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Sieben Worte - Von Knarrks, Schlisch und dem Knauf

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1 Kapitel - 998 Wörter - Erstellt von: Kte Ohitaka//210699 - Aktualisiert am: 2018-03-29 - Entwickelt am: - 191 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Zu torden! s Schreibwettbewerb.

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    Nun, die bewegendsten Zeiten einer Türklinke sind ganz sicher die ihrer Geburt. Denn je nach Material und Kultur entstehen sie auf ganz unterschiedli
    Nun, die bewegendsten Zeiten einer Türklinke sind ganz sicher die ihrer Geburt. Denn je nach Material und Kultur entstehen sie auf ganz unterschiedliche, wunderbar vielfältige Art und Weise. Ob gegossen, geschnitzt oder aus Papier geschnitten, sie alle fiebern nur ihrer ersten Tür entgegen. Und jeder weiß: Türklinken und Türen sind sehr ausdauernde Liebhaber. Einmal gefunden, kann nur der Tod sie wieder scheiden. Für unseren Protagonisten allerdings (sein Name ist Knarrks mit Doppel R) sollte das Schicksal mit der Tür ins Haus fallen, denn fallen tat auch der Container, in dem er verfrachtet wurde und zwar direkt ins Meer. Wahrscheinlich würde Knarrks jetzt direkt am Grunde des Meeres liegen, wäre nicht sein Karton – ein ganz hervorragendes Stück, dass ihnen das Treiben auf den Wellen ermöglichte - durch die halb geöffneten Metallpforten hinaus geschwemmt worden. Selbstverständlich war er nicht allein in diesem Karton, er hatte genau neunundneunzig Brüder und Schwestern bei sich, die alle genau so aussahen wie er selbst. Unterscheiden konnten sie sich nur an ihrem Geruch und ihren Stimmen, wobei ich anmerken muss, dass Türklinken einen ausgezeichneten Tastsinn besitzen, der ihrem Leben im späteren Verlauf eine qualvolle Nuance verleiht. Knarrks lag jedenfalls neben einem Türklinkenweibchen, dessen Name ich hier unerwähnt lassen möchte, da er bei allen Wesen mit Herzschlag Übelkeit und Atemnot hervorrufen würde. Ihre kühl vergoldeten Rippen bohrten sich schon die ganze Zeit gegen seine Kurve, ein denkbar unangenehmes Gefühl, dem er aber schlecht entweichen konnte, denn – wie erwähnt – insgesamt waren sie einhunderundeins und es herrschte Platzmangel. Eins? Ja, denn dieser Karton beherbergte außerdem noch einen Türknauf, der, abgesehen davon, dass er nur ein Knauf war, auch noch zur Ausschussware gehörte. Wo er genau herkam wusste niemand so genau und da sich keiner bereit erklärte ein Gespräch mit ihm zu beginnen, bleibt es wohl auf immer ein Geheimnis.
    Nach zwei Wochen auf dem Ozean (einige Mitglieder der Besatzung hatten sich inzwischen als eigenständig erklärt, waren aus den Karton gerutscht und mit einem leisen Plopp unter Wasser verschwunden, wodurch sie jetzt nur noch zu achtundneunzig waren) erreichte das gut bestückte Gefährt schließlich das Eismeer wo es, wie der Name schon vermuten lässt, bitterlich kalt war. Da Türklinken zu den wechselwarmen Gegenständen gehören, fielen sie alle schon bald in eine Winterstarre, von der nur der Knauf verschont blieb, da er sich durch seinen voluminösen Körperbau und der allgemein bekannten Tatsache, das Türknäufe Gleichwarm sind, besser an die kalten Temperaturen anpassen konnte. Er kuschelte sich einfach an das Weibchen und Knarrks und damit hatte sich die Sache.
    Ohne das sie es wussten, zerstörte die kleine Gemeinschaft die sinnlichsten Träume eines Kaiserpinguins, der den Karton nicht nur fand, sonder auch zu essen gedachte und von dem herben Pappegeschmack schwer enttäuscht wurde. Die Folgen dieses Angriffes waren allerdings schwerwiegender. Der Karton – verletzt und in seiner Würde als qualitativ hochwertig gekränkt – nahm sich das Leben und gab sich dem Verfall hin. Schweren Herzens muss ich dokumentieren, dass ihm sämtliche Klinken, in ihrer Starre des Schwimmes untauglich, auf den Grund des Meeres folgten. Knarrks blieb als einziger zurück, was vermutlich damit zu tun hatte, dass er halb im Rachen des Pinguins stecken geblieben war, bevor dieser ihn auf eine Eisscholle rotzte. Und der Knauf … der Knauf war aus Holz. Und dümpelte von ganz allein vor sich hin. Da er nichts besseres zu tun hatte, schloss er sich Knarrks und der übereifrigen Eisscholle, die sich als Schlisch vorstellte, einfach an. Zu dritt boten sie einander beste Unterhaltung, wobei sich Knarrks und der Knauf als mehr als schweigsame Kommunikationspartner herausstellten, was Schlisch in ihrer Gesprächigkeit allerdings nicht im geringsten zu beeinflussen schien. Sie war sehr Stolz auf ihre derzeitige Entwicklung und Individualität, denn sie war wohl einst Teil eines Gebirgsbaches gewesen.
    Das Verhältnis von Sonnenlicht und Wärme begann sich aber schon bald drastisch zu ändern und Schlischs anfängliche Begeisterung darüber, endlich abzunehmen verflog schnell. Irgendwann existierte nur noch der Teil von ihr, der Knarrks über Wasser hielt und dieser knarzte ihr die schönsten Lieder vor, damit sie nicht einfach aufgab. Er hatte nämlich schreckliche Angst seinen Geschwistern in diese unbestimmbare Dunkelheit zu folgen. Doch das Schicksal und Schlischs großer Wille eisern zu bleiben, bestimmten ihm ein anderes Ende. Zu dritt – und ja, der Knauf leistete hier die rettende Hilfe – gelangten sie bis in eine Bucht. Dann löste sich Schlisch endgültig auf, nur um ihnen später in Wellenform den letzten Schub ans Festland zu geben. Ja, so aufopferndes erlebt man selten. Knarrks Freude über das neue Abenteuer währte allerdings nicht lange, denn eine sehr grobe, schwirzige und nach Fisch stinkende Hand hob ihn auf (wir erinnern uns an den Tastsinn) und warf ihn in einen Korb. In diesem Korb befanden sich bereits allerlei Gegenstände aus irgendwelchen Metallen und wie sich herausstellte, sollte ihrer aller Nichtleben ein drastisches Ende finden, als sie an einen Wertstoffhändler geliefert und eingeschmolzen wurden. Von Knarrks weiß ich, dass er unter dem Namen Blubbles als Seifenblase wiedergeboren wurde. Was in all dieser Zeit aus dem Knauf geworden war, das will ich ein anderes mal aufgreifen, denn das ist eine lange Geschichte.

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Sieben Worte - Von Knarrks, Schlisch und dem Knauf
Sieben Worte - Von Knarrks, Schlisch und dem Knauf
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2018-03-28
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