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Das Flüstern der Vergessenen (3&4)

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2 Kapitel - 4.521 Wörter - Erstellt von: Sarah Laureen - Aktualisiert am: 2018-02-21 - Entwickelt am: - 666 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Neben erfreulichen Überraschungen und positiven Veränderungen muss Solay bald feststellen, dass manche Dinge bzw. männliche Denkweisen sich nicht ändern. Das Schicksal aller hängt vom Ring ab - nur wer wird in nach Mordor bringen und wie passt überhaupt die Nordländerin mit ihren beunruhigenden Nachrichten ins Bild?

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Kapitel 3: Überraschende Wendungen Solay schmunzelte, als sie den kleinen dunkelhaarigen Lockenkopf aufrecht im Bett sitzen sah. Offensichtlich hatte
Kapitel 3: Überraschende Wendungen

Solay schmunzelte, als sie den kleinen dunkelhaarigen Lockenkopf aufrecht im Bett sitzen sah. Offensichtlich hatte man ihn wieder dazu verdonnert, sich auszuruhen, zumindest ließ der schnelle Wortwechsel zwischen Elrond und Frodo darauf schließen. Jaja, manche Personen eigneten sich nicht wirklich für das Invaliden-Dasein. Das dieses Kerlchen dazugehörte wunderte sie gar nicht. Trotz der Verletzung, die er offensichtlich vor kurzem erlitten hatte, sie spürte immer noch den dunklen Widerhall der verdorbenen Macht in seinem Körper, schien er sich erstaunlich gut erholt zu haben. Die Zähigkeit der Halblinge war also keine Mär für kleine Kinder. Elben oder Menschen hätten diese Wunde kaum so gut überlebt wie er. Erstaunlich. Nur die Sache mit dem Einen Ring in Verbindung zum Morgulsplitter gefiel ihr gar nicht. Zwar war der Splitter der Waffe entfernt und die Seele des Halblings vorübergehend außer Gefahr, aber nun war der Junge besonders anfällig für die Mächte des Bösen. Sie spürte den düsteren Schatten auf seiner Seele. Ein schlechtes Zeichen, dass ihr mehr Sorgen machte, als sie laut zugeben würde. Sie kannte die Art von Wunden, die Morgulwaffen hinterließen viel zu gut. Ihr eigener Vater hatte sich zuvor zu sehr bei der Heilung eines Kriegers verausgabt, so dass die Klinge ihn hatte töten können. Ein Vorteil von Drachen abzustammen bestand darin, dass keine Waffe ihre Haut durchdringen vermochte – es sei denn, sie waren bereits geschwächt. Es war abzuwarten, ob es ihr gelang, dem Hobbit zu helfen. „Verzeiht, das ich Euch nicht vorgestellt habe, meine Liebe.“ Wandte sich Elrond ihr selbst aus heiterem Himmel zu. Tief atmete sie durch und verdrängte ihre Sorge. Kontrolle. „Es gibt nichts zu verzeihen mein Freund. Ich weiß selbst, dass Euch das Wohl Euer Schutzbefohlenen viel bedeutet. Nur zu, stellt mich diesem tapferen jungen Mann vor.“
Verblüfft über ihre Umgänglichkeit, immerhin kannte er zu gut ihr Temperament, zog er die Augenbrauen hoch. „Nun, Frodo Beutlin, dies ist die junge Solay, eine nordische Heilerin und Kriegerin. Oft genug hat sie ihr Leben für Elben und Menschen gleichermaßen aufs Spiel gesetzt. Auch Aragorn verdankt ihr sein Leben.“ Wie diplomatisch er sich einmal wieder ausdrückte. Behutsam trat sie näher, wohlwissend, dass ihre Augen immer noch golden schimmerten. Ein sicheres Anzeichen für die Nähe ihres ureigenen Drachens. „Es ist mir eine Ehre Euch kennenzulernen Herr Beutlin.“ Schmunzelte sie und rieb sich geistesabwesend über den Arm. Unter ihrer nun juckenden Haut glitten Schuppen entlang, als ihre besorgte andere Hälfte ihr zu Hilfe kommen wollten. Der Drang sich zu verwandeln um sich vor den Mächten des Bösen noch besser zu beschützen nahm zu, je näher sie dem Bett kam. Sowohl Elrond als auch der Hobbit registrierten die Geste mit sehr unterschiedlichen Gefühlen. Frodo verwunderte es zwar, dennoch spürte er, dass ihm selbst keine Gefahr drohte, vielmehr breitete sich eine tiefe Ruhe in ihm aus. Der Herr von Rivendell dagegen war nun äußerst besorgt und fixierte die junge Frau scharf. Solay wirkte so, als ob sie mühsam gegen ihren inneren Drachen ankämpfte. Allerdings galt die Bedrohung die dieser wahrnahm nicht dem Hobbit oder dem Heiler selbst, vielmehr der Kriegerin.
„Was ist los mit dir?“ Fragte er leise und verzichtete auf die üblichen Floskeln. Erinnerungen, die nicht die seinen waren durchzuckten seinen Geist. Unbeabsichtigt übertrug sie diese jedoch nicht nur ausschließlich auf ihn. Aragorn, Elladan, Elrohir, Glorfindel und Boromir hoben alarmiert die Köpfe als sie die Bilder wahrnahmen. So rasch wie möglich rannten sie zu dem Zimmer, in dem sich der Heiler, die Kriegerin und der junge Hobbit aufhielten. Nur die deutliche scharfe Erinnerung an ein sehr einschneidendes Erlebnis stoppte sie vor der Tür.

>Der rothaarige Heiler war gezeichnet vor Schmerz und stand noch immer schützend vor seiner Tochter, als der Ringgeist zum wiederholten Mal seine Klinge in seine Brust stieß und höhnisch lachend umdrehte. Fassungslos betrachtete Solay wie ihr Vater ins Taumeln geriet und sprang sofort auf, um ihn aufzufangen. „Ihr könnt eure Grenzen nicht immer beschützen König der Nordlande!“ Verspottete er den Nordländer. „Eure Tochter wird niemals in der Lage sein, unseren König zu besiegen und damit euer Leid ein Ende zu bereiten. Und nun: sterbt!“
Mit einer Kraft, von der sie niemals gerechnet hatte sie zu besitzen zog sie das Schwert aus der Scheide ihres Vaters und spürte, wie gleißende Feuerwogen sie einhüllten. Sie begriff, warum sie in der Lage war, das Feuer instinktiv herbeizurufen. Ihr geliebter Vater lag im Sterben. Obwohl es fast unmöglich war, ihresgleichen zu töten, war es dem Ringgeist gelungen ihn ernsthaften Schaden zuzufügen. Wütend und schmerzerfüllt schrie sie ihren Zorn heraus. Feuerwalzen gingen von ihr aus und vernichteten alles, was sich nicht rechtzeitig zu Boden warf. Kreischend flohen die Ringgeister während sie auf die Knie sank, in der einen Hand noch immer das Schwert haltend im anderen Arm ihren entkräfteten Vater. Zitternd vor Schmerz schob sie die Klinge zurück in die Scheide und wollte die Wunde untersuchen, doch er hielt sie auf. „Nein Solay.“ Verzweifelt blickte sie in seine grünen Augen die langsam grau wurden. Ein sicheres Zeichen für seinen nahenden Tod. „Ich habe tausend Jahre lang gelebt und zu viele Männer sterben sehen, um nicht zu wissen, dass meine Zeit gekommen ist. Es tut mir nur leid, dass ich dich nun völlig allein lassen muss mit einer Bürde, die nicht die deine sein sollte. Er wird versuchen dich zu töten, mit allen Mitteln. Vergiss niemals das du nur dir selbst vertrauen darfst. Die Menschen verstehen uns nicht, sie würden uns eher auslöschen als uns zu helfen, wüssten sie, wer wir sind.“
Er hustete Blut und krallte sich mit letzter Kraft an ihr fest. Aber sie konnte es nicht zulassen! Das auffällige Rot seiner Haare wich einem tiefem Schwarz. Seine Energie, seine Seele floss in die Klinge und den Saphir. Schon einmal hatte sie es beobachtet. Bei ihrem Großvater und ihren Brüdern. Nun war sie die Einzige ihrer Familie, die noch lebte. Das Glühen des Schwertes wurde so schmerzhaft, das sie notgedrungen die Augen schloss. Gleichzeitig nahm sie auf der geistigen Ebene wahr, wie der Schatten ihn zerfraß und auf elementare Art vernichtete. Tief in ihrem Innern regte sich zum ersten Mal ihr anderes Selbst und hüllte sie in schützende Wärme ein. Als sie die Augen wieder öffnete wusste sie, dass ihre Probleme nun zugenommen hatte. Ganz gegen ihren Willen war sie die Nachfolgerin ihres Vaters geworden und die wahre Thronerbin. Die Letzte ihrer Art, wenn es nach ihren Feinden gehen sollte. Einfach nur wunderbar – nicht.<

Erschrocken blickte Elrond sie an. Offensichtlich hatte Frodos Anblick in ihr die Erinnerung an den Tod ihres Vaters geweckt. Auch die ihres Großvaters und ihrer Brüder waren in seinem Geist aufgetaucht, aber nicht so deutlich und grausam klar wie die an ihren Vater. In ihren Augen las er denselben Schmerz, der auch die Erinnerung begleitet hatte. Das war es also, was ihr so zu schaffen machte. Sekunden später hatte sie sich jedoch völlig unter Kontrolle und der intensive Goldton verschwand aus ihren Augen um dem weichen Grün Platz zu machen. Behutsam setzte sie sich auf den Stuhl neben Frodos Bett und forderte ihn leise auf, ihr zu erzählen, wie genau die Wunde zustande gekommen war. Verwundert befolgte er ihre Bitte, merkte aber an, dass ihn gegenwärtig keine Schmerzen plagten und die Verletzung gut verheilt war. Solay lächelte und hob langsam eine Augenbraue. „Elrond ist ein sehr fähiger Heiler, das möchte ich nicht bestreiten, aber ganz ist der Schatten nicht von Euch gewichen, junger Mann. Er klammert sich an Eure Seele und das Kleinod, das Ihr noch immer bei Euch tragt, wird noch Euer Verderben sein, sollte der Schatten nicht verschwinden. Glaubt mir, ich kenne mich viel zu gut mit Wunden aus, die durch eine Morgulklinge geschlagen wurden. Selbst wenn derjenige überlebt, so ist er für immer gezeichnet und leidet oft Höllenqualen, wenn er nicht rechtzeitig die nötige Hilfe bekommt.“ Die Sanftheit ihrer Stimme täuschte nicht über die bittere Ehrlichkeit und die Sorge in ihren Worten hinweg. „Allerdings kann ich Euch nur helfen, wenn Ihr mir vertraut und auch die Hilfe annehmen wollt. Die Heilung des Geistes und der Seele unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von der des Körpers. Ich könnte zum Beispiel einen Mann wie Boromir niemals heilen, nicht nur, weil er mir nicht vertraut, sondern weil er mich zutiefst verabscheut.“ Hinter der Tür verborgen zog ebenjener verwirrt die Stirn kraus. Sicher, ein Teil von ihm verachtete sie und misstraute ihr, aber auf der anderen Seite hatte sie ihren Wert tatsächlich mehrmals unter Beweis gestellt. Wenn er ganz ehrlich war, lag seine Haltung ihr gegenüber eher unbefriedigtem Begehren zugrunde. Abscheu könnte er ihr nicht entgegenbringen, auch wenn er es mit seinem Verhalten vorspielte. Seine eigene Reaktion auf sie verwirrte ihn immer mehr. Sie war eine Nordländerin, hatte sein Leben heute bedroht und ihn fast zum Eunuchen gemacht! Er sollte sie sich aus dem Kopf schlagen. „Das macht Sinn.“ Frodo war noch immer verwundert aber auch fasziniert. Diese Frau hatte eine erstaunliche Ausstrahlung, die ihn verblüffte. „Verratet Ihr mir, wie genau die Heilung ablaufen wird?“
Solay setzte zur einer Antwort an, als sie die heimlichen Lauscher spürte. Ein feines Grinsen umspielte ihre Lippen und sie bedeutete den beiden anderen zu schweigen. Lautloser als eine Elbin schlich sie zur Tür und zog sie ruckartig auf. Boromir, Elronds Söhne und Glorfindel stürzten aufeinander ins Zimmer. Solay unterdrückte nur mit Mühe ein Lachen und verschränkte die Arme vor der Brust. „Meine Herren, eigentlich ging ich davon aus, das ihr zu alt seid um private Gespräche zu belauschen.“
Peinlich berührt rappelten die Männer sich auf und mieden ihren belustigten Blick. Alle bis auf Aragorn, der rechtzeitig zurückgetreten war. Immerhin kannte er Solays scharfe Sinne und ihren Umgang mit Lauschern besser als die anderen. „Es tut uns Leid, aber wir machten uns große Sorgen um Euch.“ Versuchte Glorfindel sich zu retten und zupfte an seiner derangierten Kleidung. Vorsichtig blickte er unter den Wimpern verborgen zu ihr. Ihre Mundwinkel zuckten verräterisch ehe sie leicht nickte. „Entschuldigung akzeptiert. Wenn dies alles war, würde ich es sehr begrüßen, wenn ihr euch wieder zurückzieht. Mir geht es bestens.“
Widerstrebend verschwanden sie, wobei sie einen äußerst amüsierten Blick von Aragorn auffing. Schmunzelnd wandte sich die rothaarige Nordländerin wieder dem Patienten zu. „Alter schützt vor geistigem Schaden nicht, habe ich mir sagen lassen.“ Elrond prustete leise und Frodo grinste verschmitzt. „Um fortzufahren in unserem Gespräch, nun die Heilung an sich ist etwas kompliziert zu erklären. Ich werde meine Energie zuerst Eurer angleichen, ehe ich sie verbinde und gezielt dafür einsetze, mögliche Splitterüberbleibsel zu zerstören. Es könnte sein, dass Euch etwas warm wird und auch, dass Euch Schwindel überkommt.“ Ernst musterte sie den jungen Hobbit. „Es ist wichtig, das Ihr ruhig bleibt und nicht in Panik geratet, sobald Ihr mich wahrnehmt und auch die Präsenz des Bösen spürt. Ich bin zwar eine erfahrene Heilerin und könnte Euch in einen tranceähnlichen Zustand versetzen, aber manchmal reagiert ein Geist dann völlig unberechenbar. Das Wichtigste ist jedoch, das Ihr mir wirklich vertraut. Wenn es besser ist, könnte ich die Behandlung auch auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Habt Ihr noch irgendwelche Fragen?“ Zögernd blickte Frodo zwischen ihr und Elrond hin und her. Solay blieb still und wartete ab. Niemals würde sie einem Patienten ihren Willen aufzwingen, es sei denn in Notfallsituationen. Aber dies war keine Notfallsituation und der Hobbit hatte gutes Recht sich gegen die Behandlung zu entscheiden. Es ging in erster Linie um das Hilfsangebot. Sie hatte ihren Standpunkt klargemacht, nun musste er entscheiden. Immerhin war es seine Gesundheit um die es ging.
„Was meint Ihr mit unberechenbaren Reaktionen?“
„Zum Beispiel das Ihr mich rauswerft aus Eurem Geist.“ Ein leichtes Lächeln spielte um ihre Lippen. „Im schlimmsten Falle könntet Ihr die Fortschritte des Heilungsprozesses wieder rückgängig machen. Es ist schwer die Art Eurer Reaktion vorauszusagen, denn es hängt mit vielen Faktoren zusammen. Alter, Erfahrungen, Volk, grundsätzliche geistige und körperliche Gesundheit, Stabilität, Willensstärke – nur um welche aufzuzählen. Die Entscheidung liegt an Euch.“ Unsicher sah er auf seine Hände hinunter. Er war unschlüssig ob er es wagen sollte. Sicher, die rothaarige Kriegerin vermittelte ihm das ungewohnte Gefühl echter Sicherheit und Ruhe, aber er kannte sie kaum. „Darf ich etwas Zeit zum Nachdenken haben?“ Solay nickte schmunzelnd. Der Hobbit reagierte genauso wie sie es erwartet hatte. Doch das störte sie nicht im Geringsten. „Lasst Euch ruhig Zeit. Dies ist eine Entscheidung, die Ihr gut überdenken solltet. Wenn Ihr mich sucht, ich bin entweder in meinem Zimmer oder im Garten.“ Sie stand auf und warf ihrem Freund einen nachdenklichen Blick zu. Aus irgendeinem Grund wirkte Elrond enttäuscht. Hatte er etwa gehofft, das er so leicht Zeuge ihrer Magie sein könnte? Alles zu seiner Zeit. Es brachte nichts, den Halbling zu drängen. Freundlich verabschiedete sie sich von den beiden und verließ das Zimmer. Aragorn lehnte sich an der gegenüber stehenden Säule mit einem verschmitzten Grinsen im Gesicht. „Was für eine wunderbare Überraschung. Die kleine Rumtreiberin ist wieder in den Landen.“ Leise lachend harkte sie sich bei ihm ein um ihn wegzuziehen. „Hast du weiter gelauscht du Frechdachs? Das ich wieder da bin scheinst du ja sehr schnell mitbekommen zu haben. Sag mir, wie geht es dir?“
Mit leuchtenden Augen begann er ihr von seiner Liebe zu Arwen zu erzählen ehe sich seine Miene verfinsterte, weil er leider auch schlechte Sachen zu berichten hatte. Beunruhigt sah sie ihn von der Seite an. „Ihr seid von Ringgeistern verfolgt worden? Bis auf Frodo hat sich aber niemand verletzt oder?“ Wenn sie eines nicht ausstehen konnte, dann war das die Präsenz eines Ringgeists. „Nein. Aber es ist ein sehr schlechtes Zeichen. Ich weiß nicht, wie wir das Übel beseitigen können ohne dabei zugrunde zu gehen. Du hast selbst die Menschen hier erlebt. Sie sind uneins und sehr zerstritten. Rohan versinkt langsam in seine Trümmer und Gondor kann Mordor nicht mehr lange allein standhalten.“
Solay seufzte. Sie erinnerte sich zu gut an diese Erlebnisse mit den Menschen aus Gondor. Der eigene Hochmut, den besonders Denethor kultivierte, machte blind vor der eigenen Gefahr. Für sie war es offensichtlich, dass das einfache Volk langsam das Vertrauen in den Truchsess und seine Armee verlor. Auf keinen Fall durfte die Angst die Menschen lähmen oder gar ihr Handeln diktieren. Aber sie wusste selbst, dass dies leichter gesagt als getan war. „Verlier nicht die Hoffnung Aragorn. Nicht alles was dunkel scheint ist ohne Licht. Wenn es deine Furcht vor deinem eigenen Versagen ist, den Erwartungen der Elben und Menschen gerecht zu werden, kann ich dir nur sagen, dass ich dasselbe Gefühl habe. Tatsächlich ist unsere Situation in vieler Hinsicht vergleichbar. Wie du bin auch ich die Erbin eines Königreichs und verantwortlich für die Leben meiner Leute. Bei uns ist das dringlichste Problem, dass unsere Nahrungsquellen bald erschöpft sind und Ernten immer weniger werden, da die Winter viel länger andauern. Hinzu kommt der Tyrann, der uns Rebellen am liebsten tot sehen würde und die Menschen zu entkräftet, um ihm auch nur passiv Widerstand zu leisten. Allerdings entscheidet der Ring nicht nur über das Schicksal von Mittelerde, sondern auch über das Überleben meines Volkes. Sollte der Ring in Saurons Hände fallen werden die Kreaturen in den eisigen Höhen die Menschen meiner Heimat abschlachten – gleichgültig ob es Winter ist oder nicht. Haben sie erst einmal den hohen Norden eingenommen, schließen sie sich Sauron an und kämpfen gegen euch. Das wäre der ultimative Todesstoß.“ Sie blieben vor dem Gemälde jener finalen Schlacht stehen, in der Isildur den Ring an sich nahm und ihm anschließend verfiel. Ruhig legte sie ihrem Freund eine Hand auf die Schulter. „Gar estel, Aragorn. Es mag vieles dagegen sprechen, aber solange es noch die winzige Chance auf einen Sieg der freien Völker gibt, sollten wir nicht aufhören zu kämpfen.“
„Woher nimmst du nur diese Hoffnung und Zuversicht?“
Traurig lächelte sie und strich eine Locke aus ihrem Gesicht. Aragorn machte ihr Sorgen. Obwohl er drei Jahre jünger war, kam es ihr vor, als hätte er viel zu viel seiner eigenen Hoffnung bereits verloren. Nur konnte ausgerechnet er es sich nicht leisten. So viele Menschen sahen zu ihm auf, setzten große Erwartungen in ihn und vergasen dabei völlig, dass auch er ein Wesen aus Fleisch und Blut war, das Fehler machte. Zweifel waren an sich nichts schlimmes, aber sie sollten nicht Überhand nehmen und vor allem dem Feind nicht in die Hände spielen. „Hätte ich keine Hoffnung würde ich längst nicht mehr leben. In meiner Heimat überleben nur die Widerstandsfähigen. Aber um deine Frage zu beantworten, ich weiß, dass die Zukunft noch nicht vollständig in Stein gemeißelt ist und unsere Entscheidungen nehmen einen großen Einfluss auf den Verlauf. Außerdem schöpfe ich längst die Hoffnung aus der Verzweiflung.“
„Glaubst du, das wir es schaffen können?“
„Wenn wir alle zusammenarbeiten und uns gegen Sauron gemeinsam verbünden, dann ja. Ansonsten werden wir untergehen. Aber mach dir keine allzu großen Sorgen darüber.“ Verschmitzt zwinkerte sie ihm zu. „Ich bin nicht umsonst hier. Meine Aufgabe ist es sicherzustellen, dass der Ring zerstört wird und genau dafür werde ich sorgen. Das bin ich meinem Volk, meiner Heimat, meiner Familie, meinen Freunden und mir selbst schuldig. Dunkle Magie kann mir nichts anhaben. Nicht mehr.“
„Zusammenarbeiten? Das würde ja den von dir ungeliebten Heerführer miteinschließen, das ist dir bewusst, oder?“
Solay unterdrückte ein genervtes Stöhnen. Es war ihr allzu bewusst, aber sie musste dieses Gesicht ja nicht für immer sehen. Außerdem konnte sie gut alleine dafür sorgen, das der Ringträger ankam. „Ja. Die Umstände zwingen mich zu akzeptieren, dass er weiterhin meine kostbare Luft verpesten wird. Hör auf zu lachen! Das ist wirklich nicht witzig.“
„Doch ist es!“
„Argh! Männerlogik! Wenn das morgen beim Rat genauso abläuft, gute Nacht. Sag mir Bescheid, wann du wieder zurechnungsfähig bist Aragorn.“ Stolz ließ sie ihn stehen und schlug den Weg in den Garten ein. Entsetzt verharrte sie schließlich vor dem Eingang. Boromir kam ihr entgegen. Weglaufen, ignorieren, bleiben, Austausch von Floskeln... Sie entschied sich dafür Garten Garten sein zu lassen und in ihr Zimmer zurückzukehren. Für heute hatte sie genug Trubel verursacht.

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Gar estel = Hab Vertrauen
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Das Flüstern der Vergessenen (3&4)
Das Flüstern der Vergessenen (3&4)
Neben erfreulichen Überraschungen und positiven Veränderungen muss Solay bald feststellen, dass manche Dinge bzw. männliche Denkweisen sich nicht ändern. Das Schicksal aller hängt vom Ring ab - nur wer wird in nach Mordor bringen und wie passt über...
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2018-01-30
402C
Herr der Ringe

Kommentare (9)

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Isilya ( von: Isilya)
vor 105 Tagen
Das 6. Kapitel ist einfache klasse. Schön Solay mal ruhig zuerleben😊
Sarah Laureen (84797)
vor 105 Tagen
Schön dich auch hier zu lesen 😉 Freut mich, das es dir so gut gefällt! Solay war ja ein wenig ruhiger und nachdenklicher als sonst...
Princess of Mordor ( von: Princess of Mordor)
vor 105 Tagen
Das neue Kapitel ist, wie die vorigen auch, einfach nur genial:D Ich habe nichts auszusetzen und bin mehrere Stunden nach dem Lesen immer noch total am Schwärmen;D
Sarah Laureen ( von: Sarah Laureen)
vor 106 Tagen
Kapitel 6 ist online. Eure Meinung dazu?
Isilya ( von: Isilya)
vor 114 Tagen
Freu mich drauf wenn es weiter geht😍
Sarah Laureen ( von: Sarah Laureen)
vor 116 Tagen
Teil 5 ist in der Warteschleife;)
Sarah Laureen (87864)
vor 139 Tagen
Vielen Dank für Rückmeldung ihr zwei! Das ist sehr motivierend 😉
Sternenschreiber (37730)
vor 140 Tagen
Das zweite Kapitel ist echt klasse. Kann's kaum erwarten bis esweiter geht
Isilya ( von: Isilya)
vor 144 Tagen
Bitte schreib weiter die geschichte ist wirklich mega💕