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Wind und Asche 5

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2 Kapitel - 1.994 Wörter - Erstellt von: Torden! - Aktualisiert am: 2018-02-03 - Entwickelt am: - 391 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Nach den Ereignissen in Seoul und Sibirien kehrt Team Shadow zum Fort zurück. Tayo, Hjördis, Kallik und Aaron sind tot, grauer Schnee fällt und weitere Katastrophen bahnen sich an.
Léandra zieht es auf das Dach zurück und Tulio sehnt sich in seiner Zelle nach dem Himmel.

Der Nachfolger von World of Mystik.

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    Alle Gänge sehen gleich aus. Es ist dasselbe blaue Linoleum, dieselben verputzten Wände. Ich war bewusstlos, als sie mich in den gefliesten Raum bra
    Alle Gänge sehen gleich aus. Es ist dasselbe blaue Linoleum, dieselben verputzten Wände. Ich war bewusstlos, als sie mich in den gefliesten Raum brachten. Selbst wenn ich aus meiner Zelle ausbreche, werde ich niemals den Weg nach oben finden.
    Meine Zelle ist offenbar nicht die einzige in diesem Bereich des Gebäudes. Weitere Türen reihen sich nebeneinander, insgesamt acht. An keiner Tür befindet sich eine Nummer oder ähnliches und alle sind geschlossen. Wie viele wohl besetzt sind?
    Fünf Wölfe begleiten mich. Ob es diejenigen sind, die mich bereits bei meinem letzten Fluchtversuch eskortierten, kann ich nicht sagen. Keiner von ihnen hinkt, also wird zumindest nicht Zu-dumm-um-von-der-Tür-fernzubleiben dabei sein. Vielleicht ist er krankgeschrieben.
    Die Bewegung tut gut. In meiner Zelle bin ich bestimmt schon einen Marathon gegangen. Einen sehr öden, runden Marathon, ohne den Nervenkitzel durch die anderen Teilnehmer. Ich bin noch nie einen Marathon gelaufen, aber sobald ich hier raus bin, fange ich damit an. Ich befreie alle anderen Insassen und wir rennen nach oben und bleiben nicht mehr stehen, bis wir 42, 195 Kilometer von dieser Anstalt entfernt sind. Wer will, kann weiterlaufen. Wie pathetisch.
    Vorerst muss ich mich damit begnügen, schweigend zwischen den Wölfen zu schlurfen. Bis auf ein ruppiges „Mitkommen“ haben sie kein Wort mit mir gesprochen. Aber was habe ich erwartet? Natürlich werden sie keinen freundlichen Plausch über das Wetter und die neue Frisur der Wissenschaftlichen Leitung halten. Möchten Sie noch etwas Maracujacremetorte dazu?
    Bei dem Gedanken schmunzle ich. Nach dem Marathon gibt es Torte. Yeah, Tortenschlacht!
    Die Wölfe führen mich um mehrere Ecken und diverse Gänge. Eine Treppe lässt mich aufatmen. Mit jeder Stufe komme ich der Erdoberfläche näher. Ich kann den Himmel fast schon spüren. Leider sind es nur zwölf Stufen und die Illusion zerplatzt.
    Nach einer weiteren Ecke bleiben die Wölfe vor einer schlichten Metalltür mit Plexiglasscheibe stehen. Ich stolpere in meinen Vordermann. Sofort richten sich alle Betäubungsgewehre auf mich. Abwehrend hebe ich die Hände. Hinter mir wird eine Waffe entsichert, vermutlich ist es kein Betäubungsgewehr.
    „Ihr könnt mich auch vorwarnen, wenn ihr stehen bleibt,“ grummel ich. „Kein Grund zur Panik.“
    Sie geben mir keine Antwort, sondern öffnen die Tür.
    Ich habe mit Vielem gerechnet, aber nicht mit dem hier. Statt eines mutierten Zahnarztstuhls, der mit allerlei Bohrern, Zangen und Messern ausgestattet ist, ideal um die Wahrheit aus mir herauszukitzeln, erwartet mich ein vollausgestattetes Fitnessstudio.
    An der Wand reihen sich Ergometer und auch einige Rudergeräte. Klimmzugstangen, Hantel, Crosstrainer, aber auch diese komischen Kisten, mit denen man Step-Aerobic macht und Yogamatten. Verwirrt mustere ich meine Begleiter. Diese Kerle in der Schildkrötenposition zu sehen…
    Von diesem Fitnessraum gehen noch drei weitere Türen ab. Klettern steht auf der einen, Umkleiden auf der anderen. Mich würde es nicht wundern, wenn hier noch irgendwo ein Schwimmbad versteckt ist.
    Die dritte Tür ist unbeschriftet. Natürlich führen mich die Wölfe dorthin.

    Freude breitet sich kribbelnd in meinem ganzen Körper aus, als ich sehe, dass mich keine Streckbank erwartet. Ein paar Zentimeter größer zu sein ist zwar schön, aber nicht, wenn deine Eingeweide zerreißen.
    Stattdessen steht etwas vergleichsweise harmloses mitten im Raum. Ein Laufband. Dann komme ich heute doch noch zu meinem Marathon.
    Die medizinischen Gerätschaften an den Wänden sind mir jedoch suspekt. Computerbildschirme, Rechner, Unmengen von Kabeln und anderes technisches Zeug. In einem Hängeschrank befinden sich Behälter mit Flüssigkeiten und Tabletten. Schade, dass Noa oder Nicholás nicht hier sind. Sie könnten mir sagen, was das alles ist.
    Aber eigentlich kann ich es mir bereits denken.
    Rika Takahashi erwartet mich bereits. Die Japanerin hat meine Verhöre geleitet, bevor Archer herkam. Ich bin froh darüber, dass sie seiner Aufräumaktion nicht zum Opfer gefallen ist. Sie ist während der Befragung immer freundlich, aber bestimmt geblieben. Keine Gewaltandrohungen, sondern nur die üblichen Psychotricks. Äußerlich ist sie nichts besonderes, ihren Job beherrscht sie aber wie keine Zweite.
    Neben ihr steht ein beleibter, dunkelhäutiger Mann im Arztkittel. Er ist kleiner als ich und seine krausen Haare sind komplett grau. Das spannendste an ihm ist sein Kittel. Wie jeder gute Arzt hat er einen Kugelschreiber in seiner Brusttasche stecken. Allerdings läuft dieser Kugelschreiber aus. Ein großer blauer Fleck hat sich auf dem Stoff gebildet. Offenbar nicht das erste mal. Zahlreiche verblasste Flecken auf dem Kittel zeugen vom ganz besonderes Talent dieses Mannes, Stifte zu ermorden.
    „Guten Morgen Mister Cubilla, darf ich Ihnen Dr. Quaye vorstellen? Er wird Ihr heutiges Gesundheitsprogramm überwachen“, verkündet Takahashi in ihrem gewohnt sachlichen Tonfall.
    Nein, dürfen Sie nicht, denke ich, während ich brav Dr. Quayes Hand schüttle. Geziert angewidert wische ich meine Hand an meiner Hose ab.
    „Mr Cubilla, wir werden heute einige Leistungstests mit Ihnen durchführen. Es wird nicht dramatisch sein und ich hoffe, dass Sie mit uns kooperieren,“ erklärt er. Seine Stimme klingt wie Schmirgelpapier.
    Seine weiteren Erklärungen überhöre ich. Der Kerl soll sich zuerst selbst um seinen Körper kümmern und mir dann Anweisungen geben. Dennoch folge ich seiner Bitte mein Oberteil auszuziehen, damit er die Pads, die später meinen Puls und meine Atmung überwachen sollen, anbringen kann. Der Klebstoff kratzt unangenehm und es graut mir bereits jetzt vor ihrer Entfernung.

    Die Geräte piepen gleichmäßig, aber schneller als mir lieb ist. Die Wochen in der Zelle fordern ihren Tribut. Ab und zu mache ich zwar Liegestütze und andere kleine Übungen aus Langeweile, aber wie schon erwähnt, gestaltet sich Laufen in der Zelle als schwierig. Deshalb bin ich auch dankbar, dass ich meine Beine und meine Lunge wieder fordern kann.
    Auf der Stelle zu laufen ist öde. Im Fort bin ich immer an der Palisade entlang gejoggt oder habe kleine Abstecher in die Umgebung gemacht. Manchmal haben mich andere Leute begleitet. Die Gesellschaft gefiel mir.
    Heute ist es anders. Seit fünf Minuten spuken die Fragen aus meinem ersten Verhör durch meinen Kopf. Wie ist Ihr Name? Wie alt sind Sie? Seit wann sind Sie so alt?
    Harmlose Fragen, die ich gut und gerne beantworten konnte. In diesem Leben bin ich tatsächlich genauso alt wie ich aussehe. Siebzehn gefällt mir. Ich hasse es als ewiger Zwölfjähriger herumzulaufen, man wird einfach nicht ernst genommen.
    Wie viele Leben haben Sie gelebt? Gute Frage, ich habe nämlich keine Ahnung. Mehr als die anderen Drei, das ist klar.
    Woran erinnern Sie sich? Als Takahasi mit diese Frage gestellt hatte, habe ich sie entgeistert angestarrte. Das konnte nicht ihr Ernst sein. Es ist eine so lange Zeit und ab einem unbestimmten Punkt verschwimmt alles. Unser Gedächtnis ist nicht perfekt. Ich erinnere mich an viele Leben nur noch bruchstückhaft. Von einigen Sachen bin ich mir noch nicht mal sicher, ob es meine Erinnerungen sind. Ich könnte von ihnen gelesen oder gehört haben und mir einbilden, dass es meine Erinnerungen sind. Quellenamnesie nennt Lapis es.
    Können Sie mir etwas von ATLAS erzählen? An dieser Stelle habe ich ihr nur das erzählt, was SIA ohnehin schon weiß. Es könnte aber sein, dass mir ein paar neuere Informationen herausgerutscht sind.
    Bei den Fragen über Lapis, Marina und Kallik habe ich dicht gemacht. Nein danke, ich werde meine Freunde/Feinde/Familie/Was zur Hölle? nicht verraten.
    Gerade als ich über die nächste Frage nachdenken will, öffnet sich die Tür.
    „Mr Nygaard schickt mich, damit ich euch über die Schulter schaue“, höre ich eine leise Stimme. Ich verdrehe den Kopf, um einen Blick auf die Sprecherin zu erhaschen, doch Dr Quaye versperrt mir die Sicht.
    „Hat er wieder einen schlechten Tag?“, fragt Takahashi mitfühlend.
    „Er hat immer einen schlechten Tag,“ grummelt der Doktor und tritt einen Schritt zur Seite.
    Mir stockt der Atem und ich knalle gegen die Haltegriffe des Laufbandes. Die Maschinen protestieren wütend.
    Es ist sie. Ihre Haare sind zwar weißblond statt dunkelbraun und sie ist älter, aber ihre Haltung ist die gleiche. Leicht gebeugt als wolle sie sich verstecken, doch ihr Lächeln ist die Sonne. Sie ist sogar genauso klein und mager wie Sera.
    „Geht es Ihnen gut?“, fragt das Mädchen. Sie ist vielleicht 16 Jahre alt.
    Ich schlucke und nicke. Meine Beine laufen weiter.
    „Sie sehen aus als hätten Sie ein Gespenst gesehen,“ mein sie skeptisch, „Hallo, ich bin Jevdokija, aber alle nennen mich Dunja.“
    Ich möchte gerade etwas erwidern, als Takahashi dazwischen funkt: „Er soll beim Laufen nicht reden. Das verfälscht das Ergebnis.“
    In ihrer Stimme liegt keine Schärfe, dennoch zuckt Dunja (ich bleibe bei diesem Namen, der andere… Gesundheit) zusammen. Ihr Selbstbewusstsein scheint nicht das größte zu sein.
    Während die drei sich auf Fachidiotisch unterhalten, driften meine Gedanken ab, fort zu einem anderen Kontinent.
    Ein Gespenst. Das trifft es wohl am besten.
    Das erste mal traf ich Sera letzten Sommer im Fort. Sie war vor kurzem zwölf Jahre alt geworden. Etwa um diese Zeit hatte sie auch ihre erste Lichtkugel erschaffen. ATLAS fand sie, als sie in einer Gasse in Istanbul die Nachbarskinder mit unterhielt Lichtjonglage unterhielt. Ihre Eltern davon zu überzeugen, sie ins Fort zu schicken war ein langer und harte Kampf.
    Sera war so voller Leben gewesen und hatte sich schnell mit den anderen Kindern in diesem Sommer angefreundet, obwohl sie kein Wort Englisch sprach.
    Als Ryan Cummingfields Todessinn vor einigen Monaten ansprang, wurde sie mit dem Großteil der anderen Kids und Trainer ins brandneue Fort nach Dänemark gebracht.
    Ich wünschte Cummingfields Detektor wäre genauer gewesen als „wann“ und „viele“. „Wer“ und „wo“ hätte sie und alle anderen retten können. Wünsche bringen nichts. Es ist geschehen und er macht sich selbst schon genug Vorwürfe über Sera, Jérôme, Adriana, Sean, Sangmo, Kristoff und all die anderen.
    Bei dem Gedanken an das zerstörte Fort wird mir übel. Überall Trümmer, Wasser, Leichen. Wir haben ihr Todesurteil unterzeichnet, als wir sie dorthin brachten.
    Ich vergesse zu laufen und stolpere. Die Wände drängen auf mich zu. Die Maschinen piepsen unerträglich laut. Mit einem kräftigen Ruck reiße ich die Pads von meiner Brust und stürze zur Tür.

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    Das hier ist ein Brieföffner. Er gehört Lici und ist eine über aus bedrohliche Waffe! Hütet euch vor ihm, denn er wird einmal die Welt vernichten.
    Das hier ist ein Brieföffner. Er gehört Lici und ist eine über aus bedrohliche Waffe! Hütet euch vor ihm, denn er wird einmal die Welt vernichten.

    Für konstruktive Kritik, Anregungen und Ideen sind wir immer offen.

    Hier der Link zum Original: http://www.testedich.de/quiz40/quiz/1458904529/World-of-Mystik-MMFF

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Wind und Asche 5
Wind und Asche 5
Nach den Ereignissen in Seoul und Sibirien kehrt Team Shadow zum Fort zurück. Tayo, Hjördis, Kallik und Aaron sind tot, grauer Schnee fällt und weitere Katastrophen bahnen sich an. Léandra zieht es auf das Dach zurück und Tulio sehnt sich in seiner...
https://www.testedich.de/quiz53/quiz/1517610435/Wind-und-Asche-5
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2018-02-02
40B0
Fantasy Magie

Kommentare (2)

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Simon ( von: torden!)
vor 163 Tagen
Vielen Dank ^^
Lynx Zemia ( von: Lynx Zemia)
vor 165 Tagen
Also hey, das war nicht übel 👍