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'Til I Lose My Mind (2)

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4 Kapitel - 26.381 Wörter - Erstellt von: Ahri - Aktualisiert am: 2018-04-05 - Entwickelt am: - 244 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Nachdem Azarni von Marus' Geheimnis und Verbindung zu Itachi weiß, fängt nun die Suche nach dem Artefakt an, das Marus womöglich retten kann.
Gleichzeitig müssen Azarni, Marus und Hilia das Verschwinden eines Clans auf den Grund gehen.

1
Kapitel 9

Fünf Tage später stand Azarni mittags auf einem der zahlreichen Trainingsplätze Konohas und kämpfte mit ihrem neugekauften Katana gegen einen Doppelgänger von sich selbst.
Als sie am nächsten Tag nach der Mission mit Marus und Hana erkrankt war, gingen ihr einige Dinge durch den Kopf, die sie fürs Erste verdrängt hatte. So kam es auch, dass ihr Hanas Worte Du bist nicht mehr in der besten Form dauerhaft in ihren Gedanken herumgeschwirrt waren.
Hana hatte mit dieser Aussage genau ins Schwarze getroffen, und wusste es wahrscheinlich auch. Genau deshalb war Azarni im Hokage-Büro auch so wütend gewesen. Nicht aus Müdigkeit oder Stress. Es nagte am Ego der Kunoichi, dass man sie auf etwas hingewiesen hatte, was ihr längst selbst bewusst geworden war. Wollte die Inuzuka ihr etwa unter die Nase reiben, dass sie im Kämpfen nachgelassen hatte? Die Antwort war egal, denn für Azarni fühlte es sich jedenfalls so an.
Sie musste zugeben, dass sie es stark vernachlässigt hatte, nachdem ihr wochenlang keine Missionen mehr zugeteilt worden waren. Nun war sie motiviert. Sie wollte hart trainieren, um eine Jonin zu werden. Zwar würde sie es niemals laut aussprechen, aber Marus war derjenige, der sie motivierte.
Marus war nicht mehr nur der mögliche Spion von Iwagakure in den Reihen von Konoha. Seit dem Gespräch mit Hilia und ihm sah sie ihn mit anderen Augen. Er war nun einer ihrer Verbündeten. Jemand, mit dem sie Geheimnisse teilte und durch die beide in Schwierigkeiten gerieten. Sie hatten sich gegenseitig in den Händen. Verriet der eine das Geheimnis des anderen, so würde auch das eigene Geheimnis ans Licht kommen – und für keinen von ihnen würde das gut ausgehen. Beide würden als Hochverräter angesehen und wahrscheinlich auch als Nuke-Nin eingestuft werden.
Ihre Panik und ihr Misstrauen ihm gegenüber waren seit jeher abgeklungen. Für Azarni war die Offenbarung von Marus‘, was seinen Gesundheitszustand und der Sache mit Itachi anging, eine Art Vertrauensbeweis, den sie zu schätzen wusste. Er zeigte ihr damit, dass ihr Geheimnis bei ihm sicher war und wenn er es je ans Licht bringen würde, dann wäre er auch fällig. Diesem Risiko ist er bewusst entgegen getreten, um Azarni einen Beweis für Loyalität zu liefern.
Marus war aus Azarnis Sicht ein schlauer, humorvoller und freundlicher Mann, der dennoch wusste, was seine Ziele waren. Als einen Freund würde sie ihn nicht ansehen. Azarni mochte ihn zwar nun mit anderen Augen sehen, jedoch sollte man manche Dinge einfach langsamer angehen lassen. Die Beziehung zwischen Hilia und ihr ging auch sehr schnell – für manche zu schnell - doch das zwischen ihnen war etwas Besonderes. Sie mochten zwar durch Marus Handeln nun aneinandergebunden sein, dennoch genoss sie seine Gesellschaft mit einem skeptischen Auge. Er hatte ihr immerhin bei dem letzten Gespräch gestanden, dass das Auftauchen der Akatsuki Leute und die Zuteilung dieser Mission kein Zufall gewesen war. Marus hatte alles so arrangiert, dass Azarni ihrem Team beigetreten war und er sie an sich binden konnte. Wenn sie so darüber nachdachte, war Marus unberechenbar und irgendwo misstraute sie ihm immer noch. Er mochte sie beide aneinandergebunden haben, aber für Azarni war es schwer vorzustellen, dass es nur ihr Vertrauen damit gewonnen wollte. Es war verdächtig. Was wollte er damit bezwecken?
Azarnis Gedanken wurden unterbrochen, als ihr Doppelgänger, gegen den sie kämpfte, ihr das Katana aus der Hand geschlagen und seines an ihre Kehle gelegt hatte.
„Du bist nicht bei der Sache. So wirst du dich nie verbessern“, sprach er zu Azarni.
Genervt rollte sie mit den Augen. Jetzt wurde sie auch noch von ihrem eigenen Doppelgänger zurecht gewiesen. Seit wann hatte sich ihr Leben in eine gefühlt dauerhafte Zurechtweisung verwandelt?
„Das musst du mir nicht sagen. Ich werde nur nicht aus Marus schlau“, gestand sie und sammelte ihr Katana auf. „Noch eine Runde.“
Gerade als Azarni und ihr Doppelgänger sich wieder gegenüber aufstellen wollten, ertönte hinter Azarni eine vertraute Stimme: „Was bereitet dir Kopfzerbrechen über mich?“
Wenn man vom Teufel sprach! Und ausgerechnet in diesem Moment, musste er auftauchen, als ob er es geahnt hätte. Azarni fuhr sich über das Gesicht und murmelte ein leises „Scheiße“ vor sich her, ehe sie sich zwang ruhig und gefasst zu bleiben. Es war peinlich, aber es war auch ihre ehrliche Meinung.
„Du bist ein gewiefter Fuchs, Marus. Ehrlich gesagt, hätte ich das ganze Gespräch mit Hilia vor ein paar Tagen für eine Art Vertrauensbeweis gehalten, aber mich täuschst du nicht so einfach. Du hast uns aneinandergebunden, dabei dich selbst in eine riskante Situation gebracht und genau das sollte mich davon überzeugen, dass du nichts im Schilde führst. Ich weiß nicht wieso du ausgerechnet mich dabei haben willst, aber ich bin nicht dumm“, erklärte sie ihm ruhig und verschränkte die Arme vor der Brust, nachdem sie sich zu ihm umgedreht und ihren Doppelgänger aufgelöst hatte.
Entgegen ihrer Erwartung lächelte Marus sie freundlich an. „Ich glaube, du bist ein wenig zu paranoid. Ja, ich habe alles so arrangiert, dass du von meiner Situation erfährst und damit wollte ich nur eine Vertrauensbasis schaffen, wie du bereits richtig erkannt hast. Zugegeben überrascht es mich, dass du sogar noch weiter gegangen bist und es von einer misstrauischen Seite aus betrachtet hast. Und warum ausgerechnet du? Ich sehe Potenzial in dir, das du selbst nicht siehst. Von deiner hitzigen Art abgesehen bist du eine interessante Kunoichi, die sich offen stark zeigt, aber in sich drin Selbstzweifel hegt und sozialen Kontakt scheust-“
„Schön, dass du mir noch einmal vor Augen hältst, dass ich asozial bin. Das weiß ich.“
„Darüber wollte ich auch nicht anfangen zu reden. Ich will dir nur zeigen, dass ich nichts im Schilde führe“, erklärte er ihr sachlich und machte eine Pause, die Azarni nutzte, um einen Kommentar loszulassen: „Langsam glaub ich echt, dass es ein Fehler war, Hilia zu vertrauen. Sie plaudert ja alles heraus. Das alles ist ein abgekartetes Spiel von euch.“
„Ein abgekartetes Spiel damit du anderen mehr vertraust. Dich aus deiner Reserve zu holen und dir verdammt noch einmal zu zeigen, dass du kein so grausamer Mensch bist, wie du vorgibst zu sein. Ich mag es nicht, wenn Leute ihr Potenzial verschwenden, so wie du es tust. Du gibst dir keine Mühe, vernachlässigst dein Training und schaffst es gerade so mit Erfolg deine Missionen abzuschließen.“
„Was kümmert dich das schon, wie ich mein Leben lebe und wie ich mein Training, meine Missionen und den ganzen Rest angehe. Halt dich da einfach raus“, fauchte sie verärgert. Sie wollte keine Hilfe, sie wollte es alleine schaffen, zu einer Jonin aufzusteigen. Was wusste Marus schon von ihrem Leben. Es gab eine Zeit vor etlichen Jahren, in der sie und ihr Adoptivbruder ein so enges Verhältnis zueinander hatten, dass sie abhängig von ihm wurde. In ihrer Klasse hatte sie sich zwar nie etwas anmerken lassen und immer alles unter Kontrolle gehabt, aber letztendlich gab es dann noch ihr privat Leben. Und genau in diesem hatte sie kaum etwas ohne ihren Bruder gemacht. Und genau das war eine Erinnerung, die Azarni mit der Zeit zuwider wurde. Sie entschied sich für den Weg eines einsamen Wolfes, der kein Rudel brauchte und zu jeder Zeit seine Unabhängigkeit demonstrieren musste. Auch wenn es hieß, jeden vor den Kopf zu stoßen.
„Wieso sträubst du dich nur so sehr gegen jegliche Hilfe, die man dir anbietet?“, seufzte Marus und fuhr sich über sein Gesicht. „Azarni, du weißt so gut wie ich, dass dieses Leben, das du führst, dich nicht glücklich macht.“
Missbilligend lachte sie auf. „Woher willst du denn schon wissen, ob ich glücklich bin oder nicht. Du weißt rein gar nichts über mich. Also tu nicht so, als würdest du mich irgendwie kennen oder verstehen.“ Und dennoch fühlte sie in ihrem Inneren die Traurigkeit und Einsamkeit. Sie hasste ihn dafür, dass er sie so durchschauen konnte. Das Gespräch sollte nur noch enden. Sie wollte niemanden, der sie darauf hinwies, wie unglücklich sie in ihrem Leben doch war. Azarni war sich ihrer Lage und jegliches Handeln ihrerseits bewusst. Sie nahm die Folgen bewusst in Kauf, auch wenn sie wusste, dass sie nicht lange so weitermachen konnte, doch da war diese Angst, die sie vor einer Veränderung abhielt. Diese Angst wieder abhängig von jemandem zu werden und sie dadurch schwach und zerbrechlich wirkte, wie sie es nun mal in ihrem Inneren war.
„Ich weiß nur zu gut, wie es ist. Ich war auch mal so – oder so ähnlich. Jegliche Hilfe habe ich stets abgelehnt, hatte Angst, dadurch schwach zu wirken oder in Gefahr zu laufen, meine Unabhängigkeit zu verlieren. Und irgendwann kam dann sie.“ Er sah in den Himmel und legte eine Pause an, so als würde er in Erinnerungen schwelgen. Azarni meinte sogar ein flüchtiges Lächeln auf seinen Lippen gesehen zu haben. Sie wusste, dass er noch was sagen würde, weshalb sie die Arme verschränkte und anfing ungeduldig mit ihrem rechten Zeigefinger immer wieder auf ihren linken Oberarm zu tippen.
Marus seufzte nach wenigen Sekunden und richtete seinen Blick wieder konzentriert auf Azarni. „Lange Zeit habe ich ein Leben in Einsamkeit geführt und dass ich unglücklich war, habe ich mit jeder Mission einfach verdrängt. Ich habe unnachgiebig und alleine trainiert. Ich wurde immer besser, wurde sogar zu einem Anbu. Als ich diesen Rang erreichte, trat Natsuki in mein Leben und hat es mit der Zeit verändert. Zuerst hatte ich Angst, mich auf die Veränderung einzulassen und mich dieser zu stellen. Meine Unabhängigkeit zu verlieren, war mit Abstand meine größte Furcht. Natsuki hat es bemerkt und mir gezeigt, dass ich trotz meiner engen Beziehung zu ihr, dennoch unabhängig sein konnte. Sie hat mich in ein glückliches Leben gebracht und ich bin ihr dankbar dafür, auch wenn sie nicht die war, die sie vorgegeben hat zu sein.“
„Natsuki?“
„Meine verstorbene Frau.“
„Wirklich rührende Geschichte“, gab Azarni sarkastisch von sich, ihre Arme hatte sie währenddessen vor ihrer Brust verschränkt. Er hätte sich seine Geschichte auch sparen können. Sie würde sich nie ändern. Ihre Angst vor Veränderung würde auch weiterhin zu groß sein.
Sie hörte, wie Marus tief ausatmete. Sie machte ihn mit ihrer sturen und abweisenden Art echt zu schaffen. „Azarni, ich meine es ernst.“
„Und ich nicht. Mir ist es egal, was du durchgemacht hast. Es interessiert mich einfach nicht.“ Leicht genervt ließ sie ihren Blick über den Platz fliegen, entdeckte neben einigen trainierenden Shinobis ein ihr bekanntes Gesicht. Rai sah zu Azarni hinüber und für einige Sekunden hielten sie Blickkontakt, doch Anstalt auf Azarni zuzugehen machte Rai dennoch nicht.
Azarni fragte sich erst gar nicht, was sie hier zu suchen hatte, es war ihr herzlich egal. Sie hatte mit dem Kapitel Rai abgeschlossen und dieses Kapitel würde sie auch nie wieder öffnen. Ihre Freundschaft war für sie nichts weiter als eine Geschichte, die immer weiter in Vergessenheit geraten würde.
Marus war Azarnis abschweifender Blick nicht entgangen und er hatte sich ebenfalls zu Rai umgedreht. Abwechselnd sah er zwischen den beiden jungen Frauen hin und her.
„Wer ist das?“
Azarnis Aufmerksamkeit wanderte wieder zu Marus zurück. „Jemand, mit dem ich mal in einem Team war.“ Ihr war klar, dass er bereits die Antwort kannte und sie nur gefragt hatte, um die Unterhaltung wieder neuanzufangen.
„Hör zu“, kam Azarni ihm zuvor, „Ich weiß, du bemühst dich, aber lass es einfach. Es wird sich nie was ändern. Ich werde mich nie um andere Menschen sorgen. Sie werden mir immer egal sein und ich werde mich weiterhin zurückziehen. Da kannst weder du noch sonst irgendwer etwas dran ändern.“
„Lass mich wenigstens deine Kampffertigkeiten fördern. Lass mich dein Trainingspartner und Sensei sein. Davon abgesehen ist es besser, wenn du wieder in Form kommst, bevor wir die eine Angelegenheit in Angriff nehmen können. Man hat uns gewarnt, dass neben uns eventuell noch weitere Personen anwesend sind. Mit viel Pech wird es zu einem Kampf kommen und die sind nicht gerade schwache Gegner“, schlug Marus einen Kompromiss vor.
Skeptisch zog Azarni eine Augenbraue in dir Höhe und begann zu überlegen. Mit einem Partner ließ es sich wirklich besser trainieren. Man konnte sich gegenseitig oder– in Azarnis Fall – einer dem anderen Verbesserungsvorschläge machen und darauf hinweisen, woran man noch arbeiten konnte. Mit Marus würde sie wahrscheinlich schneller bessern werden als ohne ihn. Außerdem würde es ihn ruhig stellen und sie nicht weiter mit dem Thema Veränderung belästigen.
„Also schön. Nur Trainingspartner und Sensei, was das kämpferische angeht. Du lässt mich mein Privatleben gestalten, wie ich es möchte und funkst mir da nicht zwischen“, willigte sie schließlich ein und streckte ihm die Hand für einen Handschlag hin.
Mit ernster Miene schlug er ein und damit stand der Deal zwischen den beiden.
„Dann fangen wir mal mit einem Trainingskampf an. Ich will wissen, wie dein Stand im Tai-, Nin- und Gen-Jutsu ist. Mit etwas muss ich ja arbeiten können, um zu sehen, auf was wir den Fokus legen können“, erklärte Marus das weitere Vorgehen, während er eine autoritäre Haltung einnahm.
„Du machst das nicht zum ersten Mal, oder? Also einen Genin auszubilden“, bemerkte Azarni und erntete ein sanftes Lächeln von Marus.
„Das ist wahr. In Iwagakure hatte ich zwischenzeitlich meine Anbu-Karriere aufs Eis gelegt und zwei Genin Teams ausgebildet. Später hat man mir das Angebot gemacht, Anbus auszubilden und Leiter einer Einheit zu sein. Die Leute waren von meiner Führungskraft begeistert. Aber wir sollten mit dem Training anfangen, und glaub mir, es wird kein Zuckerschlecken für dich werden. Der Trainingsplan wird voll und strikt sein.“
Auf was hatte sie sich da nur eingelassen. Wenn sie nur gewusst hätte, dass Marus mal Anbus ausgebildet hatte, hätte sie sich sein Angebot noch einmal durch den Kopf gehen lassen.
„Ich werde auch nicht ernst machen und nur mit einer Axt arbeiten, wenn wir die Waffen hinzunehmen. Immerhin geht es hier nicht darum dich fertig zu machen, sondern um eine erste Einschätzung“, beruhigte er sie lachend.
„Ich fühle mich schon viel besser“, kommentierte sie sarkastisch und stellte sich im großen Abstand ihm gegenüber auf.
„Das Katana kannst du vorerst zur Seite legen. Waffen nehmen wir später hinzu, sobald wir die drei Grundlagen durchgegangen sind.“
Widerwillig lehnte Azarni es gegen den Baum, der sich hinter ihr am Rande des Platzes befand und kehrte danach wieder zurück an ihre Position. Ihr entging dabei nicht, wie Marus sie wachsam im Auge behielt.
„Irgendeinen Wunsch mit was wir als erstes starten?“, fragte Azarni ihn und stemmte eine Hand in die Hüfte.
Doch anstatt eine Antwort zu bekommen, stand er in der nächsten Sekunde vor ihr und beförderte sie mit einem Schlag in die Magengegend gegen den Baum. Azarni war so überrascht, dass sie den Angriff nicht hatte kommen sehen und dementsprechend auch nicht genug Zeit hatte, um ihn abzuwehren.
„Ich wär für Tai-Jutsu“, grinste Marus, während sich Azarni vom Boden erhob.
Aus Gewohnheit hätte sie ihn angefaucht, was das denn sollte, aber ihr war bewusst, dass Marus mit einer Lehre von wegen »Sei immer wachsam und auf alles vorbereitet« angekommen wäre.
Gerade als sie wieder auf den Beinen stand, holte Marus bereits zum nächsten Schlag aus, den Azarni nur knapp mit ihrer linken Hand umleitete und sich dabei zur Seite wegdrehte. In einer fließenden Bewegung ging sie in die Hocke und wollte ihm das rechte Bein wegziehen. Doch Azarnis Angriff war vorhersehbar, sodass Marus mit einem Salto nach hinten auswich.
„Das war schon gut, aber nicht gut genug, um es mit Akatsuki aufnehmen zu können“, lobte er sie.
Noch ehe er den Satz zu Ende gesprochen hatte, stand wiederum Azarni vor ihm und wollte ihm grinsend in den Magen schlagen, doch sie hatte sich zu früh gefreut. Mit Leichtigkeit hatte er ihren Angriff zur Seite umgelenkt und stellte ihr dabei ein Bein, sodass sie an ihm vorbei auf dem Boden flog.
„Du musst immer einen Plan B haben, falls dein Gegner doch mit deinem Angriff rechnet, sodass du nicht allzu sehr in den Nachteil kommst. An deiner Stelle hätte ich im Hinterkopf behalten, was mein Gegner machen könnte, um meinen Angriff zunichtezumachen. Du kämpfst, ohne überhaupt einen Plan zu verfolgen, wie du deinen Gegner schlagen kannst. Manchmal ist es gut, wenn du aus Intuition handelst, aber dein Angriff gerade war einfach nur sinnlos, jedoch ein schöner Versuch, wenn dein Kontrahent auf einem Genin-Level wäre“, belehrte Marus sie.
Genervt schloss Azarni die Augen und verharrte noch einige Sekunden am Boden, bis sie sich wieder aufrappelte und sich Marus zuwandte. Konnte er sie nicht nach dem Training belehren und sie mit Tipps überhäufen?
„Na komm, noch eine Runde“, forderte er sie auf und ging wie Azarni in Kampfposition.
Auch dieses Mal bewegte sich Marus nicht von der Stelle und schien nur darauf zu warten, dass Azarni den ersten Zug machte. Sie selbst hätte ebenfalls auf eine Initiative von ihrem Gegenüber warten können, aber das würde auf Dauer zu nichts führen – außerdem war das Training extra für Azarni.
Aus diesem Anlass heraus vollführte sie den ersten Angriff. Sie beschwor zwei Blitzdoppelgänger von sich und rannte auf Marus zu, während ihre Selbstbilder einen Bogen liefen um Marus von beiden Seiten in die Mangel zu nehmen. Azarni zückte ebenfalls ein Kunai, das sie auf dem Weg zu ihrem Gegner auf ihn warf. Wie zu erwarten, wich er der Waffe fast schon gelangweilt aus. Azarni nutzte die Chance und tauschte ihren Platz mit dem Kunai, um Marus von hinten anzugreifen. So wie sie ihn einschätzte, hatte er diese Aktion von ihr durchschaut, weswegen Azarni bereits mit einem Angriff seinerseits aus der Drehung heraus rechnete und sie sich dementsprechend drunter hinwegduckte.
Im Augenwinkel hatte sie währenddessen gesehen, dass Marus ihre Doppelgänger mit Kunais ausgeschaltet hatte und sie ihm wieder alleine gegenüberstand.
Azarni erhob sich aus der Hocke und ließ dabei ihr Knie nach oben schnellen, doch Marus blockte den Angriff mit beiden Handflächen und wollte sie gerade zurückstoßen, als Azarni abermals in einer fließenden Bewegung in die Knie ging, um ihm die Beine wegzuziehen. Auch dieses Vorhaben hatte Marus vorausgeahnt und war in die Luft gesprungen, um in der nächsten Sekunde, wie ein Falke auf Azarni stürzen zu wollen. Sie rollte sich zur Seite hinweg und entging nur knapp dem Angriff.
Ein leichtes Beben erfasste den nahen Umkreis und Steine flogen zu allen Seiten hinweg, doch das störte Azarni nur wenig. Sie hatte sich schnell wieder aufgerichtet und holte während ihrer Drehung zum Schlag aus, da sie Marus bereits hinter sich erwartete. Ihre Faust flog der nächsten Sekunde gegen Marus‘ Handfläche und ehe sie sich versah, hatte er ihren Arm auf ihren Rücken gedreht und sie bäuchlings auf dem Boden fixiert.
„Waffen und Ninjutsus waren nicht ausgemacht“, tadelte Marus mit einer Spur von Amüsiertheit.
Azarni hingegen starrte grimmig auf den Boden und beobachtete, wie eine Ameise wenige Meter vor ihr über das Feld krabbelte.
„Das war zwar kein reines Tai-Jutsu, aber es ist schon besser als deine vorherigen Versuche“, lobte er sie, doch Azarni gab vor, es nicht gehört zu haben.
„Würdest du bitte von mit runtergehen, ich bin nicht dein Reit…“, sie unterbrach sich, als sie realisierte, dass sie gerade eine zweideutige Bemerkung machen wollte, und schob noch schnell „Vergiss es“ hinterher.
Marus kam nicht herum laut aufzulachen und Azarni währenddessen wieder freizugeben.
Langsam stütze sie sich mit ihren Händen vom Boden ab und vergrub, als sie wieder auf ihren Beinen stand, sofort ihr Gesicht in ihrer Hand. Sie spürte, wie die Röte sich auf ihren Wangen ausbreitete.
„Was ist los, Azarni?“, fragte Marus wissend und amüsiert nach.
Er wollte sie aufziehen, das wusste Azarni. Wie ein Mantra redete sie sich das immer wieder, bevor sie die Lage mit einer impulsiven Aktion nur noch schlimmer für sich selbst machte.
Sie beruhigte sich und hoffte, dass die Röte in ihrem Gesicht nachließ. Anschließend setzte sie ein übertriebenes Grinsen auf und drehte sich zu Marus um. „Gar nichts. Alles bestens.“
Ehe sie sich versah, stand er bereits neben ihr. Sein Blick war verschwörerisch und huschte über das Trainingsgelände, während er seine rechte Hand an seinem rechten Mundwinkel hielt und ihr zuflüsterte: „So unter uns: wenn du mal reiten willst, kann ich dir gern weiterhelfen.“
„Was zur…!“, rief sie laut aus und vergrößerte den Abstand zwischen Marus und sich um mindestens zwei Meter, dabei sah sie ihn mit einem verstörten Blick an, die Peinlichkeit die Überhand gewann und Azarni wieder rot werden ließ.
„Ich kenne hier im Dorf jemanden, der ein Pferd besitzt. Ich darf es zu jeder Zeit benutzen. Weißt du, damals in Iwagakure gab es einen Bauern, der eins besessen hatte und ich durfte damit das Reiten lernen. Ich weiß ja nicht woran du gedacht hast. Also wirklich, Azarni.“ Marus hatte die Hände in die Hüften gestemmt und schüttelte gespielt verständnislos den Kopf.
Azarni wollte in diesem Moment nichts Sehnlicheres als im Boden zu versinken und Marus endlich loszuwerden. Er konnte es echt nicht lassen sie entweder in Verlegenheit zu bringen oder sie zu verärgern.
„Können wir bitte weitermachen?“, flehte Azarni fast schon verzweifelt, um aus dieser Situation zu kommen. Es wurde ihr zunehmend unangenehmer, je länger sie dort stand und von Marus wie ein Honigkuchenpferd angrinst wurde.
„Wie du willst, aber das Angebot steht nach wie vor.“
„Marus!“, brauste Azarni auf und warf die Hände in die Luft.
„Schon gut, schon gut. Ich hör ja auf.“
„Danke“, erwiderte Azarni mit zusammengebissenen Zähnen.
„Ich denke, mit Tai-Jutsu sind wir erstmal durch. Lass uns mit Nin-Jutsu weitermachen.“ Marus‘ Miene wurde wieder ernster, wohingegen Azarni nicht gerade begeistert wirkte.
„Was willst du denn da sehen? Ich kann nur einfache und defensive Raiton-Jutsus. Ich benutze die eh nur zur Ablenkung und nicht wirklich zum Angriff. Und die grundlegenden Nin-Jutsus muss jeder anstrebende Genin drauf haben“, klärte sie ihn auf.
„Da Nin-Jutsu mit Chakrakonzentration zu tun habe, würde ich dich bitten, dein Chakra wie eine sichtbare Hülle um dich zu konzentrieren. So kann ich gleich feststellen, ob es sich lohnt, dein Nin-Jutsu auf Elementbasis aufzubessern“, wies Marus sie an und deutete mit einer Hand, sie könne sich auch auf den Boden setzen, um diese Übung zu vollführen.
Azarni nahm das Angebot mit einem Nicken zur Kenntnis und ließ sich daraufhin nieder. Für den Anfang wäre es einfacher für sie, wenn sie dabei saß. Ihr war bei dieser Sache sowieso mulmig zumute.
Damals auf der Akademie hatte sie sich sofort auf Tai-Jutsu gestürzt. Die Chakrabasierenden Techniken hatte sie demnach nur mit Müh und Not auf die Reihe bekommen. Es war einfach nicht ihr Ding, geduldig und konzentriert zu bleiben. So war es kein Wunder gewesen, dass sie nur knapp die Zulassung zum Genin erreicht hatte.
Azarni saß im Schneidersitz und schloss dabei die Augen, wobei sie ihre rechte Hand vors Gesicht hob und zwei Finger auf Nasenhöhe nach oben abspreizte. Langsam begann sie sich darauf zu konzentrieren, den Chakrafluss in sich zu spüren und diesen schneller fließen zu lassen. Anschließend sammelte sie das Chakra um ihren Körper herum, sodass sie es wie eine Haut auf sich legen konnte. Kurzzeitig sah sie ein blaues Licht durch ihre Lider scheinen, doch es war so schnell verschwunden, wie es gekommen war.
Aufgrund des Fehlschlags schüttelte sie leicht verärgert den Kopf und versuchte es in der nächsten Sekunde wieder. Auch der zweite, dritte und vierte Versuch waren allesamt Fehlschläge und mit jedem Misserfolg wuchs auch Azarni Ungeduld und Ärger, bis sie schließlich nach dem fünften Mal wütend aufstand.
„Ich geb’s auf.“ Azarni warf ihre Arme in die Luft, bevor sie sie vor ihrer Brust verschränkte und Marus dabei genervt ansah.
Er hingegen schien nachdenklich und strahlte eine ungemeine Ruhe aus, die sich auf Azarni langsam übertrug – zumindest glaubte sie es.
„Du lässt dein Chakra viel zu schnell und auf einem Schlag durch deinen Körper fließen. Du musst es nach und nach ankurbeln. Versteh mich nicht falsch. Es ist möglich seinen Chakrafluss von jetzt auf gleich stark ansteigen und es nach außen hin sichtbar werden zu lassen, aber du bist noch nicht soweit. Die Chakrafreisetzung ist viel zu instabil. Versuch es noch einmal, aber dieses Mal langsamer.“
Azarni stöhnte genervt auf, aber wenn sie sich verbessern wollte, dann musste sie es versuchen und auf Marus hören. Unsanft ließ sie sich wieder auf dem Boden nieder und nahm erneut ihre Haltung von den ersten Versuchen ein. Wieder kurbelte sie ihren Chakrafluss an, aber dieses Mal würde sie Marus‘ Rat befolgen und es langsamer angehen – und es nervte sie jetzt schon. Es ging ihr einfach nicht schnell genug, dennoch riss sie sich zusammen. Jede Sekunde fühlte sich wie eine Ewigkeit an, bis sie nach geraumer Zeit endlich wieder das blaue Licht durch ihre Augenlider vernahm, das mit jedem Herzschlag immer intensiver und heller wurde.
Azarni hörte, wie Marus anerkennend pfiff. Innerlich freute sie sich über das Lob, doch ihre Glücksgefühle hatten sie so sehr abgelenkt, dass das Licht mit einem Schlag verschwand. Sie spürte eine Druckwelle von sich ausgehend und öffnete die Augen, bevor sie sich nach Marus umsah, der nun einige Meter von ihr entfernt stand.
Belustigt sah Azarni ihm dabei zu, wie er einige Strähnen aus seinem Gesicht strich, die sich durch die plötzliche Druckwelle verirrt hatten. Sie erhob sich und kam ihm entgegen.
„Lass dich nicht zu sehr Ablenken, sonst passiert so etwas“, belehrte er Azarni, die den Stolz in seinen Augen erkennen konnte. Innerlich freute sie sich wie ein kleines Kind darüber, doch nach außen hin hatte sie eine ernste Miene aufgesetzt und nickte.
Plötzlich holte Marus zum Schlag aus, dem Azarni nur knapp entgehen konnte, indem sie sich nach hinten gelehnt hatte. Daraufhin ließ sie sich auf ihre Handflächen fallen und vollführte einen Flick-Flack, um Abstand zu gewinnen.
„Was sollte das!“, rief sie noch immer perplex von diesem unerwarteten Angriff aus.
Anstatt eine Antwort zu bekommen, schnellte Marus bereits wieder auf sie zu und drängte sie immer weiter nach hinten. Sie achtete dabei auch darauf, gelegentlich zur Seite auszuweichen, um nicht gegen den Zaun zu stoßen, der das Gelände umsäumte.
Er scheuchte sie immer weiter über das Feld und mit jedem verpatzten Angriff seitens Marus hatte sie das Gefühl, er würde immer schneller werden. Sie hatte keine Zeit zu überlegen, wohin sie auswich oder wo sich was auf dem Trainingsgelände befand. Zu sehr war sie darauf konzentriert, den Angriffen von Marus auszuweichen. Dementsprechend bekam sie auch nicht mit, wie sie zum Fluss gedrängt wurde, der seine Bahnen in der Nähe des Zauns zog.
Sie vernahm immer mehr das ruhige Treiben des Flusses, doch zu spät realisierte, dass sie bei ihrem weiteren Ausweichmanöver ins Wasser trat und rücklings hineinfiel. Als sie in das kalte Nass eintauchte, schien alles wie in Zeitlupe abzulaufen. Sie blickte gen Sonne und sah, wie sie sich immer weiter von ihr entfernte. Sie wollte hochschwimmen, doch ihr Körper gehorchte nicht und irgendetwas zog sie in die unendliche Tiefe des Wassers. Unzählige Gedanken durchströmten ihren Kopf, doch bereits in der nächsten Sekunde herrschte eine gähnende Leere und sie sah anstelle der Sonne sich selbst über sich.
Die Mimik ihres zweiten Ichs war um einiges jünger als sie und das Gesicht sah sie vorwurfsvoll und ernst an. Azarni verstand nicht, was es zu bedeuten hatte.
Nach einer gefühlten Ewigkeit, begann ihr jüngeres Ich zu sprechen: „Erinnerst du dich an damals? An dein Ziel? An deine Motivation?“ Ihre Stimme hallte und Azarni hatte das Gefühl, von dem Hall der vorwurfsvollen Tonlage erdrückt zu werden, aber die Worte brachten sie wahrlich zum Nachdenken.
Azarni ging ihre Erinnerungen an die Akademie durch, doch sie wusste nicht, was ihr Gegenüber meinte. Ahnungslos schüttelte Azarni ihren Kopf, was die Mimik der Jüngeren ein Stück weit verfinsterte.
„Du hattest dir geschworen, es nie zu vergessen und nie aus den Augen zu verlieren!“
Normalerweise wäre jetzt der Punkt gekommen, an dem Azarnis Temperament mit ihr durchgegangen wäre, aber aus irgendeinem unerfindlichen Grund starrte sie ruhig ihrem anderen Ich entgegen.
„Wie konntest du nur vergessen, was dir wichtig war!“, warf die junge Azarni der Älteren vor. Die Enttäuschung in ihrer Stimme schwang immer mehr mit.
Auch jetzt begriff Azarni nicht, was die Jüngere von ihr wollte.
„Bist du in deinem Leben so sehr auf den Kopf gefallen, dass du Erinnerungslücken hast!“
Schuld keimte augenblicklich in Azarni auf und doch wusste sie nicht wieso. Sie ließ ihren Blick sinken. Mittlerweile standen die beiden sich gegenüber und das Wasser war einer weißen Umgebung gewichen. Es war kein Schnee. Es war als würden sie in einem leeren weißen Raum stehen.
„Du warst aufgeweckt und fröhlich, als du die Akademie betreten hast. Du wolltest wie dein Bruder den Weg eines Shinobis gehen. Du wolltest dir einen Namen machen und zeigen, dass man kein Uchiha sein muss, um ein überragender Shinobi zu werden. Du wolltest deinen Weg mit Freunden und nicht in Einsamkeit bestreiten! Was hat dich dazu verleitet, so zu werden, wie du jetzt bist! Wann hast du dein Ziel und deine Motivation verloren und aufgegeben!“, brüllte die jüngere Azarni mit Tränen in den Augen.
Überwältigt von den aufkeimenden Erinnerungen, die bei Azarni in Vergessenheit geraten waren, ging sie auf die Knie, ihren Blick weiterhin auf den Boden gerichtet. Bilder aus ihrer Kindheit und von ihrer Zeit an der Akademie tauchten vor ihrem inneren Auge auf.
Sie begann sich daran zu erinnern, was für ein aufgeschlossenes und lebensfrohes Mädchen sie einst war, und daran, wie sie sich von dem einen Tag auf den anderen verändert hatte. Es war nicht sie selbst gewesen, die diese Veränderung bei ihr verursacht hatte. Etwas hatte ihr befohlen, sich zu verändern. Diese Stimme in ihrem Inneren hatte sie für naiv und schwach gehalten. Jeder würde sie nur ausnutzen und sie müsse präventiv handeln, bevor die anderen sie verletzten, hatte die Stimme gesagt. Zunächst hatte die junge Azarni versucht dagegen anzukämpfen, aber schnell war sie gescheitert und hatte auf die Stimme gehört. Seit jeher war sie auch nicht mehr aufgetaucht und hatte Azarni in Ruhe gelassen.
Azarni hatte sich damals tatsächlich einen Namen gemacht, aber nur in der Akademie und einen sehr schlechten noch dazu. Und das war auch nicht ihr Ziel gewesen. Sie wollte eine Jonin werden, deren Namen über die Grenzen des Feuerreichs hinausgingen, und Freunde an ihrer Seite haben, die sie unterstützten, wenn sie es brauchte. Azarni wollte ihrem Vorbild nacheifern, so gut werden wie er und etwas in der Welt verändern. Sie hatte zwar noch nicht lange in Konoha gelebt, als er gestorben war, aber er hatte sie von Anfang an fasziniert. Als Kind wollte sie nichts Sehnlicheres als dem damals amtierenden Hokagen zu dienen – Mintao Namikaze.
Er war es, der ihre Entscheidung, ein Ninja zu werden, gefestigt hatte. Zwar war es zunächst ihr Bruder gewesen, der sie überhaupt auf diese Idee gebracht hat, aber die Geschichten, die es über den vierten Hokagen gab, hatten sie umso mehr motiviert.
„Wie konnte ich all das nur verdrängen“, murmelte Azarni fassungslos.
„Entweder weißt du es oder du wirst es nie wissen“, erwiderte die jüngere Version tonlos und legte der Älteren eine Hand auf die Schulter, ehe sie in der nächsten Sekunde verschwand.
Mit einem Mal war die weiße Umgebung dem Trainingsplatz gewichen, auf dem sie einige Augenblicke zuvor mit Marus trainiert hatte. Erschöpft ließ sie sich auf den steinigen Boden fallen und fuhr sich mit der Hand über das Gesicht.
Was war das gewesen? Ein Gen-Jutsu? Irgendein Hypnosescheiß?
Sie erhob ihren Blick und entdeckte sofort Marus, der sich vor ihr hingehockt hatte. Sorge spiegelte sich in seinen Augen wider. „Alles gut bei dir?“
„Mh, wie man’s nimmt“, antwortete Azarni mit schwacher Stimme und zuckte mit den Schultern. Sie wollte nur noch nach Hause und schlafen.
„Tut mir leid wegen dem Gen-Jutsu. War scheinbar doch ein wenig zu heftig, eins zu verwenden, bei dem du eine Begegnung mit deinem Innersten hast“, sagte Marus so beiläufig, wie es ihm möglich war, und lächelte verunsichert dabei.
Auf einmal versteinerte sich Azarnis Miene und die Erschöpfung war wie weggeblasen. Hatte er gerade wirklich zugegeben, dieses Gen-Jutsu extra verwendet zu haben! Sie hatten eine Abmachung gehabt und er hatte sie gebrochen! Er hatte versprochen, sich bei ihrem persönlichen Problem nicht einzumischen!
„Das ist jetzt nicht dein Ernst“, sagte Azarni tonlos und staute die Wut in sich an. Er konnte sich auf etwas gefasst machen!
Marus schien zu bemerken, dass Azarni sich zügelte, aber ihre Wut jeden Moment herausbrechen würde. Vorsichtshalber stand er auf und ging rückwärst einige Meter auf Abstand. Langsam hob er abwehrend die Hände, während Azarni aufstand und ihre Augenbrauen wütend zusammenzogen.
„Wir hatten eine Abmachung, du Arschloch! Wie konntest du das nur tun! Ich hasse dich!“ Mit schnellen Schritten ging sie immer weiter auf ihn zu, während er versucht, den Abstand aufrechtzuerhalten. „Fick dich, Marus!“ Sie hielt in ihrer Bewegung inne, die Hände zu Fäusten geballt, und atmete tief ein und aus, um sich zu beruhigen. Ihr Blick war dabei wieder auf den Boden gerichtet, Marus‘ Anblick würde nur wieder ihre Wut schüren
Die anderen Shinobis, die auf dem Platz anwesend waren, schenkten dem Schauspiel zwischen Azarni und Marus nur kurz Beachtung, bevor sie sich wieder auf ihr eigenes Training konzentrierten.
Sie hörte, wie sich Marus näherte. „Bleib stehen“, knurrte sie ihn daraufhin an, doch er ignorierte sie und blieb schließlich vor ihr stehen. Er legte ihr eine Hand auf die Schulter, spürte dabei, wie Azarni noch immer versuchte, ihren Puls zu beruhigen.
„Ich weiß, dass es fies und hinterhältig war, und es tut mir auch leid, wie ich es gemacht habe. Für das, was ich gemacht habe, nehme ich keine Schuld auf mich. Ich wollte nur auf Nummer sicher gehen, dass du wirklich beginnst etwas an dir zu ändern. Ich dich daran erinnern, was dich angetrieben hat“, erklärte er ihr ruhig und bekam einen Schlag gegen die Brust.
„Trotzdem bist du ein Arsch“, erwiderte Azarni ruhig mit einer Spur von Traurigkeit. Zugegebenermaßen war sie gerührt von Marus, dass er nicht locker gelassen und ihr geholfen hatte. Ihr war klar, dass es gutgemeint war und wahrscheinlich war es auch der richtige Weg. Sie hätte sich dagegen gesträubt, hätte er sie darauf angesprochen und sie um Erlaubnis gefragt. Wobei sie auch glaubte, dass er sie trotz der Ablehnung einfach in das Gen-Jutsu gesteckt hätte. Jedoch blieb dann noch die Frage offen, ob sie es nicht direkt aufgelöst hätte,
Azarni war ihm tatsächlich dankbar, aber das würde sie ihm nicht sagen.
„Ich schätze, wir sollten morgen weitermachen. Ich erwarte dich täglich um zwölf Uhr hier am Trainingsplatz. Du wirst für die nächsten Tage einen straffen Trainingsplan haben und wir wollen schnell aber effektiv Erfolge sehen, damit du genügend vorbereitet bist“, schlug Marus vor.
„Wie du willst. Ich hau mich jetzt erstmal ins Bett.“ Sie brachte ein leichtes Lächeln zustande.
„Um diese Uhrzeit?“, hakte Marus belustigt nach und deutete auf den strahlend blauen Himmel mit der warmen Herbstsonne.“
„Kann ich doch nichts für, wenn du mich nicht schonst“, hielt sie ihm missbilligend vor und lief an ihm vorbei direkt auf das Tor zu.
„Na dann, bis morgen“, verabschiedete sich Marus von ihr.
„Bis dann.“

Zwei Tage, bevor die Sache mit Itachi stattfinden würde, stand Azarni morgens auf dem Trainingsplatz. Der graue Himmel wurde von schwarzen unheilvollen Wolken geziert und ließen einige Regentropfen ihren Weg nach unten finden. Der Wind jagte fast dauerhaft die Blätter über den Boden und ließ sie gelegentlich in einem Wirbel aufsteigen.
Mit ihrem Katana in der Hand stand Azarni alleine auf dem Gelände und hatte die Augen geschlossen. Sie ließ die Umgebung einfach auf sich wirken, während sie langsam aber sicher ihre Konzentration aufbaute und ihre Sinne damit verschärfte.
Das Training mit Marus war anstrengend gewesen, aber dank ihm hatte sie ihre Stärken und Schwächen kennengelernt und sich neu in ihrer Kampfweise erfunden. Nach wie vor hielt sie sich von Gen-Jutsus fern, obwohl sie, laut Marus, das Talent dafür besäße. Sie würde weiterhin bevorzugt Tai-, beziehungsweise Ken-Jutsu nutzen. Von ihren Briefbomben hatte sie sich derweil verabschiedet. Sie waren ein Teil von ihrem alten Team und deren Taktiken. Aber genau weil es das nicht mehr gab, hatte sie sich von ihrem Markenzeichen abgewandt und es als Zeichen, dass sie mit der Vergangenheit abgeschlossen hatte, angesehen.
Elementbasierendes Nin-Jutsu würde für sie nicht mehr nur eine Defensive darstellen, sondern auch eine Offensive. Dank Marus hatte sie an einem Tag mit einem Jonin, der ein Meister in Raiton-Jutsus war, trainieren dürfen und neue Jutsus gelernt – zumindest, wie sie in der Theorie funktionierten.
Weiterhin mit geschlossenen Augen begann Azarni ihr Katana zu schwingen. Tänzerisch und leichtfüßig wirbelte sie über den Platz und folgte einfach ihrer Intuition. Wie bei einem Lied wurde sie mal schneller und mal langsamer, mal sprang sie nach oben, mal stich sie nach vorne. Sie ließ sich von der Musik des Windes und des Regens treiben.
Ihr Ziel war es lediglich mehr Feingefühl für den Umgang mit ihrer Waffe zu bekommen. Auch wenn sie nach außen hin stark in ihrem Tun versunken zu schien, so fiel es ihr doch leichter sich auch auf ihre Umgebung konzentrieren zu können. Mit jeder Angriffsbewegung sandte sie eine unsichtbare Chakrawelle aus, die nach weiteren Chakraquellen in der Umgebung suchen sollte. Sie war so leicht und schwach, dass niemand sie wirklich wahrnahm, obwohl sie vorhanden war.
So spürte Azarni nach einer Weile auch, dass sie nicht alleine war. Der Wind wurde stärker und reißender und mit ihm wurden Azarnis Angriffe schneller und stärker, während sie sich der weitere Chakraquelle unauffällig näherte. Sie wusste man beobachtete jede ihrer Bewegungen, aber sie würde weiter vorgeben, nichts zu bemerken und sich einfach treiben zu lassen.
Als der Wind schließlich zur Stille neigte, tauschte Azarni ihren Platz mit einem Stein hinter der Person, die sie beobachtete und hielt ihr zeitgleich mit dem abebben des Windes das Katana an die Kehle.
Azarni musterte die Person vor sich: schwarzer Mantel mit roten Wolken und schwarze lange Haare – Itachi!
Er klatschte in die Hände, doch es interessierte Azarni nicht. Den Hass gegenüber den Uchihas würde sie immer in sich tragen. „Was willst du hier“, knurrte sie ihm daher zu.
„Ich komme in Frieden-“
„Was du nicht sagst“, unterbrach sie ihn und drückte ihm die Klinge stärker gegen die Kehle. Sie wusste, sie durfte ihn nicht umbringen, aber sie wollte ihm klarmachen, dass sie gerade am längeren Hebel saß, obwohl ihr durchaus bewusst war, dass Itachi in nur einem Wimpernschlag, die Situation ändern konnte.
„Marus sieht genau dasselbe in dir, wie ich damals auf der Aka-“
„Blödsinn, du hast dich nie für andere interessiert und dich immer für etwas Besseres gehalten. Hast dich nie mit jemand anderen unterhalten als mit deinem komischen Uchiha-Freund“, zischte sie ihm bedrohlich zu.
„Dein Temperament kann dir keiner nehmen, aber solange du es ihm Schach hältst, ist es egal.“
„Komm endlich zum Punkt, was machst du hier?“
Itachi blieb gelassen und ruhig, ließ sich nicht von der Kunoichi hinter sich bedrängen. „Du gehörst zu Marus und ich bin nicht gerade überrascht, dass er dich bei seinem neuen Leben in Konoha an seiner Seite haben will. Wie auch ich, sieht er großes Potenzial in dir, aber du selbst hast es nie getan und nichts draus gemacht. Aber schön zu sehen, dass es sich geändert hat und du deinen Weg wiedergefunden hast.“
Itachi machte eine bewusste Pause, als er bemerkte, dass Azarni drauf und dran war, ihm die Klinge tiefer ins Fleisch zu drücken.
„Dein Kekkei Genkai ist etwas Besonderes. Es ist nichts darüber bekannt und es gibt auch keine Dokumente, die über die Sichtung einer Person mit dieser Fähigkeit berichten. Nutze es nur in seltenen Fällen. Wenn es die falschen Personen erfahren, bist du in Gefahr. Du bist vermutlich die einzige, die es besitzt und von daher von einem unvorstellbaren Wert. Pass auf dich auf.“ In nur einem Wimpernschlag hatte sich Itachi nach diesen Worte in einen Schwarm aus Krähen aufgelöst und ließ Azarni zurückweichen, wobei sie den Arm mit ihrem Katana schützend hob. Noch ein letzter Satz von Itachi hallte über den Trainingsplatz: „Das Artefakt, das ihr sucht, befindet sich in einem Dorf im Blitzreich.“
Nachdenklich sah Azarni den schwarzen Vögeln dabei zu, wie sie gen Himmel zwischen den Wolken verschwanden.
Sie musste die Information über das Artefakt unbedingt im Hinterkopf behalten, bis sie Marus sah. Hilia würde sie davon in Kenntnis setzen, sobald sie sich in einigen Tagen wieder trafen.

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