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Angriff der Zweibeiner

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10 Kapitel - 4.527 Wörter - Erstellt von: Soso2005magic - Aktualisiert am: 2018-02-01 - Entwickelt am: - 174 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Eisfeder, Rosenlicht, Silberstreif, Funkensturm, Blütenherz, Nelkenpelz, Sandzauber und Muschelblatt haben eine Mission zu erfüllen. Die Zweibeiner breiten sich auf den Territorien der vier Clans aus! Werden sie es schaffen, ihr Revier zu verteidigen? Und dann bricht auch noch eine frostige Blattleere über dem Wald aus. Werden es alle schaffen zu überleben?

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    „Eisfeder! Rosenlicht!“ Erfreut kamen Meerschweif und Falkenblüte auf die beiden Kätzinnen zu, als sie sich unter dem Hochstein niederließen. „Was ist passiert? Wieso seid ihr schon zurück?“, flüsterte Falkenblüte besorgt. Ihr Schwanz strich nervös hin und her. Flockenstern und Nachtschweif sprangen auf den Hochstein. „Sie werden gleich alles erklären“, versprach Rosenlicht. Die Heilerin klang erschöpft. „Du siehst müde aus“, miaute Eisfeder und leckte ihrer besten Freundin über das Ohr. Rosenlicht schmiegte sich an sie. „Die anderen Clans haben Zweibeiner auf ihrem Territorium entdeckt“, hob Flockenstern an. Ihre Schnurhaare zuckten. Gemurmel breitete sich in der Menge aus. „Außerdem sind wir bereits zurück, da der SternenClan die große Versammlung beendet hat. Eine dicke Wolke hatte sich vor den Mond geschoben“, erklärte Nachtschweif. „Um wieder zurück zu den Zweibeinern zu kommen: Es kann nicht lange dauern, bis sie auch in unser Revier eindringen. Jede unserer Patrouillen hält unbedingt nach ihnen Ausschau! Ich habe mit den anderen Anführerin beschlossen, dass aus jedem Clan zwei Katzen losziehen werden. Insgesamt wird die Patrouille aller Clans also aus acht Katzen bestehen, die die Zweibeiner irgendwie verjagen werden. Ich muss noch überlegen, wer aus dem DonnerClan gehen wird“, knurrte Flockenstern. Ihr weißer Schwanz fegte über den massiven Fels, auf dem sie stand. Das Getuschel zwischen den Katzen nahm zu. „Geht jetzt alle zurück in eure Baue. Ich werde morgen bekanntgeben, wer sich mit den anderen Clans zusammenschließen wird. Letztendlich müssen wir zusammenhalten, um unsere Territorien zu schützen.“
    Eisfeder konnte nicht einschlafen. Sie lauschte dem gleichmäßigen Atemzügen von Meerschweif und Falkenblüte, die neben ihr eingerollt im Kriegerbau lagen. Eisfeder dachte an ihre beste Freundin Rosenlicht. Ob sie auch schlaflos drüben im Heilerbau lag? Und wer würde mit Katzen aus anderen Clans losziehen, um die Mission zu erfüllen? Meerschweif?Eisfeders Blick ruhte auf der silberen Tigerkätzin. Eher nicht. Meerschweif war zu ungeduldig. Eisfeders Blick wanderte weiter. Falkenblüte?Nein, auch nicht. Die schwarze Kriegerin hatte eine Verletzung an der Flanke und würde nicht schnell rennen können. Flimmerfell? Der braun-weiß gescheckte Kater schlief neben dem Eingang. Das wäre eine Möglichkeit. Obwohl, dachte Eisfeder. Er hat einen Schüler, der noch viel Training braucht. Eisfeder rollte sich noch enger zusammen. Ich werde wohl bis morgen abwarten müssen, dachte sie und sah noch eine Weile dem Mond zu, der durch die Zweige der Bäume hell in den Kriegerbau schien.

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    Am nächsten Morgen sprang Flockenstern erneut auf den Hochstein und rief den DonnerClan zu sich. „Ich habe meine Wahl getroffen“, miaute sie. „Aus dem DonnerClan werden Rosenlicht und Eisfeder losziehen!“ Eisfeder erstarrte neben Rosenlicht. „Wirklich?“ Mit großen Augen sah sie die Anführerin an. „Wenn sie es so sagt, meint sie es auch so!“, knurrte Nachtschweif. Rosenlicht beachtete den Zweiten Anführer überhaupt nicht, sondern neigte den Kopf vor Flockenstern. Eisfeders Gedanken fuhren Achterbahn, und abwesend verneigte auch sie sich vor ihrer Anführerin. „Wann geht es los?“, fragte sie schließlich. Flockenstern sprang vom Hochstein. „Morgen früh. Rosenlicht, du und Eisfeder, ihr fresst die Reisekräuter. Geht direkt danach in eure Nester, ihr müsst morgen ausgeschlafen sein“, befahl Flockenstern. Der Clan zerstreute sich und Eisfeder folgte Rosenlicht in den Heilerbau, wo die Heilerin ihr ein Bündel Kräuter zuschob. Eisfeder schnüffelte daran. „Igitt! Was ist das denn?“, miaute sie entsetzt. „Die Reisekräuter, die wir brauchen. Komm, ich weiß, sie sind eklig, aber danach hast du es hinter dir“, ermutigte Rosenlicht und leckte die Kräuter auf. Eisfeder überwand sich und schluckte das Bündel. Kaum hatte sie es hinunter geschluckt, schüttelte sie sich. „Das ist widerlich“, würgte sie. „Nun übertreib Mal nicht“, schnurrte Rosenlicht und rollte sich in ihrem Nest ein. „Bis morgen!“
    Eisfeder trottete nachdenklich aus dem Heilerbau, hinüber zum Kriegerbau. In ihrem Nest drehte sie sich ein paar Mal im sich selbst, und ließ sich dann eingerollt nieder. Müde schob sie ihre Nase in ihren grau getupften Pelz und schloss die Augen.
    Am nächsten Morgen wachte Eisfeder auf, als es dämmerte. Ein zarter, orangefarbener Streifen erschien auf dem milchig weißen Himmel. Aufgeregt sprang die graue Kriegerin auf und hüpfte über die schlafenden Fellkugeln aus dem Bau. Auf der Lichtung traf sie auf Rosenlicht, die gerade ein Bündel Kräuter hinübertrug, das Eisfeder schrecklich bekannt vorkam. „Nicht schon wieder“, beklagte sie sich, als Rosenlicht ihr die Kräuter vor den Pfoten ablegte. „Doch, aber nur noch dieses eine Mal. Wir müssen sowieso bald los“, maunzte die dunkelrote Heilerin. „Na also schön“, erwiderte Eisfeder und aß die Kräuter auf. Sie schmeckten leider immer noch genauso grässlich wie am Vorabend. „Was denkst du, wer von den anderen Clans gehen wird?“, fragte Eisfeder und nahm eine Amsel, die sie sich mit Rosenlicht teilen wollte. „Keine Ahnung“, gab Rosenlicht zu. „Vielleicht Sandzauber oder Funkensturm. Oder Veilchenpelz. Oder Lilaschweif. Oder Wolkenfuß. Es gibt so viele Katzen, die es sein könnten!“ „Wo treffen wir uns eigentlich mit den anderen?“, wollte Eisfeder wissen. „Am See, bei der Halbbrücke. Das hat Flockenstern mir gestern noch gesagt“, informierte Rosenlicht sie. Wie aufs Stichwort trat Flockenstern aus ihrer Höhle und kletterte den Steinfall herab. „Ihr müsst los“, erklärte sie mit Blick auf den Himmel. „Ihr trefft euch bei Sonnenaufgang an der Halbbrücke.“ Die beiden Kätzinnen neigten die Köpfe vor der weißen Anführerin. Rosenlichts Schnurhaare zuckten nervös. Eisfeders Schwanz schnippte unruhig hin- und her. „Auf Wiedersehen!“ Falkenblüte trat aus dem Kriegerbau und hob den Schwanz. Eisfeder miaute ihr noch etwas zum Abschied zu, dann preschte sie vor ihrer Freundin aus dem Felsenkessel. Flockenstern sah ihnen nach. „Möge der SternenClan mit euch sein.“

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    An der Halbbrücke warteten Silberstreif und Funkensturm. Die beiden kamen aus dem FlussClan. Eisfeder begrüßte die silbern getigerte Kätzin, sie kannte Silberstreif noch von Großen Versammlungen. Der flammenfarbene Krieger Funkensturm miaute ihnen ebenfalls eine Begrüßung zu. Da erschienen zwei weitere Katzen am Seeufer. Es waren Blütenherz und Nelkenpelz aus dem SchattenClan. „Hallo“, begrüßte Rosenlicht die beiden. „Seid gegrüßt“, schnurrte Nelkenpelz und schüttelte seinen cremefarbenen Pelz. Nun kamen die beiden Katzen aus dem WindClan. Die eine Kriegerin kannten Eisfeder und Rosenlicht. Es war Sandzauber. Der andere Kater jedoch war ihnen nicht bekannt. Auch die Katzen der anderen Clans schienen ihn nicht zu kennen. Nach einer Begrüßung stellte er sich vor. „Ich bin Muschelblatt. Ich habe mein Leben als Hauskätzchen aufgegeben und bin seit einigen Monden beim WindClan. Meine Ausbildung zum Krieger habe ich schnell abgeschlossen. Freut mich euch kennenzulernen“, erzählte der rauchschwarze Krieger. „Dann nachträglich herzlich willkommen in der Welt der Clans“, miaute Rosenlicht. Ihre freundliche Art machte sich bei den anderen deutlich bemerkbar. Nelkenpelz wich vor Muschelblatt zurück. „Ein Hauskätzchen?“, fauchte er empört. Sandzauber baute sich vor dem SchattenClan-Krieger auf. „Muschelblatt hat sein früheres Leben zurückgelassen, in ihm steckt eine Clankatze! Übrigens gab es vor vielen vielen Monden einen Anführer namens Feuerstern beim DonnerClan, der ebenfalls sein Leben als Hauskätzchen aufgab und als Schüler zum DonnerClan kam. Dann wurde er Anführer. Also, was hast du gegen Muschelblatt?“, brauste die sandfarbene Kätzin auf. Nelkenpelz duckte sich kaum merklich. „Nichts“, murmelte er. „Dann wäre das ja geklärt“, fauchte Sandzauber und ging ein wenig auf Distanz bei Nelkenpelz. „In welches Territorium gehen wir als erstes?“, fragte Silberstreif, um die knisternde Luft zu beruhigen. „Ich würde sagen, wir gehen ins SchattenClan-Territorium“, entschied Eisfeder. Als die anderen ihr zustimmten, setzte sich Nelkenpelz gleich an die Spitze des Trupps. „Schließlich sind wir in unserem Territorium“, knurrte er. Blütenherz legte ihm besänfigend den Schwanz auf die Schulter. Eisfeder lief zwischen Sandzauber und Funkensturm, während Rosenlicht flankiert von Silberstreif und Blütenherz vor ihnen hertappte. Nelkenpelz führte sie schweigend durch den Kiefernwald. Eisfeder verzog unwillkürlich die Nase, als ihr der scharfe SchattenClan-Geruch in die Nase zog. Blütenherz bemerkte ihren Blick. Eisfeder sah sie entschuldigend an und blickte dann auf ihre dunkelgrauen Pfoten, die über die Nadeln trabten. Nach einer Weile brach Funkensturm das Schweigen. „Wie viele Zweibeiner sind es bei euch?“ Eisfeder hob den Kopf. „Ungefähr drei oder vier. Als ich sie das letzte Mal gesehen habe, waren es schon einige“, gab Sandzauber zu bedenken. Eisfeder spürte, wie die sandfarbene Kriegerin neben ihr die Muskeln anspannte. „Und bei euch?“, entgegnete sie. Funkensturm sah besorgt aus. „Viele. Sehr viele“, miaute er. „Das klingt nicht gut“, sagte Blütenherz und verlangsamte ihren Schritt um neben Funkensturm laufen zu können. „Das ist es auch nicht“, meinte der feuerfarbende Kater. „Bei uns sind es auch einige. Auf jeden Fall mehr als vier“, meldete sich Nelkenpelz von vorne, ohne sich umzudrehen. Dann blieb er stehen. „Aber seht selbst.“ Die Katzen hielten vor einem moosbedeckten Baumstamm an, hinter dem einige Fuchslängen entfernt einige Zweibeiner ihr Lager aufgeschlagen hatten. Eisfeder sog die Luft ein. Das waren wirklich viele. Sehr viele. Doch das Adrenalin brauste noch schneller in ihren Adern, als einer der Zweibeiner aufstand, und auf sie zukam. Sandzauber zitterte. Die hübsche Kriegerin sah Eisfeder an. In ihrem Blick spiegelten sich Angst und eine Spur von Mut zugleich. Fast lautlos sagte sie: „Sie kommen.“ Danach erstarb ihre Stimme.

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    Der Zweibeiner streckte eine riesige rosa Pfote nach den Katzen aus. Funkensturm, Silberstreif und Blütenherz stoben auseinander, während Sandzauber den riesigen Zweibeiner anfauchte. Er schien ihre Warnung nicht zu beachten. Der Zweibeiner schnappte sich Eisfeder, die sich jaulend in seinem Griff wand. Mit ihren Krallen zerkratzte sie ihm die Pfoten und fauchte so laut sie konnte. „Eisfeder!“ Rosenlicht sprang an der Hinterpfoten des Zweibeiners hoch und fuhr mit ihren Krallen über seinen Pelz, der aufriss. Unter dem weichen Pelz traten Blutstropfen aus einer weiteren Fellschicht hervor. Erschrocken ließ der Zweibeiner Eisfeder fallen, die elegant auf ihren Pfoten landete und ängstlich mehrere Mauslängen zurückwich. Mit einem Satz war Rosenlicht bei ihr und leckte ihre Schulter. „Ist alles in Ordnung?“ Eisfeder sah sie an. „Alles gut. Nur der Schreck“, murmelte sie. „Rückzug!“, jaulte Blütenherz und rannte mit den anderen zurück in den Schatten der Kiefern. Der Zweibeiner humpelte zu seinen Gefährten zurück. „Wie geht es dir?“, miaute Silberstreif, als sie in Sicherheit auf einer kleinen Lichtung kauerten. Eisfeder zupfte mit einer Pfote etwas Gras aus dem Waldboden. „Mir geht es gut“, wiederholte sie und ließ das Gras über den Boden rieseln. „Wir müssen trotzdem etwas gegen die Zweibeiner tun“, knurrte Muschelblatt. „Was sollen wir denn machen?“, wollte Nelkenpelz wissen und sah Muschelblatt herausfordernd an. „Wir warten bis morgen. Und dann greifen wir an“, fauchte Sandzauber grimmig. „Kommt, wir suchen Polster für unsere Nester.“ Eisfeder trottete hinter Funkensturm und Rosenlicht durch den Wald. Eine Fuchslänge entfernt sah sie einen riesigen Flecken Moos. „Kommt her!“, rief sie und rannte auf das Moos zu. Als die anderen Katzen bei ihr angekommen waren, zog sie das weiche Moos aus der Erde und brachte es zu einem Loch. Eisfeder öffnete das Maul und prüfte die Luft. Mit dem Schwanz winkte sie zufrieden die anderen näher. „Dieser Bau ist verlassen und noch dazu riesig groß! Da werden wir einen trockenen Unterschlupf“, erklärte sie stolz und warf das Moos hinein. „Bis du sicher, dass er verlassen ist?“, wollte Silberstreif wissen. „Ganz sicher. Der Geruch ist scharf, aber schal. Der Fuchs ist schon vor mindestens einem Mond ausgezogen“, versicherte Eisfeder. „Na dann“, maunzte Blütenherz und schob ein großes Farnbüschel in den Bau.

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    Am nächsten Morgen wachte Rosenlicht als erste auf. Einen Augenblick lang fragte sie sich, wo sie sich befand, doch dann fiel ihr alles wieder ein. Die dunkelrote Heilerin stand auf, streckte ihre Glieder und sprang dann aus dem verlassenen Fuchsbau. Die Sonne war bereits aufgegangen. „Guten Morgen“, schnurrte eine Stimme hinter ihr. Rosenlicht fuhr die Krallen aus und wirbelte herum, als sie SchattenClan-Geruch vernahm. „Alles in Ordnung, es bin nur ich“, beruhigte die Katze sie. Erleichtert fuhr Rosenlicht die Krallen wieder ein und glättete verlegen ihr gesträubtes Fell. Dann setzte sie sich neben Blütenherz, die verträumt in den Wald sah. Wärme Sonnenstrahlen fielen durch die Kiefern und auf einmal verspürte Rosenlicht Zuneigung für diesen Wald. „Ein wunderbarer Ort, findest du nicht auch?“, miaute Blütenherz, als hätte sie die Gedanken der jungen Heilerin gelesen. „Ja“, musste Rosenlicht zugeben. „Guten Morgen.“ Verschlafen trat Muschelblatt aus dem Fuchsbau. Die beiden Kätzinnen ließen sich von dem jungen WindClan-Krieger nicht aus der Ruhe bringen, sondern genossen weiter die Sonnenstrahlen. „Hallo“, murmelte Rosenlicht abwesend. Sie konnte andere Katzen einfach nicht ignorieren. „Gut geschlafen?“, fragte nun auch Blütenherz. „Ging. Ungewohnter Schlafplatz“, gab Muschelblatt zu. „Ging mir genauso.“ Die SchattenClan-Kriegerin drehte sich um, doch Muschelblatt setzte sich bereits neben sie. Rosenlicht stand auf. „Ich gehe Kräuter sammeln“, erklärte sie und sprang zwischen den Bäumen davon. Rosenlicht schnüffelte den Boden ab und hielt suchend Ausschau. Zufrieden rupfte sie einige Blätter Ampfer, zupfte hier und da ein wenig Huflattich und sammelte Wacholderbeeren. In der Nähe eines verlassenen Zweibeinernestes entdeckte sie sogar einen alten Lavendelstrauch. Freudig pflückte Rosenlicht einige Blätter, band sie mit etwas Gras mit den anderen Kräutern zu einem Bündel zusammen und trug sie dann durch den Wald. Die junge Kätzin folgte ihrer eigenen Geruchsspur zurück bis zum Fuchsbau, wo sich schon ein kleiner Frischbeutehaufen angesammelt hatte. Eisfeder trabte durch den Wald heran, im Maul trug sie ein Eichhörnchen. Rosenlicht begrüßte ihre Freundin, kletterte in den Bau und legte ihre Kräuter in einer geschützten Nische ab. Eisfeder ließ ihr Eichhörnchen fallen und wartete, bis Rosenlicht wieder ins Freie trat. „Du hast Lavendel gefunden?“, fragte sie überrascht. Rosenlicht blinzelte gegen das Sonnenlicht. „Ja, nicht weit von hier befindet sich ein verlassener Zweibeinerort. Dort habe ich einen alten Lavendelstrauch entdeckt, an dem noch einige brauchbare Blätter hingen. Wo sind die anderen?“ „Sie jagen“, erklärte Eisfeder. In diesem Moment brachten Silberstreif, Nelkenpelz und Sandzauber ihre Beute zum Bau. Sandzauber legte ihre Wühlmaus ab und ließ sich auf den Boden fallen. Lang ausgestreckt gähnte sie ausgiebig. Als Muschelblatt mit einer Amsel auftauchte, leuchteten ihre Augen auf. Kurz darauf legte der Krieger sich neben sie, und die beiden gaben sich gemeinsam die Zungen. Sie hatt auf Muschelblatt gewartet. Mit uns wollte sie sich offensichtlich nicht die Zungen geben, dachte Rosenlicht leicht verärgert. Dann sank auch sie zu Boden, als Eisfeder sich neben ihr niederließ. Schweigend begann die junge Heilerin, das grau getupften Fell ihrer Freundin zu putzen, während ihr eigener Pelz von Eisfeder geglättet wurde. Als Blütenherz und Funkensturm auftauchten, sprangen Silberstreif und Nelkenpelz auf, um sich ebenfalls mit ihren Clangefährten die Zungen zu geben. Sie wären nie auf die Idee gekommen, die Katze eines anderen Clans zu putzen. „Hab ich einen Hunger“, bemerkte Sandzauber nach einer Weile. Auch in Eisfeders Bauch rumorte es. „Lasst und was fressen“, stimmte Blütenherz ihr zu und sprang auf die Pfoten. Rosenlicht stand etwas unschlüssig herum, als Silberstreif plötzlich vor ihr stand. „Wollen wir uns die Amsel teilen?“ Rosenlicht sah erstaunt auf. Die silberne Tigerkätzin wollte tatsächlich eine Mahlzeit mit einer DonnerClan-Katze teilen! „Ähm... Ja, gerne“, stammelte die junge Heilerin. Silberstreif ließ eine Amsel vor Rosenlichts Pfoten fallen und glitt zu Boden. Glücklich sank auch Rosenlicht wieder auf den sandigen Untergrund zurück und nahm einen großen Bissen von dem Vogel. Silberstreif schlug ebenfalls ihre Zähne in die Federn des schlaffen Körpers und begann zu fressen. „Nach dem Essen werden wir die Zweibeiner angreifen“, hob Nelkenpelz an. „Wir werden uns verteilen und sie von mehreren Seiten überraschen“, sponn Funkensturm das Netz weiter. Und im Nu ist unser Revier wieder zweibeinerfrei!“, rief Blütenherz vergnügt. „Wo sollen wir eigentlich danach hin?“, fragte Eisfeder nachdenklich. „Vielleicht ins FlussClan-Territorium“, schlug Muschelblatt vor und biss in eine Maus. „Das wäre eine gute Idee“, stimmte Rosenlicht zu. „Ich war vorhin mit Nelkenpelz am See, Wasser holen. Das Wasser ist eiskalt“, berichtete Sandzauber und schüttelte sich. „Die Blattleere naht“, miaute Silberstreif besorgt. „Und mit ihr die Kälte und der Hunger.“

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    Ein kleiner Zweig knackte. Blütenherz fuhr zusammen. Einige Fuchslängen entfernt von ihr hob Rosenlicht ihre Pfote und sah sie entschuldigend an. Blütenherz schüttelte den Kopf. DonnerClan... Dann schlich sie weiter. Nicht weit weg roch sie Funkensturm. Gegenüber von ihr, auf der anderen Seite der Lichtung kroch Eisfeder heran, nicht weit entfernt von Nelkenpelz und Muschelblatt. Sandzauber rückte aus einer anderen Richtung näher. Und aus der vierten Richtung wehte der Geruch von Silberstreif. Von allen Seiten schlichen die Katzen heran, und näherten sich den Zweibeinern, die vor ihren Nestern saßen und sich gegenseitig etwas zumiauten. Blütenherz schoss der Geruch der Zweibeiner in die Nase, und sie blieb angewidert stehen. „Was ist?“, zischte Rosenlicht. Blütenherz schüttelte den Kopf. „Nichts“, flüsterte sie und kroch weiter. Sie kamen den Zweibeinern immer näher. Blütenherz' Schnurhaare zuckten. Ihr Schwanz schlug nervös hin- und her. „Jetzt!“ Nelkenpelz' Kommando hallte über die ganze Lichtung. Sandzauber, Silberstreif, Eisfeder, Rosenlicht, Funkensturm und Muschelblatt stürmten los, gefolgt von Nelkenpelz. Mut ließ das Blut in ihren Adern noch schneller pulsieren, sie hörte ihr Herz pochen. Es schlug ihr hart und fest gern die Rippen. Blütenherz stürzte sich ebenfalls ins Getümmel. Die Zweibeiner sprangen auf und hoben die Pfoten. Eisfeder zog ihre Krallen über die Pfote eines Zweibeiners, während Nelkenpelz sich entschlossen in die Pfote eines anderen Zweibeiners verbissen hatte. Ein Schatten senkte sich über Blütenherz, ein weiterer Zweibeiner streckte eine riesige Pfote nach ihr aus und wollte sie hochheben. Blütenherz fauchte und zerkratzte ihm die rosa Pfote. Jaulend zog er sie zurück. Voller Tatendrang sah sich die Schildpattkätzin auf der Lichtung um. Rosenlicht und Sandzauber kämpften erbittert mit zwei Zweibeinern, während Muschelblatt gerade von einem solchen auf die Erde geschleudert wurde, jedoch sofort wieder auf die Pfoten kam. Das durchdringende Miauen von Funkensturm klang in Blütenherz Ohren. Die Zweibeiner zogen sich zurück. Sie stiegen in ein riesiges, stinkenden Monster und rannten weg. Blütenherz blieb erschöpft, aber glücklich stehen. „Wir haben es geschafft!“ Nelkenpelz schoss auf sie zu und berührte ihre Nase mit seiner. Blütenherz schon ihre Schnauze in seinen Pelz und atmete den vertrauten SchattenClan-Geruch ein. Sandzaubers Augen funkelten. „Das war erst der Anfang. Morgen ziehen wir ins FlussClan-Territorium um.“

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    „Brauchst du Hilfe?“ Nelkenpelz kam angesprungen. „Ja, danke“, miaute Silberstreif. Der cremefarbene Kater tötete das Eichhörnchen mit einem Pfotenhieb, als es der silbernen Kriegerin gerade entwischen wollte. Silberstreif ringelte ihren Schwanz um ihre Pfoten. „Ich bin es nicht gewohnt, Eichhörnchen zu jagen“, gestand sie. Nelkenpelz berührte sie sanft an der Flanke. „Ist doch nicht so schlimm. Ab heute werden wir uns großteilig von Fischen ernähren. Da kannst du bestimmt punkten“, tröstete er. „Du hast Recht“, nickte Silberstreif und begleitete ihn zu den anderen. Es war die letzte Mahlzeit im SchattenClan-Territorium. Sie mussten weiter. Nelkenpelz und Silberstreif teilten das Eichhörnchen. Nach dem Fressen schleckte sich Silberstreif noch einmal über die Schnauze und stand dann auf. Rosenlicht nahm ihr Kräuterbündel auf. Muschelblatt glättete ein Büschel schwarzes Fell. Funkensturm übernahm die Führung. „Endlich nach Hause“, seufzte Silberstreif und setzte sich in Bewegung. „Aber nur für kurze Zeit“, erinnerte Rosenlicht sie. „Na hört Mal, immerhin müssen wir wieder von Zuhause weg, obwohl wir gerade erst angekommen sind!“ Blütenherz klang empört. „Ist ja gut“, schnurrte Eisfeder und beschleunigte ihr Tempo. Bald erreichten sie die Geruchsmarkierungen des FlussClans. Zuhause, dachte Silberstreif, als sie mit einem feierlichen Schritt die Grenze überquerte. „Ich weiß, wo wir bleiben können“, erklärte Funkensturm und blieb stehen. „Hier ganz in der Nähe gibt es eine große Linde. In ihrem Geäst könnten wir schlafen“, schlug er vor. „Ich bin doch kein Eichhörnchen!“, rief Nelkenpelz entrüstet. „Du kannst auch gerne unter der Brücke am Donnerweg schlafen“ entgegnete Silberstreif kühl. „Nein danke“, lehnte Nelkenpelz ab. „Da mache ich mir nur die Pfoten nass.“
    „Wo sind die Zweibeiner?“, fragte Eisfeder, als sie ihre Nester gebaut und die Vorräte aufgefüllt hatten. „Nicht weit weg. Wir müssen nur über den Fluss“, gab Silberstreif bekannt und führte die Gruppe an. Sie hörte bereits in der Ferne ihren geliebten Fluss rauschen. Vergnügt beschleunigte die Kriegerin ihren Schritt und setzte elegant über den gurgelnden Strom hinweg. Die anderen Katzen folgten ihr. Silberstreif wusste genau, wo es langging und was sie tat. Sandzauber sprang als letzte leichtfüßig über den Fluss und beeilte sich, nicht den Anschluss zu verlieren. Prompt knallte sie gegen Muschelblatt. Die Gruppe war zum Stehen gekommen, da Silberstreif abrupt angehalten hatte. „Was ist?“, fragte Blütenherz. Silberstreif schüttelte ungläubig den Kopf. „Sie sind weg!“

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    „Wie bitte?“ Nelkenpelz klang genervt. „Die Zweibeiner! Sie sind nicht mehr da!“, entfuhr es Funkensturm. „Das ist doch gut!, Bestimmt haben die Zweibeiner aus dem Kiefernwald sie gewarnt“, vermutete Rosenlicht. „Was es auch ist, sie sind weitergezogen“, miaute Eisfeder. „Dann sollten wir keine Zeit verlieren und das auch tun“, drängte Muschelblatt. Sandzauber nickte zustimmend. „Dann auf zum WindClan-Territorium“, seufzte Blütenherz. Jetzt setzte sich Sandzauber an die Spitze und führte die Katzen am Seeufer entlang.
    Nach einiger Zeit erreichten sie eine große Wiese, umgeben von Zäunen. „Der Pferdeort“, miaute Sandzauber glücklich und rannte los. Geschmeidig schlüpfte sie unter den hölzernen Gittern hindurch. Die anderen taten es ihr nach. „Wo sind die Pferde?“, fragte Eisfeder. Sandzauber drehte sich zu ihr um. „In der Blattleere stehen die Pferde öfters in ihren Nestern. Aber wisst ihr was? Wir sind fast da!“, maunzte sie und sprang auf der Stelle wie ein aufgeregtes Junges. „Dann los“, meinte Muschelblatt und rannte voraus über die riesigen Wiesen. Sandzauber setzte ihm nach. Der kühle Wind der Blattleere schlug ihr entgegen. Vertrauter Geruch wehte zu ihnen herüber. Ihre Pfoten donnerten über das Gras und das Heidekraut. Der Duft von Kaninchen zog ihr in die Nase. Muschelblatt hielt inne. Auch er hatte die Kaninchen gewittert. Rosenlicht sah ihnen die Lust auf Futter an. „Keine Zeit zu fessen“, mahnte sie. Sandzauber scharrte mit einer sandfarbenen Pfote auf dem Boden herum. „Du hast Recht“, miaute sie verlegen und preschte wieder los. Auf einem Hügel bremste sie erneut. „Die Zweibeiner sind auch weg!“, erklärte sie fröhlich. „Ja!“ Muschelblatt machte einen freudigen Satz, wobei er Nelkenpelz umstieß und mit ihm gemeinsam den Hügel hinunterrollte. Unten angekommen löste sich das Fellknäul und Nelkenpelz lachte. Auch Muschelblatt fiel schnurrend in das Lachen mit ein. Sandzauber überlegte nicht lange und stürzte sich auf Silberstreif. In einem Gewirr aus Fell und Pfoten kugelten sich auch die beiden Kätzinnen den grasbewachsenen Hügel hinab. Als sie mit einem Ruck unten ankamen, sprang Silberstreif auf. „Das war toll!“ Doch ihre Freude wurde gestört, als Rosenlicht und Eisfeder heran kugelten. Gerade noch so konnte die FlussClan-Krigerin aus dem Weg springen. Sandzauber plumste erschöpft zu Boden und genoss den kalten Wind, der ihr das Fell zerzauste. Wie sehr habe ich das vermisst...

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    Eine kalte Schneeflocke landete auf Eisfeders Nase. „Schnee! Rosenlicht, es schneit!“, miaute sie aufgeregt. „Ist nicht zu übersehen“, schmunzelte die Heilerin. „Freut ihr euch auf zu Hause?“, fragte Blütenherz und trat aus dem Brombeerdickicht, in dem die Katzen die letzte Nacht verbracht hatten. „Ja, und wie“, gestand Eisfeder. „Ich bin bereits Zuhause“, brummte Sandzaubers Stimme noch halb schlafend aus dem Busch. Rosenlicht starrte in das weiße Treiben. „Aber ich werde euch vermissen. Die Zeit mit euch: Unabhängig der Grenzen, das war so schön!“, beteuerte sie. „Da hast du Recht“, maunzte Eisfeder, trat neben sie und leckte ihr den Pelz, der in der Blattleere immer Dichter geworden war. „Wir müssen jetzt los. Es war uns eine Ehre, mit euch die Zweibeiner vertreiben zu dürfen“, erklärte Nelkenpelz und schnippte mit dem Schwanz. Blütenherz trat aus dem Brombeerstrauch und stellte sich neben ihren Clangefährten. „Auf Wiedersehen!“ Eisfeder sah den beiden Katzen zu, wie sie über den Hügel trabten und dann im Schnee verschwanden. „Wir müssen uns auch auf den Weg machen“, entschuldigte sich Funkensturm. Neben ihm stand Silberstreif. „Bis bald!“, verabschiedete Rosenlicht die beiden. Im Nu rannten die FlussClan-Krieger davon und hinterließen im Schnee nur noch blasse Pfotenabdrücke, die langsam zugedeckt wurden. Rosenlicht sah Eisfeder an. Die nickte ihr zu. „Wir müssen uns leider auch schon verabschieden“, miaute Eisfeder enttäuscht. „Macht nichts“, versicherte Sandzauber und presste sich an ihre neue Freundin. „Es war schön mit euch“, fügte Muschelblatt hinzu. „Auf Wiedersehen!“ Rosenlicht trabte neben ihrer Freundin den Hügel hinauf. Eisfeder blieb noch ein letztes Mal stehen und blickte zurück. Dort saßen zwei Katzen im Schnee und verfolgten ihre Pfotenabdrücke glücklich mit den Augen. Eisfeder spürte den Schwanz ihrer Freundin auf ihrer Schulter und wandte sich ihr wieder zu. Dann sahen sich die beiden jungen Katzen an. Wie auf ein lautloses Kommando rannten sie den schneebedeckten Hügel hinab in wirbelten eine Wolke aus Puderschnee auf. Ihre Pfotenabdrücke führten bis zu einem Felsenkessel, der verdächtig vertraut nach DonnerClan roch. Zuhause, dachte Eisfeder und betrat das Lager, wobei sie sich vollkommen auf ihre Sinne konzentrierte. Sie hörte die vertrauten Stimmen ihrer Gefährten. Sie spürte neben sich den vertrauten Pelz von Rosenlicht. Sie sah das vertraute Lager vor sich. Sie doch den vertrauten Geruch des DonnerClans. Und sie schmeckte den vertrauten Geschmack von Wärme und Geborgenheit auf ihrer Zunge.

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Kommentare (3)

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Soso2005magic (31707)
vor 169 Tagen
@ANINAS dankii😍Du hat sie also jetzt gelesen😂♥
ANINAS (04883)
vor 171 Tagen
OMG👍😱❤️Meeeega
Soso2005magic (67033)
vor 171 Tagen
Ich weiß, diese FF kommt teilweise sehr Nahe an die Story von: Staffel 4, Band 1 "Der vierte Schüler" heran, trotzdem hatte ich so viel Lust sie zu schreiben. Ich hoffe, sie gefällt euch trotzdem. LG,
Sandzauber