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Harry Potter FF- Mein zweites Jahr

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32 Kapitel - 49.086 Wörter - Erstellt von: - Aktualisiert am: - Entwickelt am: - 10.318 mal aufgerufen - User-Bewertung: 5 von 5.0 - 12 Stimmen- Die Geschichte ist noch in Arbeit - 6 Personen gefällt es

Jetzt ist es schon das zweite Jahr für Hilary in der Schule für Hexerei und Zauberei, und schon am Anfang gibt es einige Unruhen... Doch damit ist es nicht genug: Sie kommt einem alten Geheimnis auf die Spur- nicht ahnend, was sie damit anrichtet...

Jahr 2- Nehmt euch etwas Zeit, und taucht ein in die fabelhafte Welt von Harry Potter!
(Ach ja- der Titel... Aber weil ich der ersten Geschichte schon den Titel „Mein erstes Jahr“ verpasst habe, habe ich die Geschichte „Mein zweites Jahr“ genannt. Kreativ, ich weiß.)

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    Hallo, schön, dass ihr die Geschichte lesen wollt! Ihr solltet aber unbedingt den ersten Teil gelesen haben, dazu kopiert einfach den Link:

    http://www.testedich.de/quiz51/quiz/1508767733/Harry-Potter-FF-Mein-erstes-Jahr

    Und jetzt: Viel Spaß beim Lesen! 😉😁😄
    LG Lily

    ——————————————————
    Kapitel 1


    Tock. Tock, tock. TOCK. Irgendetwas klopfte, und ich grummelte etwas. Sicher war es Mum. Sie sollte bitte verschwinden. Tock, tock. TOCK, TOOCK! Ich stöhnte und vergrub meinen Kopf unter der Decke. „Verschwinde“, krächzte ich. TOOOCK! Ein schrilles Kreischen ertönte, dann schepperte es blechern. Mit einer blitzschnellen Bewegung öffnete ich die Augen und schleuderte meine Decke beiseite. Natürlich war es nicht Mum. Das Geräusch war vom Fenster gekommen. Ich stand auf, ging zum Fenster und öffnete es. Auf dem Fensterbrett lagen drei Briefe. Achtlos warf ich sie auf mein Bett und sah nach unten. Tatsächlich, in der Regentonne lag ein kleines braunes Bündel. Mist. Like musste mal wieder abgestürzt sein. Like war meine Eule. Zuckersüß, klein, braun und flauschig, aber leider nicht geeignet für lange Flüge. Ich seufzte und sah nach unten. Angestrengt flatterte er mit seinen Flügeln und erhob sich in die Luft. „Sehr gut“, lobte ich ihn. Als Antwort erntete ich empörtes Kreischen, und ein paar Sekunden später lag er schon neben mir auf dem Fensterbrett. Schnell holte ich ein Tuch, wickelte ihn hinein und setzte ihn mit einer großen Portion Futter und Wasser in seinen Käfig. Er zwitscherte zufrieden. Ich schloss das Fenster und sprang dann mit einem großen Satz auf mein Bett. Der erste Brief war mit einem großen Siegel versehen, auf dem vier Tiere eingraviert waren: Der Dachs, die Schlange, der Löwe, und natürlich der Adler. Der Hogwartsbrief. Er enthielt eine Liste mit unseren Schulsachen, die wir für das neue Schuljahr benötigten. Vor einem Jahr hatte ich noch nicht einmal gewusst, was das war- bis ich einen ähnlichen Brief erhalten hatte, in dem mir mitgeteilt worden war, dass ich eine Hexe war, und deshalb ab jetzt auf die Zauberschule Hogwarts gehen würde. Seitdem hatte ich sehr viel erlebt: Ich hatte neue Freunde gefunden, war bei einer Gespensterparty gewesen, und hatte sogar fliegen gelernt. Aber es gab auch einige schreckliche Ereignisse, wie die Versteinerungen, meine Schattengestalten, wegen denen ich sogar in die Fänge von riesigen Monsterspinnen geraten war, und mein Abenteuer in der Kammer des Schreckens. Mein Blick fiel automatisch auf die kleine Narbe an meinem rechten Oberarm. Dort hatte der Basilisk seine Zähne hineingerammt...Trotzdem freute ich mich unglaublich auf das neue Schuljahr. Vorsichtig legte ich den Brief zur Seite und wandte mich dem nächsten zu, ein sehr kleiner Brief. Als ich ihn öffnete, fiel daraus ein ausgeschnittener Zeitungsartikel und ein eng beschriebenes Blatt Papier.

    Liebe Hilary,
    ich hoffe, dir geht es gut. Danke für deinen Brief zu meinem Geburtstag und die Bertie Botts Bohnen! In den Ferien waren wir in Ägypten, wir haben Bill besucht. Dad hat nämlich einen Preis gewonnen, das kannst du in dem Artikel sehen. 700 Galleonen! Es war wirklich sehr lustig. Wir wollten Percy in eine Pyramide einmauern, aber Mum hat uns erwischt. Percy gibt nämlich schon die ganze Zeit damit an, dass er dieses Jahr Schulsprecher ist. Das kann ja ganz lustig werden... Auf jeden Fall ist Mum total ausgeflippt. Und einmal wollte sie mir sogar verbieten, in eine Grabkammer zu gehen.
    Ich bin natürlich gegangen. Obwohl es schon gruselig war, weil da lauter Skelette drin waren. Fred & George haben auch ein paar neue Scherzartikel entwickelt, und die die ganze Zeit explodieren lassen, das hat Mum auch aufgeregt. Das meiste Geld geht für den Urlaub drauf, aber ich habe auch einen sehr schönen lila Umhang bekommen.
    Viele Grüße
    deine Ginny


    Ich lächelte. Einen Brief von Ginny hatte ich echt nicht erwartet, doch das bewirkte nur, dass ich mich noch mehr auf Hogwarts freute. Ich nahm den Zeitungsartikel und sah grinsend zu allen 9 Weasleys, die dort vor einer Pyramide abgebildet waren. Alle winkten fröhlich in die Kamera. Schnell nahm ich den dritten Brief. Er war sehr schwer, und als ich ihn öffnete, fiel eine Tüte Bertie Botts Bohnen und ein Stück Pergament heraus. Ich erkannte sofort die unordentliche Handschrift von Hanna, die meine beste Freundin in Hogwarts war.

    Liebe Hilary,
    ich hoffe, bei dir ist alles okay.Hast du deinen Hogwartsbrief auch schon bekommen? Wahrscheinlich schon. Hast du Lust, dass wir uns Ende der Woche in der Winkelgasse treffen? Oder auch schon morgen? Wir könnten dann zusammen unsere Sachen besorgen. Ich hab Ginny auch schon eine Eule geschrieben. Bei ihr würde es gehen. Bitte sag mir schnell Bescheid, ich langweile mich hier nämlich zu Tode!
    Hanna


    Ich sprang vom Bett. Mir ging es ja genauso wie ihr! Schnell holte ich Tintenfass und meinen Federkiel vom Schreibtisch und kritzelte hastig eine Antwort auf ein neues Stück Pergament. Erst ein Brief für Hanna, dann einen für Ginny, in dem ich ihr auch zu dem Gewinn gratulierte. Dann band ich die Pergamentrollen dem empört zwitschernden Like an die Beine, und gab ihm einen sanften Stoß. Er flog hoch in die Luft, und schon bald konnte ich ihn nicht mehr sehen. Die Sommersonne schien mir auf die Nase und ich seufzte entspannt. Nach Hogwarts zu kommen, bedeutete ja nicht nur, Spaß und Abenteuer, sondern auch wieder ewiges Lernen... Hoffentlich würde dieses Schuljahr entspannter werden als das vorige. Hoffte ich zumindest...

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    Kapitel 2


    Ich stand am Ende einer großen, viel belebten Straße. Um mich herum befanden sich Massen von jungen und alten Zauberern und Hexen, die meisten schwer beladen mit Tüten und Taschen. Ich sah auf eine große Uhr, die über dem Eingang zur Winkelgasse baumelte. Zehn nach zehn. Ginny und Hanna sollten schon da sein... Ich warf beunruhigte Blicke zu den Leuten, die an mir vorbeidrängten. Sie hatten es doch unmöglich vergessen? „Hilary!“, härte ich jemanden rufen. Ich drehte mich um. Zwei Mädchen liefen auf mich zu und umarmten mich stürmisch. „Hanna, Ginny“, rief ich, begeistert, endlich wieder meine Freundinnen zu sehen. Hanna lachte. Sie war ziemlich gewachsen, und überragte mich jetzt um eine knappe Handbreite, doch wenn man davon absah, hatte sie sich kaum verändert. Ginny war ebenfalls gewachsen, ihre Haare waren länger geworden. Ihre Haut war nach wie vor mit unzähligen Sommersprossen bedeckt. Was mich natürlich am meisten freute, war, dass die Schatten unter ihren Augen und ihre Blässe, die sie das ganze letzte Jahr begleitet hatten, komplett verschwunden waren. Das letzte Jahr war nicht leicht für sie gewesen... „Ich freu mich so, dass wir uns endlich wiedersehen“, sagte Ginny strahlend. „Schau mal!“ Ginny drehte sich um. „Dein neuer Umhang!“, sagte ich. Langsam strich ich mit den Fingern über den pflaumenfarbenen, samtweichen Stoff. Ginny lächelte. „Ja, nicht? Eigentlich ist es ja ein Winterumhang, aber ich wollte ihn euch unbedingt zeigen.“ „Jetzt musst du ihn aber schon mal ausziehen, sonst bekommst du noch einen Hitzeschlag“, sagte Hanna. Ginny nickte. „Es ist wirklich irre heiß mit dem.“ Sie zog den Umhang aus und stopfte ihn in ihre Tasche. „Wohin wollen wir als erstes?“, fragte ich eifrig. Hanna zuckte die Schultern. „Flourish & Blotts?“ „Bloß nicht... Bevor wir dann die ganze Zeit die Bücher rumtragen müssen...“, wandte ich ein. Sie seufzte. „Ich brauche neue Umhänge. Alles zu kurz bei mir.“ Gemeinsam schlenderten wir an den bunt plakatierten Schaufenstern vorbei, bis wir zu einem Eiscafé kamen. An den Tischen vor dem Café saßen viele Leute. Begeistert quietschte ich auf. „Eis!“ Hanna nickte und leckte sich die Lippen. „ Ich weiß es- ich hole meine Umhänge, und ihr bestellt mir bitte einen Fruchteisbecher.“ Ich nickte. „Machen wir!“ Ich winkte und zog Ginny zu einem freien Tisch im Schatten eines großen Sonnenschirms. Erleichtert ließ ich mich auf einen der bequemen Stühle sinken. „Florean Fortescues Eis ist Weltspitze“, verriet Ginny mir. „Super!“, sagte ich und studierte eifrig die Eiskarte. „Ich nehme einen Becher Kürbiseis mit Schokostreuseln“, überlegte Ginny. „Oder soll ich Bertie Botts Bohnen nehmen?“ Entsetzt sah ich auf. „Also dass würde ich ganz bestimmt nicht machen!“ „Eigentlich schmeckt es schon ganz gut. Es ist bloß ein bisschen durcheinander.“ Ich sah in meinen Geldbeutel. „Nach Gringotts müssen wir auch“, seufzte ich, denn der Gedanke, mit den Wagen wieder in die gruselige Finsternis zu fahren, gefiel mir gar nicht.
    Ginny lächelte. „Das dauert ja nicht so lange. Zur Apotheke müssen wir noch alle...“ Sie unterbrach sich, denn die Bedienung war an unseren Tisch getreten. Ginny bestellte sich ihr Kürbiseis, ich nahm einen riesigen Eisbecher mit Brause- Kaugummieis, und für Hanna bestellten wir einen gewaltigen Fruchtbecher. Das Eis schmeckte wirklich himmlisch, und kurz darauf kam auch schon Hanna, voll bepackt mit Tüten. „Tut mir leid“, keuchte sie, „aber Madame Malkins hat meine gesamte Uniform für untauglich befunden, bloß weil ein paar Kleinigkeiten gefehlt haben, und hat dann noch darauf bestanden, mir alles neu zu schneidern...“ Ich kicherte. Hannas Chaos kannten wir nur zu gut. Ich konnte gar nicht mehr aufzählen, was sie bereits alles verloren hatte: Socken, Schals, Bücher, Federn, Aufsätze, ihren Winterumhang... Hanna bedachte mich mit einem wütenden Blick und setzte sich auf ihren Platz. „Danke“, nuschelte sie, während sie sich schon den ersten Löffel in den Mund schob. Das Eis schmeckte wunderbar, und es war unglaublich schön, bei dem schönen Sommerwetter hier zu sitzen, und Eis zu löffeln. In der Menge entdeckte ich auch viele bekannte Gesichter: Zuerst fiel mir Ember Diggory auf, die jetzt ja bereits in die vierte Klasse ging, und die beste Freundin der Weasley-Zwillinge war. Auch Élodie Rosseau kannte ich, ein Mädchen mit grün gefärbten Haaren, die wie Hanna und ich, in Ravenclaw war. Und ich glaubte auch in der Menge die groß gewachsene Gestalt von Leeve Wild entdecken zu können, ein Junge, der ebenfalls in Ravenclaw und im zweiten Jahrgang war. „Das wird bestimmt lustig, wenn wir dann bei der Einteilung zusehen können!“ Hannas Augen strahlten, während sie die letzte Eispampe in ihrem Becher aß. Nachdem wir bezahlt hatten, ging es erst zu Gringotts, wo ich meinen Geldbeutel mit vielen Galleonen, Sickel und Knuts füllte. Danach holten wir uns neue Zutaten für Zaubertränken in der Apotheke, neue Tintenfässer und Pergament in dem riesigen Schreibwarenladen neben Flourish & Blotts, wo wir uns dann auch letztendlich die neuen Bücher kauften. Doch was das Beste war: Da wir ja jetzt Zweitklässler waren, durften wir laut Hogwarts‘ Schulregeln einen eigenen Besen besitzen. Ich hatte mich die ganzen Sommerferien wie verrückt gefreut: Fliegen machte mir sehr viel Spaß, es gab nur wenige Dinge, die mithalten konnten. Bis vor einem halben Jahr war das allerdings noch ganz anders gewesen, ich hatte schreckliche Höhenangst gehabt, wie schon, seit ich ganz klein war. Noch immer wusste ich nicht, wieso sich das geändert hatte. Doch ich war sehr froh darüber, schließlich hatte ich fast alle Flugstunden geschwänzt, und war außerdem mehrmals das Opfer von Madame Hooch Wutanfällen geworden. Ich war froh, dass diese Zeit vorbei war... Hanna zeigte mir verschiedene Quidditchläden. Vor Qualität für Quidditch hatte sich eine riesige Menschentraube versammelt, und als wir uns weit genug durchgeschubst hatten, sahen wir auch, warum: Auf einem kleinen Podest war ein Besen aufgestellt.
    Sein Stiel war aus glattem, hellen Holz gefertigt, der Schweif ordentlich zusammengebunden. In den Stiel war etwas eingraviert, jedoch stand ich nicht nah genug an dem Podest, um es lesen zu können. Doch trotzdem sah der Besen fantastisch aus. „Der Feuerblitz“, keuchte Hanna neben mir. Ginny biss sich auf die Lippe. „Das ist der schnellste Besen der Welt“, erklärte sie. „Ehrlich?“, fragte ich und malte mir schon aus, wie es sein musste, auf dem Feuerblitz zu fliegen. „Aber auch der Teuerste“, sagte Hanna. „500 Galleonen!“ Enttäuscht sah ich zu dem Besen. „Was ist denn an dem so besonders?“, fragte ich und versuchte einen Blick auf das vor dem Besen aufgebaute Schild zu erhaschen. „Also...“, begann Hanna, was das Anzeichen für einen ewig langen Vortrag war, „... er kann von 0 auf 250 km/h in nur 10 Sekunden beschleunigen, er ist ja auch auf Schnelligkeit gebaut, schau dir mal den schlanken Stiel an, außerdem besitzt er einen besonderen Bremszauber, du kannst bei 250 km/h bremsen, und das total weich, und schnell, mit nur ganz wenig Bremsweg, außerdem kannst du total enge Kurven fliegen...“ „Okay!“, unterbrach ich den Schwall von Informationen. Ich hatte begriffen, dass es sich dabei um einen wahren Wunderbesen handeln musste. Aber für 500 Galleonen- das war eine Menge Geld, und mein gesamtes Verlies in Gringotts für den Feuerblitz zu plündern? Natürlich nicht. Wir durchsuchten ein paar Geschäfte, und ich erhielt bei einem anderen Quidditchgeschäft ein gebrauchtes Modell eines Nimbus 2000. Sobald ich ihn in den Händen hielt, waren mir die paar Kratzer am Stiel und die angeknacksten Reisigzweige egal: Ich besaß einen eigenen Besen, und sogar einen Nimbus, wie Ginny neidisch bemerkte. Ich war wirklich glücklich, selbst wenn ich es doch nicht schaffen würde, in das Quidditchteam aufgenommen zu werden.
    Vollbepackt mit unseren Taschen legten wir auch auf dem Rückweg noch einen Stopp bei Fortescues Eissalon ein. Während wir uns unterhielten und dabei große Eisportionen verschlangen, fiel mir zum ersten Mal etwas Merkwürdiges auf: An einer Hauswand, uns gegenüber, standen ein paar Zauberer und unterhielten sich so laut, dass ich einige Satzstücke verstehen konnte. Sie schienen sehr wütend zu sein. „... ist ein Schuft, er hätte nie entkommen dürfen“, donnerte ein Mann, dessen knallrotes Hemd sich über seinem Bauch deutlich spannte. Ein Schuft? Ich ließ den Löffel sinken. Der Mann sagte noch etwas, was ich nicht verstand und dürre Frau, die ihre beiden Kinder an sich klammerte, kreischte schrill auf. „Er könnte jeden Moment um die Ecke biegen“, sagte der Mann mit dem roten Hemd. „... Dreizehn Muggel auf einmal getötet“, rief ein anderer Mann und wedelte wie wild mit der Zeitung über seinem Kopf herum. Ich erstarrte, und versuchte, genauer hinzuhören. Leider verstand ich nur noch Wortfetzen. „... aus Askaban...“ „auch Muggel vor Black gewarnt“, „Schwerverbrecher!“ Ich sah ratlos und verängstigt zu Hanna und Ginny. „Hast du es noch nicht gehört?“, fragte Hanna mich und starrte mich mit großen Augen an. „Was gehört?“, sagte ich. Hanna atmete tief durch. „Der Typ ist ausgebrochen.“ „Wo ausgebrochen?“, fragte ich und sah sie ungeduldig an. „ Aus Askaban, dem Zaubergefängnis. Er heißt Sirius Black... und, naja, natürlich haben alle Angst vor ihm... Er hat nämlich tatsächlich zwölf, oder dreizehn Muggel getötet, und sie haben ihn inhaftiert, aber...“ „Er ist verrückt, Hilary“, sagte Ginny ernst. Hanna nickte. „Er war ein Anhänger von... Du-weißt-schon-wem.“ Ich schnappte nach Luft. „Und er läuft hier frei herum?“ Hanna zuckte die Schultern. „Eher nicht hier, wo so viele andere Zauberer sind, aber... irgendwo in ganz Großbritannien wird er schon sein...“ Ich wurde weiß wie Schnee. Dreizehn Muggel getötet, verrückt, aus dem Gefängnis ausgebrochen, läuft frei herum. Ich schob mein Eis von mir weg. Der Appetit war allen vergangen. „Aber“, schob Hanna noch hinterher „ in Hogwarts sind wir sicher. Dumbledore, du weißt ja.“ Dieser Gedanke nahm mir ein Stück von meiner aufgekeimten Angst. Hogwarts... Weil es schon spät war, verabschiedeten wir uns, und Hanna und Ginny verschwanden zwischen den anderen Zauberern. Hoffentlich... hoffentlich würde es trotz Sirius Black ein gutes Schuljahr werden...

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    Kapitel 3


    Die wenigen Tage bis zur Abfahrt vergingen wie im Flug. Ich erledigte meine letzten Hausaufgaben, suchte meine Sachen und packte meine Koffer und Taschen. Im Nu war auch schon der 1. September gekommen, und ich stand mit meinen Eltern im Bahnhof Kings Cross, direkt vor der Absperrung zu Gleis 9 3/4. Langsam, wie selbstverständlich, schob ich meinen voll beladenen Gepäckwagen auf das Gatter zu. Keiner der Muggel beachteten mich. Zum Glück. Ich ließ den Wagen gegen die Absperrung krachen, und eine Sekunde später stand ich auf dem Gleis, zwischen vielen anderen Zauberern und Kindern in Hogwarts-Uniformen. Erleichtert atmete ich auf und sah mich sofort nach bekannten Gesichtern um. Hinter mir betraten meine Eltern das Gleis, vor uns stand schon der knallrote, heftig dampfende Hogwartsexpress. Irgendjemand schrie auf. „Lil!“ Vor mir standen Luna und Franziska Lovegood. Beide sahen wie immer total verrückt aus. Luna hatte ein Armband aus Korken an, Franziska hatte eine überdimensional große hellgelbe Schleife im Haar. Doch das war ein Teil von dem, was beide ausmachte, und auch, dass sie mir den Spitznamen „Lil“ verpasst hatten, mochte ich an den beiden Cousinen. Doch noch während wir uns begrüßten, entdeckte ich schon das nächste bekannte Gesicht: Flame aus Gryffindor winkte mir fröhlich zu, ihre kupferfarbenen Haare glänzten genau wie das Gryffindor- Wappen auf ihrer Brust. „Hi!“, lächelte sie vergnügt. „Ist das nicht super, nicht mehr die Jüngsten zu sein?“ Sie wies auf einen kleinen pummeligen Jungen, der etwas am Rand stand und von seinen Eltern umsorgt wurde. Definitiv ein Erstklässler, alle seine Sachen waren neu, und sein Gesichtsausdruck kritisch bis ängstlich. Ich nickte. „Echt mega!“ „Aber noch nicht alt genug für Hogsmeade“, sagte Flame und seufzte, als sie einen Drittklässler mit einem Blatt Papier herumwedeln sah. Ich nickte neidisch. „Wollen wir einsteigen?“, fragte Luna. Flame verzog das Gesicht. „Ich... naja, ich habe schon den anderen versprochen, dass wir in ein Abteil gegen“, sagte sie entschuldigend. Ich lächelte. „Ja, klar, passt schon.“ Flame verschwand zwischen den anderen Zauberern. Ich sah auf die Uhr. 10: 47. Wo steckte Hanna nur? Ich konnte sie nirgends erkennen, doch auch nach weiteren fünf Minuten war sie nicht aufgetaucht. Der Zug würde bald losfahren, wenn wir noch einen Sitzplatz bekommen wollten, dann mussten wir uns wirklich beeilen. Ich verabschiedete mich von meinen Eltern, Dad, der sehr stolz auf mich war, und Mum, die mir geschätzte hunderttausend Ermahnungen an den Kopf warf. Ich konnte einen kleinen Seufzer nicht unterdrücken, obwohl es mir natürlich auch wehtat, dass ich die Beiden jetzt so lange nicht mehr sehen würde. Aber so war es eben. Ich packte mein ganzes Zeug, umarmte jeden noch einmal, und folgte dann Franzi und Luna in den Hogwartsexpress. Wir fanden glücklicherweise schnell ein Abteil für uns alleine. Luna holte ihren Klitterer heraus und ließ sich auf einen Fensterplatz fallen, Franzi setzte sich vorsichtig auf den Sitz neben Luna und holte eine kleine Haarbürste heraus, mit der sie sich vorsichtig kämmte. Ich setzte mich auf den anderen Fensterplatz und sah nach draußen. Nur noch ganz wenige Schüler waren auf Gleis 9 3/4. Hanna war nicht darunter, also musste sie im Zug sein. Erleichtert holte ich ein paar Süßigkeiten heraus, die ich mir in der Winkelgasse besorgt hatte. Bertie Botts Bohnen, Druhbels bester Blaskaugummi, lange Schokostangen. Ich häufte sie gerade auf dem Tisch an, als sich die Tür öffnete. Hinein kam Ginny gestolpert. „Ach, super!“, sagte sie. „Gut, dass ihr es seid, überall ist voll, und -Oh, wo ist denn Hanna?“ Sie sah sich verwirrt um. Ich blickte genauso verwirrt zurück. „Weiß ich auch nicht...“ Ich zuckte die Schultern. Ginny setzte sich. „Komisch, ich hab sie nicht gesehen. Hoffentlich hat sie nicht den Zug verpasst und macht jetzt etwas ähnlich Abartiges wie Harry und Ron letztes Jahr...“ Ich kicherte, hörte aber auf, als ich den Ernst der Sache begriff. „Ich weiß nicht... aber ich glaube nicht, dass das so ist. Ganz alleine...“ Ich schüttelte den Kopf. Das würde Hanna doch nicht machen. Obwohl, kam natürlich darauf an, was das für ein Das war.
    Ich seufzte und zog aus meiner Tasche eines meiner in der Winkelgasse erstandenen Unterhaltungsspiele. „Koboldstein- das exzellente Unterhaltungsspiel“, las ich vom Etikett ab. Luna, Franzi und Ginny waren sofort ganz Ohr. Das Spiel funktionierte wie Murmeln, doch bei einem Fehler bekam man stinkende Flüssigkeit ins Gesicht gespritzt. Die nächsten Stunden hatten wir sehr viel Spaß- dass hieß, nur zunächst. Ich wurde immer unruhiger. Hanna hätte schon längst kommen müssen, selbst wenn sie alle Abteile durchsucht hätte. Auch die anderen wurden immer schweigsamer, und schließlich packte Luna wieder den Klitterer aus und fing mit Franzi eine Unterhaltung über Schrumpfhörnige Schnarchkackler an. Ginny und ich rutschten unruhig hin und her. Draußen regnete es, die Tropfen prasselten gegen unsere Fensterscheiben. Auch die Imbisshexe konnte uns nicht aufheitern, keiner von uns kaufte etwas. Ich beschloss, selbst nach Hanna zu suchen. Doch nachdem ich einmal in jedem Abteil nachgesehen hatte: Hanna war nicht da. Es musste etwas geschehen sein. Fragte sich nur, was. Ich ging zurück und sah aus dem Fenster. Es dämmerte schon, und der Regen war noch heftiger geworden. Dann gab es plötzlich einen Knall, und der Zug bremste ab. Ich wurde nach vorne geschleudert. „Was ist denn jetzt los?“, fragte Ginny. Ich wollte antworten, doch plötzlich erloschen alle Lichter. „Hilfe“, quiekte Franzi. Irgendetwas rummste und ich hörte Ginny aufschreien. „Der Koffer ist auf mein Bein gefallen“, keuchte sie. Ich taste mich an sie heran, und schleiftd irgendetwas Schweres beiseite. „Besser?“, erkundigte ich mich. „Ah, nein, das war der Falsche“, stöhnte Ginny. Irgendetwas polterte und ich merkte, wie Ginny sich neben mir bewegte. „Haben wir eine Panne?“, erkundigte sich Luna. „Äh... woher soll ich das wissen?“, sagte ich und räumte schnell irgendetwas schweres zur Seite. Ginny seufzte erleichtert. „Das war der richtige Koffer- danke.“ Ich tastete mit der Hand neben mich und fühlte etwas Rundes. „Ich habe meinen Zauberstab“, rief ich. „Gut“, erklärte Luna. Ich umklammerte das runde Teil fester- und zerdrückte es. „Scheiße“, sagte ich und warf die zermatschte Schokostange weg. „Spinnst du?“ Das war Franzi gewesen. „Igitt- Mir klebt Schokolade in den Haaren.“ „Ich glaube, ich gehe mal Harry suchen- die wissen vielleicht mehr“, hörte ich Ginny sagen. „Okay.“ Die Abteiltür quietschte, und ich hörte Schritte auf dem Gang. „Tut mir leid, Franzi“, sagte ich. Die keuchte nur. Ich schwieg ein paar Minuten lang. Auf dem Gang waren dumpfe Geräusche zu hören, und ein unheimliches Krachen und Rumsen.„Ist euch auch so kalt?“, fragte ich in die Dunkelheit hinein. Auf meinen Armen hatte sich Gänsehaut gebildet. „Ja“, seufzte Luna. Ich versuchte mit den Armen meinen Parka zu angeln, doch kam ich nicht weit. Die Abteiltür wurde aufgerissen. „Lumos“, sagte Franzi und ein Licht flammte auf. Doch ich sah nicht, was ich sehen wollte. Denn in der Tür stand eine riesige Gestalt, bedeckt mit einem Umhang, der das gesamte Gesicht verbarg. Ich wagte es nicht, etwas zu sagen, und drängte mich weiter an die Wand. Es wurde noch kälter- viel kälter. Die Gestalt blieb zunächst in der Türe stehen, und ich hoffte, dass sie verschwinden würde. Doch dann machte die Gestalt einen Schritt nach vorne. Wir schrieen alle auf. Ein seltsames Rasseln ertönte, gefolgt von einer Art Gurgeln. Was wollte dieses Wesen mit uns anstellen? Panisch ruderte ich mit den Armen und stieß dabei an eine Tüte, die ich hinunterstieß. Das Wesen bewegte sich noch immer nicht vom Fleck, und plötzlich war mir, als müsste ich weinen. Ich hörte Stimmen auf dem Gang. „Hilfe“, röchelte ich. Dann, plötzlich, schoss etwas Silbernes hervor. Das Wesen wich schnell zurück, und verschwand aus dem Abteil. Die Tür blieb offen stehen, und ich hörte Schritte, die sich entfernten. Ich wagte es kaum, zu atmen. Was war das gewesen?
    Es hatte die Kälte erzeugt- und es hatte es beinahe geschafft, mich weinen zu lassen. Ich schluckte, Tränen stiegen in meine Augen und ich schluchzte los. Jemand legte den Arm um mich. „Es ist schon gut“, flüsterte Luna. Gut? War das denn gut gewesen...

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    Kapitel 4

    Mit einem „Klick“ ging das Licht wieder an, und der Zug setzte sich ratternd und ruckelnd in Bewegung. Ich sah mich um. Auf dem Boden lagen unsere Koffer, Taschen und Süßigkeiten verstreut herum. Die Gestalt war weg, und die Gänsehaut an meinen Armen war verschwunden. Es war, als wäre nichts gesehen, der Zug rumpelte wie gewohnt dahin. Ich zitterte, und wischte mir mit der Hand über mein tränennasses Gesicht. „Dementoren“, sagte Franzi, während sie die Sachen vom Boden aufhob. „Die Wachen von Askaban. Ich frage mich, was die hier wollten...“ Askaban? War da nicht etwas? „Sirius Black“, flüsterte ich tonlos. Sie hatten sogar hier, im Hogwartsexpress, nach ihm gesucht... Ich sah aus dem Fenster. Immer noch rollten Regentropfen an der Scheibe hinunter. Draußen war es mittlerweile stockdunkel, ich konnte nichts mehr erkennen. Mein Magen zog sich zusammen. Und wo war Hanna? Vor ein paar Tagen war sie doch noch mit uns in der Winkelgasse gewesen... „In ein paar Minuten sind wir da“, sagte Franzi und lächelte aufmunternd. Auch ein Vertrauensschüler kam zu uns ins Abteil. „In wenigen Minuten erreichen wir Hogwarts.“ Er knallte die Tür heftig zu. Schnell zog ich mir meinen Umhang an, und wickelte mir meinen Schal um den Hals. Ginny kam auch in das Abteil, ihre Augen waren rot und geschwollen, und sie war immer noch geschockt. Der Zug wurde langsamer, dann bremste er ganz ab. Abteiltüren knallten, irgendwer schrie, und eine Menge von Schülern ergoss sich auf den Bahnsteig. Ich erschauderte. Wegen des eisigen Regens war es eiskalt. „Erstklässler zu mir!“, hörte ich eine laute Stimme. Fast wäre ich tatsächlich zu Hagrid gegangen. Aber ich war ja jetzt eine Zweitklässlerin. Langsam ging ich neben Ginny, Franzi und Luna her, der Weg unter unseren Füßen war schlammig und aufgeweicht, und der Regen ließ meine Haare in Strähnen herunterhängen und durchnässte mich bis auf die Haut. Ich sah nach vorne. Eine Menge dunkler Flecken zeichnete sich vom Hintergrund ab. Doch als ich näher herangekommen war, blieb ich plötzlich geschockt stehen. Was waren das für... Ich hatte erkannt, dass es sich um Kutschen handelte- aber das war es nicht, was mich schockte. Sondern die merkwürdigen Tiere, die davor gespannt waren. Der Aufbau des Körpers ähnelte dem eines Pferdes, mit einem langen Schweif, und einem eckigen, unförmigen Kopf, doch durch die schwarze Haut der Tiere konnte man jede Rippe, jeden einzelnen Knochen sehen. Zwei schwarze, große Flügel besaßen sie ebenfalls, die schlaff an den Seiten hinunterhingen. Die großen, weißen, pupillenlosen Augen sahen mich teilnahmelos an. Ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte und wich ein paar Schritte zurück. Schon das zweite Mal gruselige Gestalten innerhalb von einer halben Stunde. Ich sah zu Luna. Ihren Gesichtsausdruck konnte ich nicht wirklich deuten- eine Mischung aus Faszination und Misstrauen, dazu kam ihr gewöhnliches verträumtes Aussehen. „He, wo bleibt ihr denn?“ Franzi lief auf uns zu. „Wir haben schon eine tolle Kutsche!“ Ihr schien die Anwesenheit der seltsamen Pferde nichts auszumachen.
    Ich wandte mich ab und folgte Franzi, gefolgt von Luna, denn auch mir war bitterkalt, außerdem fand ich die Pferde zu gruselig, um sie noch weiter zu betrachten. Schnell stieg ich in die Kutsche und setzte mich neben Ginny. Luna schloss hinter sich die Türe. Mit einem sanften Ruck fuhren wir los. In der Kutsche war es gemütlich und warm. Wir sprachen nicht viel, während wir uns Hogwarts näherten. Die Dementoren hatten uns alle eingeschüchtert. Ich sah aus dem Fenster. Auf dem See schwankten die Boote mit den Erstklässlern unruhig hin und her, und ich musste grinsen. Dieser Anblick erinnerte mich daran, wie wir letztes Jahr auf unserer Überfahrt gekentert waren, unser ganzes Gepäck im See versunken war und wir dann eine Extra- Einteilung bekommen hatten. Dieses Jahr waren jedenfalls alle Schüler nass, bei diesem Mistwetter. Die Kutsche hopste in die Höhe und blieb stehen. „Endstation.“ Franzi grinste, öffnete die Tür und sprang hinaus. Eisige Kälte kam in den eben noch so gemütlichen Raum. Ich stieg ebenfalls aus und versuchte es zu vermeiden, einem der Pferde in das Gesicht zu sehen. Luna lächelte. „Ich glaube, das sind Theatrale“, sagte sie freundlich. „Echt?“ Ich drehte mich um und sah wieder in die milchig weißen, trüben Augen. Der Thestral scharrte mit einem Fuß auf dem Boden und machte einen Schritt nach vorne. Ich sprang, so schnell ich konnte, nach hinten. „Ach“, sagte Luna, „ich glaube nicht, dass die soo gefährlich sind.“Ein Satz, der mich kaum beruhigte. Außerdem wollte ich endlich ins warme Hogwarts. „Kommst du?“ Gemeinsam ließen wir uns von der Menge der anderen Schüler mitziehen, bis wir endlich in Hogwarts waren. Mit einem lauten Krachen fiel die Tür hinter uns zu. Unser zweites Jahr hatte begonnen. Luna und ich drängten uns durch die Schüler, bis wir an der Spitze der lärmenden Meute an Schülern waren. Durch ein, zwei nasse und rutschige Gänge ging es, dann befanden sich vor uns die großen Flügeltüren zur großen Halle, die sich langsam und quietschend öffneten. Sie sah beeindruckend aus, Kerzen flogen durch die Gegend, Lichter brannten und über uns wölbte sich der Nachthimmel. Am Lehrertisch saßen schon fast alle Lehrer, einige Plätze waren jedoch noch frei. Die Hausgeister schwebten auf uns zu, der blutige Baron lachte, der kopflose Nick klappte aufgeregt seinen Kopf hoch und hinunter, und der fette Mönch winkte allen pfeifend zu. Die Haustische waren alle leer- bis auf einer. Am Ravenclawtisch saß, in der Mitte der langen Holzbank, eine einzige Person. „Hanna!“ Meine Stimme war eine Oktave höher gewandert, und ich lief auf sie zu. Sie war rot angelaufen. „Ich habe den Zug verpasst“, murmelte sie verlegen. „Was, echt?“ Ich sah sie grinsend an und ließ mich neben sie auf die Bank fallen. „Ja. Zehn nach elf, als wir angekommen sind- ihr wart schon längst weg, also bin ich wieder zu Mum und Dad, und, na ja, Dad hat mit mir nach Hogsmeade appariert, und dann haben wir eine Eule zu Dumbledore geschickt- obwohl, das war schon davor- ja, und sie haben mich eben geholt und ich habe zwei todlangweilige Stunden hier in der großen Halle verbracht. Aber-“, sagte sie, noch immer im selben Atemzug, „Professor Dumbledore hat gesagt, im Zug wären... ähm... Dementoren gewesen.“ Ich nickte. „Ich hatte so Angst...“ „Oh Mann“, knurrte Hanna. „Hätte ich doch meine Sachen alle gefunden, dann wäre ich noch rechtzeitig gekommen, aber so...“ „Sei froh!“, rief ich. „Das kannst du dir nicht vorstellen, es war so, als ob... also... es war kalt, und...“ „Ruhe!“ Dumbledores Stimme hallte durch die gesamte Halle. „Die Erstklässler!“ Angeführt von Professor McGonagall trat ein große Gruppe von verängstig dreinsehenden Schülern in die Halle. Ich schielte nach vorne, wo der sprechende Hut zu singen begann. Ich hörte nur mit halben Ohr zu. Der Gedanke an die Dementoren hielt mich fest: Der dunkle Umhang, die Kapuze ins Gesicht gezogen, der schwebende Gang, die Kälte, die Traurigkeit... Und die Thestrale. Wenn ich Luna glauben konnte, war das Gruseligste an ihnen ihr Aussehen. Die anderen juckte das ja gar nicht. Ich seufzte und konzentrierte mich auf die Auswahl, da alle an unserem Tisch zu klatschen begannen. Ich klatschte synchron mit: Der pummelige Erstklässler von Gleis 9 3/4 war ein Ravenclaw geworden. Die Auswahl war sehr schnell vorüber, da es dieses Jahr weniger Erstklässler als sonst gab (wie ein paar Ravenclaws mir mitteilten), und Dumbledore begann seine Rede. „Wie ihr mitbekommen habt, ist der Hogwartsexpress durchsucht worden, und ihr wisst inzwischen, dass unsere Schule gegenwärtig einige der Dementoren von Askaban beherbergt, die im Auftrag des Zaubereiministeriums hier sind.“ Er stoppte und sah ernst in die Runde. Oh Nein... Die Dementoren, hier in Hogwarts? „Niemand darf deshalb ohne Erlaubnis die Schule verlassen, oder die Dementoren mit Verkleidungen und Späßen zum Narren halten.“ Dumbledore stockte und brach wieder ab. Gemurmel und Getuschel setzte ein.Ich wollte mir nicht ausmalen, was geschehen würde, wenn einer dieser Fälle eintreten würde. Wie würden die Dementoren handeln? Konnten sie jemanden umbringen? Auch die anderen Schüler schien über genau diese Frage zu diskutieren, und es wurde sehr laut in der Halle. Ich sah zum Lehrertisch. Dumbledore räusperte sich und der Lärmpegel sank, bis es ganz still war. „Doch wenden wir uns erfreulicheren Dingen zu. Ich muss euch auch zwei neue Lehrer vorstellen“, fuhr Dumbledore fort, „Remus Lupin für Verteidigung gegen die dunklen Künste“, ein schäbig aussehender Lehrer erhob sich am Lehrertisch und sah, verlegen grinsend, in die Runde. „Hoffentlich besser als Lockhart“, flüsterte Hanna und ich war ganz ihrer Meinung. Das letzte Jahr hatten wir überhaupt nichts gelernt, was mit Verteidigung gegen die dunklen Künste zu tun hatte. Dafür konnten wir jetzt im Schlaf die Lieblingsfarbe, das Lieblingstier und das Lieblingsbuch unseres ehemaligen Verteidigung- Lehrers, Gilderoy Lockhart, aufsagen. Wir konnten teilweise auch Kapitel seiner Bücher auswendig, denn wir hatten diese immer und immer wieder lesen müssen. Im Nachhinein hatte man allerdings festgestellt, dass der vieles nichts als erstunken und erlogen war, oder zumindest Lockharts vermeintliche Heldentaten in Wirklichkeit von ganz anderen Zauberern vollbracht worden waren. Ich sah genauer zu dem neuen Lehrer. Sein Umhang war alt und abgetragen, und an vielen Stellen geflickt. Ich hoffte, dass er uns etwas beibringen konnte. Dumbledores hob die Hand und abermals, wie durch einen Zauber, erstarb der Applaus. „Ihr wisst ja, dass unser ehemaliger Lehrer für das Fach Pflege und Aufzucht magischer Geschöpfe, Professor Kesselbrand, in den Ruhestand getreten ist, um sich noch ein wenig seiner Gliedmaßen zu erfreuen.“ Leises Gelächter. „Ich habe aber schon einen neuen Lehrer gefunden. Hagrid wird die Stelle des Lehrers für Pflege magischer Geschöpfe übernehmen!“ Großer Beifall am Gryffindortisch. Ich war skeptisch. Hagrid hegte, das hatte selbst ich mitbekommen- eine unglückliche Liebe zu gefährlichen Geschöpfen aller Art. Natürlich konnte das ein Punkt sein, der für ihn als Lehrer sprach- andererseits... Wer wusste schon... Aber ich hatte ja gar kein Pflege magischer Geschöpfe, also konnte ich ja beruhigt sein und mich erfreulicheren Sachen widmen. Zum Beispiel dem leckeren Festessen. Erst jetzt merkte ich, wie hungrig ich war. Das Essen stopfte ich in mich hinein, als hätte ich eine Woche lang nichts zu essen bekommen. Danach war ich unglaublich müde, und gähnte ununterbrochen. „Gehen wir nach oben?“ Hanna stand auf, ich folgte ihr. Langsam stiegen wir hinauf in den Ravenclawturm, Treppenstufe für Treppenstufe. Oben bezog ich, genau wie letztes Jahr, das große Himmelbett am Fenster. Draußen schien der Mond und erhellte die Wiesen und den Wald. Ich atmet tief ein und aus. Endlich wieder in Hogwarts! Zum ersten Mal an diesem Abend freute ich mich. Das Schuljahr würde toll werden, trotz der Dementoren. Da war ich sicher. Ich ließ mich auf die Matratze fallen, und nach wenigen Minuten war ich auch schon eingeschlafen...

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    Kapitel 5

    Am nächsten Morgen wachte ich viel zu spät auf. Alle meine Knochen schmerzten und mein Hals tat weh. „Wir müssen uns beeilen, in zwölf Minuten fängt der Unterricht an!“ Zwölf Minuten? Entsetzt sah ich Hanna an. So schnell ich konnte schlüpfte ich in meine Sachen, und gemeinsam rannten wir zum Frühstück. Der gestrige Tag hatte mich total geschafft, ich war jetzt also nicht nur total müde, sondern ich hatte mir auch noch eine fiese Erkältung eingefangen. Das war ja schonmal ein toller Start. Gehetzt rannten wir in die große Halle, die schon alle Schüler verließen. Mist! Hastig schlang ich im Stehen ein Brötchen mit einer fingerdicken Marmeladenschicht hinunter. Während ich kaute, reichte mir Franzi einen Stundenplan. Ich überflog ihn kurz. Wir würden jetzt gleich Geschichte der Zauberei haben und dann...Verteidigung gegen die dunklen Künste. Ich seufzte erleichtert. Das klang gut. Zuerst konnte ich noch einmal ausschlafen, und dann... tja, das würde sich herausstellen. Aufgeregt sah ich zum Lehrertisch. Professor Lupin unterhielt sich angeregt mit Professor Flitwick. Den würden wir dann gleich nach Verteidigung haben. Ich warf einen Blick auf die Uhr. Zwei Minuten noch. Aber egal, wir hatten ja bei Binns. Da konnte man nichts verpassen. Ich trank noch schnell meine Tasse aus, dann folgte ich als eine der Letzten den anderen Schülern aus der Halle. „Ich bin wirklich total gespannt!“, rief Hanna aufgeregt. „Auf Geschichte?“, fragte ich und verzog das Gesicht. Hanna rollte die Augen. „Ja, bestimmt.“ Ich kicherte. Natürlich wusste ich nur zu gut, was sie gemeint hatte. Mir ging es ja nicht anders. Ich fühlte mich plötzlich wie letztes Jahr, als noch jedes Schulfach ein Abenteuer gewesen war. Die Tür zu unserem Klassenzimmer war bereits geschlossen, aus dem Inneren hörten wir bereits das einschläfernde Gelaber von Professor Binns. Langsam öffnete ich die Türe. Niemand sah auf, die meisten Schüler gaben sich nämlich nicht einmal Mühe aufzupassen. Professor Binns hielt ein riesiges Pergament in die Höhe, auf dem verschiedene Zahlen aufgemalt waren, und eine Menge Text. Schnell setzten wir uns. Unser Lehrer registrierte unser Zuspätkommen nicht einmal. Glück gehabt. Den Rest der Stunde verbrachte ich wie gewohnt im Halbschlaf, ab und zu schrieb ich mir vielleicht mal eine Jahreszahl auf, wenn es mir bedeutungsvoll vorkam. Koboldaufstände interessierten mich einfach gar nicht. Die Stunde war schneller vorbei als gedacht, und ich spürte ein aufgeregtes Kribbeln im Bauch. Jetzt musste der neue Verteidigungslehrer sich beweisen. Auch die anderen Schüler tuschelten miteinander. Auf dem Gang trafen wir Ginny und Flame. Zusammen liefen wir zu unserem Klassenzimmer. Der neue Lehrer, Professor Lupin, war schon da. Schnell stürzten wir uns auf die Viererreihe ganz vorne, Flame an die Wand, daneben Hanna, dann ich und Ginny setzte sich ganz außen hin. Lupin musterte uns freundlich und deutete auf unsere Bücher. „Legt sie weg, wir brauchen sie nicht.“ „Nicht?“, fragte ich verdutzt. Er schüttelte den Kopf. „Ihr benötigt ausschließlich euren Zauberstab.“ Hanna und ich wechselten einen überraschten Blick. Das war doch schon mal was! Die anderen Zweitklässler aus Ravenclaw und Gryffindor kamen jetzt ebenfalls hineingetrampelt. Professor Lupin wartete geduldig, bis jeder einen Sitzplatz gefunden hatte und alle Augen auf ihn gerichtet waren. „Hallo!“, sagte er dann und lächelte uns einmal an. „Ich freue mich sehr, euch unterrichten zu dürfen. Ich hoffe, wir werden gut miteinander auskommen.“ Sein fester Blick glitt über die Klasse. Ein Gryffindor-Mädchen, das eben noch gekichert hatte, verstummte und wurde hochrot. Lupin räusperte sich und fuhr fort: „Ihr werdet viele wichtige Dinge lernen, die ihr benötigt, um euch verteidigen zu können. Es wird auch etwas anspruchsvoller zugehen... Euer Stoff überschneidet sich teils mit dem der dritten Klasse, da ihr ja alle gegen Ende letzten Schuljahrs...“ Sein Blick, der eben noch in der Klasse herumgeglitten war, verharrte jetzt auf Ginny und mir. Ich senkte den Kopf, weil mir heiß wurde. Klar, es hatte sich herumgesprochen, dass wir in der Kammer des Schreckens gelandet waren... „...keinen Unterricht mehr hattet. Für heute habe ich etwas geplant, was auch schon kompliziert sein kann. Ihr werdet einen nützlichen Zauberspruch lernen... Ach ja, eure Bücher braucht ihr nicht. Nur euren Zauberstab.“ Ein überraschtes Raunen folgte. „So!“, rief Professor Lupin, als endlich alle Bücher von den Tischen geräumt worden waren. „Ihr habt ja letztes Jahr mit Wichteln gearbeitet... Einmal, oder?“ „Das war die zweite Klasse, Professor“, rief Leeve Wild. „Also die, die jetzt in der dritten Klasse sind.“ „Schon gut, verstehe.“ Professor Lupin lächelte. „Eigentlich sind Wichtel nicht wirklich gefährlich- keine Sorge, ich werde nicht wie Professor Lockhart alle auf euch loslassen- und wie gesagt, ich habe erst einmal einen Zauberspruch für euch. Diesen will ich mit euch erst anhand der Wichtel üben. Steht doch bitte alle einmal auf.“ Ich stand auf, sehr überrascht. Es schien interessant zu werden. „Der Zauberspruch, den wir jetzt ausprobieren werden, lautet: Pertificus Totalus!“ „Pertificus Totalus!“, wiederholte die gesamte Klasse. Professor Lupin schien noch nicht zufrieden. „Noch einmal!“ „PERTIFICUS TOTALUS!“ „Gut. Bitte merkt euch den Spruch!“ Er hob einen Käfig, der auf dem Boden gestanden war, in die Höhe. Darin saßen zwei blaue, etwa zehn Zentimenter große Wichtel, die schrille Geräusche von sich gaben. „Geht es ihnen nicht gut?“, fragte ein Mädchen verängstigt. Lupin schüttelte den Kopf. „Aufgepasst!“ Professor Lupin zückte seinen Zauberstab, und stellte sich aufrecht vor den Käfig. „Alohomora!“ Das Schloss brach auf und mit einem schrillen Kreischen jagten beide Wichtel ins Freie. „Pertificus Totalus!“, rief Lupin. Ein blauer Strahl schoss aus seinem Zauberstab. Der erste Wichtel erstarrte und plumpste auf den Boden. Den Zweiten ereilte das selbe Schicksal. Irgendjemand schrie auf. „Sind sie tot?“, fragte Johara Hunter. Lupin bückte sich und sammelte beide Wichtel vom Boden auf. „Natürlich nicht. Der Pertificus Totalus lähmt am ganzen Körper. Nur die Augen können noch bewegt werden.“ Er legte beide Wichtel auf das Pult. „Wer möchte denn es jetzt einmal selbst versuchen?“ Niemand meldete sich, doch viele waren hin- und hergerissen. Lupins Blick fiel auf Hanna. „Miss Stewart, richtig? Möchten Sie es nicht einmal versuchen?“ Hanna wurde rot. Schnell ging sie nach vorne. Ihre Finger umklammerten fest den Zauberstab. Professor Lupin sah sie an. „Sehr gut. Sie wissen den Spruch?“ „Pertificus Totalus“, antwortete Hanna. „Vollkommen korrekt. Bereit?“ Hanna nickte. „Los!“ Er tippte die Wichtel mit der Spitze seines Zauberstabs an, und sofort erhoben sie sich kreischend in die Luft. Mit einer blitzschnellen Bewegung erhob Hanna den Zauberstab. „Pertificus Totalus!“ Die beiden Wichtel erstarrten, und fielen vor mir auf den Holztisch. Ich starrte Hanna mit offenem Mund an. Das war ja... fantastisch gewesen! Auch Lupin war die Anerkennung deutlich anzusehen. „Sehr gut, 5 Punkte für Ravenclaw!“ Wieder sammelte er beide Wichtel ein. „Jetzt werde ich jeden von ihnen einmal aufrufen, und jeder von Ihnen hat die Möglichkeit, einmal den Pertificus Totalus auszuprobieren. Wild!“ Leeve stolperte hervor, doch die Wichtel entwischten ihm jedes Mal. Nachdem er erst Franzi versehentlich gelähmt hatte, gelang es ihm dann, den einen der beiden Wichtel, der gerade Ginnys Tintenfass zerstören wollte, ebenfalls zu lähmen. Professor Lupin erledigte den Zweiten. Allen anderen ging es ebenfalls nicht besser. Auch mir nicht, ich schaffte es nur mit Mühe und Not, den kleineren der beiden zu lähmen. Niemand, aber auch niemand, schaffte es genauso gut wie Hanna. „Glück!“, posaunte Kylie Lentra, eine besonders gemeine Gryffindor. Doch auch beim zweiten Versuch schaffte es Hanna, beide Wichtel in weniger als zehn Sekunden zu lähmen. Lupin war beeindruckt, genau wie ich auch. Das war doch ziemlich schwer- den Spruch präzise auf einen der Wichtel abzugeben. Und dann musste es noch klappen... Genau als alle einmal an der Reihe gewesen war, war die Stunde zu Ende. „Es ist der Wahnsinn!“, jubelte Hanna, als wir auf dem Gang standen. „Genau so habe ich mir Zaubern vorgestellt...“ Auch während Zauberkunst konnte Hanna sich einfach nicht mehr halten. Ich war, ehrlich gesagt, etwas neidisch. Wieso funktionierte es bei ihr so gut, aber nicht bei mir... Was machte ich anders? „Er ist ein echt guter Lehrer- nicht nur Theorie, sondern auch praktisch Üben. Sonst lernen wir es ja nie!“ Doch beim Mittagessen kam dann eine Nachricht, die uns die Verteidigungsstunde zunächst vergessen ließ. „Übermorgen sind Quidditch - Auswahlspiele!“, rief einer der Vertrauensschüler laut. Vor Schreck kippte ich mir fast die Salatsauce auf den Umhang. Schon Übermorgen? Das konnte doch nicht sein! Wir wollten doch noch üben... Hanna grinste. „Wir schaffen das schon. Und wenn nicht- dann versuchen wir es halt nächstes Jahr.“ Ich seufzte. Ganz so zuversichtlich war ich da nicht. Schließlich waren wir doch gerade mal im zweiten Jahrgang, und bis vor einem guten halben Jahr hatte ich noch an Akrophobie gelitten... „Das schaffen wir!“, rief Hanna. Ich lachte, als ich ihren Gesichtsausdruck sah. Ja, wieso nicht? Hoffentlich würde es funktionieren...

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    Kapitel 6

    Mal vorneweg: Ich habe die Quidditchmannschaft von Ravenclaw ziemlich verändert. Zum Beispiel ist Roger Davies vom Jäger zum Hüter geworden. Außerdem habe ich ignoriert, dass Cho das einzige Mädchen ist. 😏 Aber ich hoffe, das geht okay, weil es eine FF ist. (Und ihr könnt euch sicher sein, dass es sich bei allen Personen um Ravenclaws handelt.)



    Der besagte Tag kam schneller, als gedacht. Hanna und ich hatten es nicht mehr geschafft, davor noch zu üben. Bei mir war es zudem auch das erste Mal, dass ich überhaupt auf meinem Nimbus 2000 fliegen würde. Mit den Fingern strich ich über das glatte, polierte Holz. Die Reisigzweige hatte ich alle ordentlich auf die selbe Länge gekürzt, und dass ein paar fehlten, merkte man überhaupt nicht. Der Besen sah aus wie neu. Hoffentlich würde er auch gut funktionieren. Ich gähnte. Warum musste die Auswahl eigentlich so früh sein- ich war noch total müde, und konnte die Augen kaum offenhalten. Verschlafen rieb ich mir den Sand aus den Augen und sah auf die Uhr. Eine Viertelstunde noch. Schnell sprang ich auf, schlüpfte in angenehme Klamotten und flocht mir meine langen Haare zu einem Zopf. Dann schnappte ich mir meinen Besen und rannte nach unten. Ich stoppte erst, als ich vor den großen Flügeltüren von Hogwarts angekommen war. Langsam drückte ich sie auf. Kalte Luft strömte mir entgegen. Vielleicht war das T-Shirt doch keine so gute Idee gewesen... Das Gras war nass, es musste in der Nacht geregnet haben. Weil es so früh war, war es noch still, abgesehen von dem fröhlichen Vogelgezwitscher und dem Krähen eines Rabens. Es wirkte sehr friedlich und ich sog tief die Luft ein. Das tat gut... Übermütig wirbelte ich um meine eigene Achse. War es nicht schön, endlich wieder in Hogwarts zu sein! Am Quidditchfeld angekommen, sah ich mich um. Es waren nicht besonders viele Leute da, neun Stück, mit mir jetzt zehn. Als ich genauer hinsah, konnte ich erkennen, dass vier große Kreise auf das Gras gemalt waren: Die vier Bewerbungsgruppen. In dem Sucherkreis, der mir am nächsten war, stand nur eine Person: Cho Chang, eine Viertklässlerin mit langen schwarzen Haaren. Sie hatte sich auf ihren Besen gestützt und sah mit wachem Blick in die Runde. Soweit ich wusste, war sie gut. Nicht so gut wie Harry Potter natürlich, aber die paar Male, bei denen ich sie hatte fliegen sehen, hatte ich immer ihre Eleganz, Geschicktheit und Schnelligkeit bewundert. Bei den Treibern standen vier Jungs herum, die sich gegenseitig kritisch musterten. Keiner von ihnen sah besonders kräftig aus. Bei den Hütern standen zwei Personen, ein Junge, den ich nicht kannte, und ein Mädchen, das ich flüchtig kannte: Élodie Rosseau, die im dritten Jahrgang war. Ich hatte sie letztes Jahr im Krankenflügel kennengelernt. Ich sah zum Jägerkreis: Dort stand Leeve Wild neben Hanna. Begeistert stürmte ich auf sie zu. „Sind das schon alle?“ Ich deutete auf die versammelten Schüler. Hanna schüttelte den Kopf und deutete auf einen großen Jungen, der neben der Tribüne stand. „Das ist Roger Davies“, erklärte sie, „der Kapitän. Er ist Hüter.“ „Oh“, sagte ich. „Was machen dann die anderen beim Hüterkreis? Sind sie nur da, um sich als Ersatzhüter zu bewerben?“ Hanna nickte. „Jep. Es kann auch nur einer von den beiden werden. „ Ach so. Oh, schau mal!“, sagte ich. „Da kommt noch jemand.“ Mit ausgestrecktem Arm deutete ich auf ein Mädchen, das auf uns zugerannt kam. „Hallo!“, keuchte sie. „Ich bin Sue Li...“ Sie stützte ihre Hände in die Hüfte und atmete tief durch. „Seid ihr auch alle Jäger? Oder wollt welche werden?“ „Ja“, antwortete ich und besah mir Sue mal etwas genauer. Sie war Asiatin, besaß brustlange, pechschwarze Haare, und war etwas pummelig. Außerdem war sie, obwohl sie älter sein musste, genauso groß wie ich. „Ich glaube jetzt nicht, dass ich etwas erreiche, aber ich dachte mir, versuche ich es einfach mal.“ Sie lächelte uns freundlich an. Mir war sie auf Anhieb sympathisch, und ich lächelte zurück. „Oh- da kommen noch mehr!“, rief Sue. Zwei stämmige, große Jungen kamen zu unserem Kreis, einer davon mit weißblonden Haaren, der andere mit langen, pechschwarzen, die zu einem Pferdeschwanz gebunden waren. „Hi!“, rief Sue fröhlich. Die beiden brummten etwas und wandten sich ab. „Idioten“, seufzte Sue. Hanna nickte. „Eine anständige Antwort wäre schon nett gewesen.“ Ein schriller Pfiff unterbrach das Gespräch. „Alle herhören!“ Auf seinem Besen kam Roger Davies auf uns zugeflogen, die Trillerpfeife um den Hals. Er musterte uns kritisch, und hob den Finger um durchzuzählen. „Ein Kandidat für Sucher- vier Kandidaten für Treiber - zwei Ersatz- Hüter - sechs Jäger. Macht 13 Bewerber.“ Davies schwieg und ich bemerkte eine Sorgenfalte auf seiner Stirn. „Das sind ziemlich wenige“, fügte er dann nach einer kleinen Pause hinzu. „Aber nichts zu machen. Zum Aufwärmen bitte zehn Runden um das Feld!“ Er blies in seine Trillerpfeife. Ein lauter, schriller Pfiff ertönte. Vorsichtig stieg ich auf den Besen. Die Sitzfläche war total bequem, als würde man auf einer Wolke aus Watte sitzen. Ich umklammerte den Besenstiel und stieß mich ab. Wie der Korken aus einer Sektflasche, fast senkrecht, schoss ich in den Himmel. Es war beinahe windstill, nur eine leichte Brise herrschte. Ich stieß einen Jubelschrei aus, verstummte aber gleich wieder, weil mich alle vier Treiberkandidaten verblüfft ansahen. Der Nimbus 2000 war sehr schnell, viel schneller als alle anderen Besen, auf denen ich je geflogen war. Ich verlagerte mein Gewicht nach links und senkte gleichzeitig den Besenstiel. Der Besen reagierte sofort, und ich ging in den Sturzflug über. Erst als ich nur noch wenige Meter vom Boden entfernt war, bremste ich. „Toll, was?“ Sue war neben mir aufgetaucht. „Du bist richtig schnell“, grinste sie. „Danke“, sagte ich verlegen. „Aber ich wette, du kriegst mich nicht!“ Wie ein Pfeil schoss Sue nach oben, und ich stand ihr nicht nach. Doch was sie an Schnelligkeit nicht hatte, glich sie durch ihre blitzschnellen Wendungen aus. Jedes Mal, wenn ich glaubte, sie zu kriegen, wendete sie so scharf, dass ich nicht mehr mitkam. „Shine, Li!“ Ein weiterer Pfiff ertönte, und Roger Davies tauchte neben uns auf. „Ich habe gesagt, ihr sollt zehn Runden um das Feld fliegen!“ Ich nickte brav, doch das Kichern konnte ich mir nicht ganz verkneifen. Davies sah uns wütend an, dann wendete er und machte kehrt. „Wie Professor McGonagall“, flüsterte Sue mir zu, dann sauste sie davon. Ich seufzte, und beschleunigte, um Hanna einzuholen, die sogar schon bei der dritten Runde um das Feld war. „Was wir jetzt wohl machen müssen?“, überlegte Hanna laut. Ich zuckte die Schultern. „Frag mich nicht. Frag Davies!“ Ich beschleunigte und lehnte mich elegant in die Kurve. Was für ein wunderbares, tolles, atemberaubendes Gefühl! Ich meisterte auch die restlichen neun Runden und ging dann in den Sturzflug. Vorsichtshalber bremste ich aber in der Höhe von etwa zwei Meter, und schwebte sanft zu Boden. Als auch die Anderen gelandet waren, begann Davies. „Hört gut zu. Wir werden jetzt ermitteln, wer aufgenommen wird und wer nicht. Um die Jäger und den Ersatzhüter auszuwählen, werde ich beide Gruppen gegeneinander antreten lassen. Der eigentliche Hüter bin aber nach wie vor ich. Den Sucher brauchen wir ja auch nicht mehr zu ermitteln- das wird, wie letztes Jahr, die liebe Cho sein...“ Cho errötete und senkte den Kopf. Alle klatschten höflich, und die vier Treiberkandidaten pfiffen. „Schon gut“, sagte Davies ungeduldig. „Also, der Plan: Zunächst werden die Jägerkandidaten zwei Teams bilden, immer drei mit einem Hüter. Ihr spielt dann einfach mit dem Quaffel- versucht, ihn euch gegenseitig zu stehlen, werft Tore, haltet ihn. Das werden wir in verschiedenen Kombinationen machen. Die Treiber und du, Cho, ihr braucht erstmal nichts zu tun. Setzt euch einfach auf die Tribüne.“ Die Fünf nickten und liefen zu den Zuschauerrängen, um Platz zu nehmen. „In Ordnung.“ Unser Kapitän ließ seinen Blick über uns schweifen. „Bereit?“ Wir nickten alle. „In Ordnung. Dann sagen wir mal - Chambers, Stewart und Shine bilden mit Rosseau ein Team, und Li, Wild und Bradley gehen mit dir da.“ Er nickte dem schmächtigen Hüterkandidaten zu, folglich mussten die beiden schweigsamen Jägerkandidaten Chambers und Bradley sein. Schnell lief ich zu Hanna, Élodie, und dem weißblonden Jungen. „Wenn ich pfeife, lasse ich den Quaffel frei!“, rief Davies. „Versucht, so viele Punkte wie möglich zu erzielen! Jetzt könnt ihr. Macht euch bereit!“ Er ging hinüber zu seinem kleinen Kasten, in dem wohl die Bälle lagen. Schnell stieg ich auf, und stieß mich wie gewohnt ab. Élodie platzierte sich vor den Torstangen. Ich hielt etwas unterhalb an. Von meiner Position aus konnte ich gut erkennen, was Davies tat. Er öffnete die Box, und holte einen roten Ball heraus: Den Quaffel. Dann verschloss er den Kasten und hielt den Quaffel hoch in die Luft. Ich spannte mich an. Drei, zwei, eins... Der Pfiff ertönte. Wie automatisch riss ich den Besenstiel nach unten und flog dem roten Ball entgegen. Doch gerade als ich die Hand ausstreckte, kam der schwarzhaarige Bradley mir zuvor. Mit einer Hand schnappte er sich den Quaffel, wendete und sauste davon. Doch da er nicht besonders schnell war, hatte ich ihn schnell eingeholt. Mit einer plötzlich eingelegten Kurve blockierte ich seinen Weg und schnappte mir blitzschnell den Quaffel. Bradley heulte auf. Ich beschleunigte, riss den Stiel hoch und flog nach oben. Aus den Augenwinkel sah ich, dass Sue mit hohem Tempo auf mich zukam. Entsetzt riss ich den Besenstiel herum und wendete. Doch es gelang mir nicht, den roten Ball festzuhalten. Sue ergriff den Quaffel, und warf ihn zu Leeve Wild, der direkt vor Élodie und den Torstangen seine Kreise flog. Er fing den Quaffel und zielte auf die Torstangen. Doch mit Élodie hatte er nicht gerechnet- mit Kraft warf sie sich nach dem Ball und fing ihn. „Sehr gut!“ hörte ich Davies Stimme, die er magisch lauter gemacht hatte. Élodie wurde rot vor Freude. Schnell warf sie den Quaffel wieder ins Spielfeld- der Pass sollte wohl zu Hanna gehen- aber sie warf zu kurz. Der Quaffel fiel. Wieder zog ich meinen Besenstiel nach unten, und flog dem Quaffel entgegen. Das Blut rauschte in meinen Ohren, und ich merkte, dass mein Zopf aufgegangen war. Meine Haare flogen mir um die Ohren. Verdammt. Mit einer schnellen Bewegung streckte ich den Arm aus und fühlte das weiche Leder in meiner Hand. Triumphierend flog ich eine Kurve, und weiter dem Boden entgegen. „Achtung!“, rief irgendjemand. Bradley kam auf mich zu. Sein Pferdeschwanz flatterte in der Luft, und er sah sehr aggressiv aus. Doch ich war vorbereitet- schnell wich ich nach links aus und flog steil nach oben, direkt zu den gegnerischen Torstangen. Hanna schwebte zwar weiter weg von den Stangen, doch sie hatte eindeutig die bessere Position. „Fang!“, rief ich und warf. Hanna riss die Augen auf. Erst viel zu spät nahm sie den Quaffel war. Er flog direkt an ihrem Ohr vorbei. Oh Nein- wo war sie nur mit ihren Gedanken gewesen... Doch plötzlich sah ich von rechts Chambers kommen. Er fing den Quaffel auf und warf. Der Ball flog in einem großen Bogen durch die Luft und direkt durch den ersten Torring. „Gut, Chambers!“, hörte ich Davies. „Sehr gut, Shine!“ Ein Pfiff ertönte. Was, die erste Runde sollte schon jetzt vorbei sein? Enttäuscht flog ich zum Boden und landete neben Hanna im Gras. „Wir haben gewonnen!“, rief ich. Hanna seufzte. „Ich hab nicht aufgepasst.“ „Ach, komm schon“, antwortete ich. „Das eine Mal.“ Davies sah sehr erfreut aus, als er zu uns kam. „Wirklich gut, ein paar von euch. Das freut mich. Jetzt noch eine zweite Kombination- ähm... Bradley, Shine, Li bilden ein Team mit Rosseau und der Rest ein anderes.“ Schnell formartierten wir uns neu. „Passt. Bitte seid voll bei der Sache- ansonsten funktioniert es nicht.“ Sein Blick war auf Hanna gerichtet, die feuerrot anlief. „Quidditch ist ein Teamsport. Ihr müsst immer parat sein. Habt ihr das verstanden?“ Eindringlich sah er zu Hanna, die nickte. Sie tat mir total leid. Ja, da hatte sie nicht aufgepasst- aber das musste man doch nicht so offensichtlich zeigen! Die Arme.... „Lasst uns anfangen. Hoch!“ Ich warf einen letzten Blick zur niedergeschmetterten Hanna, stieß mich ab und flog nach oben. Wieder ertönte der Pfiff. Diesmal schnappte sich Sue als Erste den Quaffel. Sie flog nach oben und wich dabei geschickt Chambers und Leeve aus, die sich beide ihr in den Weg stellten. „Hilary!“ Sie streckte den Arm aus und warf den feuerroten Ball zu mir. Ich streckte meine Arme aus und schloss die Finger um das Leder. Dann gab ich Gas. Doch plötzlich flog Hanna mir in den Weg. Ihre Augen funkelten. Blitzschnell tauchte ich ab, unter ihr durch und ließ sie verwirrt sitzen, auch wenn sie mir leid tat. Sollte ich... Ich verlangsamte. „Nicht stoppen, Shine!“, rief Davies. Sogar von hier oben konnte ich erkennen, dass er den Kopf schüttelte. Scheiße. Vor mir tauchte Leeve Wild auf, doch ich reagierte schnell: Ich warf zu Bradley, der wiederum zu Sue warf. Der Hüter der anderen war so perplex, dass er, als Sue den Quaffel warf, überhaupt nicht reagierte. Mit einem Scheppern fiel der Quaffel durch den Torring. Wir jubelten. Doch schnell hatte sich Leeve den Quaffel geschnappt, und jagte auf unser Tor zu. Sue und ich nahmen gleichzeitig die Verfolgung auf. Sue flog von der Seite hin so nah auf Leeve zu, dass er knapp wenden musste, um ihr zu entkommen. Das wiederum nutzte ich, um dem verwirrten Leeve den Quaffel abzunehmen. Schnell passte ich zu Sue, diese wieder zu mir. Aus den Augenwinkeln sah ich, dass Bradley schräg von den Torstangen auf der Stelle flog. Mit etwas Glück würde er es schaffen, den Quaffel durch eine Stange zu bekommen. Mit aller Kraft, die ich aufbieten konnte, warf ich ihm den Quaffel zu. Er fing und ohne zu zögern, warf er den Ball in Richtung Torstange. Leider hatten wir Leeve Wild nicht bemerkt, der direkt vor den Torstangen aufgetaucht war. Er fing den Quaffel, und schleuderte ihn einmal quer über das halbe Spielfeld zu Chambers. Wir kamen nicht schnell genug hinterher, und ungehindert raste er auf Élodie zu. Diese warf sich nach dem Quaffel, doch auch sie konnte nichts mehr ausrichten. Ihre Fingerspitzen streiften den Ball, doch konnte sie ihn nicht halten. Wieder schepperten die Stangen. Ein Pfiff ertönte, und wir sanken zu Boden. „Sehr gut!“ Davies war hocherfreut. Auch die Treiberkandidaten und Cho standen bei ihm. „Jetzt werden wir noch kurz die Treiber auswählen. Dazu werden wir einfach ein kleines Spiel spielen, die Treiber werden jetzt versuchen, euch alle mit den Klatschern vom Besen zu werfen, ihr müsst ihnen ausweichen. Wenn ihr getroffen wurdet, müsst ihr zu mir kommen. Gewonnen hat, wer am Längsten oben bleibt.“ Schnell erhoben wir uns wieder alle in die Lüfte, und die Klatscher wurden freigelassen. Da es sich um vier Treiberkandidaten handelte, war das Spiel nach zwei Minuten schon beendet. Zuerst war der eine Hüterkandidat, dessen Namen ich mir nicht merken konnte, abgeworfen worden, dann Élodie, dann Cho, Leeve und ich, dann Chambies und Bradley. Hanna und Sue hielten am Längsten durch. Als wir alle gelandet waren, ließ ich mich erschöpft auf das Gras sinken. Dass so eine halbe Stunde Quidditch einen so erschöpfen konnte... Davies setzte sich jetzt zu uns. „Also, es war nicht leicht...“ Alle hingen an seinen Lippen, und man konnte Davies sein Unbehagen über diese Tatsache ansehen. „Nun ja- die Sucherin ist nach wie vor Cho. Dann kommen wir zu den Ersatzhütern: Élodie Rosseau.“ Wir klatschten begeistert. Davies wandte sich dem anderen Hüterkandidaten zu. „Auch du besitzt durchaus praktische Fähigkeiten. Aber gereicht hat es nicht, tut mir leid.“ Der Junge nickte. „Ist schon okay. Vielleicht nächstes Jahr.“ Er winkte, hob seinen Besen hoch und lief in Richtung Schloss. „Na dann. Bei den Treibern habe ich mich für Kevin Enthwistle und Eddie Carmichael entschieden.“ Ich klatschte, wenn auch nur aus Höflichkeit. „So, jetzt die Jäger. Ich muss hinzufügen, dass ihr alle toll geflogen seid- und jeder von euch hat einen Platz im Team- wenn auch nur als Ersatzjäger.“ Ich sah Hanna neben mir begeistert an. Sie grinste zurück. „Ich habe mich für Leeve Wild, Sue Li und Hilary Shine entschieden!“ Ich war sprachlos. Es war tatsächlich so: Ich hatte jetzt einen festen Platz im Ravenclaw- Quidditchteam. Ich sah hinüber zu Hanna. Auch sie klatschte, hielt aber den Kopf gesenkt. Oh Nein. Ich rutschte zu ihr. „Hanna?“, fragte ich vorsichtig. „Ja?“ Sie sah mich an und lächelte. „Glückwunsch!“ „Danke“, sagte ich verlegen. „Ist es okay-...“ „Natürlich!“, unterbrach Hanna mich. „Es ist deine Leistung!“ Schon wieder wurde ich rot. „Danke...“ „Die erste Ersatzjägerin wird Hanna Stewart sein“, verkündete unser Kapitän. „Ich?“ Hanna sah begeistert auf. „Du bist echt gut gewesen beim Ausweichen“, erklärte Davies. „Das ist sehr wichtig. Natürlich musst du trainieren, wie wir alle übrigens. Das nächste Training werde ich euch dann durch die Vertrauensschüler mitteilen. Oder persönlich. Also, macht’s gut.“ Er hob die Hand, holte seinen Besen und stand auf. „Es wäre ein Ereignis, wenn wir uns den Pokal holen würden.“ Davies machte sich auf zum Schloss, genau wie Hanna und ich uns auch. Was die anderen wohl sagen würden? Ich war schon gespannt...

    7
    Kapitel 7

    Langsam lebte ich mich wieder in Hogwarts ein. Doch wegen dem Quidditchtraining war meine Zeit für die Hausaufgaben und Ähnliches sehr begrenzt. Immer öfter war ich gezwungen, im eisigen Regen draußen auf dem Besen zu sitzen und dem Quaffel nachzujagen. Trotzdem machte mir Quidditch Spaß, und Sue, Leeve und ich wuchsen zu einem Team zusammen. Wir ergänzten uns ganz gut: Sue war wendig, ich ziemlich schnell und außerdem, wenn man Davies glauben konnte, traf ich gut. Leeve dagegen konnte gut fangen, außerdem war er ein Ass wenn es darum ging, den Gegner zu verwirren. Auch in den Unterrichtsfächern wurden wir härter behandelt, in Astronomie mussten wir jetzt schon aufwendige Sternkarten anfertigen, und in Verwandlung übten wir schwierigere Zauber, wir sollten beispielsweise eine Tasse in einen Teller verwandeln. Ich benötigte fast eine ganze Stunde, um den Zauber auszuführen, und als ich es geschafft hatte, besaß mein Teller trotzdem noch einen Henkel. Dann gab es noch Zaubertränke bei Professor Snape. Dieser war reizbarer und mürrischer denn je. Jedesmal, wenn ich ihm einen meiner Tränke ablieferte, verzog sich sein Mund zu einem dünnen Strich, aus Wut, nichts kritisieren zu können. Dafür bekamen die Anderen wohl doppelt so viel ab. Johara Hunters Schrumpftrank war eigentlich ganz gut gelungen, bis auf die Tatsache, dass die eigentlich wasserähnliche Flüssigkeit bei ihr eingedickt war. Snape zog Ravenclaw dafür 5 Hauspunkte ab (Handeln entgegen den Anweisungen des Lehrers). Ginny und Flame erzählten mir, dass sie beide hatten Nachsitzen müssen, weil Ginny Flame geholfen hatte. Doch als Ausgleich dafür gab es Verteidigung, das im Nu das Lieblingsfach aller Schüler geworden war. Jede Stunde arbeiteten wir praktisch, und lernten neue Sprüche und Wesen kennen. Der Unterricht machte sehr viel Spaß. In der zweiten Stunde hatten wir inmitten von geschätzt 300 Kissen den Lähmzauber geübt. In den darauffolgenden Stunden hatten wir uns Kappas näher angesehen, genau wie auch die Drittklässler. Doch in unserer letzten Stunde vor Halloween hatte Lupin eine besondere Überraschung für uns. Als wir das Klassenzimmer betraten, war er noch nicht da. Mit leisem Gemurmel setzten ich mich neben Ginny auf meinen Platz. Letzte Stunde hatten wir die Kappas abgeschlossen, und ich war schon gespannt, was jetzt kommen würde. Schnell packte ich meinen Zauberstab aus und legte ihn neben mir auf den Tisch. „Was denkst du so, dass wir jetzt machen?“ Ginny sah mich neugierig an. Ich zuckte die Schultern. „Keine Ahnung. Weißt du, was die dritte Klasse zur Zeit macht?“ „Woher soll ich das wissen?“, fragte Ginny. „Na, von Ron!“, erklärte ich. „Nein! Als ob Ron mir erzählt, was sie gerade so in Verteidigung machen.“ Ginny knallte einen Stapel Bücher auf den Tisch und sah mich belustigt an. „Hör auf, mir Löcher in den Bauch zu fragen!“ Ich grinste. „Hätte ja sein können. Vielleicht ist es etwas ganz Cooles und Ron hat jedem davon erzählt... Und außerdem hast du angefangen mit den Fragen!“ „Ja, aber...“ „Und du hast viel mehr Fragen gestellt!“ „Nücht streiten, moine Lüben!“, flötete Hanna und imitierte die Stimme unserer Astronomielehrerin, Professor Sinistra. Flame, Ginny und ich brachen in einen heftigen Kicheranfall aus. „Jetzt aber mal Ernsthaft! Was könnte denn Lupin so geplant haben?“ Ich seufzte. „Dementoren?“ Das Gespräch rundherum brach ab. Auf einmal war es still. Alle starrten mich an. Ich lief rot an, und wandte mich hilfesuchend zu Hanna. Was hatte ich denn Falsches gesagt? „Guten Morgen!“ Die eisige Stille wurde von der Stimme Lupins unterbrochen. Mit schnellen Schritten und in seinem alten Umhang betrat er den Klassenraum. „Nanu?“, wunderte er sich. „So still?“ Er trat nach vorne zum Lehrerpult und betrachtete uns nachdenklich. Zum Glück wandten sich jetzt die meisten Schüler ab, und halblautes Gemurmel erfüllte wieder den Raum. Ich wurde auch wieder abgelenkt, als Lupin das heutige Thema verkündete. „Hört mal alle her“, sagte er. „Ihr arbeitet gut mit, und seid zum Großteil wirklich sehr talentiert.“ Sein Blick ruhte auf Hanna, der die Röte ins Gesicht stieg. Schnell senkte sie den Kopf. Unser Professor räusperte sich. „Deshalb habe ich für heute etwas Besonderes geplant. Es ist gar nicht so einfach, aber dafür ist es freiwillig. Kommt mal alle mit.“ Er ging zur Tür. Langsam standen wir auf. Unruhe erfüllte den Raum. „Ihr braucht nur euren Zauberstab- Jacken und Taschen könnt ihr dalassen.“ Ich trat zur Tür. Aufgeregt sah ich zu Hanna, Ginny und Flame. Was würden wir machen? „Kommt mit!“ Lupin trat aus dem Raum, und ging den Flur hinunter. Alle folgten ihm. Zuerst dachte ich, er würde zur großen Halle gehen, doch dann bog er plötzlich in einen schmalen Gang ein und stoppte vor einer schmalen Türe. „Heute werden wir den Irrwicht behandeln.“ Mir blieb der Mund offen stehen. Irrwichte! In ganz Hogwarts kannte man die Geschichte von Neville Longbottoms Irrwicht: Snape. Und was war dann noch gleich mit den Oma-Klamotten gewesen? Auch die anderen Schüler waren aufgeregt. „Ich habe in diesem Raum“, Lupin legte die Hand auf die Türklinke,“einen Irrwicht gefunden. Ein Irrwicht nimmt immer die Form dessen an, wovor man am meisten Angst hat. Deshalb braucht ihr eine ordentliche Portion Mut, um diese Aufgabe zu meistern. Ihr müsst auch nicht. Wie gesagt: Freiwillig.“ Er drückte die Türe auf. Wir traten in ein leeres Klassenzimmer. Aus dem Pult drangen scheppernde Geräusche. „Das ist der Irrwicht.“ Lupin erklärte uns, wie wir handeln mussten: An etwas lächerliches denken und mit „Riddikulus“ den Irrwicht verwandeln. Klang einfach. Aber was war mein Irrwicht? Ich überlegte fieberhaft. Als erstes kam mir meine Höhenangst in den Sinn, aber das war ja vorbei. Doch was dann? Schlangen, Spinnen, Haie? Klar, alles Tiere, denen ich nicht unbedingt begegnen wollte, aber das war sicher nicht mein Irrwicht. Was dann? Mein Blick fiel auf Hanna, die stirnrunzelnd neben mir stand. Da fiel es mir ein. Hanna, Ginny, Franzi, Luna... Was würde ich machen, wenn sie alle tot wären? Hatte ich davon noch mehr Angst als vor Haien? Einen Hai konnte man k.o zaubern. Natürlich unter der Voraussetzung, dass ich meinen Zauberstab mir zum Baden genommen hatte. Was wahrscheinlich nicht der Fall war. Also... ich sah zu meinen Freundinnen hinüber. Etwas Schlimmeres als deren Tod konnte ich mir momentan echt nicht vorstellen. Ich umklammerte meinen Zauberstab. „Wer möchte denn anfangen?“, fragte Lupin. „Miss Hunter?“ Johara nickte zögerlich. „Sehr gut“, rief Lupin. „Achtung-...“ Er öffnete die Tür des Pultes. Es knallte und eine riesige, monströse Schlange erschien. Joharas Gesicht wurde weiß. „Ridd-Riddiculus“, stotterte sie. Es knallte noch einmal und plötzlich hatte die Schlange einen verknoteten Körper. „Bravo!“ Lupin nickte. „Wer will denn noch! Miss Shine?“ Ich starrte ihn nur mit großen Augen an. „Du schaffst das!“, jubelte Hanna. Langsam trat ich vor. Es knallte und Rauch stieg auf. Doch es kamen nicht, wie erwartet, meine toten Freundinnen- nein, eine Schattengestalt erschien. Ich begann zu zittern. Langsam trat ich einen Schritt rückwärts. Wie sollte ich die Gestalt denn lächerlich machen? Das ging doch nicht! „Riddi- Riddicolis- Ruiddiculus...“, stotterte ich. Die Gestalt streckte beide Hände aus. Kalte, nasse Angst umfing mich. Panisch hob ich den Zauberstab. Plötzlich kam es mir vor, als würde ich wieder die hohen Stimmen hören... „Ravenclaw- Mädchen! Bitte, hör mir zu...“ Die Gestalt wurde undeutlich, Fetzten vom Rauch verdeckten sie und vermischten sich. Alles verzerrte sich. Ich schrie auf. Mir wurde schwindelig. Verzweifelt versuchte ich, mich irgendwo festzuhalten, aber mir gelang es nicht. Ich stolperte und fiel durch die Luft. „Ravenclaw-Mädchen!“ Das war das Letzte, was ich wahrnahm. Mein Kopf schlug auf dem Boden auf und es war still. Totenstill.

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    Kapitel 8


    Mit einer Hand blätterte ich gelangweilt eine Seite in meinem Buch herum. Das war echt eines der ödesten Bücher, die ich je gelesen hatte. Ich stöhnte und ließ meinen Kopf auf die Seiten fallen. Die Anderen hatten unten ihren Spaß bei der Halloween-Feier. Ich konnte sogar die laute Musik von unten hören. Und ich? Musste im Krankenflügel liegen. Wütend schlug ich das Buch zu und schob es unter mein Kopfkissen. Seit ich in Verteidigung umgefallen war, musste ich das Bett hüten. Normalerweise hätte ich das ja okay gefunden. Wenn es sein musste. Aber ausgerechnet an Halloween! Ich seufzte. Wenn das noch länger so weiter ging, würde ich noch an Langweile zugrunde gehen. Dieses Mal übertrieb Madam Pomfrey wirklich. Langsam stand ich auf und ging hinüber zum Fenster. Draußen war es stockdunkel, doch die orangefarbenen Kürbislaternen, die draußen aufgestellt waren, leuchteten mir entgegen. Halloween... Ich stöhnte noch einmal und ging wieder zurück zu meinem Bett. Rückwärts ließ ich mich auf die Matratze fallen. Die Bettfedern quietschten, als ich landete. Gelangweilt starrte ich zur Decke. Was konnte ich jetzt nur machen? RUMMS. Mit einem Knall flog die Türe auf. Ich setzte mich auf, wirbelte herum, und starrte direkt in die Augen von Penelope Clearwater. „Du sollst zu Dumbledore kommen“, verkündete sie. Vor Schreck bekam ich einen Hustenanfall. „Wie bitte?“, krächzte ich verblüfft. „Du sollst zu Dumbledore kommen!“ Sie verschränkte ihre Arme vor der Brust und wippte ungeduldig hin und her. „Dumbledore?“ Ich sah sie mit weit aufgerissen Augen an. „Ja. Dumbledore. Unser Schulleiter“, antwortete Penelope genervt. „Komm, ich soll dich hinführen und ich hab nicht ewig Zeit!“ Nervös ließ ich mich von der Bettkante rutschen und folgte ihr. Penelope riss die Türe auf und jagte mit langen Schritten den Flur entlang. Ich kam ihr nur schwer hinterher. Dumbledore? Oh Nein! Ich wusste doch gar nicht, wie ich mich jetzt verhalten sollte. Einen kurzen, minimalen Moment lang bewog ich, einfach wegzulaufen. Aber sich dem Schulleiter zu widersetzen, das war ja dann wohl ein Grund, um mich herauszuwerfen. Nervös lief ich weiter. „Beeil dich!“, stöhnte Penelope. Ich unterdrückte den Zwang, ihr ein paar äußerst unfreundliche Wörter an den Kopf zu werfen und beeilte mich, ihr zu folgen. Nachdem ich ihr über geschätzt hunderte von Gängen gefolgt war, blieb sie vor einer Türe stehen, vor der ein großer Wasserspeier stand. „Himbeermarmelade“, sagte Penelope ungeduldig. Der Wasserspeier zischte und gab den Zugang zu einer Treppe frei. „Ab hier schaffst du es ja wohl alleine.“ Ohne sich noch einmal umzudrehen, lief sie davon. Ich blieb alleine und ziemlich verwirrt auf den Treppenstufen zurück. Oh Nein! Ein privates Gespräch mit Dumbledore war so ziemlich das Schlimmste, was ich mir vorstellen konnte. Der Grund war natürlich klar: Mein Irrwicht. In Gedanken verwünschte ich die Verwandlungsstunde. Alle Lehrer und der ganze Jahrgang wussten jetzt von den Schattengestalten. Und wahrscheinlich auch ein paar ältere Schüler, die es interessierte. Natürlich konnten sich kaum irgendwer einen Reim darauf machen. Die Tatsache war nämlich, dass die anderen Schüler die Gestalt gesehen hatten, aber nicht die Stimme gehört. Für sie wirkte es, als hätte ich am meisten Angst vor einem ganz normalen Schatten. Die Kopfschmerzen, die Stimmen, die Erlebnisse im Wald- von diesem ganzen Zeug hatten sie keine Ahnung... Was Dumbledore wohl wissen wollte? Ich schluckte nervös. Ich durfte ihn nicht zu lange warten lassen. Mit klopfendem Herzen stieg ich Stufe um Stufe nach oben, bis ich zu einer weiteren Tür gelangte. Ich blieb stehen und starrte unschlüssig auf das dunkle Holz. Da musste ich jetzt durch. Mit einer schnellen Bewegung drückte ich die Klinke nach unten und trat über die Türschwelle in das eigenartigste Zimmer, dass ich je gesehen hatte. Es war ein relativ großer Raum, und bis zur Decke vollgestopft mit den merkwürdigsten Geräten. Auf einem Tisch stapelten sich Papierbögen neben einer großen steinernen Schale, aus der merkwürdige Dämpfe drangen. Eine große Tüte Säuredrops stand neben der Tür. Vor allem aber: Es war niemand da.
    Ein Rascheln ließ mich herumfahren. Hinter mir, auf einer Stange, entdeckte ich jemanden, den ich gut kannte: Fawkes, der Phönix. Langsam näherte ich mir ihm. „Fawkes“, flüsterte ich leise. Fawkes flatterte mit seinen Flügeln. Er erkannte wohl auch mich. Ich lächelte. Ja, wäre er nicht gewesen, läge ich tot in der Kammer des Schreckens. Ein unbehaglicher Schauer glitt über meinen Rücken und ich wandte mich ab. Was sollte ich jetzt tun? Natürlich auf Dumbledore warten. Ich seufzte. Außer einem wuchtigen Stuhl vor dem Tisch gab es keine Sitzmöglichkeit. Und da mir der Tisch wie Dumbledores Schreibtisch vorkam, erschien es mir äußerst unpassend, sich hinzusetzen. Also blieb ich stehen und sah mich unschlüssig um. Da entdeckte ich in einer Ecke plötzlich etwas, was meine Aufmerksamkeit erregte: Der sprechende Hut lag auf einem Regalbrett herum. Aufgeregt ging ich zu dem Regal hinüber. Ob er wohl gerade an dem Gedicht für die nächsten Erstklässler feilte? Irgendwas musste er ja machen, während er so herumlag. Ich stellte mich auf die Zehenspitzen und versuchte, mir vorsichtig den Hut zu angeln. Mit einem kleinem Hüpfer gelang es mir dann, ihn zu mir herabzuziehen. Mit den Fingern strich ich über den verschlissenen Stoff. Dieser Hut hatte aber auch schon viel mitgemacht. Mit einem Ruck packte ich ihn und setzte ihn mir vorsichtig auf den Kopf. Anders als beim der Auswahlzeremonie letztes Jahr rutschte er mir aber nicht über Augen, sondern blieb ordentlich auf meinem Kopf sitzen. „Was willst denn du jetzt?“ Eine hohe, piepsende Stimme ertönte. Es war der Hut, und er klang ziemlich genervt. „Hallo“, murmelte ich, weil mir nichts anderes einfiel. “Guten Tag. Setz mich jetzt bitte wieder ab. ichat bin ein beschäftigter Hut, und stehe nicht für irgendwelchen Blödsinn zur Verfügung...“ Ich seufzte. Der war ja nicht besonders gut gelaunt. Mit den Händen griff ich an die Hutkrempe, um den Hut abzusetzen. „Ach, warte mal!“ Ich hielt inne und ließ die Hände sinken. „Ich erinnere mich. Du warst ein sehr schwieriger Fall. Hättest gut nach Gryffindor gepasst- aber manchmal bist du eben doch noch ein wenig zu feige...“ Feige? Der hatte sie doch nicht mehr alle beisammen! „Oh, das hat dir jetzt nicht gefallen.“ Der Hut ließ ein piepsendes Lachen ertönen. „Ich habe dich nach Ravenclaw geschickt. Steckt viel drin, in deinem Kopf... Deine Eltern wären sehr stolz auf dich gewesen...“ Aber hallo? Konjunktiv? „Das sind sie immer noch“, antwortete ich beleidigt. Der Hut kicherte. „Wenn du meinst...“ Ich wusste nicht mehr, was ich sagen sollte. Es wurde still. Plötzlich hörte ich Schritte auf der Treppe, Schritte, die immer näher kamen. Schnell schnappte ich mir den Hut...“HAAALT!“, schrie er. Ich blieb geschockt stehen. „Übrigens, ich habe etwas für dich!“ „Was?“ Ich war völlig überrascht. Der Hut hatte etwas für mich? Aber war kaum Zeit- die Schritte näherten sich der Tür... „Du musst mich bloß kurz absetzen...“ Er kicherte und etwas plumpste auf meinen Kopf. Mit einer schnellen Bewegung riss ich mir den Hut vom Kopf, schnappte mir das weiche Ding auf meinem Kopf und ließ es, ohne es ein einziges Mal anzusehen, in meine Jackentasche fallen. Ich legte den Hut auf das Regalbrett und mit einem Ruck ging die Türe auf.
    Vor mir stand Professor McGonagall, und ihr Gesicht war wutverzerrt.

    9


    Kapitel 9


    Entsetzt hielt ich die Luft an. „Weasley und Weasley!“, schnaubte Professor McGonagall. „Furchtbar- Sie müssen wissen, die beiden haben -wohl als Halloweenstreich- den Flur zur großen Halle mit...“ Sie brach ab und sah sich verwundert um. Erst jetzt schien sie bemerkt zu haben, dass Dumbledore nicht da war. Ihr Blick fiel auf mich und ihre Augen verengten sich. „Miss Shine? Was in aller Welt haben sie im Büro unseres Schulleiters zu suchen?“ Ich merkte, dass ich rot anlief und stammelte: „Miss Clearwater hat mich gebeten, hierher zu kommen...“ Professor McGonagall runzelte die Stirn und sah mich verwundert an. Dann erhellte sich ihr Gesicht. „Ach ja- sie waren das mit dem Ohnmachtsanfall in Verteidigung gegen die dunklen Künste!“ Ich nickte. „Ja.“ Professor McGonagall seufzte. „Gut. Also, natürlich nicht gut. Ich frage mich...“ Mit einem Quietschen schwang die Türe hinter Professor McGonagall auf. In den Raum trat Professor Dumbledore. „Guten Abend“, begrüßte er uns freundlich. Professor McGonagall machte einen Satz zur Seite. „Oh... Entschuldigung. Ich wollte gleich gehen...“ Dumbledore winkte ab und schloss langsam die Türe hinter sich. „Ich wollte ihnen nur kurz von dem aktuellen Streich der Weasley- Zwillinge berichten- nichts als Unsinn im Kopf, die beiden. Ich bin schon sehr gespannt, ob sie jemals ihre ZAG- Prüfungen bestehen werden!“ „Ach ja“, seufzte Dumbledore. „Der Schmierseife- Zauber an dem Flur zur großen Halle, oder?“ Professor McGonagall nickte wütend. „So einen Blödsinn hat es nicht mehr gegeben, seit Potter, Black und...“ Sie stockte und ich sah, wie sie Dumbledore einen raschen Blick zuwarf und dann rasch zu mir blickte. „Nun ja, wie auch immer. Ich dachte, Sie sollten das wissen.“ Potter? Black? Mein Gehirn hatte fieberhaft zu arbeiten begonnen. Schlagartig fielen mir zwei Namen ein: Harry Potter und Sirius Black. Doch was für Blödsinn? Sirius Black. Aus Askaban geflohen und wahrscheinlich geistesgestört... Und wer war die Person - oder die Personen- die dem und folgen sollten? Meine Gedanken überschlugen sich in meinem Kopf und ich musste mich zwingen, nicht sofort nachzuhaken. „... und Sie können Filius fragen, ob er einen guten Spruch kennt.“ Dumbledore und McGonagall hatten ihr Gespräch beendet und Professor McGonagall wandte sich zum Gehen. Mit einem knappen Nicken verschwand sie aus dem Raum.
    Ich war mit Dumbledore allein.
    „Setzen Sie sich doch!“ Mit einer einladenden Handbewegung wies Dumbledore auf einen Stuhl vor seinem Schreibtisch, der, wie ich mir sicher war, vorhin noch nicht dagestanden war. Zögerlich ließ ich mich auf dem Stuhl nieder. „Möchten Sie einen der Säuredrops?“ Er wies auf die Tüte neben dem Eingang. Mit einer raschen Bewegung mit seinem Zauberstab hob er die Tüte in die Luft und der Inhalt ergoss sich vor mir auf den Tisch. Ich nahm mir einen, wenn auch nur aus Höflichkeit, und steckte ihn mir in den Mund. „Gut. Es tut mir sehr leid, dass Sie so lange warten mussten.“ Er sah mich an. Schnell senkte ich den Kopf, um seinem Blick auszuweichen. „War schon okay“, murmelte ich. War das ein Verhör? Ich fühlte mich ziemlich schlecht. „Und, haben Sie das erste Jahr gut überstanden? Ich habe gehört, dass Sie jetzt Quidditch spielen.“ „Ja“, sagte ich, ziemlich verwundert. Worauf lief das jetzt hinaus? „Trotz Ihrer Höhenangst?“ Es traf mich wie ein Schlag mitten in den Bauch. Mein Magen krampfte sich zusammen, meine Augen weiteten sich. Ich war so erschrocken, dass ich keinen anständigen Satz herausbrachte. „ Woher... wissen Sie?“ Dumbledore lächelte. „Eine kluge Frage. Ich muss sagen, Sie haben es ziemlich geschickt versucht zu verbergen- doch Madame Hooch ist ein Profi, was solche Dinge anbelangt. Sie ist ja nun doch schon ziemlich lange hier.“ Ich hätte es wissen müssen. Mir wurde heiß im Gesicht, und ich lief rot an. „Ich dachte, sie würden mich auslachen oder so“, sagte ich. Dumbledore seufzte. „Auch die Anderen werden so ihre Schwächen haben. Wie jeder von uns.“ Seine hellblauen Augen waren direkt auf mein Gesicht gerichtet, und sein durchdringender Blick schien mich zu durchbohren. Durchhalten, sagte ich mir. Ich sprach noch keine zwei Minuten lang mit Dumbledore und hatte schon den Wunsch, endlich das Zimmer verlassen zu können... „Ich hoffe, Sie sind wieder vollständig genesen...“ „So schlimm war es gar nicht“, unterbrach ich ihn und hätte mir am Liebsten auf die Lippe gebissen. Hielt er mich jetzt für vorlaut? „Das beruhigt mich.“ Dumbledores Augen funkelten vergnügt. „War der Unfall in Verteidigung in großer Schock für Sie?“ „Ich weiß es nicht... Ich hatte zu große Angst.“ Dumbledore nickte. „Ich nehme mal an, Sie wissen, worauf ich hinauswill.“ Ich zögerte. Wenn ich es jetzt sagte... “Die Sache mit den Spinnen im verbotenen Wald?“ Jetzt war es raus. Dumbledore nickte wieder. „Sie sind ziemlich schlau. Es war eine sehr gute Wahl,
    Sie nach Ravenclaw zu stecken.“ Ich war so verdattert von dem Themawechsel, dass ich kein Wort herausbrachte. Automatisch glitt mein Blick zum sprechenden Hut, der schlaff auf dem Regalbrett lag. Als ich ihn wieder ansah, wurde es mir klar. Dumbledore wusste es. Das Päckchen... Doch bevor jemand noch etwas sagen konnte, wurde plötzlich die Tür aufgerissen. „Professor!“ Draußen stand, keuchend, schon wieder Professor McGonagall. „Am Gryffindorturm- Sie müssen mitkommen...“ Auf einmal ging alles sehr schnell. „Bitte kehren Sie umgehend in den Krankenflügel zurück“, wies mich Dumbledore an. Er stand auf und zusammen traten beide eilig aus dem Raum. Was war geschehen? Schnell lief ich die Treppe hinunter und machte mich, so schnell ich konnte, auf den Weg zum Krankenflügel. Auf dem Weg begegnete ich vielen Schülern, die alle miteinander tuschelten. Ich musste wissen, was geschehen war! Entschlossen bog ich in den Gang zum Ravenclaw- Gemeinschaftsraum ein. Als ich in den Raum stürzte, entdeckte ich zum Glück sofort Hanna, die mit Franziska, Luna, Élodie Rosseau und Johara Hunter auf einem Diwan saß. „Was ist passiert?“, platze es aus mir hinaus. „Sirius Black ist in den Gryffindor- Gemeinschaftsraum eingebrochen!“ Mir blieb der Mund offen stehen. „Eingebrochen?“ Hanna nickte düster. „Keine Ahnung- ich weiß nicht viel mehr- aber die fette Dame ist völlig außer sich. Ihr Portrait wurde aufgeschlitzt und sie bedroht oder so.“ Und woher weiß man, dass es Sirius Black war?“ “Peeves hat es erzählt“, erklärte Franzi. Ich schluckte. „Aber.. was, wenn... Black noch hier im Schloss ist?“ Hanna nickte düster. „Er könnte überall sein. Aber keine Sorge, Filch und die Lehrer, die schauen schon.“ Recht überzeugt klang Hanna aber nicht. „Und wenn er dann demnächst bei uns einbricht?“ Meine Stimme zitterte. Ein Massenmörder in Hogwarts? Élodie seufzte und meldete sich dann zum ersten Mal ebenfalls zu Wort. „Also“, sagte sie leise. „Es ist so... Ich weiß es nicht genau... Aber es kursiert das Gerücht, dass Black hinter Harry Potter her ist. Ihr dürft es nicht weitersagen- es ist ein Geheimnis, innerhalb vom Ministerium...“ „Black und Potter“, murmelte ich. „Wie bitte?“, fragte Hanna. „Egal“, murmelte ich. Wir versprachen Élodie hoch und heilig, es auf gar keinen Fall weiterzusagen. Danach machte ich mich auf den Weg zum Krankenflügel. Dort war es zumindest ruhig, da außer mir nur ein Siebtklässler da war, der ein Buch über Hippogreife las. Dieser Abend hatte mich wirklich total geschafft. Doch eines wollte ich noch erledigen. Das Päckchen. Ich holte meine Tasche, und kippte den Inhalt auf das Bett. Doch zu meinem Schrecken war das Päckchen nicht dabei. Ich erstarrte. Das konnte nicht sein! Verzweifelt durchwühlte ich mein gesamtes Zeug. Doch das Päckchen blieb unauffindbar. Am liebsten wäre ich noch einmal zu Dumbledore gerannt, doch das hätte mich verraten. Außerdem würde ich eine Menge Punktabzug bekommen, wenn ich jetzt noch draußen herumlaufen würde. Wohl oder übel musste ich meine Suche für heute aufgeben. Ich war sowieso schon ziemlich müde. Langsam kletterte ich auf das Bett und zog die Decke über mich. Und obwohl mich viele, viele Gedanken quälten, war ich schon bald eingeschlafen...

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    Kapitel 10


    Ich saß am Ufer des Sees. Eisig kaltes Wasser umspielte meine Füße. Außer dem Plätschern des Wassers, dem Krächzen eines Raben und dem gelegentlichen Geräusch des Windes, der durch die Baumkronen fuhr, war es ruhig. Ruhe- das war es, was ich brauchte. Der gestrige Abend war etwas zu viel für mich gewesen- zuerst der Hut, dann Dumbledore, dann Sirius Black. Ich wusste, dass ich eigentlich gar nicht alleine draußen sein durfte. Die ganze Schule war nach Black durchsucht worden, aber er konnte immer noch irgendwo außerhalb der Schule sein. Auch mir war das klar, doch ich brauchte dringend einen Ort zum Nachdenken. Ich musste hier sein. Eine Windböe fegte durch meine Haare und wirbelte sie herum. Kleine Wellen kräuselten sich auf der Oberfläche des schwarzen Sees, und auch ein paar Blätter trieben auf dem Wasser. Man merkte, dass bald der Winter kommen würde...
    Der vergangene Abend hatte mir viel Stoff zum Grübeln gebracht. Vor allem der sprechende Hut. Ihn hatte ich nicht vergessen. Warum hatte er mir das Päckchen gegeben? Gehörte es ihm, oder hatte es ihm jemand gegeben? Und was war in dem Päckchen? Frustriert starrte ich auf das Wasser. Die letzte Frage hätte ich mir sparen können, hätte ich das Päckchen noch gehabt. Wo hatte ich es nur liegen gelassen? „Wenn es bloß nicht Dumbledores Büro war“, schoss es mir durch den Kopf. Denn dann war die Chance, das Päckchen wiederzusehen, ziemlich gering. Und nicht nur das- wenn Dumbledore es geöffnet hatte und den Inhalt zu Gesicht bekommen hatte? Es konnte alles gewesen sein. Meine einzigen Anhaltspunkte waren, dass das Päckchen weich und quadratisch gewesen war- nicht besonders hilfreich. Vielleicht war der Gegenstand mit einem Polsterungszauber belegt worden, oder geschrumpft worden. Alle Möglichkeiten waren offen. Verdammt...
    Warum hatte der Hut mir das Päckchen gegeben? Ich hatte noch nie davon gehört, dass der sprechende Hut irgendwelchen Schülern Päckchen gab. Obwohl- hatte Harry nicht letztes Jahr ein Schwert aus dem Hut gezogen? Das Schwert von Gryffindor, wohlgemerkt. Vielleicht hatte ich ja dann irgendetwas von Rowena Ravenclaw bekommen. Auch wenn ich keine Idee hatte, was. Und wieso. Harry hatte das Schwert damals gebraucht- um den Basilisken zu töten. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich irgendetwas in derselben Art zu tun hatte. Warum also hatte der Hut mir also? Gut- ich war ratlos. Vollkommen ratlos. Aber es gab eine Sache, die ich ebenfalls nicht vergessen hatte- die Worte des Hutes bei meiner Hauseinteilung. Mein Magen zog sich zusammen. Ich wusste nicht mehr die genauen Worte... aber...

    Hilary Shine. Was machen wir mit dir?
    Da ist Talent und Loyalität ... und auch Mut.
    Sollen wir dich nach Gryffindor schicken? Neugierde und Tapferkeit... Vielleicht nach Gryffindor... wie deine Mutter?“


    Ja, das waren seine Worte gewesen. Zuerst war ich völlig konfus gewesen, aber im Laufe des Schuljahres hatte ich diese Szene beinahe vergessen. Gestern, als ich im Bett gelegen war, war es mir wieder eingefallen. Wie ein Schlag in den Magen. Und wie ich es auch drehte und wendete... mir war einfach keine Lösung eingefallen. Meine Mutter war nie in Hogwarts, geschweige denn in Gryffindor gewesen. Hatte der Hut mich verwechselt? Nein. Er hatte ganz eindeutig Hilary Shine gesagt. Das wusste ich noch. Aber er hatte irgendetwas durcheinandergebracht. Das hatte ich jedenfalls ein Jahr lang angenommen. Bis gestern.

    „Deine Eltern wären stolz auf dich gewesen...“

    Die piepsige Stimme des Hutes ging mir nicht aus dem Kopf- es war, als würde er auf meinem Kopf sitzen und es mir wieder zuraunen... Meine Eltern waren stolz auf mich. Oder? Ja, definitiv. Was hatte er denn damit gemeint? Auf einmal kam ich mir sehr alleine vor. Der blöde Hut. Konnte er mir nicht klar sagen, was Sache war? Etwas Nasses tropfte auf meine Nasenspitze und ich sah, dass es zu regnen begonnen hatte. Schnell zog ich meine durchgefrorenen Füße aus dem Wasser. Wegen der eisigen Kälte des Wassers hatten sie sich sogar rot verfärbt. Eilig stand ich auf, zog mir meine Schuhe an und lief über das feuchte Gras in Richtung Hogwarts. Sobald ich auf dem Weg war, begann es wie aus Eimern zu schütten. Meine Haare und alle Klamotten wurden klitschnass. Ich begann zu laufen, so schnell ich konnte. Plötzlich stieß ich schmerzhaft mit jemandem zusammen. Ich konnte mich nicht mehr halten und fiel auf den aufgeweichten, schlammigen Boden. Sofort sog sich meine Kleidung mit Wasser und Dreck voll. Doch die Person, gegen die ich gestoßen war, hielt nicht inne. Mit wehendem Umhang lief sie in Richtung See. Nichtmal ein Wort der Entschuldigung hatte sie vorgebracht! Wütend, nass und schlammverschmiert stand ich auf und starrte der Person hinterher. „Du hirnloser Idiot!“, rief ich, so laut ich konnte. Hatte sie mich noch gehört? Ich wusste es nicht. So schnell ich konnte, lief ich weiter zum Schloss, wo ich mich endlich von meinen nassen Sachen befreien konnte.
    Erst als ich am Abend in meinem kuscheligen Himmelbett lag, kam mir ein furchtbarer Gedanke: War es denn überhaupt ein Schüler gewesen? Was wollte schon ein Schüler im strömenden Regen draußen am See? Außerdem hatte ich kein Haus-Abzeichen auf dem Umhang erkennen können. Mir stockte der Atem.
    War diese Person etwa... Sirius Black gewesen?

    11


    Kapitel 11

    Doch auch die Quidditchsaison hatte mit dem Spiel Gryffindor gegen Hufflepuff begonnen, und wir mussten mehr trainieren als je zuvor. Denn auch wir würden bald gegen Hufflepuff spielen, und die hatten immerhin Cedric Diggory als Sucher. Ich war schon sehr aufgeregt. Immerhin war es mein allererstes Spiel! Schneller, als ich gedacht hatte, kam auch schon der Tag des Spiels. Ich wachte schon früh am Morgen auf, fast zwei Stunden früher als gewöhnlich. Doch der Gedanke an das anstehende Spiel fesselte mich viel zu sehr, als das ich wieder hätte einschlafen können. Nachdem ich mich eine halbe Stunde lang im Bett herumgewälzt hatte, stand ich schließlich auf und ging in den Gemeinschaftsraum. Es war selbstverständlich niemand da. Seufzend warf ich mich auf eine der Liegen an der Wand, und holte „Eine Geschichte von Hogwarts“ heraus. Nach kurzer Zeit war ich völlig in das Buch vertieft.
    „Hilary?“ Ich schreckte hoch. Vor mir stand Hanna. „Musst du nicht zufällig schon am Feld sein? Das Spiel beginnt doch schon in einer halben Stunde...“ Verblüfft sah ich zu der großen Uhr am anderen Ende des Gemeinschaftsraums. Tatsächlich- Ich sollte eigentlich in ein paar Minuten zur Teambesprechung am Feld sein.
    Und ich lag hier immer noch im Schlafanzug im Gemeinschaftsraum! „Scheiße!“, rief ich halblaut und raffte eilig meine Sachen zusammen. So schnell ich konnte, lief ich in den Schlafsaal und warf mir meine Quidditch-Sachen über. Für eine ausgiebige Wäsche war keine Zeit. Jetzt hatte ich die Wahl: Entweder noch schnell beim Frühstück vorbeischauen und zu spät kommen, was Davies sicher ärgern würde, oder mit knurrendem Magen zur Teambesprechung laufen. Ich entschied mich für Ersteres, denn sicher war es auch nicht in Davies Sinne, dass ich dann während dem Spiel von der Stange fiel. Eilig rannte ich in die große Halle, wo schon Tumultstimmung herrschte. Irgendjemand war auf die Idee gekommen, gelb-schwarz und bronze-blau gestreifte Luftschlangen in der ganzen Halle zu verteilen, und die graue Dame war- mit irgendeinem, wahrscheinlich verbotenem Zauber- blau gefärbt worden. Jetzt bewarf sie beleidigt Hufflepuffs mit den schwarz-gelben Luftschlangen. Ein heilloses Chaos. Ich verschlang, so schnell es eben ging, eine Portion Rührei und stellte zu meiner Erleichterung fest, dass auch Sue Li und die beiden Treiber noch beim Frühstücken waren. Gott sei Dank- ich war nicht die Einzige, die zu spät kam! „Viel Glück!“ Neben mir war Ginny aufgetaucht. Irritiert sah ich sie an. „Du bist doch für Gryffindor! Wieso wünscht du mir viel Glück?“ Ginny grinste. „Na ja- du hast schon Recht- ich bin nicht für Ravenclaw. Aber für Gryffindor ist es besser, wenn ihr die Hufflepuffs plattmacht, weil wir ja das letzte Mal, also bei dem ersten Spiel- gegen die gespielt haben. Und verloren haben, aber du weißt ja- das war nur wegen den Dementoren! Ich hasse die, die sind so gruselig, und Harry ist ja vom Besen gefallen und da hat Diggory den Schnatz gefangen. Aber wenn ihr gegen Hufflepuff gewinnt und... ähm... naja, Gryffindor Ravenclaw schlägt, und die Slytherins... dann...“ Ginny holte tief Luft. „Aber müsste nicht eigentlich Gryffindor gegen Slytherin im ersten Spiel spielen?“, fragte ich verwundert. Ginny schnaubte verächtlich. „Nun ja, Mr. Malfoy hat sich wohl noch nicht gut genug gefühlt“, sagte sie mit gehässigem Unterton. „Dabei ist seine Wunde längst wieder verheilt. Er hat bloß zu viel Angst. Draco Malfoy ist so ein...“ Ihre Stimme war laut geworden und ein zwei Slytherins starrten misstrauisch zu uns hinüber. Schnell zog ich meine Freundin zur Seite. „Sei still“, wisperte ich. Streit mit den Slytherins konnte ich jetzt überhaupt nicht brauchen. „Ich muss jetzt los...“ Ich fischte eine Luftschlange aus meinem Becher, trank mit schnellen Schlucken den Inhalt aus und rannte aus der großen Halle.
    Davies war selbstverständlich nicht begeistert, dass ich zu spät kam, doch wegen einiger wichtiger Spieltaktiken verzichtete er darauf, mir eine Standpauke zu halten. Die Anderen waren, genau wie ich, total aufgeregt: Sue kaute nervös auf ihren schwarzen Haaren herum, Kevin Enthwistle zupfte robotermäßig kleine Stückchen vom Schweif seines Komets ab, Leeve Wild konnte kaum ruhig sitzen und rutschte mit ängstlichem Gesicht auf seiner Bank herum. Nur Cho wirkte einigermaßen beruhigt, und Eddie Carmichael schnarchte, von Davies unbemerkt, in einer Ecke vor sich hin. „Habt ihr das verstanden?“ Flehentlich sah Davies uns an. Ich war viel zu aufgeregt gewesen, um auch nur irgendetwas von Davies ausgefeilter komplizierter Spieltaktik zu begreifen, aber trotzdem zwang ich mich zu einem braven Nicken. „Gut. Gebt euer Bestes, für Ravenclaw- und nicht vergessen: Dreierformation, das ist ganz wichtig... ähm...Eddie! Du kannst doch nicht schlafen!“ Von draußen war lauter Lärm zu hören und mein Magen zog sich zusammen. Konnte ich das wirklich? Ich schluckte nervös. Langsam stand ich auf und umklammerte meinen Besen fest mit meinen schwitzigen Händen. Sue neben mir stupste mich ab. „Wir schaffen das schon!“ „M-mh“, murmelte ich. Mit aller Kraft rief ich mir in den Kopf, was ich alles beim Quidditchtraining geübt hatte. Wenden, Pässe, Stangenwürfe... „Los geht‘s!“ Davies schob den Vorhang beiseite. Das helle Sonnenlicht schien mir entgegen. Ich atmete noch einmal tief durch und trat dann hinaus auf das Quidditchfeld. Die Zuschauerränge waren voll mit Personen in strahlend gelben und blitzend blauen Umhängen, und ein großer Jubel kam auf, als wir das Feld betraten. „Das 2. Quidditchspiel der Saison- Ravenclaw gegen Hufflepuff!“ Die Stimme von Lee Jordan, dem Stadionsprecher ertönte. „In diesem Match muss Hufflepuff besiegt werden, denn unfairerweise wurde das Spiel gegen Gryffindor nicht... Ja, Professor, die Spielaufstellung. Für Ravenclaw spielen Davies, Li, Wild, Shine, Carmichael, ähm... Entwhistle und natürlich die bezaubernde Cho Chang mit ihren schönen schwarzen Haaren...“ Mit wackeligen Knien stellte ich mich neben den anderen Spielern auf. Meinen Besen hielt ich fest umklammert. Ein schriller Pfiff ertönte. Madame Hooch war am Spielfeldrand aufgetaucht. Schnell schwang ich mich auf meinen Besen. „Wir schaffen das!“ Sue grinste und warf ihre Haare mit Schwung nach hinten. Mit einem Ruck stieß ich mich vom Boden ab und flog dem Himmel entgegen. Etwa fünf Meter über dem Boden machte ich Halt. „Jetzt sind alle Spieler in der Luft. Madame Hooch lässt die Bälle frei- und das Spiel ist eröffnet!“ Sue, die sich schlauerweise in der Nähe von Madame Hooch aufgehalten hatte, schnappte sich den Quaffel und flog steil nach oben. Sofort stellten sich ihr zwei Hufflepuff- Jäger in den Weg. Doch Sue wich ihnen geschickt aus und warf den Quaffel mit Schwung zu mir. Ich packte ihn und flog nach vorne, direkt auf die Hufflepuff- Torringe zu. Aus den Augenwinkeln sah ich, dass Leeve Wild ganz außen, am Rande des Feldes flog, direkt vor den Torringen. Mit Schwung warf ich ihm den Quaffel zu.
    „Shine zu Wild- und der wirft den Ball- und trifft!“ Ohrenbetäubender Jubel war von den Seiten zu hören. „Tor für Ravenclaw!“ Auch Lee Jordan schien begeistert. Klar, für die Gryffindors wäre unser Sieg nur gut. Doch das Spiel ging weiter, und Kimi Sunshine, eine der Hufflepuff- Jägerinnen hatte sich den Quaffel geschnappt. Schnell flog sie auf unsere Torringe zu, doch sie hatte nicht mit den Treibern gerechnet. „Hufflepuff im Ballbesitz und Sunshine fliegt auf die Torringe zu, doch was ist das? Einer der Ravenclaw-Treiber da vorne kommt an sie heran...“ Auch Kimi hatte jetzt Eddie bemerkt, der seinen Klatscher auf sie losgelassen hatte. Mit letzter Kraft wich sie dem heranfliegenden Ball aus. Haarscharf zischte der Klatscher über sie hinweg, doch in ihrer Panik war der Quaffel ihren Fingern entglitten. Das war meine Chance. Ich fing den Quaffel auf, wendete und sauste zu den Torstangen der Hufflepuffs. Ohne zu bremsen, warf ich den Quaffel mit aller Kraft, die ich aufbringen konnte, in Richtung Torstange. Der Hüter der Hufflepuffs breitete beide Arme aus, doch der Quaffel flog über seinen Kopf hinweg durch die mittlere Torstange. Vor Freude riss ich beide Arme hoch - und knallte mit Wucht gegen die Torstange. Ich hatte gar nicht mehr aufgepasst, wohin ich geflogen war. „Ein weiteres Tor für Ravenclaw- von der, die da gerade gegen die Stange geflogen ist“, kommentierte Lee Jordan das Geschehen. Ich wurde rot. So eine blöde Aktion, die auch nur von mir stammen konnte. „Super!“ Sue klatschte mich ab. „Das war mega gut!“ Jetzt hatte Leeve den Quaffel ergattern können und umkurvte geschickt die Hufflepuffs. Doch ein Klatscher brachte ihn völlig aus dem Konzept. Gerade noch rechtzeitig konnte er Sue den Quaffel zuwerfen. „Li wirft zu Shine, und die zurück- Li fliegt auf das Tor von Hufflepuff zu- wirft und- och nee... Da hat der von den Hufflepuffs ja mal gehalten.“ Von der Hufflepuff- Kurve kam großer Applaus für ihren Hüter. Doch der verstummte schnell, denn ich hatte mir den Quaffel geschnappt und flog von links auf die Torstangen zu. Mit einem präzisen Wurf schleuderte ich den Quaffel durch den Ring. „Noch ein Tor, schon wieder von Shine- das ist die, die gegen die Stange geflogen ist. Ich dachte immer, in Ravenclaw wäre man viel zu schlau für so etwas, aber...“ Lee Jordan wurde von Professor McGonagall unterbrochen, die ihm das Mikrofon aus der Hand riss. „30 zu 0 für Ravenclaw!“, ertönte ihre Stimme über das Feld. Das Spiel ging weiter und bald wurde klar, dass die Hufflepuffs uns ziemlich unterlegen waren. Mittlerweile betrug der Spielstand sogar schon 80 zu 10. Doch wenn der Sucher der Hufflepuffs, Cedric Diggory, den Schnatz fangen würden, hätten wir dennoch verloren. Bislang war, was die Sucher betraf, noch nichts gesehen. Doch nach einem weiteren Torwurf von Sue änderte sich das plötzlich. „Torwurf von Li und es steht jetzt- Nanu, was ist denn plötzlich mit Chang los? Chang im Sturzflug- sie muss den Schnatz gesichtet haben! Doch Diggory ist ihr auf den Fersen. Schneller, Cho- verdammt, Diggory holt sie fast auf. Das liegt natürlich an ihrem Besen, ein Komet 2-60. Leider total veraltet. Ich würde ihr in dieser Hinsicht ja einen Feuerblitz empfehlen- das schnellste Modell, wie wir alle wissen...“ „JORDAN!“ „Jaja, schon gut- Diggory hat sie fast erreicht! Schneller- uuuuund ... sie hat den Schnatz! Ravenclaw gewinnt!“ Ich hatte das Geschehen mit offenem Mund verfolgt. War das Spiel jetzt schon zu Ende? Offenbar schon. Die gesamte Ravenclaw-Kurve brach in Kreischen, Applaudieren und Jubeln aus. „Wir haben gewonnen!“ Sue flog auf mich zu und riss mich mit einer stürmischen Umarmung fast vom Besen. „Geschafft!“ Erst jetzt realisierte ich, was geschehen war und brach genauso wie alle anderen in Jubeln aus. Langsam sank ich zu Boden, wo Davies uns schon begeistert erwartete. „Hilary- ganz toll gespielt! Tolle Pässe, tolle Würfe. Cho, toller Fang- grandios!“ „Es steht 240 zu 20“, verkündete Professor McGonagall von der Tribüne. Man konnte erkennen, dass auch sie über den Ausgang des Spiels mehr als erfreut war. „Hilary!“ Hanna, Ginny, Franzi und Flame liefen auf mich zu. „Du warst total gut!“ Hannas Augen leuchteten. Alle drei überhäuften mich mit Lob, während sie mich zurück zum Schloss eskortierten. „Ganz schön kurz war das Spiel schon“, bemerkte ich. Hanna schüttelte den Kopf. „Ach, papperlapp, das kürzeste Quidditchspiel hat dreieinhalb Sekunden gedauert, dagegen war dieses Spiel eine halbe Ewigkeit!“
    Auch in unserem Gemeinschaftsraum wurden wir jubelnd begrüßt. Irgendjemand hatte Tonnen von Süßigkeiten, von Säuredrops bis zu Gummikröten, herbeigeholt und alle durften sich bedienen, sooft sie wollten.
    Ich war mir sicher, das es einer der besten Tage in meinem Leben war, und glücklich, wie ich war, schlief ich schließlich in meinem Bett ein.

    12
    ((green)) Kapitel 12 ((egreen)) „Fertig!“ Mit letzter Kraft hob ich meinen Koffer hoch und ließ ihn auf mein Bett fallen. Erschöpft ließ ich mi

    Kapitel 12


    „Fertig!“ Mit letzter Kraft hob ich meinen Koffer hoch und ließ ihn auf mein Bett fallen. Erschöpft ließ ich mich daneben sinken und atmete erst mal tief durch. Kofferpacken konnte total anstrengend sein. „Hilary, was machst du denn hier noch?“ Hanna kam in das Zimmer gerannt. „Der Hogwartsexpress geht schon in zwanzig Minuten!“ „Ich weiß“, seufzte ich. Ich hatte viel zu spät angefangen zu packen, und nicht gewusst, was ich mitnehmen musste. Die Ferien würde ich nämlich nicht wie letztes Jahr in Hogwarts, sondern bei Ginny und ihrer Familie verbringen. Ich war schon sehr gespannt, die Weasleys kennenzulernen. Sicher würden die Ferien sehr aufregend werden. „Was suchst du hier denn noch?“ Hanna wurde rot. „Mein Schal“, seufzte sie. „Mum hat ihn mir letztes Jahr zu Weihnachten geschenkt, wahrscheinlich wird sie irre wütend, wenn ich ihn nicht habe. Sie meint immer, so eine Erkältung sei die schlimmste Krankheit, die man so haben kann.“ Hanna verdrehte die Augen. „Als ob man die nicht mit einem Schwung des Zauberstabs wieder hinkriegt.“ Ich schmunzelte. Das war typisch Hanna, dass sie mal wieder ihre Sachen nicht fand. Schnell nahm ich meinen Koffer vom Bett und ächzte unter dem Gewicht. „Ich kann es gar nicht erwarten, bis wir diesen Kofferschwebezauber lernen“, seufzte ich. „Oder zumindest den, der Dinge leichter macht.“ Hanna nickte. „Ganz deiner Meinung. Das könnten wir ja einfach mal anstelle von Zaubertränke haben. Snape ist in letzter Zeit so furchtbar reizbar...“ Sie seufzte. „Ich geb’s auf. Beeil dich lieber mal, sonst verpasst du den Zug!“
    Sie rannte aus dem Raum und ich folgte ihr mit dem Koffer in der Hand. So schnell es ging, eilte ich nach unten in die große Halle. Dort befanden sich zum Glück auch noch andere Schüler.
    „Komm!“ Hanna winkte mir zu. „Ich habe eine Kutsche reserviert!“ Ich rannte ihr hinterher, einmal quer durch die große Halle bis zum großen Eingangstor von Hogwarts. Draußen empfing mich nasser Schneeregen. Die Testrahle starrten mich mit ihren weißen, pupillenlosen Augen an, und ich beeilte mich, schnell in die Kutsche zu kommen. Zum Glück war es hier drin gemütlich warm, und während die Kutsche über den Boden rollte, wäre ich fast wieder eingeschlafen.
    „Hilary, schlafen kannst du wann anders!“ Hanna sah mich halb wütend, halb belustigt an. „Wir sind am Bahnhof! Hoffentlich haben Ginny und Flame uns ein Abteil freigehalten. Wir sind nämlich irre spät. Stell dir vor, wir müssten die ganze Zugfahrt lang stehen. Komm schon!“ Hanna öffnete die Türe und sprang hinaus. Auf dem Gleis stand bereits die große rote Lokomotive, die heftig dampfte. Nur noch wenige Schüler standen am Bahnsteig. das „Schnell!“ Hanna und ich rannten über den vereisten Boden und stiegen schließlich gemeinsam ein. „Puh, stell dir vor, der Zug wäre ohne uns abgefahren“, seufzte Hanna. Erleichtert schoben wir uns durch die Schülergruppen, bis wir endlich Ginny und Flame entdeckten. Beide saßen zusammen mit einem weiteren Mädchen in einem Abteil. „Kommt rein!“ Ginny grinste uns fröhlich an. Etwas zögerlich betraten wir das Abteil und ließen uns auf den Sitzen nieder. Das fremde Mädchen sah auf. Sie hatte dunkelbraune, lockige Haare und goldbraun funkelnde Augen. Vom Alter her schätzte ich sie auf ungefähr zwei, drei Jahre älter als wir. „Hi, ich bin Catherine Barnes, aber nennt mich einfach Cat“, stellte sie sich vor. „Ich bin im 4. Jahr, in Gryffindor.“ Barnes? Den Namen kannte ich doch von irgendwoher. „Spielst du Quidditch?“, fragte ich neugierig. Cat grinste. „Blitzmerker! Du auch, nicht wahr?“ Ich nickte. „Ha, wusste ich es doch. Es tut mir leid, dass ich mich einfach noch dazugesetzt habe, aber sonst war überall voll, und meine beste Freundin wohnt in Hogsmead, also fährt sie sowieso nicht mit dem Express und... ja, darum sitze ich hier. Ich will euch gar nicht stören, ich muss sowieso meine Hausaufgabe machen. Ich sag‘s euch, nehmt nie Alte Runen als Wahlfach“, Cat verdrehte beide Augen, „diese Übersetzungen sind echt kompliziert.“ Sie seufzte. „Kein Problem“, erklärte Ginny, „du störst nicht.“ Ich nickte bekräftigend. Wie sich herausstellte, war Cat sehr nett. Ihre Übersetzung war ihr wohl doch nicht so wichtig, wie sie am Anfang behauptet hatte, denn schon bald waren wir zu Fünft in eine spannende Partie Koboldstein vertieft. Die Fahrt ging dieses Mal ungewöhnlich schnell vorüber. Ich hatte kaum bemerkt, wie es draußen immer dunkler geworden war und war deshalb total überrascht, als plötzlich ein Vertrauensschüler in der Tür stand. „Wir haben in wenigen Minuten unser Reiseziel erreicht “, verkündete er mit näselnder Stimme. „Bitte packt eure Sachen ordnungsgemäß zusammen und passt auf, dass keine Sachen liegen gelassen werden, da dieses Verhalten einige negative Konsequenzen haben könnt...“ RUMMS. Cat hatte mit ihrem Fuß die Abteiltür zugekickt. „Das ist mein Bruder Bertie. Nur Stroh im Kopf. Nichts macht ihm mehr Spaß, als negative Konsequenzen anzukündigen...“ Sie verdrehte beide Augen. „So ein Spinner!“ Eilig packten wir unsere Taschen und Koffer und betraten den engen Gang. Dutzende Schüler standen hier dicht an dicht beieinander, laute Rufe waren zu hören und irgendwer hatte ein Filibuster Feuerwerk gezündet, das jetzt über unseren Köpfen Funken sprühte. Der Zug rumpelte noch über ein paar Erhebungen, wurde dann langsamer und blieb endgültig stehen. Eine gewaltige Schülermenge ergoss sich auf den Bahnsteig. Ich hielt mich dicht bei Ginny. „Da drüben!“, quietschte sie. Ich sah in die Richtung, die sie mir gezeigt hatte und tatsächlich: Dort stand ein hochgewachsener Mann mit denselben feuerroten Haaren wie seine Kinder, bloß dass seine Haare schon etwas ergraut waren. Zusammen mit Ginny lief ich zu ihm hinüber. „Hi, Dad!“, grinste Ginny vergnügt. „Das ist Hilary, meine Freundin- Lass das, Fred!“ Einer der Zwillinge hatte versucht, ihr etwas in den Nacken zu kippen, das verdächtig nach Juckpulver aussah. „Aber Ginny!“ Entsetzt sah Fred sie an. „Ich bin George! Nicht mal die eigenen Brüder unterscheiden können... Ts, ts...“ „Von wegen, FRED!“ Wütend presste Ginny die Lippen aufeinander. „Lass den Scheiß!“ „Kinder, jetzt hört mal auf!“ Mehr oder weniger erfolglos versuchte Mr. Weasley den Streit zwischen seinen Kindern zu schlichten. „Komm, Hilary“, sagte Ginny und nahm meine Hand. Gemeinsam traten wir durch die Absperrung in die Muggelwelt. „Ich habe vom Ministerium ein Auto bekommen- es steht draußen“, erklärte Mr.Weasley. Er wies mit der Hand in die Richtung und wir stürmten los. „Wer als Erste beim Auto ist!“, jauchzte Ginny. „So ein Blödsinn“, hörte ich Percy murmeln. So schnell ich mit meinem Koffer konnte, rannte ich zum Auto und kam tatsächlich ein paar Sekunden vor Ginny dort an. „Gewonnen!“ Heftig keuchend hielt Ginny neben mir an. „Na warte! Das gibt Rache!“ Sie grinste. Zusammen stiegen wir in das Auto ein und quetschten uns neben die Zwillinge auf die Rückbank, die plötzlich sehr viel breiter war, als das Auto eigentlich sein musste. Percy nahm auf dem Beifahrersitz Platz. „Das ist aber ein echt cooles Auto!“, staunte ich. Ginny hüstelte. „Gehört ja auch dem Ministerium. Genau das Richtige für Percy... Schau nur, wie er da vorne sitzt- wie Fudge höchstpersönlich.“ Sie kicherte. Percy beschloss, diese Äußerung wohl zu ignorieren und griff nach dem zerfledderten Tagespropheten, der neben ihm lag. „Fertig!“ Mr. Weasley, der noch unsere Koffer in das Auto geräumt hatte, nahm hinter dem Steuer Platz. „Sind deine Eltern Muggel?“ Fragend sah er mich an. Ich war ziemlich verblüfft. „Dad... nicht das schon wieder...“ Ginny verdrehte die Augen. „Du kannst doch nicht...“ „Meine Eltern sind Muggel“, antwortete ich höflich. „Wirklich?“ Mr. Weasley strahlte. „Können sie Auto fahren? Und habt ihr zuhause auch solche... Telefone? Oder auch... ähm... Eklektonik?“ Ich war total perplex. „Wie bitte?“ Mr. Weasley sah mich genauso verwundert an wie ich gerade ihn. „Dad ist ein totaler Fan von allen Muggelsachen“, seufzte Ginny. „Ach... ähm, natürlich haben wir ein Telefon und Elektronik. Und meine Eltern können auch Auto fahren.“ Mr.Weasley war ganz begeistert. Während wir uns mit dem Auto- das offenbar von selbst fuhr- durch den Straßenverkehr Londons kämpften, löcherte er mich mit Fragen über die Muggelwelt. „Ich finde es ja ganz faszinierend, wie die Muggel das schaffen, ganz ohne Magie zurechtzukommen. Ich liebe diese Trolltreppen in den U-Bahnhöfen- und diese ganzen Schalter an der Wand, wenn man drückt, geht das Licht an. Sehr schlau, muss ich sagen. Mit Magie wäre es zwar alles viel leichter, aber... nun ja, ich will ja nichts gegen die Muggel sagen- sehr schlau, wirklich. Funktionieren diese Schaltungen auch mit Ekeltronik?“ Ich nickte, worauf Mr.Weasley erneut in einen Begeisterungssturm ausbrach. Als ich zur Seite sah, erkannte ich, das Fred und George wohl gerade dabei waren, Percy den Rest ihres Juckpulvers in den Kragen zu streuen und ich befürchtete, dass ich auch früher oder später das nächste Opfer sein würde... Das würden chaotische Weihnachtsferien werden!
    Der Weg zu den Weasleys war kürzer, als erwartet. Schon nach einer halben Stunde zwickte mich Ginny aufgeregt in den Arm. „Wir sind gleich da!“ Aufgeregt sah sie mich an. „Mum wird bestimmt ganz aus dem Häuschen sein. Sie liebt Besuch. Wahrscheinlich hat sie wieder Tonnen von Essen gemacht...“ Ich sah aus dem Fenster. Es dämmerte schon. Langsam glitt das Auto einen vereisten Feldweg entlang. Das Knirschen und Knacken des Schnees unter den Reifen des Autos war deutlich zu hören. „Da ist das Dorf, Ottery St. Catchpole.“ Ginny zeigte mit dem Finger in eine Richtung und tatsächlich, hinter ein paar Bäumen konnte ich die Umrisse einiger Häuser entdecken. „Wissen die Muggel nicht von euch?“, fragte ich. Ginny zuckte die Schultern. „Naja, wir versuchen uns, so gut es geht, vor ihnen zu verbergen. Manchmal kann das ganz schön blöd sein. Beim Quidditch dürfen wir höchstens drei oder vier Meter hoch fliegen, weil uns sonst die Muggel sehen. Aber apropos Quidditch: Wir können bestimmt mal spielen. Leider ist Charlie noch in Rumänien und Bill noch in Ägypten. Die beiden, also vor Allem Charlie, haben es echt drauf. Da schlagen wir Fred und George locker.“ Ich grinste. „Das werden echt super Ferien... Hilary! Da vorne!“ Ginny strahlte. „Der Fuchsbau!“ Ein großes Haus tauchte am Ende des Feldwegs auf. Die schwarzen Konturen des Hauses hoben sich deutlich vom rot-goldenen Abendhimmel ab. Immer näher und näher kamen wir dem Haus. Durch ein geöffnetes Gatter fuhren wir schließlich auf den Hof und mit tuckerndem Motor kam das Auto langsam zum Stehen.
    Wir waren angekommen.

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    ((green)) Kapitel 13 ((egreen)) Langsam öffnete ich die Tür, stieg aus und blieb wie angewurzelt stehen. Vor mir ragte das kurioseste Haus in die H


    Kapitel 13


    Langsam öffnete ich die Tür, stieg aus und blieb wie angewurzelt stehen. Vor mir ragte das kurioseste Haus in die Höhe, das ich je gesehen hatte. Um ehrlich zu sein, sah es aus, als hätte jemand ein paar Holzkisten irgendwie aufeinandergestapelt, ein paar umgeworfen und entfernt, ein paar hinzugefügt und das Resultat so stehen lassen. Dieses Haus konnte unmöglich von alleine so stehen. Es konnte hier nur Magie im Spiel sein. Ein kleiner, schief stehender Schuppen war an das Haus gebaut worden, und direkt an den Schuppen grenzte ein weiteres Holzgebilde. Als ich meine Augen auf den Hof lenkte, wurde mir klar, dass es sich um einen Hühnerstall handeln musste. Dutzende der braunen, geflügelten Tiere pickten auf dem Boden herum. Der Hof war umrahmt von großen Schneehaufen. Ein ziemlich mitgenommen aussehender Besen steckte in einem der Haufen fest. Doch irgendjemand hatte kleine Glöckchen und Tannenzweige über der Tür festgemacht, und in den Bäumen ein paar leuchtende und glitzernde Kugeln angebracht. Diese weihnachtliche Stimmung wurde von einer rostigen Gießkanne perfektioniert, die mit quietschender Stimme ein Weihnachtslied zum Besten gab. Es sah wunderschön aus. Ginny war neben mich getreten. „Ich weiß, es ist nicht das Beste, aber...“ „Es ist toll!“ Übermütig erwachte ich aus meiner Erstarrung. „Es ist... total schön... und... und... weihnachtlich...“ Ginny sah erleichtert aus, doch bevor sie etwas erwidern konnte, ging mit Schwung die Haustür auf. Heraus kam eine rothaarige, rundliche Frau, die nur die Mutter von Ginny und ihren Geschwistern sein konnte. „Mum!“ Ginny lief auf ihre Mutter zu und umarmte sie glücklich. „Das ist Hilary!“ Sie deutete auf mich. „Oh, hallo!“ Mrs.Weasley ließ Ginny los und zog stattdessen mich in eine Umarmung. „Willkommen! Ginny hat mir ja schon viel von dir erzählt.“ Sie lächelte uns beide liebevoll an. „Ihr seid bestimmt ganz erschöpft, kommt nur gleich ins Haus!“ Ginny nickte. „Ich zeig dir alles!“ Sie zog mich an einer Hand in den Hausflur, der voll mit Schränken und Kommoden war. An der Wand hingen dutzende von Bildern. Eines zeigte sechs kleine Jungen, alle mit dem gleichen flammend roten Haar, und der älteste von ihnen hielt ein kleines Baby im Arm. Das Baby musste Ginny sein. Von ihrem Gesicht war nicht viel zu sehen, aber man konnte erkennen, dass auch sie schon die typischen Weasley-Haare besaß. Alle sechs Jungen winkten vergnügt, bis auf den Kleinsten, der am Boden saß und weinte. „Das ist Ron“, erklärte Ginny. „Ich glaube, Fred und George haben damals seinen Teddybären in eine Spinne verwandelt. Laut Mum hat Ron tagelang geheult.“ Sie verdrehte beide Augen. „Und das?“, fragte ich neugierig und deutete auf das nächste Bild.“ „Bist das auch du?“ Es zeigte ein Mädchen, das mit vergnügtem Gesichtsausdruck neben zwei Jungen stand. Alle drei lachten und winkten. Ginnys Gesichtsausdruck verdunkelte sich. „Ähm- Nein. Das ist Mum mit ihren Brüdern...“ „Echt?“ Verdutzt sah ich auf das Bild. Tatsächlich- wenn man genauer hinsah, dann hatte das Mädchen auf dem Bild wirklich eine etwas andere Gesichtsform als Ginny hatte, und außerdem schon ein klein wenig molliger war. „Haben die auch Kinder?“ Ginny schüttelte den Kopf. „Nein. Sie sind tot.“ Ich sah sie entsetzt an. „Das tut mir Leid!“ „Ich kannte Fabian und Gideon ja gar nicht.“ Ginny zuckte die Schultern. „Ich glaube, sie sind gestorben, kurz bevor ich geboren wurde. Oder kurz danach.“ „Mach mal Platz, Ginny, ihr könnt doch nicht den ganzen Flur blockieren!“ Percy war ungeduldig hinter uns in den Gang getreten. „Macht Platz für Percy Weasley, den großen Schulsprecher von Hogwarts!“ Fred und George verbeugten sich übertrieben vor Percy und rempelten sich dabei gegenseitig an, so dass Percy den Weg erst recht versperrten. Ginny kicherte. Mit einer ausladenden Geste wies sie mir den Weg in die Küche. Als ich diese betrat, fielen mir fast die Augen aus dem Kopf. Ich war noch nie in einem Zaubererhaushalt gewesen. Sich bewegende Bilder kannte ich schon aus Hogwarts, aber was mich jetzt erwartete, überraschte mich total. In der Spüle klapperte das Geschirr vor sich hin und wusch sich offenbar selbst ab. Doch nicht nur das, nach ordentlichem Abspülen stapelte es sich ordentlich zu hohen Türmen auf. Aus einem etwas angeknacksten Radio dröhnte Musik „... von Celestina Warbeck, der bezaubernden Sing-Hexe...“ Eine Bratpfanne, die auf dem Herd stand, wippte fröhlich im Takt der Musik vor sich hin und der Küchentisch deckte sich gerade selbst. Doch obwohl der Raum nur so klein war, wirkte er unglaublich gemütlich. Der Kamin knisterte und verbreitete angenehme Wärme, und es roch angenehm nach Zimt. Außerdem stand in einer Ecke ein leicht krummer Tannenbaum, der zwar noch nicht geschmückt war, aber trotzdem weihnachtliche Stimmung verbreitete. Ich ließ mich neben Ginny auf einem weichen, gepolsterten Stuhl nieder. „Ihr seid bestimmt ziemlich hungrig von der langen Fahrt“, meinte Mrs. Weasley. Sie nahm die Bratpfanne und türmte mir Unmengen von Pfannkuchen auf den Teller. Leckere, nach Zimt riechende Pfannkuchen... Obwohl ich mich eigentlich im Hogwartsexpress mehr als genug mit Kürbispastete und Schokofröschen vollgestopft hatte, fing mein Magen sofort an zu knurren. Ich begann zu essen und lauschte dabei den Gesprächen der anderen. Nach der Mahlzeit, die recht üppig ausgefallen war, beschloss Ginny, mir ihr Zimmer zu zeigen, in dem ich auch schlafen würde. Gemeinsam lief ich hinter ihr die hölzerne Treppe nach oben. Ihr Zimmer war klein, relativ schlicht gehalten und ordentlich. Auf dem Bett stapelten sich ein paar Schulbücher und eine Plastiktüte mit Filibuster Feuerkrachern, ansonsten lag nichts herum. Für mich war ein hübsches zweites Bett in einer Ecke hergerichtet worden. Vergnügt ließ ich mich darauffallen. „Bei euch ist alles so gemütlich!“, schwärmte ich. Ginny errötete. „Meinst du?“ Ich nickte. „Auf jeden Fall!“ „Morgen können wir Quidditch spielen“, meinte Ginny. „Wenn wir nicht wieder für Mum den Garten entgnomen müssen.“ „Entgnomen? Was ist das?“ „Siehst du schon noch“, erklärte Ginny. „Eine völlig nutzlose Arbeit. Die Gnome kommen sowieso immer wieder zurück. Ihnen gefällt unser Garten so gut.“ „Wohnen die Gnome im Garten? Sind sie gefährlich?“ Ginny schüttelte lachend den Kopf. „Nein. Lästig sind sie, nervige kleine Biester.“
    Plötzlich ertönte ein lauter Knall und der Fußboden erzitterte leicht. Entsetzt schrie ich auf. Was war passiert? War ein Zauber fehlgeschlagen? Was würde nun mit dem Fuchsbau passieren?
    Doch dann sah ich in Ginnys lachendes Gesicht. „Was war das?“ Beunruhigt sah ich sie an. Ginny lachte. „Das sind doch nur... Fred und George“, prustete sie. „Oh, das war so lustig- wie du aufgesprungen bist...“ Ich wurde genauso rot wie Ginny davor.
    Schnell setzte ich mich wieder hin und versuchte, mich zu beruhigen. „Machen Fred und George das öfter?“ „Ähm... Ja?“
    Der Zwischenfall war bald vergessen und Ginny und ich verstrickten uns in eine komplizierte Unterhaltung über Quidditch. Danach spielten wir noch etwas Koboldstein, bis Mrs.Weasley in das Zimmer kam und uns erklärte, wie wichtig Schlaf war.
    Trotzdem dauerte es noch etwas, bis wir tatsächlich in unseren Betten lagen. „Ginny?“, flüsterte ich. Vom gegenüberstehenden Bett hörte ich nichts, außer regelmäßige Atemzüge. Ginny war schon eingeschlafen. Toll. Ich drehte mich um. Na dann wurde es Zeit, dass auch ich schlief. Meine Finger streiften etwas. Papier. Was machte Papier in meinem Bett? Ich tastete nach meinem Zauberstab. „Lumos“, flüsterte ich heiser. Ein schwaches Licht erglomm. Ich holte das, was meine Finger ertastet hatten hervor- und hielt die Luft an.
    In meiner Hand hielt ich- das Päckchen.
    Das Päckchen, das ich aus dem sprechenden Hut gezogen hatte. Was machte es hier, in meinem Bett? Nachdem ich es jetzt zwei Monate lang nicht gefunden hatte? Das konnte doch nicht sein! Aber es war so. Verdutzt drehte und wendete ich es in meinen Händen. Es war dasselbe Päckchen, daran bestand kein Zweifel.
    Wie war es bloß hierhergekommen? Nein, sagte ich mir. Diese Frage musste warten. Ich wollte endlich wissen, was drin war. Vorsichtig, mit zitternden Händen und schwer atmend, setzte ich mich auf und begann, mit meinem Fingernagel ein Loch in das Packpapier zu ritzen. Zuerst war es ein kleines Loch, dann wurde es immer größer. Mein Herz schlug wie wild. Aufgeregt schloss ich die Augen, dann öffnete ich sie wieder und zerriss das Papier. Mein Atem stockte. Und ich sah...

    14
    ((green)) Kapitel 14((egreen)) ...gar nichts. Denn in dem Moment, in dem das Papier zerriss, ging das Licht aus. „Verdammt!“, fluchte ich halblaut

    Kapitel 14
    ...gar nichts. Denn in dem Moment, in dem das Papier zerriss, ging das Licht aus. „Verdammt!“, fluchte ich halblaut und tastete nach meinem Zauberstab. Meine Finger stießen gegen das runde, glatte Holz, doch ehe ich mir ihn greifen konnte, rollte er von der Bettkante und fiel auf den Boden. Hektisch legte ich das halboffene Päckchen neben mein Kopfkissen, stand auf und ließ mich auf die Knie fallen, um den Zauberstab zu finden. Er musste wohl unter mein Bett gerollt sein, denn auf dem Fußboden konnte ich ihn nichts ertasten. So leise wie nur irgendwie möglich, legte ich mich auf den Bauch, um unter das Bett zu kriechen. Vorsichtig schob ich mich mit den Händen vorwärts in die Dunkelheit.
    Plötzlich stieß mein Kopf mit Wucht gegen das Bettgestell. Ich konnte nicht anders, ein schriller Schmerzensschrei entfuhr mir.
    Sofort hörte ich, wie sich gegenüber von mir etwas regte. Scheiße, ich hatte Ginny aufgeweckt. So schnell ich konnte, sprang ich auf und schob das Päckchen unter mein Kopfkissen. Sie durfte es nicht sehen... Wieso, darüber war ich mir zwar auch noch nicht im Klaren, aber das musste ich mir ein anderes Mal überlegen.
    Ich wirbelte herum und sah in Ginnys schreckgeweitete Augen. Das Licht, das ihr Zauberstab hervorbrachte, zeigte, wie blass sie war. „Was ist passiert?“ Ängstlich sah sie mich an. „Was ist los?“ Ich atmete tief durch. „Mein Zauberstab ist unter das Bett gerollt“, antwortete ich wahrheitsgemäß. „Ich wollte ihn wieder holen, aber da bin ich mit dem Kopf gegen das Bett gestoßen.“
    „Ach so“, Ginny atmete erleichtert auf. „Ich kann dir helfen.“ Flink sprang sie von ihrem Bett und kroch unter das meine. Ich saß zitternd auf dem Bett. Sollte ich Ginny nicht einfach das Päckchen zeigen? Sie war meine Freundin. Egal was das Päckchen verbarg, sie würde es doch geheim halten. Oder? Irgendetwas in mir wehrte sich gegen diesen Gedanken, und hielt mich davon ab, unter mein Kopfkissen zu greifen und mit Ginny zusammen das Päckchen aufzumachen. Obwohl, ich wusste ganz genau, was mich davon abhielt: Der Gedanke, dass der Inhalt nur für mich bestimmt war.
    Ansonsten hätte der sprechende Hut ja auch irgendeiner anderen Person dieses Päckchen geben können. Er hatte es aber mir gegeben.Ich atmete tief durch.
    Ich brauchte kein schlechtes Gewissen zu haben.
    Hatte ich aber.
    Ich seufzte.
    „Hier!“ Ginny kam unter dem Bett hervor und reichte mir meinen Zauberstab. Erleichtert griff ich danach. „Danke!“ Ginny gähnte. „Kein Problem. Lass mal sehen“, sie sah auf ihre Uhr, „halb elf. Das geht ja noch. Schließlich sind Ferien.“ Sie kroch in ihr Bett und rollte sich zusammen. „Gute Nacht!“ „Gute Nacht“, flüsterte ich, und zog ebenfalls die Bettdecke über mich. An Schlaf war aber nicht zu denken. Der Gedanke an das Päckchen unter meinem Kissen hielt mich wach. Doch ich traute mich nicht, es wieder hervorzuholen und anzusehen, da Ginny sich im Schlaf unruhig hin und herwälzte.
    Wenn sie wieder aufwachte, dann konnte ich ihr ja nicht wieder sagen, dass mein Zauberstab hinuntergefallen war. Ich seufzte, und versuchte, einfach einzuschlafen.

    Am nächsten Morgen wachte ich davon auf, das irgendjemand mir ein Kissen an das Ohr warf. Geschockt schnellte ich in die Höhe und sah in Ginnys lachendes Gesicht. „Hilary, du musst sofort aufstehen!“ Begeistert strahlte sie mich an. Müde setzte ich mich auf und gähnte erst einmal ausgiebig. „Was ist denn?“, fragte ich und rieb mir die Augen. „Steh auf, dann siehst du es!“ Ginnys Gesicht war freudig rot angelaufen. „Außerdem gibt es Frühstück.“ Schlagartig fiel mir ein, was in der Nacht passiert war. Das Päckchen! Meine Hand fuhr automatisch unter mein Kissen und ich konnte das Papier spüren. Es war noch da, ein Glück! „Schau mal aus dem Fenster!“ Jetzt war meine Neugier geweckt. Ich tapste auf nackten Füßen zum Fenster und sah nach draußen. Eine glänzend weiße Schneeschicht überzog die Wiesen und Felder, die gestern noch grün gewesen waren. Sofort hellte sich meine Miene auf. Der erste Schnee, wie lange hatte ich darauf gewartet! „Außerdem backt Mum heute bestimmt Plätzchen und wir können ihr dabei helfen!“ Ich nickte begeistert. Da musste das komische Päckchen wohl noch warten. So schnell ich konnte, zog ich mich an und rannte hinter Ginny die Treppe hinunter. Draußen angekommen, stürzten wir uns geradezu in die weiße Pracht und als dann auch noch Fred und George kamen, war schon bald eine wilde Schneeballschlacht in Gange. Wir stoppten erst, als wir von Kopf bis Fuß mit Schnee bedeckt waren und Mrs.Weasley uns entsetzt ins Haus holte. Dort wurden wir mit dunkelroten Handtüchern erst einmal ordentlich abgetrocknet. Ginny hatte es besonders schlimm getroffen, ihre ganzen Klamotten waren bedeckt mit Eis und Schnee und sie klapperte mit den Zähnen. Deshalb verordnete Mrs. Weasley ihr erst einmal ein heißes Schaumbad. Mir kam das eigentlich ganz gelegen, jetzt konnte ich nämlich in Ruhe das Päckchen öffnen. Mit der Ausrede, etwas für die Schule zu machen, schlich ich mich nach oben in Ginnys Zimmer und warf mich auf das Bett. Mit zitternden Fingern und klopfendem Herzen holte ich das Päckchen unter dem Kopfkissen hervor. Das Papier war leicht fleckig, und gerade so eingerissen, das man den Inhalt noch nicht richtig sehen konnte. Doch es gab einen Unterschied: Das Päckchen war nicht mehr weich, sondern man konnte im Inneren etwas Hartes ertasten. Wahrscheinlich war es ein Polsterungszauber gewesen, der sich gelöst hatte, nachdem ich angefangen hatte, das Päckchen auszupacken. Langsam und vorsichtig löste ich noch das letzte Papier. Zum Vorschein kam - ein kleiner Spiegel. Verwirrt nahm ich den Spiegel und sah hinein. Mein Spiegelbild starrte mir wortlos entgegen. Ich verdrehte meine Augen und das Mädchen im Spiegel genauso. Ich kniff die Augen zusammen, schüttelte den Kopf und streckte die Zunge heraus- mein Spiegelbild tat genau dasselbe.
    Kurz, es musste ein ganz normaler Spiegel sein. Aber... aber? Ich drehte den Spiegel um und versuchte dasselbe auf der anderen Seite. Doch was auch immer ich probierte- der Spiegel blieb ein ganz normaler Spiegel, wie ihn auch die Muggel benutzten. Doch als ich mir einmal die Ränder genauer ansah, fiel mir etwas auf. An der Seite stand etwas. Ein Schriftzug, mit verblassender Farbe einst auf die Seite geschrieben. Ich kniff die Augen zusammen und sah genauer hin. Es war ein Name. „Sara-Alice “, las ich. Sara-Alice? Diesen Namen hatte ich noch nie gehört. Verwundert und irritiert betrachtete ich den Spiegel. Warum, um alles in der Welt, hatte ich von dem Hut diesen Spiegel bekommen? Ich nahm das Papier, mit dem der Spiegel umwickelt worden war, in die Hand und zerknüllte es. Es war nichts anderes dabei gewesen. War der Spiegel verzaubert? Ich betrachtete ihn nachdenklich. Oder verflucht? Auf einmal bekam ich ein ungutes Gefühl im Bauch und legte den Spiegel vor mich auf die Bettkante. Wenn er wirklich verflucht war, dann konnte er mit mir machen, was er wollte. Ich dachte an Ginny und ihr „Tagebuch“ von letztem Jahr. Da hatte sich der vermeintlich
    harmlose Taschenkalender als eine Art Waffe von Du-weißt-schon-wer herausgestellt, der Ginny, Harry und mich in eine unterirdische Kammer mit einem Riesenmonster gelockt hatte und uns dort umbringen wollte. Ich wollte das auf keinen Fall noch einmal erleben, auch nicht, wenn ich dieses Mal die Manipulierte war. Andererseits hatte mir ja der Hut das Päckchen gegeben. Der sprechende Hut von Hogwarts war mit Sicherheit vertrauenswürdig, trotz seiner spitzen Zunge. Oder führte er nur einen Auftrag aus? Von „Sara-Alice“? Wer das wohl war... Diesen Namen hatte ich noch nie gehört. In meinem Jahrgang war Sara definitiv nicht, und ich war mir ziemlich sicher, dass es sogar in ganz Ravenclaw niemand gab, der so hieß. Beim ersten Jahrgang war ich mir auch eigentlich sicher, dass niemand so hieß. Bei der Häuserverteilung hatte ich diesen Namen nicht gehört, soweit ich mich erinnern konnte. Aber ich konnte...
    „Hilary?“ Ich fuhr herum. Hinter mir stand Ginny mit tropfenden, klatschnassen Haaren. „Was machst du da?“ Neugierig sah sie mir über die Schulter. Es war zu spät, den Spiegel irgendwie zu verdecken, darum blieb ich einfach schuldbewusst sitzen. „Oh, der sieht ja schön aus!“ Ginny hob den Spiegel auf und hielt ihn vor ihr Gesicht. Ein paar Tropfen fielen von ihren durchweichten Haaren auf das Glas. Sie wischte mit der Hand darüber und sah erst ihr Spiegelbild, dann mich an. „Was ist los?“ Offenbar hatte sie mich durchschaut, denn sie wurde ernst. „Ist das deiner? Woher hast du ihn?“ Ich atmete tief durch, um mich zu sammeln. Ich musste ihr die Wahrheit sagen. Und das tat ich. Ich fing an bei dem Abend, an dem mich Dumbledore gerufen hatte, und endete bei Sara-Alice.
    Und ich merkte, dass mir mein Herz immer leichter wurde, je mehr ich redete. Es war nicht schön, Geheimnisse vor seiner Freundin zu haben. Es war ein absolut mieses Gefühl. Doch was mich beunruhigte, war Ginnys Gesicht, das im Laufe meiner Erzählung sich immer weiter verdüsterte. Als ich geendet hatte, sagte sie erst einmal gar nichts. Ich übrigens auch nicht. Ich hob nur den feuchten Spiegel auf und sah hinein. Das Glas schimmerte in allen Regenbogenfarben. Mir fiel zum ersten Mal richtig auf, wie schön der kleine Spiegel war, obwohl er schon etwas älter sein musste. Der Spiegel besaß eine kleine Umrahmung aus Holz, in die kleine Rosen eingraviert waren, was sehr niedlich und mädchenhaft aussah. „Ich würde ihn nicht behalten“, sagte Ginny. Zweifellos dachte auch sie an Riddles Kalender. „Hilary, der kann gefährlich sein. Er könnte verflucht oder verzaubert sein... und wenn... Du-weißt-schon-wer dich auch nur benutzt, mit diesem Spiegel, genau wie mich letztes Jahr- dann...“ Sie brach ab und sah mich traurig an. „Ich weiß“, unterbrach ich das Schweigen, „aber Dumbledore und so weiter, sie vertrauen ja alle dem Hut. Und er hat mir das gegeben.“ Ginny setzte sich neben mich auf die Bettkante. „Das stimmt schon, aber ich glaube trotzdem, dass mit dem Spiegel etwas nicht stimmt. Außerdem hat der Hut doch nie im Leben das Päckchen selbst eingepackt und so, er ist doch nur ein Hut! Ich glaube, er hat nur einen Auftrag ausgeführt, nämlich dir das Päckchen zu geben.“ Ich schwieg. Das hatte ich mir auch schon alles durch den Kopf gehen lassen. „Der Hut kann aber auch die Häuser zuteilen und Lieder dichten, warum sollte er dann nicht auch...“ „...Pakete packen können?“, ergänzte Ginny und für einen minimalen, kurzen Moment huschte ein Lächeln über ihr Gesicht. Ich nickte. „Genau!“ Ginny schüttelte den Kopf. „Singen, ja, verpacken, nein. Er ist doch der sprechende Hut. Außerdem, woher, soll er bitte einen Spiegel haben?“ Ich wurde rot. Wie schrecklich doof ich doch war! Trotzdem wollte ich nicht aufgeben. „Geklaut?“, vermutete ich. Ginny gab einen kurzen prustenden Laut von sich. „Geklaut!“ Ich zuckte die Schultern. „Keine Ahnung! Was soll ich jetzt denn machen?“ Ginny wurde schnell wieder ernst. „Ich weiß nicht. Wenn wirklich ein Fluch auf dem Spiegel liegt, wäre es gut, zu Professor McGonagall zu gehen.“ Ich runzelte die Stirn. „Und was soll ich der sagen? Hallo, der sprechende Hut hat mir neulich ein Paket auf den Kopf fallen gelassen, darin war dieser Spiegel, bitte untersuchen sie ihn auf Flüche! Professor McGonagall wird ihn mir sicher nie wieder geben.“ Ginny seufzte. „Das wäre aber die ungefährlichste Möglichkeit. Ansonsten würde ich Sara- Alice suchen.“ Das stimmte. Plötzlich fiel mir etwas ein. „Kennst du in Gryffindor jemanden, der so heißt?“ Ginny schüttelte den Kopf. „Natürlich nicht, sonst hätte ich es dir schon längst gesagt!“ Ich seufzte. „Also muss es sich bei Sara um ein Mädchen aus Hufflepuff oder Slytherin handeln, das im dritten, vierten, fünften, sechsten oder siebten Jahrgang ist.“ „Dritter auch nicht“, mischte Ginny sich ein. „Das wüsste ich von Ron.“ „Na gut“, erklärte ich. „Ich versuch es dann mal nach den Ferien.“ Ginny nickte. „Aber wenn irgendwas passiert, dann sag es mir bitte!“ Ich versprach es ihr. Besonders wohl war mir ja auch nicht bei der Sache und am Liebsten hätte wäre ich einfach den Spiegel wieder losgeworden.
    Aber das ging jetzt nicht mehr. „Und jetzt“, ein Lächeln stahl sich auf Ginnys Gesicht, „kommst du mit, Plätzchen backen?“ Ich nickte. Vorsichtig steckte ich den Spiegel in meine Tasche, dann stand ich auf und ging mit Ginny zur Tür. „Wer als Erster unten ist!“, rief sie und wir stürmten gemeinsam los.

    15
    ((green)) Kapitel 15 ((egreen)) Dass Ginny jetzt von der Sache mit dem Päckchen wusste, erleichterte mich sehr und ich begann, die Weihnachtsferien z

    Kapitel 15
    Dass Ginny jetzt von der Sache mit dem Päckchen wusste, erleichterte mich sehr und ich begann, die Weihnachtsferien zu genießen. Die Weasleys waren zwar die chaotischste Familie, die ich je in meinem Leben kennen gelernt hatte, dafür aber mit Abstand die freundlichste. Fred und George brachten ziemlich viel Trubel in die Weihnachtsfeiertage. Sie schleppten zum Beispiel einmal Gartengnome an, denen sie rote Weihnachtsmützen aufsetzten und so an den Tannenbaum hängten, ein anderes Mal brachten sie zwei Stühlen bei, laut und schräg Weihnachtslieder zu singen, und man hörte verdächtig oft Explosionsgeräusche aus ihrem Zimmer... Percy dagegen verbrachte fast die ganze Zeit damit, sich in seinem Zimmer einzusperren. „Entweder poliert er sein Schulsprecherabzeichen, oder er schreibt Penelope“, verriet mir Ginny kichernd, als Percy wieder mal einen ganzen Nachmittag nicht im Wohnzimmer erschienen war. Mr. Weasley löcherte mich die ganze Zeit über mit Fragen über Muggel und elektrische Dinge, und ich musste ihm sogar so Kleinigkeiten wie den Gebrauch eines Feuerzeugs erklären. Abgesehen davon war er aber ein wirklich freundlicher und zuvorkommender Mann.

    Am Weihnachtsmorgen wurde ich von einer aufgeregten Ginny geweckt. „Frohe Weihnachten, Hilary!“, quietschte sie. „Es gibt Geschenke!“ Mit einer Handbewegung deutete sie auf einen Stapel verpackter Gegenstände neben ihrem Bett. Verschlafen gähnte ich und rieb mir die Augen. „Frohe Weihnachten, Ginny“, nuschelte ich und setzte mich auf. Like, der auf meiner Bettstange saß, fiepte zustimmend, als wollte auch er Frohe Weihnachten wünschen. Ich schälte mich aus meiner Bettdecke, lief zum Fenster hinüber und sah hinaus. Es hatte in der Nacht noch einmal geschneit und der Schnee bildete jetzt eine riesige Decke, unter der die Felder, Wiesen und ganz Ottery St.Catchpole begraben lagen. Weihnachtswetter, zum Glück. Ich mochte es nicht, wenn an Weihnachten kein Schnee lag. Schnell lief ich zurück zu meinem Bett und dem großen Geschenkestapel auf dem Nachttisch. Freudig nahm ich das erste Päckchen, das relativ klein war, aber ziemlich schwer, und löste vorsichtig das Papier. Zum Vorschein kam eine silberfarben glitzernde Armbanduhr. Doch als ich sie näher betrachtete, erkannte ich, dass es sich keineswegs um eine gewöhnliche Uhr handelte. In der Mitte war zwar ein normales Zifferblatt angebracht, und zwei Zeiger standen auf halb neun, was vollkommen richtig war. Doch die Uhr zeigte auch die aktuelle Mondphase an, das Wetter für die kommenden Tage und wo ich mich befand. Das musste von Mum und Dad sein. Erst jetzt bemerkte ich, dass der Uhr auch ein kleiner Zettel beigelegt worden war.
    TEMPORA- Die alleskönnende Magische Uhr
    Diese Uhr zeigt ihnen nicht nur die Zeit an, sondern sie können auch die Mondphasen, das Wetter, ihren aktuellen Aufenthaltsort, und den Aufenthaltsort ihrer Freunde daran ablesen. Außerdem gibt es viele weitere Sonderfunktionen, wenn sie diese Uhr mit ein paar speziellen Zaubern belegen. Für weitere Informationen und wenn sie Fragen haben, apparieren sie bitte zu uns: Winkelgasse Nr. 104

    Darunter stand, in der unverkennbaren Handschrift meiner Mutter, geschrieben:
    Liebe Hilary,
    frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr! Ich hoffe, dir gefällt es bei den Weasleys, alle sind nett, und du bist gesund und munter. Die Uhr ist aus der Winkelgasse, vielleicht kannst du sie brauchen. Bitte pass immer gut auf dich auf, ich habe erst kürzlich Fernsehen gesehen, dass dieser gefährliche Ausbrecher, der so viele Menschen getötet hat, immer noch nicht gefasst ist. Das kann sehr gefährlich werden. Richte Ginny und ihrer Familie viele Grüße aus.
    Mum und Dad

    P.S: Denk daran, immer viel zu trinken!
    P.P.S: Und dir immer gut die Zähne zu putzen!


    Entsetzt sah ich auf. Ich hatte meinen Eltern nicht erzählt, dass Sirius Black in Hogwarts eingebrochen war und außerdem so viele Muggel getötet hatte. Doch wenn ich mir den Brief so durchlas, war das wahrscheinlich sowieso besser gewesen. Zähneputzen... Ich verdrehte die Augen und wandte mich dem nächsten Paket zu, das total chaotisch eingepackt war. Ich lächelte. Das musste von Hanba sein. Hoffentlich würde ihr auch mein Geschenk gefallen... In dem Päckchen steckte ein Federhalter, einer von denen aus Zucker, an denen man im Unterricht genüsslich lutschen konnte. Genau das richtige für Geschichte der Zauberei. Als ich das nächste Geschenk auspackte, war allerdings die Überraschung groß: Es handelte sich um einen gestrickten, dunkelblauen Pullover mit einem großen, goldenen H in der Mitte. „Der ist von Mum“, verriet mir Ginny und hob ihren eigenen, ein scharlachrotes Exemplar, in die Höhe. Der Pullover war sehr weich und flauschig und ich nahm mir vor, mich bei Mrs.Weasley besonders zu bedanken. Nachdem wir auch die restlichen Geschenke ausgepackt hatten (ich bekam unter anderem auch eine XL- Box mit allen möglichen Süßigkeiten), liefen Ginny und ich nach unten in die Küche. Dort roch es schon wunderbar nach gebratenen Äpfeln und Zimt, und ich musste erst einmal niesen, weil ich Puderzucker in die Nase bekommen hatte. „Frohe Weihnachten!“ Mrs.Weasley strahlte und nahm uns in den Arm. Nachdem ich mich bei ihr für den Pullover bedankt hatte und wir uns gegenseitig Frohe Weihnachten gewünscht hatten, bekamen wir erst einmal eine Menge Weihnachtsplätzchen und Punsch. Es wurde ein wunderschöner Weihnachtstag. Nach dem Essen gingen wir im Schnee Quidditch spielen, so lange, bis keiner mehr konnte, danach spielten wir Zauberschnippschnapp und Koboldstein.
    Auch die restlichen Weihnachtsfeiertage wurden nicht weniger vergnüglich, denn um dem Ganzen sozusagen das i-Tüpfelchen aufzusetzen, kam Flame auch noch zu den Weasleys. Da Ginnys ältere Brüder Bill, Charlie und Ron nicht da waren, war ja genügend Platz. Die Ferien vergingen wie im Flug, und schon viel zu bald war wieder Zeit, zurück nach Hogwarts zu fahren. Und zum ersten Mal nach diesen vielen Tagen dachte ich auch wieder an den geheimnisvollen Spiegel...

    16
    ((green)) Kapitel 16 ((egreen)) „Ruhe bitte!“ Ich hatte in dem ganzen Lärm, der hier herrschte, Professor Dumbledores Stimme gar nicht richtig ve

    Kapitel 16

    „Ruhe bitte!“ Ich hatte in dem ganzen Lärm, der hier herrschte, Professor Dumbledores Stimme gar nicht richtig vernommen, doch jetzt, wo er aufgestanden und nach vorne getreten war, sank der Lautstärkepegel langsam ab. Es war der erste Tag nach den Weihnachtsferien und erst am späten Nachmittag, vor ungefähr zwei Stunden, war ich mit dem Hogwartsexpress angekommen. Endlich hatte ich alle meine Freundinnen wiedergetroffen und wir hatten uns viel zu erzählen gehabt. Jetzt saßen wir beim Abendessen und ich musste zugeben, dass es mich überraschte, dass Dumbledore jetzt etwas sagen wollte. Schließlich kam das ja, abgesehen vom Schuljahresanfang, nicht besonders oft vor. Auch die anderen Schüler waren sichtlich überrascht. Schnell setzten sich die Personen, die eben noch herumgelaufen waren, hin und diejenigen, die bis eben noch herumgeschrien hatten, verstummten.
    „Vielen Dank.“ Dumbledore lächelte und ließ seinen Blick über uns schweifen. Die blauen Augen funkelten uns über den Rand seiner Halbmondbrille freundlich an. „Ich hoffe, ihr habt ein frohes Weihnachtsfest gehabt und seit gesund und munter zurück, um euch wieder den Strapazen und Anstrengungen des Schulalltags zu stellen.“ Ein paar ältere Schüler kicherten. „Ich möchte euch auch nicht länger als nur unbedingt nötig eure Zeit stehlen, schließlich wollen wir uns ja alle wieder genüsslich unseren Hähnchen und Pfefferminzbonbons widmen können. Also kommen wir zur Sache: Es gibt ein paar Neuzugänge.“ Neue Schüler, mitten im Schuljahr? Gespannt sah ich nach vorne. Ob ein paar davon auch in unseren Jahrgang kommen würden? Dumbledore wandte sich zur Seite, zu Personen, die ich von meinem Platz aus nicht sehen konnte. „Zoé, Leona, Edward, bitte kommt nach vorne, damit wir euch alle sehen können!“ Die ganze große Halle schien die Luft anzuhalten, alle Schüler sahen wie angespannt nach vorne. Drei Kinder, die offenbar im Schatten neben dem Lehrertisch gestanden waren, traten nach vorne. Das Erste, was mir auffiel, war, dass alle drei die gleich blasse Hautfarbe hatten. Auch die Gesichtszüge waren fast identisch- alle drei besaßen ein schmales Gesicht, und eine Stupsnase. Es handelte sich unverkennbar um Geschwister und es war gut möglich, das einer von ihnen in den 2.Jahrgang kam, denn keiner von ihnen wirkte auf mich älter wie 13. Dumbledore lächelte. „Das sind die Leona, Edward und Zoé Scamander. Sie besuchten ursprünglich die Ilvermorny-Schule in den USA, doch sie sind vor kurzem hierhergezogen und werden jetzt hier zur Schule gehen. Edward wird in die 3. Klasse gehen und Zoé und Leona besuchen den 2.Jahrgang.“ Also gleich zwei Personen für unseren Jahrgang! Waren Leona und Zoé Zwillinge? Und wer war wer? Ich betrachtete die Schüler näher. Das erste Mädchen, das, das Dumbledore am nächsten stand, war sehr athletisch gebaut und besaß brustlange schwarze Haare. Sie stand nahezu regungslos an ihrem Platz und ihr Gesicht verriet keine Gefühle. Wie eine Statue, ging es mir durch den Kopf. Das zweite Mädchen sah dagegen ganz anders aus: Sie hatte brustlange, feuerrote Haare, war etwas kleiner als ihre Schwester und dafür ein wenig mollig. Sie hatte ihre Augen groß aufgerissen und sah scheu in die Runde. In ihrem Blick konnte ich Erschöpfung, Angst und Nervosität erkennen. Die Arme. Ich erinnerte mich auch nur ungern daran, wie ich mich gefühlt hatte, als ich neu nach Hogwarts gekommen war...
    Und dann gab es noch den Jungen, Edward. Er war in etwa genauso groß wie das schwarzhaarige Mädchen, besaß Haare, die nicht wirklich hellbraun, aber auch nicht wirklich rot waren und lächelte als Einziger von den Geschwistern. Ein neugieriges, freundliches Lächeln, das ihn mir sofort sympathisch erscheinen ließ. „Ich erwarte, dass ihr die drei freundlich empfangt und ihnen etwas helft, sich im Schloss zurechtzufinden, sowie mit ihnen eventuell verpassten Unterrichtsstoff nachzuholen“, ordnete Dumbledore an. „Es ist nicht einfach, in eine neue Schule zu kommen, und ich glaube, jeder von euch weiß das. Aber natürlich müssen wir vorerst eine weitere Angelegenheit klären. Professor McGonagall, den Hut, bitte.“ Dumbledore trat zurück und setzte sich an seinem Platz. Anstelle von ihm trat jetzt Professor McGonagall nach vorne, die in ihrer Hand tatsächlich den alten, zerfledderten braunen Hut der Schule hielt. Der sprechende Hut, der mir in letzter Zeit so viel Stoff zum Nachdenken gegeben hatte... Aber egal, jetzt wollte ich ja wissen, in welche Häuser die neuen Schüler kamen. Ein paar Plätze weiter wurden schon Wetten abgeschlossen. „Ich wette mit dir um ne Galleone, dass die mit den schwarzen Haaren ne Slytherin wird“, zischte Kevin Entwhistle seinem Sitznachbarn zu. „Und der Typ daneben wird ’n Hufflepuff.“ „Blödsinn, der grinst genau wie ein Gryffindor...“ „Ruhe bitte!“ Professor McGonagall sah streng zum Ravenclawtisch hinüber. „Ich möchte nicht mehr Zeit als nötig verschwenden. Leona Scamander, bitte kommen Sie hierher.“ Das Mädchen mit den roten Haaren zuckte zusammen, ging langsam zu der Lehrerin und ließ sich auf dem dort bereitgestellten Stuhl nieder. Professor McGonagall setzte ihr vorsichtig den Hut auf den Kopf. Schweigen.
    Die ganze Halle schien den Atem anzuhalten, doch dann... „Hufflepuff!“, rief der Hut. Der gelb- schwarze Tisch applaudierte und Leona ging, sichtlich erleichtert, zu ihnen hinüber. „Edward Scamander!“ Bei ihm dauerte die Entscheidung nicht einmal zehn Sekunden. „Hufflepuff!“ Genau wie seine Schwester, machte Teddy sich auf den Weg zum Hufflepuff-Tisch. Jetzt fehlte nur noch Zoé. Aufgeregt sah ich zu, wie auch ihr der Hut aufgesetzt wurde. Eine Weile blieb es still, dann rief der Hut laut: „Ravenclaw!“ Ich klatschte, genau wie die anderen am Tisch. Zoé setzte den Hut ab und lief an unseren Tisch, wo sie sich ganz am Ende niederließ. Das Essen ging weiter, doch fast jede Person sah ab und zu neugierig zu ihr hinüber. Nachdem ich mit dem Essen fertig war, fasste ich mir ein Herz und ging zu ihr hinüber. „Hallo“, sagte ich. Zoé sah auf und lächelte. „Hallo“, sagte sie verwundert. „Soll ich dir den Gemeinschaftsraum zeigen?“, fragte ich. Zoé nickte. „Danke.“ Sie leerte ihr Glas und stand dann auf. Gemeinsam gingen wir aus der großen Halle und ich erklärte ihr, wie sie zum Ravenclawturm kommen konnte. Zu meiner Überraschung hatte jemand sogar ein weiteres Bett in unseren Schlafsaal gestellt, das dann wohl für Zoé war. Jetzt waren wir eben sechs Personen, statt wie davor fünf. Das spielte ja kaum eine Rolle. Weil Zoé noch ihre Sachen auspacken musste, ging ich wieder nach unten in den Gemeinschaftsraum, wo Leeve Wild gerade von Hanna die Hausaufgabe in Zaubertränke abschrieb. „Und, wie findest du Zoé?“, fragte Hanna neugierig. „Ich glaube, sie ist echt total in Ordnung“, sagte ich wahrheitsgemäß. „Ich meine, sie ist gerade neu nach Hogwarts gekommen, und in Ilvymony sind bestimmt...“ „Ilvermorny“, unterbrach mich Hanna. Ich verdrehte die Augen. „...ein paar Sachen ganz anders. Außerdem ist sie als einzige nach Ravenclaw gekommen und ihr Bruder und ihre Schwester sind beide in Hufflepuff.“ Bevor Hanna etwas antworten konnte, unterbrach uns Leeve. „Hier, danke, Hilary“, sagte er und schob mir Hannas Hausaufgabe hin. Ich runzelte die Stirn. „Nicht meine. Die gehört Hanna.“ Leeve wurde rot, stammelte irgendetwas und verschwand. Hanna grinste. Ich beugte mich zu Hanna hinüber. „Weißt du, irgendwas stimmt doch bei dem nicht!“, flüsterte ich ihr zu. „Manchmal schaut Leeve mich so komisch an... dann wird er immer so rot... Das ist doch total merkwürdig!“ „Ja, seeehr merkwürdig“, antwortete Hanna. Sie grinste immer noch.
    Ich warf ihr einen vernichtenden Blick zu, stand auf und stolzierte aus dem Raum. Leeve war nicht der Einzige, der sich manchmal wirklich sehr merkwürdig benahm...

    17
    ((green)) Kapitel 17 ((egreen)) Mitten in der Nacht wurde ich plötzlich von einem Geräusch geweckt. Leicht benommen schlug ich die Decke zurück und

    Kapitel 17

    Mitten in der Nacht wurde ich plötzlich von einem Geräusch geweckt. Leicht benommen schlug ich die Decke zurück und setzte mich auf. Was war das für ein Laut gewesen? Ein Schauer lief mir über den Rücken und ich schlang meine Decke fest um mich. Die Luft im Raum war bitterkalt und ich fror. Irgendjemand von uns hatte das Fenster offen stehen lassen. Ich sah mich noch einmal um, dann stand ich auf, um das Fenster zuzumachen. Plötzlich ertönte hinter mir ein schriller Summton, gefolgt von einem lauten Rascheln. Ich zuckte zusammen und viel vor Schreck fast aus dem Fenster. Da war es wieder, das Geräusch. Am ganzen Körper zitternd, drehte ich mich um. Es war nichts zu sehen, außer Hanna, Franzi, Luna, Johara und Zoé, die friedlich in ihren Betten schlummerten. Ich lehnte mich gegen die Wand und ließ meinen Blick durch den ganzen Raum schweifen. Nichts Auffälliges zu sehen, aber irgendetwas musste ja wohl diesen Ton verursacht haben! „sssssssssss...“ Das seltsame Summen hatte wieder eingesetzt und wurde immer lauter. Irgendetwas raschelte, gefolgt von einem Poltern. „sssssssssssssssssssssssssssss...“ Ich blieb regungslos stehen. Was. war. das? Der Summton war jetzt am Lautesten. Dann stoppte er kurz, für einen kleinen Moment- und fing wieder an. Etwas Weiches streifte meine Füße und ich schrie auf. Das Mondlicht schien auf den Boden und ich konnte eine kleine haarige Kugel wahrnehmen, die durch den ganzen Raum rollte und dann durch den Spalt der offenstehenden Tür entkam. Ich war zu angespannt, um irgendetwas Anderes zu tun, außer zu Schreien. „Hilary?“ Das Licht eines Zauberstabs erhellte jetzt den Raum und Hanna kam auf mich zu. Ich zitterte immer noch, hörte aber auf zu Schreien. Hanna legte den Arm um mich. „Was ist denn passiert?“ Vom Bett weiter rechts erhob sich eine weitere Gestalt. Es war Zoé. Sie sah mich mit großen Augen an. „Da war irgendetwas, hier im Raum“, erklärte ich. „Ein Tier oder so, keine Ahnung. Ich wurde aufgeweckt, weil dieses Ding so gruselige Geräusche gemacht hat.“ „Was für gruselige Geräusche?“, fragte Zoé. „Kannst du sie mal nachmachen?“ Ich atmete tief durch. „Sssssssssssssss...“ Es hörte sich so echt an, das selbst zusammenzuckte. Zoé sah mich entsetzt an. „Ehrlich?“ Ich nickte. „Ist es gefährlich?“ Ängstlich sah ich mich um. „Das Ding ist da rausgerollt.“ Ich zeigte auf die Tür. „Es war wie so...“ „...eine Kugel? Eine kleine, pelzige, pinke Kugel?“ Zoé sah mich mit großen Augen an. Ich war verwirrt. „Äh... ja! Also...pink... ich weiß nicht“, stotterte ich verdattert. „Ach, du Scheiße“, murmelte Zoé und rannte zu ihrem Koffer, der offen neben ihrem Bett lag. Hektisch warf sie irgendwelche Klamotten auf ihr Bett, bis sie schließlich einen kleinen, leeren Käfig aus dem Koffer herausholte. „Tatsächlich. Er ist weg.“ Sie stand auf.
    „Wer ist weg?“, fragte Hanna. Zoé holte tief Luft. „Knut. Mein Knuddelmuff. Ich hatte ihn in diesem Käfig hier“, sie deutete auf das Drahtexemplar hinter sich, „aber er ist mal wieder entwischt. In Ilvermorny ist er das zwar auch immer, aber da war die Schlafsaaltür immer zugesperrt.“ Sie schwieg. Diese Gelegenheit nutzte ich, um nachzufragen, was denn ein Knuddelmuff war. „Das ist ein kleines, pelziges, rundes Tier, meistens vanillefarben, pink oder hellrosa. Sie sind mega süß, aber ernähren sich hauptsächlich von Staub und ähm... Schnodder. Wahrscheinlich war Knut gerade wieder auf der Suche nach Nahrung. Das Summen ist so eine Art Erkennungszeichen von ihnen.“ „Ach so“, sagte ich und wurde rot. Und davor hatte ich mich so erschrocken, dass ich alle aufgeweckt hatte! Wie peinlich... „Tut mir leid“, meinte ich zerknirscht. Zoé schüttelte den Kopf. „Es ist meine Schuld. Ich muss besser aufpassen. Aber... helft ihr mir vielleicht suchen?“ Hanna und ich nickten sofort. „Wo könnte er denn überall sein?“, fragte Hanna.
    Zoé seufzte. „Wenn wir Glück haben, steckt er im Gemeinschaftsraum“, sagte sie. „Wenn wir Pech haben, irgendwo in einem Jungenschlafsaal oder in der ganzen Schule. Aber ich muss ihn finden... Der Arme, hoffentlich passiert ihm nichts.“ Zoé schnappte sich ihren Zauberstab und vorsichtig, um niemanden aufzuwecken, schlichen wir uns hinunter in den Gemeinschaftsraum. Durch die großen Fenster schien das Mondlicht in den Raum hinein und erhellte das leere Zimmer. Auch die Sterne, die an der Decke die verschiedenen Sternbilder zeigten, leuchteten so stark, dass wir unsere Zauberstäbe nicht benutzen mussten. Ich ging zu den Bücherregalen hinüber und begann, dort nach Knut zu suchen. Als ich gerade das fünfte Regal kontrollierte, schrie Zoé von der anderen Seite des Raums plötzlich auf. „Da!“ Sie stürzte zur Türe, und rannte aus dem Raum. Verblüfft stand ich auf und sah zu Hanna, die gerade unter einem Sofa hervorgekrochen kam. Zoé musste ihren Knuddelmuff entdeckt haben. Gemeinsam liefen wir Zoé hinterher, die Wendeltreppe hinunter, bis wir dann in einem der Hogwarts-Flure standen. Von Zoé war nichts zu sehen. Von einem pinken Knuddelmuff auch nicht. Verdammt... „Wo kann sie denn nur hin sein!“, seufzte Hanna. „Naja, wenn wir jetzt mal annehmen, dass beide nicht aus dem Fenster gesprungen sind oder in ein Klassenzimmer gelaufen sind können sie ja eigentlich nur nach links oder rechts gelaufen sein. „Ach nee“, bemerkte Hanna sarkastisch, „das ist ja mal eine ganz neue Erkenntnis.“ Sie sah mich grinsend an. „Nur Spaß.“ Ich wollte gerade etwas entgegnen, da hörte ich plötzlich ein Geräusch. Es war der Summton des Knuddelmuffs, und er kam ganz eindeutig von rechts. Sofort rannte ich los, den Flur entlang, bog um eine Ecke- und knallte mit Wucht in irgendjemanden hinein. Ein lautes Krachen, Scheppern und Poltern ertönte. Ich schwankte und konnte mich gerade noch an Hannas Hals festhalten, sonst wäre ich umgefallen. Die Person, in die ich gerannt war, hatte nicht so viel Glück. Sie war nicht nur auf den Boden gefallen, sondern auch gegen eine Ritterrüstung gestoßen und dabei den Brustpanzer der Rüstung mit Wucht auf die Nase bekommen. Ich ließ Hanna los und lief zu der Person. Es war Edward, der Bruder von Zoé. Er sah sich um. „Tut mir leid“, stammelte er, als er uns sah. Dabei war es ja eigentlich ich gewesen, der in zusammengerannt hatte. Der Junge stand auf. „Ich bin Edward, aber ihr könnt mich einfach Teddy nennen“, stellte er sich vor und schob mit dem Fuß die Teile der zerbrochenen Ritterrüstung beiseite. „Ich bin Hilary und in Ravenclaw“, antwortete ich. „Und ich bin Hanna. Ich bin auch in Ravenclaw. Was machst du hier?“, fragte Hanna. Teddy runzelte die Stirn. „Das kann ich euch genauso gut fragen.“ „Wir suchen deine Schwester“, offenbarte ich ihm. „Hast du sie zufällig gesehen?“ Teddy riss die Augen auf. „Leo oder Zoé?“ Ich verdrehte die Augen. „Rate mal.“ Teddy seufzte. „Aber warum ist Zoé denn... Ist sie auch irgendwo hier im Schloss?“ Hanna nickte. „Wir suchen Knut den Knuddelmuff, der ist Zoé nämlich entwischt.“ Ich war sehr dankbar, das sie meinen „Anfall“, oder wie man es nennen wollte, nicht erwähnte. Teddy sah bestürzt drein. „Oh je, das kann dauern. Zoé hängt sehr an Knut.“ „Also, eben noch haben wir ihn hier summen gehört!“, sagte ich. „Er muss irgendwo hier sein.“ „Vollkommen richtig!“ Das war Zoé gewesen. Ich zuckte zusammen, genau wie Teddy und Hanna. Hinter uns trat Zoé aus dem Schatten, wo sie gestanden war. „Ich hab ihn gefunden.“ Ich sah zu ihr hinüber und tatsächlich- auf dem Arm hatte sie das süßeste kleine Wesen, dass ich je gesehen hatte. Eine kleine, pinkfarbene Kugel- unvorstellbar, dass ich davor Angst gehabt hatte! „Er ist einfach in...“ Zoés Augen weiteten sich. „Was machst du denn hier?“ Teddy wurde rot. „Naja, ähm... also...“ Zoé sah ihn auffordernd an. „Ich hab mich verlaufen“, gab Teddy zu. „Ich finde den Gemeinschaftsraum nicht mehr und wollte...“ „Pssst!“, zischte Hanna auf einmal. „Hört ihr das?“ Ich lauschte. Tatsächlich, ich hörte Schritte und das Miauen einer Katze. Das konnte nur Einer sein. „Filch!“, zischte ich. Zoé und Teddy sahen mich verwundert an. Klar, sie wussten nicht, welche Gefahr er darstellte. „Kommt mit“, flüsterte ich, „außer ihr wollt gerne mal die Pokale im Pokalzimmer polieren und 200 Hauspunkte verlieren!“ Zoé und Teddy sahen mich verständnislos an, aber zumindest beeilten sie sich, hinter mir und Hanna herzukommen. Ich konnte schon Filchs schwere Schritte auf dem Flur hören und ein unfreundliches Brummen, fast schon ein Knurren. „Lauft!“ Ich rannte los, den Weg, den Hanna und ich gekommen waren, zurück, immer geradeaus, dann eine schmale Treppe hinunter in den ersten Stock. Irgendwo hinter uns konnte ich sogar Mrs. Norris‘ Maunzen vernehmen. „Schnell“, rief Hanna und öffnete eine Tür. Ich schlüpfte schnell in den Raum und presste mich neben Teddy und Hanna an die Wand, möglichst ohne ein Geräusch. Dann erst sah ich mich um, wo wir gelandet waren: Es war das Klo der maulenden Myrthe. Ganz große Klasse. Ich schloss die Augen. Wenn sie jetzt kam, waren wir so gut wie erledigt. Ich traute ihr das Verpetzen von uns an Filch genauso zu wie ein Versuch, uns die ganze Nacht hierzubehalten. Eine Nacht im Klo der maulenden Myrthe- das war so ziemlich das Schrecklichste, was ich mir vorstellen konnte. Draußen hörte ich Filchs schwere Lederstiefel auf dem Boden und einen Moment lang dachte ich, er würde wirklich hier hinein kommen wollen. Aber zum Glück hatte ich mich getäuscht. Seine Schritte wanderten den Flur hinunter, so lange, bis sie nicht mehr zu hören waren. Ich atmete tief durch. Diese Nacht war vielleicht aufregend. Ich sah zu den anderen. Zoé streichelte ihren Knuddelmuff und Hanna erläuterte Teddy den Weg zum Hufflepuff- Gemeinschaftsraum.Ich musste gähnen. Wie müde ich jetzt wieder war, nach diesem kurzen Abenteuer. Denn anderen ging es genauso. Wir verabschiedeten uns von Teddy und liefen gemeinsam, so leise wie möglich, zurück zum Ravenclaw-Turm und unseren Himmelbetten.
    Erschöpft kuschelte ich mich unter meine Decke und seufzte. Morgen würde ich todmüde sein. Hoffentlich hatte Professor McGonagall nichts besonders Schweres vor... Doch bevor ich weiter über den bevorstehenden Tag nachdenken konnte, waren mir auch schon die Augen zugefallen und ich schlief tief und fest.

    18
    ((green))Kapitel 18((egreen)) „Expelliarmus!“ Meine Hand zuckte verdächtig, doch der Zauberstab, den ich umklammerte, hatte sich kaum bewegt. „

    Kapitel 18

    „Expelliarmus!“ Meine Hand zuckte verdächtig, doch der Zauberstab, den ich umklammerte, hatte sich kaum bewegt. „Probier es noch einmal!“ Aufmunternd lächelte ich Franzi zu. Diese seufzte und ging ein paar Schritte zurück. Breitbeinig stellte sie sich vor das Bücherregal und hob den Arm. Mit einer raschen Bewegung schwang sie ihren Zauberstab durch die Luft. „Expelliarmus!“ Diesmal hatte ich deutlich mehr Mühe, meinen Zauberstab noch festzuhalten: Er rutschte nach vorne und wäre um ein Haar meiner Faust entkommen. „Du wirst schon besser!“, lächelte ich Franzi zu. Sie hatten den Zauberstab sinken lassen und stand jetzt, heftig keuchend, vor mir. „Du schaffst das schon...“ Franzi stöhnte und ließ sich in einen Sessel sinken. „Naja... nee...“, murmelte sie. Ich lief zu ihr hinüber und quetschte mich neben sie. „Gib nicht auf. Das letzte Mal war doch ganz gut.“ Franzi seufzte. „Was man von den 5000 Malen davor nicht behaupten kann.“ Ich verdrehte die Augen. „Du wirst nur besser, wenn du übst.“ Franzi zuckte die Schultern. „Ich habe mal irgendwo etwas von einem Lernzauber gelesen. Mit dem kann man dann offenbar alles von selbst.“ „Ja, aber der ist in Hogwarts bestimmt nicht zugelassen“, erklärte ich. Franzi seufzte. „Schade.“ Ich nickte und stand mit einem Blick auf meine Uhr wieder auf. „Tut mir leid, Franzi, aber ich muss in die Bibliothek“, seufzte ich. „Ich bin erst bei der Hälfte von meinem Aufsatz für Snape, und du weißt ja, was er mir für eine Note gibt, wenn ich nicht fertig bin.“ Franzi nickte. „Kein Problem.“ Sie lächelte. „Ich übe eben mit Luna weiter, bis es klappt. Wenn ich sie finde...“ Franzi stand auf, winkte mir zu und machte sich auf die Suche nach ihrer Cousine. Mir kam das nur Recht.
    Schnell schnappte ich mir Tinte, Feder und mein Pergament und verließ den Gemeinschaftsraum. Eilig lief ich die Treppen hinunter.
    „Aaaatacke!“ Ein Stapel Pergament donnerte von der Decke und begrub mich fast gänzlich unter sich. Oh Nein, doch nicht... Wütend und beschämt befreite ich mich aus dem Blätterhaufen und sah wütend und mit funkelnden Augen zu Peeves, der an der Decke schwebte und sich schlapp lachte. „Lass das!“, schimpfte ich, obwohl ich sowieso wusste, dass das umsonst war. Der Poltergeist war wirklich unberechenbar. Ich hob meine Sachen vom Boden auf, strich mir die Haare glatt und sah nach oben. Peeves kicherte immer noch. „Sei still“, schnauzte ich ihn an, drehte mich um und lief über den Gang davon. Peeves höhnisches Gelächter ließ ich hinter mir. Als ich in die Bibliothek trat, atmete ich auf. Außer mir war nur eine blonde Sechstklässlerin aus Ravenclaw da, die ein dickes Buch über Traditionen und Sitten von Muggel las. Erleichtert legte ich meine Sachen auf einen Tisch, setzte mich und holte den Aufsatz für Zaubertränke hervor. Ich seufzte, als ich meinen Aufsatz betrachtete: Das ganze Pergament wimmelte von Tintenflecken und Stellen, an denen ich Geschriebenes wieder durchgestrichen hatte. Das musste ich noch einmal sauber abschreiben, wenn ich ein mindestens ein E bekommen wollte... Ich seufzte und machte mich an die Arbeit. Glücklicherweise fehlte gar nicht mehr so viel. Nach einer halben Stunde hatte ich den gesamten Aufsatz ordentlich auf das Pergament gebracht, und das Gefühl, die wichtigsten Fakten eingebaut zu haben. Es war nicht einfach, bei Snape eine gute Note zu bekommen, und vor allem bei Aufsätzen war ein O nahezu unmöglich. Außer man war natürlich ein Slytherin. Snape bevorzugte sein Haus so sehr, dass ich mich wunderte, warum er hier noch Lehrer war. Er war so unfair, vor allem den Gryffindors gegenüber, aber auch wir und Hufflepuffs hatten Grund, uns zu beklagen. Snape konnte selbstverständlich nicht einfach einem total schlechten Slytherin-Zaubertrank ein O geben, aber er „übersah“ bei den Slytherins regelmäßig kleine Dinge, wie eine Abweichung des passenden Farbtones oder dergleichen, für diese er uns anderen glatt einen Punkt abzog. Ich konnte Cécilias hämisches Gesicht, das sie immer dann zog, wenn ich schlechter war als sie (was zum Glück aber nicht oft vorkam), schon gar nicht mehr ertragen. Dieser Aufsatz musste gut werden, mindestens so gut wie ihrer. Ich legte die Feder aus der Hand und las mir noch ein letztes Mal durch, was ich geschrieben hatte. Hatte ich alles Wichtige auf das Pergament gebracht? Ich seufzte und sah auf die magische Armbanduhr, die ich von meinen Eltern zu Weihnachten bekommen hatten. Die silbern glänzenden Zeiger zeigten Fünf nach Fünf. Da hatte ich ausnahmsweise ja noch Zeit! Ich packte den Aufsatz in meine Tasche, stand auf und schlenderte zu den Bücherregalen. Reihenweise standen sie vor mir, jedes gefüllt mit unzähligen Büchern. Wann hatte ich das letzte Mal ein Buch gelesen, ohne dass ich es für den Unterricht gebraucht hatte? Es schien schon ewig her zu sein. In letzter Zeit hatte ich nur wenig Freizeit gehabt, da ich hauptsächlich Quidditch geübt hatte. Davies hatte nach den Ferien an sechs Abenden in der Woche Quidditchtraining angesetzt. Doch es hatte nichts gebracht. Erst vor wenigen Tagen hatten wir gegen Gryffindor gespielt- und verloren.
    Ich seufzte frustriert, als ich an das Spiel dachte. Gryffindor war eine sehr starke Mannschaft und ich hatte unsere Gegner deutlich unterschätzt. Na ja- zumindest hatten wir ein paar Tore doch noch erzielen können. Es war sehr schade, dass wir verloren hatte, aber ehrlich gesagt, gönnte ich auch Gryffindor den Erfolg. Wenn ich mir die strahlenden Gesichter von Flame und Ginny ansah und daran dachte, wie das letzte Spiel für Harry geendet hatte, dann war ich mir sicher, dass Gryffindor den Sieg verdient hatte. Ohnehin- jetzt konnte es ja sowieso keiner ändern.
    Ich lief das Bücherregal entlang und ließ dabei meinen Blick über die Buchtitel auf den Buchrücken gleiten. Tanz- und Musikzauber für Anfänger – Tausend Zauber für jede Gelegenheit– Teesatz und Kristallkugeln: Wahrsagen für jedermann – ...
    Hier war noch nichts für mich dabei. Ich ging ein paar Schritte weiter und strich mit meinen Fingern vorsichtig über das Leder und Pergament. Theophrastus Bombastus Paracelsus - was für ein Name- Thestrale - Tilly Toke - Tischzauber-... Ich stockte und blieb stehen. Moment mal... Da war etwas gewesen. Ich ergriff mit meinen Fingern den dünnen Band über Thestrale und zog ihn aus dem Regal. Das Holz knarrte und eine riesige Staubwolke wirbelte mir entgegen. Staub stieg mir in die Nase und ich musste niesen. Das Buch war wohl schon seit längerem nicht mehr gelesen worden. Vorsichtig ging ich zu meinem Tisch, legte ich das Buch darauf und setzte mich auf den Stuhl. Der Band war älter, als ich zuerst gedacht hatte und sah bereits sehr mitgenommen aus: Der Rücken war stark eingerissen, die goldenen Buchstaben, mit denen der Titel auf das Cover gedruckt worden war, verblassten schon und die Seiten waren gelb.
    Ich drehte den einfarbig dunkelblauen Band um, in der Hoffnung, dort noch eine Inhaltsangabe zu finden, doch dort stand nichts. Thestrale. Ich hatte mir schon länger einmal vorgenommen, ein Buch über diese Tiere zu lesen, weil ich mehr über diese gruseligen Pferdewesen erfahren wollte, aber ich war nie dazugekommen. Jetzt war der perfekte Augenblick.
    „Ähm...“ Ein lautes Räuspern ließ mich hochfahren. Hinter meinem Stuhl stand die blonde Sechstklässlerin aus Ravenclaw. Auf ihren Armen balancierte sie einen riesigen Stapel Bücher, und ihr Gesicht hatte sie zu einer abwertenden Grimasse verzog. „Also, ich würde das ja nicht lesen“, sagte sie und nickte mit dem Kinn zu meinem Buch. „Die kannst du ja eh nicht sehen.“ Ich runzelte die Stirn. „Was... wieso darf ich es nicht lesen?“ Die Schülerin warf ihre langen blonden Haare zurück. „Ich habe nicht gesagt, dass du es nicht lesen darfst, ich habe dir bloß geraten es nicht zu tun. Ein gut gemeinter Ratschlag.“ „Aber warum soll ich es nicht lesen?“ Die Schülerin seufzte. „Hör einfach auf mich und tu es nicht.“ Ich sah sie verwirrt an und sie ergänzte: „Gruselige Texte, gruselige Bilder...“ Als ich nichts erwiderte, zuckte sie die Schultern. „Na schön. Aber ich hab dich gewarnt.“ Ohne mich noch einmal anzusehen, stolzierte sie davon und schlug die Tür mit einem Knall zu. Ich sah ihr hinterher. Was konnte an einen Buch so schlimm sein? Warum... Ich sah unschlüssig zu dem Buch. Sollte ich es öffnen, oder sollte ich es lassen? Ich dachte nach und kam zu dem Entschluss, dass ich nur die allererste Seite aufschlagen würde, und dann entscheiden würde, ob ich weiterlesen würde. Das konnte doch nicht so schlimm sein... Dachte ich.
    Als ich die erste Seite aufschlug, blieb mir fast das Herz stehen. Von der Mitte der Doppelseite starrten mir zwei riesige Augen entgegen, beide blutunterlaufen, und aufgequollen. Die Augen gehörten zu einem riesigen skelettartigen Wesen, Moder und Schimmel überzogen die Knochen und vereinzelte Hautfetzen hingen wie Lappen an dem Tier herunter. Die Flügel waren im Vergleich dazu winzig. Ein grauenhafter Anblick- und vollkommen übertrieben. Wer auch immer dieses Bild gemalt hatte, musste keine Ahnung gehabt haben, wie ein Thestral wirklich aussah. Moder und Schimmel hatte ich an keinem Thestral je entdecken können. Mir waren die Knochen im Gegenteil immer gespenstisch weiß glänzend vorgekommen. Der Thestral senkte den Kopf und warf ihn in die Höhe. Seine Augen rollten hin und her. Das musste die ältere Ravenclaw- Schülerin mit gruseligen Bildern gemeint haben. Doch jetzt, auf den 2. Blick und weil ich wusste, wie ein Thestral wirklich aussah, wirkte das Ganze eher... lächerlich. Ich blätterte um. Wieder ein Bild, wieder völlig übertrieben schrecklich. Ich blätterte weiter und stellte fest, dass sich auf den zwanzig Seiten ausschließlich Bilder befanden. Keines von ihnen sah wirklich aus wie die Tiere, die die Kutschen in Hogwarts zogen. Der Text begann erst auf der vorletzten Seite. Die Buchstaben waren klein und standen eng beieinander. Ich bezweifele mittlerweile, dass dieses Buch wirklich ein paar nützliche Informationen über Thestrale enthielt, begann aber trotzdem, zu lesen.


    Thestrale: Omen des Todes
    Die ersten Aufzeichnungen von Thestralen sind nicht genau datiert, doch schon vor vielen hundert Jahren wurden vereinzelt „große, schwarze, skelettartige Pferde“ beschrieben. Vor allem in der Nähe von dunklen Wäldern wurden die blutrünstigen Tiere gesichtet. Laut Erzählungen besitzen die Tiere „pupillenlose, blutige Eieraugen und einen Kopf wie der einer Schlange.“ Auch in diesen Erzählungen gilt der Thestrahl schon als Schattenwesen der Totenwelt. Die Ministeriums-Klassifizierung beträgt 4, der Umgang ist nur entsprechend ausgebildeten Zauberern gestattet. Thestrale sind Fleischfresser, und bevorzugen rohes Fleisch von wilden Tieren und ihr Orientierungssinn ist bemerkenswert. Doch was sie auszeichnet und zu den Omen des Todes macht, ist die Tatsache, dass sie nur von denjenigen gesehen werden können, die bereits mindestens eine Person sterben haben sehen...



    Mit einem Poltern fiel das Buch zu Boden und ich begann zu zittern. Das konnte nicht sein. Das durfte nicht sein. Das war unmöglich.
    „Hilary?“ Ich drehte mich um, immer noch zitternd und mit weit geöffneten Augen. Hinter mir stand Luna. Ihre großen, blauen Augen glänzten und ihre Haare schimmerten golden. Sie streckte den Arm aus und sah mich ernst an. „Komm mit“, sagte sie. „Ich will dir was zeigen.“

    19
    ((green)) Kapitel 19 ((egreen)) Draußen schneite es. Viele kleine Schneeflocken wirbelten durch die Luft, bedeckten meinen Umhang, meine Arme und mei


    Kapitel 19

    Draußen schneite es. Viele kleine Schneeflocken wirbelten durch die Luft, bedeckten meinen Umhang, meine Arme und meine Tasche. Es wehte ein eisiger Wind, und ich hatte mich fest in meinen Umhang gewickelt, um mich vor dem kalten Winterwetter zu schützen. Meine Schritte knirschten auf dem Schnee, und ich sank bis zu den Knöcheln ein. Luna schien das alles nichts auszumachen. Sie ging direkt vor mir in Richtung des verbotenen Waldes und es schien sie kein bisschen zu stören, dass der Schnee sie fast komplett bedeckte, der Wind ihre Radieschenohrringe hin und her wehte und es eisig kalt war. Eilig lief sie durch den Schnee. Ich hatte einige Mühe, mit ihr mitzuhalten. Was wollte Luna mir nur zeigen? Ich war ziemlich verwirrt. Das merkwürdige Buch hatte ja behauptet, dass ich schon mal einen Menschen sterben gesehen hatte. Ich hatte noch nie in meinem Leben einen Menschen sterben sehen. Zum Glück. Ich wollte nicht mit Menschen tauschen, die diese Erfahrung gemacht hatten. Es musste schrecklich sein, egal ob der Mensch einem nahe gestanden war oder nicht. Ein furchtbares Erlebnis. „Wir sind gleich da!“ Luna hüpfte über einen umgefallenen Baumstamm und lief in den Wald hinein. Ich blieb zitternd stehen. In den verbotenen Wald? Was wollten wir denn hier? „Luna?“, rief ich. Sie blieb nicht stehen, wahrscheinlich hatte sie mich nicht gehört. Sollte ich wirklich in den verbotenen Wald gehen? Meine Erfahrung hatte mich gelehrt, dass es klüger war, dieses Gebiet zu meiden. Ich seufzte und setzte mich langsam wieder in Bewegung. Trotz allem war Luna meine Freundin und ich vertraute ihr. Ich stampfte durch den schmutzigen Schnee und quetschte mich zwischen zwei Sträuchern hindurch. Auf einer kleinen Lichtung stand Luna und sah mich mit ihren großen blauen Glupschaugen an. „Geht’s?“ Mitfühlend sah sie mich an. Ich sah irritiert an mir hinunter. Ich war voll mit Eis und Dreck und musste wohl mittlerweile einem wandelnden Schneehaufen gleichen. Meine Finger waren rot und durchgefroren. Rasch streckte ich die unter den Umhang. „Klar“, sagte ich. Neugierig sah ich mich um. „Wo sind wir hier?“ Luna runzelte die Stirn. „Na, im verbotenen Wald!“ Sie lächelte und zog ihre Tasche von der Schultern. „Weißt du, Lil, Thestrale sind eigentlich ganz freundliche Tiere. Sie können nicht viel dafür, dass sie so sind, wie sie sind.“ Aufmerksam sah ich mich um. „Du willst mir die Thestrale zeigen?“, fragte ich gespannt. Luna nickte und öffnete ihre Tasche. Ich sah zu den dunklen, dicht nebeneinanderstehenden Bäumen. Mit einem Schaudern dachte ich daran, was Hagrid, Professor Dumbledore und die älteren Schüler uns über die Tiere und Zauberwesen hier erzählt hatten. Zum Glück befanden wir uns noch am Rand des Waldes, ich konnte sogar durch das wilde Schneetreiben immer noch Hagrids Hütte erkennen, die windschief im Schutz von ein paar Bäumen stand. Aus dem Schornstein dampfte es, und grauer Rauch stieg auf, bis er schließlich vom Wind in Fetzen gerissen wurde. „Hilary?“, fragte Luna. Ich sah auf. Vor mir stand ein Thestral und starrte mich mit seinen milchigen weißen Augen an. Ich erschrak und sah ängstlich zu dem großen Wesen. Der Thestral senkte den Kopf, schnaubte und scharrte mit einem Huf am Boden. Hoffentlich würde er mir nichts tun... Ich trat einen Schritt zurück. Ich hatte die Thestrale längst nicht so angsteinflößend in Erinnerung gehabt. Das Tier, das vor mir stand, wandte sich ab, und schnupperte an Lunas Tasche. Ich wollte gar nicht so unbedingt wissen, womit sie die Thestrale angelockt hatte. „Luna! Hilary!“ Ich drehte mich um. Zwei Gestalten rannten durch die Bäume auf uns zu. Es waren Hanna und Franzi, beide atemlos und von Schnee bedeckt. Ich ging ihnen ein paar Schritte entgegen. Oh Nein, schoss es mir durch den Kopf, sicher hatten sie uns lange gesucht. „Hanna, Franzi...“ Mit einem Schlittern kamen beide vor uns zum Stehen. Während Franzi furchtbar keuchte, war Hanna wütend. „Was... um alles in der Welt... macht ihr hier?“, fragte sie zähneklappernd. Ich sah mich um. Mittlerweile waren es schon zwei Thestrale, die vor Luna standen und ihr irgendetwas aus der Hand aßen. „Also...“, fing ich an. Dann fiel mir ein, dass Hanna die Thestrale wahrscheinlich nicht sah. Ich deutete auf die beiden Tiere neben Luna. „Ähm- siehst du die?“ Hanna kniff die Augen zusammen und funkelte mich wütend und verständnislos an. „Sehe ich was?“ „Na, die Thestrale!“ Hanna starrte zu Luna hinüber. „Ich sehe einen Wald, in dem Unmenge von Monstern lauern, eine Tonne Schnee und Luna, die...“ Sie brach ab. „Luna, was machst du da? Was ist... äh... ein Thres- Thest- Thestral?“ Ich schluckte. Hanna sah die Tiere wohl wirklich nicht. Franzi jedoch schien etwas zu bemerken. „Thestrale? Wirklich?“ Sie sah mich verwundert an. „Siehst du sie auch?“ Ich nickte. „Du auch?“ Franzi schüttelte den Kopf und sah mich neugierig an. „Luna hat mir schon letztes Jahr von ihnen erzählt. Das es hier angeblich diese Pferde gibt... und nur sie sie sehen kann.“ Ich nickte. „Genau.“ Franzi ging zu Luna hinüber und tastete mit ihrer Hand in der Luft herum. Ich kicherte ungewollt. Das sah wirklich ziemlich komisch aus. Ich konnte es mir kaum vorstellen, wie es war, wenn man die Thestrale nicht sah. „Wo ist einer?“, fragte die. Ich deutete nach links. „Ein bisschen weiter dahin- und weiter nach oben, Thestrale sind größer.“ Franzi folgte meinen Bewegungen und legte ihre Hand schließlich auf den skelettartigen Rücken. „Fühlt sich komisch an“, gab sie zu. Ich trat neben sie. „Moment Mal!“ Hanna sah verwirrt in die Runde. „Wie- was ist da?“ „Ein Thestral“, antworteten Franzi und ich im Chor. Hanna kam zögerlich zu uns. „Warum sind sie unsichtbar? Beißen sie?“ Ich schüttelte lachend den Kopf. „Glaube nicht.“ Das ich vor fünf Minuten noch dasselbe gedacht hatte, verschwieg ich. Franzi ging zu Hanna hinüber und erklärte ihr flüsternd alles, was sie über Thestrale wusste. „Tote Menschen? Aber...“ Hannas Blick glitt zu mir und ich senkte den Kopf. „Ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte“, gab ich zu. „Wie, du weißt es auch nicht?“ „Ich habe noch nie eine Person sterben gesehen. Oder tot, oder so. Warum sollte ich auch? Ich habe keine Ahnung, warum ich die Thestrale sehe.“ Hanna runzelte die Stirn. „Komisch.“ Ja, das fand ich auch. „Aber wir müssen euch auch etwas erzählen“, unterbrach Franzi das Gespräch. Hanna nickte. „Genau.“ Verwundert sah ich zu Hanna. „Was denn?“ Hanna seufzte. „Es geht um Hagrid und seinen Hippogreifen.“ „Sein Hippogreif? Du meinst...“ Ich überlegte, aber der Name fiel mir nicht ein. „Seidenschnabel“, half mir Franzi. „Ach ja.“ Ich erinnerte mich. Ganz am Anfang des Schuljahrs hatte Hagrid uns den Hippogreifen gezeigt. Und war da nicht noch etwas gewesen? „Ihr wisst ja, das Hagrid jetzt Pflege magischer Geschöpfe unterrichtet“, begann Hanna. Ich nickte. „Klar.“ Auch Luna nickte und sah verträumt zu den Schneeflocken, die vom Himmel fielen.„In der dritten Klasse wollte er etwas Besonderes machen, und zwar wollte er Seidenschnabel vorführen. Und er hat eigentlich auch nichts so Gefährliches machen wollen. Aber irgendwas ist schiefgelaufen und Seidenschnabel...“ „...hat Malfoy an der Hand verletzt“, ergänzte ich. „Weswegen er sich mehrere Monate lang davor gedrückt hat, Quidditch zu spielen.“ Hanna nickte. „Genau. Aber anscheinend nicht nur das. Malfoy ist natürlich sofort zu seinem Vater gerannt und hat ihm alles haarklein erzählt. Alles total übertrieben, natürlich. Er meinte sogar, der Hippogreif hätte ihn attackiert und fast zerfleischt oder so. Und weil Malfoys Eltern Hagrid sowieso nicht leiden können, und sein Vater einer der Schulräte ist, haben sie - und jetzt haltet euch fest- sich entschieden, dass wegen Seidenschnabel irgendein Prozess stattfindet. Schlimmstenfalls wird Seidenschnabel... wird er... geköpft.“ Sie schwieg. Ich war entsetzt. „Aber das war doch nur ein Kratzer am Arm, soweit ich das mitbekommen habe!“, rief ich ärgerlich. „Malfoy hat ja echt nicht mehr alle beisammen... Der hätte wirklich mal einen Locomotor Mortis verdient. Wenn nicht sogar die Ganzkörper- Klammer.“ Franzi nickte traurig. „Der Arme.“
    Eine Weile lang schwiegen wir alle betreten. Dann meldete sich Hanna wieder. „Ich bin dafür, dass wir jetzt wieder ins Schloss gehen“, schlug sie vor. „Mir frieren hier fast die Zehen ab, und eiskalt ist mir auch. Überlegen können wir ja sowieso besser im Gemeinschaftsraum.“ Der Vorschlag wurde mit allgemeiner Zustimmung begrüßt, da es bereits dämmerte. Luna packte ihre Tasche, verabschiedete sich von den Thestralen und gemeinsam stapften wir durch den Schnee in Richtung Schloss. Uns alle beschäftigte nur eine Frage: Womit konnte man nur Seidenschnabel helfen? Oder wie konnten wir es Malfoy heimzahlen...

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    ((maroon)) Wichtig! ((emaroon)) ((small))((unli)) Abstimmung Wahlfächer ((eunli)) Wie ihr alle wisst, gibt es in Hogwarts ja die Wahlfächer, die in
    Wichtig!

    Abstimmung Wahlfächer

    Wie ihr alle wisst, gibt es in Hogwarts ja die Wahlfächer, die in den Osterferien des 2. Jahrgangs gewählt werden. Zur Auswahl stehen:


    •Wahrsagen
    •Pflege magischer Geschöpfe | | | |
    •Arithmantik | |
    • Alte Runen | |
    • Muggelkunde Wobei Hilary ja bei Muggeln aufgewachsen ist...Was also prinzipiell keinen Sinn macht.


    Ich hatte die Idee, dass ihr mir bei der Wahlfächerwahl helfen könnt. Wahrscheinlich werde ich Wahrsagen nehmen, weil ich irgendwie große Lust habe, dieses Fach zu beschreiben, sicher bin ich mir aber nicht. Dann fehlt noch das 2. Fach
    und ich kann mich einfach kein bisschen entscheiden. Es sind ja alle interessant Fächer...
    Außerdem geht es ja darum, was ihr zum Lesen bekommt, und ich will ja, dass es euch interessiert. Also ab in die Kommentare mit eurer Wahl! 😃



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    ((green)) Kapitel 20 ((egreen)) „...und sein Vater hat organisiert, dass Seidenschnabel als gemeingefährlich gilt, und die anderen Schulräte wohl
    Kapitel 20

    „...und sein Vater hat organisiert, dass Seidenschnabel als gemeingefährlich gilt, und die anderen Schulräte wohl dazu überredet, das Ministerium zu informieren. Und jetzt soll er... soll er...“
    „...hingerichtet werden“, ergänzte Zoé. Ich senkte den Kopf. „Erst wird entschieden, ob er verurteilt werden soll. Nur wenn das der Fall ist, dann wird er... hingerichtet. Also besteht noch etwas Hoffnung.“ Alle schwiegen. Ein Wassertropfen fiel von der Decke auf mein Bein und ich wischte ihn achtlos weg.
    „Dieser Malfoy ist so ein Idiot!“ Ginny meldete sich jetzt auch erstmals zu Wort. Ihre Augen funkelten wütend. „Seidenschnabel hat doch nur getan, was jeder andere Hippogreif auch in dieser Situation getan hätte.“ „Stimmt, Malfoy ist selbst schuld, wenn er nicht auf Hagrid hören will. Hagrid hat doch deutlich gesagt, dass man warten muss, bis der Hippogreif sich selbst vor einem verneigt hat.“, ergänzte Flame. „Und Seidenschnabel muss dran glauben. Das ist doch unfair! Wir müssen irgendetwas tun.“ Flame verschränkte entschlossen die Arme. Ich nickte. Zusammen mit Hanna, Franzi, Zoé, Ginny und Flame hatte ich mich in das Klo der maulenden Myrthe geschlichen, wo wir jetzt, eng zusammengedrängt, neben den Waschbecken auf dem schmutzigen und feuchten Boden saßen. Es war der einzige Ort in Hogwarts, bei dem wir uns ungestört unterhalten konnten, denn kaum ein Schüler stattete dieser Toilette jemals einen Besuch ab.
    Jetzt von jemanden unterbrochen oder belauscht zu werden, das konnten wir gar nicht brauchen.
    Myrthe war glücklicherweise im Moment nicht da, vermutlich um (laut Flame) irgendwelche Jungen im Bad der Vertrauensschüler zu stalken. Das Einzige, was uns passieren konnte, war, dass irgendjemand uns von außen hörte. Deshalb mussten wir leise sprechen. Seit ich vor knapp zwei Wochen von Franzi und Luna Seidenschnabels Schicksal erfahren hatte, ließ mich das nicht mehr los, und ich hatte zuerst Ginny und Flame, dann eben auch Zoé davon erzählt. Auch diese drei waren empört gewesen, als sie von der Geschichte erfahren hatten.
    Denn selbst wenn Seidenschnabel „nur“ ein Hippogreif war, sterben -und vor allem unschuldig- sollte er auf gar keinen Fall.
    „Wir müssen uns an Malfoy rächen“, erklärte Flame. Ein kleines, heimtückisches Lächeln stahl sich auf ihr Gesicht. „Irgendetwas, woran er sich noch Jahrelang erinnert.“ Zoé zog eine Augenbraue nach oben.
    „Wie stellst du dir das vor?“
    „Na ja...“ Flame runzelte die Stirn. „Wir organisieren etwas richtig Peinliches. Etwas, worüber auch die ganze Schule so richtig lachen kann.“ Erwartungsvoll sah sie in die Runde. „Habt ihr irgendwelche Ideen?“
    Franzi kaute nachdenklich auf ihrer Lippe herum und auch ich begann zu überlegen. „Wir könnten ihm seine Haare pink färben und ihm eine Mädchenstimme verpassen“, schlug Ginny vor. „Oder wartet mal- wir könnten ihm einen Heuler schicken oder...“ „Warte mal“, unterbrach Flame Ginny, „wir können auch einen singenden Zwerg nehmen, so wie Lockhart letztes Jahr am Valentinstag. Den ganzen Tag lang, ein Zwerg, der ihm die ganze Zeit hinterher läuft. Am besten eine ganze Woche lang.“ Zoé, Hanna und ich kicherten. Ginny wurde feuerrot im Gesicht. Ich erinnerte mich nur zu gut an den Wichtel, den sie letztes Jahr Harry geschickt hatte. Seine Augen, so grün wie frisch gepökelte Kröte... Dieses Lied würde vermutlich nie in Vergessenheit geraten. Dagegen war der Zwerg, den ich bekommen hatte, noch ganz in Ordnung, auch wenn es sich bei der Person, die mir den Zwerg geschickt hatte, um einen wirklich schlechten Dichter gehandelt hatte. Diese Person hatte ich übrigens nie entlarvt, und ich machte mir eine geistige Notiz, das bald herauszufinden.
    „Ich hab noch eine Idee!“, flüsterte Franzi aufgeregt. Alle Köpfe drehten sich zu ihr herum. Franzi rutschte näher an uns heran. „Wir kleben Malfoy auf seinem Besen fest!“ Flame kicherte begeistert. „Au jah!“ Begeistert klatschte sie in die Hände. „Das ist eine super Idee, das machen wir!“ Ich grinste, als ich daran dachte, wie Draco Malfoy mit einem am Hintern festgeklebten Besen durch Hogwarts rannte. Flame hatte recht: Das war wirklich eine tolle Idee. „Ich weiß noch etwas“, flüsterte Ginny aufgeregt. „Kennt ihr Pustelpulver?“ Ich schüttelte den Kopf. „Was soll das sein?“ „Ganz einfach, das ist durchsichtiges Pulver, und ruft in Berührung mit der Haut eitrige Beulen und Pustel hervor. Wir kippen das Malfoy in seine Kleidung, und er wird...“ „Wartet mal!“, rief ich. Mir war eben eine Idee gekommen. „Was, wenn wir das kombinieren? Und wir kippen ihm das Pustelpulver in seinen Quidditchumhang...“ „Stimmt!“ Flames Augen begannen zu leuchten. „Am besten gleich beim nächsten Quidditchspiel!“
    Ich schüttelte den Kopf. „Nein, das lieber nicht. Ich meine, dann weiß Malfoy sofort, dass es irgendjemand aus Ravenclaw -oder eben Gryffindor - war, und außerdem sind dann die Lehrer auch in die Sache verwickelt, und im schlimmsten Fall werden wir dann mir Veritaserum gezwungen, die Wahrheit zu sagen.“ Flame seufzte. „Und wann willst du die Aktion dann durchführen?“ „Bei irgendeinem Training der Slytherins“, schlug ich vor. „Und da denkt Malfoy dann nicht, dass es jemand aus Gryffindor bzw. Ravenclaw ist, oder was!“ Ich atmete tief durch. „Klar, aber das Ganze ist nicht so offiziell wie ein Quidditchspiel. Wir müssen bloß hoffen, dass Snape nicht dabei ist.“
    Hanna verzog beunruhigt das Gesicht. „Wenn Snape das herausbekommt, dürfen wir uns auf einen Monat Nachsitzen freuen.“
    Flame winkte ab. „Der hat Besseres zu tun, als den Slytherins beim Training zuzusehen.“ „Er verbringt seine Zeit lieber damit, Schüler mit Schrumpftränken zu quälen“, meinte Ginny und wir brachen allesamt in Gelächter aus.
    Es dauerte ein wenig, bis wir uns wieder beruhigt hatten. „Wann ist den überhaupt das nächste Quidditchtraining der Slytherins?“, fragte Zoé. „Oh, ich glaube, das ist gleich am Freitag“, sagte Ginny. „Jedenfalls hat das die Parkinson gestern beim Frühstück laut herum posaunt. Die wird sich noch wundern...“ „Und woher bekommen wir das Pustelpulver?“ Zoé schien als Einzige noch nicht wirklich überzeugt. „Fred und George“, antwortete Ginny. „Die haben Tonnen von dem Zeug in ihren Koffern.“ „Und wer kippt das Zeug in den Quidditchumhang? Wie kommen wir überhaupt an den?“ Da hatte Zoé tatsächlich das Problem erwischt. „Ähm...“ Hilfesuchend sah ich zu den Anderen, aber sogar Flame hatte dieses Mal keine Idee. Ich überlegte, doch einen lückenfreien Plan bekam ich nicht zustande. „Unsichtbar müsste man sein...“, murmelte ich. „Unsichtbar?“ Flames Stimme ließ mich hochfahren. Ich zuckte die Schultern. „Ich habe nur laut gedacht, tut mir leid.“ „Nein, warte mal, Hilary!“ Flame war vor Aufregung ganz rot angelaufen. „Ich habe einen Tarnumhang!“ „Du hast... was?“
    Flame räusperte sich. „Er ist aus einem Scherzartikelladen, aber er funktioniert wirklich. Wenn du ihn anziehst, bist du unsichtbar!“ „Ehrlich?“ Ich staunte. Zoé runzelte die Stirn. „Aber die funktionieren doch meistens nur ein, zwei Stunden lang. Wenn überhaupt. Und wenn du so von dem Umhang erzählst, musst du ihn schon mal getragen haben.“
    Flame nickte. „Ich habe aber noch zwei Unbenutzte. Und wenn wir ihn erst kurz vor dem Quidditchfeld anziehen, dann reichen auch zehn Minuten: Wir schleichen uns kurz in die Kabine, kippen Malfoy das Pulver in den Umhang, und sobald er auf dem Besen sitzt, kleben wir ihn fest. Dann laufen wir davon... und fertig!“ „Und du bist dir sicher, dass das funktioniert?“ Zoé war immer noch skeptisch. „99%“, versicherte Flame. „Es ist...“ Doch bevor sie weiterreden konnte, wurde sie von Ginny unterbrochen. „Tut mir leid, aber wir müssen gehen. In zehn Minuten beginnt Kräuterkunde.“ Ich warf einen Blick auf meine Armbanduhr. Es war tatsächlich höchste Zeit, um zu gehen, denn für uns Ravenclaws stand in wenigen Minuten Verwandlung an. Schnell sprang ich auf und wischte mir kurz den Schmutz von meinem Rock. „Also... wie abgemacht?“ Flame sah uns an. Ich nickte. „Auf jeden Fall.“ „Bis später!“ Mit einem letzten Blick zurück, ob wir nichts vergessen hatten, rannten Ginny und Flame los. Mit einem mulmigen Gefühl sah ich ihnen hinterher. Ich hoffte sehr, dass am Freitag alles gut gehen würde...

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    ((green)) Kapitel 21((egreen)) Der Freitag war ein wirklich schöner Tag. Die Sonne schien vom wolkenlosen blauen Himmel auf die Wiesen und den See, l

    Kapitel 21

    Der Freitag war ein wirklich schöner Tag. Die Sonne schien vom wolkenlosen blauen Himmel auf die Wiesen und den See, ließ den Schnee schmelzen und verbreitete angenehme Wärme. Viele Schüler nutzen das gute Wetter und hatten sich in Grüppchen auf den Wiesen niedergelassen. Auch am und um das Quidditchfeld herum saßen viele Leute, manche lernten, andere wiederum waren vollends damit beschäftigt, die Sonne zu genießen und die Weasley-Zwillinge zündeten ein paar Rauchbomben neben den Tribünen.
    Ich stand neben Flame unter einem großen Baum, der etwa zweihundert Meter vom Quidditchfeld entfernt war, und beobachtete das Treiben. Von den Slytherins war noch nichts zu sehen, aber ich war mir ziemlich sicher, dass diese den Tag zum Trainieren nutzen würden. Denn da sie ja im Herbst sämtliche Spiele hatten ausfallen lassen, stand für sie jetzt eine Menge an: Sie mussten noch gegen die Gryffindors und Hufflepuffs spielen. Und ich wusste, wie scharf die Slytherins auf den Pokal waren.
    Doch dieses Training würde ein ganz Spezielles werden...
    Ein Grinsen huschte über mein Gesicht, als ich mir vorstellte, wie Malfoy jammernd und schimpfend vergeblich versuchte, sich von seinem Nimbus 2001 zu befreien. Das würde einen genialen Anblick abgeben. Ich warf einen Blick zu den Schülern aus Gryffindor, Hufflepuff und Ravenclaw neben dem Quidditchfeld. Sie alle würden bald Zuschauer eines genialen Streiches werden. Blieb nur zu hoffen, dass alles funktionieren würde, wie es sollte.
    Leider war zuvor nicht alles glatt gelaufen.
    Ginny hatte bei der Besorgung des Pustelpulvers aus dem Schlafsaal ihrer Brüder versehentlich mehr als die Hälfte über Lee Jordans Unterhosen gekippt, weswegen dieser zur Zeit mit ekelhaften, rot angeschwollenen Furunkeln im Krankenflügel lag. Zwar war das ein Beweis dafür, wie gut das Pulver wirkte, andererseits war jetzt nur noch wenig davon für Malfoy übrig.
    Außerdem hatte sich herausgestellt, dass Flame doch nur einen weiteren Tarnumhang besaß. Laut Hanna handelte es sich dabei zudem um eine extrem billige Variante, die mit einem nicht besonders lang anhaltenden Desillusionierungszauber belegt worden waren. Doch Flame war der festen Überzeugung, dass der Umhang es für die nötigen zehn Minuten bestens tat. Ich hoffte, dass sie Recht behalten würde. Eigentlich hatte ich sowieso nicht mitkommen wollen, doch Flame hatte sich geweigert, alleine zu gehen. Auch Franzi, Zoé und Hanna waren nicht besonders scharf darauf gewesen, mitzukommen und Ginny, die es gemacht hätte, hatte sich ungünstigerweise Nachsitzen bei Snape eingehandelt und konnte nicht. Deshalb hatten wir beschlossen, per Zufallsprinzip auszulosen, wer mitgehen würde. Und natürlich, wie hätte es auch anders sein können- hatte das Zufallsprinzip mich ausgewählt. Ich seufzte. Wann würden endlich die Slytherins kommen? Wir standen jetzt schon seit gut 10 Minuten neben der Eiche, und noch war nichts von dem gegnerischen Quidditchteam zu sehen. Ich sah hinüber zu Flame. Sie hielt ihre Tasche fest umklammert, ich wusste, dass sich dort der Tarnumhang sowie die Tüte mit dem Juckpulver befand. Ich hatte meinen Zauberstab noch nicht hervorgeholt, damit nicht der Verdacht aufkommen konnte, ich würde irgendetwas im Schilde führen. Aus den Augenwinkeln sah ich, dass Professor Flitwick neben dem Eingang zum Schloss stand und mit ein paar Sechstklässlern, die ungefähr dreimal so groß waren wie er, angeregt diskutierte. „Schau mal“, Flame wies kichernd auf ein paar Gryffindor-Erstklässler, die hinter einem Busch lauerten und eine Gruppe von Slytherin-Erstklässlern mit Schneematsch bewarfen. „Könnten glatt wir letztes Jahr sein.“ Ich schmunzelte und deutete auf Fred und George. „Und das in den nächsten Jahren.“
    Flame grinste. „Die werden jetzt gleich Augen machen.“ Ich nickte. „Hast du alle Sachen? Ab wann gehen wir unter den Umhang?“ Flame runzelte die Stirn. „So bald wie möglich.“ Unruhig sah sie hinüber zum Gebäude. „Schau nicht so“, murmelte ich. „Viel zu auffällig.“ Flame wandte sich ab. „Mensch, wann kommen die endlich!“ Wütend trat sie auf einen herumliegenden Ast, der mit einem lauten Knacksen in der Mitte zerbrach. „Irgendwie ist es...“ „Schau!“, unterbrach ich Flame. „Da ist Flint!“ Flame fuhr herum und ich zeigte auf den hochgewachsenen Kapitän der Slytherins, der, mit seinen Nimbus 2001 in der Hand, zum Spielfeld eilte. Flame blinzelte. „Die Anderen sind aber noch nicht dabei?“ Ich sah zum Schloss. „Doch.“ Eine Gruppe Personen in lindgrünen Mänteln drängte sich gerade an Professor Flitwick und den Sechstklässlern vorbei. Jeder von ihnen hielt in der Hand einen Besen. Mein Bauch verkrampfte sich, und ich spürte, wie mein Herz schneller schlug. „Schnell, unter den Umhang!“ Ich duckte mich und lief, gefolgt von Flame, in das Gebüsch, wo Flame ihre Tasche abnahm und wild darin herumwühlte. Zum Glück schienen die Slytherins keine Eile zu kennen: Lachend und plaudernd liefen sie über die Wiese. Nur Flint rannte voraus und war schon fast beim Feld angekommen. „Flame?“ „Hier“, zischte meine Freundin und reichte mir den Tarnumhang. Ich betrachtete erstaunt, wie meine Hand verschwand, als ich den Umhang entgegen nahm und ließ den weichen Stoff durch meine Hände gleiten. „Cool!“ Flame lächelte. „Nicht wahr?“ Probeweise streifte ich mir den Umhang über und sah zu meinen Füßen. Ich konnte sie nicht sehen. Flame zwinkerte. „Ich freu mich schon auf Malfoys Gesicht.“ Sie hob den Umhang an und quetschte sich neben mich. „Bereit?“, flüsterte sie? Ich nickte. Schnell kontrollierten wir, ob man noch irgendwo einen Zipfel unserer Kleidung sehen konnte, aber es war nichts zu sehen. Dann traten wir vorsichtig aus unserem Busch und sahen uns um. Es war ein merkwürdiges Gefühl, dazustehen und zu wissen, dass wir alle sahen, aber niemand uns. Oder sahen uns vielleicht doch alle? Und das Ganze war nur ein Trick? Natürlich wusste ich, dass das nicht so war, doch ich konnte mich ja nicht selbst davon überzeugen. Ein Kribbeln machte sich in mir breit, Aufregung und Anspannung zu gleich. „Komm“, hauchte Flame. „Die Slytherins sind schon fast beim Feld. Wir müssen sie unbedingt noch abfangen, bevor Sie auf die Besen steigen.“ Sie lief los, doch ich war noch nicht so weit gewesen. Ich stolperte, fiel hin und konnte mich in allerletzer Sekunde noch mit der Hand abfangen. „Hilary, alles in Ordnung?“, meinte Flame sorgenvoll. „Passt schon.“ Ich stand wieder auf und klopfte mir den Schmutz von meinem Umhang. „Vielleicht gehen wir einfach nicht ganz so schnell“, schlug ich vor. Flame seufzte. „O.K.“
    Langsam, aber sicher überquerten wir die Wiese, auf der die anderen Schüler saßen. Keiner schien uns zu bemerken. Daphne Greengrass aus Slytherin sah zwar in unsere Richtung, doch ihr Blick ging durch uns beide hindurch. Innerlich jubelte ich. Es funktionierte! Wir waren unsichtbar!
    Immer näher kamen wir dem Quidditchfeld, und mein Herz schlug immer schneller. Kurz vor den Umkleiden der Slytherins zog Flame mich plötzlich am Ärmel und zwang mich zum Anhalten. Aufgeregt blieb ich stehen. Flame deutete auf die Umkleide. „Also... wir schleichen uns rein“, ich nickte, “... ich kippe Malfoy das Pustelpulver in den Kragen, und dann laufen wir sofort wieder nach draußen. Dann warten wir, bis sie rauskommen, und sobald Malfoy auf dem Besen sitzt, schlägst du zu, okay?“ „Ja“, flüsterte ich. „Gut. Los!“
    Wir setzten uns wieder in Bewegung, und schlichen vorsichtig über das grüne Gras, bis wir vor dem Eingang zur Slytherin-Umkleidekabine standen. Ich schluckte und sah Flame an. Diese nickte und schob den Vorhang beiseite. Doch noch ehe wir den Raum betreten konnten, wurden wir plötzlich von einer unsichtbaren Macht gepackt und rücklings in das Gras geschleudert. Ich schrie entsetzt auf, als ich auf dem Rasen aufprallte. Mein Arm schmerzte höllisch. „Flame?“ „Verdammt“, fluchte diese. „Schutzzauber. Ich hätte es mir denken können.“
    Ich drehte mich um und setzte mich vorsichtig auf. „Warten wir jetzt, bis die Slytherins nach draußen kommen?“ Flame schüttelte den Kopf. „Brauchen wir nicht. Die sind nämlich schon da.“ Mit ausgestreckter Hand wies sie auf eine Gruppe grün gekleideter Personen am Rande des Spielfelds. „Oh.“ Ich sah zu dem Quidditchteam. „Gehen wir jetzt...“ „Jep.“ Flame stand auf. „Der Plan bleibt aber derselbe.“
    Ich sah zu den Slytherins und seufzte. Vorsichtig stand ich auf. „Mein Arm...“ Flame sah mich flehend an. „Bitte. Lass uns das durchziehen. Für Seidenschnabel!“ Ich atmete tief durch und setzte mich in Bewegung. „Für Seidenschnabel.“
    Diesmal in einem etwas flotterem Tempo gingen wir quer über das Spielfeld zu den Slytherins. Mein Herz klopfte wie verrückt. Mir war klar, dass die Slytherins uns nicht sehen konnten, aber trotzdem hatte ich Angst, dass das passieren könnte. „...Derrick und Bole, ihr müsst fest zuschlagen“, hörten wir Flint sagen. „Ihr müsst Potter von seinem Feuerblitz“, das letzte Wort betonte er besonders verächtlich, „auf direktem Weg hinunter katapultieren.“ Höhnisches Gelächter von allen Seiten. Wütend sah ich zu Flame. „Jetzt“, sagte sie in Lippensprache. Wir traten ganz nahe an Malfoy heran, der seinen Besen in der Hand hielt und gespannt den Worten Flints lauschte. Flame hob die Hand in, der sie die Tüte mit dem Pulver und hielt sie über Malfoys Kragen. Doch genau in dem Moment, in dem sie ihm das Pustelpulver in die Kleidung schütten wollte, hob Malfoy seinen Besen so an, das sich das Ende des Besenstiels direkt in Flames Bauch bohrte. Flame würgte, schwankte und kippte sich das gesamte Pustelpulver über den Arm, den sie ungünstigerweise aus dem Umhang gestreckt hatte. Zwar zog sie den Arm sofort zurück, aber zu spät: Er war bereits rot und angeschwollen. Und außerdem waren die Slytherins sich jetzt im Klaren, dass hier jemand war. „Lauf!“ Ich stieß Flame an und gemeinsam liefen wir los. So schnell wir konnten, liefen wir in Richtung der Tribünen, um den Slytherins zu entkommen. Etwas besseres fiel mir im
    Moment nicht ein. Zu meinem Entsetzen sah ich, dass Flame mehrmals stolperte und sie sich ihren linken Schuh fast vollständig ausgezogen hatte. Ein Blick zurück verriet mir, dass Malfoy und 2 andere Slytherins sich auf ihre Besen geschwungen hatten und jetzt in kurvigen Bewegungen hinter uns herflogen, die Zauberstäbe hoch erhoben. Flame stolperte noch einmal und verlor ihren Schuh jetzt endgültig. Er blieb alleine auf der Wiese liegen. „Stehen bleiben!“ Ein roter Zauber schoss an uns vorbei. Ich wurde blass. „Die spinnen doch!“ „Kleb... Malfoy... fest“, keuchte Flame. Ich griff in die Taschen meines Umhangs und mein Herz setzte fast aus. Mein Zauberstab fehlte. Ich musste ihn verloren haben. „Mein Zauberstab ist weg!“ Verzweifelt sah ich zum Flame. „Nimm meinen!“ Sie warf mir ihren Zauberstab entgegen und umklammerte wieder stöhnend ihren geröteten Arm.
    Wir hatten jetzt schon das Quidditchfeld hinter uns gelassen und rannten jetzt auf die große Gryffindor-Gruppe zu. Die Gryffindors waren aufgestanden, und liefen jetzt auf Malfoy und seine Kumpanen auf den Besen zu. „Flint! Malfoy!“ Percy Weasley, dessen goldenes Schulsprecherabzeichen auf seiner Brust schimmerte, eilte auf die beiden zu. „Was macht ihr hier!“
    „Kleb... ihn fest, bitte, jetzt... wenn es alle... sehen!“, brachte Flame hervor. Ich drehte mich während dem Laufen um, hob Flames ungewöhnlich kurzen Zauberstab und wollte Malfoy am Besen festkleben. Doch es ging alles schief. Statt dass ich Malfoy festgeklebt hätte, setzte ich nämlich Percys Umhang in Flammen.
    „Bei Merlins Unterhose! Was geht hier vor?“ Eine wutentbrannte Professor McGonagall eilte zu der Gruppe, und schoss Wasserstrahlen auf Percy ab. „Was...“
    Ich hörte gar nicht mehr zu, sondern lief immer koch weiter. „Warte, Hilary!“ Flame blieb abrupt stehen. Ich hatte leider zu viel Schwung, um auch stehen zu bleiben. Stattdessen fiel ich auf die Erde, drehte mich einmal um mich selbst und landete in einem Rosenbusch.
    Es war ein überaus passendes Ende für diesen mehr als beschissenen Plan.

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    ((green)) Kapitel 22 ((egreen)) Zum Glück hielt sich die Strafe noch relativ in Grenzen: Die Folge von unserem missglücktem Plan war, dass Flame und
    Kapitel 22

    Zum Glück hielt sich die Strafe noch relativ in Grenzen: Die Folge von unserem missglücktem Plan war, dass Flame und ich bei Snape nachsitzen mussten und Gryffindor wie Ravenclaw 10 Hauspunkte abgezogen wurden. Immerhin bekam Flame ihren Schuh und ich meinen Zauberstab wieder, den ich bei meinem ersten Sturz verloren hatten. Leider mussten wir längere Zeit im Krankenflügel bleiben, Flame wegen ihrem Arm, und ich wegen meiner Ladung im Dornenbusch: Ich war von Kopf bis Fuß zerkratzt, und meine Hände waren mit blutigen Schrammen versehen gewesen.
    Als wir endlich wieder entlassen wurden, standen die Osterferien auch schon direkt vor der Tür. Die meisten Schüler fuhren nach Hause, ich allerdings blieb in Hogwarts, vor Allem, weil ich viel nachzuholen hatte. Unsere Lehrer halsten Ummengen von Arbeiten auf, und zum ersten Mal in meinem Leben versagte ich sogar in Zaubertränke, als wir dort ein langen Aufsatz über den Schrumpftrank schreiben sollten. Snape fand das sehr amüsant, und klatschte mir sofort ein M auf das Pergament, dabei hatte ich nur einen kleinen Fehler gemacht. Aber die anderen Lehrer waren nicht besser: Professor McGonagall schüttete uns nahezu mit Aufsätzen und neuen Verwandlungssprüchen zu, und das alles, obwohl es noch zwei Monate bis zu den Prüfungen waren.
    Das einzig Aufregende, was geschah, war, dass wir jetzt unsere Wahlfächer wählen durften. Von allen Seiten her kamen Tipps von älteren Schülern, welche Fächer wir nehmen sollten, und warum. Doch ich hatte ja eigentlich noch Glück, Hanna zum Beispiel bekam dutzende lange Briefe von all ihrenVerwandten, die ihr rieten, was für Fächer sie unbedingt und welche auf gar keinen Fall nehmen sollte. „Oma möchte, dass ich Alte Runen nehme“, seufzte sie, „aber darauf habe ich gar keine Lust...“ Es dauerte ziemlich lange, bis ich mich endlich entschieden hatte, aber ich hatte dafür am Ende ein ziemlich gutes Gefühl bei der Sache, und war schon gespannt, ob sich die Fächer wirklich als so toll herausstellen würden. Doch da musste ich mich noch ein halbes Jahr lang gedulden.
    Aufgrund der vielen Arbeiten und der Wahlfächer-Wahl vergingen die Ferien viel schneller, als gedacht, und schon bald war der letzte Ferientag da. Allerdings war dieser in diesem Jahr ein Besonderer: Flame hatte Geburtstag, und aufgrund dessen beschlossen wir, für diesen Tag lang unsere Aufgaben zur Seite zu legen, und den Tag so richtig zu geniessen. Wir trafen uns am Eingang der großen Halle, als wir zum Frühstück gingen. Flame konnte man schon von Weitem erkennen, denn sie war umringt von einer Gruppe von Schülern. Ihre kupferroten Haare leuchteten förmlich aus der Mitte der Ansammlung. „Ich weiß nicht, wo er ist! Das war er bestimmt nicht...“ Ihre Stimme war angespannt und schrill, komplett anders als gewohnt. „Du musst...“ „... er hat meine ganzen Sachen zerfetzt, alles ist kaputt...“ „...so eine Frechheit!“ „Fang ihn wieder ein...“ „... und mein neuer Umhang ist kaputt...“
    Ich stutzte. Das sah nicht nach Geburtstagsbeglückwünschungen aus, ganz und gar nicht. Was war passiert? Mit einem vielsagenden Blick hinüber zu Hanna, begannen wir beide zu rennen und quetschten uns durch die Schülermenge rund um Flame, die, wie ich bemerkte, ausschließlich aus Mädchen bestand. Alle schrieen durcheinander, ein paar Mädchen hatten rote, geschwollene Augen und hielten demolierte Gegenstände in den Händen: Ich konnte zerfetzte Schulbücher, einen angeknacksten Zauberstab und halbierte Kleidungsstücke sehen; alle Dinge befanden sich in einem furchtbaren Zustand. „Flame!“, rief ich verwirrt und leicht verärgert zugleich. Sie hörte mich nicht, da ein Dutzend Schülerinnen sie immer noch anbrüllten. „Was ist hier...“ Ich stolperte, und stieß gegen Demelza Robins, eine Gryffindor, die mich wütend ansah. „Entschuldigung“, quiekte ich und versuchte, das Gleichgewicht zu behalten. „Was ist hier los?“ Demelza stieß ärgerlich die Luft aus. „Was los ist!“ Sie zog beide Augenbrauen nach oben. „Das ist los!“ Sie reichte mir ihren Umhang, den sie im Arm hielt. Ich erstarrte. Er war fast komplett eingerissen, die Bordüre war vom Stoff gerissen worden und über alles zog sich eine leuchtend rote Blutspur.
    Ich schnappte nach Luft, als ich das sah. „Aber... aber...“, japste ich. „Da...das.. war doch NIEmals Flame!“
    Demelza sah mich mit hochrotem Kopf an. „Natürlich nicht sie selbst! Es war ihre blöde Katze, und jetzt will sie uns weismachen, dass die abgehaut wäre.“ Ich sah sie verblüfft an, gleichzeitig war ich aber auch erleichtert. Denn Flame besaß keine Katze. Es musste ein Irrtum sein, so ein Glück. Ich atmete tief aus. „Flame besitzt aber keine Katze.“ Demelza schnaubte. „Doch. Das müsstest du als ihre Freundin doch wissen?“ Ich runzelte die Stirn. „Was?“ Demelza seufzte. „Lass es dir von ihr selbst erklären.“ Sie machte auf dem Absatz kehrt, und ging davon. Ihren Umhang hatte sie achtlos liegen lassen. Ich sah ihr ratlos und mit einem Kloß in der Kehle nach.
    „Flame?“ Ich ging zu meiner Freundin hinüber. Ginny hatte den Arm um sie gelegt, doch obwohl sie Flame beruhigend zuredete, sah diese nicht auf. Hanna folgte mir schweigend. Zum Glück löste sich die Menge an Menschen langsam auf, wenn auch mit Sprüchen wie: „Das wird Professor McGonagall erfahren!“ und „Den Schaden ersetzt ihr mir.“
    „Flame? Was ist los?“ Ich sah sie verwirrt an. „Was ist mit einer Katze? Seit wann hast du denn eine? Wieso...“ Flame drehte den Kopf und sah auf. In ihren Augen schimmerten silbrig glänzende Tränen. „Felix... war ein Geburtstagsgeschenk von... meinen Eltern“, stammelte sie. „Ich habe ihn gestern bekommen, weil ich mir... schon so lange ein Haustier gewünscht habe. Eigentlich war er ganz friedlich, und ich habe nicht gedacht, dass er...“ Flame brach ab und fingerte umständlich ein Taschentuch aus ihrer Tasche, mit dem sie sie sich die Tränen vom Gesicht wischte. „Aber heute Morgen war er weg, und dafür war das pure Chaos da, die Bücher und Umhänge und alles-war kaputt. Ich glaube nicht, dass es Felix war, aber ich weiß nicht.“ Während sie leise anfing, zu weinen, ging ich hinüber zu der Stelle, wo Demelzas Umhang lag und hob ihn auf. Er war wirklich schrecklich zerstört, aber konnte das eine Katze gewesen sein? Ich wendete den Umhang, so dass man die Seite mit dem Blut sehen konnte. Vorsichtig fuhr ich mit dem Finger über den Stoff, und kam zu einer ganz neuen Erkenntnis: „Das ist Farbe“, sagte ich erstaunt. „Das ist kein Blut.“
    „Was, echt?“ Flame riss die Augen auf. „Aber...aber...“ Ich hob meinen Finger hoch, und zeigte ihn ihr. „Das ist kein Blut.“ In dieser Hinsicht war ich mir ganz sicher. „Ein Betrug?“ Hanna sah mich mit offenen Augen an. „Aber... wer würde denn...“ „Vielleicht ein Slytherin“, vermutete Ginny. Flame runzelte die Stirn. „Wie kommt der in den Gryffindorgemeinschaftsraum?“ Ginny wurde rot. „Also ich war‘s nicht.“ Flame grinste zum ersten Mal. „Dich habe ich auch als Allererstes verdächtigt“, spöttelte sie. Ich lächelte. „Ich würde sagen, wir gehen jetzt erst einmal zum Essen.“ „Gute Idee!“, rief Ginny und strahlte Flame an. „Hopp, wer als erste am Tisch ist!“ „Na warte...“ Flame rannte los, und beide verschwanden in der Schülermenge. Ich seufzte erleichtert. Jetzt konnte Flame zumindest ihren Geburtstag geniessen.
    Den restlichen Vormittag und den frühen Nachmittag verbrachten wir (nachdem wir gefühlte 10 Stunden lang nach Flames neuer Katze gesucht hatten) damit, Quidditch am Quifdditchfeld zu spielen und gemeinsam im, zugegebenermaßen noch ziemlich kalten, See zu baden. Am späten Nachmittag sollte dann der Hogwarts-Express mit den Schülern, die ihre Eltern besucht hatten, ankommen, und Hanna und ich hatten beschlossen, dort unsere Freundinnen abzuholen. Deshalb standen wir, um Punkt sechs Uhr abends am Gleis, wo der Zug in wenigen Minuten ankommen würde. Es war kühl, und ein eisiger Regen prasselte auf uns herab, ganz das Gegenteil von dem eigentlich so warmen und freundlichen Tag. Ich zitterte und der armen Hanna erging es natürlich nicht anders, aber sie hatte außerdem ihren Schal nicht gefunden, weswegen es für sie noch einmal doppelt und dreifach so kalt war.
    „Brrrrrrr...“ Hanna klapperte mit den Zähnen. „Wann kommt denn dieser Zug nur? Mir ist soo kalt, dir nicht auch? Mensch, ich erfriere fast...“ Ich war so in Gedanken versunken, dass ich sie gar nicht hörte. Meine Gedanken waren, um ehrlich zu sein, immer noch bei Flames verschwundener Katze. Denn wer hatte die arme Katze entführt und die Gegenstände der Gryffindor-Mädchen so zugerichtet? Und vor allem warum? Flame hatte doch, soweit ich wusste, keine „Feinde“, vor allem nicht in Gryffindor, aber dass es eine Person aus Gryffindor gewesen sein musste, war ja klar. Oder nicht?
    Ich seufzte. Fragen über Fragen, und keine Antwort.
    „Hilary! Hilary, der Zug!“ Ich riss die Augen auf. Tatsächlich, ich konnte bereits den scharlachroten Hogwartsexpress sehen, der sich uns heftig dampfend näherte. „Endlich, ich wäre hier noch fast erfroren“, ich seufzte erleichtert auf. Staunend beobachteten wir, wie der Zug in den Bahnhof einfuhr, wobei Wasser von den Waggons und der Lok lief. Mit einem gewaltigen Quietschen kam der Zug langsam zum Stehen. Die Türen gingen auf, und eine Menge Schüler mit wehenden Umhängen und Regencapes stürmten auf den Bahnsteig und rannten durch die Pfützen zu den Kutschen. Hanna und ich hielten uns in sicherem Abstand von der Menschenmenge und versuchten, Franzi, Luna, Zoé und Teddy aus der Menschenmenge zu erkennen. Der Regen prasselte auf uns herab und in der Ferne war Donner zu hören. Besorgt sah ich zum Schloss. Hoffentlich würden wir es noch dorthin schaffen, bevor das Gewitter anfing.
    „Hanna! Hilary!“ Eine Gestalt im dunkelblauen Regenmantel stürmte auf uns zu. „Hier sind wir!“ Das Mädchen zog sich die Kapuze vom Kopf. Darunter kam Franzis Gesicht zum Vorschein. „Franzi!“ Wir umarmten sie und Luna, die in einigem Abstand hinter ihr hergelaufen kam. „Wartet ihr noch auf die Scamanders?“, fragte Franzi. Ich nickte. „Die müssten ja gleich kommen.“ „Okay“, meinte Franzi. „Wir halten euch schonmal eine Kutsche frei. Ich will in Hogwarts nicht ankommen wie nach einem Bad.“ Sie grinste, winkte und lief dann davon. Nur noch wenige Schüler stiegen jetzt aus dem Hogwarts-Express, und alle liefen gleich davon, um so schnell wie nur irgendwie möglich dem Regen zu entkommen. Ich seufzte, und wünschte, ich hätte einen Regenschirm mitgenommen.
    „Hilary, Hanna!“ Als ich Zoés Stimme hörte, schrak ich auf. „Zoé?“ Ein Koffer wurde mit einem lauten Rumms auf den Bahnsteig befördert. An der Tür des Hogwarts-Express tauchte Zoe auf, gefolgt von ihrem Bruder Teddy, ihrer kleinen Schwester Leona und einem grimmig aussehenden Mann mit Schnauzbart. „Aus dem Weg“, rief der und stieß Leona in den Rücken. Die stolperte und landete auf dem Boden, direkt neben dem Koffer. „Moment mal, sie sind doch...“ Mit einem Blick zurück lief ich zu dem Mann und stellte mich ihm in den Weg. „Sie können sich doch nicht...“ Der Mann blieb stehen, und zum ersten Mal konnte ich ihn genauer beobachten: Er hatte dunkle Augen, eine enge Stirn und einen Schnurrbart. Seine roten Haare hatte er unter einer Melone verborgen, und an seiner linken Gesichtshälfte zog sich eine Narbe entlang. Schon das Aussehen ließ mich insgeheim erzittern, doch dass der Typ einfach die arme Leona umschmiss...
    „Du hältst besser mal die Klappe“, knurrte er und zog die Augenbrauen zusammen. „Hilary hat Recht“, warf Hanna ein. „Wie sie Leona gerade eben behandelt haben, war echt abscheulich, und ganz ehrlich, so eilig sie es auch haben mögen, so...“ „Ähm... Hilary, Hanna...“ „...das ist noch kein Grund, einfach...“ „Wartet, wartet...“ Zoé rannte zu uns hinüber. Ihr Blick war flehend, und verzweifelt. „Ähm. Also. Das ist unser Onkel.“ Mir klappte die Kinnlade hinunter und Hanna brach ihren Satz ab. „Was?“ Teddy nickte im Hintergrund, und Leona sah betreten zu Boden. „Euer Onkel?“, flüsterte ich. „Das ist... äh...“
    Ich sah auf, und sah direkt in die Augen des Mannes. „Du...“ Er runzelte die Stirn. „Dich kenne ich.“ „Wie bitte!“ Ich sah erschreckt zu den anderen. „Das kann nicht sein.“ Der Onkel nickte. „Und ob. Es ist... lange her...lange, lange her... aber ich habe dich nicht vergessen.“. Mein Magen rumorte und meine Beine knickten ein. Ich war mir ganz sicher dass ich ihn noch nie zuvor gesehen hatte. Niemals, so etwas hätte ich doch nie vergessen. Außer... ich war wirklich noch ganz klein gewesen. Sehr klein... Auf einmal wurde mir schwindlig, und ich musste mich an Hanna festhalten, um nicht umzufallen. „Hilary, alles gut?“ Ich öffnete die Augen, von denen ich nicht einmal gemerkt hatte, dass ich sie geschlossen hatte, und sah mich um. Von dem „Onkel“ war nichts mehr zu sehen. „Tut mir leid“, meinte Zoé, aber ich schwieg.
    Auf einmal wünschte ich mir nichts sehnlicher, als in mein Bett zu können. Denn ich musste dringend nachdenken...

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    ((green)) Kapitel 23 ((egreen)) „Expelliarmus!“ Der Zauberstab war mir schon aus der Hand geflogen, bevor ich auch nur irgendetwas machen konnte.
    Kapitel 23


    „Expelliarmus!“ Der Zauberstab war mir schon aus der Hand geflogen, bevor ich auch nur irgendetwas machen konnte. Er segelte durch die Luft und landete punktgenau in Franzis Hand. „Volltreffer.“ Franzi strahlte stolz. „Ich kann es!“ Begeistert sah sie mich an. „Ich kann, kann, kann es!“ „Glaubst du, Professor McGonagall prüft die Sachen vom Vorjahr auch ab?“, meinte Hanna, die neben uns an einem Tisch über „Verwandlung -die Zwischenstufen“ saß, und sich wichtige Dinge auf ihr Pergament aufschrieb. Ich zuckte die Schultern. „Oh, keine Ahnung“, meinte ich. „Aber die kannst du doch so einigermaßen.“Hanna grinste schief. „Betonung auf „so einigermaßen“.“ Ich setzte mich an meinen Tisch und betrachtete wütend den Stapel von Geschichtsbüchern vor mir. „Ich muss noch eine Menge Koboldsaufstände lernen“, seufzte ich. Zoé, die gegenüber uns saß, schaute auf. „Ich verstehe sowieso nicht, wozu das nötig ist. Das interessiert später eh keinen mehr...“
    Es war Abends, und wir hatten es uns im Gemeinschaftsraum versammelt, um für die bevorstehenden Prüfungen zu üben und zu lernen. Seit die Schule wieder begonnen hatte, ließen die Lehrer nicht locker, und versuchten, uns mit soviel neuem Wissen zu stopfen, wie nur möglich. „Ich werd’ verrückt“, murmelte ich. „Wo ist jetzt nur „Eine Geschichte Hogwarts“?“ Ich beugte mich vor, um meinen Bücherstapel nach dem Buch durchzusehen. Das Lehrbuch der Zaubersprüche II, Phantastische Tierwesen und die Enzyklopädie der Giftpilze waren zu finden, aber nirgendwo war mein Geschichtsbuch. Ich seufzte. Allen Anschein nach hatte ich das Buch im Laufe des Tages irgendwo vergessen, denn ich war mir sicher, dass ich es heute Morgen noch gehabt hatte. Aber wo konnte ich es denn bloß verloren haben? Ich runzelte die Stirn. Eigentlich in jedem beliebigen Klassenzimmer... und in der Bibliothek. Mir fiel es wie Schuppen von den Augen: Hatte ich das Buch nicht am Nachmittag noch für den Aufsatz über die Schulgründung gebraucht? Eilig sprang ich auf. „Ich komm gleich wieder, muss nur mein Geschichtsbuch holen“, erklärte ich. Hanna und Zoé nickten geistesabwesend. „Mach nur.“ Ich nickte und ging hinüber zur Tür. Mit einem Ruck drehte ich an dem goldenen Türknauf, drückte die Tür auf und lief die schmale Wendeltreppe im Turm nach unten. Im Treppenhaus war es kühl und ich fröstelte. Als ich unten angekommen war, lief ich wie gewohnt zu einer der großen, sich drehenden Treppe, als ich plötzlich über etwas stolperte und der Länge nach mit der Nase voraus auf den harten Boden fiel. Meine Nase prallte direkt auf dem Stein auf und ich spürte, wie mir das Blut in die Adern schoss. Verdammt, Nasenbluten... Stöhnend setzte ich mich auf, und fingerte ein Taschentuch aus meinem Umhang, um das Blut zu stoppen, das aus meiner Nase rann.
    „Miauuuuu...“ Ich fuhr herum. Hinter mir saß eine kleine, schildpattfarbene Katze und jaulte jämmerlich. Ihre großen, grünen Augen waren weit aufgerissen und sie sah mich ängstlich, fast verschreckt an. „Alles gut“, ich strich der Katze sanft über den Rücken. Ihr Fell war feucht, und weich. „Du bist wohl irgendwem abgehaut, oder?“ Das Kätzchen zuckte wie zur Bestätigung mit der Schwanzspitze. „Miauuuuu...“ Auf einmal spürte ich, wie sich scharfe Zähnchen in meine Haut gruben und ich schrie auf: „Du Biest!“ Ich zog meine Hand weg. Eine rote Blutspur lief über meine Hand. „Du...“ Ich brach ab. Das Kätzchen war weg. Erleichtert stand ich auf. Jetzt musste ich aber wirklich mal mein Buch holen... HALT. Eine Katze? Klein? Plötzlich kam mir ein Geistesblitz. War das Flames Katze Felix? Ich spähte in die Dunkelheit des Ganges rechts von mir und konnte dort tatsächlich eine Bewegung wahrnehmen. Mit einem letzten Blick zurück lief ich der Katze hinterher. „Felix! Felix!“ „Miauuu...“ Irgendeine Tür quietschte. Ich spähte den Gang hinunter und sah, wie eine Türe ganz an Ende zufiel. Moment mal- da musste doch dann jemand sein. Katzen konnten doch nicht einfach so eine Tür zumachen. Das ging nicht.
    Ich drückte die Klinke hinunter, betrat den Raum und blieb wie angewurzelt stehen. Das Zimmer war ein altes Klassenzimmer, und mitten im Raum, auf einem ramponierten alten Tisch, saß...

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    ((green)) Kapitel 24((egreen)) ...Layken. Draco Malfoys kleine Schwester. Sie hatte Felix in den Armen und strich ihm beruhigend über das Fell. Als s

    Kapitel 24

    ...Layken. Draco Malfoys kleine Schwester.
    Sie hatte Felix in den Armen und strich ihm beruhigend über das Fell. Als sie mich sah, hob sie erstaunt den Kopf, zuckte vor Schreck zusammen und sprang vom Tisch. Felix verschwand mit einem empörten Maunzen hinter dem Schrank. „Was machst du denn hier?“ Aus schreckgeweiteten Augen sah sie mich an. Ihre Stimme war hoch und schrill. Ich runzelte verwirrt die Stirn. „Oh“, meinte ich verblüfft. „Ich bin nur der Katze nachgelaufen.“ Layken schluckte. Ihr Gesicht war käseweiß, als hätte sie gerade den Schock ihres Lebens bekommen. Ich ging zu ihr hinüber. „Hey“, meinte ich beschwichtigend und legte meine Hand auf ihre Schulter. „Alles okay, komm. Ich verrate doch niemanden etwas, deinem Bruder nicht, und deinen Eltern nicht, und auch die übrigen Slytherins werden nichts erfahren, keine Angst.“ Layken schien verwirrt zu sein. „Was... äh... ach so, ja.“ Sie sah mich mit einem merkwürdigen Blick, einem fast ängstlichen, aber auch fremden Blick an, als würden wir uns nicht kommen. „Danke“, fügte sie noch hinzu, als sie merkte, dass ich nichts sagte. „Alles gut.“ Warum war sie heute nur so komisch? So als wäre da irgendwas, was ich nicht wissen durfte. „Und, was machst du hier so?“, fragte ich Layken. Die seufzte. „Ich...ähm... habe sie gesucht.“ Sie deutete mit einer Handbewegung auf Felix. „Sie ist mir abgehaut, tja, und... ähm...“ „Wie, sie ist dir abgehaut?“ „Naja“, sie lächelte schief, „ist dir dein Haustier noch nie entkommen?“ Ich runzelte die Stirn. „Was zum Teufel meinst du? Das ist doch Flames Katze.“ Laykens Gesicht erstarrte und hektische rote Flecken erschienen auf ihrer Wange.
    „Ähhh...“ Auf einmal kam mir ein unheilvoller Gedanke. Was, wenn... Nein, das würde Layken doch nicht machen. Oder doch!
    „Bist du dir da ganz sicher, dass das deine Katze ist?“ Meine Stimme klang auf einmal ganz, ganz anders. Layken wurde blass. Alle Farbe wich aus ihrem Gesicht. „Ich... also...“ Sie strich sich nervös ihre blonden Haare aus dem Gesicht, wobei mein Blick wie automatisch auf ihre Hände fiel. Unter den Nägeln befand sich ein blutroter Farbrand, gerade noch so erkennbar, als hätte sie mühevoll versucht, den Farbrand wegzurubbeln, was ihr aber nie gelungen war.
    Dieselbe Farbe, die auch auf Demelzas Umhang zu finden gewesen war... Meine Augen wanderten weiter und tatsächlich fand ich auch an ihrem Umhang Farbspuren. Mein Herz schnürte sich zusammen. „Layken?“, fragte ich. „Hast du...“, noch bevor ich weitersprechen konnte, begann die blonde Slytherin vor mir zu weinen. „Es tut mir leid“, schniefte sie. „Ich wollte nicht...Sarina und Felix wollten, dass ich...“
    Ich spürte, wie ein merkwürdiges Gefühl in mir breitmachte- eine Mischung aus Mitleid und Wut. Viel Wut. Denn immerhin wurde Flame von fast allen Schülerinnen jetzt gemieden, war beschimpft worden und musste jetzt für den Preis der zerstörten Sachen aufkommen. Und das, obwohl sie nicht einmal schuld daran war!
    „Ach so.“ Ich sah sie abwertend an. „Und Kylie Lentra auch?“ Layken sah mich völlig verängstigt an. „Ja... also... ich wollte das nicht... es war die Rache für das am Quidditchfeld.“
    „WAS!“, platzte es aus mir heraus. „Für das am Quidditchfeld?“
    „Ihr wolltet meinem Bruder Beulenpulver in den Nacken streuen!“
    Zum ersten Mal sah Layken mich wütend an, und fuhr fort: „Das ist noch unfairer, er wäre die ganze Zeit lang im Krankenflügel gelegen, und hätte nichts tun können, und damit hätte unser Quidditchteam den Pokal nicht gewinnen können, was ja bestimmt euer Ziel war...“ „...nein, das stimmt nicht“, unterbrach ich sie. „Erstens ist ihm gar nichts passiert. Alles ist schiefgelaufen. Und Zweitens wollten wir uns an ihm rächen, weil...“ Ich stockte. Musste alle Welt von Seidenschnabels Prozess erfahren? Aber Laykens Vater war ja Lucius Malfoy, und der hatte das Ganze ja erst ins Rollen gebracht. „...weil.... er die ganze Zeit im Herbst so schwerverletzt getan hat, und das, obwohl er kaum verletzt war. Und die Verletzung war seine Schuld.“
    Layken seufzte. „Das stimmt.“
    Überrascht sah ich auf. Ich wusste, dass Layken ganz anders war, als man es von Draco Malfoys Schwester erwartete, aber dennoch hatte ich angenommen, dass sie auf Dracos Seite stehen würde. „Eben. Weißt du was Flame wegen dieser Sache durchmachen musste? Aber das war ja bestimmt euer Plan.“ Layken seufzte. „Es tut mir so leid.“ Sie bückte sich und hob Felix auf. „Hier. Aber bitte sag Flame nichts.“ Ich nahm den schnurrenden Kater entgegen. „Aber...“
    Ich war hin und hergerissen. Ich wusste, dass Layken von ihrer Familie und den anderen Slytherins stets unter Druck gesetzt wurde. Ich war mir auch ziemlich sicher, dass Layken von sich aus niemals etwas so Gemeines und Hinterhältiges getan hätte. Aber andererseits war da Flame, die jetzt alles abbekommen hatte.
    In Gedanken verfluchte ich unsere Idee mit dem Streich am Quidditchfeld. Wäre das bloß nie gewesen...
    Ein lautes Schluchzen von Layken ließ mich zusammenzucken. „Komm schon“, murmelte ich. „Du musst es Flame sagen.“ Layken sah mich aus großen, verweinten Augen an. „Bitte nicht... Sie werden mich eine Petze nennen... und außerdem...“ Sie brach ab, und vergrub ihr Gesicht in den Händen. Ich schluckte. Flame würde Layken nicht so schnell verzeihen, das wusste ich. Vor allem, weil Flame nicht mal wusste, wie es Layken innerlich erging. Für sie war Flame das, was sie für mich am Anfang auch gewesen war: Eine fiese, gemeine Slytherin.
    Ich seufzte. Dann hatte ich einen Entschluss gefasst.
    „Ich werde Flame nichts sagen.“ „Echt?“ Layken hob den Kopf und sah mich erstaunt und gleichzeitig erleichtert an. Ich nickte. „Ja. Es ist dein Problem... Wenn, dann musst du mit ihr selbst darüber sprechen. Wie und ob du das machst, ist mir egal. Aber ich werde euch nicht verraten.“ Layken nickte. „Danke.“ Ihre Stimme zitterte. „Danke...“ „Schon okay“, murmelte ich und ging hinüber zur Tür. „Bis irgendwann mal.“
    Mit diesen Worten öffnete ich die Tür, schlüpfte hinaus und ließ sie mit einem Krachen ins Schloss fallen. Draußen atmete ich tief durch. Endlich. Geschafft.
    Felix miaute. Ich strich ihm über das Fell. „Gleich kommst du zu Flame“, flüsterte ich. Felix schnurrte und ich grinste. Mit schnellen Schritten ging ich zurück zur Turmtreppe. Doch dort, am Fuß der Treppe, saß jemand.
    Es war Hanna. Sie sah mich ernst an. „Was ist passiert?“, fragte ich.
    Hanna seufzte. „Seidenschnabel. Ich habe es eben erst erfahren... aber es stand schon seit ein paar Wochen fest. Er... er hat verloren.“

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    ((green)) Kapitel 25 ((egreen)) Der Rest des Monats Mai verging wie im Flug. Am Sonntag gewann Gryffindor das Spiel gegen die Slytherins und somit den

    Kapitel 25

    Der Rest des Monats Mai verging wie im Flug. Am Sonntag gewann Gryffindor das Spiel gegen die Slytherins und somit den Quidditchpokal, was eine Menge Trubel verursachte: Die Slytherins waren, verständlicherweise, nicht gut auf die Gryffindors zu sprechen und verbreiteten Gerüchte über angeblichen Betrug, machten den Feuerblitz schlecht, oder machten laute Sprüche über Harry und die Dementoren. Die Weasley-Zwillinge dagegen spöttelten über die Slytherins, und rissen eine Menge Witze über Flint und Draco. Auch ich freute mich über den Sieg der Gryffindors, auch wenn Davies das nicht gerne sah. Allgemein war der Rest unseres Quidditchteams ein wenig geknickt: Diese Saison war nicht besonders gut gelaufen. Trotz unseres Sieges gegen Hufflepuff am Anfang des Jahres war es danach rasant bergab gegangen. Ich musste zugeben, dass ich mich auch bei dem letzten Spiel wenig angestrengt hatte, nicht, weil ich gewollt hatte, dass die Gryffindors den Pokal bekommen würden, sondern einfach aus dem Grund, das so viel geschehen war, dass Quidditch einfach auf der Liste meiner Pflichten weit nach hinten gerutscht war. Es war einfach viel zu viel, und so leid es mir auch tat, ich merkte, dass Quidditch einfach nicht die oberste Priorität hatte.
    Die Freude über den Sieg von Gryffindor verflog allerdings wieder ziemlich schnell: Bis zu den Prüfungen waren es nur noch knapp 4 Wochen, und die Lehrer halsten uns noch mehr Arbeiten auf als je zuvor. Mir kam es fast so vor, als hätte ich den ganzen Monat Mai nur mit Lernen verbracht, und das, obwohl fast jeden Tag die Sonne schien.
    Auch Seidenschnabel und den Prozess hatte ich nicht vergessen: Ich zermarterte mir stundenlang das Gehirn, um zu einer Lösung zu kommen, aber egal, was ich mir auch ausdachte: Es half nichts. Irgendwo fand sich wieder eine Schwachstelle, und der Plan konnte einfach nicht realistisch durchgesetzt werden. Ich wollte auf keinen Fall, dass Seidenschnabel starb, aber ich wusste auch nicht, wie ich, wie ich und die Anderen ihn retten sollten.
    Schneller als gedacht standen dann auch schon die Prüfungen vor der Tür: Eine Woche lang würden wir jetzt in allen Bereichen geprüft werden. Am Montag ging es in der 1. Stunde los mit Verwandlung. Schon beim Frühstück war ich ziemlich aufgeregt, wie so oft vor Prüfungen in irgendeiner Art.
    Doch so schlimm wie gedacht war es gar nicht: In Verwandlung bekamen wir Schreibfedern ausgeteilt und die Aufgabe, diese in eine Gabel zu verwandeln.
    Ich brauchte ein wenig Zeit, aber dafür war das Ergebnis in Ordnung: Meine Gabel bedeckte zwar zuerst noch ein leichter Federflaum, doch dafür war die Form nahezu perfekt.
    Ich versuchte alles, um den Flaum noch von der Gabel zu bekommen, doch immer, wenn ich versuchte, mich zu konzentrieren und ein Bild von einer makellosen Gabel in meinem Kopf erscheinen zu lassen, musste ich an meine Gabel mit dem Federflaum denken.
    Und so viel ich auch versuchte, das Bild ließ sich nicht aus meinem Kopf vertreiben.
    Zumindest wurden die Zacken flaumfrei, was mich sehr erleichterte und die Gabel fast so gewollt aussehen ließ.
    Auch Hanna bestand die Prüfung, bei ihr war es der metallisch-silberne Glanz, der bei der Gabel fehlte. Die war und blieb bei ihr einfach weiß.
    Andere, wie Flame, hatten da deutlich mehr Probleme.
    „Meine Feder hatte lauter Gabelzacken“, jammerte Flame. „Das sah so unglaublich komisch aus, das kannst du dir nicht vorstellen. Irgendwie sah das aus wie so ein Kamm für die Haare, wo auf beiden Seiten diese Zacken sind...“
    „Das ist doch noch gar nichts“, seufzte Kimi Sunshine aus Hufflepuff, „... mein Ding war so komisch... eine Gabel, die oben aussah wie eine Feder... Eine Katastrophe, ehrlich.“
    Doch mehr Zeit zum Reden blieb nicht, denn nach einer kurzen Pause wurden wir zu unserer Kräuterkundeprüfung in die Gewächshäuser geschickt, was die wahre Katastrophe dieses Tages war: Ich gab mein Bestes, während ich versuchte, einen heimtückischen Farn einzupflanzen, doch diese schlug mit seinen Wedeln um sich und bewarf mich mit dreckiger Blumenerde.
    Am Ende verlor ich die Geduld und kippte einfach eine Tüte Erde über ihm aus, was den Farn für eine Weile ruhig stellte, mir aber einen fassungslosen Blick von Professor Sprout einbrachte.
    Ich verließ das Gewächshaus mit dem ziemlich unguten Gefühl, dass ich alles falsch gemacht hatte, was man falsch machen konnte.
    Für diesen Tag waren die Prüfungen zu Ende, und ich war, trotz der Kräuterkunde-Misere, ziemlich erleichtert, jetzt schon etwas hinter mir zu haben.
    Der nächste Tag war entspannend: Zaubertränke und am Abend Astronomie auf dem Astronomieturm: Mein Trank war perfekt, und auch mein Sternenbild für Astronomie machte einen guten Eindruck.
    Anderen erging es schlechter: Hannas Zaubertrank war etwas dunkler gefärbt als meiner, und verströmte einen unangenehmen Geruch nach Seife und Wachs, auf Flames Trank hatten sich giftgrüne Blasen gebildet, die wie Seifenblasen durch den Raum schwebten und nicht platzen wollten, und Franzis Trank würde zu einer Brühe, die am ehesten Erbrochenem ähnelte, und zu allem Überfluss auch noch danach roch.
    Am Mittwoch standen weitere zwei Prüfungen an: Verteidigung am Nachmittag und am Vormittag die Prüfungen in Zauberkunst, doch für diese mussten wir unglücklicherweise in aller Herrgottsfrühe aufstehen, und das, obwohl wir bis 2 Uhr Nachts oben auf dem Turm noch Sternenkarten gezeichnet hatten.
    Trotzdem ging auch dieser Test schnell vorüber, und ich hatte sogar noch kurz Zeit, für die nächste Prüfung zu lernen: Verteidigung gegen die dunklen Künste bei Professor Lupin.
    Allerdings war Lernen schlecht gesagt: Ich hatte keine Ahnung, was drankommen würde. Doch bis jetzt hatte bei mir im Unterricht immer alles ganz gut geklappt. Ich blätterte wahllos durch mein Buch, doch irgendwie hatte ich so ein Gefühl, dass die Prüfungen anders werden würde als geplant.
    Ich hatte Recht: Das, was Lupin für uns vorbereitet hatte, war ein Hindernislauf, der eine Menge verrückter Hindernisse beinhaltete. Als ich am Ende der Prüfung zu Professor Lupin trat, lächelte dieser mich freundlich mit seinen müden Augen an. „Sehr gut, Miss Shine. Das gibt ein O.“ Er machte sich eine kurze Bemerkung auf sein Pergament und winkte den nächsten Schüler zu sich. Ich strahlte glücklich und lief hinüber zu Hanna, die selbstverständlich auch ein O hatte.
    „Wahnsinn, nicht? Er ist echt der beste Lehrer, den wir je hatten...“
    Jetzt stand nur noch eine Prüfung an: Geschichte der Zauberei am Donnerstagmorgen.
    Die Prüfungen war genauso langweilig wie Binns Unterricht: Über knapp 8 Pergamentseiten zogen sich Fragen zu Koboldaufständen, Gemetzel zwischen Trollen und irgendwelchen Zauberern, deren Namen ich noch nie gehört hatte.
    Ich war trotz allem ziemlich schnell fertig, und die Erste, die ihre Pergamentrolle abgab. Die Anderen beantworteten noch die Fragen. Professor Binns nickte anerkennend, als ich ihm meine Arbeit reichte und ich durfte sogar schon vorzeitig gehen. Nachdem ich ein letztes Mal Hanna und den Anderen zugewinkt hatte, verließ ich den Raum und beschloss, mir draußen ein wenig die Füße zu vertreten. Als ich vor das Schloss trat, atmete ich erleichtert auf.
    Endlich waren die Prüfungen vorbei!
    Endlich hatte die ewige Schufterei und Lernerei ein Ende...
    Ich lief den Weg entlang, in Richtung Hagrids Hütte, auch wenn ich nicht wusste, was ich hier wollte. Doch als die Hütte in Sicht kam, blieb ich plötzlich wie angewurzelt stehen. Vor mir auf dem Weg waren 3 Zauberer erschienen: Den Ersten, im schwarz-weißen Nadelstreifenanzug und mit einer schwarzen Melone auf dem Kopf, erkannte ich sofort: Cornelius Fudge, der Zaubereiminister. Die anderen beiden kannte ich nicht: Ein alter, kleiner Zauberer im dunkelbraunen Umhang, der zweite war groß und besaß einen Schnurrbart. Er sah ziemlich mürrisch drein, seine kleinen Augen glänzten wütend.
    Doch das war es nicht, was mich so erschüttert hatte: An seinem Gürtel baumelte ein riesiges Beil.
    Drohend schwang es hin und her, während der Zauberer den Weg entlang ging und die metallen Klinge glänzte im Sonnenschein.
    Mein Magen schnürte sich zusammen und ich schluckte.
    Die Berufungsverhandlung... Seidenschnabel...
    „Nein...“, flüsterte ich. Mit einem Mal fasste ich einen Entschluss:
    Wir mussten etwas tun. Sofort.
    Mit einem Satz machte ich kehrt und rannte davon.

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    ((green)) Kapitel 26 ((egreen)) Ich rannte, so schnell ich konnte, den Weg zurück, noch immer geschockt von dem, was ich gerade gesehen hatte, währe
    Kapitel 26

    Ich rannte, so schnell ich konnte, den Weg zurück, noch immer geschockt von dem, was ich gerade gesehen hatte, während tausende Gedanken durch meinen Kopf wirbelten.
    Der Henker war schon dabei! Das sah so aus, als wäre schon alles entschieden. Mir war zwar klar gewesen, dass der Hippogreif beim Prozess verloren hatte, aber ich hatte gedacht, das zumindest noch die Möglichkeit bestand, Seidenschnabel freizulassen, oder ihm noch eine Chance zu geben. Der Anblick des Henkers mit seiner Axt ließ mich regelrecht erzittern. Wenn ich mir nur vorstellte, wie Seidenschnabel hingerichtet wurde, drehte sich mir schon der Magen um.
    Erst als ich Hogwarts betrat, wurde ich langsamer. Jetzt musste ich erst einmal die Anderen finden. Die Prüfung war schon vorbei, also konnten meine Freundinnen praktisch überall stecken.
    Aber ich hatte Glück: Schon in der großen Halle traf ich auf Hanna, die alleine an einem Tisch saß und ein Buch las. Als ich keuchend neben ihr stehen blieb, sah sie verdutzt auf.
    „Hilary, wo warst du? Was hast du gemacht! Ich habe dich überall gesucht!“
    Sie legte ihr Buch weg und stand auf. Misstrauisch sah sie auf meinem Umhang und ich stellte fest, dass sich einige feuchte Matschflecken den Saum zierten. „Warst du draußen?“ Ich nickte. „Ich... also...“ Hanna hob den Kopf und sah mir mit ihren grün- braunen Augen in meine Sturmgrauen.
    „Was ist passiert?“ Mitfühlend legte sie den Arm um mich.
    Ich schluckte. „Also...“, begann ich, „es geht um Seidenschnabel.“
    Hanna riss erschrocken die Augen auf. „Nein!“ Ich nickte. „Doch.“
    „Was ist... wie... also...“, stotterte Hanna verwirrt. Sie nahm ihr Buch wieder in ihre Hände und drehte es dort aufgeregt hin und her. „Was ist los?“
    Ich atmete tief ein und aus. „Also. Ich war vorhin draußen, um mir ein bisschen die Beine zu vertreten, und ich dachte mir, geh ich mal zu Hagrid und schau, wie es ihm geht... Sprech mal kurz mit ihm... Du weißt schon. Deshalb bin ich runter zu seiner Hütte gegangen. Aber als ich dann zu der Hütte gekommen bin, standen da zwei... drei echt komische Leute.“ Ein Schauer lief mir über den Rücken, als ich wieder an die Gruppe von Personen dachte.
    „Wer war denn das alles?“, fragte Hanna neugierig.
    Ich runzelte die Stirn. „Der Erste, das war Fudge, glaub ich. Der Typ hatte so einen Nadelstreifenanzug an, und so einen Bowler auf, weißt du...“ „Fudge? Der Zaubereiminister? Ehrlich?“ Hanna starrte mich verblüfft an. Ich nickte. „Ich bin mir ziemlich sicher.“
    Hanna kaute wütend auf ihrer Lippe herum. „Das war doch alles nur Malfoy“, murmelte sie. „Ich wünsche mir, dass ich eines Tages einen Grund finde, ihn von der Schule zu werfen. Dann können die Malfoys sehen, wo sie bleiben. Wegen so einem Schwachsinn... also ich meine nicht Seidenschnabel“, fügte sie eilig hinzu, als sie mein verdattertes Gesicht sah. „Ich meinte, die ganze Verhandlung ist doch unnötig und nur weil Draco Malfoy nicht mit Hippogreifen umgehen kann...“ Sie schüttelte den Kopf, dann sah sie mich wieder an. „Und die Anderen?“
    „Der Zweite“, begann ich, „war ein alter Mann.“ „Ah, wahrscheinlich vom Ausschuss“, mutmaßte meine Freundin. Ich sah sie verblüfft an. Manchmal wusste Hanna weit mehr, als ich gedacht hätte. „Bei solchen Berufsverhandlungen muss immer so ein Mitglied dabei sein“, erklärte sie. „Und der Dritte?“ Ich atmete tief ein und aus. Mir fiel es so schwer, dieses einzige Wort über die Lippen zu bringen, aber Hanna musste es erfahren. „Der...Henker.“
    „WA-AAS?“
    Mit einem Poltern fiel das Buch zu Boden, das Hanna eben wieder in ihre Hände genommen hatte. „Das ist nicht... aber...“ Aus ihrem Gesicht wich sämtliche Farbe. „Der Henker? Wirklich?“
    Ihr biss mir verlegen auf die Lippe. „Ja. Er war groß, und stämmig, und an seinem Gürtel hatte er diese riesige Axt...“ Ein Schauer lief mir über den Rücken, und ich sah noch einmals die Szene in meinem Kopf: Der Mann, wie er sich umdrehte, und dabei die Klinge im Sonnenlicht aufblitzte.
    Wir mussten irgendetwas tun- irgendetwas... bloß was...
    Mir kam es vor als würden meine Gedanken Karussell fahren, und dabei immer nur unermüdlich um das Selbe kreisen: Wir mussten Seidenschnabel retten, bloß wie...
    „Weißt du denn, für wann ungefähr diese Verhandlung angesetzt ist?“, fragte Hanna mich.
    Ich schüttelte den Kopf. Hanna seufzte. „Wie wäre es denn, wenn wir uns einfach nach draußen schleichen und mit Hagrid sprechen? Vielleicht weiß er mehr...“
    Die Erkenntnis traf mich wie ein Schlag.
    Ich erstarrte und drehte mich um. „Hagrid...“
    Hanna sah mich an. Auch ihre Augen waren weit geöffnet, und wir sahen uns nur sprachlos und geschockt an.
    Bei all dem Trubel und dem Wirbel, den wir veranstaltet hatten zum Thema Seidenschnabel, hatten wir eines nie getan: Mit Hagrid gesprochen.
    Auf einmal kam ich mir dumm und kindisch vor: Irgendeinen bescheuerten Plan, damit wir uns an den Slytherins rächen konnten, konnte ich mir ausdenken, aber das, was wirklich gezählt hätte, das hatte ich vergessen.
    Mein Gesicht wurde heiß und ich wendete mich ab.
    „Ja... das sollten wir...“
    Hanna legte ihre warme und weiche Hand in meine. „Das schaffen wir schon“, meinte sie leise. „Komm mit.“ Sie bückte sich, hob ihr Buch vom Boden auf, und legte es auf den Tisch. Gemeinsam
    verließen wir den Gemeinschaftsraum und machten uns daran, ins untere Geschoss zu kommen. Während ich die steinernen Stufen der Wendeltreppe nach unten lief, plagten mich die Gewissensbisse, gleichzeitig graute es mich auch davor, den Henker und seine Kumpanen wiederzusehen. Sie durften uns auf keinen Fall entdecken, das war klar. Genau wie jeder andere Lehrer. Denn dann wäre uns Nachsitzen garantiert...
    „Beeil dich!“
    Ein paar Drehungen der Wendeltreppe weiter unten stieß auf meine Freundin, die mich vorwurfsvoll ansah. „Wo bleibst du denn?“ Ich verzog das Gesicht.
    „Tut mir leid... aber irgendwie... habe ich Angst“, seufzte ich. „Ich will diese Leute nicht noch einmal sehen.“ „Tu es für Seidenschnabel“, murmelte Hanna. Und nach einer kleinen Pause fügte sie hinzu: „Ganz wohl ist mir auch nicht. Aber wir sprechen einfach mal mit Hagrid, finden heraus, wann das Ganze stattfindet, und bevor sie ihn... bevor sie das Gerichtsurteil vollstrecken... binden wir ihn los und führen ihn, so gut es geht, wieder in den Verbotenen Wald.“
    Ich sah Hanna zweifelnd an. „Das funktioniert bestimmt nicht...“
    Hanna zuckte die Schultern. „Hast du einen besseren Plan?“ Ich schüttelte den Kopf.
    „Eben.“ Hanna drehte sich wieder um und lief die restlichen Stufen hinunter. „Wir müssen einfach mal versuchen, mit Hagrid zu sprechen“, rief sie. Ich schluckte und seufzte. „Ja.“
    Irgendwie würden wir auch dieses Gespräch meistern.
    Während ich hinter Hanna durch die Flure und Korridore von Hogwarts lief, dachte ich an Seidenschnabel und seine Hinrichtung. Wann würde sie stattfinden? Hatten wir überhaupt noch genügend Zeit?
    Wir rannten die Treppen hinunter, durch die große Halle, die bis auf zwei verdutzt aussehende Erstklässler menschenleer war, und zum großen Schlossportal, vor dem ich atemlos stehen blieb. „Hier lang“, flüsterte Hanna, obwohl niemand anderes außer mir anwesend war. Sie zog mich zu einer Seitentür neben dem großen Tor und drückte vorsichtig die Klinke hinunter. Mit einem Quietschen schwang die Tür auf und ein angenehm frischer Luftzug wehte in mein Gesicht.
    „Filch hat mal wieder vergessen zuzusperren“, grinste Hanna.
    Ich wollte gerade den ersten Schritt durch die Tür nachen, als mich plötzlich eine eiskalte Hand von hinten nach meinem Hals griff.
    „Haaalt Stopp!“

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    ((green)) Kapitel 27 ((egreen)) Es war, als hätte mir jemand einen Eimer mit eiskaltem Wasser über den Kopf gekippt. Ich schrie panisch auf, und gri
    Kapitel 27

    Es war, als hätte mir jemand einen Eimer mit eiskaltem Wasser über den Kopf gekippt. Ich schrie panisch auf, und griff mit der einen Hand nach meinem Zauberstab, mit der anderen versuchte ich, die eiskalte Hand von meinem Hals zu entfernen.
    „Was machen Sie da?“, fragte Hanna, die schon halb in der Tür stand. „Lassen Sie sofort meine Freundin los!“ Sie zückte ihren Zauberstab, doch die Person hinter mir hatte offenbar den selben Gedanken.
    Die kalten Hände ließen meinen Hals los, und ich wirbelte herum.
    Hinter mir stand der vermeintliche Onkel von Zoé, Teddy und Leona.
    Sein Gesicht war kreidebleich, dunkle Schatten lagen unter seinen Augen, und sein Umgang war eingerissen. In der Hand hielt er seinen Zauberstab drohend erhoben.
    „Expelliarmus!“
    Bevor Hanna irgendetwas machen konnte, wurde ihr der Zauberstab aus der Hand gerissen und segelte direkt auf ihren Gegner zu.
    „Danke“, schnarrte dieser, fing den Zauberstab lässig auf und sah triumphierend zu uns.
    „Was machen sie hier?“, fragte ich. Mit einem Schaudern erinnerte ich mich an unser letztes Treffen, auf dem Bahnsteig. Damals hatte er behauptet, mich schon sehr viel länger zu kennen, als ich dachte.
    Ich schluckte und umklammerte meinen Zauberstab noch einmal fester.
    „Was ich hier mache?“ Der Mann lachte höhnisch. „Das sollte ich lieber euch fragen.“
    Seine Stimme, das fiel mir jetzt erst wirklich auf, war rau und dunkel, und er rollte jedes einzelne „r“ im Satz. Ich nahm an, dass er aus Rumänien oder Bulgarien kam, dann fiel mir ein, dass er ja, wäre er wirklich Zoés Onkel, doch auch aus Amerika kommen müsste. Oder hatte er dort nur eine Weile lang gewohnt? Oder... gar nicht?
    Ein Schauer lief mir über den Rücken.
    „Wieso?“, fragte Hanna. „Wir sind hier Schüler. Und wir..“
    „Ihr wolltet zu den Ländereien“, antwortete der vermeintliche Onkel.
    „Ja, und?“, fragte Hanna und ich bewunderte sie wieder einmal für den Mut, den sie manchmal aufbringen konnte. Mir war alles der Mann unheimlich und mir kam es vor, als hätte jemand einen riesigen Kloß in meinen Hals gesetzt, weswegen ich kein Wort herausbrachte.
    „Es ist verboten“, sagte er. „Mein guter Freund Argus hat mich erst darauf hingewiesen.“
    Argus... Argus Filch. Ich konnte mir irgendwie kaum vorstellen, dass die beiden „Freunde“ waren, vor Allem, weil ich mir bei keinem von beiden vorstellen konnte, dass er ein guter Freund sein konnte.
    Hanna sah entrüstet aus. „Nein, ist es nicht! Schüler dürfen nach draußen, solange sie nicht in den Verbotenen Wald gehen oder nach Hogsmeade. Nach Hogsmeade dürfen nur die älteren Schüler zu bestimmten Tagen. Dumbledore selbst hat gesagt, dass wir...“
    Ein Schatten huschte über das Gesicht des Mannes.
    „Zufälligerweise komme ich gerade von Dumbledore, und der hat angeordnet, dass kein Schüler nach draußen soll.“
    Ich runzelte die Stirn. „Haben sie nicht eben erzählt, Filch hätte ihnen das gesagt?“ Der Onkel räusperte sich. „In der Tat. Beide.“ Erst jetzt schien er zu sehen, dass ich meinen Zauberstab noch immer in der Hand hielt. Er riss seinen eigenen Zauberstab hoch. „Expelliarmus!“
    Gleichzeitig erhob ich auch instinktiv meinen Zauberstab und rief laut: „Protego!“
    Mit einem lauten Knall riss es dem Mann den Zauberstab aus der Hand, der durch die Luft flog und auf ein Podest neben einer Ritterrüstung fiel.
    Panisch sah der Onkel sich um, wo sein Zauberstab gelandet war. Als er ihn auf dem kleinen Podest liegen sah, rannte er los, und wollte ihn sich schnappen, doch Hanna war schneller.
    Eine Millisekunde vor ihm schaffte sie es, dem Mann den Zauberstab vor der Nase wegzuschnappen.
    Keuchend und mit wutrotem Gesicht drehte sich der Onkel wieder zu um.
    „Ihr kleinen... verdammten... Bälger“, schnauzte er. Ich sah ihn nur wortlos an, während ich überlegte, dass dieser Mann tatsächlich der unsympathischste Mensch war, der mir je untergekommen war.
    Mal abgesehen von Snape und dem merkwürdigen Tom Riddle in der Kammer des Schreckens.
    „Jetzt habe ich mal eine Frage“, begann ich. „Sind sie wirklich der Onkel von Zoé, Leona und Teddy?“
    Meine Frage schien den Mann zu verwirren. Der wütende Ausdruck auf seinem Gesicht wich einem völlig verdutztem. „Was meinst du damit?“, fragte er.
    „Ich meine das genau so, wie ich es gesagte habe“, antwortete ich und sah ihm ins Gesicht.
    Diese Frage schien ihn tatsächlich zu erstaunen. „Natürlich.“ Er starrte mich mit seinen dunklen Augen direkt an. „Warum sollte das denn nicht so sein?“
    Keine Frage, es musste die Wahrheit sein, sonst wäre seine Reaktion anders gewesen. Vielleicht hätte er dann sofort „Ja“, geantwortet oder ewig herumgestottert. Und wenn ich mir seine Gesichtszüge genau ansah, dann hatten sie tatsächlich Ähnlichkeit mit denen von Teddy und Zoé. Leonas Gesicht war weicher, aber dafür konnte ich ihre Augen in dem Gesicht des Mannes erkennen.
    „Und ich habe noch eine Frage“, meinte ich, ohne im Geringsten auf die Antwort von Zoés Onkel auf meine vorige Frage einzugehen. „Was haben sie damit gemeint, als sie mir vor ein paar Wochen gesagt haben, dass sie mich schon länger kennen?“ Ich sah ihn interessiert an.
    Der Mann sah mich verwundert an, dann hellte sich sein Gesicht auf.
    „Das habe ich nicht gesagt. Ich habe gesagt, dass ich dich schon einmal gesehen habe. Und ich weiß auch, wann.“ Er starrte mich düster an. „Du hast mich umgeschubst. Draußen.“ Er deutete auf die Türe. Auf einmal fiel es mir wieder ein. Tatsächlich: Eine Person im schwarzen Umhang war mir damals entgegen gekommen. „Das stimmt nicht“, rief ich entrüstet. „Sie haben mich umgeworfen!“
    „Du bist mir entgegengekommen“, murmelte der Onkel. „Ich war in Eile. Und du bist nicht aus dem Weg gegangen. Und dann... hast du mir nachgeschrien, das war nicht höflich.“ Er starrte mich wütend an. „Du hast eine Strafe verdient.“
    „In der Tat.“
    Eine, mir sehr bekannt vorkommende Stimme, hatte sich zu Wort gemeldet. Hinter mir stand, hämisch grinsend, Filch, mit Mrs. Norris auf dem Arm.
    „Unerlaubt auf dem Schlossgelände herumstreichen, Lärm während Prüfungszeit verursachen...“
    „Wir haben nicht...“, begann Hanna, doch Filch drehte sich ärgerlich zu ihr um. „Sei still!“, zischte er. „Ihr kommt jetzt mit. Es gibt im Pokalzimmer einige Pokale, die mal wieder poliert werden müssten.“ Er zog seine Lippen hoch und entblößte seine gelben Zähne. „Unruhestifter, soso...“
    Wir hatten keine Wahl, der Onkel stand vor der Türe, die nach draußen führte, und hätten wir uns geweigert, hätte es noch mehr Probleme gegeben. Links und rechts konnten wir auch nicht entkommen.
    Filch setzte Mrs. Norris auf dem Boden. Fauchend sah sie uns noch ein letztes Mal an, dann verschwand sie in einen schmalen Seitengang.
    „Folgt mir!“

    29
    ((green))Kapitel 28 ((egreen)) Zu unserem Unglück verdonnerte uns tatsächlich Filch dazu, sämtliche Quidditchtrophäen im Pokalzimmer auf Hochglanz

    Kapitel 28

    Zu unserem Unglück verdonnerte uns tatsächlich Filch dazu, sämtliche Quidditchtrophäen im Pokalzimmer auf Hochglanz zu polieren, eine vollkommen sinnlose Arbeit, da diese gar nicht gebraucht wurden, und noch nicht einmal sonderlich verstaubt waren.
    Die ganze Zeit hindurch, während der wir an den Pokalen herumschrubbten, starrte uns Mrs. Norris, die vor der Tür saß, drohend aus ihren grünen Katzenaugen an. Sobald eine von uns Anstalten machte, wegzulaufen, fauchte, biss und kratzte sie, und meist stand, wie aus heiterem Himmel dazugerufen, auch Filch vor der Tür.
    Zu allem Überfluss bemerkte Hanna dann, als sie gerade den großen Quidditchpokal der Gryffindors von 1972 polierte, dass sie den falschen Zauberstab hatte.
    Ihren eigenen hatte sie ja an den Scamander-Onkel verloren, und sich dafür seinen geschnappt.
    Auch ich war bestürzt, denn wie konnte Hanna jetzt nur ihren eigenen Zauberstab wiederbekommen?
    Doch wir durften nicht gehen, und versuchen, den Eigentümer noch einmals aufzusuchen, um die Zauberstäbe zu wechseln.
    Als wir dann endlich gehen durften, sprintete Hanna sofort los. „Ich muss den Zauberstab wiederfinden! Und wir müssen auch mit Hagrid sprechen, wenn noch Zeit bleibt... aber das glaube ich nicht. Ich hoffe, dass es nicht schon... zu spät ist...“
    Ich sah aus dem Fenster. Die Dämmerung brach bereits über das Gelände herein, und tiefe Schatten zogen sich über das Gras. Ich schluckte und sah zu Hanna. Sie schien meine Gedanken fast gehört zu haben und sah mich besorgt an. „Lass es uns zumindest probieren“, meinte sie mit belegter Stimme. „Vielleicht gibt es ja doch noch eine Chance“, murmelte sie.
    Ich nickte. „Vielleicht...“ Gemeinsam gingen wir den selben Weg wie zuvor, die Treppen hinunter, durch die große Halle, wo noch die Reste eines üppigen Abendessens standen. Im Vorbeigehen nahm ich mir eine Scheibe Toast aus einem Korb und teilte sie mir mit Hanna. Erst jetzt bemerkte ich meinen großen Hunger. Kein Wunder, ich hatte seit dem Frühstück nichts mehr gegessen, und auch da hatte ich nur wenig gehabt, weil ich hauptsächlich damit beschäftigt gewesen war, mir noch einmals meine Geschichtsunterlagen anzusehen und durchzulesen.
    Eigentlich hatte ich erwartet, dass die Türe dieses Mal magisch verschlossen sein würde, aber erstaunlicherweise öffnete sie sich, als ich leise „Aholomora“ rief.
    Freudig und sehr erstaunt schlüpften wir durch die Türe, und zogen sie hinter uns zu.
    Vor uns erstreckten sich die ganzen Ländereien von Hogwarts. Der Himmel hatte sich bereits durch das Licht der untergehenden Abendsonne orange-rot verfärbt, und die Wipfel der vor uns aufragenden Bäume schimmerten golden. Das alles wurde von einer friedlichen, freundlichen Atmosphäre beherrscht, und ich wäre normalerweise niemals auf die Idee gekommen, dass hier bald jemand hingerichtet würde.
    „Komm, Hilary“, sagte Hanna. „Wir müssen aufpassen, dass uns keiner sieht.“
    So schnell wie möglich liefen wir den Weg zu Hagrids Hütte hinunter. Doch der Weg war schlammiger als gedacht, und da alles so schnell ging, rutschte ich in der ersten Windung aus.
    RUMMS.
    Mit Wucht fiel ich auf den Hintern, direkt in eine Pfütze.
    „Verdammt!“ Ich verzog das Gesicht. Der Schmerz war bestialisch und ich wimmerte.
    „Hilary!“ Hanna drehte sich um und rannte zu mir zurück. „Ist alles in Ordnung? Geht’s?“
    Ich nickte und stand vorsichtig auf. „Autsch“, seufzte ich. Mit den Fingern angelte in der Tasche meines Umhangs nach meinem Zaubertab und war erleichtert, als ich ihn in der Hand hielt.
    „Ich bin bloß schmutzig und nass geworden, aber sonst ist...“ „Hör mal“, flüsterte Hanna. Ihr Gesicht hatte sich verzogen und sie lauschte angespannt. „Da ist etwas.“
    Tatsächlich.
    Auch ich hörte die Stimmen, die von Hagrids Hütte kamen. Schwere Schritte waren zu hören, dann ein lautes Klirren.
    Mein ganzer Körper war angespannt, mir
    Ein lauter Aufschrei war zu hören, voll mit Wut. War das Hagrid gewesen?
    Ein zweiter Schrei folgte. Dann war ein dumpfer Schlag und das Krachen von zersplitterndem Holz zu hören.
    Zuerst bekam ich kein Wort heraus. Meine Kehle war wie zugeschnürt, und es war, als säße ein riesiger Kloß in meinem Hals.
    Zu spät, das war der einzige Gedanke, für den mein Kopf noch Platz hatte.
    Wir waren zu spät dran gewesen. Und jetzt war Seidenschnabel tot.
    Hingerichtet, für etwas, für das er gar nichts konnte.
    „Nein“, hauchte ich.
    Meine Augen begannen zu brennen, und ich sah verzweifelt zu Hanna hinüber.
    Ihr Gesicht war schneeweiß, und sie war genauso geschockt wie ich.
    „Wir müssen zu Hagrid!“, rief Hanna. Sie sprang auf und wollte schon zur Hütte laufen, aber ich hielt sie zurück.
    „Nein.Wir können nichts mehr tun“, murmelte ich. „Und die Leute dürfen uns auf keinen Fall sehen, andernfalls geraten wir echt in Probleme!“
    „Aber...“, begann Hanna, doch weiter kam sie nicht,. Ein lautes Knacken und Rascheln, das von einem Gebüsch in unserer Nähe ausging, schnitt ihr den Rest ihres Satzes ab.
    „Da ist was!“ Ohne auf Hanna zu achten, lief ich auf das Gebüsch zu und traf direkt in die verrückteste Szene, die ich je gesehen hatte:
    Ein großer, rabenschwarzer Hund, fast so groß wie ein Kalb, kauerte über einer Person, die am Boden lag. Ich konnte mein Entsetzen nicht mehr zurückhalten, doch bevor ich eingreifen konnte, stolperte ich über ein weiches, lebendiges Tier und landete neben einer anderen Person. Vor Schreck schrie ich auf.
    „.Lumos“, keuchte jemand neben mir.
    Ein helles Licht erschien und ich sah direkt in das blasse Gesicht von Hermine Granger. Die war völlig verdattert. „Hilary? Was machst du hier?“ Ich hätte gerne geantwortet, aber in dem Moment sauste etwas orangerotes an mir vorbei, und ich bekam irgendeinen Ast in den Mund, sodass ich diesen erst einmal ausspucken musste. Vorsichtig tastete ich nach meinem Zauberstab. „Lumos“, sagte ich zitternd. Ein weiteres Licht erschien, und jetzt erkannte ich auch Harry, der auf dem Boden lag. Sein Gesicht nahm einen verwunderten Ausdruck an, als er mich entdeckte, doch als ich dann meinen Zauberstab herumschwenkte, fiel das Licht auf etwas Anderes: Die peitschende Weide.
    Der große, schwarze Hund hatte Ron - es musste Ron Weasley sein, denn sonst hatte kein Anderer diese Haare - am Arm gepackt und versuchte ihn gerade, ihn zur peitschenden Weide zu zerren.
    Was hatte er dort mit ihm vor? Was würde das werden?
    Doch als ich zu den sich wild herumdrehenden Zweigen sah, stockte mir der Atem: In den Ästen hing Hanna, kopfüber, und versuchte, sich so gut wie möglich gegen die um sich schlagenden Zweige zu verteidigen.
    „Hanna“, schrie ich und rappelte mich auf. Meine Hände waren schlammbedeckt, genau wie mein Umhang, doch all das war mir in diesem Moment egal.
    Ich wollte nur noch eines: Hanna retten.
    Der Hund war jetzt an der peitschenden Weide angekommen und versuchte, Ron unter die Erde zu zerren: Wahrscheinlich war dort eine Öffnung... doch wohin führte sie?
    Auch Harry und Hermine rannten zum Baum. Als ich dort ankam, flog schon einmal direkt ein wuchtiger Ast auf mich zu und hätte mir nur haarscharf den Schädel zertrümmert. „Hanna!“, kreischte ich. „Warte...“ Ich wich blitzschnell einem weiteren Ast aus, duckte mich und sprang gleichzeitig in die Höhe, um einem niedrigen Ast zu entkommen. Doch der Hund machte mir einen Strich durch die Rechnung: Ron war mittlerweile in dem Erdloch verschwunden, doch anstelle ihm nachzulaufen, starrte der Hund mich mit seinen großen, braunen Augen an.
    Dann schnappte er plötzlich nach meiner Hand und zerrte mich mit sich. Ein höllischer Schmerz durchfuhr mich und mir war klar, dass mein Arm gebrochen war. Wehren konnte ich mich nicht, der Hund schleifte mich in dasselbe Erdloch, in das auch Ron verschwunden war.
    Das Letzte was ich sah, waren Harry und Hermines blasse Gesichter und Hanna, die von einem Ast zu Boden fiel, und sich nicht mehr rührte.
    Dann verschwand mein Kopf in der Erde, der Rest meines Körpers wurde mitgerissen und dann wurde alles um mich herum schwarz.

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    ((green)) Kapitel 29((egreen)) Mit hohem Tempo rutschte ich durch einen kurzen Erdtunnel, und landete dann auf hartem Boden. „Aah...“ Einen kurzen
    Kapitel 29


    Mit hohem Tempo rutschte ich durch einen kurzen Erdtunnel, und landete dann auf hartem Boden.
    „Aah...“ Einen kurzen Aufschrei konnte ich mir nicht verkneifen. Vorsichtig sah ich um mich, den Zauberstab fest umklammert. Wir waren in einem niedrigen Tunnel gelandet, der, wie es schien, noch weiter führte. Schwer atmend wollte ich mich aufsetzen, doch dann waren da schon der Hund über mir. Seine Augen leuchteten in einem dunklen Gelbton. Mit einem Knurren packte er mich an meinem Fuß und zog mich mit sich, Ron schob er dagegen vor sich her.
    „Krätze! Wo ist Krätze!“
    Ich hatte zwar keine Ahnung, wer um alles in der Welt Krätze war, aber ich wusste, dass das, nach dem Ron rief, ihm wohl sehr wichtig war.
    Auf gut Glück griff ich neben mich- und kreischte auf.
    Ich hatte etwas Weiches, sehr Lebendiges aufgehoben, das jetzt in meiner Hand zappelte. Kleine, spitze Krallen bohrten sich in meine Hand.
    Als der Lichtkegel meines Zauberstabs auf dieses Etwas fiel, bekam ich einen Schock: In meiner Hand hielt ich eine große Ratte.
    Angeekelt ließ ich sie sofort fallen.
    „Krätze!“ Rons Blick fiel auf die Ratte, die gerade versuchte, wegzulaufen. „Krätze, bleib da....“
    Der Hund knurrte und holte mit mit der Tatze aus. Mit Wucht schleuderte er das quiekende Tier zu Ron, der die Ratte fest umklammerte. Diese versuchte, sich aus Rons festem Griff zu winden und davonzulaufen, aber Ron hielt sie so fest, dass sie nur weiter quieken konnte.
    Inzwischen fühlte sich mein Fuß, an welchem mich der Hund festhielt, schon nahezu taub an. Mein rechtes Bein, das, an dem mich der Hund nicht festhielt, tat dagegen höllisch weh. Ich musste mir mindestens den Fuß verdreht haben, wahrscheinlich war das Bein sogar angebrochen. Die gesamte Situation wirkte auf mich so unwirklich: Vor nicht mal zwei Minuten war Seidenschnabel geköpft worden, jetzt wurde ich gerade von einem Hund durch einen unterirdischen Gang geschleift. Ich hatte keine Ahnung wohin, und was jetzt passieren würde, aber ich war zu erschöpft, um darüber nachzudenken. Ich ließ mich einfach nur von dem Hund weiterziehen, weiterziehen und weiterziehen...
    Es waren vielleicht insgesamt 5 Minuten gewesen, in denen ich von dem schwarzen Hund über den staubigen Boden geschleift wurde, aber mir kam es vor wie eine Ewigkeit.
    Mein Fuß tat höllisch weh, mein Kopf schmerzte und überall war Dreck und Staub.
    Darum war ich, obwohl ich nicht wusste, was mich jetzt erwarten würde, erleichtert, als der Hund anhielt.
    Ich hob meinen flackernden Zauberstab hoch und erkannte, das ich mich in einem möbelierten Raum wiederfand. Der Raum war allem Anschein nach schon viele Jahre nicht mehr genutzt geworden, zentimeterdicke Staubschichten bedeckten den Boden und die Möbel, die von Spinnweben geziert wurden. Die Fenster waren mit Brettern zugenagelt worden.
    Außerdem gab es auch eine Treppe, die in ein offenbar höher gelegenes Stockwerk führte.
    Diese Treppe wurden wir auch gerade von dem großen Hund hinaufgezerrt, währende dicke Staubwolken mir das Atmen schwer machten.
    Die harten Stufen spürte ich unsanft in meinem Rücken, und zum ersten Mal bekam ich wirklich Panik, wo das jetzt hinführen würde.
    Hanna, Harry und Hermine hatten uns aber gesehen, als wir in die peitschende Weide hineingezogen worden waren, redete ich mir ein. Sicher hatten sie sofort einen Lehrer verständigt- wobei...
    Ich dachte an Hanna, die ziemlich wild von einem Ast getroffen worden war, und Harry und Hermine hatten eher so ausgesehen, als wollten sie uns nachlaufen...
    „Es wird alles gutgehen“, flüsterte ich, um mir selber Mut zu machen. „Es wird alles- AH!“

    BUMM.

    Über die letzte Stufe war ich so unsanft gezogen worden, dass ich erschrocken meine Arme ausgestreckt hatte, um einen möglichen Sturz abzufangen.
    Ein Fehler, wie ich jetzt merkte.
    Ich hörte, wie mein Zauberstab die Stufen hinunterrollte und irgendwo unten im Raum liegen blieb.
    Sofort bekam ich Angst.
    Ich versuchte mich mit aller Kraft, die ich aufbringen konnte, zu befreien, aber es war hoffnungslos. Der Hund hatte uns jetzt in ein Zimmer gezogen, in dem ich im Halbdunkel ein Himmelbett ausmachen konnte, vielmehr aber auch nicht.
    Ich nahm allen meinen Mut zusammen und holte mit meinem Fuß aus, und tritt um mich, als mir auffiel, dass der Hund mich gar nicht mehr festhielt.
    Sofort sprang ich auf, wobei ich fast wieder umgefallen wäre, da mein Fuß schon bei der geringsten Berührung mit dem Boden unglaublich schmerzte.
    Stöhnend und keuchend rappelte ich mich auf, dabei stützte ich mich mit den Händen an der Wand ab.
    Dann drehte ich mich um.
    Der Hund war verschwunden. Ron lag auf dem Boden. Sein Gesicht war weiß und in seinen Augen spiegelte sich der Schrecken.
    Erst als ich mich noch weiter umdrehte, erkannte ich, was ihn so erschreckt hatte.
    Die eingefallenen Wangen, die langen, ungepflegten Haare, und die vor Hass glänzenden Augen - hinter mir stand...

    Sirius Black.

    31
    Kapitel 30
    Einen Moment lang stand ich einfach nur geschockt da, ohne meine Augen von ihm abzuwenden.
    Sirius Black war der Hund gewesen? Wie war das möglich? Warum war er hier? Was wollte er?
    Ich starrte in die braunen, wilden Augen. Auf einmal wurde mir die ganze Gefahr der Lage bewusst.
    Black war gefährlich. Sehr gefährlich. Er hatte 13 Menschen umgebracht, und mir stand nicht der Sinn danach, die Nummer 14 zu werden.
    Ich griff in meine Tasche, um meinen Zauberstab herauszuholen, doch die war leer.
    Verdammt.
    Der Zauberstab war mir herausgefallen, als ich die Treppe hinaufgezogen worden war, und lag jetzt wahrscheinlich irgendwo auf dem Boden des unteren Stockwerks.
    Mich überlief es heiß und kalt.
    Kein Zauberstab, das bedeutete, Black schutzlos ausgeliefert zu sein. Einem Mörder...:
    Ich wurde von Panik ergriffen. Ich wollte nicht sterben- so weit war ich noch nicht.
    Ich wirbelte herum und rannte zur Tür. Mit Schwung stieß ich sie auf, wobei mir eine riesige Staubwolke entgegen flog, die ich aber nicht beachtete.
    „Hilary!“
    Mit Schwung knallte ich die Tür hinter mir zu. Ich hatte sogar soviel Schwung, dass ich fast die Treppe hinuntergefallen wäre. Nur mit letzter Kraft konnte ich mich noch festhalten.
    Panisch, ohne auf mein verletztes Bein zu achten, stolperte ich die Stufen hinunter, die unter meinen Füßen nachgaben.
    Unten angekommen warf ich einen panischen Blick nach oben.
    Ich hatte erwartet, dass Black vielleicht mich verfolgen würde, ob als Hund oder Mensch, aber im oberen Stockwerk war alles still.
    Plötzlich erschrak ich.
    Ron.
    Der war ja noch oben! Alleine. Mit Black.
    Eine Welle von Angst und Schuldgefühlen überkam mich und ich erinnerte mich daran, dass auch Rons Bein offensichtlich gebrochen war.
    Was würde der Massenmörder mit ihm anstellen?
    Ich war hin- und hergerissen. Sollte ich zurück?
    Beruhige dich, ermahnte ich mich.
    Als Erstes musste ich meinen Zauberstab finden, ohne den konnte ich auch nichts anstellen und war Sirius Black schutzlos ausgeliefert.
    Zitternd sah ich mich in dem Raum um. Große, schwere Möbel, die voll mit Staub und Spinnweben waren, füllten den Raum und verliehen dem Ganzen etwas Düsteres. Wie lange war die Heulende Hütte wohl schon nicht mehr benutzt worden... Monate? Jahre? Jahrzehnte?
    Wozu war sie überhaupt errichtet worden? Seit jeher hatte man mir erzählt, dass es in dieser Hütte spuken würde.
    Ein Schauer lief mir über den Rücken. Ich kniete mich vorsichtig auf den Boden, wobei ich mich mit einer Hand am Treppengeländer festhielt. Mein Zauberstab war wohl unter einen der Schränke gerollt, jedenfalls konnte ich ihn am Boden nicht erkennen.
    „Accio Zauberstab“, flüsterte ich, obwohl ich genau wusste, dass dieser Zauberspruch ohne Zauberstab keinen Sinn machte.
    Unter dem klapprigen, alten Schrank in der Ecke neben dem mit Brettern vernagelten Fenster blitzte etwas auf. War das mein Zauberstab gewesen?
    Ich legte mich flach auf dem Boden und sah unter das Möbelstück.
    Tatsächlich konnte ich einen schwachen Lichtschein ausmachen, zwar nur ein leichtes Flackern, aber in der Dunkelheit relativ gut erkennbar.
    Vorsichtig robbte ich auf dem Bauch auf den Schrank zu. Die zentimeterdicke Staubschicht auf dem Boden erwies sich als ein riesiges Problem. Der Staub kitzelte mich in der Nase, doch ich versuchte krampfhaft, ein Niesen zu unterdrücken, aus Angst, Black könnte mich hören.
    Bei dem Gedanken an sein zerfurchtes Gesicht, die schmutzigen Haare und seine schattigen, dunklen Augen überlief es mich eiskalt. Hatte das Askaban mit ihm gemacht? Oder hatte er auch zu dem Zeitpunkt, als er den Massenmord an den unschuldigen Muggeln begangen hatte, so ausgesehen?
    en. Egal. Ich musste jetzt als Erstes meinen Zauberstab holen. Ich verdrängte alle Gedanken an Black und schob mich weiter über den eiskalten Holzboden, bis ich vor dem Schrank angelangt war. Zwei Schubladen fehlten dem Schrank, sie schien gewaltsam herausgerissen worden zu sein. Außerdem stand das Möbelstück auf Stützen, die einen Spalt zwischen dem Boden und der Schrankunterseite bildeten. Der Spalt war gerade groß genug, dass ein Mensch mit Mühe hineinkriechen konnte, allerdings war er von Dreck fast verdeckt.
    Mit einer Hand schob ich die Spinnweben zur Seite und spähte unter den Schrank.
    Mein Zauberstab lag ganz hinten an der Wand. Um ihn zu erreichen würde ich unter den Schrank kriechen müssen, wo wahrscheinlich jahrzehntealter Unrat und Dreck lag.
    Der Schrank war nicht nur sehr hoch, sondern auch ziemlich breit. Der Gedanke, komplett unter ihm zu liegen, war noch unheimlicher, da der Schrank relativ einsturzgefährdet aussah.
    Ich atmete tief durch und kroch unter das Möbelstück.
    Warum war ich nur so blöd gewesen und hatte den Zauberstab fallen gelassen- das war der erste Gedanke, den ich hatte.
    Staub und Dreck verdeckte meine Sicht, und ich hatte meine Augen nur einen kleinen Spalt weit geöffnet, um das Licht meines Zauberstabs erkennen zu können.
    Ich lag jetzt halb unter dem Schrank, meine Beine noch auf dem Fußboden, mein Oberkörper und mein Kopf waren in dem Spalt verschwunden. Endlich bekam ich mit meinen Händen das glatte, weiche Holz meines Zauberstabs zu fassen.
    Ich war erleichtert. Nichts wie raus hier!
    Doch als ich gerade wieder unter dem Schrank hervorkommen wollte, hörte ich plötzlich Schritte und das lautes Knarren des Fußbodens.
    Ich erschrak fürchterlich.
    Instinktiv rollte ich mich zusammen, sodass ich komplett unter dem Schrank gefangen war.
    Wer war das? Fest hielt ich meinen Zauberstab umklammert.
    War das Black? Nein, das war jemand, der durch den Tunnel hineingekommen war.
    Auch eine Stimme war jetzt zu hören. „Ich glaube, wir sind in der heulenden Hütte, Harry, oder?“
    Eine Tür quietschte, und die Personen, die den Raum betreten hatten, verschwanden in Richtung Treppe.
    Ich hätte mich doppelt gegen die Stirn schlagen können. Harry und Hermine, natürlich. Dass es die Beiden waren, das hätte ich mir schon gleich denken können...
    Das Zweite war die Erkenntnis, dass wir in der Heulenden Hütte waren.
    Warum war ich da nicht sofort draufgekommen? Okay, ich war noch nie hier gewesen, ich war auch noch nie in Hogsmeade gewesen (außer am Bahnhof), aber ich hatte die Hütte von Hogwarts aus gesehen und die unzähligen Geschichten über die Heulende Hütte gehört: Dass hier Gespenster wohnen würden, oder bissige, übermenschlich große Monster, die hier Muggel töten würden (Leeve hatte mir das vergangenes Jahr einmal beim Frühstück erzählt), und Johara Hunter hatte einmal etwas von einem Werwolf, der hier wohnen würde, gemurmelt, als ich sie gefragt hatte wovor sie am meisten Angst hätte.
    Doch so wie die Hütte momentan aussah, war hier schon länget kein Mensch mehr gewesen und auch kein Gespenst, Monster oder Werwolf. Oder?
    Ich beschloss, nicht mehr länger unter dem baufälligen Schrank liegen zu bleiben und kroch mühsam darunter hervor. Über mir quietschte der Schrank und wackelte bedenklich hin und her. Als ich endlich wieder im Freien war, war ich zwar verdreckt wie noch nie, aber dennoch erleichtert, meinen Zauberstab endlich wiederzuhaben.
    Noch immer atmete ich schnell, mein Herz klopfte wie wild. „Ganz ruhig“, mahnte ich mich selbst.
    Im nächsten Moment hörte ich von oben Schreie und ein lautes Poltern.
    In all dem Lärm hörte ich Harrys Stimme.
    „Er hat meine Eltern umgebracht!“
    Ein lautes Krachen folgte, und die Decke über mir vibrierte.
    Noch mehr Schreie, weiteres Poltern, ein Katze kreischte, wahrscheinlich der aggressive rote Kater von Hermine Granger.
    Endlich wurde es oben ruhiger. Gedämpft nahm ich durch die Decke Schritte war, und ich konnte, da es so still war, sogar die Stimmen hören.
    „Sie haben meine Eltern getötet.“
    Das war noch einmal Harry gewesen.
    Black antwortete etwas, doch dieser sprach zu leise, so dass ich es ein Stockwerk tiefer, verstehen hätte können.
    Dafür hörte ich Harrys Antwort umso lauter.
    „Nicht gewollt? Sie haben Voldemort verraten, wo er sie finden kann, aber sie wussten nicht, dass er sie umbringen wird?“
    Auch dieses Mal konnte ich Blacks Antwort nicht hören, doch ich wollte es auch gar nicht.
    Mein Herz pochte und ich zitterte wie Espenlaub.
    Diese Dinge, die ich gehört hatte, waren zu viel.
    Sirius Black war ein Todesser gewesen und hatte das Versteck von Harrys Eltern an Voldemort verraten.
    Er war noch so viel gefährlicher, als ich je gedacht hatte. Er hatte Harrys Eltern getötet- war er jetzt da, um auch Harry zu töten? Am liebsten wäre ich aufgestanden und weggelaufen, um nichts mehr zu hören, aber ich war zu geschockt und unfähig, mich auch nur irgendwie zu rühren.
    Warum hörte ausgerechnet ich so etwas mit an? Warum ich?
    Im nächsten Moment überlief es mich noch einmals heiß und kalt. Ich hörte Schritte, jemand rannte durch den unterirdischen Gang.
    Meine Augen suchten panisch nach einem Versteck, doch das war gar nicht nötig.
    die war viel zu verwirrt und zu verängstigt, um auf mich aufmerksam zu machen.
    Von oben hörte ich eine Stimme um Hilfe schreien.
    Der Professor wurde dadurch noch schneller und die stürmte die Stufen hinauf, bis er aus meinem Blick verschwand. Ich hörte oben eine Tür krachen und laute Schreie.
    „Wo ist er, Sirius?“ Das war Professor Lupin.
    Wo war wer? Ich war verwirrt. Wen meinte Lupin? Warum sprach er so ruhig mit Black, anstelle ihn festzuhalten?
    Auch wenn ich von hier aus alles verstand, was oben gesprochen wurde, wollte ich jetzt doch sehen, was oben vor sich ging. Mit letzter Kraft zog ich mich an einem kaputten Stuhl hoch.
    Mein Bein schmerzte fürchterlich. Ich wankte zwei, drei Schritte vorwärts, bis meine Kraft nachgab und ich mich an der Wand anlehnen musste, um meinen Fuß zu entlasten.
    Ich befand mich jetzt nur noch wenige Meter von der Treppe entfernt, und da oben allem Anschein nach die Tür offen stand, hörte ich jetzt noch besser als zuvor.
    Der nächste Moment war ein Schock für mich. Oben begann Hermine Granger laut zu kreischen.
    „Ich glaub‘s nicht! Sie Verräter!“ Ich erschrak. Hatte Black etwas angestellt?
    „Ich habe es niemanden erzählt, und es für Sie vertuscht-...“ „Die ganze Zeit waren Sie sein Freund- ich habe ihnen vertraut.“ Harrys aufgebrachte Stimme mischte sich zu Hermines Kreischen. Doch wen meinte er? Es musste... aber... es war doch nicht...
    „Professor Lupin, Harry, vertrau ihm nicht- er ist ein Werwolf!“
    Ich konnte mich nicht mehr halten. Zitternd fiel ich auf den Boden. Was ich gehört hatte, reichte mir absolut.
    Lupin war ein Werwolf und Blacks Freund. Ausgerechnet derjenige, den ich das ganze Schuljahr über für den nettesten aller Lehrer gehalten hatte, bei dem der Unterricht so viel Spaß gemacht hatte, war ein Verräter, wahrscheinlich hatte er Sirius Black geholfen, in das Schloss zu kommen, damit dieser- ja, was eigentlich machen sollte? Harry töten? War Harry der zuvor erwähnte „er“ gewesen?
    Oben ging das Gespräch weiter, ich bekam nur am Rande einige Informationen mit, wie zum Beispiel die Tatsache, dass Dumbledore und die übrigen Lehrer von Lupins Werwolf- Dasein wussten oder dass Lupin Sirius angeblich nicht geholfen hätte, ins Schloss zu kommen.
    Ich versuchte währenddessen, aufzustehen, und obwohl ich vor Schmerz hätte schreien können, schaffte ich es, die paar Meter zur Treppe zu humpeln, und mich Stufe für Stufe nach oben zu ziehen.
    Endlich befand ich mich wieder in der oberen Etage.
    Die Tür zu dem Raum, in dem sich die Anderen befanden, war einen Spalt geöffnet. Ich konnte trotz der Entfernung einen Blick in den Raum werfen. In der Mitte stand Lupin, der mit den Fingern ein kleines, graues Etwas festhielt.
    Rons Ratte. Krätze.
    „Das ist keine Ratte.“ Lupins Gesicht wandte sich Ron zu, der auf dem Himmelbett lag.
    Beinahe hätte ich gelacht- was sollte es denn sonst sein!
    „Das ist ein Zauberer“, sagte Lupin mit seiner ernsten, ruhigen Stimme.
    Und zum ersten Mal hörte ich auch Black sprechen.
    „Ein Animagus“, sagte dieser, „mit dem Namen Peter Pettigrew.“
    Ich hatte den Namen noch nie zuvor gehört, doch scheinbar schien er allen Anderen etwas zu sagen.
    „Peter Pettigrew ist tot“, wandte Harry ein, den ich nicht sehen konnte. Offenbar stand er hinter der Tür, wo auch Hermine stehen musste. „Sie haben ihn umgebracht.“
    „Das stimmt nicht“, seufzte Black. „Ich wollte es, aber ich habe es leider nicht geschafft.“
    In dem Schlafzimmer kam es wieder zu einer Auseinandersetzung, während ich erst einmal versuchte, das Gehörte zu verarbeiten, und gleichzeitig ein paar Schritte in Richtung Tür zu gehen. Jetzt hineinzugehen, käme mir falsch vor. Allgemein kam ich mir fehl am Platz vor- der ungebetene Gast, der, der alles mithörte, was nicht für ihn bestimmt war.
    Ich versuchte, mein kaputtes Bein so wenig zu belasten wie möglich, und ging ein paar Schritte in Richtung Türe. Ein Fehler. Irgendetwas, vielleicht ein Stück Holz, dass vom Fußboden abgebrochen war, stand mir so im Weg, dass ich stolperte. Mit einem dumpfen Knall fiel ich auf den Fußboden. Mir wurde für wenige Sekunden schwarz vor den Augen.
    Die Schlafzimmertür schwang auf und ein kalter Luftzug schwebte über mich hinweg, als hätte jemand Unsichtbares den Raum betreten.
    „Was macht das Mädchen hier- oh nein...“ Von oben sah mich Professor Lupin erstaunt an. „Haben Sie alles gehört?“ Er stützte mich, während ich aufstand und in den Raum humpelte.
    Ich schüttelte den Kopf. „Nicht alles. Das Meiste.“ Ich wand mich aus seinem Griff und ließ mich auf das Bett fallen.
    Eine Weile herrschte Schweigen, und alle sahen mich an.
    Am Liebsten wäre ich im Boden versunken. „Ich habe mich schon gefragt, wo du geblieben bist“, sagte Black und grinste, wobei man seine gelben Zähne sah.
    Ich sah ihn verwirrt an, doch ehe ich etwas erwidern konnte, ergriff Lupin wieder das Wort.
    „Alles fing an, als ich ein kleiner Junge war...“
    Als Lupin seine Geschichte erzählte, hörte ich nur mit halbem Ohr zu.
    Mir war vorher etwas anderes eingefallen, als ich Blacks Stimme gehört hatte. Etwas, was mich beunruhigte und mir Angst machte...
    Ganz am Anfang... als ich aus dem Raum gestürmt war, nachdem Sirius Black mich als Hund in diesen Raum gezerrt hatte, hatte mir jemand „Hilary“ nachgerufen. Ich hatte irgendwie immer gedacht, das wäre Ron gewesen, aber es musste Black gewesen sein.
    Woher kannte ein Massenmörder, ein Mensch, der jahrelang in Askaban gesessen war meinen Namen?
    Hatte Ron meinen Namen erwähnt.... oder zuvor Harry, Hermine oder Hanna, als der Hund zu uns gekommen war? Ich war mir ziemlich sicher... nicht.
    Oder doch? Meine Gedanken fuhren Karussell.
    Ja oder Nein? Nein oder Ja?
    Ich atmete tief durch. Wahrscheinlich schon. Denn wenn ich logisch dachte, dann musste es so sein. Auf einmal fiel mir wieder der Sprechende Hut ein... seine Kommentare dieses und letztes Jahr- da war so viel, was nicht logisch zu erklären war.
    Mich überkam ein unheimliches Gefühl, und ich schüttelte den Kopf, um mich von diesen albernen Gedanken zu befreien. Ich konnte jetzt nicht darüber nachdenken- wenn ich hier raus war.
    Von Lupins Geschichte hatte ich nur Bruchstücke mitbekommen, irgendwas über Harrys Vater.. und einen Schülerstreich von Black an Snape, der auch hier stattgefunden hätte.
    „Kann Snape Sie deshalb nicht leiden?“, fragte Harry. „Weil er dachte, Sie hätten davon gewusst?“
    In der Ecke neben Lupin polterte etwas und eine mir nur zu gut bekannte Stimme murmelte: „So ist es.“
    Mit Schwung zog Snape sich einen Tarnumhang vom Körper.
    Mir blieb fast das Herz stehen. Instinktiv zückte ich meinen Zauberstab, doch Snape war schneller. Getroffen von einer Art elektrischen Impuls sank ich auf das Bett, unfähig, mich auch nur irgendwie zu bewegen. Vor meinen Augen verschwamm das Bild, und ich nahm nur noch vereinzelt Wortfetzen war. Es war, als wäre ich gefangen in einer Art Schwerelosigkeit, und gezwungen zum Nichtstun.
    Aus der Ferne hörte ich dumpfe Schreie, ein lautes Krachen und verschiedene Stimmen, die durcheinander schrieen.
    „Schau dir die Ratte an...“ „EXPELLIARMUS!“ „Er ist Pettigrew... Pettigrew ist die Ratte, schau dir die Zehe an...“ „Krummbein hat die Passwörter für den Gryffindor-Turm für mich gestohlen... nur die Ratte...“ „Ich habe sie überredet, Peter als Geheimniswahrer zu nehmen...“
    KNALL.
    Mit einem Schlag war ich wieder in der Realität. Verwirrt und geschockt sah ich mich um. Der Knall war aus Lupins Zauberstab gekommen, den er auf die Ratte hielt. Blitze zuckten aus dem Zauberstab und das quiekende Tier in Lupins Hand begann sich zu verändern: Erst der Kopf, der nahezu kahl war und das Gesicht, dann der Oberkörper und zuletzt die Beine.
    Ein pummeliger Mann mit nahezu kahlem Kopf und gebeugter Haltung stand jetzt im Raum.
    „Peter Pettigrew“, flüsterte ich. Er sah abscheulich aus, und ich auf einmal ergaben die Worte der anderen für mich alle einen Sinn. Ich begriff, dass er derjenige gewesen war, der Harrys Eltern verraten hatte, weil er ihr... Geheimniswahrer gewesen war, und auch wenn ich nicht genau wusste, was das war, so musste es wohl etwas sehr Wichtiges sein. Außerdem war Pettigrew die Ratte gewesen, Krätze. Nach ihm hatte Black die ganze Zeit gesucht, war in den Gryffindor-Gemeinschaftsraum eingedrungen und dabei versehentlich Ron erschreckt.
    Zitternd lauschte ich dem Streit zwischen Black und Pettigrew, der krampfhaft seine Unschuld beteuerte. Mit jeder Sekunde wurde mir Pettigrew unangenehmer und seine Art ekelte mich immer mehr an. Ich hatte noch nie in meinem Ganzen dreizehn-einhalbjährigem Leben etwas gesehen, was mich mehr angewidert hätte. Ich konnte es kaum ansehen, als er schließlich bei Black und Remus um sein Leben flehte, immer wieder um Erbarmen bat und dass sie ihm verzeihen sollten.
    Trotzdem fiel mir ein Stein vom Herzen, als Harry endlich eingriff.
    „Er soll nach Askaban... tötet ihn nicht“, keuchte Harry. Ich war erleichtert, da ich schon Angst gehabt hatte, was Black und Lupin mit Pettigrew machen würden- ich hätte es trotz Allem, was dieser getan hatte, wahrscheinlich nicht ausgehalten, zu sehen, wie er ermordet wurde.
    Ein Weile war Schweigen, während Lupin Pettigrew, der sich verzweifelt auf dem Boden wälzte, fesselte und knebelte.
    Danach kam Lupin zu mir und betastete mein Bein. „Gebrochen, oder?“ Ich nickte.
    Lupin seufzte. „Ich kann das Bein nur schienen, den Rest macht dann wahrscheinlich Madame Pomfrey.“ Er deutete mit seinem Zauberstab auf mein Bein. „Ferula!“
    Im Nu war mein Bein geschient und ich konnte wieder auftreten, ohne dass mich der Schmerz halb verrückt machte. Lupin behandelte auch Ron auf die selbe Art und Weise.
    Mir fiel erst jetzt der bewusstlose Snape auf. „Was ist mit ihm?“, fragte ich. Hermine zuckte die Schultern. „Ähm... er ist von ein paar Zaubern gleichzeitig getroffen worden“, murmelte sie betreten. „Ich hoffe, wir bekommen deswegen keinen Schulverweis...“
    „Ach, das bekommen wir schon wieder hin“, sagte Professor Lupin geschäftig. „Mobilcorpus!“ Snape wurde wie an Fäden hochgezogen und baumelte jetzt in der Luft, von Black in der Schwebe gehalten.
    Lupin und Ron ketteten sich mit Fesseln an den Verräter Pettigrew, damit dieser nicht entkommen konnte.
    „Gehen wir“, meinte Lupin.
    Mir war das nur Recht. Als Letzte, hinter Harry und Hermine verließ ich den Raum.
    Wir kamen nur langsam vorwärts, und es gab teilweise große Probleme mit dem Vorankommen.
    Es war schwierig, in den Tunnel zu gelangen, und da dieser sehr niedrig war, stieß Snapes Kopf immer wieder an die niedrige Tunneldecke.
    Langsam, aber stetig kamen wir vorwärts und endlich konnte ich das Ende des Ganges durch einen schmalen Lichtspalt ausmachen. Das silberne Mondlicht sickerte durch die Öffnung in den Gang, und die letzten Meter rannte ich schon fast, um endlich wieder an die frische Luft zu können.
    Draußen war es bereits dunkel, nur die Lichter von Hogwarts erleuchteten die Finsternis. Ich rannte sofort zu der Stelle, an der der Hund uns überwältigt hatte und sah mich um.
    Hanna war nicht mehr da. Ich atmete auf. Dass sie nicht mehr da war, bedeutete, dass man sie gefunden, und in den Krankenflügel gebracht hatte. Wie es ihr wohl ging? Hoffentlich war alles in Ordnung. Beim Gedanken an den Krankenflügel, an ein warmes Bett, etwas heißes zu Trinken und ein geheiltes Bein wurde mir sofort warm ums Herz.
    Ich sah mich um, wo die Anderen wohl blieben- und erschrak fürchterlich. Vor mir stand ein riesiger, haariger Wolf. Er bäumte sich auf und schüttelte sich. Ich schrie auf.
    Natürlich. Heute war Vollmond.
    Lupin hatte sich verwandelt.
    Mir wurde schlecht und ich stürzte zu Boden.
    Nur noch schemenhaft bekam ich mit, wie der Wolf davonlief, dann legte sich die Dunkelheit wie eine dicke Decke über mich.



    32
    Kapitel 31

    „Und dann stand er plötzlich als Werwolf vor mir, und ich habe schon gedacht, dass er mich angreifen würde, aber der Hund - also Black- hat ihn dann weggezerrt, in Richtung des Verbotenen Waldes, glaube ich, aber dann bin ich auch schon umgekippt“, schloss ich meine Erzählung.
    „Ich kann es immer noch nicht glauben, dass Professor Lupin ein Werwolf ist“, sagte Ginny, die links neben mir auf der Bettkante meines Bettes in unserem Schlafsaal saß. Sie runzelte die Stirn. „Es ist wirklich sehr schade“, meinte auch Hanna. „Der Unterricht bei ihm war der Allerbeste, ehrlich. Es hat so viel Spaß gemacht, die ganzen Flüche auszuprobieren... Und erinnert ihr euch noch an die Stunde mit dem Irrwicht? Und die Geschichte mit Snape...
    Er war definitiv der beste Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste, den man haben konnte.“
    Hanna seufzte und fügte etwas leiser hinzu: „Um ehrlich zu sein, bin ich mir sicher, dass auch meine Eltern eine Beschwerde an Dumbledore geschickt haben, nachdem sie erfahren haben, dass mein Verteidigungslehrer ein Werwolf ist.“
    „Es ist ja sowieso egal“, mischte sie Ginny ein. „Jetzt können wir nichts mehr ändern. Ich glaube, dass er gestern um diese Uhrzeit in etwa abgereist ist... da wart ihr noch im Krankenflügel.“
    Ich sah bedrückt aus dem Fenster. Draußen war es heiß und sonnig, und viele Schüler saßen am Ufer des Sees und unterhielten sich eifrig miteinander.
    Nicht nur Lupins Kündigung war zum Gesprächsthema Nummer Eins geworden.
    Für Viele war die Frage, wie Black in jener Nacht geflohen war, um einiges interessanter. Innerhalb von zwei Tagen waren unzählige Spekulationen über Blacks Flucht entstanden, eine absurder als die Andere.
    Auch ich hatte keine Ahnung, was vorgefallen war. Ich hatte mitbekommen, dass Fudge ihn in ein Turmzimmer sperren lassen hatte, und er am nächsten Tag von Dementoren geküsst werden sollte.
    Dazu war es nicht mehr gekommen: Eine Stunde später war Black spurlos verschwunden.
    Für das Ministerium war das eine absolute Katastrophe, denn außer denjenigen, die in der Nacht in der Heulenden Hütte dabei gewesen waren, Dumbledore und jetzt auch Hanna und Ginny wusste keiner von seiner Unschuld.
    Ginny kicherte. „Gestern habe ich Fudge gesehen- er war so wütend, glaubt mir. Kein Wunder, ich meine, alle halten ihn jetzt für einen Versager, wo er doch vor Ort war, und Black trotzdem entkommen konnte.“
    „Ich frage mich wirklich, wie Sirius Black das hinbekommen hat“, grübelte ich. „Ich habe echt keine Ahnung... Ach, ich wünschte, ich wäre nicht im Krankenflügel gewesen, dann hätte ich vielleicht etwas mitbekommen.“
    Ginny lächelte. „Ich habe eine kleine Vermutung, wie er wegkommen konnte.“
    Ich sah sie überrascht an. „Was? Echt? Warum hast du das nicht gleich gesagt?“
    „Es ist nur eine Vermutung!“, meinte Ginny. „Ich bin mir nicht mal sicher.“
    Ungeduldig wippte ich auf und ab. „Und was denkst du?“
    „Naja“, wich Ginny aus. „Wisst ihr, dass noch jemand weg ist?“
    Ich und Hanna wechselten einen verblüfften Blick. „Wer denn?“
    Ginny grinste. „Seidenschnabel.“
    Ich sah sie verwirrt an. „Aber der ist doch... ähm... hingerichtet worden?“ Auch Hanna war überrascht. „Seidenschnabel ist tot. Wir haben es selbst mitbekommen.“
    Ginny runzelte die Stirn. „Habt ihr es gesehen?“
    Ich zuckte die Schultern. „Gesehen nicht, aber... gehört. Wir standen hinter einem Busch oder so, und dann haben wir die Axt gehört.“
    Bei dem Gedanken daran schüttelte es mich. Diesen Moment würde ich nie vergessen.
    Ginny triumphierte. „Seidenschnabel ist nicht hingerichtet worden. Als die Henker ihn töten wollten, war er weg. Einfach verschwunden.“
    Langsam dämmerte mir etwas. „Und du glaubst, dass Sirius Black auf Seidenschnabel davongeflogen ist?“
    Ginny nickte.
    „Aber wie soll das geklappt haben? Das war doch viel früher und danach war Black doch im Turm eingesperrt...“
    „Darauf habe ich auch keine Antwort. Jemand muss mit Seidenschnabel eine Zeit lang im Wald gewartet haben und dann, als er im Turm gefangen war, mit ihm dorthin geflogen sein, um ihn daraus zu befreien. Das ist meine Theorie.“
    Mir lief ein Schauer über den Rücken. „Und wer... soll das gewesen sein? Kennst du ihn?“
    Ginny schüttelte den Kopf. „Ich weiß es nicht.“
    Hanna schluckte. „Aber das würde bedeuten, dass derjenige von allem gewusst hat, was später passieren wird... Denn woher konnte dieser „Jemand“ sonst wissen, dass Black im Westturm festsitzt?“
    Wir schwiegen alle.
    „Keine Ahnung“, murmelte Ginny dann. „Es könnte sein, dass...“
    „Sei leise!“, unterbrach sie Hanna plötzlich. „Es kommt jemand.“
    Tatsächlich waren Schritte auf der Treppe zu hören. Ginny reagierte schnell und änderte sofort das Thema.
    „Freut ihr euch auch schon so auf die Sommerferien?“, rief sie mit überdreht lauter Stimme und zwinkerte uns zu.
    Die Tür ging auf und ins Zimmer kam Zoé, die offenbar nichts von unserem vorigen Gespräch mitbekommen hatte und sehr überrascht war, uns hier zu sehen.
    „Warum seid ihr bei dem Wetter nicht draußen?“, fragte sie. „Ist alles okay? Geht es euch wieder besser?“
    Die letzte Frage bezog sich auf Hanna und mich und wir beide nickten eifrig. „Alles super!“
    „Kommt ihr mit nach draußen?“, fragte Zoé. „Vielleicht können wir noch ein bisschen Quidditch spielen oder so...“
    Wir sahen uns an. „Klar!“
    Zoé lächelte. „Dann los!“

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Kommentare (246)

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vor 10 Tagen
Also ich bin (wie man sieht) noch da.
Monsterkapitel trifft es wohl ganz gut, ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll .
Ich finde es auf jeden Fall gut, dass Hilary nicht so groß in die Sache hinein gezogen wurde. Was das betrifft stimme ich nämlich Sabbiey zu. Obwohl es bei deiner Ff eigentlich noch vergleichsweise wenig ist wenn man sich mal andere Ffs hier anguckt.
Die Gedankengänge von Hilary finde ich auch sehr gut.
So und jetzt musst du wohl oder übel eine neue Theorie von mir ertragen 😝.
Nämlich das Sirius der Vater von Hilary ist. Ich bin damit wahrscheinlich total voreilig und mache eine zu große Sache daraus, dass er ihren Namen kennt, aber vielleicht liege ich ja mal außernahmsweise richtig. Jedenfalls wäre die Theorie dass Hilarys Mutter mit Sirius zusammen war und sich nach dem Sirius verhaftet wurde aus der Zauberwelt zurück gezogen und Hilarys „ Vater“ geheiratet hat.
So, jetzt kannst du dich über mich. kaputt lachen😉.

Ich hab mich übrigens wie eine Irre gefreut als ich das neue Kapitel gesehen hab. Es ist wirklich klasse, dass du wieder da bist!
❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️❤️
vor 11 Tagen
Neues Kapitel-Neues Kapitel !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Vor 99 Tagen habe ich, glaube ich, das letzte Kapitel hochgeladen. Vor über drei Monaten. Und euch versprochen, dass bald ein neues Kapitel kommt.
Leute, es tut mir so leid, dass ich so lange gebraucht habe, ehrlich. 😭
Ich weiß nicht, ob dass in nächster Zeit mal jemand ließt, und ich bin keinem böse, der diese FF für sich als tot erklärt hat, und das hier wohl nicht mehr ließt.
Aber ich möchte dieses Jahr fertig schreiben! Und ich glaube, mit der Fertigstellung dieses Monsterkapitels bin ich dem Ganzen schon etwas näher gekommen. 😁😁😁
Also, an jeden, der das ließt: Danke dafür, dass du hier (nochmal) vorbeigeschaut hast 🧡💛💚💙💜
Und DANKE an jeden, der die FF noch weiterlesen möchte!!!!
🧡💛💚💙💜🧡💛💚💙💜🧡💛💚💙💜
vor 36 Tagen
@Sabbiey
Vielen Dank für dieses ehrliche Kommentar😊
Ich habe schon viel nachgedacht, und ganz ehrlich: Du hast Recht.
Ich werde versuchen, das zu ändern, das Problem ist bloß: Für ihre eigene Geschichte ist z.B das, was sie hier erfährt, wichtig...
Ach, es ist kompliziert... 😣
vor 46 Tagen
Mir gefällt deine Geschichte (beide Jahre) wirklich unglaublich gut. Deine Art zu Schreiben finde ich fantastisch und der Inhalt ist sehr spannend. Mir persönlich gefällt es allerdings nicht so gut, dass du Hilary so direkt in Ereignisse aus den Büchern mit einbeziehst, bei denen eigentlich nun mal niemand weiter beteiligt war. Ich finde Hilarys Geschichte hat an sich genug Potenzial um parallel und eigenständig neben der Harry Potter Geschichte zu existieren. In ihrem Leben gibt es genug spannendes und mysteriöses das es zu Erforschen und Lösen gibt. Es bringt in meinen Augen keinen Mehrwert sie zusätzlich an Harrys Erlebnissen teilhaben zu lassen, es wirkt auf mich eher gezwungen und weniger authentisch.
vor 58 Tagen
Hallo ihr Lieben ❤️

Ja, ich melde mich auch mal wieder 😀
Es tut mir unglaublich leid, dass hier im Moment- wie auch schon die letzten Monate (😫) nichts läuft.
Ich habe nicht vor, diese FF zu beenden, und mir fallen immer mehr Ideen ein, aber ich habe es nie auf die Reihe bekommen, dieses eine Folgekapitel zu schreiben. Ich fange an, schreibe zwei Zeilen, merke, dass es nicht passt, und lösche es wieder. In gewisser Weise habe ich also auf jeden Fall eine Schreibblockade.
Aber ich denke auf jeden Fall noch an dieses Projekt @Tara N. Tallegra.
Und ich möchte wirklich nicht, dass all die Arbeit, die ich schon hier hereingesteckt habe, umsonst war.
@Teuflisches Girl
Ja 😏 Du hast Recht. Mir ist auch schon etwas eingefallen, aber es hängt einfach an der Umsetzung. Mir tut das echt furchtbar leid 😐.
Aber wie du richtig sagst: An die Arbeit! 😉 Es muss ja klappen...
vor 62 Tagen
Princess Buttercup, bitte halte durch! Du hast eine Schreibblockade, oder vielleicht zur Zeit einfach so ein tolles, erfülltes Leben (das wünsche ich dir), dass du nicht mehr an dieses Projekt denkst. Aber denk an die ganze Zeit, die du schon hier rein gesteckt hast. Ich glaube, du kannst stolz darauf sein, und wie toll wäre es durchzuhalten und das Projekt wirklich bis zum Ende durchzuziehen!

Ich glaube an dich! Und damit bin ich garantiert nicht allein!

❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤❤
vor 64 Tagen
Du hast vor 46tagen gesagt dein ziel ist es das Jahr ihn denn nesten tagen fertig zur bekommen.Ehhh,jagut meintest du wochen oder Monate?Naja ich liebeee diese Geschichte, aber dann musst du auch bitte weiterschreiben"!Ich weiss es ist nicht so einfach wie man denkt sicjh was aus zur denken aber.....46tagen irgennt was muss ein doch eingefallen sein für ein neues kapitel?!Ich hoffe du schreibst bald weiter,die luete die nämlich nicht geduldig sind werden sonst deiner story nicht mehr volgen!Also an die arbeit :D

LG:Teuflisches Girl
vor 82 Tagen
@Anonym Wieso Fake?! 😶
vor 85 Tagen
Doof. Ist alles fake!!!!!
vor 99 Tagen
Hey,die ff ist mega. BITTE schreib weiter. Ich möchte wissen wie es mit Hilary weitergeht und warum der sprechende Hut igr den Spiegel gegeben hat und ob ihre Mutter mal auf hogwarts war. Bye
vor 102 Tagen
Das kann ich vollkommen verstehen und ich denke, die anderen auch. Ich hatte mal vor Ewigkeiten eine FF schreiben wollen, die sich auf das 4. HP-Buch bezieht, dann aber schnell wieder aufgehört, weil ich nicht alles kopieren wollte, aber nicht wusste wie ich das gut umschreiben kann. Von daher finde ich es vollkommen nachvollziehbar, dass du für die Szenen, die auch im Buch vorkommen, länger brauchst. :)
vor 110 Tagen
Sorry, Leute 😫 Irgendwie habe ich im Moment einen absoluten Durchhänger.
Ihr wisst ja, dass Hilary jetzt eigentlich das Gespräch wie im Buch mitanhört, und mir fällt es einfach immer schwer, Situationen aus dem Buch nachzuschreiben (deshalb beschreibe ich auch nur selten Quidditchspiele). 😕
Naja, das Kapitel wird kommen. Hoffe ich doch. Bald. Mein Ziel ist es, in den nächsten paar Wochen dieses Jahr noch zu schaffen.
😅
vor 115 Tagen
Coole story,aber deinne 2 fand ich besser also das 2 jahr aber echta uch cool :D
vor 129 Tagen
Nein, mit meiner Theorie lag ich daneben ;) Aber aus dem Onkel werd ich ja auch nicht so ganz schlau.. Wahrscheinlich kommt in diesem Teil nicht mehr so viel zu ihm? Jetzt erstmal kommt schließlich die heulende Hütte. Und ich freue mich auch schon auf das neue Jahr!!!
vor 131 Tagen
Du solltest den Text noch einmal überarbeiten, denn dort sind viele Tippfehler
Aber sonst super perfekt!
vor 137 Tagen
Krass, dass wir schon fast am Ende vom 2. Jahr sind 🙈 Ich freue mich schon darauf, bald das neue Jahr starten können! 😄
vor 138 Tagen
@Lissy Lovegood
Und? Hat sich die Theorie bestätigt? 😋 Zu schade, dass Hilary und Hanna jetzt erstmal Pokale putzen müssen...
vor 138 Tagen
Juhu, es geht weiter ;) Mir ist aber auch erst während dem Lesen des Kapitels aufgefallen, dass Hilary und die anderen bis jetzt noch gar nicht bei Hagrid waren. Aber jetzt gegen Ende überhäufen sich die Ereignisse ja wieder regelrecht. Und jetzt auch noch jemand, der Hanna und Hilary aufhalten will zu Hagrid zu gehen. Ich habe auch schon so meine Theorie, wer das sein könnte, ich bin mal gespannt :)
vor 138 Tagen
@Shadow Danke für die lieben Worte ❤️
@ Parkbank Irgendwie finde ich deine FF einfach nicht... Ich gebe mir jetzt nochmal die größte Mühe, sie zu finden... 😬 Vielleicht kannst du mir ja sonst einfach den Link in die Kommis schicken?! 😀

@alle Neues Kapi 😃
vor 143 Tagen
Dein Harry Potter FF ist total spannend!
Ich finde du hast es super super super gut geschrieben! 😁 Es hat viel Spaß gemacht es zu lesen! Ich frage mich wie es weiter geht,
bestimmt schreibst du die Geschichte weiter.
Ich wünsch dir viel Glück dabei! :)