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Das Biest und der Tyrann - Teil 48

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1 Kapitel - 7.028 Wörter - Erstellt von: Ronja - Aktualisiert am: 2018-01-24 - Entwickelt am: - 890 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

Danke an die treuen Leser, die mich hin und wieder mal anstupsen und mich zwingen weiterzuschreiben.

    1
    Kids Sicht
    Sie gibt sich mit der Antwort zufrieden. Ist für sie auch nicht so wichtig, was wir gemacht haben. Eigentlich ist es auch vollkommen egal. „Auf jeden Fall habt ihr HIER einiges verpasst“, sagt Grit. „Achja und was?“, fragt Alex nach. Mir gefällt sein Ton nicht. Er ist immer so vorlaut und redet mit so einem aggressiven Unterton. Ich möchte nicht, dass er so mit Grit spricht. Am liebsten würde ich ihm gleich zurechtweisen, aber ich halte meinen Unmut zurück. Grit gibt mir einen kurzen Seitenblick und antwortet dann: „Tja, das habt ihr wohl leider verpasst!“ Sie grinst. Während die anderen nun abgelenkt sind, wendet sich Grit mir zu. „Was ist los?“, flüstert sie mir zu. Sie hat meine Unzufriedenheit gespürt. Ihr Haki ist gut trainiert. Ich lächle leicht. „Alles in Ordnung“, entgegne ich und gebe ihr einen Kuss auf den Mund. Sie lächelt und wendet mit roten Wangen ihren Blick auf meine Hand, welche auf ihrem Bein liegt. Ich nehme ihr Gesicht und drehe es wieder zu mir. „Was hast du den Nachmittag so getrieben?“, frage ich. Ich bereue ein bisschen, dass ich nicht mehr Zeit mit Grit verbracht habe. Stattdessen bin ich mit den Jungs losgezogen. „Ich wurde die ganze Zeit geärgert“, antwortet sie. „Wie bitte?“, entgegne ich etwas lauter als gewollt. Grit kichert. „Nicht so, wie du denkst!“, sagt sie. „Auf mich wurden vier oder fünf Attentate ausgeübt, aber zum Glück konnte ich alle vereiteln. Deine Jungs haben es anscheinend zur Lebensaufgabe gemacht, mich ins Wasser zu schmeißen. Aber nicht mit mir!“ Ich grinse. Achso! Die Wette! Scheint so, als hätte ich noch Chancen zu gewinnen. Eigentlich wollte ich da ja nicht mitmachen, aber wenn es so viele versucht und nicht geschafft haben, kann ich einfach nicht wiederstehen. Ich muss meine Überlegenheit demonstrieren. „Das ist mein Mädchen“, sage ich dennoch stolz. Grit beißt sich auf die Unterlippe. Wir sind uns ganz schön nah. „Ich habe dich vermisst“, sage ich leise. Grit nickt benommen. „Ich dich auch“, haucht sie. In ihren grünen Augen kann man echt versinken. Ich gebe ihr wieder einen Kuss auf die Lippen. Grit setzt sofort nach. Ich liebe es. Ihre Küsse sind so emotional, so leidenschaftlich. Grit gibt mich nicht mehr frei. Und das will ich auch gar nicht. In mir ist so viel Verlangen nach ihr. Natürlich kommen sogleich Pfiffe und Kommentare. Schließlich sind wir nicht alleine. Das ist der Grund, weshalb ich es lieber mag in solchen Situationen mit Grit alleine zu sein. Ich greife unter Grits Körper und hebe sie beim Aufstehen hoch. Sie hält sich locker an meinem Hals fest und lächelt in den Kuss rein. Ich trage sie zum Pool. Eigentlich würde ich sie viel lieber ins Zimmer tragen, aber ich will sie auch wirklich gerne in den Pool schmeißen. Grit ist viel zu sehr in den Kuss vertieft und merkt nicht, was ihr bevorsteht. Da bin ich mir ganz sicher. Ich stehe am Beckenrand. Tut mir leid, Süße! Ich schmeiße sie ins Wasser. Schreiend geht sie unter. Lautes ausgelassenes Jubeln und Siegesgeheul ertönt. Grit taucht panisch wieder auf und hustet sich das Wasser aus der Lunge. Auf ihrem Gesicht huschen einige Emotionen durcheinander. Letztendlich entscheidet sie sich für einen irritierten Ausdruck. „Was ist hier los?“, fragt sie verwirrt. Ich gehe in die Hocke und grinse breit. Grit kommt an den Rand ran. „Ich habe die Wette gewonnen“, erkläre ich. „Welche Wette denn?“, fragt sie weiter. „Die Wette, wer es schafft dich ins Wasser zu werfen.“ Sie sieht gar nicht glücklich aus. „Alle wussten davon?“ Jetzt bekomme ich ein schlechtes Gewissen. Das scheint sie echt verletzt zu haben. „Komm raus, Kleine“, sage ich sanft und strecke ihr den Arm entgegen. Plötzlich trifft mich ein Schwall Wasser. Erschrocken lasse ich mich nach hinten fallen. Ich höre Grits triumphierendes Lachen. Ich wische mir das Wasser aus dem Gesicht. Grit kommt auf allen Vieren auf mich zu und setzt sich neben mich. „Ich kann nicht glauben, dass du mich für ein paar billige Diamanten ins Wasser schmeißt“, sagt sie empört. Allerdings meint sie das glaube ich nicht ganz ernst. „Wir haben nur um 2500 Berry gewettet“, werfe ich ein. Sie boxt mir in den Oberkörper. „Hey!“, sage ich empört. „Bin ich etwa nicht mehr wert?“ Ich lege den Kopf schräg. Hä? Erst wirft sie mir vor, um sie gewettet zu haben und dann ist ihr der Einsatz nicht hoch genug? „Vielleicht solltest du heute Abend lieber auf der Couch schlafen“, sagt sie provozierend und unterdrückt ein Grinsen. Alles klar! Ich fahre mir mit der Zunge über die Unterlippe. Grits Aufmerksamkeit lenkt sich auf meinen Mund. Ich grinse. „Ich schlafe nur auf der Couch, wenn du auch auf der Couch schläfst“, entgegne ich und gebe ihr einen Kuss. „Komm!“ Ich stehe auf und ziehe Grit mit hoch. „Du solltest dich umziehen.“ „Das könnte ein Problem werden“, sagt Grit und wringt ihre Dreads aus. „Ich habe keine trockene oder saubere Kleidung mehr hier und zurück zum Schiff wollte ich jetzt echt nicht mehr.“ „Ich hab ne Idee!“, sage ich. In dem Hotel habe ich einen Raum entdeckt. Ich führe Grit dahin. „Wer hat denn sonst noch so versucht dich ins Wasser zu schmeißen?“, frage ich beiläufig, aber tatsächlich interessiert es mich brennend, wer alles an Grit gescheitert ist. „Hm…“, sagt sie. „Also da hätten wir Stulle und Cracker, die müsstest du doch eigentlich mitbekommen haben. Dann hatte Teddy es auf mich abgesehen. Ziemlich kreativ, das muss ich zugeben, aber trotzdem ist er gescheitert. John und Kalle, bei denen wäre es beinahe eskaliert. Ich hätte dich da gut gebrauchen können.“ „Was ist denn passiert?“ „Naja, als sie beide im Wasser gelandet sind, haben sie sich mächtig in die Haare gekriegt und angefangen sich gegenseitig umzubringen. Letztendlich habe ich ihnen eine Lektion erteilt und hoffe, dass das für heute Abend erst einmal reicht!“ Ich lache laut los. „Du meine Güte! Das klingt ja brutal!“ „Dann haben es ganz am Anfang noch Phil und Till versucht, aber das hast du doch bestimmt auch mitgekriegt, oder nicht?“ Ich zucke mit den Schultern. „Doch ich glaube schon!“ „Und von all denen hatte Markus noch die beste Chance. Die anderen haben mich direkt angegriffen und versucht durch Kraft und Überraschung, ins Wasser zu befördern. Markus hat mich beinahe ins Wasser geführt. Es hätte bestimmt auch geklappt, aber ich war noch zu vorsichtig, wegen dem Angriff zuvor.“ Da haben es ja echt eine ganze Menge versucht. Das mit den Frontalangriffen hat natürlich nicht funktioniert. Grit hat ihr Haki wirklich gut trainiert. Es musste ein ruhiger Angriff sein. Dann wenn sie sich sicher fühlt. „Oh, und dann war da natürlich noch mein Mann, der die ganze Zeit unauffindbar ist und sich nur dann zeigt, um mich ins Wasser zu schmeißen.“ Ich lache wieder auf. „Du bist doch nicht böse, oder?“, frage ich. Wir bleiben vor der Tür stehen, die zu dem Raum führt, in den ich möchte. „Vielleicht ein bisschen“, gibt sie zu. „Das tut mir leid! Ich mach es wieder gut!“ „Nein! ICH mach es wieder gut!“ Grit grinst schelmisch. „Ohje! Dann muss ich auf der Hut sein“, sage ich grinsend. „Wir sind übrigens da.“ „Wo?“ „Na hier!“ „Ja, und was ist hier?“ „Ein Raum…“ „Ui, toll!“ „Nein warte! Lass mich ausreden. Ein Raum mit Kleidung!“ Grit kichert. Ich mache die Tür auf und das Licht an. Es scheint die Reinigung gewesen zu sein. Auf mehreren Kleiderständern sind Kleider und feine Anzüge mit kleinen Zetteln dran. „Oh nein! Das ziehe ich ganz sicher nicht an!“ Grit bleibt in der Tür stehen. „Aber in deiner nassen Kleidung kannst du auch nicht bleiben. Da wirst du noch krank! So warm ist es nämlich nicht mehr.“ Ich schiebe Grit in den Raum, damit ich an ihr vorbeikomme. „Das ist doch total unpraktisch“, jammert sie. Grit nimmt ein Kleid vom Kleiderständer und zeigt es mir. Es ist ein Abendkleid. Hier sind NUR Abendkleider. „Ich bin doch keine Discokugel!“ Das Kleid glitzert und funkelt wie verrückt. Ich grinse breit. Das passt tatsächlich absolut gar nicht zu ihr. „Wie sieht das denn aus? Alle tragen ihre normale Kleidung und ich quetsche mich in diese unbequemen Sachen.“ Sie erzittert. Wenn sie nicht bald aus ihren Klamotten kommt, wird sie noch krank. Es ist hier drinnen nämlich wirklich ziemlich kühl. „Wie wäre es denn hiermit? Wenn man diese komischen Puffärmel abmacht sieht es doch ganz in Ordnung aus“, schlage ich vor. Grit schüttelt energisch den Kopf. Ich lasse das Kleid fallen und suche ein anderes raus. „Nein!“, sagt sie. Gar nicht so einfach. „Und das?“ „Nein!“ „Dieses?“ „Niemals!“ Puh… Ich finde eins, welches ganz und gar nicht nach Abendkleid aussieht. Eher so ein Strandkleid oder so. Ich halte es Grit hin. Sie betrachtet es kritisch. Schließlich nickt sie. Na endlich! Ich gebe ihr das Kleid. Grit zittert schon. Sie zieht sich das T-Shirt aus. Ich will wirklich nicht ungeniert gucken, aber wenn sie sich so direkt vor mir auszieht, kann ich nicht anders als hingucken. Mit roten Wangen und zu Boden gerichtetem Blick, zieht Grit sich das Kleid über. Es ist bodenlang und Grit definitiv ZU lang. Sie zieht sich unter dem Kleid den BH und die Hose aus. „Ähm…“, fange ich einen Satz an, aber beende ihn nicht. Ich will Einspruch erheben, jedoch ist er unangebracht. Grit greift nach meinem Messer und schneidet das Kleid auf Kniehöhe ab. Sie schaut auf und mir in die Augen. „Du siehst gut aus“, sage ich, um sie zu bestärken. Sie seufzt. „Nagut!“, sagt sie und lächelt. „Das wird draußen allerdings eher kalt.“ Ihre Stimmung scheint sich wieder ein wenig aufzuhellen. Ich schau mich um und gebe ihr eine Anzugjacke. Sie zieht sie an und zeigt grinsend ihre Arme. „Die ist ja riesig!“, kommentiert Grit. Ich grinse auch. Die Ärmel sind viiiiel zu lang. „Ich schau, ob ich eine kleinere finde“, sage ich. „Ach geht schon!“ Grit krempelt die Ärmel ein Stück hoch, damit ihre Hände zum Vorschein kommen. Sie sieht wirklich niedlich aus mit dieser großen Jacke. „Ich brauche noch irgendwie ein Band oder ein Tuch oder so“, murmelt sie und sucht die Kleiderständer ab. Sie kommt wieder mit einem roten Tuch in den Haaren und zusammengebundenen Dreads. „Wie sehe ich aus?“, fragt sie und dreht sich einmal. „Super süß!“ Ich ziehe sie an der Hüfte ganz nah zu mich ran. Sie lächelt. „Ich will dich heute mit niemanden mehr teilen“, flüstere ich ihr ins Ohr. Grit kichert. „Ich fürchte das wird nichts, Schatz! Das werden dir die Jungs nicht durchgehen lassen“, erwidert sie. „Aber ich bin ihr Käpt’n!“ „Eben drum…“ Ich lehne meine Stirn an ihre und schaue ihr in die Augen. Sie hält meinem Blick stand. Ihr warmer Atem streicht über mein Kinn. Ich spüre, wie ihre Brust sich hebt und senkt, wenn sie atmet. Grit zieht mit ihrem Daumen sanfte kleine Kreise über meinen Unterarm. Nie wieder soll dieser Moment aufhören! „Komm“, haucht Grit. „Du wirst sicher schon vermisst.“ Aber natürlich! Mit meiner Crew hat man nur Ärger. Grad wünsche ich mir ein bisschen, dass keine Verpflichtungen als Kapitän auf mich warten. „Ach Quatsch“, entgegne ich lächelnd. „Sie vermissen nur dich!“ Grit kichert. „Komm, du Spinner“, sagt sie, nimmt mich bei der Hand und führt mich raus. Meine Süße… Im Garten ist allerhand los. Man erblickt mich und eine Menge Bierkrüge und Flaschen werden grölend in die Höhe gehalten. Offensichtlich ist bereits ziemlich viel Alkohol geflossen und es macht nicht den Anschein, als wäre bald damit Schluss. John löst sich von der Bar und schließt sich uns an. Er pfeift und sagt: „Du meine Güte Grit! Du ihm Kleid! Das ich das noch einmal erleben darf!“ „Gewöhn dich lieber nicht dran“, erwidert Grit lachend und schubst ihn zur Seite. Er zieht ebenfalls lachend wieder ab. Ich steuere mit Grit wieder auf den Pavillon zu. Wir treten ein und sofort wird uns ein Platz mittendrin freigemacht und wir bekommen jeder ein Bier in die Hand gedrückt. Grit neigt sich zu mir. „Sag mir Bescheid, wenn ich lalle und nicht mehr gerade stehen kann“, raunt sie mir ins Ohr und setzt grinsend die Flasche an. Ich nicke ihr zu. „Ey Leute! Es geht weiter! Ich hatte gerade 24!“, ruft Ruben. „25!“ „26!“, sagt Thomas, der neben Grit sitzt. Alle schauen Grit erwartungsvoll an. Ich auch, von der Seite. Sie schaut etwas verwirrt aus. „Äh… 27?“ Ein Aufschrei geht rum. Ich lache. „TRINKEN! TRINKEN! TRINKEN!“, feuern die Männer sie an. „AHH! Was ist hier los? Ich verstehe nichts!“, ruft sie ahnungslos aber amüsiert aus. „Du hättest Bumms sagen müssen“, meint Bill und lacht. Lacht sie ein bisschen aus, glaube ich. „HÄ?“ Ich trinke genüsslich einen Schluck Bier. Ich bin gerade ganz gerne nur Zuschauer. „Ist doch klar! 27! Bumms!“, sagt Jaik und lallt dabei schon ziemlich. Alex prustet los vor Lachen. Grit schaut sich hilfesuchend um. Es sieht nicht so aus, als könnte ihr jemand eine vernünftige Erklärung liefern. „Kid! Erkläre mir doch mal bitte was hier los ist!“, fährt sie mich an. Ich lache. „Nö! Ich find‘s gerade eigentlich ganz witzig“, entgegne ich ihr und trinke noch einen Schluck. „Hallo-o? Deine Frau braucht hier mal Hilfe“, sagt sie empört und schaut mich gespielt entrüstet an. Ich mache es mir so richtig gemütlich und lege den rechten Arm hinter Grit auf die Lehne. „Ja, zeig ihr wer der Boss ist!“, wirft Bill ein. „Du Blödmann!“, schmollt Grit und boxt mir in den Bauch. Dabei verschlucke ich mich an dem Bier, dass ich gerade trinke. Ich beuge mich nach vorne und pruste. Oh man! „Die Hexe will den Käpt’n umbringen“, ruft Thomas grinsend. Und im nächsten Moment ruft er: „Ey! Lass mich los!“ Bei mir legt sich der Hustenanfall langsam wieder. Zur Beruhigung erst einmal ein Schlückchen. So, und was ist jetzt hier los? Grit hat Thomas im Schwitzkasten. „Los! Mach ihn alle!“, wird Grit angefeuert. „Du wirst dich doch wohl daraus befreien können!“, wird Thomas angefeuert. Tatsächlich kann er sich nicht befreien. Grit grinst und ihr Bizeps ist mächtig angespannt. Ich misch mich da nicht ein. „Ja, was ist denn hier los?“, lallt Teddy gut gelaunt und ziemlich laut. Natürlich wendet sich alle Aufmerksamkeit auf ihn. Auch Grit. Ihr Griff lockert sich aber kaum merklich. „Diese Affen hier wollen mir nicht erklären, wie das Spiel geht, welches sie spielen“, ergreift Grit gleich das Wort. „Na so ist das auch kein Wunder. Aus mir könntest du auch nichts herausprügeln.“ Er torkelt ein bisschen rum und lehnt sich an den Eingangspfeiler, trinkt aus seiner Sakeflasche und rülpst. „Um welches Spiel geht es denn, Püppchen?“ Ich habe kaum Zeit wütend oder laut zu werden, da zerbricht bereits eine Flasche Bier an dem Pfeiler direkt über seinem Kopf. Teddy rutscht erschrocken auf den Boden. Ich schaue zu meiner Rechten. Bill nimmt sich in Seelenruhe ein neues Bier und öffnet es mit der Kante seines Schlagringes. Teddy schaut mit etwas Angst im Blick zu mir. Meine Miene ist hart. Ich ziehe eine Augenbraue hoch. Wenn er im Kampf nicht so gnadenlos wäre, hätte ich ihn nie in so eine hohe Stellung gebracht. Er hat keinen Respekt. „Die haben alle durchgezählt und als ich 27 gesagt hab, sollte ich trinken!“, erklärt Grit und legt, im Gegenteil zu vorher, etwas mehr Ungezwungenheit in ihre Stimme. Teddy fängt an zu lachen. Um die Stimmung wieder ein bisschen zu lockern, gibt Grit jetzt sogar wieder Thomas frei. Dieser reibt sich den Nacken und lässt ihn knacken. „Alter! Du hast einen Griff, wie ein Schraubstock“, sagt er grinsend. „Sorry“, erwidert Grit und zieht die Schultern hoch. „Also“, fängt Teddy an und muss hicksen. „Also das Spiel heißt Bumms! Bei jeder dings die man durch trei teilen kann, musst du Bumms sagen.“ Er betont Bumms immer extra. Grit ist schon breit am Grinsen. Sie legt eine Hand auf mein Knie. Auch mein Unfrieden löst sich langsam. „Wenn du das nicht tust, musst du trinken. Prost!“ Die Männer prosten ihm zu und gemeinsam trinken sie einen Schluck. Grit schüttelt grinsend den Kopf. „Und wenn dann eine Zahl kommt in der eine trei vorkommt“ Grit fängt an zu kichern und auch ich kann ein Grinsen kaum noch unterdrücken. „wird die Richtung gewechselt!“ Teddy zeigt mit den Armen in die entgegengesetzten Richtungen. „Sagst du eine Zahl falsch, musst du?“ Er zeigt auf Grit. „Trinken?“ Teddy applaudiert ihr. So gut es eben geht, wenn man betrunken ist und ne Buddel in der Hand hat. Grit wendet sich mir zu. „Na siehst du! Wäre das jetzt zu viel verlangt gewesen, mir das zu erklären?“, sagt sie und grinst herausfordernd. „Es geht halt nicht immer nur nach deiner Nase“, kontere ich grinsend. Sie reist sprachlos Augen und Mund auf und schaut mich empört an. Ich lache. Grit schüttelt den Kopf. Sie ist mir nicht böse, das weiß ich. Zwar dreht sie mir nun den Rücken zu, aber sie lehnt sich an meine Seite. „So!“, ruft sie laut. „Kann es nun weitergehen?“ „Du musst erst noch trinken!“, erwidert Alex forsch. Grit hebt die Flasche hoch und trinkt demonstrativ einen großen Schluck. „Schatz! Du bist dran.“ Ich lache über sie. Ich liebe einfach ihre Art. „28!“ „29!“ „Bumms!“, sagt Jaik. „31!“, sagt Mike. „32!“ „Bumms!“ Die beiden schmeißen sich gegenseitig den Ball zu und werden dabei immer schneller. „36!“, sagt Jaik schließlich und macht damit einen Fehler. „Triiiiinkeeeeen!“, ruft Grit sogleich laut und hebt ihre Flasche hoch. Ich grinse dick und fett. Innerlich lache ich. Die Männer grölen. Letztendlich beenden die beiden die dreißiger und die Runde kann weitergehen. „Bumms meine Herren!“, kündigt Grit laut an. Während es weitergeht stelle ich mein Bier neben mich und greife nach einer Dread, welche sich aus dem Haarknödel gelöst hat. Grits Haare sind nass auf meinem nackten Oberkörper, aber das stört mich nicht. Vorsichtig stecke ich Grit die Dread ins Ohr. „EY!“, schreit sie auf und zuckt zusammen. Ich breche in lautes Gelächter aus. Sie wischt sich die Dread aus dem Ohr und reibt darüber. Breit grinsend dreht sie sich wieder zu mir um. „Du Blödmann! Das war eklig“, sagt sie und reibt sich immer noch übers Ohr. Ich hingegen lache immer noch. Schließlich steigt sie kichernd mit ein. Sie droht mir noch einmal mit dem Zeigefinger, dann lehnt sie sich wieder an mich. „Du bist dran“, sagt Thomas zu ihr. „Hm? Was hattest du denn eben?“, fragt Grit nach. „56!“ „57!“ „TRINKEN!“, jubeln die Männer triumphierend. Grit fängt an zu lachen. Sie trinkt, ich bin dran. „58!“ Unbemerkt nehme ich wieder die lose Dread in die Hand und will sie noch einmal in Grits Ohr stecken, aber sie kommt mir zuvor und greift sanft nach meiner Hand. „Diesmal nicht, Käpt’n!“, kommentiert sie. Ich grinse hinter ihrem Rücken. Grit verschränkt ihre Finger mit meinen. Mike stößt mich von der Seite an. „Hm? Achso, 69!“ „TRIINKEEEEEN!“, ruft Grit wieder. Ach Mist! Ich war abgelenkt. Da ich an mein Bier gerade nicht ankomme, nehme ich Grit ihrs aus der Hand und trinke ein paar Schlucke. „Geht’s noch!“, protestiert sie, als sie ihrs wiederbekommt. „Du hast es ausgetrunken!“ Sie dreht sich wieder zu mir um, schaut mich mit zusammengekniffenen Augen an und lehnt sich über mich rüber, um sich meins zu schnappen. Ich grinse. „Das ist ja auch fast leer“, schmollt sie. Sie ist süß. Ich gebe ihr einen kurzen Kuss auf den Mund. „Keine Sorge, wir haben noch genug“, sage ich und gebe Thomas einen Wink. Er sitzt da an der Bierquelle. Sogleich halten wir beide ein neues Bier in der Hand. „Siehst du!“ Sie lächelt und lehnt sich an meine Seite.

    Grits Sicht
    „Na dann zeig, was du kannst“, fordere ich Ruben auf. Er geht in Stellung, schwankend, hält er das Messer an der Klinge und zielt auf den Sessel. „OU!“ Ich klopfe ihm auf die Schulter. „Immerhin hast du das Polster getroffen. Und nur zehn Centimeter weiter unten, dann hättest du auch den Kreis getroffen“, muntere ich ihn sarkastisch gemeint auf. „Dann mach es mal besser!“, schmollt Ruben. „Kein Problem!“ Ich trinke noch ein Schluck und stelle meine Flasche ab. Erwartungsvoll drehe ich mich im Kreis. „Wo ist mein Messer?“ „Das musst du dir schon selber holen!“, grölt Thomas. Ich halte abwehrend meine Hand hoch. Er muss mich ja nicht so anschreien. „Oookay!“ Ich gehe auf den Sessel zu. Huch! Er hat sich gerade bewegt. Grade war er noch weiter links. Naja. Ich ziehe das Messer raus, nehme es bei der Klinge und drehe mich um. „Stopp, stopp, stopp, stopp, stopp!“, ruft Kid aufgeregt. Was ist denn nun los? „Du musst von hier aus werfen!“ Ich nicke. „Hatte ich auch vor!“, sage ich und ziele. „Neeeein!“, unterbricht Kid wieder. Was soll das denn? Ich schaue ihn misstrauisch an. Will er mich etwa wieder reinlegen? Er kommt auf mich zu und nimmt mir das Messer aus der Hand. „Hey!“ „Du bekommst es gleich wieder, wenn ich nicht mehr um mein Leben fürchten muss“, kommentiert er. Kid führt mich dahin, wo er eben stand und dreht mich um. „Siehst du den Sessel? Da musst du hinwerfen!“ Die Jungs lachen. Das die es wagen Kid auszulachen? Und der toleriert das auch noch. Ist mir ja unverständlich. „Kann ich denn jetzt?“, frage ich ungeduldig. Kid gibt mir das Messer zurück. „Besten Dank“, sage ich. Ich bin ja schließlich ein höfliches Mädchen. Ich ziele wieder. „Hepp!“, sage ich. Die Jungs grölen. „Hm! Ich kann das Messer nicht sehen“, sage ich. Zur Kontrolle gucke ich in meiner Hand nach. Da ist es auch nicht mehr. „Komisch! Es muss durch den Sessel durchgegangen sein!“ „Nein Grit!“, antwortet Bill und kriegt die Wörter kaum raus vor Lachen. „Du hast nicht getroffen.“ Ich zucke mit den Schultern. Kann ja mal passieren. „Nächster!“, rufe ich laut und widme mich wieder der Sakeflasche. Komisch! Ich habe da doch nur eine hingestellt. Wem gehört denn die andere? Ich greife nach der Flasche und will sie wieder ansetzen, als sie mir aus der Hand genommen wird. Kid! Der schon wieder. Der klaut mir heute Abend alle Sachen. Ich will protestieren, aber er ist schneller. Er greift mich bei der Hüfte und plötzlich werde ich getragen. „Hui! Wie in guten alten Zeiten, nicht wahr?“, juble ich. „Hm…“, stimmt Kid mir zu. „Oh, sind wir schon da?“, frage ich, als er mich wieder absetzt. Ich bin ja wieder im Pavillon. Kid streicht mir über die Wange. Es ist hier irgendwie etwas ruhiger. Die Musik ist nicht so laut und niemand schreit mehr rum. ICH schreie nicht mehr rum. „Ich sollte dir doch sagen, wenn du anfängst zu lallen“, sagt Kid ernst. „Ich würde sagen, dieser Punkt ist mehr als überschritten!“ „Oh!“, sage ich bestürzt. „Das habe ich gar nicht gemerkt.“ „Eben hättest du das Messer beinahe in die falsche Richtung geworfen und sicherlich auch jemanden getroffen.“ Ich schlage die Hände vor den Mund. „Das tut mir sooooo Leid!“ Kid lächelt. Na endlich! „Schon gut! Aber ich denke mit Alkohol ist Schluss!“ „Ja du hast Recht!“, nicke ich reumütig. Ich halte mir den Bauch. Da bahnt sich was zusammen. Was ist es bloß? Oh, ich weiß! Schnell lehne ich mich aus dem Pavillon raus und kehre mein Innerstes nach außen. Kid legt seine Hand sanft auf meinen Rücken. Erschöpft sinke ich zurück auf meine Knie. „Sorry“, sage ich und fange an zu weinen. Das findet Kid jetzt bestimmt richtig doof, dass ich gekotzt habe. „Hey“, sagt er sanft und zieht mich an sich. „Das kann doch mal passieren! Besser du tust es jetzt, als später irgendwo bewusstlos. Und dann erstickst du an deiner eigenen Kotze!“ „Iiiihhh“, heule ich. „Hör auf so was Ekliges zu sagen.“ „Dann hör auf zu weinen.“ Ich schniefe. „Okay.“ Kids Körper bebt. Er lacht. Glaub ich. Widerwillig muss ich auch lachen. „Komm, Kleine!“, sagt er. „Wir besorgen dir jetzt erst einmal Wasser.“ Ich stehe schwankend auf. „Kannst du laufen?“ „Natürlich!“, pampe ich ihn an. Was für ne Frage. Kid seufzt. „Das nächste Mal stoppe ich dich früher. Bei diesen schnellen Stimmungswechseln komme ich nicht hinterher.“ Wir nähern uns wieder den anderen und die Geräusche werden lauter. Mit den Geräuschen kehrt auch wieder meine Stimmung zurück. Da drüben spielen ein paar Leute Beerpong. Ich will aaaaauuuch. „Juhuuuu!“ Ich laufe los, aber werde sofort gestoppt. „Nix da!“, sagt Kid. Er legt seinen Arm um meinen Bauch und trägt mich wie ein kleines Kind. Hmpf! Ich verschränke die Arme und schmolle. So habe ich mir den Abend aber nicht vorgestellt. Er setzt mich an der Bar auf einen der Barhocker. „Falle mir da jetzt nicht runter“, ermahnt er mich grinsend. Ich zeige ihm ein kleines Lächeln. Süß ist er ja! Er beugt sich über die Bar. „Dein ganz persönlicher Sake für den Rest des Abends!“ Er hält mir eine Flasche Wasser hin. Ich kichere und nehme sie an und stürze gleich die Hälfte runter. Man habe ich einen Durst. Ich setze die Flasche wieder ab und rülpse laut. Kid lacht. „So einen lauten habe ich noch nie zu Stande gebracht“, sage ich stolz. „Das kann ich aber lauter“, wirft einer von der Seite ein. Ich schaue ihn verdutzt an. Wer ist das? Er trinkt sein Bier in großen Zügen aus, klopft sich auf die Brust und rülpst so gigantisch laut, dass ich fast aus den Latschen kippe. „Wow!“, rufe ich begeistert und drehe mich zu meinem Mann. „Kid, hast du das gehört?“ Kid lacht laut und haut auf den Tisch. Ich warte gespannt, bis er aufhört. „Schatz, ich stehe direkt neben dir. Natürlich habe ich das gehört“, erklärt er. „Oh!“ Ich grinse und drehe mich wieder zu dem Rülpsertyp. „Ich bin Grit!“, sage ich und strecke ihm höflich die Hand entgegen. „Und das ist mein Mann Kid! Er ist Kapitän der Kid Piraten!“ Beim Erklären zeige ich mit der anderen Hand auf Kid. Dieser fängt schon wieder laut an zu lachen. Er ist wohl gut drauf. Der Typ nimmt grinsend meine Hand und schüttelt sie. „Na, wenn du Grit bist und der da Kid, dann bin ich wohl der Joschka!“, antwortet er. Ich nicke. Klingt logisch. Hätte ich auch selbst draufkommen können. „Ist die immer so drauf?“, fragt Joschka an Kid gewandt und zeigt auf mich. Ich schaue ihn erwartungsvoll an. Kid antwortet aber nicht, sondern lacht nur. Hm… das war wohl eine dieser Fragen auf deren Antwort man nicht warten muss. Ich drehe mich zur Bar. „Hui!“ Der Stuhl dreht sich mit. Ich stoße mich an der Platte ab und drehe mich im Kreis. „Aiiiiiaiaiaiiiiaiaiii… Huch!“ Ein lauter Knall ertönt und vor schrecke falle ich nach hinten. Jemand fängt mich auf. Kid natürlich. „Was war das?“, frage ich geschockt. „Einige der Männer sprengen noch ein bisschen die Stadt“, erklärt er. „Ahhh!“ Na klar! Macht ja auch Spaß! „Trink mal noch was!“ „Ai, Käpt’n!“ Ich halte die Hand an die Schläfe. „Das macht man mit der anderen Hand“, kommentiert Kid grinsend. Ich nehme die Hand wieder runter. Oh Mist! Welche hatte ich jetzt eben oben? Ich glaube die, dann muss ich jetzt die andere nehmen. „Die andere, Grit. Die Rechte muss nach oben!“ Ach, war doch falsch. Dann jetzt eben die andere. „Ai, Käpt’n!“, sage ich noch einmal. Kid drückt meinen Rücken wieder hoch. So schnell kann es gehen. In meinem Kopf dreht sich noch so einiges. Wasser! Wasser! Wasser! Wo ist das Wasser? Aha! Da ist es ja. Ich trinke.

    Wie spät ist es bloß? Ich kann nicht mehr schlafen. Die Sonne ist am Aufgehen und ich muss aufstehen. Kids Arm liegt über mir. Ich muss grinsen. Er schläft so friedlich. Vorsichtig verlasse ich das Bett und gehe ins Bad. Mein Körper ist steif und ich spüre, dass ich definitiv zu viel Alkohol gestern hatte. Träge putze ich mir die Zähne. Ich wasche mir mit kaltem Wasser das Gesicht. Das erfrischt und spült den Schlaf weg. Ich rücke mein Kleid zurecht und geh auf den Balkon. Der Morgen ist kühl und angenehm. Ich strecke und dehne mich und vertreibe die Müdigkeit aus meinem Körper. Gestern Abend war echt heftig. So viel Alkohol und so ausgelassen und so wild und laut. Es war echt heftig! Ich gehe von einem Ende des Balkons zum anderen. Er geht fast ganz um das Haus herum. Nur die Seite, welche zur Straße zeigt, hat keinen Balkon. Im Garten liegen einige Schnapsleichen rum und pennen noch. Es sieht aus wie ein Schlachtfeld. Ich stelle mich an den äußersten Rand und schaue mir das Ausmaß der Verwüstung in der Stadt an. Gestern sind noch einige losgezogen und haben alles gesprengt, was zu sprengen ging. Ich kann nicht ein Haus erkennen, das noch steht. Da bin ich mal gespannt, wie wir nachher zurück zum Schiff kommen, wenn die Straße unter Bauschutt begraben ist. Etwas fliegt auf mich zu. Reflexartig drehe ich mich zur Seite und fange das Objekt. Ein Pfeil? Ich ducke mich unter das Geländer, wo ich Sichtschutz habe. Mich hat gerade jemand mit einem Pfeil angegriffen? Wie kann er es wagen? Die Bewohner haben uns die ganze Zeit in Ruhe gelassen, warum haben sie beschlossen ihr Verhalten zu ändern? Nur noch heute, dann sind wir doch eh weg. Tja, was sagt man dazu. Nun haben sie selber Schuld! Ich krabble auf allen Vieren zurück ins Zimmer. Die werde ich aus ihrem Versteck räuchern. Ich nehme mir Kids Messer. Er dreht sich auf die andere Seite und hat die Augen halb offen. „Grit?“, fragt er schläfrig. „Ich kümmere mich schon drum“, antworte ich und gebe ihm einen Kuss auf die Stirn. Dann mache ich mich kampfbereit. Schuhe an, Waffengürtel um, Haare zusammenbinden und Messer zwischen die Zähne. So ein Messer ist echt praktisch. Ich sollte mir auch eins zulegen. Dann muss ich das irgendwie an meinem Gürtel integrieren. Mal schauen. Ich kontrolliere meine Pistolen. Volle Munition! Das ist gut. Ich schaue versteckt aus einem der Fenster, die zur Straße zeigen. Vorsichtig öffne ich es. Angestrengt suche ich die Trümmer ab, um den feindlichen Späher zu sehen. Er ist gut getarnt, ich kann ihn nicht finden. Wo ist er bloß? Mit dem Öffnen des Fensters habe ich ihn bestimmt verschreckt, aber mittlerweile müsste er sich wieder… da! Eine Bewegung. Ich kneife die Augen zusammen. Jetzt kann ich ihn erkennen. Ich hebe das Messer und ziele. Schließlich werfe ich. Ich habe ihn erwischt, da bin ich sicher. Hoffentlich war er nicht laut beim Sterben. Ich will die anderen Bewohner nicht verschrecken. Ich will sie alle treffen. Alles klar. Ich renne nach unten. Adrenalin schießt durch meinen Körper. Wie aufgeregt ich bin… grinsend bleibe ich an der untersten Stufe stehen. Jetzt muss ich mich konzentrieren. Nicht mehr so blöd rumgrinsen, sondern aufpassen. Ich atme tief durch. Es ist absolut still hier. Alle pennen noch. Gut! Los geht’s. Zuerst schleiche ich mich zu meinem Opfer. Ich finde ihn zwischen den Ruinen eines Hauses. Es ist ein junger Mann. Das Messer steckt in seinem Hals. Nicht ganz, wo ich es haben wollte, aber es hat ja seinen Dienst getan. Ich ziehe es heraus. Hier ist unendlich viel Blut. Offensichtlich habe ich eine Hauptschlagader getroffen. Ich reinige das Messer an der Hose des Toten und bleibe einen Augenblick geduckt an Ort und Stelle. Ich lausche. Wo sind die anderen? Mit meinem Haki versuche ich Bewegungen und Menschen wahrzunehmen. Tatsächlich! Gar nicht so weit weg von hier scheint irgendetwas im Busch zu sein. Oder in diesem Fall in den Trümmern. Mit dem Messer in der Hand pirsche ich mich an das Geschehen heran. Noch sehe ich nichts und niemanden, aber ich spüre immer mehr und fange langsam auch an, die Personen zu hören. Sehr leise, aber wahrnehmbar. Ich komme immer näher. Mich trennen nur noch ein paar große Gebäudebrocken von den Einheimischen, das spüre ich. Vorsichtig spähe ich zwischen den Brocken durch. Dort ist geschäftiges Treiben. Es sieht aus wie ein militärischer Stützpunkt. So ähnlich… es ist ein Durcheinander von alten und jungen Männern, die wild umherlaufen und versuchen sich zu organisieren. Sie sind so beschäftigt mit Waffen verteilen, Strategien besprechen und allgemein herumlaufen, wie es scheint, dass sie es nicht bemerken, wie ich mich auf die Steine setze und ihnen ganz ungeschützt zuhöre und sie beobachte. In meiner Nähe scheinen die Anführer über eine Karte gebeugt zu sein und besprechen ihr Vorgehen. „Ich sage dir, wir müssen jetzt aufbrechen, sonst wachen die ersten wieder auf“, sagt der eine, ein junger Mann. Vermutlich ist er kaum älter als ich. „Die letzten sind gerade erst zu Bett gegangen. Ich denke, wir können uns ruhig noch die halbe Stunde nehmen, die wir brauchen. Es bringt auch nichts, wenn wir jetzt überstürzt angreifen und planlos irgendwas machen“, erwidert der andere, ein etwas älterer Mann. „Wir dürfen jetzt nicht den Kopf verlieren.“ „Aber wenn der Kapitän aufwacht, dann ist es aus mit uns!“, wirft der Jüngere ein. „Unser Plan kann nur dann gelingen, wenn wir still und heimlich einen nach dem anderen töten, ohne dass irgendjemand aufwacht.“ „Nunja!“, sage ich laut. „Um den Käpt’n brauchst du dir keine Sorgen machen, Kleiner! An den kommst du eh nicht ran!“ Binnen Sekunden gefriert jeder auf dem Platz zu Eis. Gut fünfzig Paar riesige Augen schauen mich an. Ich lächle. Sie haben mich bemerkt, das ist gut. „Ich bin es, vor der ihr Angst haben solltet!“ „Wer bist du?“, fragt der ältere Anführer. Ich könnte jetzt sowas wie „dein schlimmster Albtraum“ oder „dein Tod“ sagen, aber ich finde das ein bisschen abgelutscht. Zu klischeehaft. Ich lege den Kopf schief. „Grit. Die Braut des Käpt’ns!“ „Wie hast du uns gefunden?“ „Du bist mutig, mir hier so viele Fragen zu stellen. Die eine werde ich dir glaube ich noch beantworten, dann ist Schluss!“ Ich stehe auf. „Euer kleiner Freund hat leider einen kleinen Fehler gemacht. Er hat mich unterschätzt.“ Ich werfe den Pfeil vor die Füße der Anführer. „Was ist mit ihm geschehen?“, fragt der ältere Mann wieder, diesmal mit Wut in der Stimme. „Ich habe gesagt, es ist Schluss jetzt!“, erhebe ich bedrohlich meine Stimme. „Wenn wir mit dir fertig sind, holen wir uns den Rest. Zu den Waffen!“, ruft der junge Anführer. Sein Gefolge brüllt begeistert und stürmt auf mich zu. Witzig, wie sie denken, sie kämen an mir vorbei. Ich nehme meine Pistolen zur Hand und schieße die ersten Angreifer nieder, aber es wird unweigerlich ein Nahkampf werden. Ich habe gar nicht genug Munition, also stecke ich die Pistolen weg und nehme wieder das Messer zur Hand. Es ist ein genialer Trainingskampf. Das sind alles nur Bauerntölpel, nichts, was mir Angst machen könnte. Kämpfen im Kleid ist allerdings eher unpraktisch. Genug Beinfreiheit habe ich, das ist ganz klar, aber ich laufe auch die ganze Zeit Gefahr, mehr zu zeigen als nötig. Hier ist es sowieso egal, es wird bald keiner mehr am Leben sein. Für die Zukunft ist es aber gut zu wissen. Es werden immer weniger Angreifer. Ich höre erst auf, als niemand mehr übrig ist. Ich schaue mich um. Der Boden ist übersäht mit Körpern und Blut. Irgendwer… zielsicher werfe ich mein Messer nach einem Fliehenden. Er geht zu Boden. Ich gehe zu ihm und ziehe das Messer aus dem Rücken. Keine Gnade. Für niemanden! Die Klinge des Messers ist blutrot, von meinem Arm tropft es und mein Kleid hat auch einen roten Farbton angenommen. Zufrieden gehe ich zurück zum Hotel. Es ist noch immer ruhig. Alle schlafen tief und fest. Ich steige die Treppen hoch zu Kids und meinem Apartment. Ich schau auf. Kid lehnt im Türrahmen mit verschränkten Armen. Er grinst und ich grinse auch. „Bin jetzt ich dran?“, fragt er. Ich nicke. „Aber dafür brauche ich das hier nicht“, sage ich und lasse das Messer fallen. Ich ziehe seinen Kopf zu mir runter und küsse ihn leidenschaftlich. Es wird noch immer Adrenalin durch meinen Körper gepumpt und ich muss es irgendwie loswerden. Kid greift unter meine Schenkel und hebt mich hoch. Ich umklammere ihn. Kid drückt mich gegen die Wand und übernimmt die Führung. Oh nein, mein Lieber! Nur weil du stark und groß und ungemein heiß bist, heißt das nicht, dass du immer die Führung übernehmen musst. Ich lehne mich mehr zu Kid hin und bringe ihn dazu ein paar Schritte nach hinten zu gehen. Plötzlich bricht er in Gelächter aus. Ich schaue ihn empört an. Kids Griff wird schwächer und ich stelle mich vor ihn hin. Er hört aber nicht auf zu lachen. Jetzt werde ich aber sauer. Blitzschnell ziehe ich meinen Arm zurück und verpasse ihm einen gehörigen Fausthieb. Kid konnte nicht ausweichen und hält sich nun überrascht den Unterkiefer. „Was sollte das denn?“, fragt er eher geschockt als wütend. Ich funkle ihn böse an. Das hat er nun davon. Ich lasse mich nicht zum Narren halten. Nicht mal von ihm. Mein Körper fühlt sich wie unter Droge an. SO VIEL ADRENALIN! Ich gehe in meine Angriffsposition. Kid scheint zu verstehen. Er wischt sich mit der Hand die Spucke vom Mund weg und lässt seinen Nacken knacken. Mehr macht er aber nicht. Er lässt mir den Vortritt. Meinetwegen! Ich schlage nach ihm, aber er weicht natürlich aus. Der Kampf ist eröffnet. Wir erwischen uns gegenseitig ziemlich hart. Ich kann seinen Angriffen ziemlich gut standhalten, auch als sie stärker werden. „Hurgh!“, stoße ich aus. Ich bin vom Bett auf Kid zugesprungen und wollte ihn eigentlich zu Boden reißen, aber er ist ausgewichen und hat mich am Bauch gepackt und zurückgezogen. Keuchend ringe ich nach Luft. Kid hält mich fest von hinten umschlungen. „Du bist stark!“, raunt er mir zu und gibt mir einen Kuss auf die nackte Schulter. „Das ist ganz schön sexy!“ Ich beiße mir auf die Lippe. Mein Herz fängt an zu sausen. „Du bist auch ganz schön sexy“, erwidere ich. „Findest du?“ Kids Stimme ist tief und direkt an meinem Ohr. Ich nicke. Kid löst seinen Griff und gibt meine Arme wieder frei. Meine Chance den Moment komplett zu zerstören und ihm noch eine reinzuwürgen. Ich werfe mich mit voller Kraft nach hinten. Wir fallen aufs Bett. Mit einer Rückwärtsrolle rette ich mich vor Kids nahenden Armen und entkomme so einem weiteren festen Griff. Ich kichere. „Niemals die Deckung fallen lassen!“ Ich gehe ins Bad. „Ach übrigens. Ich werde wieder neue Kleidung brauchen.“ Damit schließe ich die Tür. Nun muss ich erst einmal duschen und dieses Blut von meinem Körper bekommen. Ich kann es riechen. Das ist eklig. Das Kleid klebt. Ich reiße es mir vom Körper und werfe es zur Seite. Das Shampoo riecht gut. Ganz fruchtig nach Zitrone oder Limette oder so. Ich wasche das Blut gründlich ab. Die Stelle an der Kid mich zurückgerissen hat, wird leicht bläulich. Oh man! Wieso habe ich das bloß gemacht? Wir waren uns so nah und… hätten wir Sex haben können? Bestimmt! Und ich habe das zerstört! Ich haue mir gegen die Stirn. Natürlich! Wie bescheuert kann ich eigentlich sein? Stattdessen werfe ich ihn aufs Bett und verschwinde. Was denkt er jetzt darüber? Ich bin so ein Idiot! Naja, aber habe ich mir so mein erstes Mal vorgestellt? Mit fremden Blut verschmiert, direkt nach einem Kampf, in einem Hotelzimmer auf irgendeiner zerstörten Insel? Zugegeben, so habe ich es mir nicht vorgestellt, aber wäre das so schlimm gewesen? Es wäre auf jeden Fall ziemlich leidenschaftlicher Sex geworden, so viel ist sicher. Ich bin ja jetzt noch voll mit Adrenalin. Die Frage ist nur, ob sich Kid in nächster Zeit trauen wird in die Richtung zu gehen. Meine Reaktion war ziemlich eindeutig. Eindeutig nicht das, was ich rüberbringen wollte, aber das kann Kid ja nicht wissen. Ich muss mich bei ihm entschuldigen.

Kommentare (128)

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PfauenAuge ( von: PfauenAuge)
vor 27 Tagen
Ich verfolge diese Geschichte schon eine ganze Weile und war schwer begeistert, vor allem fand ich Grit immer sehr erfrischend, aber mit Kapitel 48 hat sich das für mich wohl erledigt. Das Grit stärker werden und sich mehr am Piratenleben beteiligen will/muss kann ich ja nachvollziehen, aber dafür, das es gleich so unrealistisch extreme Ausmaße annehmen muss, habe ich kein Verständnis, denn es passt, meiner Meinung nach, nicht zum bisherigen Verlauf der Geschichte und vor allem passt es nicht zu Grit und lässt sie nun in einem ziemlich ekelhaften Licht erscheinen -_-
Luzybel ( von: Luzybel )
vor 132 Tagen
Schreibst du noch weiter? ^^

Würde gerne lesen wie es weiter geht :)
Deathpainter (07706)
vor 159 Tagen
Ohayo ich liebe deine Story über alles und verfolge sich jetzt auch schon ne Zeit lang mach weiter so freue mich auf das nächste Pitel;)
Lg A
Fiete (46732)
vor 200 Tagen
Hier ist eine von diesen treuen Leserinnen ;)
Danke für dieses coole Kapitel! Ich kanns kaum abwarten, dass es weitergeht! :D
Aber lass dich nicht stressen. Wenn man unter Druck was erreichen soll, wirds meist nicht so gut. Ich bin bereit für eine super Geschichte (wie deine) auch ein ein paar Monate zu warten ;)
Und ich hoffe, die anderen Leser sehen das auch so.
Soul (23827)
vor 203 Tagen
Suuper Story ^^ Ich habe sie bis jetzt mit verfolgt und bin nach wie vor hin und weg *-* Ich liebe diese Story und bitte schreib so schnell wie möglich weiter ^^ * mit herzchen Augen vor dem Handy sitz *
Monkey D Sophie (46203)
vor 205 Tagen
Schön das du weiter geschrieben hast freue mich schon auf die Fortsetzung 😊😊😊😊😊
Luzybel ( von: Luzybel )
vor 209 Tagen
Endlich!! Freue mich schon riesig \^0^/
Ronja (32133)
vor 214 Tagen
Ich weiß! Schande über mich! Schande über meine Kuh! Der nächste Teil ist in Bearbeitung und kommt demnächst. Manchmal brauche ich einen Tritt ins Pöchen damit ich weiterschreibe.
Luzybel ( von: Luzybel )
vor 237 Tagen
Ja schreib unbedingt weiter!!! Warte jeden Tag dass es weiter geht :D
Monkey D Sophie (46203)
vor 238 Tagen
Hallo wann schreibst eigentlich weiter
Ronja (60192)
vor 282 Tagen
Ich freue mich wirklich sehr über euer Feedback. Das ermutigt mich weiterzuschreiben. Ich gebe mir immer Mühe also möglichst realitätsnah und grammatisch Korrekt zu schreiben. Die Fiete, habe Geduld. Vielleicht wird dein Wunsch ja schon bald in Erfüllung gehen. Wer weiß! Ich kann ja schliesslich nicht in die Zukunft schauen :P
Die Fiete (84825)
vor 284 Tagen
Ich bin Leserin seit der 21 Episode oder so (also als die gerade aktuell war). Und ich bin immernoch gefesselt! Dir fällt immer wieder was neues ein und du schreibst alles sehr lebendig. So viel Kreativität und Mühe nimmt man selten war in Fanfictions! Naja hier ubd da sind noch ein paar Kommata zu viel, aber im Allgemeinen ist auch die Rechtschreibung super! (Auch das ist ja leider selten der Fall bei Fanfictions, deswegen sag ichs mal) Außerdem ist die FF nicht nur auf diese ganze Liebesgeschichte fokussiert. Dasbist auch mal ganz angenehm im Gegensatz zu dem Schnulzenkram, den man sonst so liest. Trotzdem würde ich mir auch hin und wieder mal eine etwas intimere Szene von Grit und Kid lesen, wenn du verstehst, was ich meine ;D
Monkey D. Sophie (49701)
vor 315 Tagen
cool das du weiter schreibst ich hatte schon argst das es nicht weiter geht
Luzybel ( von: Luzybel)
vor 316 Tagen
Endlich geht's weiter mit Teil 47 \^o^/
~ £∆D¥ ~ (14139)
vor 356 Tagen
Finde deine Geschichte wirklich spannend und extrem fesselnd.
Man kann gar nicht genug davon bekommen.
Die Charaktere kann man sich wirklich bildlich vorstellen in ihrer Mimik und Gestik.
Hoffe du schreibst schnell weiter (:
Denn das ist bis jetzt die beste Story die ich je gelesen habe. ❤
Natürlich hoffe ich des weiteren das deine Geschichte noch kein schnelles Ende findet!
Denn ich denke nämlich es gibt noch so einiges zu erzählen (;
Dafür das deine Geschichte so faszinierend und auch so ‚‚man denkt man ist hautnah dabei'' ist würde ich dir gerne mehr als nur 5 Sterne geben!
Mach bloß weiter so! ❤
Luzybel ( von: Luzybel)
vor 360 Tagen
Ich liebe deine Geschichte lese sie von Anfang an und warte immer fleißig auf ein neues Kapitel

Freue mich schon wieder aufs nächste :D
Ronja (17555)
vor 365 Tagen
Herzlichen Dank! Man tut ja was man kann nicht wahr?!
Ayumi (20597)
vor 369 Tagen
Wow was für eine lange und schöne Story *-*
Das gibt erstmal 5 fette Sterne *-* Probs an den Autor ich bin so gefesselt...da muss ich dich fast schon anzeigen wegen Freiheitsberaubung xD
Rosa (03587)
vor 394 Tagen
Wann schreibst du wieder weiter?
Bahar (99888)
vor 676 Tagen
Ich finde es echt klasse das du immer am
Spannendesten Platz aufhörst da bekommt Mann
ja mehr Lust zu lesen