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Punches are hard, but words are worse

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3 Kapitel - 2.671 Wörter - Erstellt von: - Aktualisiert am: - Entwickelt am: - 1.091 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

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Der letzte Schultag überstanden Still saß ich auf meinem Bett, die Hände ordentlich auf meinem Schoß gefaltet, damit sie ja nichts Unüberlegtes a
Der letzte Schultag überstanden Still saß ich auf meinem Bett, die Hände ordentlich auf meinem Schoß gefaltet, damit sie ja nichts Unüberlegtes anstellten. Die Stille wurde nur durch mein unregelmäßiges Atmen gebrochen, das die Luft zu erschüttern schien. Die beengenden, mit Postern zugeklebten Wände, schienen sich immer näher zu kommen und ich hatte das Gefühl, zwischen ihnen eingeengt zu werden. Vor ein paar Tagen hatte ich mir geschworen, es nicht wieder zu tun, weil ich es sowieso danach bereuen würde. Doch in dem Moment war das egal. Langsam schloss ich die Augen, atmete einmal tief durch und versuchte das Zittern meiner Hände zu kontrollieren. Die Stimme in meinem Kopf war besitzergreifend und so viel stärker, als ich es je sein konnte. Sie war böse, sehr böse. Tu es! Du bedeutest niemandem etwas, du mieses Stück Dreck! Mit jeder Sekunde, die du an dieses Leben verschwendest, wird dein Leiden größer! Niemand wird dich vermissen! Ich kniff die Augen zu sammeln, unterdrückte die Tränen und krallte mich in den Stoff meiner Jeans fest. So sehr ich mich auch gegen diese Macht in mir wehren wollte, mein Körper war zu schlaff und mager, als dass ich irgendetwas verändern konnte. Das einzige, zudem ich fähig war, war, mich selbst zu zerstören. Ich spürte es mit jedem Atemzug, mit jedem Muskel, den ich bewegte: Ich war ein Nichts, eine Verschwendung von Sauerstoff. Und doch tat es mir weh, der Stimme recht zu geben. Mich würde niemand vermissen, mich mochte niemand, und niemand würde mein Verschwinden bemerken. Trotzdem wollte ich mir nicht das Leben nehmen, weil ich an das Gute in den Menschen glaubte. Und das hatte mir die Stimme in meinem Kopf noch nicht nehmen können. Dieser Druck in mir war unerträglich. Ich kämpfte dauerhaft gegen ihn an, obwohl ich wusste, dass loslassen und aufgeben viel einfacher wäre. Vielleicht lag es auch daran, dass ich hier in diesem verdammten Dorf eingesperrt war, ohne Fluchtmöglichkeit. Ich war damals mit zehn Jahren zu meiner Großmutter hierher gezogen, weil meine Eltern ihr Leben in den Griff bekommen mussten und ich ihnen im Weg war. Damals war alles noch gut, in der Schule war ich auch gut, hatte einige flüchtige Freunde und verstand mich gut mit meiner Großmutter. Doch das änderte sich, als sich in den letzten acht Jahren meine Persönlichkeit entwickelte und ich immer verschlossener und auffällig wurde. Meine Freundinnen wurden zu den typischen Teenagern; Lippenstift, Fangirls, Kleid, blonde Haare, Ausschnitt, beliebt und hübsch. Ich dagegen spaltete mich immer weiter von ihnen ab und ging meinen eigenen Weg; Musik, zerrissene Jeans, schwarze Lederjacke, schwarze Haare, mager, hässlich und unbeliebt. Dann wendeten sich auch meine damaligen Freundinnen von mir ab und gehörten nun auch zu der Schülermasse, die mich in der Schule herumschubste, im Schulklo einsperrte und mich mit Essen bewarf. Die Taten waren damals schon schlimm, doch die Worte, die sie mir, gefolgt von Gelächter, an den Kopf warfen, brachen mich innerlich und trieb mich dazu, mir hübsche, tiefe, rote Narben zuzufügen. Sie nannten mich Junge, weil ich mich ihnen nicht anpassen konnte. Ich krallte meine Finger in meine Langen, schwarzen Haare und schluchzte einmal laut auf. Meine Großmutter war auch nicht mehr so fit, wie vor acht Jahren, täglich musste sie Spritzen bekommen, die sie am Leben hielten und die Pflegehilfe war wie eine Mutter für mich geworden. Trotzdem fühlte ich mich so unwohl in meiner Haut, ich war nach wie vor der Meinung, dass das alles meine Schuld war. Ich war ein schlechter Mensch, ich war unfähig, meine Depressionen zu kontrollieren und die Stimme machte mich wahnsinnig. Diese Gedanken machten alles nicht gerade besser. Vor einigen Tagen hatte ich mir geschworen, die Rasierklingen unter meinem Bett nie wieder anzurühren, doch nun war die Sehnsucht nach frischen Schnitten und Blut so groß, dass ich mich fast nicht mehr zurückhalten konnte. Ich war süchtig nach diesen unschuldigen Klingen, die mein Leben zerstörten und doch war ich viel zu schwach um dagegen anzukämpfen. Ein weiteres Schluchzen verließ meinen Mund und ich versuchte mich abzulenken. Da gab es noch meine geliebte Gitarre, die mir zu meinem fünfzehnten Geburtstag geschenkt wurde. Sie war das einzige, das mir mehr als alles andere, etwas wert war. Die glänzenden Saiten und das von Schrammen übersäte Holz beruhigten mich. Ich hatte mich dazu entschieden, sie schwarz anzumalen, denn Zeichnen war eine weitere Leidenschaft in meinem Leben, für die ich schon viel einstecken musste. Eigentlich gab es nichts, das mich mit den anderen Mädchen identifiziert. Ich trage keine Miniröcke, habe keine Brüste und habe keine schöne Figur. Ohne dass ich es verhindern konnte, stürzte eine Träne meine Wange hinab und ehe weitere folgen konnte, sprang ich auf, eilte keuchend ins Badezimmer und schloss die Tür hinter mir. Nach Luft schnappend, beugte ich mich über das Waschbecken und blickte mein kraftloses Spiegelbild an. Mich schauten zwei leblose, trotzdem hübsche, hellblaue Augen an, die in einer Pfütze von schwarzem Make-Up unterzugehen schienen. Meine Lippen waren fahl und farblos auf meiner leichenblassen Haut. Narben zierten meine Arme, Beine und einige sogar meinen Bauch. Ich hatte meinen Körper zerstört und aus dem einst hübschen Mädchen ein unvorstellbares Monster gemacht. Ohne auch nur einen weiteren Gedanken zu verschwenden, griff ich nach einer Schere und schnitt entschieden an meinen langen Haaren herum. Das Waschbecken füllte sich allmählich mit schwarzen Haaren und meine Mähne wurde immer kürzer. Wenn sie schon dachten, ich sei ein Junge, dann sollten sie bekommen, was sie sollten. Entrüstet ließ ich die Schere fallen, welche mit einem lauten Klirren zu den ganzen Haaren fiel. Ich blickte einem entsetzten Mädchen entgegen, mit verwuschelten schwarzen Haaren, die ihr ins Gesicht fielen und nur knapp bis zu ihrem Hals gingen. Meine hüftlange Pracht war verschwunden. Das einzige, was mich noch äußerlich zu einem Mädchen machte. Ich hatte tatsächlich das getan, was alle von mir wollten. Ich hatte mich für die anderen verändert.

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Das war das erste Kapitel meiner Geschichte, ich hoffe es hat euch gefallen. Ich wollte einmal etwas neues ausprobieren. Wenn ich weiter mit der Story bin, werde ich die ersten Kapitel überarbeiten, da sie wahrscheinlich einige Rechtschreibfehler beinhalteten. Über Feedback und Kritik würde ich mich immer freuen (:

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