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When she awakes...

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17 Kapitel - 24.318 Wörter - Erstellt von: - Aktualisiert am: - Entwickelt am: - 4.755 mal aufgerufen- Die Geschichte ist noch in Arbeit - 2 Personen gefällt es

Ich bin ein Monster.Sie haben Angst vor mir.Ich bin ihr schlimmster Albtraum.Sie denken, ich bin keine Gefahr für sie, weil ich mein Gefängnis nicht verlassen kann.Was, wenn sie sich irren? Wenn ich frei bin, werde ich nur eins wollen.Rache, für das, was sie getan haben, für ihren Hass.Wahre Freundschaft oder Liebe gibt es nicht.Aber was wäre, wenn doch?

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    Kapitel 1 Ich bin nichts. Ich lebe in einem Käfig wie ein Tier, ich spreche nicht, ich kann nichts tun, ich bin allein.Ich kann Tag und Nacht nicht v
    Kapitel 1

    Ich bin nichts.
    Ich lebe in einem Käfig wie ein Tier, ich spreche nicht, ich kann nichts tun, ich bin allein.Ich kann Tag und Nacht nicht voneinander unterscheiden, ständig fällt das gleiche graue Licht durch die trübe Glasscheibe am anderen Ende des Raums.Ich habe keine Gefühle.An das letzte Mal, als jemand mit mir gesprochen hat, kann ich mich nicht erinnern, die einzigen Stimmen, die ich höre, kommen von hinter der schweren Tür, die mich aufhalten soll, falls es mir gelingen sollte, mein Gefängnis zu verlassen.
    Ich weiß nicht, wer ich bin, was ich bin, aber mir ist klar, dass die Gitterstäbe, die mich umgeben, nicht umsonst dort stehen.Sie sollen verhindern, dass ich diesen Raum, in dem ich seit einer gefühlten Ewigkeit bewegungslos auf dem mit alten Knochen bedeckten Boden gekauert habe, verlasse.Und endlich das tuen kann, wonach ich mich am meisten sehne.Mich rächen.

    Ein Quietschen.Als ich aufblicke, sehe ich, wie sich die riesige Tür langsam öffnet.
    An dem Geräusch, das das Öffnen begleitet, kann man erkennen, dass die dicke, schmucklose Eisentür schon lange nicht mehr aufgemacht wurde.Davon zeugen auch die Spinnenweben, die wie dichte, im allgegenwärtigen Dämmerlicht silbern schimmernde Gebilde an der Decke, in den Ecken und eigentlich überall außerhalb meiner Reichweite hängen.Sogar die Spinnen halten sich von mir fern, ich sehe sie immer nur kurz an den Wänden vorbeihuschen, und selbst dann sehen sie so aus, als hätten sie vor etwas Angst. Wobei es mir nicht schwer gefallen ist zu erraten, dass ich der Auslöser ihrer Furcht bin, da ich das einzige Lebewesen in diesem kahlen Raum bin, das die oftmals wirklich widerlichen Insekten mit ihren vielen Beinen und den zahllosen Augen so einschüchtern kann.
    Unter dem Schleier der Spinnennetze sehe ich, wie sich die Tür Stück für Stück weiter aufgeschoben wird, das hektische Trippeln an den Wänden verrät, dass die Spinnen aufgeschreckt wurden und sich jetzt wieder in ihren klebrigen Netzen verstecken wollen.Ich richte mich auf, strecke meine vom ewigen Herumliegen tauben Glieder und ziehe mich in den Schatten zurück, wo ich mit lauerndem Blick darauf warte, dass die Eindringlinge mein Gefängnis betreten.Das Wasser läuft mir im Mund zusammen, als mir ein Geruch in die Nase steigt, den ich schon einmal gerochen habe, in einem anderen Leben, an welches ich mich nicht erinnern kann, das nur ein dunkler Schatten voller Schmerz und Lärm in den Tiefen meiner Erinnerungen ist.Orks.Das Wort fällt mir spontan ein, als sich ein verkrüppelter Kopf mit zermatscht aussehender Knollennase durch den Türspalt schiebt.Er schaut sich erst vorsichtig um, bevor er den Raum betritt, dann über die Schulter schaut und etwas in den Flur raunt, den ich hinter dem Türspalt erkenne.Zögerlich kommt noch ein Ork herein, hinter ihm fällt die Tür ins Schloss und von außen wird ein Schlüssel umgedreht.Panisch rütteln die Orks an der Tür und flehen darum, hinausgelassen zu werden.”Zuerst holt ihr sie raus!”, antwortet eine herrische Stimme hinter der Tür und schließlich geben die Orks auf und einer kommt mit einem schweren Schlüsselbund in einer Pranke auf meinen Käfig zu.Ängstlich blickt er immer wieder zu seinem Kollegen, der mit versteinerter Miene immer noch vor der Tür steht und offenbar noch hofft, dass er mein Gefängnis wieder verlassen darf.Ihrem Verhalten nach zu urteilen, hat keiner der beiden mich in der hintersten Ecke meines Käfigs gesehen, denn der an der am Eingang stehende Ork fragt mit piepsender Stimme, ob der andere “die Bestie”, womit ja nur ich gemeint sein kann, gesehen hat, woraufhin der andere den hässlichen Schädel schüttelt und sich mit winzigen Schritten langsam dem Tor meiner Zelle nährt.Ungeduldig verharre ich bewegungslos im Schatten und frage mich, wie es wohl ist, wenn ich den Orks die Hälse umdrehe und meine Zähne in ihr noch warmes Fleisch schlage…
    Endlich höre ich das langersehnte Klicken, als das riesige Schloss endlich aufspringt.Ich erinnere mich noch dunkel an unzählige Versuche, bei denen ich am Schloss gerüttelt und gerissen habe, bis meine Handflächen blutig und aufgeplatzt waren, wovon noch die schwieligen, verblassten Narben auf meinen Fingern zeugen.
    Mit einem Nicken ruft der Ork mit den Schlüsseln den anderen zu sich, die schwere Eisenkette, die er bei sich trägt und ängstlich umklammert, bemerke ich erst, als neben seinem Kollegen steht, ebenso wie die zwei klobigen Keulen, von denen er dem anderen Ork eine überreicht.Ein nur bösartig zu nennendes Lächeln liegt auf meinen Lippen, noch während die Orks zögernd an der Tür stehen und diese dabei dummerweise offen stehen lassen.Das wird ihr Verhängnis sein.Blitzschnell springe ich vor und reiße einem der beiden mit meinen mit der Zeit lang gewachsenen Fingernägeln die Kehle auf, noch bevor er überhaupt reagieren kann.Seine stämmigen Beine knicken ein und er fällt schlaff und mit lautem Gepolter auf die auf dem Boden verteilten Knochen, die unter seinem Gewicht zersplittern.Der andere schreit schrill auf und weicht stolpernd zurück, als ich mich wieder aufrichte.Warmes Blut läuft über meine Hände und der köstliche Geruch der der dunkelroten Flüssigkeit steigt mir in die Nase.Nur mit Mühe halte ich mich zurück, auf die Knie zu fallen und die Orkleiche zu zerreißen.Aber erst einmal muss ich den zweiten Ork loswerden, bevor er auf die Idee kommt, die Keule in seiner zitternden Pranke gegen mich zu verwenden.Mit selbstzufriedener Miene drehe ich mich zu ihm um.”Bitte verschont mich! Bitte lasst mich leben, ich soll doch nur…”, sein Flehen verwandelt sich in Schreien, als ich meine Nägel das erste mal in seinen Körper schlage, in den Bauch, etwa in der Höhe seines Magens.Blut spritzt auf den Boden und gierig beuge ich mich über ihn, als er mit auf seine Wunde gepressten Händen auf die Knie sinkt.In seinen schiefen Augen sehe ich nackte Panik, als ich den Mund öffne und er meine langen Zähne zu sehen bekommt.Ich weiß nicht, ob ich vorher schon so war, aber man kann nicht leugnen, dass ich ein Wesen bin, vor dem die Menschen und Orks Angst haben.Ein Monster, eine Missgeburt mit langen Nägeln, die die Bezeichnung Krallen verdienen und ebenso unmenschlichen spitzen Zähnen, bei denen die oberen Eckzähne sogar über meine Unterlippe hinausgewachsen sind.
    Meine Stimme klingt heiser und eingerostet, als ich fauche:”Ich lasse mich nicht einfangen...Niemals!”.Obwohl ich seit mindestens hundert Jahren nichts mehr gesagt habe und auch niemanden gesehen habe, ist das das erste, was einem Gespräch gleichkommt und nicht nur darin besteht, die Wände anzuschreien und zu beschimpfen, wie ich es manchmal gemacht habe, wenn die Stille zu erdrückend wurde.An manche Worte kann ich mich wahrscheinlich gar nicht erinnern, aber dieser Satz war für mich mühelos auszusprechen, denn er drückt genau das aus, was ich empfinde.Die Ironie dahinter, weil ich schließlich schon sehr lange, zu lange, gefangen war, ist grausam.Genauso wie die langen Schnitte, die ich dem wie am Spieß schreienden Ork an den Armen und im Gesicht zufüge.Aber ich wollte Rache, will sie immer noch, und was ist eine bessere Rache, als einer der Kreaturen, die jeden Tag an meinem Gefängnis vorbeikommen und die bestimmt meine Verzweiflungsschreie hören, einen langsamen Tod zu bereiten? Als das Herz meines Opfers schließlich aufhört zu schlagen, schlage ich meine Zähne in das noch warme Fleisch, schmecke das Blut und spüre die Selbstsicherheit, die sich nach dem Töten der beiden Orks eingestellt hat.Ich merke, wie ich stärker werde.
    Und das ist erst der Anfang.


    Hey,
    das hier ist meine allererste Fanfiction, die ich veröffentliche.Ich würde mich über Kritik (und natürlich auch Lob xD) in den Kommis freuen, weil ich mir ehrlich gesagt sehr unsicher bin, was diese Geschichte angeht.
    LG lost_hope

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    Kapitel 2 Ich schreie frustriert auf.Auch nach mehreren Versuchen, die große Tür, das einzige Hindernis, das mich noch von meiner Freiheit trennt, z
    Kapitel 2

    Ich schreie frustriert auf.Auch nach mehreren Versuchen, die große Tür, das einzige Hindernis, das mich noch von meiner Freiheit trennt, zu öffnen, hat sich das schwere Eisen nicht einen Zentimeter bewegt oder auch nur den kleinsten Kratzer abbekommen, während das Blut an meinen Fingerknöcheln nur so herunterläuft und auch mein Gesicht von zahlreichen, aber nicht sehr tiefen, Schrammen bedeckt ist, von den absplitternden Knochen, mit denen ich die Tür aufbrechen wollte.
    Nachdem ich meine unerwartete Mahlzeit genossen hatte, setzte sich der Gedanke an eine Flucht in meinem Kopf fest.Nur hatte ich nicht erwartet, dass es so schwer sein würde, die Tür zu zerstören oder auch nur zu zerkratzen.Überall auf dem dreckigen Boden liegen verteilt einzelne kleine Knochensplitter herum und meine Füße haben den Staub, der sich jahrelang auf dem kalten Steinboden angesetzt hat, aufgewirbelt, sodass er mich wie eine schmutzige Wolke umgibt.
    Verzweifelt wende ich mich um, suche in dem kahlen Raum nach irgendetwas, was mir helfen könnte, aus diesem Gefängnis zu fliehen.Aber nur kahle Wände, Staub, Knochen und Spinnen.Nichts, was mir weiterhelfen könnte.
    Ich gehe zum Fenster, berühre das Glas, das so mit grauem Staub bedeckt ist, dass man nichts von der Welt außerhalb meines Gefängnisses sieht.Wenn dort überhaupt etwas ist.Ich lege meine Stirn an das kühle Glas und überlege.Nach langer Zeit habe ich etwas, wofür ich kämpfen kann und will.Meine Freiheit.Ich will wieder Farben sehen, an die ich mich nur noch schwach erinnern kann, nicht nur dieses triste, eintönige Grau, aus dem meine jetzige Welt besteht.Den Wind spüren, der durch meine Haare weht und nicht nur die abgestandene, stinkende Luft einatmen, die schon sich schon zu lange in diesem abgeschlossenen Raum befindet und deren Einatmen ein Stechen in der Lunge verursacht.Und ich werde frei sein.Ich bin mir sicher, mein Wille ist stärker als das Glas, und auch obwohl ich nicht weiß, ob ich nicht gleich mit einem Schauer aus Scherben viele Stockwerke nach unten falle, werfe ich mich mit voller Wucht gegen das Fenster.Sobald ich das Glas berühre sehe ich einen grellen Lichtblitz, dann nur noch Dunkelheit und Schmerz.
    Zitternd liege ich auf dem kalten Stein, warte darauf, dass der Schmerz, der sich in meinen Schädel gebohrt hat, langsam abklingt.Als ich zögernd die Augen öffne, sehe ich immer noch den gleichen verhassten Raum vor mir.An der gegenüberliegenden Wand hockt eine fette Spinne und es kommt mir so vor, als würde sie mich hämisch angrinsen.Kraftlos werfe ich einen Knochen nach ihr, verfehle sie aber.Mit einem dumpfen Geräusch fällt er auf den Boden zurück und die Spinne verschwindet wieder in einem der Netze.
    Als der Schmerz zu einem leichten Pochen geworden ist, schaffe ich es, mich aufzurichten und mit dem Rücken an die Wand zu lehnen.Sofort höre ich über mir eiliges Getrappel, die Spinnen wollen sich offenbar nicht auf der gleichen Seite des Raumes wie ich befinden.Mit leerem Blick mustere ich die Knochen, alle weisen die gleichen Spuren auf wie die der Orks, die ich getötet habe, lange Kratzer ziehen sich durch das weiß der sonst ziemlich glatten Oberfläche.Heißt das, ich habe auch sie umgebracht, sie aufgeschlitzt und ihr Blut getrunken? Obwohl ich es mir nicht eingestehen will, tief in mir beginne ich zu verstehen, warum ich weggesperrt wurde.

    Sie kommen.Wer auch immer sie sind.
    Und ich bin darauf vorbereitet.
    Die Geräusche auf dem Flur werden lauter, doch die dicke Tür verhindert, dass ich Worte aus dem Gemurmel heraushören kann, das direkt vor der Tür meines Gefängnisses verstummt.Stattdessen höre ich das Klirren von Eisenketten und einige geknurrte Befehle.Fast automatisch stelle ich mich direkt neben der Tür auf, sodass man mich nicht sofort sieht, wenn jemand hereinkommt.Denn es besteht kein Zweifel, dass jemand kommen wird.Sie wollen die Aufgabe zu Ende bringen, die die toten Orks eigentlich ausführen sollten, daran aber gescheitert sind.Sie wollen mich einfangen.Aber so einfach gebe ich nicht auf.Selbst wenn es das letzte ist, was ich tue, ich werde kämpfen.
    Wie beim vorigen mal öffnet sich die Tür mit einem langgezogenen Knarren.Alle Muskeln in meinem Körper sind angespannt, ich bin bereit, von einer Sekunde auf die nächste ohne Vorwarnung vorzuspringen.Als sich mehrere Orks in den Raum schieben, wage ich kaum zu atmen.Es sind fünf dieser abscheulichen Kreaturen, sie haben Eisenhaken und riesige Ketten dabei, in ihren Augen kann ich den Wunsch zur Flucht ablesen, ich sehe ihre Furcht vor mir in ihren starren Mienen und den grausam verzerrten Mündern.Sie starren konzentriert in die hinterste Ecke des Raumes, wahrscheinlich erwarten sie, dass ich mich dort wieder in den Schatten zurückgezogen habe.Sie bemerken mich nicht einmal, als ich hinter ihnen vorbei aus dem Raum husche, der jahrelang mein Gefängnis war.Ich kann es einfach nicht realisieren, dass ich frei bin, die dunkle Zelle verlassen habe, nicht mehr von Gittern umgeben bin.
    Im Flur merke ich, dass ich mich zu früh gefreut habe.Wie konnte ich nur erwarten, dass die fünf Orks, die sich jetzt sichtlich verwirrt umdrehen, als viele Stimmen durcheinander rufen:”Sie ist hier draußen!”, die einzigen waren, die hier sind? Nachdem ja bestimmt ein Ork die Todesschreie der letzten Orks mitbekommen hat, war es mehr als wahrscheinlich, dass sie jetzt mit einer größeren Truppe anrücken.Trotzdem werde ich nicht aufgeben, nicht jetzt, wo ich schon so nahe daran bin, mein Ziel zu erreichen.
    Ich nutze den Moment der Verwirrung unter den Orks und stürme vorwärts, immer den grobschlächtig aussehenden Waffen der nach und nach aus ihrer Erstarrung erwachenden Kreaturen ausweichend, bis mich eine Keule seitlich am Kopf trifft und ich gegen die steinerne Wand geschleudert werde, von der ich abpralle und hart auf dem Boden aufschlage.Durch den Aufprall wird alle Luft aus meiner Lunge gepresst und benommen liege ich dort, unfähig mich zu bewegen.Erst als sich ein Ork mit erhobener Waffe über mich beugt, reagiere ich, als ich das Schwert mit rasender Geschwindigkeit auf mich zukommen sehe, drehe ich mich noch im letzten Moment zur Seite und mit lautem Scheppern kracht die Waffe auf den Punkt auf dem Boden, wo ich vor weniger als einer Sekunde noch lag.Ich reiße mein Bein nach oben und schaffe es, den Ork so an der Brust zu treffen, dass er gegen seine Kollegen fällt, was eine Kettenreaktion auslöst, als jeder Ork versucht, sich an einem seiner Nachbarn festzuhalten, was damit endet, dass die hässlichen Kreaturen einen zappelnden, hilflosen Berg mitten auf dem Flur bilden.Mit gehässigem Lächeln im Gesicht drehe ich mich um.Und stoße fast mit einer Gestalt zusammen, die in eine schwarze Kutte gehüllt ist.Mit eisernem Griff packt sie mich am Hals, ich ringe verzweifelt nach Luft, während die Gestalt mit seltsam schneidender, aber auch irgendwie vertrauter Stimme:”Kleines Mädchen, was machst du hier?”, fragt.


    3
    Kapitel 3

    Das kalte Metall der scharfkantigen Handschuhe des Fremden bohrt sich schmerzhaft in meinen Hals.Ich ringe nach Atem, mein Sichtfeld verschwimmt und meine Lunge brennt und schreit förmlich nach Luft und mein Kopf fühlt sich an, als wäre er kurz vor dem Explodieren.
    Kraftlos schlage ich mit meinen Krallen immer wieder in die Richtung des Fremden, aber entweder berühre ich ihn nicht einmal ansatzweise oder er wehrt die Schläge mit der anderen Hand ab.Ohne Mühe hat er mich mit einem Arm hochgehoben, sodass meine Beine wirkungslos in der Luft hängen.
    Als ich schließlich meine zu ersticken, werde ich plötzlich auf den Boden geschleudert.
    Mit voller Wucht kracht mein Kopf auf den harten Boden, eine warme Flüssigkeit, die ich nur mühsam als Blut erkennen kann, rinnt mir über das Gesicht und beim Aufprall auf dem Stein höre ich das furchtbare Knacken brechender Knochen.Ich schnappe nach Atem, schmerzhaft fließt wieder Luft in meine Lungen.
    Obwohl ich nicht weiß, was für Schäden ich beim Aufprall auf dem Boden erlitten habe, will ich mich aufrappeln und den Fremden angreifen.
    Ich will, dass er solche Schmerzen fühlt wie ich, will, dass er am eigenen Körper erfährt, wie es ist, wenn einem die Luft abgedrückt wird, ich will, dass er leidet.
    Doch ich schaffe es nicht einmal, mich mit einer Hand auf dem Boden abzustützen, meine eine Hand steht in einem unnatürlichen Winkel ab, während bei der anderen die Haut völlig zerfetzt ist.Meine Krallen sind fast alle vollständig abgebrochen und die Welt scheint sich zu drehen, sobald ich den Kopf auch nur bewege.
    Das ist der Moment, in dem ich weiß, dass es vorbei ist.
    Schwere Schritte erklingen neben mir, metallisch hallt das Geräusch in diesem dunklen Flur, es ist das Einzige, das man hören kann, abgesehen von meinem rasselnden Luftholen.Sogar die Orks sind leise, ich kann ihre Anwesenheit nur erahnen, dunkle Schatten am Rande meines Blickfeldes, die bewegungslos hinter dem dunkel verhüllten Fremden stehen, der jetzt auf mich zukommt.
    “Was wollt Ihr?”, heiser krächze ich diese Worte, je länger ich daran denke, an desto mehr Wörter kann ich mich erinnern, auch wenn mir das nicht viel nützen wird, wenn ich hier und jetzt umgebracht werde.
    “Deine Gabe, Schattenmädchen”, die Stimme des Fremden klingt sanft, fast als wolle er mich trösten.
    Hoffnung steigt in mir auf.
    Dann tritt er mir seitlich an den Kopf.Verzweifelt versuche ich bei Bewusstsein zu bleiben, langsam verdunkelt sich alles.Noch ein Tritt.Gequält schreie ich auf, krümme mich zusammen, während Wellen von Schmerz durch meinen Körper rasen.
    Ich will, dass es aufhört.
    Erleichtert begrüße ich die Dunkelheit, die mich fast beschützend umschließt und die angenehme Taubheit, die die Schmerzen verschwinden lässt.
    Ich schließe die Augen und lasse los.

    Zusammengekrümmt liege ich auf einem weichen Untergrund.Mein ganzer Körper tut weh und der Geruch von getrocknetem Blut steigt mir in die Nase.Zögernd blinzele ich, selbst diese winzige Bewegung löst stechende Schmerzen aus.Ein leises Wimmern, für das ich mich noch im selben Moment verfluche, kommt über meine Lippen.Ich will keine Schwäche zeigen.
    Als ich die Augen jetzt vollständig öffne, sehe ich, dass ich mich in einem Kerker befinde, allerdings muss dieses Gefängnis tief unter der Erde liegen, denn es gibt nicht einmal ein schmutziges Fenster, durch das schwach das Licht fällt.Es ist stockfinster, trotzdem kann ich meine Umgebung genauso gut erkennen wie in meinem letzten Gefängnis.Mein Sehvermögen wird nicht von Dunkelheit eingeschränkt, auch in der tiefsten Finsternis sehe ich alles gestochen scharf.
    In der Kerkertür befindet sich so etwas wie ein Fenster, durch das man in den Flur schauen kann wenn man möchte, als Fluchtweg ist es aber leider definitiv nicht geeignet, denn ein Gitter macht es unmöglich in den Flur zu klettern.Die Tür selbst ist aus schwerem Metall.
    Gegenüber dieses Eingangs steht die Holzpritsche, auf der ich liege, der harte Untergrund ist mit Stroh gepolstert und ich habe sogar eine, an vielen Stellen schon mehrfach geflickte Decke aus einem kratzigen Stoff.Sonst ist der Raum leer, und im Vergleich zu meinem alten Gefängnis ist diese Zelle ein riesiger Fortschritt, was aber trotzdem nicht heißt, dass ich hierbleiben möchte.
    Mühsam versuche ich mich aufzurichten.Die schweren Ketten, die fest an meinen Handgelenken befestigt sind und deren Enden an Eisenringen an der Wand befestigt sind, klirren leise und ihr Gewicht droht mich wieder auf die Pritsche zurück zu drücken, erst nach mehreren Versuchen gelingt es mir, aufrecht auf der Pritsche zu sitzen, auch wenn mein ganzer Körper dagegen protestiert und ich mich eigentlich nur noch hinlegen möchte und schlafen, schlafen und nicht mehr aufwachen.Aber solange ich lebe, werde ich kämpfen.
    Dumpf höre ich gequälte Schreie, es ist irgendwie tröstlich zu wissen, dass ich nicht alleine bin, auch wenn die unbekannte Gesellschaft nur aus anderen Gefangenen besteht, die gefoltert werden, wie ich aus ihrem Flehen und ihren Schmerzenslauten heraushören kann.Leise kommt noch ein anderes Geräusch hinzu, langsame Schritte und ein Grunzen.Das kann ja nur ein Ork sein.
    Und richtig, es ist ein Ork, ein besonders hässliches Exemplar mit unterschiedlich großen Augen und noch ungefähr vier Zähnen, die sich braun verfärbt haben.Er reißt ohne Zögern die Kerkertür auf, in meinem jetzigen Zustand wirke ich also nicht einmal mehr auf diese dämlichen Orks angsteinflößend oder gefährlich.Der Ork trampelt in meine Zelle, er hat eine Fackel dabei, die flackernde Schatten an die Wände wirft.Geblendet von dem ungewohnten, hellen Licht schirme ich meine Augen mit einer Hand ab.Ich spüre die Hitze des Feuers und höre das leise Knistern der Flammen, vermischt mit dem schweren Atem des Orks, der mit einer Hand das Schloss aufschließt, das meine Fesseln mit der Wand verbindet und gleichzeitig die Fackel in meine Richtung hält und mich damit zurückdrängt, sodass ich dank den tanzenden Flammen nicht einmal auf die Idee komme, ihn anzugreifen, sondern ängstlich immer weiter zurückweiche, bis ich die Steinwand in meinem Rücken spüre.
    Obwohl ich mich nicht erinnern kann, verbinde ich mit dem Feuer Angst, gemischt mit Schmerz.Das Knistern lässt mein Herz hektisch gegen meine Rippen schlagen und Panik steigt in mir auf.Was ist in meiner Vergangenheit passiert, was auch jetzt dafür sorgt, dass ich am ganzen Körper zittere und wenn ich die Flammen sehe nur Angst, nackte stechende Angst empfinde?
    Als der Ork endlich die Kette gelöst hat, nimmt er die Fackel zum Glück weg und reißt dafür einmal so stark an meinen Fesseln, dass ich von der Pritsche auf den Boden geschleudert werde.Sofort steigt wieder Wut in mir auf, ich will, dass er stirbt, dass er nach langer qualvoller Folter spürt, wie sein Herz versagt und er sein mickriges kleines Leben verliert.
    Aber noch bevor ich mich auf ihn stürzen und ihm den Hals umdrehen kann, zerrt er mich mit weiteren Ziehen an der Kette auf die Beine.Ich höre schnell auf, mich gegen diese Behandlung zu wehren, jedes mal, wenn ich aus Protest versuche, ein paar Schritte rückwärts zu gehen, sorgt ein Ruck an meinen Fesseln, der sich anfühlt, als würde der Ork mir gleich die Arme ausreißen dafür, dass ich mich von ihm widerstandslos auf den Flur stoßen lasse.
    Meine Wunden brennen und die Schmerzen in meinen linken Hand, die offensichtlich gebrochen ist, verstärken sich mit jeder Bewegung an der Kette.Schon teilweise verheilte Kratzer reißen wieder auf, als ich nun langsam mit dem Ork im Rücken den Flur hinunterhumpele und mich beherrschen muss, nicht bei jedem Schritt wie ein verwundetes Tier aufzuheulen.
    Auch wenn es keine Hoffnung auf Freiheit mehr gibt, mein Stolz sorgt dafür, dass ich mich noch so aufrecht wie möglich halte und auch nicht vor Schmerzen in Tränen ausbreche oder mich auf den Boden werfe und einfach liegenbleibe.
    Als ich mal wieder entkräftet stehen bleibe und glaube, keinen Schritt mehr machen zu können, zerrt der Ork mich so brutal weiter, dass ich nur mühsam das Gleichgewicht halten kann.Die Fackel in seiner Klaue ist das einzige, das dafür sorgt, dass ich ihn nicht hier und jetzt in Stücke reiße.
    Die letzten Meter bis vor eine schwere Holztür zerrt mich der Ork hinter sich her.
    In seiner Stimme kann ich seinen Hass auf mich heraushören, als er knurrt:”Dreckiges Elbenweib, der Hexenkönig von Angmar wartet nicht gerne."


    4
    Kapitel 4

    Der Ork öffnet die Tür und stößt mich in den dahinterliegenden Raum.Hinter mir fällt die Tür krachend ins Schloss und ich höre, wie ein Schlüssel von außen her umgedreht wird und ich somit hier drinnen eingesperrt bin.Zwar würde ich mich gerne gegen die Tür werfen oder sie zerschlagen, bis ich freikomme, wofür ich aber viel zu müde bin und bei jeder Bewegung tanzen schwarze Punkte am Rande meines Sichtfeldes, sodass ich lieber so bewegungslos wie möglich stehen bleibe, um nicht in Ohnmacht zu fallen und so ein leichtes Opfer bei eventuellen Angriffen bin.Außerdem würde ich wetten, dass ich die Tür nicht einmal zerkratzen kann.
    Der Raum wird nur von zwei Fackeln erleuchtet, die am anderen Ende in Halterungen an der Wand brennen und alles in warmes rötliches Licht tauchen und von denen ich einen so großen Abstand einhalte wie möglich.
    Trotz meiner Schmerzen schaffe ich es, stehen zu bleiben, wodurch ich mich im Falle eines Angriffs besser wehren kann.Wenn ich überhaupt die Kraft dazu habe.Mit einem schnellen Blick habe ich mich vergewissert, dass ich die einzige Person in diesem riesigen Zimmer bin.Keine Spur von diesem Hexenkönig, den der Ork erwähnt hat, wenn sich eine lebendige Person hier aufhalten würde, hätte ich ihre Anwesenheit bemerkt.
    Deswegen springe ich erschrocken zurück, als ich hinter mir doch plötzlich ein Geräusch höre.Reflexartig vollführe ich eine Drehung und reiße schwungvoll mein rechtes Bein nach oben.Mir wird schlecht vor Schmerzen und mit einem Schrei stürze ich mal wieder auf den Fußboden.Allerdings kann ich zufrieden behaupten, dass mein Angreifer von meinem Tritt durch den halben Raum geschleudert wurde, sodass ich jetzt nur seine Gestalt im Schatten nur erahnen kann.
    In meinem Angreifer erkenne ich den Fremden, der mich an meiner Flucht gehindert hat.Eine Gestalt, gekleidet in Eisen und Stoff, mit einer schwarzen Krone, unter der nur tiefschwarze Dunkelheit zu erkennen ist, die sich nun wieder aufrichtet und mit gezogenem Schwert auf mich zukommt.Ich bin unfähig, mich zu bewegen, meine brennenden Wunden rauben mir fast den Verstand.
    Hass steigt in mir auf.Was tut er hier? Reicht es ihm nicht, dass er einmal über mich triumphiert hat? Will er mich nun endgültig töten, wenn ich schon auf dem Boden liege und er mich nur noch mit seiner Waffe durchbohren muss? Erwartet er, dass ich ihn anflehe, mein Leben zu verschonen?
    Wenn ja, dann hat er sich getäuscht.
    Ich habe keine Angst vor ihm und schon gar nicht vor dem Tod.
    Trotzig richte ich mich so weit auf wie es geht und blicke den Fremden so herausfordernd an, wie ich nur kann.Mit verächtlichem Lächeln auf den Lippen und einer hochgezogenen Augenbraue schaue ich ihm entgegen.
    Als er nur noch einen Meter von mir entfernt ist, lässt er das Schwert sinken und stößt ein Geräusch aus, dass sich anhört, als würde er an seinem eigenen Blut ersticken.Erst nach einem Moment erkenne ich diese röchelnden Laute als Lachen:”Thuringwethil, auch wenn du es nicht weißt: Du hast dich kein bisschen verändert.Möchtest du nicht endlich die Wahrheit wissen?”


    Das war das vierte Kapitel.Ich weiß, es ist ziemlich kurz, aber das nächste Kapitel wird sehr viel länger xD
    LG lost_hope

    5
    Kapitel 5

    “Die Wahrheit? Was für eine Wahrheit? Der Grund, warum ich in diesen Kerkern eingeschlossen war?”, fauche ich.
    “Nein, Thuringwethil.Vielleicht solltest du dich beruhigen, bevor du es erfährst”, die Stimme des Fremden hört sich trotz ihres schneidenden Tons beruhigend an, sodass sich meine Muskeln trotz der noch nicht gebannten Gefahr, unerwartet mit dem Schwert durchbohrt zu werden, entspannen.
    “Warum sollte ich mich beruhigen? Damit ich wieder eingesperrt werde?”, frage ich verächtlich.
    “Wolltest du nicht schon seit Jahren wissen, wer du bist? Die Gründe dafür, dass du weggesperrt warst?”, versucht mich der Fremde zu locken.Und er schafft es, mein Widerstand beginnt zu bröckeln.Aus welchem Grund auch immer, ich vertraue dem Fremden.
    “Was müsste ich tun, damit ich die Antworten bekomme?”, misstrauisch blicke ich ihn an.
    “Nichts.Du kannst auch jetzt schon gehen.Niemand wird dich aufhalten”, fast hätte ich aufgelacht.
    “Schwöre, dass ich ungehindert gehen darf und frei bin, auch nachdem ich die Antworten erhalten habe!”, verlange ich.Mit einem Nicken stimmt er mir zu.
    “Und gib mir das Schwert”, füge ich zu meinen Forderungen hinzu.
    Klirrend schlägt die Waffe neben mir auf den Steinen auf.
    “Willst du jetzt wissen, was in deiner Vergangenheit geschehen ist?”, das Angebot ist zu verlockend.Schnell nicke ich und umklammere den Griff des Schwertes mit beiden Händen.Endlich werde ich erfahren, was passiert ist, warum ich für Ewigkeiten eingesperrt war.
    “Am Ende des zweiten Zeitalters griff der dunkle Herrscher das “letzte Bündnis zwischen Elben und Menschen” an.Wir schlugen sie mehrmals, doch an den Hängen des Schicksalsberges wurde der Eine Ring vom Finger des dunklen Herrn geschnitten, womit er seiner Gestalt beraubt war”, beginnt der Fremde.Als er vom “letzten Bündnis” spricht, höre ich den Hass in seiner Stimme.
    “Und was hat das mit mir zu tun?”, frage ich ungeduldig,”ich kenne keinen dunklen Herrscher, ich will einfach nur wissen, wer ich bin!”
    “Dein Schicksal hängt mit der Geschichte zusammen.Wenn du alles begreifen willst, musst du auch alles wissen”, erklärt der Fremde geduldig.
    “Ich muss doch nicht die ganze Geschichte kennen! Es reichen mir die Namen derjenigen, die mich wie ein wildes Tier weggesperrt haben, damit ich mich rächen kann!”, schreie ich.
    “Oh Thuringwethil...Du willst Rache? Die Gelegenheit dazu wirst du früher bekommen, als du denkst…
    Du bist eine Elbin, aber dein Volk hat dich verraten, verachtet und verflucht.
    Du gehörst nicht zu ihnen, hast niemals zu ihnen gehört, schon damals an den Hängen des Schicksalsberges hast du dem dunklen Herrscher die Treue geschworen und gegen dein ehemaliges, verräterisches Volk gekämpft und hast die Schlacht nur schwer verwundet überlebt.
    Deine Gefangenschaft danach war auch die Schuld der Elben und Menschen, der Fluch, mit dem sie dich belegt haben, hat sich entfaltet und du hast dich verwandelt.Hätten wir dich nicht hier festgehalten, wärst du mordend durch Mittelerde gezogen doch der Tod hätte dich nach nur wenigen Tagen ereilt, denn dein Körper hat sich durch den Fluch verändert.Du kannst die Sonne nicht ertragen und Hitze ist tödlich.
    Doch der dunkle Herr wird nun immer mächtiger, und wenn es an der Zeit ist, werden wir bereit sein und uns unseren Feinden stellen!”, endet der Fremde, von dem ich annehme, dass er der Hexenkönig ist.
    Der Hass lodert in mir wie das mir so verhasste Feuer, Hass gegen das Volk, dass mich verraten hat, mich verflucht hat, durch das ich eine Missgeburt mit überlangen Fangzähnen geworden bin, brutal und einsam.Ich gebe dem dunklen Herrscher, den ich zwar nicht kenne, aber bei dem ich mir nach dem eben Gehörten sicher bin, dass er auf der richtigen Seite kämpft, und dem Hexenkönig keine Schuld daran, dass ich fast in diesem Kerker versauert bin.Sie haben mir damit das Leben gerettet.An allem waren und sind nur die Elben und Menschen schuld.
    “Wenn es soweit ist, werdet ihr nicht alleine kämpfen müssen.Ich werde tun was ich kann um zu helfen”, sichere ich dem Hexenkönig zu.
    “Das hatten wir gehofft.Trotz deiner Gefangenschaft bist du noch immer eine exzellente Kämpferin, wie ich gestern mitbekommen habe”, meint er wohlwollend.
    Das ist noch etwas, das ich klären will.
    “Ich verzeihe dir und dem dunklen Herrscher, dass ich all die Jahre eingesperrt war, aber ich möchte wissen, warum die Orks mich erst einfangen sollten und warum ich danach angegriffen und fast getötet wurde, wenn ich euch doch helfen soll?”, frage ich anklagend.
    Der Hexenkönig schweigt lange, bevor er sagt:”Wir wussten nicht, in welchem Zustand du nach der langen Zeit warst.Und nachdem du die ersten zwei Orks getötet hast und ihre Schreie das letzte waren, was wir von ihnen gehört haben, hatten die anderen Orks Angst, sie weigerten sich, unbewaffnet auch nur den Flur zu betreten.”
    Obwohl ich mit dieser Antwort eigentlich alles andere als zufrieden bin, belasse ich es dabei.

    Die Tür fällt hinter mir ins Schloss.Der Raum, der vor mir liegt, ist wie alle Räume, die ich hier bisher gesehen habe, in trübes graues Licht getaucht.Als ich mich umdrehe, stockt mir kurz der Atem.Hier darf ich also schlafen.
    Der Raum ist mehr als fünfmal so groß wie die beiden Zimmer, in denen ich vorher gelebt habe.Von Gitterstäben keine Spur, dafür steht an der rechten Seite ein Himmelbett mit schwarzen Vorhängen.Links nimmt ein Schrank den Großteil der Wand ein, daneben steht ein verstaubter Spiegel.In einer Nische steht eine Badewanne.
    Und das soll mein Zimmer gewesen sein.Ich kann es nicht glauben.
    Langsam gehe ich auf den Spiegel zu und streiche über die mit Staub bedeckte Oberfläche.Es dauert eine Weile, bis ich den Schmutz so weit mit der Hand entfernt habe, bis ich mein Spiegelbild sehe.Obwohl ich auch so nicht besonders viel erkenne.Die mit Dreck verklebten und verfilzten Haare sind in sauberem Zustand wahrscheinlich aschblond und wenn sie nicht gerade große Knoten bilden, fallen sie mir bis zu den Unterschenkeln, was darauf schließen lässt, wie lange ich eingesperrt war, ohne dass ich meine Haare schneiden konnte.Meine hellgrauen Augen leuchten in meinem schmutzigen Gesicht und mir fällt auf, dass mein rechts Ohr, was spitz zuläuft, eingerissen ist.Unter den dunklen Schmutzschlieren auf meinen Wangen erkenne ich mit dunkler Farbe angefertigte Muster.Die Lumpen, die ich trage, haben auch schon bessere Zeiten erlebt, sie zeigen mehr von meiner blutigen und verschmutzten Haut als sie verdecken.
    Ich reiße mich vom Spiegel los und bemerke, dass die Badewanne mit frischem Wasser gefüllt ist.Ohne lange zu überlegen streife ich meine zerfetzte Kleidung ab und steige in das kalte Wasser, dass die Temperatur eines Eisklotzes hat.Trotzdem bleibe ich so lange wie möglich in der Badewanne und wasche den Schmutz von meinem Körper und aus meinen Haaren.Als ich schließlich zitternd mit klappernden Zähnen und blau angelaufenen Lippen aus dem Wasser steige und mich mit einem bereitliegenden Stück Stoff abtrockne, hat sich die jahrelang angesammelte Dreckkruste von mir gelöst und ich bin unglaublich müde.Gähnend schleppe ich mich zum Schrank und schon beim Öffnen fallen mir haufenweise Kleider entgegen.Weil ich zu erschöpft bin und nur noch schlafen will fische ich einfach ein Nachthemd aus dem sich auf dem Boden türmenden Kleiderhaufen und wanke durch den halben Raum zum Bett.Ich lasse mich in die weichen Kissen fallen und schließe die Augen.
    Mit dem Gedanken an Rache an den Elben und Menschen schlafe ich schnell ein.


    Tja, das ist das 5.Kapitel...Ob alles stimmt, was der Hexenkönig von Angmar Thuringwethil erzählt hat?
    Ich will jetzt auch nicht lange nerven, also das Übliche: Ich freue mich immer über Kommentare!
    Ihr könnt mir auch schreiben, falls ihr noch Ideen zu der Geschichte habt, ich werde in nächster Zeit sehr viel schreiben können (da sieht man das Gute an einem ausgerenkten Kiefer xD)
    LG lost_hope

    6
    Hey, hier ist das 6. Kapitel.Es wurde ein bisschen...blutrünstiger, würde ich sagen, ich wollte nur einmal vorwarnen. Viel Spaß beim Lesen! Kapitel
    Hey, hier ist das 6. Kapitel.Es wurde ein bisschen...blutrünstiger, würde ich sagen, ich wollte nur einmal vorwarnen.
    Viel Spaß beim Lesen!



    Kapitel 6

    Wie Nebelfetzen wirbeln die Schatten um mich herum, dunkle Gestalten, die aus Rauch zu bestehen scheinen. Ich kann mich nicht bewegen, bin vor Angst wie gelähmt, während die Schatten immer schneller werden, zu schwarzen Schlieren verschwimmen, die mich wie Wellen in einem schier endlosen Ozean umkreisen. Ich spüre mein Herz, das schnell gegen meine Rippen schlägt, zu schnell, mein Atem geht hektisch und ich stoße ein ängstliches Wimmern aus.
    Dann kommt der Schmerz. Ich winde mich, es bohrt sich in meinen Rücken, alles verschwimmt hinter einem Schleier aus Tränen.Ich würge, krümme mich zusammen, schreie, als das Gefühl, dass mein Körper zerrissen wird, ansteigt.
    “Thuringwethil!”, schreien die Schatten, während sie sich zu einer dunklen Masse verdichten, die mich umgibt und mir die Luft nimmt.
    Mit letzter Kraft schlage ich um mich, bis ich falle, falle immer tiefer in die Dunkelheit.

    Nach Luft ringend klammere ich mich an dem Fensterrahmen neben mir fest. Es dauert ein paar Sekunden, bis die Welt aufhört sich zu drehen und vor meinen Augen zu verschwimmen. Erleichtert realisiere ich auch, dass die Schmerzen verschwunden sind und nur noch das Gefühl nackter Angst hält mein Herz weiterhin umklammert. Noch nie war ich so froh, mich in Mordor zu befinden.
    In den letzten Wochen habe ich täglich fast durchgehend trainiert. Ich weiß nicht, wie lange ich schon befreit bin, ich habe jegliches Zeitgefühl verloren. Tag und Nacht sind eine Aneinanderreihung von gräulichem Licht und Übungen, um stärker zu werden. Meine Wunden sind unglaublich schnell verheilt und von den Orks werde ich respektiert und gefürchtet.Ich habe mich entschlossen, den dunklen Herrscher in seinem Kampf zu unterstützen, der Gedanke, jetzt wegzugehen erscheint mir nun zu abwegig, um ihn laut auszusprechen, geschweige denn ihn durchzuführen. Jeden Tag werde ich stärker, der Hass treibt mich voran. Ich bin bereit für einen Krieg.
    Und auch, wenn er jetzt noch nicht ist: Der Moment der Rache wird kommen.

    “Herrin, ist alles in Ordnung?”, fragt der kriecherische Ork, der mich seit dem ersten Tag nach dem Ende meiner Gefangenschaft unterwürfig wie ein Sklave begleitet. Vielleicht imponiere ich ihm, weil ich ihm einmal das Leben gerettet habe, wenn auch unbewusst, der Ork, mit dem er Streit hatte und der ihn umbringen wollte, stand mir einfach respektlos im Weg, sodass mir nichts anderes einfiel, als seinen Kopf abzutrennen, um an ihm vorbeizukommen.
    Nach seiner Frage ist die Erinnerung den Traum, den ich eben hatte wie weggeblasen. Mit dieser Frage will er wissen, ob ich schwach bin. Wenn ich stark wäre, müsste er so etwas nicht fragen.
    Ich drehe mich kurz zu ihm um und sage kalt:”Hälst du mich etwa für schwach? Ich dulde so etwas nicht. Willst du mich wirklich wütend machen?”
    Er hat mir etwas angemerkt, sodass er gefragt hat.Das darf nicht noch einmal passieren. Gefühle machen einen verletzlich. Und das will ich nicht sein.
    Der Ork, ich weiß noch nicht einmal seinen Namen, zieht verängstigt den Kopf ein. Irgendwie bringe ich es jetzt einfach nicht über mich, ihn zu töten. Ich brauche ihn noch, damit er mir hinterherläuft und meine Befehle ausführt.
    “Los, noch eine Runde”, befehle ich ihm und stoße ihn hart weg. Gehorsam läuft er auf das Tor zu und schließt auf.
    “Wird's bald?”, keift er. Ein Mensch kommt aus der Zelle, die an den Platz, auf dem ich mich befinde, grenzt.
    Das Aussehen des Mannes kann ich nur teilweise unter dem Dreck, der seine Haut bedeckt, erahnen, auf jeden Fall ist er groß und muskulös.
    “Was soll das?”, krächzt er mit heiserer Stimme. Die Worte klingen fremd für mich, ich kann sie verstehen und auch sprechen, aber es ist ungewohnt. Die Orks habe ich es einmal “die gemeinsame Sprache” nennen gehört.
    Ich nicke dem Ork zu. Er wirft dem Menschen ein verrostetes Schwert vor die Füße. Trotzig verschränkt der Mann die Arme.
    Wie er will, dann eben nicht.
    Meine Schläge sind tödlich, als ich vorspringe und den Mann mit meinem Schwert attackiere.
    Er schreit auf und bricht zusammen, als ich ihn mit meiner Waffe durchbohre. Leblos liegt er dort, das Gesicht schmerzvoll verzerrt, ein Arm steht in einem unnatürlichen Winkel vom Körper ab, das tiefrote Blut breitet sich in einer großen Pfütze um seine Leiche herum aus.
    Ich verspüre bei dem erbärmlichen Anblick keine Reue oder Mitgefühl, nur Genugtuung. Die menschlichen Gefangenen, die in den Kerkern von Barad-dûr, der Festung des dunklen Herrschers, ihr Leben fristen sollten, werden nun in Übungskämpfen einer nach dem anderen abgeschlachtet. Diese Menschen zu töten ist unterhaltsam, aber anstrengen muss ich mich dabei nicht. Die meisten bekommen nach einiger Zeit in Gefangenschaft nicht einmal mit, wenn ich ihnen jeden Finger einzeln abschneide. Aber auch diese Menschen haben dazu beigetragen, dass meine Angriffe präziser wurden und kräfteschonender.
    Plötzlich schallt eine Stimme über den Platz und ich sehe den Hexenkönig an einem Gang, der ins Innere von Barad-dûr führt, stehen:”Thuringwethil, der dunkle Herrscher hat einen Auftrag für dich.Es geht um den Einen Ring.”

    Das 6. Kapitel wurde wieder ziemlich kurz, ich muss heute noch viel für die Schule lernen.
    Ich dachte mir, dass die Geschichte ein Happy End haben wird und wollte auch, dass Thuringwethil ihre große Liebe findet (ich denke, sie hat das verdient, wenn man bedenkt, was ich ihr schon angetan habe und was ihr noch passieren wird.)
    Also sagt es mir gerne, wenn ihr irgendwelche Ideen für einen Traumpartner für sie habt:)
    LG lost_hope
    P.S.Ich hatte im letzten Kapitel kurz erwähnt, dass sie komische Zeichen im Gesicht hat (siehe Bild) auch wenn es in diesem Kapitel nicht noch einmal erwähnt wurde...


    7
    Kapitel 7 “Der Eine Ring wurde gefunden”, sind die ersten Worte des Hexenkönigs als ich, blutverschmiert und zerzaust wie ich bin, mit schnellen
    Kapitel 7

    “Der Eine Ring wurde gefunden”, sind die ersten Worte des Hexenkönigs als ich, blutverschmiert und zerzaust wie ich bin, mit schnellen Schritten den Platz überquert habe und nun neben ihm stehe und ungeduldig von einem Bein aufs andere trete, während ich darauf warte, dass er weiterspricht. Unsere Stimmen werden von den Gebäuden, die den Platz umgeben, zurückgeworfen, sodass jedes Geräusch noch kurz nachhallt.
    “Er ist in den Händen eines Hobbits. Er und seine Gefährten wollen ihn zerstören”, erklärt er.
    Ich weiß nicht viel über den Einen Ring, aber das was ich weiß, hört sich so an, als wäre er die perfekte Waffe, um den Sieg für den dunklen Herrscher herbeizuführen und alle anderen Völker zu vernichten.
    Als der Hexenkönig mich nun darauf anspricht, weiß ich genau, was er von mir erwartet. Und ich werde es nur zu gerne tun.
    “Ich soll den Ring finden und den Hobbit töten”, vermute ich.
    “Nicht nur den Hobbit. Er ist nicht alleine, jeder, der bei ihm ist und ihn bei seinem Vorhaben unterstützen möchte, hat ebenfalls den Tod verdient. Zumal er sich auch nicht alleine für diesen Plan entschieden hat”, bei dieser Ankündigung schleicht sich ein hasserfülltes Lächeln auf meinem Gesicht aus und ich sehe eine Zukunft vor mir, in der ein Schatten über ganz Mittelerde fällt.
    “Seid Ihr Euch sicher, dass ihr das schaffen werdet? Vielleicht wäre es besser, wenn die Orks diese Aufgabe übernehmen würden?”, mischt sich plötzlich der kriecherische Ork in das Gespräch ein. Wenn er in der letzten Zeit etwas über mich gelernt hat, dann ist er eindeutig lebensmüde.
    “Traust du mir etwa nicht zu, dass ich ein paar Leute töte und ihnen einen Ring abnehme?”, frage ich scharf.
    “Nein, nein, das wollte ich damit gar nicht sagen! Ich meinte nur, dass…”, weiter kommt er mit seinem erbärmlichen Flehen nicht, bevor er den Satz beendet hat, liegt sein Kopf in einer Blutlache auf dem staubigen Boden. Ich kann mich gerade noch beherrschen, nicht das schwarze Blut zu trinken, das in Strömen aus dem Halsstumpf fließt.
    Ohne noch einen Kommentar wende ich mich wieder dem Hexenkönig zu.
    “Ich werde es tun. Sie alle werde es bereuen,überhaupt geboren worden zu sein”, verspreche ich und und die Vorfreude auf ein Blutbad verbessert meine Laune sichtlich.

    Ein letztes Mal ziehe ich den Kamm durch meine Haare, bevor ich sie zu einem Knoten am Hinterkopf zusammendrehe. Ich bereue es nicht, die Strähnen abgeschnitten zu haben, als ich von meinem Auftrag erfahren habe, lange Haare sind während einem Kampf unpraktisch.
    Im Gehen greife ich nach meiner Tasche und überprüfe, dass ich mein Schwert und meine Dolche dabeihabe. Erst als ich mir sicher bin, nichts vergessen zu haben, lasse ich die Tür meines Zimmers hinter mir zufallen, nachdem ich mich noch einmal in dem Raum umgeschaut habe.
    Auch wenn ich weiß, dass ich wiederkomme, fühlt es sich schrecklich an, all das hinter mir zu lassen, was für mich ein Zuhause war. Entschlossen drehe ich mich um. Ich werde zurückkehren und das alles bald schon wiedersehen. Auf dem Weg hinunter in den Stall bringe ich meine Gesichtszüge wieder unter Kontrolle, bis ich genauso kalt und abweisend wirke wie sonst auch.
    Zum Glück lenken mich die Orks, die in den Ställen verzweifelt versuchen einen wirklich riesigen Warg unter Kontrolle zu bringen, von meinen düsteren Gedanken ab. Ich muss sogar gehässig grinsen, als einer dieser hässlichen Kreaturen das Bein abgebissen wird.
    “Euer Reittier...Es gibt nur ein Problem”, keucht einer der Orks als er mich erblickt. Sofort verschwindet das Lächeln von meinen Lippen und macht einer herablassenden Miene Platz.
    “Ach ja, eure Unfähigkeit. Ich glaube nicht, dass das heute noch etwas wird”, spotte ich.
    Der Ork blickt verängstigt und betreten zu Boden.
    Ich schnaube verächtlich und stoße ihn zur Seite. Der Warg schnappt nach mir.
    Schnell schwinge ich mich auf den Rücken des großen wolfsartigen Wesens. Der Warg knurrt und versucht mich abzuwerfen oder mit den Zähnen auf dem Boden zu zerren. Ich klammere mich an dem dunklen Fell fest und ziehe an der Metallkette, die um seinen Hals geschlungen ist, bis er aufgeben muss, wenn er nicht ersticken will. Zwar ruft die schwere Kette schlechte Erinnerungen an meine Gefangenschaft in mir hoch, aber das alles ist vorbei. Ich lasse mich nicht mehr einsperren.
    Schließlich hört der Warg auf zu kämpfen und steht mit gesenktem Kopf und bebenden Flanken da. Gehorsam setzt er sich in Bewegung, als ich ihn leicht antreibe. Er hat wohl verstanden, dass er lieber auf mich hören sollte, wenn er keine Lust auf Schmerzen hat.
    Einer der Orks steht immer noch da und stammelt die ganze Zeit:”Aber...Aber…”
    Doch als ich mit einem meiner Dolche auf ihn ziele, macht er sich so schnell aus dem Staub wie ihn seine krummen Beine tragen.
    Mit amüsierter Miene lenke ich den Warg in Richtung des Tors, durch das man die Ställe verlässt, als ich plötzlich ein schmerzhaftes Stechen im Bauch fühle. Gerade so kann ich mich noch auf dem Rücken des Warges halten, weil ich weiß, dass er mich zerfetzen und verstümmeln wird, wenn ich nachgebe oder auch nur irgendein Zeichen von Schwäche zeige. Seine Angst vor mir macht ihn gehorsam. Ich schaffe es gerade noch, mich in das struppige Fell zu klammern, als die Welt in einem dunklen Strudel versinkt, der mich mitzieht.

    “Thuringwethil?”, fragt eine männliche Stimme. Als Antwort kommt nur ein Schluchzen über meine Lippen. Meine Hände, die ich vor mein Gesicht geschlagen habe, sind tränennass, ebenso wie meine Wangen.
    “Was ist das? Warum ich?”, frage ich verzweifelt ohne aufzublicken. Mein Tonfall ist weinerlich, irgendwie kindlich.
    Ich spüre, wie jemand einen Arm um mich legt, erschöpft vom vielen Weinen schmiege ich mich an die Person.
    “Thil, es ist kein Fluch. Es ist eine Gabe”, höre ich die Stimme neben meinem Ohr noch flüstern, bevor ich einschlafe.


    Unsanft reißt mich der Warg aus diesem Traum, indem er mit akrobatischen Verrenkungen versucht mich zu beißen. Obwohl ich ihm gewissermaßen dankbar dafür bin, ramme ich ihm meine Fersen möglichst brutal in seine Flanke. Wie wild springt er los. Zum Glück ist das Tor offen, sodass wir unbehelligt die Ställe verlassen können. Während der Warg in irrem Tempo auf das schwarze Tor zusprintet, muss ich immer wieder an diesen Traum oder diese Vision denken, die ich eben hatte. Das war nun schon das zweite Mal und ich kann mich nicht von der Hoffnung lösen, dass es keine Träume sind, sondern das, worüber ich schon lange nachdenke: Erinnerungen an die Zeit vor meiner Gefangenschaft.
    Erst als ich bemerke, dass sich das schwarze Tor hinter dem Warg und mir geschlossen hat, wird mir klar, dass ich länger in Gedanken versunken war als gedacht. Mordor liegt hinter mir.
    Und vor mir Land, soweit das Auge reicht und frischer Wind, der mit ein paar Strähnen meiner Haare spielt, die sich aus meiner Frisur gelöst haben. Ich stoppe den Warg und schließe die Augen.
    Ich bin frei.


    Hey! Das war Kapitel 7…
    Ich hoffe man merkt nicht so genau, dass es in meinen Freistunden entstanden ist:)
    Schreibt mir doch wenn ihr irgendwelche Wünsche fürs Pairing oder sonst irgendwas habt!
    LG lost_hope

    8
    Kapitel 8 Die kalte Nachtluft streicht durch meine Haare als ich mich vorsichtig umsehe. Die Bäume stehen um mich herum wie riesige Kreaturen, die ih
    Kapitel 8

    Die kalte Nachtluft streicht durch meine Haare als ich mich vorsichtig umsehe. Die Bäume stehen um mich herum wie riesige Kreaturen, die ihre langen Finger nach mir ausstrecken. Ein leichter Schauder läuft meinen Rücken hinunter und ich schlinge die Arme um meinen Brustkorb. Auch wenn ich es niemals zugeben würde, seit ich Mordor verlassen habe spüre ich in der Dunkelheit eine permanente Angst, die mich umklammert hält und mich nachts nicht mehr schlafen lässt. Zwar weiß ich nicht, vor was genau ich mich fürchte, aber das Gefühl, dass etwas auf mich lauert lässt mich nicht zur Ruhe kommen. Angespannt lausche ich auf Geräusche in der Umgebung, doch ich höre nicht einmal das Rascheln von Tieren, die durch das Gebüsch streifen. Wie auch schon die Spinnen in meinem Gefängnis halten auch die Waldtiere größtmöglichen Abstand zu mir, das einzige Lebewesen, mit dem ich hier im Nirgendwo Kontakt habe, ist der Warg, der mich immer noch begleitet. Jetzt gerade habe ich ihm aber erlaubt, frei durch den Wald zu streunen, weil er mich mit seinem ständigen Gehechel so aufgeregt hat, dass ich kurz davor war, sein Leben zu beenden. Aber ich brauche ihn noch, deshalb habe ich ihn angewiesen, Abstand zu mir zu halten.
    Ich weiß nicht einmal ansatzweise wo ich mich befinde, doch der Eine Ring lockt mich, führt mich weiter, er ist die unsichtbare Karte, der ich folge. Ich werde den dunklen Herrscher nicht enttäuschen.
    Leise stoße ich einen Pfiff aus, bevor ich wieder bewegungslos im Schatten stehend ausharre, bis ich das Knacken im Unterholz höre, was die Anwesenheit des Wargs ankündigt. Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, ihm einen Namen zu geben oder ihn zu füttern, wenn er überleben will, tut er, was ich will, und so etwas wie eine freundschaftliche Beziehung zu ihm aufzubauen gehört eindeutig nicht dazu. Wenn ich ihn nicht mehr gebrauchen kann, wird er höchstwahrscheinlich sterben, aber bis dahin muss er mich respektieren und mir gehorchen.
    Als seine graubraune Schnauze nach mehreren Sekunden zwischen den Bäumen auftaucht, greife ich schnell zu meinen Waffen und schwinge mich auf seinen Rücken. Glück für ihn, dass er sich beeilt hat. Er verharrt dort wo er steht, ich suche tief in mir nach dem Ziehen, das mich immer näher zum Einen Ring bringt und treibe den Warg dann grob in die Richtung, in die das reißende Gefühl in meinem Bauch mich führt. Wenn ich es richtig deute, werde ich in den nächsten paar Tagen auf die Gruppe, die den Ring vernichten will, stoßen. Gehässig lächelnd gehe ich im Kopf noch einmal alle Schwertschläge durch, die ich in Mordor gelernt habe. Hauptsächlich sind es leicht veränderte Schläge, wie sie auch die Orks benutzen, allerdings so, dass auch ich, mit meinem geringen Gewicht und meiner zierlichen Figur sie durchführen kann ohne umzukippen. Sie sind tödlich, unzählige Male habe ich sie schon geübt, sodass ich sie jetzt auch im Schlaf anwenden könnte. Wie können sie nur denken, dass es ihnen gelingen könnte, den dunklen Herrscher zu besiegen? Amüsiert verziehe ich das Gesicht. Sie werden schon erkennen, dass man Mordor nicht provoziert.

    “Wer seid Ihr?”, grunzt der Anführer dieser Wesen, die zwar den Orks ähneln, allerdings sind sie viel größer und stärker. Und das Verhalten, das dieses besonders widerliche Exemplar vor mir an den Tag legt ist nicht gerade klug, wie eigentlich hein Handeln, das darin besteht, sich mir in den Weg zu stellen, sodass ich um einen Baum herumgehen müsste, um vorbeizukommen. Sein zu einer Fratze verzerrtes Gesicht ist selbst mit der weißen Hand auf dem Schädel nicht gerade schöner, die weiße Farbe verdeckt weder die faulenden Zähne, noch die groben Gesichtszüge. Ich habe zwar davon gehört, dass Saruman sogenannte Uruk-hais züchtet, aber ich hatte nicht vermutet, dass ich diese Wesen gerade jetzt treffen würde, wenn sie den gleichen Auftrag haben wie ich, auch wenn sie den Hobbit, der den Ring bei sich trägt, dem dunklen Herrscher bringen sollen und nicht töten. Und dass sie mich provozieren hätte ich auch nicht erwartet.
    “Ich bin im Auftrag des dunklen Herrschers hier und wenn du mich nicht augenblicklich vorbeilässt, hast du die längste Zeit Saruman gedient”, fauche ich ihn an, streiche die Haare zur Seite, die mir wie ein Vorhang in das Gesicht fallen und werfe einen verächtlichen Blick auf meinen Warg, den die Uruk-hais abgestochen haben, sobald sie in seinem Maul einen ihrer Kollegen sahen. Dass er sich von den ganzen Lebewesen in diesem Wald ausgerechnet eine dieser verkrüppelten nachtragenden Kreaturen zum Fressen aussuchen musste, die gerade so aussehen, als würden sie darüber nachdenken, wie sie mich am besten foltern können, war sein letzter Fehler.
    Bei meinen Worten und meinem Anblick verändert sich die Miene des Uruk-hais, Angst schleicht sich in seinen Blick.
    “Ihr seid...das Mädchen”, die letzten Worte flüstert er fast unhörbar. Er kann froh sein, dass ich gerade gut gelaunt bin und deshalb keine Lust verspüre, ihn und seine Ork- und Uruk-hai-Freunde zu töten.
    “Genau die bin ich”, fauche ich trocken und mache einen großen Bogen um ihn herum als ich an ihm vorbeigehe, der Gestank, der von ihm ausgeht, ist wirklich unerträglich.
    “Was tut ihr hier?”, fragt irgendein anderer, sie sehen für mich alle gleich abstoßend aus.
    “Wahrscheinlich das gleiche wie ihr”, bemerke ich, während ich mich an das Flussufer knie und mein Spiegelbild im Wasser betrachte. Kein Wunder, dass sich selbst die Uruk-hais vor mir fürchten, ich bin selbst ein wenig geschockt als ich bemerke, wie sich mein Aussehen in den Wochen oder Monaten seit ich Mordor verlassen habe, verändert hat.
    Meine Augen haben den matten Grauton verloren und leuchten mir jetzt rubinrot aus meinem blassen Gesicht entgegen. Die Fangzähne, die nach meiner Gefangenschaft weit bis über die Lippen hinauswuchsen, sind jetzt genauso kurz wie bei einem Menschen, doch meine Lippen sind tiefschwarz.
    Was ist mit mir passiert? Was hat diese Verwandlung zu bedeuten? Und warum wussten die Uruk-hais offenbar von mir? Ich sehe aus wie ein Monster mit dem Körper einer Elbin, eine Bestie, eine Missgeburt.
    Aber wenn ich ehrlich bin, bin ich nicht gerade überrascht, der Hexenkönig hatte mir am letzten Tag vor meiner Abreise etwas erzählt…

    Rückblick:
    Ich schreie auf, meine mühsam errichtete Fassade, die alle meine Gefühle verbergen soll, bröckelt und ich sinke würgend auf die Knie. Jeder Zentimeter meiner Haut scheint in Flammen zu stehen und sich langsam in Asche aufzulösen, mir ist schlecht und ich merke, dass ich immer schwächer werde. Das darf nicht passieren, durch Schwäche werde ich verletzbar.
    “Was habt Ihr?”, jammert der Ork, der mir jetzt seit Wochen hinterherschleicht wie ein stinkender nerviger Schatten.
    “Nichts”, wimmere ich gequält, doch der Ork lässt sich davon nicht beirren und starrt mich mit seinen gelben Augen immer noch an.
    So plötzlich wie die Schmerzen gekommen sind verschwinden sie auch wieder, ich brauche einen Moment um mich zu erholen, stehe aber einige Augenblicke später wieder auf den Beinen. Ich rede mir ein, dass dieser Schwächeanfall, für den ich mich selbst verfluche, daher kommt, dass ich heute zu lange und zu hart trainiert habe, sodass ich einfach völlig überanstrengt war. Das ist zwar auch nicht gerade ein Zeichen von Stärke, aber mit einem solchen Zusammenbruch kann ich besser leben, als wenn ich regelmäßig so hilflos wäre. Ich überspiele die Schwäche, die ich kurz gezeigt habe mit einem wütenden Blick in Richtung des Orks, der auch prompt reagiert und in sich zusammenzuschrumpfen scheint.
    Ich drehe mich um und hebe die beiden Dolche, mit denen ich vorher geübt habe, vom Boden auf und stelle mich vor der Zielscheibe auf. So gut ich auch im Schwertkampf bin so wenig schaffe ich es auch aus nur zehn Metern Entfernung ansatzweise die Zielscheibe zu treffen. Auch dieses Mal prallen sie mit einem Klirren von der Wand hinter der Scheibe ab. Frustriert will ich sie gerade wieder einsammeln und das ganze noch einmals versuchen als ich merke, dass der Ork noch schleimiger geworden ist als in der Zeit, in der er mich aus unerfindlichen Gründen verfolgt.
    Schwungvoll drehe ich mich um und sehe den Hexenkönig, der mich beobachtet und das wohl nicht erst seit ich die Dolche geworfen habe.
    “Was war das eben?”, fragt er. Auch wenn ich genau weiß, was er meint, setze ich eine unschuldige Miene auf.
    “Als du eben geschrien hast, was ist passiert?”, will er mit scharfer Stimme wissen.
    Ich zögere. Soll ich es ihm sagen?
    “Schmerzen. Aber sie sind wieder verschwunden”, antworte ich so leise, dass es der Ork, der sich an das andere Ende des Platzes verzogen hat, bestimmt nicht hören kann.
    “Du solltest darauf achten, dass so etwas nicht mehr passiert. Du hast eine Gabe, aber sie wird dich zerstören, wenn du sie einsetzt”, gibt er mir zu verstehen, bevor er sich umdreht und einfach weggeht, obwohl seine Worte so viele Fragen in meinem Kopf gelöst haben, die ich stellen will.
    Was für eine Gabe? Und warum sollte sie mich zerstören?
    Doch ich werde schnell wieder von dem Ork, der mich ermutigen will, noch einmal die Dolche zu werfen, abgelenkt und vergesse das Gespräch und auch die Schmerzen.


    Bis jetzt. Hat mein verändertes Aussehen etwas mit dieser Gabe zu tun und ist es vielleicht dieselbe Gabe, die auch in dem Gespräch mit dem Mann in meiner Vision erwähnt wurde? So viele Fragen, die ich nicht beantworten kann.
    Doch jetzt muss ich mich auf andere Dinge konzentrieren, zum Beispiel darauf, die Orks, die mich während ich in Gedanken versunken war einfach hier sitzengelassen haben, wieder zu überholen und die Gemeinschaft des Ringes vor ihnen zu erreichen, um mich endlich zu rächen.


    Hey, das war das 8.Kapitel. Ich hoffe, es hat euch gefallen, ich freue mich immer über Kommentare:)
    Kleiner Spoiler: Thuringwethil wird im nächsten Kapitel auf die Gefährten treffen;)
    LG lost_hope

    9
    Kapitel 9

    Ich weiß nicht, wie oft ich nun schon von den Ästen, an denen ich mich entlanghangele, abgerutscht und fast mehrere Meter in die Tiefe gestürzt wäre. Meine Hände sind zerkratzt und mit unzähligen Schrammen bedeckt und das Sonnenlicht, das durch das Blattwerk über mir fällt lässt meine Augen tränen und macht jede noch so kleine Bewegung zu einer Qual. Ihre Wärme scheint sich selbst durch den Umhang zu fressen, den ich trage und dessen Kapuze ich mir tief ins Gesicht gezogen habe, scheint meine Haut zu verätzen und meine Knochen zu zersplittern.
    Ich bin kurz davor aufzugeben, einfach von dem Baum zu springen, auf dem ich mich gerade befinde und die Orks den Auftrag ausführen lassen. Es war wirklich keine gute Idee, dass ich von Baum zu Baum springe, mehrere Meter über dem Waldboden und geschwächt von der Sonne, vor der ich mehrmals gewarnt wurde, was ich aber erfolgreich verdrängt hatte, nur um einen Haufen Orks und Uruk-hais einzuholen und vor ihnen einen goldenen Ring zu finden.
    Doch Aufgeben ist jetzt keine Möglichkeit, ich muss den Einen Ring finden und ihn zurück nach Mordor bringen, wo ich akzeptiert werde und das so etwas wie ein Zuhause für mich ist. Wenn ich jetzt flüchten würde, wäre das nicht nur feige, sondern auch noch unheimlich dumm, weil ich keinen Ort habe, wo ich bleiben könnte. Niemand würde gerne ein Monster wie mich in seiner Nähe wissen.außerdem würde ich lieber in der Sonne sterben als irgendwo zwischen Menschen und Elben zu leben, schon der Gedanke ist abstoßend für mich. Schließlich ist es aber der Grund, dass ich mit dem Mord an der Gemeinschaft des Ringes Rache an mehreren Völkern Mittelerdes nehmen kann, das ausschlaggebende Argument, das mich dazu treibt Schwung zu holen und mich in den Ästen des benachbarten Baumes festzuklammern. Mit einem stummen Fluch schiebe ich mich so geräuschlos wie möglich durch die belaubten Zweige und rümpfe die Nase bei dem Geruch der Blumen, von denen mir hier eindeutig zu viele wachsen. Das leuchtende Grün der Blätter tut mir in den Augen weh und ich bin kurz davor, mich von all den blühenden und duftenden Pflanzen zu übergeben. Wenn der dunkle Herrscher erst einmal an der Macht ist, wird es solche schrecklichen Wälder nicht mehr geben. Dieser Gedanke muntert mich so sehr auf, dass ich immer schneller zum nächsten Baum springe, der Wind reißt an meinem Körper und trotz dem furchtbaren Wald erfüllt mich das Gefühl von Freiheit. Auch wenn ich den Wald noch immer zutiefst verabscheue, fängt es mir langsam an, Spaß zu machen, es ist fast so, als würde ich fliegen. Doch viel zu schnell sehe ich die Orks und Uruk-hais wieder unter mir, ich überhole sie, bevor sie mich überhaupt bemerkt haben, aber selbst wenn sie mich gesehen hätten, ich bin viel schneller und wendiger als sie sodass es für mich nicht schwierig sein sollte, sie abzuhängen. Egal, was passiert, ich muss den Einen Ring vor ihnen finden und dann verschwinden.
    Mich nur noch auf mein Gefühl verlassend konzentriere ich mich nur noch auf den Ring und darauf, dass ich nicht das kleinste Geräusch verursache, das mir zum Verhängnis werden könnte. Ich bin nun sicher schon seit mehreren Stunden in diesem Tempo unterwegs, meine Muskeln brennen, das Luftholen erzeugt ein scharfes Stechen in meiner Seite, doch trotzdem gebe ich nicht auf. Ich kann den Ring schon fast körperlich spüren, er kann sich nur noch höchstens fünfzig Meter von mir entfernt befinden. Lächelnd spanne ich noch ein letztes Mal meine Muskeln an, stoße mich ab und schaffe es, bei der Landung in der nächsten Baumkrone nicht einmal ein Rascheln der Blätter zu verursachen.
    Neugierig blicke ich zwischen zwei Ästen vorbei auf eine Waldlichtung, auf der ich wütende Stimmen höre.
    “Wenn irgendwelche Menschen Anspruch auf den Ring haben, dann sind es die Menschen von Nûmenor, und nicht die Halblinge! Du hast ihn nur durch einen unglücklichen Zufall erhalten. Er hätte mir gehören können. Er sollte mir gehören. Gib ihn mir!”, ruft ein Mann mit roten Haaren gerade. Es ist für mich nicht schwer zu erraten, dass es um den Einen Ring geht, der hier offensichtlich auch irgendwo sein muss. Nur wo? Erst jetzt erblicke ich einen Hobbit, der sich langsam hinter einem großen Stein versteckt. Wahrscheinlich hat er den Einen Ring, also werde ich erst ihn töten, mir den Ring besorgen und mich dann um den Menschen kümmern.
    “Komm, komm, mein Freund”, lockte der Mann den Hobbit jetzt. Er hat wohl immer noch nicht begriffen, dass der Eine Ring weder ihm, noch dem Hobbit gehört.
    Ich würde gerne eingreifen und endlich den Ring holen, damit die Orks ihn nicht in die Klauen bekommen, aber der Mann steht direkt vor dem Stein, hinter dem sich der Hobbit befindet und macht es mir so unmöglich, an ihm vorbeizukommen ohne ihn zu töten, was ich aber erst tun kann, wenn ich meinen Auftrag ausgeführt habe, weil ich sonst vielleicht vergesse, dass ich nicht nur hier bin um mich zu rächen.
    “Warum willst du dich nicht von ihm befreien? Warum nicht all deinen Zweifel und deine Furcht loswerden? Du kannst mir die Schuld geben, wenn du willst. Du kannst sagen, ich war zu stark und habe ihn dir mit Gewalt abgenommen. Denn ich bin zu stark für dich, Halbling!”, ruft er und springt über den Stein, hinter dem der Hobbit sich versteckt. Er ist dem Ring offenbar verfallen und ich fände es zwar amüsant zu sehen, wie der Mensch den Ringträger erwürgt oder ähnliches, doch dazu habe ich jetzt einfach keine Zeit. Die Sonne schwächt mich immer mehr und es ist mühsam, auch nur den kleinen Finger zu bewegen. Nun heißt es also jetzt oder nie.
    In dem Moment, in dem ich mich vom Baum fallen lasse und mich auf dem Boden abrolle, spüre ich, wie sich das Gefühl, das mir immer verraten hatte, wo sich der Ring befindet, verändert hat. Es ist nun so stark, dass es mein ganzes Denken ausfüllt. Der Hobbit muss ihn aufgezogen haben, er zieht mich jetzt wie magisch an. Und er entfernt sich. Ich ignoriere den Mann, der brüllend zwischen den Bäumen herumirrt, ich muss diesen Ring bekommen und ihn dem dunklen Herrscher bringen.
    Doch die Sonne ist hell, so hell, sie blendet mich, ich kann nichts mehr sehen. Ich schwanke, will mich abstützen, aber schon falle ich in endlose Dunkelheit.


    Hey, das war das 9.Kapitel:)
    Ich hoffe es hat euch gefallen, schreibt mir doch einen Kommentar, wenn ihr Verbesserungsvorschläge, Wünsche, Ideen etc. habt;)
    LG lost_hope

    10
    Kapitel 10

    Ich stolpere zwischen den Bäumen entlang, falle hin, stehe wieder auf, vor meinen Augen dreht sich die Welt und alle Geräusche dringen wie durch einen dichten Nebel zu mir hindurch, während mir die Schmerzen fast den Atem nehmen. Ich hatte Glück, dass ich, als ich ohnmächtig war in einen nicht sehr tiefen Graben gestürzt bin, was es für mögliche Feinde schwerer gemacht hat, mich zu finden. Dieser Zufall hat mir das Leben gerettet, aber die zahlreichen Prellungen und Kratzer machen es auch nicht angenehmer, fast blind durch einen Wald zu irren.
    Ich kann nur daran denken, dass ich den Ringträger verloren habe, mit jeder Sekunde entfernt er sich weiter von mir. Ich habe versagt. Das einzige, was ich jetzt noch tun kann, ist zu versuchen den Hobbit einzuholen, auch wenn ich selbst weiß, dass es ein aussichtsloses Unterfangen ist. Was wird passieren, wenn ich ohne den Einen Ring in Mordor aufkreuzen würde? Ich verbiete mir, daran zu denken und ziehe mir meine Kapuze wieder tiefer ins Gesicht. Ich werde jetzt nicht aufgeben.
    Durch die Sonne immer mehr eingeschränkt taumele ich weiter. Meine Sicht ist so schlecht, dass ich mehrmals fast gegen einen Baumstamm gelaufen wäre und auch mein Gehör lässt mich im Stich, sodass ich nur hoffen kann, mir bei einem Zusammenstoß keine Knochen zu brechen oder von jemandem hinterrücks angegriffen und abgestochen zu werden.
    Wie lange war ich ohnmächtig? Und wie konnte es passieren, dass der Hobbit mir einfach entkommen konnte? Wütend zwinge ich meine müden Beinen, schneller zu laufen. Wer weiß, wann die Orks und Uruk-hais hier sind.
    Lautes Gebrülle und das laute Schmettern eines Horns zeigt mir, dass ich zu spät bin, sie haben die Gemeinschaft des Ringes wohl schon erreicht. Ich muss den Ringträger vor den Uruk-hais finden, die wie verschwommene Schatten durch mein Sichtfeld rennen und mich nicht wahrzunehmen scheinen. Und ich muss mich beeilen.
    Dass daraus nichts wird, erkenne ich, als ich fast schon wieder gegen einen Baum gerannt bin. Vielleicht gibt der Hobbit mir den Einen Ring ja freiwillig, wenn er sieht, dass ich sonst seine Freunde töte. Zwar habe ich nicht vor, sie oder auch den Ringträger zu verschonen, aber das kann er ja nicht wissen, er wird es erst erfahren, wenn er mir diesen Ring gebracht hat.
    Ich ziehe mein Schwert und sehe mich um, bereue es, dass ich alles nur verschwommen und undeutlich erkenne, aber entscheide dann, dass es auch nichts ausmachen wird, ein paar Orks zu töten, wenn ich sie mit Menschen oder Elben verwechsele. Je weniger dieser Kreaturen hier herumrennen, desto größer ist meine Chance, den Einen Ring vor ihnen zu finden.
    Sobald ich den Griff der Waffe berühre, spüre ich wieder den alten Hass in mir aufsteigen, er nimmt Besitz von mir, kontrolliert mich. Ich will töten. Und das werde ich.
    Ich schaffe es, die Bäume, den ganzen Wald und sogar die Sonne auszublenden. Meine Gedanken sind nur auf die Lebewesen konzentriert, die hier irgendwo sein müssen, auf ihr Blut, dass durch ihre Adern fließt und ihr Herz, das bald aufhören wird zu schlagen. Mit ist es egal, wessen Blut vergossen wird, Hauptsache er leidet.
    Es ist unglaublich schwer, meinen Körper wieder dazu zu bringen, sich in Bewegung zu setzen, ich weiß nicht, ob ich es noch einmal schaffen würde aufzustehen sollte ich erneut hinfallen, trotzdem zwinge ich mich zu rennen. Mit brennenden Lungen und erhobenem Schwert laufe ich immer weiter, ich denke schon, ich werde niemals mehr auf diese Gemeinschaft oder auch nur die Uruk-hais treffen, als ich plötzlich auf eine Lichtung stolpere. Nicht, dass ich irgendetwas erkennen könnte, nur stechen die Strahlen der Sonne mir schmerzhafter in die Augen, als wenn ich mich unter den Bäumen fortbewege. Und ich höre Schreie und den vom Horn stammenden dröhnenden Ton, der nun so laut ist, als ob es direkt neben meinem Ohr geblasen werden würde.
    Blind steche ich mit dem Schwert mehrmals in die grobe Richtung des Geräuschs, aber da ich weder Schmerzensschreie, noch das dumpfe Geräusch, das entsteht, wenn eine Leiche auf den Waldboden fällt, höre, vermute ich, dass ich nicht getroffen habe. Das wäre ja auch zu schön gewesen. Kurz kneife ich die Augen zusammen und als ich sie wieder öffne, sehe ich nicht mehr nur gleißende Helligkeit, sondern kann die schemenhaften Gestalten, die um mich herum kämpfen und brüllen besser erkennen und teilweise auch identifizieren. Der rothaarige Mann, der vorhin dem Hobbit den Ring abnehmen wollte wird von mehreren Orks gleichzeitig attackiert, er ist es auch, der in das Horn bläst, dessen Klänge laut durch den Wald schallen. Die Uruk-hais verschleppen gerade zwei weitere Hobbits, von denen aber keiner der Ringträger ist, weshalb ich sie auch nicht weiter beachte. Es wäre zwar noch ein Zusatz zu dem Spaß, den ich mir mit den anderen Uruk-hais, Orks und dem Menschen, der sich immer noch gegen seine Feinde wehrt, machen werde, aber da ich gegen das Volk der Menschen mehr Hass als gegen die Hobbits hege, sind sie mir ziemlich egal. Der einzige dieses Volkes, an dem ich mich rächen will, ist der Ringträger, der zu meinem Bedauern immer noch verschwunden ist. Selbst meine Verbindung zum Einen Ring wird immer schwächer, was mir zeigt, dass eine Verfolgung auf ihn aussichtslos wäre, da er schon zu weit geflüchtet ist.
    Fluchend ramme ich dem Ork, der mir am nächsten steht, mein Schwert in den Schädel und ziehe es mit einem Ruck wieder heraus, als er tot auf dem Boden zusammengebrochen ist. Ich kann gar nicht mehr aufhören, den widerlichen Kreaturen die Hälse durchzuschneiden, es ist wie ein Wahn. Blut spritzt in alle Richtungen, durchweicht meine Haare und benetzt meine Haut.
    Ich muss über immer mehr Tote steigen, von denen die meisten auf meine Kosten gehen, aber ich komme immer näher an den Mann heran. Er ist ein Mensch, sein Volk ist an allem Schuld. Er muss sterben.
    Mit einem Sprung, der mich abermals zum stolpern bringt, schaffe ich es schließlich, mich hinter ihm aufzurichten.
    Während die Welt um mich nur noch ein einziges Durcheinander ist, versuche ich, ruhig zu bleiben und hebe das Schwert, um es dem Mann von hinten durch den Hals zu rammen.


    Hey, ich hoffe, das Kapitel hat euch gefallen:)
    Na, was denkt ihr, wird sich Thuringwethil noch von Sauron abwenden oder nicht? xD
    Ich hätte ein tragisches Ende und ein Happy End im Angebot, je nachdem was ihr wollt;)
    Ich würde mich wie immer sehr über Kommentare freuen;)
    Noch eine schöne und hoffentlich stressfreie Vorweihnachtszeit,
    LG lost_hope




    11
    Kapitel 11

    Noch bevor ich irgendwie reagieren kann, bohrt sich ein Schwert in meine Seite. Schmerz fährt durch meinen gesamten Körper und ich ringe nach Luft, als die Klinge mit einem Ruck wieder aus meinem Fleisch gezogen wird. Meine Beine knicken ein und ich presse beide Hände auf die Verletzung, unter meinen Fingern spüre ich zerfetztes Fleisch und warmes Blut, das aus der Wunde läuft wie ein Wasserfall. Auch ohne hinzusehen weiß ich, dass diese Verletzung tödlich ist. Wenn ich nicht an inneren Verletzungen sterbe, werde ich wahrscheinlich verbluten, bei dieser tiefen Wunde besteht keine Hoffnung auf das Überleben. Mir bleibt nicht mehr viel Zeit. Doch noch kann ich stehen, bin bereit zum kämpfen und das werde ich auch tun.
    Schwankend lasse ich fast meine Waffe fallen und während ich mit einer Hand versuche, die Blutung der Wunde zu stillen oder wenigstens zu verringern, fahre ich herum, um meinem Angreifer zu zeigen, dass das seine letzte Tat war. Das Blut strömt heiß und klebrig aus der tiefen Wunde und ich merke, wie ich immer schwächer werde, dabei ist es mir ziemlich egal, ob diese Schwäche nun von den hohen Blutverlust oder dem Sonnenlicht, das wie die schlimmste Folter für mich ist, kommt, aber ich weiß, dass es mit mir zu Ende geht. Das einzige, das ich jetzt noch tun kann, ist, noch so viele Menschen, Orks und eigentlich jeden, der sich mir jetzt in den Weg stellt, mit in den Tod zu reißen.
    Der Ork, der es offenbar lustig gefunden hat, mir seine widerlich aussehende Waffe in den Körper zu rammen, steht immer noch mit zu einem hässlichen Grinsen verzogenen Gesicht hinter mir, allerdings ähnelt es eher einer Grimasse als einem wirklichen Lächeln. Bevor er überhaupt weiß was passiert, habe ich sein armseliges Leben beendet, leblos und mit durchgeschnittener Kehle sackt er auf dem trockenen Laub zusammen und das Blut tränkt die Erde um ihn herum.
    Ich habe kein Mitleid mit ihm, auch wenn selbst er im Tod hilflos und verletzlich aussieht, er hat mir selbst die allerletzte Chance genommen, den Ringträger noch irgendwie einzuholen. Sobald die Nacht angebrochen wäre, wäre der Hobbit mir hoffnungslos ausgeliefert gewesen, die Schatten sind meine Verbündeten und die Nacht mein bester Freund. Ich hätte mit dem Ring nach Mordor zurückkehren können, dann hätte ich meine Macht ein für alle mal bewiesen, meine Stellung als treueste Dienerin des Dunklen Herrschers wäre gefestigt gewesen. Nicht nur die Hoffnung darauf hat er zerstört, als er mir das Schwert zwischen die Rippen rammte, auch mein Racheplan ist in ebendiesem Moment unmöglich geworden.
    Ich fühle mich schwach, so schwach wie noch nie, selbst nachdem ich jahrelang in einem engen, schmutzigen Raum gefangen war, war ich stärker als jetzt. Nur mit größter Mühe kann ich mich auf den Beinen halten, verzweifelt suche ich in meinem Umfeld nach einem Punkt, an dem ich mich mit dem Blick festhalten kann, etwas, das ich als Ziel nutzen kann.
    Das Blut rinnt zwischen meinen Fingern hindurch, vor Schmerz krümme ich mich zusammen und sinke auf die Knie. Mit einem raschelnden Geräusch fällt mein Schwert aus meiner blutverschmierten Hand in die trockenen Blätter auf dem Waldboden, ich sinke daneben zusammen. Ich kann nicht mehr.
    Wimmernd liege ich da, die Sonne strahlt hell, so hell… Das wird das Ende sein.


    “Renn, meine Kleine!”, die Stimme der Frau ist panisch, Hände packen mich an den Schultern und schieben mich aus einer Tür hinaus. Draußen hängt dichter, dunkler Rauch in der Luft, als ich husten muss, wird mir der Mund zugehalten, ich schlage um mich und versuche zu atmen, was mit zugehaltenem Mund nicht richtig funktioniert. Schreie sind zu hören, schmerzvoll und voller Angst, doch die einzelnen Stimmen verstummen schnell wieder, oft von einem ekelerregenden, gurgelnden Geräusch begleitet. Um mich herum sterben Menschen, werden brutal abgeschlachtet und ich spüre die Anwesenheit der Mörder. Ich spüre, wie mir Tränen in die Augen steigen. Angst lähmt meinen Körper und ich höre auf, mich zu wehren.
    “Thuringwethil, nicht weinen, lauf!”, befiehlt mir die Stimme noch einmals. Die Hand vor meinem Mund verschwindet, eine Frau kniet sich vor mich und nimmt meine Hände, die kleinen Hände eines Kindes, in ihre.
    “Wirst du rennen und nicht mehr zurückblicken?”, fragt sie streng, aber in ihrem Ton schwingt auch Sorge mit, während in ihren Augen nichts als Liebe zu sehen ist. Ich nicke, ich vertraue ihr.
    “Dann los!”, ein leichtes Lächeln umspielt ihre Lippen und sie haucht mir einen Kuss auf die Stirn.
    Ich weiß, dass ich es jetzt tun muss. Ich drehe mich um und laufe los, erst langsam, dann immer schneller, meine Füße fliegen fast über den Boden. Mein Atem geht abgehackt und mein Herz rast. Warum muss ich weggehen? Aber ich habe es versprochen, also werde ich auch weiterrennen.
    Als ich stehen bleibe, bin ich mir sicher, dass ich weit genug gerannt bin.
    Dann mache ich den Fehler, mich doch umzudrehen…


    Stimmen reißen mich aus diesem Zustand, in dem ich nichts außer der Angst des kleinen Mädchens gespürt habe, die sich auch auf mich übertragen hatte. Sie war ich.
    Daran besteht überhaupt kein Zweifel, ihre Gesichtszüge waren zwar weicher als es meine sind, aber sonst hätte sie das Spiegelbild einer jüngeren Version von mir sein können, ihre Augen, die hellgrau leuchteten, hatten dieselbe Farbe wie meine, bevor sie sich rubinrot verfärbten und unsere Haare haben das gleiche aschblond, das von einigen goldenen Strähnen durchzogen wird.
    Und die Frau, war es ihre, nein meine, Mutter? Ist dieser Traum oder diese Vision der Schlüssel zu meiner Vergangenheit, von der mir nichts außer der Tatsache erzählt wurde, dass ich noch vor der Schlacht gegen das letzte Bündnis dem dunklen Herrscher die Treue geschworen habe?

    “Sie sind fort, die Halblinge;die Orks haben sie mitgenommen. Ich glaube, sie sind nicht tot. Orks haben sie gefesselt”, sagt eine schwache Stimme. Ich kann nur hoffen, dass die Orks auch die richtigen Hobbits gefangen haben, damit der dunkle Herrscher doch noch an den Einen Ring und an die Macht kommt, auch wenn ich versagt habe. Ich muss mich beherrschen, nicht vor Schmerz zu schreien, als ich den Kopf heben will, um zu schauen, wer da gerade spricht, sogar die kleinste Bewegung ist fast unmöglich für mich, noch immer spüre ich das Blut aus meiner Wunde strömen.
    Aber dann spüre ich außer den Schmerzen noch etwas, etwas schwaches, das immer weniger wird. Leben.
    Mit Mühe strecke ich eine Hand aus und spüre etwas, das wie warmer Nebel um meine Finger streicht. Ich spüre, wie meine Stärke wieder zunimmt, schon nach wenigen Sekunden merke ich, dass meine Wunde aufgehört hat zu bluten und problemlos setze ich mich auf.
    Am anderen Ende der Lichtung sitzen zwei Männer, einer, der Rothaarige, der auch den Einen Ring haben wollte, hat mehrere Orkpfeile in der Brust stecken und liegt offenbar im Sterben. Aus seinem Körper wird etwas, das wie schwarzer Nebel aussieht, zu mir gezogen, windet sich um meine ausgestreckte Hand und hüllt mich ein wie dunkle Schatten.
    Während ich immer stärker werde, passiert mit dem Rothaarigen offenbar das Gegenteil, er sieht immer schwächer aus. Ich kann auch das Leben des anderen Mannes spüren, zwar ist es schwieriger zu fangen, weil er sich nicht so nahe an der Schwelle des Todes befindet wie sein Gefährte, aber irgendwie schaffe ich es, auch dieses Leben in mir aufzunehmen.
    Mit dieser Macht werde ich es doch noch schaffen, den Hobbit einzuholen und Mittelerde wird endlich von seinem rechtmäßigen Herrscher regiert werden.

    12
    Kapitel 12

    Mit dieser Macht werde ich es doch noch schaffen, den Hobbit einzuholen und Mittelerde wird endlich von seinem rechtmäßigen Herrscher regiert werden.

    Mit jeder Sekunde spüre ich, wie ich an Stärke gewinne, ich nehme immer mehr fremde Lebenskraft in mir auf, durch die auch meine Macht immer mehr wächst. Meine Wunde schließt sich vollständig, diese Kraft gleicht den Blutverlust aus, auch die Sonnenstrahlen können nun nicht mehr gefährlich für mich sein.
    Sie kommen leise, durchsichtige, nebelweiße Schatten, die aus dem Nichts erscheinen und die sich flüsternd um mich herum scharen, ihre blassen Hände nach mir ausstrecken, als suchten sie nach Rettung. Ihre Gesichter sind seltsam vertraut, doch gleichzeitig so fremd, ihre Blicke scheinen mich zu durchbohren, die Macht wahrzunehmen, die mich dank der neuen Lebenskraft umgibt wie ein Schutzschild, der immer dichter und stabiler wird, je stärker ich werde.
    Und sie sagen etwas, doch ich kann die Worte, die sie sprechen, nicht verstehen. Aber ihre Stimmen klingen verzweifelt, flehend und ängstlich, ein Chor aus Schreien, Betteln und Fragen.
    Und auf ihren Gesichtern liegt ein Ausdruck, der mich verwirrt; in ihren Augen kann ich Liebe und Furcht erkennen, sie kommen näher und das, was sie sagen, wird mir immer verständlicher, ich schaffe es, einige Sätze aus diesem Durcheinander von Stimmen herauszuhören.
    Warum tust du das?
    Thuringwethil, das ist nicht dein Schicksal!
    Hör nicht auf den Feind, er manipuliert dich!
    Es scheint plötzlich, als würden alle Gestalten zusammen sprechen, mit nur einer einzigen Stimme. Sie wollen, dass ich aufhöre, dass ich meine Aufgabe abbreche. Sie wollen, dass der dunkle Herrscher verliert, ich kann diesen Wunsch aus ihren Mienen ablesen, dass ich die Macht, die ich gerade spüre und die immer weiter wächst, einfach aufgebe. Doch das werde ich nicht tun.
    Mit neuer Entschiedenheit, einfach weil ich diesen Schatten, wer auch immer sie sind, zeigen will, dass mein Entschluss, Rache zu nehmen, nicht von ihrem Flehen beeinflusst wird, hebe ich eine Hand und die Dunkelheit, die immer noch um mich herumwabert wie der Rauch eines Feuers bäumt sich zu einer riesigen Wand auf. Durch diesen Druck werden die Gestalten mehrere Meter von mir weggeschleudert, doch da die Dunkelheit einfach durch sie hindurchfließt, als hätten sie keinen festen Körper, nähern sie sich gleich wieder, ohne bemerkbaren Schaden genommen zu haben.
    An ihrer Spitze geht ein kleines Mädchen, nein, sie schwebt eher mehrere Handbreit über dem Waldboden. Hinter ihr folgt eine Frau, die Erkenntnis trifft mich mit voller Wucht: Das ist die Frau aus meinem Traum, die mich weggeschickt hat, meine Mutter? Das muss der Beweis dafür sein, dass ich das alles nicht nur geträumt oder mir unbewusst selbst ausgedacht habe, diese Elbin hat das gleiche Lächeln wie die Frau aus meinem Traum oder meiner Vision oder Erinnerung. Doch nun ist dieses Lächeln bedauernd, aber trotzdem liebevoll. Wer ist sie, wer sind sie alle? Und warum wollen sie mich davon abhalten, zwei Menschen zu töten, die sich als Verräter gegen den dunklen Herrscher gestellt haben, als sie beschlossen haben, dass sie dabei helfen wollen, den Einen Ring zu zerstören? Sie haben den Tod verdient.
    “Warum tust du das für ihn? Er hat dir doch alles genommen”, die Elbin aus meiner Erinnerung, ich bin mir sicher, dass es eine Erinnerung war, spricht zuerst. Wer hat mir alles genommen? Der dunkle Herrscher? Er hat mir alles gegeben, meine Freiheit und einen Auftrag, der die elenden Verräter, die sich gegen Mordor stellen und wegen denen ich jahrhundertelang eingesperrt war wie ein Tier, vernichten soll und auch wird.
    “Ihr lügt!”, fauche ich und versuche abermals, sie mit der Dunkelheit, die mir willig gehorcht wie ein gehorsamer Diener, zurückzuschleudern, aber dieses Mal kommen sie weiter unaufhaltsam näher, ohne auch nur ansatzweise von dem Druck betroffen zu sein, während die Wucht, mit der ich die Lebenskraft wie tödlichen, dunklen Nebel von mir wegstoße, sogar einen Baum entwurzelt.
    “Nana, bitte hör auf, du machst alles kaputt”, fleht das kleine Mädchen. Ich hätte sie fast überhört, um ihnen auf diese Weise zu zeigen, dass ich nicht einmal ansatzweise daran denke, ihren Forderungen nachzugeben.
    Aber der Begriff “Nana”, wie mich das kleine Mädchen angesprochen hat, lässt mich innehalten. Ist das nicht der elbische Begriff für Mutter? In meinem Kopf wirbeln die Gedanken durcheinander, für einen Moment vergesse ich sogar meinen Racheplan. Das einzige, woran ich denken kann, ist warum mich das kleine Mädchen als ihre Mutter bezeichnet hat, ob sie lügt, um mich zu manipulieren, aus welchem Grund auch immer, oder ob es die Wahrheit ist. Die Dunkelheit hört auf, den Schutzschild zu bilden, der sich in der kurzen Zeit, in der ich stärker werde, um mich gebildet hat, als ich die Hände sinken lasse. Ich weiß nicht, was ich jetzt tun soll. Ich kann nicht die Mutter des kleinen Mädchens sein, wüsste ich es sonst nicht? Diese Frage kann ich mir nur selbst verneinen, denn meine erste, klare Erinnerung ist die, dass mich die Gitterstäbe meines Käfigs einschlossen, dass das gräuliche Dämmerlicht schwach durch eine schmutzige Fensterscheibe fiel.
    In der Zeit davor, in meiner Vergangenheit, als ich noch frei war, kann alles passiert sein. Mit einem Wort hat dieses Kind meine gesamte Entschlossenheit vernichtet, ich weiß nicht mehr, was ich glauben soll, was ich tun soll.
    “Wer seid ihr?”, frage ich erstickt. Bewegungslos hängt die Dunkelheit, die mich vorher umhüllt hat, mitten in der Luft, ich schaffe es nicht, sie wieder unter Kontrolle zu bringen, um jetzt endgültig eines der mächtigsten Wesens Mittelerdes zu werden, das von jedem gefürchtet und respektiert wird.
    “Wir sind die, die du verloren hast”, antwortet die Elbin anstelle des Kindes, doch eigentlich ist es mir egal, wer mir die Antwort gibt. Hauptsache ist, dass ich weiß, mit wem ich es zu tun habe.
    Die, die ich verloren habe. Ich kann nichts anderes mehr denken. Zwar kenne ich niemanden von ihnen, trotzdem bricht ihre Verzweiflung, ihre Liebe und ihre Hoffnung, dass ich mich umentscheide, was mein Schicksal angeht, über mich herein wie eine Welle, unter der ich ertrinke. Wie kann das sein? Sie haben es geschafft, dass ich alles hinterfrage, jedes einzelne Gespräch, das ich seit meiner Freilassung geführt habe im Kopf durchgehe und daran zweifele, dass es die richtige Entscheidung war, dem dunklen Herrscher zu gehorchen.
    “Nana, was haben sie mit dir gemacht?”, schluchzt das kleine Mädchen jetzt. Mir fällt ihr Name wieder ein… Gail, so heißt oder hieß sie. Und sie ist meine Tochter.
    Ich stürze in ein Meer aus Erinnerungen, mit einem Mal ist jeder Moment, den ich erlebt habe, wieder da. Und da sind auch sie… Die, die mich jetzt als körperlose, durchsichtige Gestalten verfolgen. Sie haben mich nie aufgegeben.
    Aber noch bevor ich alles noch einmal im Schnelldurchlauf erlebt, gefühlt, gesehen habe, weiß ich, dass das ganze kein gutes Ende nehmen wird. Ein dunkler Schatten überlagert die glücklichen Erlebnisse, je älter ich werde, überall nur noch Schmerz und Tod. Alle nacheinander werden ausgelöscht, verschwinden aus meinem Leben. Weil Sauron meine Gabe, diesen Fluch, wollte. Und jetzt habe ich das getan, was mein früheres Ich nie getan hätte: Ich habe diese Kräfte dazu eingesetzt, um Sauron an die Macht zu verhelfen.
    “Nein, nein, nein… Was habe ich nur getan?”, wimmere ich. Warum habe ich Sauron geglaubt? Und wie hat er es geschafft, mich so zu manipulieren?
    Aber ich kann es wieder gut machen, wenigstens teilweise. Ich will nicht als die weiterleben, die ich bin, als Mörderin, Marionette Saurons.
    Ich konzentriere mich, stoße die gestohlene und auch meine eigene Lebenskraft von mir, dunkel wirbelt sie durch die Luft, während ich fast sofort umkippe und kraftlos auf dem trockenen Laub liegenbleibe. Meine Macht schwindet, schmerzhaft wird sie aus meinem Körper gerissen. Ich schreie, zwinge mich aber, weiterzumachen. Ich will nicht mehr. Sie haben zu lange gewartet, nie die Hoffnung aufgegeben, dass ich es schaffe, diese zerstörerische Seite in mir zu besiegen. Jetzt werde ich ihnen endlich folgen können…
    “Nana, du darfst das nicht machen! Du musst…”, obwohl ich versuche, mich ein letztes Mal auf Gails Worte zu konzentrieren, wird es immer schwieriger, überhaupt etwas von meinem Umfeld wahrzunehmen, außer der Dunkelheit, meiner Lebenskraft, die aus meinem Körper gerissen wird. Aber ich bin entschlossen, das ist das beste für ganz Mittelerde.
    Noch einmal blicke ich in den Himmel, die Sonne ignoriere ich. Ich hätte nie gedacht, dass Sterben so einfach ist...


    Fröhliche Weihnachten!;)

    13
    Kapitel 13

    Leises Wispern reißt mich aus diesem Zustand, der eingetreten ist, nachdem die Schmerzen nachgelassen haben und schließlich gänzlich verschwunden sind, in dem ich nichts außer Schwärze und Stille wahrgenommen habe, von der mein ganzer Körper betroffen war. Es ist, als würde ich aus den düsteren, unendlichen Tiefen des Meeres auftauchen, Licht dringt an meine Augen und die Benommenheit lässt ganz nach.
    Entgegen meiner Erwartungen kann ich mich ohne Mühe aufsetzen, umsehen und wie eine unbeteiligte Zuschauerin beobachten, wie die Lebenskraft immer noch wie dunkler Nebel aus meinem Körper gerissen wird, der wie eine leere Hülle mit seltsam verrenkten Gliedern unter mir auf dem Waldboden liegt.
    Was ist passiert? Warum sehe ich meinen Körper, mich, dort liegen und nur noch schwach atmen, während ich selbst, auf jeden Fall wahrscheinlich der Teil von mir, der mit der Gabe verbunden ist, nur eine durchsichtige Gestalt ohne festen Körper ist? Bin ich nun auch zu einer von ihnen geworden, den Verlorenen, die sich wieder um mich herum gruppiert haben, als wollten sie mich beschützen?
    Ich erkenne sie alle wieder, meine Familie, meine Freunde und auch mehrere Verbündete. Schon als sie noch lebten, achteten sie immer darauf, dass ich, die die Gabe oder auch den Fluch in sich trägt, bewacht und beschützt wurde. Was schließlich auch ihren Tod bedeutete, dieser Fluch stürzt alle, die mir nahestehen ins Verderben. Und auch trotz dieser Opfer hat Sauron das bekommen, was er schon immer erreichen wollte: Meinen Willen zu brechen und seine Befehle auszuführen. Auch wenn ich es jetzt vorerst geschafft habe, ihm zu entkommen, ich weiß, dass er nicht so einfach aufgeben wird.
    Nur einer wurde nicht Opfer von diesem Fluch. Als ich meinen Blick über die Versammelten schweifen lasse, kann ich ihn nicht entdecken. Heißt das, er hat überlebt? Er ist diesem Fluch nicht zum Opfer gefallen?
    Mit den Händen weben die Verlorenen ein Band aus gleißender Helligkeit, es wird immer dichter und stärker, silber-weiß fließt es durch ihre durchsichtigen Finger, ihr konzentriertes Murmeln klingt wie das Summen eines Bienenschwarms. Ich frage mich, warum sie mich nicht hassen, nach allem, was ich getan habe und dem, was ich hätte tun sollen, aber nicht getan habe, weil ich der Dunkelheit verfallen war. Weil ich diese Finsternis immer noch in mir trage. Ich kann ihr nicht entkommen.
    Gail unterbricht das monotone Murmeln, als sie aufschaut und sieht, dass ich aufgestanden bin. Nach und nach verstummen auch die anderen, stumm schauen sie mich an, in ihren Händen das silberne Band. Die Tatsache, dass ich nun wie sie ebenfalls aus blassem Rauch bestehe, scheint sie nicht zu irritieren, vielleicht haben sie sich auch so an den Anblick der nebelhaften Gestalten gewöhnt, daran, dass sie selbst solche sind, dass ich nur ein weiterer blasser Schatten in der Menge bin.
    Gail kommt auf mich zu. Ich wünschte, ich hätte sie retten können, ihr die Qualen, die sie vor ihrem Tod erleiden musste, ersparen können. Ich bin ihre Mutter, trotzdem ist sie gestorben, meine kleine Gail. Sie wurde gefoltert, verstümmelt, während ich schon dabei war, unbewusst der Dunkelheit zu verfallen und mich in eine willenlose, blutrünstige Marionette Saurons verwandelte. Und ich konnte mich nicht einmal richtig von ihr verabschieden, das letzte Mal, das ich sie lebend sah, hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt und ich bezweifele, dass mich ihre verzweifelten und schmerzerfüllten Schreie jemals loslassen werden.
    Trotz alledem steht, oder nein, schwebt sie nun vor mir, unverletzt, lebend und lächelnd und wider meines Erwartens kann ich weder Hass noch Schuldzuweisung in ihren Augen erkennen.
    Ich kann nicht anders, sobald sie sich bis auf wenige Schritte genähert hat, schließe ich sie nach so langer Zeit endlich wieder in die Arme. Obwohl wir beide nur aus blassem, formlosen Rauch zu bestehen scheinen, kann ich ihren zerbrechlichen Körper spüren, ihre weichen Haare kitzeln mich an der Nase und ich kann nicht glauben, dass ich sie wirklich umarme, dass sie sogar atmet, ihr Herz schlägt gleichmäßig gegen ihre Rippen.
    “Es tut mir so leid, dass ich dich nicht gerettet habe, dass ich es nicht einmal versucht habe, dass ich…”, meine Stimme versagt und ich spüre, wie mir Tränen in die Augen steigen. Jeder Atemzug tut weh, meine Brust zieht sich unter dem Gefühl des riesigen Verlustes, von dem ich jetzt wieder eingeholt werde, zusammen.
    “Du konntest nichts tun”, erwidert Gail. Sie hört sich viel älter an, als sie war, als ihr ihr Leben und ihre Zukunft genommen wurden.
    “Ich hätte etwas tun müssen, ich war… nein, ich bin deine Mutter!”, widerspreche ich.
    “Du konntest nichts tun.”, wiederholt Gail ihre Worte und sieht mich an, “Er hat dich verhext und vorher hast du getan, was du konntest. Du hast so viele gerettet!”
    “Aber dich habe ich nicht gerettet!”, verzweifelt streiche ich ihr über die Haare.
    “Meine Zeit war gekommen”, sie sagt das so ruhig und sachlich, als wäre es für sie das normalste der Welt.
    “War sie nicht! Sie ist gekommen, weil du… weil du den Eid geschworen hast”, zwischen den Worten muss ich immer wieder stocken.
    Es kommt mir alles so unwirklich vor, ich hatte gedacht, dass ich sie alle nie wiedersehe. Der Eid ist mit daran schuldig, dass sie hier sind, immer noch als durchsichtige Schatten hier sind und nicht gehen können, denn mit diesem Schwur, bei dem sie gelobten, dass sie alles tun würden, um zu verhindern, dass Sauron die Macht, die mit meiner Gabe, meinem Fluch, verbunden ist, in die Hände bekommt, wurde ihnen ein Teil meiner Lebenskraft, meiner und der meiner Ahnen, die bei ihrer Geburt in mir weiterlebte, weitergegeben. Von da an waren und sind sie gebunden, hier zu verweilen, bis Sauron besiegt ist.
    Ich wollte verhindern, dass Gail den Eis schwört, aber meine Mutter, die Beschützerin unseres Bundes, war dafür, dass auch sie sich verpflichtet.
    Eines Tages, als ich noch fast ein Kind war, war sie einfach aufgetaucht, nachdem sie mir wenige Jahre vorher bei einem Angriff der Orks, der das gesamte Dorf, in dem ich aufgewachsen war, zerstörte, zur Flucht verhalf. Ich dachte, sie wäre bei diesem Kampf ums Leben gekommen, aber sie stand vor mir, genauso entschlossen, wie ich sie in Erinnerung hatte, es war, als wäre an diesem Tag die Zeit zurückgedreht worden. Doch schnell hatte ich festgestellt, dass sie nicht gekommen war, um sich hier mit mir ein Leben aufzubauen, wie wir es auch vor diesem Angriff, bei dem sie mich wegschickte, hatten. Sie war mit einer Gruppe anderer Kämpfer gekommen und sie hatten mich weit von aller Zivilisation weggebracht, wo ich lernte, meine Gabe zu kontrollieren.
    Vor mir stand niemand aus meiner Familie unter so einem Fluch, niemand wusste, warum ich diese Fähigkeiten hatte. Trotzdem gab es schon längst Gerüchte über diese Gabe, es wurde immer schwieriger, sie vor Menschen außerhalb des Geheimen Bundes, wie wir genannt wurden, zu verbergen.
    Meine Mutter Feanhên wurde das erste Opfer dieser Gabe. Als sie von Saurons Dienern gefangen wurde, da auch dieser herausgefunden hatte, was für eine Macht ich in mir trug, wollte sie selbst unter Folter weder verraten, wo ich bin, noch wie genau meine Gabe sich zeigte, was zu ihrer Hinrichtung führte. Danach waren wir ständig auf der Flucht, doch wir wurden immer schneller aus unseren Verstecken vertrieben, als dass wir sie überhaupt als Zuhause bezeichnen konnten. Aber trotz aller Warnungen, dass ich niemanden in mein Herz lassen sollte, weil ich durch jeden Verlust von geliebten Menschen angreifbarer wurde, verliebte ich mich...
    Schließlich kam es zum letzten Bündnis der Menschen und Elben, auch viele Kämpfer des Geheimen Bundes zogen in die Schlacht. Diesen Zeitpunkt nutzte Sauron, er entführte Gail, da er wusste, dass ich alles tun würde, um sie zu befreien. Sie hatte ihren Vater nie kennengelernt, er war mit in die Schlacht gegen Sauron gezogen, Gail wurde kurz nachdem er ging geboren und nur eine Woche später entführt. Auch ich wurde gefangen, weigerte mich aber, mich Sauron anzuschließen, er brach meinen Willen erst, als seine Diener Gail nach mehreren Jahren Gefangenschaft foltern ließen. Zwar hatte er zu diesem Zeitpunkt schon den Einen Ring verloren, aber seine Diener hatten genaueste Anweisungen, was sie tun sollten, um mich zu einer neuen Waffe Mordors zu machen. Doch schnell mussten sie erkennen, dass sie mich durch Folter nicht umstimmen und auf ihre Seite ziehen konnten, deshalb fingen sie an, Gail zu verstümmeln.
    Unsere “Abmachung”, meine Tochter freizulassen, sobald ich mich Sauron anschließen würde, brachen sie, als sie mir so viele Gifte eingeflößt hatten, dass ich zu ihnen übergetreten war. Sie brachten Gail um und sperrten mich ein, in einen Raum mit Gitterstäben, wo ich mich langsam aber sicher in eine Bestie verwandelte und Gail und meine gesamte Vergangenheit vergaß.

    Und jetzt sind sie alle hier, alle die jemals den Eid geschworen haben, hinter Feanhên, ihrer Anführerin und Beschützerin.
    “Wenn ich es nicht getan hätte, wäre ich nicht hier, bei meiner Familie”, sagt Gail und zieht mich mit ihrer kleinen, schmalen Hand zu meiner Mutter, die mir lächelnd über die Wange streicht.
    “Thuringwethil, du kannst nicht hierbleiben, auch wenn du willst. Feren braucht dich”, meint sie. Bei diesem Namen spüre ich ein Kribbeln im Bauch, das ich fast vergessen habe.
    “Feren? Lebt er noch?”, frage ich und spüre, wie ich wider Willen zurücklächeln muss. Auch nach dieser Zeit, die sich wie eine Unendlichkeit anfühlt, liebe ich ihn noch, habe nie aufgehört, ihn zu lieben. Er und Gail waren das beste, was mir je passiert ist.
    “Natürlich”, Feanhên wirkt verwundert, als wäre es offensichtlich.
    “Bist du dir sicher?”, frage ich noch einmal nach, woraufhin meine Mutter mit einem Nicken antwortet.
    Was ist, wenn ich ihn wirklich wiedersehen kann? Wird alles so wie früher, vor meiner Gefangenschaft? Wird er mir verzeihen können? Aber was, wenn er mich nicht liebt, weil ich ein Monster bin, eine Mörderin? Und was ist, wenn er mich hassen wird, dafür, dass ich Sauron gefolgt bin und Gail, die auch seine Tochter war, nicht gerettet habe? Dass ich ihre Mörder unterstützt habe?
    Mit dieser Schuld kann ich nicht leben, ich selbst hasse mich schon so sehr für meine Taten, wie sehr muss Feren mich dann dafür verabscheuen?
    “Kann ich nicht hierbleiben?”, frage ich, obwohl ich die Antwort, die sie mir geben werden, schon kenne. Fast gleichzeitig schütteln Gail und Feanhên den Kopf.
    “Warum fürchtest du dich?”, fragt meine Mutter.
    “Ich habe Angst davor… dass er mich hasst. Weil ich mich auf die Seite seines Feindes gestellt und Gail nicht gerettet habe. Weil ich zu einem Monster geworden bin”, die letzten Worte flüstere ich nur noch.
    “Er wird dir verzeihen”, meint Feanhên entschieden.
    “Warum sollte er?”, frage ich. Ja, warum sollte er das tun?
    “Weil er dich liebt”, ihre Worte sind trocken, und ich sehe in ihren Augen, dass sie die Wahrheit sagt. Es kommt mir so vor, als würde mein Herz für einen Moment stehenbleiben. Weil er mich liebt. Wird das reichen, damit er mir verzeiht?
    “Macht weiter!”, ruft Feanhên in Richtung der anderen Verlorenen. Zusammen mit Gail, die mich noch einmal kurz umarmt, zieht sie sich wieder in die Reihen der anderen Verlorenen zurück. Dort erkenne ich meine beiden besten Freundinnen Ruby und Niniel, sie lächeln mir kurz zu, bevor sie sich wieder auf das silberne Band in ihren Händen konzentrieren und anfangen, irgendwelche Formeln zu murmeln, die das Band weiter verdichten.
    Ich weiß, dass sie einen Teil der Kraft, die mit dem Eid auf sie übergegangen ist, sammeln, um daraus dieses Band zu weben, mit dem sie mich zurückschicken wollen. Es wird die Lebenskraft, die mein Körper dort unten auf dem Waldboden immer noch verliert, ersetzen, sodass mein Herz wieder gleichmäßig schlagen wird. In wenigen Sekunden werde ich keine von ihnen mehr sein, sondern wieder einen festen Körper haben. Und dann muss ich Feren finden. Das schulde ich ihm, er hat es verdient, zu wissen, was passiert ist.
    Das weiße Band wird immer dichter und breiter, schließt mich ein und zieht mich langsam aber sicher zurück auf den Waldboden.
    “Du schaffst das. Denk daran, du bist nicht alleine”, Feanhêns Stimme ist das letzte, was ich höre, bevor ich in weißer Stille versinke. Ja, ich bin nicht alleine, sie werden mich begleiten… Immer...


    Hey!;)
    Ich wünsche euch allen ein wunderschönes neues Jahr 2018:)
    LG Princess of Mordor (ach ja, ich habe meinen Namen geändert, vorher hieß ich lost_hope;))

    14
    Hey!:)
    Es tut mir wirklich total leid, dass es diesmal so lange bis zum nächsten Kapitel gedauert hat…
    Mir geht es in letzter Zeit nicht so gut, deswegen weiß ich auch noch nicht, wann ich genug Zeit und Motivation habe, um weiterzuschreiben.
    Aber wie auch immer, ich werde mein bestes geben und hoffe, dass ich es in Zukunft dann öfter schaffe, ein neues Kapitel hochzuladen;)
    Ich würde mich natürlich über Feedback freuen;)
    Jetzt viel Spaß beim Lesen,
    LG Princess of Mordor


    Kapitel 14
    Mit einem Mal bin ich wieder in meinem Körper gefangen, meine Lungen stechen bei jedem mühsamen Atemzug, der sich wie ein qualvolles Röcheln in der Stille um mich herum anhört und ich fühle mich schwach und ausgelaugt. Kurze Zeit bleibe ich einfach auf dem mit Laub bedeckten Waldboden liegen, spüre die trockenen Blätter unter mir und fühle die Wärme der Sonnenstrahlen auf meiner Haut. Anstatt der Schwäche und der Schmerzen, denen ich ausgesetzt war, als ich Kontakt zur Sonne hatte, während ich noch unter Saurons Einfluss stand, lösen ihr Licht und ihre Wärme nun nur noch ein angenehmes Kribbeln auf der Haut aus. Auch das Zwitschern der Vögel, die durch den Lärm des Kampfes kurzzeitig geflüchtet waren und die sich nun wieder in den Baumkronen über mir niederlassen, setzt wieder ein.
    Die Natur kehrt zu ihrem normalen Leben zurück, an diesem nun verlassenen Ort.
    Es dauert eine Weile, bis ich wieder Herr über meinen Körper bin und es überhaupt schaffe, nur den kleinen Finger zu rühren. Es fühlt sich so an, als würde ein schweres Gewicht auf meinem Brustkorb lasten und selbst das Atmen verursacht ein starkes Stechen in meiner Seite während mein Kopf förmlich zu explodieren scheint. Aber wenigstens bin ich noch am Leben und auch diese Schwäche, von der ich jetzt erfüllt bin, wird mich nicht aufgeben lassen.
    Ich werde kämpfen, bis Mordor endlich gefallen und Sauron endgültig vernichtet ist. Meine Familie war zu lange an diese Welt gebunden, ich werde alles tun, um sie endlich von dem Schwur zu erlösen, den sie geleistet haben. Sie haben es verdient, endlich frei zu sein.
    Wie zur Bestätigung sehe ich Gails durchsichtige Gestalt noch einmal neben mir knien, ein Lächeln liegt auf ihren Lippen, während ihr Schatten langsam verblasst. In mir zieht sich alles zusammen und die Verzweiflung nimmt mir fast den Atem.
    “Nein… Geh nicht!”, flüstere ich und strecke eine Hand in die Richtung meiner Tochter aus, aber meine blutigen Finger fahren durch sie hindurch wie durch Luft. Ich will nicht, dass sie geht, dass sie weiterhin in der blassen Welt der Verlorenen gefangen ist, durch die sie die Welt nur wie durch eine Glasscheibe beobachten kann.
    “Ich bin da, auch wenn du mich nicht siehst, wenn du denkst, du wärst alleine. Denn das bist du nicht”, ihre Antwort ist ein leises Wispern, das in der nur vom Zwitschern der Vögel durchbrochenen Stille verklingt.
    Was soll ich jetzt tun? Ich weiß nicht, wo ich mich befinde, geschweige denn wo Feren ist. Gail will, dass ich ihren Vater finde, also werde ich es versuchen. Vielleicht ist doch noch nicht alle Liebe verloren.
    Unter Schmerzen schaffe ich es schließlich, mich aufzurichten und umzuschauen. Ich bin alleine auf der Lichtung, auf der ich schließlich von Saurons Einfluss befreit wurde, abgesehen von mehreren toten Orks, die auch schon kurze Zeit nach ihrem Ableben einen starken Verwesungsgestank verströmen.
    Bei diesem Geruch muss ich ein Würgen unterdrücken, während ich, so schnell es in meinem Zustand geht, zwischen den Bäumen hindurchgehe. Vorher hebe ich noch mein Schwert von der Erde auf und befestige es wieder an meinem Gürtel.
    Immer wieder muss ich unterdrückt husten und jedes Mal überkommt mich das Gefühl zu ersticken, wenn ich Blut auswürge. Das Geräusch hört sich inmitten der Rufe der Tiere um mich herum unnatürlich laut an und ich erwarte jederzeit, dass ein Feind, wer auch immer noch hier sein sollte, mich gleich angreift. Ich weiß nicht, ob in den Minuten ohne Sauerstoff, in denen ich für kurze Zeit wieder mit meiner Familie vereint war, meine Lunge teilweise zerstört wurde, aber die Schmerzen in meiner Brust beweisen mir, dass irgendetwas in meinem Körper nicht stimmt. Und das macht mir Angst, dass ich nach all den Bemühungen der Verlorenen doch noch sterben werde. Dass sie weiterhin an diese Welt gebunden sind.
    Mehrmals drohen meine Beine einzuknicken, aber jedes Mal schaffe ich es wieder, mich zu zwingen, weiterzulaufen, auch wenn ich selbst nicht weiß, wen oder was ich überhaupt suche. Meine Glieder fühlen sich immer tauber an, als würden der Schmerz und meine Erschöpfung sie lähmen.
    Nur die Hoffnung, die wie ein Feuer inmitten von Dunkelheit in mir brennt, treibt mich weiter. Ich muss Feren finden. Um jeden Preis.
    Soweit ich mich auf meine Gefühle verlassen kann, auf die geschärften Sinne eines Raubtieres, bin ich das einzige Lebewesen in der Nähe.
    Die Orks sind schon weit entfernt, ebenso wie der Ringträger, aber ich sehe sowieso keinen Sinn in einer Verfolgung. Die Uruk-hais und Orks sind mir egal, von mir aus können sie Sauron oder einem seiner ergebensten Diener mitteilen, dass ich gestorben bin. Dann hört er vielleicht auf, mich zu suchen. Womöglich wäre ich dann für immer frei, hätte eine Zukunft ohne die ständige Angst, dass er mich dazu bringen könnte, mich ihm erneut anzuschließen.
    Und der Hobbit… Er muss es schaffen, den Ring zu vernichten. Zwar könnte ich ihn verfolgen und ihm vielleicht bei dieser Aufgabe helfen, allerdings bezweifle ich, dass ich ihn einholen würde, geschweige denn dass ich ihn davon überzeugen könnte, dass ich kein Feind bin. Denn was für Argumente, die dagegensprechen, habe ich?
    Auch wenn er mich wahrscheinlich nicht gesehen hat, als ich so kurz davor war, den Auftrag, den ich von Sauron erhalten hatte, auszuführen, ich bin gezeichnet, als das, was ich bin.
    Die Narben auf meinem Körper und die Spuren meiner Verwandlung zu dem Monster, das ich war und das immer noch tief in mir lauert, sind für manche Leute Zeichen genug dafür, dass ich nicht zu ihrer Gesellschaft gehöre. Und das macht mich in ihren Augen schon zu einer Gefahr.
    Denn wer würde gerne in der Nähe eines Wesens leben, von dem man weiß, dass es sich jederzeit die Lebenskraft seiner Opfer stehlen könnte? Wer würde gerne wissen, dass ich Monster in mir vorerst gezügelt ist, ich aber es dennoch spüre, was heißt, dass es noch da ist? Dass dieses Monster jederzeit wieder auftauchen könnte, sich an dich Oberfläche drängen und mich wieder zu der Bestie, zu der ich während meiner Gefangenschaft geworden bin, machen kann?
    Denn ich weiß nicht, wie lange ich widerstehen könnte, sollte dieser Teil von mir die Kontrolle übernehmen. Auch wenn ich es mir einrede, ich bin nicht so stark, wie ich vielleicht denke. Denn dieser Teil gehört zu mir, und auch wenn ich mich gegen diesen Gedanken weiterhin hartnäckig wehre, das, was ich tue, ist ein Kampf gegen mich selbst.
    Stimmen reißen mich aus diesen Gedanken und ich schaffe es, möglichst geräuschlos in die Richtung zu schleichen, aus der das Gespräch zu kommen scheint. Nicht einmal die trockenen Blätter, die den Waldboden wie einen Teppich bedecken, knistern unter meinen Füßen und ich bin erleichtert, dass ich den Husten, der erneut in meiner Kehle aufsteigt, unterdrücken kann.
    An einen Baum gelehnt lausche ich dem Gespräch, das sich anscheinend darum dreht, die Uruk-hais und Orks zu verfolgen und die zwei anderen Hobbits, die von ihnen entführt wurden, aus ihrer Gefangenschaft zu befreien.
    In meinem Kopf überschlagen sich die Gedanken; soll ich die Personen, die sich dort unterhalten, begleiten? In einer Gruppe hätte ich sicherlich mehr Chancen darauf, zu überleben, als wenn ich alleine und orientierungslos hier bleiben würde. Allerdings bin ich mir sicher, dass die Personen, die sich da unterhalten, bestimmt nicht erfreut sind, wenn ein Monster sie begleiten will.
    Aber was soll ich sonst tun?
    Ohne noch einmal darüber nachzudenken, trete ich hinter dem Baum hervor und trete den Männern, die diese Diskussion geführt haben, entgegen.

    15
    Kapitel 15

    Ich stehe der komischsten Truppe, der ich je begegnet bin gegenüber, wenn man noch die Hobbits, die sich nun nicht mehr hier befinden, dazurechnet.
    “Wer seid Ihr?”, sobald sie mich erblicken, stellt mir der dunkelhaarige Mensch mit feindseliger Stimme diese Frage. Doch nicht nur er scheint zu meinen, dass ich ein gefährliches Monster bin, auch seine beiden Begleiter, ein Zwerg und ein Elb, sehen mich so an, als würden sie mich mir liebend gerne den Hals umdrehen.
    Aber habe ich das nicht verdient? Bin ich nicht zu einer Bestie geworden, weil ich nicht genug Kontrolle über mich hatte und so den Einflüssen Saurons Dienern verfallen bin? Habe ich den Tod nicht verdient?
    Ich schaffe es, diese Gedanken, die sich in meinen Kopf bohren wie Messerstiche, irgendwie in den Hintergrund meines Denkens zu schieben, währenddessen überlege ich, was ich auf diese Frage am besten antworte, ob ich überhaupt antworte. Diese Überlegungen über meinen Tod bringen nichts, außerdem habe ich noch etwas zu erledigen, bevor ich von dieser Welt verschwinde. Auch wenn ich keine Ahnung habe, was mich dann erwartet, da ich selbst mich weder als Mensch, Elbin oder auch Ork sehe, ich bin eine Bestie mit Kräften, die den Untergang aller Völker bedeuten könnte. Gibt es vielleicht einen besonderen Ort, wo ich nach meinem Ableben für Ewigkeiten dafür gefoltert werde, was ich getan habe? Genau, was passiert eigentlich mit mir, die ich bis jetzt beide Seiten, denen sie mehr oder weniger freiwillig gedient hat, verraten hat? Denn ich bin mir sicher, dass niemand es befürworten würde, dass ich wiedergeboren werde, was mit den anderen meines Volkes nach ihrem Tod geschieht, es reicht, wenn ich einmal als Gefahr für alle Lebewesen auf Arda wandele.
    Ich merke, dass meine Gedanken wieder abschweifen, was schlicht und einfach den Grund hat, dass ich die Frage, wer ich bin, nicht beantworten will und auch nicht kann, da ich es selbst nicht weiß. Ich kenne meinen Namen und meine Vergangenheit, aber warum ich so bin wie ich bin, weiß ich nicht.
    Und mit:“ Ich war eine von Saurons Untergebenen, ein Monster, das seinen Opfern jederzeit ihre Lebenskraft entziehen kann und dadurch stärker wird, das für ihn getötet hat und das Rache für etwas geschworen hat, das nicht wirklich passiert ist, sondern nur eine Lüge war, ein weiterer Weg, um mich zu manipulieren. Aber dann habe ich meine tote Familie gesehen, die mich geheilt hat und jetzt bin ich auf der Suche nach dem Vater meiner ebenfalls toten Tochter”, gewinne ich bestimmt kein Vertrauen von irgendjemandem, geschweige denn dass mir überhaupt jemand glaubt.
    Doch was soll ich sonst sagen? Die Wahrheit klingt wie eine schlechte Lüge, aber jede Lüge würde mir nichts bringen. Denn die Menschen, deren Lebenskraft ich mich bedienen wollte, waren bestimmt nicht so blind, dass sie mich nun nicht wiedererkennen, auch wenn ich mir sicher bin, dass meine Augen jetzt nicht mehr unnatürlich rot leuchten, was eigentlich der auffälligste Hinweis dafür war, dass ich keine normale Elbin bin. Überhaupt: Wo ist der andere Mensch? Egal, wie sehr ich mich konzentriere, ich nehme stets nur die Präsenz der drei, die vor mir stehen, wahr.
    Ich entscheide mich schließlich nach kurzem Zögern dafür, ihnen einfach meinen Namen zu nennen, zumal sie sowieso noch nie von mir gehört haben werden, auf jeden Fall nicht unter meinem echten Namen.
    “Man nennt mich Thuringwethil”, antworte ich und spüre beim sprechen sofort wieder das Gefühl, an dem Blut, das ich immer wieder herunterzuwürgen versuche, zu ersticken. Unter einem rasselnden Hustenanfall krümme ich mich erneut und ich schmecke mein metallisch schmeckendes Blut im Mund, während ich verzweifelt nach Luft ringe. Warum hört es nicht auf? Ich spüre Panik in mir aufsteigen, versuche aber, sie und das schmerzhafte Stechen in meiner Lunge, das nach dem Husten eingesetzt hat, bestmöglich zu ignorieren. Noch während ich mit Mühe das zähflüssige Blut wieder herunterzuschlucken versuche, wende ich mich wieder den restlichen Mitgliedern der Gemeinschaft des Ringes zu.
    “Man?”, der Elb mustert mich misstrauisch, als erwarte er, dass ich ihn und seine Freunde plötzlich angreife und sie dahinmeuchele.
    “Ja, man. Die Orks nennen mich aber auch ‘Herrin' oder ‘das Mädchen’ und jetzt gibt mir Sauron höchstwahrscheinlich den Namen ‘Verräterin' “, gebe ich genervt zurück, ohne zu wissen, was ich hier überhaupt noch mache. Es bringt mir nichts, gar nichts, jetzt noch hier zu stehen und zu hoffen, dass die drei Männer vor mir vergessen, dass ich sie vor kurzer Zeit noch tot sehen wollte. Ich habe gar keine Ahnung, wo Feren sein könnte, wo ich anfangen soll zu suchen.
    “Ich habe doch gesagt, dass sie ein Spitzel Saurons ist, sie gibt es selbst zu und sonst würde eine Frau sich auch nicht ganz alleine hier herumtreiben und dazu noch jedes Lebewesen bekämpfen, das ihren Weg kreuzt”, brummt der Zwerg, “ ich bin dafür, dass wir sie möglichst schnell loswerden, damit wir endlich diese Orks verfolgen können!”
    Na toll, das hört sich sehr danach an, als wollten sie mich so schnell wie möglich töten, damit die Gefahr, die von mir ausgeht, verschwindet. Außer dem Gedanken daran, dass ich noch nicht sterben will, ist kein nun anderer Gedanke mehr in meinem Kopf.
    “Außerdem hat sie Boromir getötet”, der Zwerg versucht seine Begleiter wohl mit allen Mitteln zu überzeugen, dass ich mich gut als Leiche zwischen den Überresten der gefallenen Orks machen würde. Ich bin gerade dabei, ihnen einen schnippischen Spruch an den Kopf zu werfen, der meine Lebenszeit wahrscheinlich eher verkürzen würde als sie zu verlängern, als ich richtig realisiere, was der Zwerg gesagt hat. Wen habe ich getötet? Und wann?
    Schon wieder spüre ich Panik in mir aufsteigen und die Worte “Wen habe ich getötet?” hämmern sich in meinen Kopf und verschwinden auch nicht mehr, egal, wie sehr ich versuche, an etwas anderes zu denken. Einen Ork bestimmt nicht, auch wenn ich mehrere von diesen Kreaturen umgebracht habe, ich bin mir ziemlich sicher, dass keiner von ihnen Boromir hieß und selbst wenn, ich bezweifle auch, dass die drei vor mir dann seinen Namen wüssten. Die Hobbits schließen auch aus, denn ihre Präsenz kann ich noch weit entfernt wahrnehmen, die von zwei der vier ist allerdings mit der Anwesenheit der Uruk-hai vermischt, also bleibt eigentlich nur noch der Mensch, der vorher auch den Ringträger bedroht hatte und den ich töten wollte, bevor ich selbst von dem Uruk-hai verwundet wurde. Also habe ich ihn getötet, vielleicht hätte er überleben können, wenn ich ihm nicht seine Lebenskraft geraubt hätte, auch wenn er da schon im Sterben lag, vielleicht wäre er ja stark genug gewesen.
    Ich habe mein früheres Ziel erreicht, die Gemeinschaft des Ringes ist zerbrochen, der Ringträger ist mit nur einem anderen Hobbit nach Mordor aufgebrochen und wird so wahrscheinlich mitsamt dem Ring Sauron in die Hände fallen. Man sollte vorsichtig damit sein, was man sich wünscht.

    16
    Kapitel 16

    “In Ordnung, ich sage Euch die Wahrheit. Warum ich hier bin, wer ich bin”, offenbar hat keiner der übrigen Gefährten damit gerechnet, dass ich so schnell nachgebe und ihnen die Informationen über mich liefere, auf die sie aus sind. Doch ich habe eingesehen, dass ich es alleine nicht schaffen werde, Feren zu finden, geschweige denn diesen Ort, diesen Wald, in dem ich mich befinde, zu verlassen, denn noch immer weiß ich nicht einmal ansatzweise, wo wir uns befinden. Vielleicht schaffe ich es ja, die Männer zu überzeugen, mich am Leben zu lassen, wenn sie meine Geschichte, oder wenigstens einen Teil davon kennen. Denn ich habe nicht vor, ihnen wirklich alles zu erzählen, ich schäme mich für meine sogenannte Gabe und das, was ich bin und war, was es mir unmöglich machen wird, ihnen wirklich alles zu erzählen, zumal ich sie nicht kenne und das Wort Vertrauen in dieser Situation so unangebracht ist wie ein Brautschleier auf dem Schlachtfeld. Aber vielleicht, ganz vielleicht, wird auch ein Teil der Wahrheit reichen, damit sie mich nicht mit aufgeschnittener Kehle zwischen den toten Uruk-hai zurücklassen.
    Ich bin mir darüber im Klaren, dass ich zwar meine Kraft einsetzen könnte, aber schon der Gedanke daran, dass ich einer weiteren Person ihre Lebenskraft stehlen könnte, schreckt mich in diesem Moment so ab, dass ich mich nicht einmal traue zu überprüfen, wie stark meine gegenüber sind, denn meine Angst, dass ich mich nicht unter Kontrolle haben könnte, ist zu groß. Ich will nicht wieder zu der Bestie werden, die ich war, der Gedanke, zwischen den beiden Fronten des heraufziehenden Krieges zu wechseln wie eine elende Verräterin, ist mir zutiefst zuwider.
    “Das ist doch nur eine neue List, mit der sie versuchen möchte, uns auf ihre Seite zu ziehen!”, raunt der Zwerg seinen Begleitern zu. Entweder er ist insgesamt schlecht auf Elben zu sprechen oder er hasst mich im besonderen, weil ich einen seiner Freunde umgebracht habe und einen zweiten töten wollte. Zwar tendiere ich selbst eher zur zweiten Möglichkeit, aber in diesem Moment wird mir klar, dass mein Wissen über die jetzige Lage in Mittelerde überhaupt gar nicht als solches bezeichnet werden kann, wenn man die Lügen, die der Hexenkönig und die Orks mir erzählt haben, nicht mitzählt. Und mit diesen Informationen kann ich das Vertrauen von niemandem gewinnen, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass die übrigen Gefährten mich ohne zu Zögern umbringen werden, sollte ich auch nur anfangen, die Dinge über die Feinde Mordors, die mir eingebläut wurden, bevor ich Sauron den Einen Ring besorgen sollte, wiederzugeben.
    “Ich versuche niemanden auf irgendeine Seite zu ziehen!”, widerspreche ich. Zwar wollte ich es vor wenigen Stunden noch, aber jetzt nicht mehr, was ich aber nicht weiter beachte. Sofort werde ich wieder mit zweifelnden Blicken bedacht und ich muss mich zwingen, mich nicht einfach umzudrehen und wegzurennen, denn ich würde nicht weit kommen. Egal wie schnell ich rennen würde, in meinem Zustand hätten sie mich längst eingeholt und dann würden sie sich wahrscheinlich nicht mehr auf irgendwelche Verhandlungen einlassen. Der einzige Weg, der mich auf mein Überleben hoffen lässt, ist also der, dass ich den restlichen Gefährten jetzt eine möglichst glaubwürdige Geschichte auftische, die die nur etwas veränderte Version der Wahrheit ist. Mit zusammengebissenen Zähnen versuche ich den Schmerz, der mich noch immer erfüllt, wenigstens ein wenig zu verdrängen, während ich trotzig das Kinn hebe. Zwar scheint ein großer Teil meines Stolzes und Selbstbewusstseins durch die Begegnung, wenn man das, was ich erlebt habe, so nennen kann, mit den Verlorenen zusammen mit meiner blutrünstigen Seite verschwunden zu sein, aber solange ich nur nicht wieder Sauron dienen muss oder es auch noch will, nehme ich das gerne in Kauf. Ohne meinen Stolz, der sich jetzt nur noch aus Scham und Reue zusammensetzt, bin ich verletzlich, genau das, was ich hasse, denn ich bin mir sicher, dass Sauron jedes Zeichen von Schwäche gegen mich verwenden wird, sollte ich noch einmal unter seinen Einfluss fallen. Doch noch kann ich hoffen, dass er denkt, ich wäre hier gestorben, erstochen von einem der Gefährten oder seinen eigenen Dienern, je nachdem, was ihm durch die Uruk-hai mitgeteilt wird, was Saruman ihm übermittelt.
    “Ich war eine Dienerin Saurons. Nicht freiwillig, aber ich habe ihm gedient”, es ist noch schwerer als gedacht, die Wahrheit auszusprechen, denn der Punkt, dass ich es nicht freiwillig getan habe, ist gelogen. Jetzt würde ich mich gegen seinen Einfluss wehren, wie ich es auch schon vor meiner Gefangennahme gemacht habe, doch alles, was ich direkt nach meiner Befreiung getan habe, all die Menschen, die ich getötet habe… In diesen Momenten war ich mir durchaus bewusst, was ich tat, aber das Töten hatte mich in eine Art Rausch versetzt, der es mir ermöglichte, die Erinnerungen an meine Gefangenschaft zu verdrängen und mir somit ein gewisses Maß an Stärke zu vermitteln, die nicht wirklich existierte, aber sie diese Stärke war etwas, woran ich mich festhalten konnte, meine Rache, provoziert durch eine Lüge, war nichts anderes, als ein Versuch, wieder die Kontrolle über mich selbst zu erlangen. Trotzdem ist dies keine Entschuldigung, es gibt nichts, womit ich meine Schuld wieder ausgleichen könnte, denn diese Schuld erdrückt mich fast, lässt mich nicht atmen.
    “Aber ich habe ihn… verraten. Eigentlich sollte ich... “, ich stocke kurz und schüttele den Kopf, ich kann es nicht glauben, dass ich das gerade wirklich erzähle. “Ich sollte Sauron den Einen Ring bringen, er hatte mir versprochen, dass ich seine Macht mit ihm teilen würde, dass ich mit ihm zusammen über all das hier herrschen würde”, mit einer ungenauen Bewegung meiner Hand deute ich auf meine Umgebung, während ich immer schneller spreche. Je schneller dieses Gespräch beendet ist, desto besser, denn ich weiß nicht, was mich, nachdem ich fertig erzählt habe, erwartet, ob das, was ich sage, überzeugend genug ist, dass sie mich am Leben lassen. Aber die Entscheidung lange hinauszuzögern bringt auch nichts und außerdem weiß ich nicht, wie lange ich nun noch durchhalte, denn mir wird immer schwindeliger und es gelingt mir immer schlechter, meine Schmerzen und die Schwäche zu verstecken.
    “Aber ich habe es nicht getan”, es ist mehr eine Feststellung als eine Erklärung, warum ich noch hier bin und nicht mit dem Einen Ring auf dem Weg zurück nach Mordor, hinter mir zahllose Leichen zurücklassend, nur auf der Suche nach weiterem Blut, dass ich vergießen kann.
    “Warum sollte Sauron solches Interesse an Euch haben, dass er Euch mit einer Aufgabe, die so wichtig für seinen Sieg ist, betraut?”, Misstrauen spricht aus den Worten des Menschen heraus und noch immer kann ich es ihm nicht verübeln, wo ich für mich selbst doch nur Verachtung übrig habe. Und schon wieder sprechen seine Worte ein Thema an, welches ich am liebsten verdrängen würde, einfach vergessen, als wäre es nie da gewesen, als hätte ich diese sogenannte Gabe nie besessen. Denn sie ist das schrecklichste, was mir je passiert ist, wegen ihr mussten fast alle, die mir jemals etwas bedeuteten, sterben, ich hasse sie abgrundtief, obwohl sie doch ein Teil von mir ist, es schon immer war. Aber egal, wie sehr ich sie auch verachte, mich selbst dafür verachte, als ich in Gefangenschaft jegliche Erinnerung an sie und die Opfer meiner Vergangenheit verloren hatte, fühlte ich mich leer, hilflos, als würde ein Teil von mir fehlen. Denn das ist sie auch, dieser Fluch und ich sind eins, nicht zu trennen, egal wie sehr ich es mir wünsche.
    Weil mir klar wird, dass ich auf diese Frage mit der Wahrheit antworten muss, egal wie unangenehm es sein wird, atme ich tief durch, während ich noch überlege, wie ich den Gefährten am besten erkläre, dass ich ein Monster bin, eine Gefahr. Für sie, für alle, denen ich begegne. Und doch hoffe ich auf Gnade, vielleicht sogar auf Hilfe, denn Hoffnung ist im Moment das einzige, was mir noch bleibt.
    Mit einem verzerrten, zugleich drohenden Lächeln, das allerdings eher einer Grimasse gleicht, schmerzerfüllt und verzweifelt, hebe ich leicht die rechte Hand und selbst diese kleine Bewegung erfordert höchste Anstrengung von mir sodass ich für einen kurzen Moment erneut schwanke, da mir abermals schwarz vor Augen wird, aber schließlich schaffe ich es mühsam, gerade stehen zu bleiben. Mit schiefgelegtem Kopf mustere ich die Gefährten und auch ohne dass ich etwas sagen muss, scheinen sie zu verstehen, was ich mit dieser Geste sagen will, was ich mich nicht traue, laut auszusprechen. Das beweist mir nun endgültig, dass der Mensch seinen Begleitern von seiner ersten Begegnung mit mir, wenn man meinen Versuch, ihn zu ermorden überhaupt so nennen kann, erzählt hat, was ihre, mit ihren Blicken offen dargelegte Meinung, dass ich ein Monster bin, wohl nur noch gestärkt hat. Mir ist durchaus klar, dass das nicht, auch rein gar nicht so wirkt, als würde ich Vertrauen suchen wollen, abgesehen davon wirkt es nun wohl eher so, als wolle ich sie nun doch noch alle töten, bevor ich zu Sauron, meinem vermeintlichen Herren zurückkehren würde. Diese Drohung war das schlechteste, was ich in dieser Situation tun konnte, wo sie doch meinen vorigen Worten so sehr, wenn nicht sogar gänzlich, widerspricht. Während ich wegen des Blutes, das mich erneut zum Husten bringt, wieder nach Luft ringen muss, da mich die warme Flüssigkeit nicht richtig atmen lässt, blicken mich die Gefährten wieder hasserfüllt an, doch wenigstens scheinen sie trotz meines erbärmlichen Anblickes so etwas wie Respekt zu empfinden, welcher Tatsache ich in diesem Moment wahrscheinlich mein Leben verdanke. Ein Monster sollte man nicht provozieren, auch wenn sein Blutdurst fürs erste gestillt ist. Denn ich weiß nicht, wann oder ob ich mich wieder in die Bestie verwandeln werde, die ich war. Egal, wie sehr ich die Wahrheit zu verleugnen versuche, ich weiß viel zu wenig über diese Gabe. Früher lebte ich unter den stets wachsamen Augen von Feanhên und mehreren Wachen, zu denen auch Feren gehörte, sie hatten mehr Informationen über mich, als ich sie jemals hatte. Dies ist noch ein Grund, aus dem ich Feren finden muss, vielleicht weiß er etwas, was mir helfen könnte, diesen Fluch loszuwerden, so unwahrscheinlich es auch sein mag.
    “Sauron hat nicht mehr die Macht, über die er einst verfügte. Eine Waffe, die nach seiner Planung ein ganzes Heer Menschen besiegen kann, liegt wohl im Interesse eines jeden, der von Hass und Rachedurst getrieben ist. Ich habe… Informationen”, ein Lächeln, nur klein, aber dennoch echt, schleicht sich auf meine Züge. Zwar bezweifle ich, dass das, was ich über das dunkle Land und seine Krieger zu berichten habe, nicht schon bekannt ist, aber Informationen werden in jedem Kampf benötigt, vielleicht werden sie der Umstand sein, dem ich später mein Leben zu verdanken habe.
    “Ich war dort, in seiner Festung, ich wurde in meiner Zeit dort teilweise von Orks trainiert, am Ende habe ich sie getötet, ich kenne ihre Schwachstellen. Und ich werde alles tun, um sie zu vernichten”, dass ich jetzt um mein Leben rede, dass diese Worte, die meine Erlebnisse in Mordor wiedergeben, wahrscheinlich meine letzte Chance sind, nachdem ich es nicht einmal geschafft habe, mit Drohungen mein Ziel zu erreichen, ist mir durchaus bewusst. Und obwohl ich in diesem Moment eigentlich genau über das nachdenken müsste, was ich sage, weil mir jetzt kein Fehler, nicht einmal der kleinste und unbedeutendste, passieren darf, fließen die Worte aus meinem Mund, als wäre ich nicht die, die gerade spricht, deren letzte Hoffnung ihre Vergangenheit, so finster sie auch sein mag, ist.
    Nachdem ich das letzte Wort ausgesprochen habe, senke ich den Blick. Ich habe buchstäblich meine letzte Karte ausgespielt, jetzt bleibt mir nichts mehr anderes übrig, als auf Gnade zu hoffen. Innerlich mache ich mich schon darauf, mich notfalls zu verteidigen oder zu flüchten, in der Hoffnung, zu entkommen, sollten sie sich doch noch dazu entscheiden, mich zu töten.
    Ich wage kaum zu atmen, als ich tatsächlich höre, dass sie sich leise beraten, in mir wächst wieder so etwas wie neue Hoffnung.
    “Sie kommt mit. Vielleicht weiß sie wirklich etwas, was von Nutzen sein könnte”, Erleichterung durchfährt mich wie ein Blitzschlag. Ich weiß zwar nicht, wer gerade spricht, aber die Worte lassen, trotz der vor Misstrauen triefenden Stimme des Sprechers, fast augenblicklich alle Anspannung von mir abfallen. Ich bin bereit, ihnen zu folgen, in der Hoffnung, Feren zu finden, in diesem Augenblick bin ich sogar bereit, alles über meine Gabe zu verraten, solange ich damit mein neues Ziel, das mir nun nahe, viel näher als ich gewagt hatte zu hoffen, erreiche.

    17
    Kapitel 17

    Vor mir erstreckt sich soweit das Auge reicht, die schier endlos scheinende Grasebene Rohans, jedenfalls vermute ich dies. Die Sonne leuchtet mir grell in die Augen und obwohl die Gefährten kein Problem mit ihrem Licht zu haben scheinen, vom Leuchten der Sonne, das ich als viel zu hell empfinde, bohren sich Schmerzen in meinen Schädel, die meinen Kopf schier zerspringen lassen. Noch dazu scheint sich meine Gesundheit nicht gebessert zu haben, das Blut, das ich jetzt nur noch in größeren Abständen aushusten muss, wird immer weniger, doch dafür brennt meine Kehle wie Feuer und auch meine Sicht wird immer schlechter. Wären da nicht die viel zu grellen Sonnenstrahlen, könnte ich durch den dunkelgrauen Schleier, der vor meinen Augen zu liegen scheint, nichts erkennen. Als wir noch im Schatten der Bäume die Spur der Uruk-hai verfolgten, war es angenehmer für mich, zwar erkannte ich in dem dämmrigen Licht, das durch das dichte Blattwerk der Bäume fiel, nicht viel mehr als jetzt, aber nun fühle ich mich auf der freien Grasebene wie den Dienern Sarumans direkt ausgeliefert. Ob meine Vorliebe dafür, mich im Schatten zu verstecken, noch aus meiner Gefangenschaft rührt - ich weiß es nicht, aber besser als völlige Düsternis finde ich die glühende Sonne, die glühend auf uns herunterstrahlt, allemal.
    Die trockenen Halme des Grases streifen um meine Beine, während ich mich beim Laufen mehr auf mein Gehör verlassen muss als auf meine Augen. Trotzdem schaffe ich es irgendwie, mit den Gefährten mitzuhalten. Auch wenn ich jetzt eine Weile mit ihnen reise - wir haben zwar teilweise die gleichen Ziele und wie arbeiten alle auf Saurons Fall hin, aber noch immer bin ich das Monster, das eine Vergangenheit in Mordor hat. Dieser Ruf hängt an mir genauso wie meine Gabe, ich bin mir sicher, dass niemand vergessen wird, was ich getan habe, da ich es selbst nicht vergessen kann. Die Schuldgefühle sind fast erdrückend und obwohl ich mir die ganze Zeit einrede, dass ich, wenn ich eine Weile mit den Gefährten reise, verhältnismäßig sicher bin und so die Hoffnung festhalten kann, Feren zu finden, ich bin es nicht gewohnt, zusammen mit Begleitern zu reisen. In Mordor ließ mein Stolz mich die Orks ignorieren, ein starkes Gefühl von Macht ließ mich glauben, ich sei stärker als sie, doch das alles ist jetzt zusammen mit meinem Wunsch, Sauron wird der neue Herrscher über Arda, verschwunden, zurückgeblieben ist nur dieses schreckliche Gefühl von Schuld.
    Um ein Zittern zu unterdrücken schlinge ich die Arme um meinen Körper, obwohl die Sonne neben ihrem Licht auch noch die Erde erwärmt, ist mir eiskalt. Es fühlt sich so an, als würden meine Glieder langsam vereisen, als würde ich von innen heraus erfrieren. Zwar spüre ich die warmen Sonnenstrahlen auf meinem Körper, sie brennen sich fast schon in meine Haut, doch auch dieses Gefühl wird immer weniger, dafür wächst die Kälte stetig. Indem ich mich dazu zwinge, schneller zu laufen, hoffe ich, dass mir wieder wärmer wird, was allerdings nur mäßigen Erfolg hat. Ich werde die Vermutung, dass diese Schwäche etwas mit meinem Fluch zu tun hat, nicht los, doch auch wenn ich während des Laufens nur darüber nachdenke, was es sein könnte, ob ich etwas falsch gemacht habe, komme ich zu keiner Antwort, die auch nur halbwegs plausibel erscheint. Vielleicht ist ja das alles falsch, meine reine Existenz, vielleicht ist sie etwas, was die ganze Welt schlechter gemacht hat. Unwillig schüttele ich den Kopf. Ich sollte mich lieber darauf konzentrieren, weiterzulaufen, anstatt mir wieder darüber den Kopf zu zerbrechen, wo mir diese wagen Vermutungen ohnehin nichts nützen.
    Doch auch trotz meiner, im Gegensatz du dem Tempo, das ich während der Jagd nach dem Ringträger vorgelegt habe, langsamen Geschwindigkeit bin ich schneller als der Zwerg, auch meine Ausdauer scheint allemals immer noch besser als die seine zu sein, obwohl ich mehrmals straucheln muss, weil meine Beine immer wieder einzuknicken drohen. Wenngleich er selbst mir weit hinterherhängt, scheint er nicht einmal im Entferntesten daran zu denken, aufzugeben und ich komme nicht umhin, seine Entschlossenheit zu bewundern. Er scheint es sich wirklich in den Kopf gesetzt zu haben, die Uruk-hai, die mit zwei der Hobbits auf dem Weg zu Saruman sind, einzuholen und die Halblinge zu befreien. Wenigstens scheinen mir die Gefährten so weit über den Weg zu trauen, dass sie mir dies erzählt haben. Zwar liegt ihr Misstrauen noch immer fast greifbar in der Luft und ich bin mir sicher, dass es so bald nicht verschwinden wird, aber außer regelmäßigen, verächtlich prüfenden Blicken, die sie mir zuwerfen, um sicherzugehen, dass ich bis jetzt noch keinen weiteren von ihnen auf dem Gewissen habe, scheinen sie sich damit abgefunden zu haben, dass ich sie nun kürzere oder längere Zeit begleiten werde. Ich selbst habe mir vorgenommen, sie so schnell wie möglich wieder zu verlassen, denn ich will niemanden mit meiner bloßen Anwesenheit stören oder beunruhigen, wo ich doch eine Bestie bin und mich vor mir selbst fürchte. Mein Plan ist es, Feren so schnell wie möglich zu finden, sollte mir dies nicht gelingen, werde ich mich irgendwo verstecken, mich vollständig von allen isolieren, in der Hoffnung, so niemanden mehr zu gefährden.
    So in Gedanken versunken, in denen ich mich immer weiter verliere wie in einem düsteren Labyrinth aus Lügen, Fragen, verlorenen Hoffnungen und Schuld, laufe ich dem Mensch und dem Elb, wenn ich mich nicht irre, heißen sie Aragorn und Legolas, hinterher. Um mich abzulenken bin ich, als wir losgelaufen waren, kurz in das Bewusstsein meiner Reisegefährten eingedrungen, was neben der Tatsache, dass ich jetzt nicht mehr völlig Fremden folgte, nur dazu geführt hatte, dass ich mich zusätzlich zu meinen eigenen Problemen nun auch mit den Sorgen anderer Leute befasse. Doch genau das hat meinen Entschluss hervorgerufen, dass ich die Gefährten noch mindestens so lange begleite, bis die beiden Hobbits aus den Händen der Uruk-hai befreit sind. Ich weiß, dass ich so die Schuld, die ich am Tod von Boromir, dessen Lebenskraft es mir wahrscheinlich erst möglich gemacht hat, jetzt überhaupt hier zu sein, nicht loswerde, doch ich kann wenigstens versuchen, sie auszugleichen, auch wenn klar ist, dass ich das niemals gänzlich schaffen werde.

    Es können Stunde, Tage, sogar Monate vergangen sein, ich habe nicht mehr die leiseste Ahnung, wie lange wir nun schon laufen. Der Zwerg, Gimli, der sich anfangs noch mit der Schnelligkeit und der Ausdauer seines Volkes rühmte, sieht nun immer erschöpfter aus und auch meine Kräfte schwinden langsam aber sicher. Und trotzdem rasten wir nicht, wenn man von einer kurzen Pause absieht, bei der ich wach lag und in den Himmel starrte, als ständen dort die Antworten auf all meine Fragen. Trotzdem muss ich kurz eingenickt sein, denn meine Sicht hat sich wieder verbessert, was darauf hindeutet, dass mein schlechtes Sehvermögen etwas mit meiner Erschöpfung zu tun hatte, auch wenn ich ahne, dass mein Fluch dabei auch eine Rolle spielt, nur welche, das weiß ich nicht. Auch ist mir nun nicht mehr so kalt, zwar fröstelt es mich immer noch, obwohl ich die Sonnenstrahlen auf meine Haut brennen spüre, doch es ist ertragbar. Es wird besser, zwar langsam, aber es verändert sich zum positiven. Und ich frage mich, was dann passiert, verdränge diesen Gedanken dann aber wieder. Es ist zu früh, um darüber nachzudenken, auch wenn sich die Angst, dass ich nach meiner Genesung wieder Saurons Befehlen gehorchen werde, dass mein Verrat ihm gegenüber vielleicht durch meine Verletzungen ausgelöst wurde, in meinen Bauch bohrt wie ein vergiftetes Messer. Egal wie unsinnig sie sind, mir fallen immer neue Situationen ein, in denen ich mit Hilfe meiner Fähigkeiten Unschuldige ermorde, ein, in denen ich das tue, von dem ich eigentlich denke, mich davon abgewendet zu haben. Werden mich diese Bilder je verlassen? Und wenn, will ich das überhaupt? Will ich vergessen, was ich getan habe, vor meiner Vergangenheit fliehen, als wüsste ich nicht, dass sie mich immer wieder einholen wird? Mein Wille ist gespalten, zerstört, ein einziges Hin und Her, ohne dass ich auf eine Lösung komme. Vielleicht soll es ja wirklich so sein, vielleicht habe ich es nicht anders verdient als so, wie es ist.
    Ich muss ein Seufzen unterdrücken, während ich mich dazu zwinge, mein Tempo noch einmal zu steigern. Vielleicht schafft es der Wind, der durch meine Haare fährt, ja, meine Gedanken etwas zu klären, wenigstens etwas.



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1509823137
When she awakes...
When she awakes...
Ich bin ein Monster.Sie haben Angst vor mir.Ich bin ihr schlimmster Albtraum.Sie denken, ich bin keine Gefahr für sie, weil ich mein Gefängnis nicht verlassen kann.Was, wenn sie sich irren? Wenn ich frei bin, werde ich nur eins wollen.Rache, für das, ...
https://www.testedich.de/quiz51/quiz/1509823137/When-she-awakes
https://www.testedich.de/quiz51/picture/pic_1509823137_1.jpg
2017-11-04
402C
Herr der Ringe

Kommentarfunktion ohne das RPG / FF / Quiz

Kommentare (80)

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vor 201 Tagen
Super Geschichte!!!
Spannend und mitreißed. Danke für diesen tollen Ausflug nach Mittelerde
vor 297 Tagen
Und Kapitel 14 ist online...
vor 320 Tagen
Ach ja, ich habe jetzt einen anderen Namen (ehemals lost_hope, jetzt Princess of Mordor)
vor 320 Tagen
Und Kapitel 13 auch;)
Euch allen ein wunderschönes neues Jahr!!:)
vor 326 Tagen
Und Kapitel 12 ist online;)
Noch einmal fröhliche Weihnachten:)
vor 333 Tagen
Dankee!!:) Ich werde versuchen, vor den Ferien noch mindestens ein Kapitel zu schreiben;)
vor 333 Tagen
Sooooooo spannend!! *süchtig nach mehr*
vor 338 Tagen
Und Kapitel 11 ist online...
vor 340 Tagen
Daanke!!!:) Ich werde auf jeden Fall weiterschreiben und versuche mich zu beeilen;)
vor 340 Tagen
Die Story ist so cool bloß nicht auf hören. Ich brauche was zum lesen. Ich habe alle wirklich ALLES gelesen von vorne bis hinten alle 1000 Storys. Also weiter schreiben
😃😘🤗🙃🙃🙃🙃🙃🙃
vor 342 Tagen
Danke!!!:) Ich werde darauf achten,mehr Leerzeichen zu verwenden,aber da ich alles am Handy schreibe vergesse ich es irgendwie;)
vor 342 Tagen
Coooooool! Mach weiter, aber benutze mal Leerzeichen. :-)
vor 346 Tagen
Jaaa,ich habe schon mehrere mögliche Enden geplant...Ich schaue dann mal was passt;)
Vielen Dank auch hier für deinen Kommentar:)
vor 346 Tagen
Zwar habe ich schon ein Review zu dieser Fanfiction auf FanFiction.de geschrieben, aber ich gebe jetzt auch hier meinen Senf dazu 😂
Ich habe über deine Frage nachgedacht. An deiner Stelle würde ich sie eher benutzen um mehr Spannung aufzubauen und die Antwort erst einmal offen zu lassen. Kleiner Tip hierfür: entwerfe für dich mögliche Enden/Szenarien die eine Entwicklung nach sich ziehen könnte und entscheide dann...
vor 346 Tagen
Und Kapitel 10 ist draußen;)
Nennen wir es Prämiere xD Und weil ich gerade so gut gelaunt bin,nehme ich gerne Kommentare entgegen (sonst natürlich auch hehe xD)
vor 348 Tagen
Danke @Lara:)Ich wusste ehrlich gesagt nicht,ob sich auf dieser Seite noch jemand für diese FF interessiert und ich freue mich,dass sie dir gefällt:)

Ich habe alle Kapitel auf eine Seite verlegt,weil ich es selbst immer nervig finde,wenn man dann x-mal auf "nächstes Kapitel" drücken muss,bis man das letzte Kapitel lesen kann xD
vor 348 Tagen
Die beiden neuen Kapitel sind echt toll, so wie die zuvor:)

Ich finde auch gut, dass du die ganzen Kapitel jetzt auf eine Seite verlegt hast. So kann man mehr Zeit sparen.
vor 349 Tagen
Und Kapitel 9 auch...
Würde mich über Feedback freuen:)
vor 350 Tagen
Kapitel 8 ist online...
vor 351 Tagen
Vielleicht haben wir so gesehen weniger Prüfungen, aber diejenigen, die wir machen müssen sind nicht ohne. Hinzu kommen das Lernen des Theatertexts, Vorstellungsgespräche / hospitieren, Vorbereitungen auf den Abschluss & die Zeit danach sowie der typische Weihnachtswahnsinn...