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Camelot

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1 Kapitel - 3.731 Wörter - Erstellt von: Phini - Aktualisiert am: 2018-02-23 - Entwickelt am: - 321 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Als Eleanor in Camelot ankommt ist sie überwältigt. Außerdem wird sie ganz anders aufgenommen, als sie dachte. Für kurze Zeit lebt sie ein perfektes Leben aber als ihr alter Freund ebenfalls in die Stadt kommt, gerät sie in eine schwierige Zwickmühle.
Basierend auf BBC Merlin mit den meisten Charakteren aus der Serie:)

1
Die Mauern und Türme Camelots erhoben sich hoch vor mir. In zügigem Trab ritt ich auf die Zugbrücke zu, bremste jedoch vor dem Passieren des gewaltigen Torbogens ab. Die Kapuze meines langen dunkelbraunen Umhangs war mir während des Ritts vom Haar gerutscht und ich war froh in den Schatten der Gassen zu reiten. Sofort umschloss mein Pferd und mich das gesellige Treiben der Handwerker, Händler, Mägde und Zofen der Stadt. Trotz der Geschäftigkeit konnte man deutlich sehen, dass es sich um den wohlhabenderen Teil Camelots handelte. Das Obst und Gemüse bei den Marktständen war vielfältiger Natur, die Kräuter am Tisch eines jungen Mädchens sahen frisch und grün aus und die Händler selbst trugen einfache, aber saubere und gepflegte Kleidung.
Nach einigen Metern sah ich das Schild einer Taverne und stieg vorsichtig aus dem Sattel. Nach dem langen Ritt fühlte ich mich etwas steif und versuchte meine Arme und Beine zu dehnen ohne den vorbei rollenden Karren in die Quere zu kommen. Schnell führte ich meinen Wallach auf das Tavernengebäude zu und band ihn an einen zufällig aus der Wand ragenden Holzbalken. Orion schnaubte mir widerwillig in den Nacken und versuchte an meinem Haar zu knabbern.
„Schon gut, mein Schatz“, murmelte ich und strich ihm sanft über seinen langen Hals. „Ich verspreche, dass du den Sattel in fünf Minuten los bist.“
„Und? Antwortet er auch manchmal?“ hörte ich plötzlich eine neckende Stimme hinter mir fragen. Ich drehte mich etwas erschrocken um und hatte einen muskulösen, dunkelhaarigen Mann vor mir, der mich mit einem schelmischen Glitzern in den Augen ansah. Er trug einfache Kleidung, mir fiel jedoch das Schwert an seiner linken Hüfte ins Auge.
„Wir sind noch dabei uns kennen zu lernen, aber ich glaube lange dauert es nicht mehr“, antwortete ich lächelnd.
„Dessen bin ich mir sicher“, erklärte der junge Mann lachend.
„Ich bin Gwaine“, fügte er hinzu und streckte mir seine Hand entgegen.
„Mein Name ist Eleanor und das ist Orion“, erwiderte ich lächelnd und strich weiter über die Mähne des Pferdes während ich Gwaines Hand ergriff. Dieser hob sie blitzschnell zu seinem Mund und küsste leicht meinen Handrücken.
„Mylady“, hauchte er und sah mich durch seine dichten schwarzen Wimpern verführerisch an, wobei ich jedoch immer noch das schelmische Funkeln in seinen dunklen Augen deutlich erkennen konnte. Trotzdem musste ich lachen und spürte meine Wangen warm werden. Gwaine war eindeutig attraktiv und sehr sympathisch.
„Ich glaube, ich muss dich enttäuschen“, sagte ich und griff seinen scherzhaften Tonfall auf. „Auch wenn ich das Kompliment zu schätzen weiß; ich bin keine Lady.“
„Ihr könntet mich niemals enttäuschen, Mylady“, zwinkerte mir Gwaine zu und wieder musste ich lachen. „Wie es um Orions Gemüt steht, weiß ich jedoch nicht genau“, fügte er hinzu und blickte belustigt über meine Schulter. Ich drehte mich um und sah mein Pferd in aller Seelenruhe einen Apfel verspeisen den es offenbar soeben aus dem Obststand direkt neben sich stibitzt hatte.
„Orion!“, zischte ich leicht panisch und zog den Kopf des Wallachs mit Hilfe der Zügel zu mir um ihm den natürlich bereits hoffnungslos zerkauten Apfel aus dem Mund zu zerren. Entsetzt starrte ich einige Sekunden auf die Apfelreste in meiner Hand und hob schließlich den Blick um den Ärger des Händlers einzuschätzen. Als ich jedoch zu diesem hin schaute, sah ich Gwaine – eine Hand auf der Schulter des Obstverkäufers – mit diesem reden. Die beiden lachten, Gwaine gab dem Mann eine handvoll Münzen, sie verabschiedeten sich mit einem herzlichen Handschlag voneinander und schon stolzierte Gwaine wieder auf mich zu. Ich starrte ihn an, immer noch leicht entsetzt, dass mein Leben in Camelot mit einem ungeplanten Diebstahl auf Kosten meines Pferdes starten sollte und extrem erstaunt von dem ehrenhaften Verhalten eines Mannes, den ich keine fünf Minuten zuvor zum ersten Mal gesehen hatte.
„Ich… Oh nein, das sollte so nicht…“, setzte ich meine Entschuldigung an.
„Du brauchst dich nicht zu bedanken“, unterbrach er mich. „Es war schließlich meine Schuld, dass du dein Versprechen an dein Pferd nicht umsetzen konntest, ich hab dich aufgehalten.“ Gwaine schien weder im Mindesten ärgerlich zu sein, noch schien er an seiner Tat etwas Besonderes zu finden. Ich war noch immer verwirrt, nahm mich jedoch zusammen und erklärte:
„Danke Gwaine, du musst mir erlauben das wieder gut zu machen. Wie wäre es, wenn ich schnell nach einer Kammer frage und dir dann einen Krug Met spendiere?“, schlug ich vor ohne auf Gwaines wiederholte Versuche zu achten, mich zu unterbrechen.
„Gwaaaiinee!“, ertönte in diesem Moment eine aufgeregte Stimme aus der Menge hinter meinem Retter. Dessen Grinsen weitete sich, als er den schlanken, schwarzhaarigen jungen Mann sah, der sich nun zielstrebig auf uns zu bewegte.
„Hallo Merlin, darf ich dir die bezaubernde, wenn auch gänzlich durch den Willen ihres Pferdes beherrschte Lady Eleanor vorstellen.“
„Ich bin keine Lady“, erklärte ich noch bevor Gwaine ganz zu Ende gesprochen hatte. Merlin musterte mich kurz, schien aber eigentlich andere Dinge im Kopf zu haben.
„Willkommen in Camelot“, begrüßte er mich knapp und wendete seinen Blick dann eindringlich an meinen bisherigen Begleiter.
„Gwaine, das Training hat vor zehn Minuten begonnen und Ihr tragt noch nicht einmal Eure Rüstung. Arthur ist heute ein wenig … angespannt.“, fing Merlin fieberhaft an zu erklären und zum ersten Mal fiel der schelmische Ausdruck von Gwaines Gesicht ab.
„Oh“ stieß dieser aus. „Ich wusste doch, ich hatte was vergessen.“
Er wandte sich zu mir um und sah mich entschuldigend an.
„Normalerweise würde ich ein solches Angebot von einer hübschen Frau niemals ausschlagen, aber im Moment rufen meine anderen Verpflichtungen, wie du hörst.“, erklärt er mit einem angespannten Lächeln auf den Lippen.
„Gwaaiinee…“, drängelte Merlin.
„Du kannst deine Schulden heute Abend bei mir begleichen“, schlug der dunkelhaarige Mann mir vor. Meine Verwirrung hatte inzwischen ihren Höhepunkt erreicht, also nickte ich einfach nur, während Gwaine und Merlin schon anfingen sich durch das Gewirr aus Menschen, Karren und Pferden zu drängen. Beide nickten mir ein letztes Mal zu und schon waren sie im Gedränge verschwunden.
Verwundert und nun wieder allein mit Orion stand ich vor der Taverne. Während ich sicherstellte, dass mein Pferd nicht noch einmal die Gelegenheit hatte, unbescholtenen Händlern Lebensmittel zu stehlen, wunderte ich mich weiter über das Gespräch, das soeben in meiner Anwesenheit stattgefunden hatte. Zu was für einem Training mussten die beiden Männer denn? Merlin hatte von einer Rüstung geredet… etwa einer Ritterrüstung? Konnte Gwaine ein Ritter Camelots sein? Und war mit ‚Arthur’ etwa ‚König Arthur’ gemeint? Kopfschüttelnd ging ich schließlich in die Taverne. Am Tresen fragte ich nach einer Unterkunft und ob Orion versorgt werden könne. Zu meinem Glück war sowohl für mein Pferd wie auch für mich ein Platz frei und so übergab ich Orion an den Sohn des Tavernenbesitzers und begab mich erschöpft in meine Kammer.

Ich erwachte fast zwei Stunden später, vollständig in meiner Reisekleidung bekleidet und ausgestreckt auf meinem Bett liegend. Stöhnend stand ich auf und strich mir eine Strähne aus dem Gesicht. Anschließend zog ich mir ein bequemes Kleid an und beschloss ein wenig die Stadt zu erkunden. Ich schloss die Tür meiner Kammer hinter mir, lief durch den Schankraum und trat auf die stets belebte Straße. Die Sonne stand bereits tiefer und es war etwas kühler geworden. Trotzdem war es noch immer angenehm durch die Gassen und Straßen Camelots zu laufen und das bunte Treiben zu beobachten. An manchen Ecken standen Wachen, wahrscheinlich um Taschendiebe abzuschrecken, denn eigentlich sah sonnst alles sehr friedlich aus.
Ich ging gedankenverloren an einigen Stoffständen vorbei, als ich plötzlich eine bereits bekannte Stimme meinen Namen rufen hörte.
„Eleanor!“, ertönte es links von mir und ich drehte mich um. Vor mir stand der schwarzhaarige junge Mann von heute Nachmittag und grinste mich etwas verlegen an.
„Hallo Merlin“, begrüßte ich ihn.
„Hallo“, erwiderte er. Die Tatsache, dass ich mich an ihn erinnern konnte schien ihn zu ermutigen, denn er entspannte sich etwas. „Gut dass ich Euch gefunden habe. Ich soll Euch von Sir Gwaine ausrichten, dass es ihm heute Abend leider nicht möglich sein wird Euch Gesellschaft zu leisten.“
„Oh“, entgegnete ich etwas enttäuscht. Obwohl ich nur zehn Minuten mit ihm gesprochen hatte, hatte ich das Gefühl, dass Gwaine und ich uns sehr gut verstanden und sicher Freunde hätten werden können. Außerdem war er fast der Einzige, mit dem ich seit meiner Ankunft mehr als zwei Worte gewechselt hatte. Merlin musste die Enttäuschung in meinem Blick erkannt haben.
„Es tut ihm wirklich sehr leid. Nur war er schon wieder zu spät zum Training und dieses Mal hat Arthur ihn zur Strafe zum Stalldienst geschickt…“, setzte er seine Erklärung fort.
„Schon gut, ich verstehe“, sagte ich und lächelte ihn an, um ihm zu signalisieren, dass ich nicht allzu traurig war. „Aber dann musst du mir Rede und Antwort stehen, Merlin. Soweit ich das richtig verstanden habe ist Gwaine ein Ritter?“
„Ihr kennt euch nicht?“, fragte Merlin verdutzt. Ich schüttelte den Kopf. Er schaute mich verwundert an.
„Es ist nur… ihr wirktet sehr… vertraut“, erklärte der junge Mann mit vielsagendem und gleichzeitig fragendem Blick in meine Richtung.
„Oh!“, begriff ich seine Andeutung und spürte die Röte in meine Wangen schießen, „Nein, nein, nein. Ich bin zum ersten Mal in meinem Leben in Camelot und kannte ihn gerade zehn Minuten, als du zu uns gestoßen bist.“
„Entschuldigt, ich wollte Euch nichts unterstellen.“
Der Diener grinste und ich war mir nicht hundert Prozent sicher, ob er mir wirklich nichts unterstellte.
„Aber wenn Ihr neu in Camelot seid… Ja, Gwaine ist ein Ritter Camelots und hat sich schon das ein oder andere Mal zu den Trainingseinheiten unter König Arthur verspätet. Und da ich dessen Diener bin, hat er mich geschickt um Gwaine zu suchen“, fasste er mit in einem sehr entspannten Tonfall zusammen und grinste mich an. Ich dagegen schaute mit großen Augen zurück und hatte Mühe zu verarbeiten, dass ich an meinem ersten Tag in Camelot einem Ritter und dem Diener des Königs in die Arme gelaufen war.
„Nun, ich hoffe Gwaine hat nicht allzu viel Ärger mit“, ich schluckte, „mit dem König gehabt. Immerhin war es meine Schuld, dass er zu spät war.“
„Glaubt mir, das hätte er auch so geschafft“, lachte Merlin unbekümmert aber durchaus liebevoll, „Aber jetzt müsst Ihr mir im Gegenzug verraten, was Euch nach Camelot geführt hat.“ Ich mochte den jungen Diener, also hatte ich nichts gegen seine Aufforderung einzuwenden.
„Ich hoffe, hier mein eigenes Leben aufbauen zu können… In dem kleinen Dorf aus dem ich komme – Drean – gab es für mich keine neuen Herausforderungen mehr…“, fing ich an zu erklären. Als ich meine Heimat erwähnte spürte ich ein leichtes wehmütiges Lächeln in meinem Gesicht, „Meine Großmutter ist vor etwa einem Monat gestorben und sie hat andauernd von Camelot erzählt. Sie hat mich aufgezogen und es war ihr letzter Wunsch, dass ich herkomme.“
Ich merkte, wie meine Stimme zitterte und schluckte heftig um mich wieder zu beruhigen. Nur weil ich Merlin nett fand, musste ich ja nicht sofort vor ihm in Tränen ausbrechen.
„Das tut mir sehr leid“, murmelte Merlin bedrückt.
„Muss es nicht. Meine Großmutter hat ein glückliches Leben geführt und war schon sehr alt“
Diese Halbwahrheit versetzte mir einen kleinen Stich und mir wurde das Herz beim Gedanken an meine Großmutter schwer. Merlin sah mich einen Augenblick lang so an, als ob er nachhaken wollte, nickte dann aber nur und fragte:
„Was ist mit Euren Eltern?“
„Meine Mutter starb bei meiner Geburt und mein Vater war ein Ritter Uthers. Er ist gefallen, als ich sieben Jahre alt war.“
Wie immer, wenn ich von meiner Mutter sprach breitete sich in meinem Inneren ein etwas hohles Gefühl aus. Ich wusste, es war albern sie zu vermissen, obwohl ich sie nie gekannt hatte aber trotzdem erwischte ich mich selbst oft dabei, wie ich über sie nachdachte.
„Aber wenn Euer Vater ein Ritter war, warum habt Ihr nicht in Camelot gelebt?“, fragte Merlin nach.
„Als mein Großvater krank wurde, beschloss mein Vater mit meiner Mutter nach Drean zurück zu gehen. Ich wurde geboren und ich denke, Vater wollte Großmutter nach dem Tod meines Großvaters nicht allein lassen“, erklärte ich schulterzuckend und schaute zu Boden. Langsam fühlte ich mich unwohl in meiner Haut. Die Geschichte meiner Familie klang so kurz und knapp auf den Punkt gebracht recht tragisch und ich überlegte, ob es ein Fehler gewesen war einem Fremden so viel von mir selbst zu erzählen. Ich spürte Merlins mitfühlenden Blick und hörte ihn zu einer Antwort ansetzen.
„Meerliiiin!“, erschallte in diesem Moment ein Ruf über den großen Platz auf dem wir uns inzwischen befanden. Ich hatte unbewusst den jungen Diener die Führung bei unserem kleinen Spaziergang übernehmen lassen und bemerkte erst jetzt, dass wir uns vor einem gewaltigen Schloss befanden. Aus dem mächtigen Portal dieses Gebäudes kam nun ein blonder, sehr athletischer Mann auf uns zustolziert, seinen Blick fest auf den dunkelhaarigen Mann vor mir gerichtet.
„Wo hast du gesteckt, Merlin?“, fragte Camelots König nun ärgerlich, beide Hände locker in die Hüften gestemmt. Man erkannte sofort, dass es sich um Arthur Pendragon handeln musste. Man sah es an seinem selbstbewussten Gang und hörte es an der Art, wie er sprach – als ob er es gewohnt sei Befehle zu geben, die sofort ausgeführt wurden. Als er mich bemerkte änderte sich sein Gesichtsausdruck. Er räusperte sich, stellte sich aufrecht hin und ließ die Hände sinken.
„Sire, das ist Eleanor“, stellte Merlin mich vor, „Eleanor, das ist König Arthur von Camelot.“
Ich machte einen Knicks, so gut wie ich es konnte und war mir sicher dabei unendlich ungeschickt auszusehen.
„Es ist mir eine Ehre Euch kennen zu lernen, Mylord“, fügte ich noch hinzu, um wenigstens meinen guten Willen zu beweisen.
„Die Ehre ist ganz meinerseits“, erwiderte Arthur und sah mir in die Augen. Im Dämmerlicht, welches inzwischen über die Stadt eingebrochen war, sahen seine Augen hellgrau aus. Er musterte mich eindringlich bevor er fragte:
„Woher kennt Ihr Merlin?“
„Sir Gwaine hat uns heute Nachmittag einander vorgestellt und wir haben uns vorhin zufällig wieder getroffen“, erklärte ich. Seine hellen Augen musterten mich und mir wurde furchtbar warm. Mein Vater hatte nie viel über sein früheres Leben in Camelot gesprochen, aber selbst als kleines Mädchen hatte ich den unendlichen Respekt und die Ehrfurcht in seiner Stimme gehört, wenn er von Uther geredet hat. Jetzt stand ich vor dessen Sohn und spürte, eine Woge der selben Ehrfurcht für Arthur. Ich räusperte mich, um meine Nervosität zu vertreiben und konzentrierte mich auf den Mann vor mir.
„Ah, ich verstehe. Ihr seid der Grund für Gwaines geistige Abwesenheit im heutigen Training. Es tut mir leid, dass ich Euch euren Freund für heute Abend entführen musste, es klang als hättet Ihr noch Pläne gehabt“, sagte Arthur und schmunzelte leicht. Dann schien er seine eigenen Worte zu verarbeiten und fügte hinzu:
„Was mich natürlich nichts angeht. Verzeiht mir.“
Merlin, der die ganze Zeit stumm geblieben war, verkniff sich hinter Arthurs breiten Schultern ein Lachen. Ich merkte, wie ich schon wieder rot anlief und hoffte inständig, dass das Dämmerlicht so viel wie möglich davon verbarg. Vielleicht hätte ich es mir zweimal überlegen sollen, einen fremden Mann auf einen Krug Met einzuladen, da diese Geste hier offenbar vielfältig interpretiert wurde.
„Es gibt nichts zu verzeihen, Sire“, erwiderte ich und versuchte gelassen und unbeeindruckt zu klingen, „Ich bin heute erst in Camelot angekommen, also wäre es wohl ein wenig anmaßend von mir, schon jemanden als meinen Freund zu bezeichnen aber Sir Gwaine hat mir heute…sehr ehrenhaft geholfen und dafür bin ich dankbar.“
Arthur nickte.
„Woher kommt Ihr, Mylady?“, fragte er ohne Umschweife.
„Aus einem Dorf namens Drean.“, erwiderte ich und versuchte mich von Arthurs grauen Augen, die mich immer noch durchdringend betrachteten nicht aus dem Konzept bringen zu lassen. Plötzlich kam ich mir furchtbar uninteressant vor. Was tat ich hier? Ich lungerte auf dem Burghof herum und langweilte den König Camelots wahrscheinlich zu Tode… Bestimmt hörte er mir nur aus reiner Höflichkeit überhaupt noch zu.
„Eleanors Vater hat unter Uther als Ritter gedient, Sire!“, unterbrach Merlin meine Gedanken. Arthurs Augen weiteten sich und er schaute zuerst mich sehr perplex und dann Merlin äußerst wütend an. Dieser wurde ein bisschen blass und versuchte gerade einen Schritt zurück zu treten als Arthur einen Arm recht unsanft um Merlins Schultern legte.
„Und Merlin“, fing er in einschüchterndem Tonfall an, „was hat dich auf die brillante Idee gebracht mir jetzt erst zu unterbreiten, dass unser Gast adelig ist?“
„Ich, ähm…“, begann Merlin stotternd und sich seines Fehlers eindeutig bewusst werdend.
„Das ist meine Schuld, Sire“, sprang ich ein, „Meine Großmutter hat mich aufgezogen und meine Familie hat Camelot vor Jahren verlassen. Ich erwarte nicht im Mindesten, dass ich irgendeinen Anspruch auf eine Sonderbehandlung habe. Außerdem hat mein Vater noch unter König Uther gedient und ich bin mir bewusst, dass sich seitdem einiges hier geändert hat.“, sprudelte ich los.
Merlin sah mich dankbar an und Arthurs Griff lockerte sich etwas.
„Unsinn“, entgegnete Arthur „Ihr seid die Tochter eines Ritters von Camelot, also werdet Ihr entsprechend aufgenommen. Wo ist Eure Unterkunft?“
„In der Taverne am Stadtrand.“
„Habt Ihr Gepäck?“
„Nur sehr wenig aber ich habe ein Pferd.“
„Das ist kein Problem, es kann in den königlichen Stallungen untergebracht werden“, legt Arthur entschieden fest „Ihr könnt Merlin hier – und er versetzte dem Diener einen letzten strafenden Blick bevor er schließlich von ihm abließ - Euren Schlüssel geben, er holt Euer Gepäck. Niemand, dessen Familie dem Königreich gedient hat, schläft in der Taverne. Ihr werdet im Schloss leben, solange Ihr wollt.“
Damit schien die Angelegenheit für Arthur erledigt zu sein. Er lächelte mich leicht an, schien aber auf etwas zu warten. Zum unzähligsten Mal an diesem Tag war ich überrumpelt von den Ereignissen und so dauerte es einen Moment, bis ich begriff, dass er offenbar darauf wartete, dass ich Merlin hier und jetzt die Schlüssel zu meiner Kammer gab. Das tat ich und der Diener lächelte mich freundlich an.
„Ich erinnere mich auch an Euer Pferd. Ein brauner Wallach, nicht wahr?“, fragte er.
„Ja, danke Merlin“, murmelte ich nur.
Merlin nickte, zwinkerte mir noch einmal zu und verschwand in die inzwischen dunklen Gassen in Richtung der Taverne. Ich wandte mich Arthur zu, welcher mir seinen Arm anbot, offenbar um mich persönlich zu meinen Gemächern zu führen. Ich schluckte und ließ mich von ihm ins Schloss begleiten.
„Sire, das ist unglaublich freundlich von Euch“, setzte ich an aber er unterbrach mich.
„Es ist das, was Euch gebührt. Sagt mir, wie hieß Euer Vater?“
„Sir Darren Windser. Aber er ist bereits vor fünfzehn Jahren gestorben und da war er schon nicht mehr aktiv in Uthers Dienst. Ich bezweifle, dass Ihr Euch an ihn erinnern könnt“, erwiderte ich.
Arthur lachte leise und ich spürte durch den dünnen Stoff des weißen Hemdes, das er trug, wie sich seine Muskeln dabei etwas anspannten.
„Ihr unterschätzt mich. Ich erinnere mich an Sir Windser. Er war ein ausgezeichneter Schwertkämpfer und hatte immer einen guten Tipp für mich auf dem Übungsplatz.“
Ich sah den König an und er lächelte zurück. Der Schein einiger Fackeln an den Wänden tanzte in seinen Augen und mir wurde schlagartig bewusst, wie attraktiv Arthur Pendragon war.
„Wir sind da, das ist eines unserer besten Gastgemächer“, unterbrach er meine abschweifenden Gedanken. Wir standen in dem mit Abstand schönsten Raum, in dem ich je gewesen war.
„Ich schicke morgen früh eine Zofe für Euch und gebe ihr Eure Habseligkeiten mit. Verzeiht, ich kann Euch leider nicht zum Frühstück einladen, da ich morgen eine zeitige Trainingseinheit mit den Rittern habe. Aber fragt einfach Cloe, sie wird Euch alles bringen, was unsere Köche zubereiten können.“
„Vielen Dank, Mylord“, antwortete ich und spürte, wie mich plötzlich eine unglaubliche Müdigkeit überkam.
„Gute Nacht, Mylady“, murmelt Arthur und hob wie bereits Gwaine vor einigen Stunden, meine Hand zu seinen Lippen. Anschließend drehte er sich um, schritt aus dem Raum und schloss die Tür hinter sich.

Kommentare (1)

autorenew

Laura (54711)
vor 57 Tagen
Bitte schreib weiter die Geschichte ist soo toll💕👍🏼