26. Mai 2019 Europawahl. Urheberrechtsreform. Wir haben nicht vergessen! Die Meinung von testedich

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In Wakanda

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3 Kapitel - 16.698 Wörter - Erstellt von: - Aktualisiert am: - Entwickelt am: - 1.602 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit - 3 Personen gefällt es

Eine Idee, einer Person, auf die Steve und Bucky in Wakanda treffen könnten...

    1
    Prolog:
    Ein hoher Piepton begrüßt mich im hier und jetzt und qualvoll stöhne ich auf, während ich versuche, die Augen zu öffnen und mich aufzurichten.
    Es ist hell. Zu hell, beinahe so hell, dass ich die Augen sofort wieder schließen möchte, doch ich kneife sie nur etwas zusammen und starre die vollkommen in schwarz gekleidete Gestalt an, die vor meiner Liege auf und ab geht.
    Als sie bemerkt, dass ich wach bin, nimmt sie die katzenartige Maske ab und ich blicke ich das neugierige und besorgte Gesicht eines Mannes afrikanischer Abstammung.
    Ich sehe wohl ziemlich erschrocken aus, denn er kommt auf mich zu, lächelt mich sanft an und stellt sich höflich vor: "Mein Name ist T'Challa, Prinz von Wakanda. Ich habe dich vor einigen Tagen schwer verwundet gefunden und dich zu uns zu den besten Ärzten des Landes gebracht." Ich nicke dankbar, doch in meinem Kopf rattert es unermesslich, während ich versuche, mich in irgendeiner Weise daran zu erinnern, doch es ist einfach leer. Alles ist leer.

    Interlog:

    "Bringt ihn her, bringt ihn her!", rufe ich aufgeregt und winke meine Assistenten mit den beiden Patienten zu mir ins Behandlungszimmer. Vor einer Stunde hatte T'Challa mich kontaktiert, Captain America und der Winter Soldier seien in seinem Jet, schwerverletzt und letztlich doch während des Fluges ohnmächtig geworden waren. Blitzschnell mache ich mir ein Bild über den Zustand der beiden und weise meinem Partner Steven Rogers zu, während ich mich um seinen Freund, James Barnes kümmere. Zu aller erst wasche ich das Blut von sowohl seinem Gesicht, als auch den Armen und Händen. Dann greife ich nach einer der vorbereiteten Spritzen und versenke die Nadel in seinem Blutkreislauf. Ein Betäubungsmittel. Ich will nicht riskieren, dass er aufwacht, oder die Schmerzen in der so wie so unangenehmen Ohnmacht spüren kann.

    Vorsichtig streiche ich über die, vor ein paar Tagen noch offenen, jetzt genähten Wunden an seinem durchtrainierten Oberkörper.
    Seine Zellgeneration ist wirklich beeindruckend. Natürlich hatte ich darüber gelesen, jede seriöse Information über den Winter Soldier aufgetrieben, aber jetzt, da er seit vier Tagen regungslos vor mir liegt, erstaunt mich seine Heilung immer wieder.
    Ich atme tief durch und betrachte sein entspanntes und wieder beinahe makelloses Gesicht. Davon, dass er in einem heftigen Kampf gewesen war, kaum eine Spur mehr, Wahnsinn! Es klopft aufgeregt an der Tür und ich zucke zusammen, gehe dann aber schnell hin und nehme meine Mundschutzmaske ab, bevor ich öffne. Es ist Rogers und ich lächele höflich, während er eher nervös wirkt und verstohlen an mir vorbei ins Behandlungszimmer späht.
    "Hallo... Ich bin-", beginnt er und ich lächle. "Weiß ich doch, komm rein! Mein Name ist Natalie. Natalie Parker, ich kümmere mich um ihn." Er nickt und geht zu seinem Freund an die Liege. Ich stelle mich neben ihn und beginne zu erklären, in welchem Zustand er sich befindet.
    Langsam weicht die Besorgnis aus seinem Gesicht und er streicht Barnes durch die Haare, bevor er sich zu mir dreht und dankbar lächelt. "Sagen Sie, wann sind Sie aufgewacht, Mr. Rogers?", frage ich und greife nach Zettel und Stift. "Ähm erst gerade eben, Ma'am.", antwortet er ein wenig verlegen und kratzt sich schüchtern am Nacken. Ich hebe in einer Mischung aus vorwurfsvoll und belustigt die linke Augenbraue und meine Mundwinkel wandern automatisch nach oben. Er hat noch immer Angst, sein Freund würde plötzlich wieder aus seinem Leben verschwinden, nicht? Einen Moment sehen wir uns direkt in die Augen, stehen einfach so voreinander, jeder in seinen Gedanken, bis er den Blick Kontakt abbricht und zu seinem Freund sieht.
    Ein Geräusch vom Gang, ich schiebe ihn schnell hinter einige Geräte und sprinte zur Tür, als ich sehe wie einer meiner Assistent den Raum betreten will und lehne mich in den Türrahmen. "Hi! Was gibt's?", frage ich betont lässig und er setzt sein Unschuldsgesicht auf. "Hast du vielleicht Rogers gesehen? Ist er hier?" Ich runzle die Stirn und schüttle den Kopf. "Wieso? Ich behandle doch Barnes." Er lächelt etwas gequält und sieht auf den Boden und ich beginne zu lachen. "Sag bloß dein Patient ist abgehauen!", gluckse ich und er hebt peinlich berührt die Schultern. "Also ich habe ihn nicht gesehen, aber mein Tipp wäre ja in der Kantine zu suchen. Vielleicht hat er einfach Hunger." Ich grinse breit und mein Assistent verdreht die Augen. Dann nickt er aber dankend und verschwindet wieder.
    Langsam kommt der Captain wieder hervor und lächelt mich verschmitzt an, ich zwinkere ihm nur kurz zu, knöpfe dann meinen weißen Kittel auf und ziehe sowohl meine Handschuhe, als auch die Stoffhaube aus. "Ich hole Kaffee, willst du auch?", frage ich schon an der Tür angekommen und er bejaht.
    Als die Sonne sich mit einem Roten Lichtstreifen im Himmel verabschiedet und ich von einer Besprechung mit T'Challa persönlich über dies und das, was eben so ansteht seit er der König ist, wieder zu Barnes ins Zimmer komme, sitzt Rogers noch immer auf einem Stuhl neben der Liege und hat das Gesicht in die Hände gestützt. Vorsichtig wecke ich ihn aus seinem wahrscheinlich nicht sehr erholsamen Schlaf und er blinzelt. "Buck?", murmelt er und ich schüttle den Kopf. "Tut mir leid, er ist noch nicht aufgemacht." Jetzt scheint er erst richtig wach zu werden und sammelt sich, als er mich sieht. "Miss Parker, entschuldigen Sie bitte, Ich bin nur..." "Noch erschöpft von der Betäubung, ich weiß." Oh Mann, schon das zweite Mal, dass ich ihn unterbreche, unhöflich. Er nickt und ich musterte ihn fachmännisch von oben bis unten. "Sie sollten sich ausruhen, Mr. Rogers. Gehen sie ins Bett! ich zeige ihnen ihre Wohnung und Sie schlafen sich aus, ja?" Er seufzt und wirf einen Blick zu Barnes. "Ich sag Ihnen Bescheid, wenn er aufwacht, versprochen!" Es dauert noch einen Moment, dann lässt er sich überzeugen und folgt mir zu seiner Wohnung.

    "Hier, Sie haben ein eigenes Bad, eine Küche und einen kleinen Balkon. Sie können aber natürlich auch unten in der Kantine essen." Er lacht müde auf und sieht sich weniger interessiert um. "Gut, meine Kochkünste sind nämlich nicht die besten..." Ich lächle halbherzig und gebe ihm die Schlüssel in die Hand. "Ich habe auch schon mal einige Klamotten für sie in den Schrank gehängt, vielleicht passen die ja..." Verwundert runzelt er die Stirn und sieht mich fragend an. "Ich dachte sie sind Ärztin." Ich zucke mit den Schultern. "T'Challa hat mich gebeten, mich besonders um seine Gäste zu kümmern." "Okay! Kennt ihr euch gut, T'Challa und du?" Ich zucke unmerklich zusammen und nicke dann einfach, während ich ihm den Rücken zuwende. Mich kennen? Wie sollte er? Ich kenne ihn, wir sind Freunde, er fragt mich oft um Rat und wir unterhalten uns, seit ich vor vier Jahren sein Angebot auf einen Job und eine Wohnung angenommen habe.
    Die Stille hält einen Moment an, unerträglich, also räuspere ich mich und gehe zur Tür. "Also, wenn Sie etwas brauchen, sagen Sie einfach Bescheid, meine Wohnung ist gegenüber. Falls Mr Barnes aufwacht, informiere ich sie sofort." Er nickt lächelnd und hebt die Hand, bevor ich die Tür hinter mir schließe und erst einmal tief durchatme.

    Grelles Licht, höllische Schmerzen. Zwei Schüsse in den Rücken, einen in die rechte Schulter. Beide Arme sind rot, voller Blut, schreckliche Verbrennungen strecken sich darüber. An der Kehle: Würgespuren. Das linke Bein und Handgelenk gebrochen. T'Challa erklärt mir, wo ich bin. Aber wen interessiert es, wenn man merkt, dass man nicht mal die Frage nach dem 'wer?' beantworten kann.

    Schweißgebadet öffne ich die Augen. Um mich herum ist es dunkel, ich höre regelmäßiges Atmen und beginne mich zu beruhigen. Die Erinnerung an das, was passiert ist, sie verfolgt mich. Das letzte woran ich mich erinnern kann, war dieser Tag. Davor... nichts. Einfach nichts.
    Darauf bedacht, kein Geräusch zu machen, verlasse ich Barnes Station und komme erst eine Stunde später, nach einer Runde nächtlichen Joggens und frisch geduscht wieder und setze mich auf den Stuhl neben seiner Liege.


    Das erste was ich wahrnehme, ist der reine Geruch nach Desinfektionsmittel, gemeinsam mit einem Hauch Flieder, der mir in die Nase steigt. Es ist dunkel um mich herum und ich richte mich langsam auf. Als sich eine kleine, kalte Hand auf meine linke Schulter legt und mich bestimmt wieder runter drückt, bin ich vorerst so erschrocken, dass ich mich brav zurücklege, jedoch spannen sich sofort sämtliche Muskeln alarmbereit in mir an. "Ist schon okay...", flüstert eine beruhigende, weibliche Stimme und ich ordne sie der Person zu, die an meiner Liege steht. Ich höre ihre sich entfernenden Schritte auf dem Boden und wenig später werden zwei Vorhänge aufgeschoben, sodass der Mond in das Zimmer scheint und ich mir einen ersten Eindruck meiner Umgebung machen kann. "Mr. Barnes?" Ich hebe meinen Kopf, erkenne ein paar neugierige, dunkle Augen, die auf mich gerichtet sind und zu der Frau gehören, die jetzt wieder zu mir kommt. "Ich bin Natalie Parker, ich habe sie behandelt, während ihrer Ohnmacht, sie müssen einige Fragen haben." Ich setze mich vorsichtig auf und registriere ein kurzen augenverdrehen ihrerseits, doch keinen Widerspruch. Ich fühle mich einfach so verletzbar, so ausgeliefert, dort so zu liegen, während jemand anderes sich über mich beugt. "Wo bin ich." Meine Stimme ist rau und ich räuspere mich leise, um wieder ein wenig Klangfarbe zu erhalten. "Sie befinden sich in einer speziellen Anlage in Wakanda. T'Challa hat angeordnet, dass ich mich hier um euch kümmere.
    Steve geht es bestens, er ist am Vortag aufgewacht und wieder in bester Form.", beantwortet sie auch meine nächste, unausgesprochene Frage und ich nicke erleichtert. "Es ist 3.34 Uhr, sie waren vier Tage und 11 ein halb Stunden abwesend.", erklärt sie auch dies bereits bevor ich den Mund öffne.
    Eine Weile schweigen wir beide, es dauert einfach bis ich wieder so richtig im hier und jetzt ankomme, dann merke ich auch wieder, dass mein linker Arm noch nicht ersetzt wurde und spüre all die neuen Verletzungen, die erst vor kurzem verheilt sind, oder noch Fäden in sich tragen. Geduldig steht Natalie da, oder sollte ich sie vorerst Mrs. Parker nennen? Sie sieht mich an, die ganze Zeit, als würde sie versuchen meine Gedanken zu lesen, oder sie ist einfach in Gedanken versunken, da wandert ihr Blick von meinem Gesicht zu meinem Oberkörper und Unbehagen breitet sich in mir aus. Andererseits sollte ich mich nicht unwohl fühlen, schließlich ist sie quasi meine Ärztin und hat schon was weiß ich von mir gesehen. Zackig geht sie auf die Tür zu und macht das helle Deckenlicht an. Ich kneife die Augen zusammen und warte, bis sich meine Augen an das Licht gewöhnt haben. Die Ärztin am anderen Ende des Raumes hat hellbraune, lange Locken und große, zartbitterschokoladen farbige Augen. Sie ist groß, vielleicht 1.76 Meter und noch relativ jung, schätzungsweise 25 und irgendetwas in mir erschrickt fürchterlich bei ihrem Anblick. Sicher nicht, weil sie nicht gut aussieht, im Gegenteil, Nein vielmehr ist es, als würde ich sie wiedererkennen. Mir fällt nur einfach nicht ein, woher. "Haben Sie Schmerzen, oder gibt es irgendwelche Ungewohntheiten, Mr. Barnes?", fragt sie sachlich und ich schüttle fast schob motorisch den Kopf. "Ich nehme an, dass sie die letzten Stunden nicht mehr betäubt waren, sondern sich eher in einem Schlafzustand befanden, können sie sich an Träume erinnern, oder fühlen sie sich erholt?", führt sie die Befragung fort und schreibt etwas in ein Protokoll, als ich antworte: "Mir geht es gut, ich fühle mich ausgeschlafen und nicht verletzt." Sie nickt langsam und wirft einen Blick über das Klemmbrett, direkt auf meinen Bauch und sie deutet auf die Stelle, über die sie nachdenkt. "Ich habe einige ihrer Wunden genäht, die Fäden wurden noch nicht entfernt, fühlen sich die Stellen seltsam an?" Etwas unsicher ziehe ich mein Shirt hoch und beobachte ihre Reaktion, doch in ihrem Gesicht bewegt sich kein Muskel. Sie schreibt noch einen Moment, dann legt sie Stift und Zettel weg und kommt zu mir an die Liege. Sie tastet meine Seite ab und wirft mir immer wieder prüfende Blicke zu. "Tut das weh?", fragt sie neutral und ich schüttle den Kopf. Ihre Hände sind kalt, weshalb sich auch eine Gänsehaut auf meiner Brust ausbreitet und ich bei ihrer Berührung leicht zusammenzucke. Sie tritt wieder einen Schritt zurück und ein Lächeln zeichnet sich auf ihr glattes, blasses Gesicht. "Dann entferne ich morgen die letzten Fäden und dann denke ich, Sie sind hier fertig. Ich habe Mr. Rogers versprochen, ihm Bescheid zu sagen, wenn Sie aufgewacht sind. Ich gehe ihn schnell holen.", sagt sie schon auf dem Weg zur Tür und ich rufe ihr hinterher: "Warte!" Sofort bleibt sie stehen und dreht sich zu mir um. Ihre langen, hellbraunen Locken fliegen dabei nur so herum und sie sieht mich erwartend an. "Wenn er schläft, dann wecken sie ihn bitte nicht!" Das bringt sie wieder zum Lächeln und sie nickt freundlich, bevor sie dann die Tür hinter sich schließt. Ich sinke zurück auf die Liege und seufze freudig. Es geht ihm gut. Es geht und beiden gut und wir sind in Sicherheit.
    Steve... Bei dem Gedanken an meinen besten Freund beruhige ich mich sofort und schließe, noch immer lächelnd die Augen.


    Ich finde es übertrieben zu sagen, ich wäre nachtaktiv, aber ich kann verstehen, dass es so wirkt, als wäre ich gerne im Dunklen draußen, doch in gewisser Weise habe ich einfach keine Wahl. Ich lasse die Sehne los und der Pfeil bohrt sich in die Zielscheibe. Ich muss die Augen zusammenkneifen, um zu erkennen, dass ich wieder den inneren Ring getroffen habe und ich sprinte die 20 Meter hin, um meine Pfeile zurückzuholen. Dann trotte ich wieder zur Linie auf dem Boden, die ich selbst gelegt habe. Gerade als ich den nächsten Pfeil anlege, vernehme ich Schritte von hinter mir und drehe mich blitzschnell um.
    Barnes? Es ist tatsächlich James Barnes, der berühmt berüchtigte Winter Soldier nachts auf meinem Bogenschießplatz. "Mrs. Parker?" Er klingt vorsichtig, als wäre ich ein wildes Tier, das ihn jeden Moment anspringen könnte, wo hat er denn so viel Respekt her? "Mr Barnes.", gebe ich als Antwort und er scannt mich vom oben bis unten, bis er den Bogen betrachtet und ich bemerke seinen neugierigen Blick. "Wollen Sie mal schießen?", biete ich ihm an. "Gerne!", antwortet er und ich reiche ihm die Waffe mit einem Pfeil. Er nimmt sie mit seiner neu ersetzten Metallhand (Es ist ein Prototyp. Er trägt ihn bis wir einen besseren aus Vibranium hergestellt haben) und stellt sich an die Linie. Etwas unsicher spannt er den Pfeil ein und zieht die Sehne bis an seinen rechten Mundwinkel. Ich schüttle leicht den Kopf und stelle mich nah hinter ihn, um seine Fußstellung zu korrigieren.
    "Man steht im rechten Winkel zum Ziel.", erkläre ich und schiebe ihn zurecht. Ihm scheint das aber gar nicht so sehr zu missfallen, denn er beginnt zu lächeln und auch als ich seinen Arm gerade zur Zielscheibe rücke, wehrt er sich nicht. "Gut so, dann versuchen Sie's einfach mal." Ich nehme wieder etwas Abstand und ehe ich mich versehe, schnellt der Pfeil los und trifft genau in die Mitte der Zielscheibe. Beeindruckt grinse ich Barnes an und er beißt sich stolz auf die Unterlippe, kommt auf mich zu und drückt mir den Bogen in die Hand. "Sie sind wirklich gut!", meine ich wahrheitsgemäß und er hebt eine Schulter. "Tja, wozu wurde ich Jahre ausgebildet?", gibt er zurück und ich nicke.
    "Warum sind Sie um die Zeit hier draußen, Mrs. Parker?" "Bitte, nenn mich Natalie.", erwidert sie sofort, das schien ihr wirklich unangenehm zu sein und ich biete auch ihr sofort meinen Vor- nein, lieber meinen Spitznamen an: "Dann nenn mich Bucky. Ich glaube ich mochte 'James' noch nie besonders.", murmele ich noch hinterher und sie lächelt freundlich.
    "Um auf deine Frage zurückzukommen, Bucky..." Sie stockt und sieht mir prüfend in die Augen. Ich schenke ihr ein aufmunterndes Lächeln, was sie wohl überzeugt, denn sie seufzt und atmet dann tief ein, setzt sich prompt auf den Boden und ich Knie mich neugierig zu ihr. Und so beginnt sie zu erzählen, wie sie hier aufgewacht ist, schwerverletzt, gerade am Tod vorbeigeschlittert, wie sie merkte, dass sie Unmengen an Sprachen fließend sprechen konnte und was die Kampftechnik angeht beinahe an den Back Panther persönlich rankommt, moderne Waffensysteme in- und auswendig kann und außerdem eine fachliche, medizinische Ausbildung zu haben scheint und ich höre ihr geduldig zu. Eine Pause tritt ein, dann berichtet sie davon, wie T'Challa ihr einen Job angeboten hat, sie hier eingezogen ist und eine neue Identität bekommen hat, doch immer noch nicht weiß, wer sie wirklich ist.
    Und zu guter Letzt, dass sie nicht schlafen kann. Dass sie Alpträume hat, dass sie es nicht schafft länger als vier Stunden im Dunkeln zu verbringen ohne, dass sie anfängt Bilder von früher vor sich zu sehen, nur dass sie so unklar sind, dass sie nichts als den schrecklichen Schmerz spürt, den sie wohl damals erleiden musste.
    Meine Augen weiten sich. Plötzlich bekommt die Tatsache, dass sie nächtelang bei mir war, damit ich nicht allein bin, wenn ich aufwache, einen noch viel höheren Wert und sie beendet ihren Monolog. Krass, denke ich und versuche irgendetwas an ihr zu finden, dass auf das hindeutet, was sie durchmacht, doch ich kann- vermutlich auch wegen der Dunkelheit, trotz des hellen Mondes- nichts erkennen. Natalie hat wohl bemerkt, dass ich sie so gemustert habe und legt eine Stelle an ihrer rechten Schulter frei. Eine Schusswunde. "Ich habe noch zwei davon am Rücken, falls es das ist, wonach du suchst." Ihr Tonfall klingt vorwurfsvoll, doch sie zieht die Mundwinkel leicht nach oben und ich versuche so schuldbewusst wie möglich zu grinsen.
    Eine Weile herrscht Stille und ich sehe gerade aus, komme allerdings nicht darum herum zu merken, wie sie mich anstarrt, durchdringlich, als würde sie etwas unbedingt von mir wissen wollen und ungeduldig drehe ich mich zu ihr. "Was ist?", will ich fragen, doch sie könnt mir zuvor: "Wie machst du das?" Verwirrt runzle ich die Stirn und Natalies Blick wird sanfter. "Was machst du nur mit mir, dass ich dir all das erzähle? Ich habe es noch nie jemandem gesagt, nicht mal den Menschen, mit denen ich seit Jahren arbeite und dann kommst du und ich platze mit allem raus, draußen, mitten in der Nacht. Warum dir?" Sie sieht mich nachdenklich an, eher wirkt es, als würde sie durch mich hindurchschauen, nichts so wirklich fokussieren und ich hebe die Schultern. Ja, warum? "Vielleicht weil du weißt, dass ich am besten verstehen kann, was du durchmachst...", murmle ich und die Brünette sieht mich erstaunt an, dann wechselt sich ihr Ausdruck zu mitleidig. "Es tut mir leid, was du erleben musstest. Ich wünschte, ich könnte dir helfen damit zu leben. Es zu vergessen." Ich schmunzle leise und wir beide starren in den Himmel, der sich immer mehr aufhellt. Die Sonne geht auf.

    In den folgenden Nächten treffen wir uns wieder und wieder draußen - immer so gegen vier -unterhalten uns über dies und das, spazieren durch die Natur und Bucky erstellt wilde Theorien über meine Vergangenheit. In dem Wissen, uns in einigen Stunden wiederzusehen verabschieden wir uns immer beim Sonnenaufgang und verabreden uns jedes Mal zum gemeinsamen Frühstück mit Steve - der von unseren Treffen noch nichts weiß -, wie auch heute.

    Die beiden sitzen lachend an unserem Tisch und unterhalten sich amüsiert, als ich die Kantine betrete und auf sie zugehe. Meine Haare habe ich, anders als sonst in meiner Freizeit, in einen hohen Zopf zusammengefasst, sodass nur zwei etwa kinnlange Haarsträhnen mein Gesicht umrahmen. Ihr Gelächter dringt bereits zu mir, als Steve mich bemerkt und Bucky ebenfalls auf mich aufmerksam macht. Dieser dreht sich lächelnd zu mir um, doch als er mich ansieht, ist es als wäre ihm das Grinsen aus den Gesicht gefallen und er reißt entsetzt die Augen auf. Was ist bloß los mit ihm? Völlig entgeistert starrt er mich an und seine Metallhand ballt sich zu einer Faust. Sofort zieht sich meine Stirn in Falten und ich spanne sämtliche Muskeln an, doch das ist lächerlich, er würde mich nie angreifen! Vor ein paar Stunden war er ja auch noch ganz normal. "Unmöglich!", haucht er mehrmals vor sich hin, steht so ruckartig auf, dass sein Stuhl nach hinten umfällt und ich kneife verständnislos die Augen zusammen. Er wirft mir noch einen beinahe verzweifelten Blick zu und stürmt dann durch den zweiten Eingang aus der Kantine. Hilfesuchend starre ich zu Steve, doch auch in sein Gesicht steht die Ahnungslosigkeit geschrieben.
    Den ganzen Tag bekommt keiner von uns Bucky erneut zu Gesicht und langsam wird Steve unruhig und tigert besorgt in seinem Zimmer auf und ab. "Das reicht, ich werde ihn suchen gehen!", bestimmt er fest und unterbricht die nachdenkliche Stille, die schon ewig angehalten hat. "Er ist erwachsen, Steve, er kommt bestimmt klar, gib ihm Zeit bis morgen, wenn er bis dahin nicht da ist, dann suchen wir nach ihm.", erwidere ich geistesabwesend mit einem Blick auf das Muster der Bettwäsche auf dem ich sitze. Was hat ihn denn so erschrocken? Ich kenne die Antwort bereits: ich war das. Er hat mich gesehen und zack, war er wie ausgewechselt. Die Frage lautet also eigentlich: Was hat ihn an meinem Anblick so geschockt? Es war, als hätte er mich erkannt als jemanden von früher, als wäre eine Erinnerung aufgekommen, ein Déjà-vu, dass ihn so verschreckt hat. Etwas zu seiner Zeit als Winter-Soldier, anderes wäre alterstechnisch wohl kaum möglich, Was aber sollte der Winter-Soldier mit mir zu tun gehabt haben? Irgendwo weit weg redet Steve auf mich ein. Ich verstehe kein Wort, bestimmt etwas in Richtung 'vielleicht ist ihm etwas passiert' und so weiter. Ist es nicht, er muss sich nur erholen, sich neu sammeln, einfach allein sein. Er setzt sich neben mich auf das Bett und streicht eine Haarsträhne, die sich aus dem Zopf gelöst hat, aus meinem Gesicht, um mich ansehen zu können und ich reiße mich selbst aus den Gedanken. Es ist unhöflich, nicht zuzuhören, vollkommene Interessenlosigkeit zu zeigen, das hat Steve nicht verdient. Als schlucke ich und drehe mich zu ihm. "Entschuldig-" Er unterbricht mich. "Schon okay, war nicht wichtig, ich mach mir nur Sorgen." Ich lächle müde und beiße mir auf die Unterlippe. Mir wäre es auch lieber, er säße jetzt hier bei uns und wir würde uns unterhalten und lachen und irgendetwas tun, um dir Zeit totzuschlagen, doch es ist nicht so. "Ich mir ja auch, aber vielleicht muss er einfach nachdenken. Er wird uns schon erzählen, was los ist." Steve nickt, wohl eher um sich selbst zu überzeugen und ich seufze erschöpft. Ich sollte jetzt schlafen gehen, aber einerseits will ich den Blonden nicht alleine lassen, andererseits habe ich Angst die Augen zu schließen. Ich würde wieder Dinge sehen, Bruchstücke aus meiner Vergangenheit, vermischt mit der Verzweiflung meines Unterbewusstseins und dem Stress meiner Arbeit. Ich habe heute allein drei verschiedene Patienten operiert, alle dieselben Beschwerden und Stunden in einem OP-Saal im Krankenhaus ein paar Straßen weiter zu verbringen ist pure Anstrengung.
    Noch während ich darüber nachdenke, dass ich auf keinen Fall ins Bett gehen werde, werden meine Augenlider immer schwerer und ohne, dass ich etwas dagegen unternehmen kann, umgibt mich die Dunkelheit.

    Schreie lassen mich hochfahren, meine eigenen Schreie. Verschwitzt, mit rasendem Herzschlag und rasselndem Atem sitze ich im Dunkeln. Mit weit aufgerissenen Augen versuche ich etwas zu erkennen, da geht das Licht an und Steve steht in der Tür. Ich versuche normal auszusehen, doch die Erinnerung an meinen Traum machen es unmöglich mich zu verstellen. Besorgt sieht Steve mich an und setzt sich zu mir ans Bett. "Alptraum?" Ich nicke und versuche mich zu beruhigen. Dann erst fällt mir auf, dass wir uns nicht in meiner Wohnung befinden, sondern dass ich in Steves Bett geschlafen habe. Moment und wo war er dann? "Willst du darüber reden?" Seine Stimme ist vorsichtig, behutsam, um mich nicht aufzuregen, in gewisser Weise niedlich, dass er sich solche Sorgen macht, doch ich glaube, ich würde es auch tun, wenn jemand mitten in der Nacht das kreischen anfängt. Ich schüttle den Kopf. Nein, ich will nicht darüber reden. Nicht darüber, was ich gesehen habe, was sich viel realer angefühlt hat als jeder Traum zuvor. Schrecklicher als jeder Traum zuvor. Es war, als hätte ich all das wirklich erlebt, die Erinnerung war klar und deutlich, doch ich weiß, dass ich nur eine Möglichkeit habe, herauszufinden, ob es das wirklich war. "Okay, kann ich denn irgendetwas für tun?" Ich überlege. Ich weiß nicht, vielleicht mich wachhalten? Ich möchte allerdings nicht, dass meine Probleme ihn um den Schlaf bringen, also schüttle ich erneut den Kopf und er steht seufzend auf. Toll, jetzt bin ich die Arrogante, die keine Hilfe annehmen will. Punkt ist, er kann mir nicht helfen. Außer... aber wer weiß, ob das etwas bringt. Und wenn ich heute nicht mehr schlafe, dann eben morgen. Ich kann nicht ewig wach bleiben. "Steve?" Er dreht sich zu mir um. "Danke, dass du mich hier schlafen lässt." Er hebt die Schultern mit einem gestellten Lächeln und meint: "Weißt du, du bist Buck sehr ähnlich." Ich runzele die Stirn. "Er lässt sich auch kaum helfen. Jedes Problem, dass er hat ist sein Geheimnis, auch wenn man dahinter kommt streitet er es ab und versucht einem weiß zu machen, dass er alleine damit klarkommt." Meine Mundwinkel wandern nach oben. Ja, das ist etwas, dass auch auf mich zutrifft. "Tut mir leid, ich im Moment gibt es einfach nicht viel, das du für mich tun kannst.", sage ich, doch er weiß, dass ich lüge. "Soll ich hierbleiben?" Als er meinen unsicheren Blick bemerkt, fügt er hinzu: "Ich kann so wie so nicht schlafen." Ich seufze. Ja, das war woran ich vorhin gedacht habe, aber... "Na gut.", antworte ich und rutsche auf dem Doppelbett zur Seite. Wir beide schweigen, während wir so dasitzen und ich versuche dir Erinnerungen an den Traum zu verbannen, doch sie durchzucken immer wieder mein Bewusstsein. Steve schaltet das Licht aus und sofort sehe ich ein klares Bild vor mir.

    Der Metallarm, die Maske, seine Augen ausdruckslos und er schießt erneut. Ein kurzer, dumpfer Schrei entweicht meinen Lippen und Ich werfe mich hinter eines der Autos. Presse die Hand auf die bereits blutende Wunde. Weiße und schwarze Punkte beginnen vor meinen Augen zu tanzen und Ehe ich mich versehe, wechselt sich die Szenerie.
    Meine Kehle wird kraftvoll zugedrückt und ich werde mit dem Hinterkopf voran auf den Boden gestoßen. Direkt über mir das Gesicht eines willenlosen Kämpfers und doch blitzt immer wieder etwas wie Verzweiflung in ihm auf. Ein wenig Widerstand ist in mir noch übrig, also versuche ich den Schmerz so gut es geht zu ertragen, auch wenn er mir Tränen in die Augen treibt und trete ihn dann von mir weg. Aufstehen! Umdrehen! Rennen! Mein rechter Arm fühlt sich schlaff an, ich keuche noch immer nach Atem, mein linkes Handgelenk scheint gebrochen, doch ich ignoriere es. Einfach weg von hier! Weg von ihm!


    Steve rüttelt mich an der Schulter und ich befinde mich wieder im hier und jetzt. "Es tut mir so leid! Natalie, sag doch was!" Ich starre ihn an und versuche meine Unterlippe vom beben abzuhalten. "Danke, Steve!", murmle ich und er scheint erleichtert. "Bist du sicher, dass du es mir nicht erzählen willst, was los ist?" Ich weiche seinem Blick aus. "Frag doch Bucky.", antworte ich, nicht darüber im Klaren, was die Worte überhaupt bedeuten.

    Mein Schweiß ist unangenehm kalt in meinem Gesicht und ich schlinge die Arme um meine Knie. Wippe immer wieder hin und her murmele immer wieder, wie ein Mantra, dass ich es nicht kann. Ich kann nicht. Als er es mir gestern gesagt hat, habe ich nichts getan. Und seitdem sitze ich hier. Lehne an der Wand. Im Dunkeln und weiß nicht weiter. Zwei Tage lang hat er mich ignoriert, dann ist er damit rausgeplatzt.
    "Ich war das!", hat er gesagt, nach dem er sich an die hundert Male entschuldigte, dass er nicht mit mir gesprochen hat. "Ich war es, der dich so zugerichtet hat. Hydra hat mir den Auftrag gegeben, ich sollte dich umbringen." Ich starrte ihn an, nickte dann. Ließ mir alles erklären, das er wusste. Wie er das Auto in dem ich saß, in die Luft gesprengt und wie er auf mich geschossen hatte, wie ich ordentlich ausgeteilt hatte, letztendlich jedoch zweimal im Rücken getroffen wurde und er mich totgeglaubte. In den Fluss warf und zusah, wie ich hinfort trieb. Ich hörte geduldig zu, sah alles bildlich vor mir und begann, mich ebenfalls daran zu erinnern. Als ich jedoch fragte, ob er wusste, wer ich bin, sagte er: "Keine Ahnung. Ich musste es nicht wissen, habe nicht gefragt." Ich seufzte, wartete ab, bis er etwas sagt und das tat er. "Ich werde mich wieder in Cryostase versetzten lassen. Ich habe mit T'Challa geredet, ich will, dass das was Hydra in meinen Kopf gepflanzt hat endlich weg ist." Ich riss meine Augen auf und senkte den Kopf. Ich wollte nicht, dass er sieht wie sehr mich das traf. "Ich möchte dich." Ich runzelte die Stirn und sah fragend auf. "Ich kann mir jeden Arzt aussuchen und ich möchte, dass du diejenige bist, die meinen Kopf untersucht." "Aber darauf bin ich nicht spezialisiert!", erwiderte ich, doch er nickte. "Ich glaube doch. Ich weiß es nicht warum, aber ich glaube, dass du das kannst. Das du diejenige bist, die das, was auch immer es ist, findet und rausholt. Du schaffst das!"

    Tue ich nicht! Und jetzt sitze ich hier. Allein. Immer noch. Er liegt falsch, ich kann ihm nicht helfen, aber er mir. Ohne ihn, ich kann es mir kaum vorstellen. Das heißt, ich kann, weil ich es bereits erlebt habe, was ich nicht kann, ist zu glauben, ich könnte so weiterleben. Es ist unmöglich. Ich merke gar nicht, wie es klopft, die Tür sich öffnet und jemand in meine Wohnung kommt. "Nat?", flüstert er und sieht sich um, dann erkennt er mich und kniet sich zu mir. "Hey, ich hatte mir ehrlich gewünscht, du schliefst tief und fest." Wie in Zeitlupe hebe ich den Kopf und erblicke Bucky vor mir sitzend. Als er meine geröteten Augen sieht, runzelt er die Stirn und packt meine Schultern. "Was ist denn?" Ich antworte nicht, starre auf den Boden. "So schlimm?" Ich schlucke, wage noch immer nicht, ihn anzusehen. Es dauert noch eine Weile, bis ich den Mund aufmache. Bucky wartet geduldig und sieht mich fragend an, da meine ich mit kratzenden Stimme: "Ich spreche zwölf verschiedene Sprachen. Ich weiß nicht mal was ich tue, schon liegen die meisten bewusstlos am Boden, ich weiß so viel über Waffen, das ich bezweifle, es wäre nur ein Hobby gewesen." Buckys Mund öffnet und schließt sich wieder, er zieht dir Stirn in Falten und mustert mich fragend. Ich räusperte mich und sehe auf, direkt in seine Augen. "Ich habe versucht herauszufinden, wer ich bin. Ich hoffe Leute gefunden, die glaubten mich zu kennen. Jedem habe ich einen anderen Namen erzählt. Eine neue Identität. Ich existiere nicht, nur zehn andere Personen, die so aussehen wie ich." "Was bedeutet das?", fragt er nach kurzer Stille. "Ich weiß nicht, in was ich verwickelt war, aber es war definitiv nicht legal." Schweigen. "Aber...", versucht er zu widersprechen, bricht jedoch ab, nachdem ich ihm einen durchdringlichen Blick zuwerfe. Er weiß, er kann mich nicht von dem Gegenteil überzeugen.
    Es ist eine unangenehme Spannung im Raum, wie wir so voreinander sitzen und schweigen. Irgendwie fühle ich mich schuldig, ich weiß nicht wegen was, aber Ich will ihn nicht in einer seltsamen Stimmung gehen lassen. Ihn in Cryostase versetzen, während er noch über etwas nachgrübelt, also über mich nachgrübelt.
    "Als ich hier aufgewacht bin", beginne ich mit der Geschichte. Er hebt den Kopf und hört aufmerksam, sowie neugierig zu. "Habe ich... Naja, ich wollte unbedingt herausfinden, wer ich bin. Ich habe nicht geschlafen, nicht gegessen, es hat mich zerstört... Ich habe nicht mehr herausgefunden, als was ich dir erzählt habe. Irgendwie habe ich es geschafft, all das zu verdrängen und habe weitergelebt, mich damit abgefunden. Aber vor etwa zwei Monaten hat es dann angefangen. Diese seltsamen Träume von meiner Vergangenheit, doch es war, als würde ich unter Wasser gedrückt. Alles war verschwommen, Ich konnte nur noch dumpfe Geräusche vernehmen, aber der Schmerz war umso schlimmer. Worin war ich bitte verwickelt?" Bucky beißt sich auf die Unterlippe und schweigt. Darauf kann er einfach keine Antwort geben.
    Was dann passiert, überrumpelt mich so sehr, dass vollkommen regungslos bin und einfach über mich ergehen lasse, wie er mich in den Arm nimmt und zu sich zieht. Als ich dann realisiere, was geschieht, schließe ich für einen Moment die Augen, bevor ich mich aus seinem Griff befreie und aufstehe. Bucky sieht mich neutral an und ich drehe mich weg. "Gute Nacht, Buck."


    Am nächsten Tag, betrete ich in weißem Kittel und Handschuhen das Labor, wo meine Kollegen bereits mit Bucky warten. Ich atme durch und gehe zackig auf ihn zu. Das hier ist Arbeit. "Wow, wie am ersten Tag...", schmunzelt Bucky, dem bereits die Armprothese abgenommen wurde. "Tja, So habe ich den Doktortitel bekommen: Disziplin." Er hebt eine Augenbraue und ich streiche über seine Narben an der linken Schulter. "Ich werde was finden, damit das verbessert wird. Und ich verspreche dir, du kriegst einen neuen Arm. Aus Vibranium." Er lächelt und ich seufze leise. "Wenn du aufwachst, werde ich hier sein, versprochen." "Versprich nicht so viele Dinge, das musst du nicht." Ich nicke leicht und ziehe dann die Mundwinkel hoch, als die Tür aufgeht und Steve reinkommt. Sofort gehe ich ein paar Schritte zurück. "Mr. Barnes." Ich drehe mich um, doch er ruft: "Nat?" Ich bleibe stehen und er sagt: "Pass auf Steve auf, okay?" Ein Lächeln schleicht sich auf mein Gesicht und ich nicke: "Ich werd's versuchen." und lasse die beiden allein.

    Während sie sich verabschieden, aktiviere ich die Kapsel und bespreche mich mit meinen Kollegen. Als Bucky dann aber aufsteht und zu mir geht, zieht sich mein Magen zusammen. Das hier ist ein 'Auf Wiedersehen'. Ich werde ihn einfrieren und dann nicht wieder aufwecken, bis ich eine Lösung für seine Gehirnwäsche gefunden habe. Und das kann dauern... Er lächelt mir zu und steigt in die Kapsel. Langsam gehe ich zu ihn und greife mit zitternden Händen nach dem Band, um ihn zu befestigen, doch ich stocke. Mein Blick sucht seine Augen, die blaugrau schimmern und ich umarme ihn. Ziehe ihn zu mir und vergrabe meinen Kopf in seiner Schulter. Etwas baff, legt er seinen rechten Arm um mich und streicht über meinen Rücken. Dann drücke ich mich von ihm weg und ziehe das Band fest zu. Ich trete einen Schritt zurück und hebe die Hand. "Ciao Bucky." die Kapsel schließt sich und er wird eingefroren.

    2
    "Er ist nicht stabil!", ertönt eine gehetzte Stimme, meine Stimme. "Dann machen sie ihn stabil!" Mein Herz rast, der Mann vor mir, ich hege einen tiefen Hass gegen ihn. warum? -keine Ahnung. "Er überlebt nicht noch eine Dosis, ich kann ihn nicht noch einmal am Hirn operieren!", versuche ich ihn hysterisch zu überzeugen und drehe mich zur dreckigen Glasscheibe, durch den ich den 'Patient' sehen können müsste, doch meine Sicht ist durch die Tränen verschleiert. "Es ist allein dem Serum zu verdanken, dass er noch funktionsfähig ist." Ich versuche ruhig zu sprechen. Gar nicht einfach, hier mitten im nirgendwo, Sibirien, hinter jeder Tür schwer bewaffnete Männer, die nicht einmal mit der Wimper zucken würden, weil ich ersetzbar bin... funktionsfähig, ich hasse dieses Wort in Bezug auf einen Menschen. Ich blinzle einige Male und seufze bei dem Anblick, der sich vor mir ergibt.

    Vollkommen geschockt reiße ich die Augen auf und setze mich in meinem Bett auf. Was war das? Ich stehe auf und gehe ins Badezimmer. Im Spiegel betrachte ich meine geröteten Wangen zusammen mit den tiefblauen Augenringen und klatsche mir eiskaltes Wasser ins Gesicht.
    Ich atme einmal tief durch und wende mich von meinem Spiegelbild ab. Ich hasse Alpträume, diesmal jedoch war es noch schlimmer als sonst. Es war wie eine Erinnerung und wenn sie wahr ist, dann stecke ich in großen Schwierigkeiten.
    Ich weiß, was ich gesehen habe: die Hydra-Basis in der der Winter-Soldier, oder viel mehr die Winter-Soldier ‚gehalten‘ wurden. Was für eine Katastrophe…
    Heute ist die Krönung von T’Challa. Ich werde nicht hingehen. Ich meine, ich mag T’Challa und bin ihm noch immer dankbar für alles, jedoch fühle ich mich mit all diesen Traditionen, Ritualen und Göttern nicht wirklich wohl. Also lasse ich den Wakandarianern ihre Kultur, bleibe jedoch fern davon.

    Langsam gehe ich die Treppe hinunter und sehe T’Challa in seinem Thronsaal am Fenster stehen. Still stelle ich mich neben ihn und blicke ebenfalls nach draußen in Wakandas wunderbare Landschaft. „Aufgeregt?“, durchbreche ich die Stille und er seufzt. Langsam dreht er sich zu mir um und öffnet gerade den Mund, als Okoye, der General den Saal betritt und ich trete sofort einen Schritt von dem zukünftigen König zurück, lasse den Kopf gesenkt, bis sie mir zunickt. Sie kann mich nicht besonders leiden, weil ich nicht von dort komme. Sie schätzt mich als zu gefährlich ein, um hier frei herumlaufen zu dürfen. Außerdem bin ich- wahrscheinlich- Amerikanerin, für die sie ja so wie so nicht allzu viel übrighat.
    Ich bleibe noch einen Moment stehen, doch als ich merke, dass sie den Mund nicht öffnet, wenn ich da bin, hebe ich eine Schulter und nicke T’Challa zu, bevor ich mit einem leichten Augenverdreher den Raum verlasse und mich auf die Suche nach Shuri mache. Sie ist ein absolutes Genie, hat unendlich viele der Spielzeuge in meiner Praxis erfunden. Sie ist auf der selben Etage wie ihr absolut abgefahrenes Labor, in dem sie auch jetzt herumwuselt. „Morgen Natalie!“, ruft sie mir zu, ohne von ihrem neuen Projekt aufzusehen und ich lächle. „Guten Morgen! Hey, hast du nicht etwas vor? Du solltest dich vielleicht mal in das Korsett zwingen, ihr müsst bald los!“ Sie verdreht die Augen und winkt mich zu sich hinüber. „Ich habe hier etwas für deinen Freund.“, erzählt sie, Letzteres betont lang und sie zwinkert mir zu, was ich nur mit einem Kopfschütteln quittiere. Sie provoziert nun mal gerne, das Schicksal eines jüngeren Geschwister Kindes… Ich sehe ihr über die Schulter und sofort beginnt sie zu reden: „Also, er ist vollkommen aus Vibranium, entspricht den Maßen, die du mir gegeben hast und sieht einfach viel cooler aus, als der Prototyp!“ Ihre Augen beginnen zu strahlen, wie jedes Mal, wenn sie vollkommen in ihrem Element ist. „Also Barnes hat ja gesagt, er sei ziemlich leicht, also habe ich noch etwas eingebaut, abgesehen von der absolut genialen Goldlegierung hier außen. Sieht sie nicht einfach super aus? Ja, das siehst du ja, ich sollte mal bei der Sache bleiben… Also, ich hatte eben die Idee, seinen Arm mit etwas Neuem auszustatten und habe hier eine vereinfachte Version bereits eingebaut von diesem“ Sie wuselt einmal um den Tisch herum und aktiviert ein Hologramm direkt vor mir. „unglaublich effektiven und vielseitig einsetzbaren Waffensystem!“ „Nein!“, rufe ich bestimmt und das Strahlen fällt aus ihrem Gesicht. „Keine Waffen in seinem Arm, es ist nur eine Armprothese. Bucky hat viel zu lange als Waffe gelebt, dass-“ „Aber es wäre bestimmt nützlich.“, unterbricht sie mich, etwas kleinlauter als sonst. „Vielleicht, aber er kann schon auf sich aufpassen, abgesehen davon ist im Moment wirklich nichts los und wir haben genug abgefahrene Sachen, mit denen er ausgestattet werden kann, ich will nicht, dass er auch noch etwas in sich eingebaut hat. Abgesehen davon hast du die Rückschlagwirkung hier nicht beachtet, das müsste besser abgedämpft werden. A propo, wie siehts eigentlich mit den Handschuhen aus, hast du sie schon in Auftrag gegeben?“ Sie nickt, wieder lächelnd und holt sie unter der Ablage hervor. „Das ist dein Werk, Natalie. Die Pläne, die du gemacht hast, waren super, das hier ist der Prototyp. Ich habe mich extra zurückgehalten, wollen wir sie testen?“ Ich sehe sie durchdringlich an und sie verdreht die Augen. Prompt kommt der Ruf ihrer Mutter: „Shuri kommst du endlich, wir müssen los.“ „Sag ich doch.“, schmunzle ich und nehme ihr die Handschuhe ab. „Berichte mir aber, wenn ich zurück bin!“ „Machst du Scherze, ich werde auf dich warten!“, rufe ich ihr hinterher, während sie die Treppe hinaufgeht und jetzt blitzartig umdreht und mir ein aufrichtiges Lächeln schenkt. „Du bist ein Schatz! Bis später!“ Ich hebe die Hand und warte, bis sie verschwunden ist, dann flüstere ich: „Viel Glück, T’Challa.“


    "Morgen, Bucky!", murmle ich, als ich das Labor betrete, mir meinen weißen Kittel überziehe und auf seine Kapsel zugehe. "Wie geht's dir denn heute?" Ich öffne eine Hologrammprojektion seiner Vitalwerte und notiere alle abnormalen Werte auf einem traditionellen Klemmbrett. Wieder einmal kaum abweichende Gehirnaktivität und auch sonst scheint es ihm gut zu gehen. Seufzend blicke ich auf sein entspanntes Gesicht, kein einziger Muskel bewegt sich.
    Mit einem kurzen Knopfdruck erscheint ein Hologramm vor mir. Es ist ein Gehirn. Buckys Gehirn, dass ich schon seit einigen Tagen versuche zu entschlüsseln. Als Vergleich nehme ich mein eigenes und versuche die Stelle zu finden, die von Hydra verändert wurde. Je länger ich darauf starre, desto verzweifelter werde ich. Es lassen sich einfach keine Unterschiede feststellen. Es ist unmöglich, aber sie sind identisch. Auch der Computerabgleich hat das ergeben, was alles nur noch entmutigender macht.
    Einer meiner Kollegen steckt den Kopf durch die Tür und ich fahre herum. „Shuri hat mich gebeten, dir das hier zu bringen.“, meint er und hält mir ein Päckchen entgegen. Sofort steigt mein Puls und aufgeregt nehme ich es mit einem kurzen „Danke!“ an. Die Tür schließt sich wieder und mit zitternden Fingern öffne ich das Packet, gerade mal so groß wie ein Din A5 Blatt. Ich schüttle den Kopf und versuche mich zu konzentrieren. „Komm schon Natalie, du bist doch kein Teenager mehr!“
    Tatsächlich ist wie erwartet eine Ampulle mit violetter Flüssigkeit, eine Weitere mit Blauer, sowie ein Armband darin. Noch bevor ich mich damit beschäftigen kann, erscheint Shuris Kopf als Hologrammbild und sie beginnt zu reden: „Hi, also ich habe die modifizierte Formel angefordert und die scheint jetzt bei dir angekommen zu sein. Außerdem habe ich noch einmal an dem Programm herumgefeilt und ich denke, dass es jetzt problemfrei funktioniert, wenn nicht, fürchte ich, dass ich das gesamte System noch einmal überholen muss. Viel Glück!“ Die Nachricht verschwindet und ich mache mich sofort an die Arbeit.
    Kurz zögere ich, bevor ich einen Teil des violetten Mittels in die Spritze fülle und sie mit einem Handschuh an, durch eine Luke in Buckys Hals gebe. Dann muss ich warten.
    Ich erschrecke beinahe, als ein Teil seines Gehirns in der Projektion in der selben Farbe hervorgehoben wird und ich kneife die Augen zusammen. Das ist es! Das ist es, was Hydra in ihm ergänzt hat. Erleichtert erscheint ein Lächeln auf meinem Gesicht und ich lasse mich in meinen Schreibtischstuhl fallen. „Ich hab’s gefunden, Buck! Es wird alles gut!“, flüstere ich, da zucke ich willkürlich zusammen. Mit gerunzelter Stirn lege ich das Bild meines Gehirns auf Buckys und ziehe scharf Luft ein. Ich habe es auch. Alles, was Bucky eingesetzt wurde, ist in meinem Gehirn ebenso vorhanden. Unmöglich! Meine Hand beginnt zu zittern, als ich mir das violette Zeug ebenso in meinen Blutkreislauf gebe und es dauert nicht lange, bis es in meinem Gehirn angekommen ist.
    Ich taumle einige Schritte zurück, als sich auch bei mir die gleichen Ausmaße zeigen, mit einem Unterschied: Es fehlen die Verbindungen.
    In einem Gehirn kann normalerweise nichts wirklich gelöscht werden, nur die Verbindungen werden gekappt, sodass nicht wiederfind bar scheint, doch es gibt immer ein Backup. Bei mir scheint es nicht funktioniert zu haben, aber die Grundbausteine zu derselben Gehirnwäsche, wie sie bei dem Winter Soldier durchgeführt wurde, sind in mir vorhanden. Einen Moment bleibe ich regungslos stehen, dann spüre ich die Träne, die mir über die Wange läuft und fange mich wieder. Es ist egal!, versuche ich mir zuzureden. Das ich bei der Hydra war, wusste ich ja bereits. Was gilt, ich Bucky jetzt davon zu befreien!
    Auf einmal geht alles ganz schnell. Ohne darüber nachzudenken, lösche ich alle Daten, die in diesem Labor über mich zu finden sind. Zerstöre mich einem Tritt den Projektor, der mir meine Gehirnaktivitäten aufgezeigt hat. Das darf niemand erfahren. Das braucht niemand zu erfahren! Ich muss es vergessen!
    Als das getan ist, bleibe ich vor der Cryostasekapsel stehen und sehe Bucky ins Gesicht. Ich kann es jetzt tun. Ich werde es jetzt tun!

    Aufregung unter meinen Kollegen. Ich räuspere mich lautstark und sofort tritt Stille ein. „Projekt 337.“ Ist alles, was ich sagen muss, um klar zu machen, was passieren wird. Dann gehe ich auf die Kapsel zu, öffne eine Klappe und gebe den Sicherheitscode ein. Metallisches Klicken und los geht’s. Die Temperatur in der Kapsel wird hochgetrieben, bis sie die Raumtemperatur erreicht hat. Als es soweit ist, öffnet sich die Kapsel und schiebt Bucky, der von alledem noch immer nichts mitbekommt, ein Stück nach vorne. Sobald das geschehen ist, entfernen zwei der Ärzte die Bänder und setzen ihn in die nächste Maschine. Ich habe den Bauplan dafür gegeben und Shuri hat sie bauen lassen. Sein Arm und seine Beine werden an die Maschine gebunden und ich lasse das Programm laufen, dass für genau diesen Zweck, Buckys Normalisierung, erschaffen wurde. Die Daten seines Gehirnes werden an die Maschine weitergegeben und das Metall umschließt Buckys leicht zur Seite hängenden Kopf. Ich schließe die Augen, bevor ich die Freigabe gebe und werde mich ab, als der erste Schrei ertönt. Buckys nun aufgerissenen Augen spiegeln klar den Schmerz, der durch seinen gesamten Körper jagt und jeden verfügbaren Muskel zucken lässt. Das Leiden treibt mir Tränen in die Augen, die ich schnellstmöglich wegblinzle und warte, bis das Programm gelaufen ist. Mit einem schnellen Knopfdruck werden die Metallklappen gelöst und ich nicke kurz. Sofort wird Bucky eine Spritze verpasst und er verschwindet wieder ins Unterbewusstsein. „Gute Arbeit. Wenn alles funktioniert hat, ist er morgen wieder auf den Beinen und ihm geht es besser als zuvor. Vielen Dank, Gentlemen!“ Ein kurzer und erleichterter Applaus ertönt und ich sehe zu, wie der Brünette bewusstlos auf einer Liege weggebracht wird. Was für eine Aufregung. Hoffen wir, dass T’Challas Krönung nicht halb so schmerzhaft abgelaufen ist.

    Nachdenklich starre ich in das vollkommen regungslose Gesicht des Mannes vor mir. Seine Brust hebt und senkt sich immer wieder und wieder. Ich schließe die Augen erneut und versuche mich krampfhaft zu erinnern. Ich kann ihn nicht finden. Dabei bin ich mir so sicher, dass ich ihn schon einmal gesehen habe, dass ich… ihn kannte, damals. Shuri tritt zu mir und ich richte mich auf. „Warum genau rufst du mich eigentlich her, wenn du so wie so schon alles Nötige erledigt hast?“, frage ich die sechzehnjährige und sie hebt eine Schulter. „Keine Ahnung ich wollte nur sichergehen, dass er auch sonst nichts hat.“ „Hat er auf jeden Fall nicht, außer der Schusswunde und eben dem Blutverlust ist er vollkommen gesund. Wer ist das?“ Ich versuche meine Neugier in Grenzen zu halten, oder zumindest etwas beiläufiger zu klingen, als es meine Stimmung gerne hätte, aber sie kann mir keine wirklich zufriedenstellende Antwort geben. „Irgendein Amerikaner, der-“ „Everett Ross. CIA-Agent. Er war mal Pilot bei der Air-Force, er ist ein Freund.“ T’Challa. Ich drehe mich zu ihm um und er lächelt mich unschuldig an. Wieder einmal bin ich dankbar für mein perfektes Pokerface und ich starre ihn so lange an, bis er damit aufhört und seinen Blick zum Boden schweifen lässt, während er an mir vorbei zu Shuri geht. „Das du dich mal blicken lässt.“, bemerke ich schnippisch, verdrehe dann aber die Augen und meine Mundwinkel heben sich automatisch. „Dir geht’s also doch ganz gut. Ich hab mir echt Sorgen gemacht nach allem was ich von deiner Krönung gehört habe und du meldest dich nicht.“ Er wirft mir einen entschuldigenden Blick zu und ich winke ab.
    Wieder richtet sich mein Blick auf Agent Ross und ich ziehe meine Augenbrauen zusammen. Es klingelt nicht. Everett Ross, CIA, Air-Force vielleicht? Nein, Pilotin bin ich nun wirklich nicht. Ich stelle es mir aber eigentlich ganz cool vor. Bis auf den Fakt das man meistens beim Fliegen eine Bombe dabei hat. Aber dieser durch die Luft rasen und Loopings drehen muss doch Spaß machen, oder nicht? „Nat?“ Ich fahre herum. „Was?“ „Wie geht es Sergeant Barnes?“ Ja richtig, wie geht es Bucky. Gute Frage, er will und will einfach nicht aufwachen. Ein schlechtes Zeichen. „Lebenszeichen vorhanden, sein Energielevel könnte besser sein. Er ist immer noch nicht aufgewacht, aber seine Organe und die Maschinen halten ihn schon noch eine Weile am Leben…“ Shuri nickt und T’Challas Augen zeigen seine Abwesenheit. Einen Moment tritt Stille ein. Auch seine kleine Schwester hat gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Es rattert in meinem Kopf. Bucky? Nein, ich wüsste, wenn etwas mit ihm passiert wäre. Wie sollte T’Challa vor mir solche Neuigkeiten erhalten. Steve? Nein, oder… doch? Ich habe ihn schon eine Weile nicht mehr gesehen und er… Verdammt! „Wo ist er?“, frage ich vorsichtig und trete einen Schritt auf ihn zu. Er sieht mich an. Er weiß es nicht? Er weiß es nicht! Das kann doch nicht- „Weg. Er ist gegangen, keine Ahnung wohin. Er braucht Zeit. Irgendwie muss er sich selbst wiederfinden, weißt du?“ Ich nicke und wende mich ab. Schon wieder verschwindet er ohne mir ein Wort zu sagen. Das ist entwürdigend. Ich würde Lügen, wenn ich sagte, dass es mir nichts ausmacht und ich ihm Zeit gebe, denn so ist es nicht. Natürlich hoffe ich, dass es ihm bald besser geht, aber er kann nicht… Es ist nicht gerade angenehm zu erfahren, dass er die ganze Zeit verschwindet und mich zurücklässt. Es würde ihm guttun mal über seine Probleme zu reden und nicht alles immer mit sich selbst auszumachen. Und glaubt er etwa, er wäre der einzige mit einem Problem? Mit einer düsteren Vergangenheit? Mit Schwierigkeiten sich hier zurechtzufinden? Denn das ist er nicht. Trotzdem ist es nicht nur Wut und Schmerz, den ich verspüre. Da ist diese Stimme in meinem Kopf, die mir die schlimmsten Szenarien zuflüstert. Ich mache mir Sorgen. Nicht nur um Steve, er kann schließlich aus sich aufpassen, nein auch um Bucky, der hier irgendwann aufwachen wird und erfahren muss, dass Steve gegangen ist, ohne ein Wort zu sagen. Bleibt noch dieses andere Gefühl: Hoffnung. Hoffnung, dass er seine Freunde wiederfindet, es vielleicht sogar schafft Probleme auf dem Weg zu räumen und wieder Verbündete in der Welt zu haben. Er kann sie brauchen. Er ist kein Mensch, der auf längere Zeit im Streit mit anderen leben kann. Es tut ihm nicht gut isoliert zu sein. Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr vergesse ich bereits, dass er mich hier alleingelassen hat. Hoffentlich meldet er sich bald.
    „Hey, alles in Ordnung?“, reißt mich eine sanfte Stimme aus den Gedanken und ich hebe mein Kinn. „Natürlich, ich hab nur… entschuldigt.“ Shuri lächelt verständnisvoll und ich atme durch. „Also braucht ihr mich noch für irgendetwas?“ Mein Ton macht den Themenwechsel sehr deutlich, ein Nachhaken ist kaum möglich. „Nein, ich denke das war alles. Danke!“ Ich nicke höflich, werfe T’Challa noch einen kurzen Blick zu und verschwinde dann aus Shuris Labor. Ich habe kein Interesse daran, mich dort länger aufzuhalten. Nicht jetzt. Ich habe Energie loszuwerden und ich weiß ganz genau, wo ich dafür hingehe.

    Frisch geduscht stehe ich vor dem Spiegel. Ich sehe sie mir wieder an. Wieder und wieder. Jeden Tag. Die Narben, die sich über meinen gesamten Körper ziehen. An meinen Armen sind sie fein und leicht zu übersehen, an meinem Rücken jedoch sind einige sehr deutlich und erneut frage ich mich, wie ich solche Wunden überlebt habe. Langsam streife ich mir neue Klamotten über und werfe meinem Spiegelbild einen letzten, müden Blick zu, als ich durch das Fenster sehe, wie ein Mann zum Palast gebracht wird. Misstrauisch verengen sich meine Augen und ich aktiviere meine Kimojoperlen um T’Challa zu kontaktieren. Er reagiert nicht. Natürlich nicht, wenn dieser Mann tatsächlich zu ihm in den Thronsaal gebracht wird, dann wird er sicher jetzt keine Holos annehmen. Also greife ich meine Tasche und verschwinde gerade aus meiner Wohnung, da vernehme ich ein kurzes Klicken. Sofort frieren alle meine Bewegungen ein und ich warte eine Sekunde, bevor ich mich umdrehe und mit angespanntem Kiefer mein Zimmer scanne, als erneut derselbe Ton ertönt, ganz oft hintereinander, das Klicken einer Tastatur. Mein Laptop. Mit gerunzelter Stirn gehe ich darauf zu und klappe ihn auf, da höre ich ganz leise eine Stimme: „Ja, ich bin mir sicher, ich müsste längst drin sein!“ „Ist ja gut, Nat, ich glaube dir, also wo liegt das Problem?“ Diese Stimme lässt sofort eine Gänsehaut auf meinem Rücken entstehen und aktiviere das Mikrofon. „Steve?“, frage ich, doch es ist nichts als ein Flüstern. Ich räuspere mich und bekomme sofort eine Reaktion: „Was war das? Hast du das auch gehört?“ „Jaja, mach irgendwas, damit-“, er bricht ab, als ich den Aufkleber von meiner Kamera entferne und ich mich auf meinen Schreibtischstuhl sinken lasse. Jetzt müssten sie mein Gesicht vor sich haben und ich hebe die Hand um ihm zu winken, ihm und dieser Frau, die offenbar bei ihm ist. „Natalie!“, vernehme ich ein Hauchen von der anderen Seite und ich lächle. Dann greife ich schnell nach einem Paar Kopfhörern und stecke sie ein, um besser hören zu können, was sie sagen. „Hi Steve! Ich sehe immer noch einen schwarzen Bildschirm vor mir, also könntet ihr bitte-“ Noch bevor ich ausgesprochen habe, erscheint das Gesicht einer rothaarigen Frau vor mir, die mich mit ihren grünblauen Augen erst einmal durchdringlich mustern, bevor sie sich umdreht und jemanden zu sich winkt. Da erscheint Steve neben ihr auf dem Bildschirm und er beginnt zu lächeln. „Natalie, es ist schön dich zu sehen!“ „Auch schön dich zu sehen!“ Ich verkneife mir mein Lächeln und Steves freudiger Ausdruck weicht einem Besorgtem, bevor er vorsichtig nachfragt. „Was ist?“ Ich hebe eine Augenbraue und lege etwas Vorwurfsvolles in meine Augen. „Das solltest du wissen! Du lässt mich hier alleine sitzen! Und nicht nur mich, auch Bucky und-“ „Ist er wieder okay?“ Ich verdrehe die Augen und hebe eine Schulter. „Was soll ich sagen, er ist noch nicht wieder wach, aber ich glaube, ich habe das Hydrazeug aus ihm rausgekriegt.“ Sofort hellt sich seine Miene noch mehr auf und er meint: „Danke, Natalie, danke! Das, du weißt gar nicht, wie viel mir das bedeutet!“ Jetzt lächle ich auch und benetze meine Lippen. „Ich glaube, das weiß ich.“ Eine Weile sagt keiner etwas, dann räuspere ich mich und wende mich an die Frau. „Hi, ich bin Natalie, ich schätze Steve ist jetzt eine Weile mit Träumen beschäftigt, also können Sie mir vielleicht erklären, warum genau ihr meinen Laptop gehackt habt um mit mir zu sprechen?“ Sie wirft Steve erst einen fragenden Blick zu, dann lächelt sie mich an und nickt. „Also ich bin Natasha. Romanoff, Natascha Romanoff. Schön dich kennenzulernen, Steve hat schon einiges von dir erzählt.“ „Freut mich auch!“ „Also die Sache ist die. Steve meinte, dass du einige Schwierigkeiten hast mit… naja deinen Erinnerungen und-“ „Natascha könnte dir helfen. Sie ist- war Agentin von SHIELD und hat ihre Kontakte und Wege. Nachdem ich ihr beschrieben habe, was dir zugestoßen ist, meinte sie, es könnte gut sein, dass du bei einem Geheimdienst gearbeitet hast und sie will dir helfen, herauszufinden, wer du bist. Bist du dabei?“ Es dauert einen Moment bis all die Information bei mir ankommt, dann aber hebe ich eine Schulter und nicke. „Klar, danke! Ich habe dann auch noch ein paar Neuigkeiten für… das eben. Wo seid ihr denn im Moment, dann komme ich vorbei.“ Sie hebt nur einen Daumen, während Steve etwas zu tippen beginnt. „Ich sende dir die Koordinaten, aber, Nat?“ Er hebt den Blick wieder. „Ja?“ „Ja?“, reagieren wir gleichzeitig und werfen uns verwirrte Blicke zu, bevor wir in Lachen ausbrechen. „Natalie, du darfst niemanden sagen, wo wir sind, okay? Du weißt, wir werden gesucht und ich weiß nicht, wem du vertrauen kannst, okay?“ Ich ziehe die Augenbrauen zusammen und nicke. „Verstanden!“

    3
    Ich steige aus dem kleinen Jet und es dauert keine zwei Sekunden, da landet jemand in metallenen Anzug vor mir und hält mir seine Blaster ins Gesicht. „Hi, ja mir geht’s bestens, nett dich kennenzulernen.“, meine ich sarkastisch und er erlaubt sich ein Grinsen. „Jap., ich glaube das ist sie Cap, groß, braune lange Haare, sarkastischer al-“ Er scheint durch eine Stimme am anderen Ende der Leitung unterbrochen zu werden, denn er nickt und steckt die Waffen weg, um mir die Hand hinzustrecken. Höflich ergreife sie und er stellt sich vor: „Sam Wilson, auch der Falcon genannt, wegen dem, wie du vielleicht gesehen hast, ziemlich coolen Anzug hier. Es geht hier lang.“ Er setzt sich in Bewegung auf das bereits ziemlich zerfallene Gebäude vor uns zu und ich folge ihn ohne groß darüber nachzudenken.
    Ich bei exakt bei den Koordinaten, die Steve mir hat zukommen lassen, als er mich bat zu ihm zu kommen. Es war nicht einfach aus Wakanda zu kommen, erstrecht wenn man zuerst den Jet von dort stehlen muss, aber mit ein bisschen Getrickse und einigen riskanten Flugmanövern habe ich es letztendlich geschafft und damit wahrscheinlich meinem Vertrauensverhältnis mit T’Challa einen tiefen Riss verpasst. Hoffentlich ließt er meine Nachricht und kann mir wenigstens irgendwann verzeihen.
    Nach einem ziemlich langen Flug bin ich dann hier in Europa angekommen. Auf einer Farm in Süditalien, umgeben von Feldern und Wald. Hier kommt wahrlich niemand mehr her und es ist auch nicht gerade der Ort, an dem die CIA einen desertierten Captain America und Crew vermuten würde, da es wahrscheinlich nicht einmal Internet gibt. Eine gute Wahl für ein Geheimversteck auf jeden Fall
    . Hier ist es warm, aber lange nicht so warm wie in Wakanda und abgesehen davon, dass ich so wie so nur wenig Zeug dabeihabe (einen Anzug, den Shuri einmal für mich entwickelt hat, sowie einige Waffen und einen Satz Klamotten) kenne ich mich kein bisschen aus in der Gegend, was bedeutet, dass ich komplett von Steve abhängig bin. Ich mag es nicht, abhängig zu sein, nicht dass ich ihm nicht vertraue oder seinen Freunden, es stört mich einfach Schwachstellen zu zeigen. Das war schon immer so, weshalb es mich auch so stört, dass ich mich an nichts aus meiner Vergangenheit erinnern kann. Andere Menschen hätten vielleicht bis jetzt einen Neuanfang versucht, einfach noch einmal als jemand anderes in diese Welt kommen, das würde bestimmt einige Menschen glücklich machen, aber ich komme nicht klar mit diesem Fehler. Hoffentlich können wir durch Natashas Hilfe endlich mehr herausfinden und vielleicht kann ich dann endlich wieder eine Nacht durchschlafen. Es ist ewig her, dass ich nicht mindestens einmal pro Nacht aufgewacht bin, nicht nur wegen Alpträumen, ich bin auch einfach ausgelaugt und muss mich dringend irgendwie entspannen. Vielleicht hat das irgendwann tatsächlich ein Ende.
    Wir treten durch die kaputte Tür und ich traue meinen Augen nicht, als ich das Innere des Gebäudes vor Augen habe. Die Wände sind voller Zettel, Pläne, Identitäten, Stadtkarten, Landkarten, sogar eine Weltkarte mit lauter Notizen und Steckern. Außerdem noch Lebensläufe und Mindmaps, ein gewaltiges Chaos, dass durch rote, blaue oder andersfarbige Fäden verbunden ist, der Captain folgt also dem Klischee…
    Wenn man vom Teufel spricht… Ein starker Arm legt sich über meine Schulter und Steve zieht mich in eine kurze Umarmung, etwas wie „schön dich zusehen“ in meine Schulter murmelnd. Ich drücke ihn ebenfalls kurz an mich und seufze dann, als wir uns wieder lösen. „Ist ne Weile her…“, meint er mit einem sanften Lächeln und ich nicke. „Schön habt ihr’s hier.“ Er lacht kurz auf und geht in die Mitte des Raumes, die Arme weit ausgebreitet. „Willkommen in unseren Headquarters!“, ruft er und ich schmunzle. Da kommt Natasha mit einer jungen Frau durch die Tür zu einem anschließenden Raum und unterbricht sofort ihr Gespräch, als sie mich sieht. Dann kommen die beiden lächelnd auf mich zu und die Rothaarige gibt mir die Hand. „Hi, schön zu sehen, dass du gut angekommen bist.“ Dann tritt sie zur Seite und die andere, deutlich jüngere Frau räuspert sich: „Hallo, ich bin Wanda, nett dich kennenzulernen.“ Sowjetischer Akzent, strahlend weiße Zähne, lange dunkle Haare, etwa 20 Jahre alt, trägt eine high-waist Jeans und eine schwarze Bluse, sowie hohe Stiefel und eine Menge Schmuck. Ich mag sie. Sofort erwidere ich ihr freundliches Lächeln und nicke ihr zu: „Natalie, freut mich auch sehr!“ „Also dann hast du ja auch schon alle kennengelernt.“, meint Steve, der sich zu uns gesellt hat und nickt, als würde er eine Liste durchgehen. „Also Nat, führst du sie kurz herum? Ich kann dann mit Sam kurz das Clint-Problem angehen, dann treffen wir uns wieder hier in 15 Minuten und fangen an.“ Wanda sieht ihn ein bisschen überrascht an. „Lass sie doch erst einmal ankommen, wir wollen hier niemanden hetzen.“ Natasha pflichtet ihr sofort bei: „Stimmt, wie wärs, wenn wir ihr alles zeigen, dann ein bisschen shoppen gehen, sie dann in der Gegend herumführen und dann anfangen?“ Steve reagiert mit nichts als einem fragenden Blick zu mir. Er überlässt mir die Entscheidung und ich hebe die Schultern. „Also ich hab nichts dagegen ein paar zum Wetter passende Sachen zum Anziehen zu haben, es sieht ja so aus, als würde ich eine Weile hier bleiben…“ Die Rothaarige wirft Steve einen triumphierenden Blick zu und hakt sich bei mir unter, während Wanda mir meine Reisetasche abnimmt und damit zu der Tür geht, durch die die beiden vorhin gekommen sind. „Hier lang, das hier ist nur das Chaos Zimmer…“, meint sie und hält uns die Tür auf. „Viel Spaß!“, ruft Steve mir noch hinterher, dann werde ich von den Ladies auch schon an beiden Armen durch das Gebäude gezogen und habe kaum noch Zeit über irgendetwas nachzudenken.

    Nach etwa drei Stunden erreichen wir wieder die alte Farm und haben volle Tüten dabei.
    Nachdem die beiden mir jeden einzelnen Raum (auch die Schlafzimmer der anderen, obwohl ich nicht wirklich daran interessiert war) gezeigt haben. Das Gebäude ist um einiges größer als ich erwartet hatte. Es gibt nämlich drei Stockwerke und einen Keller, in dem die Anzüge, wie auch die Waffen, die sie irgendwie haben beschaffen können, gelagert werden. Im Erdgeschoss gibt es eine große, wenn auch alte Küche mit genug Platz für einen Essenstisch, an den alle passen, den Eingangsbereich, der sogenannte „Chaos-Raum“, in dem einfach alles hängt, was sie noch nicht genauer zugeteilt haben, und eben ein Raum, in denen sorgfältig sortiert jede Art von Information ist, die sie gebrauchen können. Dort befindet sich außerdem ein Sofa und ein Fernseher, der wohl aus dem letzten Jahrhundert stammt, aber immerhin. Dort werden auch die Missionen besprochen und man versucht die Aktivität von allseits bekannten Tony Stark und den Avengers zu überwachen. Dann ein Stockwerk weiter oben ist das Zimmer von Steve und das on Sam. Außerdem ein Bad, ein Zimmer voll mit alten Sachen, die dringend abgeschafft oder recycelt werden sollten, sowie ein leerer Raum, in dem wohl in naher Zukunft eine Art Trainingsraum entstehen soll.
    Dritter und letzter Stock ist das Frauenreich, gemeinsames Badezimmer und sowohl mein, als auch Natashas und Wandas Zimmer und ein Raum mit einem alten Flügel, Bücherregalen, einem quietschenden Sofa und einer Hängematte.
    Natasha hat mir während der Führung ausführlich erzählt, wem die Farm einmal gehört hat und dass sie bei einem Anschlag in den USA, wo sie im Urlaub waren, umgekommen sind und das Gebäude seit dem leer steht. Außerdem erklärt die beiden mir alles über die Ereignisse, die die Gruppe zur Flucht gezwungen haben und warum sie sich nun hier in Italien befinden.
    Zum Shoppen fahren wir mit einem Truck, der sich wohl auf dem Gelände befand, und den sie mit Leichtigkeit geknackt haben, in die nahegelegene Stadt, Undercover natürlich. Alle aus dem Team besitzen eine neue Identität und beeindruckender Weise spricht Natasha auch fließen italienisch, sodass nicht besonders auffällt, dass wir nicht von hier sind. Es dauert nicht lange, bis wir Einiges finden, dass ich mit Vergnügen kaufe. Noch etwas wofür ich mich schlecht fühle, da ich kaum Geld habe und Natasha alles für mich bezahlen. Ich glaube ich werde eine Liste führen müssen, wem ich was schulde, ich will das nicht einfach so stehenlassen.
    Auf dem Rückweg erklärt mir Wanda, die mir mit der Zeit immer sympathischer wird ihre Fähigkeiten, Telekinese und Telepathie, Levitation, wie auch die Manipulation von Energie, ziemlich cool also. Sie erzählt mir von ihrer Vergangenheit und ihrem Schwarm Vision, den sie hat zurücklassen müssen, da er auf gegnerischer Seite war. Zwar ist es ein bisschen viel Information auf einmal, allerdings ist es wirklich angenehm zu wissen, dass mich hier alle so gut aufnehmen und genug Vertrauen haben, um mir solche Dinge zu erzählen. Im „Austausch“ dafür beantworte ich ihnen alle Fragen, die sie über Wakanda haben, auch wenn ich versuche, keine wichtigen Geheimnisse der Krone auszuplaudern, ich habe schließlich einen Schwur abgelegt und immer noch die Hoffnung, dass ich eines Tages vielleicht wieder von ihnen aufgenommen werde, auch wenn ich noch nicht sicher bin, ob ich wirklich dorthin zurück will.
    Je länger ich mich hier bei den anderen befinde, desto mehr Lust habe ich, die Welt da draußen zu entdecken und sowohl die USA, als auch Europa und vielleicht Südamerika zu bereisen und nicht länger in einem isolierten Land zu leben, ohne Kontakt zur Außenwelt.
    Sie haben auch einige Fragen zu meiner persönlichen Vergangenheit, doch da ich darüber selbst nicht viel weiß und lieber alles woran ich mich erinnere später mit Steve und Sam zu besprechen, führe ich diese Fragen nicht besonders aus.


    Als wir dann wieder bei der Farm angekommen sind, gehe ich auf mein Zimmer und die Mädels lassen mich in Ruhe meine Sachen auspacken und mich einrichten. Als ich mich dann einmal lang geduscht habe und die neuen Sachen übergestreift habe, stecke ich meine Haare nach hinten, sodass mir nur meine gestuften Strähnen ins Gesicht fallen und gehe dann nach unten, um mit dem Projekt „Vergangenheitsrecherche“ zu beginnen. Steve ist schon unten und sieht sich eine Akte durch, er trägt eine schwarze Trainingshose und ein blaues Sweatshirt, seine Haare noch nass vom Duschen, wie auch meine. „Hey.“, meine ich, als ich eintrete und er sieht auf. „Hi.“ „Und, was siehst du dir an?“, frage ich und setze mich neben ihn auf das Sofa. „Ach, das ist ein Bericht über… ach was, wir besprechen das am besten gleich mit den anderen, ich hatte noch gar keine Möglichkeit mit dir so richtig zu sprechen seit du hier bist. Also erzähl mal, wie geht’s dir?“ Ich hebe die Augenbrauen und denke nach. Tja, wie geht es mir? Ich bin nicht sicher, muss ich ehrlich sagen, denn ich freue mich wirklich hier zu sein, jedoch überhäuft sich mein Kopf mit Schuldgefühlen gegenüber Wakanda und Bucky. Außerdem leben wir hier illegaler Weise auf einer Farm von einer verstorbenen Familie, daran muss ich mich erst einmal gewöhnen. Ich entscheide mich allerdings für die einfache Antwort: „Ganz gut, schätze ich. Ein bisschen erschöpft, es war ein langer Tag, aber eigentlich ist alles gut. Ich hoffe, wir bekommen endlich raus, was damals passiert ist..“ Er wirft mir ein hoffnungsvolles Lächeln zu und legt die Mappe weg, bevor er mich, um einiges leiser als zuvor fragt, was mit Bucky sei. Ich schmunzle und grinse ihn wissend an. Natürlich geht es als nächstes um Bucky… Die beiden sind einfach nur süß muss man sagen. „Ihm geht’s soweit gut, die Vitalwerte habe alle gestimmt, als ich gegangen bin. Ich weiß nicht, wann er endlich aufwacht, aber es wird schon bald sein, da bin ich sicher. Kein Grund zur Sorge also.“ Er seufzt erleichtert und nickt, etwas vor sich hinmurmelnd, als würde er sich selbst zureden, dass er okay ist. Eine Weile sitzen wir in Schweigen, dann räuspert er sich, ihm ist das sichtlich etwas unangenehm, und steht auf. „Also wo sind denn die anderen?“ Ich hebe die Schultern „keine Ahnung, sind wir wirklich so früh hier?“ „Nein, eigentlich müssten sie in ein paar Minuten da sein.“ Ich nicke. Na dann werden wir wohl noch ein bisschen warten. „Der Flug war ziemlich lang, aber naja, ich hoffe, ihr könnt den Jet irgendwie gebrauchen, sollte für was auch immer ihr tut ganz nützlich sein.“ Er dreht sich blitzschnell wieder zu mir um, seine Augenbrauen zusammengezogen. „Wieso ihr? Du bist jetzt Teil des Teams, wenn dann geht es darum was wir alle damit machen.“ Erstaunt weiten sich meine Augen und ich erhebe mich perplex. „Ich… Ihr wollt mich hier wirklich dabei haben?“ Er gluckst mit hochgezogenen Mundwinkeln und sieht mich an, als hätte ich ihm gesagt, dass 1+1 gleich zwei ergibt. „Natürlich, also nur wenn du das auch willst, aber wir freuen uns denke ich alle sehr, wenn du hier bleibst.“ „Das tun wir allerdings!“, meint Sam, der zusammen mit Natasha und Wanda im Türrahmen steht, anscheinend sind sie gerade gekommen und ich kann nicht anders als zu lächeln. „Wow, danke Leute, natürlich wäre ich gerne Teil des Teams, ihr müsstet mir dann nur noch sagt, was dieses Team überhaupt macht, und ich bin so was von dabei!“ Wanda schmunzelt und die drei kommen rein und setzen sich um den kleinen Sofatisch herum. Steve und ich tun es ihnen gleich und ich werfe ihm erneut einen dankbaren Blick zu. Es ist unglaublich, was ein einziger Tag alles verändern kann. Ich bin nicht daran gewöhnt, so schnell bei anderen aufgenommen zu werden, alles was ich kenne ich das wechseln von Vertrauen und Misstrauen in Wakanda. Die einen, die mich am liebsten wegsperren würden und die anderen, die meine Kenntnisse nutzen. Und T’Challa und Shuri, die anders als die meisten tatsächlich Freunde von mir geworden waren, bis ich… Ich merke, wie meine Stimmung kippt und schiebe schnell den Gedanken beiseite. Auf jeden Fall ist es ein unbeschreibliches Gefühl, so vielen tollen Leuten zu begegnen, die mich mit Freunden und ohne zu zweifeln in ihre Reihen aufnehmen. „Danke Leute, das ist so wundervoll von euch! Ich fühle mich definitiv geehrt.“ „Solltest du, Mädchen, solltest du!“, erwidert Sam keck und ich grinse ihn mit einem Augenrollen an.

    „Also lasst uns loslegen, ich werde dann mal für alle die Lage zusammenfassen.“, beginnt Steve nach ein paar Minuten Small-talk und eröffnet die Arbeit an der Mission meine Vergangenheit ans Licht zu bringen.
    Kurz fasst er alles zusammen, was wir haben, notiert sich jeden Punkt einzeln auf einem neuen Zettel, um sie dann später genau so and die Wand zu pinnen.
    Da sind vor allem die Beschreibungen meine Träume und Flashbacks, die ich hatte, aber auch Daten über mich persönlich, Größe, Augenfarbe und so weiter, dann noch die Dinge, wie dass ich mich an das Gesicht von Everett Ross erinnern kann, aber nicht weiß woher. Außerdem all die verschiedenen Identitäten, die ich in der Vergangenheit hatte und in der Zeit kurz nach meinem Unfall herausgefunden habe. Alle meine verschiedenen Fähigkeiten werden aufgelistet, meine Kenntnis über Waffensysteme, meine Zielgenauigkeit, meine Nahkampftechnik, mein Wissen über Medizin, spezialisiert das Gehirn und die Neuronen beziehungsweiße das Nervensystem des Menschen. Als wir damit durch sind, gehen wir in das Chaos-Zimmer zu einer Stelle der Pinnwand, die Steve und Sam anscheinend während unserer Abwesenheit freigeräumt haben. Dann fangen wir an, alles was wir an Informationen gesammelt haben irgendwie anzuordnen, damit sich an Ende ein ordentliches Bild ergibt und wir gehen einen Schritt zurück um uns alles anzuschauen.
    „Irgendwelche Theorien?“, fragt Sam nach ein paar Minuten Bedenkzeit und ich halte mir die Schläfen. All das ist extrem anstrengend und aufreibend für meine Nerven und ich blicke erschöpft in die Runde. Nach einer Weile meldet sich Wanda zu Wort. „Also das hast ja schon gesagt, dass du wahrscheinlich nichts Legales gemacht hast, deine falschen Identitäten sprechen auf jeden Fall dafür. Außerdem kurz ein Kompliment zu den kurzen schwarzen Haaren, sieht klasse aus!“ Ich gluckse und verdrehe die Augen, höre dann aber weiter zu, als sie fortfährt. „Der Winter Solider wurde geschickt, um dich zu eliminieren, das bedeutet du warst wichtig. Und gegen Hydra. Was hast du gemacht, um die zu ärgern?“ Niemand antwortet, also führt sie ihre Gedanken weiter aus. „Was, wenn du Agentin eines anderen Geheimdienstes warst, die etwas zu viel über Hydra rausgefunden hat?“ Ich beiße mir auf die Lippe, es erklärt die Spionage, die Kampftechnik, die Waffenkenntnis, vielleicht war ich auch sowas wie die Ärztin im Außeneinsatz, weshalb ich mich damit auskenne, aber es passt nicht mit dem zusammen, was ich bis jetzt verschwiegen habe. Mein letzter Traum hat mir etwas klar gemacht, was mir nun offen ins Gesicht schreit, doch ich will es nicht wahrhaben. „Das ergibt Sinn. Es gibt nur ein Problem.“ Alle Aufmerksamkeit ist nun auf mich gerichtet und ich hebe den Kopf. „Da ist noch etwas. Etwas and das ich mich erinnern kann.“ Steves Mimik nimmt eine alarmierte Form an und er sieht besorgt von mir zu Natasha und zurück. „Ich war dort. In der Basis. In der Basis von Hydra, dort wo die Winter Soldier untergebracht waren. Ich habe nicht gegen Hydra gearbeitet, viel schlimmer.“ Entgeisterte Blicke, die auf meinen verletzten treffen und ich senke den Blick wieder zu Boden. „In Wakanda habe ich einen Test durchgeführt, Bucky und ich… Wir haben die gleichen-“ Ich finde nicht die Kraft, den Satz zu ende zubringen. Ich kann das nicht aussprechen, auch wenn es wahr ist. Sam und Wanda sehen sich fragend und verständnislos an, doch Steve und Natasha wissen genau wovon ich spreche und kommen beide zu mir um mich zu beruhigen. „Ist nicht deine Schuld.“, ist das erste was in mein Bewusstsein vordringt und ich schnaube. „Ich habe für Hydra gearbeitet, ich hatte genauso wie Bucky die Grundlagen für die Gehirnwäsche in meinem Gehirn, aber sie waren nicht aktiv. Jemand könnte den gleichen Einfluss auf mich haben, wie sie auf ihn hatten, aber das hatten sie nicht. Ich habe nicht für die gearbeitet, weil sie in meinem Kopf waren, sondern weil ich Angst hatte.“, rufe ich und befreie mich auf dem Griff der beiden Ex-Avengers.
    Stille.
    Einen Moment starren alle in meine Richtung, dann auf den Boden. Ich drehe mich weg und schließe die Augen. Oh verdammt, was hab ich wieder angestellt.
    Noch bevor ich etwas tun kann, um mich zu entschuldigen, erhebt Wanda die Stimme: „Bist du dir sicher? Also kannst du dich wieder an das alles erinnern?“ Ich seufze und schüttle den Kopf, noch immer mit dem Rücken zu den anderen, da legt jemand seine Hand auf meine Schulter. „Dann kannst du nicht davon ausgehen, dass du das freiwillig gemacht hast. Vielleicht hattest du keine Wahl, zumindest spricht dein gesamtes gegenwärtiges Verhalten dafür, dass du nie wirklich auf deren Seite warst und selbst wenn… dann ist das nicht wichtig für die Zukunft, weil du jetzt anders bist. Verstehst du?“ Dass Natasha so eine Warmherzigkeit in ihre Stimme legen kann, wusste ich noch gar nicht, aber sie erfüllt definitiv ihren Zweck und ich spüre wie sich mein Atem wieder reguliert. Ich schlucke und drehe mich zu ihr. „Danke, Tash. Ich danke euch, aber damit ist die Sache für mich nicht abgeschlossen.“ Steves Mundwinkel wandern nach oben und er sieht zu Sam, der verschmitzt in seine Richtung grinst. „Für uns auch noch lange nicht, wir finden raus was mit dir passiert ist, was glaubst du, wie lange ich auf so einen Spaß gewartet habe?“, meint der Falcon und ich ziehe mit einer Mischung aus Verwunderung und Belustigung die Augenbrauen zusammen. Dann nicke ich und er reckt die Fäuste in die Luft. „Alles klar, dann geht’s los. Wir rekonstruieren dein komplettes Leben, wenn du das willst, wir untersuchen jedes einzelne Detail, dass wir haben, bis wir genug wissen, damit du wieder beruhigt schlafen kannst!“


    Einige Monate sind vergangen, seit ich in der Farm in Italien angekommen bin und seitdem hat sich einiges verändert. Das Hauptquartier, oder auch unsere XXL WG ist immer wohnlicher geworden (wer hätte gedacht, dass ich jemals mit den Ex-Avengers ein Zimmer streichen würde), die Zimmer eingerichtet, meine Sprachkenntnisse sind inzwischen auf einem völlig anderen Niveau und auch die Recherche über mein vergangenes Leben wird immer weiter vorangetrieben.
    Im Moment sind dabei ihre Sachen zu packen, denn in der nächsten halben Stunde machen wir uns auf den Weg in die USA, um dort die Recherche zu meinen Fake-Identitäten fortzuführen. In Europa haben wir bereits alle interessanten Leute abgeklappert, die geglaubt haben, mich zu kennen, also bleiben nur noch 4 Zielpersonen. Chicago, Phönix, Rock-Springs und Orlando sind die Städte, die es zu bereisen heißt und alle sind wegen der gesamten Mission ziemlich aufgeregt.
    Verständlich, wenn man bedenkt, dass sie alle quasi auf der Flucht sind und sich jetzt wieder ins feindliche Gebiet wagen. Steve, Wanda, Sam und ich versuchen sie auszumachen und alles irgendwie Mögliche über sie herauszufinden, was wir vorher noch nicht wussten. Wenn möglich eine Befragung zu meiner angegebenen Persönlichkeit durchführen, ohne dass sie das merken und dann wieder von Natasha abgeholt werden, die in diesem Fall nur den Taxifahrer spielen darf. Sie ist damit aber einigermaßen zufrieden, weil sie von dem Jet, mit dem ich hergekommen bin absolut begeistert ist und außerdem mit ein bisschen Technik-kram einiges mehr anfangen kann als wir alle. Also versucht sie weiterhin durch „online-recherche“, wie sie es nennt (hacking) mehr über die Leute herauszufinden, denen ich etwas von mir erzählt haben könnte. Vielleicht finden wir so eine frühere Kontaktperson von mir heraus, die weiß, wer ich tatsächlich bin, oder wir können mehr über mein Leben erfahren, indem wir die falschen Informationen zusammensammeln, die ich mit großer Sorgfalt verteilt habe. Wir haben bisher bereits drei falsche Identitäten ausfindig machen können, die beinahe perfekt waren, es gab sowohl Bankkonten, als auch Personalausweise, Krankenversicherungen und so weiter. Entweder eine davon bin tatschlich ich – unwahrscheinlich-, oder ich war verdammt vorsichtig. Bei den anderen Leuten, reichte meistens irgendeine gefälschte Urkunde, ein Führerschein, den ich mal so gezeigt habe oder so etwas in der Art. Manche waren wohl auch mit mir befreundet, haben also nichts außer mein Wort für Wahrheit gehalten, was ja auch logisch ist. Wer verlangt denn bitte von seinem Freund einen Beweis, dass er der ist, für den er sich ausgibt, oder fragt nach einem Perso?


    „Steve?“ Langsam betrete ich den komplett dunklen Raum, in den ich ihn habe gehen sehen. Mit zusammengekniffenen Augen taste ich mich voran, bis ich unsanft gegen seine Bettkante stoße. „Autsch!“, zische ich und beiße die Zähne zusammen. Was ist denn los mit ihm? „Steve?“, frage ich erneut und etwas regt sich unter der Decke. Oh verdammt, er ist tatsächlich schlafen gegangen? Wie kann jemand so schnell in seinem Zimmer verschwinden und eine Minute später schon im Bett sein? „Tut mir leid, schläfst du schon?“, flüstere ich besorgt und trete wieder einen Schritt zurück. „W.. Hallo?“, fragt er verschlafen und macht das Licht an. Sofort kneifen wir beide die Augen zusammen und ich räuspere mich. „Nat?“, fragt er und setzt sich auf. „Tut mir leid, ich wusste nicht-“, setze ich zu einer langen Entschuldigung an, doch er habt die Hand, um mich zu unterbrechen. „Schon gut, was ist?“ Ich hebe die Schultern und weiß erst einmal nicht, was ich sagen soll, doch sein fragender Blick durchbohrt mich praktisch, also schlucke ich und erkläre: „Ich will nach Sibirien.“
    Steve blinzelt ein paar Mal und scheint sich das ganze durch den Kopf gehen zu lassen. Er weiß genau was ich meine, ich will mir die Hydra-Basis ansehen, in denen die Winter-Solider waren. Die Basis, die ich meinen Träumen? Erinnerungen? Was auch immer sehen konnte.
    Er seufzt schließlich und steht auf. „Bist du sicher?“ Ich nicke. Ich bin mir sicher, es kann ja auch nicht wirklich etwas schief gehen, oder? „Ich hab das Gefühl ich sollte mir das mal ansehen, schauen, ob es wirklich eine Erinnerung war, oder ich mir das nur zusammengereimt habe. Das menschliche Gehirn ist so komplex, ich kann mir nie sicher sein, dass ich das wirklich gesehen habe, was ich glaube gesehen zu haben, wirklich dort zu sein könnte mir helfen, das herauszufinden.
    Also versuche ich Steve das zu erklären und er nickt.
    „Also gut, es ist aber ziemlich kaputt nach dem was…“ „Du musst nicht mitkommen.“, unterbreche ich ihn, als ich seinen Gesichtsausdruck sehe. Vielleicht ist es zu früh in damit zu konfrontieren, was vor einiger Zeit dort vor sich gegangen ist. Seine Auseinandersetzung mit Tony Stark hat ihn mehr getroffen, als er zugeben möchte.
    „Ich will dich nicht in diese Situation bringen, es ist okay, wenn du diesen Ort nie wiedersehen willst.“ Er schüttelt den Kopf und ich seufze. Er denkt wirklich immer das es seine Pflicht so unendlich stark zu sein. Steve hat ein ziemliches Problem damit Schwäche zu zeigen und ich habe Angst, dass es ihn eines Tages komplett zerstören wird.
    „Mir geht es gut! Wir fliegen nach Sibirien. So bald wie möglich, wo sind die anderen?“ Ich setze zu einer Antwort an, doch er ist bereits an mir vorbei aus dem Raum gegangen.
    Einen Moment bleibe ich einfach reglos stehen, mein Blick auf den Boden gerichtet, meine Gedanken auf Steve fixiert, darauf wie er immer härter und kälter wurde in diesem letzten halben Jahr. Es tut nicht gut immer eine so große Last wie er allein zu tragen, doch er lässt kaum jemanden an sich ran.
    Ich wette Bucky könnte ihm helfen, ihn wieder ein bisschen aufwärmen, aber ich habe keine Ahnung, ob er inzwischen aufgewacht ist. Und die Schuldgefühle die über mich schwappen, sobald ich daran denke, dass wir ihn beide dort allein gelassen haben, halten mich davon ab, zu oft darüber nachzudenken.

    „Also. Das hier wird eine reine Aufklärungsmission. Wir fliegen hin, Natalie und ich gehen rein. Sam und Wanda, ihr sichert die Umgebung und Natasha, du bleibst im Jet. Wir sind so kurz wie möglich da, klar? Keine Zeitverschwendung, sobald wir haben, was wir brauchen sind wir da raus. Ihr haltet euch bereit sofort abzubrechen, dann geht es sofort zurück zum nächsten Stützpunkt.“
    Ja, in den letzten Monaten haben wir in den USA, Europa und Asien verschiedene relativ sichere Verstecke aufgebaut, wobei wir trotzdem die meiste Zeit in Italien verbringen, weil es dort mit Abstand, am bequemsten ist. Die anderen Stützpunkte, wie Steve sie nennt sind eher notbedürftige, gerade so regendichte Unterkünfte.
    „Alles klar, bereit machen zur Landung!“, rufe ich vom Pilotensitz und alle setzen sich auf ihre Plätze.
    Mit einigen Knopfdrücken und den kurzen herumschwenken der Controller landen wir auf dem Schnee vor der Ruine und ich seufze, als Steve mit nichts außer einem Nicken den Jet verlässt. „Hast du hier alles im Griff?“, frage ich Natasha, die nun die einzige ist, die noch mit mir drinnen ist. „Ja, geh nur! Ich warte hier wie befohlen…“ Ich werfe ihr noch einen zerknirschten Blick zu, bevor ich dann hinaus in die Kälte steige und sofort meine Arme um meine Brust schlinge. Dieser Schneesturm ist wirklich nicht mein Wetter.
    Steve wartet schon vor den Toren der Ruine auf mich und ich gehe auf ihn zu. „Also, geht die Tür hier noch?“, frage ich nach einer unangenehmen Stille und er seufzt. „Selbst wenn, sie ist gesichert.“ Ich nicke und schaue an ihm vorbei auf das Zahlenblatt. Wie in Trance gehe ich darauf zu und schließe die Augen. „Was machst du da?“, fragt der Captain und ich hebe die Hand, seine Stimme komplett ausgeblendet. „Lass mich mal machen.“, flüstere ich und tippe eine sechsstellige Zahl ein. Sofort ertönt ein Klicken und die Tür wird entsperrt. Steve starrt mich verwirrt an und runzelt die Stirn. „Hilfst du mir kurz?“, frage ich und zerre and der einen Tür, die sich nur um Millimeter bewegt. „Klar!“, murmelt er und schiebt die beiden Türen auseinander, sodass wir durchkönnen.

    „Warum hat niemand diese Leichen entfernt?“, rufe ich, als wir am Ende des Ganges in eine große Halle eintreten und verziehe das Gesicht bei dem schrecklichen Gestank. „Ist das alles was dir dazu einfällt?“, meint Steve und sieht mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. Ich zucke zusammen wegen seiner schlechten Laune und schlucke. Ich versuche ja mich zu erinnern, aber es passiert nichts. Steve steht ein Stück weiter in der Halle, seine Haltung abweisend und er sieht sich um in dem gigantischen Raum. Die Kapseln mit den anderen Winter-Soldier, den ermordeten Winter-Soldier jagen mir einen Schauer über den Rücken und wieder sehe ich den Traum vor mir in dem ich genau hier entlanggelaufen bin.
    „Also? Irgendetwas, an das du dich erinnern kannst?“, fragt Steve und ich trete langsam weiter in den Raum hinein. „Nichts bestimmtes, nein.“, gebe ich resigniert zurück und ziehe die Augenbrauen zusammen in einem weiteren Versuch irgendetwas hervorzubringen aus meinem Gehirn.
    Er seufzt und kratzt sich am Nacken. „Okay.“, seine Stimme nimmt einen sanften Ton an und ich sehe überrascht auf. Das ist die Seite von ihm, die ich in letzter Zeit eher seltener zu Gesicht bekommen habe. „Was verbindest du denn mit diesem Ort. Irgendein Gefühl?“ Ich schlucke. Ja, da gibt es tatsächlich etwas. „Angst. Ich bin schon oft hier gewesen, es hat etwas vertrautes, aber ich hatte Angst.“, füge ich hinzu, um ihm ein besseres Bild zu verschaffen. „Ich erinnere mich nicht an eine bestimmte Situation, aber ich habe hier einige Zeit verbracht, gezwungener Weise. Der Ort ist erdrückend für mich.
    Er nickt und scheint weiter nachzudenken, was man tun könnte, um mehr Erinnerungen aus mir herauszuholen. Währenddessen laufe ich weiter an den Kapseln vorbei, bemüht, den Winter-Soldiers nicht in die Augen zu sehen. Die schwache Beleuchtung sorg dafür, dass ich nicht genau erkennen kann, wie weit der Raum noch geht, jedoch sehe ich deutlich die Maschine, auf die ich gerade zusteuere. Ich sehe sie sowohl vor mir, als auch vor meinem inneren Auge. Ich kenne sie. Schlimmer noch, ich habe sie programmiert.
    Ich spüre, wie meine Hand zu zittern beginnt. Mein Atem geht rasselnd, als ich nahe genug bin, um sie mir genauer anzusehen. Ich habe diese Maschine studiert, ich habe die Baupläne dazu gezeichnet, aber nicht bauen lassen. Sie war schon vor mir da gewesen.
    Das ergibt keinen Sinn, warum würdest du Baupläne von etwas zeichnen, dass schon gebaut ist?, beginne ich ein stilles Selbstgespräch. Was, wenn Hydra die Pläne verloren hat und ich sie deshalb rekonstruieren sollte? Eine Möglichkeit, jedoch kein Fakt, also werde ich damit wohl eher weniger anfangen können. Wozu würde die Hydra jemanden wie dich denn brauchen? Urg, diese Frage ist eine der vielen, die mich schon seit geraumer Zeit quälen. Ich weiß es einfach nicht.
    Langsam mache ich einen letzten Schritt und strecke die, noch immer zitternde Hand nach dem Gerät aus. Der Moment in dem ich es jedoch berühre, zucke ich zurück. Es fühlt sich so kalt an. So vertraut.
    Dann auf einmal kommen Bilder in mein Bewusstsein. Sie zucken vor mein inneres Auge und lassen mich kurz aufschreien. Sofort ist Steves Aufmerksamkeit auf mich gerichtet und er marschiert schnurstracks mit besorgtem Gesichtsausdruck auf mich zu. Immer mehr Teilerinnerungen schießen durch meinen Kopf und meine Hand schnellt an meine Schläfe, obwohl ich weiß, dass ich nichts dagegen tun kann. Langsam merke ich, wie meine Knie weich werden bei dem Überfluss an Information und meine Sicht wird benebelt. Nein, Schluss damit! Du wirst jetzt bloß nicht ohnmächtig! Ein und Ausatmen, langsam, aber bestimmt. Meine rechte Hand gleitet zu meinem Linken Handgelenk und ich presse Zeige- und Mittelfinger auf die Pulsschlagader. 1…2…3… Steve ist inzwischen bei mir angekommen und öffnet den Mund, doch ich verstehe nicht, was er mir sagen will. Dann legt er mit gerunzelter Stirn meinen Arm um seine Schulter und gibt mir so neuen Halt. Ich spüre, wie sich mein Atem wieder beruhigt und sich auch mein Puls wieder normalisiert.
    „Es geht mir gut, danke!“, meine ich nach einer Weile und löse mich von Steve. „Was ist passiert?“, fragt er sofort, noch immer nicht von meinem Wohlbefinden überzeugt. „Ist schon okay, ich hab nur…“ Ich stocke. Ja, was ist denn tatsächlich vorgefallen? „Ich hab mich erinnert. An vieles. Auf einmal. Es war zu viel für den Moment, aber jetzt geht’s wieder.“ Er nickt und wartet einen Augenblick bis er dann mit einem Anflug von Ungeduld fragt: „Was hast du gesehen? An was hast du dich erinnert?“ Ich brauche kurz Zeit, um mir die Frage selbst zu beantworten, denn dass alles gleichzeitig wieder in meinen Kopf zurückgekommen war, macht es nicht gerade leicht, den Überblick zu behalten. Dann beginne ich zu erzählen:
    „Ich… Ich habe gesehen, wie ich hergebracht wurde. Ich weiß nicht wann, woher ich kam, keine Details, nur, dass sie wollten, dass ich mir die Maschine ansehe. Es gab Probleme damit und ich sollte sie beheben. Ich hab mein Bestes getan, aber ich hatte keine Baupläne, also musste ich das alles selbst machen. Ich habe sie umprogrammiert, und sie haben sie an mir getestet.“ Ich halte einen Atemzug inne, die Erinnerung an den grausamen Schmerz wieder frisch in meinem Gehirn. „Es hat nicht so funktioniert, wie sie wollten, also habe ich weiter daran gearbeitet. Ein paar Wochen, vielleicht Monate, ich weiß nicht genau, es muss aber eine Weile gewesen sein, denn ich erinnere mich an den Stress und die Verzweiflung an dieser Maschine.
    Dann gibt es ja auch noch die Erinnerung von der ich dir erzählt habe. Ich war dort hinten.“ Ich deute auf den abgetrennten Raum, von dem aus man durch eine Glasscheibe das alles beobachten kann. „Ich habe zugesehen, wie sie sie an Bucky benutzt haben. Anscheinend hat das alles funktioniert, aber ich habe versucht sie davon abzubringen. Ich weiß nicht mehr wieso.“, füge ich seufzend hinzu.
    „Aber das ist doch gut für den Anfang.“, versucht Steve mich aufzumuntern. „Hat ja niemand erwartet, dass du hier hereinkommst und auf einmal alles erzählen kannst, was hier passiert ist. Auch ohne en Unfall könntest du das wahrscheinlich nicht, das ist normal.“ Ich nicke, schenke seinen Worten aber keine große Bedeutung. Ich will mehr wissen und ich weiß genau, dass ich auch noch mehr in Erfahrung bringen kann.
    „Da war noch etwas.“ Er sieht auf und hebt abwartend die Augenbrauen. „Als ich noch in Wakanda war und versucht habe Bucky zu heilen, da habe ich festgestellt, dass ich die gleichen Veränderungen in meinem Gehirn habe wie er, nur dass sie bei mir nicht aktiv waren. Sie haben das mit der Gehirnwäsche auch an mir ausprobiert, denke ich, ich erinnere mich aber nicht daran. Aber es ergibt Sinn, w-“ „Weil du auch in der Maschine warst.“, beendet Steve meinen Satz und ich bestätige seine Überlegung. „Richtig. Und das bedeutet, dass es bei mir nicht funktioniert hat, aber auch, dass sie mich für andere Dinge benötigten, als nur die Maschine und meine Kenntnis über das menschliche Gehirn.“ „Das ergibt Sinn, aber weißt du irgendetwas, was auch darauf hindeutet?“, fragt er nach und ich schließe angestrengt meine Augen. Dann beiße ich mir auf die Lippe.
    „Ich weiß, dass ich hier einige Zeit verbracht habe. Ich glaube kaum, dass sie mich haben rausgehen lassen, also muss es hier drin noch andere Räume geben, denkst du nicht?“, überlege ich laut und Steve lässt sich den Einwand durch den Kopf gehen. „Du glaubst also, dass diese Basis noch größer ist als ursprünglich erwartet?“ Ich nicke und sehe ihn erwartungsvoll an. „Dann machen wir uns mal auf die Suche.“
    Wir teilen uns auf und beginnen, die Basis auseinander zu nehmen. Über Com-Links in Kontakt, versuchen wir alles, um etwas zu finden. Irgendetwas, dass mir helfen könnte, der kleinste Hinweis, doch da ist nichts. Nichts was meine Erinnerungen aktiviert oder irgendetwas bestätigt.
    Resigniert begeben wir uns nach unendlicher Suche wieder auf den Heimweg, nach Italien.
    Mit halbgeschlossenen Augen und hängenden Schultern sitze ich auf meinem Platz im Jet und seufze vor mich hin. Es fühlt sich einfach an wie eine Niederlage, obwohl wir rein gar nichts verloren haben. Außer Zeit vielleicht, aber davon haben wir ja genug…
    „Hey, nicht den Kopf hängen lassen, ja?“ Natasha setzt sich zu mir und legt ihre Hand auf meine Schulter. „Wir sind doch vorangekommen, findest du nicht?“ Ich blicke auf mit gerunzelter Stirn. „Ach ja?“, frage ich kraftlos und sie lächelt. „Naja, wir haben doch einiges erfahren. Du hast dich erinnert. Sobald wir wieder im HQ sind, rekonstruieren wir den kompletten Ablauf der Ereignisse, okay? Ich denke, wir können schon ziemlich viel auffüllen, nach all den Suchen. Außerdem läuft mein Algorithmus noch und müsste bald durch sein, dann können wir endlich feststellen, welche von deinen Identitäten die Richtige ist.“ Meine Augen leuchten auf. Richtig, ich hatte ganz vergessen, dass wir auch dort noch einen Anhaltspunkt haben.
    „Schon besser!“, kommentiert die Ex-Agentin meinen Stimmungsumschwung und gemeinsam gehen wir zurück ins Cockpit um den Auto-Pilot abzulösen.

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Kommentare (6)

autorenew

vor 153 Tagen
pünktlich zu Weihnachten gibt es jetzt ein drittes Kapitel. Ich hoffe es gefällt euch, bald gehts auch weiter, ich werde mich jetzt echt ransetzen und das projekt hier voranbringen. Wie es dann mit Infinity-war aussieht, kann ich noch nicht sagen, wenn ihr Ideen und Wünsche habt, immer her damit ;)
Bis dahin,
frohe Weihnachten und schöne Ferien!!
vor 246 Tagen
Omg,das ist so cool,unbedingt weiterschreiben
vor 267 Tagen
Kapitel 2 ist da! Bald muss ich den Titel ändern, denn Natalie verlässt das sichere Land noch vor den Ereignissen von Black Panther.
vor 276 Tagen
Wirst du weiter schreiben?
vor 331 Tagen
Ich hoffe es zumindest sehr, weil ich hab eine leise Vermutung, was mit Nathalie los ist und möchte unbedingt wissen, ob ich Recht habe
vor 438 Tagen
Das ist einfach so verdammt gut geschrieben ... Wow. Ich finde es richtig gut. Machst du weiter?