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Die Schule der magischen Tiere - Die erste Klasse von Miss Cornfield

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15 Kapitel - 6.744 Wörter - Erstellt von: Eddie - Aktualisiert am: 2018-02-23 - Entwickelt am: - 2.044 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit

    1

    „Und jetzt das ganze zum Haufen in der Ecke.“
    „Weiß ich doch“, brummte Mister Morrison, der Inhaber der magischen Zoohandlung, aber seine magische Elster Pinkie ließ sich nicht beirren.
    „Du musst den ganzen Haufen mehr in die Ecke kehren, dann hast du viel mehr Platz.“
    „Ja, ja!“
    Doch als Mortimer Morrison den Haufen in die Ecke kehren wollte, ertönte aus dem Laubhaufen eine verärgerte Stimme.
    „Aua! Das hat wehgetan. Solche Harken sind ja gemeingefährlich! Die sollten verboten werden.“
    Mister Morrison und Pinkie schauten sich vielsagend in die Augen.
    „Wo bist du denn?“, fragten sie im Chor.
    „Wo wohl? Hier natürlich!“, meinte der Igel, der aus dem Laubhaufen kroch. „Ich heiße Fred Fredson und ihr?“
    „Ich bin Mortimer Morrison und das ist meine magische Elster Pinkie“, stellte Mister Morrison sich und seine Gefährtin vor.
    „Das erklärt aber nicht, wieso ihr mich so heimtückisch aus dem Schlaf geweckt habt“, meinte Fred und gähnte.
    „Du hast dort geschlafen?“, fragte Pinkie ungläubig.
    „Das ist doch total ungemütlich!“
    „Quatsch! Das ist total gemütlich. Nur drinnen ist es noch gemütlicher.“
    „Dann komm' doch einfach rein“, schlug Mister Morrison vor.
    „Okay!“, sagte Fred. „Übrigens, dein Schnürsenkel ist offen.“
    „Wirklich?“ Verdutzt schaute Mortimer Morrison auf seine Füße.
    „Du hast doch gar keine Schnürsenkel!“, rief Pinkie.
    Der magische Igel kicherte leise in sich hinein.
    „Pass auf, Fred! Ich kann ziemlich ungemütlich werden.“
    Doch der Igel glaubte Mister Morrison kein Wort.
    „Ihr könnt mich auch Freddie nennen!“, meinte er nur.

    2
    Es war ein schöner Montagmorgen und Maja Phillips schlenderte vergnügt die Lindenallee entlang. Heute war der erste Tag nach den Ferien und endlich fing die Schule wieder an.
    Ihre Familie war ziemlich groß und deshalb war es auch fast nie ruhig. Mal weinte die 2-Jährige Mira, mal klagte der 5-Jährige Lukas, dass er noch nicht in die Schule durfte.
    Dann wieder meckerte ihr großer Bruder Mick, weil es so laut war.
    Und sie selbst probierte das Ganze mit dem Klavier im Wohnzimmer zu übertönen.
    Sie war sehr gut im Klavier spielen.
    Ihr Klavierlehrer sprach immer wieder von ihrem unheimlich großen Talent und ihre Eltern fragten sie die ganze Zeit, was sie denn zur Zeit spiele.
    Dass Maja dauernd schlechte Noten schrieb, interessierte ihre Eltern nicht besonders.
    „Du wirst später so oder so Pianistin. Da kann dir die Schule egal sein“, meinte ihr Vater immer und ihre Mutter nickte zustimmend.
    Während sie so vor sich hin dachte, kam von hinten Pauline angerannt.
    „Hallo Maja! Wie geht es dir?“, fragte sie.
    „Gut und dir?“, antwortete Maja.
    „Nicht gut! Und dir eigentlich auch nicht.“
    „Wieso?“
    Maja schaute ihre Klassenkameradin ungläubig an.
    „Weil wir zu spät sind.“
    „Aber es ist doch erst 20 vor acht.“
    „Quatsch! Es ist fünf vor acht. Deine Uhr geht vermutlich falsch“, sagte Pauline. „Wir müssen dort lang, dann schaffen wir es vielleicht noch.“
    Sie deutete auf die Mauer, die neben dem Bürgersteig stand und hinter der die Schrebergärten lagen. Hinter den Schrebergärten lag ihre Schule.
    „Ich weiß nicht... Das ist doch verboten!“
    Ängstlich schaute Maja Pauline an. Diese rollte mit den Augen.
    „Es wird schon nichts passieren“
    „Aber...“, zögerte Maja.
    „Oder willst du etwa am ersten Schultag zu spät kommen?“
    Nein, das wollte Maja nun wirklich nicht.
    „Also gut...“, lenkte sie schließlich ein.
    Als Pauline es nicht alleine schaffte auf die Mauer zu klettern, beschloss Maja ihr zu helfen.
    „Ich schieb dich hoch, okay?“
    Als Pauline oben war, reichte sie Maja die Hand.
    „Komm', ich helfe dir hoch.“
    Dankbar nahm Maja die Hand und kletterte hoch.
    Doch kurz bevor sie oben war, ließ Pauline die Hand plötzlich los und Maja viel mitten in eine Schlammpfütze.
    Oh nein! Ihre Mutter würde bestimmt schimpfen, schließlich war die Hose ganz frisch gewaschen.
    Warum hatte Pauline ihre Hand losgelassen?
    Maja wollte sie gerade fragen, doch dann bemerkte sie, dass Pauline verschwunden war.
    Wütend richtete Maja sich auf.
    Sie war nicht nur von oben bis unten dreckig, nein, sie würde auch noch zu spät zur Schule kommen!
    Doch als sie auf der anderen Straßenseite Finn sah, korrigierte sie sich schnell. Sie würde nicht zu spät kommen. Ihre Uhr ging richtig, denn Finn kam nie zu spät!
    Als sie an sich herabschaute, beschloss sie, dass sie so nicht in die Klasse konnte. Aber nach Hause konnte sie auch nicht mehr, dazu war es zu spät. Zum Glück hatte sie ihr Sportzeug dabei.

    3
    Als Maja in die Klasse kam, wartete an ihrem Platz bereits Marie, ihre beste Freundin. Die Beiden kannten sich schon aus dem Kindergarten.
    „Seit wann kommst du denn im Sportzeug zur Schule?“
    Marie sah Maja fragend an.
    „Nette Begrüßung!“, brummte Maja mit ironischem Unterton und pfefferte ihren leeren Sportbeutel neben ihrem Tisch auf den Boden. „Schließlich sind wir beste Freundinnen und haben uns geschlagene sechs Wochen nicht mehr gesehen.“
    „Nicht ganz richtig“, korrigierte Marie ihre Freundin. „Wir haben uns gestern noch gesehen. Weißt du noch, wie dieser Flurmann geschrien hat?“
    Maja erinnerte sich noch ganz genau. Ihre Freundin hatte sie eigentlich nur zum Eis essen eingeladen, aber dann hatte sie doch die Idee, beim Nachbar einen Klingelstreich zu spielen. Sie war nicht vorbereitet gewesen und bevor sie hatte verschwinden können, hatte der Flurmann sie gesehen und ihre Eltern angerufen. Aber so war Marie nun mal.
    Bevor Maja etwas erwidern konnte, klingelte es zur ersten Stunde und der Direktor Herr Prenzle trat ein, gefolgt von einer Frau. Schnell huschte Marie zu ihrem Platz.
    „Guten Morgen!“, begrüßte der Direktor die Schüler. „Darf ich euch eure neue Klassenlehrerin vorstellen? Das ist Miss Cornfield. Miss Cornfield stammt aus Schottland, wohnt aber schon seit vielen Jahren in Deutschland.“
    Niemand sagte ein Wort. Alle sahen die neue Lehrerin an, die nun in die Runde lächelte.
    „Wenn ihr euch wundern solltet, warum Herr Mühlmeister nicht immer noch euer Klassenleiter ist, kann ich euch sagen, dass seine Gesundheit nicht gerade zunimmt und er deshalb beschlossen hat, dass er vorzeitig in Rente geht“, fuhr Herr Prenzle fort. „Habt ihr noch Fragen?“
    Da niemand sich meldete, verließ der Schulleiter das Klassenzimmer.
    „Wie ihr eben gehört habt, stamme ich aus Schottland. Ein wunderbares Land voller uralter Rätsel. Doch die Welt birgt überall Geheimnisse. Hinter jeder Ecke, in jeder Straße, bei jedem von euch zu Hause. Und ich verspreche euch, dass wir bald ein großes Geheimnis teilen werden. Ich hoffe ihr mögt Tiere! Tiere aller Art?“
    „Die spinnt doch!“, meinte Jorge, der hinter ihnen saß.
    Aus dem Augenwinkel sah Maja, wie Marie rot anlief.
    Maja wusste ganz genau, dass Marie unsterblich in Jorge verliebt war! Sie konnte ja kaum mit ihm zusammen in einem Klassenraum sein, ohne verlegen zu werden.
    Und das sollte etwas heißen!
    Den Rest der Stunde teilte Miss Cornfield die Stundenpläne aus und die Klassensprecher wurden gewählt.
    Auch Marie kandidierte, aber wie im letzten Jahr erhielt sie nur 2 Stimmen. Ihre eigene und die von Maja. Als Maja heimlich auf den Zettel ihrer Freundin schaute, sah sie, dass sie Jorge ganz groß auf ihren Zettel geschmiert hatte. Anstelle des Os war ein großes Herz gezeichnet.
    Natürlich wurden auch in diesem Jahr wieder Eliza und Jorge gewählt, was Maja auch gar nichts ausmachte, aber als sie merkt, dass Pauline zur stellvertretenden Klassensprecherin gewählt wurde, sank ihr das Herz in die Hose. Das konnte ja heiter werden!

    4
    Als es zur Pause läutete, räumte Maja missmutig ihre Sachen zusammen. Ausgerechnet Pauline war die stellvertretende Klassensprecherin geworden!
    Vielleicht hätte sie selber kandidieren sollen. Aber dazu war es leider zu spät!
    „Kommst du endlich? Sonst ist die Pause vorbei, bevor wir draußen sind!“, meinte Marie.
    In der Frühstückspause durften die Schüler entweder im Klassenraum bleiben oder nach draußen gehen. Normalerweise ging Maja immer mit Marie nach draußen, aber gerade war ihr nicht danach zu Mute.
    „Können wir nicht drinnen bleiben?“
    „Natürlich nicht!“ Ihre Freundin schaute sie entsetzt an.
    „Ach komm schon!“, flehte Maja Marie an.
    Doch Marie war nicht zu überreden! Widerwillig trottete Maja ihr hinterher.
    „Was ist denn los?“, wollte Marie wissen. „Wo ist deine Lebenslust, dein Tatendrang, dein Feuereifer...“
    „Ist ja gut!“, rief Maja.
    „Also: Was ist los?“, fragte Marie nach kurzem Schweigen.
    „Pauline ist los!“
    „Hä?“ Marie schaute verdutzt.
    „Sie hat mich reingelegt“, meinte Maja.
    „Hängt das mit deiner...“, Marie zögerte kurz. „...mit deiner ungewöhnlichen Kleidung zusammen?“
    „Ja!“
    „Und wie?“
    Da erzählte Maja ihrer besten Freundin alles. Wie Pauline behauptet hatte, dass es bereits kurz vor acht war, wie sie selbst sich hatte überreden lassen über die Mauer zu klettern und wie sie schließlich in der Pfütze gelandet war.
    „... und deshalb trage ich jetzt Sportsachen“, beendete Maja ihre Erzählung.
    „Diese Pauline... Die kann was erleben!“ Grimmig starrte Marie in die Luft.
    Als es zum Pausenende gongte hatte sie einen Plan!
    „Die wird sich noch wundern!“, murmelte Marie, ohne dass Maja sie hörte.

    5
    Als Maja gerade ihre Kunstsachen für die nächste Stunde auspacken wollte, hörte sie auf einmal einen langen, schrillen Schrei. Als sie schaute, wer da so laut schrie, musste sie schmunzeln. Es war Pauline.
    „Meine Hose ist nass!“, jammerte sie und schnell rannte sie mit ihrem Sportzeug aus dem Klassenzimmer.
    Maja bemerkte nicht, wie Marie neben ihr zufrieden grinste.
    Als Pauline zurückkam, trug sie eine Sporthose. Schnell lief sie zu ihrem Platz und wollte die Sachen, die sie für die nächste Unterrichtsstunde brauchten, aus ihrer Mappe holen. Doch als sie ihren Kunsthefter rausholte, fielen alle Blätter aus dem Hefter. Wütend murmelte Pauline vor sich hin. Aber als sie sich bückte, um die Blätter aufzuheben trat sie versehentlich auf eine der herumliegenden, aufgeschnittenen Patronen und ein großer Tintenklecks landete auf den Blättern. Verzweifelt hob sie die Blätter auf und legte sie in den Hefter. Danach hob sie die Patronen auf und brachte sie zum Mülleimer. Als sie wieder am Platz war und all ihre Kunstsachen ausgepackt hatte, kam Miss Cornfield, pünktlich mit dem Klingeln ins Klassenzimmer.
    „Holt eure Tuschkästen raus, wir malen heute mit Wasserfarben“, kündigte die Lehrerin an.
    „Oh, yes!“ Marie grinste über das ganze Gesicht.
    Fragend sah Maja sie an.
    „Wieso? Was ist denn?“, fragte Maja ihre Freundin, doch bevor diese antworten konnte, hörte Maja schon wieder einen schrillen Schrei.
    Der Schrei kam wieder von Pauline. Sie sah aus, als hätte sie jemand ins Schwimmbecken geschubst. Dazu war das Wasser, das ihr T-Shirt bedeckte, auch noch bunt gewesen. Auf ihrem vorher strahlend weißen Shirt war ein kunterbuntes Durcheinander.
    Als Maja ihre Klassenkameradin so sah, bekam sie Mitleid. Obwohl Pauline sie ausgetrickst hatte.
    Obwohl Pauline sie überredet hatte, auf die Mauer zu klettern.
    Und obwohl Pauline sie in den Matsch hatte fallen lassen.
    „Und?“ Marie schaute ihre Freundin schadenfroh an. „Wie fandest du es?“
    „Du warst das?“, schrie Maja entgeistert und vergaß, dass die ganze Klasse zuhörte.
    Doch Marie hatte es nicht vergessen. Kleinlaut schaute sie zu Miss Cornfield.
    „Ist das wahr?“, fragte ihre Lehrerin und schaute Marie direkt in die Augen.
    Ein paar Augenblicke hielt Marie dem eiskalten Blick stand, doch dann senkte sie ihren Kopf und nickte.
    „Ich glaube, dass wir jetzt zum Schulleiter gehen müssen.“
    Marie und Miss Cornfield verließen schweigend das Klassenzimmer.
    „Ihr verhaltet euch ruhig!“ Niemand wagte es, der Lehrerin zu wiedersprechen.
    Alle schauten Marie hinterher.
    Eliza schüttelte ratlos den Kopf.
    Jorge schaute verdutzt.
    Pauline schaute Marie gehässig nach.
    Und Maja war einfach nur verzweifelt.
    Würde ihre beste Freundin jetzt von der Schule fliegen? Würde Marie ihr je verzeihen? Schließlich war sie an all dem Schuld!
    Ihr stiegen Tränen in die Augen.

    6
    Als Maja nach Hause lief, ging ihr vieles durch den Kopf.
    Paulines Streich, die neue Lehrerin...
    Aber vor allem Marie!
    Sie war, nachdem sie mit Miss Cornfield zum Direktor gegangen war, nicht mehr zurückgekommen.
    Was wohl passiert war?
    Von ihrer neuen Klassenlehrerin hatte sie nichts erfahren.
    War Marie etwa von der Schule geflogen?
    Oder hatte sie nur eine Verwarnung gekriegt?
    Maja hoffte so sehr, dass Marie glimpflich davongekommen war!
    Aber würde Marie überhaupt noch mit ihr befreundet sein wollen?
    Sie hatte Marie ja verraten!
    Als Maja zu Hause angekommen war, setzte sie sich ans Klavier und spielte „Amelie“.
    „Was ist los?“ Ihre Mutter kannte sie ganz genau und sie wusste, dass man an den Stücken, die Maja spielte, ihre Stimmung erkennen konnte.
    „Ach nichts!“
    Es war das erste Mal, dass Maja ihre Mutter angelogen hatte, seit sie mit drei Jahren einmal Salz genascht hatte.
    Wenig überzeugt verließ ihre Mutter das Zimmer.

    In der magischen Zoohandlung saßen Mortimer Morrison und Mary Cornfield zusammen und Mary erzählte Mortimer, wie der erste Tag gewesen war.
    „Ich habe den Kindern noch nicht mal von den magischen Tieren erzählt und schon gibt es ein Mädchen, dass nichts dringender benötigt“, klagte sie.
    „Wer denn?“, fragte Mortimer verwundert.
    „Marie. Marie Blake“, seufzte Mary. „Sie hat nichts als Unsinn im Kopf! Du willst nicht wissen, was sie Pauline angetan hat...“
    Wieder seufzte sie.
    „So schlimm?“, brummte der Inhaber der magischen Zoohandlung.
    Mary nickte langsam.
    „Hättest du vielleicht ein Tier, was sie ein bisschen zur Vernunft bringen könnte?“
    „Ich denke schon...“

    7
    Am nächsten Tag ging Maja sorgenvoll zur Schule.
    Was würde heute wohl passieren?
    Würde Marie überhaupt da sein?
    Würde Marie sie freundlich begrüßen?
    Maja war so in Gedanken versunken, dass sie nicht merkte, wie Luca auf sie zu spaziert kam.
    Luca Reincke, der größte Angeber der Klasse.
    Seine Eltern waren steinreich und gaben ihm alles, was er wollte. Von Gummibärchen bis zum neuesten Handy.
    „Hallo Maja!“, begrüßte Luca sie. „Wie findest du meine neuen Kopfhörer?“
    „Toll“, sagte Maja ohne überhaupt zu merken, wer und dass überhaupt jemand vor ihr stand.
    „Das ist das neueste Modell!“, protzte Luca weiter.
    „Aha.“
    „Hörst du mir Überhaupt zu?“
    „Wer, wie, was, wo?“, fragte Maja überrascht.
    „Oh Mann!“ Beleidigt drehte Luca sich weg.
    Maja war das egal. Sie wollte allein sein.

    Als sie im Klassenraum ankam, war Marie nicht an ihrem Platz.
    Erschrocken schnappte Maja nach Luft.
    Doch da ertönte der Gongschlag und schnell huschte sie an ihren Platz, um ihre Sachen auszupacken.
    Als sie ihr Buch auf den Tisch legte, sah sie auf ihrem Tisch etwas mit Bleistift geschriebenes.

    Maya ist eine miese Petze!

    Darunter stand:

    Maja ist dumm wie Stroh!

    Verärgert holte sie ihren Radiergummi aus der Federtasche und begann die Schrift wegzuradieren.
    Da betrat Miss Cornfield den Raum und schlagartig kehrte Stille ein.
    „Bitte entschuldigt meine Verspätung! Ich war gestern sehr lange wach um einen Sitzplan auszuarbeiten.“
    Sie begann ihn laut vorzulesen.
    Murrend räumte Maja ihre Sachen wieder zusammen und stand auf.
    Da wurde sie auch schon aufgerufen.
    „Maja, du sitzt da und daneben sitzt du, Pauline.“
    Maja schleppte gerade ihre Mappe zu ihrem neuen Sitzplatz, als Miss Cornfield einen vertrauten Namen sagte.
    „Marie du sitzt dort.“
    Maja blickte sich um.
    Marie war doch nicht da!
    Doch da sah sie wie Marie aus der letzten Reihe nach vorne maschierte. Direkt hinter Maja.
    Als alle dort saßen, wo sie sitzen sollten, fiel Maja auf, dass Marie heute merkwürdig still war. Scheinbar war sie noch sauer wegen gestern.
    Würden sie sich je wieder versöhnen?

    8
    „Was ist los Maja?“ Eliza schaute ihre Klassenkameradin sorgenvoll an.
    Die hatte die ganze Stunde lang in ihren Block gemalt und aus dem Fenster geschaut.
    „Ach, gar nichts...“, behauptete Maja und bereitete sich auf die nächste Unterrichtsstunde vor.
    Als nächstes hatten sie Mathe. Maja meldete sich kein einziges Mal, obwohl Mathe eines ihrer Lieblingsfächer war.

    In der Pause setzte sich Maja abseits vom großen Trubel auf eine Bank und schaute den Erstklässlern zu, wie sie alle zusammen eine Sandburg bauten. Maja schaute ihnen traurig zu.
    Sie hatten so viel Spaß zusammen!
    Und sie... Sie hatte ihre einzige Freundin verloren!
    Niemand würde mit ihr Sandburgen bauen, niemand mit ihr Fußball spielen, niemand... niemand...
    Maja schossen Tränen in die Augen. Langsam rannen sie über ihre Wangen. Da legte sich plötzlich eine Hand auf ihre Schulter.
    „Was ist los?“, hörte sie die sanfte Stimme von Eliza. „Kann ich dir irgendwie helfen?“
    Da erzählte Maja alles.
    Was Pauline gemacht hatte, wie Marie sich für sie gerächt hatte und dass Marie und sie selbst keine Freunde mehr waren.
    „Du Arme!“, seufzte Eliza und man sah ihr an, dass sie wirklich Mitleid hatte.
    „Geht schon...“, meinte Maja, aber man sah ihr an, dass es überhaupt nicht ging.
    Schweigend saßen sie nebeneinander und schauten den Erstklässlern zu. Den Erstklässlern, die noch nichts vom Ernst der Welt begriffen.
    Da klingelte es und Eliza und Maja gingen zusammen zurück in den Unterricht.

    Auf Majas Tisch waren schon wieder Sprüche gekritzelt.

    Maja hat ne Macke,
    ist nur Hühnerkacke!


    Darunter stand:

    Maja die doffe Sau!
    Maja Fräundschaftsklau!


    „Nicht mal Rechtschreibung beherrschen die!“, meinte Eliza, als sie die Kritzeleien entdeckte.
    Maja sagte gar nichts. Sie packte, ohne ein Wort zu sagen, ihren Radiergummi aus der Federtasche und begann, die Sprüche wegzuradieren.
    „Komm! Ich helfe dir!“ Eliza nahm ihren Radiergummi und versuchte, alle Spuren der Sprüche zu beseitigen.
    „Danke“, flüsterte Maja.
    „Keine Ursache!“ Eliza schäumte immer noch vor Wut.
    Da klingelte es und Miss Cornfield rauschte pünktlich mit dem Gongschlag ins Klassenzimmer.
    Als Maja merkte, dass sie ihr Mathe-Buch vergessen hatte, bot Eliza an, dass sie zusammen in ihr Buch gucken könnten.
    „Danke, du bist eine echte Freundin“, meinte Maja und lächelte das erste Mal an diesem Tag.

    9
    Die ganze nächste Woche gingen Maja und Eliza zusammen zur Schule, spielten miteinander und hatten viel Spaß. Ihre ehemalige Freundschaft mit Marie hatte Maja verdrängt.
    Am Samstag besuchte Marie ihre neue Freundin und am Sonntag war es umgekehrt.

    Am Montag gingen Maja und Eliza wie immer zusammen zur Schule und der Tag fing auch ganz normal an. In der ersten und zweiten Stunde hatten sie Deutsch und in der dritten Kunst.
    Doch in der vierten Stunde, sie hatten gerade Sachkunde, klopfte es plötzlich an der Tür.
    Miss Cornfield schaute überrascht zur Tür.
    „Herein“, sagte sie.
    Ein trat ein Mann mit Schlapphut, grauem Kittel und Lederstiefeln.
    Pauline rümpfte die Nase. Sie wollte nicht wissen, wie alt diese Klamotten waren!
    „Aber die Übergabe sollte doch erst morgen stattfinden!“ Mary Cornfield schaute den Mann ratlos an.
    „Du hast gesagt Montag!“, meinte der Mann.
    „Dienstag!“, gab die Lehrerin zurück.
    „Montag!“
    „Dienstag!“
    Mittlerweile schauten die Kinder der Klasse den Beiden mit offenen Mündern zu.
    „Äh... Ist doch nicht so wichtig, oder?“ Der Unbekannte räusperte sich.
    „Du hast Recht“, meinte Miss Cornfield. „Das ist Mister Morrison, der Inhaber der magischen Zoohandlung. Er wird uns in diesem Schuljahr mit magischen Tieren versorgen.“
    „Was für Tiere?“ Jorge schaute die Lehrerin an, als hätte sie ihm gesagt, dass seine Mutter von einer Schnecke angefahren worden wäre und jetzt im Krankenhaus ums Überleben kämpfe.
    „Magische Tiere!“
    „Was soll das denn sein?“ Skeptisch schaute Pauline Miss Cornfield an.
    Die wandte sich an Mister Morrison.
    „Könntest du den Kindern etwas über magische Tiere erzählen?“
    Der Mann nickte, schlurfte zum Pult und begann zu sprechen:
    „Magische Tiere sind etwas ganz Besonderes. Sie sind uns ähnlicher, als wir es für möglich halten. Manchmal kommt es uns vor, als könnten sie unsere Gedanken lesen. Sie kennen unsere geheimen Wünsche.“ Er räusperte sich, dann sprach er weiter. „Wer einen solchen Freund an seine Seite bekommt, hat großes Glück. Ein magisches Tier begleitet dich und hilft, wenn du in der Patsche sitzt.“
    Maja musste unwillkürlich an Marie denken. Ob sie wollte oder nicht, sie würde die Zeit mit ihrer besten Freundin nie vergessen.
    Mortimer Morrison sprach weiter:
    „Wer es richtig anstellt, bekommt einen Freund fürs Leben. Stimmt's Pinkie?“
    Erst jetzt sahen die Kinder die Elster, die die ganze Zeit auf Mister Morrisons Schulter gesessen hatte. Jetzt flog sie auf seinen Kopf und winkte der Klasse.
    Alle lachten, nur Eliza schaute fasziniert.
    „Wie macht sie das? Wieso haben wir sie gerade nicht gesehen?“
    „Die meisten Leute, so wie ihr vorher, sehen die magischen Tiere gar nicht: Sie sind zu unaufmerksam, um die Magie wahrzunehmen, die um sie herum passiert!“
    „Wow!“ Eliza schaute jetzt noch faszinierter auf die Elster.
    „Aber zur Sicherheit habe ich den Tieren noch einen Trick beigebracht. Stell dir vor, du kriegst einen Igel...“ Mister Morrison stockte. „...oder einen Hasen.“
    Miss Cornfield schaute ihn auffordernd an.
    „Stell dir also vor, du bekommst eine Katze und sie liegt auf deinem Schoß, während du Hausaufgaben machst...“
    Mortimer Morrison holte kurz Luft.
    „Sollte zufällig deine Mutter hereinplatzen, wird sie auf deinem Schoß nichts anderes entdecken als ein hübsches, kuscheliges Plüschtier.“
    Unglaubliche Stille trat ein.
    „Und wann wird das erste magische Tier seinem Gefährten gebracht?“, fragte Maja.
    Der Mann räusperte sich.
    „Jetzt!“

    10
    “Was?” Maja sah den Besucher ungläubig an.
    “Und wer?”, wollte Jorge wissen.
    Mister Morrison räusperte sich.
    “Nun, es ist...”, begann er, doch das Pausenklingeln unterbrach ihn.
    Der Inhaber der magischen Zoohandlung sah fragend zu Miss Cornfield. Doch die schüttelte den Kopf.
    “Nicht jetzt! Ihr habt Pause.”
    “Aber...”
    “Kein Aber!” Die Lehrerin schaute Maja streng an.
    Murrend verließ die Klasse den Raum.
    “Was regt ihr euch auf?” Fragend schaute Pauline ihre Klassenkameraden an.
    Sie glaubte sowieso nichts von diesen magischen Tieren.
    Freund fürs Leben... Lächerlich!

    “Warum muss Miss Cornfield es so spannend machen?” Eliza schaute ungeduldig auf die Uhr. “Ich sterbe gleich vor Ungeduld!”
    “Ist doch nicht so schlimm!” Maja zuckte mit den Achseln, aber eigentlich war sie mindestens genauso aufgeregt wie ihre Freundin.
    “Also ich würde am liebsten eine Eule haben. Die galten schon im alten Griechenland als schlau und weise”, meinte Eliza. “Oder Füchse! Die sind auch total schlau.”
    “Aha!” Maja nickte, aber eigentlich war sie in Gedanken ganz wo anders.
    “Aber ein Kaninchen wäre auch süß!”
    Vielleicht würde sie ja ein magisches Tier bekommen!
    Dann würde es ihr helfen, sich wieder mit Marie zu versöhnen.
    Maja seufzte, worauf Eliza aufblickte.
    “Hörst du mir überhaupt zu?” Eliza schaute ihre Freundin verärgert an.
    “Was?” Maja blickte erschrocken auf.
    Eliza stöhnte und sah Maja vorwurfsvoll an.
    Da klingelte es und sie gingen schnell ins Klassenzimmer zurück.
    Dort stand Luca an ihrem Platz und hielt sein Handy in der Hand. Als er Maja und Eliza bemerkte ging er lässig auf sie zu.
    “Na? Wie findet ihr das?” Luca hielt ihnen sein Handy direkt vor die Nase. “Super Qualität, stimmt's?”
    Die beiden Mädchen wussten, dass es nicht um die Qualität des Fotos ging.
    “Euer Begrüßungskomitee hat sich wirklich Mühe gegeben!”
    Auf dem Foto war ihr Tisch zusehen, auf dem in Schnörkelschrift stand:

    Wilkommen Streebis!

    “Rechtschreibung sollte das Komitee aber noch üben!”
    Doch Maja war viel aufgeregter als Eliza.
    “Lösch das!” Mit funkelnden Augen schaute Maja ihren Klassenkameraden an.
    Der zuckte gespielt zurück.
    “Ist ja gut!”
    Doch weil Maja und Eliza sich beide nicht besonders gut mit Handys auskannten, merkten sie erst viel zu spät, was Luca wirklich machte.
    “Uups!” Luca schaute erschrocken, doch man sah ihm die Genugtuung an. “Jetzt habe ich es aus Versehen in den Klassenchat geschickt. Tut mir aufrichtig leid!”
    “Du solltest in die Theater-AG gehen!”, spottete Eliza und ging an ihren Platz. Maja folgte ihr.

    11
    Als Maja und Eliza schließlich alle Rechtschreibfehler auf ihrem Tisch beseitigt hatten, bemerkten sie, dass Mister Morrison wieder im Raum war.
    “Seid bitte ruhig, Kinder!” Miss Cornfield schaute streng in die Runde.
    Doch erst als Mister Morrison nach vorne trat, kehrte Ruhe ein.
    “Die Glückliche ist Ma...” Doch weiter kam der Inhaber der magischen Zoohandlung nicht, denn aus der Holzkiste, die er neben sich abgestellt hatte, war ein Hase gesprungen.
    “Ist der süß!” Eliza schaute verzückt auf das kleine Tier.
    Der Hase kümmerte sich nicht um die vielen “Ahs” und “Ohs”. Er blickte sich um und steuerte dann geradewegs auf Majas Platz zu.
    In Majas Kopf purzelten die Gedanken durcheinander.
    Würde sie jetzt ein magisches Tier bekommen?
    Einen Freund fürs Leben?
    Einen Gefährten, auf den man sich immer verlassen kann?
    Ihr stiegen Tränen in die Augen.
    Tränen vor Freude, Tränen vor Glück.
    Hinter ihr saß Marie. Sie war einfach hingerissen.
    Jetzt würde sie endlich wieder einen Freund haben.
    Sie hatte sich so sehr darauf gefreut!
    Eine klitzekleine Träne kullerte über ihre Wange und das erste mal seit fast einer Woche lächelte sie wieder.
    Da war der Hase auch schon auf ihren Schoß gesprungen.
    “Ich heiße Hector.” Er sah Marie in die Augen. “Du brauchst nicht weinen. Jetzt wird alles gut!”
    Er kuschelte sich an sie.
    Marie widersprach nicht und schloss Hector in die Arme.
    Eine Reihe vor ihr saß eine schockierte Maja.
    Die Glückstränen verwandelten sich in Tränen des Verdrusses.
    Sie würde doch kein magisches Tier bekommen!
    Doch als sie sah, wie glücklich Marie war, wurde ihr bewusst, dass sie gerade nur an sich gedacht hatte. Marie hatte einen Freund doch viel nötiger als sie. Schließlich war sie mit Eliza befreundet.
    Doch trotzdem wünschte sie sich die Zeit zurück, in der sie und Marie noch Freunde waren.

    12
    Als der Unterricht vorbei war, stolperte Marie schnell nach draußen.
    Sie wollte mit Hector allein sein. Es gefiel ihr gar nicht, dass alle Hector umdrängten. Schnell lief sie in den Stadtpark und ließ sich auf eine Parkbank fallen.
    Dort streichelte ihr magisches Tier.
    “Ich muss dir so viel erzählen!”, meinte sie und kraulte den Hasen hinterm Ohr.
    “Ja?” Hector reckte neugierig sein Näschen. “Was denn?”
    Da erzählte Marie alles. Nur Jorge und ihren Liebeskummer ließ sie weg.
    Der Hase lauschte gebannt.
    Als Marie fertig war, kullerte ihr eine kleine Träne über die Wange und glänzte im Schein der Sonne.
    Vorsichtig strich Hector sie mit seiner weichen Pfote weg.
    “Alles wird wieder gut! Das verspreche ich!”
    So saßen sie eine Weile da und sagten nichts.
    Platsch! Eine riesiger, mit Wasser gefüllter Ballon platzte genau auf ihrem Kopf.
    Das Wasser rann ihr über die Haare.
    Wütend schaute Marie nach dem Täter, doch sie sah niemanden. Auch ihr magischer Hase fand den Täter nicht.
    Da hörte sie hinter sich lautes Gekicher.
    Blitzschnell drehte Marie sich um.
    “Pauline” Marie sah ihrer Klassenkameradin wütend in die Augen. “Das wirst du büßen!”
    “Oh, da hab ich aber Angst!” Pauline grinste frech. “Außerdem bist du doch selbst schuld!”
    Da hatte Pauline zwar ein bisschen recht, aber Marie verdrängte das Mitleid schnell.
    Sie wollte gerade etwas zurückgeben, doch Hector hielt sie davon ab.
    “Das bringt doch nichts!”, meinte er. “Am Ende wird es doch nur noch schlimmer.”
    Widerwillig gab Marie nach.
    “Du traust dich bloß nicht!” Pauline grinste so fies, dass Marie sich beherrschen musste, ihr nicht ins Gesicht zu schlagen.
    “Das glaubst du doch selbst nicht.” Marie schaute noch finsterer als vorher. “Komm, wir gehen Hector.”
    Hinter sich hörte sie Pauline lachen. Wütend marschierte sie nach Hause.

    Dort setzte sie sich wütend auf ihr Bett.
    “Diese Pauline...”
    Sie nahm sich einen Dartpfeil schleuderte ihn mit voller Wucht ins Brett. Auch die Tatsache, dass sie das Bullseye getroffen hatte, konnte sie nicht beruhigen. Das schaffte nur ein kleiner, magischer Hase.
    “Das ist doch jetzt nicht so schlimm.” Hector sah seiner neuen Freundin tief in die Augen. “Denke einfach an etwas Anderes. Wie wäre mit Kartenspielen?”
    “Na gut.” Widerwillig durchsuchte Marie ihren Schrank.
    Als sie schließlich angefangen hatten, musste Hector an seinen Freund denken. Mit Freddie hatte er auch immer Karten gespielt. Der freche Igel hatte zwar fast immer gewonnen, aber das war den Beiden völlig egal gewesen.
    Sie hatten so viel zusammen gelacht...
    Aber jetzt musste er Marie helfen.
    “Was ist denn eigentlich mit Maja?” Der Hase sah das Mädchen fragend an.
    “Was soll mit ihr sein?”
    Doch Hector ließ sich nicht beirren.
    “Warum seid ihr keine Freunde mehr?”
    “Warum wohl?” Marie sah den Hasen verständnislos an. “Sie hat mich verpetzt!”
    “Aber das war doch keine Absicht!”
    “War es wohl!”
    “Wetten nicht?” Hector sah seine Gefährtin herausfordernd an.
    “Um ein Eis.”
    “Mit 3 Kugeln.”
    “Gebongt!” Der Hase schaute zufrieden.

    13
    Zur gleichen Zeit ging es bei Maja zu Hause drunter und drüber.
    Die kleine Mira schrie.
    Lukas sang ein Lied, dass er im Kindergarten gelernt hatte.
    Und Mick drehte das Radio auf volle Lautstärke.
    Während ihre Mutter das Radio wieder leiser stellte, suchte Maja in ihrem Liederbuch das Lied, das ihr kleiner Bruder sang.
    “Da ist es ja!” Doch als Maja genauer hinsah stockte ihr der Atem. Dort, wo eigentlich die Noten waren, tanzten auf einmal neongrün leuchtende Buchstaben.
    Schnell klappte sie das Buch zu.
    Sie atmete ein Mal tief ein und aus, dann öffnete sie das Buch erneut.
    Doch die Buchstaben waren immer noch da.
    Aber diesmal bewegten sie sich nicht.
    Jetzt konnte man klar und deutlich eine Nachricht lesen.

    An Maja Phillips!
    Die magische Zoohandlung teilt mit: Das Auswahlverfahren läuft. Bald wirst du dein magisches Tier bekommen. Halte dich bereit.
    Viele Grüße!
    Die magische Zoohandlung


    Verdattert setzte Maja sich auf den Sessel, der eigentlich nur für die Erwachsenen gedacht war. Aber niemand achtete auf sie. Niemand merkte, dass Maja gerade Post von der magischen Zoohandlung gekriegt hatte.
    Mira schrie immer noch, Lukas sang, Mick wurde von Majas Mutter über zu laute Musik und Hörschädigungen belehrt.
    Und sie hatte die schönste Nachricht ihres Lebens erhalten.
    Die leuchtenden Buchstaben waren mittlerweile erloschen.
    Da nahm Maja das Buch und begann zu spielen.
    Und ihr kleiner Bruder sang dazu.
    Sie fühlte sich so froh wie schon lange nicht mehr.

    14
    Am nächsten Morgen ging Maja fröhlich zur Schule.
    Heute würde sie ein magisches Tier bekommen.
    Doch Mister Morrison kam nicht!
    Bis zum Donnerstag musste Maja sich noch gedulden.

    Sie saßen gerade im Mathe-Unterricht, als es klopfte.
    “Herein!”, sagte Miss Cornfield.
    Die Tür ging auf. Es war Mister Morrison. Auf seiner rechten Schulter saß Pinkie, die Elster.
    “Gestatten, Morrison! Inhaber der magischen Zoohandlung.” Er machte eine knappe Verbeugung in Richtung Lehrerin. Auch Pinkie verbeugte sich, woraufhin alle losprusteten.
    “Weshalb ist der Boss denn hier?”, fragte Hector Marie.
    Die paar Tage hatten gereicht, dass sie beste Freunde geworden waren. Beide konnten sich ein Leben ohne den Anderen kaum noch vorstellen.
    “Der Boss?” Fragend sah Marie ihren magischen Gefährten an. “Meinst du Mister Morrison?”
    “Genau!” Hector schmiegte sich an sie. “Vielleicht kriegt ja noch jemand ein magisches Tier?”
    Er dachte an Pauline, die ständig fies zu ihren Klassenkameraden war. Sie konnte ein magisches Tier gut gebrauchen!
    Währenddessen rutschte Maja ungeduldig auf ihrem Platz hin und her.
    Wann bekam sie endlich ihr magisches Tier?
    Sie war so aufgeregt!
    “Bevor Mister Morrison uns das nächste Tier anvertraut, müsst ihr schwören das Geheimnis zu bewahren.” Die Lehrerin sah die Klasse auffordernd an.
    Alle nickten und warteten darauf, dass irgendetwas geschah.
    Da erschienen an der Tafel neongrüne Buchstaben.
    Die Buchstaben bildeten einen Schwur.
    Und schon schallte es laut durch den Raum:

    “Niemals, niemals sprechen wir
    mit anderen über das magische Tier.
    Die magische Zoohandlung ist streng geheim,
    so soll es für immer und ewig sein.”

    Als sie fertig waren, hielt Maja es kaum noch aus. Nervös trommelte sie mit ihren Fingern auf dem Tisch herum.
    Eliza bemerkte davon nichts. Sie schaute die ganze Zeit gespannt nach vorne.
    Wie gerne hätte sie ein magisches Tier!
    Aber andere aus der Klasse brauchten viel dringender ein magisches Tier, das wusste sie.
    Sie schaute sich im Klassenzimmer um.
    Luca saß an seinem Platz und schaute mit großen Augen nach vorne. Mit seiner angeberischen Art machte er sich bei seinen Klassenkameraden nicht gerade beliebt. Ständig tat er so, als wäre er jemand Besseres. Nur weil seine Eltern so reich waren und ihm alles gaben, was er wollte.
    Hinter ihr saß Jorge. Er war zwar sehr beliebt und hatte viele Freunde, aber in der Schule war er nicht so gut. Außerdem spielte er oft anderen Schülern und sogar Lehrern Streiche. Das letzte Schuljahr hatte damit geendet, dass Herr Mühlmeisters Kaffee so versalzen war, dass er ihn in hohem Bogen auf die Schüler in der ersten Bank gespuckt hatte. Jorge landete im Sekretariat, wo er mit einer Verwarnung davonkam. Vermutlich war er auch an den Sprüchen auf ihrem und Majas Tisch nicht unbeteiligt.
    Maja... Auch Maja konnte ein magisches Tier gut gebrauchen. Letztes Schuljahr war sie noch so glücklich gewesen. Aber seit Anfang des Schuljahres war sie oft traurig.
    Da bemerkte Eliza, dass der Inhaber der magischen Zoohandlung auf ihren Platz zukam. Überrascht schaute sie auf.
    Bekam sie jetzt ein magisches Tier? Oder doch Maja?
    Als sie sah, wie der Igel im Arm von Mister Morrison den Mund auf- und wieder zuklappte, spitzte sie die Ohren, doch keine Igelstimme erreichte ihr Ohr.
    Da überreichte Mortimer Morrison Maja ihr magisches Tier.
    Einen kurzen Augenblick lang war Eliza enttäuscht, doch als sie sah, wie glücklich Maja war, verschwand das letzte bisschen Enttäuschung aus ihr.
    “Ich bin Freddie.” Der magische Igel schaute seine Gefährtin aus seinen kleinen Augen treu an. “Und ich werde dir immer zur Seite stehen.”
    Eine kleine Träne kullerte über Majas Wange. Schnell wischte sie sie weg.
    “Danke”, flüsterte Maja.

    15
    In der Hofpause schüttete Maja ihrem neuen Freund das Herz aus. Freddie hörte aufmerksam zu.
    “Du Arme!” Voller Mitleid sah er seine Gefährtin an.
    So saßen sie eine Weile still nebeneinander.
    “Och! Unsere arme Maja braucht Mitleid?”
    Wütend schaute Maja Pauline an. Nur ihr magischer Freund Freddie schaute böser. Wütend streckte er Pauline die Zunge raus.
    “Oh nein!” Gespielt schockiert sah sie den Igel. “Jetzt bin ich aber beleidigt.”
    Da reichte es Maja. Sie nahm ihren Igel, setzte ihn auf ihren Kopf und ging weg. Doch natürlich verfolgte Pauline sie.
    Da nahm Maja einen Kiesel und warf ihn Pauline an die Stirn.
    “Hey!” Wütend sah Pauline Maja an.
    Freddie grinste.
    “Gut gemacht!”, füsterte er seiner Freundin ins Ohr. “Du musst dich einfach wehren.”
    Da klingelte es und Maja und Freddie waren froh, als sie wieder im Klassenraum waren.

    Als die Klasse gerade über kniffligen Mathe-Aufgaben saß, klopfte es und ein trat – Mister Morrison!
    Überrascht sah Miss Cornfield zum Besucher. Auch die Kinder waren erstaunt. Der Inhaber der magischen Zoohandlung hatte doch gerade erst ein magisches Tier überreicht. Es konnte unmöglich schon wieder eine Übergabe stattfinden!
    “Äh... Es gibt noch eine kleine Sache!”, erklärte er.
    “Und das wäre?” Eliza sah den Mann neugierig an.
    Würde sie jetzt doch noch ein magisches Tier bekommen? Sie hoffte es so sehr. Doch dann fiel ihr ein, dass andere Kinder aus der Klasse viel dringender einen Freund brauchten. Aber trotzdem wünschte sie sich nichts mehr.
    “Hoffen darf man ja immer!”, flüsterte sie.
    Erstaunt sah Maja ihre Freundin an.
    “Kriegst du...” Doch bevor Maja ihre Frage beenden konnte begann Mortimer Morrison zu sprechen:
    “Leonardo... Er ist weg...”
    Wer war Leonardo? Die Klasse begann zu tuscheln.
    “Leonardo ist weg?” Mary Cornfield sah den Inhaber der magischen Zoohandlung entsetzt an. “Er turnt doch bestimmt irgendwo herum.”
    Doch Mister Morrison schüttelte langsam den Kopf.
    “Ich habe ihm supersalzige Erdnüsse versprochen. Denen kann er nicht widerstehen!”
    Die Lehrerin schaute ratlos.
    Da traute sich Jorge endlich zu fragen.
    “Wer ist Leonardo denn überhaupt?”
    “Ein Streifenhörnchen. Ein magisches Streifenhörnchen.”
    Stille breitete sich im Raum aus.
    Der Igel Freddie nutzte die Gelegenheit und huschte zu Hector.
    “Ich habe eine Idee, wie Maja und Marie wieder Freunde werden könnten”, flüsterte er.
    Als Freddie seinen Plan fertig erzählt hatte, huschte ein Lächeln über Hectors Gesicht.
    Er sprang auf Maries Schoß.
    “Marie, ich habe eine Idee!”, begann er. “Wir finden Leonardo!”
    Marie dachte kurz nach, dann nickte sie.
    Sie dachte daran, wie stolz alle sein würden. Vielleicht würde Jorge sie dann auch mal beachten.
    Auch Maja war einverstanden.
    Heimlich zwinkerten sich Igel und Hase zu.

Kommentare (114)

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Miss Adeline (70735)
vor 116 Tagen
Schade, dass hier alles so inaktiv geworden ist... obwohl das ja eine richtig tolle FF ist. 😢 Ich werde vielleicht hin und wieder mal vorbei schauen... Aber naja, ewig warten bringt ja nichts. Viel Glück @Eddie bei deinem Buch 🍀
Namiyu (44515)
vor 123 Tagen
Wow cool, dein Buch wird bestimmt klasse!
Eddie ( von: Eddie)
vor 128 Tagen
Vielen Dank für das Lob und die neuen Charaktere!

Ich schreibe hier zurzeit eigentlich nicht weiter, da ich an meinem ersten eigenen Buch schreibe.
Aber vielleicht bringe ich ab und zu mal ein Kapitel raus...
Namiyu (44515)
vor 129 Tagen
Name: Alissa
Charakter: super schüchtern und ängstlich
Geeignetes Tier: hmm... vielleicht eine Katze?
sonstiges: hat keine Freunde weil sie zu schüchtern ist um leute anzusprechen,
Namiyu (44515)
vor 131 Tagen
Die Story ist soooooooooooooooooooooooo toll !!!!!!!!!!!!!!! Schreib weiter ! Bitte!
Kaminfeuer ( von: Kaminfeuer)
vor 137 Tagen
super Schreibstil!!! mach weiter!!! Bitte!!!
Flammenpfote (82399)
vor 139 Tagen
MEGA GUT!! Ich liebe deinen Schreibstil. Bitte schreib schnell weiter! Ich kann es kaum erwarten weiter zu lesen
Falls du brauchst:
Name: jenny
Charakter:offen,freundlich,humorvol l,manchmal bisschen vorlaut und tollpatschig.redet viel und schnell
“geeignetes“ Tier: überrasch mich!(kann gerne raubtier sein)
Sonstiges: liebt querflöten,tanzen und macht leistungsturnen(ist aber nicht ehrgeizig oder so)

Ich freu mich wenn Jenny un der Geschichte vorkommt!
Miss Adeline (46359)
vor 146 Tagen
Eddie? 😮Sorry, aber ich bin ein bisschen beunruhigt... 😅
Lass dir ruhig Zeit, ich will dich nicht drängen... Wäre schade, wenn du abbrichst.
Miss Adeline (66949)
vor 153 Tagen
Hmmm... Was mir auffällt: Die Kapitel sind am Ende irgendwie ein bisschen kürzer, oder? Also wenn man jetzt z.B mal das 2. und das 13. vergleicht. Aber ich glaube, bei den 15 Kapitel kam man das wirklich (noch) nicht genau sagen. Bloß verschlechtert hast du dich sicher nicht. ^^
Eddie ( von: Eddie)
vor 153 Tagen
Hallo Sonnenflug!
Vielen Dank für das Lob und für Sarah!
Auch wenn deine Geschichten seltsam sind - Übung macht den Meister!
Ich weiß, das sagt jeder, aber bei mir ist das wirklich so.
Anfangs habe ich ziemlich dialogartig geschrieben und jetzt schreibe ich so.
Viel Erfolg!
Sonnenflug ( von: Sonnenflug)
vor 153 Tagen
Du schreibst echt schön! Ich will später auch Autorin werden, aber meine Geschichten sind zum Teil echt seltsam XD egal, ich hoffe du schreibst bald weiter...

Name: Sarah (wenn du einen Nachnamen brauchen solltest: Brindler)
Charakter: wenn man sie neu kennenlernt ist sehr extremst schüchtern aber mit der Zeit wird sie sehr offen und kann eine Plappertasche sein
"geeignetes" Tier: Gerne Schnee-Eule oder Katze, eigentlich ist es mir aber egal
Sonstiges: Ist Einzelkind und froh darüber

Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!
Eddie ( von: Eddie)
vor 154 Tagen
Vielen, vielen Dank!
Und ich hätte eine Bitte:
Könntet ihr vielleicht noch mal die ersten und die letzten zwei Kapitel lesen und vergleichen.
Ist mein Schreibstil schlechter/besser geworden?
Ich freue mich über Feedback!
Miss Adeline (66949)
vor 154 Tagen
Das neue Kapitel ist echt wunderschön, finde ich. Maja und Marie sollen nämlich unbedingt wieder Freundinnen werden! Ich bin ja mal sehr gespannt, was Hector und Freddie so vorhaben...
Wenn du wirklich neue Charaktere brauchst, ich hätte schon ein paar Ideen... ^^
Ich bin mir sicher,wenn du so weitermachst, wirst du auf jeden Fall mal Schriftsteller... ^^
Emy (34143)
vor 154 Tagen
Gerne doch^^ Du wirst mal Autor, ich sag´s dir! ^^
Eddie ( von: Eddie)
vor 154 Tagen
Danke für das Lob und für die schüchterne Alina!
Emy (34143)
vor 154 Tagen
Name: Alina
Charakter: sehr schüchtern, nicht sehr gesprächig
"geeignetes" Tier: dir überlassen^^
Sonstiges: wenn sie mal spricht, dann meistens nur sehr leise

Hoffe es geht zu und noch mal ein großes Lob an den Zukünftigen Autor, Eddie! ^^
Eddie ( von: Eddie)
vor 154 Tagen
An alle, die es noch nicht wissen:
Das hier ist eine Mitmach-Fanfiction!
Das heißt ihr könnt Charaktere erstellen, die dann in die Geschichte eingebaut werden.
Wenn ihr einen Charakter erstellen wollt, füllt bitte das hier aus:

Name:
Charakter:
"geeignetes" Tier:
Sonstiges:

Ich weiß, dass das alle, die es schon wissen ziemlich nervt, aber es wäre gut, wenn ich wieder ein paar neue Charaktere bekomme!

Euer Eddie
Eddie ( von: Eddie)
vor 154 Tagen
Danke für das Lob!!! :D
Ich arbeite gerade am nächsten Kapitel.
Miss Adeline (99888)
vor 154 Tagen
Tolles, tolles Kapitel!!!
Freddie für Maja- toll! 🦔

👍🏻👍🏻👍🏻
Akiko Sayuri ( von: Akiko Sayuri)
vor 158 Tagen
Yejjj Maja hat einen Igel bekommen! ^^