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Die Statistik vom Quiz

Weltenwanderer...deine Geschichte in Herr der Ringe!

17.21 % der User hatten die Auswertung: Die Uruks greifen an und ich habe keine Ahnung, wie ich mich verteidigen soll. „Jocelyn!“, brüllt Boromir. Ich drehe mich um und erkenne den riesigen Uruk-Hai, der mit Pfeil und Bogen direkt auf mich zu rennt. Innerlich versuche ich zu akzeptieren, dass es mein Schicksal ist, hier, in einer fremden Welt den Löffel abgeben zu müssen, und dass ich von Anfang an gewusst hatte, wie diese Reise enden würde. Doch der erwartete Schmerz tritt nicht ein. Der schwarze Schleier, der mich hätte erwarten sollen, tritt nicht ein. Ich verscheuche das Bild meines eigenen Todes vor meinem inneren Auge und konzentriere mich auf die Realität. Ich wünschte, ich hätte es nicht getan. Boromir liegt zu meinen Füßen, drei Pfeile durchbohren seinen Körper, sein Gesicht ist bleich, sein Atem flach. „Shit!“, kreische ich und gehe zeitgleich neben ihm auf die Knie. Boromir versucht etwas zu sagen, doch alles, was ihm über die Lippen kommt, ist ein großer Schwall Blut, den er aushustet. Ich ziehe ein Taschentuch aus meiner Hosentasche und wische ihm behutsam den Mund ab, während ich seinen Kopf sanft auf meinen Schoß bette. „Glaubst du an die Liebe auf den ersten Blick?“, krächzt er schließlich, und wird dafür sofort mit einem neuen Hustenanfall bestraft. Er will seine Hand heben, doch dafür ist er einfach zu schwach. Also nehme ich sie in meine, streife seinen Handschuh ab und halte sie fest. „Bis jetzt nicht.“ Ein klägliches Lächeln huscht über sein Gesicht. „Ich war nur so harsch zu dir, weil ich unsicher war, und ich...“ „Schhhhhhhhhhhhhh.“ „...hätte dich so gern besser kennengelernt.“ „Halt die Klappe, Boromir. Du wirst nicht sterben.“ Aragorns Blick jedoch sagt etwas komplett anderes. Dann seufzt er jedoch. „Ich kann die Pfeile herausziehen und so gut es geht obligatorisch verarzten. Falls er es überlebt, müsst ihr allerdings auf dem aller schnellsten Weg zurück nach Loth Lorien. Stoßt wieder zu uns, wenn er sich erholt hat.“ Ich nicke unsicher. Boromir sieht mir kurz in die Augen und nickt dann ebenfalls. „Es wird höllisch wehtun.“, warnt Aragorn ruhig. Dann meint er an mich gerichtet: „Halt ihn fest.“ Er packt den Schaft des Pfeiles, der in der Schulter steckt und reißt ihn mit einem Ruck heraus, während Boromir brüllt und Legolas gleichzeitig Königskraut in die Wunde reibt. „Du bist einen Schritt näher dran, nicht mehr auszusehen wie ein Igel.“, wispere ich ihm ermunternd zu. Boromir lächelt tapfer. Den zweiten Pfeil steckt er ganz gut weg, aber als Aragorn den dritten herauszieht, scheint er am meisten zu leiden. „Die Uruks sind weg.“, sagt Legolas abschließend. „Genau wie die Hobbits.“ Gimli, der sich bis dato ziemlich zurückgehalten hat, rappelt sich auf und schwingt seine Axt. „Dann hinterher!“ Aragorn nickt mir knapp zu und bricht dann ohne Umschweife auf, während ich bei Boromir sitzen bleibe und seine Wunden mit den weißen Stoffstreifen zu verbinden, die Aragorn da gelassen hat. „Danke.“, seufzt Boromir, und sieht schon ein bisschen weniger blass um die Nase aus. „Dass du bei mir bleibst. Mir hilfst.“ „Danke, dass du mir das Leben gerettet hast.“, kontere ich. Er lächelt. „Ich würde es wieder tun, Jocelyn.“ Ich ziehe eine Augenbraue hoch. „Und genau das ist es, was mir Sorgen bereitet. Wenn du dich noch einmal von einem Uruk-Hai durchsieben lässt, um mich zu retten, bringe ich dich persönlich um, falls du noch nicht tot sein solltest.“ Seine Antwort ist ein heiseres, gequältes Lachen. Er versucht aufzustehen, doch ich halte ihn fest. „Untersteh dich. Ich weiß, was Aragorn gesagt hat, aber du solltest dich heute Nacht erholen, bevor wir aufbrechen. Der Weg ist lang, und es kann weiß Gott was passieren, wenn du zu schwach bist.“ Insgeheim habe ich meine Zweifel, ob er die heutige Nacht überhaupt übersteht. Ich komme aus einer modernen Welt und weiß, dass nicht die oberflächlichen Wunden das Problem sind, sondern die inneren Verletzungen. Vielleicht verblutet er gerade innerlich, ohne dass wir es bemerken. Und falls es so sein sollte, ist es für ihm angenehmer, wenn er einigermaßen stressfrei irgendwo liegt. „Jocelyn...“ „Bleib liegen. Bitte. Tu’s mir nicht an, vor meinen Augen zusammenzubrechen. Bitte. Ich pass auf dich auf.“ Ich stehe auf und lege ihm meinen Rucksack als Kissenersatz unter den Kopf. Mit ungutem Gefühl sehe ich mich um und werde das Gefühl nicht los, dass wir offensichtlich, mitten auf einer Lichtung sind, wo uns jeder Feind sofort sieht. Also sammle ich ein paar übergroße Tannenwedel, Äste und Steine ein, die ich wie einen Wall um uns herum aufbaue. Nach einigen Stunden Arbeit für mich und ein wenig Schlaf für Boromir habe ich um uns herum eine Art Höhle gebaut, die zu meinem eigenen Erstaunen recht gut hält. Was fehlt, wäre ein Feuer, aber ich traue mich nicht, eins anzuzünden. „Hey.“, murmelt Boromir, als die Nacht hereinbricht. Er blinzelt müde und sieht sich verwirrt um. „Hast du das gebaut?“ Ich nicke. „Ich kann uns doch nicht schutzlos auf irgendeiner baumlosen Lichtung parken.“ Erschöpft setze ich mich neben ihn und streichle ihm kurz über die Wange. „Wie geht’s dir?“ „Naja.“ Er blickt mir einen schier endlos langen Moment in die Augen. „Was ich gesagt habe, war ernst gemeint, Jocie. Ich habe mich in dich verliebt, als du beim Ringrat vom Himmel gefallen bist.“ Ich greife in den Rucksack und ziehe eine Wolldecke heraus, die ich in Bruchtal habe mitgehen lassen, und breite sie ohne zu zögern über uns aus. „Und ich mich in dich, du Bastard.“ „Wirklich?“ „Sonst wäre ich ja jetzt kaum hier. Stattdessen könntest du dir diese gemütliche Höhle mit Legolas oder Aragorn teilen. Oder Gimli.“ Er lächelt für einen kurzen Augenblick, dann drückt er seine Lippen auf meine, ganz zart und vorsichtig, als würde ihm unwahrscheinlich viel an diesem Kuss liegen. Ich schmecke sein Blut von vorhin, doch ich stoße ihn nicht weg. Stattdessen schmiege ich mich eng an ihn, und ignoriere die Tatsache, wie verwirrt ich über meine eigenen Gefühle für diesen Mann bin. „Du darfst nicht sterben, in Ordnung?“, flüstere ich. „Ich erlaube es nicht. Niemals. Er nickt leicht. „Erzähl mir was von deinem Leben. Deiner Welt. Hast du in deiner Welt einen Geliebten?“ Ich seufze. „Wenn du mich so fragst, ja, eigentlich schon.“ Ich habe meinen Freund in der Zeit, in der ich mich durch Schneestürme und Mienen gekämpft habe, tatsächlich restlos vergessen. „Wie heißt er?“ Boromir setzt sich auf und blickt mich fest an. „James Gordon.“ „Und wie alt ist er?“ Ich überlege. „Ein halbes Jahr älter als ich vielleicht. Also einundzwanzig.“ Er verzieht das Gesicht vor Schmerz, bleibt jedoch aufrecht sitzen. „Vermisst du ihn?“ Ich nehme Boromirs Hand und lächle. „Bis jetzt habe ich kein einziges Mal an ihn gedacht, also vermisse ich ihn offensichtlich nicht wirklich, oder?“ „Jocelyn? Ich hasse ihn.“ Ich muss grinsen. „Bist du etwa eifersüchtig?“ „Mehr als alles andere.“ Belustigt wickle ich eine seiner Haarsträhnen um meinen Zeigefinger. „Dazu besteht kein Grund, wirklich nicht. Ich war eher in die Vorstellung verliebt, einen festen Partner zu haben, als in ihn als Person.“ Boromir legt den Kopf schief. „Hast du ihm je gesagt, das du ihn liebst?“ Ich zucke mit den Schultern. „Ich glaube nicht, oder zumindest erinnere ich mich nicht daran. Es hat ihn allerdings auch nicht sonderlich gestört. Für ihn hatten andere Dinge Priorität.“ Er legt einen Blick auf, der aussieht, als sei es ihm absolut unverständlich, wie man mit jemandem eine Beziehung haben konnte, dem man nicht einmal seine Liebe gestehen wollte. „Das soll jetzt nicht aufdringlich klingen.“, beginnt er. „Aber für mich ist die Verbundenheit, die man hat, wenn man sich liebt, wichtiger als alles andere.“ Nun rapple ich mich ebenfalls auf und schlinge die Arme um die Knie. „Und? Liebst du mich?“ Er grinst. „Das solltest du inzwischen wissen, Jocie.“ Ich weiß nicht genau woran es liegt, aber irgendwie mag ich es, seiner Stimme zu lauschen, wenn er von mir redet. „Und warum? Warum hast du dich in mich verliebt und nicht in Arwen, oder Galadriel?“ Boromir lächelt. „Ich weiß es nicht genau. Ich hatte immer Probleme mit meinem irren Vater, und war im Begriff, auf eine nahezu aussichtslose Mission zu gehen...ich wusste genau, wie wenig die anderen Gefährten mich ausstehen konnten, aber das schönste Mädchen, das je in Mittelerde aufgetaucht ist, landete nicht auf Aragorns oder Legolas’ Schoß, es landete nicht bei einem ebenso perfekten Mann...du bist auf mich drauf gefallen, Jocelyn. Einfach so, aus heiterem Himmel. Ich werde nie vergessen, wie du mich angesehen hast. Vollkommen verwirrt, weil du nicht wusstest, wo du warst, aber doch so durchdringend und direkt. So direkt hat mich keine Frau je zuvor angesehen.“ Er hält kurz inne und seufzt zufrieden. „Und du? Wieso hast du dir nicht einen Elben geschnappt?“ Ich schmiege mich an ihn und lege mir seinen Arm um die Schultern. „Ich war allein in einer fremden Welt. Du bist mir moderner, und solider vorgekommen als die anderen Kerle. Du warst nicht so fremd wie Elben oder Zwerge. Irgendwie habe ich dich automatisch mit meiner Heimat verbunden.“ Er zieht mich näher an sich und drückt mir einen Kuss auf die Stirn. „Ich spüre, dass du Angst hast, dass ich die Nacht nicht überstehen könnte. Aber ich werde nicht sterben, Jocelyn. Nicht heute und an keinem anderen Tag, an dem du auf mich warten könntest.“ Nun stehe ich hier, direkt vor dem schwarzen Tor, besser ausgebildet als Eowyn in ihren kühnsten Träumen. Ich halte meinen Bogen gespannt, parallel zu Legolas. Unseren Pfeilen entgeht niemand. Eigentlich sollte ich bei Boromir sein und ihn gesund pflegen, ihm helfen, für ihn da sein. Aber schon kurz, nachdem ich ihn nach Loth Lorien zurück begleitet hatte, fingen wir an, uns in die Wolle zu kriegen. Er konnte nicht damit umgehen, dass ich von den Elben trainiert wurde, während er still sitzen musste, um seinen Wunden Zeit zum Heilen zu geben. Er wollte mich so gern vor den Gefahren seiner Welt beschützen. Er wollte für mich kämpfen, mich verteidigen und notfalls für mich draufgehen, aber stattdessen tauschten wir unwillkürlich die Rollen und ich war bereit zu tun, wofür er überlebt hatte. Ich hatte nicht ausgehalten, wie sehr er mit dem Verlust seiner Stärke haderte, konnte seine Selbstzweifel nicht mehr ertragen- und war ohne ein Wort der Erklärung gegangen, um die Gefährten einzuholen. Und nun stehe ich hier. Besser ausgebildet als Eowyn es je sein könnte, und trotzdem so viel ärmer. Die Männer hier ziehen stolz in den Krieg, weil sie Aragorn einen Beitrag zum Sieg leisten wollen, während ich nur kämpfe, weil ich nichts zu verlieren habe. Die Worte von Saurons Mund klingen wie Gift in meinen Ohren, doch bevor sie wirken können, beginnt die größte Schlacht, die Mittelerde je gesehen hat, wie von allein. „Jocelyn!“ Jemand brüllt meinen Namen, während ich gleichzeitig versuche, einen Ork umzunieten. Ich drehe mich um, erkenne Boromirs roten Haarschopf- und verliere für einen minimalen Augenblick meine Achtsamkeit. Die Klinge des Orks spüre ich erst, als es zu spät ist. Hustend wische ich mir das Blut aus dem Gesicht, traue mich nicht, an meinem Körper herunter zu sehen, aus Angst, er könnte zerfetzt sein. Ich atme tief durch und ramme meinen letzen Pfeil in den Schädel des Orks, so fest, dass niemand eine Chance hat, ihn jemals herauszuziehen. Es wäre ein cooles Motiv für ein Bild gewesen. Boromir: Jocelyn rammt dem Ork verbissen und mit verzerrtem Gesicht ihren letzten Pfeil ins Hirn, und harrt so lange aus, bis er auf die Knie geht und schließlich komplett in sich zusammenfällt. Sie schnauft und lässt den Pfeil los- nur, um dann selbst umzufallen. Um sie herum ist die Erde mit ihrem Blut getränkt, ihre Waffen sind damit beschmiert, ihr Haar glänzt ganz rot davon. „Aragorn!“, schreie ich, er schaut kurz zu mir, dann zu Jocelyn, und versteht. Irgendwie schafft er es, das Kampfgetümmel ein Stück von ihr wegzulocken. Ich gehe neben ihr auf die Knie, würde gern weiter schreien, bin aber zu keiner Reaktion fähig. Sie atmet flach und schnell, starrt mich an. Ich bereue alles. „Jocelyn.“ Hätte ich sie nicht so behandelt, hätte sie nie den Weg einer Kriegerin einschlagen müssen. Mein verletzter Stolz hat mir alles kaputt gemacht. Er hat Jocelyn dazu gezwungen, in den Krieg zu ziehen. „Bastard.“, hustete sie, lächelte aber ganz leicht. „Wie geht’s dir?“ „Das sollte ich besser dich fragen.“ Ich bemühe mich, ruhig zu bleiben, aber ich kann nicht verhindern, dass eine gewisse Panik in meiner Stimme schwingt. Das Mädchen, das ich so sehr liebe, liegt blutend und sterbend in meinen Armen. „Es tut mir so unendlich leid.“ Sie streckt die Hand aus und spielt vorsichtig mit einer meiner roten Haarsträhnen. „Du kannst nichts dafür. Ich bin gegangen und es war meine Entscheidung...ich...“, sie atmete rasselnd. „Ich bin schuld. Ich habe alles was wir gemeinsam hatten...mit beiden Händen zum Fenster raus geworfen.“ Mit letzter Kraft zieht sie mich an sich, so liegen wir dort, unbeachtet vom Getümmel der Schlacht. Sobald ich wieder gesund war, hatte ich mir gewünscht, mit Jocelyn gemeinsam im weichsten Bett Gondors zu liegen und sie einfach an mich geschmiegt in meinen Armen zu halten. Stattdessen müssen wir uns mit Mordors dreckigem Boden begnügen. „Du weißt genau, dass es mein Verdienst war, der dich davon gejagt hat.“, hauche ich und küsse sie sanft auf die Nasenspitze. Deine Sicht: Ich habe mir den Tod immer anders vorgestellt. Friedlich. Nicht schmerzhaft. Ich bin umgeben von Dunkelheit. Mein Bauch schmerzt furchtbar. Meine Knochen fühlen sich unendlich schwer an. Müde blinzle ich, schlage erst das eine, dann das andere Auge auf. Ich sehe mich um. Es dämmert, der Baum vor meinem Fenster trägt ein prächtiges, rotes Kleid aus Laub und...Laub? In ROT? Panisch suche ich das Zimmer ab, in dem ich liege. Meine Haare sind feucht, als hätte sie jemand frisch gewaschen. Bin ich wirklich allein hier? Beinahe platze ich vor Erleichterung, als ich Boromir erkenne, der links neben meinem Bett auf einem Stuhl sitzt und offensichtlich eingenickt ist. Ich strecke meine Hand aus und berühre vorsichtig seine Wange. Augenblicklich schreckt er auf. „Was zur Hölle?“ Sein Blick wird unglaublich weich, als er den Grund erkennt, der ihn geweckt hat. Ihm scheint kein Wort mehr über die Lippen zu kommen wollen. Stattdessen schlägt er sich eine Hand vor den Mund, während er mit der anderen nach meiner greift und sich seine Augen mit Tränen füllen. „Hallo.“, sage ich und versuche den Kloß in meinem Hals zu ignorieren. „Sind wir jetzt quitt?“ Boromir antwortet nicht, sondern zieht mich sanft und vorsichtig an sich und beginnt mich zu küssen, wie ich noch nie zuvor geküsst worden bin. Ich vergesse meine Schmerzen und schlinge meine Arme um seinen Nacken, während ich die Reibung seines Bartes an meiner Haut spüre und seine rauen Lippen auf meinen. „Ich hab dich auch vermisst.“, lache ich heiser und erwidere den Kuss mit voller Heftigkeit. (Kurze Statusmeldung von mir als Autorin. Es ist der 9. April um 23.09 Uhr, ich hocke in meinem dunklen Zimmer im Bett, und auf einmal seilt sich einfach so eine Spinne vor meinem Laptop ab und springt lebensmüde auf mein Kissen. Hab jetzt 5 Minuten das Vieh gesucht und hinter meinen Schrank geschleudert. Ich hoffe, ich habe sie nicht getötet.) Boromir greift in meine Haare und seufzt. „Du hast so lange geschlafen.“, flüstert er ungläubig. „Im Frühjahr habe ich gehofft, du würdest aufwachen, damit ich dir zeigen kann, wie schön der weiße Baum von Gondor blüht. Im Sommer wollte ich mit dir über die weiten Heidelandschaften in Rohan reiten, die über und über mit Wildblumen gespickt waren. Ich wollte mit dir durch die Straßen Ithiliens ziehen und jedes Fest mit dir feiern, das gefeiert wurde. Jetzt ist September.“ Er streichelte mir liebevoll über die Wange. „Das Jahr neigt sich fast dem Ende zu. Ich hatte schon fast nicht mehr geglaubt, dass wir gemeinsam die roten, gelben und orangenen Bäume und Wälder Mittelerdes bestaunen dürfen.“ Ich lächle leicht. „Sei still. Boromir. Ich liebe dich.“ (23.19 Uhr. Von der Spinne keine Spur.) Etwas verändert sich in seiner Mimik. Als hätte er nicht einmal mehr zu hoffen gewagt, diese Worte jemals von mir zu hören. „Du bist blass.“, fahre ich krächzend fort. „Tut mir leid, dass ich solche Umstände gemacht habe.“ Boromir lächelt, die feinen Fältchen um seine Augen lassen seine Freude nur noch authentischer wirken. „Jocelyn.“ Ich ziehe ihn zu mir auf das Bett und schlinge Arme und Beine um ihn, während ich parallel versuchte, nicht loszuheulen. Nie, niemals in meinem Leben habe ich eine Person mehr geliebt als ihn in diesem Moment. Vorschau: Ungläubig starrten wir auf meine Hand, die inzwischen fast durchsichtig war. „Verlass mich nicht!“, brüllte Boromir und Tränen strömten über sein Gesicht. „Du bist der einzige Sinn, den mein Leben hat! Jocelyn! Bitte, ich flehe dich an, lass mich nicht allein! Ich liebe dich! Verdammt, Jocelyn!“ Aber ich war unfähig zu antworten. Hilflos blickte ich zu Elrond und Gandalf, aber an ihren erschrockenen Mienen erkannte ich, dass sie nicht wussten, was zu tun war. Meine engsten Freunde aus Mittelerde mussten zusehen, wie ich mich in Luft auflöste, während mein Mann mein Baby auf dem Arm hielt und aussah, als würde er sterben.

64.29 % der User hatten die Auswertung: Boromir ist gefallen. Nicht, dass mir besonders viel an ihm gelegen hätte, aber um ehrlich zu sein, habe ich noch nie einen Menschen sterben sehen, schon gar nicht gewaltsam. Mir läuft es eiskalt über den Rücken. Ich könnte die Nächste sein. Ich kann mich schließlich kaum verteidigen. Legolas blickt mich besorgt an, aber als ich mich ihm zuwende, schaut er schnell betreten zu Boden. Der arme Kerl hat wohl ziemliche Komplexe, was Frauen betrifft. Was wirklich, wirklich schade ist, denn er sieht wirklich göttlich... „Helen!“ Ich drehe mich um. Aragorn fährt sich schwer atmend durch die Haare und seufzt, kurz angebunden: „Sie haben die Hobbits. Tut mir leid, aber ich schätze, wir müssen los.“ Wenn ich zehn Jahre zurück denke, erinnere ich mich daran, wie viel Angst ich vor dem Ausdauerlauf bei den Bundesjugendspielen gehabt hatte. Nie hätte ich auch nur ansatzweise vermutet, dass mein weiteres Leben als ein einziger Ausdauerlauf weitergehen würde. Ich schnaufe einmal durch, checke, ob noch alle Knochen in Takt sind und mache mich bereit. Eigentlich. Doch bevor ich loslaufen kann, hat Legolas eine Hand an meine Wange gelegt. Vorsichtig dreht er mein Gesicht zu sich. „Du hast da eine ziemlich tiefe Schramme.“, erklärt er. Natürlich. Warum sonst sollte er mich sonst bitte berühren? „Geht schon.“, sage ich knapp und reiße mich von ihm los. „Es tut kaum weh.“ Ich bilde mir ein, irgendetwas in Legolas’ blauen Augen zerbrechen zu sehen, doch ich ignoriere das Gefühl, ihn verletzt zu haben. Es ist nicht mein Problem. Gimli verzieht das Gesicht, als wüsste er etwas, das ich nicht weiß, sagt jedoch nichts um mich aufzuklären. Als ich noch in meiner Welt war, habe ich mir zu oft den Kopf über irgendwelche Kerle zerbrochen, als dass ich jetzt groß Rücksicht auf Legolas’ Gefühle nehmen könnte. „Kopf hoch, Prinzlein.“, grummelt Gimli. „Wird schon alles gut werden.“ Ich hole Aragorn ein und versuche, diesen Zwischenfall zu vergessen. Doch Pech gehabt. „Nimm’s ihm nicht übel.“, sagt der Waldläufer geradeaus. „Legolas hatte nie wirklich Glück mit den Frauen. Seine erste große Liebe hat ihn für einen Anderen sitzen gelassen. Als dieser dann tot war, wurde sie nie wieder die Alte. Legolas hing sehr lange an ihr, Helen. Es ist sechzig Jahre her- für dich mehr als ein ganzes Leben, für ihn nur ein Wimpernschlag unter tausenden.“ Ich streiche mir über die Gänsehaut an den Armen. „Das konnte ich nicht wissen, Aragorn.“ Er lächelt gutmütig. „Das verlangt auch keiner. Aber ich habe gesehen, wie er dich ansieht, Helen. Ich will nicht, dass du seine Gefühle nur auf Pflichbewusstsein oder Mitleid erwiderst...aber ich würde mir wünschen, dass du ihm nicht auch das Herz brichst.“ Aus seiner Miene spricht so viel Mitgefühl, dass ich einfach nicht anders kann, als kurz inne zu halten und ihn zu umarmen. Legolas, der uns dicht gefolgt ist, reißt die Augen auf, als könne er nicht glauben, was er da sieht. Er öffnet den Mund, um etwas zu sagen, doch dann dreht er sich einfach um und rennt davon, an Gimli vorbei, ohne ein Geräusch eines Fußabdrucks auf dem Waldboden zu hinterlassen. Das Laub ist voll und ganz sein Element. „Na fein!“, knurrt Gimli mit einer Mischung aus Wut und Verzweiflung in der Stimme. „Er bedeutet dir wirklich rein gar nichts, oder? Wie kann man denn nur so grausam sein?“ Doch ich achte nicht mehr darauf, denn ich bin längst los gerannt. Diesmal schert es mich nicht, dass ich kaum Luft bekomme, ich will nur den Elben einholen, dessen Herz ich förmlich habe brechen sehen. Ich weiß, dass er nicht anhalten würde, wenn ich seinen Namen rufen würde, aber ich weiß auch, dass er jeden meiner Schritte hören und sehen wird. Wenn er nicht gefunden werden will, habe ich keine Chance. Jedoch bin ich inzwischen so tief in den Wald gerannt, dass ich beim besten Willen nicht zu Aragorn und Gimli zurückfinden werde. Den Tränen nahe lasse ich mich auf einen Stein sinken. Atmen, sage ich mir. Atme, und du wirst nicht anfangen zu heulen. Aber es hilft natürlich kein bisschen. Ich habe mich hoffnungslos in einer mir völlig fremden Welt verirrt, weil der süßeste Kerl, den ich jemals getroffen habe, vor mir geflüchtet ist. „Es tut mir so leid.“, flüstere ich fast tonlos. Eine zitternde, nervöse Hand legt sich sanft auf meine Schulter. „Legolas?“ Ich drehe mich um und blinzle die Tränen aus den Augen, während er vor mir in die Knie geht. „Ich möchte nicht meine zweite große Liebe an einen Anderen verlieren.“, sagt er ein wenig schüchtern und greift vorsichtig nach meinen Händen. „Tut mir leid, wenn ich dich damit überrasche, Helen. Aber ein Elb verliebt sich nicht oft, und wenn er es tut, dann ziemlich heftig und ich verstehe, wenn du nicht so empfinden solltest, weil...“ Ich legte ihm einen Finger über die Lippen. „Hey. Du brauchst nicht anfangen, nervös zu plappern.“ „Aber...“ „Nichts aber.“ Ich beugte mich vor und küsste Legolas, wie seine erste große Liebe ihn jede Sekunde seines Lebens hätte küssen sollten. Alles an ihm berührt mich im Innersten. Seine Vorsicht, sein Wunsch, alles richtig zu machen, und seine Wut auf sich selbst, wenn er denkt, er hätte es vermasselt. „Ich war so unglaublich verletzt, weil ich dachte, ich hätte mich verliebt und du hättest kein Interesse.“, wispere ich ein wenig atemlos und lege meine Hände an seine Wangen. „Deswegen habe ich so harsch reagiert. Du hast mir nie wirklich gezeigt, dass du mich magst...“ Die unglaubliche Weisheit und Tiefe seiner Augen beginnen noch deutlicher zu leuchten. „Weil ich nicht wusste wie! Was ich für dich empfand stand für mich fest, als du vom Himmel fielst und auf meinem Schoß gelandet bist. Aber wie hätte ich dir das sagen sollen?“ Seine unfassbare Ehrlichkeit verpasst meinem Herz einen Stich. Legolas ist so viel besser und aufrichtiger, als ich es je sein könnte. Eine Träne bahnt sich ihren Weg über mein Gesicht. Mit dem Daumen wischt er sie weg. „Habe ich etwas falsches gesagt? Helen?“ „Was? Nein! Es ist nur...Legolas! Aragorn hat mir erzählt, dass...“ „Aragorn?“ Ein Hauch von Eifersucht huscht in seinen Blick. Ich schüttle den Kopf. „Hör zu. Aragorn hat mir erzählt, wie schwierig es für ihn und Arwen ist, verstehst du? Sie ist eine unsterbliche Elbe, genau wie du, während Aragorn und ich...nur sterbliche Überbleibsel, rasche, vorüber gehende Wimpernschläge in euren nicht endenden Leben sind. Legolas. Meine Gefühle stehen außer Frage, aber wie soll das funktionieren?“ Eigentlich sollten wir uns voneinander fernhalten. Aber ich muss an all die Geschichten denken, in denen es nicht geklappt hat. Die Chroniken der Unterwelt zum Beispiel. Obwohl Clary und Jace dachten, sie seien Geschwister, konnten sie nicht ohne einander. Oder Auburn und Owen, Sydney und Ridge und Layken und Will aus Colleen Hoovers Mädchenschnulzen. Distanz würde an Legolas Gefühlen, die weit tiefer gehen, als ich begreifen kann, nichts ändern. Ich wiederum könnte mir vermutlich einreden dass es etwas ändern würde- aber Lügen gehen niemals gut aus, nicht einmal, oder vor allem nicht, wenn man sich selbst belügt. „Es wäre nicht die erste Liebe zwischen zwei verschiedenen Volksvertretern in Mittelerde.“, widerspricht Legolas, nicht zaghaft, sondern hoffnungsvoll. „Es ist mir egal, ob andere das akzeptieren, es ist unsere Entscheidung.“ Ich bewundere ihn für seine Ruhe und bemerke einmal mehr, wie wankelmütig wir Menschen doch sind. Der blonde Elbenprinz nimmt mich wortlos bei der Hand und führt mich zum Flussufer. Wo vorher Frodo und Sam davon geschippert waren, glitzert jetzt die untergehende Sonne auf dem türkisblauen Wasser. Dann tritt er hinter mich und schlingt die Arme um meinen Bauch, während er sein Kinn auf meine Schulter legt. „Ich habe mir so gewünscht, dich irgendwann berühren zu können. Ohne Vorwand. Einfach nur, weil du es willst.“ Zum ersten Mal seit mehreren Tagen muss ich lachen. „Und ich hätte nie gedacht, dass du das wollen würdest. Du bist absolut perfekt, du kannst jede Frau haben.“ Legolas lächelt. „Will ich gar nicht. Ich will bloß dich.“ Es ist eine sternenklare Nacht, die wir in Helms Klamm verbringen. Wir haben die kleinen Hobbits gefunden, und Gandalf ist wieder da- aber zwischen Legolas und mir folgt ein Streit dem anderen. Er ist angespannt, weil sein bester Freund Aragorn ständig sein Leben riskiert und seine ganze Welt im Krieg steckt. Und ich? Ich fühle mich nach wie vor fremd in Mittelerde. Legolas ist ein Elb, ein Krieger. Er ist ständig am Kämpfen. Und wenn ich mich nachts nach seiner Wärme sehne, oder mir wünsche, ihn in meine Arme schließen zu können und zu küssen, dann muss er mit seinen Freunden irgendwelche Weltrettungspläne entwerfen. Ich stehe neben Gimli, als Legolas plötzlich hinter mir auftaucht und meine Hand nimmt. „Du solltest nicht hier sein.“, raunt er leise. „Es ist gefährlich.“ „Ich will kämpfen.“, kontere ich. „Jeder hier riskiert sein Leben, warum also nicht ich?“ Gimli knirscht mit den Zähnen, und Legolas sieht mich an, als wäre würde er gleich aus allen Wolken fallen. „Helen, ich möchte nicht, dass dir etwas passiert!“ Ich drehe mich zu ihm um und seufze. „Ich will auch nicht, dass dir etwas passiert, Legolas. Und trotzdem schmiedest du Tag und Nacht irgendwelche Pläne, du kämpfst und reitest, und das so halsbrecherisch, dass mir jedes Mal vor Angst der Atem fehlt.“ „Aber...“ „Aber was?“ „Aber...ich liebe dich doch.“ Es ist das erste Mal, dass er das direkt sagt. Ich muss schlucken. Dann stelle ich mich auf die Zehenspitzen und küsse ihn auf den Mund. „Ich liebe dich auch, Legolas. Versprich mir...versprich mir, dass du auf dich aufpasst.“ „Helen, warte...“ Doch da hat die Schlacht schon begonnen. Ich habe den Kampf um Helms Klamm mit einigen Kratzern recht solide überstanden. In Edoras wird gefeiert, was das Zeug hält, aber ich habe mich lieber zurückgezogen. Draußen plaudere ich erst mit Éomer und Eowyn, später mit Aragon und Gandalf. „Hey...“ Geräuschlos wie immer taucht Legolas neben mir auf und reicht mir ein Glas Wein. Lächelnd nehme ich es entgegen und lasse meinen Blick dann wieder über die dunklen Weiten Rohans schweifen. „Geht’s dir gut?“ Legolas hebt eine Hand an meine Wange und begutachtet ernst die lange Schramme in meinem Gesicht. „Schon gut.“, sage ich beruhigend. „Es ist nur ein Kratzer, nicht viel...“ „Ein Kratzer, den ich nicht verhindern konnte, vor dem ich dich nicht beschützen konnte...“ Ich stelle das Glas auf die Mauer. „Okay, das ist ja süß von dir, aber ich bin keine Porzellanpuppe, die keinen Schmerz erträgt.“ Er senkt beschämt den Blick. „Tut mir leid...der Gedanke daran, dass dir hier etwas geschieht, tut nur...weh.“ Ich schwinge mich auf die Mauer, um mit ihm auf Augenhöhe zu sein. „Geht mir genauso. Jeden Tag...“ Ich ziehe Legolas an mich, der vergräbt sein Gesicht an meinem Hals und seufzt. „Weißt du, ich würde dich gern fragen, ob du meine Frau werden möchtest. Vor der großen Schlacht mit Sauron werden wir nicht heiraten können, aber ich möchte dich das gefragt haben, falls einem von uns etwas zustoßen sollte.“ Er sieht mich wieder an, mit Augen, so blau wie der Ozean. „Dann sei mein Mann.“, antworte ich mit einem Kloß im Hals. „Sei für mich da. Bleib bei mir. Behandle mich so, als wäre ich deine Frau.“ Er nickt lächelnd. „Ich weiß, Helen. Ich dachte nur...ich müsste dich irgendwie auf Abstand halten. Damit es dir nicht das Herz bricht, für den Fall, dass mir etwas passieren sollte.“ Ich seufze traurig. „Du meinst es gut und das schätze ich sehr. Aber wenn dir wirklich etwas zustoßen sollte, würde ich für den Rest meines Lebens bedauern, was ich mit dir verpasst hätte. Deine Zurückhaltung würde meinen Schmerz nicht lindern, sondern viel schlimmer machen.“ Vorsichtig nimmt er mein Gesicht in seine Hände und küsst mich. Es ist das erste Mal, dass ich mich mit ihm frei fühle, unbeobachtet und vor allem ohne Gimli als Anhängsel. Ich hüpfe von der Mauer, leere mein Weinglas in ein paar großen Zügen und grinse Legolas an. „Komm mit!“ Als einzige Frau der Gefährten habe ich ein eigenes Zimmer für mich bekommen. Wir schleichen uns durch die Flure, aber kurz vor meiner Tür quatscht mich ein betrunkener Rohirrim an. „Süüüße.“, lacht er dreckig. „Wie wär’s mit uns beiden? Hallelujah, du hast einen gelungenen Vorbau und dein Hintern ist heiiiiß...“ Legolas, der hinter mir steht, legt fest seine Hände auf meine Hüften und erwidert kühl: „Danke für das Angebot, aber sie ist bereits versorgt.“ Als ich seinen finsteren und beschützerischen Blick sehe, würde ich am liebsten Lachen, so süß sieht er aus. Der Kerl zieht von dannen und gibt den Weg zu meiner Tür frei. „Warte kurz.“, haucht Legolas, als ich gerade aufschließen will. „Ich weiß nicht, was du von mir erwartest, aber ich hab noch nie...also weißt du, ich bin nicht wie Boromir oder Éomer, ich schnappe mir nicht einfach Frauen und...du weißt schon. Ich will dich nicht enttäuschen.“ Wir betreten das Zimmer, und ich schließe die Tür. „Also du...“, ich verschränke unsicher die Arme. „Deine erste große Liebe und du, ihr habt nie? Habt ihr euch wenigstens mal geküsst?“ Legolas schüttelt schüchtern den Kopf. „Ich habe sie nie berührt.“ „Heißt das, ich war dein erster Kuss?“ Er nickt und errötet dabei, weil er sich schämt. DAS bricht mir jetzt wirklich das Herz, und nicht sein hypothetischer Tod. „Oh mein Gott.“, flüstere ich und nehme sein Gesicht in meine Hände. „Es tut mir leid! Wenn ich das gewusst hätte, ich...oh Gott, ich hätte dich nie einfach so geküsst! Der erste Kuss muss doch was besonderes sein, es muss magisch sein!“ Legolas lächelt. „Das war es, Helen. Glaub mir, das war magisch.“ Ich schmiege mich dicht an ihn. „Ich will nichts mit dir machen, wozu du nicht bereit bist.“, stelle ich sanft klar. „Es geht mir nicht um das Eine. Ich will einfach Zeit mit dir verbringen.“ Er lotst mir zur Bettkante und grinst. „Aber ich will es. Ich habe lange genug auf das richtige Mädchen gewartet. Meine Güte, ich liebe dich!“ „Mhhh, du siehst...tiefenentspannt aus.“, sagt Éomer am nächsten Morgen beim Frühstück und grinst breit. Ich strecke mich und tue so, als wäre ich nicht gerade mit Legolas aus dem selben Zimmer gekommen. „Ich weiß nicht was du meinst.“, antworte ich unschuldig und schnappe mir einen Apfel. „Ach komm schon.“, fleht er. „Wer war’s?“ Doch ich schüttle nur den Kopf. Gandalf lächelt, und Aragorn kann sich ein Schmunzeln auch nur schwer verkneifen. Außer Gimli weiß niemand von der Beziehung zwischen Legolas und mir. Wir wollten uns die ewige Erklärerei eigentlich so ersparen. Eben dieser Legolas schaut ein wenig mürrisch, vermutlich, weil Éomer gar nicht erst auf die Idee kommt, er konnte mein Auserwählter sein. Und wie auf Kommando sagt Éomer: „Hm, der Elb war’s wohl nicht, so grimmig wie der guckt.“ Ich lache leise in mich hinein, während ich unter dem Tisch nach Legolas’ Hand greife. „Ich werd’s dir nicht verraten, Èomer, aber ich kann dir versichern, dass ich diesen Kerl liebe, und verdammt, ich lasse ihn nicht mehr gehen.“ Éomer schnaubt. Und Legolas strahlt mich an. Die Schlacht am schwarzen Tor ist ein einziges Fiasko für uns. Legolas hat mich garantiert hundertmal gebeten, in Sicherheit zu bleiben, aber wie soll ich irgendwo entspannt die Füße hochlegen, wenn meine Freunde zur gleichen Zeit sterben wie die Fliegen? Aragorn hätte nie von mir erwartet, dass ich für ihn in den Krieg ziehe, aber er hat mir im Laufe meiner Zeit in Mittelerde so viel Gutes getan, dass er meine volle Loyalität verdient hat wie kaum ein anderer Mensch. Und Èomer? Er liebt es, mich aufzuziehen, und seine Witzchen über mich zu machen, aber selbst er hat versucht, an meine Vernunft zu appellieren, vor allem, nachdem es seine Schwester so schlimm getroffen hat. Aber dann sehe ich die Toten vor mir, Boromir, Théoden, und fast auch Gandalf, Frodo und Aragorn. Es wäre nicht fair. Ich bin es jedem einzelnen, der sein Leben riskiert hat, schuldig. Die Art, wie Legolas kämpft, gleicht beinahe einer Kunst. Es ist ein kurzer Moment, der mich ablenkt, als ich ihm zusehe, und genau das wird mir zum Verhängnis. Einer der Orks, gegen die ich mich gerade tapfer zu wehren versucht habe, streckt seine Hand nach mir aus. Gut, das wäre jetzt kein so großes Problem...hätte er nicht ein Schwert in der Hand. Ich sehe zu, wie er die Klinge unterhalb meines Brustbeines in meinem Körper versenkt. Irgendwie bleibe ich aber ruhig. Es ist, als würde ich das Szenario aus der Sicht eines anderen beobachten. Sogar der Schmerz hält sich in Grenzen. Ist es so, wenn man stirbt? Gleitet das Bewusstsein so ins Abseits, dass der körperliche Schmerz in Vergessenheit gerät? Irgendwie beruhigend und faszinierend zugleich. Ich sehe Legolas, der mit aufgerissenen Augen zu mir rennt und mich in seine Arme schließt, aber ich spüre seine Berührungen kaum. Er redet mit mir, aber die Worte ziehen an mir vorbei. Er will, dass ich etwas sage, aber mit kommt nicht eine Silbe über die Lippen. Seine Sicht: Helen liegt in meinen Armen, die Augen weit aufgerissen auf mich gerichtet, der Mund zu einem stummen Schrei geöffnet. Die Klinge hat eine riesige Wunde hinterlassen, aber nicht nur das; als sie in sich zusammengebrochen ist, hat sie sich so dermaßen ungünstig das Bein verdreht, dass mich nun ihr Knochen anlacht. Ich kann gar nicht hinsehen und will mir nicht ausmalen, wie furchtbar weh ihr das tun muss. „Helen.“, brülle ich. „Bleib wach, bitte! Helen, ich liebe dich! Bleib bei mir!“ Doch sie sagt kein Wort. Ihr Atem ist flach und schnell, panisch. Eine Träne rinnt ihr über die Wange. Sie wird sterben. Ich habe es gewusst, wie oft habe ich ihr gesagt, dass eine Schlacht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit einen von uns töten wird? Der Ring, den ich ihr gestern nachträglich zur Verlobung geschenkt habe, glitzert an ihrem Finger. „Du wärst eine wunderschöne Braut geworden.“, flüstere ich. „Die schönste, die der Düsterwald je gesehen hat. Wir hätten Reisen gemacht, viele Reisen, bis ins unglaubliche Auenland, zum einsamen Berg und nach Bree, und dann hätten wir eine Familie gegründet, mit vielen, glücklichen Kindern. Und wenn es für uns beide Zeit gewesen wäre, hätte ich dich mit nach Valinor genommen, in die unsterblichen Landen, weil ein Leben ohne dich ein Leben ist, dass ich nicht leben kann.“ Gimli schnieft und legt mir eine Hand auf die Schulter. Er würde es nicht zugeben. Aber er mag Helen mehr, als sie dachte. Vorschau: „Ich kann nicht ohne sie leben!“, schreit Legolas seinen Vater an. Thranduil verzieht keine Miene und blickt nur emotionslos auf den leeren, gläsernen Sarg, in dem ich hätte beerdigt werden sollen, hätte mein Tod mich nicht zurück in meine Welt verbarrikadiert. „Das wirst du wohl müssen.“, sagt Thranduil. „Dir bleibt keine Wahl.“

18.5 % der User hatten die Auswertung: So lange bin ich schon mit den Gefährten zusammen. Boromir’s Tod hinterlässt ein merkwürdiges Gefühl in mir. Ich glaube nicht, dass er so übel war. Und ich glaube auch nicht, dass er diesen schmerzvollen Tod verdient hat. Aber was mich wirklich berührt, sind die einsamen Reiter Rohans, die wir abpassen. Sie sind verbannt, heimatlos, allein. Doch ich kann ihnen nicht helfen. Ihr Anführer streift mich mit seinem durchdringenden Blick. „Wie ist Euer Name?“, fragt er plötzlich unvermittelt. Die Gefährten grinsen, während ich unsicher „Isabelle“ stottere. Er geht an mir vorbei, und berührt ganz vorsichtig meine Hand. Mir stockt der Atem. Es ist eine kleine Geste, aber sie löst unglaublich viel in mir aus. Dabei kenne ich diesen Èomer gar nicht. Und an Liebe auf den ersten Blick glaube ich eigentlich nicht. Er sieht mir in die Augen und lächelt. „Passt auf Euch auf, Isabelle. Ihr habt es weit geschafft, und ich hoffe, dass Ihr noch am Leben seid, wenn wir uns das nächste Mal sehen.“ Èomer küsst mir vorsichtig die Hand, und ich nutze diesen Moment, um ihm etwas in seine freie Hand zu legen. Er tut, als hätte er es nicht bemerkt, aber ich sehe das Funkeln, dass seine schwarzen Pupillen erleuchtet. Er steckt den Gegenstand in seine Tasche, lächelt mich ein letztes Mal an, und reitet dann mit seinen Männern davon. „Was hast du ihm gegeben?“, fragt Legolas schmunzelnd, als wir in Edoras angekommen sind, Theoden gerettet haben und für kurze Zeit ausschnaufen können. Mir war fast klar dass Legolas es gesehen haben musste. „Ein Armband. Mit einem kleinen, silbernen Glöckchen. Meinen Namen kann kam verschieden interpretieren, entweder mit „belle“, was schön bedeutet, oder „bell“, was Glocke heißt. Meine verstorbene Mutter hat sie mir geschenkt.“ Der Elb kneift die Augen zusammen. „Und so ein wichtiges Erbstück schenkst du einem Fremden?“ Ich zucke mit den Schultern. „Es war irgendwie besonders...anders als normal, es war, als... „...würdet ihr euch schon ewig kennen und als hättest du dich auf den ersten Blick verliebt.“, beendet Aragorn mit sanfter Stimme seinen Satz, als er zu uns stößt. „So ging es mir damals mit Arwen. Uns war sofort klar, dass es Schicksal sein musste. Und weißt du was? Es war nicht nur bei dir so. Èomer hat genauso empfunden, ich konnte es ihm ansehen.“ Gimli hustet. „Und doch geht das Gerücht um, dass er bei der Auswahl seiner Gefährtinnen keine allzu hohen Ansprüche stellt und sie des öfteren mal austauscht.“ Aragorn seufzt über den Kommentar des Zwerges, und meint dann: „Es muss immer erst die eine Frau kommen, die einen Mann zur Vernunft bringt.“ Legolas lächelt mich freundlich an. „Kopf hoch, Isabelle. Das wird schon gut gehen.“ Gimli grinst. „Ja, vermutlich wird er heute Nacht von dir träumen.“ Helms Klamm ist nass und kalt, aber es gelingt mir, für ein paar Minuten Schlaf zu finden, bevor die große Schlacht beginnt. Meine Träume sind genauso ekelhaft wie die Burg, aber auf einmal erscheint mir ein Licht, auf das ich zugehe. Es ist warm und hell. Als ich es durchquere, betrete ich eine andere Welt. Ich stehe auf einer großen, sommerlich grünen Graslandschaft mit vielen schönen und duftenden Wildblumen. „Isabelle?“ Jemand sagt meinen Namen, ich drehe mich um. Èomer steht mir gegenüber, das Glöckchen hält er in der Hand. Er blinzelt ein paar Mal, und sagt dann: „Das ist ein Traum, richtig? In Wirklichkeit liege ich an einem Lagerfeuer in der Wildnis... „...und ich an einen Felsen gelehnt in Helms Klamm.“, ergänze ich vorsichtig. Er nickt verwirrt. „Ich bin nicht sicher...ich träume nur, dass du träumst, dass wir träumen, oder?“, frage ich unsicher. „Das ist nicht...echt, also, so als würden wir beide durch einen gemeinsamen Traum spazieren und...oder?“ Èomer macht einen Schritt auf mich zu und nimmt meine Hände in seine. „Ich habe das Glöckchen um Feuerschein angesehen, und sofort, als ich mit dem Finger drüber gestrichen habe, war ich hier. Vielleicht...liegt es daran?“ Ich zucke mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Wir werden es wissen, wenn wir uns in echt gegenüberstehen, nicht wahr? Wir könnten...ein Zeichen ausmachen.“ Er lächelt und tritt noch näher an mich heran. „Und was soll das für ein Zeichen sein? Du könntest mir einfach ich die Arme springen und wir könnten uns auf dem Schlachtfeld, umringt von Blut und Tod, küssen.“ Ich hebe eine Augenbraue. „Na toll. Und wenn das hier doch nur ein zusammen gemixter Traum ist, blamiere ich mich live vor allen Leuten.“ Èomer legt eine Hand an meine Wange, die andere auf meine Hüfte. „Wie denn? Du könntest dich nicht blamieren, weil ich dich jederzeit zurück küssen würde, ich...“ Mein Kuss unterbricht ihn. Wie automatisch schließt er die Augen und zieht mich enger an sich. Unsere Körper schmiegen sich so perfekt aneinander, als wären wir allein dazu geschaffen worden. Mein Herz klopft, aber als ich meine Handfläche auf seine Brust lege, bemerke ich, dass es im Gleichtakt mit seinem schlägt. Ich spüre seine Zunge, seine Zähne und seine Finger, wo sie meine Haut berühren. Er küsst meinen Hals, meine Hände verhaken sich in seinen langen, dunkelblonden Haaren. „Ich habe dich gesehen und gewusst, dass ich dich liebe.“, raunt Èomer atemlos. „Ich habe dich gesehen uns gewusst, dass du meine Frau wirst.“ Ich lache und antworte: „Und ich habe dich gesehen uns gewusst, dass ich ja sagen würde, zu einer Ehe mit dir, wann immer du mich fragen würdest.“ Er bückt sich und pflückt eine einzelne, violette Wildblume, die er mir sanft hinters Ohr klemmt. „Daran werde ich dich erkennen, und wissen, ob das hier wahr ist.“ Ein Schrei weckt mich unsanft aus meinem Schlaf. Die Blume steckt noch immer in meinem Zopf. Gemeinsam mit Legolas ziele ich mit Pfeil und Bogen auf die Orks, und ich freue mich über jeden Glückstreffer. Als Gandalf mit den verbannten Reitern Rohans eintrifft, bin ich allerdings so darauf fixiert, Èomer zu finden, dass ich meine Achtsamkeit komplett vergesse. Ein Ork jagt mir einen Speer in die Brust, bevor ich reagieren kann. Seine Sicht: Ich suche Isabelle überall, aber nicht einmal bei ihren Freunden kann ich sie sehen. Irgendwie kann ich nicht glauben, dass sie sich in den Ruinen der Burg versteckt gehalten hat, als gekämpft wurde, und diese Vermutung bewahrheitet sich leider. Niemand weiß wo sie steckt. Niemand weiß, ob sie noch lebt. Die Toten werden schon von der Brüstung geschleppt, als ich noch einmal eine kurze Runde drehe, um sie vielleicht doch noch zu finden, obwohl meine Hoffnungen gering sind. „Wen suchst du denn, Neffe?“, will Theoden interessiert wissen. Meine Schwester sieht mich neugierig an. „Ein Mädchen.“, antworte ich knapp. Was Isabelle und ich an Gefühlen füreinander haben, ist unsere Sache, und geht nicht einmal meinen König etwas an. Eowyn hebt erschrocken die Augenbrauen. „Ein Mädchen? Hier? Mitten im Schlachtfeld?“ Ich nicke wütend, weil sie mich nervt. „Ich weiß, dass sie hier gekämpft hat, und wir haben ein Zeichen ausgemacht, damit ich sie wieder finden würde.“ Ich starre auf den nassen Boden, und neben einer blutgetränkten Pfütze fällt mir etwas ins Auge. Ein zartes, kleines Blümchen- lilafarben. „Èomer!“, brüllt jemand. Es ist dieser blonde Elb, mit dem Isabelle damals gereist ist. „Isabelle.“, sagt er dann ruhiger. „Sie ist verletzt, wir haben sie gefunden. Aragorn fürchtet, dass sie im Sterben liegt. Sie hat nach Euch gefragt.“ Binnen weniger Sekundenbruchteile renne ich dem Elben hinterher, spüre, wie mein Herz anfängt zu schmerzen. Sie darf nicht gehen. Nicht jetzt. Nicht, nach so kurzer Zeit. Ihre Freunde haben Isabelle möglichst sanft auf ein provisorisches Bett gelegt, ihre Haare liegen wie ein Fächer ausgebreitet auf dem Kissen. „Isabelle!“, schluchze ich und gehe neben ihr auf die Knie. „Bell, bitte!“ Sie öffnet müde die strahlenden Augen und ringt sich ein Lächeln ab. „Die Blume...“, krächzt sie. „Ich weiß.“, flüstere ich und halte ihre Hand. „Ich weiß, es ist wahr.“ Deine Sicht: Gandalf sei Dank. Während die anderen alle den Sieg feiern, sitze ich, noch immer unter Schmerzen, auf einem Bett in einem Zimmer in Edoras. Mein kompletter Oberkörper sieht aus wie in einen Rasenmäher geraten, überall sind Narben und Kratzer. Jemand klopft an meine Zimmertür. „Herein?“ Èomer öffnet grinsend dir Tür, in seiner Hand ein großes Tablett. „Ich hab dir was vom Essen geklaut.“, erklärt er fröhlich. „Echt jetzt?“ Er nickt und setzt sich samt dem Menü auf meine Bettkante. „Für meine Prinzessin nur das Beste.“ Tatsächlich hat er eine beträchtliche Auswahl an Obst, Gemüse und Fleisch zusammen gestellt. „Warte mal!“, rufe ich. „Ist das etwa Kuchen?“ Ich weiß nicht wie lange ich schon nichts mehr Süßes hatte. Wieder nickt er mit leuchtenden Augen. Grinsend beuge ich mich vor und drücke ihm einen dicken Kuss auf die Wange. Er seufzt verliebt und will mich auf den Mund küssen, doch ich wende mich ab. Jedes Mal muss ich die Bremse reinhauen, wenn wir uns küssen. Denn wenn wir weiter gehen würden, gäbe es keine Möglichkeit für mich, meine Narben und die hässlichen Verletzungen vor Èomer, der Mann den ich liebe und der mich schön finden soll, zu verstecken. Als er seinen Arm um meine Schultern legen will, entziehe ich mich ihm, stehe auf und gehe zum Fenster. Traurig blicke ich in die Sterne und schaffe es nicht, Èomer anzusehen. Schaffe es nicht, mir ein weiteres Mal seine Enttäuschung ansehen zu müssen. „Liebst du mich überhaupt?“, fragt er plötzlich kalt und vollkommen tonlos. „Ist das für dich nur ein Spiel? Du lässt dich verwöhnen und nutzt mich aus, nur um deine...Mädchenfantasien wahr werden zu lassen und im Luxus zu leben?“ Seine harschen Worte erschrecken mich. „Du weißt, dass das nicht stimmt.“, erwidere ich schwach. Èomer sieht aus, als würde er mir am liebsten das Hühnchen entgegen werfen. „Ich will doch nur nicht...Èomer. Ich hatte einen Speer in der Brust stecken, was denkst du, wie ich aussehe? Ich habe überall Narben und zerfetzte Haut, aber ich will doch, dass ich dir gefalle! Ich liebe dich, aber ich weiß nicht, ob du mich genauso lieben könntest, wenn du wüsstest, wie es unter meinem Mieder ausschaut.“ Er stellt das Tablett zur Seite und tritt hinter mich. „Ist das wahr?“, wispert er traurig. „Du gehst nur auf Abstand, weil du das Gefühl hast, mir nicht zu genügen?“ Tränen steigen mir in die Augen. „Du bist so attraktiv und liebevoll, und ich wünschte, ich könnte dir irgendwie gerecht werden.“ Èomer seufzt, dann legt er ohne Vorwarnung sein Oberteil ab, und stämmt die Hände in die Hüften. Im Kerzenlicht kann man deutlich die Narben an seinen Armen, seinen Schultern, der Brust und dem Bauch, aber vor allem die an seinem Rücken erkennen. „Noch Fragen?“ Weinend falle ich ihm in die Arme, während er mir sanft durch die Haare streichelt und mich sanft auf die Stirn küsst. „Eine Narbe entstellt dich nicht, Bell. Sie erzählt eine Geschichte.“ Er hebt mich hoch und setzt mich zurück aufs Bett. „Und jetzt iss was.“ „Vielleicht danach.“ „Wonach?“ Er hebt kritisch eine Augenbraue. Lächelnd setze ich mich auf seinen Schoß und sehe, wie er schlucken muss. „Isabelle? Was wird das?“ Ich küsse ihn sanft auf die Kehle, worauf er erschaudert und sich ganz aufs Bett fallen lässt. Seine Augen glitzern nervös. Zum ersten Mal fällt mir auf, dass er das Glöckchen von unserem ersten Treffen um sein Handgelenk gebunden hat. Ich fahre mit dem Finger sanft seinen Wangenknochen nach, dann seine Lippen und sein Schlüsselbein. Èomer liegt komplett ruhig, als würde er alles was ich tue, genießen und ich sich aufsaugen wollen. „Du bist wunderschön.“, wispert er, und hilft mir behutsam aus meinem Kleid. Liebevoll schnürt er vorn mein Mieder auf und streichelt dann ganz leicht über meine schrecklichen Verletzungen. „So wunderschön...“ Plötzlich scheint er es eilig zu haben, er bettet mich in die Kissen, schwingt sich über mich und stützt sich mit den Ellenbogen ab. Seine langen Haare kitzeln mich in der Nase, er lacht, als ich niesen muss. „Ich liebe dich, Isabelle.“ „Ich liebe dich mehr, Èomer.“ Er küsst mich, diesmal heftiger, und fragt dann, fast flüsternd: „Und, hast du dich entschieden? Heiratest du mich?“ Lächelnd schlinge ich die Beine um seine und antworte: „Ich wüsste nicht, was entgegen spricht. Du bist der Mann meiner Träume.“ „Hab ich gehört.“, gibt er grinsend zurück. „Ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nie so lebendig gefühlt, Prinzessin. Ich dachte immer, dass ich alles habe, dass mein Leben schön ist. Bis du damals zusammen mit Aragorn, dem Elben und dem Zwerg in Rohan aufgetaucht bist. Ich habe dich gesehen und mir war sofort klar, dass ich eigentlich gar nichts habe, ohne dich. Dass ich es schaffen muss, wenn ich ein schönes Leben haben will, dich zu erobern. Und dann hast du mich angesehen, und deine Augen haben angefangen zu leuchten. Du hast mir dein Glöckchen geschenkt. Und obwohl ich dich nicht kannte, wusste ich, dass du alles für mich bist. Ich hatte dich nie verdient, Isabelle.“ „Und ich dich nicht.“ Am nächsten Morgen wache ich nur langsam auf. Èomer hat seine Arme von hinten um meinen Bauch geschlungen, unsere Beine sind irgendwie ineinander verknotet. Und...wir sind offenkundig nackt. Ich decke uns zu, und schmiege mich dann wieder an ihn, seine Haut ist warm wie eine schöne, frische Tasse Kaffee in der Früh. Und er riecht gut, Himmel! Am liebsten würde ich seine trainierten Arme anstupsen, nur, um mich zu vergewissern, ob er tatsächlich echt und keine Fieberphantasie ist. „Issblll.“, nuschelt er in meine Haare und umarmt mich fester. Ich seufze zufrieden. An diesem Kerl stimmt einfach alles. Plötzlich klopft es an der Tür. Instinktiv zucke ich zusammen. „Èomer!“, schreit seine Schwester. „Bist du hier? Theoden möchte mit dir sprechen!“ Natürlich macht Èomer keinen Mucks, während ich mich leise aus dem Bett quäle und die Decke wie einen Bademantel um mich herumschlinge. Ich öffne die Tür einen Spalt breit. „Eowyn.“, murmle ich gespielt müder, als ich eigentlich bin. „Guten Morgen, suchst du was?“ Sie wird ein wenig rot und lächelt. „Na ja, ich bräuchte meinen Bruder. Weißt du zufällig, wo er steckt?“ Offiziell weiß niemand so richtig von meiner Beziehung zu Eowyns Bruder. Seit meinem Beinahe-Tod hat uns niemand mehr gemeinsam gesehen, und jeder hielt es für eine kurzweilige Affäre oder so. „Tut mir leid, ich habe keine Ahnung.“, antworte ich theatralisch zerknirscht. „Ich werde ihm Bescheid sagen, falls ich ihn sehen sollte...Eowyn, es ist gerade auch schlecht...ich habe Besuch...“ Sie errötet noch mehr, fragt dann aber nur vorsichtig. „Ist...ist Herr Aragorn auch hier?“ „Was? Oh nein, wir haben kein Verhältnis, er gehört ganz dir allein.“ Damit klatsche ich die Tür wieder zu. Èomer sitzt auf dem Bett und grinst mich breit an. „Du böses Mädchen du!“, raunt er. Ich hebe eine Augenbraue. „Du sitzt nackt auf meinem Bett. Möchtest du dir nicht was anziehen?“ Er zwinkert mir zu. „Als ob du nicht genießen würdest, was du hier siehst. Zumal du auch nackt bist.“ „Oh.“, sage ich. „Was ein Zufall.“ Èomer streckt die Hand nach mir aus und zieht mich zurück ins Bett. „Was immer Theoden will, kann warten.“ Ich bin nicht dabei, als Èomer etwas wichtiges mit seinem Onkel bespricht, aber als er am Abend wieder kommt, sieht er irgendwie blass aus. „Ist was?“, frage ich, und knabbere an einem Pfirsich herum, der gestern übrig geblieben ist. Èomer bleibt unsicher vor der Tür stehen und schüttelt den Kopf. „Theoden will, dass ich nach ihm den Thron besteige.“, erklärt er. „Aber das ist doch großartig!“ Er vergräbt das Gesicht in den Handflächen und seufzt. „Das ist es nicht! Hör zu, Bell, er will mich verheiraten! An irgendeine Frau aus Gondor, damit unsere Heirat ein Bündnis zwischen den beiden Ländern schafft!“ Ich runzle die Stirn. „Was? Aber du hast ihm doch sicherlich gesagt, dass du das nicht tun wirst, oder?“ Er tritt unsicher von einem Fuß auf den anderen. „Ich glaube nicht, dass ich nach meiner Meinung gefragt werde, Bell.“ Vorschau: Ich stehe mit einem Blumenstrauß in der Hand neben Faramir, der mich mitleidig ansieht, während Èomer mit Lusianne, seiner frisch angetrauten Frau aus der Burg kommt. Was weh tut ist nicht, dass er eine andere geheiratet hat. Was weh tut, ist, dass er dabei lächelt, bis ich in sein Blickfeld gerate. Ich verziehe keine Miene, bin weder Isabelle, noch Bell, sondern nur eine frostige Statue meiner selbst. „Bell.“, sagt Faramir leise. „Es tut mir so unendlich leid.“ „Es ist nicht das Ende der Welt.“, antworte ich tonlos. Und glaube mir selbst kein einziges Wort, als das Brautpaar sich küsst. Pippin, einer meiner besten Freunde seit meiner Ankunft in Mittelerde, streckt mir stumm das Glöckchen entgegen, dass ich Èomer geschenkt hatte. „Ich hab’s gefunden.“, flüstert er traurig. „Es lag vor einem Brunnen.“