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"If there ever comes a day when we can't be together, keep me in your heart, I'll stay there forever"- Auswertungen

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3 Kapitel - 39.240 Wörter - Erstellt von: Kupferflamme - Aktualisiert am: 2018-02-25 - Entwickelt am: - 1.251 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Dies ist keine wirkliche FanFiktion, sondern lediglich die langen Auswertungen zu meinem oben genannten HP-Liebestest, für diejenigen, die daran interessiert sind

1
Name: Alex, Alexa, eigentlich Flexania, Miller
Aussehen: hüftlange, hellblonde, gewellte Haare, zierlich, hellgrüne Augen mit einem bläulichen Schimmer, blasser Teint
Haus: Hufflepuff
Charakter: sanft, scheu, sensibel
Blutstatus: Halbblut

Prolog
Seine Sicht:
Erleben, wie sich Menschen verändern, ist nicht das, was schmerzt. Was schmerzt, ist die Erinnerung daran, wie sie mal waren.
Ihre Sicht:
Veränderung kann schmerzhaft sein. Aber nichts schmerzt mehr, als dort zu bleiben, wo man nicht hingehört.

Gegenwart: 1. Klasse
«Weg da! Glotzt nicht so!»
Ich zuckte zusammen, als einer der Jungs aufsprang und die Tür energisch schloss. Vier dümmlich aussehende Gesichter grinsten uns hämisch durch die Abteiltür an.
«Pfft», gab Marisa verächtlich von sich. Ihre kastanienbraunen Haare flogen ihr nur so um ihr Gesicht, als sie sich schwungvoll umdrehte und davonmarschierte. «Komm, Alex, das haben wir nicht nötig. Wir finden sicherlich ein Abteil mit sympathischeren Leuten, oder besser noch – gar keinen!»
Bevor ich ihr folgte, warf ich den vier Jungen in den grünen Umhängen einen letzten Blick zu. Kindisch, wie sie offensichtlich waren, schnitten sie uns Grimassen. Ich ver-drehte die Augen und tat es meiner Freundin gleich.
Während dem Laufen regte sich Marisa ziemlich über die Slytherins auf. Ich hörte ihr gar nicht zu, sondern blendete es aus. Dafür lief ich beinahe in sie hinein, als sie ab-rupt anhielt. Neugierig spähte ich an ihr vorbei – und erblickte einen grossen, schlan-ken, gut aussehenden Jungen. Als er uns bemerkte, lächelte er uns freundlich an. Automatisch erwiderte ich dies. Zu Marisa rüberschielend, sah ich, dass sie dasselbe tat, was mich erstaunte. So schnell so freundlich war meine Freundin gegenüber männlichen Wesen selten. Doch sie starrte den grossen, deutlich älteren Jungen ge-nauso an wie ich nun.
«Hallo. Ich bin Cedric Diggory», stellte er sich vor.
Ich mochte seine Stimme. Sie war…männlich? Himmel, was dachte ich da? Rot wer-dend, stammelte ich etwas von «Hallo, ich heisse Flexania Miller, aber die meisten nennen mich Alexandra, also du kannst mich auch Alex nennen…» Peinlich berührt starrte ich auf meine Füsse. Ich spürte ihrer beiden Blicke auf mir ruhen. Seiner of-fenbar belustigt, ihrer ungläubig, wie ich mir nur allzu gut vorstellen konnte.
«Also, ich bin Marisa McCoin», hörte ich meine Freundin sagen. Ich wagte es nun, wieder aufzuschauen. Er lächelte uns immer noch an.
«Tja, schön, euch kennenzulernen, Marisa und…Alex.» Prompt errötete ich erneut, als er mich wieder anschaute. «Ich bin in Hufflepuff. Und in welchem Haus seid ihr?»
«Noch in gar keinem», antwortete die Brünette.
«Na, dann werdet ihr vom Sprechenden Hut noch eingeteilt werden. Ich hoffe, ihr kommt in das Haus, in das ihr euch wünscht. Falls ihr schon einen Wunsch habt. Hufflepuff ist übrigens keine schlechte Auswahl.» Er zwinkerte uns neckisch zu, wo-raufhin wir beide zu grinsen begannen. Wie kleine, kindische Mädchen benahmen wir uns. Als ich Marisa ansah, merkte ich, dass sie dasselbe dachte. Schliesslich verab-schiedete Cedric sich von uns und kehrte in sein Abteil zurück, während wir noch eins suchten. Wir fanden sogar noch ein freies. Während der Zeit bis zur Ankunft in Hog-warts starrten wir beide aus dem Fenster und sagten kein Wort. Was bezüglich Mari-sa wirklich erstaunlich war. Die gesamte Zeit über konnte ich nichts anderes als zu hoffen, dass ich auf gar keinen Fall nach Slytherin und stattdessen nach Hufflepuff gelangen würde. Dieser Cedric Diggory ging mir einfach nicht mehr aus dem Kopf…
Zeitsprung: Häuserzuteilung
«Miller, Flexania!»
Mit heftig pochendem Herzklopfen, welches wie Donnerhall in der gespannten Stille wirkte, begab ich mich langsam, mit heftig zitternden Beinen, zum Stuhl ganz nach vorne. Ängstlich konzentrierte ich mich auf die ältere Hexe und den noch älteren Hut, wagte nicht, nach links oder rechts, zu den Schülern, oder hinauf zu den Lehrperso-nen zu blicken. Meine Handflächen fühlten sich schwitzig an und meine Beine gaben mehr als einmal beinahe nach. Doch schliesslich schaffte ich es nach vorne und setz-te mich auf den Stuhl. Bevor mir der Hut aufgestülpt wurde, erhaschte ich noch einen Blick auf die vier Tische und konnte sehen, wie Marisa mir vom Tisch mit dem roten Banner aus zuwinkte und wie Cedric vom Hufflepuff-Tisch mir ein Lächeln schenkte. Dann war alles dunkel um mich herum. Ich schrak zusammen, als auf einmal eine Stimme ertönte, direkt an meinem Ohr, wie mir schien. «Hmm, wen zu begrüssen haben wir denn nun die Ehre? Flexania Miller, jaja, ein freundliches Mädchen, hilfsbe-reit und sanft, doch Selbstbewusstsein ist nicht wirklich vorhanden. Aber den Grund für diese Schüchternheit sehe ich nicht. Oh, doch, jetzt wird es mir klar…Nun, dann wäre Slytherin definitiv nicht dein Fall. Wie wäre es mit Ravenclaw oder Gryffindor? Hm, ich sehe gerade, dass du in Ravenclaw auch nicht gut aufgehoben wärst. Du bist klug, aber du eiferst dem Lernen nicht gerade nach. Was hältst du von Gryffindor? Dort könntest du mehr Selbstvertrauen erlernen.» Ich dachte an Marisa. «Ah ja, deine Freundin habe ich dort zugeteilt, stimmt. Ihr Herz schlägt auch nur für den Gryffindor Löwen, deswegen hat es nicht lange gebraucht, sie dort einzuteilen. Aber ich habe so das Gefühl, dass du nach Hufflepuff gehörst. Was meinst du?» Cedric schoss mir augenblicklich durch den Kopf. Ich meinte, ein Schmunzeln herauszuhören, als der alte Hut weitersprach, doch ich täuschte mich sicherlich. «Dann ist die Wahl nun klar: HUFFLEPUFF!» Als mir der weise Hut abgenommen wurde, blinzelte ich für einen Moment geblendet. Dann stand ich auf und bewegte mich zum schwarz-gelben Tisch, der jubelte und applaudierte. Ich blickte schnell zu den Gryffindors und bemerkte Ma-risas enttäuschte Miene, doch ich drehte mich schnell wieder um und setzte mich an den Tisch, gegenüber von Cedric, der mich anstrahlte und meinte: «Jetzt bist du eine von uns.» Ich lief tiefrot an und sah schnell auf meinen Teller. Als schliesslich alle Erstklässler in ihre Häuser eingeteilt waren, hielt der Schulleiter eine Rede, welche mich sofort für ihn einnahm, und danach begann das Festessen. Ich fühlte mich an diesem Abend sehr wohl, denn alle Hufflepuffs, mit denen ich zu tun hatte, waren sehr freundlich und mehr oder weniger lustig mir gegenüber. Ich mochte auch sogleich den Fetten Mönch, den Hausgeist von Hufflepuff. Jedoch bedauerte ich es auch zutiefst, dass Marisa nicht ebenfalls hierher gekommen war. Als das Fest beendet wurde, war ich müde und freute mich schon auf die hoffentlich bequemen Betten. Im Schlafsaal angelangt, redeten meine Zimmergenossinnen und ich noch eine Weile und unterhiel-ten uns dabei gut, bevor wir endlich einschliefen, ich mit einem Lächeln auf den Lip-pen, in freudiger Erwartung auf den ersten Schultag.
Zeitsprung: immer noch 1. Schuljahr
«Jetzt warte doch! Bitte!»
«Nein, ich habe es dir doch schon gesagt. Ich glaube nicht, dass es funktionieren würde.»
Ich konnte gerade noch so mit Marisas schnellen Schritten mithalten. Schon seit Wo-chen versuchte ich sie von unserer Freundschaft zu überzeugen. Doch sie wollte nicht. «Wieso, Marisa? Ist es tatsächlich nur wegen den unterschiedlichen Häusern?»
Abrupt blieb sie stehen. Ein Seufzen ertönte. «Du hast doch schon Freunde in deinem Haus gefunden. Und ich in meinem. Ich glaube, damit sind wir beide gut bedient. Aus-serdem war diese ‘Freundschaft’ zwischen uns, wie du sie nennst, nur eine flüchtige Bekanntschaft, mehr nicht.» Nun drehte sie sich zu mir um, die Arme vor der Brust verschränkt. Sie starrte mich an.
Warum nur hatte ich das Gefühl, belogen zu werden? Oder dass zumindest etwas vor mir verschwiegen wurde? «Spuck’s aus, Marisa», erwiderte ich, heftig und zittrig zu-gleich, denn ich fürchtete und ahnte ihre Antwort.
Sie verdrehte die Augen und atmete tief ein und aus. «Also gut, wie du es haben willst: wir passen nicht zusammen. Wir sind schon unterschiedlichen Häusern zuge-teilt worden. Und…»
Ich glaubte nicht, dass dies ihr einziger Grund war. «Na und? ‘Gegensätze ziehen sich an’, heisst es doch?»
Die Brünette riss ihren Kopf hoch und die Locken flogen ihr dabei nur so um die Oh-ren. «Nimm es mir nicht übel, Flexa, aber... ehrlich gesagt, habe ich keine Lust mehr auf eine…Freundschaft zwischen uns. Du bist die Brave, die Schüchterne, das An-hängsel. Man kann nie wirklich etwas mit dir unternehmen, weil du nichts tun willst, das gegen Regeln verstossen könnte. Das ist einfach langweilig. Tut mir leid, aber mit solchen… Spiessern möchte ich nichts zu tun haben. Deswegen bin ich auch in Gry-ffindor gelandet und du in Hufflepuff. Die Löwen trauen sich einfach, spannendere Dinge zu machen als die folgsamen, langweiligen Dächse.» Nach diesen Worten wandte sie mir den Rücken zu und stolzierte davon.
Ich blieb noch eine Weile auf dem Gang stehen und starrte mit glasigen, glänzenden Augen den Boden an. Warum musste es immer so enden? Gewiss, auch die Sache mit Marisa war keine Überraschung gewesen, aber es tat dennoch weh. Mit jeder ein-zelnen Ablehnung, mit jeder Abweisung mehr gab es einen neuen Riss im Herzen. Oder nein. Es gab einen Riss und der vergrösserte sich stetig. Und was noch mehr weh tat, war, dass sie Recht hatten. Warum sollte mich irgendjemand wertschätzen? Oder gar mögen? Ich war langweilig. Ich war eine Spiesserin, ein Angsthase, eine Heulsuse, der Schatten. Der Schatten, der nicht bemerkt wurde. Der Schatten, der immer dabei war. Ohne dass er erwünscht war. Und genauso unerwünscht waren die Tränen, welche ich nicht mehr zurückhalten konnte. Und ehe ich es begriff, landete die erste davon auf dem Fussboden. Ich atmete immer schneller, keuchte fast, ver-suchte, das Nass, welches ich verteilte, zurückzudrängen. Doch das Aufschluchzen konnte ich nicht verhindern. Da bemerkte ich einen Schatten auf dem Boden. Ich sah auf – und bereute es sogleich. Vor mir stand Cedric, mit grossen, bestürzten Augen betrachtete er mich. «Hey», fragte er mich sanft, «Was ist geschehen?»
Als ich seine Sorge bemerkte, entfuhr mir beinahe erneut ein Wimmern. Ich konnte nur mit Mühe etwas herausbringen. «Cedric», flüsterte ich, meine Stimme kaum mehr als ein Hauch, «magst du mich wirklich?»
«Aber natürlich mag ich dich!», antwortete er, halb erstaunt, halb entgeistert. Und ehe ich mich’ s versah, hatte er schon seine kräftigen Arme um mich geschlungen. Im nächsten Augenblick trug er mich. Weg vom Gang, weg vom Ort, an dem Marisa mir ein letztes Mal als Bekannte, Fast-Freundin, was auch immer erschienen war. Und ich klammerte mich an ihn, sog seinen Geruch auf, spürte seine Muskeln. Und ich fühlte mich geborgen. Ich wollte niemals mehr von ihm weg.
Zeitsprung: 2. Schuljahr
Hogwarts war das Beste, was mir widerfahren war. Ganz anders als zu Hause, wo ich noch Mitleid erweckte bei Kindern in meinem Alter, wo ich noch solange mitspielen durfte, bis sie mich leid waren. Ganz anders als die langweilige, ordinäre Schule. Und weg von meinen Eltern, die mich ständig betrübt ansahen, als würde ihnen die Ableh-nung, die ich im Alltag zu spüren bekam, genauso wehtun. Und dies tat wiederum mir weh. Doch hier, in Hogwarts, hatte ich Freunde gefunden. Echte Freunde. Jugendli-che, die mich wirklich mochten. Und der Unterricht machte Spass. Grösstenteils je-denfalls. Die Sachen, welche man erlernen musste, waren um ein Tausendfaches spannender als die an Muggelschulen. Natürlich gab es auch Haken. Wie an meiner alten Schule und in meiner alten Umgebung gab es auch hier Personen, denen ein-fach übermässig langweilig war oder die mich so wenig ausstehen konnten, dass sie mich ständig ärgerten. Anfangs nur verbal. Später, als sie einige Sprüche beherrsch-ten, probierten sie diese postwendend an mir aus. Auch das schmerzte. Wie sehr sie mich verachteten. Doch glücklicherweise hatte ich meine Freunde, die mir beistanden und mich trösteten. Mehr als Verachtung konnte ich für diesen weissblonden Schnö-sel und Weichei namens Draco Malfoy und seine bulligen Kumpanen Goyle und Crabbe hingegen auch nicht aufbringen. Und diese Schnepfe Parkinson erst. Die war nicht auszuhalten. Vielleicht war sie ja eifersüchtig, weil Malfoy selbst mir mehr Auf-merksamkeit zuwandte als ihr. Im Grunde war sie bemitleidenswert. Wobei ich nicht nachvollziehen konnte, warum irgendjemand auf dieses Muttersöhnchen Draco stehen sollte. Aber sie waren ja im selben Haus, daher vermutlich auch aus demselben Holz geschnitzt. Jedoch waren nicht alle Slytherins boshaft. Mit Theodore Nott verstand ich mich mehr oder weniger gut. Andere wiederum beobachteten mich einfach, was mir unheimlich war. Vor allem der Junge mit dem rotbraunen Haar. Schaute ich zurück, starrte er mich einfach weiterhin an. Daraufhin überlief mich jedes Mal ein kalter Schauer und ich wandte meinen Blick ab. Doch ich konnte dennoch förmlich spüren, wie sich seine Lippen zu einem Lächeln verzogen.
Zeitsprung: Drittes Schuljahr
Nun war etwas geschehen, das mich erneut aus der Bahn warf. Etwas, das die Freundschaft zwischen Cedric und mir auf die Probe stellte. Ich hatte mich nämlich in ihn verliebt. Ihn. Cedric Diggory. Einer der meistumschwärmten Jungs im gesamten Internat, ein ziemlich intelligenter Schüler, ein Sucher mit Talent. Und er sah mich nur als Freundin. Vielleicht noch als Schwester. Nicht mehr. Aber zugegebenermassen wusste ich auch nicht, wie das hätte funktionieren sollen. Der Mädchenstar mit einem Mauerblümchen wie mir? Und die drei Jahre Altersunterschied waren auch noch zu beachten. So konnte ich nur mitanschauen, wie sich unglaublich viele Mädchen, in unterschiedlichem Alter, aus allen Häusern, ihn anschmachteten. Sogar einige Lehre-rinnen schienen ihn ganz besonders zu mögen, schien mir. Am eifersüchtigsten war ich auf die schöne, kluge Cho Chang aus Ravenclaw, da sie am ehesten Erfolg zu haben schien bei ihm. Mehrmals musste ich schon Lobhudelein über sie über mich ergehen lassen. Wie das wehtat. Und man merkte es mir auch noch an. Selbst die Slytherins konnten das sehen, und verhöhnten mich noch mehr. Als mein bester Freund begriff, weshalb, herrschte eine Weile lang Funkstille zwischen uns. Nicht, dass er wütend auf mich wäre, aber ich glaube, meine Schwärmerei für ihn war ihm peinlich… Als Malfoy und ein anderer, älterer Junge namens Blaise Zabini wieder mal auf mir rumhackten, wurde ich so wütend, dass ich nicht anders konnte, als ihnen ei-nen Schwall an Worten an den Kopf zu werfen, die sie meiner Meinung nach äusserst gut definierten. Ich nutzte ihre Sprachlosigkeit, drehte mich auf dem Absatz um und rempelte nach einigen Metern beinahe jemanden an. Ich hob den Kopf und erkannte den unheimlichen Jungen mit den rotbraunen Haaren wieder. Der starrte mich über-rascht an und stiess dann ein «Hoppla» aus, erstaunlich sanft. Rot werdend, umging ich ihn und beschleunigte meine Schritte. An der Ecke angelangt, blickte ich zurück und merkte, dass der Junge mir immer noch hinterhersah.
Zeitsprung: Viertes Schuljahr
Mittlerweile hatten sich meine Gefühle für Cedric wieder abgekühlt, nachdem mir klar geworden war, dass nichts aus uns werden konnte. Dadurch waren wir uns wieder näher, nun jedoch rein geschwisterlich. Die Slytherins zogen immer noch über mich her, allerdings nicht mehr so stark wie anfangs und in einer neuen Hinsicht aufdringli-cher. Ich war reifer geworden und auch mein Aussehen hatte sich verändert. Nicht jedoch die Tatsache, dass mich der merkwürdige Slytherin mit dem verschlagenen Aussehen mich ständig beobachtete. Ich musste dringend mal ein Gespräch mit ihm führen. Ich stand absolut nicht auf Stalker.
Eines Morgens verkündete Professor Dumbledore, dass wir in Kürze Besuch erhalten würden. Nämlich von zwei anderen Schulen. Einer französischen, Beauxbatons (allein bei diesem Namen verdrehte ich die Augen), und einer bulgarischen, Durmstrang. Er berichtete auch vom sogenannten Trimagischen Turnier, bei dem alle, die ehrgeizig oder dämlich genug waren, mitzumachen, entweder sterben oder ihren Namen auf einem alten Becher verewigt sehen würden. Ein lohnendes Risiko also. Als jedoch Cedric anfing, zu überlegen, ob er mitmachen sollte, beschworen einige andere Mäd-chen und ich ihn, dass er es um keinen Preis machen solle. Doch die Jungs von Hufflepuff, die entweder nicht ganz so viel Grips hatten wie wir Mädchen oder einfach eifersüchtig auf meinen besten Freund waren, stachelten ihn immer wieder an.
Dann stellte sich uns der neue Professor für Verteidigung gegen die dunklen Künste vor. Fasziniert betrachtete ich den vernarbten Auror immer wieder. Zunächst war ich abgeschreckt, entsetzt, angeekelt von seinem Unterricht, doch im Laufe der Zeit be-gann ich, ein gewisses Interesse für die Lehrmethoden von diesem Mad-Eye Moody zu entwickeln. Wer wusste, ob sie einem dienlich sein würden…
Schliesslich hielten die beiden Schulen bei uns Einzug. Zunächst kamen die Beauxbatons, denen ich nur einmal einen verächtlichen Blick zuwarf und sie dann weitgehend ignorierte. Was interessierten mich diese Zicken und Milchbubis? Jedoch entging mir nicht, wie Cedric die Anführerin von ihnen, das Mädchen mit den silber-blonden Haaren, anschmachtete. Das gefiel mir nicht. Mit gerunzelter Stirn verpasste ich ihm mit meinem Ellbogen einen Hieb in die Seite. Das liess ihn zusammenfahren und seinen verklärten Blick auflösen. Mehr Interesse brachte ich für die Durm-strangjungs auf. Die hatten einen spektakulären Auftritt. Bewundernd starrte ich je-dem Einzelnen von ihnen nach, bis ich einen Stupser erhielt. Errötend starrte ich in Cedrics grinsendes Gesicht. Der Rest des Abends verlief interessant, wobei ich es nicht mochte, dass die Durmstrangs am Slytherintisch Platz genommen hatten. Am Schluss des Abends waren die meisten von uns müde und schliefen anschliessend schnell ein. Nur ich lag noch lange wach und verdaute die neugewonnenen Eindrücke der letzten Tage: der Kelch des Feuers, das Trimagische Turnier, der Unterricht in Verteidigung gegen die dunklen Künste, die Durmstrangs…
Wie konnte er! Aufgebracht lief, oder rannte ich fast, den Gang entlang, nur weg von ihm. Dieser Idiot würde schon sehen, was er davon hatte, wenn er starb! Und ich hat-te ihn immer für einen vernünftigen Menschen gehalten. Doch anscheinend war er ehrgeiziger als gedacht. Cedric hatte nicht mal versucht, mich aufzuhalten, er wusste genau, dass er mich enttäuscht hatte. Nun, ich würde ihm sicherlich nicht zujubeln, wenn er dem Himmelfahrtskommando folgte. Ich war dermassen wütend, dass ich nicht merkte, wie ich in jemanden hineinlief, bis ich auch schon von etwas Hartem abprallte, das Gleichgewicht verlor und beinahe auf dem Boden aufschlug, als mich auch schon eine kräftige Hand an der Schulter fasste und hochzog, bis ich mich dicht vor einem muskulösen Oberkörper befand. Das Blut schoss mir ins Gesicht, ich wich ruckartig zurück und starrte in die grinsende Visage des Stalkers. Ich klappte den Mund auf, um etwas zu sagen, doch als nichts herauskam, schloss ich ihn wieder. Da änderte sich sein Gesichtsausdruck und sein dreistes Grinsen wurde zu einer besorg-ten Miene. «Was ist!», blaffte ich ihn an, «Was glotzt du so?» In Sekundenschnelle wechselte seine Miene von einem Gefühl zum anderen: von Überraschung über Amü-siertheit zu Wut. Ich trat vorsichtig einen Schritt zurück, denn mit einem wütenden Slytherin war nicht zu spassen. Da erklang Gelächter hinter ihm, und das weissblonde Würstchen mitsamt Gefolge tauchte auf. «Sieh mal einer an, Pucey, und Miller, was für eine Überraschung! Aber eine böse», grölte Zabini. «Ja, wie kannst du nur, Pucey? Sie ist doch nur eine Maus! Unscheinbar, spiesserhaft, das perfekte Mob-bingopfer eben», keifte Parkinson. Malfoy bedachte mich mit einem kalten, gelasse-nen Blick: «Wir haben doch schon immer gewusst, dass Pucey einen schlechten Ge-schmack hat, was Weiber angeht.» «Was wohl auch der Grund ist, dass er es nie lange mit ihnen aushält», giggelte seine Fast-Verlobte. Zorn strömte durch mich hin-durch und ich konnte mich nur mühsam davon abhalten, ihnen allen einen Fluch auf-zuerlegen, den wir von Moody erlernt hatten. Die anderen bemerkten meine Hilflosig-keit und lachten nur noch lauter. Sie brachen beinahe zusammen vor Schadenfreude, während ich, wie eine Statue, erstarrt dastand und mich nicht rührte. Genauso wie der Slytherin, der mir gegenüberstand und mich bestürzt betrachtete, jedoch nichts sagte. An diesem Tag, in diesem Moment, an diesem Ort, schwor ich ihnen Rache.
Es war ein Leichtes, Mad-Eye die Erlaubnis, welche man für die Abteilung der Dunk-len Künste in der Bibliothek benötigte, abzuluchsen. Fast schon zu leicht. Ich hätte es bemerken sollen. Doch ich kümmerte mich nicht darum und vertiefte mich nun in Zau-bersprüche, die gegen lästige Personen halfen, Zaubersprüche, die ich nicht kennen-lernen sollte, Zaubersprüche, die absichtlich im Verborgenen gehalten wurden. An-fangs gab ich es schnell auf, war selber von mir angewidert, fürchtete mich vor diesen dunklen Geheimnissen. Doch im Laufe der Zeit, je öfter ich den Slytherins über den Weg lief, desto öfter verschwand ich in die Bibliothek zur Verbotenen Abteilung. Und es dauerte nicht lange, da prägte ich mir die Sprüche ein und übte sie heimlich. Natür-lich war dies nur zur Gegenwehr gedacht. Ob Zufall oder nicht, Moody war jedenfalls, seit ich ihn um die Erlaubnis gebeten hatte, interessierter an mir als zuvor. Ich be-merkte immer wieder, wie er zu mir herüberspähte. Das war mir dann doch etwas un-heimlich, da ich fürchtete, er wüsste genau, was ich tat…Und der Stalker-Junge war auf einen Schlag unfreundlich zu mir. Was er, genau genommen, noch nie gewesen war. Was war mit all diesen Leuten bloss los?
Das Trimagische Turnier hatte bereits begonnen. Als Cedric bei der ersten Aufgabe nur knapp dem Grillrost entging, wuchs mein Ärger auf ihn – zugleich auch meine Sorge. Es kümmerte mich nicht, wie sich die anderen Spieler schlugen. Es kümmerte mich auch nicht, dass Harry Potter dabei war. Er war ein Emporkömmling? Er hatte geschummelt? Das war mir alles egal. Im Grunde interessierte mich das gesamte Trimagische Turnier nicht, da es meiner Meinung nach nur eine nachgeahmte Version von den Gladiatorenkämpfen war. Die Schulleiter von dazumal mussten sich ziemlich gelangweilt haben, dass sie dem Spruch «Panem et circenses!» («Brot und Spiele») folgten. Nahrung und Unterhaltung für das Volk. Und von beidem gab es nun wirklich in Mengen. Ich schaute nur deshalb bei den Aufgaben zu, um sicherzugehen, dass Cedric überlebte. Nachdem er die zweite Aufgabe bewältigt hatte, war mein einziger Kommentar ein Schnauben. War ja klar, dass er Chang retten musste. Dann kam der Tag der dritten Aufgabe und mir war mulmig zumute. Klar, dass diese Aufgabe noch schwieriger war als die anderen, aber dennoch…irgendetwas sagte mir, dass die Chance, Cedric nicht mehr zu sehen, hoch war. Sehr hoch. Und weil ich kein Risiko eingehen wollte, verabschiedete ich mich ausführlich von ihm. Doch es war immer noch nicht genug. Ich war in den Tagen kurz davor nicht mehr bei der Sache. Doch nicht nur ich benahm mich merkwürdig. Auch Alastor Mad-Eye Moody verhielt sich immer seltsamer, hektischer. Doch das fiel mir nicht so sehr auf, wie es hätte sollen, da ich mit meinen eigenen Problemen beschäftigt war.
Als Cedric, Potter, Krum und Delacour im Labyrinth verschwanden, war mir ganz schummrig zumute. Ich merkte kaum, dass sich jemand neben mich setzte, spürte nur eine warme Hand, die meine hielt und mich wieder beruhigte. Einer nach dem an-deren kam aus dem Irrgarten heraus. Zunächst die Französin, dann der Bulgare. Schliesslich Potter. Und er hielt jemanden. Ich sprang mit vielen anderen von meinem Sitz auf, um einen Blick zu erhaschen. Dann erkannte ich ihn. Und realisierte sogleich, weshalb er so reglos dalag. Ich erstarrte. Alles um mich herum rückte in weite Ferne. Ich registrierte kaum, wie sich ein markerschütternder Schrei meiner Kehle entrang. Immer wieder sah ich sein starres Gesicht vor mir. Spürte nicht, wie mein Gesicht nass wurde. Irgendwann wachte ich aus meiner Benommenheit auf und taumelte von meinem Platz weg, zu ihm hin. Ich stolperte fast, bahnte mir einen Weg durch die chaotische, verwirrte und verängstigte Menge. Als ich ankam, waren Dumbledore und Amos Diggory bereits dort, aber ich nahm sie nicht wirklich wahr, genauso wenig wie Potter, der schluchzend im Gras kauerte. Ich setzte mich neben Cedric, sah in seine Augen – und fing an zu weinen. Sein Blick ging ins Leere, alles an ihm war ausdrucks-los und kalt. Mein bester Freund, Beschützer, Bruder, ja, sogar ehemaliger Schwarm, war tot. Ich schluchzte immer mehr, liess einen wahren Wasserfall auf den Toten hin-abstürzen. Dann öffneten sich meine Lippen weit und liessen einen weiteren Schrei aufsteigen, dieses Mal hingegen war ich mir dessen bewusst. Und es war auch kein schockiertes Kreischen, sondern fast ein Brüllen, laut vor Schmerz, eindringlich vor Wut und Hass. Ich hasste ihn! Ich hasste seinen Mörder! Ich würde Cedric rächen! Zornentbrannt schaute ich auf – und blickte direkt in sein Gesicht. Ich holte mit der Hand aus für eine wohlplatzierte Ohrfeige, die er verdient hatte, für das, was er mir bei unserem letzten Zusammentreffen angetan hatte, dafür, dass er mir nun im Weg stand, dafür, dass er ein Slytherin war. Doch er fing meine Hand ab und hielt sie fest. Dann zog er mich auf die Beine, umfasste mich an der Hüfte und zog mich weg. Weg von Cedric. Weg vom toten Menschen. Weg von meinem Freund, der auf Nimmer-wiedersehen gegangen war, ohne sich zu verabschieden. Etwas abseits hielt er an und sah mir ins Gesicht. Seine kastanienbraunen, lockigen Haare waren zerzauster als sonst, als hätte er sich unentwegt die Haare gerauft, sein Gesicht blass – und sei-ne Augen, in seinen braunen Augen, normalerweise voller Schalk und Leben, nun ein Schatten dessen, was ich fühlte: Verzweiflung, Angst, vielleicht sogar Trauer. Hatte er Cedric gemocht? Konnte ihn überhaupt jemand nicht gemocht haben? Er öffnete den Mund, wie um etwas zu sagen, doch er brach ab und zog mich stattdessen zu sich. Presste mich an seine starke Brust, so drängend, als wollte er mich schützen. Auto-matisch verfiel ich diesem Drängen, dieser Unnachgiebigkeit, schloss kurz die Augen, um mich geborgen zu fühlen – und riss sie sogleich wieder auf. Ein kurzes Auf-schluchzen meinerseits ertönte. Diese Szene war keine neue. Nur mit einer anderen Person, unter anderen Umständen…Wie grausam das Schicksal doch sein konnte, ging mir durch den Kopf, als er mich langsam ins Schloss zurückführte…
Nie wieder. Nie wieder würde ich so etwas zulassen. Mir war bewusst, wie Cedric hat-te sterben müssen, und glaubte daher Potter sofort. Ich musste dringend wirksamere Zaubersprüche erlernen, nicht solchen Kinderkram, wie wir im Unterricht beigebracht kamen. Weil man mit diesen seine Liebsten nicht verteidigen konnte. Dazu brauchte es härteres Zeug. Um den Feind zu kennen. Zu wissen, was er anwenden würde, und ihm zuvorzukommen. Nach Cedrics Tod hatte ich mir geschworen, das weinerliche, ängstliche Mädchen, das ich mal war, endgültig abzuschütteln, um stattdessen eine Kämpferin zu werden. Eine Kämpferin, die niemand einfach so bezwang. Selbstver-ständlich liess ich mir das nicht anmerken, vor niemandem, ansonsten hätte man mich wohl der Klapse verschrieben. Nicht vor meinen Freunden. Oder meiner Familie. Und auch nicht vor Adrian. Adrian. Wie klangvoll mir sein Name vorkam. Wie sein Name selber war er mein Lichtblick in dieser Zeit. Es kam mir vor, als wäre er der Einzige, der mich verstünde, begriff, was in mir vorging. Wir trafen uns immer häufiger und jedes Mal länger, bedeutungsvoller. Ich versuchte, eventuelle Gefühle für ihn zur Seite zu schieben, sie abzutun, doch es wurde immer unmöglicher, je öfter wir uns sahen. Schliesslich wollte ich diese Treffen beenden, doch auch das war nicht möglich – ich ertrug es kaum, von ihm länger getrennt zu sein. Und jedes Mal, wenn ich daran dachte, dass ihm dasselbe Schicksal wie meinem besten Freund widerfahren konnte, wurde mir das Herz schwer wie ein Wackerstein und ich konnte die Tränen nicht ver-hindern. Schlussendlich machte er den nächsten Schritt, indem er bei einem unserer Treffen sanft mein Kinn anhob und meinen Hinterkopf näher zu sich drückte. Mein Magen kribbelte wie verrückt, ich fühlte mich heiss und kalt zugleich, das Feuer der Liebe, flammend vor Glück, und die Eiseskälte der schrecklichen Erinnerungen und Sorgen, flossen beide durch mich, und es gelang mir nur mühsam, die Kälte wegzu-schieben, um der Hitze Platz zu machen. Doch dann waren wir beide hin und weg, entrückt vom Zauber des Kusses, unserer Liebe, und als wir uns wieder ansahen, atemlos vor Staunen, schauten wir tief in die Augen… und trafen beide auf Einver-ständnis. Was genau das heissen sollte, verstand ich nicht, denn ich fühlte nur, dach-te nicht, und seit diesem Tag waren wir ein Paar.
Ich kümmerte mich nicht um den Spott der Slytherins, die ablehnenden Blicke der Hufflepuffs und die Verblüffung aller anderer. Denn seit wir zusammengekommen wa-ren, oder vielleicht sogar schon früher, machte ich mir Gedanken, wie ich meinen liebsten Menschen beschützen sollte, in einem Falle wie der Ermordung Cedrics… Und ich erinnerte mich erneut daran, nicht dem Weichling in mir nachzugeben, son-dern zu einer Kriegerin, Kämpferin zu werden.
Fünftes Schuljahr:
Dadurch, dass ich mit einem Slytherin zusammen war, verlor ich immer mehr Kontakt zu den anderen Hufflepuffs. Doch dies kümmerte mich nicht. Ich war glücklich mit Adrian und er machte mich stark. Zumindest gab er mir dieses Gefühl. Wann immer Hauskameraden seinerseits versuchten, mich fertigzumachen, konnte ich doppelt so stark zurückkontern, was sie meist ziemlich blöd aus der Wäsche dreinschauen liess. Meine gemeinsamen Stunden mit Adrian waren die schönsten in meiner gesamten Hogwartszeit und es gelang nur ihm, mich so weich zu machen, so nachgiebig, so zärtlich. Abgesehen von diesen Treffen und dem Unterricht beschäftigte ich mich zu-sehends mehr mit dunkleren Zauberkünsten, die manchmal ein schlechtes Gewissen in mir hervorriefen, jedoch schob ich sie jedes Mal weg. Ich war zunächst äusserst schlecht auf die erste Lehrerin für Verteidigung gegen die dunklen Künste anzuspre-chen, weil man nun wirklich nichts von ihr lernte. Doch ich tröstete mich mit meiner Erlaubnis vom letzten Schuljahr, auch Bücher der Verbotenen Abteilung in der Biblio-thek nachzuschlagen, hinweg. Nachmittag für Nachmittag verbrachte ich also dort, ohne dass meine anderen Fächer notenmässig gesunken wären. Allerdings distan-zierten sich die Bewohner meines Hauses von mir, ohne Ausnahme, denn sie hatten gemerkt, dass ich mich verändert hatte. Selbst Adrian merkte etwas. Ich ertappte ihn einige Male dabei, wie er mich besorgt betrachtete. Jedoch konnte ich ihn immer be-schwichtigen… glaubte ich wenigstens.
Eines Tages beschloss ich, mein Wissen in die Tat umzusetzen. Ich wählte eine Ver-suchsperson aus. Also folgte ich Cho Chang, als ihr Freundinnenharem sie ein einzig-artiges Mal nicht begleitete, auf die Toilette. Dort angekommen, verschloss ich die Tür, um sicherzugehen, dass niemand hereinplatzen konnte. Dann wandte ich mich Chang zu. Ich wusste, dass sie die Geliebte Cedrics gewesen war. «Chang», sprach ich sie an. Sie fuhr herum. «Ach, bist du nicht die…andersartige Hufflepuff? Bist du nicht mit Adrian Pucey zusammen? Und du warst ja auch eine der besten Freundin-nen von Cedric, stimmt’s?» Bemüht freundlich, lächelte sie mich zaghaft an und streckte mir ihre Hand entgegen. Doch ich nahm sie nicht. Stattdessen blickte ich sie ausdruckslos, fast kalt, an und entgegnete: «Ich war seine beste Freundin, Chang. Ich hoffe, du erinnerst dich noch gut an ihn?» Verwirrt über meinen Tonfall und meine Worte starrte sie mich an. «Nein, natürlich habe ich ihn nicht vergessen. Warum sollte ich?» «Nun,» antwortete ich leise, «weil, wie mir scheint, du dich überraschend schnell mit dem Hogwartsliebling Potter abgefunden hast. Kann es sein, dass deine Vorliebe für Männer vor allem aus gut aussehenden oder berühmten besteht, Chang? Es wundert mich, dass du dich Krum damals nicht auch an den Hals geworfen hast.» Ich beobachtete, wie sie erbleichte. «Aber das stimmt doch gar nicht! Ich habe Cedric immer geliebt, wie könnte ich – Aaarh!» Sie lag auf dem Boden und zappelte unter Schmerzen. Langsam breitete sich eine Blutlache aus. Ich beobachtete sie und warte-te auf Befriedigung, das Gefühl, Cedric gerächt zu haben, doch nichts dergleichen kam. Dafür aber Angst, Entsetzen und Selbstverachtung. «Warum tust du das?», keuchte das hübsche, asiatische Mädchen, «Cedric hätte das nicht gewollt, das weisst du genau!» Verärgert darüber, dass sie glaubte, es besser zu wissen, beugte ich mich zu ihr herunter. Mit leiser, schneidender Stimme erwiderte ich: «Das stimmt allerdings, denn Cedric war ein Schwächling. Ein Weichei.» Sie riss die Augen auf und wollte wohl einen entsetzten Schrei ausstossen, doch es kam nur ein gequältes Rö-cheln heraus. Ich fuhr fort: «Deswegen musste er sterben. Hätte er Potter nicht den Pokal überlassen, wäre es nicht so weit gekommen. Wenn er Potter nicht den Tipp mit dem Ei gegeben hätte, wäre dieser viel früher ausgeschieden. Deswegen war er auch in Hufflepuff. Weil er ein freundlicher Narr war! Glaubte, wenn man anderen hel-fe, komme man selber weiter!» Ich merkte an diesem Punkt, dass Chang schon fast bewusstlos vor Blutverlust war, weswegen ich schnell den Fluch stoppte und einen Heilzauber anwendete, den ich, wie viele andere Sprüche, heimlich mehrere Male ge-übt hatte. Als ihr Herz wieder ruhiger schlug und nicht einmal eine Narbe mehr zu se-hen war, veränderte ich ihr Gedächtnis und verschwand dann eilig. Chang konnte mich nicht verpetzen, da sie sich nicht mehr an das Vorgefallene erinnern konnte. Doch ich hatte das Gefühl, dass sie dennoch eine vage Ahnung hatte, denn jedes Mal, wenn sie mich seither sah, wich sie mir aus. Es war zwar nicht möglich, doch irgendwie schien auch Adrian von diesem Vorfall zu wissen. Die nächsten Treffen hin-durch war er zurückhaltender als sonst und beäugte mich öfter kritisch als vorher. Ir-gendwann fing er dann an, mit mir über Verhaltensweisen zu sprechen, was ich ziem-lich schräg fand. Als er merkte, wie es mich angurkte, hörte er rasch wieder damit auf. Ich selber dachte noch lange über meine Tat nach. Angewidert von mir selber war ich, und ich versuchte, diese Erinnerung aus meinem Gedächtnis zu verbannen. Doch die Sprüche hatte ich mir gemerkt, sie hatten sich in mich hineingebrannt. Fortan beruhig-te ich mein Gewissen damit, diese Flüche nur noch zur Verteidigung einzusetzen, und nicht zum Angriff. Allerdings grübelte ich häufig über meine im Zorn ausgesprochenen Worte über Cedric nach. Anfangs hatte ich ein schlechtes Gewissen und entschuldig-te mich innerlich bei meinem besten Freund, doch mir wurde langsam bewusst, dass es stimmte. Weil Cedric ein Hufflepuff gewesen war. Im Haus der Schwächlinge. Wo ich selber auch war. Ich schämte mich.
Sechstes Schuljahr:
Snape war nun unser Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste, und ich fand seinen Unterricht einfach genial. Natürlich mochte ich ihn persönlich immer noch nicht, doch die Art und Weise, wie er unterrichtete, begeisterte mich. Endlich lernte ich nun offiziell etwas Richtiges und schon bald beherrschte ich es, Flüche lautlos anzuwen-den. Eines Tages lief ich an Pansy Parkinson vorbei, welche mich spöttisch ansah und eine hämische Bemerkung machte. Ich blieb stehen und sah mich um. Wir waren alleine. In aller Ruhe zog ich meinen Zauberstab und richtete ihn auf sie. Sie versuch-te, mich lauthals zu entwaffnen, doch ich kam ihr mit einem stummen Fluch zuvor. Keine Sekunde später würgte sie und griff sich an den Hals. Ich liess sie einen Mo-ment lang zappeln, bevor ich sie wieder freigab. Keuchend sackte sie auf den Boden, rappelte sich gleich wieder auf, warf mir einen erschrockenen Blick zu und rannte da-von. Ich wusste, dass sie niemandem davon erzählen würde. Das traute sie sich nicht. Und selbst wenn man überprüfen würde, welchen Zauberspruch ich als letztes verwendet hatte, na und? Ich würde genügend andere anwenden, damit dieser in Vergessenheit geriet. Sie war selber schuld, bläute ich mir ein. Ich hatte ihr schon vor Jahren Rache geschworen. Und nicht nur ihr…
So überraschte ich jeden Slytherin, der mir einmal dumm gekommen war. Natürlich erzählten sie keinem etwas. Beschämt, dass sie sich nicht gegen eine Hufflepuff zur Wehr setzen konnten. Nur Adrian verschonte ich. Und Malfoy. Denn der hatte schon genug Probleme. Nicht, dass ich Mitleid mit ihm hatte, doch er wurde besonders scharf von Snape überwacht, wie mir einmal auffiel. Und ausserdem hatte er durch seine Familie gute Beziehungen…
Natürlich machte ich mir schon seit der tragischen dritten Aufgabe des Trimagischen Turniers Gedanken über Den-Dessen-Name-nicht-genannt-werden-darf, und seine Anhänger. Über Cedric hingegen kaum mehr. Und dann auch nicht mehr sonderlich freundschaftlich. Es war mir gelungen, mich selber davon zu überzeugen, dass Cedric Diggory ein Waschlappen gewesen war. Die Todesser hingegen… Sie waren mächtig, und sie hatten einen direkten Draht zum Dunklen Lord, wie sie ihn nannten. Ich infor-mierte mich besser über sie und war schlussendlich ihrer Meinung, was Muggel und muggelstämmige Hexen und Zauberer betraf. Zauberer und Hexen waren nun mal mächtiger als Muggel, warum sollten sie dann nicht über sie herrschen? Sogar zu ih-rem eigenen Schutz, falls notwendig. Zaubermächtige Wesen konnten nun mal besser gegen Muggelverbrecher vorgehen als Muggel selber. Und Personen wie diese Her-mine Granger bildeten sich offenbar tatsächlich ein, über Hogwarts und andere mäch-tige Zauberorte vorherrschen zu können. Schutz der Hauselfenrechte! Was für ein Blödsinn! Dachten etwa alle von ihnen so einen Unsinn? Wie naiv! Es war tatsächlich nur zum Besten aller, wenn die reinblütigen Zauberer ihnen zeigen würden, wo es wirklich langging… Selbstverständlich sympathisierte ich nicht mit allen Todessern. Bellatrix Lestrange zum Beispiel war mir zu verrückt, zu extrem. Vielleicht war man gezwungen, Auroren und Anhängern gegenüber zu härteren Mitteln zu greifen, aber gleich auf diese Weise…sie hatten auch Familien. Und vor Fenrir Greyback ekelte ich mich. Was für ein Widerling! Ich bedauerte jedoch, dass Barty Crouch jun. aufgeflo-gen und den Dementoren zum Opfer gefallen war. Was für eine geniale Person er doch gewesen war! So intelligent und mächtig, dass er selbst Dumbledore zum Nar-ren hatte halten können! Und so jung, als er den Löffel abgeben musste... Für gewis-se andere Personen brachte ich ebenfalls Bewunderung auf… Doch beim Dunklen Lord war es anders. Er war mir unheimlich. Ich fand ihn unglaublich stark und tapfer, wie er all die Zeit sein Ziel aufrechterhalten konnte, doch ich fürchtete mich auch vor ihm. Man konnte offenbar sehr schnell in Ungnade bei ihm fallen, und er vergab auch nicht so schnell. Er war äusserst rachsüchtig und brutal. Doch da war etwas an ihm, das mich in den Bann schlug…
Da ich seit fast zwei Jahren nun keinen Brief mehr an meine Familie geschrieben und sie ausser den Sommerferien auch nicht mehr besucht hatte, überhäuften sie mich nun ihrerseits damit. Mit Briefen, nicht mit Besuchen natürlich. Die ersten las ich noch einigermassen interessiert, dann jedoch wurde es mir zu viel und ich verbrannte die restlichen. Es stand sowieso immer dasselbe darin. Ich schrieb ihnen, dass es mir gut ginge und sie sich keine Sorgen zu machen bräuchten, ausserdem dass ich momen-tan nicht in der Lage wäre, Briefe zu empfangen. Seither herrschte Ruhe. Was mir nicht viel ausmachte. Eines Tages wollte ich mich sowieso von ihnen lösen. Ich dach-te an den Tag zurück, als sie erfuhren, dass ich ins Haus der Schwächlinge gekom-men war, und wie sehr sie sich darüber gefreut hatten, weil sie es für ein gutes Zei-chen hielten. Ich wurde traurig und zornig zugleich darüber, wie ähnlich sie meinen weichen Hauskameraden doch waren. Den Gedanken, wie sehr ich mich darüber ge-freut hatte, verscheuchte ich sogleich. Jedoch krampfte sich mein Magen zusammen, als ich überlegte, wie sie reagieren würden, wüssten sie, was aus mir geworden war… Ich blockte all diese Gefühle ab und baute einen Wall um mich auf…liess nicht mehr zu, dass mich irgendetwas aus der Bahn warf…vor allem bei meinen Treffen mit Adri-an fiel mir das schwer. Wie sehr ich ihn vermisste, wenn wir uns nicht sehen konnten. Nur bei ihm wurde meine Seele ruhig; er gab mir, was ich brauchte. Was ich wirklich wollte. Doch dann zerstritten wir uns. Er sagte mir ins Gesicht, er würde sich Sorgen um mich machen. Beunruhigt fragte ich ihn daraufhin nach dem Grund. Er meinte, ich würde mich immer mehr in mich selber zurückziehen, dass ich fast jede Gesellschaft ablehnte…und dass ich mich ziemlich verändert hätte. Da wurde ich wütend und erwi-derte, inwiefern ich mich verändert hätte und wieso ihn das so störte. Mit zusammen-gekniffenen Augen antwortete er, dass ich mich zum Negativen gewandelt hätte. Ich würde mich mit Sachen beschäftigen, die mir gar nicht guttäten. Er behauptete sogar, dass er mich gerade verlieren würde! Daraufhin kochte ich vor Zorn und schleuderte ihm entgegen, wenn er nicht mit mir zufrieden sei, so wie ich war, dann sollte er sich gefälligst eine Neue suchen und mich in Ruhe lassen. Seine Augen weiteten sich; er-schrocken starrte er mich an und sagte schliesslich: «Das würde ich niemals tun. Ich würde nie einfach mit jemand anderem zusammenkommen und dich vergessen. Denn ich liebe dich, Flexa…» «Nein, tust du nicht!», warf ich ihm an den Kopf, «Sonst wür-dest du nicht derart an mir herumnörgeln!» Nach diesen Worten wirbelte ich herum und verliess ihn. Zugegeben, das waren harsche Worte, doch wenn er es nicht aus-halten konnte mit mir, sollte er es doch bleiben lassen. Seit diesem Streit gingen wir uns aus dem Weg und sprachen kein Wort mehr miteinander. Was wohl auch besser so war. Denn wir passten offensichtlich nicht zueinander. Was meinen Schmerz und meine Enttäuschung nicht milderte.
Bei der Nachricht von Dumbledores Tod und Snapes Verrat war ich überrascht, gleichzeitig doch nicht erstaunt. Es war nicht verwunderlich, dass dieser alte senti-mentale Narr von einem Schulleiter den Häschern Voldemorts in die Fänge ging. Es war nur eine Frage der Zeit. Allerdings war ich doch überrumpelt, als ich erfuhr, wer sein Mörder war. Ich hätte das Snape nie zugetraut. Er war zwar ein Ekelpaket, doch gleichzeitig ein Schleimbolzen. Nun ja – wenn er tatsächlich ein Todesser war, auch nicht schlecht. Vor allem, wenn er nun Schulleiter wurde. In den letzten Tagen dieses Schuljahres schrieb ich meiner Familie einen letzten Brief – sozusagen einen Ab-schiedsbrief, welches ich auch im Inhalt verdeutlichte. Es ging vor allem darum, dass ich nicht mehr zu ihnen zurückkehren würde. Nachdem der Brief abgeschickt war, bekam ich doch leicht ein schlechtes Gewissen und hoffte, sie würden irgendwann darüber hinwegkommen – auch wenn mir klar war, wie brutal das für sie sein musste. Ich schaffte es, über die Sommerferien ein Quartier im Eberkopf zu ergattern. Ich zahlte dafür mit Arbeit. Und konnte kaum erwarten, wann das nächste Schuljahr be-gann. Nun, wo alles viel interessanter geworden war.
Siebtes Schuljahr:
Die Schule hatte sich komplett verändert. Snape waltete ganz anders über Hogwarts als der vorherige Schulleiter, Dumbledore. Die meisten Lehrer waren angesichts der Neudazugekommenen eher kleinlaut und hielten sich zurück. Selbst McGonagall war nicht so streng wie sonst. Dafür hielten uns die beiden neuen Lehrer für «Verteidi-gung» gegen die dunklen Künste, Alecto und Amycus Carrow, ganz schön auf Trab. Sie zeigten verbotene Flüche und folterten zur Demonstration muggelstämmige oder ungehorsame Schüler vor der ganzen Klasse. Ich hingegen war eine ihrer besten Schüler, was nicht verwunderlich war, in Anbetracht dessen, was ich vorher schon erlernt hatte. Es waren mehr Lehrer dazugekommen, dafür viel mehr Schüler ver-schwunden. Vor allem Muggelstämmige, was keinen erstaunte. Granger hatte das Glück, fort zu sein. Ansonsten wäre ich mir nicht sicher, ob sie den Unterricht überlebt hätte. Ihr Blutsverräterfreund Weasley und der Todfeind Voldemorts, Harry Potter, waren ebenfalls nicht da. Doch im Gegensatz zu einigen glaubte ich nicht, dass sie dauerhaft weg waren. Alle drei hatten schon bewiesen, dass sie keine Feiglinge wa-ren. Jedes Mal, wenn ich Adrian begegnete, sah er mich so merkwürdig an – bitter, wütend und traurig. Kurz nach meiner ersten Lektion bei den Carrows, in der ich mich schon bewährt hatte, kam er auf mich zugestürzt und fauchte mich an, was denn in mich gefahren sei. Als ich ihn fragend ansah, meinte er genervt, dass ich früher doch nicht so… gewalttätig gewesen sei. Ich gab nur zickig zurück, dass gerade er als Slytherin das sagen musste, woraufhin seine Nasenflügel sich blähten vor Ärger und er antwortete, dass ich ihn wohl nie richtig kennengelernt hätte, was schon ziemlich traurig sei. Aber noch trauriger sei es, dass ich gar nichts begriffen hätte von unserer Beziehung. Bis aufs Blut gereizt, zischte ich ihm zu, dass unsere Beziehung ohnehin keine Zukunft gehabt hätte und dass man daraus nur lernen könnte, sich nicht mehr auf solche Mistkerle wie ihn einzulassen. Nach diesen Worten wirbelte ich herum und stürmte davon. Als ich mich kurz an der Ecke zu ihm umdrehte, bemerkte ich Entset-zen und Scham und kurz darauf so etwas wie Selbstverachtung auf seinem Gesicht.
Der finale Kampf
Schliesslich wurden wir alle in die Grosse Halle beordert. Es gefiel mir gar nicht, wie McGonagall Professor Snape verjagte und wie sie schliesslich alle Slytherins hinaus-warf. Ich sah ihnen, diesen Feiglingen, kalt hinterher und spuckte aus. Dieser Ab-schaum war geradezu dazu verpflichtet, dem Dunklen Lord zu gehorchen und nun machten sie den Abgang. ‘Sie werden schon sehen, was sie davon haben’, dachte ich. ‘Während ich ihm die Treue halte…auch wenn er noch nichts davon weiss.’ Ich hatte mich schwarz angezogen, mein Gewand besass sogar eine Kapuze. Als die Schlacht endlich begann, schaltete ich nicht wenige der Hogwartsschüler aus, die auf der Seite des Ordens kämpften. Als ich beobachtete, wie ein Todesser in Bedrängnis geriet, unterwarf ich seinen Gegner dem Cruciatusfluch. Erstaunt starrte mich der To-desser an. Ich warf die Kapuze zurück und erklärte ihm, ich stünde auf seiner Seite. Argwöhnisch runzelte er die Stirn, als ein weiterer Todesser erschien. Es war Bellatrix Lestrange. Schon zielte sie mit ihrem Zauberstab auf mich, als ihr Verbündeter sie aufhielt. Er erklärte ihr in wenigen Worten, was ich gesagt hatte, und ein Funken Inte-resse loderte in ihren Augen auf. Offensichtlich immer noch skeptisch, trat sie auf mich zu und musterte mich. Ihre Augen verengten sich. Ich hatte vergessen, meine Schuluniform auszuziehen, und so ruhte ihr Blick auf der schwarz-gelben Farbe mei-ner Krawatte. «Ich mag keine Slytherin sein», begann ich, drängend und kalt zugleich, «doch ich diene dem Dunklen Lord bereits jetzt, mehr als jeder Slytherin an ganz Ho-gwarts. Ich beherrsche viel der dunklen Künste und auch die Verbotenen Flüche. Fragt ihn, er wird es Euch bestätigen.» Sie sah ihn an und sie tauschten sich leise und schnell aus, bevor sie mich wieder ansahen. «Nun gut, es scheint zu stimmen», antwortete Lestrange herablassend. «Momentan haben wir keine Zeit, uns um dich zu kümmern, wie du wohl siehst. Doch sei versichert, dass wir unserem Herrn und Meis-ter von dir berichten werden, und je nachdem, wie du dich in der Schlacht verhältst, wird er dir sicherlich zugetan sein.» Ihre Augen bohrten sich in meine und ich begriff, dass sie mich im Auge behalten wollte während dem ganzen Kampf. ‘Auch nicht schlecht. Dann kann sie meine grösstenteils selbst erworbenen Fähigkeiten bemer-ken.’ Mit einem knappen Kopfnicken verabschiedeten sich die beiden und verschwan-den wieder. Ich sah ihnen einen Moment lang hinterher, das Herz rasch pulsierend vor Aufregung und Begierde, dem Dunklen Lord selbst zu begegnen. Dann wandte ich mich meinem nächsten Gegner zu.
Als Voldemort den Tod Harry Potter’s verkündete, wurde ich beinahe erregt bei der Vorstellung, demnächst eine Todesserin zu werden, eine seiner Anhängerinnen. Er rief anschliessend alle auf, überzutreten, die ihm folgen wollten. Mit ehrfürchtig aufge-rissenen Augen bewegte ich mich sofort nach vorne, kapuzenlos, sodass jeder mich erkennen konnte. Ich hörte scharfes Einatmen und entsetztes Keuchen, doch ich konzentrierte mich nur auf die Todesser vorne. Direkt neben ihm stand Lestrange. Sie beobachtete mich prüfend und beugte sich anschliessend zu ihrem Herrn, um ihm etwas zuzuflüstern. Ich musste aufpassen, dass meine Beine vor Schreck nicht nach-gaben, als der Dunkle Lord seinen Blick auf mich selber richtete. Einen Moment lang stand ich wie angewurzelt da, bevor er kurz wohlwollend nickte und sich erneut der Schülerschar zuwandte. Draco Malfoy gesellte sich auch noch zu uns, wobei ich glaubte, dass er es nur seinen Eltern wegen tat, und nicht wegen Voldemort selber. Anschliessend hielt Longbottom seine kleine Rede, die sicher beeindruckend war, doch ich hörte nicht zu. Meine Aufmerksamkeit galt jemand anderem. Jemandem, dessen Schrei das Einzige gewesen war, das ich vernommen hatte, als ich mich offi-ziell den Todessern angeschlossen hatte. Jemandem, dessen Blick sich mit meinem traf. Es tat mir mehr weh, als ich erwartet hatte, seinen gepeinigten Gesichtsausdruck zu sehen, die Trauer in seinen Augen, die vor Wut geballten Fäuste und vor Enttäu-schung tief nach unten gezogenen Mundwinkel. Seine einst hübschen braunen Augen waren nun dunkler als sonst vor Zorn und Kummer. Seine widerspenstigen, kastani-enfarbenen Locken standen wilder ab als je zuvor. Alles in allem sah er wie ein Krie-ger aus. Ein Kämpfer. Und er sandte eine Botschaft aus, ein einziges Wort: Verrat! Verräterin! Ich blinzelte, und da wurde mir erst bewusst, dass er auf der anderen Sei-te stand. Trotz seiner Herkunft. Wir waren Feinde. Eine Welle des Schrecks fuhr durch mich hindurch und ich atmete rasch und flach, um nicht auszurasten. Longbot-toms Ansprache war fertig und Potter sprang aus den kräftigen Armen des Halbriesen auf, seinen Zauberstab gezückt. Augenblicklich begann die Schlacht von Neuem. Und während alle um mich herumrannten, irgendwohin, stand ich einfach nur da. Und war-tete. Wartete auf ihn, der mich konfrontieren würde, da war ich mir sicher.
Und tatsächlich. Nur einen Moment später war er vor mir, zielte auf mich. Ich konnte gerade noch dem Fluch ausweichen, schüttelte meine Benommenheit ab und kon-zentrierte mich. Einige Minuten lang kämpften wir gegeneinander, offenbar beide zu schockiert, um etwas zu sagen. Schliesslich ergriff er das Wort.
«Flexania», begann er. Ich war dermassen verblüfft, wie sanft und flehend seine Stimme war, dass ich beinahe wieder nicht aufgepasst hätte. «Wie konntest du nur? Das ist dein Untergang.»
«Ach ja?,» entgegnete ich kalt. «Glaubst du wirklich, Potter könnte Lord Voldemort besiegen?»
«Ich rede nicht davon. Ich spreche davon, dass du dich selber zugrunde gerichtet hast. Die dunklen Künste…die Anhängerschaft Voldemorts…die finsteren Gefühle… sie haben die Flexania, die ich kannte, die Flexania, die ich liebte, vernichtet. Und stattdessen haben sie ein Monster erschaffen.»
Ich sog scharf die Luft ein und hielt inne. Er tat es mir nach. Seine Worte hatten mich soeben mehr verletzt, als ich geglaubt hätte…obwohl er Recht hatte. Ich war zu ei-nem Ungeheuer geworden. Ich hatte Menschen verletzt. Körperlich und seelisch. Und mich selber noch dazu. Aber… «Und was hast du je getan?», zischte ich. «Soweit ich mich erinnere, hast du dich ja offenbar nicht sonderlich darum bemüht, meine Seele zu bewahren.»
Traurig betrachtete er mich. «Das ist wahr. Das ist auch mein Fehler. Doch ich habe geglaubt, du wärst sicher, im Haus, wo du bist. Hufflepuff ist das Haus der Freundli-chen (‘Da solltest du mal Zacharias Smith kennenlernen’, dachte ich für mich). Und ausserdem hattest du Cedric Diggory an deiner Seite. Einer der gütigsten und selbst-losesten Menschen, die es gab…»
«Da hast du es», schnappte ich. «Die es gab! Er starb wegen seiner Naivität!»
Er schenkte mir nur einen mitleidigen Blick. «Und du? Bist du nicht auch gestorben, Flexania? Ist dein Schicksal gewissermassen nicht schlimmer als seins? Es hätte gar nicht so weit kommen müssen! Sieh mich an! Ich bin ein Slytherin! Die meisten von uns haben Todesser als Eltern, oder zumindest Befürworter deren. Aber nicht alle ziehen deswegen für Voldemort in die Schlacht! Theodore Nott, zum Beispiel, ist so-gar, wie wenige andere und ich, auf der Seite des Ordens. Und du? Warst du nicht früher sogar mit Muggelstämmigen befreundet? Flexania, ich habe dich nicht geliebt, weil du gut in der Schule oder beliebt warst. Ich habe mich in dich verliebt, weil du eine sanftmütige, liebe Person warst.» Seine Stimme zitterte nun, wurde weich, und seine Augen glänzten. «Flexania Miller, deine Fröhlichkeit und deine Unschuld haben mich beinahe verrückt gemacht! Und es hat mir so weh getan, als du so verletzt wur-dest. Von den anderen Slytherins. Von mir. Aber ich wollte dich nicht verteidigen. Zum einen, weil ich mir einreden wollte, ich würde mir nichts aus dir machen, weil ich mich meines Rufes wegen nicht in eine Hufflepuff verknallen wollte. Doch ich habe es den-noch getan. Dich verteidigt. Aber nicht vor dir. Nur unter den anderen Slytherins. Denn sonst, fürchtete ich, wäre das Mobbing noch schlimmer geworden. So hat sich ihr Hohn vor allem auf mich konzentriert. Und ich hatte Angst, dass du danach nichts mehr mit mir zu tun haben wolltest. Wobei ich das befürchtet habe, als das Mobbing seinen Höhepunkt erreicht hat. Wie auch immer, nach Cedric Diggorys Tod war mein einziger Wunsch, dich zu schützen. Wie froh, wie glücklich ich war, als du ebenfalls Gefühle für mich zu empfinden schienst! Doch danach ging es bergab. Du hast dich immer mehr zurückgezogen. Wurdest stiller. Und wütender. Ich habe es gemerkt. Bei jedem unserer Treffen. Deine Verbittertheit und deine Wut verwandelten dich, lang-sam, doch stetig. Bis ich dich eines Tages nicht mehr erkannt habe. Du…du…bist…keine Hufflepuff mehr gewesen… Sondern das Klischee eines Slythe-rins… Du bist grausam geworden… das Mädchen, das ich einst geliebt habe, weg…fort…verschwunden. Tu dir das nicht an, Flexa. Bitte. Es war auch meine Schuld. Das gebe ich zu. Aber du tust dir vor allem selber weh. Es ist nicht Macht, die du willst…»
«Ach ja?», fauchte ich, in meinem Hals ein gewaltiger Kloss. «So gut kennst du mich also, ja?»
Er sah mir direkt in die Augen, mit einem Blick, so ernst, dass es mir beinahe das Herz brach. «Ja…ich kenne dich besser, als du denkst…Alexa.»
Nun konnte ich ein Wimmern nicht mehr unterdrücken. Er nannte mich bei meinem alten Spitznamen, ein Name, der schon fast ein Kosename von ihm für mich gewor-den war.
«Es ist nicht Ruhm oder Ansehen, wonach du dich sehnst… sondern Akzeptanz. Dass man dich wahrnimmt. Dass du richtige Freunde hast. Das, was du selber zer-stört hast. Aber noch hast du deine Chance nicht völlig vertan, noch kannst du zu-rückkommen. Du hast Dummheiten angerichtet, ja, aber wenn du dich bekennst, sie bereust und sie abbüsst, dann wirst du freier von allem sein, wie du es bisher warst. Du wirst noch einmal von vorne anfangen können. Du kannst ein neues Leben anfangen. Mit mir… falls du das willst. Wir zusammen. Wenn du dich jetzt nur von diesen Fins-terlingen, auf deren Seite du momentan stehst, abwendest... Gib mir deine Hand. Zu-sammen können wir es schaffen. Alexa…» Er sah mich flehend an und streckte seine Hand aus.
Überwältigt von all dem, was er mir anvertraut hatte, schloss ich für einen Moment die Augen. Er hatte Recht gehabt. Ich hatte wirklich nichts von unserer Beziehung ver-standen. Sein Ziel, das Ziel einer Beziehung, war es, beide Partner glücklich zu ma-chen. Und das hatte ich nicht. Im Gegenteil, ich hatte uns beide unglücklich gemacht und ihm noch mehr wehgetan. Als ich nachdachte, merkte ich, wie sehr ich mich da-nach sehnte, wieder in seinen Armen zu liegen. Ich hatte ihn ja so unglaublich ver-misst. Doch konnte ich das wirklich? Wieder zurückkehren, nun, wo ich mich offiziell zur Anhängerschaft Voldemorts bekannt hatte? Ich hatte keine Angst davor, dass mich einer von ihnen als Rache für meine Untreue töten würde. Oder foltern. Aber ich bezweifelte stark, dass ich einfach so auf die andere Seite wechseln konnte. Bei al-lem, was ich angerichtet hatte. Die Vorstellung, mit Adrian friedlich bis ans Ende un-serer Tage zu leben, in Frieden mit allen anderen, war zu schön…doch konnte sie Realität werden? Würden die anderen mich wieder akzeptieren? Andererseits konnte ich das nur herausfinden, wenn ich es versuchte. Es wagte. Immerhin hätte ich es probiert. Und nun fühlte ich wirklich Reue. Ich schämte mich für das, was ich anderen angetan hatte: Cho, Pansy, den anderen Slytherins, meiner Familie… In diesem Mo-ment traf ich eine Entscheidung. Ich würde mich stellen. Ich würde mich entschuldi-gen, bei meinen Opfern, bei meiner Familie. Vor allem jedoch würde ich Adrian um Verzeihung bitten und gegebenenfalls mit ihm irgendwann wieder zusammenkommen, zusammenleben… vielleicht würden wir sogar mal eine Familie gründen.
Von neu entfachter Entschlossenheit gestärkt, öffnete ich die Augen und auch den Mund, um ihm meine Antwort mitzuteilen. Verwundert erstarrte ich. Dann senkte ich meinen Blick. Und von einer Sekunde auf die andere verwandelte sich mein Enthusi-asmus in Entsetzen. Einen Moment vorher war ein Feuer in mir aufgelodert, und nun war es nicht nur erloschen, sondern mein ganzes Inneres war komplett vereist. Und nach einem Schreckensmoment begriff ich: unsere Zukunft war weg! Unsere gemein-same, mögliche Zeit hatte sich hier und jetzt in nichts als Seifenblasen, Luftschlösser, Utopien aufgelöst. Illusionen, die so leicht zu zerstören waren. Und wegen diesem einen Moment, dem Moment, in dem ich gezögert hatte, war es geschehen… da lag er, mein Geliebter, und nichts und niemand konnte mehr etwas für ihn tun. Seine einst schönen, braunen Augen, vorher noch fast schwarz vor Aufgewühltheit, schimmerten nun in einem merkwürdigen, hellen Glanz. Er starrte nicht mehr mich an, sondern den Himmel, wie mir schien. Die Arme locker von sich gestreckt, der Zauberstab war ihm aus den Händen gefallen. Ich konnte nicht sagen, wie er gefallen war, mit sich und der Rest der Welt im Frieden, oder überrascht, oder wütend. Ich konnte es nur über mich selber sagen. Man hatte mir meinen Liebsten genommen! Einen Unschuldigen! Die Person, die alles für mich getan hätte! Und ehe ich mich versah, rannen mir schon die Tränen übers ganze Gesicht, ich schluchzte auf, liess den Zauberstab fallen. Mein Körper schien zu explodieren vor Schmerz. Und genau das zeigte ich. Ich liess einen lauten, kummererfüllten Schrei ertönen, und ich fiel neben Adrian auf den Boden.
Als ich wieder hochschaute, sah ich in ein blasses Gesicht mit eigenartig dunklen Au-gen und schweren Lidern.
«Also?», fragte sie leise mit ihrer schnarrenden Stimme. «Wie sieht deine Antwort aus?»
In diesem Moment begriff ich, wer das getan hatte. Und warum. Zum einen war mein Liebster aus ihrer Sicht ein Verräter gewesen. Verräter seiner Abstammung und seines Hauses. Und zum anderen war es eine Prüfung. Ein Test, der zeigen sollte, wie stark mein Verlangen war, mich ihnen anzuschliessen. Und den ich nicht bestanden hatte. Ich hob mein Gesicht und schaute mich um. Was ich sah, riss mich aus meiner eigenartigen Trance. Schreiende Menschen, verzweifelt kämpfende Erwachsene und Kinder, Jugendliche…alles Menschen, die für eine bessere Zukunft kämpften. Doch ich bemerkte auch die Toten. Opfer der Todesser. Opfer ihrer selbst, dessen, was sie waren. Und ich wusste mit einem Schlag, was meine Antwort war.
«Nein», antwortete ich, meine Stimme mehr oder weniger fest, jedoch deutlich, und sah ihr dabei ins Gesicht.
Sie verengte die Augen. Und hob den Zauberstab.
Das Letzte, was ich hörte, war erneut ein Schrei. Von wem kam er? Weshalb wurde er ausgestossen? Und war er echt? Oder existierte er nur in meiner Erinnerung? Als die Person, die mich mehr als ihr eigenes Leben geliebt hatte, erkennen musste, dass ich verloren war? Oder zumindest vermeintlich verloren war. Denn ich hatte es geschafft, wieder auf die richtige Seite zu wechseln. Oder? Dies ging mir als Letztes durch den Kopf, bevor ich für immer meine Augen schloss und mich auf einmal blen-dend helles Weiss umhüllte…und Gesichter sah, welche ich mehr vermisst hatte, als mir bewusst gewesen war...eines war besonders intensiv…innerlich lächelnd, schritt ich von dannen und warf keinen Blick mehr zurück…schaute mich nicht mehr nach meinem alten Leben um…sondern dem neuen entgegen, wo man sein durfte, wer man wirklich war…Alexa, Flexania, Miller war nach Hause gekommen.

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