirrt. “Der Kerl hat einen Halbbruder?“ Ich grinse. “Glaub mir, ich war so überrascht wie du.“ Blau starrt mich eine Weile an, dann fängt er sich wieder. “Okay, aber deine Antwort hat mir nicht wirklich geholfen.“ Ich rolle mit den Augen. “Glaubst du, deine Antwort war besser?“ Einen Moment lang scheint es, als wolle Blau widersprechen, doch dann überlegt er es sich anders. Ich drehe mich um und will gehen, doch dann höre ich eine mir allzu bekannte Stimme. “Thea! Wo steckst du!“ “Oh nein...“, murmel ich leise. Verwirrt sieht Blau mich an. “Was ist?“ Ich drehe mich zu ihm um. “Also gut, zuletzt habe ich Rot im Schloss des Herbst-Königreichs gesehen. Verrate Jonas nicht, dass ich hier bin.“ Mit diesen Worten klettere ich auf einen nahen Baum. Blau sieht grinsend zu mir hoch. “Das ist ein furchtbares Versteck. Komm runter, ich nehme dich mit.“ Äh... was? Blau zückt einen Pokéball und wirft ihn in die Luft. Heraus kommt ein Tauboss. Blau steigt auf das Tauboss und sieht abwartend zu mir. Ich zögere. Auf der einen Seite möchte ich gerne weg von hier, auf der anderen Seite ist Blau immer noch ein Mensch. Doch als ich Jonas erneut rufen höre, springe ich vom Baum und auf das Tauboss. “Au!“, beschwert sich dieses, “Pass auf die Flügel, Kleine!“ “Sorry.“ Das Tauboss hebt ab und fliegt in die erstbeste Richtung. Ich sehe nach unten und suche nach etwas bekanntem, doch bisher gibt es hier nur Wiese und ein paar Bäume. Blau seufzt. “Langsam habe ich die Nase voll von dieser Gegend. Wir irren hier schon ewig herum. Weißt du, ich habe auf dem Silberberg nach Rot gesucht und dabei wahrscheinlich den selben Eingang gefunden, den ihr benutzt habt. So bin ich in dieser Welt gelandet.“ Plötzlich grinst er und sieht zu Tauboss. “Hey Tauboss, Looping!“ Erschrocken und panisch klammere ich mich an Blau fest. “Au! Pass auf, Mädchen, du gibst Strom ab!“, beschweren Tauboss und Blau sich gleichzeitig. “Dann hört auf Kunststücke zu machen! Ich fliege zum ersten mal und ich gebe immer Strom ab, wenn ich nervös bin“, erkläre ich mit verschränkten Armen. Blau seufzt. “Okay, keine Kunststücke.“ Zufrieden lächelnd sehe ich wieder nach unten. Ein Fluss fließt unter uns entlang. Meine Augen weiten sich. “Das ist der Fluss, der zur Stadt führt!“ Blau nickt. “Verstanden. Tauboss, folge dem Fluss.“ “Ich kann sie auch verstehen, weißt du“, murmelt Tauboss, befolgt aber die Anweisung. Ich lächel. Auf Tauboss geht es garantiert schneller als mit dem Schiff. Bald sind wir zurück in der Stadt.

    - Shay's Sicht -

    Ich sitze in einer Höhle an einem warmen Feuer. Woher der Junge das Holz hat, ist mir ein Rätsel, aber ich hatte noch nicht die Chance, ihn zu fragen. Kaum hatte er mich hergebracht, das Feuer entzündet und mir Essen hingelegt, ist er verschwunden. Nun sitze ich hier, bin aufgewärmt und weiß nicht, was ich tun soll. Ich stehe auf, erschaffe einen Flammenball und gehe tiefer in die Höhle. Plötzlich stoße ich an etwas rot-schwarzes. Ich lasse den Flammenball größer werden, damit ich mehr Licht habe. Vor Schreck hätte ich fast aufgeschrien. Vor mir liegt Yveltal! Ich befinde mich in der Höhle von Yveltal! Was ist, wenn er aufwacht? Panisch gehe ich rückwärts. Dann stolpere ich über seinen Flügel und falle hin. Autsch. Ängstlich sehe ich zu Yveltal, doch er rührt sich nicht. Ich seufze erleichtert und gehe zurück zum Feuer. Der Junge ist zurück. “Wo warst du?“, frage ich ihn. Er hält mir Winterkleidung hin und deutet in die Tiefen der Höhle. Verwirrt sehe ich ihn an. “Für Yveltal?“ Der Junge nickt. Ich überlege. “Okay... also ist das nicht das Pokémon Yveltal, sondern ein Rainbowheart?“ Der Junge nickt wieder. Ich seufze. “Weißt du, ich würde es echt cool finden, wenn du mit mir reden würdest. Ich habe so viele Fragen, die man schlecht mit ja oder nein beantworten kann.“ Der Junge schweigt. Enttäuscht wende ich mich ab und sehe nach draußen, wo mittlerweile ein Schneesturm wütet. “Schade... wenn ich zumindest deinen Namen wüsste...“ “Sky.“ Ich glaube mich verhört zu haben, drehe mich aber dennoch um. “Huh?“ Der Junge hält mir die Hand hin. “Mein Name ist Sky. Wer bist du?“ Ich nehme seine Hand. “Ich bin Shay, freut mich. Also, was machst du hier im Nirgendwo? Warum hast du mich aus dem nichts mit einem Schneeball abgeworfen? Was ist mit dem Yveltal? Was-“ “Yvie wurde gebissen“, unterbricht Sky, “Also habe ich sie an einen Ort gebracht, an dem niemand ist, den sie verletzen kann. Dann habe ich durch Zufall mitbekommen, dass jemand in der Nähe ist, der solche Bisse heilen kann. Ich wollte deine Aufmerksamkeit, damit du ihn hierher bringst. Das mit dem nicht reden... naja...“ Ich winke ab. “Nicht so wichtig.“ Ich gehe zurück zum Yveltal-Rainbowheart und taste nach der Wunde. Als ich sie sehe, erschrecke ich. Es sieht schon ziemlich schwarz aus. Ich strecke die Hand aus und versuche, mich an das Gefühl zu erinnern, das ich hatte als ich Onyx half. Es ist ziemlich schwierig, aber schließlich erscheint ein regenbogenfarbenes Leuchten. Da erscheint aus der Wunde ein schwarzes Leuchten. Es ist definitiv stärker als meins, doch ich weiß wie es ist, zur Bestie zu werden und ich habe nicht vor, Yvie ihrem Schicksal zu überlassen. Also lenke ich noch mehr Kraft in meine Heilung. Die Silhouette von Mew erscheint. Dafür erscheint auch das schwarze Mewtu. Bei Onyx hat es unfassbar einfach ausgesehen, doch in Wahrheit ist es unglaublich kräftezehrend. Mir wird bewusst was Noels Freundin meinte, als sie sagte, diese Fähigkeit sei eine Kraft des Herzens. Wir heilen mit unserer eigenen Lebenskraft. Diese Erkenntnis hätte mich fast aus dem Konzept gebracht, aber ich bin fest entschlossen, die Wunde vollständig zu heilen. Und es klappt. Das schwarze Leuchten verschwindet und die Wunde schließt sich. Doch jetzt, wo es vorbei ist, merke ich, wie sehr ich mich übernommen habe. Mir wird schwarz vor Augen.

    - Erzählersicht -

    Sky trägt die ohnmächtige Shay zum Feuer, dann widmet er seine Aufmerksamkeit Yvie. “Wie fühlst du dich?“ Yvie, welche ihre Tarnung aufgelöst hat, fässt sich benommen an den Kopf. “Als hätte mich eine Herde Tauros überrannt.“ Sie sieht Sky an. “Danke Sky.“ Sky schüttelt den Kopf. “Dank nicht mir. Danke ihr.“ Er deutet auf Shay. Yvie setzt sich neben sie. “....Danke.“
    Währenddessen kommen Thea und Blau auf Tauboss in der Stadt an. Doch sofort merkt Thea, dass irgendwas nicht stimmt. Die Straßen sind leer, die Häuser mit Brettern zugenagelt. Vor dem Schloss stehen keine Wachen. Dieser einst so schöne Ort hat sich in eine Geisterstadt verwandelt.

    26
    Kapitel 24
    Zerstörung


    - Thea's Sicht -

    Ich springe ab, bevor Tauboss überhaupt den Boden berührt. Die Tore sind im Gegensatz zu den Häusern der Stadt nicht verriegelt. Ich gehe rein und erblicke das reinste Chaos. Zwei Säulen sind eingestürzt, zerfetzte Banner liegen im Weg, der Thron ist in zwei Teile zerbrochen, an vielen Stellen sind Brandspuren... “Was ist hier passiert?“, höre ich Blau hinter mir sagen. Seine Stimme hallt mehrfach von den Wänden wider. Ich sehe zu ihm und schüttel nur ratlos den Kopf. Blau ruft ein Arkani aus seinem Pokéball. “Arkani, hilf uns nach Überlebenden zu suchen!“ Arkani schnuppert. Dann läuft er zielstrebig zu einem Haufen Trümmern und beginnt zu graben. Schnell kommen Blau und ich dazu und helfen. Unter den Trümmern liegt ein verletztes und verängstigtes Stollunior. Ich hebe es aus dem Haufen und es verwandelt sich in einen geschätzt 6 Jahre alten Jungen. Der Arme weint bitterlich. Ich hocke mich vor ihm hin. “Shhh... ganz ruhig.“ Der Junge weicht zurück und zittert noch mehr. Ich versuche aufmunternd zu lächeln. “Wir haben nicht vor, dir etwas zu tun. Was ist passiert?“ Zwar antwortet der Junge nicht, aber zumindest hört er auf zu weinen. Blau und Arkani suchen weiter nach Überlebenden, während ich bei dem Jungen bleibe und versuche, ihn zu beruhigen. Bald merke ich, dass es am leichtesten ist, wenn man ihn ablenkt. Ich beginne Zaps Geschichten zu erzählen, wie er in seinem früheren Leben ein Pokémon war, wie er als Superheld die Stadt rettete, wie er Mewtu begegnete und mit ihm Monopoly gespielt hat... “Thea, ich habe jemanden gefunden!“ Ich drehe mich zu Blau um. Die Gestalt in seinen Armen ist so zerschunden, dass es eine Weile braucht, bis ich sie erkenne. “Nemaja!“ Nemaja reagiert nicht, doch ihr Brustkorb hebt und senkt sich. Sie ist also noch am Leben. Hoffnungsvoll sehe ich zu Blau. “Hast du etwas, um sie zu heilen?“ Blau überlegt. “Ich habe ein paar Sinelbeeren. Aber helfen die bei Rainbowheart?“ Ich nicke hastig. “Alle Arten von Beeren helfen. Bei euren Tränken und so weiß ich es nicht.“ Blau kramt ein paar Beeren aus seiner Tasche und gibt nicht nur Nemaja, sondern auch dem Jungen welche. Als dieser zögert, gibt Blau auch mir eine. Ich esse sie um dem Jungen zu zeigen, dass die Beeren nicht vergiftet sind. Das beruhigt ihn. Er isst seine Beere und augenblicklich heilen seine Wunden. Auch Nemajas Wunden heilen, doch sie wacht nicht auf. Der Junge läuft zu ihr und rüttelt an ihrem Arm. “Bitte wach auf...“ Blau schüttelt seufzend den Kopf. “Das wird nichts. Sinelbeere hin oder her, sie hat garantiert einen dicken Brocken gegen den Kopf bekommen. Sie wird so schnell nicht aufwachen.“ “Nngh...“ Unsere Blicke fallen auf Nemaja. Sie bewegt sich und ihre Augen öffnen sich langsam. Benommen sieht sie zu mir. “Thea?“ Ich bekomme vor Erleichterung kein Wort heraus. Der Junge umarmt Nemaja. “Maja, dir geht's gut!“ Nemaja sieht zu dem Jungen. “Lucas? Wie hast du überlebt? Du wurdest unter einer Säule begraben...“ Lucas sieht sie verwirrt an. “Nein, wurde ich nicht. Ich habe mich in einem Trümmerhaufen versteckt.“ “Was ist denn überhaupt passiert?“, unterbreche ich die beiden. Nemaja befreit sich vorsichtig aus Blaus Armen und stellt sich hin, wobei sie noch ziemlich schwankt. “Kurz nachdem wir in die Stadt gegangen sind, wurde das Schloss angegriffen. Iria hat alle zusammengetrommelt. Euer Verschwinden ist dabei zwar aufgefallen, aber wir hatten nicht die Zeit, um uns darum Sorgen zu machen. Willst du raten, wer dem Schloss einen Besuch abgestattet hat?“ Wenn sie die Frage so stellt, kann es nur eine Person sein. Ich fletsche die Zähne. “Yara.“ Nemaja nickt. “Sie und ihre Kollegen sind in diese Welt gelangt, aber frag mich bitte nicht wie. Sie hatten Monsterheart bei sich. Sie hielten sie in Käfigen, dann ließen sie sie frei und verschwanden wieder. Die Monsterheart rissen alles nieder, was ihnen im Weg stand. Die ganzen Wachen wurden gebissen und von König Cheluos Leibwächter zum Schutz der Stadt getötet. Bis... bis es ihn selbst traf. Kurz darauf wurde ich von etwas getroffen und habe das Bewusstsein verloren.“ Ich kann das alles kaum verarbeiten, doch eine Sache interessiert mich noch. “Was ist mit Zap und den anderen?“ Nemaja sieht aus, als würde sie gleich in Tränen ausbrechen. “Ich... Ich weiß es nicht...“

    - Shay's Sicht -

    Als ich aufwache, dröhnt mein Kopf und mein eines Ohr piept unaufhörlich. Mühsam richte ich mich auf. Vor mir sitzt Yvie. Sie brät sich ein Stück Fleisch über dem Feuer. Vielleicht ist es auch ein Karpador, das kann ich nicht genau sagen. Draußen wütet ein Schneesturm. Ich seufze, lege mich wieder hin und warte, bis das Piepen aufhört. “Du hast lange geschlafen“, kommentiert Yvie ohne aufzusehen. Ich antworte nicht. Ich meine, was soll ich darauf antworten? Da höre ich Schritte hinter mir. Offenbar kommt Sky dazu. “Geht es dir besser?“ “Ja“, antworte ich knapp. Es geht mir tatsächlich besser, aber wirklich gut geht es mir nicht. Yvie schneidet ein Stück vom Karpador ab und hält es mir hin. Ich lehne ab. “Ich bin Vegetarier.“ Yvie rollt mit den Augen und isst es selbst. Sky verschwindet im hinteren Teil der Höhle und kommt kurz darauf mit Äpfeln und ein paar Beeren wieder. “Dann iss die hier. Du musst wieder zu Kräften kommen.“ Mein Magen rumort, doch nicht, weil ich hungrig bin. Im Gegenteil, mir ist speiübel. Trotzdem esse ich eine Beere. Es ist eine Tsitrubeere, meine persönliche Lieblingsbeere. Leider war sie in unserem Wald sehr selten. “Ähm... Shay? Alles okay?“, fragt Sky vorsichtig. Ich sehe zu ihm. “Mehr oder weniger, wieso?“ Sky sieht zu Boden. “Naja... du bist nicht gerade freiwillig hergekommen und hast dich ziemlich übernommen, als du Yvie geheilt hast. Und ich... verschweige dir so viel und-“ “Moment mal“, unterbreche ich ihn, “Habe ich dich je nach Informationen gefragt?“ Sky schüttelt den Kopf. “Nein, aber-“ Ich lasse ihn nicht ausreden. “Hast du mich jemals direkt aufgefordert, Yvie zu heilen?“ Erneut schüttelt Sky den Kopf. “Nein, aber-“ Ich unterbreche ihn wieder “Und hast du-“ “SHAY! Lass mich ausreden!“, fällt Sky mir ins Wort. Ich ziehe die Schultern ein. “Tut mir leid.“ Sky seufzt. “Schon gut, hör einfach zu. Wegen mir wärst du fast gestorben. Du erinnerst dich, als du in das Eis eingebrochen bis?“ Ich nicke. “Das Eis war eigentlich fest“, erklärt Sky weiter. “Es wäre nicht zerbrochen, wenn ich nicht... so eine Angst gehabt hätte, dass du mich erkennst. Ich habe von dir gehört. Du warst ein Monsterheart. Monsterheart sind eigentlich wild und blutrünstig, doch manche können darauf trainiert werden, bestimmte Leute zu finden und zu töten. Ich bin den Monsterheart schon einmal entlaufen und ich fürchtete, du seist nicht vollständig geheilt und würdest nach mir suchen. Als ich bemerkt habe, dass das nicht der Fall ist, war es schon zu spät.“ Wow... Ich senke den Kopf. “Tut mir leid, dass ich dir Angst gemacht habe.“ Sky erstarrt. “Warte, was? Du bist nicht wütend? Nicht ein kleinstes bisschen? Und du entschuldigst dich? Ich müsste mich entschuldigen.“ Irgendwo hat er recht, aber... er tut mir irgendwie total leid. Es ist bestimmt nicht schön, mitten im Nirgendwo zu leben, weil man verfolgt wird. Ich sehe nach draußen. Der Schneesturm wütet noch immer und ich bezweifle, dass er bald nachlässt. Ich wende mich wieder Sky zu. “Wenn der Sturm nachlässt, bringst du mich dann zurück zum Iglu-Dorf?“ Sky nickt. “Natürlich. Das bin ich dir schuldig.“ Er sieht aus, als wolle er noch etwas sagen, doch dann scheint er es sich anders zu überlegen. Ich esse einen Apfel, dann sehe ich zu Yvie. “Gibt es auch ein Xerneas Rainbowheart?“ Yvie nickt düster. Scheinbar habe ich einen wunden Punkt getroffen. Ich beschließe, nicht weiter nachzufragen, doch Yvie fängt von alleine an zu erzählen. “Er ist mein Erzrivale und bezeichnet mich als Todesteufel. Laut ihm gibt es mich nur, um anderen Angst einzujagen. Er meint auch, dass niemand mich jemals mögen wird und ich für immer ohne Freunde sein werde und... naja, solche Sachen halt.“ Ich schüttel den Kopf. “Da hat er sich aber mächtig geirrt. Ich zum Beispiel finde dich cool. Und wenn du willst... dann hast du auch eine Freundin.“ Yvie sieht mich an. “Meinst du das ernst?“ Ich nicke lächelnd. Sky stellt sich neben mich. “Du könntest auch zwei Freunde haben.“ Übermütig vor Freude umarmt Yvie uns. “Danke ihr zwei!“ Ich lächel. “Kein Problem. Ich bin stolz darauf, deine Freundin zu sein.“

    - Thea's Sicht -

    Das restliche Schloss ist komplett leer. Auch in den zugenagelten Häusern ist niemand. Langsam verliere ich die Hoffnung. “Wo sind sie nur...“ Blau hat seine Versuche mich und Nemaja aufzumuntern bereits aufgegeben. Er gibt es vielleicht nicht zu, doch ich weiß, dass auch er sich Sorgen um seinen Freund macht. Ich meine, Rot ist zwar ein starker Trainer, doch auch er hat garantiert Grenzen. Und die Stadt sieht wirklich alles andere als gut aus. Lucas, der Stollunior-Junge, hat sich mittlerweile beruhigt und lässt sich von mir tragen. Ich bewundere, wie gut er das für sein Alter verkraftet hat. Ich erinnere mich noch an die Zeit, nachdem meine Eltern getötet wurden. Ich war lange Zeit extrem paranoid, konnte nachts nicht schlafen und bin nur aus der Höhle gekommen, um Essen und Wasser zu suchen. Meine Tarnung habe ich gar nicht mehr aufgegeben. Außer natürlich wenn ich schlief. “Das bringt nichts“, sagt Blau plötzlich. “Wir sind jetzt schon Stunden hier. Hier ist keiner mehr, sie sind alle weg. Lasst uns woanders suchen.“ Nemaja und ich tauschen einen Blick aus und nicken dann gleichzeitig. Blau sieht zu Lucas. “Bist du auch einverstanden?“ Lucas nickt. Reden tut er nicht viel, aber das erwarten wir auch nicht von ihm. Blau überlegt. “Ich habe nur ein Flug-Pokémon. Wir werden zu Fuß gehen müssen.“ Nemaja zuckt mit den Schultern und auch ich lasse mich davon nicht stören. Es wäre nicht das erste mal, dass wir weite Strecken zu Fuß zurücklegen. Wir verlassen auf schnellstem Weg die Stadt. Irgendwie ist es doch ziemlich unheimlich, wenn alles so still ist. Kaum haben wir die Stadt verlassen, taucht jedoch das nächste Problem auf: Keiner von uns kennt sich in dieser Welt aus. Lucas war noch nie in einer anderen Stadt und der Rest von uns kommt aus einer ganz anderen Welt. Wir könnten dem Fluss bis nach Keriga folgen, doch wir haben mit dem Schiff schon ewig von einem Ort zum anderen gebraucht. Würden wir zu Fuß gehen, müssten wir mitten auf freiem Feld übernachten und das wagen wir nach dem, was im Schloss passiert ist nicht. Also laufen wie einfach in den erstbesten Wald und hoffen, irgendwo anzukommen. Wenigstens ist die Sonne gnädig und scheint durch das rot-orangene Laub. Kalt wird uns also so schnell nicht.

    Ein paar Stunden später...

    Langsam kann ich diese Bäume nicht mehr sehen. Ich habe vollständig die Orientierung verloren. Alles sieht genau gleich aus. Man hat das Gefühl, als würde man sich dauerhaft im Kreis bewegen. Doch Blau besteht darauf, dass wir einfach weitergehen. Mittlerweile trägt er Lucas auf seinem Rücken. Manchmal steigt Lucas auch ab und läuft alleine, aber die meiste Zeit genießt er es, getragen zu werden. Ich habe Nemaja erzählt, wo ich war und was dort passiert ist. Dass ich Ayur und Kyle dort zurückgelassen habe, hat Nemaja nicht sonderlich gestört. Sie meinte wenn Ayur und Kyle sich dort nicht wohl gefühlt hätten, wären sie schon längst von dort verschwunden. Ich fühle mich trotzdem mies, weil ich Ayur bei Riala gelassen habe. Diese Frau ist mir immer noch unheimlich und daran wird sich so schnell nichts ändern. Hoffentlich geht das gut...

    - Erzählersicht -

    Im M.P.O.-Hauptquartier...

    Jonas würde am liebsten Wände einreißen. Er hat gesehen, wie Thea mit Blau und seinem Tauboss davongeflogen ist. Und er versteht einfach nicht warum. Blau ist auch ein Mensch und das ist mehr als offensichtlich. Was macht ihn also besser als Jonas? Jonas ist sich ziemlich sicher, dass Thea Blau nicht kennt und nicht weiß, was er für ein starker Trainer ist. Was macht ihn also besser? Vielleicht... weil er nicht blind ist? Haben Jonas' Augen Thea vielleicht Angst gemacht? Oder ist es wirklich alles nur wegen ihrer Schwester? Jonas lehnt sich gegen eine Wand und seufzt. Egal warum sie ihn hasst, Jonas hat sich felsenfest vorgenommen dafür zu sorgen, dass sie nicht spurlos verschwindet, wie ihre Schwester. Doch Thea scheint da andere Pläne zu haben. Und jetzt ist auch noch Lumos weg. Das Leben scheint sich gegen Jonas verschworen zu haben. Wann wird sich das Blatt endlich zu seinen Gunsten wenden?

    27
    Kapitel 25
    Geister der Vergangenheit


    - Shay's Sicht -

    Es ist später Abend, als der Sturm aufhört, doch Sky bringt mich trotzdem zurück. Allerdings nur, bis das 'Dorf' in Sichtweite ist. Dann verabschiedet er sich und verschwindet. Ich betrete das Dorf und sehe mich um. Erst entdecke ich niemanden, doch dann werde ich von hinten gepackt und in den Schnee geschmissen. “ 'Ich bin nicht lange weg.' DAS nennst du nicht lange weg!“ Ich drehe mich um und sehe eine vor Wut schnaubende Lilly. “Bleib NIE WIEDER so lange weg, klar!“ Ich kann nicht anders, ich muss lächeln. “Tut mir leid, Lilly.“ “Das sollte es auch!“ Es dauert eine Weile, bis Lilly sich beruhigt. Mittlerweile sind auch Onyx und Luna bei uns und hören zu, wie Lilly mir eine Standpauke erteilt. Onyx murmelt irgendwas und Luna schüttelt grinsend den Kopf. Langsam beruhigt Lilly sich. “Wo warst du denn überhaupt?“ Ich beschließe, mich kurz zu fassen. “Ich habe ein Monsterheart-Biss bei einem Yveltal-Mädchen geheilt, mich dabei übernommen und als sich meine Lebensenergie fertig regeneriert hat, konnte ich nicht zurück wegen dem Schneesturm.“ “Moment mal“, unterbricht Onyx. “Du hast jemanden ganz alleine geheilt? Und was redest du da von Lebensenergie?“ Ich erkläre ihm, was ich festgestellt habe, während ich Yvie geheilt habe. “Also ist eure Heilkraft sowas wie die Aura“, überlegt Lilly. Onyx steht nur sprachlos da und starrt mich an. Ich nicke. “Das kann sein. Aber irgendwie unterscheidet es sich äußerlich von der Aura, deshalb ist niemand darauf gekommen...“ Da kommt mir ein neuer Gedanke. “Oder sieht die Aura bei Lucario-Rainbowheart genauso aus?“ Luna denkt eine Weile nach, dann nickt sie. “Zumindest habe ich mal gelesen, dass Lucario-Rainbowheart getarnt eine andere Aura-Farbe haben als ungetarnt. Eine, die, ich zitiere 'der Farbe ihres Herzens gleicht'. Keine Ahnung, was das heißen soll.“ Was haben bloß immer alle mit dem Herz? Was ist so besonders an unseren Herzen? Bevor ich vor lauter Nachdenken gar nichts mehr mitkriege, holt Onyx mich mit einer äußerst seltsamen Bitte in die Wirklichkeit zurück. “Bring mir bei, wie du deine Heilkräfte nutzt!“ Ich sehe ihn irritiert an. “Solltest nicht du mir den Umgang mit der Heilkraft beibringen?“ “Du beherrschst diese Fähigkeit viel besser als ich. Es gibt nichts, was ich dir beibringen könnte“, erwidert Onyx. Hilfesuchend sehe ich zu Luna und Lilly. Diese nicken. “Also gut“, sage ich an Onyx gewandt. “Ich bringe es dir bei. Unter einer Bedingung.“ Onyx legt den Kopf schief. “Und die wäre?“ Ich zögere. In meinem Kopf klang meine Bitte ganz normal, doch sie jetzt auszusprechen fühlt sich seltsam an. “Lächel zur Abwechslung mal.“ Wider erwarten kommt Onyx umgehend und ohne Fragen zu stellen meiner Bitte nach. Es sieht nicht einmal gespielt aus. Zufrieden lächel ich. “Danke.“ Onyx verfällt wieder zurück in sein typisches ernstes Gesicht. “Kein Problem. Wenn das alles ist.“ Ich nicke und wende mich Lilly zu. “Ich nehme an, dass wir morgen weiterziehen?“ Lilly nickt. “Morgen sollte der Himmel den ganzen Tag über strahlend blau sein. Wetterumschwünge kann es zwar öfter mal geben, aber langsam hat es genug geschneit.“ Luna nickt zustimmend. Da kommt Nox aus einem der Iglus. Als er mich sieht, hellt sich sein Gesicht auf. “Shay! Du lebst noch!“ Verwirrt sehe ich ihn an. “Ähm... ja?“ Luna dreht sich zu Nox um. “Hab ich doch gesagt. Sie ist ein Feuer-Pokémon, ihr kann die Kälte nichts anhaben!“ Nox zuckt mit den Schultern. “Aber sie ist nicht gegen alles immun. Wäre sie in Eis eingebrochen, hätte sie sich gegen das eiskalte Wasser wehren können?“ Das kommt meinen Erlebnissen so nah, dass Nox mir sehr gut gefolgt sein könnte. Doch ich frage lieber nicht nach. Nicht, wenn alle anderen zuhören. Aber nachfragen werde ich später auf jeden Fall. Ich werde nicht gerne verfolgt. Auch nicht von meinen Freunden. Luna unterdrückt ein Gähnen. “Also ich weiß nicht wie es euch geht, aber ich bin müde. Ich lege mich schlafen.“ Wir sind alle müde, also schließen wir uns an. Eigentlich wollte ich die anderen noch fragen, was sie gemacht haben während ich weg war, aber das kann ich auch morgen noch machen.

    - Thea's Sicht -

    Wir sind noch immer in diesem vermaledeiten Wald gefangen. Ja, gefangen trifft es mittlerweile ziemlich gut. Wir haben uns komplett verirrt und wir wissen nicht einmal, ob wir im Kreis laufen oder nicht, da alles genau gleich aussieht. Zu allem Überfluss dämmert es jetzt auch noch und Nebel breitet sich vor unseren Augen aus. Und es wird kalt. Innerhalb weniger Minuten sind wir durchgefroren. Blau holt irgendwann Arkani raus und lässt sich von ihm wärmen. Ansonsten ist er uns keine große Hilfe. Durch den Nebel und das immer weniger werdende Licht wirkt der Wald äußerst unheimlich. Die seltsamen Geräusche, die ab und zu ertönen, machen das Ganze auch nicht besser. Wir müssen Lucas zu Blau auf Arkani setzen, damit er aufhört zu weinen. Nemaja und ich fühlen uns auch nicht sonderlich wohl, aber wir sind zu stolz, um unsere Angst zuzugeben. Irgendwann fangen Nemajas Haare an zu leuchten. Scheinbar ist das eine Bubungus-Fähigkeit. Von Alola-Pokémon habe ich keine Ahnung, deshalb bin ich auch bei Alola-Rainbowheart ratlos. Jedenfalls übernimmt Nemaja die Führung und wir folgen dem Licht ihrer Haare. So laufen wir nicht mehr Gefahr, uns zu verlieren. Doch kurz darauf erscheint ein neues Problem. Wir beginnen, Stimmen zu hören. “HiEr hEr... kOmMT, WIR wERdeN eUcH dEN WEg wEiSen...“ Natürlich ignorieren wir die Stimmen. Ich meine, wer folgt irgendwelchen fremden Stimmen, die wahrscheinlich sowieso nur Hirngespinste sind? Doch irgendwie scheinen wir die Stimmen wütend zu machen. “nIcHT dA LaNG! DoRt lAuFt iHr diReKt iN EueR VeRdErbEN! VeRLaSsT dEn WeG... sUcHT eiNeN nEUeN PfAd... SOFORT!“ Das 'SOFORT' rufen die Stimmen alle im Einklang und ihr Wispern wird zu einem Brüllen. Doch wir verlassen den Weg nicht. Im Gegenteil, jetzt achten wir genau darauf, den Weg nicht zu verlassen. Plötzlich erscheint die geisterhafte Gestalt eines Jungen von geschätzt 13 Jahren vor uns. Seine Stimme klingt leise und dumpf, als wäre sie weit weg. “Hört auf die Waldgeister. Ihr bringt euch nur in Gefahr, wenn ihr dem Weg folgt.“ “Prinz Sol!“, ruft Lucas überrascht und versucht zu ihm zu rennen, doch Blau hält ihn zurück. “Bleib hier Lucas, das könnte ein Trick sein.“ Prinz Sol schüttelt den Kopf. “Das ist kein Trick. Ich versuche, euch zu warnen. Verlasst diesen Weg augenblicklich, sonst fallt ihr dem Feind direkt in die Hände.“ Wie von einem Windstoß getroffen verschwindet Prinz Sol. Ratlos sehen wir uns an. Nur Lucas scheint genau zu wissen, was er tun will. “Wir müssen vom Weg runter!“ Blau schüttelt den Kopf. “Damit wir uns noch mehr verirren? Wenn wir den einzigen Anhaltspunkt verlassen, den wir haben, sind wir verloren.“ Nemaja sagt gar nichts. Was mich angeht, ich bin kurz davor, die Nerven zu verlieren. Das alles ist mir einfach zu viel. “Thea, du stehst unter Strom“, warnt Nemaja mich. Ich sehe auf meine Hände. Sie hat recht. Strom funkt zwischen meinen Fingern. Ich balle meine Hände zu Fäusten, doch das macht es nur noch schlimmer. Während ich versuche, mich zu entspannen, diskutieren die anderen darüber, was wir jetzt machen. Schließlich kommen sie zu dem Ergebnis, dass wir weiter dem Weg folgen. Ich laufe den anderen hinterher, habe mich aber noch immer nicht vollständig unter Kontrolle. Bei jedem plötzlichen Geräusch zucke ich zusammen und sende Strom aus. Ich gebe mir zwar große Mühe, keinen meiner Reisegefährten zu treffen, doch das ist gar nicht so einfach. So kommt es, dass ich einmal versehentlich Blau paralysiere und wir für ein paar Minuten halt machen müssen. Glücklicherweise ist das der einzige Vorfall. Kurz darauf verlassen wir endlich den Wald. Mittlerweile ist es Mitternacht. Das sieht man am Stand des Mondes. Zum Glück gibt es hier keinen Nebel und es ist etwas wärmer. Ich schaffe es endlich, mich zu beruhigen. Blau steigt von Arkani ab und ruft ihn zurück. Dann dreht er sich zu Lucas um. “Siehst du, wir haben alles richtig gema-“ Plötzlich ist er verschwunden. Kein Geräusch, kein Schrei, nichts. In der Ferne sehe ich einen Schatten. Schnell drehe ich mich zu Nemaja um. “Nimm Lucas und renn so schnell du kannst!“ Nemaja bekommt keine Chance zu antworten, denn kaum habe ich den Satz ausgesprochen, ist auch sie verschwunden. Lucas hat sich inzwischen getarnt und das kommt mir ganz gelegen. Ich tarne mich ebenfalls, packe Lucas und renne los. Doch ich komme nicht weit. Ich weiß nicht einmal, wer mich angreift und womit. Plötzlich ist einfach alles schwarz. Ich werde ohnmächtig. Mal wieder.

    - Shay's Sicht -

    Es ist mitten in der Nacht, als ich aufwache. Ich habe ein sehr mulmiges Gefühl. Leise stehe ich auf und verlasse das Iglu. Das Lagerfeuer besteht nur noch aus glühenden Kohlen. Das ist mir nur recht. Es muss nicht jeder sehen, dass ich mich hier herumtreibe. Sonst werden mir nur jede Menge dummer Fragen gestellt. Darauf habe ich keine Lust. Ich verlasse das Iglu-Dorf und tarne mich nach Ewigkeiten mal wieder. Einfach so, weil mir danach ist. Eine Weile liege ich einfach im Schnee und betrachte die Sterne. Doch das wird mir schnell zu langweilig. Ich stehe auf und beginne, im Schnee zu toben. An einigen Stellen ist er so tief, dass ich komplett darin versinke. Irgendwann wechsel ich andauernd zwischen Tarnung und wahrer Gestalt hin und her. Das Toben wird nach und nach zu einem Tanz. Kein professioneller Tanz natürlich, das habe ich nie gelernt. Das stört mich aber auch nicht. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, dass es Spaß macht, nach Regeln zu tanzen. Nach gefühlt zehn Minuten, könnte auch länger gewesen sein, lasse ich mich erschöpft in den Schnee fallen. Ich habe soeben in kürzester Zeit meine gesamte Energie verbraucht und ich bereue es kein bisschen. Wann ist das das letzte mal passiert? Bevor ich in meinen Erinnerungen versinke, macht ein Psiaugon in ein paar Metern Entfernung mit einem Räuspern auf sich aufmerksam. Erschrocken drehe ich mich zu ihm. “Onyx?“, frage ich vorsichtig. Das Psiaugon nickt und gibt seine Tarnung auf. “Ich habe dich verschwinden sehen und bin dir gefolgt. Ich wollte wissen, warum du wieder das Dorf verlässt, aber das...“ Onyx schüttelt den Kopf. “Das hätte ich am allerwenigsten erwartet.“ “Du hättest einfach fragen können“, erwidere ich ein wenig trotzig, um meine Verlegenheit zu verbergen. Onyx zuckt mit den Schultern. “Hättest du ehrlich geantwortet? Ich meine, wir kennen uns nun wirklich noch nicht lange.“ Dagegen kann ich nichts sagen. Unrecht hat er nämlich nicht. “Na siehst du“, sagt Onyx, als hätte er meine Gedanken gelesen. Mein Schweigen war ihm wohl Antwort genug. Er setzt sich neben mich in den Schnee und sieht zu den Sternen. “Wo hast du gelernt, so zu tanzen?“, fragt er, ohne mich anzusehen. Ich schlinge meine Arme um meine Knie. “Das kann man nicht lernen. Man muss einfach nur Spaß haben. Mam... meine Mutter hat mir das immer gesagt. Onyx lacht. “Du kannst ruhig Mama sagen, das ist doch nichts ungewöhnliches.“ Ich will widersprechen, doch es ist das erste mal, dass ich Onyx lachen gehört habe. Ich weiß, das ist ein seltsamer Grund dafür, nichts zu sagen. Onyx hat genug vom Sterne Ansehen und sieht stattdessen mich an. “Jetzt mal ehrlich, was hat dich nach draußen getrieben?“ Ich seufze und lege meinen Kopf auf meine Knie. “Ich weiß es nicht. Ich hatte einfach ein seltsames Gefühl.“ “Heimweh?“, rät Onyx. Ich schüttel den Kopf. “Ich bin froh, dass ich meine Heimat verlassen habe. War ziemlich nervig, jahrelang am selben Ort zu sein und nie etwas anderes zu sehen. “ “Was hat dich davon abgehalten, deine Heimat zu verlassen?“, fragt Onyx vorsichtig. Ich seufze. “Meine Schwester, Thea. Wir sind zwar gleich alt, aber sie war immer die Schnellere und Stärkere von uns. Besonders die Schnellere. Sie ist ein Blitza, weißt du?“ Onyx' Gesichtsausdruck wechselt von besorgt zu überrascht. “Ein Blitza namens Thea?“ Ich nicke. “Ja. Naja, das ist eigentlich ihr Spitzname, aber ich nenne sie immer so. Wieso?“ Onyx steht auf. “Ich denke, ich sollte dir etwas erzählen.“

    - Erzählersicht -

    Währenddessen an einem unbekannten Ort...

    “Das hat aber lange gedauert.“ Eine Gruppe dunkler Pokémon kniet vor einer Jägerin nieder. “Verzeihung, Meisterin“, erwidert ihr Anführer, ein komplett schwarzes Psiana. “Die Beute hat lange gebraucht, um aus dem Wald zu kommen. Ist die andere Truppe schon zurück?“ Die Jägerin nickt. “Wir sollten jetzt alle Anderweltler haben. Wurde auch langsam Zeit. Das war meiner Meinung nach viel zu viel Aufwand, vor allem die Felsbrocken im Fluss. Und dann musste uns ja auch noch die M.P.O. dazwischenfunken. Aber nun lasst uns beginnen.“ Die Jägerin betrachtet einen Kristall an ihrem Dolch. “Jede Sekunde...“ Sie wartet mehrere Minuten, doch es passiert nichts. Entgeistert starrt die Jägerin den Kristall an. “Was? Wie kann das sein? Wir haben alle!“ “Äh... v-vielleicht gibt es doch noch eins...“, meldet sich ein dunkelblaues Dartiri zu Wort. “Welches denn bitte? Kennst du noch eins, das hier sein könnte?“, fragt die Jägerin ungeduldig. Das Dartiri fiept eingeschüchtert. “Das Blitza ist doch Aquamarins Tochter, richtig?“ Die Jägerin nickt. “Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass sie Zwillinge hatte. Sarathea und Shayla. Wer wer ist, weiß ich nicht, damals waren sie noch Evolis...“ “Also gut“, knurrt die Jägerin. “Dann prüfen wir mal, wer uns fehlt... Shayla oder Sarathea.“

    28
    Kapitel 26
    Gefangene und Gesuchte


    - Thea's Sicht -

    Als ich aufwache, höre ich zuerst meinen röchelnden Atem. Meine Rippen brennen vor Schmerz. Wer auch immer mich verschleppt hat, ist ziemlich grob mit mir umgegangen. Ich rappel mich auf und sehe mich um. Ich befinde mich in einer Art Glascontainer oder Terrarium. Der Boden ist mit Moos ausgelegt und in der Decke befinden sich ein paar Löcher, damit ich atmen kann. Das beruhigt mich ein wenig. Wenn ich Luft bekommen soll, muss ich offenbar am Leben erhalten werden. Zumindest für's erste. Nur wozu? Übrigens ist der Raum, in dem ich mich befinde, stockfinster, nur mein, Container aka Terrarium ist beleuchtet. “Hallo?“, rufe ich in die Dunkelheit. Eine Antwort bekomme ich nicht, doch kurz darauf erscheint ein Pokémon im schwachen Licht. Ich brauche eine ganze Weile, um das Pokémon zu erkennen. Es ist ein Hundemon, doch die Hörner fehlen und es ist schwarz und dunkelviolett. Das Hundemon setzt sich vor den Container und beobachtet mich. Verunsichert gehe ich ein paar Schritte zurück. Da tritt eine zweite Gestalt dazu, doch diese ist in einen dunklen Mantel gehüllt. Sie beugt sich zum Hundemon runter und flüstert ihm etwas zu. Das Hundemon knurrt leise, steht auf und verschwindet in der Dunkelheit. Die zweite Gestalt bleibt stehen. Vorsichtig trete ich näher an die Wand heran. “Bist du Yara?“, frage ich mit einem leicht giftigem Unterton. Die Gestalt antwortet nicht, doch sie sieht äußerst menschlich aus. Natürlich könnte es auch ein Galagladi oder etwas ähnliches sein. Jedenfalls mustert die Gestalt mich eindringlich, was ich nicht gerade angenehm finde. Ich verschränke die Arme. “Was ist? Hab ich was im Gesicht?“ Die Gestalt dreht sich um und geht wieder. Mit einem leisen Seufzer setze ich mich. Vielleicht hat die Person gerade überlegt, wie sie mich am besten umbringen kann oder so. Eine Weile passiert nichts. Also wirklich gar nichts. Man sieht nichts, man hört nichts... Ich überlege gerade, ob sie mich zu Tode langweilen wollen, als eine neue Person auftaucht. Eine sehr bekannte Person. “Yara!“, zische ich wütend. Yara lächelt kalt. Neben ihr erscheint, in Ketten gelegt, ein Flamara. Und so, wie Yara mich ansieht, kann es nur ein Flamara sein. “Shay! Lass sie in Ruhe, du...“ Mir fällt spontan kein passendes Schimpfwort ein, also belasse ich es dabei. Yara lächelt nur noch finsterer und verschwindet mit Shay wieder in der Dunkelheit. Ich bin zu wütend und verzweifelt um mich zu wundern, warum bisher niemand etwas zu mir gesagt hat. Unruhig wandere ich im Käfig auf und ab. Glascontainer finde ich langsam untertrieben. Übrigens, falls ihr euch fragt warum ich nicht versuche das Glas zu zerbrechen... 1. ist es sehr dick, 2. selbst wenn ich es zerbrechen könnte, würde ich mich stark an den Splittern verletzen und wäre leichte Beute. Langsam geht mir das alles tierisch auf die Nerven. Ich fange an, jeden Quadratzentimeter des Käfigs genau zu untersuchen. Das kostet mich nur einige Stunden. Wie viel genau, kann ich nicht sagen. Das Licht hier drin ist die ganze Zeit gleich. Nachdem ich alles abgesucht habe, bin ich genauso schlau wie vorher. Mit anderen Worten, es hat mir gar nichts gebracht. Dumm sind Yara und ihre Mannschaft nicht. Leider. Vielleicht wäre das alles nicht passiert, wenn Shay und ich im Wald geblieben wären. Wenn wir die kurzen Ausflüge in die Stadt gar nicht erst gewagt hätten. Aber... wenn wir geblieben wären... hätte Yara uns wahrscheinlich trotzdem irgendwann gefunden. Wenn sie wirklich Rainbowheart jagen, geben sie garantiert nicht einfach auf. Ich langweile euch mit meinen Gedanken, nicht wahr? Leider fällt mir im Moment nichts besseres ein. Ich sitze hier fest. Das einzige, was ich machen kann ist, einen günstigen Moment abzuwarten. Hoffentlich geht es den anderen gut... und hoffentlich... hat Shay noch ein bisschen Zeit.

    - Shay's Sicht -

    Der Himmel färbt sich am Horizont schon langsam violett, als Onyx mit erzählen fertig ist. Er hat mir erzählt, wie er meine Schwester getroffen hat, wer sie begleitete und wie sie aussahen. Im Bezug dazu erklärte er mir, welche Position Helia hat. Sie ist sowas wie eine Wächterin, die dafür sorgt, dass zwischen den Reichen immer Frieden herrscht. All diese Informationen zu verarbeiten, ist ziemlich schwierig, vor allem, weil ich langsam müde werde. Aber eine Sache interessiert mich noch. “Sie war also wirklich mit einem Menschen unterwegs?“ Onyx nickt. “Ja, das war ein Mensch. Kein Zweifel.“ Erst habe ich mich gefreut, von meiner Schwester zu hören, aber jetzt... “Shay, alles okay? Du siehst irgendwie... düster aus.“ Ich schüttel den Kopf. “Tut mir leid, Onyx, es ist nur... Meine Schwester hat mir immer jeglichen Kontakt mit den Menschen verboten. Aber sie läuft jetzt mit dem berühmtesten Menschen unserer Welt herum! Muss ich das verstehen?“ “Nun ja“, erwidert Onyx vorsichtig. “Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen.“ Ich will etwas erwidern, doch mir fällt nichts passendes ein. Stattdessen gähne ich herzhaft. “Ich gehe jetzt schlafen, bevor die Sonne ganz aufgeht.“ Onyx nickt. “Gute Idee.“ Zusammen schleichen wir uns zurück ins Iglu und legen uns in unsere Ecken. Ich schlafe innerhalb von Sekunden ein.

    Als ich aufwache kommt es mir vor, als hätte ich seit dem Gespräch mit Onyx nicht mehr geschlafen. Ich muss aber geschlafen haben, denn draußen ist es jetzt vollkommen hell. Das Iglu ist schon wieder leer. Ich stehe auf und gehe nach draußen. Die anderen warten schon auf mich. Wir verabschieden uns von den Wächtern und gehen los. Noel meinte, wir sollten nach Osten gehen, also folgen wir der aufgehenden Sonne. Das können wir aber nicht lange, also müssen wir sehr aufpassen, dass wir nicht vom Kurs abkommen. Bis zum Mittag geht alles gut. Doch dann gelangen wir zu einer Bergkette und müssen wegen Lawinengefahr einen Umweg machen. Ab da verlaufen wir uns vollkommen. Das Problem ist nämlich, dass außer den Bergen alles weiß ist. Es gibt keinerlei Auffälligkeiten, die man wiedererkennen könnte. Ich beginne irgendwann, eine Spur aus Schnee zu schmelzen. Ab da geht es ein bisschen besser. Bis wir feststellen, dass wir in die falsche Richtung laufen. Plötzlich fliegt über uns ein Schatten. Der Schatten setzt zur Landung an und wir springen erschrocken zur Seite. “YVELTAL!“, kreischt Nox panisch. Lilly zittert und auch Onyx scheint mit dem Verlangen zu kämpfen, wegzurennen. Nur Luna und ich bleiben ruhig. Das Yveltal landet und nimmt die Gestalt eines Mädchens an. “Yvie!“ Überrascht aber freudig falle ich ihr in den Arm. Yvie erwidert kurz. “Hey Shay, schön dich zu sehen. Ich habe schlechte Neuigkeiten.“ Besorgt sehe ich sie an. “Geht es um Sky?“ Yvie schüttelt den Kopf. “Es geht um dich. Mir ist zu Ohren gekommen, dass du gesucht wirst. Von einer gewissen Yara. Also richtig gesucht, mit Plakaten, Belohnung und allem. Ihr scheint es richtig ernst zu sein. Wer dich versteckt, wird schwer bestraft.“ Yvies Blick schweift zu den anderen, dann sieht sie wieder mich an. “Deshalb solltest du Städte unbedingt meiden. Yara hat im Herbst-Königreich das Schloss und die darunter liegende Stadt zerstört und den Rainbowheart ordentlich Angst eingejagt. Ich glaube nicht, dass irgendjemand sich ihr jetzt noch widersetzt.“ Ich hasse mein Leben. Nox hat sich mittlerweile beruhigt und ist jetzt mehr verwirrt als alles andere. “Moment mal, woher kennt ihr euch?“ Yvie mustert Nox eindringlich. “Sagen wir einfach mal, dass Shay mir das Leben gerettet hat.“ Sie sieht zu Onyx. “Was ist? Starr mich nicht so an.“ Onyx weicht zurück. “T-tut mir leid...“ Yvie seufzt. Scheinbar ist es nicht das erste mal, dass jemand so ängstlich reagiert. Luna geht auf Yvie zu und hält ihr die Hand hin. “Ich bin Luna, freut mich.“ Yvie schüttelt ihre Hand. “Die Freude ist ganz meinerseits. Du bist also Prinzessin Luna. Vielleicht solltest du Städte ab jetzt auch meiden. Es ist nirgends mehr sicher, da können die Wächter die Grenze bewachen so viel sie wollen.“ Entsetzt sehe ich sie an. “Soll das heißen, wir müssen hier in der Eiswüste bleiben?“ Yvie überlegt, schüttelt dann aber den Kopf. “Es gäbe noch eine Stadt, aber... um dort hinzukommen, müssen wir jemand ganz Besonderen um Hilfe bitten.“ “Und wer wäre das?“, fragt Lilly hoffnungsvoll. Yvie sieht in die Ferne. “... Arceus Sohn.“

    - Thea's Sicht -

    Ich bin todmüde, doch ich wage es nicht, die Augen zu schließen. Es könnte jederzeit jemand kommen. Diesen Satz sage ich mir schon seit Stunden. Den Rest der Zeit habe ich damit verbracht, nachzudenken. (Fragt nicht, das war ziemlich verrückt.) Langsam beginne ich, hungrig und durstig zu werden, was bedeutet, dass es mindestens Mittag sein müsste. Frühstück gab es bei Shay und mir nur selten. Und nur wenn im Wald viel wuchs. Nun ja, jedenfalls sitze ich jetzt hier, hungrig, durstig und müde, frage mich unter anderem, wie es meiner Schwester ergeht und wann ich hier rausgeholt werde. Die Zeit vergeht und nichts passiert, außer, dass ich immer verzweifelter werde. Ich stehe auf und beginne, mich gegen die Wand zu werfen. Das hat zwar keine Wirkung, aber so kann ich zumindest ein bisschen Frust loswerden. Leider werde ich davon auch schwächer. Also noch schwächer als sowieso schon. Plötzlich höre ich Schritte. Schnell entferne ich mich von der Wand, lege mich hin und schließe die Augen. Das bringt mich in die große Versuchung, einzuschlafen, doch ich wehre mich dagegen. Ich höre, wie etwas das Glas durchschneidet und die Schritte näher kommen. Dann werde ich hochgehoben und weggetragen. Ich wage es nicht, die Augen zu öffnen, doch ich kann hören, wie sich die Geräuschkulisse verändert. Wir bewegen uns durch eine Halle, kommen dann in langen einen Flur, gehen eine Treppe runter und gelangen dann nach draußen. Moment, nach draußen? Überrascht öffne ich die Augen. Es ist Jonas! Was macht er hier? Sind diese komischen M.P.O.-Leute auch hier? “Oh, du bist wach.“ Jonas hat bemerkt, dass ich die Augen offen habe und setzt mich ab. “Ich hoffe, du bist mir nicht böse.“ Seltsamerweise nicht. Ich bin sogar erleichtert. An diesem Punkt bin ich mir sicher, dass ich in dem blöden Glaskasten meinen Verstand verloren habe. Ich schweige. Jonas seufzt. “Wenn meine Augen dir Angst gemacht haben, tut es mir leid. Aber ich kann nichts gegen meine Blindheit machen.“ Äh... was? Meine Verwirrung ist mir wohl ins Gesicht geschrieben, denn auch Jonas hat jetzt einen verwirrten Gesichtsausdruck. “Du hast... keine Angst vor mir?“ Ich schüttel den Kopf. “Wie kommst du darauf?“ Jonas senkt den Kopf. “Naja... Ich habe dich mit Blau wegfliegen sehen. Blau ist bei den Menschen auch nicht ganz unbekannt, aber ich glaube nicht, dass du davon weißt. Also dachte ich, dass du nichts gegen Menschen, sondern nur gegen mich persönlich etwas hast. Ich konnte mir nur nicht vorstellen, dass du immer noch böse wegen der Sache mit Shay warst... zumindest nicht soo böse.“ Ich beginne nachzudenken. Er hat recht. Ich weiß gar nicht, warum ich immer noch wütend auf ihn bin. Gibt es überhaupt noch einen Grund? So sehr ich auch nachdenke, mir fällt nichts ein. Da kommt mir eine Erklärung für mein Verhalten in den Sinn. Beschämt sehe ich Jonas an. “Es tut mir leid... Ich denke, ich war so gewöhnt daran, wütend auf dich zu sein, dass ich von diesem Verhalten nicht mehr abgelassen habe, obwohl längst Gras drüber gewachsen ist. Das war unfair von mir. Du hättest eine zweite Chance verdient gehabt.“ Diese Antwort hat Jonas offensichtlich nicht erwartet, denn er ist sprachlos. Im selben Moment kommt ein Blubella-Rainbowheart raus. “Jonas, ich soll das Aufpassen übernehmen. Hilf du bitte, die anderen zu befreien.“ Jonas nickt etwas widerwillig und läuft rein.

    - Erzählersicht -

    Die Jägerin läuft unruhig hin und her. “Das darf nicht sein! Warum mischt sich die M.P.O. nur immer ein? Verstehen sie nicht, dass die Außenweltler hier bleiben müssen, damit sie vor Yara sicher sind?“ Die Gestalt der Jägerin wechselt zu einer jungen Frau mit rot-schwarzem Haar, das zu einem lockeren Zopf geflochten ist. Ihre blauen Augen leuchten regelrecht. “Ich kann nicht viel unternehmen... Aber ich werde Sarathea zurückholen! Und auch Shayla werde ich finden.“ Der Blick der Frau wandert zu einem Bild von ihr und einem Aquana-Rainbowheart. “Das bin ich dir schuldig... Aquamarin...“

    29
    Kapitel 27
    Ein Sohn des Arceus?


    - Shay's Sicht -

    Seid ihr schon mal auf einem Yveltal geflogen? Dagegen kommt ein Dragoran nicht an. Das muss selbst Lilly zugeben. Zum einen sind Yveltal weicher. Zum anderen sind sie um einiges größer und haben Platz für mehr Leute. Luna wollte eigentlich selbst fliegen, aber wir hielten das für zu riskant. Ein Yveltal allein erregt schon Aufmerksamkeit. Ein Yveltal und ein Lunaala wäre so etwas wie ein Leuchtfeuer für Yara. Das brauchen wir nicht, wir haben so schon genug Probleme. Immerhin gelangen wir schnell von einem Ort zum anderen. Innerhalb von wenigen Stunden haben wir den Zielort erreicht: Ein großes Baumhaus im Frühlings-Königreich. “Der Sohn eines Gottes lebt in einem Baumhaus?“, fragt Onyx skeptisch. Ich kann Yvies Gesicht nicht sehen, aber ich wette, dass sie mit den Augen rollt. “Wo soll er denn sonst leben? In einem riesigen Tempel, wo ihn jeder sofort finden kann?“ Onyx senkt den Kopf. “Naja, wenn du es so sagst...“ Yvie setzt zur Landung an, doch dann wird sie von einer Art Kraftfeld zurückgeworfen. Durch die Wucht fallen wir von ihrem Rücken. Schnell fängt Yvie uns wieder auf. “Was war das?“, fragt Nox aufgebracht. Yvie schnaubt belustigt. “Offenbar ist er immer noch beleidigt.“ Verwirrt starre ich auf das Baumhaus. “Beleidigt? Weshalb?“ “Lange Geschichte“, erwidert Yvie und landet. Sie lässt uns absteigen und enttarnt sich. “Kiron, ich bins!“ Keine Reaktion. “Kiron“, versucht Yvie es noch einmal lauter. “Ich bin es, Yvie. Ich habe ein paar Freunde mitgebracht. Lass uns rein!“ “Geh weg, Yvie!“, kommt es schlecht gelaunt zurück. Yvie seufzt. “Meine Güte, es tut mir leid! Ich habe versucht, es zurückzuholen! Wenn mich dieses blöde Monsterheart nicht erwischt hätte, hättest du es längst wieder.“ Das Kraftfeld verschwindet und plötzlich steht ein junger Mann von grob geschätzt 20 Jahren vor uns. Seine weißen Haare wehen, obwohl es kaum windig ist. Seine roten Augen mustern Yvie. Er sieht besorgt aus. “Von einem Monsterheart gebissen? Wer hat dich geheilt?“ Etwas schüchtern hebe ich die Hand. Das beruhigt Arceus' Sohn nicht gerade. Vorsichtig untersucht er Yvies Hals. Yvie stößt ihn weg. “Mir geht es gut, Kiron, mach dich nicht verrückt.“ Kiron versucht zu widersprechen, doch Yvie hält ihm den Mund zu. “Hör zu, erstens ist Shay eine fantastische Heilerin, zweitens haben wir ganz andere Probleme. Sagt dir der Name Yara was?“ Kiron nickt düster. Yvie seufzt erleichtert. “Gut, das erspart mir einige Erklärungen. Yara sucht nach Shay und natürlich auch nach Prinzessin Luna.“ Kiron befreit sich von Yvies Hand. “Warum sucht sie nach dem Flamara?“ “Persönliche Gründe“, beantworte ich die Frage für Yvie. Ich fühle mich ein wenig angegriffen, weil er mich nicht bei meinem Namen nennt. Das konnte man wahrscheinlich raushören, denn Kiron hebt beschwichtigend die Hände. “Schon gut, ich frag nicht weiter nach.“ Er wendet sich an die anderen. “Na dann kommt rein. Wenn Yvie euch vertraut, vertraue ich euch auch.“ Die anderen gehen rein und ich will folgen, doch Kiron stellt sich mir in den Weg. “Hast du irgendwem von Sky erzählt?“ Ich schüttel langsam den Kopf. “Nein, wieso?“ Kiron runzelt die Stirn. “Hm... du scheinst die Wahrheit zu sagen...“ “Wieso?“, wiederhole ich leicht genervt. Doch Kiron denkt gar nicht daran, mir zu antworten. Er dreht sich um und geht rein. Ich folge ihm. Irgendwie habe ich mir Arceus' Sohn freundlicher vorgestellt. Hinter mir schließt sich das Kraftfeld wieder. Wir klettern zum Baumhaus hoch, ohne Leiter, ohne Stufen. Dann betreten wir die kleine Hütte. Die anderen sitzen schon um einen runden Tisch. Kiron setzt sich dazu. Ich muss auf dem Boden sitzen, weil kein Stuhl mehr frei ist. “Also“, bricht Kiron schließlich das unangenehme Schweigen. “Wie lange wollt ihr hier bleiben?“ “Solange, bis wir eine Möglichkeit gefunden haben, unter Wasser zu atmen“, erwidert Yvie. Schockiert sehen wir alle zu ihr. Kiron ist plötzlich sehr bleich im Gesicht. “Ihr wollt doch nicht etwa...“ Yvie nickt. “Ich werde Luna und ihre Freunde in das verschollene Königreich führen.“

    - Thea's Sicht -

    Entweder hat das Blubella-Rainbowheart mich einschlafen lassen oder ich habe meinen ganzen verpassten Schlaf nachgeholt. Jedenfalls sind wir wieder im Hauptquartier der M.P.O. als ich aufwache, und zwar mit Nemaja, Blau und Lucas. Riala hat Blau schon bearbeitet, Lucas hingegen bleibt lieber bei Nemaja und ist still. Es ärgert mich, dass wir praktisch wieder von Null anfangen müssen. Ich mag diesen Ort nicht. Wahrscheinlich merkt man mir das an, denn die meisten M.P.O.-Mitglieder gehen mir aus dem Weg. Nach einiger Überwindung frage ich Riala nach Yena, Ayur und Kyle, doch sie meint nur, dass die drei gerade auf einer Mission sind. Schön für sie. Der Anführer der M.P.O., Blades, fragt uns nach Informationen, doch etwas wirklich Nützliches können wir ihm nicht erzählen. Wir können nur sagen, dass zu uns allen einmal Yara gekommen ist. (Blau hat sie allerdings zum ersten mal gesehen, deshalb hat er sie einfach beschrieben.) Immerhin gibt es danach etwas zu essen. Offenbar bin ich nicht die einzige, die halb am Verhungern ist. Ich habe Nemaja noch nie so schlingen sehen. Danach passiert die nächsten Stunden nichts Erwähnenswertes. Nemaja, Blau und Lucas werden herumgeführt, während ich in meiner alten Unterkunft sitze und mich langweile. Irgendwann kommt Jonas rein und setzt sich neben mich. “Langeweile?“ Ich nicke. “Hau deswegen aber bitte nicht wieder ab.“ Ich schüttel den Kopf. Jonas seufzt. “Musst du mich jetzt wieder die ganze Zeit anschweigen?“ Ich sehe ihn an. “Was soll ich denn sagen?“ Jonas überlegt kurz. “Hm... naja, ein einfaches 'Ja' oder 'Nein' würde reichen.“ “Okay.“ Ich sehe zu Boden. Macht so ein kurzes Wort wie 'Ja' oder 'Nein' wirklich einen Unterschied? Plötzlich fühle ich eine Hand an meinem Ohr. Empört lege ich meine Ohren an. “He!“ Jonas zieht den Kopf ein. “Tut mir leid... Ich konnte nicht widerstehen. Deine Ohren sehen sooo weich aus...“ “Das ist keine Entschuldigung! Du hättest wenigstens fragen können“, belehre ich ihn wütend. Jonas schweigt beschämt. Ich stehe auf und verlasse schnaubend den Raum. Auf einem der gefühlt tausend Flure begegnet mir Riala. Na super. Sie lächelt zuckersüß. “Ich weiß, dass du mich nicht leiden kannst, aber wie wär's, wenn du mal ein bisschen freundlicher guckst?“ Ich lächel schief. Riala seufzt. “Naja, es ist jedenfalls ein Ansatz. Ayur, Kyle und Yena sind zurück. Du findest sie im Gemeinschaftsraum.“ Mit einem weiteren Lächeln geht sie an mir vorbei. Sie weiß genau, wie schlecht ich mich hier drin orientieren kann. Es dauert eine ganze Weile, bis ich den Gemeinschaftsraum finde. Als ich endlich ankomme, wollen die drei gerade gehen. Yena begrüßt mich freudig. “Hey, Thea! Da bist du ja! Wie geht's dir?“ Etwas irritiert sehe ich sie an. “Ähm... gut, denke ich?“ Das war total gelogen, aber wenn ich etwas anderes sagen würde, würde sie nur Fragen stellen. Darauf habe ich im Moment gar keine Lust. Schnell wechsel ich das Thema. “Wie war eure Mission?“ Yena seufzt. “Es war mehr Strafarbeit als eine Mission. Wir sollten Essen besorgen und Informationen beschaffen. Was wichtiges herausgefunden haben wir nicht gerade... aber wenn du wissen in allen Einzelheiten wissen willst, wie man ein lebensgroßes Origami-Giratina bastelt, kann ich dir jederzeit behilflich sein.“ Sie gähnt demonstrativ. Mein Blick wandert zu Kyle, der Yena die ganze Zeit ansieht. Als er meinen Blick bemerkt, dreht er schnell den Kopf weg. Ich rolle mit den Augen und wende mich wieder Yena zu. “Wenn ihr auf eine neue Mission geht, nehmt ihr mich dann mit?“ Yena nickt. “Natürlich. Aber jetzt brauchen wir erstmal ein bisschen Schlaf. Außerdem wollen Ayur und Kyle unbedingt Nemaja begrüßen.“ Ich sehe sie überrascht an. “Ihr wisst schon, wer alles hier ist?“ Yena nickt. “Wir wurden informiert, während wir unterwegs waren.“ Sie will gehen, doch im Türrahmen dreht sie sich noch einmal um. “Ach, Thea? Wenn dir langweilig ist, such mal auf der großen Karte nach dem Himmelsschloss und sieh nach, welches der kürzeste Weg dorthin ist.“ Mit diesen Worten verlässt Yena entgültig den Raum und die Jungs folgen ihr. Etwas verwirrt sehe ich ihr hinterher. Was will sie bloß im Himmelsschloss?

    - Shay's Sicht -

    Wenn ich herausfinden könnte, was Kiron gegen mich hat, würde es mir zumindest etwas besser gehen. Wir suchen seit Stunden ein Buch über Pflanzen mit besonderen Wirkungen. Ich tappe dabei immer wieder in kleine Fallen. Ich glaube kaum, dass Kiron die extra für mich gebastelt hat, aber er lockt mich auf jeden Fall in jede einzelne hinein. Um nicht unhöflich zu wirken, komme ich seinen Bitten nach und versuche einfach, die Fallen vorher zu entdecken. Trotzdem löse ich eine nach der anderen aus. Der Junge hatte wirklich zu viel Freizeit. Nach einem Bad in Eiswasser habe ich schließlich die Nase voll. Wütend drehe ich mich zu Kiron um, der sich ganz offensichtlich gerade das Lachen verkneift. “Was habe ich dir eigentlich getan?“ Kiron hört auf zu grinsen und geht weg. Tolle Antwort. Ich seufze und suche weiter. Lilly kommt zu mir. “Mach dir nichts draus. Das kriegt er irgendwann zurück.“ Ich setze ein Lächeln auf. Lilly ist zwar vier Jahre jünger als ich, aber irgendwie wirkt sie meistens fast schon erwachsen. Vielleicht kommt mir das jetzt auch nur erwachsen vor, weil mein Vater früher häufig etwas ähnliches gesagt hat. “Hey Leute!“, ruft Luna plötzlich. “Ich hab es gefunden!“ Sie zeigt uns stolz ein dickes Buch und legt es dann auf den Tisch. Kiron schlägt es auf und sucht nach der passenden Seite. Er hat als Einziger von uns eine Idee, nach was wir suchen. Während er sucht, nutze ich den ruhigen Moment, um mich noch einmal in aller Ruhe umzusehen. Die Hütte ist jetzt ziemlich chaotisch, aber es sieht irgendwie gar nicht schlecht aus. Mein Blick fällt auf ein verstaubtes Bild. Es zeigt Kiron als kleines Kind, Arceus und eine hübsche Frau, wahrscheinlich Kirons Mutter. Vorsichtig puste ich den Staub vom Bild und betrachte es. Ich kann nicht erkennen, was die Frau für ein Rainbowheart ist. Sie hat lange, glatte schwarze Haare, blassgrüne Augen und sonnengebräunte Haut. “Pfoten weg! Das ist privat!“ Kiron hat mich bemerkt. “Tut mir leid“, erwidere ich knapp und lege das Bild weg. Kiron schnaubt nur und liest in dem Buch. Ab und zu flüstert er mit Yvie. Schließlich schlägt er das Buch zu und Yvie steht auf. “Also Leute, wir wissen jetzt wonach wir suchen. Das Aqua Spirare, ein Kraut mit winzigen weiß-gelblichen Blüten und sehr dunklen Blättern. Dieses Kraut lässt uns für unbegrenzte Zeit unter Wasser atmen. Der einzige Haken: Wir können dann keine Luft mehr atmen. Um wieder an der Luft atmen zu können, bräuchten wir aus dem Meer das Gegenmittel, Iterum Anima, eine Blume mit türkis leuchtenden Blüten. Seid ihr trotzdem noch dazu bereit, ins Meer zu gehen?“ Alle nicken einstimmig, außer Kiron und mir. Verunsichert sehe ich Yvie an. “Versteh mich nicht falsch Yvie, aber... ich bin nicht sicher, ob ich mich dauerhaft unter Wasser wohlfühle.“ Yvie lacht. “Glaub mir, du wirst dich mehr als wohl fühlen. Feuer-Typ hin oder her. Vertrau mir.“ Ich zögere kurz, doch dann nicke ich. “Also gut, ich bin dabei.“

    - Erzählersicht -

    Währenddessen im Himmelsschloss...

    Lumos ist kurz davor, die Nerven zu verlieren. Wieso war er noch einmal hier? Natürlich, er wollte Prinz Sol befreien, aber wie ist er auf die Idee gekommen, dass er das alleine schafft? Hinter jeder Ecke lauert ein weiterer Trupp Monsterheart, einer hungriger als der andere. Und noch schlimmer: Lumos weiß genau, dass er in eine Falle läuft. Das er davon erfahren hat, dass Prinz Sol lebt, war kein Zufall. Aber er muss es versuchen. Jetzt ist es sowieso zu spät, um umzukehren. Dieses mal wird Lumos nicht davonlaufen. Nicht dieses mal und kein einziges mal danach.

    30
    Kapitel 28
    Feuer unter Wasser... naja, wer braucht schon Logik, wenn es Magie gibt?


    - Thea's Sicht -

    Die Karte zu studieren war ein ganz schön zeitaufwendig, aber mir war die Beschäftigung nur recht. Außerdem habe ich jetzt eine ungefähre Vorstellung von der Rainbowheart-Welt. Das könnte in Zukunft hilfreich sein. Jetzt bin ich fertig und langweile mich. Wie gerufen kommt Yena herein, gefolgt von Kyle. Grinsend sehe ich Kyle an. “Du bist jetzt Yenas dämonischer Schatten, oder wie?“ Kyle wendet sich ab. Aber ich kann auch von hinten sehen, wie er rot wird. Yena zuckt mit den Schultern. “Lass ihn ruhig. Das stört mich nicht. Und er ist ein guter Kämpfer.“ Schön für ihn. Ich weiß seit dem Kampf gegen Yara, dass ich alles andere als eine gute Kämpferin bin. Vielleicht sollte ich öfter trainieren. Nur mit wem? Ein Krachen reißt mich aus meinen Gedanken. Yena steht vor einer Nische und holt etwas heraus, achtet jedoch darauf, dass weder ich noch Kyle sehen, was es ist. Die Nische schließt sich wieder und Yena dreht sich zu uns um. “So... Lust auf eine Reise ins Himmelsschloss?“ Überrascht reißt Kyle die Augen auf. “Du willst also wirklich?“ Yena grinst. “Die Regeln brechen? Jep! Also, kommt ihr mit oder nicht?“ “Ich bin dabei“, antworte ich, ohne weiter darüber nachzudenken. Nach einigem Zögern erklärt sich auch Kyle bereit, mitzukommen. Ich weiß, ich habe gesagt, ich würde nicht wieder abhauen, aber genau genommen haue ich ja nicht ab. Ich bin auf geheimer Mission. Ich folge Yena und Kyle nach draußen. Von dort aus kann ich mich leichter orientieren. Ich übernehme die Führung. Anfangs ist es schwierig, sich die Gegend von oben vorzustellen, doch nach einiger Zeit habe ich den Dreh raus. Gegen Abend kommen wir an. Das Himmelsschloss macht seinem Namen alle Ehre und schwebt in der Luft. Wie wir unbemerkt da hoch kommen sollen, ist mir ein Rätsel. Doch Yena lässt sich davon nicht beeindrucken und holt ein in Stoff gewickeltes Päckchen hervor. Sorgfältig wickelt sie es aus. Es ist eine pinke Kristallkugel. Wenn man genau hinsieht, kann man Wirbel darin erkennen. Es sieht wunderschön aus. Yena lächelt. “Hübsch, nicht wahr?“ Sie hebt die Kugel hoch... und schleudert sie auf den Boden. Die Kugel zerbricht. Pinker Nebel verbreitet sich und verdeckt jegliche Sicht. Als er sich legt, befinden wir uns in einem stockdunklen Raum. “Kyle“, flüstert Yena. “Könntest du uns bitte etwas Licht machen?“ Kurz darauf erhellt eine Flamme die Dunkelheit. Wir befinden uns offenbar in einem Kerker. Weiter hinten schimmert etwas schwach. Ich bedeute Kyle und Yena, mir zu folgen. Wir erreichen einen Käfig. In diesem Käfig liegt ein Junge von etwa 13 Jahren. Seine Jacke ist zerfetzt und schmutzig, also ist er wahrscheinlich schon länger hier unten. Er liegt auf dem Rücken und hat die Augen geschlossen, doch ich kann nicht erkennen, ob er schläft oder ohnmächtig ist. Kyle versucht das Schloss des Käfigs zu schmelzen, doch Yena schüttelt den Kopf. “Das ist Prinz Sol, ein Solgaleo Rainbowheart. Du kannst darauf wetten, dass er das auch schon versucht hat.“ Kyle probiert es trotzdem aus. Vergebens. Yena hat Recht. Ich seufze. “Also gut. Suchen wir den Schlüssel.“ Yena nickt. “Und ganz nebenbei sollten wir darauf achten, uns nicht beißen zu lassen. Hier wimmelt es nämlich von Monsterheart. Und ich habe nur noch eine Teleport-Kugel. Von denen kann man auch nicht so einfach Neue herstellen. Es ist eine Menge Arbeit, eine Attacke zu einer Kristallkugel zu konzentrieren. Kommt jetzt.“

    - Shay's Sicht-

    Die Sonne berührt gerade den Horizont, als wir das Meer erreichen. Wir haben genügend Vorrat von diesem seltsamen Kraut, das uns unter Wasser atmen lässt. Yvie isst es als erstes. Kaum hat sie es runtergeschluckt, taucht sie unter, obwohl das Wasser hier noch sehr flach ist. Die anderen folgen ihrem Beispiel. Ich nehme das Kraut als letztes. Ich schlucke es runter und merke sofort, wie ich keine Luft mehr kriege. Schnell tauche ich unter. Auf der einen Seite fühlt es sich vollkommen natürlich an, unter Wasser zu atmen, auf der anderen Seite... naja, wir sind eben unter Wasser und wissen, dass wir hier eigentlich nicht atmen können, deshalb fühlt man sich auch etwas seltsam. Unter der Wasseroberfläche ist es schon deutlich dunkler. Instinktiv rufe ich eine Flamme herbei. Überraschenderweise wird sie nicht vom Wasser gelöscht. Ich kann mir nicht erklären, wie das funktionieren soll, aber ich habe jetzt keine Lust, mir darüber den Kopf zu zerbrechen. Yvie schwimmt neben mir. “Wir müssen erstmal ins tiefe Wasser. Schwimmst du mit mir voraus?“ Ich nicke und wir schwimmen los. Das Wasser wird erst nur langsam tiefer. Dann geht es plötzlich steil nach unten. Doch statt weiterer Dunkelheit ist es hier taghell. Überall sind farbig leuchtende Pflanzen. So etwas schönes habe ich noch nie gesehen. Man kommt sich vor, als würde man in einem Regenbogen schwimmen. Na gut, das war ein wenig übertrieben. Ich lösche meine Flamme, da ich sie nicht mehr brauche. Überall Wasser-Pokémon und -Rainbowheart. Besonders die Rainbowheart mustern uns teils neugierig, teils ängstlich. Besucher vom Land sind wohl sehr selten. Nun, Yvie hat es bestimmt nicht umsonst das 'verschollende Reich' genannt. Yvie führt uns zu etwas, dass aussieht wie eine riesige Muschel mit Fenstern. Eine Tür gibt es nicht, als Eingang dient ein Loch in der Wand. “Diebstahl scheinen sie hier wohl nicht zu kennen“, murmelt Nox. Yvie lächelt. “Nein, dieser Ort ist der friedlichste, den ich je gesehen habe. Kein Diebstahl, selten Streit, kein ungebetener Besuch...“ Sie klopft an die Wand neben dem Eingang. “Herein“, ertönt eine raue Stimme von drinnen. Wir schwimmen nach drinnen. In der Muschel ist es noch heller als draußen. An einem Tisch sitzt ein Seemon-Rainbowheart. Er sieht aus, als hätte er schon sein ganzes Leben dort gesessen, ohne sich einen Zentimeter zu rühren. Starr wie Stein. Yvie verbeugt sich leicht. “Sir Calong, ich bitte um Erlaubnis, mit meinen Freunden in eurem Reich verweilen zu dürfen.“ “Solange ihr euch eine Unterkunft sucht, sei es euch erlaubt. Doch merkt euch: Dies ist ein friedliebender Ort. Wir wollen keine Konflikte wegen euch. Also macht keinen Ärger“, erwidert Sir Calong. Yvie verbeugt sich erneut und schwimmt weg. Wir folgen ihr. “Also, Yvie“, beginnt Nox, doch Yvie unterbricht ihn. “Wenn du wissen willst, ob wir eine Unterkunft haben, ja, haben wir. Tut mir jedoch den Gefallen und ärgert meine Freundin nicht.“ Nox schüttelt den Kopf. “Gut zu wissen, aber das meinte ich nicht. Ich wollte wissen, wie lange wir hier unten bleiben?“ Yvie überlegt. “Nun, ich kann keine bestimmte Zeit nennen. Wir brauchen einfach erstmal einen sicheren Ort um zu überlegen, wie es weiter geht. Außerdem müssen wir Shay und vor allem Luna irgendwo verstecken.“ Luna und ich seufzen im Einklang. Wir wollen nicht versteckt werden. Luna geht es wahrscheinlich schon die ganze Reise so. Wir schwimmen zu einer weiteren Muschel. Yvie betritt sie als erstes. “Phiona? Bist du Zuhause?“ Ein Phione-Rainbowheart schwimmt auf uns zu. “Hi, Yvie! Komm rein!“ Yvie schwimmt rein und wir folgen ihr. Yvie und Phiona umarmen sich, dann wendet Phiona sich an uns. “Und wer seid ihr?“ Wir stellen uns nacheinander vor. Phiona nickt jedes mal höflich und lässt nebenbei Strömungen entstehen, die hinter ihr aufräumen. Praktisch. Als wir fertig sind, stellt Phiona sich vor. “Ich bin Phiona, Yvies Freundin. Sagt mal, wie habt ihr Yvie kennen gelernt?“ “Naja, eigentlich haben wir sie durch Shay kennen gelernt. Und Shay hat Yvie von einem Monsterheart-Biss geheilt“, erklärt Onyx. Verwirrt legt Phiona den Kopf schief. “Was ist ein Monsterheart?“ Luna sieht sie neidisch an. “Ihr habt noch nichts von ihnen gehört oder sogar mit ihnen zu tun gehabt? Ihr glücklichen.“ “Also“, schlussfolgert Phiona vorsichtig. “Stellen sie eine Menge Schaden an?“ Luna sieht zu Boden. “Ja... mein Bruder... m-mein Bruder i-ist wahrscheinlich tot wegen ihnen...“ Ihre Stimme bricht und sie fängt lautlos an zu weinen. Tröstend nimmt Lilly sie in den Arm. Erschrocken weicht Phiona zurück. “Tut mir leid, ich wollte nicht...“ Onyx schüttelt den Kopf. “Schon gut. Sie schleppt das schon so lange mit sich rum, es war nur eine Frage der Zeit, bis sie in Tränen ausbricht.“ Yvie nickt. “Jedenfalls wollen wir Luna hier verstecken, damit sie nicht das gleiche Schicksal ereilt. Und auch Shay sollte besser nicht mehr an Land verweilen. Komm, setzen wir uns, dann erzähle ich dir die ganze Geschichte.“

    - Thea's Sicht -

    Ich habe meine Meinung geändert. Es war eine furchtbare Idee, mitzukommen. Yena hat nicht übertrieben, als sie meinte, dass es hier von Monsterheart wimmelt. Wie wir bisher unentdeckt geblieben sind, ist mir ein Rätsel. Immerhin kann man sich hier gut orientieren. Dadurch, dass viele Banner zerfetzt und hier und da Löcher in den Wänden sind, sieht hier nicht alles genau gleich aus wie in den Fluren des M.P.O.-Hauptquartiers. Mittlerweile ist es dunkel draußen und die Beleuchtung im Schloss funktioniert auch nicht mehr einwandfrei. Ist das ein Vor- oder ein Nachteil? Ich habe keine Ahnung, wie gut Monsterheart im Dunkeln sehen können, aber ich kann es nicht soo gut. Zumindest nicht, wenn hell und dunkel andauernd wechselt. Seit wir aus dem Kerker gekommen sind, habe ich mit Yena und Kyle kein Wort mehr gewechselt. Das ist wahrscheinlich das vernünftigste, was man hier tun kann. Wir kriechen jetzt durch ein Loch in einer Wand. Es dauert eine Weile, bis meine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt haben. Ich sehe mich um und erkenne, dass wir uns in einer Art Spielzimmer befinden. Vorsichtig bahnen wir uns einen Weg durch die Spielsachen. Plötzlich bückt Kyle sich und hebt etwas auf, das stark nach einiger verbogenen Haarklammer aussieht. Verwirrt lege ich den Kopf schief. Was will er damit? Kyle bedeutet uns, zurückzugehen. Yena nickt und geht zurück. Kyle und ich folgen ihr. So leise wie möglich schleichen wir den ganzen Weg wieder zurück. Wir sind fast angekommen, als ich einen Schatten entdecke, der uns beobachtet. Ich stoße Yena an und mache sie darauf aufmerksam. Yenas Augen weiten sich. Sie dreht sich zu mir um und drückt mir die letzte pinke Kristallkugel in die Hand. Dann beugt sie sich vor und flüstert mir ins Ohr. “Lauft.“ Ich packe Kyle am Handgelenk und ziehe ihn mit, während Yena den Schatten angreift. Kyle ist zu überrascht, um zu reagieren, er lässt sich einfach von mir mitziehen. Ich muss aufpassen, dass ich die Kugel nicht fallen lasse, während ich fast schon die Treppe runterstürze. Unten angekommen nimmt Kyle die Haarklammer, biegt ein wenig an ihr herum und versucht dann, damit das Schloss zu öffnen. Das scheint gar nicht so einfach zu sein. Hoffentlich kann Yena den Schatten lange genug aufhalten.

    - Erzählersicht -

    Yena setzt alles ein, was sie im Repertoire hat, Knirscher, Eiszahn, Finsteraura, Schutzschild, Doppelteam... in diesem Moment ist sie froh, dass sie ein Rainbowheart ist und fünf Attacken einsetzen kann. Erst viel zu spät merkt sie, dass ihr Gegenüber versucht mit ihr zu reden. “Bitte, ich bin ein Rainbowheart, genau wie du!“ Yena hält kurzzeitig inne, was ihrem Gegenüber die Zeit gibt, aus der dunklen Ecke zu kommen. Er stellt sich vor Yena und tarnt sich. “Siehst du? Ich bin Lumos, ein Luxio-Rainbowheart.“ Er enttarnt sich wieder. Erschrocken hält Yena sich die Hand vor den Mund. “Lumos... du bist der... du wurdest mal von einem Monsterheart-Biss geheilt, richtig?“ Lumos nickt. “Was machst du dann an einem Ort wie diesen?“, fragt Yena ungläubig. “Dasselbe wie ihr“, antwortet Lumos gelassen. “Ich suche Prinz Sol. Wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass ich in eine Falle gelaufen bin. Hierher zu kommen war definitiv zu einfach.“ “Eine Falle...“, wiederholt Yena geistesabwesend, dann reißt sie erschrocken die Augen auf. “Wir müssen uns beeilen!“

    Währenddessen im Kerker...

    Langsam wird Thea nervös. Kyle braucht wirklich sehr lange. Und jetzt hört sie auch noch Schritte auf der Treppe. “Kyle-“ “Psst“, unterbricht Kyle sie, ohne von seiner Arbeit abzulassen. Die Schritte kommen näher. Thea wird zunehmend nervöser. “Kyle...“ “Sei leise“, ermahnt Kyle sie erneut. “Sonst kann ich mich nicht konzentrieren.“ Die Schritte sind fast da. Thea atmet tief durch und bereitet eine Attacke vor. Ohne den Prinzen wäre die ganze Mission umsonst. Yena hätte sich umsonst geopfert. Das wird Thea nicht zulassen. Sie wird kämpfen.

    31
    Kapitel 29
    Weitere Fragen und zu wenig Antworten


    - Shay's Sicht -

    Ich dachte, Phiona würde unsere Geschichte nie im Leben glauben. Falsch gedacht. Sie hat die ganze Zeit ruhig zugehört und uns nie auch nur ansatzweise ungläubig angesehen. Jetzt schaut sie vorwurfsvoll zu Yvie. “Du hast mir versprochen, dass du nichts gefährliches machst.“ Yvie lächelt verlegen. “Naja... Ich wurde überrascht.“ Phiona schüttelt nur den Kopf. “Zum Glück ist es noch einmal gut gegangen.“ Eine Weile schweigt sie, dann steht sie auf. “Ich mache dann mal ein paar Betten bereit.“ “Um genau zu sein, es werden nur Luna und Shay bleiben. Der Rest von uns muss versuchen, das Chaos zu beseitigen“, erklärt Yvie und zieht sofort den Kopf ein. “WAS!“ Phiona dreht sich um. “Das kann doch unmöglich dein Ernst sein!“ Yvie schüttelt den Kopf. “Irgendwer muss es tun. Und weder ich, noch Onyx, Nox oder Lilly werden gesucht.“ “Aber ihr könnt trotzdem jederzeit von Monsterheart angegriffen werden“, erwidert Phiona aufgebracht. “Schon, aber wir können uns nicht einfach für immer hier unten verstecken“, wirft Onyx ein. “Ach, tatsächlich?“, frage ich mit sarkastischem Unterton. “Aber Luna und ich können das?“ Das bringt Onyx zum schweigen. Yvie hingegen hat ein Argument parat. “Bei euch ist das was anderes. Ihr könnt euch nicht mehr in Städten blicken lassen. Die Bewohner haben Angst vor Yara. Sie würden euch ohne zu zögern verraten.“ Ich sehe sie verständnislos an. “Warum? Sie wissen genau, dass Yara nichts gutes im Schilde führt. Mich kennen sie überhaupt nicht und Luna ist ihnen wichtig. Außerdem ist es hier nicht schwer, sich zu verkleiden.“ Yvie schweigt. Onyx sieht auf seine Füße, als wäre ihm erst jetzt aufgefallen, dass sie nicht den Boden berühren. Nox wendet seine Aufmerksamkeit einer kleinen, gelb leuchtenden Blume zu. Nur Lilly schwimmt zu uns. “Das wäre vielleicht eine gute Idee, aber wenn es schief geht... das Risiko ist einfach zu groß. Shay, Marshadow wäre ziemlich enttäuscht von mir, wenn wir dich an Yara verlieren. Und Luna, das Volk braucht dich. Wenn du in Yaras Hände gelangst, werden sie ihre Hoffnung aufgeben. Das darf einfach nicht passieren. Es ist besser, wenn sie dich in Sicherheit wissen.“ Luna und ich sehen uns enttäuscht an. Luna nickt leicht. Ich seufze. “Also gut. Wir bleiben hier.“ Phiona sieht gar nicht begeistert aus, aber sie gibt nach. “Na schön. Aber kommt uns bitte ab und zu besuchen.“ Yvie nickt. “Das werden wir, versprochen.“ Sie schwimmt zu Phiona und küsst sie. Dann schwimmen sie, Nox, Onyx und Lilly davon. Irritiert starre ich Phiona an. Diese legt den Kopf schief. “Was?“ “Naja“, beginne ich zögernd. “Es ist nur... ihr seid beide Mädchen... und ihr habt euch einfach...“ Eine Weile sieht Phiona mich verwirrt an, dann lächelt sie. “Vielleicht ist es in eurer Welt anders, weil ihr das Überleben der Rainbowheart sichern müsst, aber in dieser Welt ist es nichts ungewöhnliches, wenn zwei vom gleichen Geschlecht sich lieben.“ Tatsächlich habe ich bisher noch nie davon gehört. Wobei für mich die Möglichkeit, mit einem Rainbowheart zusammen zu sein, sowieso immer unerreichbar schien. Deshalb habe ich mir nie wirklich Gedanken darüber gemacht. Und seit ich in dieser Welt bin, ist so viel passiert, dass ich immer über ganz andere Sachen nachgedacht habe. Während ich die neue Information verarbeite, geht Phiona los, um Betten für Luna und mich vorzubereiten. Luna treibt neben mir und denkt nach. “Woran denkst du?“, frage ich aus purer Neugier. Luna sieht auf. “Hm? Oh, ich habe an meinen Bruder gedacht...“ “Tut mir leid“, unterbreche ich sie schnell. “Du brauchst nicht weiterreden.“ Luna schüttelt den Kopf. “Ist schon okay. Ich möchte es gerne erzählen. Sol hat mir immer Bücher vorgelesen, sogar nachdem ich selbst lesen gelernt habe. Unsere Lieblingsgeschichte war die von einem jungen Seeper Rainbowheart. Es fand am Meeresboden ein verletztes Manaphy und pflegte es gesund. Das Manaphy war eine Prinzessin von einem zerstörten Königreich. Es erzählte dem Seeper-Rainbowheart seine Geschichte. Das Seeper-Rainbowheart war begeistert, als es von dem Königreich hörte. Es versprach dem Manaphy, beim Wiederaufbau zu helfen und dieses Reich zu schützen. Aber-“ “Eure Betten sind fertig“, unterbricht Phiona. “Vielleicht wollt ihr sie euch mal ansehen? Sie unterscheiden sich ein wenig von den Betten, die ihr kennt.“ Ich sehe zu Luna. Diese nickt. “Lass uns gehen. Ich erzähle die Geschichte ein andern mal zuende.“

    - Thea's Sicht -

    Ich lasse meinen Donnerblitz los, sobald ich den Schatten sehe. Meine Attacke wird mit einem Donner beantwortet, den ich jedoch absorbiere. Ich lade meine nächste Attacke auf. Da kommen zwei Gestalten um die Ecke. Eine davon ist Yena. Ich breche den Angriff ab. “Yena?“ Yena nickt. “Darf ich vorstellen? Das ist Lumos. Er hat dasselbe Ziel wie wir.“ Lumos nickt. “Ich habe gehört, dass Prinz Sol noch am Leben ist. Aber ihr könnt darauf wetten, dass das kein Zufall ist. Ich bin mitten in eine Falle gelaufen. Ich weiß nicht was es ist, oder wo es ausgelöst wird, aber ich weiß, dass ich deshalb jetzt nicht den Schwanz einziehen werde. Ich bin bereit zu kämpfen, wenn es sein muss. Ich wollte euch nur gewarnt haben.“ Im selben Moment schafft Kyle es, das Schloss zu öffnen. Er läuft zum ohnmächtigen Prinzen und versucht ihn hochzuheben, doch er greift ins Leere. “Was? Wie...“ Prinz Sol verblasst. Fackeln beginnen zu leuchten. Ich lade eine neue Attacke auf. “Offenbar haben wir gerade die Falle ausgelöst.“ “Gut erkannt“, lobt eine Stimme hinter mir. “Ihr hättet es euch aber nicht so umständlich machen müssen. Ich meine, der Schlüssel hängt da drüben.“ Ich drehe mich um. Dort steht ein andersfarbiges Galagladi. Es zeigt auf eine Säule, an der tatsächlich ein goldener Schlüssel hängt. Wow. Einfach wow. Hinter dem Galagladi erscheinen weitere andersfarbige Pokémon, seltsamerweise haben sie jedoch keine Monsterheart dabei. “Yara will euch lebendig und möglichst unbeschadet, da sind Monsterheart nicht sonderlich angebracht“, erklärt ein Morbitesse, als hätte es meine Gedanken gelesen. Bei einem Psycho-Pokémon ist das nicht unwahrscheinlich, aber darüber mache ich mir gerade eher weniger Sorgen. Warum will Yara uns lebendig und unbeschadet? Wir wurden schon von Monsterheart und Jägern angegriffen, von dem Angriff auf das Herbst-Schloss ganz zu schweigen. Das Morbitesse nickt. “Ja, wir sind selbst überrascht von dem Sinneswandel. Aber das soll euch nicht weiter kümmern.“ Die andersfarbigen Pokémon greifen an. Ich lasse meine Attacke los. Das wurde langsam überfällig. Man kann kaum noch erkennen, was es für eine Attacke ist. Eigentlich sollte es Donnerblitz sein, meine Lieblingsattacke. Das Ergebnis ist eine riesige Explosion und jede Menge Rauch. Leider habe ich so viel Energie in die Attacke geleitet, dass ich jetzt vollkommen ausgelaugt bin. Mist. So war das definitiv nicht geplant. Ich wollte die Attacke nicht so lange laden. Jetzt ist es zu spät. Die Pokémon erkennen meinen Fehler und wenden sich mir zu. Wenn ich jetzt noch einmal angreife, laufe ich Gefahr, mich zu übernehmen, doch ich habe nicht vor, mich gefangen nehmen zu lassen. Also vervielfache ich mich mit Doppelteam. Meine Kopien und ich laufen quer durcheinander. Ein Lucario versucht, mich mit Aurasicht zu finden. Schnell greifen meine Kopien und ich mit Spukball an. Es ist furchtbar anstrengend, aber ich darf keine Schwäche zeigen. Schnell setzen wir noch einmal Spukball ein. Ich sehe mich um und erkenne, dass nur noch vier Kopien übrig sind. Doch ich darf auffallen, sonst ist die Täuschung umsonst gewesen. Wir greifen erneut das Lucario an, dieses mal mit Donnerblitz. Das gibt dem Lucario den Rest. Ich dürfte gar nicht so viel Schaden angerichtet haben, aber das Gehirn ist leicht zu täuschen. Er spürt den Schmerz wahrscheinlich so, als wäre er wirklich von fünf Attacken gleichzeitig getroffen worden. Das Lucario verschwindet vom Kampffeld. Ich drehe mich um und stelle erschrocken fest, dass Lumos und Kyle verschwunden sind. Yena ist noch da, doch sie ist schwer verletzt. Ich werde stutzig als ich merke, dass sie blutet. Das kann nicht sein. Von Pokémon-Attacken blutet man nicht. Doch bevor ich einen weiteren Gedanken daran verschwenden kann, werde ich von mehreren Pokémon gleichzeitig angegriffen. Ich versuche, mich zu wehren, doch sie sind in der Überzahl und zudem viel fitter als ich. Innerhalb von einer Minute überwältigen sie mich und mir wird schwarz vor Augen.

    - Shay's Sicht -

    Als Phione meinte, dass sich unsere Betten von denen unterscheiden, die wir kennen, dachte ich an ausgepolsterte Muscheln. Nicht an... das. Versteht mich nicht falsch, es sieht sehr gemütlich aus. Unsere Betten sind im Prinzip große, sanft leuchtende Hängematten, die zwischen Korallen gespannt sind. Natürlich gibt es auch Decken und Kissen, aber die leuchten nicht. “Die Hängematten sind aus den Blüten der Blumen, die unter Wasser wachsen, gewebt. Ich hoffe, ihr könnt bei Licht schlafen. Es ist auch nur ganz schwach. Dunkle Farben leuchten nicht so gut“, erklärt Phiona. “Moment mal, mit den Blüten kann man weben?“, spricht Luna meine Gedanken aus. Phiona nickt. “Ja. Und es ist viel zuverlässiger als Seetang. Und weicher.“ Ich lege mich probehalber in eine Hängematte und wäre am liebsten sofort eingeschlafen. Phiona hat nicht übertrieben. Bevor ich tatsächlich einschlafe, stehe ich schnell wieder auf. “Es ist wirklich sehr gemütlich, aber ich würde gerne noch etwas essen, bevor ich einschlafe.“ Phiona lacht. “Das lässt sich einrichten. Wollt ihr mir mit dem Abendessen zur Hand gehen?“ Luna und ich nicken im Einklang und folgen Phiona in die Küche. Wie wird wohl in einer Wasserwelt Essen gelagert? Die Antwort: Im Keller. Ich spüre den Unterschied ehrlich gesagt kaum, doch Luna zittert am ganzen Leib. “W-wie k-kann es h-hier unten so k-kalt sein?“ Phiona überlegt. “Ich glaube, weil hier nie warme Strömungen reinkommen. Aber das ist nur eine Vermutung. Eigentlich habe ich keine Ahnung.“ Wir holen ein paar eingepackte Dinge und schwimmen wieder nach oben in die Küche. Während Phiona den Weg zum Keller verschließt, inspiziert Luna die Nahrungsmittel. “Seetang, Karpador, irgendwelche seltsamen Früchte... Was sollen wir damit machen?“ “Das werdet ihr dann sehen“, erwidert Phiona. “Wer von euch möchte Gemüse schneiden?“

    - Erzählersicht -

    Während Shay, Luna und Phiona das Abendessen zubereiten, wird Shay's Schwester Thea aus der Rainbowheart-Welt raus und zurück in ihre Heimatwelt gebracht. Der Weg ist lang, doch niemand hält ihre Entführer auf. Niemand weiß, wo sie sind.

    Währenddessen im M.P.O.-Hauptquartier...

    “Was soll das heißen, sie sind weg?“ Blades ist alles andere als begeistert, als er vom verschwinden der Teleport-Kugeln hört. “Wer wusste von dem Versteck außer Riala, mir und dir, Blaze?“ Blaze sieht ihn hilflos an. “Naja, eigentlich niemand...“ “Was heißt 'eigentlich'?“, fragt Blades verärgert. Blaze zieht den Kopf ein. “Na, irgendwer muss es ja noch wissen, wenn keiner von uns dreien die Kugel genommen hat.“ Blades schüttelt nur den Kopf. “Ich gehe Riala holen. Du wartest hier.“ Leise vor sich hinfluchend verlässt Blades den Raum. Blaze bleibt niedergeschlagen zurück. Plötzlich erscheinen drei Gestalten vor seiner Nase. Verwirrt blinzelt Blaze. “Onyx?“ Der Psiaugon-Junge nickt. “Prinzessin Luna ist in Sicherheit.“ Blaze atmet erleichtert auf. “Das ist gut... aber... wie sind deine Freunde mit reingekommen? Der Schutz...“ Onyx zuckt mit den Schultern. “Vielleicht, weil ich die beiden bewusst mitgenommen habe. Jedenfalls kannst du Blades mitteilen, dass die Prinzessin jetzt in sicheren Händen ist.“ “Du bist gesprächiger geworden, Onyx“, bemerkt eine raue Stimme hinter ihm. Blades kommt mit Riala zurück. “Und ich freue mich über die guten Neuigkeiten.“ Er sieht zu Blaze. “Blaze, würdest du Onyx' Freunden bitte ein Zimmer zuweisen?“ Blaze nickt und verlässt mit Lilly und Nox das Zimmer. Sobald die Tür sich schließt, wenden Blades und Riala sich an Onyx. “Also, wo ist sie jetzt genau?“, fragt Blades seelenruhig. “Im Winter-Schloss kann sie nicht sein, die Stadt wurde für alle Besucher von außen komplett gesperrt.“ “Wenn ich irgendwem verrate, wo sie ist, wozu habe ich sie dann versteckt?“, fragt Onyx zurück, ohne mit der Wimper zu zucken. “Nun, das ist eine berechtigte Frage“, mischt Riala sich ein. “Aber wir haben dir den Auftrag erteilt. Findest du nicht, das wir von dem Versteck hören sollten?“ Sie nimmt direkten Blickkontakt zu ihm auf. Onyx hält ihrem Blick problemlos stand. “Nein. So ist es sicherer.“ Eine Weile sieht Riala verdutzt aus, dann fängt sie an zu lachen. “Du meine Güte, Onyx, das war fantastisch! Normalerweise würde ich dich jetzt in Ruhe lassen, aber du machst mich neugierig. Wer hat dir das Herz gestohlen?“ Onyx wird rot, doch auf seinem Gesicht zeichnet sich Verwirrung ab. “Was?“ Blades schüttelt den Kopf. “Komm schon, Riala, das macht man nicht. Außerdem haben wir noch ein Problem zu lösen. Wenn ich mit dir unter vier Augen reden dürfte?“ Riala nickt. “Selbstverständlich.“

    32
    Kapitel 30
    “Warum immer ich?“


    - Thea's Sicht -

    Als ich aufwache, bin ich im Wasser. Panisch versuche ich, zu schwimmen, bis ich merke, dass ich Luft bekomme. Ich beruhige mich und betrachte meine Umgebung. Offenbar wurde ich in eine Glaszelle gesperrt und werde über eine seltsame Maske mit Sauerstoff versorgt. Was bedeutet, dass ich mich im Hauptquartier von Yara befinden muss. Ich versuche, weitere Gefangene auszumachen, doch ich kann im fahlen Licht nichts erkennen. Plötzlich gehen die Lampen an und die Tür öffnet sich. Herein kommt ein Mann mittleren Alters. Seine Haare sind schneeweiß. Seine eisblauen Augen huschen hin und her, als fürchtete er einen Überfall. Als er bemerkt, dass ich wach bin, fängt er an zu grinsen. “Guten Morgen, Dornröschen. Gefällt dir deine neue Heimat?“ Ich kann ihm nicht antworten, aber das erwartet er auch gar nicht von mir. “Weißt du, dich speziell zu schnappen war eigentlich nie der Plan, aber Yara kann es absolut nicht leiden, wenn ihr jemand entwischt. Was meinst du wie sie getobt hat, als ihr abhauen konntet. Also wollte sie ein Gefängnis, aus dem ihr nicht einfach ausbrechen könnt. Und das Ergebnis ist jene Zelle, in der du dich gerade befindest. Die funktioniert ja scheinbar sehr gut. Ich fürchtete zuerst, dass wir eine neue Mewtu-Situation bekommen würden, aber einer deiner Freunde überzeugte mich vom Gegenteil.“ Erschrocken reiße ich die Augen auf. Welcher meiner Freunde? Der Mann schüttelt den Kopf. “Ich rede schon wieder viel zu viel. Am besten gehe ich jetzt. Oh, soll ich das Licht anlassen? Vielleicht findest du ja ein paar neue Freunde, mit denen du mit Zeichensprache kommunizieren kannst.“ Er dreht sich um und verlässt den Raum. Das Licht lässt er tatsächlich an. Ich sehe mich um und entdecke ein paar weitere Glaszellen. Neben mir werden auch noch welche gebaut, aber die sind noch nicht fertig. In den schon vorhandenen Glaszellen befinden sich andere Rainbowheart, die ich aber nicht kenne. Wen es interessiert: Es sind ein Raichu-Mädchen, ein Zwirrlicht-Junge, ein Blubella-Mädchen, ein Alpollo-Mädchen, ein Nidorino-Junge und drei Rainbowheart, von denen ich die Art nicht kenne. Dieser Freund, von dem der Mann erzählte, ist also nicht hier. Aber es klang auch nicht, als wäre er entkommen. Wo er wohl ist? Ich mustere die anderen Rainbowheart. Das Blubella-Mädchen hat als einzige die Augen offen. Sie sieht nicht ängstlich aus, aber irgendwie wirkt sie unendlich traurig. Was wohl passiert ist, als sie gefangen wurde? Ich muss augenblicklich an den Tag denken, als meine Eltern getötet wurden. Vielleicht ist ihr etwas ähnliches passiert? Dieser Gedanke macht mich wütend. Meine Hände ballen sich zu Fäusten und laden sich mit Strom auf. Ich denke jeder weiß was passiert, wenn Strom und Wasser in Berührung kommen. Eine Explosion erschüttert die Zelle und zerstört meine Sauerstoffversorgung. Die Glaswände jedoch haben nicht mal einen Kratzer. Ich habe mir erfolgreich selbst eine Falle gestellt. Auch eine Art, Suizid zu begehen. Ich versuche, ganz ruhig zu bleiben. Das Blubella-Rainbowheart reißt erschrocken die Augen auf und klopft hektisch gegen die Scheibe. Langsam bekomme ich doch Panik und zappel hilflos, was viele Blasen verursacht. Ich kann nichts mehr erkennen, aber ich könnte schwören, dass die Tür sich öffnet und jemand auf mich zukommt. Doch langsam wird mir schwarz vor Augen. Dann kann ich plötzlich wieder atmen. Das Wasser ist weg. Als ich wieder klar sehen kann, liege ich auf dem Boden und ein paar Typen in Kitteln reparieren die Sauerstoffversorgung. Ein weiterer Kitteltyp sitzt neben mir und überwacht mich. “Netter Versuch“, flüstert er mir zu. “Aber wir brauchen dich lebendig. Wenn wir dich sterben lassen, streicht Mark uns den Lohn. Wovon sollen wir dann leben?“ “Du könntest in einem anständigen Labor arbeiten“, murmel ich mit matter Stimme. Kitteltyp schnaubt. “Wenn ich das könnte, wäre ich nicht hier.“ Ich habe keine Lust, mit ihm zu diskutieren, also bleibe ich still. Kitteltyps Kumpels sind fertig. Kitteltyp holt aus. “Tut mir leid, ist sicherer so.“ Ich weiß nicht, was er in der Hand hat, aber ein Schlag reicht, um mich ohnmächtig werden zu lassen. Warum muss das immer mir passieren?

    - Shay's Sicht -

    Ich wache auf und frage mich erstmal, wo ich bin. Dann fällt es mir wieder ein. Luna und ich wurden bei Phiona versteckt. Und ich habe noch jede Menge offener Fragen. Luna ist scheinbar auch schon wach, denn ihre Hängematte ist leer. Ich stehe auf und schwimme in die Küche, wo Phiona schon das Frühstück vorbereitet. Nebenbei summt sie eine mir unbekannte Melodie. Als sie mich bemerkt, hört sie auf und lächelt. “Guten Morgen Shay. Gut geschlafen?“ Ich nicke. “Es war so bequem, ich wäre am liebsten nie mehr aufgestanden.“ Phiona lacht. “Ach komm, du übertreibst. Dein eigenes Bett ist bestimmt bequemer.“ “Ich... habe Zuhause immer in einer Höhle geschlafen. Sie war zwar mit Moos gepolstert, aber das war's dann auch“, gebe ich zu. Entsetzt sieht Phiona mich an. “Ist das dein Ernst?“ Ich nicke. “Wir mussten uns schließlich vor Menschen verstecken. Im Prinzip lebten wir wie Pokémon. Nach dem Tod unserer Eltern machten meine Schwester und ich dann nicht einmal mehr Ausflüge.“ Phiona senkt den Kopf. “Oh... tut mir leid, ich wollte nicht... Ich wollte keine schlechten Erinnerungen hervorrufen.“ Ich schüttel den Kopf. “Ist schon okay. Du bist nicht die Erste und langsam habe ich mich dran gewöhnt.“ Ich lächel. “Es ist schon verrückt. Ich war früher immer total schüchtern allen gegenüber, aber nachdem Jonas mir geholfen hat und dann die ganze Reise-Kiste losging, bin ich ziemlich schnell über mich hinausgewachsen. Und ich habe es nicht mal gemerkt.“ “Wer ist Jonas?“, fragt Phiona interessiert. “Ein blinder Mensch. Also, eigentlich ist er blind, aber er kann mit Aurasicht sehen. Und das ungewöhnlich gut“, erkläre ich ihr. Sie nickt verstehend. “Und, wie ist er so?“ Ich habe das dumpfe Gefühl, dass sie auf irgendwas hinaus möchte, aber ich frage nicht nach. “Nun, ich habe ihn nicht oft gesehen, aber beim ersten mal hing ich auf einem Baum fest. Ich wollte meine Tarnung nicht aufgeben, sonst wäre ich einfach runtergesprungen. Er hat mir dann nach unten geholfen. Er hatte nach seiner Augenbinde gesucht, mit der er eigentlich immer seine Augen verdeckt. Wir haben sie dann irgendwann gefunden, aber die Details weiß ich nicht mehr. Er sah echt cool damit aus. Naja, dann habe ich ihn nicht mehr gesehen, bis ich fast in die Klauen von irgendeiner Organisation geraten wäre. Er hat mich nicht gerettet, da Marshadow schneller war, aber da habe ich ihn zum letzten mal gesehen.“ “Du wurdest von Marshadow gerettet?“, unterbricht Phiona überrascht. Ich nicke. “Weißt du, was das für eine Ehre ist?“ Ich nicke erneut. “Das wurde mir schon mal gesagt. Aber zu dem Zeitpunkt habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht. Ich hatte genügend andere Probleme.“ “Nun, da hast du recht“, gibt Phiona zu. Sie sieht sich suchend um. “Mal was ganz anderes: Wo ist Luna?“ “Hier!“ Luna schwimmt herein. “Tut mir leid, ich habe mich ein wenig umgesehen.“ “Ohne mich?“, frage ich empört und verschränke die Arme. Luna zieht den Kopf ein. “Tut mir leid. Ich war schon ziemlich früh wach und wollte euch nicht wecken.“ Phiona lächelt. “Schon okay. Ich führe euch einfach nachher noch einmal herum. Ich kann schließlich auch ein bisschen etwas zu der Stadt erzählen. Jetzt kommt erstmal frühstücken.“ Wir setzen uns zu ihr an den Tisch. Unser Frühstück ist ein Salat aus Meeresfrüchten und Seetang. Ich bin erst ziemlich skeptisch, aber überraschenderweise schmeckt es hervorragend. Nach dem Frühstück führt Phiona uns dann wie versprochen in der Stadt herum. Alle wohnen in Muscheln. Im Prinzip ist es hier wie in jeder Stadt. Es gibt Wohnhäuser, Läden, Cafés, Restaurants... nur Arenen gibt es nicht. Statt Pokémon Center gibt es sogenannte Arztpraxen und Krankenhäuser. Wahrscheinlich gibt es das für Menschen in der Pokémon Welt auch, aber tatsächlich höre ich davon jetzt zum ersten mal. Es gibt auch ein Gebäude namens Schule. Dort kriegen Rainbowheart-Kinder alles beigebracht, was sie wissen müssen. Zumindest sagt das Phiona. Außerdem gibt es Gebäude, in denen du deine Freizeit verbringen kannst. Wie du dort deine Freizeit verbringst, ist unterschiedlich. Da ich sowieso hier unten feststecke, werde ich mir das wohl später mal ansehen. Ich meine, vielleicht kann ich in einer der Gebäude auch trainieren. Dann könnte ich mich gegen Yara und ihre Bande verteidigen und müsste mich nicht hier unten verstecken. Als wir mit der Führung fertig sind, dreht Phiona sich zu uns um. “Und jetzt“, sagt sie, “zeige ich euch meinen absoluten Lieblingsort. Er liegt außerhalb der Stadt, ist aber nicht weit weg. Kommt!“ Sie verlässt die Stadt und Luna und ich schwimmen ihr hinterher. Ich bin immer noch fasziniert von den vielen leuchtenden Blumen. Doch je weiter wir schwimmen, desto kahler werden die Felsen. Wo zum Giratina führt Phiona uns hin? Wir schwimmen immer tiefer, aber entgegen jeder Logik wird es wärmer, nicht kälter. Schließlich kann ich im fahlen Licht einer leuchtenden Koralle einen Höhleneingang erkennen. Phiona schwimmt darauf zu. Zögernd folgen Luna und ich ihr. Als wir die Höhle betreten, sehen wir zuerst gar nichts, denn es ist stockdunkel. Nur Phione schimmert leicht. Sie macht sich an einer Höhlenwand zu schaffen. Plötzlich geht die Höhlenwand zur Seite. Aus der Öffnung dringt helles Licht. Phione winkt uns zu sich und schwimmt hindurch. Wir folgen ihr und die Wand schließt sich hinter uns. Vor Staunen klappt mir der Mund auf. Es ist eine weitere Höhle, doch hier ist der ganze Boden mit hellgelb und hellblau leuchtenden Blumen bedeckt. Jemand hat die Wände und die Decke hellblau gestrichen und darauf weiße Wolken gemalt. Sprachlos drehen wir uns zu Phiona um. Diese lächelt verlegen. “Ich... ich habe diese Höhle mit Yvie gefunden. Da ich den Ozean nie verlasse, hat sie die Wände und Decke wie den Himmel draußen bemalt, damit ich ihn mir ansehen kann, wann immer ich möchte. Ich verbinde viele schöne Erinnerungen mit diesem Ort. Und, naja, ich dachte... wenn ihr Sehnsucht nach der Welt über der Wasseroberfläche habt, könntet ihr herkommen.“ Luna ist kurz davor, in Tränen auszubrechen. Sie schwimmt zu Phiona und umarmt sie. Ich mache mit. “Danke.“

    - Erzählersicht -

    Währenddessen im M.P.O.-Hauptquartier...

    Riala mustert die Versammlung. Yena, Kyle und Thea fehlen noch immer. Theas Verschwinden hätte sie nicht weiter gestört, schließlich wäre es nicht das erste mal, doch dass alle drei fehlen beunruhigt sie. Yena war immer schon eine kleine Rebellin, Kyle folgt ihr wie ihr Schatten und wenn Thea auch fehlt... Ihr Blick fällt auf die Karte. Sie ist von einer dünnen Staubschicht überzogen. Nur ein paar Streifen sind frei. Sie alle führen zum Himmelsschloss. Riala runzelt die Stirn. Die Puzzleteile setzen sich in ihrem Kopf zusammen. Sie nickt der Versammlung zu. “Ihr könnt gehen.“ “Moment mal“, ruft Jonas aufgebracht. “Ich will ja nicht unhöflich sein, aber ihr habt uns zur Versammlung gerufen, starrt uns eine Weile an und schickt uns wieder weg. Und das jetzt schon zum zweiten mal. Was sollen wir bitte schön davon halten?“ “Wir wollten überprüfen, ob alle da sind“, springt Blades für Riala ein. Jonas verschränkt die Arme. “Wozu?“ Nemaja zieht ihn zu sich. “Lass gut sein Jonas. Wir gehen.“ Missgelaunt folgt Jonas Nemaja aus dem Raum. Auch alle anderen gehen zurück an ihre Arbeit oder womit auch immer sie gerade beschäftigt waren. Riala seufzt. “Also Blades, es sieht ganz so aus, als hätten Yena, Kyle und Thea beschlossen, trotz Verbot einen Abstecher zum Himmelsschloss zu machen. Dazu brauchten sie die zwei Kugeln. Aber da sie noch immer nicht zurück sind, ist ihre kleine Geheimmission wohl gescheitert.“ Blades überlegt. “Was machen wir jetzt? Neue Kugel herstellen würde unsere Psycho-Rainbowheart unheimlich viel Energie kosten. Sie wären für mehrere Wochen außer Gefecht gesetzt. Mit Yara und ihren Truppen in dieser Welt dürfen wir nichts riskieren.“ Riala mustert die Karte. “Vielleicht ist es besser so. Wir können nicht noch mehr Leute an Monsterheart verlieren.“ Sie sieht auf. “Verdoppeln wir sie Trainingsstunden. Mehr als uns auf den unvermeidlichen Kampf vorbereiten können wir nicht. Und wir müssen hoffen, dass der kleine Lucas bald den Mut findet, über den Vorfall im Herbst-Schloss zu sprechen.“ Blades nickt. “Aber wir sollten uns nicht drauf verlassen. Er ist noch so jung. Das ist sicher schwer für ihn zu verarbeiten.“ Eine Weile herrscht Stille zwischen den beiden. Dann fällt Blades noch etwas ein. “Übrigens, was machen wir wegen Onyx? Er hat vor, sich morgen wieder mit seinen Freunden zu treffen und weiterzureisen. Sollen wir ihm einen neuen Auftrag geben?“ Riala überlegt, doch dann schüttelt sie den Kopf. “Die Monsterheart-Bisse sind zurückgegangen, seit Yara hier ist. Die Monsterheart beißen nur, wenn Yara es ihnen befiehlt. Die Opfer nimmt sie dann mit. Ich glaube die Monsterheart im Himmelsschloss sind die einzigen, die noch eigenständig angreifen können. Und dort kann eigentlich niemand hin. Wir haben also keine Aufgabe mehr für ihn.“ Blades nickt. “Alles klar.“

    33
    Kapitel 31
    Shays Geschichte


    - Thea's Sicht -

    Ich habe keine Ahnung, wie lange ich schon hier bin. Es gibt keine Fenster, keine Uhr, keinen Kalender, nichts. Dafür gibt ab und zu Besuch von Kitteltyp oder einem seiner Kumpels. Einmal waren auch mehrere da und haben an der Glaszelle neben mir herumgebastelt. Einer hat gegen meine Scheibe geklopft und gegrinst, als wäre ich ein Goldinini in einem Aquarium, das man erschrecken könnte. Ich hasse Menschen. Mittlerweile hat auch das Blubella-Mädchen die Augen geschlossen. Warum tun die das nur alle? Plötzlich höre ich Kitteltyp und seine Kumpels kommen. Mir kommt ein lächerlicher Gedanke. Ich schließe die Augen, wie die anderen Rainbowheart. Die Tür öffnet sich. “Hm, schlafen wohl alle“, höre ich Kitteltyps Stimme sagen. Die Tür schließt sich wieder, doch ich höre Schritte. Sie sind also noch im Raum. Den Geräuschen zu urteilen arbeiten sie wieder an der Glaszelle neben mir. “Ist Mark immer noch sauer?“, fragt ein Kitteltyp-Kumpel. “Nun ja, er spricht immer noch alle an, als wären sie daran Schuld, dass Yara so voreilig Rainbowheart bringt. Aber immerhin klingt seine Stimme nicht mehr so furchtbar kühl“, antwortet Kitteltyp. Ein anderer Kitteltyp-Kumpel seufzt erleichtert. “Arceus sei dank. Da war es mir ja lieber, dass Yara mich anschreit.“ Es folgt ein einstimmiges “Mhm“, dann arbeiten sie eine ganze Weile schweigend. Da öffnet sich die Tür wieder, doch ich höre nichts. Es fällt mir schwer, meine Neugier im Zaum zu halten und die Augen geschlossen zu lassen. Endlich beginnt der Neuankömmling zu sprechen. Ich erkenne seine Stimme sofort. Es ist der Mann mit den weißen Haaren. “Eure Kollegen sind mit den ersten endgültigen Behältern fertig. Drei Gefangene können aus diesen improvisierten Zellen raus und umgesiedelt werden.“ “Welche sollen wir nehmen?“, fragt Kitteltyp. Der Mann lacht. “Ihr? Niemanden. Ihr habt immer noch nicht Marks Vertrauen. Das werden die Kollegen erledigen, die schon seit der Team-Rocket Zeit hier sind.“ “Natürlich“, murmelt ein Kitteltyp-Kumpel missmutig. “Wie immer.“ “Beschwer dich nicht“, mahnt der Mann ihn. “Ihr habt alle eure Gründe, hier zu sein. Sind eure Wünsche erfüllt, verschwindet ihr. Ihr kennt keine Loyalität und das wissen wir. Seit froh, dass wir euch überhaupt bezahlen und euch Unterschlupf gewähren.“ Schritte entfernen sich und die Tür schließt sich wieder. Ich versuche zu verarbeiten, was ich gerade gehört habe. Ich habe keine Ahnung von Team Rocket, oder von der menschlichen Zivilisation allgemein, aber ich habe verstanden, dass diese Kittelleute am liebsten gar nicht hier wären. Nur was hält sie hier? Warum sind sie überhaupt hierher gekommen? Ich höre, wie sich noch mehr Schritte entfernen. Die Tür öffnet sich und schließt sich kurz darauf wieder. Zögernd öffne ich die Augen. Die Kittelleute sind weg. Ich bin mit den anderen Gefangenen allein.

    - Erzählersicht -

    Nachdem stundenlang nichts passiert ist, schläft Thea schließlich ein. Ein paar Zimmer weiter, in einem Überwachungsraum, nickt ein Mitarbeiter zufrieden. “Sie schläft jetzt auch. Mal sehen wie lange dieses mal. Jane, sag den Jungs unten Bescheid. Die Umsiedlung kann beginnen.“ Seine Kollegin Jane nickt. “Verstanden.“ Sie verlässt den Raum und geht nach unten ins Labor. “Theodor?“ Der weißhaarige Mann dreht sich um. “Meine Güte, nennt mich nicht alle Theodor, sondern Theo. Ich fühle mich sonst immer so alt, wie ich aussehe.“ “Das mit dem Unfall tut mir leid“, antwortet Jane. Theo zuckt mit den Schultern. “Das ist Jahre her. Unfälle passieren. Nun, du bist sicher hier, um das Startsignal zu geben?“ Jane nickt. “Ganz genau.“ Theo dreht sich um. “Ihr habt es gehört, Jungs. An die Arbeit!“ Ein paar Laboranten lösen sich von ihrer Arbeit und gehen in den Raum mit den Gefangenen. Theo folgt ihnen. “Also gut. Ihr wisst was zu tun ist. Die Neuen zuerst. Sie wehren sich noch. Und noch einen... 'Unfall'... können wir uns nicht erlauben, dazu arbeiten unsere Neulinge zu langsam. Wenn wir sie nicht brauchen würden, hätte Mark sie wahrscheinlich längst rausgeschmissen. Nun kommt, beeilt euch.“ Die letzte Aussage war ziemlich unnötig, denn die Laboranten haben schon drei Rainbowheart befreit: Thea, das Blubella-Rainbowheart und der Nidorino-Junge. Theo nickt zufrieden. “Gut, jetzt bringt sie in die neuen Zellen und dann können wir nur hoffen, dass Yara nicht so bald neue Rainbowheart anschleppt.“

    - Shay's Sicht -

    Ich habe heute zum ersten mal in meinem Leben eine Schule besucht. Anfangs war es ganz interessant, aber gegen Ende wurde es furchtbar langweilig. Wer kommt freiwillig fünf Tage hintereinander hierher? Immerhin habe ich ein paar Bewohner der Stadt kennen gelernt. Wie erwartet sind sie alle Wasser-Rainbowheart, oder haben Wasser als Zweittypen. Nach dem Unterricht haben ein paar der Mädchen die 'interessantesten' Plätze der Stadt gezeigt. Ich weiß jetzt, wo man die teuersten Kleider kaufen kann. Yaaaaay... Ich hätte mit der anderen Gruppe Mädchen mitgehen sollen. Oder mit den Jungs. Na egal, jetzt bin ich eh erlöst. Ich suche die Stadt nach Luna ab. Dabei fällt mir erneut auf, wie friedlich es ist. Ich habe noch nie jemanden auch nur streiten sehen. Es ist fast schon unheimlich. Mein Blick schweift zu dem Haus, in dem Sir Calong sitzt. Vielleicht könnte ich ihn ein wenig ausfragen. Er weiß bestimmt Antworten. Doch irgendwas hält mich zurück. Vielleicht ist es Respekt, vielleicht Furcht. Es war ein wenig gruselig, ihn so starr auf dem Stuhl sitzen zu sehen. Ich wende den Blick ab und suche weiter nach Luna. Es dauert eine Weile, aber schließlich finde ich sie in einem Café beim Kuchen essen. Ohne mich. So eine Frechheit! Aber gut, schließlich bin ich ohne ein Wort verschwunden. Ich setze mich zu ihr. “Hey Luna, tut mir leid, dass ich einfach verschwunden bin.“ Luna schüttelt lächelnd den Kopf. “Schon okay. Mir tut es leid, dass ich nicht auf dich gewartet habe. Aber sag mal, wo warst du denn?“ Ich erzähle ihr die Geschichte von meiner Tour mit den Schulmädchen. Luna lächelt. “Teure Klamotten sind eben nicht jedermanns Sache.“ Ich seufze. “Ich wusste bis vor kurzem nicht mal, dass ich meine Kleidung wechseln kann. Ich dachte sie hängt mit meiner Art zusammen.“ Luna denkt nach. “Vielleicht sollten die Rainbowheart in deiner Welt nicht auf die Idee kommen, shoppen zu gehen und sich so in Gefahr zu bringen.“ Ich nicke. “Wahrscheinlich. Aber die vielen Vorsichtsmaßnahmen haben meinen Eltern nicht geholfen.“ Schweigen. Ich starre auf die Tischplatte und hoffe, dass ich gerade keine dunklen Erinnerungen in Luna hervorgerufen habe. “Möchtest du darüber reden?“, fragt sie stattdessen vorsichtig. Ich sehe sie an. Luna hat ihren Bruder verloren und ich bezweifle, dass Lunalaa und Solgaleo sie je besucht haben. Letzten Endes geht es ihr nicht besser als mir. Sie mit meinem Kummer zu belasten kommt mir unfair vor. Doch auf der anderen Seite... gerade weil wir etwas ähnliches durchmachen mussten, wird sie mich wohl verstehen. Ich nicke zaghaft. “Meine Eltern haben meine Schwester und mich schon immer von der Zivilisation ferngehalten, doch sie haben uns gerne auf Ausflüge mitgenommen. Während dieser Ausflüge waren wir eigentlich immer getarnt. Nun ja, meine Schwester und ich... wir waren noch klein, wir haben das Risiko nicht verstanden. Deswegen waren wir häufig unvorsichtig. Unsere Eltern haben uns immer gewarnt, vor allem unser Vater. Er war streng, ganz im Gegensatz zu unserer Mutter. Sie wurde nie laut, wenn sie etwas von uns verlangte. Sie war immer ruhig und gelassen... bis wir eines Morgens Beeren sammelten und von Jägern umzingelt wurden. Sie müssen meine Schwester oder mich irgendwann gesehen haben, als einer von uns ungetarnt war. Meine Eltern kämpften, um uns die Flucht zu ermöglichen... den Rest kannst du dir wahrscheinlich denken.“ Ich sehe zu Luna. Diese sieht mitfühlend zurück. Sagen tut sie nichts und dafür bin ich ihr dankbar. Manchmal sind Worte einfach... unnütz. Fehl am Platz. Manchmal reicht es einfach, wenn man zuhört. Luna hat mir einen viele Jahre alten, ziemlich schweren Stein vom Herzen genommen. Diesen Gefallen möchte ich erwidern. “Was ist mit dir? Möchtest du über deine Familie reden?“ Luna schüttelt den Kopf. “Nein. Noch nicht. Die... die Wunde ist noch zu frisch.“ Eine Weile herrscht bedrücktes Schweigen. Dann lächelt Luna plötzlich wieder und winkt eine Kellnerin zu sich. “Würden sie meiner Freundin ein Stück von diesem wundervollen Schokokuchen bringen?“ “Ich habe kein Geld. Dabei, meine ich“, versuche ich zu erklären, doch Luna wehrt ab. “Das geht auf mich. Ich darf doch wohl meiner Freundin ein Stück Kuchen spendieren, oder?“

    - Erzählersicht -

    Währenddessen bei Yvie&Co...

    “Und du bist absolut sicher, Nox?“ Nox nickt, auch wenn niemand von den anderen das sehen kann. “Wir können uns vielleicht nicht teleportieren und das Schloss und seine Umgebung sind abgegrenzt, aber mein Heimatdorf ändert sich nie.“ “Ich freue mich schon darauf, Narja wiederzusehen. Sie war so freundlich. Und ihre Kekse sind spitze!“ Nox lächelt. Yvie jedoch fühlt sich gar nicht wohl. “Ich finde immer noch, dass ich nicht mitkommen sollte.“ Onyx schüttelt den Kopf. “Unsinn. Warum solltest du nicht?“ “Na... ach, auch egal.“ Yvie sieht zu Boden. Onyx sieht sie mit schief gelegtem Kopf an. “Yvie?“ Yvie wendet sich ab. “Es ist nichts. Mir geht's gut. Thema beendet.“ Das ist zwar mehr als auffällig, aber niemand möchte sie bedrängen. Es dauert nicht mehr lange, dann erreichen sie das Dorf. Nox kann es kaum erwarten. Er hat zwar nichts gegen Phionas Gastfreundschaft, doch am schönsten ist es eben immer noch Zuhause. Vor allem, wenn in deiner Welt gerade mittleres Chaos herrscht. Yara war ziemlich fleißig. Das gesamte Herbst-Königreich hat sich ihr schon unterworfen. Welches Königreich als nächstes dran ist, weiß niemand, doch Nox möchte sicher gehen, dass es seiner Großmutter gut geht. Vor allem jetzt, wo Yena entgültig verschwunden ist...

    34
    Kapitel 32
    Die himmlische Hölle


    - Thea's Sicht -

    Als ich aufwache, ist es dunkel. Nur die Zellen leuchten bläulich. Seit wann leuchten die Zellen? Und irgendwie fehlen welche... In den vorhandenen Zellen sind das Blubella-Mädchen und der Nidorino-Junge. Oh, und ich bin auch in einer. Selbstverständlich. Nach ein bisschen weiter umsehen und überlegen komme ich zu dem Schluss, dass wir uns in einem anderem Raum befinden. Wahrscheinlich sind die neuen Zellen hier vollkommen unzerstörbar oder so. Ausprobieren möchte ich das nicht noch einmal, auch wenn ich mich langsam an das Wasser um mich herum gewöhne. Diese Erkenntnis macht mir Angst. Daran sollte man sich nicht gewöhnen. Das ist einfach nur absurd. Auf der anderen Seite kann ich mich dann auf andere Dinge konzentrieren. Zum Beispiel.... beispielsweise.... die Dunkelheit? Die schlafenden Mitgefangenen? Oder ich denke über mein Leben nach, auch wenn ich eigentlich kurz und knapp zusammenfassen kann, wie mein Leben im Moment ist. Vorausgesetzt, mir fällt ein passendes Wort dafür ein. Alternativ könnte ich wieder einschlafen, aber ich habe Angst, dass ich etwas wichtiges verpasse. Ich muss einen Weg hier raus finden. Oder zumindest in Erfahrung bringen, was hier los ist. Am besten natürlich beides. Nun ja, das alles ist garantiert sehr langweilig, also melde ich mich wieder, wenn es etwas interessantes zu erzählen gibt.

    Eine lange Zeit später...

    Ich muss zwischendurch eingeschlafen sein, denn plötzlich stehen plötzlich ganze vier weitere Zellen da. Wer immer die gebaut hat, muss wirklich schnell gewesen sein. Besetzt sind die Zellen auch schon. Nur das Raichu-Mädchen und der Zwirrlicht-Junge sind nicht zu sehen. Ist das gut oder schlecht? Wahrscheinlich macht es keinen Unterschied. Wir sind alle gleichermaßen gefangen, nur könnten sie sich theoretisch ertränken und wir nicht. Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass das Alpollo-Mädchen wach ist und gegen ihre Scheibe klopft, um meine Aufmerksamkeit zu erregen. Hören tue ich nichts und das ärgert mich. Diese blöden Kittelleute haben die Zellen schalldicht gemacht. Sonst noch was? Ich wende mich dem Alpollo-Mädchen zu. Sie deutet auf verkabelte Reifen an ihrem Arm. Ich versuche ihr klarzumachen, dass ich nicht weiß, was sie mir sagen will. Als sie endlich versteht, setzt sie eine Attacke ein. Zumindest versucht sie es. Die Attacke wird absorbiert, noch während sie geladen wird. Und dem Gesicht des Alpollo-Mädchens nach zu urteilen ist dieser Prozess etwas schmerzhaft. Aber zerstört wird nichts. Okay, wir können keine Attacken einsetzen. Das konnten wir vorher auch nicht, zumindest nicht, ohne uns zu ertränken. Aber war das alles, was sie mir sagen wollte? Ich bezweifle es. Plötzlich geht das Licht an. Die Zelle des Alpollo-Mädchens beginnt, rot zu leuchten. Dann passiert erstmal nichts. Ich sehe mich um. Die Wände und der Boden sind dunkelgrau, deshalb hat man im Dunkeln nur die Zellen gesehen. Auf zwei Seiten des Raumes gibt es Türen. Wohin sie führen weiß ich nicht. Unsere Zellen sind am Sockel mit vielen Knöpfen und Schaltern versehen. Außerdem haben alle einen kleinen Bildschirm, allerdings sind sie im Moment schwarz. Wozu die wohl dienen? Als ich gerade beschließe, dass ich es lieber nicht wissen möchte, erscheint etwas auf dem Bildschirm des Alpollo-Mädchens. Eins der vielen angezeigten Sachen ist der Herzschlag. Mit dem Rest weiß ich nichts anzufangen, es ist viel zu klein, um es zu lesen. Da öffnet sich die Tür. Ein paar von den Kittelleuten kommen rein. Sie stellen sich vor den Sockel der Zelle und versperren mir so die Sicht. Ich hasse diese schalldichte Glaswand. Ich möchte wissen, was sie da machen. Nach kurzer Zeit sind sie fertig und gehen mit zufriedenen Gesichtern. Sie unterhalten sich auch, aber wie gesagt, ich verstehe kein Wort. Das Alpollo-Mädchen hat wieder die Augen geschlossen. Das Licht geht aus. Ich bin wieder allein. Also, nicht allein, aber ich habe niemanden zum kommunizieren. Es läuft auf dasselbe hinaus. Blöde Gefangenschaft.

    - Shay's Sicht -

    Zwei Wochen sind vergangen. Langsam vermisse ich die Sonne. Ich meine, theoretisch könnte man sie sehen, mehr oder weniger. Aber das Licht ist nicht so hell wie über dem Meer. Die Stadt kenne ich mittlerweile auswendig. Immer häufiger gehe ich in die Höhle. Kein Wunder, dass Yvie nicht die ganze Zeit bei Phiona bleibt. Sie würde wahrscheinlich hier unten wahnsinnig werden. Es ist schon seltsam... Das, was ich vorher so wunderschön und magisch an diesem Reich fand, hasse ich jetzt abgrundtief. Aber es ist ja meine Schuld, dass ich hier bin. Ich bin ja nicht stark genug, um auf mich selbst aufzupassen. Den anderen bin ich nur im Weg. Luna geht es bestimmt genauso. Vielleicht sollte ich sie suchen und mit ihr reden. Ich könnte versuchen, sie aufzumuntern. Ach, was rede ich da eigentlich? Ich kann ja nicht einmal mich selbst aufmuntern. Seufzend stehe ich auf und verlasse Yvies und Phionas Höhle. Dann schwimme ich aus dem Höhlekomplex heraus und zurück zur Stadt. Zumindest war das der Plan. Stattdessen fängt ein Irrlicht meine Aufmerksamkeit. Ich habe noch nie ein Irrlicht gesehen, aber diese kleine blaue Flamme passt perfekt zu der Beschreibung. Ich frage mich, was zum Giratina ein Irrlicht unter Wasser macht. Normalerweise sollen die doch in Wäldern leben. Außerdem ist es größer, als ich es mir vorgestellt habe. Aus purer Neugier schwimme ich näher, doch das Irrlicht sorgt dafür, dass der Abstand zwischen uns gleich bleibt. Ich stoppe und überlege. Ich habe eh nichts zu tun, also könnte ich einfach dem Irrlicht folgen, auch auf die Gefahr hin, mich zu verirren. Aber ich möchte Luna nicht einfach zurücklassen. Zumindest möchte ich ihr mitteilen, was ich vorhabe. “Warte hier“, sage ich zu dem Irrlicht, auch wenn ich nicht weiß, ob es mich versteht. Ich schwimme zurück in die Stadt. Es dauert eine Weile, Luna aufzuspüren, doch schließlich finde ich sie in unserem Lieblingscafé. Luna sieht mich an. “Hey. Was gibt's?“ In diesem Moment stelle ich fest, wie lächerlich mein Plan eigentlich ist. Ich erzähle es ihr trotzdem. Luna zieht eine Augenbraue hoch. “Irrlichter sind Mythen, Shay. Es gibt sie nicht wirklich. Wahrscheinlich war es nur ein Pokémon.“ So habe ich Luna noch nie reden gehört. Wahrscheinlich zeigt das, wie sehr ihr der Aufenthalt hier unten zu schaffen macht. Ich zucke mit den Schultern. “Ich habe aber eines gesehen. Und da ich hier unten eh nichts zu tun habe, kann ich ihm genauso gut folgen.“ Luna schüttelt den Kopf. “Wir sind hier unten, damit wir in Sicherheit sind.“ Ich schnaube. “Du vielleicht. Mit deinem Prinzessin-Titel bist du den Leuten wichtig.“ Luna sieht mich seltsam an. “Aber-“ “Ich hingegen“, unterbreche ich sie mit verbitterter Stimme, “bin hier unten, weil ich im Weg war. Weil ich der Ursprung des Problems bin.“ Luna schüttelt den Kopf. “Sag doch sowas nicht.“ Ich starre sie einfach an. “Wieso? Es ist doch die Wahrheit. Ich war zu schwach und zu naiv und zack, kurz nachdem Marshadow mich gerettet hatte, ging bei euch alles den Bach runter.“ Ich schlucke meine restlichen Gedanken runter. “Ich werde jetzt dem Irrlicht folgen. Wenn ich nicht zurückkehre, dann weißt du was passiert ist.“ Ich drehe mich um und schwimme schnell weg. Luna hält mich nicht auf. Sie sitzt nur am Tisch und sieht mir durch's Fenster hinterher. Ich schwimme den ganzen Weg zurück zur Höhle. Das Irrlicht wartet noch dort. Ich schwimme auf es zu und es bewegt sich weg. Es führt mich immer tiefer in die Höhle. Während ich ihm hinterher schwimme, ärgere ich mich, dass ich mich so kindisch benommen habe. Eine richtige kleine Dramaqueen. Ich schäme mich für mein Verhalten und wäre am liebsten umgekehrt, um mich bei Luna zu entschuldigen. Aber jetzt ist es zu spät. Ich bin schon zu weit vorgedrungen. Es gibt kein Zurück. Ich folge weiter dem Irrlicht. Abgesehen von ihm sehe ich gar nichts. Hier wachsen keine Pflanzen. Zumindest keine leuchtenden. Also muss ich dem Irrlicht blind vertrauen. Langsam verliere ich sowohl meine Orientierung, als auch mein Zeitgefühl. Das macht mich etwas nervös, aber ich versuche, dieses Gefühl zu ignorieren. Plötzlich verschwindet das Irrlicht in der Dunkelheit. Verwirrt bleibe ich stehen. Wo ist es hin? Jetzt sehe ich gar nichts mehr. Und was mache ich jetzt? Ich möchte nicht für immer hier bleiben, also tue ich das, was mir am natürlichsten erscheint. Ich setze vorsichtig einen Fuß vor den anderen. Und dann, ehe ich realisieren kann, was vor sich geht, werde ich von einem grellen Licht geblendet.
    Als ich wieder sehen kann, stehen ich auf einer Wiese. Das kann eigentlich nicht sein, denn ich kann definitiv noch atmen, auch ohne das Gegenmittel. Verwirrt sehe ich mich um. Auf der Wiese steht zwar hier und da mal ein Baum und in der Ferne glitzert ein See, doch ansonsten gibt es hier nichts. Unter einem Baum in der Nähe schwebt das Irrlicht. Plötzlich flackert es und wird größer. Seine Form ändert sich und es verwandelt sich in einen Lichtel-Jungen von geschätzt neun Jahren. Er winkt mich zu sich. “Komm, meine Geschwister warten auf dich.“

    - Erzählersicht -

    Währenddessen in Sevca...

    Onyx ist überrascht, wie gelassen Narja Yenas Verschwinden aufnimmt. Nun ja, zumindest... bricht sie nicht in Tränen aus. Sie seufzt nur tief. “Es war eine Frage der Zeit. Sie hat sich mit ihrem Dickkopf schon immer in Schwierigkeiten gebracht.“ Sie wendet sich Nox und Lilly zu. “Euren Freunden geht es aber gut?“ Die beiden nicken. Narja lächelt. “Das ist gut. Hoffentlich bleibt das so. Es scheint mir, als wäre es nirgendwo mehr sicher.“ Ihr Lächeln verschwindet. “Yara hat Wind davon bekommen, dass im Frühlings-Königreich noch jede Menge Leute leben. Offenbar überlegt sie gerade, ob sie erst das Winter- oder das Frühlings-Königreich leerräumt.“ Yvie nickt. “Davon haben wir gehört. Ich hoffe die Dörfer im Frühlings-Königreich wissen das auch.“ Narja seufzt. “Was anderes als hoffen bleibt uns nicht übrig, hm? Ich wünschte, wir wären nicht so hilflos.“

    35
    Kapitel 33
    Trivia, Trivia, Trivia... was hat das bitte mit mir zu tun? ...Oh.


    - Shay's Sicht -

    Ich habe keine Lust, die Geschwister eines Lichtel-Rainbowhearts zu treffen. Sie haben nämlich einen ziemlich ähnlichen Ruf wie das Pokémon Lichtel. Auf der anderen Seite habe ich von Anfang an gewusst, dass die Wahrscheinlichkeit zurückzukehren sehr gering ist. Ich folge dem Jungen also. “Wie heißt du?“ Er lächelt mich an, wie ein ganz gewöhnlicher Junge. “Blue Joe. Eigentlich Joey, aber Blue Joe klingt cooler.“ Ich muss schmunzeln. “Mein Name ist Shay.“ Verwirrt bleibt Joey aka Blue Joe stehen. “Shay? Nicht Flamey? Obwohl, wenn du deine Tarnung aufgegeben hast...“ Ein kalter Schauer läuft mir den Rücken hoch. Ich drehe mich zu Joey und halte ihn fest. “Joey, arbeitest du für Yara?“ Verwirrt legt Joey den Kopf schief. “Wen?“ Ich beschreibe ihm Yara. Joey schüttelt den Kopf. “Kenn ich nicht. Ich arbeite für niemanden, ich helfe nur meinen Geschwistern.“ Erleichtert atme ich auf. “Das ist gut... das ist sehr gut...“ “Äh...“ Joey beginnt zu zappeln. “Kannst du mich jetzt bitte loslassen?“ “Oh, richtig.“ Schnell lasse ich Joey los. Joey geht weiter und ich folge ihm. Plötzlich ist er verschwunden. Genau wie vorhin gehe ich weiter. Und tatsächlich: Ich lande an einem anderen Ort. Vor Staunen vergesse ich zu atmen. Die Farben im Himmel reichen von schwarz, über dunkelblau bis hin zu einem dunklen Lilaton. Es sind mehr Sterne zu sehen als irgendwo sonst. Doch das ist nicht alles. Vor mir erstreckt sich ein mit weißen Marmorsäulen flankierter Weg aus ebenso weißen Marmorplatten. Rechts und links vom Weg liegen Wiesen mit kleinen weißen Blumen. Weiter hinten stehen Gebäude, vollständig aus weißem Marmor gebaut. Am Ende des Weges, auf dem ich stehe, befindet sich ein gewaltiger Palast mit einem hohen Turm. Er ist ebenfalls aus Marmor, allerdings sind dort auch goldene Verzierungen zu erkennen. Hinter mir ist ein Springbrunnen. Er aus Kristall. Erst denke ich, dass er Sprünge hat, doch dann erkenne ich, dass es silberne Muster sind. Das Wasser im Springbrunnen schimmert leicht. Ich meine, irgendwo eine beruhigende Melodie zu hören. Und obwohl über mir ein Sternenhimmel ist, ist es taghell. Die ganze Gegend ist verwirrend und zugleich wunderschön. Wahrscheinlich hätte ich den ganzen Tag einfach nur dort gestanden und gestaunt, doch dann kommt Joey zu mir, nimmt meine Hand und zieht mich mit. “Komm endlich!“ Wir betreten den Palast und mir klappt erneut der Mund auf. Wie befinden uns in einer riesigen Eingangshalle mit vielen Treppen, Statuen, gemeißelten Bildern und einem weiteren Kristallspringbrunnen, nur das dieser über drei Stockwerke reicht und ein ganzes Stück aufwendiger gestaltet ist. Überall laufen Menschen, Pokémon und Rainbowheart herum. Sie scheinen sich gut zu verstehen. Jeder grüßt den anderen freundlich, einige nehmen sich die Zeit und plaudern miteinander... in unserer Welt im Moment undenkbar. Zumindest in diesem Ausmaß. Ungeduldig zieht Joey mich weiter. Ich sehe hier und da außergewöhnliche Pflanzen, die einfach durch den Marmorboden hindurch gewachsen sind. Ich frage mich, ob man die Früchte daran essen kann... oder darf. Wir laufen durch ein paar lange Flure mit Bildern von legendären und mysteriösen Pokémon. Schließlich kommen wir in einen Saal, dessen Wände und Decke aus Kristall sind, sodass man den Sternenhimmel sehen kann. Der Boden ist mit Gras bedeckt, obwohl wir mindestens zwei Stockwerke hoch gelaufen sind. Und obwohl es hier keinen Wind gibt, wiegt sich das Gras sanft hin und her. Joey bleibt stehen und sieht sich um. “Sis? Bist du da?“ Ein Mädchen mit rosa Haaren, rosafarbener Kleidung und gleichfarbigen Ohren und Schwanz fliegt an uns vorbei, wendet dann und umarmt Joey stürmisch. “Joey!“ “He!“ Verzweifelt versucht Joey, sich aus der Umklammerung zu befreien. “Lass mich los, Sis! Und nenn mich Blue Joe! Das ist viel cooler als Joey. Joey klingt wie ein kleines Kind.“ Lachend lässt das Mädchen ihren Bruder los. “Meinetwegen, aber dann musst du aufhören, dich immer in der Lichtelgestalt herumzutreiben. Du siehst lächerlich aus mit dieser Flamme auf deinem Kopf.“ Joey grinst. “Okay!“ Er sieht zu mir. “Versuch, nicht zu beeindruckt zu sein.“ Er verändert seine Form. Jetzt sieht er fast aus wie seine Schwester, nur dass er andere Kleidung trägt, seine Haare kürzer sind und er nicht rosa, sondern blau ist. Jetzt, wo beide vor mir stehen und mich erwartungsvoll ansehen, geht mir auf, was für Rainbowheart ich vor mir habe. “I-Ihr seid...“ Das Mädchen lacht und macht einen Salto in der Luft. “Genau! Wir sind die Kinder von Mew! Tadaa!“ “Ach, Sis, wo ist Tiki?“, fragt Joey seine Schwester. Himmel, wie viele Kinder hat Mew? Na gut, Mew ist das erste Pokémon, das Arceus erschaffen hat und der genetische Vorfahre aller anderen Pokémon, aber trotzdem. “Tiki ist im Gracidea-Garten bei Aysha“, erklärt Joeys Schwester. Bevor sie zu sehr vom Thema abweichen, wende ich mich an Joey. “Kinder von... hat Mew dich geschickt, um mich hierher zu führen?“ Ich schüttel den Kopf. “Ach was, vergiss es. Das kann gar nicht sein.“ Joey grinst. “Doch, das war der Plan. Glaub es oder nicht, die Legendären und die Mysteriösen mögen dich. Marshadow hat dir doch schon einmal geholfen, oder nicht?“ Ich nicke. “Schon, aber ich... warum ich? Warum nicht... warum nicht zum Beispiel Luna? Sie ist doch die Tochter von Lunalaa.“ Joeys Schwester überlegt. “Das müsstest du sie selbst fragen. Wir haben keine Ahnung.“ “Sie selbst...“ Ich schüttel den Kopf. “Kann ich das denn? Ich meine...“ Joey tippt mir gegen die Stirn. “Überleg doch mal. Warum sollte ich dich wohl holen? Mew und Arceus wollen mit dir reden.“ Tatsächlich ist mir das auch in den Sinn gekommen, aber es klingt einfach zu unglaublich, um es wirklich zu glauben. Joeys Schwester nimmt meine Hand. “Komm jetzt, wir wollen die beiden nicht länger warten lassen. Ich bin übrigens Summer.“ Joey nimmt meine andere Hand und dann fliegen wir los. Wortwörtlich. Die beiden sind wirklich schnell. Und stark. Innerhalb von wenigen Minuten sind wir auf der Spitze des Palastturms. Vorsichtig setzen die Geschwister mich ab. Die Turmspitze ist im Grunde eine einzige große runde Platte mit am Rand verteilten Marmorsäulen. Joey und Summer führen mich zur Mitte. Dort verbeugen sie sich einmal tief. “Wir sind eingetroffen, Herr Arceus.“ “Meine Güte. Wie oft soll ich es euch noch sagen? Nennt mich einfach Arceus. Und lasst die Verbeugungen bitte. Ich meine, welches Jahrhundert haben wir? Ich habe schon lange keinen Einfluss mehr auf die Erde genommen. Zumindest keinen großen...“ Der Schöpfer des Universums erscheint vor uns. Neben ihm schwebt Mew. Sie sehen äußerst gelassen aus. “Ah, Shayla“, begrüßt Arceus mich. “Oder möchtest du lieber Shay genannt werden?“ Ich nicke, mehr bringe ich nicht zustande. Arceus nickt. “Also gut, Shay. Ahnst du, warum du hier bist?“ Ich schüttel den Kopf. Es ist schwierig, bei Arceus einen Gesichtsausdruck zu erkennen, aber ich bin sicher, dass er lächelt. “Natürlich nicht. Das ist sicher alles sehr seltsam. Nun, du bist aus zwei Gründen hier. Der erste Grund: Wir konnten dich nicht dort unten lassen. Wir hatten Sorge, du könntest in deiner Verzweiflung den Bann brechen, der das Königreich so gut versteckt hält.“ Ich senke beschämt den Kopf. So schlimm habe ich mich verhalten? So schlimm, dass Arceus mich in seine Welt holen muss? “Hey...“ Ich spüre eine Pfote auf meinem Kopf und sehe hoch. Mew lächelt mich aufmunternd an. “Mach dir keine Vorwürfe. Du kannst nicht für immer deine Gefühle unterdrücken. Außerdem...“ Mew sieht zu Arceus, dann wendet sie sich wieder mir zu. Ja, ich weiß, legendäre Pokémon haben kein Geschlecht, aber Mews Stimme klingt weiblich. “Das war nur einer der Gründe. Der andere... nun, jemand hat uns gebeten, dich zu uns zu holen. Nun ja, um genau zu sein waren es drei Leute.“ Überrascht sehe ich zu Arceus. “Ihr nehmt solche Wünsche an?“ Arceus wiegt den Kopf hin und her. “Nun, eigentlich nicht, aber wir befinden uns in einer Ausnahmesituation. Vor allem, seitdem Yara Kiron in ihre Klauen bekommen hat.“ Ich werde nachdenklich. “Kiron... der Name sagt mir was, aber woher...“ Da macht es in meinem Gehirn *klick*. Ich sehe zu Arceus. “Sie haben deinen Sohn erwischt?“ Arceus nickt. “Kurz nachdem ihr aufgebrochen seid. Kiron ist ziemlich mächtig. Dass er geschnappt wurde bedeutet, dass wir mächtig Ärger haben. Wenn er zerstäubt wird, hat Mark genau das, was er braucht, um unser Reich zu finden und meine Macht an sich zu reißen. Ich möchte lieber nicht herausfinden was mit einem Menschen passiert, der so viel Macht hat.“ Verwirrt versuche ich zu verarbeiten, was Arceus gesagt hat. Leider misslingt es mir. “Also, noch einmal zurückspulen. Wer ist Mark? Was genau hat er denn vor? Was hat Kiron damit zu tun? Was meinst du mit 'zerstäuben'? Und was habe ich mit alledem zu tun?“ Mew übernimmt für Arceus das Erklären. “Mark ist der Anführer von Team Spaceship, einer Organisation, die aus den Resten von Team Rocket entstanden ist. Yara ist Marks Rechte Hand. Marks Ziel ist es, mithilfe von Regenbogensplittern an diesen Ort zu gelangen und Arceus macht, die Welt zu formen, zu stehlen. Ich meine, Arceus hat zwar diese Macht versiegelt, da er sie nicht mehr braucht, aber mit genügend Kraft kommt man noch da ran. “ “Regenbogensplitter?“ Unwillkürlich lege ich die Hand auf mein Herz. Arceus nickt. “Genau die. Um sie möglichst unbeschädigt zu erhalten, haben die Laboranten von Team Spaceship eine besondere Methode entwickelt, das Zerstäuben. Wir wissen nicht viel darüber, doch wie der Name schon sagt, zerfällt das Opfer durch diese Methode zu nichts als farbigem Staub. Nur die Regenbogensplitter bleiben zurück. Kiron als mein Sohn hat besonders viele Rainbowsplitter. Wenn er zerstäubt wird, würde ihnen nicht mehr viel fehlen, um hierher zu kommen und meine Macht zu stehlen.“ Das war jetzt alles viel verständlicher. Nur... “Was habe ich damit zu tun?“ Mew lächelt verlegen. “Nun ja... wir würden ja selbst eingreifen... aber wir sind noch immer Pokémon. Und nicht alle Menschen haben viel Respekt vor uns... Wir fürchten, dass sie uns fangen und wir ihnen die Sache damit noch leichter machen würden. Also brauchen wir jemanden, auf den Yara es abgesehen hat und der nicht für die ganze Bevölkerung der Rainbowheart-Welt zuständig ist.“ Überrascht reiße ich die Augen auf. “Mich? Aber ich...“ Mew schüttelt den Kopf. “Kein Aber. Wir werden dich trainieren. Und du hättest auch was davon.“ Mew schließt die Augen und plötzlich sehe ich ein Bild von meiner Schwester. Sie ist in einer Glaszelle gefangen und hat die Augen geschlossen. Ihre Haare sind länger geworden, ihre Kleidung zerschunden und sie hat eine Narbe quer über der Stirn, aber es ist eindeutig Thea. Das Bild verschwindet und Mew öffnet die Augen. Ich schnaube verächtlich. “Clever.“ Mew seufzt. “Es tut uns wirklich leid, glaube mir. Aber besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. Es ist schlimm genug, dass wir Sol verloren haben.“ Entsetzt schnappe ich nach Luft. “Also ist er wirklich?“ Mew schließt wieder die Augen. Diesmal sehe ich das Bild von einem Monsterheart. Der Kopf hat noch die Form eines Menschen, doch er ist von Fell bedeckt und von einer Mähne umgeben. An seinen Händen sind lange Krallen, die Beine sind die eines Solgaleo und auch der Schwanz ist vorhanden. Die Arme und der Brustkorb sind stellenweise von Fell bedeckt. Das Bild verschwindet und Mew öffnet die Augen wieder. “Das einzig positive daran ist, dass es Team Spaceship nichts bringt, ihn zu zerstäuben. Aber das wars dann auch.“ Arceus nickt. “Also, Shay, nimmst du dich der Aufgabe an?“ Alle sehen erwartungsvoll zu mir. Ich überlege. Ich meine, ich würde gerne helfen. Ich würde jede Gelegenheit nutzen, um meinen Teil beizutragen. Doch bin ich der Aufgabe gewachsen? Und ist es wirklich fair denen gegenüber, die für mich gebürgt haben? Wobei... Ich würde von legendären Pokémon unterrichtet werden. Und ich muss irgendwas unternehmen, wenn ich nicht wahnsinnig werden will. Ich nicke entschlossen. “Ich übernehme die Aufgabe.“ Jetzt ist es eindeutig zu sehen: Arceus lächelt. “Gut. Dann sollten wir unverzüglich mit dem Training beginnen.“ “Oh, warte“, unterbreche ich. “Eine Frage habe ich noch. Wer wollte, dass ihr mich vorübergehend aufnehmt?“ “Ich weiß es, ich weiß es!“, ruft Summer aufgeregt. “Die erste war Lilly. Die zweite Luna. Und der dritte ist Onyx.“

    36
    Kapitel 34
    Erinnerungen


    - Erzählersicht -

    “WAS? ARCEUS!“ Lilly nickt. “Seit ich Solgaleo großgezogen habe, habe ich einen guten Draht zu legendären Pokémon. Es war gar nicht schwer, ihn zu erreichen.“ Was Lilly ihnen nicht erzählt, ist, was Arceus letzten Endes dazu gebracht hat, Shay zu sich zu nehmen. Begeistert ist sie davon nicht, doch es ist besser als gar nichts. Und bei Arceus zu trainieren könnte Shay unglaublich stark machen. Doch eine Sache interessiert sie noch. “Ich bin nicht die einzige, die Arceus um Hilfe für Shay gebeten hat. Zwei weitere Personen hatten die gleiche Idee. Eine könnte Luna sein. Und die zweite...“ Sie sieht zu Nox. “Warst du das?“ Nox schüttelt den Kopf. “Ehrlich gesagt nicht. Ihr schien die Unterwasserwelt zu gefallen.“ Onyx schnaubt. “Deswegen war sie auch so entsetzt, als sie erfuhr, dass sie dort bleiben sollte...“ Verwirrt sieht Nox zu Onyx. “Hast du was gesagt?“ Onyx sieht Nox mit starrem Blick an. “Nein.“ Yvie runzelt misstrauisch die Stirn, Lilly hingegen bleibt entspannt und nimmt sich einen Keks. Narja ist eine wundervolle Bäckerin. Und sie ist so unglaublich nett, wie viele Rainbowheart. Lilly findet es einfach nur scheußlich, dass Yara solche freundlichen Leute verfolgt, gefangen nimmt und ihre Welt zerstört. Sie weiß schon lange, dass Menschen furchtbare Monster werden können, manche sogar wortwörtlich, doch es überrascht sie immer wieder von neuem. “Lilly? Hörst du zu?“ “Hm?“ Lilly sieht auf. Nox schaut sie besorgt an. “Alles okay?“ Lilly nickt. “Ich habe nur nachgedacht. Was gibt's?“ “Onyx wollte wissen, ob Arceus Shay wirklich zu sich genommen hat, oder ob er das einfach nur gesagt hat“, erklärt Yvie. Lilly legt den Kopf schief. “Solange Shay damit einverstanden ist, ja. Wieso?“ Onyx zuckt mit den Schultern. “Es klingt ziemlich unwahrscheinlich, dass das Schöpfer-Pokémon einfach so jemanden aufnimmt.“ Unter Onyx misstrauischem Blick fühlt Lilly sich unwohl, doch sie ist fest dazu entschlossen, nicht die ganze Wahrheit zu erzählen. “Nun, wie gesagt, insgesamt drei Pokémon haben darum gebeten. Ich habe einen guten Draht zu den Legendären, Luna ist die Tochter von Lunaala und ich bin sicher, die dritte Person hat auch eine bestimmte Verbindung zu Arceus.“ Onyx dreht den Kopf weg. “Mag sein...“ Plötzlich rührt sich etwas in Lillys Tasche. Verwundert greift Lilly hinein und zieht einen Pokéball heraus. Sofort schämt sie sich. Sie hat ihre Pokémon Ewigkeiten nicht mehr aus dem Ball gelassen. Schlimmer noch, sie hat sie durch all die Aufregung einfach vergessen. Sie öffnet den Ball und heraus kommt ihre treue Partnerin Flocke. Das Alola-Vulpix schüttelt sich, dann starrt sie wütend Lilly an. “DU! Ich kann ja verstehen, dass du nicht als Mensch erkannt werden willst, aber kannst du dich nicht wenigstens ab und zu mal melden!“ Lilly zieht den Kopf ein. “Tut mir leid, Flocke.“ “DAS SOLLTE DIR AUCH LEID TUN!“ Flocke springt auf Lillys Schoß. Lilly glaubt schon, dass Flocke ihr das Gesicht gefrieren wird. Doch dann kuschelt Flocke sich an sie. “Ich hab dich vermisst.“ Lilly streichelt Flocke. “Tut mir leid.“ Erst jetzt bemerkt sie die geschockten Gesichter von Yvie und Onyx. “Ähm.... das ist Flocke. Sie ist ein Alola-Vulpix und eigentlich meine ständige Begleiterin....“ Für Onyx ist die Sache damit geklärt, Yvie jedoch bleibt angespannt. “Du bist also eine Pokémon-Trainerin. Solche, die ihre Pokémon in winzigen Bällen gefangen halten.“ “Von innen sind die gar nicht so winzig...“, murmel Flocke. Nox sieht lächelnd zu Lilly. “Erinnerst du dich noch, als wir uns kennengelernt haben?“ Lilly nickt. “Shay wollte unbedingt zurück in den Pokéball, weil sie dort keine Schmerzen spürt. Aber das hat sich schnell gegeben. Letzten Endes war sie froh, sich nicht mehr verstecken zu müssen.“ Onyx schaut so ruckartig auf, dass sein Genick knackt. “Du hast Shay in einem Pokéball gefangen?“ Lilly nickt. “Marshadow brachte sie zu mir, nachdem sie fast in Yaras Klauen gelangt wäre. Er bat mich darum, auf sie aufzupassen. Und da ich in den Städten meine Pokémon im Ball lasse, habe ich sie zum Schutz und damit niemand Verdacht schöpft eingefangen und ihr einen Decknamen gegeben.“ Lilly sieht aus dem Fenster und verfällt in Schweigen. Sie würde gerne mehr erzählen, von ihren Erlebnissen zusammen, von ihrem eigenen Leben in Alola, von den Freunden, die sie dort zurückgelassen hat. Auf einmal hat Lilly furchtbares Heimweh. Gedankenverloren streichelt sie Flockes kaltes, weiches Fell, während sie an die Abenteuer denkt, die sie mit Wölkchen und ihren Freunden erlebt hat.

    - Shay's Sicht -

    Ich bekomme schnell zu spüren, wie hart mein Training ist. Nachdem die Mew-Geschwister mich überall herumgeführt hatten, ging es direkt los mit dem Training. Mein Lehrer ist niemand geringeres als Mewtu. Warum Mewtu? Ganz einfach. Auch Mewtu hat durch Menschen gelitten, genauer genommen unter Team Rocket. Da Team Spaceship aus Team Rocket entstanden ist, hat Mewtu eine Menge Ahnung von ihnen. Und er ist mehr als bereit, mich zu trainieren. Aber noch kämpfe ich nicht gegen ihn, sondern gegen andere Pokémon. Bisher gibt Mewtu mir nur Anweisungen. Doch auch so ist das Training hart. Ich kämpfe gerade mal seid zwanzig Minuten und bin jetzt schon an meiner Grenze. Das Mewtu das merkt ist offensichtlich, doch er treibt mich nur noch weiter an. Das frustriert mich ungemein. Ein Lächeln huscht über Mewtus Gesicht. “So ist es gut. Nutze deine Frustration als Kraftreserve. Durchbrich deine Grenze.“ Das sagt er so leicht. Er könnte mit einer Bewegung alle hier ausschalten. Ich kämpfe weiter, obwohl meine Muskeln nach einer Pause schreien. “Such dir ein Pokémon aus. Wenn du es besiegst, darfst du eine Pause machen. Pass aber auch auf die anderen Gegner auf.“ Meine Wahl ist schnell getroffen: Ein Roselia. Als Pflanzen-Typ kann es meinen Feuer-Attacken garantiert nicht lange standhalten. Ich bahne mir einen Weg durch die Gegner. Sie haben meinen Plan durchschaut und versperren mir den Weg. Mühsam kämpfe ich mich durch. Als ich bei dem Roselia ankomme, kann ich kaum noch stehen. Ich setze eine Feuer-Attacke ein, doch es ist nichts weiter als ein winziges Flämmchen. Dann nimmt die Erschöpfung endgültig Oberhand. Ich sinke zu Boden und schlafe ein.

    Eine unbestimmte Zeit später...

    Ich wache in einem großen, gemütlichen Bett auf. Vorsichtig richte ich mich auf und sehe mich um. Ich befinde mich in dem Zimmer, das mir vorübergehend zur Verfügung gestellt wurde. Jeder Muskel in meinem Körper schmerzt, deshalb lasse ich mich zurück ins Kissen sinken. Ich höre, wie die Tür sich öffnet. “Ah, du bist wach.“ Es ist Mewtu. Er schwebt zu mir ans Bett. “Ich muss sagen, du bist schlechter, als ich erwartet habe.“ Na das hört man doch gerne, wenn man gekämpft hat, bis man zusammengebrochen ist. Mewtu sieht mich an, als wüsste er genau, was ich denke. “Du hättest nicht zusammenbrechen müssen. Sag mir, weshalb hast du das Roselia gewählt?“ Ich zucke mit den Schultern. “Roselia ist Typ Pflanze und hat deshalb einen Nachteil gegenüber Feuer. Ganz einfach.“ Mewtu seufzt. “Sicher hast du das angeschlagene Relaxo gesehen?“ Ich überlege. “Das große, das mich einfach zerquetschen könnte?“ “Das große, langsame“, erwidert Mewtu. “Ich habe gesehen, wie schnell du bist. Und das Relaxo stand weit abseits von den anderen Pokémon, weil es 1. schon sehr angeschlagen war und 2. sich nach Möglichkeit nicht bewegt. Du hast es vorher im Kampfgetümmel mehrfach angegriffen, warum also nicht danach?“ Ich beginne darüber nachzudenken, doch Mewtu spricht schon weiter. “Oder hast du das Lapras gesehen?“ “Das war ein Wasser-Pokémon“, versuche ich mich zu verteidigen. Mewtu sieht mich tadelnd an. “Ich bin mir absolut sicher, dass du auch dieses Pokémon mehrfach angegriffen hast, und zwar mit Biss. Warum also nicht dann, als es von den anderen getrennt wurde?“ Er seufzt. “Ich könnte dir noch ein paar Beispiele nennen. Typenvor- und Nachteile sind zwar wichtig, doch von ihnen hängt nicht der ganze Kampf ab. Merk dir das gut.“ Ich nicke. “Das werde ich.“ “Gut. Ruh dich noch etwas aus. Wenn ich wiederkomme, machen wir weiter.“ Mit diesen Worten verlässt Mewtu das Zimmer wieder. Ich seufze. Vielleicht sollte ich jemanden bitten, mir, während ich hier liege, Theorieunterricht zu geben.

    - Erzählersicht -

    “Pass auf dich auf, Oma“, verabschiedet Nox sich von Narja. Er und seine Freunde brechen auf ins Frühlings-Königreich. Zum Zentrum des Winter-Königreiches hat noch immer niemand Zutritt, also ist eine Reise dorthin unmöglich. Vielleicht können sie zumindest in den verbliebenen Dörfern helfen. Dank Narja sind sie mit genügend Proviant, einem Erste-Hilfe-Kasten, Heilbeeren, sowie Zelten und Schlafsäcken ausgestattet. Taschen sind wirklich etwas magisches. Die vier verlassen Sevca. Wahrscheinlich wäre es am schnellsten, auf Yvie zu fliegen, aber noch einmal möchten sie das nicht wagen. Der letzte Flug war schon riskant. Also werden sie ihren Weg zu Fuß zurücklegen müssen. Lilly beschließt, zumindest Flocke aus dem Ball zu lassen. Diese ist begeistert von dem vielen Schnee. Ausgelassen tobt sie darin herum, achtet aber immer darauf, sich nicht zu weit von Lilly zu entfernen. Nox seufzt. “Ich wünschte, wir müssten nicht den ganzen Weg laufen. Mir gefällt es nicht, wie schnell Yara vorankommt. Yvie zuckt mit den Schultern. “Gerade weil sie so schnell vorankommt, sollten wir nicht mehr fliegen. Wer weiß, wo sie sich gerade aufhält.“ Lilly nickt. “Selbst mit Drake zu fliegen sollten wir lieber lassen. Nicht, das er uns alle tragen könnte, aber...“ Sie braucht den Satz nicht beenden. Die anderen wissen auch so, was sie meint. “Ich könnte uns auch einfach teleportieren“, murmelt Onyx. “Ihr müsst mich nur fragen.“ Yvie zuckt zusammen. Sie hat Onyx ganz vergessen. Lilly sieht Onyx besorgt an. “Bist du sicher? In letzter Zeit wirkst du, als wärest du nicht ganz du selbst.“ Onyx dreht den Kopf weg. “Mir geht's gut.“ “Nun... warum nicht?“, meint Nox. “Onyx, bringst du uns bitte ins Frühlings-Königreich?“ Onyx nickt. “Haltet euch aneinander fest. Und Lilly, ruf vorsichtshalber Flocke zurück.“ Lilly nickt und schickt Flocke zurück in den Pokéball. Dann bereiten sich alle auf den Teleport vor. “Okay, fünf... vier... drei...“ Anstatt zuende zu zählen teleportiert Onyx alle schon bei drei. Nox taumelt verwirrt, als sie ankommen. “Was zum Giratina, Onyx? Was sollte das?“ Onyx zuckt mit den Schultern. “Mache ich oft so.“ Yvie sieht sich um. “Uuuund... wo sind wir?“ Lilly sieht sich um. In der Nähe ist ein Höhleneingang, ansonsten gibt es weit und breit nur Wiese. Nox lächelt. “Das ruft Erinnerungen wach.“ Jetzt fällt es auch Lilly wieder ein. In der Höhle haben Luna, Shay und sie Nox getroffen. Nun ja, Shay nicht direkt, aber Luna und sie auf jeden Fall. Dort drin gibt es irgendwo einen Übergang zur Menschenwelt. Und hier in der Nähe gibt es ein Dorf, falls es noch nicht von Yara zerstört wurde. Nox winkt die anderen zu sich. “Kommt! Ich weiß, wohin wir gehen können.“

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    Kapitel 35
    Training und andere große Kleinigkeiten


    - Shay's Sicht -

    Zeit spielt keine Rolle in Arceus' Welt, doch ich habe das Gefühl, dass ich schon seit Wochen trainiere. Immerhin zahlt es sich aus. Mittlerweile bin ich stark genug, um gegen Mewtu anzutreten. Natürlich wäre ich in einem richtigen Kampf noch lange nicht in der Lage, ihn zu besiegen, aber immerhin kann ich ein paar seiner Attacken einstecken, bevor ich k.o. zu Boden sinke. Trotzdem kämpfe ich noch häufig gegen mehrere verschiedene Pokémon gleichzeitig. Wenn ich mich nach einem Kampf erholen muss, bekomme ich Theorieunterricht von Tiki. Sie ist älter als Summer und Joey und hat mehr Kampferfahrung. Zudem ist sie deutlich ernster, fast so ernst wie Mewtu. Sie scheint auch Spaß daran zu haben, mich andauernd an den Zustand meiner Schwester zu erinnern, als 'Ansporn'. Dabei ist das alles andere als anspornend. Im Gegenteil, es zieht mich runter und erinnert mich daran, wie verantwortungslos ich gewesen bin. Aber irgendwie scheint sie das nicht zu merken. Ich bin gerade wieder auf dem Weg zum Trainingsplatz. Dieses mal würde ich wieder gegen Mewtu antreten. Mittlerweile weiß ich ungefähr, wie er kämpft, auch wenn ich noch herausfinden muss, wie ich am besten auf seinen Kampfstil reagiere. Am besten hilft dann ausprobieren. Ich erreiche den Trainingsplatz. Mewtu wartet schon. “Heute werden wir woanders trainieren.“ Nette Begrüßung, aber das bin ich mittlerweile gewohnt. “Warum?“, frage ich ihn, doch da fällt mir die Antwort schon selbst ein. “Ich soll lernen, in verschiedenen Umgebungen zu kämpfen.“ Mewtu nickt. “Und gleichzeitig sollst du lernen, dir deine Umgebung zunutze zu machen.“ Das klingt noch nicht einmal schwer. Wobei ich keine Ahnung habe, wie sich Mewtu seine Umgebung zunutze macht. Mal sehen, was dabei herauskommt. Unser vorübergehender Trainingsplatz ist in einem Wald. Nachdem Mewtu die Anwesenden darum gebeten hat, den Wald zu verlassen, beginnt unser Training. Anfangs verstecke ich mich nur hinter den Bäumen. Erst viel später erkenne ich einen weiteren Nutzen: Man kann sich prima von den Bäumen abstoßen. In getarnter Form ist es aber einfacher als ungetarnt. Ich schlage mich in der neuen Umgebung ziemlich gut. Das heißt aber noch lange nicht, dass ich Mewtu auch nur ansatzweise außer Atem bringen könnte. Auch er nutzt die Bäume sehr gut. Im Prinzip verläuft das Training wie immer: Eine Zeit lang lande ich immer mal wieder einen Treffer, doch nach drei Treffern von Mewtu bin ich außer Gefecht gesetzt. “Gut gemacht.“ Das ist wahrscheinlich das erste mal, dass ich von Mewtu gelobt werde. Normalerweise hagelt es nur Verbesserungsvorschläge. “Danke.“ “Aber du hast noch viel zu lernen. Wenn du wieder fit bist, treffen wir uns wieder hier und du kämpfst gegen mehrere Pokémon. Ich rede mit Tiki. Sie wird dir erklären, was du noch besser machen kannst. Nun geh.“ Oh, super. Ich verlasse den Wald und gehe zurück. Halte durch, Thea. Ich komme sobald ich stark genug bin. Wenn ich nur schneller stärker werden könnte...

    - Erzählersicht -

    Lilly hat die Nase gestrichen voll. Dem Dorf geht es wunderbar. Als sie ankamen, feierten die Dörfler gerade irgendein Fest. Es erinnerte Lilly an das Fest in Lili'i, wo Tali und Sun gegeneinander angetreten sind. Das verminderte ihr Heimweh nicht gerade. Jetzt ist es mitten in der Nacht und Lilly sollte eigentlich schlafen, doch sie kann nicht. Ihre Gedanken schweifen immer wieder zu dem Tunnel, durch den sie in diese Welt gekommen ist. Er ist ganz in der Nähe... “Reiß dich zusammen“, ermahnt Lilly sich leise. Sie kann ihre Freunde nicht im Stich lassen. Plötzlich hört sie draußen Stimmen. “Bist du sicher?“ “Klar! Das blonde Mädchen hat eine Menschenaura.“ “Ich dachte Lucarios wären die Aura-Spezialisten.“ “Du weißt was ich meine.“ “Jaja, Psycho-Rainbowheart und so weiter. Aber was machen wir jetzt?“ “Nun, wir können nicht riskieren, dass sie uns ausspioniert. Nicht, dass ich ihr was unterstelle, aber man kann nicht sicher genug sein, schon gar nicht im momentanen Zustand unserer Welt. Sie muss von hier verschwinden.“ Ja, denkt Lilly. Sie haben recht. Ich sollte nicht hier sein. So leise wie möglich steht sie auf. Das Bett knarzt, von daher ist das gar nicht so einfach. Zum Glück wacht niemand auf. Die Tür ist zu Lillys Erleichterung leiser. Sie schafft es, unbemerkt aus dem Haus zu schlüpfen und das Dorf zu verlassen. Wohin die Besitzer der Stimmen gegangen sind, weiß sie nicht. Es ist ihr auch egal. Sie wird dieses Dorf nie wieder betreten. Lilly ruft Flocke aus ihrem Pokéball. Das Alola-Vulpix streckt sich und gähnt. “Was ist los, Lilly? Es ist mitten in der Nacht.“ “Ja. Der perfekte Zeitpunkt, um abzuhauen.“ Verwirrt legt Flocke den Kopf schief. “Was ist passiert? Wieso möchtest du abhauen?“ Lilly seufzt. “Die Rainbowheart hier vermuten, dass ich ein Spion bin und wollen mich loswerden. Ich kann es ihnen nicht verübeln, schließlich war Yara furchtbar zu ihnen. Also gehe ich zurück in unsere Welt. Dort kann ich euch auch unbekümmert alle wieder aus dem Ball lassen. Wir könnten unsere Reise fortsetzen und das alles hier vergessen. Sie kommen auch ohne uns zurecht. Ich meine, wann haben wir hier je eine wichtige Rolle gespielt?“ “Du hast auf Flamey aufgepasst. Du hast sie trainiert.“ Lilly nickt. “Schon, aber Shay, also Flamey, wird jetzt von Arceus trainiert, um ihrer Schwester zu helfen und Team Spaceship ein Ende zu setzen.“ Flocke überlegt. “Wir könnten ihr helfen. Es wäre nicht das erste mal, dass eine Organisation von einem Trainer besiegt wird. Und du wirst nicht von Yara gesucht. Komm, gehen wir.“ Es entspricht nicht gerade Lillys Vorstellungen, doch sie folgt Flocke in den Tunnel. “Wenn wir es wirklich mit diesen Leuten aufnehmen wollen, müssen wir gut trainieren“, erinnert Lilly Flocke. In der Dunkelheit des Tunnels kann sie ihre Partnerin nicht sehen, doch sie weiß, dass sie da ist. “Ich weiß. Drake ist der Stärkste im Team. Rosa wünscht sich noch immer einen Mondstein, um sich zu entwickeln. Flora steht auch kurz vor einer Entwicklung. Und wir hätten noch für zwei Pokémon Platz. Ich bin sicher, jedes Pokémon wäre gerne mit dir befreundet.“ Lilly lächelt. “Danke Flocke.“ “Kein Problem“, erwidert diese.

    Einige Stunden später...

    Als Lilly und Flocke die Höhle verlassen, geht am Horizont die Sonne auf. Die beiden sind todmüde und schwarz vor Schmutz. Lilly sieht sich um. “Ich bin sicher, dass in der Nähe ein See war.“ Einen richtigen See finden sie nicht, dafür einen Teich mit kristallklarem Wasser. Lilly steigt mitsamt ihrer Kleidung rein. Sie trägt wieder ihre alte Trainerkleidung, da es im Frühlings-Königreich zu warm für Wintersachen war. Flocke springt ebenfalls ins Wasser. Bis die beiden ihren Schmutz im kühlen Wasser abgewaschen haben, steht die Sonne hoch am Himmel. Nach ihrem Bad braucht Lilly sich kaum abtrocknen, so warm ist es. Flocke stöhnt. “Es ist ja noch wärmer als letztes mal.“ Lilly ist überrascht, dass Flocke sich überhaupt an letztes mal erinnern kann. Ihr kommt es vor, als wäre es Jahre her. Aber es stimmt, es ist ungewöhnlich warm. Lilly ruft den Rest ihrer Pokémon aus den Bällen. Drake streckt sich ausgiebig. “Na endlich.“ Lilly senkt den Kopf. “Tut mir leid. Kommt, ich erzähle euch unterwegs, was ihr alles verpasst habt.“

    Währenddessen im Dorf...

    “Nox, Lilly ist weg!“ Schön. So einen Satz hört man doch gerne, wenn man morgens aufwacht. “Sehr witzig, Onyx, ich bin ja schon wach.“ Müde reibt Nox sich die Augen. Er war noch nie ein Frühaufsteher, auch wenn er es regelmäßig tun muss. Onyx steht mit verschränkten Armen vor ihm. “Hast du mich je Witze machen hören?“ Zugegeben, Onyx hat noch nie einen Witz gemacht. Er redet auch allgemein nicht viel. Nox seufzt. “Bist du sicher, dass sie nicht einen Spaziergang macht oder so? Sie ist auch nur ein.... Mensch.“ Onyx nickt. “Ganz genau. Ein Mensch. Hast du bemerkt, wie die Dörfler sie gestern behandelt haben? Ich habe überall im Umkreis nachgesehen. Dann habe ich am Tunneleingang das hier gefunden.“ Er zeigt Nox Scherben eines Pokéballs. Nox erkennt die Scherben. Es sind die Scherben von Shays Pokéball, der zerbrochen ist, als Shay mit dem Monsterheart-Biss zu kämpfen hatte. Lilly hat die Scherben als Andenken behalten. Dass sie sie am Eingang des Tunnels liegen lässt, kann nur eines bedeuten. “...sie ist weg.“ “Sag ich doch.“ Nox sieht Onyx an. “Warum ist sie weg?“ Onyx schlägt sich mit der Hand gegen die Stirn. “Hab ich doch schon gesagt. Die Dörfler haben sie behandelt wie eine tickende Zeitbombe, sie wollten nichts mit ihr zu tun haben. Sie spüren, dass sie ein Mensch ist. Nun, die meisten jedenfalls.“ Nox springt auf. “Wir müssen sie zurückholen!“ Onyx hält ihn zurück. “Willst du sie wirklich zwingen? Sie hat allen Grund, sich nicht wohlzufühlen.“ Nox hebt eine Augenbraue. “Seit wann bist du so einfühlsam?“ “Was soll das denn heißen?“ “Es wundert mich nur. Du setzt dich sonst nicht so für andere ein.“ Onyx schnaubt. “Vielleicht ist es dir nur noch nie aufgefallen.“ “Jungs, was soll dieser Aufstand?“ Yvie steht in der Tür. Onyx sieht sie an. “Nox ist der Meinung, wir sollten Lilly zurückholen.“ Yvie schüttelt den Kopf. “Vergiss es, Nox. Wäre Lilly nicht gegangen, hätten die Bewohner dieses Dorfes sie weggeschafft. Ich habe auf der Suche nach ihr mit ihnen geredet.“ Nox knurrt. “Das ist nicht fair. Lilly hat mit Yara nichts zu tun, sie hat ihnen nichts getan.“ Yvie nickt. “Das stimmt, aber diese Vorsicht ist es, was dem Dorf erlaubt, weiter zu existieren.“ Nox senkt den Kopf. “Sie hätte sich wenigstens verabschieden können...“

    - Shay's Sicht -

    Ich kann jetzt unter Wasser, in felsigen Gegenden, im tiefen Schnee, in Sümpfen und in Lavagebieten kämpfen. Mewtu teleportiert uns mittlerweile an solche Orte. In der Luft kämpfen kann ich nicht, da mir die Fähigkeit zu fliegen fehlt, doch wir kämpfen auch an hohen Orten wie Berggipfel. Die Luft ist dort dünner, deshalb ist das Kämpfen dort anstrengender. Ich finde immer noch, dass ich zu langsam stärker werde. Und ich habe dieses ungute Gefühl, dass mir noch wenig Zeit bleibt. Ich möchte aber auch auf alles vorbereitet sein. Zu meinem Glück gibt es im Turm eine Bibliothek. Dort gibt es in den Büchern viele hilfreiche Informationen. Gerade bin ich wieder in der Bibliothek. Dieses mal beschäftige ich mich mit einem Buch, in dem es um die sogenannte Zerrwelt geht. Genau genommen habe ich mich schon öfter damit beschäftigt, doch Mewtu weigert sich, dort mit mir zu trainieren. Ich verstehe nicht warum und er sagt es mir auch nicht. Ich könnte wetten, dass er keinen Grund hat. Jedenfalls erlaubt er es nicht und deshalb muss ich mich mit diesem Buch begnügen. Laut Inhaltsverzeichnis gibt es ein Kapitel in dem die Eingänge zur Zerrwelt stehen, doch offenbar wurden die Seiten von diesem Kapitel herausgerissen. Bestimmt aus Sicherheitsgründen oder so. Ich merke, dass meine Augenlider schwer werden. Ein sicheres Zeichen, dass es Zeit ist zu schlafen. Eigentlich habe ich darauf keine Lust. In letzter Zeit bekomme ich immer Albträume. Aber Schlaf muss sein, sonst bin ich zum Kämpfen nicht zu gebrauchen. Also lege ich das Buch weg und gehe in mein Zimmer. Nach einer Mütze Schlaf und einer Dosis Albträumen geht das Training weiter.

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    Kapitel 36
    Weil es total natürlich ist, glühenden Augen zu trauen


    - Shay's Sicht -

    Um mich herum ist es stockfinster und vor mir leuchten bedrohliche, blaue Augen. Ein ziemlich sicheres Zeichen dafür, dass ich mich mal wieder in einem Albtraum befinde. Alle meine Albträume fangen so an. Resigniert seufze ich. “Na los, bringen wir es hinter uns.“ Mein Gegenüber kichert. “Wenn du darauf vorbereitet bist, macht es keinen Spaß.“ Das ist das erste mal, dass Leuchtauge spricht. Seine Stimme jagt mir einen kalten Schauer über den Rücken. Man kann nicht erkennen, ob sie männlich oder weiblich ist, ob der Besitzer der Stimme jung oder alt ist und ob er freundliche oder boshafte Absichten hat. Aber monoton ist die Stimme auch nicht. Sie verändert sich einfach die ganze Zeit. Mein Gegenüber kichert erneut. “Hat es dir die Sprache verschlagen? Ich unterhalte mich gerne noch weiter mit dir. Falls du nicht vorher vor lauter Angst aufwachst.“ Das lasse ich nicht auf mir sitzen. Ich habe so viel durchgemacht, da lasse ich mich nicht einfach als ängstlich bezeichnen. Außerdem ist es schließlich nur ein Traum. “Also schön, unterhalten wir uns.“ “Wunderbar. Ich habe gehört, du trainierst mit Mewtu? Nicht schlecht, in der Tat.“ “Naja“, murmel ich. “Es geht quälend langsam voran. Und Thea hat nicht ewig Zeit.“ Die leuchtenden Augen funkeln belustigt. “Das ist wahr. Die Zeit läuft langsam ab. Aber was wirst du tun? Einfach weiter trainieren?“ Ich senke den Kopf. “Nein... wenn das in diesem Tempo weitergeht, verliere ich Thea. Ich muss einen anderen Weg finden. Einen schnelleren. Nur wie?“ Die Augen sehen nun beinahe mitleidig aus. “Die Bibliothek waren wohl keine Hilfe, hm? Bei der Größe ist das wirklich ein Wunder.“ Ich überlege. “Bei manchen Büchern fehlen Seiten. Ich habe angenommen, dass das aus Sicherheitsgründen gemacht wurde.“ “Ach, tatsächlich?“, fragt Leuchtauge. “Aus Büchern von der Bibliothek des Schöpferpokémons wurden aus Sicherheitsgründen Seiten herausgerissen? Warum existierten sie dann überhaupt?“ Stimmt, das ergibt keinen Sinn. Ich überlege. “Aber... warum fehlen sie dann?“ Eine Weile schweigt Leuchtauge. “Ich kann dir nur sagen, dass einst legendäre Pokémon die einzigen waren, die hier lebten. Anderen war der Zutritt strengstens untersagt. Doch warum sollten die Legendären bestimmte Buchseiten vor anderen verstecken, wenn sie als die mächtigsten Pokémon doch am gefährlichsten sind?“ Ich schnappe nach Luft. “Sie verstecken etwas mächtiges. Etwas, womit man ihnen ihren Rang streitig machen könnte.“ “Ganz genau.“ Mir kommt eine Idee. Eine dumme, aber gleichzeitig durchaus brauchbare Idee. “Diese Macht... könnte ich damit Thea retten?“ Die leuchtenden Augen scheinen mich zu durchbohren. “Wer weiß. Menschen sind unberechenbar. Aber auf jeden Fall stünden deine Chancen dann besser als jetzt.“ Ich weiß, dass es verrückt ist, jemanden mit leuchtenden Augen und gruseliger Stimme zu vertrauen, doch auf der anderen Seite bin ich in einem Traum, also muss das Ding von mir kommen. Also sind es wohl auch meine Gedanken. “Also gut, du hast wieder Training vor dir. Viel Glück und bis zu deinem nächsten Schlaf.“ Tolle Aussichten. Ich öffne die Augen. Mal sehen, wo ich diesmal trainiere.

    - Erzählersicht -

    Lilly ist froh, wieder in vertrauter Umgebung zu sein. Zwar wäre sie am liebsten wieder in Alola, doch abgesehen von ihrer Reise als Trainerin hält sie noch etwas anderes hier. “Wie geht es dir, Mutter?“ Ihre Mutter kann ihr nicht antworten, denn sie liegt im Koma. Immer noch. Das Anego-Gift muss sich noch immer neutralisieren. Da Anegos bis zu den außergewöhnlichen Ereignissen in Alola unbekannt waren, gibt es noch kein Gegenmittel, also muss Lillys Mutter es so überstehen. Sie hatte ziemlich am Anfang einen Rückschlag, bei dem sie Anegos Kräfte übernommen und ein ganzes Gebäude zerstört hat. Damit das nicht noch einmal passiert, wurde sie in ein Koma versetzt. Lilly seufzt. Der Zustand ihrer Mutter scheint sich nur in Zeitlupe zu verbessern. Vorsichtig setzt Lilly sich auf den Rand des Bettes und erzählt ihrer Mutter von ihren Abenteuern und warum sie zurückgekehrt ist. “Das heißt nicht, dass ich sie einfach mit dem Problem allein lasse. Ich werde von hier aus einem Weg finden, den Rainbowheart zu helfen.“ Sie hält inne. Shay hat ihr erzählt, wo das Hauptquartier liegt, doch ist sie wirklich bereit, mit ihrem Team eine Organisation auseinander zu nehmen? Eher nicht. Lilly seufzt. “Bevor ich irgendwie eingreife, muss ich noch mehr trainieren. Zumindest soweit, dass ich Flora entwickeln kann. Vielleicht finde ich noch ein Pokémon, das mir helfen möchte. Vielleicht...“ Sie schüttelt den Kopf. “Nein, vergiss es. Ich sollte jetzt anfangen zu trainieren. Die Zeit läuft davon.“ “Brauchst du zufällig Hilfe?“ Überrascht dreht Lilly sich um. Sie kennt diese Stimme. “Tali?“ Ihr Freund steht mit verschränkten Armen und einem breiten Grinsen in der Tür. “Jep. Alola!“ Lilly kann ihr Glück nicht fassen. Vor Freude umarmt sie Tali, welchen das ziemlich überrascht. “Oh, ähm... alles okay?“ Verwirrt lässt Lilly los. “Ja, ich freue mich nur, dich zu sehen. Wieso?“ Verlegen kratzt Tali sich am Hinterkopf. “Naja, du hast mich noch nie umarmt... Aber ich freue mich auch, dich zu sehen. Ich habe so lange nichts mehr von dir gehört. Als auf meinen Brief keine Antwort kam dachte ich, dass du vielleicht einfach sehr beschäftigt warst. Doch irgendwann hat es zu lange gedauert. Ich habe mir Sorgen gemacht, also bin ich hergekommen.“ Lilly lächelt entschuldigend. “Tut mir leid.“ Tali schüttelt den Kopf. “Macht nichts. Ich wollte dich sowieso mal besuchen. Mannomann, im Gegensatz zu Alola ist es hier ziemlich kühl. Wie hälst du es hier ohne Jacke aus? Gut, das ist bestimmt eine Sache der Gewohnheit. Es gibt so viele Dinge, die ich dir erzählen muss, von Sun und Team Skull und von Professor Kukui und-“ “Okay, okay“, unterbricht Lilly lachend den Redefluss ihres Freundes. “Das kannst du mir alles später noch erzählen. Jetzt muss ich noch etwas wichtiges erledigen.“ “Ach richtig, als ich ankam hattest du etwas von Training erwähnt. Kann ich helfen?“ Ein tonnenschwerer Stein fällt Lilly vom Herzen. “Ehrlich gesagt ja. Aber zuerst muss ich dir etwas erzählen. Das Training mache ich nämlich nicht für eine neue Arena.“ “Heißt das du hast jetzt alle Orden?“, fragt Tali begeistert. Lilly schüttelt den Kopf. “Noch nicht, aber das hier ist wichtiger.“ “Was ist eigentlich 'das hier'?“, fragt Tali neugierig. “Das wollte ich dir gerade erzählen.“

    - Shay's Sicht -

    Training auf glattem Eis. Warum auch nicht. Vielleicht sind die Böden im Hauptquartier von Yara frisch gewischt, wenn ich ankomme. Aber ich verliere die Geduld. Die Zeit wird immer knapper. Ein bisschen gereizt habe ich Mewtu vor dem Training gefragt, wann ich bereit bin Team Spaceship gegenüber zu treten. Seine Antwort: Wenn du bereit bist. Wow. Es ist offensichtlich, dass Mewtu mich nicht für stark genug hält, aber wie lange soll ich meine Schwester noch warten lassen? Mittlerweile ist mein Training vorbei und ich ruhe mich aus. Da ich nichts theoretisches zum Kampf mehr lernen kann, habe ich genügend Zeit zum Nachdenken. Das Gespräch aus meinem Traum geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Irgendwas macht den Legendären Angst. Etwas, das ein Wesen mächtiger als sie macht. Und dieses Etwas hat offensichtlich mit der Zerrwelt zu tun. Die Welt, in die Giratina verbannt wurde, wie ich jetzt weiß. Und wenn es mächtiger als die Legendären ist, ist es garantiert mächtig genug, um Team Spaceship zu besiegen. Nur wo genau ist es? Was ist es? Und wie kommt man in die Zerrwelt? All diese Informationen wurden sorgfältig versteckt. Aber... Vielleicht suche ich nur nicht richtig? Ich stehe auf und beschließe, einen kleinen Spaziergang zu machen. Vielleicht finde ich ja irgendwo etwas brauchbares. Bis das nächste Training beginnt, bleibt noch genügend Zeit. Ich verlasse mein Zimmer und erkunde zuerst den Turm, doch ich finde nichts. Und, um es kurz zu machen... in den anderen Gebäuden auch nicht. Wenn mich jemand seltsam ansieht, erkläre ich, dass ich einen Spaziergang mache, um mich zu entspannen. Wenn ich etwas genauer untersuche, passe ich auf, dass mich keiner beobachtet. Als nächstes nehme ich mir die vielen Brunnen vor. Offenbar lieben sie hier Brunnen aus Kristall. Ich meine klar, sie sind hübsch, aber mir sind Wasserfälle lieber. Meinetwegen auch natürliche Quellen, wobei ich in meinem Leben nur einmal eine gesehen habe. Doch offenbar sind das keine gewöhnlichen Brunnen, denn ich kann die Quelle nicht erreichen. Es gibt keine. Also sind die Brunnen auch keine Lösung. Leider wird es langsam Zeit für mein Training. Mit meinen Kräften trockne ich meine Kleidung, dann gehe ich los, um mich gegen Mewtu zu behaupten. Mal sehen, wie lange ich dieses mal durchhalte.

    - Erzählersicht -

    Tali sieht seine beste Freundin mitfühlend an. “Da musstest du ja ganz schön was durchmachen. Ich meine, erst ein Kind von Lunalaa, dann ein Angriff von seltsamen Monstern, dann eine neue Welt, dann eine Menge anderer unglaublicher Informationen und Abenteuer.“ Lilly zuckt mit den Schultern. “Es war okay. Viel weniger verrückt war unser Abenteuer in Alola auch nicht.“ “Da hast du recht. Das war schon echt der pure Wahnsinn“, stimmt Tali ihr zu. “Vor allem, dass deine Mutter über vierzig ist.“ Lilly lacht. Tatsächlich sieht ihre Mutter sehr viel jünger aus. “Ich wette, sie würde dir noch immer liebend gerne einen neuen Look verpassen.“ Tali schüttelt sich. “Lieber nicht, danke. Ich behalte meinen persönlichen Stil.“ Lilly nickt. “Gute Idee. Ich mag dich sowieso am liebsten so, wie du bist.“ Tali verschränkt die Arme. “Versuchst du dich einzuschleimen, damit ich es dir beim Training einfach mache?“ “Waaaas? Ich doch nicht“, erwidert Lilly gespielt unschuldig, doch dann schüttelt sie den Kopf. “Nein, dazu ist es zu wichtig. Und ich meine es ernst. Bleib so, wie du bist.“ Tali lächelt. “Keine Sorge, das werde ich. Übrigens, ich habe was für dich.“ Er holt einen kleinen, grauen Splitter aus seiner Tasche. “Rosa braucht einen Mondstein, um sich zu entwickeln, nicht wahr?“ “Tali, du bist einmalig!“ Tali grinst. “Ich weiß. Und jetzt lass uns endlich mit dem Training beginnen. Mach dich bereit zu verlieren!“ Er rennt davon. “Tali!“, ruft Lilly aufgebracht hinterher. “Das ist nicht der Sinn von Training!“ Doch Tali ist schon zu weit weg. Lilly schüttelt schmunzelnd den Kopf und folgt ihm. Team Spaceship wird sich wundern, wenn sie mit Tali in ihrem Hauptquartier aufkreuzt.

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    Kapitel 37
    Training und Storytime mit Tali


    - Shay's Sicht -

    Ich bin immer noch nicht weiter. Dadurch, dass ich die meiste Zeit meiner Pausen verschlafe, komme ich kaum voran. Und bisher hatte ich auch absolut gar keinen Erfolg. Irgendwo müsste ich Hinweise zur Zerrwelt finden, schließlich ist Giratina noch in Kontakt mit den anderen Legendären. Die ganzen Gebäude habe ich mittlerweile alle durchsucht. Jegliche Brunnen übrigens auch. Aber es gibt noch eine Menge Orte, die infrage kämen. Ich vermute mittlerweile, dass es irgendwo einen unsichtbaren Durchgang zur Zerrwelt gibt, wie die beiden, durch die ich hierher gekommen bin. Also suche ich jetzt nicht nur nach Informationen, sondern auch nach dem Durchgang. Das vereinfacht das ganze aber nicht wirklich, denn der Durchgang könnte überall sein. Und er ist unsichtbar. Ich könnte also schon mehrmals daran vorbeigelaufen sein. Das ist irgendwie frustrierend. Aber was soll man machen? Ich bin gerade wieder auf der Suche. Mit anderen Worten, ich spaziere durch die Gegend und hoffe, irgendeinen Durchgang zu treffen. Wo ich nach Hinweisen suchen könnte, weiß ich mittlerweile nicht mehr. Mir fällt nichts mehr ein. Gerade laufe ich durch eine Wiese voller Gracidea. Ein paar Shaymin und Shaymin-Rainbowheart sind hier versammelt. Ich unterhalte mich mit ihnen über ziemlich unrelevante Dinge, zum Beispiel über schöne Orte in meiner Heimatwelt. Dabei fällt der Begriff Speersäule. Ehrlich gesagt habe ich davon noch nie gehört, aber es klingt interessant. “Wie ist es da so?“, frage ich neugierig. “Naja“, meint ein Shaymin. “Die Gegend an sich würde ich jetzt nicht als außergewöhnlich schön bezeichnen, aber die Ruinen sind hübsch. Wir haben hier Ruinen, die denen der Speersäule ähneln.“ Ich hebe die Augenbrauen. “Echt? Wo?“ Ein Shaymin-Junge deutet auf einen Berg. “Dort oben. Wenn man nicht fliegt, ist der Weg dorthin ziemlich anstrengend. Aber es lohnt sich. Der Ausblick ist wunderschön von dort aus.“ Es überrascht mich nicht, dass ich den Berg vorher nicht gesehen habe. Er leuchtet nicht so sehr wie alles andere hier. Es ist einfach ein gewöhnlicher Berg. Ich lächel. “Das klingt schön. Bei meiner nächsten Pause probiere ich das mal aus.“ “Wir könnten dir eine Mitfluggelegenheit organisieren“, bietet mir ein weiteres Shaymin an. Ich winke ab. “Schon okay. Klettern ist bei weitem nicht so anstrengend wie Mewtus Training.“ Das Shaymin kichert. “Das glaube ich. Na gut, dann viel Spaß.“ Ich nicke. “Danke. Ich ruhe mich jetzt noch ein bisschen aus. Auf Wiedersehen!“ “Wiedersehen!“, rufen die Shaymin und Shaymin-Rainbowheart mir hinterher. Ich lächel. Dieser Berg ist vielversprechend.

    Ein uninteressantes Training und eine Mütze Schlaf später....

    Schon nach zehn Minuten Bergsteigen bereue ich, dass ich das Angebot der Shaymin abgelehnt habe. Der Berg hat keinen Weg, nur jede Menge Felsen, von denen hier und da auch mal was abbricht. Doch umkehren kommt für mich nicht infrage. Ich schaffe das. Eine Trainingsstunde mit Mewtu war auch in felsigem Gebiet. Wenn ich dort kämpfen kann, kann ich hier klettern. Leider wird es nicht einfacher, je höher ich komme. Die Wände werden immer steiler und langsam komme ich mir vor wie ein Mähikel. Dann liegt plötzlich eine Ebene vor mir. Tatsächlich sind hier Ruinen, die aussehen, als ob sie uralt wären. Wenn das tatsächlich nur eine Nachbildung ist, dann ist sie sehr detailreich. Ich sehe mich um. Wachsen tut hier nicht viel. Klar, es ist ein hoher Berg, aber ich bekomme hier zum Beispiel ausgezeichnet Luft. Warum sollte hier also nichts wachsen? Mir fällt auf, dass in ein paar Steinplatten Icognito-Schrift eingeritzt ist. Ich habe vorher noch nie versucht, solche Schrift zu lesen. Dementsprechend schwer ist es für mich, das Geschriebene zu entziffern. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich es überhaupt entziffere, denn es ergibt überhaupt keinen Sinn. Nach einer Weile gebe ich es auf. Seufzend lehne ich mich gegen eine Säule. “Was habe ich mir dabei gedacht. Ich habe doch überhaupt keine Ahnung.“ Plötzlich verliere ich den Halt und falle... ins Leere. Verwirrt sehe ich mich um, doch ich kann nichts erkennen. Es ist einfach nur schwarz. Träume ich wieder? Plötzlich wird es heller. Ich spüre Boden unter den Füßen. Und dann kann ich alles klar und deutlich sehen. Mir klappt der Mund auf. Ich habe diesen Ort noch nie gesehen, doch ich bin eindeutig in der Zerrwelt.

    - Erzählersicht -

    Training ist normalerweise eher langweilig. Doch nicht mit Tali. Tali möchte immer dafür sorgen, dass seine Pokémon Spaß haben. Zumindest, wenn es möglich ist. Und deswegen ist sein Training besonders ausgefallen. Es ist mehr ein Spiel als Training. Um genau zu sein, ist es eine Wasserschlacht. Für das Wasser sorgen Drake und Talis Aquana. Mittlerweile ist es Mittags und deshalb ziemlich warm, von daher macht es niemandem etwas aus. Flocke freut sich besonders über die Abkühlung und Lilly muss sie mehrfach darauf hinweisen, dass es Sinn des Trainings ist sich nicht treffen zu lassen. Lilly und Tali stehen natürlich nicht nur herum, sie versuchen ebenfalls auszuweichen. Sie brauchen schließlich ebenfalls Training. Außerdem macht es ihnen Spaß. Nach der Ausweichübung geht es weiter mit Zielübung. Tali hat ein paar Delegatoren gebastelt, welche sein Alola-Raichu mit Psychokinese bewegt, damit es schwerer ist. Zum Glück gehen sie auch nicht so leicht kaputt. Als sie endlich alle zerstört sind, sind die Pokémon fix und fertig. Tali grinst. “Und jetzt kommt das Beste: Die Pause!“ Er packt einen großen Korb aus. Lilly lächelt. “Malasadas?“ Tali verschränkt die Arme. “Das sollte eine Überraschung sein!“ “Eine Überraschung? Malasadas sind bei dir nicht überraschend“, erwidert Lilly. Tali kratzt sich am Hinterkopf. “Da hast du wohl recht“, stimmt er ein wenig enttäuscht zu. Lilly setzt sich neben ihn. “Hey... Ich freu mich trotzdem. Danke, Tali.“ Das heitert Tali sofort wieder auf. “Kein Problem!“ Er öffnet den Korb. “Lasst es euch schmecken!“ Das lassen sich besonders die Pokémon nicht zweimal sagen. Man könnte meinen, Tali hätte einen Vorrat für eine Woche mit genommen, doch in nur kurzer Zeit ist der Korb bis auf einige Krümel leer. Lilly schüttelt fassungslos den Kopf. “Wir sind ganz schön verfressen.“ Tali grinst. “Nö, wir sind zu dreizehnt.“ Verwirrt zählt Lilly nach. “Wir sind zwölf...“ Tali grinst noch breiter. “Ich zähle doppelt.“ Lilly lacht. “Okay, ich dachte schon, du hättest mir etwas nicht erzählt.“ Talis Grinsen verrutscht. “W-Wie kommst du denn darauf?“ “Huh?“ Irritiert sieht Lilly zu Tali. “Tali? Was ist los?“ “NICHTS!“, ruft dieser ein bisschen zu laut. Besorgt sieht Lilly ihn an. “Sicher?“ Tali nickt. “Absolut! Lass uns weiter trainieren!“ “Tali, wir haben gerade erst unsere Pause begonnen. Außerdem haben wir gerade jede Menge Malasadas gegessen. Es wäre unklug, jetzt schon weiter zu trainieren“, belehrt Lilly ihn. Tali sieht aus, als würde er sich gar nicht wohl fühlen. Lilly seufzt. “Ich lasse das Thema fallen, okay? Jetzt setz dich wieder hin und ruh dich aus.“ Das beruhigt Tali ein wenig. Er legt sich neben Lilly auf den Boden und verschränkt die Arme hinter dem Kopf. Nach wenigen Minuten benimmt er sich wieder normal. Er erzählt Lilly alles, was er ihr von seinen Erlebnissen noch nicht erzählt hat. Er ist immer noch nicht stark genug, um seinen Großvater in einem ernsten Kampf zu besiegen, doch er wird jedes mal besser. Team Skull rettet jetzt verletzte Pokémon und bringt sie ins Æther Paradies. Außerdem leisten sie Freiwilligenarbeit in verschiedenen Bereichen. Sie sind eigentlich sehr nett. Das Æther Paradies hatte Anfangs Probleme, wieder auf die Beine zu kommen, doch unter der Leitung von Pia blüht es langsam wieder auf. Da sie die Fassade mit Team Skull aufgegeben haben, haben sie weniger zu tun als sonst, doch das ist ja nichts schlechtes. Ansonsten hat sich nicht viel verändert. “Und was ist mit Gladio?“, fragt Lilly vorsichtig. Sie hat lange nichts mehr von ihm gehört. “Er hat seine Inselwanderschaft abgeschlossen. Natürlich erfolgreich“, antwortet Tali. Gladio hat früher für Team Skull gearbeitet und ist nicht gerade stolz darauf, auch wenn diese jetzt bessere Menschen geworden sind. Deswegen wollte er selbst eine ganz offizielle Inselwanderschaft machen. Das er sie erfolgreich abgeschlossen hat, freut Lilly ungemein. Ihre Reise ist noch lange nicht zuende, doch wenn sie wieder in Alola ist, kann sie sich mit ihrem Bruder austauschen. Vielleicht könnte dann alles wieder so werden wie früher... oder besser.

    - Shay's Sicht -

    Ich kann es nicht fassen. Ich bin tatsächlich in der Zerrwelt! Ich habe mich schon ein wenig umgeschaut und festgestellt, dass die Gravitation sich an einigen Stellen verändert. Es fühlt sich seltsam an, doch es ist ziemlich cool. Giratina habe ich noch nicht gesehen, doch das ist auch nicht gerade meine oberste Priorität. Ich möchte diese Macht finden, die Arceus versteckt hat. Damit könnte ich stark genug werden, um Thea zu retten. Ich habe wenig Ahnung, wo ich suchen könnte, aber das bin ich ja schon gewohnt. Ich muss nur anfangen zu suchen, dann finde ich es schon. Hier gibt es aus irgendeinem Grund Häuser, in welchen ich die Suche beginne. Leider finde ich dort nichts hilfreiches. Als nächstes beginne ich, spärlich beleuchtete Tunnel zu durchsuchen. Mit einer kleinen Flamme erhelle ich die Tunnel und die Suche fällt leichter. Leider fällt mir besonders da auf, dass ich gar nicht weiß, wonach genau ich eigentlich suche. Auf jeden Fall etwas mächtiges. Aber in welcher Form? Eine Art Kugel? Ein besonderer Kristall? Oder hat es überhaupt keine Form? Wird es durch etwas Bestimmtes ausgelöst? Ich habe nicht die leiseste Ahnung. Es könnte alles sein. Ich untersuche gerade eine seltsam geformte Pflanze, als mich eine starke Müdigkeit überkommt. Ich versuche dagegen anzukämpfen, doch nach kurzer Zeit schlafe ich ein.

    ....
    “Kommst du nicht weiter?“
    ....Nach was suche ich?
    “Nach einer Macht, um Team Spaceship zu besiegen.“
    Das weiß ich auch. Aber wie sieht es aus?
    “Weißt du viel über die Zerrwelt?“
    ....Nein, nicht wirklich.
    “Aber andere vielleicht.“
    Gibt es hier andere?
    “Wer weiß? Du könntest andere suchen. Dann hättest du ein Ziel.“
    Das ist wahr...
    “Solange du ein Ziel hast, steht dir nichts im Weg.“
    Solange ich ein Ziel habe, steht mir nichts im Weg... Also... Solange ich Thea retten möchte, kann ich es auch schaffen?
    “...“
    Antworte mir!
    “....Vielleicht. Das liegt an dir.“

    40
    Kapitel 38
    Albtraum, mal wieder


    - Shay's Sicht -

    Ich bin jetzt auf der Suche nach Personen, mit denen ich reden kann. Bisher hatte ich keinen Erfolg. Wieso sollte ich auch? Ich habe ewig nach einem Eingang gesucht und das in Arceus Welt. Wie sollen andere hierher gelangen? Aber wenn tatsächlich jemand hierher gefunden hat, kennt derjenige sich vielleicht mit dieser Welt aus. Ich schwebe von einer Insel zur anderen, als plötzlich ein lautes Gebrüll ertönt. Schnell gehe ich in Deckung. Es ist Giratina. Es ist größer als ich es mir vorgestellt habe. “Was machst du hier?“, höre ich eine Stimme hinter mir. Ich drehe mich um. Was ich sehe, überrascht mich mittlerweile nicht mehr. Es ist ein Giratina-Junge. “Wie heißt du?“, frage ich ihn. Der Junge schüttelt den Kopf. “Ich habe zuerst gefragt.“ Ich seufze. “Ich suche nach etwas.“ Der Junge schnaubt. “Das erklärt ja alles“, antwortet er mir sarkastisch. Ich zucke mit den Schultern. “Also, dein Name?“ “Lucid“, erwidert der Junge. Ich nicke zufrieden. “Ich bin Shay.“ “Ich habe nicht nach deinem Namen gefragt.“ Ich sehe Lucid an. “Na und?“ Er schweigt. Ich überlege. Vielleicht sollte ich freundlicher sein. Er könnte mir helfen. Ich seufze. “Hör mal, tut mir leid. Ich versuche etwas zu finden, um stärker zu werden und meine Schwester vor einer Organisation zu retten. Nur weiß ich weder, wo es ist, noch, wo es sich befindet.“ Lucid mustert mich misstrauisch. “Du musst jedoch eine vage Vorstellung von dem haben, was du suchst, sonst wärst du nicht hier.“ Ich sehe in die blau-violette Leere. “Ich vermute hier etwas, was so stark ist, dass Arceus es hierher verbannt hat, genauso, wie er Giratina verbannt hat.“ Ich werfe Lucid einen kurzen Blick zu. “Und dich scheinbar auch.“ Lucid schnaubt und wendet sich ab. “Ich komme zurecht.“ Er klingt ein wenig verletzt. Sieht so aus, als hätte ich einen wunden Punkt getroffen. “Kannst du nicht einfach wieder gehen?“ Mir geht auf, dass er es längst getan hätte, wenn er könnte. “Vergiss es, schon gut.“ “Mach dir keine Sorgen“, erwidert Lucid. “Du kannst wieder gehen, wenn du möchtest. Wenn ich gehe, werde ich hierher zurück getrieben. Ich bin zu-“ Er bricht ab. Ich sehe ihn abwartend an. “Du bist zu... was?“ Lucid schüttelt den Kopf. “Vergiss es. Ich habe nichts gesagt. Wenn du die Zerrwelt verlassen möchtest such nach mir. Ansonsten lass mich in Ruhe. Ach und wenn du Hunger bekommst, geh in eines der Dörfer. Irgendwo findet man immer etwas.“ Er lässt sich seltsame Flügel wachsen und fliegt weg. Verwundert sehe ich ihm nach. Seltsamer Kerl. Na gut, er ist wahrscheinlich schon seit Ewigkeiten alleine. Aber er wirkte auch nicht, als hätte er es auf Freundschaften abgesehen. Ich beschließe seinem Rat zu folgen und begebe mich in das nächste Dorf, um nach etwas zu Essen zu suchen. Das Dorf ist still und die Gravitation ist ein wenig durcheinander, aber ansonsten ist es ganz nett. Tatsächlich gibt es auch etwas brauchbares zu Essen. Werden Nahrungsmittel hier nicht schlecht? Nun gut, Logik gibt es hier sowieso nicht viel. Als ich anfange zu essen merke ich, dass ich am Verhungern bin. Ich esse viel zu schnell und viel mehr, als gut für mich ist. Das bekomme ich nach meiner Mahlzeit schnell zu spüren. Erschöpft und vollgestopft lege ich mich in einem der Häuser auf ein Bett und gleite kurz darauf in die Traumwelt, zu den leuchtenden Augen.

    Ich war nicht sonderlich erfolgreich. Ich habe zwar jemanden getroffen, aber wirklich hilfreich war er nicht.
    “Tatsächlich?“
    Ja. Ich meine, jetzt weiß ich zwar, wie ich zurückkomme, aber ich habe immer noch nicht gefunden, wonach ich suche.
    “Ist dem so? Sag mir, wonach hast du noch einmal gesucht?“
    Nach einer von Arceus versteckten Macht. Er hat sie verbannt, damit niemand mächtiger werden kann als er.
    “Sie? Oder ihn?“
    Was?


    Mein Traum wechselt. Ich sehe Thea gefangen und gefesselt, von Monsterheart umzingelt. Dann verschwimmt das Bild und ändert sich. Es ist ein Bild aus meiner Vergangenheit. Ein Jäger mit einem regenbogenfarbenen Splitter in der Hand. Die Szene wechselt erneut. Ich sehe Yara, die einen gleichfarbigen Splitter hat. Vor ihr liegt Theas lebloser Körper. Neben ihr türmt sich ein regenbogenfarbener Haufen. Ich höre Stimmen, teilweise welche, die ich kenne. Yvie, Onyx, Nox, Luna, Sky... und Noroi. Ihn habe ich fast vergessen. Doch ehe ich weiter darüber nachdenken kann, abgesehen von der Tatsache, dass ich gerade zu entsetzt bin um zu denken, wechselt das Bild wieder. Ich sehe mich selbst und vor mir Lucid. Meine Stimme hallt in meinem Kopf. “Ich vermute hier etwas, was so stark ist, dass Arceus es hierher verbannt hat, genauso, wie er Giratina verbannt hat... Und dich scheinbar auch.“ Mein Abbild verschwindet und nur Lucid bleibt zurück. Er sieht mich direkt an. “Wenn ich gehe, werde ich hierher zurück getrieben. Ich bin zu...“

    Schweißgebadet wache ich auf. Auf einmal ergibt alles einen Sinn.

    - Erzählersicht -

    “Das ist eine furchtbare Idee, Luna.“ Luna ist den Tränen nahe. “Das ist mir egal! Ich habe es doch gehört, alle in der Stadt sprechen davon. Und wenn es bis ins Unterwasserreich dringt, dann sind wir in einer wirklich ernsten Situation! Ich muss dort sein!“ “Das geht nicht“, versucht Phiona ihr zu erklären. “Yara sucht nach dir. Wenn sie dich in die Finger bekommt...“ “Dann was?“, fragt Luna aufgebracht. “Sie sucht so oder so nach mir. Wenn sie mich hier findet, hat sie mich nicht nur in ihrer Hand, ich habe euch auch noch verraten.“ “Unser Reich ist magisch versteckt, das findet man nicht so einfach“, erklärt Phiona. Luna schnaubt. “Für wie lange noch? Sir Calong wird jeden Tag schwächer. Du kannst dich davon abwenden, aber es ändert nichts an der Tatsache, dass seine Zeit langsam vorüber ist. Er hat Jahrhunderte gelebt, aber irgendwann ist auch seine Zeit um.“ Phiona reißt überrascht die Augen auf. “Woher weißt du?“ Luna verschränkt die Arme. “Wenn ich eines weiß, dann, dass alle Märchen einen Ursprung haben. Ich musste nur eins und eins zusammenzählen.“ “Aber der Ursprung ist doch immer sehr stark verschleiert.“ Luna zuckt mit den Schultern. “In diesem Fall wohl nicht stark genug.“ Phiona starrt sie eine Minute lang an, dann schüttelt sie den Kopf. “Also gut. Was du sagst ist wahr. Aber das hindert uns nicht daran, dich noch besser zu verstecken. Das Meer ist groß. Es gibt viele passende Orte.“ “Wie lange soll ich mich noch verstecken?“, fragt Luna aufgebracht. “Ich möchte mich nicht verstecken! Ich möchte helfen! Ich möchte für unsere Welt kämpfen. Phiona seufzt. “Luna, du bist eine Prinzessin.“ Auf einmal wird Luna ganz ruhig. “Und genau in diesem Punkt liegst du falsch“, antwortet sie kühl. “Ich bin keine Prinzessin. Ich bin eine Hüterin. Das ist meine Aufgabe.“ “Versuche nicht, dich rauszureden“, erwidert Phiona gelassen. Luna schüttelt den Kopf. “Ich rede mich nicht raus. Ich sage die Wahrheit.“ “Beweise es.“ Luna sieht Phiona ungläubig an. “Du lässt mich gehen?“ Kurz ist Phiona verwirrt, dann schüttelt sie hastig den Kopf. “Nein, natürlich nicht. Ich möchte einfach nur eine plausible Erklärung.“ Luna lächelt. “Die kann ich dir geben. Einst gab es zwischen den vier Königreichen einen Krieg, hat Yvie dir davon erzählt?“ Phiona nickt. “Es ging darum, welches der Königreiche die gesamte Welt überwachen darf. Und aufpasst, dass nicht alle Königreiche einfach so ihr eigenes Ding machen.“ Luna nickt. “Bis zu einem bestimmten Punkt haben die Herrscher freie Hand. Doch irgendwer musste aufpassen, dass niemand diesen Punkt überschreitet und ohne die Zustimmung der anderen Reiche große Veränderungen vornimmt. Außerdem musste der Handel zwischen den Reichen klappen. Doch sie konnten sich nicht einigen. Es endete im Krieg. Es gab keine Gewinner, nur große Verluste. Er war so heftig, dass Rainbowheart aus unserer Welt flohen. Dann wurde er von Arceus abgebrochen. Ein Schloss ohne Königreich wurde gebaut.“ “Dein Schloss, Prinzessin“, bemerkt Phiona. Luna seufzt. “Genau das ist der Punkt. Worum stritten die Reiche sich?“ “Um einen Anführer“, erwidert Phiona, nicht genau wissend worauf Luna hinaus will. Luna nickt. “Und was macht ein Anführer?“ “Über ein Volk herrschen?“ “Eben nicht!“ Phiona sieht Luna verwirrt an. “Ähm... doch?“ Luna schüttelt den Kopf. “Ein Anführer führt sein Volk an! Er geht mit gutem Beispiel voran. Mein Bruder hat es mir immer und immer wieder erklärt. Weißt du was ein großer Vorteil an der Ruhe hier ist? Man hat genügend Zeit, um nachzudenken. Und ich habe lange darüber nachgedacht. Jetzt bin ich mir absolut sicher. Ich bin vielleicht erst zwölf und damit noch nicht alt genug für die Aufgabe, aber besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. Ich werde die Bewohner dieser Welt anführen. Wir werden uns wehren.“ Phiona lächelt schief. Begeistert ist sie nicht. Doch sie kann sehen, dass Luna ihre Meinung nicht ändern wird. Sie seufzt tief. “Also gut, ich gebe mich geschlagen. Aber eine Bitte habe ich.“ “Welche?“ Phiona sieht Luna an. “Lass mich dich begleiten. Auch ich möchte kämpfen und wenn es das letzte ist, was ich tue.“ Luna nickt. “Wenn es weiter nichts ist.“ Zufrieden schwimmt sie los. Phiona folgt ihr bis zum Eingang. Dann dreht sie sich um und sieht noch einmal zurück zu ihrem Zuhause. Ein Schatten fällt über ihr Gesicht. “Es wird das letzte sein, was ich tue.“

    41
    Kapitel 39
    Auch eine Art mit einem Begleiter zu reisen...


    - Shay's Sicht -

    Als ich aufwache ist mein Ziel klar: Ich muss Lucid finden. Keine Ahnung, wieso ich nicht vorher darauf gekommen bin. Giratina wurde von Arceus verbannt. Was könnte stärker sein als Giratina? Giratinas Sohn natürlich. Vorsichtig bahne ich mir meinen Weg durch die Zerrwelt. Ich finde Lucid am gleichen Platz, an dem ich ihn vorher getroffen habe. Er dreht sich zu mir und mustert mich misstrauisch. “Was ist?“ “Du musst mit mir kommen“, antworte ich ohne Umschweife. Lucid zieht eine Augenbraue hoch. “Wieso?“ “Erklär ich dir später, jetzt komm!“ Ich greife nach seiner Hand, doch er zieht sie weg. “Wohin?“ Ich rolle mit den Augen. “Na nach draußen. Wir verlassen die Zerrwelt.“ Lucid schüttelt den Kopf. “Das kann ich nicht und das weißt du.“ “Können und dürfen sind zwei völlig unterschiedliche Dinge“, erwidere ich. “Jetzt komm endlich!“ “Nein.“ Lucid tritt einen Schritt zurück. Verwundert drehe ich mich um. “Wieso möchtest du nicht? Hast du es nicht satt, alleine hier unten gefangen zu sein?“ Verunsichert sieht Lucid nach oben. “Ich... Ich bin nicht völlig alleine. Ich meine, ich würde gerne mal die Außenwelt sehen, aber... das geht nicht. Ich würde dort innerhalb von Sekunden zerstört werden?“ “Hat Arceus dir das eingetrichtert?“, frage ich ihn misstrauisch. Lucid nickt. “Arceus hat mir das Leben gerettet. Das muss ich anerkennen. Ich kann mich nicht einfach in Gefahr begeben.“ “Du begibst dich doch nicht...“ Ich stocke. Wenn er mit mir kommt, begibt er sich sehr wohl in Gefahr. Geschlagen hebe ich die Hände. “Okay, du hast gewonnen. Dann bring wenigstens mich zurück. Ich muss einen Weg finden, meine Schwester zu retten. Am besten innerhalb der nächsten vierundzwanzig Stunden. Ich habe viel zu viel Zeit verschwendet.“ “Genau! Deshalb ist es inakzeptabel, dass du einfach wieder gehst!“ Ich schnappe nach Luft. Die Stimme kam aus meinem Mund, aber es ist definitiv nicht meine Stimme. Lucid reißt die Augen auf und nimmt eine kampfbereite Haltung ein. “Nightmare!“ Ein Kichern kommt aus meinem Mund. “Genau! Diese Dusseligen Legendären haben nicht mal bemerkt, dass ich da war. Hör zu, dieses Mädchen hier ist sehr reizend, wie sie ihre Schwester retten möchte und alles, aber ich hätte lieber einen wirklich mächtigen Körper.“ “Na vielen dank auch“, rutscht es mir heraus. Der Stimmenwechsel klingt wirklich gruselig. Wieder ein Kichern. “Ups, du hast ja noch halbwegs Kontrolle. Moment, das haben wir gleich.“ Ich bekomme furchtbare Kopfschmerzen. “Aua! Hör auf, das tut weh!“, beklage ich mich. Mir fällt auf, dass die Kopfschmerzen schwächer werden, wenn ich rede. Also muss ich jede Menge reden. Juchu. “Also wirklich, hast du noch nie etwas von Privatsphäre gehört? Ich meine, ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass du meine Albträume erschaffen hast, und dementsprechend in meinen Gedanken gewühlt hast. Du würdest es doch auch nicht mögen, wenn jemand deine Gedanken liest, oder? Und die Sache mit Lucid hast auch du mir in den Kopf gesetzt. Macht Sinn. Aber ich will mit deinen Problemen nichts zu tun haben. Ich will nur meine Schwester retten. Und wenn ich schon dabei bin, mache ich am besten noch die Organisation platt, dann haben alle Rainbowheart Ruhe. Wozu die uns überhaupt wollen möchte ich gar nicht wissen. Ach übrigens, ich gehe mal davon aus, dass du ein Darkrai-Rainbowheart bist? Würde mich zumindest nicht wundern. Ich habe-“ “Okay, okay, ist ja gut! Ich gebe auf!“ Meine Kopfschmerzen verschwinden. “Danke sehr.“ Stille. Ich grinse. “Na, das scheint ja erledigt zu sein.“ Lucid sieht mich unsicher an. “Du weißt schon, dass Nightmare noch in deinem Kopf ist?“ Ich zucke mit den Schultern. “Das wäre ein Problem weniger.“ “Bitte was?“, fragt Lucid verwirrt. Ich lächel. “Nightmare ist ein Darkrai-Rainbowheart, nicht wahr?“ Lucid nickt. “Ja, aber inwiefern soll das von Vorteil sein?“ “Die Leute von Team Spaceship können sich auf einen Albtraum gefasst machen“, erkläre ich mit einem breiten Grinsen im Gesicht. “So, wo geht es hier jetzt raus?“ Lucid bedeutet mir, ihm zu folgen. “Übrigens, mein Angebot steht noch“, bemerke ich. “Niemand sollte sein Leben lang eingesperrt sein.“ Lucid lächelt. “Ich denke drüber nach.“

    - Erzählersicht -

    Lumos ist der Verzweiflung nahe. Drei Monsterheart-Angriffe, eine in Brand gesetzte Stadt, ein furchtbarer Sturm und jetzt das. “Was bringt euch meine Gefangenschaft?“, fragt er die verhüllten Gestalten vor sich. Eine besonders große Gestalt tritt vor. “Einen Kämpfer mehr.“ Lumos weicht zurück. “Ein Kämpfer für was?“ Die große Gestalt schweigt. Eine kleinere nähert sich. “Für den Weg zum Elysium der Rainbowheart.“ Lumos will gerade fragen, wer der Anführer dieses verrückten Kults ist, als die Frage sich von selbst erledigt. Ein Zoruark-Mädchen tritt vor. Vielleicht ist sie schon erwachsen, vielleicht ist sie erst eine Jugendliche, Lumos kann es schwer abschätzen. Aber er kann verstehen, dass die anderen Leute diesem Kult beigetreten sind. Sie ist das schönste Wesen, dass er je gesehen hat. “Was muss ich tun?“, fragt er ohne nachzudenken. Das Zoruark-Mädchen kniet sich vor ihm hin. “Du warst ja schnell zu überzeugen. Ich musste mich nicht mal verwandeln.“ Lumos spürt, wie er rot anläuft. “Ihr lasst mir so oder so keine Wahl, das ist alles.“ Das Mädchen kichert. “Natürlich ist es das.“ Sie nimmt seine Hand und zieht ihn hoch. “Aber du hast recht. Du hast keine Wahl. Nun, brauchst du Amnesie, oder geht es auch ohne?“

    Währenddessen...

    Lucas vermisst seine Eltern. Nemaja weiß das genau. Und sie weiß auch, dass sie seine Eltern niemals ersetzen wird. Doch sie gibt ihr bestes. Gerade jetzt, wo die M.P.O. einen Krieg gegen Team Spaceship plant, braucht Lucas jemanden, an den er sich wenden kann. Aber manchmal fragt sie sich, an wen sie sich wenden soll. Ayur ist total in sich gekehrt und Kyle und Thea sind spurlos verschwunden. Jonas musste zurück in seine Welt, weil er als Mensch die Rainbowheart verunsichert und Gefahr läuft, angegriffen zu werden. Alle anderen hier kennt sie kaum. Nemaja seufzt. Eigentlich möchte sie schlafen, aber ihr Kopf hat andere Pläne. Am meisten denkt sie an ihre verschwundenen Freunde. Fast täglich fragt sie im Hauptquartier herum, ob irgendwer irgendetwas gehört hat. Doch so wie es aussieht, sind ihre Freunde nicht nur spurlos verschwunden, es scheint auch niemanden zu interessieren. Und das macht Nemaja unglaublich wütend. Plötzlich klopft es an der Tür. Nemaja steht auf und öffnet sie. “Ayur?“ Ayur nickt. “Hör zu, ich weiß, dass ich seit Ewigkeiten nicht mehr mit dir geredet habe, aber ich hatte meine Gründe.“ “Die Gründe heißen Riala“, murmelt Nemaja. “Wie bei den meisten anderen hier.“ Ayur schüttelt den Kopf. “Eigentlich nicht. Ich war nur... etwas wütend auf mich selbst. Ich weiß, ich hätte es nicht verhindern können, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass es meine Schuld ist... Das Verschwinden der anderen, meine ich. Ich bin ein Absol-Rainbowheart, ich sollte Unheil voraussehen können.“ Nemaja mustert Ayur. Er sagt die Wahrheit. Und es könnte zwar an ihrem leuchtenden Hut liegen, aber sie glaubt, Tränen in seinen Augen glitzern zu sehen. Liegt er auch regelmäßig nachts wach, weil ihm das Verschwinden ihrer Freunde keine Ruhe lässt? Sie wissen beide nicht, was mit ihnen geschehen ist. Doch am wahrscheinlichsten ist, dass sie alle in Monsterheart verwandelt wurden. Oder sie sind Yara in die Hände gefallen, was genauso schlimm ist. Denn dann sind sie garantiert mittlerweile tot. Eine Träne rollt über Nemajas Wange. Schnell wischt sie sie weg. “Nun, okay. Wozu brauchtest du mich?“ Ayur legt ihr eine Hand auf die Schulter. “Nemaja... tu nicht so, als hätte ich nichts bemerkt. Ich bin immer noch dein Freund.“ Da bricht bei Nemaja der Damm. Sie lehnt ihren Kopf gegen Ayurs Schulter und schluchzt hemmungslos. Zögernd umarmt Ayur sie. “Es ist noch nicht zu spät. Wir finden sie. Es geht ihnen gut, du wirst schon sehen.“ Er will noch etwas sagen, lässt es dann aber sein. Die Mission kann warten.

    - Shay's Sicht -

    Letzten Endes ist Lucid nicht mitgekommen, aber er hat versprochen, dass er mich wieder rein lässt, wenn ich ihn besuchen möchte. Leider bin ich jetzt in Sinnoh, das heißt, dass ich erst wieder nach Kanto muss. Aber hey, man kann schließlich nicht alles haben. Ich reise wieder in Pokémon-Gestalt. Das habe ich ewig nicht mehr gemacht und es fühlt sich seltsam an, aber zum Glück stolpere ich nicht ständig über meine Pfoten. Und dank Nighty wird es auch nicht langweilig, denn wir können uns in Gedanken unterhalten. Oh, und mit Nighty meine ich Nightmare. Er hasst diesen Spitznamen, aber das ist mir ziemlich egal. Hey Nighty, wie geht's dir so? Wie oft noch? Nenn. Mich. Nicht. So. Wieso nicht? Klingt doch niedlich. Ich bin aber nicht niedlich! Kann ich nicht beurteilen. Ich kenne dich nur als Stimme in meinem Kopf. Sag mal, fällt es auf wenn ein Flamara ohne Trainer auf ein Schiff geht? Klar fällt das auf, aber ich bezweifle, dass irgendwer versuchen wird dich zu fangen. Die denken eher, dass du deinen Trainer suchst. Könntest du nicht mein Trainer sein? Du dürftest keine auffälligen Ohren haben. Ich habe schwarze Haut. Na und? Ich habe noch nie gehört, dass jemand wegen seiner Hautfarbe geärgert wurde. Nein, ich habe wirklich richtig schwarze Haut. Schwarz wie eine mondlose Nacht. Oh, das ist natürlich auch auffällig. Na gut, dann nicht. Hätte sowieso nicht geklappt. Hey, du hast doch in dieser Welt gelebt, ziemlich abgeschnitten von der Zivilisation, richtig? Ähm... ja? Wieso? Was ist die Wurzel aus 121? Äh... was? Wieso fragst du mich sowas? Weil du wahrscheinlich null Bildung hast. Und so kann ich dich ärgern. Okay, ich habe vielleicht keine Ahnung von deiner komischen Frage, aber weißt du, wie man beim Schwimmen einer Strömung entkommt? Äh... Oder erkennst du instinktiv, ob ein Pokémon männlich oder weiblich ist? ((cur)... okay, du hast gewonnen. Die Antwort auf meine Frage war elf. Okay, gut zu wissen. Lernen alle bei euch so etwas nutzloses? Manche mehr, manche weniger. Meine Mutter war ein richtiger Mathe-Freak. Was war deine Mutter für ein Rainbowheart? ...darüber spreche ich nicht. Gut, dann nicht. Ohne es zu wollen muss ich an meine Mutter denken. Ich habe nie erfahren, wie sie wirklich heißt. Wir haben sie immer nur Mama genannt, selbst mein Vater. Ich habe sie nur einmal ungetarnt gesehen und diese Erinnerung liegt so weit zurück, dass ich mich nicht an Einzelheiten erinnern kann, doch sie war definitiv wunderschön, schöner, als ich jemals sein könnte. Das hat wohl mit der Perspektive zu tun... Was? Nichts! Du findest mich also hübsch? Nein! Ich meine ja! Ich meine... darauf wollte ich nicht hinaus! Ich wollte nur sagen, dass man sich selbst gegenüber meist am kritischsten ist. Das stimmt wohl. Also wirklich, musstest du mich in so eine Falle locken? Bei euch Mädchen muss man immer so extrem vorsichtig sein mit dem, was man sagt. Tut mir leid. Also, wir haben den Hafen fast erreicht. Bereit für die Überfahrt? Solange du bereit bist. Ich hänge in deinem Kopf fest. Wieso gehst du eigentlich nicht einfach? Mein Körper ist gerade in einer ziemlich unangenehmen Lage... Ich brauche den Ersatz. Aber deine Kräfte hast du noch? Ja, sonst hätte ich dir doch keine Albträume verpassen können. Stimmt. Okay, wie wär's damit: Du leist mir deine Kräfte, um meine Schwester zu befreien und danach helfe ich dir, deinen Körper zurückzubekommen. Nicht, dass ich groß eine Wahl hätte... Nun, irgendwie schon. Die Kräfte musst du einsetzen. Nighty überlegt. Okay, ich leihe dir meine Kräfte. Aber erst, wenn wir da sind. Einverstanden.

    42
    Kapitel 40
    Schwindende Magie


    - Shay's Sicht -

    Die Fahrt nach Kanto ist überraschend schnell vorbei. Ich habe zwar zwischendurch mal geschlafen, aber das muss nichts heißen. Ich könnte auch nur kurze Nickerchen gehalten haben. Die Zeit, in der ich wach war, habe ich das Schiff erkundet. Es ist ziemlich groß, deshalb sind auch viele Leute hier. Die wenigsten nehmen überhaupt Notiz von mir. Ein kleines Kind wollte mich mal streicheln. Ich wollte wegrennen, doch Nighty hat mich davon abgehalten und mir erklärt, dass ich die Sache vollkommen falsch angehe. “Wenn du dich von Menschen anfassen lässt, gehen sie davon aus, dass du zahm bist und einem Trainer gehörst“, hat er erklärt. Also habe ich mich von dem kleinen Kind hinter den Ohren kraulen lassen. Eigentlich war es ganz angenehm. Nun ja, jedenfalls sind wir jetzt in Kanto angekommen. Ich verlasse das Schiff und dränge mich durch die Menschenmenge. Ich habe keine Ahnung, wo ich bin, aber das finde ich bestimmt noch heraus. Zum Glück sind die Wege meistens ausgeschildert. Es stellt sich heraus, dass ich mich in Orania City befinde. Nun muss ich nur noch herausfinden, wie ich nach Prismania City komme. Fragen kann ich ja schlecht. Du könntest mich fragen. Du kennst dich hier aus, Nighty? Wie oft noch? Ich heiße Nightmare, nicht Nighty! Und ja, ich kenne den Ort. Du bist nicht die erste, der ich Albträume verpasst habe. Welch Überraschung... aber es macht Sinn. Also, wo geht's lang? Von hier aus müssen wir dem Weg zum nördlichen Ausgang der Stadt folgen, Richtung Saffronia City. Dann- Okay, los geht's! Hey, ich bin noch nicht fertig! Sag mir einfach Bescheid, wenn ich abbiegen muss. Na gut, wenn dir das lieber ist. Wir können uns ja unterhalten. Kann ich nicht mal meine Ruhe haben? Du hast es selbst so gewählt. Pech gehabt. Vielleicht lernst du etwas daraus. Hmpf. Also, hast du Freunde? Wer würde denn mit mir befreundet sein wollen? Ich lerne nur Leute kennen, von denen ich Besitz ergriffen habe. Und mit dir sind es gerade mal fünf. Und da du ihnen Albträume beschert hattest, wollten sie nichts mit dir zu tun haben? Genau. Kann ich vollkommen verstehen. Albträume sind furchtbar. Vielen Dank auch. Gern geschehen. Kannst du auch Albträume bekommen? ...keine Ahnung. Hatte nie einen. Du Glücklicher. Sei dir da nicht so sicher. Ich würde gerne mal etwas träumen, auch, wenn es ein Albtraum ist. Aber ich gehe einfach schlafen und wache dann auf. Der einzige Beweis, dass ich überhaupt geschlafen habe, ist die vorangeschrittene Zeit. Ist mir immer noch lieber als davon zu träumen, dass alle, die mir nahestehen, tot sind. Ja, ich hätte nicht gedacht, dass es so sehr ausartet. Was meinst du mit ausarten? Ich kann nicht den kompletten Traum beeinflussen. Ich lege nur ein paar Grundsteine. Der Rest kommt von deiner Fantasie, deinen Ängsten und deinen Erinnerungen. Und manchmal auch von deinen Wünschen. Okay... klingt irgendwie seltsam, aber gut. Ich glaube dir einfach mal. Hey, ich habe vielleicht ein paar Personen aus deinen Erinnerungen geholt, aber ich habe dich nicht gestalkt. Das ist auch besser so, sonst könntest du dich für immer von deinem Körper verabschieden. Dann müsstest du mich für immer behalten. Damit hätte ich wahrscheinlich weniger Probleme als du. Schließlich habe ich die Kontrolle. Musst du mich daran erinnern? Du musst in die andere Richtung. Sieh dir das Schild an. Oh, sind wir schon so weit gekommen? Offensichtlich ja. Prismania City liegt in dieser Richtung. Alles klar. Und wechsel bitte nicht so plötzlich das Thema, du verwirrst mich. Immerhin etwas, was ich kann... Oha, werden wir jetzt depressiv? Nein, ich studiere meine Möglichkeiten. Okay. Wenn du etwas wissen willst, frag mich einfach. Nee, lieber nicht.

    - Erzählersicht -

    Zap ist am Ende seiner Kräfte. Wahrscheinlich rennt er schon seit Tagen durch dieses Gebäude, doch es gibt genug Stromquellen, wo er sich vorübergehend mit Energie versorgen kann. Nur... wo ist der Ausgang? Und wann wird er ihn erreichen? Immer wieder muss Zap Umwege nehmen, um seinen verhexten Freunden zu entkommen. Wie er sich überhaupt dem Zauber entziehen konnte, ist ihm unklar. Doch er hat keine Zeit, darüber nachzudenken. Andere Dinge beunruhigen ihn mehr. Ein Beispiel: Attacken, die Blut verursachen. So etwas dürfte es bei Rainbowheart nicht geben. Und der Angreifer ist kein Monsterheart gewesen. Schlimmer noch, von manchen Rainbowheart werden die Attacken schwächer, oder verlieren ihre Wirkung ganz. Ob das mit dem zu tun hat, von dem dieses Zoruark-Mädchen gesprochen hat? Zap schüttelt den Kopf. Das kann nicht sein. Sie hat garantiert gelogen. Plötzlich hört er Schritte hinter sich. Seine Verfolger holen auf! Zap nimmt all seine Kraft zusammen und greift die Decke über sich mit Eisenschweif an. Die Decke zerbricht und treibt eine Wand zwischen ihn und seine Verfolger. Doch Zap hat keine Zeit, sich zu freuen. Er muss verschwinden, bevor sie ihr Hindernis zerstören. Blitzschnell rennt er weiter. Er muss einen Weg hier raus finden. Er muss seine Freunde warnen. Falls noch welche übrig sind.

    Währenddessen...

    Langsam hat Jonas die Nase voll. Aurora und Flamer sind noch immer unauffindbar und ohne sie kann er Thea in der Pokémon-Welt nicht helfen. Zwar ist er noch ein bisschen sauer auf Thea, aber das hält ihn nicht davon ab, ihr zu helfen. Immerhin funktioniert seine Aurasicht wieder besser, seit er hier ist. Im Moment befindet er sich am Fuß des Silberberges und überlegt, was er jetzt tun könnte. Bis zur nächsten Stadt ist es ein ganzes Stück und ohne Pokémon mitten in der Wildnis ist es ganz schön gefährlich. “Hey, brauchst du Hilfe?“ Jonas sieht nach oben und entdeckt drei Auren: eine gehört einem Tauboss, die anderen beiden gehören Blau und Rot. Jonas weiß nicht, ob er vor Wut schreien oder vor Freude jubeln soll. Letzten Endes lässt er beides bleiben. Er beobachtet einfach, wie das Tauboss landet. “Hey“, begrüßt Blau ihn. Rot schweigt, wie üblich. “Hey“, antwortet Jonas und dreht den Kopf weg. Blau strahlt so viel Selbstbewusstsein aus, es tut Jonas buchstäblich in den Augen weh. “Wurdest du auch aus der Welt geworfen?“ Jonas knirscht mit den Zähnen. “Ja.“ “Mach dir nichts draus“, versucht Blau ihn aufzumuntern. “Dann regeln wir die Dinge eben von hier aus.“ “Ich habe keine Pokémon. Sie wurden mir genommen, noch bevor ich in die Rainbowheart Welt gekommen bin.“ Blau sieht erst schockiert aus, dann hat er wieder sein selbstbewusstes Lächeln auf den Lippen. “Dann ist es unsere oberste Priorität, sie zurückholen.“ Er wendet sich an Rot. “Wir werden wohl doch dein Glurak brauchen.“ Rot nickt und holt sein Glurak aus dem Pokéball. Danach steigt er vom Tauboss ab und legt den Ball zurück in seine Tasche. Blau seufzt. “Arceus sei dank funktioniert sie wieder. Vorhin haben wir ganz schön schleppen müssen.“ Verwirrt sieht Jonas ihn an. “Warum?“ “Unsere Taschen wollten unsere Items und anderen Habseligkeiten nicht mehr aufnehmen“, erklärt Blau. “In Rots Jackentasche hat gerade mal ein Trank gepasst.“ “Merkwürdig...“, murmelt Jonas. Er sieht die beiden Trainer an. “Als ich noch in der Rainbowheart Welt war, wurde meine Aurasicht plötzlich schwächer. Meint ihr das hängt zusammen?“ Rot überlegt und auch Blau runzelt die Stirn. “Vielleicht. Auf jeden Fall ist beides nicht normal.“ Rot steigt auf sein Glurak. “...“ “Du hast recht“, meint Blau. “Wir können auch unterwegs noch darüber reden.“ Jonas hinterfragt nicht, wie Blau Rot verstanden hat. Die beiden kennen sich schließlich schon ewig. Rot winkt ihn zu sich und Jonas steigt hinter ihm auf. Glurak fliegt los und Tauboss folgt. Jonas seufzt erleichtert. Vielleicht war Blaus Erscheinen doch nicht so schlecht.

    - Shay's Sicht -

    Willkommen in Prismania City. Ja! Endlich! Ich fand den Weg gar nicht so schlimm. Du musstest auch nicht laufen. Heh. Sehr witzig. Du warst sooo motiviert. Ich bin immer noch motiviert! Diese Trottel von Team Spaceship können etwas erleben, wart's nur ab! Sicher, dass du meine Kräfte brauchst? Du klingst, als wolltest du sie alle mit bloßer Hand umbringen. Nein, so stark bin ich dann doch noch nicht. Vielleicht hätte ich dich bei Mewtu lassen sollen... Wäre ich bei Mewtu geblieben, hätte ich trainiert, bis meine Schwester tot ist. Also, wo ist dieses Café? Café? Ich dachte, du wolltest Team Spaceship den Garaus machen? Genau. Und der Eingang zu ihrer Horroranstalt liegt in einem Café. Kleiner Tipp: Pfoten weg von den Muffins. “Shay?“ Ich fahre herum, atme dann jedoch erleichtert auf. Es ist Lilly. Ich laufe zu ihr. Hey, ist das nicht deine Freundin? Ja, das ist Lilly. Der Typ neben ihr kommt mir aber nicht bekannt vor. Stimmt, mir auch nicht. Seine Frisur sieht witzig aus. Ich lasse mich von Lilly kraulen. “Was machst du hier?“, fragt diese mich verwundert. “Solltest du nicht bei Arceus sein?“ Mein Blick schweift zu ihrem Begleiter. Lilly folgt meinem Blick, dann sieht sie wieder zu mir und lächelt. “Das ist Tali. Du kannst ihm vertrauen, er würde niemandem etwas zuleide tun. Stimmt, hat sie ihm nicht mal einen Brief geschrieben? “Alles klar. Also, ich habe einen neuen Freund-“ Wer hat wann behauptet, dass wir Freunde sind? “Ach sei still.“ “Äh, was?“, fragt Lilly irritiert. “Nicht du, ich habe mit Nighty geredet“, beruhige ich sie. “ICH. HEIßE. NIGHTMARE!“, höre ich Nightys Stimme aus meinem Mund rufen. “Na toll“, murmel ich. “Wenn das kein Aufsehen erregt hat...“ Lilly schüttelt lachend den Kopf. “Dein Freund ist schräg. Was genau ist er?“ “Ein Darkrai Rainbowheart.“ Verräter! “Jedenfalls, vielleicht sollten wir irgendwo hingehen, wo wir ungestört sind, dann können wir besser reden.“ Ignorierst du mich jetzt? “Tali und ich haben außerhalb der Stadt ein kleines Versteck aufgebaut. Wir könnten dorthin gehen“, schlägt Lilly vor. Ich nicke. “Das klingt gut. Hauptsache, es ist nicht zu weit weg.“

    Tatsächlich dauert es, wenn man sich beeilt, gerade mal fünf Minuten, bis man das Versteck erreicht. Natürlich hasse ich es, Thea noch länger warten zu lassen, aber vielleicht hat Lilly etwas herausgefunden. Sonst wäre sie bestimmt nicht hier. Sobald wir das Versteck betreten, enttarne ich mich. Dann mustere ich Tali. “Ist dein Prinz immer so still?“ Augenblicklich wird Lilly rot. “Shay! Tali ist kein Prinz! Und schon gar nicht mein Prinz!“ Ich hebe abwehrend die Hände. “Schon gut, mein Fehler. Also, ist er immer so still?“ Lilly sieht mich nur vielsagend an, hebt die Hand und zählt mit den Fingern lautlos runter. Als sie bei null ankommt, fängt Tali an zu grinsen. “Oh Arceus, das ist so cool! Du bist wirklich halb Mensch und halb Pokémon! Und du kannst dich tarnen und sprechen und alles! Und du hast wirklich-“ “Glaubst du Lilly etwa nicht? Sie ist doch deine Freundin, oder nicht?“, unterbreche ich ihn. Verlegen kratzt Tali sich am Hinterkopf. “Doch, natürlich, es ist nur...“ Sofort ist sein Grinsen wieder da. “Das ist einfach so cool!“ Ich lächel. “Ich nehme alles zurück. Du bist ganz schön aufgeweckt.“ Wann mischen wir endlich den Laden auf? Moment noch. Ich wende mich an Lilly. “Also, was machst du hier?“ Lilly seufzt. “Was wohl? Wenn Yara in der Rainbowheart Welt die ganze Zeit Ärger macht, um es milde auszudrücken, meinst du, Menschen sind da noch willkommen?“ Ich schüttel den Kopf. “Wahrscheinlich nicht.“ “Dafür können wir Shay jetzt helfen, ihre Schwester zu befreien“, erinnert Tali Lilly. Diese lächelt. “Ja.“ Sie sieht zu mir. “Tali hat mit mir trainiert.“ Sie holt ihr gesamtes Team aus den Pokébällen. Alle, bis auf Flocke, haben sich entwickelt. Doch auch Flocke sieht aus, als könnte sie es problemlos mit einem Monsterheart aufnehmen. Ich pfeife anerkennend. “Nicht schlecht. Dann sollten wir unverzüglich aufbrechen.“ “Ohne Plan?“, fragt Lilly wenig begeistert. Ich lächel. “Ach was. Natürlich habe ich einen Plan. Die Leute von Team Spaceship können sich auf den Albtraum ihres Lebens gefasst machen.“ Tali geht ein Licht auf. “Dein Freund...“ Ich nicke. “Genau. Dass wir uns meinen Körper teilen hat auch Vorteile.“ Hörst du jetzt auf, mich zu ignorieren? Tut mir leid. Brauchst du etwas? Ich wollte nur gesagt haben, dass ich dich übernehmen muss um meine volle Kraft entfalten zu können. Oh... Na ja, das bekommst du schon hin. Du vertraust mir? Klar. Du brauchst mich schließlich auch noch. Ich werde nur kurz Lilly warnen. Ich wende mich Lilly zu. “Um seine Kräfte voll entfalten zu können muss Nighty mich komplett übernehmen.“ Ich heiße... ach, weißt du was? Egal. Nenn mich einfach Nighty. Lilly nickt. “Alles klar. Also wann geht's los?“ “So bald wie möglich.“

    43
    Kapitel 41
    Zu einfach?


    - Shay's Sicht -

    Beunruhigenderweise ist der Eingang vollkommen unbewacht. Wir können uns also auf einen Hinterhalt gefasst machen. Aber deswegen umkehren werden wir nicht. Wir haben schon zu viel Zeit verschwendet. Jetzt müssen wir nur noch Thea finden. Und da sie sicher nicht die einzige Gefangene ist, werden wir auch nach anderen Rainbowheart Ausschau halten. Leider kennt sich keiner von uns hier aus. Wir müssen sehr gut aufpassen, dass wir nicht den falschen Raum erwischen. Unsere Suche geht so quälend langsam voran, dass es mich fast in den Wahnsinn treibt. Ruhig Blut. Ihr schafft das schon. Wenn du nervös wirst, sind die Chancen groß, dass du einen Fehler machst. Schön. Jetzt bin ich total ruhig. Wer hätte gedacht, dass Gedanken so sarkastisch klingen können? Hmpf. Ich konzentriere mich wieder auf meine Aufgabe. Nach einer gefühlten Ewigkeit erfolglosen suchens stößt Lilly mir gegen die Rippen. Ich sehe zu ihr und lege fragend den Kopf schief. Sie deutet auf ein paar in Kittel gekleidete Leute. Dann bedeutet sie uns, ihr zu folgen. Wir verfolgen die Leute so unauffällig wie möglich. Sie gehen zu einem weiß gefliesten Raum. Er ist viel zu hell, wir könnten uns nie im Leben darin verstecken, also sich wir uns außerhalb des Raumes ein Versteck. Lilly ist so gut im Verstecke finden, dass ich mich frage, ob sie so etwas schon mal gemacht hat. Die Leute in den Kitteln schließen die Tür hinter sich, doch für einen Moment kann ich einen mit Wasser gefüllten Behälter erkennen. Und in dem Behälter schwebt, an allerlei Schläuche angeschlossen und mit einer Maske auf, ein Shaymin-Rainbowheart. Und nicht nur irgendeines. Es ist Sky. Dein Lover? Nein, mein Freund. Ich habe keinen Lover. ... Was? Womit kann ich dich dann ärgern? Selbst wenn ich etwas wüsste, würde ich es dir nicht verraten. “Lasst uns warten, bis sie draußen sind“, schlägt Tali leise vor. “Hatten wir vor“, wispere ich zurück. “Noch wollten wir nicht kämpfen.“ Es dauert, bis diese Leute den Raum verlassen. Als sie es endlich tun, nehmen sie ein Rainbowheart mit. Ich kann nicht erkennen, was es für eines ist, aber es ist noch ziemlich klein. Dieses Team Spaceship schreckt wirklich vor nichts zurück. Am liebsten hätte ich sofort angegriffen. Stattdessen drehe ich mich zu Lilly und Tali. “Wir müssen uns aufteilen. Befreit ihr die Rainbowheart in diesem Raum. Ich folge den Leuten dort.“ Lilly will widersprechen, doch ich schüttel den Kopf. “Keine Widerrede. Es ist sowieso besser, wenn ihr nicht in der Nähe seid, während ich Nighty Amok laufen lasse.Vertraust du mir nicht? Wieso? Hast du was dagegen, ein bisschen weniger aufpassen zu müssen? ...okay, Punkt für dich. Na also. Lilly überlegt, dann nickt sie endlich. “Also gut. Aber pass auf dich auf.“ Ich lächel. “Immer doch.“ Wir umarmen uns noch einmal, dann folge ich den Leuten in den Kitteln. Ein paar mal wäre ich fast erwischt worden, doch Nighty konnte mich rechtzeitig warnen. Konzentrier dich nicht nur auf die Wissenschaftler, behalte auch deine Umgebung im Auge. Wissenschaftler? Ja. Die Leute vor dir sind Wissenschaftler. Ohne Wissenschaftler wäre eine Organisation meist ziemlich aufgeschmissen. Okay, merk ich mir. Meinen Hinweis, deine Umgebung zu beachten, auch? Ja, zumindest werde ich es versuchen. Gut. Sieh mal, die große Tür dort mit dem verdächtigen 'Zutritt verboten'-Schild! Und die Leute gehen genau darauf zu... dann werden wir ihnen wohl mal folgen. Im Gegensatz zum anderen Raum ist es in diesem sehr dunkel. Auch hier stehen mit Wasser gefüllte Behälter herum, doch dazu haben sie noch viele komplizierte, technische Gerätschaften. In den meisten Behältern sind Rainbowheart. Alle haben die Augen geschlossen. Als ich meine Schwester sehe, stockt mir der Atem. Seit unsere Eltern gestorben sind war sie immer die Stärkere, die, die auf uns beide aufgepasst hat. Doch jetzt, schlafend, im Wasser schwebend, mit einer Maske auf und mit Schläuchen verbunden, sieht sie so verletzlich aus, dass mir ein eiskalter Schauer über den Rücken läuft. Konzentrier dich! Leichter gesagt als getan... Mag sein, aber versteck dich wenigstens! Ach ja, gute Idee. Die Dunkelheit macht es einfach, sich zu verstecken. Nur die Behälter leuchten ein wenig. Also, wie sieht dein Plan aus? Wann kann ich übernehmen? Ich versuche den Kampf so lange wie möglich zu vermeiden. Vorsichtig lehne ich mich ein wenig aus dem Versteck, um sehen zu können, was die Wissenschaftler mit dem Rainbowheart machen. Das Ergebnis überrascht mich nicht. Sie geben ihm eine Maske, verbinden es mit Schläuchen und sperren es ein. Dann gibt einer etwas in ein seltsames Gerät ein und der Behälter füllt sich mit Wasser. Ich bin leider eine absolute Niete, was Technik an geht. Aber hey, ich habe mich auch mein Leben lang von der menschlichen Zivilisation ferngehalten. Die Wissenschaftler verlassen endlich den Raum und ich komme aus meinem Versteck hervor. Dann laufe ich als allererstes zu Theas Behälter. Doch wie soll ich sie ohne Lärm zu machen rausholen? Da braucht man ein bestimmtes Passwort. Was ist ein Passwort? Man muss etwas eingeben, damit man dieses Gerät benutzen darf. Okay. Was soll ich eingeben? Keine Ahnung. Was soll das heißen, 'keine Ahnung'? Ich dachte du weißt, wovon du sprichst? Tue ich auch, ist das Passwort nicht bei allen gleich. Na super. Dann muss ich es wohl ausprobieren. Als erstes gebe ich 'Thea' ein. Doch das ist falsch. Als nächstes gebe ich 'Blitza-Rainbowheart' ein. Auch falsch. Dann erscheint eine Warnung. Wenn ich noch einmal das Passwort falsch schreibe, geht der Alarm los. Das macht mich wütend. Ohne nachzudenken tippen ich 'GEHEINFACHAUF' ein. Ein Lämpchen blinkt grün auf und das Wasser wird abgesaugt. Das Glas sinkt in eine Ritze. Nicht dein Ernst... Ich zucke mit den Schultern. Offenbar sind die Leute hier schlecht im Passwörter merken. Vorsichtig befreien ich Thea und lege sie auf den Boden. Hoffentlich wacht sie bald auf. Dann mache ich mich an den Behälter neben ihr. Ich brauche wieder drei Versuche, bis ich es hinbekomme, aber ich schaffe es. Als ich den Nidorino-Jungen befreit habe und gerade den dritten Behälter öffnen möchte, öffnet sich die Tür. Ich zucke zusammen. Mindestens zehn Trainer und doppelt so viele Pokémon stehen in der Tür. Der Alarm ist losgegangen. Nur eben nicht in diesem Raum. Das wäre ja auch zu einfach gewesen... Nighty? Du bist dran. Na endlich! Ich fühle einen stechenden Schmerz im Kopf, dann wird mir kurzzeitig schwarz vor Augen. Als ich wieder sehen kann, schwebe ich mehr oder weniger über meinem Kopf. Bin ich tot? Du lebst, deine Seele hat nur nicht mehr genug Platz. So sehe ich die Welt, wenn du Kontrolle hast. Also, zumindest manchmal. Und jetzt auf in den Kampf. Am besten schließt du die Augen, das ist nämlich kein schöner Anblick. Ich befolge Nightys Rat und schließe die Augen. Außerdem halte ich mir die Ohren zu, nur vorsichtshalber. Trotzdem kann ich Schreie hören, sowohl von Menschen als auch von Pokémon. Nur wenige Minuten später bin ich wieder in meinem Körper. Zögernd öffne ich die Augen. Die Pokémon werden gerade hastig in die Bälle gerufen. Entsetzt sehen die Menschen mich an, dann rennen sie panisch weg. Himmel, Nighty, was hast du ihnen nur angetan? Ihnen Angst eingejagt. Details nenne ich nicht, du brauchst nicht noch mehr Albträume. Ich will auch mal Urlaub haben. Du machst das nicht, um Leute zu ärgern? Selten. Albträume sind einfach eine krasse Art, Dinge zu verarbeiten, Ängste und Erlebnisse und solche Sachen. Die Glasgefängnisse habe ich übrigens zerstört. Du musst die Rainbowheart nur noch von ihren Masken und Schläuchen befreien. Okay, danke. Ich mache mich an die Arbeit. Dank Nightys Vorarbeit komme ich schnell voran. Das einzige Problem: Sie schlafen alle noch. Nighty, warum wachen sie nicht auf? Zu viel Negativität. Sie hatten seit Ewigkeiten keine positiven Gefühle mehr. Wir Rainbowheart sind da sehr empfindlich. Woher auch immer die Menschen das wussten, sie wollten, dass die Rainbowheart über längeren Zeitraum keine positiven Gefühle mehr haben und letztendlich Selbstmord begehen. Oder schlimmer, alles mit sich machen lassen. Der Schlaf ist ein Schutz, dank der Träume. Keine Albträume natürlich, sondern positive Träume. Aber nicht alle Träume sind positiv, also ist der Schutz nur vorübergehend. Das bedeutet, dass wir uns beeilen müssen. Wir müssen sie wecken. Schlechte Idee. Sie würden augenblicklich brechen. Wir brauchen einfach möglichst viele positive Träume. Kannst du ihnen helfen? Nein. Positive Träume sind Cresselias Fachgebiet und das meiner Cousine. Ein Cresselia-Rainbowheart, nehme ich an? Ganz genau. Doch das löst unser Transportproblem nicht. “Mhm...“ Ich zucke zusammen. Das junge Rainbowheart rührt sich. Schnell laufe ich hin. Es ist ein Junge. Er ist hauptsächlich blau und schwarz gekleidet, hat blonde Haare und kleine Hörner. Ich schnappe nach Luft. Ist das ein Xerneas Rainbowheart? Sieht ganz so aus. Der Xerneas-Junge öffnet die Augen. “Mama?“, murmelt er verschlafen. Als er erkennt, dass ich nicht seine Mutter bin, robbt er von mir weg. “Alles okay“, beruhige ich ihn. “Die bösen Menschen sind weg.“ “Sie werden wiederkommen“, erwidert der Junge ängstlich. Tatsächlich liegen die Chancen hoch, weshalb wir schnell von hier verschwinden müssen. Nur wie? Ich sehe zum Xerneas-Jungen “Ich muss die anderen von hier wegholen. Das geht nicht so schnell.“ Der Xerneas-Junge mustert mich. “Du bist verletzt. Wie willst du auch nur eine Person tragen? Du verletzt dich nur noch mehr und hast am Ende nichts gewonnen.“ Ich blicke ihn überrascht an. Er wirkt wie ein gerade mal fünf Jahre alter Junge, doch irgendwas sagt mir, dass er in Wahrheit vor allem geistlich viel älter ist. Oder er springt zwischen kindlich und weise hin und her. Ich beuge mich zu ihm runter. “Kannst du mich heilen?“ Er nickt. Innerhalb weniger Sekunden sind meine Wunden verheilt und ich fühle mich, als könnte ich Mauern mit bloßen Händen einreißen. Trotzdem habe ich nicht genug Hände, um mehr als zwei Personen zu tragen. Und selbst zwei wird schwierig. Doch da kommt mir der Xerneas-Junge erneut zur Hilfe. Er setzt Psychokinese ein. Er mag zwar noch Jung sein, aber er ist mächtig. Alle Rainbowheart werden mühelos von ihm in die Luft gehoben. “Ich trage, du passt auf“, schlägt er vor. Ich nicke. “Einverstanden.“

    - Erzählersicht -

    Es dauert eine Weile, bis alle Rainbowheart wach sind und Tali und Lilly müssen ständig neu erklären, dass sie auf der Seite der Rainbowheart stehen. Doch dann haben sie endlich alle beisammen. Die meisten Rainbowheart sind ziemlich still, doch Tali schafft es schnell, die Stimmung etwas aufzulockern. Das ist sein größtes Talent. Lilly ist froh, dass er mit dabei ist. Sie lotsen die Rainbowheart zurück nach draußen. Das geht erstaunlich einfach. Viel zu einfach. Die Rainbowheart tarnen sich unterwegs, nur zur Sicherheit, wobei nicht alle Pokémon-Formen gute Tarnungen sind. Zwischendurch müssen sie sich vor Organisations-Mitgliedern verstecken, die panisch an ihnen vorbeilaufen. Lilly wüsste gerne, ob ihre Flucht ein gutes oder ein schlechtes Zeichen ist, doch gerade hat die Sicherheit der befreiten Rainbowheart Vorrang. Endlich erreichen sie den Ausgang. Mittlerweile hat das Café ein paar mehr Besucher, doch keiner nimmt Notiz von den zwei Trainern und den vielen Pokémon. Schnell verlassen diese das Café. Lilly dreht sich zu Tali. “Bring sie zum Versteck. Ich gehe Shay suchen.“ Tali nickt. Er vertraut Lillys Fähigkeiten. Er läuft mit den getarnten Rainbowheart los. Lilly hingegen rennt zurück zum Hauptquartier von Team Spaceship. Irgendwas stimmt hier nicht. Es gibt viel zu wenig Widerstand. Während sie die Rainbowheart befreit hatten, mussten sie genau zwei mal kämpfen. Danach kam niemand mehr. Das kann nur bedeuten, dass Shay großer Ärger blüht.

    Währenddessen...

    Yara läuft zwischen den Zelten hin und her und drängt die Jäger und Rüpel zum Aufbruch. Dabei gibt sie ihr bestes, ihre Wunden zu verbergen. Sie hat noch nie erlebt, dass Pokémon-Attacken so furchtbare Wunden hinterlassen. Und sie wurde schon oft von Attacken getroffen. Irgendwas passiert mit dieser Welt. Yara weiß nicht was, doch es treibt sie zu noch mehr Eile an. Ihr ganzes Leben lang war sie Teil von Team Rocket. Ihre Eltern waren beide Rüpel. Sie selbst hatte nie die Chance, sich zu beweisen. Bis Team Spaceship gegründet wurde. Jetzt kann sie endlich ein bedeutender Teil des Teams werden. Und gleichzeitig kann sie die Außenwelt besser kennen lernen. Und die Mitglieder, die sie früher immer geärgert und auf ihr rumgehackt haben, herumkommandieren. Was will man mehr? Doch tatsächlich reicht Yara das nicht. Sie kann, wenn sie den Herzkristall eines Rainbowhearts berührt, die Sprache der Pokémon verstehen. Im Moment trägt sie ihn versteckt als Kette, doch wenn die Mission vorbei ist, muss sie den Kristall wieder abgeben. Und das möchte sie nicht. Sie möchte ihn behalten. Oder noch besser: selbst ein Rainbowheart werden. Und vielleicht, wenn sie genügend Herzkristalle sammelt... wer weiß? Doch jetzt steht erstmal ein Krieg an. Erst hatte sie sich überhaupt keine Sorgen gemacht. Der größte Teil der Bevölkerung hatte furchtbare Angst vor ihr. Leider sind jetzt plötzlich kampfbereite Rainbowheart aufgetaucht. Außerdem macht ihr die Sache mit den Wunden zu schaffen, abgesehen von der Tatsache, dass in ihrer Tasche plötzlich kaum noch etwas hineinpasst. Doch sie darf sich nichts anmerken lassen. Sie muss diese Leute anführen. Der Angriff darf nicht scheitern.

    Im M.P.O.-Hauptquartier...

    “Macht die Teleport-Kugeln bereit!“ “Aye!“ “Alle Monsterheart-Heiler versammeln sich bei Jay, er teleportiert euch zu euren Plätzen! Die anderen Heiler gehen zu Diana!“ “Verstanden!“ “Fauna, du kommst mit mir.“ “Alles klar.“ “Nemaja, bring Lucas zum ausgemachten Versteck! ...“ Riala hält inne. “Wo ist Nemaja?“ Niemand weiß es. Riala seufzt. “Ayur, such Nemaja!“ Keine Antwort. Verwundert zieht Riala eine Augenbraue hoch. Normalerweise ist er immer sofort zur Stelle. Wo sind die beiden? Riala schüttelt den Kopf. Sie hat dafür keine Zeit. Sie muss alles organisieren. “Blaze, tu mir den Gefallen und such Nemaja und Ayur.“ “Selbstverständlich.“ Riala läuft weiter. “Also Fauna, du kümmerst dich um den Kontakt zu den anderen Kämpfern und Prinzessin Luna. Ich meine... Königin Luna. Sie ist die letzte, die übrig ist.“ Fauna, eine Meditalis-Frau mittleren Alters, nickt. “Ich werde sofort Kontakt aufnehmen.“ “Ich möchte, dass du dich dazu in den Aufenthaltsraum setzt. Dort wirst du von drei Personen bewacht werden“, erklärt Riala. Fauna sieht sie an. “Um meine Sicherheit zu garantieren?“ Riala nickt. “Wir dürfen kein Risiko eingehen. Es kann alles passieren.“ Da kommt Blaze wieder, vollkommen außer Atem. “Sie sind am Osteingang. Einer... einer ihrer Freunde ist dort... er... hat furchtbare Neuigkeiten.“ Riala stöhnt. Schlechte Neuigkeiten kann sie jetzt gerade gar nicht gebrauchen. Doch sie rafft sich auf. “Alles klar. Geh auf deinen zugewiesenen Platz, ich kümmere mich darum.“ Sie verlässt den Raum und geht zum Osteingang. Viel schlimmer kann es ja nicht mehr werden. Dort angekommen sieht sie Nemaja, Ayur und sogar den kleinen Lucas vor einem Pikachu-Jungen sitzen. Besagter Junge ist übersäht von Schrammen. Außerdem sehen seine Ohren und sein Schwanz ein wenig... unecht aus. Sie scheinen mehr aus Stoff zu bestehen, doch der Junge kann sie einwandfrei bewegen, also müssen sie echt sein. Er sieht sie an. “Sind sie Riala?“ “Ja“, antwortet Riala überrascht, denn sie wurde noch nie von jemandem gesiezt. Nicht, dass es sie je gestört hätte. “Und du bist?“ “Zap“, antwortet der Junge. Er scheint Mühe zu haben, nicht einfach umzukippen. “Ich weiß, das könnt ihr im Moment nicht gebrauchen, aber ich habe schlechte Neuigkeiten. Wichtige, schlechte Neuigkeiten.“ Riala nickt. “Das habe ich schon gehört. Erzähl.“ Zap holt tief Luft. “Die Magie dieser Welt schwindet. Manche Pokémon und Rainbowheart können keine Attacken mehr einsetzen, einige verändern ihr Aussehen, in Taschen passt kaum noch etwas rein... Das schlimmste daran ist, dass ich von einer seltsamen Gruppe gefangen wurde, die genau das prophezeiten. Sie sind gruselig und ich würde ihnen nie im Leben trauen, aber damit hatten sie recht. Leider wirkt sich der Magieschwund nicht nur auf uns aus. Das gesamte Ökosystem verändert sich immer mehr. Es besteht kaum eine Chance, dass wir diesen Prozess überleben, selbst, wenn wir den Kampf gegen Yara gewinnen.“ Riala runzelt die Stirn. Das klingt alles andere als gut. “Zap, davon darfst du niemandem erzählen. Die Leute haben Hoffnung. Ohne diese Hoffnung können wir den Krieg nicht gewinnen. Ich werde mich mit Blades darüber unterhalten. Aber vorerst müssen wir schweigen. Verstanden?“ Zap nickt langsam. “Ja... verstanden...“

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    Kapitel 42
    Der Kampf beginnt


    - Shay's Sicht -

    Unser Unglück trifft genau dann ein, als ich gerade anfange, an meiner Vermutung zu zweifeln. War irgendwie logisch. Wir befinden uns kurz vor dem Ausgang, als sich der Boden unter uns öffnet und wir in einen Raum fallen, der verdächtig nach einem Büro aussieht. “Da seid ihr ja. Ich habe schon lange auf euch gewartet. Ihr habt ganz schön viele Umwege genommen.“ Ruckartig drehe ich mich um. Vor mir steht ein Mann. Er trägt eine Art Helm mit Hundemon-Hörnern. Außerdem steht ein knurrendes Hundemonweibchen neben ihm. Scheinbar ist er ein Fan von Hundemon. Er mustert mich eindringlich. “Du bist also das Mädchen, das Yara entwischt ist. Zugegeben, du hast ein paar Tricks auf Lager. Aber davon sollte man sich nicht aufhalten lassen. Mit dem Krieg bin ich auch nicht gerade zufrieden, aber er lässt sich einfach nicht mehr vermeiden. Nun, zurück zum Thema.“ Er umrundet die schlafenden Rainbowheart. “Ist es nicht frustrierend? Ihr gebt euch so viel Mühe, sie zu retten und sie verschlafen alles. Lasst sie zurück in die Zellen und sie werden bald aufwachen.“ “Damit sie sich danach aus Verzweiflung umbringen? Träum weiter!“ Ich spucke ihm beim Reden vor Empörung fast ins Gesicht. Nicht, dass es mich groß gestört hätte. Der Mann seufzt. “Oder ich bringe euch eigenhändig um. Leider ist dann das Risiko groß, dass ich den Kristall zerstöre. Einer der Jäger hat mir erzählt, dass das bei deinen Eltern so war. Sie sind praktisch umsonst gestorben.“ “SIE HABEN UNS BESCHÜTZT!“, brülle ich ihn an. Der Mann nickt. “Natürlich, natürlich. Und seitdem musstet ihr ganz alleine im Wald aufwachsen, damit euch nichts passiert. Dann habt ihr den Wald verlassen und zack, landet ihr in Gefangenschaft.“ Das ist reichlich übertrieben, aber ich merke, worauf er hinaus will. “Es... Es ist meine Schuld, das Thea...“ Der Mann applaudiert. “Richtig! Das hat aber lange gedauert.“ Ich schüttel den Kopf. “Hat es nicht. Ich wusste, dass es meine Schuld war. Ich wusste es schon lange.“ “Es i-ist nnicht deine Sch-Schuld“, höre ich eine Stimme im Schatten. “Ruhe!“, ruft der Mann. Mein Blick wandert zu den Rainbowheart, dann zu der dunklen Ecke. Ich kann die Rainbowheart nicht allein bei dem Xerneas-Jungen lassen, egal, wie mächtig er ist. “Nun“, reißt der Mann mich aus seinen Gedanken. “Dann wollen wir mal sehen, wie ihr euch gegen mich behauptet.“ Er ruft ein Nidoking. Sein Hundemon stellt sich kampfbereit hin. Der Xerneas-Junge ballt die Fäuste, doch ich halte ihn zurück. “Das erledige ich. Pass du auf die anderen auf.“ Dir ist bewusst, dass ich nicht schon wieder für dich kämpfen kann? Dir ist schon bewusst, dass ich auch selbst kämpfen kann? Als ob er fair kämpfen würde! Das bezweifle ich. Deswegen soll der Xerneas-Junge auf die anderen Rainbowheart aufpassen. “Na, was ist? Kämpfst du, oder nicht?“ Meine Antwort erfolgt in Form eines Flammenwurfes. Dabei bleibe ich ungetarnt, was bedeutet, dass die Attacke aus meiner Hand kommt. Das wiederum bedeutet, dass ich die Flamme ganz leicht lenken kann. Beide Pokémon werden getroffen. Der Mann grinst nur. “Fieser Trick, aber das kennt man ja schon.“ Dass ich eine Feuer-Attacke verwendet habe, kommentiert er nicht. Die traurige Wahrheit ist, dass ich keine effektiven Attacken habe, zumindest nicht gegen diese beiden. Die weniger traurige Wahrheit ist, dass ich dies durch die Stärke ausgleiche, die ich bei Mewtu erlangt habe. Und ich habe mich darauf eingelassen, also auf in den Kampf.

    - Erzählersicht -

    “FÜR DIE FREIHEIT!“, erschallt Lunas Kampfschrei im ganzen Tal. In ihrer glänzenden Rüstung erkennt man sie kaum wieder, nur ihre Haare verraten ihre Identität. Auch die meisten Kämpfer tragen Rüstungen. Riala wollte es zwar geheim halten, doch Zap ist nicht der einzige, der herausgefunden hat, dass die Magie langsam verschwindet. Kiron, Arceus Sohn, ist zu Luna gekommen, kurz nachdem sie das verschollene Reich verlassen hatte. Er untersucht das Phänomen schon seit längerem. Und Magieschwund bedeutet größere Verletzungsgefahr. Auch wenn Kiron eher abweisend wirkt, so macht er sich doch Sorgen um die Welt und seine Bewohner. Mit seiner Hilfe konnte Luna die Kämpfer vorbereiten. Sie hofft inständig, dass es kein richtiger Krieg, sondern nur ein kurzer Kampf wird. Wenn es nur Team Spaceship wäre, würde es kein Problem sein, doch sie haben sich zahlreiche Unterstützung bei Jägern geholt. Und alle haben mindestens fünf Pokémon im Team. Yara muss das schon länger geplant haben. Was plant sie eigentlich nicht? Doch jetzt muss Luna sich konzentrieren. Der Kampf beginnt. Und sie führt die Rainbowheart an. Und sie werden siegen. Das müssen sie. Es gibt noch so viel zu erledigen, Monsterheart einzufangen und versuchen zu heilen, Familien wieder zusammen zu bringen, Städte wieder aufzubauen... doch erst muss dieser Kampf gewonnen werden.

    Währenddessen...

    Yvie ist wütend. Während ihre Freundin gegen die Menschen kämpft, sitzt sie selbst nutzlos herum. Phiona hat ihr persönlich verboten zu kämpfen, mit dem Grund, dass die Folgen ihrer Attacken aufgrund des Magieschwunds unabsehbar wären. Immerhin darf sie Nemaja und Ayur helfen, auf Lucas aufzupassen. Der Arme Junge hat durch Yara seine Familie verloren, doch er scheint sich bei Nemaja wohlzufühlen, also macht Yvie sich nicht allzu große Sorgen um ihn. Ayur ist ziemlich still, scheint aber ganz nett zu sein. Und Nemaja... nun, Yvie kann verstehen, warum Lucas sie so gern mag. Sie ist ruhig, gelassen, freundlich, fürsorglich... schlechte Eigenschaften konnte Yvie bisher nicht finden. Vielleicht liegt das aber auch an der Situation. Trotzdem regt es sie auf, dass sie nicht mitkämpfen darf. Das schlimmste, was passieren könnte, wäre, dass ihre Kräfte nicht mehr funktionieren, oder nicht? Yvie schüttelt den Kopf. Jetzt ist es auch egal, jetzt ist sie hier. Zum Diskutieren ist es zu spät. “Und Riala meint, wir wären hier sicher?“, fragt Nemaja skeptisch. Ayur nickt. “Hier hat sie auch Zap vorerst untergebracht. Los, es kann nicht mehr weit sein.“ Plötzlich beginnt Lucas zu wimmern. “Der Boden ist komisch...“ Alle bleiben stehen. Er hat recht. “Kommt“, sagt Yvie. “Wir müssen so schnell wie möglich euren Freund holen. Das riecht nach Ärger.“ Ayur setzt Lucas auf seine Schultern und sie rennen los. Hoffentlich kommen sie rechtzeitig.

    Zur gleichen Zeit in der Pokémon-Welt...

    Jonas ist froh, Auren wieder besser sehen zu können. Oft sieht er sogar Pokémon, die Rot und Blau gar nicht bemerkt haben. Doch er möchte nicht einfach ein Pokémon fangen und sich dann allmählich mit ihm anfreunden. Er möchte sich erst mit ihm anfreunden und es dann fangen. Ganz abgesehen davon fühlt es sich für ihn an, als würde er einfach Flamer und Aurora ersetzen. Natürlich würde er das nie tun, aber so wirkt es für ihn nun einmal. Blau geht das furchtbar auf die Nerven. “Nun fang doch endlich eins! Wir stehen unter Zeitdruck, erinnerst du dich?“ Jonas seufzt. “Das weiß ich. Aber es fühlt sich falsch an, einfach so eines zu fangen.“ Er sieht zu Rot. “Kann ich nicht auf eine andere Weise helfen?“ Rot überlegt. “...“ Blau lächelt. “Ich glaube unser stiller Freund hat eine Idee.“ Rot nickt und bedeutet Blau und Jonas, ihm zu folgen. Jonas atmet erleichtert auf. Blau kann so viel über Rot herziehen, wie er will, doch er hört auf ihn. Zusammen folgen sie Rot die Route entlang bis zur nächsten Stadt. Die Pokémon machen Pause, deshalb fliegen sie nicht. Unterwegs unterhalten Blau und Rot sich angeregt, das heißt, Blau redet wie ein Wasserfall und Rot nickt ab und zu. Während Jonas den beiden folgt, überlegt er. Irgendwie verhält sich Blau nur Rot gegenüber so. Klar, jeder weiß, dass die beiden eine gemeinsame Geschichte haben, aber die Versionen unterscheiden sich stark. Jonas würde liebend gerne die wahre Geschichte hören, traut sich jedoch nicht zu fragen. Außerdem stehen gerade wichtigere Dinge im Vordergrund. Zum Beispiel Team Spaceship. Wenn er nur wüsste, wo Flamer und Aurora sind... Er vermisst seine Pokémon-Freunde. Sie sind schon so lange getrennt. Ob sie wohl glauben, er hätte sie aufgegeben? Jonas schüttelt den Kopf. Positiv denken. Alles der Reihenfolge nach.

    45
    Kapitel 43
    Mark ist ein Mistkerl


    - Shay's Sicht -

    Also dafür, dass ich gegen die meisten Pokémon von dem Mann einen Typennachteil habe, hab ich mich nicht schlecht geschlagen. Ich habe jede Menge eingesteckt, aber auch jede Menge ausgeteilt. Mister Ich-weiß-seinen-Namen-immer-noch-nicht ist ziemlich beeindruckt, auch wenn ich verloren habe. Ja, ich habe verloren. Was habe ich dieser Welt eigentlich getan? Immerhin hat der Mann nur noch ein Pokémon und dieses ist auch schon ziemlich erschöpft. Es war also nicht völlig umsonst. Das bisschen hättest du noch schaffen können! Nein, dann wäre ich zusammengebrochen und das wäre noch schlimmer. Auch wieder wahr. Und jetzt? Genau, was jetzt? Ich sehe zum Mann hoch. Dieser grinst hämisch. “Hat wohl doch nicht ausgereicht, hm?“ Nein, offenbar nicht. “Keine Sorge“, sagt da der Xerneas-Junge seelenruhig. “Die Verstärkung ist gleich da.“ Verstärkung? Redet er von sich selbst? “Du musst auf die anderen Rainbowheart aufpassen“, erinnere ich ihn. Er nickt. “Ich weiß.“ Wir sehen alle drei zur Tür. Eine Minute vergeht... zwei... drei... Plötzlich lacht der Mann. “Was hat euch das gebracht, Kleiner? Ihr seid immer noch hier, deine Freundin ist immer noch kurz vor dem K.O. und Hilfe hast du doch garantiert nicht wirklich erwartet.“ Aus der Ecke höre ich ein Knurren. Wer auch immer dort ist, ist ziemlich wütend. Dann springt plötzlich ein Hundemon aus dem Schatten und wirft den Mann zu Boden. Erschrocken weiche ich zurück. Der Mann lächelt nur. Kann er noch irgendwas anderes? “Das ist eure Verstärkung? Dann zeige ich euch mal etwas.“ Er holt einen kleinen Gegenstand aus seiner Tasche. Es hat starke Ähnlichkeiten mit einem Taschenmesser, doch statt eines Messers klappt er eine lange, dünne Nadel aus - und sticht sie dem Hundemon mitten ins Herz. Dieses jault auf und fällt neben dem Mann zu Boden. Der Mann steht auf. “Ich lasse euch jetzt alleine. Ist zwar Schade um die ganzen Splitter, aber hey, in diesem Fall hat der Krieg, den Yara angezettelt hat, doch etwas gutes.“ Er verlässt den Raum. “Bleib hier du mieser...!“ Ein kleiner weißer Blitz schießt vorbei, dann schließt sich die Tür. Und sie wird verriegelt. Was hat er vor? Die Antwort kommt schneller, als ich mir erhofft habe. Vielleicht hätte ich gar nicht hoffen sollen. Das Hundemon verändert langsam die Gestalt und gibt dabei unheimliche Geräusche von sich. Und ich meine nicht das Knacken der Knochen, die sich verschieben. Ich meine eine Mischung aus einem Jaulen und einem kratzigen Kreischen, einem tiefen und einem hohen Ton. Es klingt einfach nur grausam. Der Xerneas-Junge neben mir schnappt nach Luft. “Er hat ihn zu einem Monsterheart gemacht!“ Ich spüre einen eiskalten Schauer auf meinem Rücken. Nur Rainbowheart können zu Monsterheart werden. Das heißt, dieses Hundemon war kein Pokémon, sondern ein Rainbowheart. Ich habe soeben die Verwandlung eines Rainbowhearts in ein Monsterheart gesehen. Und ich bin gerade ziemlich entschlossen, diesem Mann eigenständig den Hals umzudrehen. Aber im Moment habe ich andere Probleme. Lass mich etwas versuchen. Ein Schatten schwebt von meiner Stirn in die des Monsterhearts. Kurz darauf schwebt er wieder zurück. Das war eine schlechte Idee. Arceus, ist der Schmerz grausam! Echt? Als ich mich damals verwandelt hatte, habe ich nichts gespürt. Wahrscheinlich warst du zu sehr von dem Gedanken besessen, alle umzubringen, so wie der Typ. 'Der Typ' greift gerade an. Ich weiche aus. Onyx war damals in der Lage, mich zu heilen, weil ich ihm geholfen hatte. Ich kann aber nicht erwarten, dass das Monsterheart vor mir dasselbe tun wird. Und ich weiß nicht, ob ich es allein schaffe. Yvie konnte ich zwar heilen, obwohl sie im letzten Stadium war, doch danach bin ich vor Erschöpfung ohnmächtig geworden. Auf der anderen Seite werden wir so oder so alle gebissen werden, oder sogar sterben. Warum also sollte ich es nicht versuchen. Furchtbare Logik. Was daran ist nicht logisch? Alles daran ist logisch und deshalb ist es so furchtbar. Es tut mir leid, Nighty. Ich wollte dir wirklich helfen. Ich strecke die Hand vor dem Herz des Monsterhearts aus. Zum Glück hält das Monsterheart augenblicklich still. Es scheint verwirrt zu sein. Ich beginne, es zu heilen. Mew und Mewtu erscheinen und beginnen, miteinander zu kämpfen. Es dauert lange und es fällt mir immer schwerer, mich zu konzentrieren. Im Raum ist es vollkommen still. Meine Hand beginnt zu zittern. Das Mew flackert. Ich zwinge mich zur Konzentration und stabilisiere das Mew wieder. Meine Augenlider flattern und meine Sicht verschwimmt, doch ich kann immer noch die Lichter erkennen. Kalter Schweiß läuft über meine Stirn und ich spüre, wie meine Kraft immer mehr zuneige geht. Ich möchte mich einfach nur noch hinlegen und einschlafen. Plötzlich spüre ich angenehme Wärme. Mein Schmerz verfliegt, ich kann wieder klar sehen und das Mew leuchtet kräftiger als je zuvor. Binnen weniger Sekunden ist die Wunde verheilt und das Monsterheart verwandelt sich zurück in ein Rainbowheart. Ich sehe zum Xerneas-Rainbowheart. Sein Haar leuchtet in allen Farben des Regenbogens und heilende Kraft fließt durch seine Arme und Hände. Er ist immer noch ein kleiner Junge, doch sein Gesicht strahlt Weisheit und Mitgefühl aus. Nicht, dass kleine Kinder nicht mitfühlen können, ich meine nur... er wirkt mal wieder, als wäre er schon hunderte von Jahren alt. “Danke“, bringe ich nach einer Minute erstaunten Schweigens hervor. Der Xerneas-Junge nickt zum Zeichen, dass er mich gehört hat. Dann beginnt er, dass zurückverwandelte Rainbowheart zu heilen. Er ist erstaunlich schnell damit fertig. Als nächstes verschwindet er im Schatten. Er beginnt, jemanden zu heilen, doch ich kann nicht erkennen wen. Plötzlich höre ich ein Stöhnen zu meinen Füßen. Das Hundemon-Rainbowheart wacht auf. “Was?“ Ich knie mich vor ihm hin. “Es ist alles gut. Du bist geheilt und der böse Mann ist fort. Naja, das ist vielleicht nicht soo gut, aber... für den Moment bist du sicher. Es ist ein Junge, ungefähr in meinem Alter. Er fasst sich an die Stirn. “Was ist... habe ich...“ Ich schüttel den Kopf. “Es gab keine Verletzten. Alles ist gut.“ “VERSCHWINDE AUS MEINEM KOPF!“ Erschrocken weiche ich zurück, doch ich beruhige mich schnell wieder. Ich mustere den Hundemon-Jungen. “Nighty? Nighty, mir geht es gut, du kannst wieder herkommen.“ Tatsächlich kommt ein Schatten aus der Stirn des Hundemon-Jungen und fliegt in meine. Irgendwer musste das Monsterheart an Ort und Stelle halten. Wenn du verrückte Sachen machst, wieso sollte ich das nicht dürfen? Ich lächel. Danke, Nighty. “Du hast den freiwillig in deinem Kopf?“, fragt der Hundemon-Junge entgeistert. Ich nicke. “Er war mir eine große Hilfe. Und im Gegenzug möchte ich ihm helfen. Doch zuerst müssen wir alle in Sicherheit bringen, sie möglichst sanft von ihrem Schlaf befreien und diese gesamte Basis in Schutz und Asche legen.“ “Wie wär's, wenn wir stattdessen die Polizei alarmieren?“ Ich sehe auf. “Lilly!“ Lilly lächelt mich an, dann sieht sie verärgert zum Hundemon-Rainbowheart. “Du schuldest mir was. Wer greift denn bitte die Person an, die einen von seinen Ketten befreit?“ Ich sehe den Hundemon-Jungen an. “Und du findest mich verrückt, weil ich freiwillig jemanden in meinem Kopf aufnehme.“ Der Hundemon-Junge brummt. Dann steht er auf und mustert die schlafenden Rainbowheart. “Wo ist Yena?“ Ich sehe ihn verwirrt an. “Wer?“ Der Hundemon-Junge schüttelt den Kopf. “Wahrscheinlich ist sie entkommen. Würde ihr ähnlich sehen.“ Ich beschließe, nicht weiter nachzufragen und wende mich stattdessen an den Xerneas-Jungen. “Kannst du sie wieder tragen?“ Er nickt. “Das ist nicht schwer.“ Ich lächel. “Gut, dann hebe sie bitte aus dem Weg. Ich muss eine Tür schmelzen.“ Mein Blick fällt auf den Hundemon-Jungen. “Es wäre nett, wenn du mir dabei helfen könntest.“ Er nickt und zusammen können wir genug Hitze erzeugen, um die Tür zu schmelzen. “Ich sollte möglichst schnell Flocke finden“, meint Lilly und rennt voraus. Nun, sie wird schon wissen, was sie tut. Und fast alle Pokémon des Mannes sind außer Gefecht gesetzt. “Was hat Mark jetzt wohl vor?“, fragt der Hundemon-Junge. Ich sehe ihn verständnislos an. “Wer?“ Er rollt mit den Augen. “Der Typ, gegen den du gekämpft hast? Der Typ, der mich in ein Monsterheart verwandelt hat? Der Typ, der das ganze hier am Laufen hält? Der Boss?“ “Warte mal“, unterbreche ich verwirrt. “Wenn er der Boss ist, wer ist Yara dann?“ “Seine rechte Hand“, antwortet der Hundemon-Junge. “Aber sie hat einen eigenen Kopf. Und wahrscheinlich auch eigene Ziele. Der Krieg zum Beispiel war allein ihre Idee. Sie hat nicht einmal gefra-“ Er bricht ab. Dann sieht er zu mir. “Wir müssen dorthin und helfen!“ Ich schüttel den Kopf. “Erstmal müssen wir Cresselia oder ein Cresselia-Rainbowheart suchen, bevor es für all diese ehemaligen Gefangenen zu spät ist.“ “Und wo bitte schön sollen wir anfangen zu suchen?“, fragt er aufgebracht. Meine Cousine wohnt in Flori, in Sinnoh. Sie ist meist unterwegs, aber wenn ich den Leuten in Flori Albträume beschere, taucht sie garantiert auf. Und wie sollen wir die ganzen Rainbowheart unbemerkt nach Sinnoh schaffen? Wir müssen sie nicht transportieren. Wir müssen nur Dreamy hierher holen. Dreamy? Ihr Spitzname. Und wo wir schon dabei sind... Du bist nicht die erste, die mich Nighty nennt. Nightmare klingt auch ein bisschen sehr dramatisch. Jedenfalls müssen wir möglichst schnell nach Flori und wieder zurück. Hahahahaha... haha... 'schnell'... Ja, das könnte ein kleines Problem werden... Lass uns erst einmal die anderen Rainbowheart ins Versteck bringen. Wir nähern uns dem Ausgang. Dort laufe ich ungebremst in jemanden hinein. “Rot?“, fragt der Hundemon-Junge überrascht. Ich sehe auf. Tatsächlich. Der stille Champion Kantos steht vor uns. Rechts und links neben ihm stehen Jonas und ein weiterer Junge. “Braucht ihr Hilfe?“, fragt besagter Junge. Ich schüttel den Kopf. “Wir kommen klar. Aber Lilly ist hier noch irgendwo und der Boss dieses Saftladens auch.“ Der Junge nickt. “Alles klar, wir kümmern uns darum.“ Im Nu sind die drei verschwunden und wir laufen weiter. “Wie weit ist es noch?“, fragt der Hundemon-Junge ungeduldig. “Nicht mehr weit“, antwortet ich und steuere das Versteck an. Tali wartet dort schon mit den anderen Rainbowheart. Als sie uns sehen, hellen sich ihre Gesichter auf. Nur Tali sieht besorgt aus. “Wo ist Lilly?“ “Sie folgt Flocke, welche hinter dem Boss her ist. Aber keine Sorge, Rot, Jonas und noch jemand unterstützen sie“, beruhige ich ihn. Der Xerneas-Junge legt die schlafenden Rainbowheart ab. Sky mustert mich eindringlich, sagt aber nichts. Tali sieht ratlos zu den schlafenden Rainbowheart. “Und was jetzt?“ Ich seufze. “Wenn ich das wüsste. Ich könnte Nightys Cousine um Hilfe bitten, doch die wohnt in Sinnoh und ich werde niemals rechtzeitig dort sein.“ “Raichu könnte dich teleportieren“, bietet Tali an. Ich runzel die Stirn. “Raichus können Teleport erlernen?“ Tali grinst. “Nun, ich habe keine Ahnung, ob Kanto-Raichus das können, aber für Alola-Raichus ist das kein Problem.“ Er ruft sein Raichu aus dem Pokéball. Es sieht ganz anders aus als die Raichus, die ich kenne. Es schwebt zu mir und lächelt. “Wo darf es hingehen?“ Ich öffne den Mund, um zu antworten, doch Nighty kommt mir zuvor. “Sinnoh, Flori, Haus von Yusea!“ Yusea? Und ich dachte, Nightmare wäre ein seltsamer Name... Deswegen der Spitzname. Achso, wenn wir da sind, überlass mir das reden, okay? Okay, aber eine Sache noch... wie willst du den Leuten tagsüber Albträume bescheren? Wirst du schon sehen. Okay... aber übertreibe es nicht. Nein, keine Panik. Raichu wartet brav, bis ich das Startzeichen gebe. Dann teleportiert es uns nach Flori.

    46
    Kapitel 44
    Als wäre das noch nicht genug...


    - Shay's Sicht -

    Flori ist ziemlich hübsch. Überall wachsen Blumen. Und dadurch macht der Ort sofort einen sehr friedlichen Eindruck. Kein Wunder, dass es Dreamy hier gefällt. Naja, ich bin mir nicht sicher, ob es ihr so sehr gefällt. Sie ist, wie gesagt, ziemlich oft unterwegs. Ich sehe mich um. Vielleicht ist es ihr hier einfach zu ruhig. Hoffentlich ist sie im Moment Zuhause, dass würde die ganze Sache deutlich einfacher machen. Verlass dich nicht drauf. Also, kann ich jetzt übernehmen? Klar, du kennst dich sowieso besser aus als ich. Nighty übernimmt die Kontrolle, doch dieses mal habe ich eine ganz normale Sicht. Ich gehe auf ein hübsches kleines Häuschen zu. An den Festern hängen Kästen mit den unterschiedlichsten Blumen. An der Tür hängt ein Traumfänger. Die Federn daran könnten sogar Lunarfedern sein. Sind es. Traumfänger zu basteln ist ein Hobby von Dreamy und Lunarfedern nimmt sie dazu am liebsten. Verständlich. Dann hat sie weniger Arbeit. Das auch, aber eigentlich macht sie es wirklich nur, weil sie Spaß daran hat. Ist doch schön. Ich klopfe. Es fühlt sich irgendwie seltsam an. Ich spüre zwar, wie ich meinen Arm bewege und alles, aber ich habe keine Kontrolle darüber. Man gewöhnt sich daran. Gespannt halte ich den Atem an. Ehrlich gesagt möchte ich nicht wissen was Nighty anstellt, um Dreamy anzulocken. Glücklicherweise öffnet sich die Tür. Und augenblicklich bin ich neidisch. Dreamy ist unglaublich hübsch. Das sagst du jetzt. Warte ab, bis du mich siehst. In meinem Körper, meine ich. Alles klar, wenn du meinst. Na, meine schwarze Haut mag vielleicht seltsam sein, aber- “Wie kann ich helfen?“ Ich höre ein Seufzen. “Warte Dreamy, ich unterhalte mich gerade.“ Nein, alles gut, du kannst mir auch später noch von dir erzählen. “Okay, vergiss es.“ “Was soll das heißen, du unterhältst dich gerade?“ Ich übernehme kurzzeitig. Das ist ziemlich leicht. “Das heißt, dass ich immer noch halbwegs Kontrolle habe. Wir teilen uns meinen Körper freundschaftlich.“ Ich lasse wieder Nighty übernehmen. Warn mich wenigstens vor! Sorry. Eine Weile starrt Dreamy mich an, dann fängt sie an zu lachen. “Siehst du, Nighty? Ich habe dir gesagt, dass du zu gutherzig bist!“ Ich höre ein Grummeln. “Es hat schon mal geklappt.“ Das ist nicht zufällig das mal, bei dem du deinen Körper verloren hast? Sei bloß still. Das braucht Dreamy nicht zu wissen. Wenn du meinst. Aber vielleicht könnte sie helfen. Kein. Einziges. Wort. Schon gut. “Jedenfalls könnten wir ein bisschen Hilfe gebrauchen. Eine Truppe Rainbowheart befindet sich im Verteidigungsschlaf. Und das schon seit einer Weile.“ Dreamy sieht mich verwirrt an. “Mehrere gleichzeitig? Das ist ungewöhnlich.“ “Sie wurden von einer Organisation gefangen gehalten. Und zwar so, dass sie nicht miteinander kommunizieren können.“ “WAS?“ Ich zucke zurück. Offenbar hat Nighty sich genauso erschrocken wie ich. Man könnte meinen, ein wütendes Cresselia-Rainbowheart sei süß. Doch Dreamys Gesichtsausdruck macht einem echt Angst. Und noch schlimmer: Statt weiterhin zu brüllen, wird Dreamys Stimme ruhig und kühl. “Wer ist der Verantwortliche? Ich werde ihn finden und ihm eigenständig den Hals umdrehen.“ “Der Kerl heißt Mark. Er trägt so einen seltsamen Helm mit Hundemon-Hörnern und kämpft wahrscheinlich gerade gegen Shays Menschenfreunde.“ Zwar sind sie nicht alle meine Freunde, aber ich sage nichts dazu. “Alles klar. Dann entschuldige mich jetzt. Ich muss einen Menschen umbringen.“ Jetzt mische ich mich doch ein. “Warte! Die Rainbowheart haben Vorrang! Wer weiß, wie viel Zeit sie noch haben!“ Sei still! Jetzt ist nicht die Zeit für so was! Nein, sei du still! Hier geht es um die Leben mehrerer Rainbowheart! Dreamy mustert mich skeptisch, dann nickt sie. “Einverstanden. Die Rainbowheart zuerst.“ Ich atme erleichtert auf. “Gut.“ Ich übernehme vollständig die Kontrolle und gehe zu Raichu. Dreamy folgt mir. Raichu sieht mich mit seinem üblichen breiten Lächeln an. “Zurück zum Versteck?“ Ich nicke. “Zurück zum Versteck.“

    - Erzählersicht -

    Zaps Wunden heilen zum Glück schnell. Doch Ayur ist trotzdem wütend auf sich selbst. Er ist ein Absol-Rainbowheart! Er sollte Unheil vorhersehen können! Unruhig läuft er in ihrem notdürftig gebautem Versteck hin und her. Er hat sich immer auf seine Intuition verlassen können. Warum jetzt nicht mehr? “Regst du dich immer noch auf?“ Ayur zuckt zusammen. Er hat Nemaja gar nicht kommen hören. “Ja. Ich hätte es spüren müssen. Ich meine-“ Nemaja legt eine Hand auf seine Schulter, obwohl sie fast einen ganzen Kopf kleiner ist. “Ayur, niemand hätte das vorhersehen können. Im Moment passiert viel zu viel auf einmal, um eine bestimmte Katastrophe vorherzusehen. Außerdem schwindet die Magie. Wir verlieren unsere Fähigkeiten nach und nach.“ Ayur sieht zu Nemaja. Ihr Hut leuchtet mittlerweile nicht mehr im Dunkeln. Der Raum ist nur Halbdunkel, doch Ayur kann Nemajas Gesicht trotzdem nicht erkennen. Sie hat sich bei dem Unglück eine fiese Schramme zugezogen, knapp an einer Schlagader vorbei. Ayur hofft, dass die Schramme mittlerweile auch halbwegs verheilt ist. Da betritt eine weitere Person den Raum. Es ist Yvie. “Zap ist aufgewacht.“ Ayur nickt. “Gut.“ Er folgt Yvie in den Nebenraum. Dort sitzt Zap, zusammen mit Lucas, welcher ihn mit zermanschten Beeren füttert. Lucas war beim Beeren sammeln ein wenig unvorsichtig. Doch das stört Zap nicht. Als er Nemaja und Ayur sieht, versucht er aufzustehen. “Bleib sitzen“, ermahnt Nemaja ihn. “Komm erstmal wieder zu Kräften.“ Sie kniet sich vor ihm hin. “Tut mir leid, dass wir nicht eher gekommen sind.“ Zap winkt ab. “Schon gut. Wie hättet ihr wissen sollen, dass die Erde zu beben beginnt?“ “Ich hätte es wissen müssen“, erwidert Ayur. Nemaja seufzt. “Ich dachte, dass Thema hätten wir durch. Niemand hätte das vorhersehen können, nicht einmal du. Schon gar nicht, während diese Welt in so einem Zustand ist.“ “Ich wünschte, Yume und die anderen wären hier“, murmelt Zap. Nemaja nickt. “Ich auch. Oder wenigstens ein Zeichen, dass es ihnen gut geht.“ Ayur schweigt. Kyle ist mit Yena und Thea verschwunden und alles deutet darauf hin, dass sie ins Himmelsschloss gegangen sind. Die Chancen, dass sie das überlebt haben, ist seeehr gering. Aber er möchte seine Freunde nicht noch weiter runterziehen. “Jetzt mal was ganz anderes“, meint Yvie da plötzlich. “Was machen wir jetzt? Das ist kein besonders gutes Versteck...“ “Ganz genau!“ Alle zucken zusammen. Ein Jäger steht in der Tür. “Danke, dass ihr es mir so leicht gemacht habt. Machen wir es traditionell: Der jüngste zuerst!“ “NEIN!“ Mit ausgebreiteten Armen stellt Nemaja sich vor Lucas. Schnell läuft Ayur zu ihr. “Lass es, Nemaja. Ich trage den Kampf aus.“ Der Jäger lacht. “Willst du den Held spielen? Dann komm mal her. Ich bin gespannt, wie lange du durchhälst.“ Ayur schnaubt. Er hat furchtbare Angst, doch gleichzeitig ist er furchtbar wütend. “Das Lachen wird dir gleich vergehen.“

    Währenddessen im Hauptquartier von Team Spaceship...

    Jonas hat keine Ahnung, wer dieses Mädchen ist. Okay, ihr Name ist Lilly, aber sonst? Rot und Blau scheinbar schon. Sie fragen Lilly über alle möglichen Dinge aus. Jonas hört nur halb zu, doch er schnappt etwas von Ultrabestien und verschwindenen Portalen auf. “Mit Solgaleos und Lunalaas Hilfe kann man immer noch Portale öffnen, nur verirren sich keine Ultrabestien mehr in unserer Welt“, sagt Blau gerade. “Das ist gut“, antwortet Lilly. Jonas hat von Ultrabestien gehört, wenn auch nicht viel. Sie sind eine Art Pokémon aus anderen Welten und sind eine Zeit lang in Alola aufgetaucht. Doch Jonas hat sich nie wirklich dafür interessiert. “Da“, sagt Lilly plötzlich. Sie ist unglaublich ruhig, dafür, dass Mark ihr Alola Vulpix Flocke am Nacken festhält und vor einem großen Ofen steht. Zum ersten mal sieht Mark nicht belustigt, sondern wütend aus. “Euer Angriff hat mich so viel gekostet. Wir haben so viel Zeit und Energie in unsere Arbeit gesteckt... zumindest einen Verlust könntet ihr auch ertragen.“ “KOMM RÜBER UND KÄMPF FAIR!“, brüllt Blau ihn an. Das macht Mark noch wütender. “Womit? Dieses miese kleine Rainbowheart hat die meisten erledigt, euer kleines weißes Biest hat mein letztes k.o. geschlagen.“ Rot tritt vor. “...“ Blau grinst. “Genau! Gib's ihm!“ Das stürzt Mark offensichtlich in Verwirrung, doch das hält nicht lange. Schnell ist das wütende Gesicht zurück. “Es reicht!“ Er beginnt, vor sich hin zu grummeln, doch er ist so wütend, dass Jonas noch immer problemlos alles verstehen kann. “Ausgerechnet der Champion und sein Freund. Sie haben schon einmal alles kaputt gemacht. Wir haben uns so lange vor der Polizei versteckt. Wie viele von uns haben einen Neuanfang versucht. Keiner hat es geschafft. Alle wurden wegen ihrer Vergangenheit verurteilt. Dann gebe ich uns den lang ersehnten Neuanfang und was passiert? Yara ist einmal zu voreilig und alles geht den Bach runter. Wir müssen versuchen, hinterher zu kommen, werden immer unvorsichtiger... zack, wird alles wieder zerstört.“ Mark schüttelt den Kopf und wird lauter. “Aber ich bin nicht Giovanni. Ich werde nicht einfach abhauen. Ich werde diese Sache beenden. Koste es, was es wolle!“ “Achtung!“ Jonas' Warnung kommt eine halbe Sekunde zu spät. Mark wirft Flocke zu Lilly, holt einen Holzstab aus der Tasche und zündet ihn im Ofen an. Dann zündet er mit seiner improvisierten Fackel das Hauptquartier an. Lilly reißt die Augen auf. “Bist du wahnsinnig? Du wirst mit uns sterben!“ Mark lächelt finster. “Werde ich nicht.“ Er holt eine pinke Kristallkugel hervor. “Praktisches Ding. Da hat es sich wirklich gelohnt, die Pokémon anstatt der Jäger zu schicken. Die hätten die Kugel bestimmt behalten.“ Er wirft die Kugel auf den Boden... und verschwindet. Jonas flucht. “Er ist entwischt.“ “Egal“, antwortet Lilly. “Jetzt müssen wir erstmal hier raus.“ Das ist leichter gesagt als getan. Viele Türen schließen sich automatisch, wahrscheinlich aus Sicherheitsgründen. Immer wieder müssen sie Umwege nehmen. Und langsam verlaufen sie sich immer mehr. Als das Feuer sie fast eingeholt hat, bleibt Blau plötzlich stehen. “Wartet mal!“ Er beginnt, in der Tasche zu wühlen. “Blau, was machst du denn?“, fragt Lilly panisch. “Wir müssen hier weg!“ Blau zieht einen Pokéball hervor. “Ich habe doch mein Simsala.“ “Das fällt dir jetzt ein?“ Jonas hat Mühe, Blau nicht anzubrüllen. “Wenn ich unter Stress stehe, kann das passieren“, antwortet dieser und lässt Simsala aus dem Ball. “Simsala, teleportier uns nach draußen.“ “WARTET!“ Ein Mädchen, scheinbar eine Rainbowheart, kommt auf sie zugelaufen. “Nehmt mich mit!“ Lilly nickt. “Komm her.“ Das Mädchen folgt ihrer Anweisung und Simsala teleportiert alle nach draußen zum Brunnen.

    47
    Kapitel 45
    Wiedersehensfreude aller Art


    - Shay's Sicht -

    Ich breche in Jubelschreie aus, als die anderen Rainbowheart aufwachen. Die armen gucken mich ziemlich verwirrt. “Wa... Was ist passiert?“, fragt ein Nidorino-Junge. Tali klärt alle auf, während ich mich überschwänglich bei Dreamy bedanke. “Kein Problem“, antwortet diese. “Jetzt muss ich aber zusehen, dass ich den Anführer der Bande erwische.“ “Warte mal, Dreamy!“ Es ärgert mich zwar ein wenig, dass Nighty ohne zu fragen übernimmt, aber es scheint ihm wichtig zu sein. Dreamy dreht sich um. “Was?“ “Dort sind noch Freunde von Shay. Ein Mädchen mit blonden Haaren, grünen Augen, weißer Kleidung und einem pinken Rucksack, ein blinder Junge mit verbundenen Augen und Rot und Blau. Bitte greif sie nicht an.“ Dreamy überlegt. “Nun... wenn es Freunde von ihr sind... okay.“ Sie geht zum Ausgang und ich übernehme wieder, doch dann dreht sie sich noch einmal um. “Shay, pass gut auf Nighty auf. Er neigt dazu, in Schwierigkeiten zu geraten.“ Ich lächel. “Das werde ich, keine Sorge.“ Es klingt fast wie ein Abschied für immer, aber ich bin ziemlich sicher, dass Dreamy sich gegen Mark behaupten kann. “Sh-Shay?“ Ich drehe mich um. Thea steht vor mir. Sie sieht mich an, als wäre sie nicht sicher, ob sie ihre Schwester oder eine Fremde vor sich hat. Ich lächel schief. Bloß nicht losheulen. “Hey, Schwesterherz.“ Zu spät. Ich umarme Thea und verberge mein Gesicht in ihrer Schulter, damit nicht jeder meine Tränen sehen kann. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass Thea ebenfalls weint. Der Ruhe nach zu Urteilen schaut gerade jeder im Versteckt zu, aber das ist mir egal. Ich bin einfach nur froh, dass meine Schwester gesund und am Leben ist. Plötzlich löst sich meine Schwester und gibt mir eine Ohrfeige. “Mach mir nie wieder solche Angst!“ Au... das hab sogar ich gespürt. Ich reibe die getroffene Stelle. “Kann ich dir nicht versprechen. Ich hab noch zu viel zu tun.“ Empört stemmt Thea die Hände in die Hüfte, doch sie weißt mich nicht zurecht. “Aha. Zum Beispiel?“, fragt sie stattdessen. Ich seufze. “Wo fange ich an? Ich muss noch Nightys Körper finden, Yara eine scheuern, ganz nebenbei meinen Freunden in der Rainbowheart Welt helfen, und mich bei einigen entschuldigen, vor allem bei Arceus.“ “Arceus? Der Arceus?“ Tali hat riesengroße Augen. Ich nicke. “Eigentlich sollte ich bei Mewtu trainieren, aber ich bin abgehauen, um Thea und die anderen zu befreien.“ “Du wurdest von Mewtu trainiert!“ Tali ist ganz aus dem Häuschen. Ich nicke wieder. “Aber erwarte nicht zu viel. Ich bin stärker als vorher, ja, doch ohne Nightys Hilfe hätte ich die anderen nicht befreien können.“ “Können wir jetzt in unsere Welt zurück?“, fragt ein Rainbowheart schüchtern. Ich schüttel den Kopf. “Schlechte Idee. Soweit ich weiß, herrscht da gerade Krieg. Ihr seid alle bei weitem nicht fit genug, um das zu überstehen.“ Jetzt wollen natürlich erst recht alle dorthin. Immerhin sind ihre Familien dort. Und ihre Freunde. Zum Glück ergreift der Xerneas-Junge das Wort. “Bleibt hier. Selbst wenn der Krieg nicht wäre, wärt ihr dort nicht sicher. Die Magie der Welt schwindet. Rainbowheart werden entweder Menschen oder pokémonartige Wesen. Manche werden sogar Gegenstände. Die Pokémon verändern sich ebenfalls. Selbst die physikalischen Gesetze sind betroffen. Ihr solltet diese Welt nicht mehr betreten. Ich hingegen...“ Er seufzt. “Ich muss gehen. Ich kann eure Familien von dort retten. Doch erst muss der Krieg gewonnen werden. Ich bin Heiler, kein Kämpfer. Ich verweile hier, bis der Krieg gewonnen ist.“ In welcher Welt ist dein Körper, Nighty? In der Welt der Rainbowheart... Dann sollten wir uns beeilen. Ich stehe auf. “Wenn das mit der Magie wahr ist, muss ich augenblicklich aufbrechen. Nighty braucht seinen Körper.“ Der Xerneas-Junge überlegt, dann nickt er. “In Ordnung, doch gebt acht, dass eure Geister nicht verschmelzen.“ Ich nicke. “Das werden wir, versprochen.“ Ich sehe zu Thea. Es tut mir leid, sie schon wieder zurücklassen zu müssen, doch in diesem Zustand lasse ich sie bestimmt nicht mitkommen. “Pass auf dich auf, Thea.“ Ich verlasse das Versteck und mache mich auf den Weg zurück in die Rainbowheart Welt.

    - Thea's Sicht -

    Ich bin überrascht, dass ich kein Stückchen Angst um Shay habe. Ja, ich hoffe natürlich, dass alles gut geht, doch ich bin auch ziemlich sicher, dass sie es schaffen kann. Schon seltsam, wie sehr sich jemand in so kurzer Zeit verändern kann. Wobei mein Zeitgefühl durch diesen komischen Schlaf sowieso furchtbar durcheinander gebracht wurde. Ich mustere Tali eindringlich. Ich muss sagen, ich habe mich noch nie bei einem Menschen so sicher gefühlt. Tali ist so ein fröhlicher und aufgeweckter Mensch, man muss ihn einfach mögen. Das heißt aber nicht, dass ich deshalb unvorsichtig werde. Plötzlich kommt ein in weiß gekleidetes Mädchen mit blonden Haaren herein. Talis Gesicht hellt sich auf. Also noch mehr, als es eh schon ist. “Lilly!“ Das ist also Lilly. Hinter ihr kommen drei Jungs herein. Vielleicht hätte ich doch einfach weiterschlafen sollen. Ich kenne sie alle drei. Und ehrlich gesagt wirft das Auftauchen von zwei von ihnen ein paar Fragen auf. “Wo seid ihr gewesen?“ Meine Frage war an Rot und Blau gerichtet, doch Jonas ist der erste, der antwortet. “Ich war im Hauptquartier, bis beschlossen wurde, ausnahmslos alle menschlichen Besucher aus der Rainbowheart Welt zu verbannen.“ “Dich habe ich gar nicht gefragt“, murre ich. Ich wende mich an Blau. “Wann bist du eigentlich überhaupt verschwunden?“ Ich lasse ihn gar nicht ausreden, weil mir noch etwas viel wichtigeres einfällt. Ich sehe zu Rot. “Weißt du etwas von den anderen?“ Doch der legendäre Champion schüttelt still den Kopf. Ich lasse den Kopf hängen. “Mist. Nemaja und Ayur habe ich zuletzt im M.P.O.-Hauptquartier gesehen... Kyle ist hier... aber die anderen...“ Ich schüttel den Kopf. “Ich wüsste auch gerne, wo Yena ist...“, murmelt Kyle. “Deine Freundin?“, fragt jemand. Kyle wird knallrot. “NEIN! Nichts dergleichen!“ Blau grinst. “Also nur in deinen Träumen.“ Darauf bringt Kyle nur zusammenhangsloses Gestotter hervor. Rot murmelt etwas, woraufhin Blau mindestens so rot wird wie Kyle, was uns alle zum Lachen bringt. Ich sehe mich um und staune, wie locker die Stimmung ist, wenn man bedenkt, dass die meisten hier vor kurzer Zeit noch gefangen und im Schutzschlaf waren. Mich eingeschlossen. “Was ist so lustig?“ Auch wenn es theoretisch vollkommen logisch ist und zu ihrem Charakter passt, traue ich meinen Augen kaum. Yena steht in der Tür, verbunden und praktisch mit Pflastern zugeklebt, hat aber offenbar blendende Laune. Ich lächelt ihr zu. “Hey, du weilst ja auch noch unter den Lebenden.“ “Ich nehme an das ist Yena?“, fragt Lilly nach einem Blick zu Kyle. Yena nickt. “Das bin ich.“ Ich sehe zu ihr. “Lumos ist nicht zufällig auch bei dir?“ “Lumos war bei euch!“, unterbricht Jonas aufgeregt. Ich nicke. “Wir wollten Prinz Sol befreien und haben dabei Lumos getroffen. Aber das war eine Falle. Ich sag dir, das war nicht witzig, vor allem, als Yena geblutet hat.“ “Das erste Anzeichen des Magieschwunds“, sagt da der Xerneas-Junge andächtig. “Du scheinst da ganz schön Ahnung von zu haben, Bambi“, bemerkt Kyle. Der Xerneas-Junge versteift sich. “Trichor. Nicht Bambi. Mein Name ist Trichor. Und ja, ich habe Ahnung davon. Aus diesem Grund wurde ich erschaffen. Um möglichst viele Rainbowheart davor zu retten.“ “Wie alt bist du?“ Diese Frage quält mich schon, seit er das erste mal in meiner Gegenwart gesprochen hat. Trichor wiegt den Kopf hin und her. “Schwer zu sagen. Ich nehme Zeit anders wahr als ihr.“ Er überlegt eine Weile. “Auf jeden Fall bin ich älter als das Himmelsschloss. Und älter als der Krieg, der vorher stattfand. Aber genaueres kann ich nicht sagen.“ Erstauntes Schweigen. Ich habe keine Ahnung, wann der besagte Krieg angefangen hat, doch den Gesichtern vieler Rainbowheart nach zu urteilen, ist das schon sehr lange her. Plötzlich kommt Dreamy angestürmt. “WO IST ER!“ Irritiert sehen wir sie an. “MARK!“, ruft sie aufgebracht. “ER IST NICHT DA! WO IST ER!“ Jonas runzelt die Stirn. “Ich fürchte... er hat sich dem Krieg angeschlossen.“

    - Erzählersicht -

    Ein paar Wochen später...

    Die gefangenen Rainbowheart haben sich alle erholt und wurden immer unruhiger. Sie wollen in die Rainbowheart Welt und helfen. Doch Trichor hielt sie zurück. Lilly und Tali versuchten, die ungeduldigen Rainbowheart zu beschäftigen. Sie machten sie mit den Stadtbewohnern bekannt und sorgten dafür, dass sie sich gegenseitig akzeptieren. Die meisten Zivilisten sind sehr offenherzig und vor allem neugierig. Die Rainbowheart bekamen viele Fragen gestellt und fanden vor allem in Kindern schnell Freunde.
    Shays Suche nach Nightys Körper war bisher erfolglos, da Nighty sich - zu seinem und Shays Ärger - nur vage erinnern kann, wo er ihn zurückgelassen hat. Ab und zu hört sie vom Stand des Krieges. Durch ungewöhnlich viele Naturkatastrophen wendet sich das Blatt immer wieder, mal zu Gunsten der Rainbowheart, mal zu Gunsten von Team Spaceship. Doch Shay hat keine Zeit zu helfen. Sie spürt, dass sie nur noch wenig Zeit hat, um Nightys Körper zu finden, bevor sein Geist mit ihrem verschmilzt. Und dann gibt es da noch ein Gerücht über einen Kult... So sehr Shay es auch ignorieren möchte, sie hat das Gefühl, dass dieses Gerücht noch sehr wichtig sein wird.

    48
    Kapitel 46
    Nach langer Suche...


    - Shay's Sicht -

    Und du bist dir diesmal sicher? Nun... nein, aber andere Hinweise haben wir nicht. Ich seufze. Die Zeit rennt. Ich traue mich kaum noch, zu schlafen. Immer wieder muss ich aufpassen, dass wir nicht verschmelzen, was unglaublich viel Kraft kostet. Ich bewege mich auf einen dichten Wald zu. Unheilvoller Nebel quillt aus ihm hervor. Na wunderbar, bei den Verhältnissen findet man leere Körper bestimmt leicht. Das war der Plan. Du musst bedenken, dass mein Körper ohne Seele sehr verletzlich ist. Da wäre es nicht so gut, wenn er von jemandem gefunden wird. Macht Sinn. Ich entzünde eine Flamme und hätte mich beinahe verbrannt. Blöder Magieschwund. Ich setze nur selten Attacken ein, seit ich hier bin. Es ist einfach zu gefährlich. Zum Glück ist die Flamme brav und bleibt auf sicherem Abstand. Ich sehe mich nach potentiellen Verstecken um. “Wenn dir etwas bekannt vorkommt, sag Bescheid“, murmel ich. Normale Kommunikation klappt mittlerweile besser als Telepathie. Und man provoziert so die Verschmelzung nicht so stark. Vorsichtig vergrößere ich die Flamme. Man erkennt trotzdem kaum etwas. Ich nähere mich einem dornigen Gestrüpp. “Hier vielleicht?“ Nie im Leben. Viel zu gefährlich. Ich dachte es soll sicher sein? Rein aus Interesse arbeite ich mich trotzdem durch das Gestrüpp. Ich sagte doch... oh... dieser Ort kommt mir bekannt vor. Hinter dem Gestrüpp liegt eine Lichtung mit einer Blumenwiese. Ich spüre ein Ziehen in meinem Kopf. “Hör auf, Nighty!“ Das Ziehen wird stärker, dann stoppt es abrupt. Ich komme nicht raus! Ich erstarre. “Das soll doch wohl ein Witz sein. Ein sehr schlechter Witz.“ Ich wünschte, es wäre so... geh mal näher ran. Ich folge Nightys Anweisungen. In der Mitte der Blumenwiese liegt eine in einen bunten Mantel gehüllte Gestalt. “Interessanter Kleidungsstil“, bemerke ich mit einem leichten Grinsen. Ich musste meinen Körper doch irgendwie tarnen. Hör zu, wir sollten meinen Körper zurück in die Pokémon Welt bringen und es dort noch einmal versuchen. “Einverstanden.“ Ich hebe den Körper hoch. Er fühlt sich warm an. Im Prinzip ist es, als würde man eine schlafende Person tragen. Nun, irgendwie ist es ja auch so. Zumindest so ähnlich.
    Ich sage nichts weiter dazu. Stattdessen versuche ich, den Weg zurück zu finden. Als ich endlich den Wald verlasse, geht schon wieder die Sonne unter. Verwundert sehe ich mich um. Hier war ich vorher noch nie. Habe die falsche Richtung eingeschlagen? Hier irgendwo ist bestimmt auch ein Ausgang. Geh mal geradeaus weiter. Ich folge Nightys Anweisung und komme an einen breiten Fluss. “Und wo lang jetzt?“ Ähm... PASS AUF! Nightys Geschrei löst bei mir furchtbare Kopfschmerzen aus und so entkomme ich dem Angriff des Monsterhearts nur knapp. Ich lande im Fluss und schürfe mir an den Steinen darin die Haut auf. Schnell richte ich mich auf und sehe mich nach meinem Angreifer um. Erschrocken schnappe ich nach Luft. Das Monsterheart ist halb Arceus! Es greift wieder an und ich blocke. Wir kämpfen eine Weile und ich stelle fest, dass es unglaublich schwach ist. Innerhalb von fünf Minuten kann es kaum noch stehen. Und dann verwandelt es sich plötzlichen in ein kleines Zorua-Monsterheart. Es fällt hin und bleibt bewusstlos liegen. Ich hocke mich hin und will es heilen, doch dann verwandelt es sich plötzlich zu Asche. Ich zucke zurück. “Was?“ Entweder, es war zu geschwächt, oder die Magie ist zu schwach. Komm, hol meinen Körper aus dem Fluss und gehe flussaufwärts. “Alles klar.“ Ich hebe Nightys Körper wieder hoch und gehe weiter. Hoffentlich ist es nicht mehr weit...

    - Thea's Sicht -

    Ich musste mich mehrmals bei Jonas entschuldigen, weil ich schon wieder verschwunden war. Als Entschädigung wollte ich ihm helfen, seine Pokémon zu finden, doch Jonas war dagegen. Also halte ich die meiste Zeit im Geheimversteck die Stellung. Mit anderen Worten, ich langweile mich. Zum Glück ist Tali oft bei mir. Er ist immer gut gelaunt und erzählt so lustige Geschichten. Die anderen Rainbowheart sind mittlerweile oft in der Stadt unterwegs. Die Menschen hier haben sich schon an uns gewöhnt und akzeptieren uns. Viele Menschen und Rainbowheart haben sich sogar angefreundet. In dieser Stadt sind wir offiziell geschützt. Ich bleibe trotzdem im Versteck. Hauptsächlich, um nachzudenken. Oft bitte ich Lilly, mir zu erzählen, was sie mit Shay so alles erlebt hat, obwohl ich mittlerweile schon alle Geschichten kenne. Ich weiß mich nicht anders zu beschäftigen. Doch trotz meiner Langeweile gehöre ich zu den wenigen, die nicht im Krieg helfen wollen. Ich bin eindeutig zu schwach. Gerade kommt Tali rein. Sein Grinsen ist noch größer als sonst. “Lillys Mutter ist wach!“ Ich lächel. Tali hat mir von Lillys Mutter erzählt. “Das ist fantastisch! Wo ist Lilly?“ “Sie ist noch bei ihr und wird auch eine Weile bleiben“, erklärt Tali. Ich nicke. “Verständlich. Und was machst du jetzt?“ Tali zuckt mit den Schultern. “Ich bleibe noch hier, bis sie wiederkommt. Dann hatte sie irgendeinen Plan, aber das soll eine Überraschung werden.“ “Ich hasse Überraschungen“, murmel ich. Tali reißt die Augen auf. “Ist das dein Ernst? Überraschungen sind das Beste!“ Ich schüttel den Kopf. “Ich habe schon jede Menge unangenehme Überraschungen erlebt.“ Tali verdreht die Augen. “Lillys Plan ist garantiert keine unangenehme Überraschung, sondern eine tolle! Glaub mir, das wird super!“ Ich kann nicht anders, ich muss über Talis Versuch, mich zu begeistern, lächeln. “Wenn du meinst.“ Nachdenklich sehe ich zum Eingang des Verstecks. “Ob Jonas wohl seine Pokémon findet?“ Tali verschränkt die Arme hinter dem Kopf. “Klar, du wirst schon sehen.“

    - Erzählersicht -

    Einige grausige Minuten lang dachte Jonas, seine Pokémon wären im Hauptquartier von Team Spaceship, doch als sie dort nachgesehen haben - das Feuer ist schon kurz nachdem sie das Hauptquartier verlassen hatten gelöscht worden - haben sie nichts gefunden. Eines der Rainbowheart hat ihnen verraten, dass in der Nähe der Stadt ein Jäger-Lager versteckt ist. Also sehen Jonas, Rot und Blau dort nach. Sie suchen nun schon eine Weile, haben aber noch nichts gefunden. Dieses Lager ist wirklich gut versteckt. “Seht mal“, sagt Blau plötzlich und zeigt auf etwas, das aussieht wie ein Kellereingang. Jonas verzieht das Gesicht. “Sieht nicht gerade vielversprechend aus.“ “Du bist blind“, antwortet Blau, ohne mit der Wimper zu zucken. Jonas seufzt. “Ich meine, dort unten ist keine einzige Aura“, erklärt er. Doch Rot geht auf die Tür zu. Blau grinst. “Irgendwas muss wohl da unten sein.“ Er folgt Rot und Jonas tut es ihm gleich. Die Tür führt zu einem dunklen Gang. Blau tastet nach dem Lichtschalter, doch scheinbar gibt es keinen Strom. Er stupst Rot an. “He, Champ, mach mal Licht!“ “... Glurak hat hier nicht genug Platz.“ Jonas ist nicht gerade überrascht darüber, wie rau Rots Stimme klingt. Immerhin spricht er kaum. Die drei Jungs tasten sich immer weiter voran. Nach gefühlten Stunden Suche lehnt Blau sich gegen die Wand und stöhnt genervt. “Wie lange sind wir schon hier unten?“ Er erwartet keine Antwort, sondern steht sich dorthin, wo er Jonas vermutet. “Bitte sag mir, dass du etwas spürst.“ Dieser seufzt. “Dann müsste ich lügen. Die einzigen Auren hier sind unsere eigenen.“ “Weiter“, tönt Rots Stimme aus der Dunkelheit. Er hat nicht einmal angehalten. Blau murrt leise und holt so schnell wie möglich auf. Jonas folgt ihm. Dann knallen sie plötzlich gegen Rot. Jetzt platzt Blau der Kragen. “Rot, was soll das! Was machen wir überhaupt hier? Wir sind schon Ewigkeiten hier unten! Und haben wir etwas gefunden? Nein! Ich finde-“ Rot legt ihm eine Hand auf den Mund und bringt ihn so zum Schweigen. Jonas lauscht. Unter ihnen sind Stimmen. “Wieder eine Sackgasse! Wenn das so weitergeht, verhungern wir hier unten!“ “Das kannst du laut sagen. Wie lange haben wir schon das Sonnenlicht nicht mehr gesehen? Und die Pokémon werden auch immer schwächer. Die armen...“ “Ich finde es immer noch unglaublich, dass du dich mit ihnen angefreundet hast. Wir sollen sie eigentlich auf dem Schwarzmarkt verkaufen, das weißt du doch.“ “Das hat sich erledigt. Wenn wir je hier rauskommen wollen, müssen wir zusammenarbeiten. Nun komm, wir haben nicht ewig Zeit.“ Jonas will etwas sagen, doch Rot ist schneller. Er ruft Pika, sein Pikachu, welches den Boden zertrümmert und somit einen Weg nach unten freilegt. Von dort kommt mattes Licht. “Licht!“, ruft Blau begeistert. Jonas steigt ein allzu bekannter Geruch in die Nase. “Feuer?“ Da kommen zwei Jägerinnen nach oben geklettert. Ihnen folgen zwei Pokémon. Jonas ist verwirrt. Er kann die Mädchen und die Pokémon hören, doch er sieht sie immer noch nicht. “Wo sind eure Auren?“ “Versteckt“, antwortet eine der Jägerinnen knapp. “Aber jetzt lasst uns erstmal hier raus.“ “Erst müssen wir meine Pokémon finden“, antwortet Jonas. Kurz herrscht Stille. “Das wären nicht zufällig ein Arkani und ein Lucario?“, fragt die andere Jägerin dann. Jonas nickt. “Gut“, sagt die Jägerin mit heiterer Stimme. “Dann lasst uns von hier verschwinden, ich habe Hunger und möchte endlich die Sonne wieder sehen.“

    49
    Kapitel 47
    Der Krieg und was er mit sich führt


    - Erzählersicht -

    Einen Moment lang hat Ayur vergessen, dass die Magie langsam schwindet. Zum Glück ist Lucas schon mit den anderen abgehauen. Sonst hätte Ayur ihm wohl ein Trauma verpasst. Ununterbrochen attackiert er den Jäger mit allen Attacken, die er hat. Die einzigen Attacken, die man noch erkennen kann, sind Eisstrahl und Doppelteam. Ansonsten sieht man nur Klauen und dadurch Eissplitter, sowie jede Menge Blut. Erst, als der Jäger aufschreit, hört Ayur auf. Sofort verraucht sein Zorn. Entsetzt sieht er, was er angerichtet hat. Die Kleider des Jägers sind in Fetzen gerissen, Blut überströmt seinen ganzen Körper, ein Auge fehlt und das, was man an Haut erkennt, ist blau vor Kälte. Ayur betrachtet schockiert seine Hände. Sie sind voller Blut und seine Fingerspitzen sind ebenfalls blau. “Mist... Verdammt, verdammt, verdammt! Wie konnte ich das vergessen!“ Er sieht zum kaum noch atmenden Jäger. “Was habe ich nur angerichtet? Wie kann ich...“ Seine Stimme versagt. Er kann es nicht wieder gut machen. Dazu ist es zu spät. Er geht zum Jäger und hockt sich vor ihm hin. “Es tut mir leid. Ich habe mich von meinem Zorn leiten lassen. Ich kann es nicht einmal wieder gut machen.“ Der Jäger hustet Blut, lächelt dann aber seltsamerweise. “Das habe ich mir wohl zuzuschreiben, hm? Kommt davon, wenn man jahrelang deinesgleichen verfolgt und tötet.“ Seine Augen werden glasig und er scheint in unsichtbare Ferne zu blicken. “Wenn es ein gemeinsames Jenseits für alle gibt... werde ich deine Mutter aufsuchen... und ihr sagen... wie tapfer du... für deine Freunde gekämpft hast. Wie sehr du... gewachsen bist seit... sie für dein Leben... gestorben ist.“ Ayur läuft ein Schauer über den Rücken. Die Erinnerungen an seine frühe Kindheit kehren zurück. Seine Mutter hat gegen diesen Jäger gekämpft, um Ayur die Flucht zu ermöglichen. Für ein Rainbowheart in der Welt der Menschen nicht's ungewöhnliches, so traurig es auch ist. Doch er spürt keine Wut. Nur Trauer. Er sieht dem Jäger in die Augen. “Ich vergebe dir.“ Ein Funken Leben kehrt kurzzeitig in die Augen des Jägers zurück. “Ich vergebe dir.“ Dann schließt er die Augen und sein Körper wird schlaff. Ayur holt eine alte Decke und legt sie über den Körper. Er hat soeben jemanden getötet. Doch dieses letzte Gespräch hat ihm geholfen. Natürlich fühlt er sich immer noch schuldig, doch er ist nicht verzweifelt oder ähnliches. Er spürt, dass er sich eines Tages selbst vergeben kann. Eines Tages...

    Währenddessen...

    Yvie ist es ein Rätsel, wie sie zurück zum Kampfplatz gelangt sind. Sie sind einfach gerannt. Jetzt sind sie hier. Und das auf der falschen Seite. Mitten in der Todeszone. Und sie bleiben nicht lange unbemerkt. Menschen, die bis eben noch ihre Mitstreiter so gut wie möglich verbunden und gepflegt haben, springen auf und rufen ihre Pokémon. “Wie sind die unbemerkt hierher gekommen!“, schimpft einer. “Sicher nicht mit Absicht“, antwortet ein anderer. “Die würden niemals einfach so ein Kind mit ins Gegnerlager nehmen.“ “Ist doch egal, schnappt sie!“ Das kleine Gespräch hat Yvie und den anderen genügend Zeit gegeben, sich vorzubereiten. Nemaja ist mit Lucas verschwunden und Zap und Yvie sind kampfbereit. Sie wissen ganz genau, dass sie kaum eine Chance haben werden, aber zumindest können Nemaja und Lucas entkommen. Und bei den Menschen entsteht ein bisschen Chaos. Die beiden Rainbowheart müssen nicht gewinnen - sie müssen nur lange genug durchhalten.

    Nemaja trägt Lucas huckepack, während sie so schnell wie möglich wegrennt. Es passt ihr so gar nicht, nach Ayur auch noch Zap zurückzulassen, doch es ist nicht so, als hätten sie eine Wahl. Nemaja weiß nicht wirklich, wohin sie läuft, doch sie passt auf, dass sie nicht wieder im Lager landet. Schließlich gelangt sie zu einer Schlucht. Erschöpft lässt Nemaja sich zu Boden sinken. “Komm, Lucas, lass uns ein wenig verschnaufen.“ Lucas klettert von ihrem Rücken und sieht sich um. Ein Stück weiter entdeckt er einen großen Apfelbaum, der über der Schlucht hängt. Nur ein paar Wurzeln halten ihn davon ab, hineinzufallen. Er kann noch nicht lange dort hängen, denn er hat noch jede Menge Blätter und Früchte, obwohl nur noch wenige Wurzeln mit dem Boden verbunden sind. Lucas mustert den Baum. Die Äpfel sind wirklich nicht weit entfernt... und der Stamm ist ziemlich dick... Als Nemaja bemerkt, dass Lucas über die Schlucht balanciert, schreit sie fast auf vor Schreck. Schnell läuft sie hin und balanciert zu ihm. “Lucas, was machst du denn?“ Der kleine Lucas sieht zu ihr hoch. “Ich habe Hunger.“ Nemaja seufzt. “Aber du kannst nicht einfach auf diesen Baum klettern! Er könnte jeden Moment-“ “Psst!“, unterbricht Lucas. “Bring ihn nicht auf Ideen!“ Nemaja will ihm gerade erklären, dass das ein Baum ist und kein Pokémon, als besagter Baum abknickt. Wie ein Ast. Nemaja und Lucas haben nicht einmal mehr Zeit um zu schreien. In sekundenschnelle werden sie von der Dunkelheit verschluckt.

    Währenddessen...

    Phiona hilft bei den Heilern. Die Heiler wurden bisher noch nicht erwischt. Deshalb ist es umso verwunderlicher, dass Phiona immer schwächer wird und immer schlimmere Schmerzen hat. Die anderen Heiler versuchen, ihr zu helfen, doch es ist nutzlos. Phiona weiß ganz genau, was sie hat. Doch sie möchte möglichst lange helfen, also darf sie noch nichts sagen. Sie beißt die Zähne zusammen und arbeitet weiter. Im Moment verbindet sie Riala. Die Rechte Hand von Blades ist nicht so leicht zu bezwingen, doch auch sie hat ihre Grenzen. Und Riala hat die ganze Zeit an der Front gekämpft. Kein Wunder also, dass sie total zerschunden ist. Als Phiona die größeren Wunden versorgt hat und mit den kleineren beginnen will, öffnet Riala die Augen. Sie ist erst ohnmächtig geworden, als sie bei den Heilern ankam, hat seitdem aber die ganze Zeit geschlafen. Sie mustert Phiona eindringlich. “Wie lange hast du noch?“ Phiona erstarrt in der Bewegung. “Wie meinst du das?“ Rialas Mundwinkel zucken. “Als Rechte Hand muss ich gut informiert sein. Ich kenne die Legende. Ein Seeper-Rainbowheart fand am Meeresboden ein verletztes Manaphy und pflegte es gesund. Das Manaphy war eine Prinzessin von einem zerstörten Königreich. Es erzählte dem Seeper-Rainbowheart seine Geschichte. Das Seeper-Rainbowheart war begeistert, als es von dem Königreich hörte. Es versprach dem Manaphy, beim Wiederaufbau zu helfen und dieses Reich zu schützen. Aber das war gar nicht so einfach. Der ist groß und hatte damals nicht nur viele Bewohner, sondern auch viele Besucher. Schnell sprach sich der Wiederaufbau herum, sowohl bei Freunden, als auch bei Feinden. Immer wieder wurde die Unterwasserwelt angegriffen. Schließlich hatte das Manaphy genug. Es wollte nicht, dass noch mehr Rainbowheart wegen ihm starben. Also nutzte es einen uralten und sehr mächtigen Zauber. Angelus Tutelaris. Mit diesem Zauber versteckte es das Reich vor dem Rest der Welt. Doch solche Macht hat ihren Preis. Das Manaphy starb und wurde als Phione wiedergeboren, ohne Erinnerungen an sein altes Leben Nach zwanzig Jahren starb es wieder, nur um dann erneut als Phione wiedergeboren zu werden. Immer und immer wieder. Aber ich hätte dich noch nicht auf zwanzig geschätzt.“ Phione seufzt. Jetzt ist schweigen ziemlich nutzlos. “Der Teil der Legende wurde auch ziemlich ausgeschmückt, um es dramatischer wirken zu lassen, zumindest was das Manaphy angeht. In Wahrheit wissen alle Reinkarnationen von ihrem Leben als Manaphy. Und wir sterben auch nicht schon mit zwanzig, sondern durch schwere Verletzungen, Krankheiten oder an hohem Alter wie jedes andere Rainbowheart. Es ist auch kein endloser Kreislauf. Es hat alles ein Ende, wenn das Seeper-Rainbowheart, welches sich im Laufe der Zeit natürlich entwickelt hat, stirbt. Und Seemon-Rainbowheart können unglaublich lange leben. Vor allem, wenn sie sich möglichst wenig bewegen.“ Einer der Heiler, ein Waumboll-Junge, der wohl gerade das Erwachsenenalter erreicht hat, hat alles mitgehört. Jetzt tritt er näher heran. “Kann man ihm nicht helfen? Dass er vielleicht noch ein paar Jahre länger lebt?“ Phiona schüttelt den Kopf. “Sir Calong hat lange genug gelitten. Er hat seine Freundin jahrelang immer wieder sterben sehen. Es reicht.“ Ihr Blick schweift in die Ferne. “Es... es tut mir nur leid für Yvie. Das hat sie nicht verdient. Hätte ich gewusst, dass ich die Letzte bin...“ Sie spricht den Satz nicht zu Ende, sondern versorgt Riala weiter. Auch der Waumboll-Junge wendet sich wieder seiner Arbeit zu, ebenso schweigend wie Phiona. Doch im Gegensatz zu ihr weiß er nicht, dass die Wahrheit über die Legende zu verraten ihr noch mehr von der Zeit genommen hat, die ihr übrig bleibt.

    Zur selben Zeit auf dem Schlachtfeld...

    Das einzige, was Luna regelmäßig vor dem sicheren Tod rettet, ist die Stärke ihrer Attacken. Sie gehört zu den wenigen, deren Attacken noch einwandfrei funktionieren, was ihr ebenfalls einen Vorteil verschafft, wenn auch nur einen kleinen. Die Menschen haben schnell kapiert, dass sie zu den Anführern gehört und legen es richtig darauf an, sie niederzustrecken. Wenn Menschen kämpfen, können sie furchtbar brutal sein. Luna hat jetzt schon öfter erlebt, dass Rainbowheart starben, weil sie Gnade und Mitgefühl zeigten. Sie musste schon ab und zu Reden improvisieren, in denen sie versuchte, den anderen klarzumachen, dass die Menschen keine Gnade zeigen werden und versuchen, die Schwächen der Rainbowheart zu nutzen, sobald sie sie herausfinden. Trotzdem passiert es immer wieder. Gerade geschieht das gleiche Schauspiel wieder, doch dieses mal kann Luna rechtzeitig eingreifen - sehr zum Ärger des Menschen. Sie liefern sich ein heftiges Gefecht, doch da Lunas Attacken noch einwandfrei funktionieren, kann sie tödliche Verletzungen auf beiden Seiten vermeiden. Schließlich geht der Mensch ohnmächtig zu Boden und ein Mitstreiter schleppt ihn fort. Luna wirft ihrem eigenen Mitstreiter einen vielsagenden Blick zu und macht sich wieder auf den Weg. Weiter hinten herrscht ein furchtbares Durcheinander, dass sie in Ordnung bringen muss. Und ganz nebenbei sollte sie versuchen, nicht umgebracht zu werden. Als sie endlich ankommt, traut sie ihren Augen kaum. Niemand dort kämpft wirklich. Sie bilden einen Kreis und feuern zwei Kämpfer an. Luna bahnt sich einen Weg durch die Menge. Auf der Seite der Rainbowheart kämpft eine junge Cresselia-Frau. Auf der Seite der Menschen kämpft ein Mann mit seinen Pokémon. Die Rüpel und Jäger feuern ihn mit 'Mark' an.

    50
    Kapitel 48
    Angst, Hoffnung und Leid


    - Shay's Sicht -

    “Ja! Himmel, Hölle und Zerrwelt, ja! Zum ersten mal in meinem ganzen verfluchten Leben hat etwas ohne große Probleme geklappt!“ Ich bin wieder in der Pokémon Welt und habe Nightys Körper unbeschadet mitgebracht. Freu dich nicht zu früh. Erstmal muss ich dort wieder rein. Ich hoffe, du hast meinen Tarnmantel noch. Den muss ich noch jemandem zurückgeben. Keine Sorge, er ist vollkommen unbeschadet. Gut. Leg mich einfach dorthin. Ich folge Nightys Anweisungen und trete dann einen Schritt zurück. Kurz bekomme ich Kopfschmerzen, aber es passiert so schnell und ist so schnell wieder vorbei, dass es auch Einbildung gewesen sein könnte. “Ich hätte nie gedacht, dass ich jemals so froh sein könnte, in meinem eigenen Körper zu sein.“ Ich sehe auf und mir klappt der Mund auf. Nighty hat die komische Verkleidung abgelegt. Er hat keine Witze gemacht, als er behauptete, dass er schwarze Haut hat. Also richtig schwarz, wie Obsidian. Man könnte meinen das wäre gruselig, aber eigentlich sieht es ziemlich hübsch aus. Seine Augen haben die gleiche blaue Farbe wie das Pokémon Darkrai. Seine Haare sind schneeweiß, lang und gewellt. Nighty grinst breit und fährt sich mit der Hand durch die Haare. “Na, sehe ich gut aus, oder was?“ Ich verziehe das Gesicht. “Schönheit liegt im Auge des Betrachters.“ “Ist das ein 'ja' oder ein 'nein'?“ Ich antworte nicht. Tatsächlich sieht er sehr gut aus, aber gerade nach der Aussage eben würde ich das niemals zugeben. Ich gehe zurück nach Prismania City. Nighty folgt mir. Eine Weile nehme ich es kommentarlos hin, doch als ich absichtlich einen kleinen Umweg nehme und er mir immer noch folgt, habe ich genug und drehe mich zu ihm um. “Weißt du, du bist jetzt nicht mehr an mich gebunden. Du kannst gehen, wohin du willst.“ “Ich möchte auch nach Prismania City. Dort ist es im Moment ziemlich sicher für Rainbowheart.“ Er schnaubt belustigt. “Diese Ironie...“ Ich nicke. Es ist schon irgendwie seltsam, dass die Stadt mit dem ehemaligen Hauptquartier von Team Spaceship für Rainbowheart am sichersten ist. Aber Tali und Lilly haben nun einmal dort das Versteck gebaut. Trotzdem... warum sollte Nighty einen Umweg nehmen? Ich gehe jedoch nicht weiter darauf ein. Es ist ja nicht so wichtig. Der Weg dorthin verläuft ereignislos. Doch kaum betreten wir die Stadt, schlägt uns sofort eine angespannte Stimmung entgegen. Was ist hier los? Jonas ist zurück und hat seine Pokémon wieder, doch viel mehr kann ich nicht erkennen, da er halb in einer Menschentraube versteckt ist. Verunsichert gehe ich näher heran. “Was ist hier los?“ “Jäger!“ “Monster!“ “Gefangene!“ Da sind sich die Leute ja einig. Und es ist alles so aussagekräftig. Ich suche nach Lilly. Vielleicht kann sie mich ja aufklären. Ich finde sie im Versteck, wo sie ein paar verängstigte Rainbowheart beruhigt. “Was ist in der Stadt los?“, frage ich irritiert. “Ich habe was von Jägern und Gefangenen mitbekommen, aber das hat mir nicht wirklich geholfen.“ “Jonas' Pokémon waren bei Jägern. Zwei Jägerinnen sind mit den Jungs in die Stadt gekommen. Jetzt regen sich die Bewohner auf, weil die Jäger euch Rainbowheart doch immer das Leben zur Hölle gemacht haben, zumindest denen, die in der Pokémon Welt aufgewachsen sind. Jonas möchte sie aber irgendwo unterbringen, weil sie wohl mehrere Tage unter der Erde gefangen waren“, erklärt Lilly, ohne aufzusehen. Ich sehe zu Boden. “Oh.“ Mehr fällt mir nicht ein. Tun mir die Jägerinnen leid? Ehrlich gesagt nicht wirklich. Auf der anderen Seite könnte ich mir niemals ausmalen, wie es wäre, wenn ich unter der Erde gefangen wäre. Im schlimmsten Fall wurden sie sogar zurückgelassen. Und... wenn es doch nur eine Falle ist? Ich weiß es einfach nicht. Endlich sieht Lilly auf. “Oh, Nighty, wie geht's dir?“ Nighty stöhnt. “Nicht du auch noch, Lilly! Es reicht, wenn Dreamy und Shay mich so nennen! ...Aber mir geht's prima.“ Ich mustere die ängstlichen Rainbowheart. Diejenigen, die nicht in der Pokémon Welt aufgewachsen sind, sind spätestens bei ihrer Gefangennahme mit Jägern in Berührung gekommen. Sie alle haben furchtbare Angst. Ich entdecke meine Schwester. Noch nie habe ich sie so verängstigt erlebt. Ich fasse einen stillen Entschluss. Vorsichtig gehe ich vor ihr in die Knie. “Hey, hab keine Angst. Ich kümmere mich darum.“ Ohne ein weiteres Wort verlasse ich das Versteck.

    - Thea's Sicht -

    Ich hatte noch nie solche Angst. Und ich hasse mich dafür, dass ich solche Angst habe. Bin nicht ich immer diejenige gewesen, die Shay beschützt? Jetzt rettet sie mich und viele andere Rainbowheart, gibt jemandem seinen Körper zurück und was weiß ich was sie mit den Jägerinnen vorhat. Natürlich bin ich stolz auf meine Schwester, aber ich fühle mich... nutzlos? Fehl am Platz? Irgendwie trifft beides zu. Und wie sie so ruhig sein kann... Unsere Eltern wurden von Jägern umgebracht, verflixt noch einmal! Wie kann sie da so seelenruhig wieder nach draußen gehen? Ich seufze tief. Es hat sich so viel verändert, seit sie damals abgehauen ist. Das sind, was, 47 Kapitel her? Es war in Kapitel 2, oder? Okay, in dem Zeitraum darf sich ruhig etwas verändert haben, aber muss es so extrem sein? Lilly bemerkt meine Verzweiflung und kommt zu mir. “Hey, Shay kann auf sich aufpassen.“ “Ich weiß“, murmel ich. “Aber ich kann mich nicht daran gewöhnen. Früher musste ich immer auf sie aufpassen.“ “Musstest du, oder wolltest du?“ Was soll denn diese Frage? “Beides natürlich. Shay ist so neugierig, die hätte nicht lange überlebt.“ “Genau das hat sie aber getan, oder nicht?“ .... Sie hat recht. “Aber nur mit Hilfe“, versuche ich einzuwenden. Lilly lächelt. “Rein zufällig menschliche Hilfe. Gut und die von Marshadow. Ich weiß bis heute nicht, warum er das getan hat. Aber auf jeden Fall viel menschliche Hilfe. War das nicht die Spezies, die sie meiden sollte?“ “Du bist anders, Lilly“, antworte ich. “Sieh nur, wie sehr die legendären und mysteriösen Pokémon dich schätzen.“ “Und was ist mit Jonas?“, hakt Lilly nach. “Der ist sowieso eine Klasse für sich“, erwidere ich trocken. Lilly fängt an zu lachen. “Was denn?“, frage ich verwundert. “Es stimmt doch.“ “Also, wenn man danach geht, ist jeder 'eine Klasse für sich'“, meint ein Trombork-Rainbowheart. Wie er gefangen wurde, ist mir noch immer ein Rätsel. Er sieht ziemlich gefährlich aus. “Warum genau kannst du Jonas eigentlich nicht leiden?“, fragt Lilly. “Ich meine, so viel ich gehört habe, hat er dir schon manches mal geholfen.“ Sie hat schon wieder recht. Langsam nervt es. Und das schlimmste ist: Ich kann die Frage nicht einmal beantworten. “Erzähl ich dir ein andern mal“, antworte ich knapp. Dann stehe ich auf und gehe nach draußen. Jägerinnen hin oder her, ich brauche unbedingt ein bisschen frische Luft. Außerdem muss ich nachdenken. Ich glaube nämlich nicht, dass Lilly ihre Frage so schnell vergisst. Ich überlege, in die Stadt zu gehen, entscheide mich dann jedoch dagegen. Stattdessen gehe ich in den Wald. Wie sehr ich den Wald vermisst habe. Das erwartet man von einem Blitza-Rainbowheart vielleicht nicht, aber der Wald ist eben mein Zuhause. Gewissermaßen. Ich beobachte ein paar Vogelpokémon und entdecke ein Sesokitz und seine Mutter, die gerade aus einem Bach trinken. Sie bemerken mich, erkennen aber schnell, dass ich ein Rainbowheart bin und keine Gefahr für sie darstelle. Durch die vielen Touristen haben sich die verschiedensten Pokémon hier ausgebreitet. Das ist nicht immer gut, aber wir lernen, damit zu leben. Im größten Notfall greifen legendäre oder mysteriöse Pokémon ein. Schon seltsam... Sie tun so viel für diese Welt. Warum nicht für die Welt der Rainbowheart? Ich bin so in Gedanken versunken, dass ich voll gegen jemanden krache und hinfalle. “Au...“, murmel ich leicht benommen. “Tut mir leid“, entschuldigt sich mein Gegenüber hastig und hilft mir hoch. “Ich sollte aufpassen, wo ich hinlaufe.“ Ich reibe mir den Kopf. “Schon gut, war ja irgendwo auch meine- Moment mal, warst du nicht... Noroi?“ Es ist definitiv Noroi. Ich habe ihn ewig nicht mehr gesehen. Als er seinen Namen hört, hellt sich sein Gesicht auf. “Du erinnerst dich an mich?“ Ich nicke. “Wir haben uns zwar gefühlt Ewigkeiten nicht mehr gesehen, aber ja.“ “Das ist gut... Ich erinnere mich nämlich - abgesehen von meinem Namen - an gar nichts mehr.“

    - Erzählersicht -

    Zap kann es nicht fassen. Er und Yvie haben die Menschen erfolgreich abgewimmelt und sind geflohen, doch jetzt können sie Nemaja nicht mehr finden. Unterwegs haben sie eine Schlucht mit einem abgebrochenen Stamm gesehen, doch Yvie hat ihn beruhigt und vermutet, dass Nemaja und Lucas unterwegs zum Lager der Rainbowheart sind. Zap hat ja gehofft, dass sie sie unterwegs treffen, aber bisher ist dies noch nicht passiert. Langsam schrumpfen Zaps Hoffnungen auf Elektronengröße. Endlich erreichen sie das Lager. Sofort sieht Zap sich nach Nemaja um. Zwar findet er sie nicht, dafür entdeckt er ein anderes bekanntes Gesicht. Ein Grinsen schleicht sich auf Zaps Gesicht. “Ayur!“ Der Absol-Junge sieht auf. “Zap? Wo sind Nemaja? Und Lucas?“ Sofort verschwindet Zaps Grinsen. “Sie sind... nicht hier?“
    Zap muss Ayur erklären, warum er und Yvie von Nemaja und Lucas getrennt sind. Ayur hört geduldig zu und seufzt dann. “Vielleicht war es besser, dass ich zurückgeblieben bin. Wer weiß, wie es sonst dort geendet hätte.“ Zap blinzelt verwirrt. “Was meinst du damit?“ Ayur sieht ihn an. “Zap, ich habe etwas furchtbares getan.“

    Währenddessen sucht Yvie nach Phiona. Eigentlich müsste sie zuerst Riala berichten, was passiert ist, aber a) weiß sie nicht wo Riala gerade ist und b) spürt sie, dass etwas nicht stimmt. Bei den Heilern ist sie nicht, obwohl sie dort eingeteilt wurde. Dafür ist Riala da. Yvie erklärt Riala kurz und bündig, was passiert ist und fragt dann nach ihrer Freundin. Riala sieht zu einem Zelt. “Du bist gerade noch rechtzeitig.“ Yvie reißt die Augen auf. “Was soll dass denn heißen?“ Eine dunkle Vorahnung überkommt sie. “Nein...“ Sie rennt zum Zelt. “Phiona!“ Tatsächlich liegt sie dort, tief ein und ausatmend. Es wirkt fast, als würde sie schlafen. Aber nur fast. Als sie Yvie hört, dreht sie den Kopf zur Seite. Yvie rennt zu ihrem improvisierten Bett und kniet sich hin. “Phiona...! Aber ich dachte... solltest du nicht... du bist doch Heilerin...“ Sie mustert Phiona von oben bis unten. “Keine Verletzungen... aber wie dann?“ Phiona legt eine Hand auf Yvies Wange. “Yvie... beruhig dich.“ “Was... ich soll ruhig sein! Du liegst im Sterben! Das fühle ich doch...“ Yvie schüttelt den Kopf. “Ich bin noch nicht so sehr vom Magieschwund betroffen wie viele andere! Ich kann spüren, wie das Leben in dir schwindet! Ich verstehe nur nicht warum!“ Ihre Sicht verschwimmt von Tränen, doch sie kann die Umrisse von Phiona noch erkennen, ihre blauen Haare, ihre dunklen Augen, ihre schwach gebräunte Haut... “Ich kann es nicht ändern. Ich wurde geboren, um das Unterwasserreich zu schützen. Das war der Grund für meine Geburt. Das war mein Schicksal. Jetzt werde ich nicht mehr gebraucht.“ Yvie schweigt. Phiona lässt die Hand sinken. “Yvie...“ “Nein...“, unterbricht Yvie mit gebrochener Stimme. “Yvie“, setzt Phiona erneut an, wird jedoch von Yvie durch eine ruckartige Handbewegung unterbrochen. “NEIN! Das ist nicht fair! Das Unterwasserreich braucht dich vielleicht nicht mehr, aber ICH brauche dich! Ich... Ich...“ Sie bricht entgültig in Tränen aus. Tröstend streichelt Phiona ihr den Kopf. “Ich habe mich damit abgefunden. Das schaffst du auch.“ Sie seufzt. “Wenn ich gewusst hätte, dass es ausgerechnet bei mir passiert, hätte ich niemals verraten, dass ich mich in dich verliebt habe.“ “S-sag doch s-sowas nicht...“, murmelt Yvie zwischen zwei Schluchzern. Dann sieht sie ihre Freundin an. “Die letzten drei Jahre waren das Beste, was mir in meinem ganzen Leben passiert ist.“ Phiona lächelt und wischt Yvie die Tränen aus dem Gesicht. Ihr Atem wird zunehmend flacher, doch sie ist noch nicht fertig. Ihr Blick ist fest auf Yvie gerichtet. “Vergiss mich nicht... aber lebe weiter, okay? Finde eine neue Liebe und verschließe dich nicht. Stehe zu deinen Fehlern und lerne aus ihnen. Und tu mir vor allem einen Gefallen: Verbittere nicht. Dafür hast du ein viel zu gutes Herz. Und ein viel zu wertvolles Leben.“ Yvie lehnt ihre Stirn an Phionas. “Ich hasse dich.“ Phiona schmunzelt. “Ich liebe dich auch.“

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    Kapitel 49
    Endlich vorbei?


    - Shay's Sicht -

    Ich stürme auf den großen Platz nahe des Springbrunnens. Dort versucht Jonas noch immer, die Meute zu beruhigen. Als er mich bemerkt, seufzt er tief. Ich ignoriere ihn und klettere auf die Spitze des Springbrunnens. Dass ich dabei klitschnass werde, stört mich nicht. Ich versuche, mir Gehör zu verschaffen. “Beruhigt euch alle mal! HÖRT MIR ZU!“ Endlich wird es leise. Alle sehen zu mir hoch. Ich hole tief Luft und atme langsam aus. Dann beginne ich, eine Rede zu improvisieren. “Ich weiß, wie die Rainbowheart sich fühlen. Ich bin selbst ein Rainbowheart. Meine Eltern wurden von Jägern ermordet, als ich noch ganz klein war. Das ist nichts ungewöhnliches gewesen. Viele Rainbowheart, die in dieser Welt aufgewachsen sind, teilen dieses Schicksal. Ja, Jäger sind Monster. Aber...“ Ich sehe zu den Jägerinnen, welche mich etwas ängstlich betrachten. “Diese beiden Frauen waren tagelang unter der Erde gefangen. Ohne Sonnenlicht, ohne frische Luft, ohne jegliches Zeitgefühl. Essen und Wasser wurde von Tag zu Tag knapper. Dann, endlich, wurden sie befreit. Sie konnten wieder auf eine warme Mahlzeit, ein gemütliches Bett und vor allem ein ausgiebiges Bad hoffen. Möchtet ihr wirklich solche Monster sein wie die Jäger und sie wieder einsperren?“ Die Leute sehen nur wenig von meine n Aussagen überzeugt aus, also rede ich weiter. “Ich mag zwar nicht dabei gewesen sein, aber ich weiß, wie es ist, eingesperrt zu sein. Mein Leben lang habe ich mich versteckt. Nur selten durfte ich nach draußen, um frisches Essen und Wasser zu holen. Nur selten konnte ich ein Bad genießen und auch das nur in meiner getarnten Form. Ich weiß, wie die beiden Jägerinnen sich fühlen. Besonders die Rainbowheart, die von Team Spaceship gefangen worden sind, wissen es ebenfalls. Auch sie hatten jegliches Zeitgefühl verloren. Auch sie hatten Angst. Wir hatten es nicht verdient. Niemand hat solch ein Schicksal verdient. Deshalb bin ich bereit, meine Vergangenheit und die damit verbundenen Ängste hinter das Wohlergehen dieser beiden Frauen zu stellen. Wer ist der gleichen Meinung?“ Die Rainbowheart melden sich zuerst, manche sofort, manche nur zögerlich. Als die Bewohner der Stadt das sehen, heben auch sie die Hände. Ich lächel zufrieden. Zwar bin ich jetzt ein bisschen heiser und mir ist ziemlich kalt, aber es hat sich gelohnt. Jonas hebt anerkennend den Daumen. Ich klettere zu ihm runter. “Du kümmerst dich um die beiden?“ Er nickt. “Natürlich. Es ist genug Platz Zuhause.“ “Zuhause...“ Ich lächel. “Das klingt schön. Die wenigsten Rainbowheart aus dieser Welt haben einen Ort, den sie wirklich als ihr Zuhause ansehen...“ “Das kann sich ja ändern“, meint eine der Jägerinnen. Ihre blonden Haare leuchten im Sonnenlicht leicht rötlich. “Sieh nur, wie sehr euch die Leute hier verteidigen. Warum solltet ihr nicht woanders genauso in die Gesellschaft aufgenommen werden?“ Sie hat nicht ganz unrecht. Ich nicke. “Das stimmt, aber wir sollten uns in kleinen Schritten vorwagen. Wenn wir wirklich dazugehören wollen, müssen wir die Regeln der Gesellschaft befolgen. Und diese müssen wir erstmal lernen.“ “Ich bin sicher, dass wir alle euch gerne helfen würden“, meldet sich Jonas zu Wort. Ich lächel. “Danke. Nun, ich gehe jetzt mal mit den Rainbowheart reden, die sich versteckt haben.“

    - Erzählersicht -

    Dreamy war im Kampf immer schlechter als Nighty, aber das will nichts heißen, denn Nighty ist wirklich stark. Wenn er wüsste, wie er seine Kräfte einteilen kann, könnte er es locker mit einer ganzen Organisation aufnehmen und nicht mal einen Kratzer davontragen. Doch Dreamy ist, was Taktik und Krafteinteilung angeht, deutlich besser. Und sie ziert sich auch weniger, jemandem wehzutun. Schon seit sie klein war, ist sie keinem Kampf aus dem Weg gegangen. Sie konnte als wahrscheinlich einzige Rainbowheart ganz normal unter Menschen leben und zur Schule gehen. Die Jäger, die sie angegriffen haben, haben es bitter bereut. Und auch Mark bereut seine Entscheidung. Er ist davon ausgegangen, dass er sie mit Leichtigkeit besiegen könnte und hat ihr ein Angebot gemacht: Ein 1 vs. 1 Kampf, nach den Regeln eines Pokémon Kampfes, wobei Dreamy als Pokémon agiert. Gewinnt sie, geben er und seine Leute auf. Gewinnt er, müssen Dreamy, Riala, Blades und Luna sich töten lassen. Dreamy hat sich ohne mit der Wimper zu zucken darauf eingelassen. Jetzt ist sie kurz davor, ihn zu besiegen und sieht deutlich, wie er langsam Panik bekommt. Er hat keine Heilmittel mehr, die Kräfte seiner Pokémon gehen auch langsam zuneige und Dreamy ist noch immer topfit. Luna sieht erstaunt zu und wagt nicht, etwas zu sagen. Sie könnte den Neuankömmling aus der Konzentration reißen. Nach gefühlt zwanzig Minuten ist endlich auch das letzte Pokémon besiegt. Dreamy lächelt zufrieden. “Und das waren alle. Ich habe gewonnen. Ich meine, ich kann gerne gegen einen deiner Leute antreten, wenn du möchtest. Aber es ist nicht empfehlenswert. Ich meine, wozu noch mehr Pokémon verletzen, wenn es dir eh nichts mehr bringt?“ Mark schnaubt. “Ich habe dich unterschätzt, Glitzer-Prinzesschen. Aber noch einmal wird das nicht passieren. Ich verlasse jetzt diese Welt, aber morgen komme ich wieder.“ Dreamy grinst, trotz des - ziemlich unpassenden - Spitznamens. “Darauf freue ich mich schon.“ Mark ruft seinen Leuten Befehle zu und verlässt mit ihnen das Kampffeld. Sprachlos sieht Luna hinterher. Der Kampf hat so plötzlich aufgehört, dass es fast schon gruselig ist. Aber nein, Mark kommt ja morgen wieder. Trotzdem, sie hat ein wenig Zeit zum verschnaufen. Luna geht zu dem Cresselia-Mädchen. “Danke. Du hast uns einen Tag Zeit geschenkt.“ Das Mädchen lacht. “Einen Tag? Da hättet ihr nicht viel von. Nein, du kannst jetzt deine Sachen packen und nach Hause gehen. Wobei es immer noch das Problem mit der Magie gibt, da wollte ich noch-“ “Moment mal“, unterbricht Luna. “Nach Hause gehen? Mark kommt morgen wieder!“ “Nö“, antwortet Dreamy. “Er darf sich, wenn er in der Pokémon Welt ankommt, erstmal mit der Polizei auseinandersetzen. Ich würde zu gern Mäuschen spielen. Deswegen sollte ich jetzt los. Ich muss sowieso aufpassen, dass er sich auch wirklich an die Abmachung hält. Um das Problem mit dem Magieschwund kümmere ich mich danach. Also, bis dann irgendwann!“ Erstarrt sieht Luna ihr hinterher. Ist es wirklich, endlich, vorbei? Es kommt ihr unwirklich vor.

    - Thea's Sicht -

    Ich sitze mit Noroi im Versteck und lasse mir erzählen, was er erlebt hat, zumindest so weit wie seine Erinnerungen zurückreichen. Offenbar war er bei einer Gruppe, die versucht, den Untergang der Rainbowheart Welt aufzuhalten - auf sehr extreme Weise. Zwei Rainbowheart wurden geopfert, während Noroi dort war. Und das an ein legendäres Pokémon, von dem ich noch nie gehört habe. Anfangs fand er es dort noch ganz nett, doch nach der ersten Opfergabe wurde es ihm zu unheimlich. Bis er endlich dort raus konnte, wurde das zweite Rainbowheart geopfert. Und scheinbar sind noch mehr Opfergaben geplant. Es war nicht einfach, zu entkommen. Offenbar will die Anführerin, dass möglichst niemand etwas über sie erzählt. Wie zum Giratina findet sie dann Leute, die diesem Mist beitreten? Ich habe keine Ahnung. Jedenfalls hat er mir in allen Details seine Flucht beschrieben und wie er in die Pokémon Welt gelangt ist. Als er mit seiner Geschichte fertig ist, atme ich tief durch. “Puh... Das klingt ziemlich aufregend. Du musst ganz schön was durchgemacht haben.“ Noroi zuckt mit den Schultern. “Ich würde nur gerne meine Familie wiederfinden. Kennst du sie?“ Ich überlege. “Nun... Ich kenne Rot.“ “Das ist eine Farbe“, meint Noroi leicht verärgert. “Ich meine es ernst. Kennst du meine Familie, oder nicht?“ Ich seufze. “Rot ist ein Mensch. Ein ziemlich berühmter noch dazu. Er ist dein... Halbbruder? Ich glaube dein Halbbruder.“ “Seltsamer Name, aber okay. Was anderes, als dir zu glauben, bleibt mir nicht übrig“, meint Noroi leicht betrübt. “Du könntest ihn fragen“, schlage ich vor. “Er ist zwar nicht gerade gesprächig, aber ich bin sicher, dass er deine Fragen beantwortet.“ Noroi nickt. “Einen Versuch ist es wert. Wo ist er?“ “In einer anderen Stadt“, antwortet Trichor für mich. “Er kommt morgen wieder. Es hieß, er würde für irgendeine wichtige Mission gebraucht worden sein.“ Enttäuscht seufzt Noroi. “Dann muss ich wohl bis morgen warten.“ “Du könntest hier übernachten“, schlage ich vor. “Die anderen Rainbowhearts stört es bestimmt nicht.“ Noroi lächelt leicht. “Danke, aber ich schlafe lieber im Wald. Dort fühle ich mich einfach wohler.“ Verständlich. Ich ziehe den Wald im allgemeinen auch der Stadt vor. Auch, wenn die Stadt mehr Strom hat. “Alles klar, dann sehen wir uns morgen.“ Er nickt. “Bis morgen!“

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    Kapitel 50
    Ein kleines bisschen Backstory


    - Thea's Sicht -

    Ich sollte mich noch bei Jonas entschuldigen, weil ich ihn unfair behandelt habe. Das einzige Problem ist, dass er sich gerade um die beiden Jägerinnen kümmert. Denen gehe ich lieber erstmal aus dem Weg. Also begleite ich Noroi zurück zum Versteck. Unterwegs erzähle ich ihm, wie ich ihm zuerst begegnet bin. Dummerweise vergesse ich dabei, dass ich von ihm rede, weil er ja nichts mehr davon weiß. “Ich hatte natürlich zuerst Angst, aber auf der anderen Seite sah er ziemlich gut aus - sag ihm bitte nicht, dass ich das gesagt habe - und außerdem wollte ich ja meine Schwester finden.“ Mein Begleiter sieht mich überrascht an. “Du findest mich gutaussehend?“ Ich schüttel den Kopf. “Nein, ich meinte... Oh... Ähm... Vergiss es einfach!“ Himmel, ist das peinlich! Warum bin ich kein Psiana geworden? Dann könnte ich mich in solchen Situationen einfach wegteleportieren. Und warum lächelt Noroi mich an, als wäre ich ein Evoli, das seine ersten Schritte macht? Hastig erzähle ich weiter. “Jedenfalls dachte ich zuerst, du wärst ein richtiger Geist und die leuchtenden Augen hinter dir machten das ganze auch nicht angenehmer. Es dauerte eine Weile und ich musste meine Tarnung aufgeben, um zu beweisen, dass ich eine Rainbowheart bin und wirklich nach Shay suche, weil sie meine Schwester ist, nicht, weil ich ihr etwas Böses will. Ich habe mein Leben lang auf sie aufgepasst, zumindest seit unsere Eltern von Jägern getötet wurden, aber wie gesagt, sie ist abgehauen und war zum ersten mal auf sich allein gestellt. Mehr oder weniger. Sie hat sich aber gut geschlagen... sie ist jetzt viel mutiger als ich. Und stärker. Aber das ist kein Wunder, sie hat schließlich bei Mewtu trainiert. Dieser Nightmare ist mir nur unheimlich...“ “Hat er nicht geholfen, dich zu befreien“, fragt Noroi etwas verwirrt. Ja, auch davon habe ich ihm erzählt. “Schon“, erwidere ich. “Aber er hat die Macht, andere zu kontrollieren. Erzähl mir nicht, dass das nicht unheimlich ist.“ Noroi zuckt mit den Schultern. “Deine Schwester kam doch gut mit ihm zurecht, oder nicht? Hattest du nicht gesagt, sie hätte die meiste Zeit die Kontrolle gehabt?“ Das stimmt. Mir fällt kein passendes Argument ein, also schweige ich. Wir sind sowieso fast da. Rot wartet schon am Eingang. Ich erkläre ihm kurz die Situation, dann überlasse ich Noroi das Reden. “Ich möchte wieder wissen, wer ich bin.“ Rot starrt ihn eine Weile an, dann nickt er. Er geht rein und kommt kurz darauf mit Blaus Simsala wieder. Das Simsala erschafft eine Fläche, die wohl als Bildschirm dient. Farben flackern über der Fläche, bevor schließlich ein scharfes Bild entsteht. Zu sehen ist ein Noroi als Kleinkind, wie er mit Rot spielt. Von Rot sieht man allerdings nur die Arme und Hände. Dann hebt ein Mann, scheinbar ein Rainbowheart, Noroi hoch. Er wechselt ein paar Worte mit der Mutter von Rot und Noroi, dann geht er und nimmt Noroi mit. Die Mutter sieht ihnen besorgt hinterher. Ihr Blick wandert zu einem Bild von einem anderen Mann, der leichte Ähnlichkeit mit Rot hat. Wahrscheinlich ist das der Vater von Rot und der Mann, der eben mit Noroi das Haus verlassen hat, war der Vater von Noroi. Das Bild verschwimmt und die Szene wechselt.
    Jetzt ist Rot im Turm von Lavandia. Offensichtlich ist er zu dem Zeitpunkt schon ein Trainer, also muss er mindestens zehn Jahre alt sein. Er geht die letzten Stufen zur nächsten Etage hoch und sieht sich plötzlich von Creepymon - meist verfluchte oder nach Rache sinnende Wesen aus Geistergeschichten - umzingelt. Doch bevor irgendjemand verletzt werden kann, stellt sich Noroi dazwischen. Er ist noch jung, aber er übt einen starken Einfluss auf die Creepymon aus. Nachdem sie sich zurückgezogen haben, dreht Noroi sich um und umarmt seinen Halbbruder. Er beginnt, zu erzählen, wovon auch immer. Man hört keinen Ton. Das Bild verschwimmt erneut. Als es wieder scharf wird, hat sich nur wenig verändert. Noroi ist größer und älter geworden, weshalb ich vermute, dass auch Rot nun älter ist. Noroi zeigt ihm ein Plakat mit der Überschrift 'Theorien, warum ich als schillerndes Mega-Gengar geboren wurde'. Die beiden scheinen sich darüber zu unterhalten. Dann verschwimmt das Bild noch einmal.
    Die nächste Szene kenne ich. Rot empfängt uns in seiner Höhle auf dem Silberberg. Von da an kommt alles, was wir zusammen erlebt haben, nur aus Rot's Sicht. Als sie ended, sieht Rot zu seinem Halbbruder, der offensichtlich gerade versucht, das alles zu verarbeiten. “Du bist du.“

    - Shay's Sicht -

    Zum Glück konnte ich alle überzeugen, die beiden Jägerinnen in Ruhe zu lassen. Jetzt habe ich noch etwas anderes vor. Seit längerem hat niemand etwas vom Krieg gehört. Ich möchte einmal dort vorbeischauen, für den Fall, dass ich noch helfen kann. Auf halbem Weg bleibe ich stehen und seufze. “Wie oft soll ich es dir noch sagen? Du bist nicht mehr an mich gebunden.“ “Das heißt nicht, dass ich dir nicht helfen kann“, ertönt Nightys Stimme aus einem Baum über mir. Er springt runter und rollt sich elegant ab. “Außerdem wütet Dreamy irgendwo auf der anderen Seite. Wer weiß, was das Mädel in ihrem Zorn anstellt.“ Ich verschränke die Arme. “Kommt es mir nur so vor, oder bist du ein ganzes Stück selbstbewusster, wenn du in deinem eigenen Körper bist?“ Nighty lacht. “Ich bin immer selbstbewusst... solange ich Kontrolle über den Körper habe, in dem ich gerade bin.“ Ich zucke mit den Schultern. “Tja, nicht mit mir. Mein Körper, meine Regeln.“ Ich sehe ihn von der Seite an. “Das gilt eigentlich für alle Personen, egal ob Mensch, Rainbowheart oder was es sonst so alles gibt. Du solltest es also unterlassen, Körper zu kontrollieren.“ “Okay.“ Überrascht sehe ich auf. “Was?“ Nighty lächelt. “Ich sagte 'Okay'. Ich höre auf. Oder hast du das nur so gesagt?“ Ich schüttel den Kopf. “Nein, aber... Ich hätte nie gedacht, dass du einfach damit aufhören würdest. Ich meine, du machst das doch bestimmt schon dein ganzes Leben, oder nicht?“ “Seit ich zwölf bin“, antwortet Nighty. “Aber warum nicht? Du hast mir gezeigt, wie es ist, keine Kontrolle über seinen Körper zu haben. Das war alles andere als angenehm. Gut, es ist nicht mein Körper, aber du weißt schon, was ich meine. Es war auf jeden Fall kein tolles Gefühl. Also lasse ich es sein. Ich übernehme Körper nur noch in Notfällen, wie ich es mit dem einen Monsterheart gemacht habe. Versprochen.“ Er hält mir den kleinen Finger hin. Ich hake mich mit meinem eigenen ein und lächel. “Wenn du dein Versprechen brichst, hacke ich deinen kleinen Finger ab.“ “WAS!“ Erschrocken springt Nighty zurück. Ich lache. “Das war ein Witz. Meine Schwester hat mir das früher angedroht, damit ich mein Versprechen auch wirklich halte. Aber sie hat es nie wirklich ernst gemeint.“ Nighty atmet erleichtert auf. Ich ziehe eine Augenbraue hoch. “Du hättest mir das wirklich zugetraut?“ Sein Blick sagt wirklich alles. Ich schüttel den Kopf. “Unfassbar. Egal, lass uns weitergehen, sonst ist es eventuell zu spät.“ Glücklicherweise ist es nicht mehr weit. Als wir am Übergang ankommen, finden wir dort die Polizei vor. Was machen die hier? Vorsichtig komme ich näher und spreche eine Polizistin an. “Entschuldigen sie, Ma'am, ist etwas vorgefallen?“ Die Polizistin dreht sich um. “Wir wurden gebeten, hier eine Organisation abzufangen, die furchtbare Experimente getrieben hat und versucht, eine Spezies auszulöschen.“ Hat Dreamy ihnen das erzählt? Die Polizistin seufzt. “Wir können nicht noch länger warten. Sie hätten längst hier sein müssen.“ “Ich könnte drüben nachsehen“, biete ich an. Bevor ich eine Antwort bekomme, laufe ich los. Nighty folgt mir. Natürlich. In der Rainbowheart Welt angekommen sehe ich mich um. Weit und breit keine Organisation zu sehen. Plötzlich werde ich von beiden Seiten angegriffen. Doch das Training mit Mewtu hat mir gute Reflexe verleiht. Die ersten Angriffe schlage ich unbeschadet zurück. Dann werde ich getroffen. Es tut furchtbar weh. Blut fließt meinen Arm hinab. Die Magie ist also noch schwächer geworden, wenn ich, die gerade aus der Pokémon Welt gekommen ist, so schlimm verletzt werden kann. Nighty hilft mir, die Menschen zurückzuhalten. Ich werde noch einmal getroffen, diesmal am Bein. Diese Bastarde müssen so schnell wie möglich außer Gefecht gesetzt werden, aber unter diesen Umständen kann ich nicht kämpfen. Ich sehe zu Nighty. “Rückzug!“ Er nickt und wir wechseln wieder auf die andere Seite. Ein paar Rüpel sind dämlich genug, uns zu folgen. Sie werden augenblicklich festgenommen. Ich sehe zu der Polizistin, mit der ich eben gesprochen habe. “Sie verstecken sich. Als wir drüben angekommen sind, haben sie einen Überraschungsangriff gestartet.“ Die Polizistin seufzt. “Dann regeln wir die Sache anders. Könnt ihr uns helfen?“

    - Erzählersicht -

    Dreamy ist unruhig. Irgendwas stimmt nicht. Sie wollte Team Spaceship verfolgen und sichergehen, dass sie die Welt wirklich verlassen, aber sie sind ihr entwischt. Trotzdem sind sie nicht wiedergekommen. Warum? Nicht, dass es sie stören würde. Es gibt mehr Verletzte als Kampffähige auf der Rainbowheart Seite. Prinzessin Luna verliert langsam den Mut. Die allgemeine Moral ist sehr niedrig, auch wenn Riala sich alle Mühe gibt, sie aufrechtzuerhalten. Die Verluste sind einfach zu groß. Und der Magieschwund wird immer schlimmer. Ein junges Rainbowheart-Mädchen hat sich in ein pokémonartiges Wesen verwandelt, ein Junge wurde vollständig zu einem Menschen, sehr zum Schrecken des Volkes und obendrein ist der Himmel in Tag und Nacht geteilt, auch wenn das von den Lichtverhältnissen her kaum auffällt. Dazu kommt eine immer schlimmer werdende Hitze und täglich mindestens ein Gewitter. Vielleicht ist das der Grund, warum Team Spaceship nicht weiterkämpft. Vielleicht wollen sie einfach einer potentiellen Apokalypse entgehen. Vielleicht haben sie in Wahrheit noch mehr Angst als die Rainbowheart. Das ist die einzige, für Dreamy logische Erklärung.

    53
    Kapitel 51
    Alte Bekannte


    - Erzählersicht -

    Die nächsten Tage verstecken die Leute von Team Spaceship sich, doch dann lassen sie sich plötzlich auffällig freiwillig gefangen nehmen. Ihren Grund äußern sie nicht direkt. Mark deutet nur an, dass der Rainbowheart Welt nicht mehr viel Zeit bleibt. Das ist für Shay ein Signal, einzugreifen. Schließlich sind ihre Freunde noch dort. Nightmare kommt mit, auch wenn er nichts damit zu tun hat. Den Grund möchte er nicht nennen. Es ist auf eine unheimliche Weise ruhig in der Rainbowheart Welt, als würde alles den Atem anhalten. Das Schlachtfeld wird gerade geräumt, aber die Rainbowheart sind vorsichtig. Beinahe wären Nightmare und Shay geköpft worden. Nach ausreichend Beweisen, dass sie Rainbowheart sind, werden sie gefesselt und ins Lager gebracht. Riala mustert die Neuankömmlinge eindringlich von oben bis unten. Ein paar Tests werden durchgeführt, ob die Gefangenen auch wirklich eindeutig Rainbowheart sind. Dann noch ein paar Tests, um zu sehen, ob sie vertrauenswürdig sind. Dann noch ein paar Tests, um herauszufinden, wer sie sind und was sie wollen. Weil fragen auch nach dem Vertrauens-Test nicht sicher genug ist. Weder Shay noch Nightmare nehmen es ihnen übel, auch wenn einige Sachen sehr unnütz erscheinen. Geduldig lassen sie alles über sich ergehen. Schließlich lassen die Rainbowheart Shay und Nightmare zu Luna. Sie wurde in einer eilig vorbereiteten Zeremonie offiziell zur Königin gekrönt und ist damit die jüngste Königin, die es je in der Rainbowheart Welt gab. Luna fühlt sich gar nicht wohl in ihrer neuen Rolle und ist froh über jegliche Hilfe von Riala, welche ihr kurzerhand ihre Aufgaben erklärt hat und ihr beigebracht hat, wie man sich als Königin in solch einer Krise verhält. Doch alles Benehmen und alle Zurückhaltung ist vergessen, als sie Shay sieht. Trotz Rialas Protesten umarmt sie Shay stürmisch. Die Leute, die Shay und Nightmare aus nächster Nähe bewachen sollen, sehen etwas verzweifelt zu Riala. Was, wenn das Flamara-Mädchen doch angreift? Ihre neue Königin verletzen können sie nicht. Riala sorgt für Ordnung. “Königin Luna. Setzen sie sich bitte wieder. Sie können auch aus einiger Distanz mit ihrer alten Freundin plaudern.“ Bei der Bezeichnung Königin zuckt Luna zusammen und verzieht kurz das Gesicht, lächelt dann aber tapfer und setzt sich. “Also, Shay, wie geht es deiner Schwester? Du musst sie und die anderen befreit haben, sonst wäre Mark sicherlich nicht hier aufgetaucht.“ Shay lächelt. “Es geht ihr gut. Allen geht es gut. Sie haben sich erholt und in den Stadtbewohnern neue Freunde gefunden. Lilly versucht, noch mehr Leute auf Rainbowheart aufmerksam zu machen und dafür zu sorgen, dass wir geschützt werden.“ Lunas Augen leuchten vor Freude. “Das ist wunderbar! Und... wer ist der Darkrai-Junge? Dein Freund?“ “Lange Geschichte“, erwidert Shay. “Aber genug von mir. Team Spaceship ist freiwillig in die Arme der Polizei gelaufen, mit der Begründung, diese Welt hätte nicht mehr viel Zeit. Was ist hier los?“ Luna seufzt. “Die Magie schwindet weiter. Und schneller. Wir kennen die Ursache nicht, deswegen können wir nichts dagegen unternehmen. Angeblich gibt es eine Gruppe... eine Art Kult. Diese Leute sollen mehr darüber wissen. Aber alle, die nach der Gruppe suchten, verschwanden und tauchten nie wieder auf.“ “Ich könnte es versuchen“, schlägt Shay vor. “Ich bin schließlich hierher gekommen, um zu helfen.“ Luna schüttelt den Kopf. “Nicht, dass ich nicht in deine Fähigkeiten vertraue, aber ich möchte dich noch einmal daran erinnern, dass die Magie schwindet. Es klingt zwar einfach, aber es wird garantiert komplizierter, als das Hauptquartier von Team Spaceship zu infiltrieren und die Rainbowheart zu retten.“ Shay lächelt zuversichtlich. “Ich schaffe das schon. Aber ihr solltet wirklich hier weg. Lilly sorgt dafür, dass sich die Lage für uns Rainbowheart in der Pokémon Welt bessert. Es ist dort im Moment sicherer als hier.“ Traurig sieht Luna sie an. “Ich kann dich nicht davon abhalten, oder?“ Shay schüttelt den Kopf. “Keine Chance!“ Luna seufzt, lächelt dann aber schwach. “Also gut. Viel Glück.“ “Hey, keine Sorge, ich passe auf Shay auf.“ Nightmare grinst breit. Shay rollt mit den Augen. “Ich hatte eigentlich nicht vor, weiter für dich den Babysitter zu spielen.“ “Hey!“ Luna kichert. “Nun, ich verlasse mich auf dich... ähm?“ Nightmare lächelt. “Nightmare. Mein Name ist Nightmare.“ Die junge Königin nickt. “Ich verlasse mich auf dich, Nightmare.“ Shay seufzt. “Also gut, dann lass uns keine weitere Zeit verschwenden. Finden wir diese Kult-Gruppe.“

    Währenddessen...

    Nemaja fällt es immer schwerer, Ruhe zu bewahren. Nicht nur ist sie mit Lucas in der Pokémon Welt gelandet, sie ist auch noch an einem Ort, den sie überhaupt nicht kennt. Gut, es ist besser, als tot zu sein, aber sie ist auf einer von Menschen bewohnten Insel und hat keine Möglichkeit, von dort wegzukommen. Falls man das Insel nennen kann. Es ist eher ein großes, weißes Gebäude mitten im Ozean. Überall laufen Leute in weißen Klamotten herum. Bisher konnten sie und Lucas den Menschen aus dem Weg gehen, aber wie lange noch? Sie haben kaum Möglichkeiten, sich zu verstecken. Und die weiß gekleideten Leute scheinen diesen Ort besser als sich selbst zu kennen. Vorsichtig lotst Nemaja Lucas an ein paar Menschen vorbei, als sie plötzlich von hinten gepackt wird. Gut, normalerweise könnte man sie für einen Menschen mit einem seltsamen Hut halten, doch sie sind in einer ziemlich dunklen Ecke und ihr Hut leuchtet. Lucas ist mit dem Panzer auf seinem Rücken noch auffälliger. Erschrocken und panisch dreht Nemaja sich um. Sie sieht in das Gesicht eines Menschenjungen, der etwa in ihrem Alter sein dürfte. Seine grünen Augen mustern sie eindringlich. Hinter ihm sieht sie ein Pokémon, von dem sie bisher nur Gerüchte gehört hat: Amigento. “Wer seid ihr?“, fragt der Menschenjunge mit drohendem Unterton. Nemaja schweigt. Ihr Gehirn scheint nicht mehr richtig zu funktionieren. Irgendetwas in ihr freut sich, diesen Jungen zu sehen. Ein anderer Teil von ihr ist drauf und dran, ihn zu attackieren und mit Lucas davonzulaufen, obwohl sie weiß, dass das nie im Leben klappen würde. “Wer seid ihr?“, fragt der Junge noch einmal und sein Amigento kommt langsam näher. Ängstlich rückt Lucas näher zu Nemaja, obwohl er so näher am Menschenjungen ist. Nemajas Gehirn arbeitet. Amigento war nicht die erste und einzige Form. Es ist eine Weiterentwicklung. Woher weiß sie das? Sie kommt nicht darauf. Sie weiß auch nicht mehr, wie die Vorentwicklung aussah und wie sie hieß. Und dieser Junge... Nemaja mustert seine grünen Augen und seine blonden Haare. “Hörst du mir zu! Wer seid ihr?“ Der Junge verliert langsam die Geduld. Das Amigento kommt noch näher. Lucas wimmert. “Nemaja, ich hab Angst...“ Der Junge reißt die Augen auf. “Nemaja?“ Abrupt lässt er sie los, was Nemaja dazu veranlasst, rückwärts hinzufallen. Der Junge zuckt zusammen. “Tut mir leid. Komm, ich helfe dir.“ Er hält Nemaja die Hand hin. Nemaja streckt die Hand aus, zögert dann aber. Sie sieht zu ihm hoch. Irgendwie hat sie ein Dejá vu. Dann setzen sich die Puzzelteile in ihrem Hinterkopf zusammen.

    - Nemajas Sicht ~ Flashback -

    Alola ist voller freundlicher Leute. Als Rainbowheart hatte ich es hier gut getroffen. Trotzdem haben mir meine Eltern immer wieder gesagt, ich solle vorsichtig sein. Touristen sind oft nicht so rücksichtsvoll wie die Bewohner. Sie könnten mich einfangen. Damals war ich alles andere als still und schüchtern. Und ich war alles andere als vorsichtig. Eines Tages rannte ich mit voller Wucht in jemanden hinein und fiel hin. Mein Gegenüber fluchte und brüllte mich an, ich solle aufpassen. Ich sah auf und entschuldigte mich. Dann musterte ich die Person. Ein Junge, vielleicht in meinem Alter, sah auf mich herab. Er war eindeutig ein Mensch. Zwar waren seine blonden Haare zu einer sehr seltsamen Frisur geschnitten, aber erstens würde mir keine Pokémon Art einfallen, die ihm ähnlich sieht, und zweitens haben Rainbowheart ein Gespür für das Erkennen der Rasse des Gegenübers. Es sah ganz so aus, als wäre er auf der Flucht. Seine Hand umklammerte einen Pokéball, als hinge sein Leben davon ab. Ich sah in die grünen Augen des Jungen. “Brauchst du Hilfe? Ich könnte dich vorübergehend verstecken, wenn du möchtest.“ “Ich... ich brauche keine Hilfe! Ich komme alleine klar!“ Ich rollte mit den Augen. “Schon, aber das macht alles nur unnötig kompliziert, glaub mir. Alleine etwas durchzustehen ist selten eine gute Idee. Wir kennen uns zwar nicht, aber alles ist sicherer, als die ganze Zeit davonzulaufen.“ Ich streckte die Hand aus. “Mein Name ist Nemaja. Ich bin eine Rainbowheart.“ Der Junge zögeret, doch als wir in der Ferne Stimmen hörten, traf er schnell eine Entscheidung. Er nahm meine Hand und zog mich hoch. “Mein Name ist Gladio. Und... Danke für deine Hilfe.“

    - Flashback Ende ~ Erzählersicht -

    Abwartend sieht der Junge Nemaja an. Diese nimmt seine Hand und er zieht sie hoch. Lucas merkt, dass sie ruhiger ist und entspannt sich ebenfalls. Der Menschenjunge hingegen sieht verunsichert aus. Er überlegt, ob er vielleicht einen Fehler gemacht hat. Doch Nemaja lächelt, zum ersten mal seit einer Ewigkeit. “Lange nicht mehr gesehen, Gladio.“

    54
    Kapitel 52
    Zählt ein Hinterhalt als Hinterhalt, wenn er erwartet wird?


    - Shay's Sicht -

    Ich hoffe, dass Luna und die anderen meinem Rat folgen und in die Pokémon Welt gehen. Hier zu bleiben könnte gefährlich werden. “Und, wohin gehen wir?“ Ich sehe zu Nighty. “Keine Ahnung. Wir haben nicht mal einen Anhaltspunkt. Aber ich muss es versuchen.“ Dieser seufzt. “Na super. Weißt du eigentlich, wie groß diese Welt ist?“ Ich rolle mit den Augen. “Sie ist deutlich kleiner als die Pokémon Welt. Du hättest ja nicht mitkommen brauchen.“ “Natürlich komme ich mit! Denkst du ernsthaft, ich lasse dich das alleine machen?“ Bei Nightys Gesicht muss ich lächeln. “So, wie du mir in letzter Zeit gefolgt bist nicht, nein.“ “Was soll das denn-!“ “Aber danke.“ Überrascht sieht Nighty mich an. “Was?“ “Natürlich gehst du mir etwas auf die Nerven. Doch wäre ich alleine, wäre ich wohl jetzt schon am Rande der Verzweiflung. Ich würde über alle Möglichkeiten nachdenken, wie das hier schiefgehen könnte. Also danke, dass du mich begleitest.“ Nighty wendet seinen Blick ab. Habe ich etwas falsches gesagt? “Bist du immer so offen anderen gegenüber?“, fragt er so leise, dass man meinen könnte, er würde gar nicht mit mir reden. “Nein“, antworte ich ehrlich. “Aber du hast sowieso schon eine Zeit lang in meinen Gedanken gewühlt. Vor dir gibt es nichts mehr zu verbergen.“ “...“ Ich wundere mich nicht über Nightys Stille. Irgendwie habe ich schon länger das Gefühl, dass er sich schlecht fühlt, weil er so sehr in meine Privatsphäre eingedrungen ist, aber wir reden eigentlich nicht darüber. Wir gehen schweigend weiter.
    Über die nächsten Stunden gibt es nicht viel zu sagen. Zwischendurch regnet es leicht, aber nicht lange. Natürlich finden wir nichts. Leider. Wenigstens einen Hinweis hätte ich gerne gefunden. Nicht, dass ich etwas anderes erwartet hätte, aber man kann ja hoffen. Nightmare ist glücklicherweise wieder gesprächiger geworden. Plötzlich wird es kälter. Ich sehe auf. Vor uns ist ein halb geschmolzenes Schneefeld. Nightmare runzelt die Stirn. “Das sollte das Winter-Königreich sein. Was ist hier los?“ Ich seufze. “Noch mehr Folgen vom Magieschwund, schätze ich. Beeilen wir uns.“ Ich finde zwar, dass dieser Ort auch mal andere Jahreszeiten vertragen könnte, doch das liegt daran, dass sich die Jahreszeiten in der Pokémon Welt ändern, wenn auch an einigen Orten nur ein wenig.
    Den ersten Hinweis finden wir jedoch erst zwei Tage später, in einem unscheinbaren Dorf nahe an der Grenze zum Frühlings-Königreich. Wir wollten uns dort mit Proviant eindecken und erfuhren von einem Bauern, dass nahe des Himmelsschlosses etwas verdächtiges vorgeht. Also machen wir uns auf in Richtung Himmelsschloss.

    - Erzählersicht -

    Tatsächlich folgt Luna - nach einer ausführlichen Besprechung mit Riala - Shays Rat und evakuiert die Rainbowheart in die Pokémon Welt. Es ist ein größerer Aufwand als geplant, weil gerade die Bewohner abgelegender Dörfer noch viele Besitztümer haben, an denen sie sehr hängen, doch nach einem kleinen Gespräch kann Luna sie schnell überreden. Einige loben sie, dass sie so schnell in ihre neue Rolle hineinwächst, aber Luna ist eher wenig überzeugt. Ohne Riala wäre sie vollkommen aufgeschmissen. Was sie nicht weiß, ist, dass es Riala genauso geht.
    Die meisten Mitglieder der M.P.O. sind im Krieg getötet worden und die Monsterheart sind nach und nach umgekommen. Somit hatte Riala keine Aufgabe mehr und war dazu auch noch allein. Als dann die kleine Luna sie um Hilfe bat, fiel ihr ein Stein vom Herzen. Sie hatte wieder eine Aufgabe. Sie war nicht mehr allein. Zwar ist sie kein Experte, wenn es um die Erziehung einer Prinzessin zur Königin geht und weiß auch nicht, wie man ein kaputtes Reich regiert, doch sie weiß definitiv, was das Volk am dringendsten braucht: Jemanden, auf den sie sich verlassen können. Und da sie selbst zu dem Volk gehört - oder gehört hat - kennt sie auch die ungefähren Denkweisen der Leute. Natürlich weiß sie, dass Luna alles andere als begeistert von ihrem neuen Titel ist und sie weiß auch, dass jemand so junges wie Luna nicht über ein ganzes Reich regieren kann und sollte, doch wer sonst ist noch übrig? König Cheluo vom Herbst-Königreich ist tot, genauso wie König Leander vom Frühlings-Königreich. Dessen Sohn Sky, der eigentlich den Thron übernehmen sollte, ist spurlos verschwunden. Dasselbe gilt für Königin Iriana vom Sommer-Königreich und ihre Schwester, Königin Malea vom Winter-Königreich. Wobei die Verwandtschaft der beiden bei den anderen Königreichen schon immer Misstrauen hervorgerufen hat. Selbst Helia ist nicht mehr aufzutreiben. Und Sol... nun, er ist nur ein Jahr älter als Luna. Außerdem ist er höchstwahrscheinlich als Monsterheart umgekommen. Luna weigert sich jedoch, ihn für tot zu erklären. Fürs erste ist das wahrscheinlich besser. Sie muss stark für das Volk sein. Doch wenn das alles vorbei ist, muss Riala noch einmal mit ihr reden.

    Währenddessen...

    “Dad, warum tust du nichts!“ Kiron ist außer sich vor Zorn. “Dass du dich nicht in den Krieg eingemischt hast ist vielleicht noch verständlich, aber warum kannst du die Rainbowheart Welt nicht retten? Du hast mich gerettet, warum also nicht die anderen? Bist du wirklich so selbstsüchtig? Hast du denn gar kein Mitgefühl?“ “Genug.“ Arceus sieht seinen Sohn nicht einmal an. “Dass ich dich hierher geholt habe war schon mehr als gefährlich. Und tatsächlich sehr selbstsüchtig. Die Welt der Rainbowheart wurde schließlich nicht von mir erschaffen, sondern von den vier Königshäusern. Hast du denn gar nichts aus deinen vielen uralten Büchern gelernt?“ Kiron schweigt. Er hat sich nie für Geschichte interessiert. Kräuterkunde und dergleichen findet er viel interessanter. Arceus seufzt. “Natürlich nicht. Vielleicht hättest du doch hier aufgezogen werden sollen. Nun, dann holen wir das mal nach.“ Kiron schnaubt. “Nein, danke. Kein Interesse.“ “Willst du meine Handlungsweisen verstehen oder nicht?“ Schweigen. Arceus sieht das als Zeichen, die Geschichte zu beginnen. “Rainbowheart lebten vor langer Zeit schon einmal in der Pokémon Welt, doch damals waren sie noch viel mächtiger. Selbst Neugeborene hatten schon genug Kraft, um ein gut trainiertes Garados zu besiegen. Natürlich konnten sie noch nicht kämpfen, doch das mussten sie auch nicht, denn ihre Eltern waren noch stärker. Trotzdem wurden sie auch damals schon gejagt. Schließlich taten sich vier besonders starke Rainbowheart zusammen, um eine neue Welt zu schaffen: Ein Lavados-Rainbowheart namens Summer, ein Suicune-Rainbowheart namens Winter, ein Viridium-Rainbowheart namens Spring und ein Xerneas-Rainbowheart namens Autumn. Sie erhielten zwar Hilfe von anderen Rainbowheart, doch das meiste erledigten sie selbst. Ich habe zwar die Rainbowheart erschaffen, doch sie haben mit mir eine Abmachung getroffen. Ich darf über die Welt wachen, darf aber nur mit ihrer Zustimmung eingreifen. Die Welt sollte nur so lange existieren, wie ihre Blutlinien es tun. Die vier teilten die neue Welt in fünf Königreiche auf. Spring bekam das Frühlings-Königreich, Summer das Sommer-Königreich, Autumn das Herbst-Königreich, Winter das Winter-Königreich und die Rainbowheart, die mitgeholfen haben, bekamen den Ozean. Natürlich waren diese darüber etwas enttäuscht, schließlich waren nicht alle von ihnen Wasser-Pokémon, aber darum geht's hier nicht. Um die Namen ihrer Königreiche zu ehren, herrschte jeweils nur eine Jahreszeit. Somit waren sie auf Handel und Zusammenarbeit angewiesen. Clevere Leute. Leider konnte das keinen Krieg verhindern, aber auch darum geht es hier nicht. Eine Blutlinie ist ausgestorben und die drei anderen Herrscher sind verschwunden. Ich habe die Mew-Geschwister losgeschickt, um zu überprüfen, ob sie noch leben. Aber so, wie es in der Rainbowheart Welt im Moment aussieht...“ Er schüttelt den Kopf. “Winters Blutlinie scheint auch nicht mehr zu existieren. Bleiben nur noch Spring und Summer.“

    - Shay's Sicht -

    “Warte, Shay.“ Nightmare packt mich am Arm und reißt mich so aus meinen Gedanken. Ich sehe in die Schlucht zu meinen Füßen. Fast wäre ich hineingefallen. Ich gehe ein paar Schritte zurück. “Danke.“ Doch Nighty hört mich gar nicht. Vorsichtig krabbelt er auf den Rand der Schlucht zu. “Dort unten ist etwas.“ Ich lege mich neben ihn und sehe nach unten. Doch etwas außergewöhnliches erkenne ich nicht. “Was-“ “Shh!“ Nighty hält mir den Mund zu. Ich sehe noch einmal genau hin. Ein Onix-Rainbowheart läuft dort unten herum. Oder schleicht. Er oder sie ist ziemlich langsam und kaum sichtbar. Wie ein Kecleon verschmilzt das Onix-Rainbowheart mit dem steinigen Hintergrund. Nur durch die Bewegung erkennt man die Person. Er oder sie geht zu einer glatten Steinwand und... klopft? Die Steinwand senkt sich zur Hälfte und das Onix-Rainbowheart klettert rein. Kaum ist er oder sie drin, schließt sich die Wand wieder. “Komm“, sagt Nighty plötzlich. “Wir müssen da runter.“ Er hebt mich hoch und fliegt mit mir runter. Ich habe fast vergessen, dass das Pokémon Darkrai die meiste Zeit schwebt. Somit bin ich erstmal überrascht, als ich den Boden unter den Füßen verliere. Zum Glück dauert es nicht lange. Ich bedanke mich bei Nightmare, nicht ohne mich über die fehlende Warnung zu beschweren. Dann gehe ich zu der Steinwand. Doch bevor ich anklopfen kann, hält Nighty mein Handgelenk fest. “Shay, denk mal in Ruhe nach. Glaubst du wirklich, dass man einfach anklopfen muss?“ Beschämt lasse ich den Kopf sinken. Ich wollte vorschnell handeln. Wir könnten kurz vor dem Ziel sein und ich habe mich von Ungeduld überkommen lassen. Nighty versucht, das Klopfrätsel zu lösen. Ich versuche, mich selbst zu beruhigen, aber irgendwas in meinem Hinterkopf macht mich nervös. Schließlich höre ich neben mir ein Seufzen. “Mach dich auf einen Hinterhalt gefasst.“ Ich nicke und bin sofort kampfbereit. Nighty klopft. Die Steinwand öffnet sich ganz und sofort sind wir umzingelt. Ich seufze. “Warum musstest du recht haben?“ Nighty zuckt mit den Schultern. “Wir sind eh nur für Informationen hier.“ Er sieht sich um. “Was wisst ihr über den Magieschwund?“ “Oh, seid ihr daran interessiert?“ Ich versuche, die Besitzerin der Stimme auszumachen, finde sie jedoch nicht. Nighty nickt. “Wir versuchen, es zu stoppen.“ “Dann seid ihr hier genau richtig“, antwortet die Stimme zuckersüß. “Mir nach.“ Wir bleiben umzingelt, das heißt, wir haben keine andere Wahl als ihr zu folgen, wenn wir Informationen wollen. Die Höhlenwände sind bemalt und vollgekritzelt. Scheinbar war jemandem langweilig. Schließlich kommen wir in eine größere, reichlich ausgestattete Höhle. “Psycho“, höre ich die Stimme rufen. “Wir haben neue Rekruten!“ “Wir sind keine Rekruten“, ruft Nightmare. “Wir wollen nur Informationen!“ Die Stimme kichert. “Zu spät. Jetzt seid ihr bereits hier. Und Psycho wird dafür sorgen, dass es auch dabei bleibt.“ Ein Kirlia-Rainbowheart kommt auf uns zu. Erschrocken reiße ich die Augen auf. “Yume!“

    55
    Kapitel 53
    Verrat(?)


    - Shay's Sicht -

    Yume sieht mich an, als hätte sie mich noch nie gesehen. Gut, damit hat sie recht. Aber ich hätte nie gedacht, dass ich so wenig Ähnlichkeiten mit meiner Schwester habe. “Ich bin die Schwester von Thea. Sie hat mir erzählt, wie du ihr geholfen hast.“ Yume reagiert überhaupt nicht. Sie steht vor mir und starrt mich ausdruckslos an. Ich seufze. “Sie hat mich nie auch nur mit einem Wort erwähnt, nicht war? So ist sie immer, wenn sie wütend auf mich ist. Aber hör zu, ihr geht es gut. Sie ist in der Pokémon Welt, wie alle anderen ehemaligen Gefangenen, die die Zerstäubung überlebt haben. Das war übrigens eine Art Folter. Sie waren so lange gefangen, bis sie sich selbst umgebracht haben. Verrückt, nicht war?“ Ich schüttel mich. “Das war grausam. Aber jetzt ist es endlich vorbei. Und die Bewohner der Stadt, in der das Versteck lag, geben sich alle Mühe, dass die Jagd auf Rainbowheart verboten wird. Ist das nicht fantastisch? ... Aber... trotzdem wollten wir diese Welt nicht einfach untergehen lassen. Deswegen brauchen wir Informationen.“ “Und wir brauchen Opfer“, wirft die noch immer nicht identifizierbare Stimme ein. “Seit Ewigkeiten versuchen wir, den großen Lord Arceus um Hilfe zu bitten. Bisher sind wir damit nicht weit gekommen, doch mit eurer Hilfe-“ “Danke, wir passen“, unterbricht Nighty schroff. “Wenn ihr uns nicht helfen könnt, gehen wir wieder.“ Die Stimme lacht. “Wie ich bereits sagte, dafür ist es zu spät.“ Ich überlege. Yume steht im Moment still, doch sie kann uns jederzeit Amnesie verpassen. Wenn wir versuchen, abzuhauen, kommen wir nicht weit. Wir können nur versuchen mitzuspielen. “Wie wär's, wenn wir zusammenarbeiten?“, schlage ich mit einem strahlenden Lächeln vor. Entsetzt sieht Nighty mich an. “Bist du verrückt, wir-“ Die Besitzerin der Stimme klatscht in die Hände. “Eine wunderbare Idee. Das sage ich zwar schon die ganze Zeit, aber egal. Wir haben schließlich ein gemeinsames Ziel. “Aber eure Wege sind falsch“, protestiert Nighty. Schritte kommen näher, eine junge Zoroark-Frau erscheint. Missbilligend schnalzt sie mit der Zunge. “Du hast keine Ahnung, Junge. Aber keine Sorge, das haben wir gleich. Psycho, Amnesie!“ “Wartet!“ Schnell stelle ich mich dazwischen. Die Zoroark-Frau schaut belustigt zu. “Du hängst sehr an ihm, hm?“ “Und wie“, lüge ich sie an. “Ich bringe ihn zur Vernunft, keine Sorge.“ Die Zoroark-Frau wirkt nicht überzeugt. “Du bist genauso neu wie er. Warum sollte ich dir vertrauen?“ Was soll ich dazu sagen? Sie hat keinen Grund, mir zu vertrauen. “Okay, hier ist der Deal“, sagt sie plötzlich. “Ihr erinnert euch an nichts außer euch gegenseitig. Alles, was ihr zusammen erlebt habt. Mit Außnahme, wie ihr diese Höhle gefunden habt. Einverstanden?“ Ich zögere. So lange kenne ich Nighty noch nicht. An meine Schwester könnte ich mich noch erinnern, doch viele andere Leute würde ich vergessen. Luna zum Beispiel, oder Nox und Onyx. Yvie und Phiona würde ich auch vergessen... “Einverstanden“, sagt Nighty plötzlich. Ich zucke zusammen und sehe zu ihm. Er lächelt traurig. “Tut mir leid, Shay. Ich weiß, dass deine Freunde dir wichtig sind. Aber der Verlust unserer Erinnerungen ist ein Preis, den wir zahlen müssen.“ Plötzlich wird mir schwindelig und ich falle hin. Dann wird mir schwarz vor Augen.

    - Erzählersicht -

    Thea zuckt zusammen, als ihr aufgeht, dass sie Jonas anstarrt. Er hat den Rainbowheart vor einer halben Stunde verkündet, dass es in Prismania City jetzt gesetzlich verboten ist, Rainbowheart zu jagen. Jetzt redet er mit den ehemaligen Jägerinnen. Thea muss sich immer noch wegen ihrem Verhalten entschuldigen, doch irgendetwas in ihr sträubt sich dagegen. Plötzlich setzt Tali sich zu ihr. Eigentlich wollte er Lilly helfen, jetzt, wo die Rainbowheart in der Stadt sicher sind. Aber offenbar dauert es noch etwas, bis er aufbricht. “Sie können dir nichts mehr tun. Geh hin.“ Verwundert sieht Thea zu ihm. “Was?“ “Geh hin und rede mit Jonas. Deswegen bist du doch hier, oder?“ Thea steht auf, ob vor Schreck oder Empörung weiß sie nicht. “Das habe ich nie... Woher willst du... Weißt du überhaupt... Was?“ “Alles okay?“ Jonas ist zu ihnen gekommen. Thea verschränkt die Arme. “Mir geht's super, vielen dank auch!“ Sie stürmt davon. Tali seufzt. “Genau so ein hoffnungsloser Fall wie ich...“ “Was meinst du?“, fragt Jonas verwirrt. Sofort ist Talis breites Lächeln wieder da. “Egal.“ Doch mit dieser Antwort gibt Jonas sich nicht zufrieden. “Nein ernsthaft, was meinst du?“ “Mein Raichu ist genauso aufbrausend“, erzählt Tali munter. “Aber ich weiß, dass es mich eigentlich mag. Sonst würde es nicht auf mich hören, wenn wir kämpfen. Nun, Thea hat mehr menschliche Eigenschaften als Raichu, aber trotzdem. Sie ähneln sich. Wahrscheinlich würde sie wütend werden, wenn sie mich hören würde.“ Er lacht. Jonas überlegt und lächelt schließlich. “Danke, Tali.“ Verwirrt sieht Tali zu ihm. “Ich hab doch gar nichts getan.“ Jonas klopft ihm auf die Schulter. “Du hast mehr getan, als du dir denken kannst.“ Er folgt Thea. Tali sieht hinterher und kann sich ein Seufzen nicht verkneifen. Wenn alle Mädchen so einfach zu verstehen wären wie Thea...

    Währenddessen...

    Gladio bekommt andauernd gesagt, dass er heute ungewöhnlich viel lächle. Lächelt er wirklich so viel? Oder, um es besser auszudrücken: Lächelt er sonst weniger? Er weiß es nicht und möchte eigentlich auch nicht fragen. Aber offenbar freuen sich die Mitarbeiter, dass er so 'viel' lächelt. Also scheint es nicht ganz nutzlos zu sein. Da kommen Lucas und Nemaja zurück und reißen ihn aus seinen Gedanken. Lucas sieht deutlich sauberer aus als vorher und trägt nicht mehr seine zerfetzten, verdreckten Sachen, sondern alte Klamotten von Gladio. Er sieht ein wenig lächerlich aus mit der kleinen Krawatte, aber es scheint ihm zu gefallen. Gut, alles ist besser als dreckige Lumpen. Seine Strubbelhaare wurden gekämmt und machen deutlich, dass er dringend zum Friseur muss. Auch Nemaja hat sich geduscht, gekämmt und neu eingekleidet. Sie trägt die Uniform für weibliche Mitarbeiter, bis auf den Hut, worüber Gladio insgeheim froh ist. Er fand es immer faszinierend, wie der Hut im Dunkeln leuchtet. Und das Letzte, was er gewollt hätte, ist, dass seine Kindheitsfreundin wie eine der Mitarbeiterinnen aussieht. Nicht, dass Nemaja eine Wahl gehabt hätte. Der Hut ist ein fester Bestandteil ihres Körpers. Zum Glück. In der Rainbowheart Welt konnte sie ihn irgendwann lösen und es war das gruseligste, was ihr je passiert ist. Und Lucas' Panzer sieht auch wieder aus wie ein Panzer und nicht wie ein Rucksack. Sie wünschte nur, sie wüsste, wie es ihren anderen Freunden geht. “Schick seht ihr aus!“ Nemaja zuckt zusammen. Die vertretende Leiterin des Æther-Paradieses, Pia, steht vor ihnen. “Ich hoffe, die Sachen sind bequem. Es ist das einzige, was wir euch anbieten können.“ Nemaja lächelt freundlich. “Sie sind wunderbar, vielen dank.“ Nach so vielen Jahren Angst sind freundliche Menschen wie Pia und die Angestellten im Æther-Paradies gewöhnungsbedürftig. Es schreit so sehr nach Falle, dass Nemaja kaum zur Ruhe kommt. Doch Pia tut ihr nichts. Sie wendet sich schnell wieder ihrer Arbeit zu. Nemaja wendet sich an Gladio. “Was hat sich denn alles in Alola verändert, während ich weg war?“ Gladio deutet mit einem Kopfnicken auf den Aufzug. “Wie wär's, wenn ich dir alles während des Rundgangs erzähle?“

    - Shay's Sicht -

    Erschrocken reiße ich die Augen auf. Irgendwas stimmt nicht. Ich versuche, mich zu erinnern, was passiert ist. Richtig, uns wurde das Gedächtnis genommen. Oder? Ja, richtig, unter bestimmten Bedingungen. Daran erinnere ich mich. Ich kann mich nur an das erinnern, was ich mit ihm zusammen erlebt habe. Und Nightmare hat zugestimmt. Obwohl er weiß, wie sehr meine Freunde mir am Herzen liegen. Dieser Mistkerl. Ich erinnere mich auch an alles, was ich mit ihm erlebt habe. Doch nur an ihn. Die Gesichter meiner Freunde sind verschwommen. Selbst das meiner Schwester. Ja, ich habe eine Schwester. Ein Blitza-Rainbowheart, glaube ich. Das würde die Farbe erklären. Ich erinnere mich nur nicht an ihr Gesicht. Und das macht mich fast noch rasender als der Fakt, dass ich mich nicht an meine Freunde erinnern kann. Wenn ich Nightmare finde, kann er sich auf ein paar Beulen gefasst machen. Ich richte mich auf und stelle fest, dass ich beobachtet werde. Mehrere Rainbowheart stehen um das Bett herum, in dem ich liege. “Was glotzt ihr so?“, fauche ich sie an. “Noch nie ein Flamara-Rainbowheart gesehen?“ Da entdecke ich Nightmare. “Du!“ Er zuckt zusammen. Ich springe auf und laufe auf ihn zu. “Was fällt dir eigentlich ein, du... du... du verfluchtes Monster?“ Ich kann sehen, dass er mich nicht ernst nimmt, dass er glaubt, ich würde mich gleich beruhigen und froh sein, dass er da ist. Ich gehe zwei weitere Schritte auf ihn zu und sehe ihn so bedrohlich wie möglich an, was gar nicht so einfach ist, da er größer ist als ich. “Hör mir gut zu. Ich nehme dir das übel. Sehr übel. Und sobald ich die Gelegenheit habe, werde ich mich rächen. Haben wir uns verstanden?“ Nightmare nickt nur, was mir zeigt, dass er mich immer noch nicht ernst nimmt. Naja, er wird schon draus lernen. Ich muss nur den richtigen Moment abpassen. Und nebenbei sollte ich zusehen, dass ich herausfinde, wie ich hier für Ordnung sorgen kann.

    56
    Kapitel 54
    Verloren


    - Shay's Sicht -

    Ich versuche, eine ruhige Ecke zu finden, doch ich bin neu hier und werde stark überwacht. Nur wenn ich ins Bad gehe, werde ich in Ruhe gelassen. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte ich, glaube ich, der Anführerin dieses nutzlosen Packs eine gescheuert. Diese macht sich übrigens fast durchgehend darüber lustig, wie aggressiv ich bin. Wenn ihr Freund sie so verraten hätte, wäre sie garantiert auch aggressiv. Wobei ich bezweifle, das jemand wie sie Freunde hat. Immerhin scheint an diesem Ort die Magie stabil zu sein. Die Frage ist, warum? Und hat es eine Verbindung mit dem Magieschwund vom Rest der Welt? Ich seufze und gehe in den Schlafsaal. Außer der Anführerin schlafen alle hier. Auf Matratzen. Dicht. An. Dicht. Urgh. Vielleicht sollte ich mich einfach irgendwo anders hinlegen. Ich bin ein Flamara Rainbowheart, ich erfriere nicht so schnell.

    Die Tage vergehen und obwohl man hier immer zur gleichen Zeit schläft, habe ich jegliches Zeitgefühl verloren. Mittlerweile kenne ich den Ort in und auswendig. Die meisten Ausgänge sind bewacht, nur eine Öffnung an der Höhlendecke in der Küche nicht. Na gut, theoretisch ist immer jemand in der Küche, aber es sind keine offiziellen Wachen. Diese Öffnung dient als Abzug und wird ständig erweitert, weil sie kaum hilft. Aber da ich weder fliegen noch besonders hoch springen kann, kann ich die Öffnung nicht erreichen. Mittlerweile bekomme ich ab und zu Aufgaben, die ich möglichst schnell erledige. Sobald ich fertig bin, erkunde ich weiter. Eines Tages finde ich plötzlich hinter einem schweren Wandteppich, den ich eigentlich einmal abklopfen sollte, eine Nische. Und in dieser Nische eine Öffnung. Leider ist sie ziemlich klein, aber es ist ein Anfang. Von da an gebe ich mir größte Mühe, das Loch zu erweitern. Ich muss tierisch aufpassen, dass ich nicht erwischt werde. Nightmare hätte es einmal fast geschafft, als er mich dazu bringen wollte, mit ihm zu reden. Was fällt ihm eigentlich ein? Nun, er soll es ruhig versuchen, solange er mich nicht dauerhaft verfolgt. Egal, es geht hier nicht um ihn. Zumindest nicht direkt. Ich muss irgendwie noch herausfinden, wie ich die anderen von ihrer Gehirnwäsche befreie. Das wäre bestimmt einfacher, wenn ich ein Psycho-Rainbowheart wäre. Vielleicht wäre es klüger, eine Liste zu schreiben. Nein, furchtbare Idee. Wenn die gefunden wird, bin ich aufgeschmissen. Ich seufze und lehne mich an die Wand der Nische. Warum muss das alles so furchtbar kompliziert sein?

    - Thea's Sicht -

    Vor zwei Tagen bin ich Prinzessin Luna begegnet. Tut mir leid, ich meine Königin Luna. Sie hat das Volk nach Prismania City gebracht. Es dauert natürlich eine Weile, bis sie sich einleben, deshalb behält Königin Luna ihren Titel noch eine Weile. Sie wird stets von niemand geringerem als Riala begleitet. Die Frau lächelt immer zuversichtlich und freundlich, doch ich bin sicher, dass sie genauso erschöpft ist wie alle anderen. Und deshalb kann ich sie irgendwie nicht mehr hassen. Luna kann ihren Zustand nicht ganz so gut verbergen wie Riala, aber das nehme ich ihr nicht übel. Sie dürfte ungefähr so alt wie Lilly sein, wenn nicht ein bisschen jünger. Viel zu jung, um die Verantwortung über ein ganzes Volk zu haben. Riala und Jonas tauschen sich regelmäßig aus. Ich habe keine Ahnung, worum es geht, aber ich habe auch keine Zeit, mir darüber den Kopf zu zerbrechen. Ich mache mir Sorgen um Shay. Ich weiß, sie hat mich gerettet, ich weiß, sie kann auf sich selbst aufpassen, aber ich vertraue. Diesem. Nightmare. Nicht. Da können mir alle zehnmal erzählen, dass er geholfen hat, mich zu befreien. Aber ich bin ja nur Thea. Ich bin ja nur eine verängstigte Rainbowheart aus der Pokémon Welt. Manchmal bin ich drauf und dran, in die Rainbowheart Welt zu gehen, doch an diesem Punkt wäre das wohl Selbstmord. Es sei denn... Ich lerne, ohne meine Rainbowheart-Kräfte zu kämpfen. Es gibt einen Schwarzgurt in der Stadt, vielleicht kann er mir helfen... bei dem Gedanken muss ich lachen. Ich verlasse mich schon wieder auf die Hilfe von Menschen. Bisher hat es geklappt, wenn auch nie so wie erwartet. Doch ganz wohl dabei fühle ich mich immer noch nicht. Auf der anderen Seite... je länger ich Shay warten lasse, desto mehr kann schief gehen. Ich muss es durchziehen.

    - Erzählersicht -

    Zap und Ayur haben Kyle viel zu erzählen, genauso wie Kyle ihnen viel zu erzählen hat. Nemaja ist nicht bei ihm und Yume und Cruncher scheinen auch noch verschwunden zu sein. Nun, eigentlich wissen sie ja, was mit Nemaja passiert ist. Sie wollen es nur nicht wahrhaben. Außerdem scheint Kyle noch jemand anderes verloren zu haben, doch er möchte nicht darüber reden. Zap und Ayur dürfen zu Kyle in die Wohnung ziehen. Die meisten befreiten Rainbowheart haben eine Wohnung bekommen. Die die keine haben, wollten schlicht und einfach nicht. Gerade jene, die in der Wildnis aufgewachsen sind, wollten dorthin zurückkehren. Zap seufzt. “Immerhin geht es Thea gut. Sie macht sich zwar Sorgen um ihre Schwester, ist aber unverletzt.“ Kyle interessiert sich nicht für Thea. Er hasst sie zwar nicht mehr und vertraut ihr sogar halbwegs, doch er und sie werden niemals Freunde werden. Sagen tut er nichts. Er möchte seine Freunde nicht noch weiter runterziehen. Also lenkt er das Thema auf Königin Luna. “Was meint ihr, hält die Königin noch lange durch?“ Ayur nickt. “Ja, bis es vorbei ist. Aber dann wird sie zusammenbrechen. Armes Mädchen...“ Zap schweigt. Das macht er häufig, seit er der geheimnisvollen Gruppe entkommen ist. Er erinnert sich kaum an die Ereignisse dort, doch er hat Albträume, in denen er unzusammenhängende, dafür gruselige Stimmen hört. Sollte Theas Schwester diese Gruppe finden... hoffentlich geht alles glatt. Vielleicht findet sie sogar Yume und Cruncher.

    Währenddessen...

    Trichors Verwandlung ist langsam, aber stetig. Es ist noch lange nicht alles geschafft, doch da fast alle Rainbowheart in die Pokémon Welt umgezogen sind, wurde ihm eine große Bürde bereits genommen. Nun fehlen nur noch die restlichen Rainbowheart, möglichst viele Pokémon und die Überlebenden vom verschollenen Reich, welche zwar ebenfalls Pokémon und Rainbowheart sind, sich jedoch stark von den anderen unterscheiden. Sie sind naiver. Und in vielerlei Hinsicht friedlich. Selten sieht man sie streiten und ungebetener Besuch ist ihnen ein Fremdwort. Sie in die Pokémon Welt zu integrieren wird schwierig. Deswegen müssen sie zuerst umgesiedelt werden.

    - Shay's Sicht -

    Fast wäre ich erwischt worden. Aber nur fast. Ein Balgoras-Junge hat den Raum betreten, als ich gerade hinter dem Teppich verschwinden wollte. Er schlug keinen Alarm, also hat er das wohl nicht gesehen. Allerdings starrt er mich an. Ich seufze genervt. Die Tour bin ich schon von einigen gewohnt. “Was ist?“ “Du solltest auf deinen Freund aufpassen“, sagt der Junge mit trauriger Stimme. Ich pruste los. “Wer, Nightmare? Wegen dem ich mich nicht mal an meine eigene Schwester erinnern kann?“ Der Junge nickt. “Damit weißt du mehr als die meisten hier. Also sei ihm bitte nicht böse.“ Ich lege den Kopf schief. “Und ich soll auf ihn aufpassen, weil?“ “Er sonst so endet wie alle anderen. Wie Yume... und wie...“ Er schüttelt den Kopf. “An andere Namen kann ich mich nicht erinnern. Aber so enden fast alle, nach einer Weile. Sie werden halb verrückt vor Verzweiflung, weil sie versuchen sich zu erinnern oder weil sie hier nicht herauskommen. Dann hören sie plötzlich auf, zu fühlen. Ohne Vorwarnung.“ Der Junge sieht in mein geschocktes Gesicht. “Also habe ich beschlossen, mich nicht zu erinnern. Einfach hier zu bleiben. Es ist gar nicht so übel. Ich kriege Essen, ich habe einen sicheren Schlafplatz... das ist das Beste, was man tun kann.“ Ich lächel mitfühlend. “Also, wenn ich eins weiß, dann, dass wir alle diese Welt schnellstmöglich verlassen müssen. Da es hier nicht, wie erwartet, Informationen zum Magieschwund gibt, kann ich dagegen nichts machen. Das habe ich in der vergangenen Zeit hier gelernt. Aber mir wird garantiert niemand mit Begeisterung folgen, schon gar nicht, wenn alle so... leer sind. Ich werde deine Hilfe brauchen.“ Ein trauriges Lächeln ziert das Gesicht des Jungen. “Ich bin wahrscheinlich keine große Hilfe.“ “Du weißt deutlich mehr als ich. Informationen sind immer eine große Hilfe“, erwidere ich. “Aber lass uns später weiterreden. Ich muss ein Wörtchen mit Nightmare reden.“ Mit diesen Worten verlasse ich den Raum. Doch bevor ich wirklich mit Nightmare rede, wie der Balgoras-Junge vorgeschlagen hat, muss ich über einiges nachdenken. Da fällt mir ein, dass ich ihn gar nicht nach seinem Namen gefragt habe. Falls er ihn weiß.

    57
    Kapitel 55
    Seelenschwestern


    -  Erzählersicht -

    Vor drei Tagen konnte Luna endlich offiziell ihren Titel als Königin ablegen. Seitdem hat sie stundenlang geweint und blieb im Zimmer ihrer neuen Wohnung. Sie hatte die ganze Zeit über für das Volk der Rainbowheart tapfer durchgehalten, doch nun, wo sie die Verantwortung endlich los war, brachen die ganzen Verluste über sie herein: Tapfere Kämpfer, unschuldige Kinder, oft auch ganze Familien... Doch am schlimmsten traf sie der Tod ihres Bruders. Selbst wenn er den Angriff damals überlebt hat, war er zumindest ein Monsterheart. Und die sind restlos alle gestorben. Luna ist sich nicht einmal sicher, welche Vorstellung sie schlimmer findet. Die meiste Zeit denkt sie gar nicht darüber nach, sondern weint nur, mal still, mal von Schluchzern unterbrochen und immer, bis ihr die Tränen ausgehen. Sie teilt sich die Wohnung mit Riala, doch diese hat noch keine Ruhe und ist deshalb kaum da. Manchmal sahen sie sich, wenn Luna sich was zu essen und zu trinken holen wollte. Gestern hat sie Luna nach draußen geschickt. "Frische Luft ist wichtig. Außerdem heitert dich das gute Wetter vielleicht ein wenig auf." Also ging Luna nach draußen. Das Wetter konnte sie nicht aufheitern, dafür aber das neue Café, wenn auch nur vorübergehend. Das Café trägt den Namen Jiyū -- Freiheit, wahrscheinlich um zu betonen, dass sie, im Gegensatz zu den Besitzern des alten Cafés, niemanden gefangen nehmen. Luna war anfangs misstrauisch, doch der Besitzer war wirklich nett zu ihr und konnte sie eine Zeit lang von ihrem Kummer ablenken.
    Heute möchte sie wieder dorthin. Sie hat in der Nacht kaum geschlafen und ist dementsprechend müde, doch das hält sie nicht auf. Der Weg ist nicht weit, Luna braucht ca. fünf Minuten dorthin, wobei sie aufgrund ihrer Müdigkeit sehr trödelt. Das Jiyū Café leuchtet ihr entgegen, es scheint, als würde es sie anlächeln. Tatsächlich hat es sich kaum verändert. Die Farben sind ein bisschen heller, ein freundliches, irgendwie sanftes Orange, ein angenehmes pastellgelb und ein kontrastbildendes schwarzes Dach. Es sticht hervor, aber nicht so stark, dass es in den Augen wehtut, sondern eher wie ein Shiny Vulpix in einer Gruppe normal gefärbter Vulpix. Man sieht sofort, dass es anders ist, aber es tanzt nicht komplett aus der Reihe. Das Café selbst ist ein wenig größer als das alte und der Name steht groß und in geschwungener Schrift über den breiten Fenstern. Der Duft von frischem Gebäck zieht zu Luna herüber und macht sie sofort ein wenig munterer. Luna betritt das Café und ein kleines Glöckchen ertönt. Der Besitzer des Cafés, ein älterer Herr mit dem Namen Chiron, blickt von seinem Gespräch mit zwei Menschen in Lunas Alter auf und lächelt. "Luna! Schön, dich wiederzusehen. Komm mal her." Luna tritt näher. Chiron deutet auf die Kinder. "Das sind meine beiden Enkel, Kai und Kiara." Luna blinzelt. Die beiden sehen sich zum verwechseln ähnlich. Der einzige äußere Unterschied spiegelt sich in ihrem Geschlecht wieder, wenn man nach Stereotypen geht. Kiara hat lange, dunkelbraune Locken, goldbraune Augen und ihre Haut hat die Farbe von Milchkaffee. Sie trägt ein schlichtes, weißes Kleid und gleichfarbige Sneaker, was Luna an Lillys Outfit erinnert. Kais Haare sind kurz, aber genauso dunkel und lockig. Seine Augen und seine Haut haben die gleiche Farbe wie die seiner Schwester, doch er ist von leicht kräftigerer Statur und ein paar Zentimeter größer. Sein Kleidungsstil ist etwas bunter, er trägt ein blaues T-Shirt, darüber eine rot-weiße Jacke, gleichfarbige Turnschuhe und schwarze Shorts. Luna hält den Zwillingen ihre Hand hin. "Freut mich euch kennenzulernen, ich bin Luna." Anstatt ihre Hand zu schütteln, klatschen Kai und Kiara beiden abwechselnd ein. Chiron kommt hinter der Theke hervor. "Sag mal, Luna, was hast du jetzt eigentlich vor?" Luna sieht ihn verwirrt an. "Wie meinen Sie das?" "Du darfst mich ruhig duzen, das habe ich dir letztes Mal schon gesagt. Ich meine, was machst du jetzt, wo du von deinen Pflichten befreit bist? Möchtest du zur Schule gehen? Oder vielleicht eine Reise antreten? Wenn du möchtest, könntest du hier auch aushelfen, falls dir das lieber ist." Ein bisschen beschämt sieht Luna zu Boden. "Darüber habe ich noch nie nachgedacht... Ich hatte... andere Sachen im Kopf." Chiron seufzt. "Hör zu, Luna. Ich weiß, dass du viel durchmachen musstest und bis vor kurzem nie Zeit hattest, über das Geschehene nachzudenken. Aber verlier dich nicht zu sehr in der Vergangenheit. Du könntest die Gegenwart verpassen." Luna nickt nur stumm. Chiron mustert sie ein Moment, dann lächelt er sanft. "Denk einfach mal darüber nach. Also, was möchtest du essen? Such dir aus, was immer du auch willst. Um den Preis brauchst du dir keine Sorgen zu machen, das geht aufs Haus." Da muss Luna nicht lange überlegen. "Ich hätte gerne ein Stück von diesem Sinelbeerenkuchen."

    Chiron ist ein scharfer Beobachter. Er hat genau gemerkt, dass Luna noch etwas haben wollte, es sich dann aber verkniffen hat. Allerdings kennt er sie noch nicht lange genug, um zu erraten, was es sein könnte. Also muss er seinem Instinkt folgen. So kommt es, dass die Zwillinge Luna kurze Zeit später nicht nur ein Stück Sinelkuchen, sondern auch eine Tasse Eneco-Kakao bringen. Luna bedankt sich höflich und beginnt zu essen. Doch anders als erwartet gehen die Geschwister nicht zurück zu ihrem Großvater, sondern setzen sich Luna gegenüber. Kiara beginnt, auf sie einzureden. "Ich war ja erst dafür, dass Opa hier ein richtiges Restaurant eröffnet, mit Nationalgerichten aus Regionen wie Kalos oder Alola, oder bunt gemischt, damit es ganz viel Auswahl für viele verschiedene Leute gibt, aber Opa war das zu viel Aufwand und es kostete ihm auch zu viel. Außerdem züchtet Oma sowieso Beeren, das heißt, wir haben immer genug Zutaten für Kuchen und Muffins und so. Wir haben sogar eigene Miltanks und ein Tauros! Leider haben wir auch ein paar Voltilamm. Ich finde ja, wir sollten uns lieber aus Galar ein paar Wollys holen, aber auf mich hört ja keiner." "Kiara musste mal ins Krankenhaus, weil sie einen sehr schlimmen Stromschlag von einem Voltilamm bekommen hat. Ich kann mich nicht daran erinnern, weil wir noch zu klein waren. Kiara ist sich sicher, dass ein Voltilamm sie mit einer Elektroattacke angegriffen hat, aber unsere Eltern behaupten, sie hätte nur einen Stromschlag bekommen, wäre vor Schreck blöd hingefallen, hätte sich den Kopf angeschlagen und wäre bewusstlos geworden." "Die waren viel zu weit weg, um das gesehen zu haben. Sie haben es ja nicht mal gemerkt, bis Kai geschrien hat", schnaubt Kiara aufgebracht. Kai zuckt mit den Schultern. "Wie gesagt, ich kann mich nicht daran erinnern. Aber von da an hatte Kiara furchtbare Angst vor Elektro-Pokémon, also glaube ich ihr eher als unseren Eltern." "Aber sie verstehen das nicht", jammert Kiara. "Sie weigern sich, harmlosere Schaf-Pokémon zu besorgen, weil Galar so weit weg ist. Sie wollen 'regionstreu' bleiben. Hallo! Voltilamm sind nicht einmal aus unserer Region! Nur weil Jotho praktisch neben uns liegt, im Vergleich zu Galar, ist das noch lange nicht 'regionstreu'." Luna lächelt leicht verunsichert. Sie weiß nicht, was sie von dieser Geschichte halten soll. Harmlos ist sie nicht, aber das ist nichts gegen all das, was Luna durchmachen musste. Auf der anderen Seite fühlt Luna sich schlecht, weil sie so denkt. Niemand sollte etwas traumatisierendes durchmachen müssen. Sie beschließt, vom Thema abzulenken. "Was für Pokémon habt ihr denn noch?" Kiara wird sofort wieder fröhlicher. "Oh, wir haben noch Belle, unser Fukano! Der Name stammt aus einem Film, der in Kalos spielt. Er ist richtig schön! Es geht um einen Prinzen, der in ein Pokémon verwandelt wird und nur durch wahre Liebe wieder zum Menschen werden kann." Während sie erzählt, wird Kiaras Stimme immer verträumter, was Kai dazu veranlasst, mit den Augen zu rollen und an ihrer Stelle weitere Pokémon von ihrem Bauernhof zu aufzuzählen. "Wir haben ein paar Mauzi, die sich mal bei uns eingeschlichen haben. Wir haben sie immer gefüttert und irgendwann sind sie geblieben. Eine von ihnen ist mittlerweile ein Snobilikat. Außerdem nisten bei uns immer Taubsi. Hast du schon mal ein kleines Taubsi gesehen? Die sind richtig süß! Außerdem bin ich ziemlich sicher, dass bei uns ein Nebulak haust, aber das glaubt mir niemand." "Du hast selbst gesagt, dass das gelogen war", wirft Kiara ein. "Quatsch, hab ich gar nicht", erwidert Kai. "Ich habe gesagt, dass das mit Buried Alive gelogen war, also dass Buried Alive nicht wirklich unter unserem Haus lebt. Aber darauf hättest du auch selbst kommen können, schließlich heißt es in der Geschichte eindeutig, dass er im Lavandia Turm lebt." "Ich dachte er existiert überhaupt nicht?", fragt Kiara erschrocken. "Natürlich nicht", beruhigt Chiron sie. Er hat seinen Platz an der Theke wieder verlassen und steht nun an ihrem Tisch. "Und jetzt seid bitte leiser, es sind noch andere Leute hier." Die Zwillinge senken die Köpfe. "Tut uns leid, Opi", murmeln sie im Einklang. Chiron lächelt und geht zurück hinter die Theke, wo er auch gleich die nächste Bestellung aufnimmt. Luna trinkt den letzten Schluck Kakao und kratzt die Kuchenreste vom Teller, während Kai und Kiara leise, aber nicht weniger enthusiastisch abwechselnd Geschichten von ihrem Bauernhof erzählen. Sie helfen viel mit, gerade jetzt, wo ihr Großvater sich zusammen mit ihrer Großmutter um das Café kümmert. Sie haben auch ältere Geschwister, zwei Brüder und zwei Schwestern. "Wir hatten mal drei Brüder", erzählt Kai. "Aber der älteste, Philipp, war nie wirklich glücklich mit seinem Körper. Er wollte gerne ein Mädchen werden, doch unsere Eltern waren dagegen. Sie haben sich sehr oft gestritten. Als er erwachsen wurde, zog er aus und da unsere Eltern ihm nun nichts mehr zu sagen hatten, konnte er sich seinen Wunsch endlich erfüllen. Jetzt heißt sie Pia und ist glücklicher als jemals zuvor. Mittlerweile hat sie sich auch wieder mit unseren Eltern vertragen. Manchmal kommt sie uns besuchen und hilft auf dem Hof. Aber sie möchte nicht wieder bei uns einziehen, sie fühlt sich wohl da, wo sie jetzt ist. Ich finde ja immer noch, sie hätte sich einen cooleren Namen aussuchen können als Pia, aber ihr gefällt der Name, also..." Kai zuckt mit den Schultern und lässt seinen Blick im Café schweifen.
    "Ist das eine Cosplayerin oder eine Rainbowheart?", fragt er plötzlich. Luna sieht von ihrem Teller auf. "Wer?" Der Lockenkopf deutet auf Riala, welche gerade das Café betritt. "Solche Kleidung trägt kein Mensch, zumindest nicht im Alltag." Riala trägt ein neues, ziemlich prunkvolles Kleid. Es ist etwas kürzer und weiter geschnitten als das vorherige, wahrscheinlich um sie nicht zu behindern, die Grundfarben sind ein mattes hellgrün und ein strahlendes weiß und es ist mit kunstvollen, dunkelgrünen Ranken bestickt. Selbst Luna findet, dass Riala damit eher in einen Ballsaal gehört als auf die Straße. Sie fragt sich, woher sie es hat. "Das ist Riala", erklärt sie den Zwillingen schließlich. "Sie ist meine... ehemalige Beraterin. Normalerweise läuft sie so nicht auf der Straße rum..." Sie weiß, dass Riala für ihre Schönheit bekannt ist, aber irgendwie ist ihr dieser Auftritt peinlich. Am liebsten würde Luna sich wieder verkriechen, zurück in ihr dunkles Zimmer, abgeschottet vom Rest der Welt. "Ich muss jetzt gehen. War schön, mit euch gesprochen zu haben." Sie bringt ihren Teller zu Chiron und bedankt sich bei ihm, dann verlässt sie eilig das Café und läuft zurück zu ihrer Wohnung.
    Es ist still. Und dunkel. Fast bereut Luna, dem Café den Rücken zugekehrt zu haben. Sie mag die Zwillinge und rechnet es ihnen hoch an, dass sie nicht nach ihrer Vergangenheit gefragt haben. Und für einige Zeit war ihr Kummer fast vergessen. Jetzt kehrt er prompt zurück. Luna seufzt. Sie schnappt sich eine Wasserflasche und schließt sich in ihr Zimmer ein.

    Ein Knall reißt Luna aus ihrem traumlosen Schlaf. Hastige Schritte sind in der Wohnung zu hören. Scheinbar ist Riala kurzzeitig da. Luna überlegt, ob sie sie nach dem Kleid fragen soll, entscheidet sich dann aber dagegen. Sie bleibt in ihrem Bett liegen und lauscht. Das Fallen von Stoff ist zu hören, dann das Schließen einer Schranktür. Eine Weile ist es ruhig. Plötzlich hört Luna das Klirren von Metall. Um genau zu sein, von einer Metallklinge. Luna springt auf und rennt aus dem Zimmer. "Riala?" Sie findet die junge Frau im Badezimmer, mit einem Dolch in der Hand. "Was machst du da?", fragt Luna schockiert. Verwundert dreht Riala sich um. "Luna?" Sie sieht auf den Dolch. "Oh. Das meinst du." Sie lächelt Luna an. "Nichts. Nichts, worum du dir Sorgen machen müsstest. Ich... träume nur." Luna will fragen wovon, als ihr auffällt, dass Riala das Kleid abgelegt hat und ihre alte Kampfkleidung trägt. Das alles ist sehr merkwürdig. Und sehr auffällig. "Was hast du vor?", fragt Luna misstrauisch. "Wie ich schon sagte, nichts. Ich träume", erwidert Riala seelenruhig. Luna mustert sie. "Aber du hast eine Waffe in der Hand und hast von deinem neuen Kleid zu deiner alten Kampfkleidung gewechselt..." Riala versteift sich. Ihre Augen glitzern. Die Erkenntnis trifft Luna wie ein Schlag in den Magen. Riala, die nie ihre Beherrschung verliert, die anderen immer Optimismus entgegenbringt, anderen Hoffnung gibt, ist kurz davor, in Tränen auszubrechen. "Riala?", fragt sie vorsichtig. "Was ist los?" Jetzt rollen entgültig Tränen über Rialas Wangen. Sie sinkt zu Boden und verdeckt ihr Gesicht mit ihren Händen. "Es... Es ist einfach alles zu viel. I-ich kann nicht mehr. Ich kann die Erwartungen der anderen... Ich kann sie n-nicht mehr erfüllen..." Luna versteht nur Bahnhof. "Was für Erwartungen?" Riala antwortet nicht. Sie zittert am ganzen Körper. Etwas hilflos reibt Luna ihr den Rücken. Sie kommt sich seltsam dabei vor, aber sie weiß nicht, was sie sonst tun soll. Als Riala sich endlich etwas beruhigt hat, stellt Luna ihre Frage erneut. "Riala, von welchen Erwartungen sprichst du?" Die junge Frau deutet mit einer vagen Geste auf sich selbst. Luna seufzt  "Das hilft mir nicht wirklich weiter." "Du... Du hast mich im Café gesehen, oder?", fragt Riala. Luna nickt. "Es war schwer, dich nicht zu sehen." Sie zuckt zusammen. "Das klang fieser, als es sollte. Tut mir leid." Riala schüttelt den Kopf. "Genau das ist das Problem. Weißt du, woher ich das Kleid habe?" Sie wartet nicht auf Lunas Antwort. "Ich habe es von einigen Rainbowheart geschenkt bekommen. Sie meinten, es würde einer Königin eher gerecht werden..." Luna zieht eine Augenbraue hoch. "Ich dachte, der Königinnen-Titel wäre abgeschafft worden." Riala nickt. "Das wurde er. Aber sie lassen nicht locker. Sie sehen mich als ihre Königin. Und sie bezeichnen mich auch so. Aber ich kann..." Sie schüttelt den Kopf. "Ich will ihren Erwartungen nicht gerecht werden. Ich mag ihre Erwartungen nicht." Riala lacht verbittert. "Weißt du, als ich klein war, wollte ich immer mal Königin werden. Ich könnte über andere regieren, sie würden auf mich hören, sie würden mich lieben... Dann wurde ich älter. Und hübscher. Du hast keine Ahnung, wie vielen Leuten ich das Herz gebrochen habe. Aber ich wollte keine Beziehung. Ich hatte Angst, dass sie mich alle nur wegen meines Aussehens mögen. Ich wollte ihnen einen anderen Grund geben, mich zu mögen. Also tat ich mein bestes, um den Leuten zu helfen. Es war wundervoll. Sie dankten mir, sie belohnten mich mit Kleinigkeiten wie Taschengeld oder Süßigkeiten, sie hatten einen richtigen Grund, mich zu mögen... Und dann... Naja, irgendwann hörten sie auf, mir zu danken. Meine Hilfe wurde erwartet. Sie wurden wütend oder waren enttäuscht, wenn ich aus irgendeinem durchaus plausiblen Grund nicht helfen konnte. Natürlich hörte ich nicht auf, zu helfen, doch während ich mich darin hineinversteigerte, stiegen auch die Erwartungen. Und jetzt... Du warst Königin, du weißt, welche Erwartungen Leute da haben." Luna nickt. Das weiß sie nur zu gut. Selbst als Prinzessin hat sie jahrelang bestimmte Erwartungen erfüllen müssen, obwohl sie die meiste Zeit im Himmelsschloss war, fern von den meisten Rainbowheart. Sie sieht Riala an. Ihre Augen sind gerötet, sie selbst ist leichenblass. Luna steht auf. "Ich bin gleich wieder da." Sie holt eine Wasserflasche und bringt sie Riala. "Hier. Trink etwas." Die ältere Rainbowheart folgt ihrem Rat und trinkt sogar fast die halbe Flasche leer. "Danke." Luna lächelt und setzt sich zu ihr auf den Boden. "Also... Was würdest du gerne tun? Dass du deine alte Kleidung trägst, macht jetzt für mich deutlich mehr Sinn, aber warum der Dolch?" Riala lächelt zaghaft. "Nun ja, ich habe über eine neue Frisur nachgedacht... Aber du weißt ja, ich träume nur. Ich meine, was soll ich den Rainbowheart sagen?" "Sag ihnen..." Luna überlegt kurz. "Hm... Sag ihnen, dass unsere Integration in diese Welt ein Neuanfang ist. Für uns alle. Dass du den Titel der Königin nicht anerkennst und du eindeutig gesagt hast, dass er nicht mehr existiert. Sag ihnen, dass es langsam an der Zeit ist, den eigenen Weg zu gehen. Eine neue Welt liegt vor uns und sie ist groß genug, um für jeden von uns einen Platz bereitzuhalten. Wir müssen ihn nur finden. Und das ist etwas, was jeder auf eigene Faust tun muss." Riala lächelt. Luna kann sich nicht erinnern, sie jemals so lächeln gesehen zu haben. Es ist das aufrichtigste Lächeln, das jemals Rialas Lippen gekreuzt hat. Die beiden stehen auf. Riala legt Luna eine Hand auf die Schulter. "Du hast den Geist einer Kämpferin, Luna. Ich danke dir. So, jetzt muss ich erstmal mit den Rainbowheart reden." Sie will gehen. "Warte!" Riala dreht sich um und Luna umarmt sie. "Danke, dass du auf mich aufpasst." Riala lächelt. "Immer gerne, Schwesterherz."

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Kommentare (64)

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vor 331 Tagen flag
Mein Kommentar wurde ja gar nicht geschickt....

Also, ich habe nie direkt erwähnt, dass Luna das Café gesehen hat, aber sie war > mindestens < fünf Tage in der Stadt, also hatte sie genügend Gelegenheiten, das Café zu sehen.
vor 332 Tagen flag
Tja... Ich muss die Stelle suchen. Wie gesagt, keine Notizen und so. Gib mir bitte etwas Zeit.
vor 332 Tagen flag
Also: Du schreibst, dass Luna ein Café besucht, um ruhiger zu werden.
Am nächsten Tag kommt sie erneut da an und beschreibt es. "Tatsächlich hat es sich kaum verändert", hat mich irritiert. War sie schon mal da?

Der Rest ist soweit gut erklärt. Ich empfehle Riala einen kurzen Haarschnitt. Damit lässt sich besser kämpfen.

Das mit Chiron sehe ich auch in meiner Geschichte gut wieder. (Boey, Clive und Azura). Ich weiß nicht einmal mehr, weshalb ich ihnen diese Namen plötzlich gab. Sie haben in der geplanten Version ja eigentlich andere, bereits bekannte Namen. Aber sie sollten auch einfach die selbe Personalitäten dieser Personen inne haben.(So lang es Nebencharakteren sind, geht das ja)

Je länger Kommentare sind, umso besser!
vor 332 Tagen flag
Whoops. Sorry. Ich wollte mich kurz halten, ehrlich!
vor 332 Tagen flag
Ja ich mach mir Notizen, diesmal weniger vage als letztes Mal (in der Hinsicht ist es vielleicht besser, dass sie weg sind, oft genug konnte ich damit nichts anfangen). Und so, dass ich sie nicht noch einmal verliere. (Es sei denn, mein Handy hat irgendeinen seltsamen Datenverlust)

Uuund... Ich verstehe deine erste Analyse nicht. Sorry, könntest du die vielleicht noch mal erklären? ^^'

Ich habe den Namen gewählt, weil sie sich vom Charakter her ähneln (sollen, mal sehen, was daraus wird, wo er ja nur ein Nebencharakter ist)

Philipps/Pias Story ist nicht sooo wichtig, eher eine kleine Ablenkung und um das Kapitel mal ein bisschen ruhig und entspannt zu gestalten. Oder meinst du, du hast das vom Inhalt her nicht verstanden?

Die Enthronung war absichtlich so plötzlich. Das sollte hervorheben, wie kurz Luna vor dem Zusammenbruch war (was ich ja scheinbar nicht hinbekommen habe...)

Rialas Story... Ist kompliziert.
Erstmal weise ich darauf hin, dass die Rainbowheart jahrelang Herrscher hatten, die sich um all ihre Probleme kümmern. Das ist für sie eine ziemlich große Änderung in ihrem Leben, da es in der Pokémon Welt keine richtigen "Herrscher" gibt. Klar gibt es Autoritätspersonen, aber nichts, was einem König/einer Königin gleichkommt.

Und ja, was Riala sagt und tut stimmt nicht überein. Das habe ich versucht (aber scheinbar nicht geschafft) mit ihrer Hintergrundgeschichte zu erklären.
Sie möchte diese Aufgabe nicht, sie fühlt sich nicht fähig, die Erwartungen der Rainbowheart zu erfüllen. Das (wohlbemerkt sehr prunkvolle) Kleid, das die Rainbowheart ihr geschenkt haben, unterstreicht ihren neuen Titel (der eigentlich gar nicht mehr existieren sollte), eben den Titel, den Riala nicht haben will. Aber sie möchte sie auch nicht enttäuschen (siehe Backstory).

Mit "Ich träume" meint Riala genau das, was sie sagt. (100 Punkte für Erklärung, yeah!) Sue träumt davon sich zu ändern, äußerlich wie innerlich. Das fängt meist mit simplen Dingen wie einer neuen Frisur an (ich spreche aus eigener Erfahrung. Ich würde ein ganzes Stück offener, als ich mich nicht mehr hinter meinen Haaren verstecken konnte), aber ihre "Pflichten" halten sie davon ab. Sie versucht, die Erwartungen der anderen Rainbowheart zu erfüllen (ja, obwohl sie das nicht möchte, das ist das Problem), also lässt sie es bleiben und macht das was sie wollen, trägt das, was sie wollen.

Ich hoffe du siehst hier durch ^^'
vor 332 Tagen flag
Hey. Endlich habe ich auch mal wieder gemerkt, dass es hier weiter geht.

Erstmal, das du für die Analyse wolltest: Wie sehr hat sich das Café in einem Tag verändert? Am nächstem Tag scheint es, als hätte sie es seit einem Jahr nicht mehr gesehen.

Ich war am Anfang etwas stark verwirrt, weshalb Luna jetzt entkrönt wurde, aber das wurde in einem Kapitel davor ja etwas angedeutet.
Zu den Zwillingen und Chiron (Realy? Ein Glück, dass du nicht noch geschrieben hast, er führe in einem Rollstuhl und würde mit Nachnamen Brunner heißen^^) kann ich recht wenig zu sagen, weil ich sie nur als Nebencharaktere deute, die sich mit Luna unterhalten haben, um ihren Frust wegzulegen.
Die Story mit Phillip habe ich nicht verstanden.

Riala klingt etwas... seltsam und kontrovers. Sie mag es ja nicht, als Königin da zu stehen, weil sie keine Pflichten aufgedrückt bekommen möchte. Aber dennnoch trägt sie dieses Kleid, das ihr zu diesem Anlass geschenkt wurde?
Sie Antwortet zu Luna, dass sie träume, als sie frage, was sie dort täte, was mir etwas seltsam erscheint. Was genau, versuchte sie, damit zu beeinflussen?
Dass sie einen Zusammenbruch erlitt, sagt auf jeden Fall ein gewisses Vertrauen der Beiden auf.
Aber es klingt auch etwas seltsam, wenn jemand jemanden zu einem Ehrenamt zwingt, aber ich will die Leute nicht hinterfragen. Riala kann einem in diesem Zusammenhang echt leid tun, nur wegen ihrem Äußeren beurteilt zu werden.

Und damit habe ich Kritik und Lob in eins gepackt, schätze ich.
Schön, dass es hier wieder weiter geht.

Aber eine Frage noch:
Du machst dir Notizen?
vor 334 Tagen flag
Danke für das Feedback ^^

Ich mache Rückblicke lieber indirekt, also im Zusammenhang mit der Geschichte. Sonst stört es den Fluss der Geschichte (finde ich, deswegen lasse ich das lieber)

Für den weiteren Verlauf der Geschichte habe ich mir neue Notizen angelegt, mir fehlen halt nur die alten. Es wird wahrscheinlich nicht so werden wie geplant, aber vielleicht ist das auch gar nicht so schlecht.
vor 335 Tagen flag
Wow, das Kapitel ist wirklich schön. Ich kann mir das Café wirklich gut vorstellen und auch die Gefühle der beiden. Meine Analytischen Fähigkeiten für Kapitel sind leider nicht besonders gut, aber ich finde der Einblick in Rialas Vergangenheit lässt besser verstehen, warum sie sich so verhält wie sie es bisher getan hat.

Ich bin wirklich froh, dass du weiterschreibst!^^ Es ist schön, dass du die Motivation gefunden hast, auch ohne deine Notizen weiterzuschreiben und es macht nichts, wenn hin und wieder ein Fehler auftaucht. Ich könnte mir schließlich auch nicht merken, was in ähm... Kapitel 23 oder so steht. Wie auch?

Das Kapitel ist eine angenehme Mischung aus einfach mal wieder normalem Alltag und dem Gefühl, alles kann wieder gut werden und dennoch den verbleibenden Problemen. Ich kann vor allem Rialas Gefühle gut nachvollziehen.

Ich bin gerade dabei, die Ff nochmal zu lesen, um wieder einen "Zusammenhang" herstellen zu können. Vielleicht findest du deine Notizen ja auch wieder? Manchmal liegen die direkt vor der Nase und man merkt es nicht mal, weil man viel zu beschäftigt mit Suchen ist.

Dir auch frohe Weihnachten! Und nur so als Idee, um wieder in die Geschichte zu finden, bieten sich z.B Rückblicke an. Es ist zwar mühsam, aber vielleicht hilft es dir auch selbst ein wenig. (Mir zumindest sehr bei meinen Geschichten^^)

LG Zimti/MilaKeks
vor 336 Tagen flag
Frohe Weihnachten! ^^

Puh, ich dachte gestern Abend, ich wäre fertig und dann habe ich mir so gedacht: Ach, morgen ist doch Weihnachten, dann gibt es dieses Kapitel quasi als "Geschenk". Dann kam ich heute morgen um fünf vor sechs auf die Idee mit Riala.

Sollte sich ein größerer Fehler eingeschlichen haben, der irgendwie mit dem Storyverlauf zu tun hat, tut mir das Leid, aber wie gesagt, meine Notizen sind futsch und wenn ich in den vollständig geschriebenen Kapiteln nachlese, kann ich schnell mal etwas übersehen. Das gilt auch für die nachfolgenden Kapitel.
vor 368 Tagen flag
Kannst du mir ein paar Ideen abgeben? ^^'
Mein Kopf ist seit Wochen leer, bzw. vollgestopft mit anderen Sachen.
Ich schaue mal, vielleicht kann ich um die Weihnachtszeit wieder schreiben.
vor 368 Tagen flag
Das ist sehr schade. Ich kann verstehen, wenn du all deine Notizen verloren hast, dass du nicht einfach weiterschreiben kannst. Was wäre ich aufgeschmissen wenn meine Notizen weg wären!
Alles nochmal neu aufschreiben ist eine Arbeit die viel zu viel Zeit kostet.

Ich finde die Ff wirklich sehr schön und werde mir auf alle Fälle noch die Zeit nehmen ein anständiges Feedback zu schreiben(: .
Ehrlich gesagt hätte ich sogar ein paar Ideen, wie es weitergehen könnte^^'.

Ich verstehe auch, dass du das Gefühl hast, dass kaum jemand das ließt. Ich lese diese Ff seit fast dem Anfang (Ich glaube Kapitel 5/6) und habe mich jede Woche auf ein neues Kapitel gefreut. Allerdings bin ich kein so ein großer Kommentarschreiber, weshalb ich das auch nicht sonderlich oft mache.
Ich zumindest würde mich sehr freuen, wenn die Ff noch etwas weiter geht aber das ist natürlich dir überlassen.

LG Zimti
vor 370 Tagen flag
Ehrlich gesagt... Ich weiß es nicht.
Ich habe momentan sehr wenig Zeit und Inspiration zum Schreiben. Zudem habe ich all meine Notizen verloren, ich habe also keine Ahnung mehr, was in den nächsten Kapiteln ungefähr passieren sollte.

Klar könnte ich versuchen, spontan zu schreiben, aber wie gesagt, mir fehlt Zeit und Inspiration.

Ich würde mich aber über ein Allgemeines Feedback freuen. Ich war mir gar nicht bewusst, dass noch jemand außer Jim das hier liest (zumindest in letzter Zeit, es haben auch mal ein oder zwei andere Leute was in die Kommentare geschrieben) und wenn du das Gefühl hast, dass nur eine einzige Person deine Geschichte liest, zieht das ganz schön runter :(

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich weiß es noch nicht
vor 378 Tagen flag
Hallo Lou^^. Schreibst du eigentlich noch weiter?
vor 480 Tagen flag
Nein, das ist überhaupt nicht schlimm, du hast schließlich auch ein Privatleben ^^

Danke, das hilft wirklich ungemein. Ich werde mir weiterhin mit dem nächsten Kapitel Zeit lassen und dabei deine Tipps so gut wie möglich beachten.

Und da Thea ja bei einem Schwarzgurt trainieren wollte (was ja eine Art Trainer ist), wird sie auf jeden Fall mit Menschen kommunizieren müssen.

Die genauen Pläne der Zoruark-Frau möchte ich aber noch nicht raushauen ^^''

Ja, aber wie gesagt, danke ^^
vor 481 Tagen flag
Also, was ich sagen kann, ist vielleicht die Oberflächlichkeit.
Du beschreibst seltenst Dinge genau. Was mir zum Beispiel noch bei Shay auffiel:
Sie beschreibt wenig die Einrichtung, in der sie sich befindet und wie die Atmosphäre mitspielt.
Und als sie erzählt, dass sie Aufgaben bekommt, geht sie auch nicht weiter darauf ein. Mich würde interessieren, was das für Aufgaben sind und was überhaupt sie die ganze Zeit lang treibt, wenn sie keine hat. Kontakt mit anderen hat sie ja nicht und sonst Beschäftigungen werden auch nicht recht erklärt.

Bei Thea z.B. würde mich interessieren, was man wissen kann, wie z.B wie es jetzt den Rainbowhearts in dieser neuen Welt geht und wie die Baziehung, auch gerne an einem Beispiel, sehen. Sie könnte z.B ja selbst mal mit einem Menschen in Kontakt treten und plaudern und dabei sehr viel auf Gefühle und Unsicherheiten eingehen, bis das harmlose Gespräch vorrüber ist, ich meine... von jetzt auf gleich Menschen akzeptieren, obwohl man sich sein ganzes Leben vor ihnen gefürchtet hat? Und vor kurzem von ihnen gefoltert wurde?

Sie könnten auch etwas mehr Charakter vertragen. Auf was sie, nebensächtlich, stehen, oder wo ihre privaten Abtöner sind. Jetzt grade ist Shay eher wie ein beleidigender Roboter, der unhöflich zu Autoritären ist und sich immer nur an einer Flucht versucht, dreht sich charakteristisch die ganze Zeit im Kreis.

Nightmare ist auch etwas zurückgezogen. Ist ja verständlich, dass Shay nicht gut auf ihn zu sprechen ist, aber so pragmatisch, wie sie dargestellt wird, würde sie ihn zumindest noch brauchen, um zu entkommen. Mich würde interessieren, was der Typ jetzt tut. Schmollt er jetzt die ganze Zeit, oder hat er etwas vor, und warum lässt er Shay dann im Dunkeln darüber?
Und was macht diese Anführerin mit einem ganzen Haufen gefühlsloser Pokémon, die um sie rum sitzen? Sind die Wachen auch einer Gehirnwäsche überzogen worden?

Und Thea zeigt wenig Handlung in ihrer Sicht. Eigentlich ist das eher ein neutrales Informationskapitel, in dem nur Zeug beschrieben wird. Was nicht schlecht ist, da man durchaus Informationen braucht, aber dann sollte sie schon irgendwas tun/ eher den Erzähler ran lassen.

Glaub mir, ins Detail zu gehen klingt echt nach Arbeit, das ist es auch, aber je mehr du es beschreibst, umso mehr Lust hast du am Schreiben und je mehr Spaß macht es auch, sich das am Ende durchzulesen.

So, ich hoffe, dass das Feedback so spät kam, ist nicht so schlimm.^^
vor 481 Tagen flag
Und ich dachte schon, ich hätte dich mit meinem letzten Kapitel abgeschreckt ^^'
Die (meiner Meinung nach) gar nicht vorhandene Qualität des letzten Kapitels ist der Grund, warum ich eine Pause eingelegt habe.
vor 483 Tagen flag
Alles gut, Lou. Schrieben sollte man tun, wenn man schreiben will, wenn es gut werden soll.
Ich habe ehrlich gesagt, keine Entschuldigung, weshalb ich keine Rückmeldung zum Kapitel von vor 2 Wochen gab und ich komme grade von meinem 8-Seiten Finale-Mataton. Dürften schon fast 8 Stunden gewesen sein xD. Sorry, wenn ich mich jetzt nicht mehr zum Feedback melde. Beim nächstem Kapitel.^^
vor 495 Tagen flag
Ich werde ein paar Wochen Pause machen! Sollte ich genügend Inspiration für ein Kapitel haben, stelle ich es on, aber ich werde vorerst nicht mehr regelmäßig Kapitel schreiben.
vor 498 Tagen flag
Ich will ehrlich sein... Ich habe keine Entschuldigung dafür, dass letzte Woche kein Kapitel kam. Ich hatte es sogar fertig, ich habe es nur nicht online gestellt. Nun, es tut mir leid. Dafür gibt es heute beide Kapitel auf Schlag.
Kapitel 54 ist leider etwas kürzer, aber sonst wäre ich wahrscheinlich nicht zum Punkt gekommen.
Ich habe beide Kapitel nur nochmal überflogen, da ich spät dran bin, sollten Fehler auffallen, sagt es mir bitte ^^'

Jetzt muss ich erstmal ein bisschen Lesestoff nachholen ^^'
vor 510 Tagen flag
Nein, bitte nicht. Das würde sie ruinieren^^