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Wind und Asche 6

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2 Kapitel - 1.285 Wörter - Erstellt von: WoMler - Aktualisiert am: 2018-02-15 - Entwickelt am: - 146 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Nach den Ereignissen in Seoul und Sibirien kehrt Team Shadow zum Fort zurück. Tayo, Hjördis und Aaron sind tot, grauer Schnee fällt und weitere Katastrophen bahnen sich an. Léandra zieht es aufs Dach zurück und Tulio sehnt sich in seiner Zelle nach dem Himmel. Der Nachfolger von World of Mystik.

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    30 Jahre Training und eine unverschämt große Portion Glück retten dem Schwertkampftrainer das Leben. Meine Hand, die die Mordwaffe fest umklammert
    30 Jahre Training und eine unverschämt große Portion Glück retten dem Schwertkampftrainer das Leben. Meine Hand, die die Mordwaffe fest umklammert hält, verfehlt ihr Ziel nur um wenige Zentimeter. Als ich zusteche, dreht Cummingfield den Kopf seitlich weg und lässt sich mit seinem Stuhl nach hinten fallen. Der Brieföffner, dessen metallene Spitze knapp unterhalb seines Ohrläppchens stecken geblieben ist, wird mir aus der Hand gerissen.
    Mit wenigen Schritten bin ich bei ihm, bereit die Sache zu Ende zu bringen. Bevor er sich aufrappeln kann, habe ich den Brieföffner mit einer einzigen Bewegung am Griff aus seiner Wange gezogen.
    Im Augenwinkel bemerke ich, wie Lapis sich aus ihrer Erstarrung löst und nach ihrer Keule greift.
    Zu langsam, denke ich zufrieden. Ich hole erneut aus, peile eine Stelle an Mr Cummingfields Hals an. Diesmal kann er nicht ausweichen.

    Ein dumpfer Schlag hinter mir, gefolgt von dem Geräusch klirrender Fensterscheiben, reißt mich aus meinem Blutrausch. Ich riskiere einen genervten Blick über meine Schulter – wer stört mich bei dem Mord an meinem Lehrer? - und blicke in vier erschrockene Gesichter.
    Bevor ich zu einer Erklärung ansetzen kann, dringt eine leise Melodie an mein Ohr und die Zeit verflüssigt sich zu Sirup. Wie in Trance lausche ich dem mir unbekannten Lied, unfähig etwas zu sagen oder mich zu bewegen. Sogar meine Gedanken sind eingefroren.
    Ich spüre, wie mir der Brieföffner abgenommen wird. Der Gesang ebbt ab und endet in einem Hustenanfall. Einen Herzschlag später drücken mich kräftige Hände zu Boden und meine Arme werden schmerzhaft auf den Rücken gedreht. Ich wehre mich nicht. Schwarze Punkte tanzen vor meinen Augen.
    „Lass gut sein, Satyendra“, höre ich jemanden murmeln.
    Mr Jariwans Griff um meine Arme lockert sich etwas. Er zieht mich auf die Füße und lässt mich los.
    Während ich mir die schmerzenden Handgelenke reibe, mustere ich die anderen.
    Lapis durchbohrt mich mit finsteren Blicken. Ihre Keule liegt griffbereit auf dem Stuhl neben ihr und sie wirkt beinahe enttäuscht, dass sie sie noch nicht einsetzen konnte.
    Newt Vaquiz, unser menschliches Radargerät, hat sich in die Ecke des Raumes verdrückt und scheint am liebsten wieder verschwinden zu wollen.
    Mr Jariwan, an dessen Fingerknöcheln Blut klebt, nickt ihm aufmunternd zu. Offenbar hat der Nahkampflehrer das Fenster eingeschlagen.
    Mr Cummingfield stützt sich mit einer Hand an der Wand ab und presst mit der anderen ein Taschentuch auf seine Wunde. Innerhalb von Sekunden ist es von Blut durchtränkt.
    Während ich ihn so dabei beobachte, breitet sich kaltes Entsetzen in mir aus. Was habe ich getan? Wie würden meine Eltern reagieren, wenn sie mich so sehen könnten? Ihre Tochter – eine Mörderin?
    Dass er überlebt hat, spielt keine Rolle. Ich wollte ihn töten. Ein Teil von mir will es noch immer.

    Zitternd wende ich mich ab und schaue zu den zwei Personen, die neben dem zerbrochenen Fenster am Boden hocken. Hannah hält die Dose mit dem Asthmaspray in der Hand und schnappt keuchend nach Luft. Karu, der den Arm um sie gelegt hat, redet beruhigend auf sie ein.
    Als unsere Blicke sich treffen, nickt er in Newts Richtung.
    „Er hat uns fast über den Haufen gerannt. Rief etwas von Brieföffnern und dass wir uns beeilen sollen. Da sind wir ihm nachgelaufen.“
    Newt läuft rot an und blickt auf seine Schuhspitzen.
    „Na ja, ich hätte nicht gedacht, dass die Lage so schnell eskaliert.“
    Mr Jariwan klopft ihm mit einer Wucht auf die Schulter, die den Rumänen zusammenzucken lässt.
    „Du hast alles richtig gemacht, Junge.“
    Mr Cummingfield ringt sich ein Lächeln ab und verzieht schmerzerfüllt das Gesicht.
    „Wann … seid ihr angekommen?“, fragt er Karu. Seine Stimme ist kaum mehr als ein raues Flüstern.
    „Gerade eben.“
    „Hjördis?“
    Kopfschütteln.
    Bei der Stille, die sich jetzt ausbreitet, könnte man eine Stecknadel fallen hören. Hannahs Keuchen wird zu einem Schluchzen.
    Ich verweile einen Moment in der Erinnerung an das isländische Mädchen. Denke daran, wie ich sie heimlich dabei beobachtete, als sie eine Tafel Schokolade aus Djangos Zimmer stahl. Wie Lapis tagelang einen leuchtend weißen Verband tragen musste, nachdem Hjördis ihr eine Spritze in den Hals gerammt hatte. Ob Mr Cummingfield auch so einen Verband bekommen wird?
    „Du solltest die Krankenstation aufsuchen“, sagt Lapis schließlich zu ihm, als hätte sie meine Gedanken gelesen.
    Nicht besonders feinfühlig in so einem Moment, aber ich bin ihr dankbar. In Erinnerungen zu schwelgen, hilft uns nicht weiter. Ich muss mich auf meine gegenwärtigen Probleme konzentrieren, die aktuell darin bestehen, dass ich einen Weg finden muss, um Tulio zu retten.
    Und dass er gerettet werden muss, da bin ich mir inzwischen sicher.
    Nach einer gefühlten Ewigkeit nickt Mr Cummingfield langsam.
    „Satyendra, bring Hannah und Karu bitte ins Haupthaus. Und richte Nicholas aus, dass er den Hubschrauber startklar machen soll. Er muss heute noch zwei Personen zur Westküste fliegen.“ Er wirft mir einen Blick zu.
    Überrascht starre ich ihn an. Nach dem, was ich ihm angetan habe, hatte ich nicht damit gerecht, dass ich mein Zimmer in nächster Zeit verlassen dürfte, geschweige denn das Fort. Stattdessen lässt er mich ohne weiteres gehen?
    Mr Jariwan nickt und mustert mich neugierig. „Alles klar.“

    Mr Cummingfield wartet bis die anderen das Haus verlassen haben. Als ich ihnen folgen will, hält er mich zurück. Trauer liegt in seinen Augen.
    „Es tut mir leid, was mit deiner Familie passiert ist.“
    „Mir auch.“ Das ändert aber nichts.
    „Ich hätte diese Katastrophe verhindert, wenn ich gekonnt hätte. Aber leider lassen unsere Fähigkeiten uns häufig dann im Stich, wenn wir sie am dringendsten brauchen.“
    „Ich weiß“, erwidere ich schlicht.
    Er nickt schweigend und ich habe das Gefühl, dass er eine Entschuldigung erwartet. Oder zumindest ein Danke.
    Ich habe ihn beinahe umgebracht und er macht mir keinen einzigen Vorwurf. Im Gegenteil, er scheint sogar so etwas wie Verständnis aufzubringen.
    Ich denke daran, wie ich auf meinen Bruder eingeredet habe, nachdem er im Streit einem Klassenkameraden ins Gesicht geschlagen hatte:
    „Was sagt man, wenn man jemandem wehgetan hat?“ - „Lypámai.
    Es tut mir leid.
    Die Worte liegen mir auf der Zunge, aber ich spreche sie nicht aus.
    Stattdessen wende ich mich ab und gehe ohne mich noch einmal umzudrehen.

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    Wir freuen uns wie immer über Rückmeldungen jeglicher Art.

    Der Link zum Original:
    http://www.testedich.de/quiz40/quiz/1458904529/World-of-Mystik-MMFF

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1518274671
Wind und Asche 6
Wind und Asche 6
Nach den Ereignissen in Seoul und Sibirien kehrt Team Shadow zum Fort zurück. Tayo, Hjördis und Aaron sind tot, grauer Schnee fällt und weitere Katastrophen bahnen sich an. Léandra zieht es aufs Dach zurück und Tulio sehnt sich in seiner Zelle nach ...
https://www.testedich.de/quiz53/quiz/1518274671/Wind-und-Asche-6
https://www.testedich.de/quiz53/picture/pic_1518274671_1.jpg
2018-02-10
40B0
Fantasy Magie

Kommentare (2)

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Simon ( von: torden!)
vor 161 Tagen
Vielen Dank ^^
Lynx Zemia ( von: Lynx Zemia)
vor 163 Tagen
Also hey, das war nicht übel 👍