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Die Statistik vom Quiz

Fred oder George?

29.03 % der User hatten die Auswertung: Geschichte A – Vollmond Einleitung Vor Hogwarts Ich und mein jüngerer Bruder Thomas sind sehr behütet aufgewachsen. Unser Familienleben ist wie aus dem Bilderbuch, bis mein Vater während der Arbeit von einem Werwolf angegriffen und gebissen wird. Ein halbes Jahr ist die Familienidylle empfindlich gestört, aber durch gegenseitige Liebe und Verständnis bewältigen wir die Krisenzeit und es ist bald alles wieder so wie vor der Attacke. Meine Eltern, Laura und Ryan sind beide Zauberer. Dad hat vor dem Unfall im Ministerium in dem Werwolf-Fangkommando gearbeitet, nach dem Unfall sorgt Laura für das familiäre Einkommen, da Dad seinen Job verloren hat. Sie arbeitet als Pflegerin im St. Mungos Hospital. Wir leben mitten in London in der obersten Etage eines fünfstöckigen Wohnblocks und haben einen supertolle Dachterrasse, auf der allerhand magische Pflanzen wachsen. Als der Brief von Hogwarts ankommt, freue ich mich riesig und auch meine Eltern sind völlig aus dem Häuschen. Die Zeit vergeht wie im Flug und schon bald ist der Abend vor der Abreise gekommen. Ich habe meine Sachen anhand der Liste, die ich mit dem Brief zusammen bekommen habe, gepackt und meine persönlichen Sachen zuletzt noch in den Koffer geschmissen. Schlussendlich ist er so voll, dass mein Vater mir beim Schliessen helfen muss. Abreise, Ankunft, Häuserwahl und die erste Zeit in Hogwarts Meine ganze Familie muss weinen, als es Zeit wird, „auf Wiedersehen“ zu sagen. Wir versprechen uns aber, regelmässig zu schreiben. Thomas heult am meisten, da er gerne mit mir mit möchte. Wir trösten ihn damit, dass er ja nächsten Sommer ebenfalls nach Hogwarts kommen wird. Nachdem ich eingestiegen bin, setzte ich mich in ein leeres Abteil, lasse das Fenster herunter und winke meiner Familie ein letztes Mal zu. Als der Zug abgefahren ist und Laura, Ryan und Thomas nicht mehr zu sehen sind, starre ich einfach nur aus dem Fenster. Tränen laufen mir meine Wangen hinunter. „Hey, ist hier noch frei?“, fragt mich eine leise Stimme. Schnell wische ich mir über die Augen und schaue zur Tür. Ein blondes Mädchen, das ebenfalls verweint aussieht, steht schüchtern in der Abteilungstür. „Klar, komm rein“, murmle ich und bringe ein Lächeln zustande. Das Mädchen stellt sich als Hannah Abbott vor. Eine Weile schweigen wir, wir sind wohl beide zu schüchtern ein Gespräch anzufangen, doch irgendwann klappt’s dann und schnell merke ich, dass Hannah super nett ist. Im Schloss angekommen bin ich erst einmal völlig verzaubert. Es ist wunderschön hier, wie meine Eltern gesagt haben. „Ich bin soooo nervös“, flüstert Hannah. Ich nicke. „Jaah, ich auch.“ Wir folgen der streng aussehenden Professor McGonnagall in die grosse Halle. Alle Schüler, die jeweils an den vier langen Häusertischen sitzen, starren uns gespannt an. Ich schlottere vor Nervosität und bin ein bisschen neidisch, dass ich nicht auch so einen Nachnamen wie ‚Abbott‘ trage. Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, ruft Professor McGonnagall „Turner, Elaine Rose!“ Schnell möchte ich nach vorne hasten, stolpere dabei aber über meine eigenen Füsse. Ein grosser, schlaksiger, rothaariger Junge bewahrt mich vor einem peinlichen Sturz. Ich lächle im dankbar zu. Seine Wangen nehmen beinahe den Ton seiner Haare an, so rot wird er. Aber auch er lächelt mir zu. Zitternd setzte ich mich auf den Stuhl. Der sprechende Hut rutscht mir weit über die Augen und ruft beinahe bei der ersten Berührung: „Hufflepuff!“ Strahlend ziehe ich mir den Hut vom Kopf. Ich bin im selben Haus wie Hannah! Immer noch etwas wacklig auf den Beinen mache ich mich auf den Weg zu den laut applaudierenden Schülern am Hufflepuff-Tisch. Hannah umarmt mich stürmisch. „Wie toll ist das denn!“, quietscht sie aufgedreht. Ich lache und umarme sie zurück. „Wahnsinnig, super toll!“ Ich lebe mich sehr schnell ein und verliere auch ein bisschen meine Schüchternheit. Hannah ist sofort meine beste Freundin, zusammen mit Ernie Macmillan und Justin Finch-Fletchley. Ausserdem habe ich mich durch einen Zufall mit den Weasley-Zwillingen angefreundet, da ich sie vor Professor Snape beschützt habe. Seit diesem Vorfall machen wir mindestens einmal in der Woche was zusammen. Aber auch bei den anderen Schülern bin ich relativ beliebt. Mein Lieblingsfach ist zum Unverständnis vieler, Zaubertränke und Snape, der Lehrer für dieses Fach, ist mein absoluter Lieblingslehrer. Zaubertränke ist das einzige Fach, für das ich nie lernen muss, in den restlichen Fächern muss ich recht viel arbeiten, um den Anschluss nicht zu verlieren. Obwohl ich so viel für die Schule mache, bin ich keine Top-Schülerin, sondern bewege mich im soliden Mittelfeld. Ich bin oft am See, ob mit meinen Freunden oder alleine. Ich liebe es, um den See herum zu spazieren, oder sobald es wärmer wird, darin zu baden. Als ich in das zweite Schuljahr komme, wird auch mein kleiner Bruder Thomas eingeschult. Er kommt wie unsere Eltern nach Ravenclaw. Ende des dritten Jahres verliebe ich mich in Ron Weasley, den Jungen, der mich am ersten Schultag vor einer Blamage gerettet hat. Er erwidert meine Gefühle und anfangs des vierten Jahres werden wir ein Paar. Wir sind bereits ein halbes Jahr zusammen und nun beginnt die eigentliche Geschichte… Start der eigentlichen Geschichte Ich habe verschlafen! Auch Hannah liegt noch friedlich schlummernd in den Federn. Ich werfe einen Blick zu meinem neuen Wecker. Ich hab in von den Weasley-Zwillingen geschenkt bekommen. Auf dem Wecker blinkt in roten Lettern: ‚Guten Morgen, kleine Blume‘ Die Buchstaben verschwinden und neue tauchen auf. ‚Vertraue nie einem Weasley-Zwilling‘ Ich merke, wie Wut in mir hochbrodelt. Natürlich bin ich gewohnt, Opfer ihrer Streiche zu werden, aber die beiden wissen genau, dass ich in der Schule nicht so gut bin. Und jetzt verpasse ich wegen ihnen auch noch ausgerechnet Zauberkunst, da bin ich sowieso eine Niete. „Hannah! Die blöden Zwillinge haben mir einen verzauberten Wecker geschenkt!“, schreie ich und will schnell aufstehen. Leider verheddere ich mich in meiner Decke und knalle lautstark zu Boden. Tränen treten mir in die Augen, da ich heftig mit dem Kopf aufgeschlagen bin. „Rose!“ Hannah ist durch meinen Sturz endgültig aufgewacht und eilt zu mir hin. „Rose, hast du dir wehgetan?“ Besorgt blickt sie zu mir hinunter. „Ich schwöre dir, Hannah, das werden sie büssen.“ Ich wische mir über die Augen und stehe auf. Das Zimmer dreht sich etwas und ich strecke die Arme nach Hannah aus. Sofort hilft sie mir, sicheren Stand zu finden. „Naja, du hättest eigentlich damit rechnen müssen…“ Ich schnaube. „Ja, aber ich dachte, sie sind meine Freunde. Und das sie einmal vielleicht etwas tun, weil sie mich mögen.“ Hannah sagt nichts dazu. Zusammen machen wir uns rasch fertig und schaffen es, wenigstens zur zweiten Stunde im Unterricht mit dabei zu sein. Aber ich bin nicht so ganz bei der Sache. Enttäuschung und Wut lassen mich unkonzentriert werden. Immer müssen sie mich piesacken, selten erhalte ich Worte oder Gesten von Zuneigung. Manchmal denke ich, dass ich eigentlich nur zu ihrer Unterhaltung diene, oder als Testperson für ihre Leckereien und Streiche. Der Morgen vergeht relativ rasch und Hannah und ich freuen uns aufs Mittagessen, da wir das Frühstück ja leider ausfallen lassen mussten. Weasley sei Dank. „Ich bin heute am Gryffindor-Tisch. Bis nachher“, verabschiede ich mich von meinen Freunden. Eigentlich habe ich meine Wut auf die Zwillinge inzwischen wieder vergessen, doch als ich sie am Tisch herumalbern sehe, werde ich wieder an den unschönen Start in den Tag erinnert. Ohne sie zu beachten, laufe ich an Fred und George vorbei. „He, kleine Blume. Na, hast du gut geschlafen?“, ruft mir George hinterher. Ich stolziere einfach weiter. „Was hat sie den?“, höre ich ihn Fred fragen. „Vielleicht hat sie unseren Witz nicht ganz so lustig gefunden wie wir.“ Die beiden stehen auf und folgen mir. Inzwischen bin ich bei Ron angelangt. Er streitet sich gerade wieder einmal mit Hermine. „Hi“, sage ich, aber Ron beachtet mich gar nicht. Seufzend setzte ich mich hin. Harry lächelt mir kurz zu, dann wandert sein Blick zu meiner Beule am Kopf. „Woher hast du diese riesen Beule?“ Ich schnaube. „Indirekt dank den Wiesel-Zwillingen.“ – „He, wie hast du uns gerade genannt!“ George und Fred haben sich zu uns gesetzt und Fred sieht mich entrüstet an. „Wiesel-Zwillinge. Ich könnte euch natürlich auch Idioten, Kindsköpfe, missratene Ampeln oder ähnliches nennen.“ Fred grinst mich an. „Nana, da hat jemand aber ganz schlechte Laune. Ist was passiert? Heute Morgen beim Aufstehen vielleicht?“ Er kichert und wirft seinem Bruder einen triumphierenden Blick zu, doch George erwidert das Grinsen nicht, sondern schaut eher bedrückt drein. „Missratene Ampel?“, fragt er mich. Nun scheint auch endlich Ron zu bemerken, dass seine Freundin angekommen ist. „Was hast du denn da in deinem Gesicht? Sieht ja scheusslich aus.“ Da reicht es mir. „Hallo Ron. Ja, ich freue mich auch sehr, dich zu sehen. Wie mein Morgen war? Grossartig! Zuerst habe ich verschlafen, dank deiner supertollen Brüder übrigens, die es auch noch wagen sich meine Freunde zu nennen und dann bin ich auch noch hingefallen und hab seitdem einen Schädel, als würden es die Bienen darin treiben. Aber danke der Nachfrage und auch danke fürs NICHTbeachten. Ich wünsche noch einen angenehmen Tag!“ Abrupt stehe ich auf. Leider hat Fred seine Schultasche genau hinter meinem Platz abgestellt. Ich stolpere über die Tasche und erwarte schon einen erneuten, schmerzhaften Sturz, als zwei starke Arme mich auffangen. „Wir können nichts für deine Tollpatschigkeit, kleine Blume.“ George stellt mich wieder auf die Beine und dreht mich schwungvoll zu sich um. „Wer hätte auch gedacht dass du vor Schreck gleich aus dem Bett fällst?“ Er grinst mich an und fängt sich eine knallende Ohrfeige meinerseits ein. Erschrocken fährt seine Hand zu seiner Wange, die sich bereits rot färbt. Ich bin selber so erschrocken über meine Reaktion, dass ich einfach davon renne. Ich stehe fassungslos zwischen den Bänken. „Was war DAS denn?“, fragt auch Fred leicht erschrocken. Harry zuckt nur stumm die Schultern und auch Ron sieht verwirrt aus. Nur Hermine scheint, wie immer, zu wissen was Sache ist. „Sie mag euch wirklich gerne, aber ständig ärgert ihr sie. Habt ihr denn noch nicht geschnallt, dass Rose total sensibel ist? Und viel zu höflich, mal klar ihre Meinung zu sagen?“ Ich schüttle den Kopf. Rose und sensibel? „Ja, manchmal zu sensibel“, murmelt Ron. „Vielleicht sollte jemand mal nach ihr sehen?“ Fred schaut Ron an. „Wieso ich? Sie ist schliesslich auf euch wütend.“ – „Scheinbar nicht nur! Hast du ihr überhaupt zugehört!“ Ich stampfe davon. Mit ziemlicher Sicherheit werde ich die Kleine am See antreffen. Schnell habe ich sie gefunden. Sie sitzt da, mit angezogenen Beinen und starrt auf den See hinaus. Leise setze ich mich neben Rose und weiss einen Moment nicht, was ich sagen soll. „Es tut uns leid. Wir fanden die Idee eigentlich ganz witzig…“ Ich werfe ihr einen kurzen Seitenblick zu und stelle fest, dass sie weint. Mir bricht es beinahe das Herz, sie so zu sehen und schlechtes Gewissen packt mich, da Fred und ich schuld an ihrer Traurigkeit sind. „Rose… Bitte weine doch nicht. Wir haben es echt nicht aus Bösartigkeit oder so getan.“ Rose dreht den Kopf weg und wischt sich über die Augen. Ich hadere einen Moment, lege dann aber doch einen Arm um sie und ziehe sie zu mir heran. Und plötzlich schlingt auch sie die Arme um mich und vergräbt das Gesicht an meiner Brust. Ein Kribbeln erfasst meinen Körper und wieder einmal merke ich, dass ich total in die Freundin meines Bruders verliebt bin. Sie ist so toll, so hübsch und einfach perfekt. „Nicht nur wegen he-heute“, schluchzt sie. Ich werde aus meiner Schwärmerei gerissen. „Weswegen denn dann?“, frage ich sanft nach. „Ich dachte, ihr seid meine Freunde. Dabei diene ich nur immer zu eurer Unterhaltung und bedeute euch eigentlich gar nichts. Und Ro-Ron… Her-mine…“ – „Rose, du gehörst zu unseren besten Freunden, ehrlich. Und zwischen Ron und Hermine läuft bestimmt nichts. Ron ist nicht so einer.“ Sie rückt ein Stück von mir ab und sieht mich an. Ihre riesigen, hellbraunen Augen sind voller Tränen. Ehe ich den Impuls unterdrücken kann, strecke ich die Hand aus und wische ihr die Tränen sanft von den Wangen. „Wieso sollte er auch auf Hermine stehen?“ Wieder rollen Rose die Tränen übers Gesicht. „Sie ist schön und schlau. Und nett. Und…“ – „Ja, und du bist nicht nur schön, sondern wunderschön, nicht nur einfach nett, sondern toll und absolut lieb und naja… Nicht schlau aber… Ehm…“ Rose lächelt und das Grübchen, das ich so liebe, erscheint auf ihrer rechten Wange. „Ich verzeihe euch wegen des Weckers, okay? Du hast genug geschleimt. Das reicht für Fred gleich mit. Auch wenn ich etwas enttäuscht bin. Nicht mal in so einem Moment kannst du mir sagen, dass ich schlau bin? Das will was heissen!“ Sie lacht, wischt sich die nassen Wangen an ihrem Ärmel ab und steht auf. „Na komm, lass uns ins Schloss zurück gehen. Ich hab einen Mordshunger.“ Rose streckt mir die Hand hin und hilft mir auf die Beine. Ein unangenehmes Gefühl hat sich in mir ausgebreitet. Sie glaubt mir kein Wort von dem, was ich über sie gesagt habe. Sie denkt, ich rede Unsinn, hab das nur gesagt, dass sie nicht mehr wütend ist, dabei meine ich das Gesagte wirklich so. Sie IST wunderschön, toll und absolut lieb. Aber vielleicht kann ich mich auch glücklich schätzen, dass Rose das Ganze als Unsinn abtut. Ich möchte sie nicht verlieren. Auch wenn ich nur ein Kollege von ihr sein kann. Und auch wenn ich jeden Tag leide, wenn ich sie und Ron zusammen sehe. Und auch wenn Fred sagt, dass mir das Ganze nicht gut tut und ich nicht mehr der Alte bin. Ich werfe einen Blick auf George und erschrecke. Die Ohrfeige habe ich ganz vergessen. Zu sehr war ich mit mir selbst beschäftigt. Seine Wange ist immer noch glühend rot. „George… Tut mir Leid wegen der Ohrfeige. Tut es weh?“ Er winkt ab. „Nee, ist doch keine grosse Sache. Ich bin hart im Nehmen.“ Ich seufze erleichtert und streiche ihm kurz über den Arm. George fröstelt, es wird auch echt langsam kalt. Um uns aufzuwärmen und schneller im Schloss zu sein sage ich: „Lass uns ein Wettrennen machen. Gewinnst du, schreibe ich dein Zaubertränkeaufsatz, gewinne ich, musst du mir bei Zauberkunst helfen. Ich hab demnächst eine Prüfung.“ George grinst. „Ich danke dir jetzt schon, kleine Blume.“ Ich grinse zurück. „Unterschätze nie die Kleinen.“ Dann renne ich los. „He!“, höre ich George rufen und dann höre ich seine Schritte hinter mir. Und dann überholt er mich und gewinnt das Rennen. „Du hättest mir einen Vorsprung geben müssen!“, beschwere ich mich, als ich nach Luft japsend bei ihm ankomme. „Du hast viel längere Beine als ich! Das ist unfair.“ George lacht. „Unfair? Ich erinnere dich gerne daran, dass DU einen Frühstart hingelegt hast. Ausserdem kann ich nichts für dein Zwergen-Gen. Und dann war das Ganze auch noch DEINE Idee.“ Er gibt mir einen Nasenstupser und grinst spöttisch. Als Strafe boxe ich ihn sanft in den Bauch. Er ächzt und lässt sich zu Boden fallen. „Ich bin getroffen! Binnen weniger Sekunden werde ich tot sein.“ Ich stelle mich über ihn. „Lass den Quatsch!“ George packt meine Arme und zieht mich zu sich herunter. „Ich brauche eine Mund-zu-Mund-Beatmung. Rasch! Sonst ist es aus mit mir!“ – „Bald brauche ICH einen Mund-zu-Mund-Beatmung, und zwar wenn ich nicht bald was Essbares kriege.“ Der Stimmungsumschwung trifft mich unvorbereitet. Das Grinsen verblasst aus Georges Gesicht und er sieht mich ernst an. Ich werde mir bewusst, dass ich auf seinem Bauch sitze und er immer noch meine Hände festhält. Bevor ich reagieren kann, richtet sich George etwas auf und küsst mich. Nicht so wie Ron mich küsst. Bei uns ist immer eine gewisse Unsicherheit da. Aber George weiss genau, was er tut. Und er tut es leidenschaftlich. Ein Räuspern lässt uns auseinanderfahren. „Lasst das nicht Ron sehen, sonst wird es ungemütlich. Er ahnt da sowieso was.“ Fred sieht seinem Bruder fest in die Augen. Ich spüre, wie meine Wangen sich rot färben und stehe hastig auf. Schnell will ich mich vom Acker machen. Dummerweise stolpere ich über den immer noch am Boden sitzenden George und wäre beinahe gestürzt, doch Fred fängt mich auf. „Ich möchte mich auch bei dir entschuldigen Rose. Manchmal vergessen wir, dass du eine empfindliche Blume bist. Hoffentlich nimmst du es mir aber nicht übel, dass du von mir keinen Entschuldigungskuss kriegst. George hat das ja schon für mich miterledigt.“ Fred grinst, aber es wirkt etwas aufgesetzt. „Kein Problem, Fred. Vergeben und vergessen“, nuschle ich, befreie mich aus seinem Griff und renne davon. „Du bist so ein Idiot! Es hat sich wieder mal bewiesen: Ich bin der schlauere Zwilling.“ Fred und ich sitzen im Gemeinschaftsraum. Mir ist schlecht und ich fühle mich fiebrig. „Was tu ich jetzt?“ Ich bin verwirrt und habe Angst, Angst, dass Rose nie wieder mit mir spricht, nicht mehr mit mir befreundet sein will. „Keine Ahnung. Geh auf Abstand. Warte, wie sie sich jetzt verhält.“ Ich vergrabe das Gesicht in meinen Händen. „Du wirst doch jetzt etwa nicht heulen?“, fragt mein Zwilling mich entsetzt. „Ich…“ Mehr kann ich nicht sagen. Gerne hätte ich geheult. Gerne wäre ich vom Astronomieturm gesprungen… Gerne hätte ich Ron aus dem Weg geschafft. „Du?“ – „…gehe schlafen. Morgen bin ich krank. Und übermorgen. Und die restlichen fast 6 Monate bis zu den Sommerferien.“ Ich will gerade aufstehen, als Ron strahlend auf uns zu kommt und sich in einen freien Sessel fläzt. „Ihr seid ja meine grossen Brüder und habt schon einiges an Erfahrung mit Mädchen. Ich glaube, es wird Zeit mit Rose einen Schritt weiter zu gehen. Sie ist vorhin zu mir gekommen und hat mich geküsst wie noch nie. Ich glaube, sie will es auch.“ Ron sieht uns erwartungsvoll an. Ich glaube, ich muss kotzen. Ich spüre Freds Blick auf mir. „Sorry, Ron. Das musst du mit Fred klären. Ich glaube, ich werde krank.“ Und schon rausche ich davon und muss mich tatsächlich übergeben. Das Leben kann ja so scheisse sein. Ich habe die halbe Nacht mit Hannah über die Sache mit George gequatscht. Etwa tausend Mal musste ich ihr versichern, dass ich George nur als Kumpel sehe. Auch wenn ich insgeheim selbst nicht ganz überzeugt bin. Meine Lippen kribbeln immer noch und ich habe das Gefühl, dass ich seinen Mund auch immer noch auf meinem spüre. Ausserdem war da ein Gefühl, dass ich bei Ron nie habe, wenn wir uns küssen. Ich hab mich wohl gefühlt, auf jeden Fall eine Sekunde lang oder so. „Geh morgen am besten ganz normal mit ihm um. Du schuldest ihm sowieso noch den Aufsatz. Das ist doch eine gute Basis, um auf ihn zuzugehen. Willst du es Ron erzählen?“ – „Nein, ich denke nicht… Die beiden verstehen sich sonst schon nicht so gut, ausserdem hat es mir ja nichts bedeutet. Ich denke, ich war einfach so erschrocken darüber, dass ich gar nicht richtig reagieren konnte.“ Hannah hat zwar genickt, mich aber mit einem komischen Blick bedacht. Am nächsten Morgen fühle ich mich vollkommen gerädert. Auch an Frühstück ist nicht zu denken, obwohl ich gestern praktisch schon den ganzen Tag nichts gegessen habe. Immer wieder sehe ich zum Gryffindor-Tisch rüber, aber ich sehe nur Fred und Lee, aber kein George. Der Morgen vergeht zäh und auch am Mittag ist mein Appetit immer noch nicht zurück genauso wenig wie George. Ron fragt, ob wir uns am Abend treffen wollen und obwohl ich eigentlich keine Lust habe, sage ich zu. Am Nachmittag bin ich nicht bei der Sache und verpatze jeden Zauber. Endlich ist der Tag vorbei. „Jetzt hab ich noch das Treffen mit Ron. Ich hab echt keine Lust da drauf“, klage ich bei Hannah. Mitleidig sieht sie mich an. „Verkriech dich doch im Gemeinschaftsraum. Ich behaupte, dass du krank bist. Aber versprich mir, noch einen Abstecher in die Küche zu machen. Sonst klappst du noch zusammen.“ Just in diesem Augenblick meldet sich mein Hungergefühl endlich wieder. „Du bist die Beste, Hannah, weisst du das? Wenn es sowas wie eine ‚Beste-Freunde-Heirat‘ gäbe, ich würde dir glatt einen Antrag machen.“ Hannah grinst mich an. „Und ich würde in sofort annehmen.“ Wir umarmen uns kurz, dann mache ich mich auf den Weg in die Küche. Ich bin eine Hufflepuff, jeder aus dem Haus kennt den Eingang zur Küche, aber fast niemand weiss, wie man hineinkommt. Die Zwillinge haben mich in das Geheimnis eingeweiht. Sofort werde ich von Hauselfen umringt. Sie liebe mich. Ich bin immer nett zu ihnen, aber lasse sie im Gegensatz zu Hermine auch ihren Job machen. „Madam Turner, wie schön Sie wieder mal zu sehen! Wollen Sie Donuts?“ „Gerne.“ – „Herr Weasley, wollen Sie auch noch welche?“ Erschrocken sehe ich mich in der Küche um und entdecke George an einem Tisch sitzen. Er starrt mich eine Weile an. „Herr Weasley? Geht es Ihnen nicht gut?“, fragt der Hauself besorgt. „Doch, doch, alles Bestens, danke.“ Ich überwinde meinen kleinen Schock und setzte mich George gegenüber. Sofort steht eine gefüllt Platte Donuts vor uns. „Du warst den ganzen Tag weg. Geht es dir nicht gut?“ Ich mustere ihn. Er ist blass und hat Schatten unter den Augen. „Jaah, Magendarm oder so was.“ Ich grinse, als er bei diesen Worten herzhaft in einen Donut beisst. George kaut schweigend. Und auch ich esse, ohne ein Wort zu sagen. Ich wüsste auch nicht was. „Ich…“, fängt George an. Erwartungsvoll sehe ich ihn an. Ich habe einen Entschluss gefasst. Ich sage ihr die Wahrheit und beende unsere Freundschaft. Seit einem halben Jahr leide ich. Seit sie mit Ron zusammen ist. Ich habe einen Teil meiner Lebenslust verloren. Fred hat Recht, das Ganze macht mich kaputt. SIE macht mich kaputt. „Ich will nicht mehr mit dir befreundet sein.“ Zack, raus ist es. Auch wenn der wichtigste Teil noch fehlt. Es ist ganz leicht gewesen. Ihre Gesichtszüge verändern sich, von Neugier und Unsicherheit zu Fassungslosigkeit. „Was?“, haucht sie leise. „Du hast mich schon verstanden.“ Meine Stimme hört sich ungewöhnlich kalt an. „Ja, Ich habe verstanden, was du gesagt hast, aber ich verstehe nicht warum du so etwas sagst.“ Ich sehe, wie sich ihre Augen mit Tränen füllen. „Wir sind doch Freunde! Ich meine, gestern hast du mir noch versichert, dass du mich magst. Ich verstehe das einfach nicht.“ – „Als ich das gesagt habe, habe ich dich auch noch nicht geküsst. Da hast du den Kuss noch nicht erwidert.“ Ich ändere meine Taktik. Rose ist zu gut. Es reicht nicht, wenn ich ihr meine Gefühle gestehe, im Gegenteil. Sie würde Verständnis zeigen, irgendeine Möglichkeit finden, trotzdem mit mir befreundet zu sein. „Du hast mir den Kopf verdreht. Wegen dir habe ich quasi meinen Bruder betrogen. Und ja, gestern habe ich noch das Blaue vom Himmel gelogen, weil… Weil ich eine Wette laufen habe, okay? Und ich bereue, dass ich diese Wette eingegangen bin, aber ich hätte nie gedacht, dass das so ein Ausmass annimmt.“ – „Was für eine Wette?“ Ich seufze. „Das war, bevor du mit Ron zusammen gekommen bist. Wir haben gewettet, dass ich dich küssen kann und du denn Kuss erwiderst. Der Wetteinsatz ist so hoch, darum habe ich die Wette nicht abgebrochen, trotz deiner Beziehung mit Ron. Und naja, gestern habe ich gewonnen.“ Meine Lüge ist so schlecht, dass ich schon befürchte, dass Rose sie durchschaut. „Mit wem hast du gewettet? Mit Fred?“, fragt sich nach einigen totenstillen Sekunden. „Nein, Fred mag dich wirklich.“ – „Und du? Du hast nur mit mir gespielt? Du magst mich also NICHT wirklich?“ Nun laufen ihr die Tränen nur so übers Gesicht. Aber auch Wut schwingt in ihrer Stimme mit. Ich zucke die Achseln. Eine weitere Lüge ertrage ich nicht. Doch scheinbar reicht das ihr als Antwort. Zornig funkelt sie mich an. Mann, sie ist so wunderschön. Aber ich kann das nicht mehr. Ich muss sie aus meinem Leben verbannen. Ich muss ihr wehtun. Denn sie tut mir weh. Ständig. Bei jedem Kuss mit IHM. Mit jeder nur freundschaftlich gemeinten Geste an mich. Also versetzte ich ihr den Todesstoss. „Die Wette ist vorbei, demnach ist auch unsere Freundschaft vorbei.“ Dann stehe ich auf und verlasse die Küche. Tränen rinnen mir über die Wangen. Ich fange an zu rennen. Ich muss weg, einfach nur weg. Geschockt bleibe ich in der Küche zurück. Ich fasse es nicht. Wie konnte ich mich nur so täuschen? Die Hauselfen arbeiten still um mich herum. Nur eine Elfe sitzt neben mir und sieht mich traurig an. „Danke für die Donuts.“ Ich eile aus der Küche und flüchte in den Gemeinschaftsraum. Als Hannah kommt, weine ich mich bei ihr aus. Auch sie ist fassungslos. Etwa drei Wochen lebe ich nur so vor mich hin. Ich versaue die Zauberkunstprüfung und habe einen furchtbaren Streit mit Ron. Hannah ist für mich da und hilft mir wieder auf die Beine. Auch mit Fred treffe ich mich hin und wieder, aber es ist nicht dasselbe wie vor der ganzen Sache mit George. George sieht mich nicht. Ich bin wie Luft für ihn und er ist wie Luft für mich. Ich versöhne mich wieder mit Ron. Er lädt mich zu sich in den Fuchsbau ein. Ich weiss, dass ihm das viel bedeutet und ich weiss auch, dass er etwas Spezielles für uns plant im Sommer. Da ich nicht schon wieder Streit möchte, sage ich zu. Auch wenn ich weiss, dass George da sein wird. Ich bin froh, daheim zu sein. Ich habe meine Eltern sehr vermisst. Tommy, sie und ich gehen gemeinsam Abendessen. Es ist schon spät, als wir uns ausgelassen auf den Weg nach Hause machen. Dad und Mom sind etwas angeheitert. Wir laufen durch eine menschenleere Strasse. Plötzlich reisst die Wolkendecke auf und macht den gerade aufgegangenen Vollmond sichtbar. Dad bleibt stocksteif stehen und Mom wird leichenblass. „Ryan, hast du den Trank getrunken!“ Dad antwortet mit einem hastigen Kopfschütteln. Wir hören seine Knochen knacksen. „Lauft!“, schreit er unter Schmerzen. „Tommy, Rose, los. Lauft, lauft!“ Mom packt uns bei den Armen und rennt los. Wir hören Dads Schmerzensschreie, das bald in ein gequältes Winseln übergeht. Und dann in ein aggressives Knurren. Wir sind noch weit entfernt von Zuhause. Wir hören die Pfoten hinter uns auf den Asphalt trommeln. „Lauft weiter! Schaut nicht zurück! Ich halte ihn auf!“ – „Mom! Nein“, weint Tommy. „Rose Elaine Turner. Bring deinen Bruder in Sicherheit!“ Ich gehorche und zerre den weinenden und schluchzenden Tommy hinter mir her. „Komm schon. Tu, was Mom sagt!“ Wir sind noch nicht weit gekommen, als ich meine Mutter schreien höre. „NEIN!“ Ich vergesse Moms Anweisung und drehe mich um. „Ryan, ich bin es doch, ich bin es… Deine Laura. “ Mein Dad geht geduckt auf meine Mom zu. Sie scheint hingefallen zu sein und hat ihren Zauberstab verloren. Ohne auf meinen jüngeren, verängstigten Bruder zu achten, renne ich zurück. Gerade als Dad auf Mom losgehen will, werfe ich einen Stein nach ihm. „He du! Hier bin ich! Hol mich doch.“ Der Stein trifft die empfindliche Schnauze des Wolfes. Er heult kurz auf. Mein Plan scheint aufgegangen zu sein. Der Wolf ist nun wütend auf mich. Mit grossen Sätzen rennt er auf mich zu. „Nein! Du Ungeheuer!“, schreit da Tommy. Der Wolf bleibt irritiert stehen. Er weiss, nicht, wenn er nun angreifen soll. „Tu was Mom!“ Meine Mutter liegt immer noch am Boden und starrt den Wolf, ihren Mann, voller Angst und Unglauben an. Und dann hat der Wolf sich entschieden und greift mich an. Er springt im Stand ab und reisst mich zu Boden. Ich spüre seinen Biss, spüre, wie er seinen Kopf hin und her wirft, um mir das Genick zu brechen. Ich höre Schreie. Tommys, Moms und dann werde ich ohnmächtig. Eine Woche später Mein Name ist Rose Elaine Turner. Vor einer Woche bin ich von einem Werwolf angegriffen worden. Ich bin 15 Jahre alt und nun selbst ein Werwolf. Ach ja, der Wolf, der mir die Krankheit übertragen hat, ist mein eigener Vater. Meine Familie ist quasi futsch. Dad ist zuhause weggezogen, anscheinend hat er sich einem Wolfsrudel angeschlossen. Mom versucht meinem Bruder und mir zuliebe, das Ganze tapfer zu ertragen, aber sie wird immer dünner und immer blasser. Es ist so, als ob sie langsam verschwinden würde. Heute werde ich aus dem St. Mungos entlassen. Professor Dumbledore, Professor Snape und Professor Sprout haben mich besucht. Ich hatte schon Angst, meine Ausbildung in Hogwarts wäre durch meine ‚Krankheit‘ vorbei, aber ich darf bleiben. Snape wird mir den Wolfsbanntrank brauen und ihn mir beibringen. Und ich werde, wie Jahre zuvor ein anderer Schüler mit demselben Problem, die Vollmonde in der heulenden Hütte verbringen. In den Sommerferien gehe ich doch nicht zu Ron in den Fuchsbau. Mein Freund ist mich genau einmal besuchen gekommen und da war es komisch und verkrampft. Ich bin nicht sicher, ob er immer noch mein Freund ist, wenn ich am ersten September in den Hogwarts-Express steige. Die Sommerferien sind rasch vorbeigegangen. Mom besucht nun einmal in der Woche eine Selbsthilfegruppe. Das Ganze scheint ihr zu helfen. Sie hat wieder mehr Farbe und nimmt auch nicht weiter ab. Tommy und ich registrieren das mit grosser Erleichterung. Ungerne hätten wir unsere Mutter in so schlechter Verfassung alleine zurückgelassen. Am ersten September machen wir uns zu dritt auf den Weg zum Bahnhof. Wir können zu Fuss hingehen, da wir ja in London wohnen. Eigentlich ist es fast so wie die letzten Jahre, naja, mit der Ausnahme, dass Dad fehlt. Inzwischen scheint bei uns allen die Trauer über sein Verschwinden in Wut umgeschlagen zu haben. Wir reden selten über ihn. Trotzdem weiss ich, dass wir ihn alle schrecklich vermissen. Tommy und ich verabschieden uns gerade von Laura, als eine Familie, bestehend aus lauter Rothaarigen, auf dem Perron erscheinen. Molly entdeckt uns beinahe sofort. „Ron! Schau mal, da ist Rose!“ Es ist aber nicht Ron, der ruckartig in unsere Richtung sieht, sondern die Zwillinge. Und da kommt der eine auch schon angerannt. „Rose!“ Ich werde beinahe zerquetscht, so fest umarmt er mich. „Wie geht es dir?“ Prüfend hält er mich eine Armeslänge von sich weg. „Gut, sofern nicht gerade Vollmond ist. Ich hab mir schon gedacht, dass Molly, Arthur und Ron das nicht für sich behalten… Aber ich wäre froh, wenn das Wissen um meine ‚Krankheit‘ nicht zu weite Kreise ziehen würde.“ Ernst sehe ich ihn an und ungewohnt ernst starrt er zurück. „Wir sind deine Freunde. Das bleibt ein Geheimnis zwischen der Familie Turner und den Weasleys, ich schwöre!“ Und schon ist der Ernst verloren, indem Fred sich grinsend zwei Finger aufs Herz legt und dann den Arm von sich streckt wie zu einem Schwur. „Jaah… Genau. Wohl eher ein Geheimnis zwischen den Turners, Weasleys, Hannah, Harry, Hermine, Dumbledore, Snape und Sprout.“ Fred zuckt die Achseln. „Alles vertrauenswürdige Leute. Ausser vielleicht Snape. Setzt du dich zu uns in den Zug?“ Wie auf Stichwort ertönt das Signal zum Einsteigen. „Ja klar… Zu dir und George? Liebend gerne“, sage ich ironisch und verdrehe die Augen. Ein letztes Mal nehme ich meine Mutter in den Arm. „Pass auf dich auf, ja? Und schreib uns, wenn es dir nicht gut geht! Versprich es!“ Laura lächelt mich an. „Ich bin so stolz auf dich, Rose.“ Ich runzle die Stirn. „Wegen meines neuen, sexy Aussehen, das ich jeden Vollmond annehme?“ Moms Augen füllen sich mit Tränen. „Nein… Weil du das so gut verkraftest. Sogar besser, als dein Dad, als er gebissen wurde. Du bist so erwachsen… Ich liebe dich!“ Sie drückt mir einen sanften Kuss auf die Stirn und umarmt Tommy noch ein letztes Mal. Dann müssen wir einsteigen. Im Zug bin ich unschlüssig. Ron hat nicht auf mich gewartet. Hat mich auch nicht angesehen. Es schmerzt mich. Ich merke, wie mir langsam alles zu viel wird. Zuerst lässt George mich im Stich, dann Dad und jetzt auch noch Ron. Viel mehr ertrage ich nicht mehr. Gerne würde ich mich zu Fred setzten. Er schafft es immer, mich aufzuheitern. Aber da ist George… Also versuche ich Hannah zu finden. Zu meinem Entsetzen treffe ich sie im selben Abteil wie Fred und George an. Auch Lee Jordan ist da und witzelt gerade mit George herum, als ich die Tür aufmache. Lee lächelt mich an. „Hi Rose. Komm doch rein.“ Ich verharre unschlüssig in der Tür. „Komm schon. Es ist sonst überall besetzt.“ Hannah steht auf und nimmt mich bei der Hand. „Wie geht es dir?“ Ich lasse mich von ihr ins Abteil ziehen. Fred steht sofort auf und verstaut meinen Koffer auf der Ablage. „Blendend…“, meine ich ironisch und setzte mich. Hannah sieht mich betroffen an. „Tut mir leid, ich wollte nicht…“ – „Mir tut es leid. Ich bin nicht ganz, naja, nicht ganz ich selbst. Bitte nimm es mir nicht übel. Ich versuche mich am Riemen zu reissen.“ Hannah lächelt erleichtert und nickt. „Mir geht es den Umständen. Es wird schon werden… Irgendwie, irgendwann.“ Ich bemerke Lees Blick. Er sieht mich mitleidig an. „Soso, es bleibt also ein Geheimnis zwischen den Turners und den Weasleys? Herzlichen Dank auch, Fred.“ Ich verschränke wütend die Arme vor der Brust und schaue aus dem Fenster. „Ja, ich… Also. Ich…“, stottert Fred und sieht hilfesuchend zu seinem Bruder. Dieser zuckt die Achseln und sieht schweigend aus dem Fenster. Es wird eine ungemütliche Zugfahrt nach Hogwarts. Ich bin wütend auf Fred und rede nur mit Hannah und Lee. Und George, der redet mit niemandem. Endlich kommen wir am Bahnhof an. Die Hinfahrt nach Hogwarts nehme ich gar nicht richtig wahr. Und dann sitzen wir auch schon in der grossen Halle. Auch die Auswahl zieht wie ein Traum an mir vorbei. Hannah wirft mir immer wieder besorge Blicke zu. Als das Fest vorbei ist, ich habe kaum etwas gegessen, gehen wir in den Gemeinschaftsraum. Schweigend packen wir im Schlafsaal unsere Sachen aus. „Ich bin immer für dich da, Rose. Ich verspreche es dir. Egal was du brauchst, ich werde versuchen es dir zu geben“, sagt Hannah, als wir schliesslich beide in unseren Betten liegen. Ich schäle mich aus meiner Decke und krieche zu ihr ins Bett. „Ich liebe dich, Hannah.“ Unsere Hände finden sich und so liegen wir stumm und geniessen jeweils die Nähe des anderen. Am nächsten Abend, der Tag ist normal verlaufen, nimmt mich Ron nach dem Abendessen zur Seite. „Rose… Ich glaube, dass mit uns ist vorbei.“ Ich starre ihn an. „Weil ich ein Werwolf bin? Hast du Angst, du könntest dich anstecken? Oder findest du auch, das Werwölfe Abschaum sind!“ Ron seufzt. „Ich… Ich kann damit nicht umgehen. Du bist meine erste Freundin. Eine so… flüchtige Beziehung sollte nicht durch so etwas wie deiner… deinem Zustand belastet werden.“ Ich habe damit gerechnet, aber trotzdem tut es weh, es nun tatsächlich zu hören. „Ich bin kein Monster, Ron. Ich bin immer noch ich. Es wird unsere Beziehung nicht belasten.“ Doch Ron schüttelt nur den Kopf. Wut steigt in mir auf. „ICH BIN IMMER NOCH ICH!“, schreie ich und spüre, wie ich die Kontrolle über mich verliere. Ich hole aus und schlage Ron so fest ich kann ins Gesicht. Mein Exfreund reagiert nicht, er sieht mich nur erschrocken an. Erneut hole ich aus und schlage wieder zu. Doch noch immer zeigt Ron keinerlei Anstalten sich zu verteidigen oder mich zu stoppen. Diese Gleichgültigkeit macht mich immer rasender. „ICH BIN IMMER NOCH ICH!“, höre ich Rose schreien. Ich verlasse gerade mit Fred und Lee die grosse Halle. Wir sind beinahe die letzten. Alle drei sehen wir zu Ron und Rose. Gerade holt sie aus und knallt Ron eine. Und dann noch einmals. Ich reagiere, ohne darüber nachzudenken. Mit schnellen Schritten laufe ich auf die beiden zu. „George“, höre ich Fred rufen, aber da bin ich schon bei ihnen angelangt. Ich packe Rose am Arm, den sie gerade zu einem dritten Schlag ausgeholt hat. Wütend versucht sie sich mir zu entwinden. „Lass mich los! Lass mich sofort los, du ekliges Stück Dreck!“ Ihre Worte schmerzen, aber trotzdem halte ich sie weiter fest. „Rose.“ Ruhig sage ich ihren Namen und sehe sie unverwandt an. Ron sieht mich an. Ich mache eine Kopfbewegung, um ihm zu bedeuten, dass er gehen soll. „Ich war noch nicht fertig mit dir!“, ruft Rose ihm wütend hinterher. „Aber er mit dir. Also hör auf. Hör auf, deiner Worte Lüge zu strafen. Du sagtest, du bist immer noch du. Aber die alte Rose hätte nie so die Kontrolle verloren. Die alte Rose hätte nie so viel Wut und Aggression walten lassen. Hätte mich nie als Stück Dreck bezeichnet.“ Den letzten Satz bringe ich nur flüsternd heraus. Rose lächelt. Aber nicht ihr schönes Lächeln. Eigentlich ist es mehr eine Grimasse. „Auch du hast deinen Teil dazu beigetragen, Wiesel. Mich benutzt und verarscht. Ja, mit der kleinen naiven Rose kann man sowas ja machen. Sanftmütig wie ein Lamm wird sie schon verzeihen.“ Abrupt lasse ich ihren Arm los, drehe mich auf dem Absatz um und gehe zurück zu Fred und Lee. Fred schüttelt nur den Kopf. „Du bist so dumm. Entscheid dich mal, was du überhaupt willst…“ Ich werde zu einem Stein. Ich lasse niemanden mehr an mich ran ausser Hannah. Bald ist Vollmond. Ich bin nervös und habe Angst. Zu gut erinnere ich mich an die Schmerzen, die mir bei meiner ersten Verwandlung im letzten Monat beinahe den Verstand geraubt haben. Professor Snape bringt mich in die heulende Hütte. „Leider kann man den Schmerz mit dem Trank nicht nehmen. Aber wenigsten schafft es der Wolfsbanntrank, den menschlichen Verstand zu wahren. Eine gute Nacht wünsche ich.“ Ich nicke. „Danke, Professor.“ Der sonst so kalt wirkende Mann nickt mir kurz zu und macht sich dann davon. Ich bin alleine. Ich setzte mich in eine Ecke der heulenden Hütte und warte. Es fröstelt mich. Die Stille erscheint mir ohrenbetäubend laut. Nächstes Mal werde ich mir etwas zu lesen mitnehmen. Und dann beginnt die Verwandlung. Es tut so weh, so unglaublich weh. Tränen rinnen mir über die Wangen. Ich spüre, wie sich mein Körper deformiert, wie jedes einzelne Haar aus meiner Haut spriesst. „Dad… Daddy… Komm nach Hause…“ Bald sind meine Worte nicht mehr zu hören, sondern nur noch ein trauriges Winseln. Still liege ich da in meiner Wolfsgestalt und fürchte mich bereits wieder vor meiner Rückverwandlung. Die Zeit vergeht langsam. Ich versuche zu schlafen, doch es gelingt mir nicht. Ich denke an George. Überdenke unsere ganze Freundschaft. Ich muss mir eingestehen, dass ich eigentlich nur kurz in Ron verliebt, oder wahrscheinlich sogar nur verknallt war. Darum sind unsere Küsse nie so richtig leidenschaftlich gewesen, darum haben wir nie mehr als Händchen gehalten. Es basierte auf Gegenseitigkeit. Er ist eigentlich in Hermine verliebt. Und ich… Tja, ich bin eigentlich in George verliebt. Das ist mir erst richtig bewusst geworden, seit er mich geküsst hat. Es war so anders als mit Ron. Ich hab wirklich etwas gefühlt. Etwas Grosses. Etwas Kribbelndes. Aber ich wollte es nicht wahrhaben. Weil ich, ich bin. Ron nicht wehtun wollte. Mir zu wichtig war, was die Leute sagen würden. Zuerst den einen Weasley, dann den anderen, wie würde das wirken? Hannah hat es schon früher gemerkt, aber ich habe es immer abgestritten. Aber es ist so. Ich bin in George Weasley verliebt. Seit er mein Leben verlassen hat, bin ich nicht mehr richtig glücklich. Immer mehr zweifle ich an dieser Geschichte mit der Wette. Fred hat jedes Mals so komisch reagiert, als ich mit ihm darüber reden wollte. Und der Kuss, wie kann man jemanden so küssen, ohne dabei etwas zu empfinden? Endlich spüre ich, wie ich wieder meine menschliche Gestalt annehme. Es tut nicht so weh, wie die Verwandlung in den Wolf, aber es tut trotzdem genug weh, um mir erneut Tränen in die Augen zu treiben. Professor Snape holt mich wieder ab. „Und, wie geht es Ihnen, Miss Turner?“ Ich zucke die Achseln. „Es tut so weh… Und ich habe Angst. Professor Snape, als was werde ich arbeiten, später?“ Mein Lehrer bleibt unerwartet stehen und ich laufe prompt in ihn hinein. Langsam dreht er sich zu mir um. „Es wird nicht einfach. Aber du bist begabt in Zaubertränke und im Umgang mit Tieren. Ich denke, damit lässt sich was anfangen. Zum Beispiel in einer Apotheke als Trankmischerin oder als Tierheilerin. Wenn du deine guten Leistungen beibehältst, dann könnte das was sein. Ich habe einige Beziehungen. Und Dumbledore auch.“ Ich bin erstaunt über das was er sagt. Zu mir ist er schon früh netter gewesen, als zu anderen, aber so viel Nettigkeit habe auch ich nicht von Snape erwartet. „Danke. Vielen Dank, Professor. Für alles.“ Snape nickt nur kurz und dann setzten wir unseren Weg fort. In der Schule ist noch niemand auf den Beinen. Rasch mache ich mich auf den Weg in mein Haus, um mich zu duschen und mich frisch anzuziehen. Ich habe wieder etwas mehr Mut und bessere Laune dank dem, was Snape mir gesagt hat. Und so vergeht das Jahr. Einmal im Monat begleitet mich Snape in die heulende Hütte. Wir haben so etwas wie eine zarte Freundschaft aufgebaut. George ist nun mit einer aus Gryffindor zusammen, ich glaube sie heisst Angelina Johnson. Es tut weh, aber ich glaube, langsam komme ich über ihn hinweg. Dad ist immer noch verschwunden. Mom hat anscheinend eine kleine Liebschaft. Tommy ist ein super Schüler und glücklich verliebt in eine andere Ravenclaw. Hannah ist nun mit Ernie zusammen. Wir verbringen weniger Zeit miteinander, aber es stört mich nicht. Viel zu fest freue ich mich für sie. Ron und ich haben nun ein freundschaftliches Verhältnis. Fred und ich haben ein innigeres Verhältnis denn je und ich glaube, Seamus Finnigan steht auf mich. Also bin ich fast so was wie glücklich, als wir auf dem Weg nachhause sind. Ich sitze zusammen mit Fred und Lee in einem Abteil. „Was machst du in den Ferien?“, fragt Fred mich. „Na… Was wohl? Nichts.“ – „Weisst du, Dad hat Tickets für die Weltmeisterschaft. Ich dachte, vielleicht willst du mit uns kommen?“ Ich runzle die Stirn. „Weltmeisterschaft?“ Fred und Lee stöhnen auf. „Streng mal dein Hirn an, kleine Blume.“ Ich erhalte einen Klapps auf den Hinterkopf. „Autsch… Einige Hirnzellen weniger, die mir helfen, die Antwort zu finden.“ Fred grinst. Ich knuffe ihm in die Seite. „Quidditch!“, rufe ich dann. „100 Punkte für Miss Rose Elaine Turner. Somit hat sie offiziell ein Ticket für die Quidditch-Weltmeisterschaft gewonnen. Gratulation!“ Die Abteiltür wird aufgeschoben. „Ich setzt mich zu euch.“ Ohne eine Antwort abzuwarten, betritt George das Abteil. „Was ist denn mit dir passiert? Du siehst irgendwie… zerzaust aus.“ Lee schaut seinen Kumpel fragend an. George schüttelt den Kopf. „Angelina ist passiert.“ Ich blicke schweigend aus dem Fenster. Meine gute Stimmung ist zerplatzt wie eine Seifenblase. „Du solltest wieder gehen, George“, höre ich Fred sagen. Ein gereizter Unterton schwingt in seiner Stimme mit. „Was? Wieso?“ Verwirrt sieht George seinen Bruder an. „Weil ich es sage. Na los, schwirr ab!“ Überrascht wende ich mich dem Geschehen zu. Ich habe die beiden noch nie streiten gehört. Fred sieht wütend aus, George verwirrt. „Du kommst hier rein, ungefragt und machst die ganze Stimmung kaputt. Du denkst nur an dich und deine Mini-Problemchen mit Angelina. Endlich geht es Rose wieder mal richtig gut, weisst du? Sie lacht und macht Witze und isst. Ja, sie isst endlich wieder mal richtig. Also geh. Wir verbringen zuhause noch genug Zeit miteinander, damit du dein Leid klagen kannst.“ Ohne ein Wort der Erwiderung steht George auf und macht Anstalten, das Abteil zu verlassen. „Es ist okay, Fred. Er stört mich nicht. Ehrlich.“ Mir gefällt es nicht, dass die Zwillinge wegen mir streiten. „Lüg nicht. Ich hab dein Gesicht gesehen, als er reinkam.“ Ich lege meine Hand auf sein Bein, unwissend, was ich damit anrichte. „Ach so ist das.“ Georges Stimme hört sich ungewohnt kalt an. „Was ist so?“, fragt Fred gereizt. „Ich leide, Fred. Seit einem verdammten Jahr lang. Mache die Freundschaft kaputt, weil ich schier an meinen Gefühlen zerbreche. Dann macht Ron mit ihr Schluss und ich stehe da, wie der letzte Volltrottel, weil das Ganze dann noch unnötiger scheint. Aber an Versöhnung ist nicht zu denken. Und in dieser Zeit machst du dich an sie ran.“ Ich verstehe nur Bahnhof, Freds Blick nach, geht es ihm genauso. „George, sie sind einfach nur gute Freunde. Wie kommst du denn auf so einen Stuss? Als ob Fred so was machen würde“, schaltet sich Lee ein. „Ach ja? Meinst du, ich bin blind oder was! Diese ewige Kuschlerei und Neckereien zwischen den beiden. Meinst du, das sehe ich nicht!“ Nun scheint auch endlich Fred zu verstehen. „George. Ich liebe sie, aber nicht…“ Fred kann seinen Satz nicht zu Ende sprechen, denn George hat sich bereits auf ihn gestürzt und ihm einen Faustschlag verpasst. Ich schreie erschrocken auf. „Lass das! Lass ihn!“, schreie ich. Lee ist schon dabei, George von seinem Zwilling wegzuziehen. „George! Lass diesen Schwachsinn!“ Der wütende Zwilling schüttelt Lees Hände ab. „Ich hasse dich, Fred.“ Mit diesen Worten verlässt er das Abteil und stampft davon. „Du blutest“, unterbreche ich die Stille. „Er liebt dich, weisst du… Das mit der Wette war nur erfunden. Es hat ihm so wehgetan, dich immer mit Ron zusehen. Und jetzt denkt er, du und ich hätten was zusammen.“ Fred schüttelt traurig den Kopf und wischt sich das Blut mit dem Ärmel ab. Ich lasse mich in meinen Sitz zurücksinken. „Ist das dein Ernst?“ Fred nickt schweigend. Ich seufzte und schliesse erschöpft die Augen. Am Bahnhof verabschiede ich mich von Fred, Lee und Hannah. George ignoriere ich weiterhin. Er soll es mir selbst sagen. Ich werde keinen Schritt auf ihn zugehen. Der erste Teil der Sommerferien vergehen rasch. Mom, Tommy und ich unternehmen viel. Der Vollmond kommt und geht und Mom erlaubt es, mit den Weasleys zur Weltmeisterschaft zu gehen und die letzten Tage der Ferien im Fuchsbau zu verbringen. Es ist alles schon abgemacht. Den nächsten Vollmond werde ich im Hühnerschuppen der Weasleys verbringen. Zwei Tage vor der Meisterschaft bringt mich Mom zum Fuchsbau. „Rose, Liebes! Gut siehst du aus! Aber ein bisschen dürr…“ Molly drückt mich fest an sich. „Danke, Molly. Mir geht es auch gut. Es ist so nett von Arthur, dass ich mit darf. Ich freue mich schon seit Tagen.“ Molly lächelt mich sanft an. „Es gibt in etwa einer halben Stunde Abendessen. Du darfst bei Ginny und Hermine im Zimmer schlafen. Geh du mal schön auspacken. Fred holt dich dann. Sie sind gerade noch beim Entgnomen.“ Molly erklärt mir, wo ich Ginnys Zimmer finde. Ich bin absolut begeistert vom Fuchsbau. Auch in meinem Zuhause herrscht überall Magie, aber nicht so wie hier. Ausserdem versprüht das Haus einen ganz eigenen Charme. Ich bin gerade fertig mit Auspacken, als Fred hochkommt und mich fest umarmt. „Fred.“ Ich erwidere die Umarmung freudig. „Wie geht es dir?“, frage ich ihn. Er zuckt die Achseln. „George ist immer noch wütend auf mich. Er glaubt mir nicht. Aber mittlerweile ist es mir egal.“ Ich höre seiner Stimme an, dass es ihm alles andere als egal ist. „Es tut mir leid, Fred. Das ist alles meine Schuld.“ Mein bester Freund hält mich eine Armlänge von sich weg und sieht mich entrüstet an. „Es ist seine Schuld! Rede dir das ja nicht ein, okay, kleine Blume?“ Ich lächle ihn an. Gemeinsam machen wir uns auf den Weg in die Küche. Fröhlich albern wir herum. Die Familie ist bereits am Tisch versammelt. Ron sieht müde und schlecht gelaunt aus, genauso wie George. Ginny grinst mir fröhlich zu, sowie Harry. „Hallo zusammen“, begrüsse ich alle. Es wird trotz Ron und George ein lustiger Abend. Am nächsten Tag gehen Ron, Harry, Ginny, Hermine, Fred und ich zum See. Wir haben viel Spass zusammen, auch wenn es mich bedrückt, dass George nicht dabei ist. Er tut mir leid, aber ich halte an meinem Vorsatz fest. Ich werde nicht als erstes auf ihn zugehen. Etwa um vier Uhr nachmittags machen wir uns gutgelaunt auf den Rückweg. „Ihr stinkt nach Tümpel“, meint Molly naserümpfend. „Ihr habt noch zwei Stunden Zeit um zu duschen, dann gibt’s Abendessen.“ Sofort entbrennt eine wilde Diskussion, wer als erstes das Badezimmer benutzen darf. Molly schaltet sich ein. „Zuerst die Gäste!“ Nach Harry und Hermine bin ich an der Reihe. Ich geniesse die Wärme des Wasserstrahls. Ich habe mich gerade in ein Handtuch gewickelt, als es klopft. In der Erwartung, dass es Ginny ist, sie ist als nächste an der Reihe, schliesse ich die Tür auf. Aber es ist nicht Ginny. Ungefragt drängt er sich ins Badezimmer und schliesst sofort wieder ab. „Hast du was mit Fred?“, fragt George mich und sieht mich ernst an. „Nein. Aber das hat Fred dir ja bereits zig Mal versichert.“ Ohne auf das Gesagte zu reagieren, fragt er: „Bist du in Fred verliebt?“ Ich stöhne genervt auf. „Nein!“, sage ich bestimmt und sehe ihm dabei fest in die Augen. „Bist du in Seamus verliebt?“ Ich spüre, wie ich wütend werde. „Was willst du, George?“ – „Also, bist du in Seamus verliebt.“ Es ist keine Frage mehr, sondern eine Feststellung. „Das hab ich nicht gesagt. Ich habe dich gefragt, was du willst? Wieso interessiert es dich, ob ich in Fred oder in Seamus verliebt bin?“ – „Weil…“ Er beendet seinen Satz nicht, sondern packt mich grob an den Schultern. „Au, du tust mir weh!“ Doch George lockert den Griff nicht. Er sieht mich einfach nur an. „George, du machst mir Angst. Lass mich los!“ Und dann senkt er den Kopf zu mir herunter und küsst mich grob. Nach einer Weile löst er sich von mir, dreht sich zur Tür, schliesst auf und verlässt das Bad. Ich bleibe verwirrt zurück. „Ich dreh noch durch…“, murmle ich vor mich hin. Die Weltmeisterschaft ist total aufregend. Ich hab noch nie so etwas Spannendes erlebt. Ich bin nicht so der Quidditch-Fan, aber nach diesem Erlebnis wird sich das sicher ändern. Leider vergeht die Zeit viel zu schnell. Die Iren siegen und wir feiern bis tief in die Nacht hinein. Nur George legt sich früh schlafen. Am nächsten Tag machen wir uns müde aber zufrieden auf den Heimweg. Es bleiben noch fast zwei Wochen im Fuchsbau, danach fängt die Schule wieder an. Mein 5. Jahr, das letzte Jahr mit Fred an der Schule. Ich versuche nicht daran zu denken. Und auch Fred wird bei dem Thema immer etwas traurig. Zuhause erzählen wir Molly alles von der Weltmeisterschaft. Wir grillieren draussen im Garten. Es sind noch zwei Tage bis Vollmond. Fred spürt meine Anspannung. Er versucht so gut es geht mich abzulenken. Dann ist es soweit. „Soll ich dich begleiten?“, fragt Fred mich. Ich schüttle stumm den Kopf. „Okay. Dann gute Nacht… Bis morgen.“ Arthur begleitet mich zum Schuppen. Er räuspert sich verlegen. „Soll ich bei dir bleiben?“, fragt er schliesslich. „Nein, danke. Es ist ja nicht mein erster Vollmond. Ausserdem möchte ich nicht, dass mich jemand in diesem Zustand sieht…“ Arthur nickt und drückt mich kurz an sich, dann verlässt er den Schuppen. Wie immer setzte ich mich in eine Ecke und warte ab. Ich liege in meinem Bett und bin hellwach. Fred hat das Fenster aufgemacht und sieht besorgt nach draussen. Und dann steigt der Vollmond auf. Zuerst hören wir nichts, dann dringt gedämpftes Winseln zu uns herüber. Ich spüre ein Stich in meinem Herzen. Keine 16-jährige sollte so etwas durchmachen müssen. „Ich gehe jetzt zu ihr“, meint Fred und schliesst das Fenster. „Kommst du mit?“, fragt mein Zwilling mich. Ich setzte mich in meinem Bett auf. „Lass mich alleine gehen“, flüstere ich leise. Ich kann Freds Blick im Dunkeln zwar nicht erkennen, aber ich kenne ihn zu gut. Er sieht mich gerade skeptisch an. „Warum?“, fragt er mich. „Ich will endlich mit ihr reden. Mann, ich halte das nicht mehr aus. Ich vermisse sie so sehr… Ich vermisse auch dich. Und ich vermisse es, glücklich zu sein.“ Fred atmet langsam ein und aus, als müsse er sich beruhigen. „Du machst es jedes Mal schlimmer, George. Du reisst ihre Wunden immer wieder auf. Ich kann dich nicht alleine gehen lassen. Du wirst ihr wieder wehtun. Du hattest genug Chancen und hast keine genutzt. Ich meine, was sollte die Aktion mit dem Badezimmer? Sorry, aber ich glaube, du hast es endgültig verspielt.“ Seine Worte schmerzen mich. Beinahe gebe ich klein bei, aber eben nur beinahe. „Ich verspreche es, Fred.“ Mein Bruder ringt mit sich, seufzt dann aber ergeben. „Brich das Versprechen nicht, Bruder.“ Ich schäle mich aus meiner Bettdecke und umarme ihn etwas unbeholfen. Zu meiner Erleichterung erwidert er die Umarmung. „Verzeih mir, Freddy. Ich hab dich so vermisst.“ – „Ich dich auch, Georgie. Ich hoffe, wie streiten uns nie mehr so.“ Nach der Versöhnung mit meinem Zwilling schleiche ich mich aus dem Haus und zum Schuppen. Leise öffne ich die Tür und schliesse sie wieder hinter mir. „Lumos“, flüstere ich. Rose liegt in einer Ecke und hebt erschrocken ihren Kopf. Sie knurrt mich an. „Sei nicht wütend auf mich. Ich muss mit dir reden. Und ich muss es jetzt tun, weil du mich sonst immer so durcheinanderbringst.“ Rose hört auf zu knurren und setzt sich auf. „Du bist schön. Ich hab mir einen Werwolf irgendwie angsteinflössender vorgestellt…“ Rose wendet den Kopf ab. „Das mit der Wette war gelogen, weisst du“, plappere ich einfach drauflos. „Ich war in dich verliebt und hab es schier nicht mehr ausgehalten. Du und Ron, ihr wart so glücklich und bei jedem Kuss hat es mich beinahe zerrissen. Ich wusste, wenn ich dir meine Gefühle gestehe, dann hättest du irgendeinen Weg gesucht, trotzdem mit mir befreundet zu bleiben. Du hättest mir viel schlechter aus dem Weg gehen können. Ich hätte nicht über dich hinwegkommen können. Deswegen musste ich dafür sorgen, dass du mich hasst. Und das ist mir gelungen. Aber irgendwie ist mein Plan nicht aufgegangen. Ich habe meine Gefühle für dich nicht verloren. Und dann habe ich gedacht, du bist in Fred verliebt und er in dich. Da habe ich irgendwie die Kontrolle verloren. Und das mit Angelina war bloss ein Ablenkungsversuch. Aber das hat nicht geklappt. Ich hab mit ihr an dem Tag im Zug Schluss gemacht. Sie hat mich geküsst, mir die Haare zerzaust und ich hab mir nichts anderes gewünscht, als dass DU mich küsst und mir die Haare zerzaust. Sie war so wütend… Und du warst so wütend und Fred war auch so wütend. Ich habe echt ein paar beschissene Wochen hinter mir. Ich hoffe, du verzeihst mir. Vielleicht können wir ja wieder Freude werden oder so, keine Ahnung. Ich möchte dich nicht verlieren, kleine Blume. Dafür mag ich dich zu sehr.“ Nachdem ich mir alles von der Seele geredet habe, warte ich auf eine Reaktion von Rose. Aber sie kommt nicht. Sie sitzt immer noch in ihrer Ecke und sieht mich nicht einmal an. Also verlasse ich den Schuppen. Ich fühle mich leer und niedergeschlagen. Irgendwie habe ich wohl insgeheim erwartet, dass nun alles gut wird. Wie naiv von mir. Die Nacht ist vorbei. Wie immer fühle ich mich total schlapp und erschlagen. Heute ist es noch schlimmer. Das Geständnis von George hat mich total durcheinander gebracht. Ich bin verwirrt, weiss nicht was ich denken, glauben soll. Zuerst spielt er die Rolle des besten Freundes, dann des Arschlochs und nun des verliebten, verzweifelten Jungen. Gedankenverloren mache ich mich auf den Weg zum Haus. In der Küche sehe ich Molly hantieren. Ginny hilft ihr bei den Vorbereitungen fürs Frühstück. Ich höre, wie die Tür aufgeht. Ich sehe auf und bin erleichtert, als ich Fred erkenne. Eilig kommt er auf mich zu. „Rose! Wie geht es dir?“ Prüfend sieht mein bester Freund mich na. „Wie immer nach Vollmond: Grässlich.“ Er nickt und sieht dabei traurig aus. „War George bei dir?“ Fred versucht möglichst beiläufig zu klingen, aber es gelingt ihm nicht. Oder vielleicht kenne ich ihn auch zu gut. „Ja“, lautet meine schlichte Antwort. „Und?“ – „Nichts und. Er ist ein Arsch. Ich werde ihm nicht verzeihen. Egal aus welchen Gründen er gehandelt hat. Es hat mich verletzt, beinahe zerstört.“ Fred seufzt. „Rose, er hat sich selbst beinahe zerstört. Er… Ich glaube, er liebt dich wirklich. Und er wünscht sich nichts mehr, als das du und er wenigstens wieder Freunde werdet.“ Ich lache spöttisch auf. „Jaja, nimm ihn nur in Schutz. Wende dich nur gegen mich. Dein armer, verliebter Bruder. Was hat er nur für Qualen durchlitten.“ Fred sieht mich stirnrunzelnd an. „Ach komm schon, Rose. Sei nicht so zynisch. Er ist und bleibt mein Zwillingsbruder. Ich liebe ihn. Und ich stehe zu ihm. Egal, was er anstellt.“ Ich schüttle den Kopf. „Ich liebe ihn auch, aber er hat mir wehgetan. Ich brauche einfach etwas Zeit.“ Zwei Jahre später Ich bin Rose Elaine Turner und seit drei Wochen eine fertig ausgebildete Hexe. In zwei Wochen werde ich eine Ausbildung als Heiler beginnen und zwar in den Schottischen Wäldern bei einer schrulligen alten Hexe und ihrer jungen Nichte, die sich im letzten Jahr ihrer Ausbildung befindet. Sie heilen aber nicht Menschen, sondern Tiere. Meine letzten beiden Schuljahre habe ich gut hinter mich gebracht. Fred blieb mein bester Freund, Hannah meine beste Freundin. George und ich, naja, wir haben uns nicht versöhnt, sondern ein weiteres Jahr lang ignoriert. Er hatte einige Liebschaften und ich bin mit Seamus zusammengekommen. Die Beziehung hielt fast die ganze restliche Schulzeit. Doch mit einem Werwolf zusammen zu sein ist nicht immer ganz leicht. Ich bin oft wütend und gereizt und ausserdem habe ich auch Angst, mich länger zu binden. Den ich werde nie zu 100% glücklich sein und ich werde auch nie Kinder haben. Seit einem halben Jahr lebe ich nun in einem sonnengelben Wohnwagen und ich liebe mein Leben. Einmal in der Woche gehe ich ins nächstgelegene Dorf und einmal im Monat gehen wir in die Winkelgasse. Ich liebe May und auch Camille, auch wenn sie manchmal etwas komisch ist, und ich liebe die Arbeit mit den Tieren. Natürlich gibt es auch traurige Momente, nicht allen können wir helfen, aber dafür auch grossartige Ereignisse, die das ganze wieder wettmachen. „Du bist in fünf Tagen wieder da? Und ich darf dir wirklich die Liste mit den Besorgungen mitgeben?“, fragt May mich zum gefühlten hundertsten Mal. „May, du treibst es noch so weit, dass ich nein sage“, meine ich halb grinsend, halb genervt. „Tut mir ja leid. Gehst du Fred besuchen?“ Ich nicke. „Ja, ich denke schon.“ Ich bin etwas nervös, denn bis jetzt ist Fred immer nur mich besuchen gekommen, nie ich ihn. Ich werde unweigerlich auch auf George treffen. Ich bin über die ganze Wut gegen ihn hinweg, aber ich glaube, ich liebe ihn immer noch. Oder wieder. Oder, ach, keine Ahnung. Ich träume oft von ihm und bereue, wie ich die ganze Geschichte mit ihm gehandhabt habe. Aber es ist passiert und es ist nicht mehr zu ändern. May drückt mir die Liste in die Hand. „Na dann, viel Spass und bis bald.“ Wir umarmen uns kurz und dann Disapparieren ich und stehe vor einem leuchtend, bunten Laden, der mich sofort zum Strahlen bringt. Natürlich hat Fred mir von Weasleys Zauberhafte Zauberscherze erzählt und ich habe es mir toll vorgestellt, aber jetzt hier zu stehen ist noch mal etwas ganz anderes. Im Laden herrscht einiges an Betrieb und sofort entdecke ich Fred, der gerade ein uralt wirkendes Ehepaar zu beraten scheint. Ich beschliesse, mich im Laden umzusehen, bis er frei wird. Es gibt genug zu entdecken. Gerade sehe ich mir die Liebeszaubertränke an. „Das ist eine gute Wahl, Ma’am“, ertönt da eine vertraute Stimme hinter mir. Sofort wird mir eiskalt und mein Herz schlägt einige Takte schneller. Röte schiesst mir ins Gesicht und ich drehe mich langsam um. Vor mir steht George. Er sieht gut aus, wenn auch ein bisschen blass um die Nase. Und in seinen Augen fehlt das Glitzern. „George.“ Der Zwilling sieht mich an. „Rose…“ Da steht sie und schaut mich an. Sie sieht unglaublich gut aus. Gesund, wohlernährt und braungebrannt. Ich bin froh darüber. Remus Lupin, ebenfalls ein Werwolf, sieht immer so müde, kränklich und ungesund aus. Aber anscheinend setzt ihr die Krankheit nicht so zu wie ihm. Auch wenn es in der Schule noch ganz danach aussah. „Du siehst gut aus“, höre ich meine Stimme. Sie zeigt ein scheues Lächeln und wird noch etwas röter. Unangenehmes Schweigen breitet sich zwischen uns aus. Ich räuspere mich. „Wie…“ – „Ich hab dich vermisst!“ Überrascht sehe ich Rose an und sie sieht beschämt zu Boden. „Tschuldige, ich wollte dich nicht unterbrechen“, murmelt sie leise. „Schon okay.“ Ihr Geständnis verwirrt mich. Sie hat mich vermisst? „Ich… Ich glaube Fred hat noch ne Weile zu tun. Ich zeig dir die Wohnung. Dann kannst du dich schon mal einrichten.“ Fred hat mir bereits gesagt, dass sie für 5 Tage bei uns wohnen wird. Schon seit Wochen bin ich total nervös. Wir sind ja nicht unbedingt im Guten auseinandergegangen. Ich habe eigentlich gedacht, ich sei über meine kleine Blume hinweg. Aber jetzt, wie sie so vor mir steht, sind alle Gefühle wieder da. Fred hat es immer wieder gesagt, da ich jede Frau nach wenigen Wochen bereits wieder vergrault habe. Aber ich habe es nicht wahrhaben wollen. Er scheint definitiv der schlauere Zwilling zu sein. „Wie geht es dir?“, frage ich sie, als wir gemeinsam die Treppe in unsere Wohnung hoch gehen. „Toll! Ich liebe meine Arbeit und meine zwei Kolleginnen.“ Ihrer Stimme höre ich an, dass sie die Wahrheit sagt. „Das freut mich.“ Und schon wieder breitet sich Schweigen zwischen uns aus und ich bin froh, als wir in der Wohnung ankommen. Ich führe sie kurz rum. „Fred hat eine Matratze besorgt. Du hast die Wahl, mit ihm in seinem Zimmer oder im Wohnzimmer.“ – „Es ist wahr, was ich vorhin gesagt habe. Du hast mir gefehlt. Und ich habe viel an dich gedacht. Wie ich mit allem umgegangen bin. Ich war noch jung und würde heute vieles anders machen. Ich hab viel Zeit damit verbracht, alles zu analysieren und auseinander zu nehmen.“ Sie verstummt und sieht auf ihre Hände. Erst jetzt bemerke ich die unzähligen kleinen Narben. Es juckt mich in den Fingern, ihre Hand in meine zu nehmen, über jede einzelne Narbe zu streicheln und vielleicht auch einige davon zu küssen. „Wir sehen uns dann beim Abendessen. Fred kocht was.“ Damit flüchte ich runter in den Laden ohne auf ihr Geständnis geantwortet zu haben. Ich sehe George hinterher wie er regelrecht aus der Wohnung flieht. Es dauert noch dreissig Minuten, dann schliesst der Laden. Neugierig sehe ich mich in der Wohnung um. Ich bin etwas enttäuscht, dass George so gar nicht auf das Gesagte eingegangen ist. Naja, irgendwann muss dieses Hin und her auch ein Ende haben. Ich beschliesse, meine Gefühle und Gedanken ab jetzt für mich zu behalten. Es ist bereits mein dritter Tag hier. „Ehm, Rose…“ Fred kommt in das Wohnzimmer rein und unterbricht mich bei meiner Lektüre. „Was ist?“ – „Es ist so… Ein Kumpel hat zwei Tickets für ein Quidditch-Spiel. Es ist meine Lieblingsmannschaft und er hat gefragt, ob ich mit will. Ich weiss, der Zeitpunkt…“ – „Geh nur“, unterbreche ich ihn. „Das ist kein Problem für mich, wirklich. Es ist schon toll, dass du tagsüber so viel Zeit mit mir verbringen kannst. Ich kann ja noch ein bisschen in der Winkelgasse rumstreifen oder so. Und mein Buch ist toll. Mach dir kein Gewissen!“ Fred grinst mich an. „Du bist die Beste!“ Er umarmt mich kurz und muss sich dann schon beinahe beeilen, um den Anfang des Spiels nicht zu verpassen. „Und mach dir keinen Kopf wegen George, der kommt sicher erst spät nach Hause“, ruft er zum Abschied noch und ist dann auch schon verschwunden. Eine Stunde später höre ich, wie die Wohnungstür aufgeht. „Ist das Spiel schon zu Ende?“, rufe ich. Als keine Antwort kommt, werde ich etwas unruhig. Mein Zauberstab liegt im Schlafzimmer von Fred. „Hallo!“, rufe ich angespannt und erschrecke mich mordsmässig als George ins Wohnzimmer kommt. George sieht, wie ich zusammenzucke. „Sorry, wollte dich nicht erschrecken.“ – „Hast du mich denn nicht rufen gehört?“ George runzelt die Stirn. „Nein, aber ich war auch nicht ganz bei der Sache, als ich reinkam. Möchtest du was trinken? Wein?“ Ich nicke und beobachte, wie George das Wohnzimmer wieder verlässt. Er hat einen schönen Körper. Schlank und stark. Wir beginnen zu trinken und je mehr Alkohol wir intus haben, desto mehr reden und lachen wir zusammen. Und so führt das eine zum anderen. Als wir gerade die zweite Weinflasche geleert haben, fragt George: „Wollen wir in mein Zimmer gehen?“ Wie gesagt, ich liebe mein Leben, aber irgendwie hat trotzdem irgendwas gefehlt. Und das ist George, das ist mir in diesen drei Tagen, die ich schon hier bin, klargeworden. Also nicke ich und lasse mich von ihm in sein Zimmer führen… Vielleicht hätte wir das nicht getan, hätten wir beide nicht schon so viel getrunken. Am nächsten Morgen erwache ich und weiss im ersten Moment gar nicht, wo ich bin. „Na, auch endlich wach, kleine Blume?“, meint George mit heiserer Stimme. Ich nicke. „Ja…“ Mir wird bewusst, dass ich nackt bin, dass er nackt ist. „Bereust du es?“, fragt George mich als er meinen Gesichtsausdruck bemerkt. „Ich… Bereust du es?“ Das erste Mal seit ich aufgewacht bin, sehe ich George an. Seine Brust ist breit und muskulös und gebräunt. Röte steigt mir ins Gesicht. „Nein“, ist seine schlichte Antwort. „Aber ich habe dich gefragt. Bereust du es?“ Ich schüttle den Kopf. „Nein. Es hat sich richtig angefühlt.“ Ich wage nicht, George ins Gesicht zu sehen nach diesem Geständnis. „Sieh mich an.“ Ich schüttle den Kopf und betrachte eingehend seine Bettdecke. Plötzlich spüre ich seine Hände an meinem Kinn, die es sanft anheben. „Warst du damals in mich verliebt?“ Die Frage überrascht mich. „George…“ – „Nein, Rose. Ich will eine ehrliche Antwort von dir. Ich will endlich abschliessen können. Denn ich hab gedacht, dass ist mir gelungen, aber dann stehst du in unserem Laden und alles ist wieder da. Mein Herz klopft schneller, meine ganze Aufmerksamkeit ist auf dich fokussiert. Wenn du an meiner Seite bist, dann bin ich glücklicher, ruhiger. Also bitte, sag mir die Wahrheit. Erlöse mich endlich. Denn ich weiss es bis heute nicht.“ Anstatt ihm zu antworten, küsse ich ihn und versuche alle meine Gefühle, die ich jemals für ihn empfunden habe, in den Kuss zu legen. George erwidert meinen Kuss, aber nur kurz, dann drückt er mich etwas weg und sieht mich ernst an. „Ich will es hören, Rose. Ich muss es hören.“ Also sehe ich ihm fest in die Augen. „Ich war in dich verliebt. Aber ich hab es nicht gemerkt. Oder erst später. Und dann war ich so wütend auf dich, so enttäuscht. Am liebsten hätte ich mich umgebracht, ganz ehrlich. Es war einfach alles zu viel. Zuerst du, dann die Sache mit Dad, mit Ron. Nur Hannah, Fred, Mom und Tommy haben mich am Leben erhalten.“ George sieht betreten weg. „Es tut mir leid“, murmelt er. Und dann rollt eine Träne über seine Wange und tropft auf die Bettdecke. Und noch eine und noch eine. Ich habe noch nie einen Weasley weinen sehen. Naja, ausser Molly. Ein Stich durchfährt mein Herz. “George. Ich bin noch nicht fertig. Ich war in dich verliebt. Und ich glaube, ich liebe dich jetzt.“ Ruckartig hebt George den Kopf. „Sag das noch mal!“ Er wischt sich die Augen und ich sehe Hoffnung darin. „George Weasley. Ich glaube, ich liebe dich.“ George beginnt zu lächeln, dann zu grinsen und schlussendlich lacht er lauthals los. „Oh Mann. Ich fass es nicht.“ Und dann küssen wir uns und wiederholen, was wir in der Nacht bereits getan haben… Zukunft Mein Name ist Rose Elaine Turner und ich bin 21 Jahre alt. Endlich bin ich mit George Weasley zusammen. Natürlich ist nicht sofort alles wieder Friede-Freude-Eierkuchen zwischen ihm und mir. Dafür bedurfte es ein richtig langes Gespräch. Aber seitdem ist zwischen uns einfach alles toll. Ich habe meine Lehre als Heilerin von magischen Geschöpfen abgeschlossen und seit einigen Wochen einen eigenen Laden in der Winkelgasse, sozusagen eine Tierarztpraxis. George und ich sind zusammengezogen, Fred lebt nun mit Katie Bell, einer ehemaligen Gryffindor, in der Wohnung über dem Scherzartikelladen und bald werden sie heiraten. Mein Freund, hört sich das einer mal an! und ich denken nicht ans Heiraten. Wir geniessen unser gemeinsames Leben und lassen es auf uns zukommen. Wir sind glücklich und ich glaube, dass ganze Durcheinander mit uns hat es gebraucht. Wir sind nun beide erwachsen und bereit, eine lange Beziehung miteinander zu führen. Ende

25.79 % der User hatten die Auswertung: Geschichte B - Panik Einleitung Vor Hogwarts Noch vor einem Jahr sind wir eine glückliche Familie gewesen. Sie bestand aus Derek, meinem Dad, Lydia, meiner Mutter, Marylin, meine Zwillingsschwester, Stephen, Jeffrey, Ruben und mir. Doch dann kam der Tag, der unser Leben veränderte, der Tag als meine Mutter und meine Zwillingsschwester ermordet wurden. Von einem Muggel. Wie eine talentierte Hexe von einem Muggel getötet werden kann? Keiner kann uns diese Frage beantworten. Keiner kann uns helfen, den Tod der beiden zu verstehen. Der Tod unsere Mutter und unserer Schwester hat bei uns allen Spuren hinterlassen. Ruben, der sensibelste von uns, hat ein halbes Jahr kein Wort mehr gesagt, Jeff hat sich mit unzähligen Mädchen und einer Menge Alkohol abgelenkt und Stephen, der älteste, hat vier Monate ohne Regung durchgehalten und hatte dann quasi einen Nervenzusammenbruch. Einen Monat war er regelrecht ausser Gefecht gesetzt. Dad hat viel geweint und wurde schweigsamer. Und ich, ich werde immer noch regelmässig von Panikattacken heimgesucht. Es ist mir peinlich… Allen anderen scheint es wieder den Umständen entsprechen gut zu gehen, aber mir nicht. Ich habe durch Marylin einen Teil von mir selber verloren. Wir waren unzertrennlich. Haben die Schmerzen und Stimmungen des anderen gespürt. Und jetzt bin ich nicht mehr ein ganzer, sondern nur noch ein halber Mensch. Stephen ist der älteste von uns. Als ich in Hogwarts eingeschult werde, kommt er ins siebte Jahr. Jeff ist im vierten Jahr und Ruben kommt ins zweite. Mein Dad ist ein reinblütiger Zauberer, er arbeitet als Journalist beim Tagespropheten, meine Mom war eine Halbblüterin und arbeitete Teilzeit in einer Buchhandlung der Muggel. Wir leben in Cardiff, Wales, Mitten in der Stadt in einer alten Villa. Wir haben allerhand Haustiere, unsere Familie ist sehr tierlieb. Ich selbst besitze einen Kniesel (eine Arte Katze, Krummbein in HP ist ein Kniesel-Kater-Mischling) namens Peppino und eine Zwergohreule namens Rosalie. Wir sitzen auf unsere Terrasse beim Sonntagsbrunch, als vier Eulen auf dem Tisch landen. Mein O-Saft wird von einer der Eulen umgestossen und tropft mir auf mein weisses Sommerkleid. „Du Vieh! Die Flecken gehen nie mehr raus!“, schimpfe ich und versuche mit einer Serviette den grössten Schaden wett zu machen. „Das sind die Briefe aus Hogwarts!“, ruft Ruben und schnappt sich seinen Brief. Plötzlich klopft mein Herz wie wild und ich vergesse die Flecken auf meinem Kleid. Dad sieht mich warm lächelnd an. „Na los, öffne deinen, Ari.“ Mit zitternden Fingern löse ich den Brief vom Bein der Eule und öffne ihn. Jeff und Dad sehen mir beim Lesen zu. Beide grinsen wie die Honigkuchenpferde. „Ich… Ich komme nach Hogwarts.“ Natürlich habe ich es gewusst. Ich wusste, dass ich keine Squib bin, meine magischen Fähigkeiten sind zu oft zum Vorschein gekommen. Aber es jetzt tatsächlich zu lesen und hundertprozentig sicher zu sein, dass auch ich nach Hogwarts gehen werde, das ist schon ein tolles Gefühl. Aber meine Freude wird zum Teil getrübt. Ich werde allein gehen, ohne Marylin. Und Dad wird von nun an ganz alleine sein. Ohne mich. „Dad…“ Meine Stimme versagt und ich spüre, wie sich Puls und Herzschlag beschleunigen. Schweiss rinnt mir den Rücken herunter und meine Hände beginnen unkontrolliert zu zittern. „Ari. Ari, ganz ruhig.“ Sofort ist Jeff da. Er steht hinter mir und ich spüre seine Hände auf meinen Schultern. „Atme, Ari. Atme.“ Ich konzentriere mich auf Jeffs Stimme, den Druck seiner Hände auf meinen Schultern und schaffe es knapp die aufkommende Panik niederzudrücken. Dad sieht mich traurig an und legt mir eine Hand auf mein Bein. „Vor was hast du Angst, Ari? Erzähl es mir.“ – „Dann bist du ganz alleine…“ Mir ist übel und schwindlig. „Nein, Ari. Ich habe die Tiere. Und ich werde nicht mehr zu Hause arbeiten sondern wieder in der Redaktion. Ich bin nicht alleine, Ari. Ich verspreche es dir.“ Dads sanfte Stimme vertreibt das Schwindelgefühl und die Übelkeit. „Marylin ist nicht bei mir“, hauche ich und spüre wie mir Tränen in die Augen steigen. Mein Herz fängt wieder schneller an zu schlagen und mein Atem beschleunigt sich. „Atme ruhig. So wie ich, hör zu“, befiehlt Jeffrey mir sanft. Ich lausche seinem langsamen, gleichmässigen Ein- und Ausatmen und versuche, es ihm nachzumachen. „Marylin ist immer bei dir, Arietty. Nicht sichtbar, aber trotzdem da. Du weisst doch noch was Dr. Mimosa gesagt hat, oder?“ Ich nicke schwach. „Gut. Und jetzt geh dich etwas ausruhen, ja?“ Mit wackligen Beinen stehe ich auf, drücke Dad einen Kuss auf die Wangen und mache mich zusammen mit Jeff auf den Weg in mein Zimmer. Die Zeit vergeht schnell. Schon bald ist der Abend vor der Abreise gekommen. Mein Koffer steht mitten in meinem Zimmer. Kreuz und quer liegen Kleidung, Bücher und sonstige Utensilien darin. Nach wenigen Minuten bin ich fertig und schliesse den Koffer, mit dem dumpfen Gefühl, dass ich Dad nach den ersten Tagen eine ellenlange Liste schicken werde, mit Dingen, die ich Zuhause vergessen habe…. Abreise, Ankunft, Häuserwahl und die erste Zeit in Hogwarts Zu fünft stehen wir auf dem Perron 9 3/4. Der Abschied ist lustig und traurig zugleich. Zuerst wird gescherzt und gelacht. Aber dann, als Stephen und Ruben bereits im Zug sind und nur noch Jeff und ich bei Dad stehen, verflüchtigt sich die ausgelassene Stimmung. „Mach’s gut, Dad.“ Jeffrey und Derek umarmen sich fest. „Du auch, und hab ein Auge auf Ari, okay?“ – „Türlich, Dad. Das weisst du doch.“ Dad nickt und klopft Jeff noch einmals auf die Schultern. „Kommst du zu mir ins Abteil?“ Ich schüttle den Kopf. „Danke, aber ich kann dir ja nicht immer an der Backe kleben. Ich werde meine eigenen Freunde finden.“ Jeff grinst mich an. „Dann sehen wir uns im Schloss!“ Und dann verschwindet auch er. Jetzt sind nur noch Dad und ich übrig. „Daddy…“ Ich versuche gegen die aufkommenden Tränen anzukämpfen. „Ari. Ich liebe dich. Schreib mir, okay?“, meint er mit belegter Stimme und drückt mich fest an sich. Ich erwidere die Umarmung. „Gute Reise, Ari.“ Das Zeichen zum Einsteigen ertönt. Schweren Herzens löse ich mich von Derek und mache mich mit einem mulmigen Gefühl auf den Weg, um mir ein möglichst freies Abteil zu suchen. Endlich finde ich ein Abteil, in dem erst ein Mädchen sitzt. „Darf ich mich zu dir setzten?“, frage ich sie. Das Mädchen sieht auf. Sie hat lange, braune Haare und auch braune Augen. Sie lächelt mich an. „Klar, ich bin Katie. Katie Bell.“ Schnell steht sie auf, um mir mit dem riesigen Koffer zu helfen. Ihrer steht immer noch mitten im Abteil. Nachdem wir meinen verstaut haben, helfe ich ihr noch mit ihrem Koffer. Meine Haustiere, Peppino und Rosalie, stelle ich auf einen Sitz und öffne die Käfigtüren. Peppino kommt herausgeschlichen und streicht mir um die Beine. „Ich bin Arietty Rowan. Und das sind Peppino und Rosalie.“ Katie und ich schütteln uns die Hände. Sie ist mir schon jetzt sympathisch. „Ist das ein Kniesel?“ Ich nicke. „Ja.“ Katie wirkt beeindruckt. Wir quatschen gerade über die magischen Fähigkeiten der Kniesel und die von Peppino insbesondere, als vier Leute zu uns ins Abteil kommen. Zwei davon sehen vollkommen identisch aus. Ich spüre einen schmerzhaften Stich in meinem Herzen. Marylin und ich, auch wir glichen uns wie ein Ei dem anderen… „Ist hier noch frei?“, fragt ein schwarzer Junge und grinst uns an. Katie wirft mir einen kurzen Blick zu und ich nicke. „Klar“, meint Katie und klaubt einige ihrer Sachen von einem Sitz, damit es genügend Platz für die vier gibt. „Ich bin Feorge und das da…“ – „…Ist Gred.“ Das Mädchen, ebenfalls dunkelhäutig, grinst und stellt sich dann als Angelina Johnson vor. Während der Hinfahrt unterhalte ich mich vor allem mit Katie und dem dunkelhäutigen Jungen. Er heisst Lee Jordan und kommt wie die anderen drei ins zweite Schuljahr. Ich finde in sehr nett. Angelina mag ich überhaupt nicht. Sie wirkt arrogant. Wahrscheinlich weiss sie genau, dass sie sehr hübsch ist. Und Fred und George, wie die Zwillinge eigentlich heissen, sind einfach nur kindisch und nervig. Ausserdem versetzt es mit beinah körperlichen Schmerz, ein Zwillingspaar um mich zu haben. Wie die beiden miteinander reden, sich teilweise ohne Worte verstehen, das alles hatte ich auch mit Marylin. Es tut weh, Fred und George zusammen zu sehen und Marylin nicht bei mir zu haben. Im Schloss angekommen bin ich zuerst völlig sprachlos. Ruben stürmt an mir vorbei und grinst mir zu. „Wir sehen uns am Gryffindor-Tisch, Ari.“ Ich nicke und versuche den Kloss in meinem Hals herunterzuschlucken. Wir sind eine reine Gryffindor-Familie. Ich will, muss es auch nach Gryffindor schaffen! Aber meine Nervosität legt sich wieder, als ich zusehe, wie die einzelnen Schüler den Hut auf den Kopf gesetzt bekommen und ihren zukünftigen Häusern zugeteilt werden. „Rowan, Arietty Cassia!“ Professor McGonagall unterbricht meine angeregte Plauderei mit einem anderen Erstklässler. Die Nervosität ist wieder da, aber trotzdem habe ich ein breites Grinsen im Gesicht. Ich setze mich auf den Stuhl und warte auf das Urteil des Hutes. Der Hut rutscht mir weit über die Augen. Relativ schnell entscheidet er sich für Gryffindor. Erleichtert laufe ich zu meinem Haustisch. Sofort kommen alle meine Brüder und klopfen mir auf die Schultern. „Jawohl, unsere Ari, ebenfalls eine Gryffindor.“ Stephen grinst mich an und schnippt mir gegen die Nase. Ruben hebt mich kurz in die Luft und strahlt ebenfalls von einem Ohr zum andern. „Gut gemacht, Ari.“ Und Jeff umarmt mich herzlich. „Willkommen in Hogwarts, kleine Ari.“ Und dann werde ich auch noch von Katie Bell umarmt und zwar so fest, dass mir beinahe die Luft wegbleibt. „Wir sind im selben Haus! Du weisst was das heisst, oder? Du und ich, wir werden die besten Freundinnen. Es muss einfach so sein!“ Schnell habe ich mich in Hogwarts eingelebt. In meinem Haus habe ich sehr viele Freunde und auch mit den anderen Häusern verstehe ich mich gut. Katie ist und bleibt aber meine beste Freundin. In der Schule gehöre ich eher zum unteren Mittelfeld, aber ich mache auch nichts dafür. Mein Lieblingsfach ist Pflege Magischer Geschöpfe und wenn ich nicht im Gemeinschaftsraum bin, dann sicher in Hogsmeade. Ich bin in meinem vierten Jahr für kurze Zeit mit Lee Jordan zusammen, aber schnell merken wir, dass wir nicht als Paar sondern als Freunde zusammengehören. Die Geschichte geht Anfangs des fünften Jahres richtig los. Start der eigentlichen Geschichte Ich liege am Boden in einem Geheimgang, der zu Honigtopf führt, und ersticke. Mein Herz rast, mein Atem geht keuchend. Ich habe vergessen, wie ich es niederringen kann. Mein einziger Gedanke ist, dass ich wohl bald sterben werde. In einem Gang, der selten oder nie benutzt wird. Wann wird man mein Verschwinden bemerken? Wann werden sie meine Leiche finden? Die Vorstellung, bald zu sterben, hilft mir nicht gerade, meine Panikattacke irgendwie doch noch in den Griff zu bekommen. Im Gegenteil. Ich habe das Gefühl, dass mein Herz der enormen Belastung nicht mehr lange standhalten wird. Der wilde Galopp wird es entweder zum Bersten bringen, oder es wird stolpern und nicht mehr in Gang kommen. Ich atme schnell und doch habe ich das Gefühl, immer weniger Sauerstoff zu bekommen. Vor meinen Augen tanzen bereits dunkle Flecken. Das Letzte, was ich höre, bevor ich in Ohnmacht falle, sind Schritte und dann eine weit entfernte Stimme: „… los, wir müssen ihr helfen!“ George und ich sind gerade auf dem Weg in den Honigtopf. Wir sehen uns um und als wir sicher sind, dass uns niemand beobachtet, flüstert George den Zauberspruch und schnell quetschen wir uns hinter die Statue der buckligen Hexe. Ich laufe geradewegs in George hinein, da er nicht weiterläuft, sondern erschrocken stehen bleibt. Ich höre das Keuchen einer Person und spähe an George vorbei. Und da liegt sie, Arietty. Sie ringt um Atem und dann plötzlich, Stille. „George los, wir müssen ihr helfen!“, rufe ich und quetsche mich unsanft an meinem erstarrten Bruder vorbei. Ich stürze mich zu ihr und überprüfe ihren Puls. Er rast, aber ihr Atem hat sich wieder etwas beruhigt. „Was ist los mit ihr?“, fragt George. Er scheint sich aus seiner Starre gelöst zu haben und beugt sich nun ebenfalls über Arietty. „Wurde sie verhext?“ Ich zucke mit den Achseln. „Wir bringen sie am besten so schnell wie möglich in den Krankenflügel.“ Ohne Mühe hebe ich Arietty hoch. Sie ist nur etwa einen Meter Sechzig gross und zierlich noch dazu. George nickt und geht voraus. Er will prüfen, ob wir ungesehen wieder aus dem Geheimgang rauskommen. Einige Schüler, die an uns vorbeikommen, sehen uns erstaunt und neugierig an. Ich bemerke es jedoch gar nicht. Entweder konzentriere ich mich auf den Boden, um nicht mit Arietty im Arm hinzuknallen oder ich betrachte ihr Gesicht. Trotz ihrer gebräunten Haut kann ich erkennen, dass sie beinahe totenbleich ist. Auf ihrer Stirn stehen Schweissperlen und ihr Puls beruhigt sich nur langsam. „Was ist mit dir passiert?“, flüstere ich leise. „Was glotzt ihr so? Noch nie ein bewusstloses Mädchen gesehen?“, keift George gerade ein paar Zweitklässler aus Hufflepuff an. Sofort wenden die Kleinen den Blick ab und verziehen sich. Im Krankenflügel angelangt, entdeckt uns Madam Pomfrey fast sofort und kommt auf uns zugeeilt. „Was ist passiert!“, ruft sie und weist auf ein Bett. „Los, legen Sie sie dahin Mr. Weasley.“ Ich gehorche schweigend, während George ihr kurz erklärt, wie wir Arietty gefunden haben. „Suchen Sie Mr. Rowan und bringen Sie ihn her.“ Mir widerstrebt es, Arietty alleine bei Madam Pomfrey zu lassen, aber George zieht mich bereits mit sich. Ich werfe einen letzten Blick auf die bewusstlose Ari. Das taffe Mädchen, das George und mir regelmässig einheizt, ist verschwunden und an seine Stelle ist nun ein zerbrechliches Wesen getreten. Es schmerzt mich, sie so zu sehen. Ich erwache. Blinzelnd kämpfe ich gegen die plötzliche Helligkeit an. „Hallo Ari.“ Ich wende den Kopf. Scheinbar bin ich im Krankenflügel. An meiner Seite sitzt Ruben und hält meine Hand. „Ruben…“, flüstere ich und versuche die aufkommenden Tränen niederzuringen. Es gelingt mir aber nicht. Ruben streicht mir sanft die nassen Tropfen weg. „Was war denn los?“ – „Heute hätte Marylin Geburtstag…“ Ruben sieht mich fragend an. „Aber letztes Jahre hast du diesen Tag doch auch ohne Panikattacke überstanden?“ Ich nicke und wische mir mit dem Handrücken über die Wangen. „Dieses Jahr ist anders… Ich hab so viele Sachen erlebt… Hatte meinen ersten Kuss, meinen ersten Freund. Rosalie hat ein Ei gelegt und nun habe ich bald zwei Eulen. Dieses Jahre habe ich meine ZAG’s, die hätte sie auch. Bestimmt wäre sie ein Ass in Kräuterkunde.“ Wir reden noch eine Weile, hauptsächlich versucht Ruben mich auf andere Gedanken zu bringen. Seit ich eingeschult worden bin, habe ich immer weniger Panikattacken bekommen. Letztes Jahr, in meinem vierten, hatte ich keine einzige. Aber seit dem Sommer haben sie sich wieder vermehrt. Vielleicht liegt es daran, dass Jeff nicht mehr in Hogwarts ist. Wir haben schon immer ein enges Verhältnis gehabt und er fehlt mir sehr. Und durch die ZAG’s stehe ich auch um einiges mehr unter Druck, als die letzten vier Schuljahren. Auch das wird seinen Teil dazu beitragen. Ruben und ich werden unterbrochen, als ein Rotschopf den Flügel betritt und zielsicher auf mein Bett zukommt. „Fred und sein Bruder haben dich gefunden“, erklärt mir Ruben flüsternd, als er meinen verwirrten Gesichtsausdruck bemerkt. Die Zwillinge und ich stehen uns nicht wirklich nahe. Im Gegenteil. Eigentlich streiten wir uns die meiste Zeit. Auch ich habe einiges an Sinn für Humor, aber das, was die beiden betreiben, ist oft einfach nur kindisch und unter der Gürtellinie. „Hi.“ Fred bleibt etwas verlegen am Ende des Bettes stehen. "Hey Fred.“ Ruben erhebt sich von dem Stuhl. „Kannst dich gerne setzten, ich muss sowieso los. Ari, Madam Pomfrey hat gesagt, dass du heute vor Sperrstunde wieder gehen darfst. Wir sehen uns dann im Gemeinschaftsraum.“ Mein Bruder drückt mir einen Kuss auf meine wirren Locken und nickt Fred ein letztes Mal zu. Dann ist er weg. Ich bleibe mit meinem ‚Retter‘ und Beinahe-Feind alleine zurück und weiss, ganz untypisch für mich, einen Moment lang nichts zu sagen. Fred scheint es ebenso zu gehen. „Also… Ich… Naja… Danke“, stottere ich und sehe ihn kurz verlegen an. Fred grinst mich an. „Kein Problem. Das gehört zu meinem Job als Superheld.“ Er stellt sich aufrechter hin und drückt seine Brust raus. Ich lache über seinen Witz. Dafür ernte ich einen überraschten Blick von Fred. „Kein: Weasley du bist so ein Lauch? Und kein: Wiesel, werde endlich mal erwachsen?“, fragt er. Wieder bin ich verlegen. Röte steigt mir in die Wange. „Ich finde euch nicht so scheisse, wie ihr glaubt. Aber manchmal übertreibt ihrs eben ein bisschen…“, gestehe ich und betrachte die weisse Bettdecke. „Die kleine Rotzgöre mal verlegen und sprachlos, dass ich sowas mal erleben darf“, neckt Fred mich und setzt sich auf mein Bett. „Aber ernsthaft jetzt, was war denn da los?“ Bevor ich antworten kann, kommt Katie in den Krankenflügel gestürmt. „Arietty!“ Sie stürzt sich geradezu auf mich und erdrückt mich fast. „Katie, du bringst sie noch um! Dann war meine glorreiche Rettungsaktion völlig umsonst!“, ruft Fred gespielt empört. Katie lässt mich los und grinst mich vielsagend an. „Lauch Wiesel hat dich gerettet? Du Ärmste. Das lässt er dich bestimmt nie mehr vergessen. Jetzt hast du ihn an der Backe, Ari.“ Ich grinse meine beste Freundin an. „Ich kann ziemlich durchtrieben sein, den werde ich schon wieder los.“ Wie Ruben gesagt hat, entlässt mich Madam Pomfrey kurz vor Sperrstunde. Katie holt mich ab und zusammen machen wir uns auf den Weg zum Gemeinschaftsraum. „Fred ist schon sehr süss, nicht?“, sagt Katie plötzlich und lächelt verträumt. Verwundert sehe ich sie an. „Du hast dich wohl nicht in diesen Lauch verliebt, oder?“ Sie schüttelt ihren Kopf. „Nein, nicht verliebt. Aber schon ein bisschen verguckt…“ Röte steigt ihr in die Wange. „Katie, der ist zwar auf den Papieren ein Jahr älter als wir, benimmt sich aber wie ein Zweitklässler.“ – „Ach Ari… Warum rede ich überhaupt mit dir über ihn? Du magst die zwei einfach nicht. Dabei sind sie genauso auf Spass aus wie du. Und sie sind genauso beliebt bei allen wie du. Wo ist bloss dein Problem?“ Ich versuche der Frage mit einem „Ich mag sie halt einfach nicht“ auszuweichen, aber Katie kennt mich zu gut. „Ja klar… Arietty ich kenne dich. Du magst nicht jemanden einfach so nicht. Dafür bist du viel zu optimistisch.“ Ich seufze. „Sie nehmen einfach alles auf die leichte Schulter. Sehen das Leben nur als Platz für ihre Spässe.“ Katie wirft mir einen Blick zu. „Du nimmst auch nichts wirklich ernst.“ – „Es geht nicht ums ernst nehmen. Es geht ums Respektieren, Katie. Sie haben keinen Respekt vor dem Leben. Sie sehen nicht, dass es nur einen Windhauch braucht, um die Kerze auszupusten.“ Plötzlich verschwindet der genervte Ausdruck auf Katies Gesicht und Mitleid nimmt dessen Platz ein. „Es ist wegen deiner Schwester und deiner Mom, oder?“ Ich spüre wie Wut in mir aufsteigt. „Nein! Daran liegt es nicht. Nicht alle meine Meinungen und Handlungen haben mit dem Tod meiner Schwester und meiner Mutter zu tun, okay!“ Abwehrend hebt meine beste Freundin die Hände. „Werde doch nicht gleich sauer. Wir müssen nicht über diese Themen reden.“ Ich gebe ein Schnauben von mir und der Rest des Weges legen wir schweigend zurück. An mir nagt schon das schlechte Gewissen, weil ich meine beste Freundin so angepampt habe. Einige Wochen später Seit dem Vorfall an meinem Geburtstag pflege ich eine sanfte Freundschaft mit den Zwillingen. Vor allem mit George verstehe ich mich gut, er ist etwas ruhiger als Fred. Katie geniesst die neue Verbindung in vollen Zügen. Ich glaube, sie hat sich nun endgültig in Fred verliebt. Heute steht ein Quidditch-Spiel an, Gryffindor gegen Slytherin. Ich selbst spiele zwar kein Quidditch, sehe mir aber jedes Spiel an, da Katie als Jägerin spielt und ich im Allgemeinen recht patriotisch bin. Heute spielen die Schlangen noch unfairer als sonst. Es gibt ein Foul nach dem anderen. Ich sehe gerade, wie ein Treiber der gegnerischen Mannschaft einen Klatscher gegen Katie abgibt. Ich sehe schon, wie sie hart getroffen wird und von ihrem Besen stürzt, da taucht wie aus dem Nichts Fred auf und schlägt den Klatscher mit voller Wucht zurück zu dem Slytherin-Treiber. Und der gibt den Klatscher wieder an Fred zurück und so geht es eine Weile hin und her, bis es Fred zu doof wird und er den Klatscher Malfoy auf den Hals hetzt, der aber gekonnt ausweicht. „Danke!“, höre ich Katie Fred zu schreien. Er verbeugt sich leicht und wirft ihr eine Kusshand zu. Ich schüttle den Kopf. Er wendet scheinbar bei jedem Mädchen eine ähnliche Masche an. Wenn Katie sich auf diesen Lauch einlässt, wird sie gehörig von ihm verletzt werden! Er ist ein Charmeur, flirtet hier ein bisschen und da ein bisschen… Das Spiel heute ist wahnsinnig anstrengend. Die Slytherins foulen, wo sie nur können, sie haben schon eine Jägerin von uns ausser Gefecht gesetzt. George und ich hetzen von einem Ort zum andern, um unsere Mitspieler wenigsten von den Klatscher beschützen zu können. Langsam geht mir echt die Puste aus. Ich merke, wie meine Reaktion langsamer wird und meine Konzentration nachlässt. Und bezahle auch gleich dafür. Ich höre Katie rufen: „Fred! Ein Klatscher!“ Er kommt direkt auf mich zu und ich versuche noch, meine Keule hochzureissen, als er mich auch schon mitten im Gesicht erwischt. Ein Stöhnen geht durch die Reihe unserer, Gekicher durch die der gegnerischen Fans. Ich spüre, wie der Klatscher mir die Nase bricht und kann mich nicht mehr auf dem Besen halten. Langsam überkommt mich die Ohnmacht. Ich spüre noch, wie ich falle, aber den Aufprall bekomme ich zum Glück nicht mehr mit… Mein Herz hat für einen Moment ausgesetzt. Wie gelähmt sehe ich zu, wie Fred zu Boden stürzt und mit einem dumpfen Geräusch auf dem Boden aufschlägt. Sofort wird das Spiel unterbrochen und Madam Pomfrey kommt aufs Spielfeld gestürzt. Fred wird sogleich abtransportiert, begleitet von vielen besorgen Blicken. Dann geht das Spiel weiter. Ich jedoch beschliesse, mir das Spiel nicht zu Ende anzusehen und mache mich auf den Weg in den Krankenflügel. Als ich dort ankomme, ist Fred bereits wieder bei Bewusstsein. Unter lautem Gejammer seinerseits wird ihm seine gebrochene Nase wieder gerichtet. „Und du nennst dich Superheld?“, frage ich spöttisch und bleibe am Ende des Bettes stehen. Madam Pomfrey gestattet sich ein kurzes Lächeln und befiehlt ihrem Patienten dann barsch, einen übelriechenden Trank zu schlucken. Ich beobachte, wie Fred angeekelt das Gesicht verzieht und grinse in mich hinein. „Ist das Spiel fertig? Haben wir wenigstens gewonnen?“ Mit einem Mal wird mir bewusst, dass es etwas seltsam wirkt, dass ich bereits jetzt hier bin und nicht erst nach Spielende. „Ehmm… Also, ich…“, druckse ich etwas herum. „Wir habe verloren?“ Fred blickt mich niedergeschlagen an. „Nein!“, erwidere ich rasch. Ich mag es nicht, Fred so niedergeschlagen und ohne Lächeln zusehen. „Das Spiel ist noch nicht fertig.“ Er sieht mich mit gerunzelter Stirn an und ich höre die Frage förmlich, die ihn beschäftigt. Schliesslich stellt er sie auch. „Und was tust du denn hier?“ Ich beisse mir auf die Lippen. „Naja, wir sind ja mittlerweile sowas wie Freunde…“ Mit einer Schärfe in der Stimme, die ich noch nie an Fred gehört habe, unterbricht er mich: „Wir sind Freunde. Hör endlich auf, so zu tun, als ob es anders wäre. Wir sind Freunde. Ich bin dein Freund!“ Ein Grinsen stiehlt sich auf mein Gesicht, ungewollt und total unpassend. „Du bist mein Freund?“ Fred nickt. Er scheint die Zweideutigkeit in seiner Aussage noch nicht erkannt zu haben. „Wenn du willst, dann schon.“ – „Mit allem was dazugehört? Knutschen, kuscheln, gemeinsamen Ausflügen?“ Nun scheint er endlich begriffen zu haben, denn sein Gesicht hellt sich etwas auf. „Auf jeden Fall. Ich kann ganz ausgezeichnet küssen, das würdest du nicht verpassen wollen.“ Wir albern noch eine Weile rum, bis die gesamte Mannschaft von Gryffindor in den Krankenflügel gestürzt kommt und sich um Fred scharen. „Wir haben gewonnen! Heute Party im Gemeinschaftsraum!“, ruft Lee Jordan gutgelaunt. „Nein, ich denke nicht, dass Mister Weasley an der Party teilnehmen wird“, schaltet sich Madam Pomfrey ein. „Er hat eine Gehirnerschütterung und wird die Nacht im Krankenflügel verbringen. Ich bitte Sie jetzt zu gehen. Nicht mehr als drei Leute dürfen hier bleiben und auch nur, wenn sie nicht so rumschreien, wie Mister Jordan.“ Freds Lächeln verschwindet von seinen Lippen und er sieht niedergeschlagen aus. Murmelnd und mit tröstenden Worten verabschiedet sich der Haufen, bis nur noch George, Katie, Lee und ich übrig bleiben. Katie hat Freds Hand in ihre genommen. Dieser Umstand stört mich extrem. „Sei nicht traurig, das ist ja nicht der letzte Gryffindor-Sieg, den wir feiern“, meint sie tröstend. Fred nickt. „Jaah… Tja dann… Wünsche ich euch viel Spass.“ Er entzieht sich ihrer Berührung und versteckt seine Hand unter der Bettdecke. „Ich kann bei dir bleiben, wenn du willst“, bietet Katie ihm an. Fred schüttelt den Kopf und verzieht dann das Gesicht. „Nein, schon okay. Ich glaube, ein bisschen Ruhe wird mir nicht schaden. Ich habe doch einen rechten Brummschädel.“ Meine beste Freundin sieht ihn mitleidig an. „Bist du sicher?“ – „Ja, Katie, er ist sich sicher“, sage ich. Ich merke Fred an, dass er keine Lust mehr zu reden hat und lieber alleine wäre, vielleicht noch mit George, aber nicht mit Katie, Lee und mir. „Lass uns gehen.“ Katie sieht mich mit einem wütenden Funkeln im Auge an. „Was soll denn das, Arietty! Seit wann weisst du denn, was Fred möchte und was nicht?“ Sie hat die Stimme erhoben und Fred verzieht gequält das Gesicht. „Wir können draussen weiterreden, Katie.“ Unsanft packe ich sie am Arm, winke den Zwillingen zu, packe Lee am anderen Arm und ziehe die beiden hinter mir her. „Arietty! Lass mich sofort los! Ich habe mich gar nicht richtig verabschieden können!“, kreischt Katie und versucht sich loszureissen. „Ich glaube nicht, dass Fred das stört“, murmle ich leise vor mich hin. Am nächsten Tag, es ist Sonntag, wird Fred entlassen. Katie ist immer noch wütend auf mich und schmollt. Ich ignoriere das Ganze einfach und beschliesse, den Tag mit Lee zu verbringen. Nach dem Frühstück gehen wir zusammen am See spazieren. Wir reden und lachen gemeinsam und plötzlich zieht Lee mich an sich und küsst mich. Einen Moment bin ich baff. Wir sind seit über einem halben Jahr nicht mehr zusammen und ich weiss nicht, wie ich das Ganze deuten soll. Doch nach einigen Sekunden erwidere ich den Kuss, der auch sofort leidenschaftlicher wird. Als wir uns voneinander lösen, sehen wir uns verwirrt an. „Ari… Ich weiss auch nicht, was da über mich gekommen ist…“ Verlegen tritt Lee einige Schritte zurück und lässt meine Hände los. Ich grinse. „Na, ich bin unwiderstehlich. Das passiert den meisten Jungs, wenn sie alleine mit mir unterwegs sind.“ Er schüttelt grinsend den Kopf. „Du bist so eingebildet!“ Er schubst mich leicht Richtung See. Sofort schubse ich im zurück und so geht es weiter, bis ich schlussendlich unter lauten Gekreische und Gekicher im See lande. „Lee Jordan! Du mieser Schuft!“ Lee will gerade etwas erwidern, als er von den Zwillingen, die unbemerkt aufgetaucht sind, zu mir in den See geworfen wird. „Hey!“ Anklagend zeigt Lee in Richtung der Zwillinge. „Das war nicht fair!“ Fred und George lachen nur. Erst jetzt bemerke ich, dass sie nur Badehosen tragen. Beide haben einen tollen, durchtrainierten Körper. Das ist mir bisher gar noch nie aufgefallen. Ich mustere Fred und werde knallrot, als ich bemerke, dass er meinen Blick bemerkt hat. Ein Grinsen ziert sein Gesicht. „Gefällt dir, was du siehst, Muck?“ Das ist sein Kosename für mich. In irgendeiner Muggelgeschichte geht es um den kleinen Muck. Und da ich so klein geraten bin… Er posiert und lässt dabei seine Muskeln spielen. George ist mittlerweile auch im kühlen Nass und versucht gerade, Lee unter Wasser zu drücken. Ich antworte nicht auf Freds Frage und schaue den beiden Kämpfenden zu. Plötzlich werde ich unter Wasser gedrückt. Ein Angstschauer durchfährt mich und mein Herz beginnt zu rasen. Fred lässt mich wieder auftauchen und grinst mich schelmisch an, doch seine Gesichtszüge verschwimmen vor meinen Augen. „Kein… Luft“, keuche ich und wate blindlings Richtung Ufer zurück. Ungeschickt versuche ich aus dem See zu steigen und stolpere dabei. Unsanft falle ich zu Boden, aber es ist mir egal. Keuchend ringe ich nach Luft. ‚Ich sterbe, ich sterbe, ich sterbe‘ Der Gedanke pocht im selben Takt wie mein Herz in meinem Kopf. „Arietty?“, höre ich Lee besorgt rufen. Fred ist schon bei mir, ich spüre seine Hand auf meinem Rücken. „Ari?“ Der Klang von Freds Stimme stoppt meine Gedanken an meinen baldigen Erstickungstod. ‚Fred, Fred, Fred, Fred.‘ Ich klammere mich an seinen Namen wie an einen Rettungsanker. Langsam sehe ich meine Umgebung wieder klarer, das unkontrollierte Pochen hat sich wieder normalisiert, die Angst ist in den Hintergrund getreten. „Arietty! Sag doch was, bitte!“ Fred hat sich neben mich gesetzt. „Geht wieder… Alles okay“, murmle ich und lege mich auf den Bauch neben ihn. „Was war denn los?“ – „Ich hatte eine Attacke…“ Ich drehe mich auf den Rücken und sehe in Freds schuldbewusstes Gesicht. Lee und George sind nun ebenfalls bei mir angekommen. „Alles okay?“, fragt Lee mich und mustert mich besorgt. „Jaja, geht schon wieder.“ Wir bleiben an Land und schnell ist die Stimmung wieder lockerer. Fred meidet jedoch jeglichen Blickkontakt und Lee ist sehr anhänglich. Ich mache mir Sorgen, dass ihm der Kuss eventuell etwas bedeutet haben könnte… Aber wir hatten unsere Chance als Paar, da sehe ich keinen zweiten Versuch. Ich habe ein schlechtes Gewissen. Ich habe nicht geahnt, was ich mit dieser Aktion eventuell bei ihr anrichte. Ausserdem sehe ich mit wachsendem Unmut zu, wie Lee ständig Ariettys Nähe sucht und sie oft ‚zufällig‘ berührt. Mit einiger Genugtuung bemerke ich jedoch auch, dass Ari die Gesten nicht erwidert, sondern ihnen eher versucht aus dem Weg zu gehen. Als mein Magen laut knurrt und auch die anderen langsam Hunger bekommen, machen wir uns auf den Weg zurück in Schloss, genauso wie viele andere Schüler, die draussen das warme, schöne Wetter genossen haben. „Wo ist eigentlich Katie heute?“, fragt George bei Arietty nach. Ich beobachte, wie das Lächeln von ihrem Gesicht verschwindet. „Keine Ahnung“, lautet die knappe Antwort. George runzelt die Stirn. „Aber ihr klebt doch sonst immer aneinander wie zwei Kletten.“ Ariettys Gesicht verdüstert sich. „Na und! Ist es etwa ein Verbrechen, mal nicht etwas miteinander zu machen!“ Wäre George etwas schlauer, dann würde er jetzt aufhören zu bohren, aber leider ist George nicht sehr schlau. „Na ja, das nicht, aber es ist schon etwas seltsam.“ Gerade will Ari zu einer Erwiderung ansetzten, die wahrscheinlich nicht allzu freundlich ausgefallen wäre, als ich mich einschalte: „Lass gut sein, George. Wenn sogar wir manchmal etwas Abstand voneinander brauche…“ Ich lasse den Satz unbeendet und endlich lässt George das Thema fallen. Ari schenkt mir ein kurzes Lächeln, das mein Herz sofort schneller schlagen lässt. Gerade möchte ich mit Ari ein Gespräch beginnen, als Lee mir zuvor kommt. „Können wir noch kurz über etwas reden, Arietty?“ Ich schnaube leise und warte gespannt auf Aris Antwort. „Klar, warum nicht?“ Ein ungutes Gefühl macht sich in mir breit. Wenn die beiden wieder ein Paar würden, ich weiss nicht, wie ich das ertragen soll… „Bis dann“, meint George arglos und zieht mich mit sich ins Schloss, obwohl ich lieber noch eine Weile draussen rumgetrödelt hätte. Ich bin nicht sicher, ob ich wissen möchte, was Lee mir zu sagen hat. Aber ich habe auch keinen Grund gesehen, das Gespräch unnötig herauszuschieben. „Das heute war wirklich schön“, beginnt Lee verlegen. Seine Wangen färben sich leicht rosa. „Naja, weisst du Ari… Ich bin gerne ein Freund von dir. Aber ich frage mich, naja… Ob es vielleicht noch eine Chance für uns gäbe? Irgendwie fehlst du mir… als Freundin. Ich werde jedes Mal eifersüchtig, wenn du mit einem Typen flirtest und ich vermissen deine Berührungen, die Küsse… Dich. Und ich glaube echt, dass es funktionieren könnte mit uns.“ Auweia. Jetzt habe ich den Salat. Ich versuche kurz meine Gedanken zu ordnen. „Ich mag dich echt gerne, Lee. Aber wir hatten unsere Chance und es hat nicht geklappt. Deswegen glaube ich nicht, dass das mit uns funktionieren wird. Weil, es hat ja schon einmal nicht funktioniert.“ Ich bin eigentlich recht zufrieden mit meiner Antwort, aber Lee anscheinend nicht. „Ist es wegen einem anderen?“, fragt er mit verletzter Stimme. Ich runzle kurz die Stirn. „Nein, Lee. Ich sagte doch: Es hat einmal nicht geklappt und darum wird es auch dieses Mal nicht klappen.“ Lee denkt kurz nach, und fragt dann: „Warum hast du denn heute meinen Kuss erwidert?“ Mist. Gute Frage, nächste Frage. Ich zucke die Achseln. „Keine Ahnung, ehrlich gesagt. Es hat sich in diesem Moment einfach richtig angefühlt. Aber ich hege nicht die richtigen Gefühle für dich, um erneut eine Beziehung mit dir eingehen zu können.“ Eigentlich habe ich gedacht, dass diese Aussage reicht, damit Lee endlich schnallt, das aus uns nicht wieder ein Paar wird. Aber ich habe mich getäuscht. „Vielleicht braucht das einfach ein bisschen Zeit, Ari. Dann wird sich daraus sicher wieder etwas entwickeln. Bitte, ich würde es so gerne noch einmals versuchen.“ Flehend sieht er mich an. Schweren Herzens gehe ich zu Plan B über. „Lee, nein! Ich will nicht, okay? Ist das jetzt deutlich genug, damit du endlich aufhörst, zu betteln? NEIN!“ – „Du stehst auf Fred, oder?“ Einen Moment bin ich tatsächlich sprachlos. „Sag mal, bist du wirklich so bescheuert? Oder stellst du dich absichtlich so dumm?“, frage ich und merke, wie ich langsam aber sicher wütend werde. „Muss ich dir die Bedeutung des Wortes ‚Nein‘ erklären?“ Lees Gesicht nimmt einen trotzigen Ausdruck an. „Du hast den Kuss erwidert! Ich verstehe nicht, wieso du es nicht trotzdem noch mal mit uns versuchen willst. Die einzige Erklärung ist, dass du auf jemand anderen stehst. Und ich habe gesehen, wie du Fred heute angesehen hast.“ – „Du bist echt eingebildet, weisst du das!“ Wütend rausche ich davon und gehe direkt hoch in mein Schlafsaal. Für heute habe ich echt genug von der gesamten Menschheit! Es folgt eine einsame Woche. Katie schmollt noch immer und mittlerweile bin ich auch nicht mehr bereit, sie mit offenen Armen willkommen zu heissen. Ich bin echt enttäuscht, dass sie wegen so einer Kleinigkeit, wie der Sache im Krankenflügel, einfach nicht mehr mit mir spricht. Und so was nennt sich doch tatsächlich ‚beste Freundin‘. Und auch Lee spricht seit unserem Gespräch kein Wort mehr mit mir, ja, er sieht mich noch nicht mal mehr an. Darum bin ich froh, dass der Sommer sich verzieht und die Weihnachtsferien immer näher rücken. „Sag mal, was ist los bei dir? Du bist ständig mit Vicky unterwegs. Mit Katie oder Lee sieht man dich gar nicht mehr.“ Fred hat mich nach dem Abendessen im Gemeinschaftsraum abgepasst und zur Seite genommen. Ich zucke die Achseln und sehe starr an die Wand. „Ari? Komm schon. Sei nicht so stur.“ Ich blicke ihm ins Gesicht und sehe echte Besorgnis darin. „Wollen wir spazieren gehen?“, frage ich schliesslich. Vielleicht tut es mir ja gut, mal über alles zu sprechen. Fred nickt. „Klar, lass und gehen.“ Als wir aus dem Gemeinschaftsraum kommen, biegen zu meinem Pech gerade Katie und Lee zusammen um die Ecke. Katie lächelt Fred kokett zu und wirft mir einen mörderischen Blick zu. Lee sieht mich nicht an und murmelt nur: „Jaah, ist klar, da läuft gar nichts.“ Ich merke, wie sich ein Kloss in meinen Hals stiehlt und meine Hände feucht werden. Sanft drückt Fred gegen meine Schulter, ich habe gar nicht gemerkt, dass ich stehen geblieben bin. „Na komm.“ Langsam setze ich mich wieder in Bewegung. Gemächlich spazieren wir über den Hof Richtung See und dabei erzähle ich Fred alles, ausser, welche Gefühle Katie für ihn hegt. Aber auf das kommt er dann schlussendlich selber. „Sie steht auf mich, oder? Du kannst es mir sagen, eigentlich weiss ich es sowieso. Ein Blinder und Taubstummer würde es merken.“ Ich wage nicht, seine Frage zu bejahen, sondern nicke nur. Fred seufzt. „Tut mir leid.“ Überrascht sehe ich ihn an. „Was tut dir leid? Du kannst ja nichts dafür.“ Erneut seufzt er. „Irgendwie schon. Katie ist sauer auf dich wegen mir und Lee ist irgendwie auch sauer auf dich wegen mir.“ Ich nehme seine Hand. „Fred, rede nicht solch ein Stuss. Okay?“ Fred sieht mich nur an und erwidert meinen Händedruck. Es ist ein absolut unpassender Moment, aber mein Mundwerk ist einfach schneller als mein Gehirn. „Ich mag dich!“ Verwirrt sieht mich Arietty an und lässt langsam meine Hand los. Ich merke, wie ich rot werde. „Es… Sorry. Das war ein ganz unpassender Moment. Bitte entschuldige, Ari.“ Sie dreht sich von mir weg und sieht auf den See hinaus. Ein lauer Wind ist aufgekommen und weht ihr sanft durch die rotbraunen Locken. „Vergiss es einfach wieder, Ari, ja?“, sage ich in die Stille hinein. Sie schüttelt den Kopf. „Wie soll ich das wieder vergessen?“, murmelt sie scheinbar mehr zu sich als zu mir. Am liebsten hätte ich mich geohrfeigt. Was war nur los mit mir? Ich bin Fred. Der coole Fred, nie um einen Spruch verlegen. Und ich werde nicht rot! NIE. Und dann steht Arietty vor mir und mein Hirn schaltet komplett auf Standby. Mann… Dämlich. Einfach nur dämlich. Ich bin so in meinen Gedanken versunken, dass ich gar nicht gemerkt habe, wie sich Arietty zu mir umgedreht hat und mich mit einem riesigen Grinsen im Gesicht beobachtet. „Mach nicht so ein Gesicht, Fred. Die Welt dreht sich weiter.“ Sie knufft mich in den Bauch, aber ich schüttle den Kopf und setzte mich schweigend an den See. Ari setzt sich neben mich und nimmt ungefragt meine Hand in ihre. „Fred… Ich mag dich doch auch. Aber Katie ist meine beste Freundin. Auch wenn du sie nicht willst, sondern mich… Es geht nicht.“ Mein Herz hat zuerst einen hoffnungsvollen Hüpfer gemacht. Sie mag mich auch. Und dann haben sich ihre nächsten Worte wie ein Dolch in mein Herz gebohrt. „Aber Katie redet ja nicht einmal mehr mit dir. Warum nimmst du noch so Rücksicht auf sie?“ Eine Weile schweigt sie und streichelt gedankenverloren meinen Handrücken. Die Berührung lässt meine Hand kribbeln, mein Herz klopfen. „Sie redet momentan nicht mehr mit mir. Aber irgendwann wird sie dann doch wieder zu mir zurückkommen. Und Lee, Lee würde dir auch nie verzeihen, Fred. Es ist noch total verliebt in mich. Und du bist sein bester Freund. Man geht nicht mit der Frau, in die der beste Freund verliebt ist.“ Ich seufze schwer. „Und was jetzt? Arietty… Ich… Du… bist in meinem Kopf, ständig. Immer. Wie soll ich dich da wieder rauskriegen?“ Nun seufzt auch sie schwer. „Vielleicht sollten wir einfach ein bisschen auf Abstand gehen. Das wird mir auch helfen, mich wieder mit Katie zu versöhnen.“ Plötzlich ist sie da, die Wut. Heiss und böse brodelt sie in mir. Abrupt entreisse ich Ari meine Hände und stehe auf. „Schön!“, schreie ich wütend. „Schön!“, wiederhole ich und stampfe davon. Katie. Immer Katie! Sogar unsere Freundschaft geht drauf wegen Katie. Ich hasse Katie. Ich hasse Lee. Und ich hasse Arietty! Eine Weile bin ich sprachlos. Was war das denn! So habe ich Fred noch nie gesehen. So wütend. Und verletzt. Schlechtes Gewissen macht sich in mir breit. Es war nicht gelogen. Ich mag Fred auch. Wir wären ein tolles Paar, davon bin ich überzeugt. Aber einen Freund hat man nun mal selten ein ganzes Leben lang, eine beste Freundin hingegen schon. Ich bleibe noch circa eine halbe Stunde alleine am See sitzen. Kämpfe gegen eine aufkommende Panikattacke und gewinne. Kurzzeitig vergesse ich Fred, Lee und Katie. Es ist eine gefühlte Ewigkeit her, seit ich das letzte Mal ganz alleine gegen eine Panikattacke angekommen bin. Dieser Umstand macht mich stolz und gibt mir ein Gefühl von Unbesiegbarkeit. Fred kann mich mal, genauso wie Lee. Ich werde um Katie kämpfen und auch diesen Kampf werde ich gewinnen, da bin ich absolut sicher! Es dauert nicht lange und Katie und ich sind wieder wie Pech und Schwefel. Ich konnte ihr klarmachen, dass ich absolut nichts von Fred will. Lee ist ebenfalls wieder etwas offener mir gegenüber. Dafür werde ich von Fred gepiesackt. Irgendwie verstehe ich ja, dass er verletzt und wütend ist. Aber er verhält sich alles andere als erwachsen und irgendwann treibt er es zu weit. Es ist kurz vor den Weihnachtsferien. Katie und ich haben einen freien Nachmittag und machen uns auf den Weg nach Hogsmead, als wir einen Schrei hören. Besorgt schauen wir in Richtung des Schreis. Ein kleine Junge, ich glaube, er ist auch ein Gryffindor, ist scheinbar auf die Eisschicht des Sees gelaufen und eingebrochen. Ohne nachzudenken, renne ich los. Katie und ich haben beide keine Zauberstäbe dabei, ich sehe also nur noch einen Weg, den Jungen auf dem eiskalten Wasser zu retten. „Das ist zu gefährlich!“, höre ich Katie schreien, aber ich bin schon auf dem Eis. Es knirscht und knackst, aber die Schicht scheint mein Gewicht aushalten zu könne. Ich bin bei dem Jungen angelangt und hab ihn bereits fast aus dem Wasser befreit, als mehrere Dinge gleichzeitig passieren. Der Junge grinst mich frech an und ruft: „Liebe Grüsse von Fred Weasley.“ Der Junge schüttet mir eine eklig riechende Flüssigkeit ins Gesicht. Dann befreit er sich auf meinem ‚rettenden‘ Griff und rennt davon. Zeitgleich gibt die Eisschicht unter meinem Gewicht nun doch nach und ehe ich reagieren kann, stürze ich auch schon in das eiskalte Wasser. Die Kälte lähmt meinen Körper. Er befindet sich in einer Schockstarre, da er keine Zeit hatte, sich auf den schlagartigen Temperaturwechsel vorzubereiten. Schnell dringt das kalte Wasser durch meine Winterkleidung. Sie saugt sich voll und zieht mich runter. Und durch den Schock bin ich nicht fähig auch nur zu versuchen, wieder an die Oberfläche zu gelangen. Und dann kommt die Panikattacke. Panisch versuche ich Luft zu holen. Dumm, ich bin so dumm. Denn sofort dringt Wasser in meine Lunge ein. Ich werde ertrinken. Mom, Marylin, ich komme. Ich sehe hoch zur Oberfläche. Es wird dunkler um mich herum. Der Sauerstoffmangel reisst mich in die Ohnmacht und mein Schicksal scheint besiegelt zu sein. Ich bin wie gelähmt und Collin ebenfalls. Beide schauen wir fassungslos auf die Stelle, wo gerade noch Arietty gestanden hat. „Ich hab die Eisschicht doch dicker gezaubert“, flüstere ich immer wieder vor mich hin. Ich sehe, wie Katie auf den See zu rennt und wie mein Zwillingsbruder und Lee sie überholen. Und ich? Ich kann mich immer noch nicht bewegen. Ich fange an zu zittern und Collin weint neben mir. „Du hast gesagt, ihr passiert nichts!“ Schluchzt er und sinkt zu Boden. George ist schon auf dem Eis, als eine Stimme ruft: „Stopp!“ George wird durch einen Zauber zurückgerissen, gleichzeitig kracht es ohrenbetäubend laut und die Stimme ruft donnernd noch einen Zauber. Ein schlaffer Körper durchbricht die nun eisfreie Wasseroberfläche. „Miss Bell, holen Sie Madam Pomfrey“, höre ich McGonagall schreien. Sanft lässt Dumbledore Ari auf dem Schnee sinken. Der Professor macht einige Schlenker mit dem Zauberstab. Nun liegt Ari auf einer Trage am Boden, ein schwebendes Feuer über ihr. Lee und George stehen neben der Trage und scheinen genauso erstarrt wie ich. „Sie atmet nicht!“, schreit Dumbledore. Meine Knie geben nach. Ich sinke neben Collin zu Boden. „Nein, nein, nein.“ Immer und immer wieder sage ich es. Warum? Warum habe ich das getan? Warum! Meine Erinnerungen setzten erst wieder ein, als wir im Büro von Professor Dumbledore sitzen. Fassungsloses Schweigen hat sich ausgebreitet, als Collin die Geschichte von unserem Streich fertig erzählt hat. Ich bin die ganze Zeit über stumm geblieben. Immer noch zu geschockt, dass Madam Pomfrey wegen mir um Ariettys Leben kämpfen muss. „Wie konnten Sie nur so was Dummes tun?“, haucht Professor McGonagall. Ich schüttle den Kopf. Ja, wie? George sieht mich an. In seinen Augen funkelt kalter Zorn. „Du und deine verletzten Gefühle! Wenn sie stirbt, Fred, dann bist du nicht mehr mein Bruder, das schwöre ich dir!“ Dumbledore unterbricht meinen Zwillingsbruder. „Mr. George Weasley, Mr. Lee und Ms. Bell, bitte gehen Sie nun in Ihr Haus zurück. Mr. Fred Weasley, Ihre Eltern sind benachrichtigt, Sie fahren noch heute nach Hause. Einerseits als Strafe, anderseits zu Ihrer eigenen Sicherheit. Mr. Rowan ist ausser sich und wir wollen nicht, dass Sie zurzeit auf Ms. Rowans Bruder treffen. Während den Ferien überlegen wir uns eine angemessene Strafe für Sie. Mr. Creevey, wir sind uns bewusst, dass Sie noch sehr jung sind und auf Anweisung von Herrn Weasley gehandelt haben. Trotzdem werden Sie für den Rest des Schuljahres jeden Freitag nachsitzen. Nun jedoch dürfen Sie mit den anderen drei zurück in den Gryffindor-Turm. Gute Nacht.“ Als nur noch die beiden Professoren und ich im Büro sind fange ich wieder an zu zittern. „Professor McGonagall, vielen Dank für Ihre Hilfe. Sie dürfen nun auch gehen.“ Nun sind nur noch Dumbledore und ich übrig. Ich schliesse die Augen und lehne mich in meinem Sessel zurück. „Sie wird es schaffen, Fred“, meint der Professor sanft. Ich nicke nur. Eine Träne läuft mir übers Gesicht, aber es ist mir egal. Ihr folgen weitere. Am liebsten möchte ich sterben… Heute ist der erste Tag der Weihnachtsferien. Ich werde von meiner ganzen Familie aus dem St.Mungos abgeholt. Mir geht es körperlich wieder gut. Der Sauerstoffmangel hat meinem Hirn nicht weiter geschadet. Aber psychisch bin ich angeschlagen. Ich kann immer noch nicht fassen, dass Fred es so weit getrieben hat. Nur weil ich nicht mit ihm zusammen sein wollte! Trotzdem werden es schöne Weihnachtsferien. Zur Freude uns Kindern hat Dad nun eine neue Freundin, Dr. Mimosa, meine Seelenklempnerin. Da sie während den Ferien ebenfalls bei uns ist und viel mit mir über das Geschehene spricht, komme ich bald über den Schock hinweg. Ein Brief, den mir eine bekannte Eule bringt, wirft mich jedoch wieder einige Tage zurück. Errol hat mir schon zig Briefe vorbeigebracht, von Molly und Arthur und die restlichen von George. Dieser hier ist aber von Fred. Zuerst möchte ich ihn ins Feuer werfen, aber Jeff hält mich davon ab. „Komm schon, du hast nicht viel zu verlieren.“ Jenny Mimosa nickt zustimmend. Also verziehe ich mich zum Lesen in mein Zimmer. Liebe Arietty Es vergeht keinen Tag, an dem ich nicht an dich denke. Und es gibt keinen Tag, an dem ich nicht vor Scham und schlechtem Gewissen sterben möchte. Ich schreibe dir erst jetzt, da ich vorher keinen Mut dazu hatte. Du glaubst gar nicht, wie froh ich bin, dass dir nichts passiert ist! Mein Leben wäre vorbei gewesen, wenn es anderes wäre- Ich bin mir bewusst, dass du mir wahrscheinlich nie verzeihen wirst, dass ich dich durch meine Dummheit und meine verletzten Gefühle in Lebensgefahr gebracht habe. Vielleicht hilft es dir, zu wissen, dass ich leide. Mom ist stinksauer und schimpft ständig mit mir und George spricht kein Wort mehr mit mir…Aber ich weiss, dass ich es nicht anders verdient habe… Ich hoffe, du nimmst meine Entschuldigung an. Und bitte: Hasse mich nicht. Es tut mir wirklich aufrichtig leid! In Liebe, Fred Jeden Tag warte ich darauf, dass ich einen Brief zurückbekomme. Als ich meine Hoffnung schon bald aufgegeben habe, flattert plötzlich Rosalie ins Haus und übergibt mir einen Brief. Ich möchte ihr gerade einen Keks geben, als sie mir mit ihrem scharfen Schnabel in die Hand hackt, und zwar so fest, dass es blutet. George sieht mich einen kurzen Moment mitleidig an, dann verhärtet sich sein Gesichtsausdruck wieder. Hass ist ein Gefühl und Gefühle hast du von meiner Seite her definitiv nicht verdient. Schreib mir nicht wieder und wag es ja nicht, während den nächsten Monaten, die du noch in Hogwarts verbringst, mit mir zu reden. Denn ich bin fertig mit dir! Und es ist mir egal, ob du leidest oder nicht. Meinetwegen könntest du auch tot sein. Du interessierst mich nicht mehr. Für mich bist du von nun an nicht mehr als ein lästiges Insekt, das zwar da ist, aber nicht weiter Beachtung verdient hat. Die ganze Familie sitzt bereits am Tisch, es gibt Abendessen. Ich lese den Brief ein zweites Mal. „Fred?“, fragt Ginny mich vorsichtig. Ich schüttle nur den Kopf und stehe so abrupt auf, dass der Stuhl lautstark zu Boden knallt. Molly holt gerade Luft, um mir einen Anschiss zu verpassen, aber ich falle ihr ins Wort. „Wag es nicht!“, knurre ich. „Wag es nicht, jetzt mit mir zu schimpfen! Wag es nicht…“ Zu meinem Entsetzten merke ich, dass ich kurz vor einem Zusammenbruch stehe. In meine Augen brennen ungeweinte Tränen. Seit dem Zusammenbruch im Büro habe ich alles weitere ohne Regung ertragen, aber dieser Brief ist zu viel. Ich stolpere aus der Küche in den Garten. Verzweifelt ringe ich um Atem. Fühlt sich Ari so, wenn sie eine Panikattacke hat? Wenn ja, habe ich auch gerade eine. Meine Beine geben nach und ich falle unsanft auf die Knie. Auf allen vieren versuche ich nach wie vor, wieder Sauerstoff in meine Lungen zu bekommen. „Fred, Freddie. Atme.“ George kniet sich neben mich und streicht mir beruhigend über den Rücken. „Ich versuch es ja“, würge ich. Ich kann Mom schluchzen hören. Dad flüstert irgendwas Beruhigendes. „Alles wird wieder gut, okay? Mom wird dir verzeihen und ich verzeihe dir schon seit Tagen.“ Mir entgeht nicht, dass mein Bruder nicht sagt, dass Ari mir verzeihen wird. Er weiss genauso gut wie ich, dass das nie der Fall sein wird. „George… Es tut weh. Ich will, dass es aufhört. Es soll doch bitte aufhören.“ Ich weine wie ein Baby und es ist mir egal. Meine Würde ist dahin. Mom kommt dazu, kniet sich ebenfalls hin und nimmt mich fest in den Arm. Ginny schliesst sich an und auch Dad kommt zu uns und tätschelt mir den Kopf. Und so schaffe ich es nach einer gefühlten Ewigkeit, mich wieder in den Griff zu bekommen. „Ich mache dir eine heisse Schokolade.“ Mom löst sich aus dem Weasley-Knäuel und verschwindet im Haus. Dad folgt ihr. Nun sitzen nur noch George, Ginny und ich draussen, schweigend. „Alles wird gut“, meint George und Ginny drückt meine Hand. Das Schuljahr geht weiter. Eigentlich hat sich nicht viel verändert. Ausser das Fred für mich nicht mehr existiert und ich daher auch fast keinen Kontakt mehr mit George habe. Heute steht ein Quidditch-Spiel an. Gryffindor gegen Ravenclaw. Es ist eisigkalt und ein bissiger Wind droht die Spieler von ihren Kursen abzubringen. Man könnte meinen, es sei Herbst, nicht Frühling… Die beiden Mannschaften spielen ungewohnt hart gegeneinander. Mir fällt auf, dass Fred besser spielt als gewohnt. Jedoch auch härter und ungnädiger. Schnell versuche ich Fred aus meinen Gedanken zu verscheuchen. Natürlich habe ich es nicht geschafft, ihn einfach so nicht mehr zu sehen. Mir ist sehr wohl aufgefallen, dass er Gewicht verloren hat und zu meinen Entsetzten scheinbar auch einen Teil seiner Lebensfreude. Ich versuche mich auf Katie zu konzentrieren, aber immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich nach Fred Ausschau halte. Ein Klatscher fliegt gerade auf ihn zu, den er mit voller Kraft auf Cho Chang, die gegnerische Sucherin, hetzt. Der Ball trifft sein Ziel. Das Knacksen höre ich bis zu mir, als Chos Schulter bricht. Sie schreit schmerzerfüllt auf und sofort wird vom Kapitän um eine Pause gebeten. Alle Spieler sind gelandet als Cedric Diggory aufs Spielfeld stürmt. Niemand beachtet ihn gross, da alle annehmen, dass er zu seiner verletzten Freundin will. Doch falsch gedacht. Bevor jemand reagieren kann, hat Cedric Fred schon einen Kinnhaken verpasst. Zum Erstaunen allen schlägt Fred umgehend zurück und zwar so fest, dass Cedric zu Boden geht. Cho kreischt empört auf. „Du mieser….“ – „Mr. Weasley!“ Dumbledores Stimme hallt über das Spielfeld und unterbricht Cho Changs Schimpftriade. „Sie verlassen auf der Stelle das Spielfeld! Für Sie ist die Quidditch-Saison hiermit beendet.“ Empörung macht sich unter den Gryffindors breit. „Aber Professor!“, ruft Katie. „RUHE! Der junge Herr hat sich in diesem Schuljahr schon genug geleistet. Einen solchen Gewaltausbruch seinerseits dulde ich nicht.“ Beschwichtigend legt Fred Katie eine Hand auf den Arm. Eifersucht durchzuckt mich. Ich schüttle den Kopf. Was soll denn das jetzt? Fred ist ein Nichts für mich. Nicht länger existent. Warum also, bin ich eifersüchtig, wenn er Katie berührt? Von den unangebrachten Gefühlen durcheinandergebracht verpasse ich Freds Abgang. Das Spiel geht weiter, aber ich bin zu abgelenkt, um weiter zuzuschauen. Möglichst darauf bedacht, von niemandem bemerkt zu werden, verlasse ich die Tribüne und mache mich auf den Weg zurück zum Schloss. Fred ist nicht da, vermutlich schaut er sich das Spiel zu Ende an. Also lege ich mich mit einem Buch aufs Sofa und versuche mich so gut es geht abzulenken. Keine zehn Minuten später werde ich aus meiner Vertiefung gerissen. „Hi.“ Ruckartig sehe ich auf. Ein frischgeduschter Fred steht mitten im Gemeinschaftsraum und sieht mich an. Ich runzle die Stirn und wende mich wieder meiner Lektüre zu. „Ernsthaft jetzt!“ Ich tue so, als hätte ich seinen Ausruf nicht gehört. „Du kannst mir nicht mal hallo sagen?“ Ich höre Bitterkeit und Enttäuschung in seiner Stimme. Ich sehe genervt auf. „Hast du den Brief gelesen?“, frage ich kalt. Fred nickt stumm. „Gut. Dann hat sich deine Frage ja erübrigt.“ – „Was tust du hier?“, fragt er nun stattdessen. Sofort erinnere ich mich an das Spiel, als er im Krankenflügel gelandet ist. Da habe ich ihn vor Spielende besucht. Damals hat er genau die gleiche Frage gestellt. Wieder wird mir bewusst, dass es etwas seltsam wirkt, das ich das Spiel nicht zu Ende geschaut habe. Dieses Mal weiss ich aber nicht, was ich auf seine Frage antworten soll. Also versuche ich es mit Flucht. „Ja, geh nur….“, höre ich ihn murmeln, als ich die Treppe zu den Schlafräumen hochsteige. Einige Wochen später Nervös steht Katie vor mir. „Ari, ich muss dir was sagen…“ Gespannt schaue ich sie an. Wir sind in Hogsmead im Tropfenden Kessel. Ich weiss bereits, dass Katie mir sagen will, dass sie einen Freund hat. Ich tippe auf Lee. Seit einer Weile hat sie weniger Zeit für mich und wirkt irgendwie glücklicher. „Ich weiss, dass wird dir gar nicht gefallen, aber ich bin mit Fred zusammen“, sprudelt es aus ihr hervor. Ängstlich wartet sie nach dem Geständnis auf eine Reaktion meinerseits. In mir tobt ein Gefühlschaos. Eifersucht, Wut, Unglauben, Enttäuschung, das Gefühl, verraten worden zu sein. „Es ist mir gleich, was du davon hältst. Ich bin schon so lange in ihn verliebt, ich gebe ihn nicht für dich auf.“ Nach diesen Worten gewinnt die Wut. „Du bist so eine miese Kuh! Wegen ihm bin ich beinahe gestorben!“ Katie verdreht die Augen. „Das weiss ich, Arietty. Aber das ist schon eine Weile her. Ausserdem war es keine Absicht. Und er hat jetzt lange genug deswegen gelitten. Entweder du akzeptierst unsere Beziehung oder wir sind keine Freundinnen mehr.“ Wortlos stehe ich auf und sehe sie kalt an. „Dann wünsch ich dir was. Aber nichts Gutes.“ Ich zwänge mich an ihr vorbei und verlasse das Lokal zitternd vor Wut. Eine Träne bahnt sich den Weg über meine Wange, als ich zurück zum Schloss haste. Ich habe mich damals gegen ihn entschieden. Gegen ihn und für sie. Und nun! Wie dankt sie es mir? Am liebsten würde ich zu dem Tag, als Fred mir seine Gefühle gestanden hat, zurückkehren. Ich würde ihm nicht sagen, dass wir nicht zusammen sein können. Nein, wir würden ein Paar werden. Ein tolles Paar. Und Katie könnte meinetwegen für immer schmollen und wütend auf mich sein. Ich könnte mich ohrfeigen für meine Naivität damals. Freundschaften halten ein Leben lang? Gerade wurde ich eines Besseren belehrt. „Ich bin so eine dumme Nuss“, schimpfe ich und achte nicht auf den Weg. Plötzlich pralle ich mit jemandem zusammen. Bevor ich zu Boden stürzen kann, geben mir zwei strake Arme Halt. Ich sehe hoch und blicke geradewegs in Freds Gesicht. „Du mieser Schuft!“, rufe ich aus und entreisse mich seinem Griff. Er runzelt leicht die Stirn. „Weil ich dich vor einem Sturz bewahrt habe?“, fragt er ironisch. „Weil du mit Katie gehst! Wie kannst du nur!“ Das spöttische Grinsen weicht von seinem Gesicht. Er seufzt und streicht sich durchs Haar. „Muck…“ – „Nenn mich nicht so! Hörst du?“ Er verdreht die Augen. „Arietty, es tut mir leid… Katie war seit den Weihnachtsferien immer für mich da und sie ist… toll. Und naja…“ Mein wütender Blick bringt ihn zum Schweigen. „Ich hab dir damals einen Korb gegeben. Wegen ihr! Weil ich sie nicht verlieren wollte. Und nun…“ Ich merke, dass ich Fred beinahe meine derzeitige Gefühlslage gebeichtet hätte und verstumme. Er sieht mich verwirrt an. „Was hat das mit damals zu tun?“ – „Nichts.“ Damit ist für mich die Unterhaltung beendet und ich nehme reiss aus. Das restliche Jahr vergeht ohne, dass Katie und ich uns wieder versöhnen genauso wie das siebte Jahr. Vier Jahre später Nach der Schule bin ich ein Jahr auf Weltreise gegangen. Ich habe wahnsinnig viel entdeckt und gesehen und auch einige kleine Liebeleien gehabt. Nach der Weltreise habe ich eine Ausbildung als Wildhüterin in den Wäldern Russlands gemacht. Und nun bin ich auf Besuch bei meiner Familie und werde in zwei Monaten Wildhüterin in Schottland. Heute hat gerade niemand Zeit für mich, deswegen habe ich mich zu einem Spontanbesuch in Weasleys Zauberhafte Zauberscherze entschieden. Als ich in die Winkelgasse komme muss ich aber feststellen, dass der Laden geschlossen aussieht. Ein weisser Zettel an der Eingangstür erregt meine Aufmerksamkeit. Wegen Todesfall bis auf weiteres geschlossen Mir wird eiskalt. Wer von den Weasleys? Vielleicht George? Oder Fred! Ohne nachzudenken appariere ich und lande direkt auf der Türschwelle des Fuchsbaus. Energisch klopfe ich an die Tür. Molly macht mir auf. Ein Lächeln huscht über ihr Gesicht, als sie mich erkennt. „Arietty, Liebes! Wie schön, dich zu sehen.“ Ich registriere, dass sie nicht so tieftraurig wirkt wie ich erwartete habe, aber trotzdem scheint sie sehr blass und besorgt. „Wer?“ Molly runzelt die Stirn. „Wer was, Liebes?“ – „Wer ist tot?“ Nun scheint Molly zu begreifen. „Ach, hat George dir nicht geschrieben? Er wusste ja, dass du in England sein wirst und ihn wahrscheinlich besuchen kommst. Aber komm doch rein und lass uns das beim Mittagessen besprechen.“ Ginny, Ron und Arthur begrüssen mich freudig. Auch sie wirken nicht angemessen traurig für ein totes Familienmitglied, aber trotzdem sehr besorgt und mitgenommen. „Molly, nun sag schon“, drängle ich, sobald ich Platz genommen und einen dampfenden Teller Suppe vor mir habe. „Die Mitarbeiterin von Fred und George ist bei einem Experiment leider ums Leben gekommen.“ Ich bin erleichtert und habe zeitgleich auch Gewissensbisse. „Ohh… Aber George geht es gut?“, hacke ich nach. Arthur und Molly wechseln einen Blick. „Ja, Liebes. Mit George ist alles in Ordnung.“ Etwas in ihrer Stimme macht mich misstrauisch. „Aber?“ Molly seufzt. „Dich wird das nicht sonderlich berühren, aber Fred hat es schlimm erwischt.“ Mein Herz setzt einen Moment aus und ich spüre, wie ich erbleiche. Wie…“ Meine Stimme versagt. Ich räuspere mich und versuche es erneut. „Wie denn?“ – „Er war im selben Raum, als es passierte. Durch die Explosion wurde er gegen eine Wand geschleudert und hat sich einige Wirbel gebrochen und ausserdem wurden seine Gehörgänge komplett zerstört.“ Mollys Stimme bricht und eine einzelne Träne rinnt ihr über die Wange. Arthur erklärt weiter. „Die giftigen Dämpfe haben ihm sein Augenlicht genommen… Den Rücken haben die Ärzte wieder hingekriegt. Aber ebenso wie die Augen ist auch das Gehör noch nicht wieder hergestellt. Die Ärzte sind aber guter Hoffnung, Gehör betreffend. Aber die Augen machen ihnen Sorgen.“ Auch Arthur scheint mit den Tränen zu kämpfen. Ich spüre, wie ich erblasse. „Ist er im St.Mungos? Ist George da? Wenn ja, muss ich unbedingt hin, jetzt!“ Molly wischt sich die Tränen aus den Augen. „Iss zuerst die Suppe. Danach kannst du den Kamin benutzen.“ Als wir im Spital ankommen, klopft mein Herz wie wild. Ich habe Fred nie vergessen. Nicht nur wegen George, wir sind nach wie vor beste Freunde. Einmal hätte ich einen Mann fürs Leben getroffen, aber Fred stand mir im Weg und ich habe mich gegen diesen Mann entschieden. Das war vor einem Jahr. Denn wenn ich den Mann geküsst habe, habe ich an Fred gedacht, wenn er mich angefasst hat, wünschte ich mir Fred an seine Stelle. Also habe ich unsere Beziehung beendet. Ich folge Molly und Arthur durch den Korridor. Vor dem Zimmer 230 machen wir halt. „Willst du zuerst alleine hineingehen?“ Ich verneine Mollys Frage. Ich habe zu grosse Angst. Das erste, was ich sehe, ist das Katie an Freds Bett sitzt. Blass und mit roten Augen vom vielen Weinen. Dann sehe ich George und ich breche zusammen. Er ist bleich und dünn, so unglaublich dünn. Kein schelmisches Funkeln belebt seine Augen. „Arietty!“ Mein bester Freund stürmt auf mich zu und erdrückt mich fast. „Bin ich froh, dass du hier bist.“ Er drückt mir einen Kuss auf den Mund und strahlt mich an. Molly und Arthur lächeln sich an. „George! Warum hast du mir nicht geschrieben? Wie geht es dir? Ich habe dich so vermisst!“ George schüttelt nur den Kopf. „Fred schläft gerade, lass uns doch einen Kaffee trinken gehen.“ Ich nicke. Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie Katie aufsteht. „Ari, bist du es wirklich? Du siehst so anders aus.“ Sie mustert mich und lächelt schüchtern. „Es sind auch ein paar Jährchen vergangen“, antworte ich lahm und ziehe George Richtung Tür. Sie hat mich zu tief verletzt, um mit ihr eine freundliche Unterhaltung zu führen. George und ich reden über eine Stunde lang und bringen uns jeweils auf den neusten Stand unseres Lebens. Danach möchte er zu seinem Bruder zurück. „Kommst du mit? Katies Schicht beginnt bald, sie wird in ca. zehn Minuten gehen…“ Ich zögere. „Bitte. Ich glaube, es würde ihm helfen… Und ich weiss, dass du stur und nachtragen bist, aber bitte, ihm geht es gar nicht gut. Es macht ihn kaputt, hier zu liegen und nichts zu sehen und fast nichts zu hören. Und Veritys Tod…“ Ungesagt bleibt Georges Satz in der Luft hängen. Ich gebe mich geschlagen. George nimmt mich an der Hand und zusammen gehen wir zurück zum Zimmer 230. Ich bin nervös, zittere am ganzen Körper und habe Atemnot. Eine Panikattacke? Bitte nicht, ich hatte schon seit Jahren keine mehr. George bleibt vor dem Zimmer stehen. „Ich bin so froh, dass du da bist, Ari.“ Er umarmt mich kurz, dann öffnet er die Tür. George ist bereits an Freds Bett, aber ich habe das Zimmer noch immer nicht betreten. „George? Ich liebe ihn. Ich glaube, ich bin nicht stark genug. Hier zu sein. Zu wissen, dass Katie und er noch immer zusammen sind. Ihn in diesem Zustand zu sehen“, gestehe ich. Mein bester Freund sieht mich kurz schweigend an. „Ich wusste, dass du etwas für ihn empfindest. Aber wieso ist dann damals alles so aus dem Ruder gelaufen?“ Endlich kann ich ihm alles erzählen. Warum ich Fred damals einen Korb gegeben habe, warum ich so wütend auf ihn und Katie war. Er kommt auf mich zu, nimmt mein Gesicht zwischen seine Hände und sagt: „Auch wenn er schon so lange mit Katie zusammen ist, weiss ich, dass er eigentlich immer noch dich liebt. Bitte, springe über deinen Schatten. Sei an seiner Seite, so wie das jemand tut, der liebt. Bitte.“ Ich nicke. „Okay“, flüstere ich und betrete endgültig das Zimmer. Trete an Freds Seite und blicke ihn an. Er sieht so kaputt aus. Bleich, dünn, fast wie Tod. Plötzlich regt er sich. „George?“, seine Stimme klingt heiser. „Bist du da?“ Sein Zwillingsbruder berührt in sanft an der Hand. „Ja, ich bin da.“ – „Ist Katie gegangen?“ – „Ja, sie musste zur Arbeit. Aber sie kommt am Abend wieder.“ Fred seufzt, es klingt fast erleichtert. „Sie raubt mir den letzten Nerv mit ihrem Geheule.“ George grinst schwach und wirft mir einen kurzen Blick zu. „Aber du hast noch anderen Besuch ausser mir.“ Fred dreht den Kopf zu George. Seine Stirn ist gerunzelt. „Wer denn?“ George nickt mir zu, aber ich schüttle den Kopf. Mein Mund ist wie ausgetrocknet, ich bin nicht sicher, ob überhaupt ein Wort über meine Lippen kommt. „Arietty.“ Stille. Fred sagt kein Wort. „Fred? Arietty ist hier“, sagt George nun etwas lauter. „Das habe ich schon verstanden“, meint Fred und er hört sich etwas gereizt an. „Sie soll gehen.“ George runzelt verwirrt die Stirn. „Aber Fred…“ – „Ich hab gesagt, sie soll gehen!“ George möchte gerade etwas erwidern, aber ich hebe die Hände. „Es ist okay. War sowieso eine doofe Idee. Ausserdem bin ich wegen dir hier, nicht wegen ihm. Sehen wir uns heute Abend? Im Florean Fortescues Eissalon? Schick mir eine Eule, ich bin bei Dad zu Hause.“ Ich winke ihm zu und verlasse das Zimmer. Sobald ich aus dem Krankenhaus bin, appariere ich an einen See. Ich brauche Zeit für mich. Georges Schweigen macht mich nervös. Ich spüre, dass er da ist und ich spüre auch seien Wut auf mich. „George?“ – „Ich kann dich gerade nicht ertragen, Fred. Bis morgen.“ Mein Herz macht einen erschrockenen Hüpfer. Seit ich hier bin, es sind nun ziemlich genau 2 Wochen, hat George mich noch nie alleine gelassen, wenn ich wach gewesen bin. „Bitte, geh nicht!“, flehe ich. „Ich verstehe dich einfach nicht, Fred. Ich weiss doch, dass du sie nie vergessen hast. Meinst du, ich hab die schlecht verstecke Kiste mit Fotos von ihr noch nie gesehen? Oder denkst du, ich habe nie gemerkt, dass du immer an ihrem Geburtstag schlechte Laune hast und wenn möglich für zwei, drei Tage irgendwo hin gehst, alleine? Das wäre die Chance gewesen, euch wenigstens wieder zu versöhnen. Vielleicht sogar endlich ein Paar zu werden.“ Ich schnaube. „Du bist echt ein Trottel, George. Arietty hasst mich.“ – „Du raffst echt gar nichts, oder Bruder? Bis morgen.“ Ich höre, wie sich seine Schritte entfernen und dann wie die Tür aufgemacht wird und wieder zurück ins Schloss fällt. Kurz bin ich gelähmt. Regelrechte Panik durchströmt mich. „George!“, rufe ich, obwohl ich weiss, dass er gegangen ist. „Lass mich nicht allein…“ Einen Monat später Endlich sitzt wieder einmal die ganze Familie beisammen. Heute ist mein Geburtstag und wie früher Brunchen wir. Stephen, Jeffrey, Ruben, Dad und Jenny und ich reden und lachen und essen. „Wer kommt denn heute noch?“, fragt Dad mich. „Lee, George, Caleb und Sissy.“ Sissy und Caleb haben zusammen mit mir die Ausbildung zum Wildhüter in Russland gemacht. „Schön. Dann stört es dich nicht, wenn Jenny und ich um die Mittagszeit losgehen?“ Dad und Jenny gehen nach Griechenland in den Urlaub. „Natürlich nicht, Dad. Bin schon ein grosses Mädchen.“ Er lächelt, wenn auch etwas wehmütig. Nach dem Brunch müssen dann auch alle weiter, ausser Jeff, er bleibt. Zusammen treffen wir noch einige Vorbereitungen für den Abend. Es ist heiss und ich freue mich jetzt schon, im Pool zu planschen und Spass mit meinen Freunden zu haben. Um sieben treffen Sissy und Caleb ein, fünfzehn Minuten später ertönt die Türklingel. „Das sind George und Lee, bin gleich wieder da!“ Ich renne los und hinterlasse nasse Fussabdrücke auf dem Steinboden. Wir haben uns bereits eine Abkühlung im Pool gegönnt. Grinsend öffne ich die Tür. Sogleich gefriert das Grinsen auf meinem Gesicht. Vor der Tür steht nur jemand. Und das ist nicht George, auch wenn er ihm wie aus dem Gesicht geschnitten ist. „Hallo“, meint Fred verlegen. Ich antworte nichts darauf. Er sieht gut aus. Fred ist nicht mehr so dünn, hat wieder Farbe ihm Gesicht und die Augenbinde ist weg. Ich weiss von George, dass er nun wieder so gut hört wie früher und fast genau gleich gut sehen kann. Die Explosion hat auch keine sichtbaren Spuren hinterlassen. „Willst du spazieren gehen?“ durchbricht Fred die Stille. „Sehe ich so aus?“, frage ich barsch zurück. Ich habe bloss einen Bikini an. Plötzlich fühle ich mich nackt. Ich verschränke schützend die Arme vor der Brust. „Du bist nicht eingeladen.“ Fred seufzt und streicht sich die Haare aus dem Gesicht, wie früher, wenn er sich unbehaglich gefühlt hat. Er scheint mit sich zu ringen. „Jaah… Weisst du… Also..“ Ich höre mich selbst und fühle mich wie ein Idiot. Das was ich eigentlich sagen wollte, kommt mir einfach nicht über die Lippen. Nur unzusammenhängendes Zeugs und dann: „Arietty, ich liebe dich.“ Danach totenstille. Nur in meinen Gedanken tobt ein Sturm. Du Idiot, Fred Weasley. Was denkst du dir dabei? Idiotisch. Dämlich. Hirnlos. Und dann: „Ich hab mich von Katie getrennt.“ Ich stöhne innerlich auf. Idiotisch? Dämlich? Hirnlos? Nein. Bescheuert. Vollkommen dämlich. Absolut hirnlos. Ari steht da, tropft auf den Boden und zittert. „So war das nicht geplant“, murmle ich zerknirscht. „Irgendwie habe ich mich in meiner Vorstellung etwas besser angestellt. Weniger plump. Geistreicher. Und humorvoller. Ich hatte die Absicht, dich zum Lachen zu bringen.“ Mein Blick ist starr auf den Boden gerichtet. Tropf, tropf, tropf, macht es und dann ein Lachen. Ein ungläubiges, schadenfreudiges, befreites Lachen. Ich sehe auf, sehe in Aris schönes Gesicht. Ihre Augen strahlen. Sie hält sich den Bauch vor lauter Lachen, Tränen rinnen ihr aus den Augenwinkel. „Fred Weasley gesteht mir seine Liebe, nach so einer Ewigkeit. Nach so vielen schrecklichen Wortwechsel. Nach so vielen geweinter Tränen, Wut, Enttäuschung und Hass.“ Irgendwie habe ich ihr Lachen anscheinend falsch interpretiert. Zuerst habe ich gedacht, das Lachen ist freundlicher Natur. Es hat sich für mich zuerst wie ein ‚Ich-verzeihe-dir-Lachen‘ angehört. Aber die darauffolgenden Worte lassen mein Herz schwer werden. Ich habe nicht erwartet, dass sie im Gegenzug mir ihre Liebe gesteht, aber doch so etwas wie eine freundschaftliche Antwort. „Ich… Ich hätte nicht kommen sollen. Hoffentlich habe ich dir jetzt nicht deinen Geburtstag versaut. Wahrscheinlich habe ich das verdient. Nach der Aktion im Krankenhaus konnte dieser Versöhnungsversuch ja nicht gut ausgehen. Vielleicht hätte ich nicht auf George hören sollen. Er meinte, die Zeit sei reif. Reif so etwas wie eine Freundschaft mit dir aufzubauen. Aber es ist okay, denke ich. Ich werde darüber hinwegkommen. Vielleicht auf meinem Sterbebett oder so. Aber hey, was solls?“ Abrupt drehe ich mich um und appariere. Blitzschnell greife ich nach seinem Arm. Wir apparieren gemeinsam in Weasleys Zauberhafte Zauberscherze. Fred scheint zuerst gar nicht zu begreifen, dass er nicht alleine ist. Er fängt an zu schimpfen und zu fluchen und hält dann erschrocken inne, als er mich sieht. „Du siehst aus wie ein Fisch auf dem Trockenen“, meine ich amüsiert. Sein Mund öffnet und schliesst sich in regelmässigen Abständen, aber er bringt kein Wort hervor. „Ich liebe dich, Fred Weasley. Aber es wird ein Kampf, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Denn ich bin immer noch absolut sauer auf dich!“ Sein Mund bleibt nun einfach nur offen stehen. Ungläubig sieht er mich an. Blitzschnell überbrückt er die Distanz zwischen uns und reisst mich beinahe grob an sich. Einen Moment sieht er mich einfach nur an, dann küsst er mich. Leidenschaftlich, hart und verzweifelt. Fred drückt mich an ein Gestell und seine Hände streichen über meinen ganzen Körper. „Arietty…“, haucht er atemlos zwischen einigen Küssen. „Fred. Lass uns zurückgehen. Ich habe Gäste“, murmle ich, obwohl ich eigentlich hierbleiben möchte. Mein Körper steht in Flammen. Am liebsten würde ich ihm die Kleider vom Leibe reissen und unanständige Dinge tun. Doch die anderen sind bei mir Zuhause. Wenn ich unseren Kuss jetzt nicht unterbreche, werde ich mein Verlangen nicht länger zügeln können. Aber bevor ich dem nachgeben darf, bedarf es noch einiges an Gesprächen und eine tatsächliche Versöhnung. „Okay“, murmelt Fred. „Schade. Ich hätte gerne noch ein bisschen die Zweisamkeit genossen.“ Epilog Mein Name ist Arietty Cassia Rowan und ich bin 21 Jahre alt. Fred und ich wohnen zusammen in der Winkelgasse. Obwohl wir uns ständig streiten, sind wir ein glückliches Paar und lieben uns von Herzen. Ich arbeite in den Wäldern Schottlands als Wildhüterin und Fred immer noch zusammen mit seinem Bruder im Scherzartikelladen. Wir haben vor, bald eine gemeinsame Weltreise zu machen, er möchte gerne wissen, wo ich meinem Reisejahr überall gewesen bin. Ich freue mich darauf und glaube, uns erwartete einer langen, gemeinsamen Zukunft. Ende

25.81 % der User hatten die Auswertung: Geschichte C – Scherbenhaufen Prolog – Vor Hogwarts Mein Leben ist ein Scherbenhaufen. Als Tochter eines trunksüchtigen Zauberers und einer schwachen Muggelfrau habe ich es nicht leicht. Geschwister habe ich keine und darüber bin ich froh, denn kein Kind sollte das durchmachen, was ich durchmachen musste. Wir wohnen in einer üblen Ecke Dublins in einer kleinen, dunklen Wohnung. Ich weiss, dass Fiona, meine Mutter, mich liebt. Aber trotzdem unternimmt sie nichts gegen ihn, meinen Vater Neal. Er säuft und schlägt uns. Und er bringt üble Typen zu uns nach Hause. Einer begrabscht immer meine Mutter und eines Abends, als Neal schnarchend auf dem Sofa eingeschlafen und Mutter zu Bett gegangen ist, vollgepumpt mit Tabletten, ist er in mein Zimmer gekommen und hat mir alles genommen. Meine Unschuld, mein Vertrauen zu der Menschheit, meinen Stolz, die Fähigkeit zu lieben. Damals war ich zehn Jahre jung. Bereits einige Male vorher habe ich ungewollt Zauberei gebraucht, wenn ich wütend war. Aber an diesem Abend war ich nicht fähig mich zu verteidigen. Ich habe geschrien und getobt, versucht zu treten, zu beissen und zu schlagen, aber nichts hat genützt. Und meine Eltern waren beide dermassen dicht, von Alkohol und Tabletten, dass sie absolut nichts mitbekommen haben. Seit jenem Abend wartete ich sehnsuchtsvoll auf den Brief aus Hogwarts. Denn dort würde ich sicher sein, von meinem Vater, der Feigheit meiner Mutter und Karl, der mich ein Jahr lang hinweg mehrmals in meinem Zimmer aufsuchte… Und ich würde endlich lernen, meine Zauberkraft gezielt zu beherrschen. Diese Gedanken hielten mich am Leben. Und auch der Gedanken, dass ich, sobald ich eine Hexe war, Rache nehmen würde… Und endlich, pünktlich an meinem elften Geburtstag kommt der Brief. Mutter scheint sich für mich zu freuen. Und auch Neal freut sich überraschenderweise. Dann kommt der Tag der Abreise. Neal erklärt mir, wo ich die Lok nach Hogwarts finden werde. „Hier“, meint er und drückte mir eine Geldbörse in die Hand. Überrascht sehe ich ihn an. „Damit kannst du dir in Hogsmead was Schönes kaufen.“ Ich drücke die Börse an meine Brust. Selten schenkt mir Neal etwas. „Danke…“ Er tätschelt mir leicht auf den Kopf. Und ich muss meine ganze Willenskraft aufbieten, um nicht erschrocken zurückzuweichen. Dann mache ich mich auf, um meinen Koffer für die morgige Abreise zu packen. Dabei gehe ich zügig und gründlich zu Werke. Ich habe keine Lust, in Hogwarts schon am ersten Tag mit meinen Eltern Kontakt aufnehmen zu müssen, nur weil ich etwas vergessen habe. Abreise, Ankunft, Häuserwahl und die erste Zeit in Hogwarts Den Weg nach London bewältige ich alleine. Aber das ist auch besser so. Ich schäme mich für das heruntergekommene Erscheinungsbild meiner Eltern. Und ich bin es gewohnt, alles selbst zu machen. Als ich in London ankomme, bin ich nervös. Bei der Wand treffe ich ein Mädchen, sie ist ebenfalls alleine und hat, wie ich, einen Gepäckswagen voll mit Krempel, den man für Hogwarts braucht. „Hi“, meint sie lächelnd, als sie mich sieht. Ihre Haare sind strohblond. Sie hat ein Puppengesicht und riesige blaue Augen. „Bist auch…?“, verlegen unterbricht sie die Frage. „Ne Hexe? Jawohl.“ Überrascht sieht sie mich an. „Was hättest du gemacht, wenn ich keine wäre?“, fragt sie und grinst. „Tja… Das wäre ein bisschen doof gewesen…“, grinse ich zurück. Gemeinsam rennen wir durch die Wand und auch die Zugfahrt bringen wir gemeinsam hinter uns. Sie heisst Zita und stammt aus einer reinblütigen Familie. Ich erfahre, dass sie unbedingt nach Slytherin möchte. „Mom und Dad killen mich, wenn es ein anderes Haus wird“, meint Zita ernsthaft. Dazumal weiss ich noch nicht, wie viel Wahres an dieser Aussage dran ist. In Hogwarts angekommen, bin ich absolut sprachlos. Das Schloss ist wunderschön und ein heimeliges Gefühl breitet sich in mir aus. Hier werde ich sicher sein. Meine Anspannung lässt etwas nach und ein Teil meines Schutzschilds bröckelt von mir ab. Als wir Erstklässler die grosse Halle betreten wird es schlagartig still. Alle sehen uns an und einige der ‚Grossen‘ kichern und tuscheln miteinander. Jeder Haustisch strahlt eine völlig andere Atmosphäre aus. Sofort erkenne ich den Tisch der Slytherins. Und ich weiss genau, dass ich auch dahin kommen werde. Und dann beginnt die Häuserverteilung. Zita kommt an die Reihe. „Wünsch mir Glück“, wispert sie nervös. Sofort drücke ich beide Daumen. Es dauert eine Ewigkeit doch dann ruft der Hut endlich: „Slytherin!“ Ich klatsche begeistert und Zita grinst mir zu. Gespannt sehe ich bei jeder Entscheidung zu, bis Professor McGonagall mich endlich aufruft. „O’Sullivan, Kallie Imogen!“ Ich höre Zitas Zuruf und hebe beide Daumen in ihre Richtung. Als ich auf dem Stuhl sitze, bin ich vollkommen entspannt. „Du hast Schreckliches durchgemacht“, meint der Hut. Ich erschaudere. „Das geht dich Nichts an“; zische ich wütend. „Der Hass wird dich zerstören, Kallie Imogen. Denn ich sehe viel Gutes in dir. Viel, was nach einer waschechten Ravenclaw aussieht. Aber deine Vergangenheit hat dich zerstört, dich verschlagen gemacht. Daher würde ich sagen…“ Und laut ruft er: „Slytherin!“ Ich fühle mich wohl in meinem Haus. Ich habe viele Freunde, aber Zita wird meine beste Freundin. Und auch mit Bole verstehe ich mich grossartig. Er wird zu meinem Beschützer. Mein Lieblingsfach wird Verwandlung, auch wenn ich McGonagall nicht gerade mag. Sie scheint in mich hineinsehen zu können und das behagt mir überhaupt nicht. Niemand darf erfahren, was mir passiert ist. Niemand! Zum Unverständnis aller Slytherins bin ich ein absoluter Fan von Hagrid und er von mir ebenfalls. Ich habe sehr gute Noten, habe aber den Hang, mich mit den Lehrern anzulegen, was unserem Haus regelmässig einige Punkte kostet. Aber anders als ich gedacht habe, nutze ich die ersten Jahre in Hogwarts nicht, um mich gegen Karl zu verteidigen. Zu gross ist meine Angst, von der Schule verwiesen zu werden. Und das heisst, dass ich regelmässig in den Sommerferien das Grauen erneut durchleben muss. Und das macht mich kaputt. Als ich ins fünft Jahr komme, fange ich an zu trinken und mit diversen Jungs, an denen mir eigentlich absolut nichts liegt, zu schlafen. Und nun beginnt meine Geschichte… Start der eigentlichen Geschichte Ich beobachte sie. Wie vorausgeahnt ist sie bereits zu diesen früher Stunde ziemlich betrunken. Cedric Diggory aus Hufflepuff versucht gerade bei ihr Eindruck zu schinden. Böser Junge. Scheinbar ist er mit Cho doch nicht so glücklich, wie es immer den Anschein macht. Ich verstehe jedes männliche Wesen, das sich zu ihr hingezogen fühlt. Sie ist die schönste Frau in Hogwarts. Ihr schwarzes Haar hat sie heute mal nicht zu einem Zopf zusammengebunden sondern hochgesteckt. Ihre Augen hat sie im Katzenlook geschminkt. Wie immer umgibt sie eine Aura von Arroganz, Kälte und Unnahbarkeit. Doch jedes Mal wenn sie betrunken ist, scheint sie auch sehr verletzlich und… als hätte sie etwas erlebt. Etwas Schreckliches. Falls es so ist, rechtfertigt das aber natürlich nicht, was sie tagtäglich in der Schule abzieht. Keiner ist vor ihr sicher, sie ist gemeiner als Malfoy. Sogar er tanzt nach ihrer Nase. „Pandora…“, murmle ich. „Was?“ Mein Zwillingsbruder sieht mich irritiert an. „Ich dachte gerade, dass Pandora ein geeigneter Spitzname ist für die Slytherin-Prinzessin.“ Mein Bruder grinst und nickt anerkennend. „Klar! Wieso sind wir da nicht früher draufgekommen? Die Büchse der Pandora, Beinhalterin alles Übel dieser Welt.“ Lee und die anderen am Tisch johlen und lachen. Auch sie sind bereits ziemlich breit. „So, Leute. Ich bin bereit, mich für diesen Streich zu prostituieren. Ein letzter Drink, dann legen wir los mit Operation Pandora.“ Ich hebe mein Glas, die anderen tuen es mir nach. „Auf Gutes gelingen, Bruder!“, ruft George. „Oh ja. Mögest du das Übel aus Slytherin überstehen. Ich hoffe, sie entpuppt sich nicht als Gottesanbeterin“, sagt Lee und grinst über das ganze Gesicht. „Die gefühlten 100 Jungs, die sie schon durch hat, leben alle noch. Ich bin also guter Hoffnung. Aber meinetwegen könnt ihr noch einen Rettungstrupp zusammenstellen. Die ganze Geschichte sollte um Mitternacht durch sein.“ Nach diesen Worten erhebe ich mich und geselle mich zu einigen anderen Gryffindors, die näher bei den Schlangen sitzen. Ron und Harry gehören ebenfalls zu der Gruppe. Vorbildlich trinken sie alle bloss Butterbier. Naja… Mit Hermine am Tisch ist es auch schwierig, gegen irgendwelche Regeln zu verstossen. Diggory gibt mir gerade gehörig auf die Nerven. Seit wir vor ca. einem Monat etwas miteinander hatten, dackelt er mir ständig hinterher. Scheinbar hat der Hohlkopf noch nicht begriffen, dass zwischen uns nicht noch ein zweites Mals etwas läuft. Von allen Häuser mag ich die Hufflepuffs am wenigsten. Und das Einzige was Diggory kann, ist Quidditch und sonst Nichts. Soll er doch bei seiner Mischlings-Braut bleiben. Zum X-ten Mal muss ich seine Hand von meinen Schenkel wegscheiben. „Es reicht jetzt! Hast du es noch nicht geschnallt? Du bist ne Niete! Noch so eine Nacht möchte ich nicht erleben“, rufe ich genervt aus. Die Leute am Tisch, fast nur Slytherins, johlen. Ich stehe auf. Der Raum schwankt kurz und ich muss mich an der Tischkante festhalten. „Das war’s Leute. Der Hufflepuff hat mir den Abend versaut.“ Allgemeine Enttäuschungsausrufe gehen durch die Runde. Jeder scheint gehofft zu haben, heute derjenige welcher zu sein. Tja, Pech gehabt. Ich verlasse den Eberkopf. Draussen atme ich erstmals tief durch. Mir ist speiübel und es dreht sich alles. Ich gehe einige unbeholfene Schritte, muss mich jedoch nach kurzer Zeit an eine Wand lehnen. Gott, mir ist so schlecht. Ich höre Schritte. Ein Gefühl der Angst durchströmt mich. Warum? Ich bin kein ängstlicher Mensch, jedenfalls nicht hier in Hogwarts. Die Schritte kommen näher. Ich stosse mich von der Wand ab, um fluchtbereit zu sein, doch es ist zu spät. Grob werde ich gegen die Wand gedrückt. „Du hast mich vor allen blamier, du dreckige Schlange“, zischt Cedric mir ins Ohr. Er stinkt nach Alkohol, so wie ich vermutlich. „Lass mich los, du Schlappschwanz“, keuche ich. „Schlappschwanz? Ich beweise dir, dass du dich irrst.“ Mir wird kalt und ich bin wie gelähmt. Genauso gelähmt, wie wenn Karl mich besuchen kommt. Wenn mir das hier passiert, hier in meinem sicheren Hafen, dann… Dann werde ich das nicht überleben. Dann werde ich nicht mehr in der Lage sein, die ganzen Übergriffe mit Alkohol und Männern zu verarbeiten. „Bitte. Cedric. Bitte nicht“, flehe ich und hasse mich dafür. Ich bin die Beste in Verteidigung der dunkeln Künste, aber ich komme nicht an meinen Zauberstab ran. Abgesehen davon befindet sich in meinem Kopf zurzeit nichts, ausser Angst. Ich bin nicht mal fähig, mich an die einfachsten Zauber zu erinnern. „Flehen nützt dir nichts mehr, Schlange. Du wirst deine Wort bereuen.“ Seine Hände sind überall. Sein Atem geht keuchend an meinem Nacken. Er drückt mich mit seinem ganzen Gewicht gegen die Wand und macht sich an meiner Hose zu schaffen. Doch plötzlich verschwindet das Gewicht. Ich sinke kraftlos zu Boden. Zitternd. Nicht fähig mich zu rühren. Ich höre eine mir vage bekannte Stimme. Höre, wie eine Faust auf ein Gesicht trifft, höre das Stöhnen und Winseln Cedrics. „Sei froh, Diggory, dass ich den Zauberstab nicht hier habe! Und jetzt geh, geh so schnell du kannst, denn sonst…“ Ungesagt bleibt die Drohung in der Luft hängen. Ich höre, wie sich jemand, Cedric, aufrappelt und wieder hinfällt, dann noch einmal. Schliesslich gelingt ihm die Flucht. „Hey…“ Eine sanfte Stimme. Die Aggression und die Wut sind völlig aus ihr verschwunden. Jetzt weiss ich, zu wem die Stimme gehört. Normalerweise hört sie sich vergnügt an. Schalkhaft, humorvoll oder sarkastisch. Noch nie habe ich sie besorgt, bekümmert oder sanft gehört. Die Stimme gibt mir Sicherheit, lässt die Kälte und den Schock ein wenig aus meinem Körper weichen. „Steh auf. Du kannst nicht hier im Schnee sitzen bleiben.“ Ich werde hochgezogen, aber meine Beine scheinen aus Gummi. Ohne ihn wäre ich sogleich wieder zu Boden gesunken. „Lass uns reingehen.“ Zuerst bin ich verwirrt. Wo rein? Doch dann fällt es mir ein: Der Eberkopf. „Nein!“, rufe ich beinahe panisch. Er zuckt erschrocken zusammen. „Okay, okay. War nur ein Vorschlag, ja? Ich bringe dich ins Schloss. Komm.“ Er zieht sanft an mir. „Ich…“ Und dann übergebe ich mich. Er hält mir die Haare, die sich aus der Hochsteckfrisur gelöst haben, aus dem Gesicht und streicht mir immer wieder über den Rücken. Nach dem Erbrechen geht es mir aber nicht wie sonst besser. Ich zittere wieder. „Ich… Kann nicht. Es ist so weit. Zu weit.“ Und dann wird es schwarz um mich herum. Sie wird ohnmächtig. Ich fange sie auf, bevor sie auf den Boden aufschlägt. Dann nehme ich sie auf den Arm. Sie ist erstaunlich leicht für ihre Grösse. Noch nie habe ich sie so gesehen. Ein Häufchen Elend, winzig klein. Ich sende meinen Patronus mithilfe von Kallis Zauberstab zu Lee und George. Vergesst den Plan. Erkläre es morgen... Gerade gehe ich mit ihr durchs Tor, als sie langsam wieder zu sich kommt. „Was… Wo…“ Mehr kommt nicht aus ihr heraus. „Du musst mir sagen, wo euer Haus ist. Ich weiss, dass der Eingang irgendwo im Kerker ist, aber ich weiss nicht genau wo.“ Plötzlich, wie aus dem Nichts, beginnt sie sich gegen mich zu wehren. „Lass das! Du fällst noch herunter!“ Und dann verpasst sie mir eine, direkt an der Kehle. Der Schmerz trifft mich unerwartet und ich lasse Kallie fallen. Ich höre ein Knacksen, als Kallie auf dem Boden aufschlägt. „Verdammt!“, schimpfe ich laut drauflos. Sie rappelt sich inzwischen schwankend wieder auf. Ihr linkes Handgelenk sieht komisch aus. Verdreht. „Du hast dir das Handgelenk gebrochen», stelle ich erschrocken fest. Mir wird fast übel beim Anblick des verdrehten Gelenks. Erst als ich auf dem Boden auftreffe und Fred fluchen höre, bemerke ich meinen Irrtum. Ich habe glatt vergessen, dass der eine Weasley-Zwilling mich gerettet hat. Als ich aus der Ohnmacht erwacht bin, bin ich der festen Überzeugung gewesen, dass ich mich in den Fängen von Diggory befinde. Nun stehe ich schwankend da. Und schaue mein Handgelenk an und… fange an zu lachen. Es sieht so komisch aus, wie dieser Knochen herausschaut. Abstrakt. Eigentlich müsste so ein Bruch wehtun, das ist mir schon klar. Aber ich spüre davon absolut nichts. Was wahrscheinlich daran liegt, dass ich extrem betrunken bin. „Kallie. Das ist nicht lustig. Wir müssen zu Madam Pomfrey. Das ist ein übler Bruch.“ Ich sehe den Weasley an und es ist schlagartig vorbei mit dem Lachen. Er hat verdammt schöne Augen, das ist mir gar noch nie aufgefallen. Und darin liegt einen Ausdruck denn ich nur zu gut von Zita kenne. Echte Besorgnis. Und zwar, und ich kann es gar nicht glauben, Besorgnis um mich. Was eigentlich nicht sein kann, die Weasleys hassen die Slytherins und insbesondere hassen die Zwillinge mich. „Du hast wunderschöne Augen.“ Der besorge Ausdruck verschwindet. Die Augen verengen sich zu Schlitzen und die linke Augenbraue verschwindet beinahe unter dem Haaransatz. „Du bist völlig betrunken… Lass uns in den Krankenflügel gehen. Das muss verdammt wehtun.“ Ich schüttle den Kopf. „Nein. Ich spüre Nichts.“ Er ignoriert die Aussage und zieht mich einfach mit sich. Ich muss sagen, Madam Pomfrey ist wirklich cool. Sie sieht zwar nicht gerade begeistert aus, als ich, sturzhagelvoll mit Fred im Krankenflügel auftauche, aber sie spart sich die Schimpftriade und kümmert sich sofort um mich. Eine Halbestunde später liege ich auf dem Bett, gut zugedeckt, die Knochen geheilt. Gegen den Rausch hat sie nichts unternommen. Sie hätte gekonnt, das hat sie selbst zugegeben. „Aber wer Saufen kann, kann auch die Konsequenten tragen.“ Mit diesen Worten ist das Thema vom Tisch. „Na dann.“ Fred scheint verlegen. „Mach’s gut. Bis Montag.“ Ich hätte ihm gerne gedankt. Aber ich bringe nur ein unverständliches Murmeln raus, dann schlafe ich auch schon ein. Dieser verfluchte Alkohol… Am nächsten Nachmittag kommen Zita und Bole in den Krankenflügel gestürmt. Pomfrey untersucht gerade mein Handgelenkt, danach kann ich gehen. „Zita, du siehst ja schrecklich aus“, meine ich, obwohl ich weiss, dass ich nicht besser aussehe. Ich fühle mich wie ausgekotzt. Zita ist bleich, sie hat dunkle Augenringe und ihre blonde Mähne steht in alle Richtungen ab und ist nicht topgestylt wie sonst. Zornig sieht sie mich an. „Sag mal, spinnst du eigentlich? Soll ich dir sagen, wieso ich so beschissen aussehe! Ich lerne wie dumm für diese Prüfung für McGonagall am Montag. Dann kommt Bole um drei Uhr morgens zurück und fragt mich, wie es dir gehe. Du seist ziemlich betrunken gewesen, als du den Eberkopf verlassen hattest. Und dann haben wir bemerkt, dass du scheinbar unterwegs irgendwo verloren gegangen sein musst. Weil an mir bist du nie vorbeigekommen. Vielleicht irgendwo im Warmen bei irgendeinem Typen, aber vielleicht vor lauter Alkohol irgendwo halb oder ganz verfroren im Schnee. Und dann haben wir dich gesucht, als du um acht Uhr noch nicht aufgetaucht bist. Denn normalerweise bist du immer Punkt acht von deinen nächtlichen Liebeleien zurück. Also gehen wir nach Hogsmead und suchen das ganze verdammte Dörfchen nach dir ab. Nichts. Keine Kallie Imogen O’Sullivan. Und dann treffen wir, und ich war noch nie in meinem Leben so froh auf einen Weasley zu sehen, das kannst du mir glauben, Fred an und von dem mussten wir dann erfahren, was gestern passiert ist. Und du hast nach dieser Episode ernsthaft den Nerv, dich über mein Aussehen lustig zu machen! Weisst du, was alles hätte passieren können! Was passiert wäre, wäre Fred nicht gerade in diesem Moment aus dem Eberkopf gekommen!“ Ich bin geschockt. Ja, Zita ist sensibel. Aber so einen Ausbruch habe ich noch nie erlebt. Und dann fängt sie auch noch an zu heulen. Und wenn Zita weint, dann muss ich auch immer gleich weinen, obwohl das sonst überhaupt nicht meine Art ist. Denn sie sieht so süss aus, so unschuldig, wie ein Engel. Und einen Engel weinen zu sehen und zu hören, dass ist echt hart. Ich sehe zu Bole. Und bereue es. Denn auch er sieht absolut fertig aus. Und wütend. „Bole, Zita… Es tut mir leid. Ich… Ich.“ Mir bleiben die Worte im Hals stecken. Und dann springt Zita mich sozusagen an und drückt mich beinahe zu Tode. „Tu das nie wieder! Nie wieder!“ Und schlussendlich liegen wir uns zu dritt in den Armen, Zita und ich weinen und Bole versucht uns beide zu beruhigen. Und dann lachen wir alle zusammen und sind einfach froh, dass alles gut ausgegangen ist. Ich will nicht, aber trotzdem ertappe ich mich immer wieder dabei, wie ich mich suchend umblicke. Und ich würde gerne behaupten, dass ich nicht nach ihr Ausschau halte, aber das wäre eine Lüge. Den ganzen Samstag und Sonntag über habe ich gehofft, ihr über den Weg zu laufen, aber allgemein, schienen dieses Wochenende alle Slytherins wie vom Erdboden verschluckt. Das fanden alle super, ausser ich. Das Frühstück ist beendet und George und ich dürfen nun zwei Stunden im Hass-Fach jeden Gryffindors sitzen. Zaubertränke. Aber heute freue ich mich sogar ein bisschen drauf. Denn dort muss sie ja sein. Wir setzen uns auf unsere Stammplätze in der hintersten Reihe. Die meisten Schlangen haben sich bereits in den vorderen Reihen hingesetzt. Suchend blicke ich mich um. „Wer ist denn die Neue da?“, fragt mich George plötzlich und unterbricht meine Sucherei. Ich zucke nur die Achseln, ohne genau hinzusehen. Doch dann höre ich die ‚Neue‘ sprechen und bin tatsächlich einen Moment sprachlos. «Das ist keine Neue. Das ist Kallie.“ George sieht mich fragend an. „Pandora. Das ist Pandora.“ Ungläubig starrt er sie an. Und ich auch. Sie trägt einen pinken Schlabberpulli, der ihren Wahnsinnskörper absolut nicht zur Geltung bringt und Trainerhosen. Ihre Haare hat sie unordentlich hochgesteckt und kein Tupfen Make-Up befindet sich auf ihrem Gesicht. „Sie sieht…. Also… Irgendwie…“ – „Ist sie viel hübscher so?“, beende ich das Gestammel meines Bruders. Er sieht mich irritiert an. „Nein. Wenn ihr Charakter schon hässlich ist, hatten wir vorher wenigstens was fürs Auge. Klar, sie ist eine Naturschönheit, da hast du schon recht, aber trotzdem.“ Abwartend sieht George mich an. Snape rettet mich vor einer Antwort oder Erklärung. Er kommt reingerauscht und knallt seine Bücher auf den Tisch und schon geht der Unterricht los. Aber ich bin nicht bei der Sache. Und dann kommt das, was ja kommen musste. «Fred, halt! », ruft mein Bruder, aber es ist schon zu spät. Es gibt einen lauten Knall und ich werde an die Wand geschleudert. Und der Aufprall ist nicht gerade sanft. Ich höre Mädchen kreischen und Jungs fluchen, aber ich bin zu keiner Regung fähig. Es dreht sich alles und irgendwas tropft es mir unangenehm auf den Nacken. «Fred, ist alles okay? » George hat sich bereits wieder aufgerappelt, der Rauch verzieht sich langsam und übrig bleibt nur noch ein übler Gestank. «Oh Gott… Du blutest wie ein Schwein auf der Schlachtbank. » Doch ich kann nicht antworten. Ich sehe nur noch, wie Snape sich über mich beugt, dann bin ich auch schon weg. Zita kreischt auf, als es einen lauten Knall gibt. Erschrocken drehen wir uns alle nach hinten, aber man sieht nur grünlichen Nebel. Man hört Schmerzenslaute und Gefluche. Als sich der Nebel langsam verzieht, schlägt sich Zita die Hand vor den Mund und alle Farbe weicht aus ihrem Gesicht. Am Boden liegt einer der Zwillinge und um ihn hat sich eine Blutlache gebildet. Snape läuft rasch nach hinten. «Weasley, bleiben Sie bei uns…» Aber anscheinend nutzen Snapes Worte nicht, denn der Junge sackt bewusstlos zusammen. Instinktiv weiss ich, dass es sich dabei um Fred handelt. Ein Stich durchzuckt meine Brust, aber ich ignoriere das Gefühl. Eine Slytherin sorgt sich nicht um einen Wiesel. Ich denke an seine sanfte Stimme am Wochenende und wie er mich vor Diggory gerettet hat. Vielleicht habe ich doch ein bisschen das Recht, mich um ihn zu Sorgen. Snape macht einen Schlenker mit dem Zauberstab und schon liegt Fred auf einer schwebenden Trage. «Der Unterricht ist beendet. Weasley, machen Sie die Sauerei Ihres Bruders sauber. » Und dann rauscht der Lehrer davon. Die Leute aus meinem Haus johlen und klatschen. «Ein Hoch auf das Wiesel! Es ist traumhaftes Wetter, ab an den See. » Die Gryffindors scheinen noch unter Schock, vor allem der Zwillingsbruder. Er steht da, mit hängenden Schultern und scheint offenbar gegen Tränen zu kämpfen. Und ich bewundere die anderen aus seinem Haus. Denn sofort sind sie für ihn da, zücken ihre Zauberstäbe und fangen an, aufzuräumen. Ein Mädchen wirft sich schluchzend in Georges Arme. «Oh mein Gott! Was ist, wenn er nicht wieder gesund wird? » Unbeholfen tätschelt Weasley sie und murmelt irgendwas. «Lass uns verschwinden», reisst Bole mich aus meiner Beobachtung. Er hält Zita fest, sie ist immer noch kreideweiss. «Jaah. Gute Idee» Und so überlassen wir die Gryffindors sich selbst. Der restliche Tag läuft ereignislos. George taucht nicht mehr beim Unterricht auf, er wird bei seinem Bruder im Krankenflügel sein. Die Löwen sind alle bleich und bedrückt. Als ich am Abend lesend auf meinem Bett sitze, meint Zita plötzlich: «Wir sollten ihn besuchen gehen. » Überrascht sehe ich auf und runzle die Stirn. «Er hat dich am Wochenende gerettet, das wirst du wohl nicht vergessen haben? Ich denke, das schuldest du ihm. » Ich schnaube. «Ich schulde ihm ja wohl gar nichts. Da kann ich ja nichts dafür, dass er zu doof zum Zaubertrankmischen ist. » Sofort nach diesen Worten durchzucken mich Gewissenbisse, aber ich ignoriere sie. Ich werde Fred nie mehr ihn die Augen sehen können. Denn er hat mich so gesehen, wie mich niemand sehen sollte. Am Boden, völlig verängstigt und hilflos. Aber ich bin Kallie Imogen. Ich bin stark. Ich spiele mit den Männern, sie tanzen nach meiner Pfeife. Ich nehme mir das von ihnen, was ich brauche. Und nicht umgekehrt! «Mach was du willst, aber ich gehe ihn jetzt besuchen. Er ist super süss. Und hat meine beste Freundin gerettet. » Sie kommt an mein Bett und streckt mir die Hand entgegen. «Na los. Überwinde dich und sei auch mal zu jemand anderem nett, nicht nur immer zu Bole und zu mir. » Und sie sieht mich mit ihren grossen blauen Augen an und lächelt mich an. Seufzend ergebe ich mich. Und so machen wir uns zusammen auf den Weg in den Krankenflügel, der zu unserem Pech bereits gut gefüllt ist. Und zwar von den Rot-Goldenen. «Lass uns ein anderes Mal vorbeischauen… », murmle ich und habe mich schon wieder umgedreht. Doch Zita hält mich zurück. «Oh nein. Keine Ausreden. Jetzt oder nie. » Und dann sagt zu unserem Glück Oliver Wood: «So Leute. Wir müssen trotzdem trainieren, in zwei Wochen spielen wir gegen die verfluchten Schlangen. » Es wird Gemurrt und Geschimpft, aber alle raffen sich gehorsam auf und verlassen den Krankenflügel ohne Zita und mich gross zu beachten. Tja, jetzt habe ich keine Ausrede mehr, um mich zu drücken. Erleichtert lasse ich mich ins Kissen sinken. Ich bin froh, dass die anderen gegangen sind. Sie sind zu laut gewesen und zu besorgt und mitleidsvoll. Vor allem Katie ist mir gehörig auf die Nerven gegangen. Sie steht auf mich und ich habe noch nie viel getan, um sie abzuweisen. Was ich inzwischen bereue, denn sie scheint sich zur regelrechten Klette zu entwickeln. «Hi» Erschrocken zucke ich zusammen und sehe auf. Vor mir steht eine Slytherin. Klein, zierlich, wie eine Puppe. Kurz habe ich Mühe, sie einzuordnen, aber dann erkenne ich die Kleine als Kallies beste Freundin Zita. Kurz bin ich zu überrascht über ihr Erscheinen, um die Begrüssung zurückzugeben. Doch dann habe ich mich erholt. «Hallo» Sie strahlt mich an. «Kallie kommt auch gleich. » Dabei nennt sie Kallies Namen etwas lauter und mit einem Befehlston in der Stimme. Ich höre ein Seufzen und sehe, wie Kallie mit einem wütenden Blick Richtung Zita ans Bett tritt. «Hallo» Sie lässt kurz den Blick über mich schweifen und starrt dann stur auf einen Punkt über meinen Kopf. Zita setzt sich lässig auf die Bettkante meines Bettes. «Und, wie geht es dir? Hast ziemlich was abbekommen, was? » Zuerst beantworte ich Zitas Fragen mit einem gewissen Argwohn, aber das legt sich bald. Sie ist absolut sympathisch und sieht aus wie ein Engel. Irgendwie erweckt sie in mir einen Beschützerinstinkt, der mich auch heimsucht, wenn es um meine kleine Schwester Ginny geht. Kallie sagt nicht viel, schaut mir nicht einmal in die Augen. Ich kann es mir nicht erklären. Warum ist sie so? Was habe ich ihr getan? Die beiden bleiben etwa eine Stunde. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass Zita im Haus Slytherin nichts zu suchen hat. Noch nie hatte ich bei einem Schüler solch ein Gefühl. Der sprechende Hut, der kann ja wohl nicht falsch liegen? Nachdem die Mädchen gegangen sind, bleibe ich etwas irritiert zurück und lasse mir das Gespräch noch einmals durch den Kopf gehen. Habe sie mich benutzt? Habe ich ihnen irgendetwas verraten, was ich nicht hätte tun dürfen? Ich schüttle den Kopf über meine Paranoia. Zita schien sich wirklich nur für meinen Gesundheitszustand und Belangloses interessiert zu haben. Und Kallie… Tja, wenn ich das nur wüsste. Ich sitze auf meinem Besen und fluche halblaut vor mich hin. Dieser elende Nebel… Und nun kommt auch noch ein unangenehmer Wind auf, der es einem schwierig macht auf dem richtigen Kurs zu bleiben. Lee Jordans Stimme schallt über das Spielfeld. «Das war ganz klar ein Foul seitens dieser dreckigen…» McGonagall unterbricht ihn scharf. «Mr. Jordan, jetzt fang ich Ihnen dann bald an Punkte für ihr Haus abzuziehen, wenn sie weiterhin solche unflätigen Bemerkungen von sich geben.» «Tschuldigung, Professor. Da ist wohl mein Patriotismus mit mir durchgegangen. Kommt nicht wieder vor. Naja, auf jeden Fall wurde eine der Jägerin aus dem Team Gryffindor gerade übel gefoult. Bei diesem Nebel konnte ich leider nicht erkennen, um wen es sich handelt. Zum Glück war einer der Treiber rechtzeitig vor Ort und konnte ihren Absturz abmildern. Das wäre sonst übel ausgegangen.» Ich erkenne vor mir einen Teamkollegen, der gerade von einem Klatscher bedrängt wird. Ich sause los, um ihm aus der Patsche zu helfen. Mit voller Wucht schlage ich den Klatscher in eine andere Richtung. Dumm nur, dass ich nicht sehe, ob dort ein Slytherin, ein Gryffindor oder ein niemand ist. «Uha, jetzt wurde gerade der Käpt’n von Slytherin böse von einem Klatscher am Kopf getroffen und vom Besen gefegt.» - «Scheisse», fluche ich. Das ging wohl auf meine Kappe. Markus Flint weiss zum Glück nicht, dass ich ihn getroffen habe. «Du weisst schon, dass das Ziel wäre, seine Mitglieder zu beschützen und nicht von den Besen zu holen?», ertönt eine Stimme plötzlich neben mir. Ich erschrecke mich beinahe zu Tode. Vor mir schwebt aus dem Nichts ein Weasley. Mein Herz macht ein Hüpfer. Ich schiebe es aber meinem Erschrecken zu. «Was denkst du denn!», ich bin wütend, fühle mich blossgestellt. «Na, na, immer mit der Ruhe, Pandora. Das war doch bloss ein Scherz. Habe kurz vergessen, dass ihr Schlangen nicht gerade zu den Witzigsten auf Hogwarts zählt.» Ich schnaube und schweige. Fred seufzt. «Darf ich dich mal was fragen?» Ich schweige weiterhin, er fasst es scheinbar als ja auf. «Zita, sie ist echt ein, naja, Engel. Ich habe mich mittlerweile ein paar Mal mit ihr unterhalten. Und… sie scheint echt nichts in eurem Haus verloren zu haben.» Ich werde blass. Genau darum gehört Zita zu den Aussenseitern. Denn sie hat ein Geheimnis. Und Weasley scheint verdammt nahe es zu lüften. Also versuche ich ihn durch eine pampige Antwort auf was Anderes zu bringen. «Das war keine Frage.» Und dann entschliesse ich mich zur Flucht. Schliesslich bin ich nicht zum Plaudern hier. Ich bin frustriert. An diese Frau kommt man echt nicht heran. Naja, vielleicht sollte ich die Beleidigungen einfach mal ganz sein lassen. Aber was würde sie dann für Schlüsse daraus ziehen? Ich sause auf meinem Besen ein bisschen auf dem Spielfeld herum. Und merke, dass ich Kallie immer im Blick habe und wenn ich sie mal verliere, suche ich sie sofort wieder. «Du bist ein Idiot, Fred.», sage ich. Und erschrecke mich zu Tode, als eine Stimme neben mir sagt: «Das merkst du jetzt? In deinem 15. Lebensjahr?» Kallie ist neben mir aufgetaucht und grinst mich an. Und ich bin verwirrt und sprachlos. Doch dann finde ich meine Stimme wieder. «Besser spät als nie, nicht?» Und dann vergesse ich das Spiel und das schlechte Wetter um mich herum. Wir plaudern und lachen und ich merke, dass sie nicht nur hübsch ist, sondern auch einen tollen Humor hat. Trocken und Rabenschwarz. Und dann ist das Spiel zu Ende und wir haben verloren. Aber ich bin so glücklich, als hätten wir den Hauspokal gewonnen. Denn Kallie und ich haben uns über 1 Stunde unterhalten. Und meine Vermutung scheint sich zu bestätigen. Wenn sie es auch zu verbergen sucht, Kallie bedrückt irgendetwas. Irgendetwas schreckliches. Fred und ich haben eine zarte Freundschaft aufgebaut. Zita weiss davon und sein Bruder. Sonst niemand und so soll es auch bleiben. Die Zeit bis zu den Sommerferien vergeht wie im Flug. Ich werde nervös. Nehme ab, weil ich vor Angst nicht mehr essen kann. Bin unkonzentriert, vergesse dauernd Alles. Zita ist sich gewohnt, dieser Zustand macht sich immer einige Wochen vor den Sommerferien bemerkbar. Sie hat aufgehört, mir dazu Fragen zu stellen. Dieses Geheimnis teile ich mit keinem. Fred kennt mich noch nicht so gut. Er ist besorgt und stellt mir immer wieder solche Fragen wie: «Geht es dir gut?» «Möchtest du darüber reden?» «Kann ich dir irgendwie helfen?» Irgendwann explodiere ich, ähnlich wie damals bei Zita. Ich zücke meinen Zauberstab und drücke Fred wütend gegen eine Wand, eine Hand an seinem Hals, die andere mit dem Zauberstab wenige Millimeter von seinem Gesicht entfernt. «Jetzt hör mir mal zu», zische ich. «Du kannst mir weder helfen, noch möchte ich darüber sprechen, noch geht es dich in irgendeiner Weise etwas an. Also, lass diese nervigen Fragerein endlich sein.» Abwartend sehe ich ihn an. Und er widerspricht mir einfach. «Du musst nicht darüber reden, wenn du nicht willst, das ist mir schon klar. Aber es geht mich sehr wohl was an. Ich mag dich. Sehr. Und du siehst echt scheisse aus, du benimmst dich komisch. Ich mache mir Sorgen. Du gehörst nun zu meinen Freunden. Du bist mir wichtig.» Einen Moment bin ich sprachlos. Dann sage ich: «Dann gehör ich eben ab heute nicht mehr zu deinen Freunden, du elendes Wiesel.» Seit wir uns angefreundet haben, habe ich ihn nie mehr so genannt. Ich sehe, wie es ihn trifft und denke, ich habe gewonnen. «Du wirst mich so nicht los Kallie. Beschimpfte mich, schlag mich, verfluche mich. Das ist mir egal.» Alles in mir ist in Alarmbereitschaft. Er darf es nicht erfahren. Niemand darf es je erfahren. Sie werden mich nicht mehr als das sehen, was ich sein will. Sie werden mich bemitleiden, sich vor mir ekeln, mir die Schuld für alles geben. Niemand wird es verstehen. Sie werden sich von mir abwenden. Und wenn es Fred weiss, wird es auch Zita wissen und dann Bole und so weiter. Also verliere ich lieber nur einen Freund. Auch wenn es weh tut. Mir fast das Herz zerreisst. Aus dem Augenwinkel sehe ich Ginny in den Gang hineintreten. Das scheint mir ein Zeichen zu sein. Sie zückt ihren Zauberstab, setzt zum Sprechen an. Ich wirble herum und rufe: «Furnunculus!» Ginny schreit auf. Ich wende mich an Fred. Dieser schaut entsetzt zu seiner Schwester. Die Furunkel spriessen bereits aus ihrem Gesicht und den Händen. «Wenn ich deine Familie verfluche? Deine Freunde sabotiere? Was ist dann?» Ich habe noch zweimal einen Versuch unternommen, die Sache mit Kallie zu drehen. Beide Male sind zwei meiner Freunde unter die Räder gekommen. Ich wende mich an Zita. Sie rät mir, mich bei Kallie zu entschuldigen und die Sache sein zu lassen. Ich höre nicht auf sie, versuche es ein drittes und letztes Mal. Denn sie treibt es zu weit. Lee ist zwei Tage im Krankenflügel, weil sie einen Klatscher auf ihn losgelassen hat. Ich bin wütend, verletzt, traurig und enttäuscht. Dann sind die Ferien da, wir sitzen alle im Zug nach London. Ich laufe an den Abteilen vorbei, auf der Suche nach George und Katie, Lee und Angelina. Da sehe ich Zita, Bole und Kallie in einem Abteil sitzen. Und bevor ich überleg, trete ich hinein. Alle schweigen. Kallies und Zitas Hände sind verschränkt, Zita weint. Bole hat seine Hand auf Zitas Knie und schaut sie schweigend und traurig an. Besorgnis durchzuckt mich. «Was ist denn los?» Zita sieht auf und versucht zu lächeln. «Das verstehst du nicht, Fred.» Ich runzle die Stirn. «Woher weisst du das?» Kallie sieht ruckartig auf, ermordet mich mit ihrem Blick. «Ist das ein Hobby von dir? Sich in Angelegenheiten von anderen einzumischen? Ne verdammte Gryffindor-Krankheit? Ach nein, stimmt nicht. Das hast du wohl von deiner Mutter geerbt? Die soll genauso nerv tötend sein wie du.» Ich will zu einer giftigen Erwiderung ansetzten, doch Zita unterbricht mich. «Kallie hat mir erzählt, dass du nicht verstehst, wie ich nach Slytherin kommen konnte. Ich gehöre auch nicht dahin. Eigentlich wäre ich eine Hufflepuff. Aber meine Eltern hätten mich verstossen, vielleicht sogar töten lassen. Etwas anders als Slytherin wird bei uns nicht akzeptiert. Du kannst dir vorstellen, wie schwierig die Sommerferien für mich sind. Ich kann nicht ich selbst sein. Muss immer auf der Hut sein.» Alle im Abteil schweigen kurz. «Na, kannst du ihr helfen?» Herausfordernd sieht mir Kallie in die Augen. Zita seufzt und wirft mir einen entschuldigenden Blick zu. «Wollen den deine Eltern, dass du nach Hause kommst? Du könntest bestimmt einen Teil der Sommerferien bei uns verbringen. Mom…» Ich werfe Kallie einen bedeutsamen Blick zu «… ist echt super. Und unkompliziert, was Gäste angeht. Harry zum Beispiel, lebt quasi die ganzen Sommerferien bei uns. Mom hilft anderen gerne aus der Patsche.» Zita lächelt mich strahlend an. «Einen Teil muss ich sicher zu Hause verbringen, aber vielleicht könnte ich einige Tage zu euch kommen. Kann ich dir noch schreiben?» Ich nicke, wir plaudern noch eine Weile. Also, Bole, Zita und ich, Pandora hüllt sich in eisiges Schweigen, dann mache ich mich auf in mein Abteil. Wäre es so einfach? Würden die Weasleys mich auch einfach so aufnehmen? Nein. Denn ich bin, was ich bin. Eine Slytherin. Die Sommerferien starten und mit ihnen das schon einige Male durchlebte Grauen. Und immer noch wehre ich mich nicht. Denn dann könnte ich nie mehr nach Hogwarts zurückkehren. Nach den Sommerferien Gebrochen, Kaputt, mehr Tod als lebendig. Nur langsam kann ich das Geschehene abschütteln. In Hogwarts kleine Glücksmomente erleben. Zita ist mir dabei eine grosse Hilfe. Sie hat tatsächlich einige Zeit bei den Weasley verbracht und schwärmt vom Haus und der ganzen Familie. So wie ihr die Weasleys begegnen, gehört sie fast dazu. Ich gerate etwas ins Aus. Aber es ist mir egal. Fast alles ist mir egal. Zita lässt mir Zeit ohne mich je ganz vom Haken zu lassen. Dann kommt das erste Spiel und ich bin unglaublich wütend. Wie immer, nach den Sommerferien. Ich spiele aggressiv und ohne Rücksicht. Nach einer halben Stunde sind zwei Gryffindors dank mir nicht mehr im Spiel. Fred und George versuchen alles, um ihre Spieler vor mir zu beschützen, aber gegen meinen Zorn kommen sie fast nicht an. Ich bin wütend auf mich, weil ich es schon wieder zugelassen habe. Warum biete ich Karl nicht endlich die Stirn? Wütend auf Fiona. Wieso ist sie so schwach? Wütend auf Neal. Warum lässt er das zu? Wütend auf Zita. Wieso kann sie glücklich sein? Wütend auf Fred. Warum musste er nur immer und immer wieder fragen? Ich bin so wütend. Mit voller Wucht treffe ich den Klatscher. Ich höre einen Ruf. «Fred!» Der Zorn verschwindet. Die Stimme stammt von Katie und ihre Warnung kommt zu spät. Mein Klatscher trifft Fred mitten auf die Brust. Er sackt sofort zusammen und kippt seitlich vom Besen. Ich denke nicht, sondern handle. Ich befinde mich etwa zwölf Meter in der Luft, Fred zehn. Dieser Aufprall wäre hart und ungesund. Wie ein Falke im Angriffsflug sause ich steil nach unten und erwische den bewusstlosen Gryffindor. Wir beide sind beinahe zu schwer für den Besen, die Landung wird alles andere als sanft. Aber besser so, als ungebremst abzustürzen. Fred blutet aus dem Mund und der Nase. Ich bin irritiert. Schliesslich habe ich seine Brust getroffen. Und seine Brust hebt und senkt sich nicht. «Er atmet nicht», murmle ich. Und dann, lauter. «Oh Gott, er atmet nicht!» Madam Hooch kommt bereits angerannt, ebenso wie x andere Leute, auch Madam Pomfrey. Ich befinde mich in Trance, nehme alles wie durch Nebel wahr und erwache erst wieder aus meiner Schockstarre als mich Zita unter die Dusche im Slytherin-Haus stellt. «Ich versteh das nicht. Wieso hat er nicht mehr geatmet?» Immer wieder murmle ich das vor mich hin, wie ein Mantra. Zita steckt mich ins Bett und ich schlafe ein. Zwei Stunden später erwache ich schreiend. Zita redet auf mich ein. «Ist er tot?», frage ich, nachdem ich endlich verstanden habe, wo ich mich befinde. «Nein. Du hast ihm einige Rippen gebrochen. Eine davon hat sich in ein Organ reingebohrt, deswegen das Blut. Aber Madam Pomfrey hat ihn zusammengeflickt. In ca. zwei Wochen ist er wieder ganz wie neu.» Zwei Wochen später Ich will einfach nur rennen, mich bewegen. Ich habe das Gefühl, ich sprudle über von Energie. Zwei Wochen durfte ich nur liegen, mich praktisch nicht bewegen. George und ich sind gerade auf dem Weg zum See. Wir wollen eine Runde schwimmen. Ich hüpfe neben ihm auf und ab. Wir albern herum, stossen uns gegenseitig herum. Viele Leute begrüssen mich freudig. Am See sind allerlei Schüler aus allen Häusern vertreten. Man wird wohl nicht mehr lange im See baden können. Bald sind die warmen Sommertage vorbei. Wir entdecken einige Gryffindors. Darunter auch Angelina, Georges neue Flamme und Katie. «Oh Mann, ausgerechnet Katie muss hier sein», meine ich. George grinst. «Die steht total auf dich. Was ist los mit dir? Sie sieht klasse aus, ist nett, spielt super Quidditch. Die solltest du dir schnappen.» Ich winke ab. «Sie ist eine Klette. Gibst du ihr den kleinen Finger, will sie gleich den ganzen Arm.» George sieht mich an. «Wenn du mich fragst, hat es auch eine Menge mit Kallie zu tun.» Kurz fühle ich mich ertappt. «Ich frag dich aber nicht», meine ich etwas zu forsch. George grinst. «Hab ichs doch gewusst. Bruder, vor mir kannst du nichts verheimlichen. Sie hat dir beim Spiel echt geholfen. Wärst du aus zehn Metern abgestürzt, mit deinen Verletzungen…» Er spricht nicht weiter, sein Gesicht wird blass. Ich klopf ihm auf die Schultern. «George, es ist gut ausgegangen. Seit wann gehörst du zu den Was-wäre-wenn-Leuten?» Er grinst etwas gequält. «Seit ich dachte, du stirbst.» Schweigend legen wir den restlichen Weg zurück. Angelina kommt freudig auf George zu. Er schüttelt kurz den Kopf, um seine düsteren Gedanken abzuschütteln, setzt ein breites Grinsen auf und küsst sie. Ich lächle, freue mich für ihn. Schon lange ist er in Angelina verliebt. Wenigstens einer bekommt das Mädchen, das er möchte. «Fred, wie geht es dir?», fragt Katie. Ich atme tief durch, versuche nett, höflich und geduldig zu sein. George hat schon recht. Sie sieht gut aus, ist eigentlich sehr nett und spielt toll Quidditch. Sobald ich diesen Gedanken zu Ende gedacht habe, kommt ein neuer hinzu. Kallie ist viel hübscher. Sie spielt um einiges besser Quidditch. Und wenn sie es zulassen würde, wäre sie auch sehr nett. Wir sind vielleicht seit einer Stunde am See, als eine Traube Slytherins ankommt und sich in der Bucht neben uns niederlassen. Zita ist dabei, Bole auch, aber Kallie nicht. Zita zwinkert mir zu und winkt. Die Slytherins werfen ihr wütende Blicke zu. Bole strafft seine Schultern und starrt seine Hausmitglieder ebenfalls wütend an. Ich glaube ja, er ist in Zita verliebt. Er ist immer in ihrer Nähe, schützt sie vor seinen Hausmitgliedern, die sich ebenfalls bewusst sind, dass Zita keine richtige Slytherin sein kann. Die Gryffindors wissen, dass George und ich mit ihr befreundet sind. «Hallo zusammen. Bei euch sieht es spassiger aus. Dürfen wir uns zu euch gesellen?» Es wird allgemein zugestimmt. Zita stiehlt sich schnell in die Herzen der Menschen. Am liebsten möchte ich sie fragen, wo Kallie ist. Aber das kann ich nicht. Damit würde ich mich direkt outen. Aber es geht nicht lange und dann sehe ich sie zum Sehe hinunterkommen. Sie schaut sich suchend bei den Slytherins um. «Hier sind wir!» Zita winkt ihr zu. Kallie zögert kurz, dann kommt sie zu uns. Na toll. Die halbe Mannschaft des Gryffindor-Teams ist am See versammelt. Alle drei, die ich beim Spiel abgeschossen habe. Das kann ja heiter werden. Fred sieht gut aus. Er beteiligt sich gerade an einer Wasserschlacht mit Zita, George, Angelina und Katie. Ich geselle mich zu Bole, der aufmerksam darauf achtet, dass Zita nichts passiert. Die Wasserschlacht endet, Zita kommt gutgelaunt zu uns und lässt sich ins Gras plumpsen. «Willst du nicht ins Wasser?» Ich schüttle den Kopf. Nach den Sommerferien fühle ich mich in meiner Haut nie wohl. Fred kommt auf uns zu. Er setzt sich neben mich, ich wage nicht, ihn anzusehen. Ich bin ihn täglich besuchen gegangen, immer dann, wenn er geschlafen hat. Ich wurde von Alpträumen heimgesucht, jede Nacht, bis er entlassen wurde. So sehe ich auch aus. Bleich, mit Augenringen. Fred sagt nichts, er nimmt ungefragt meine Hand in seine und hält sie fest. Zuerst will ich sie wegziehen, aber seine Berührung tut gut. Beruhigt mich. Zita murmelt Bole etwas zu. Sie stehen auf und gehen schwimmen. Ich schlucke und sammle meinen ganzen Mut zusammen. «Fred, es tut mir so leid. Ich…» Er unterbricht mich. «Es ist okay, Kallie.» Ich lege meinen Kopf auf seine Schulter und umfasse seine Hand mit meiner freien. Er seufzt. «Du hast mir gefehlt.» Ich lächle. «Du mir auch, Fred.» Er seufzt wieder. Und so sitzen wir schweigend da, geniessen die gegenseitige Nähe und das schöne Wetter. Katie schaut immer wieder zu uns hin. Sie sieht überhaupt nicht glücklich aus. George versucht immer wieder, ihre Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, Angelina unterstütz ihn Tatkräftig. Zwei Monate vor den Sommerferien Fred und ich sind seit letzten Spätsommer wieder befreundet. Zita und Bole haben eine zarte Liebesbeziehung aufgebaut. George und Angelina sind nach wie vor glücklich. Ich auch. Aber wie jedes Jahr sind die letzten Wochen an Hogwarts, die schlimmsten. Und wieder beginne ich mich zu verändern. Eines Abends, Fred und ich streifen über das Hogwarts-Gelände, bleibt er stehen und nimmt meine Hände. «Kallie. Es fängt schon wieder an. Du bist seit Tagen anders. Und es wird immer schlimmer.» Ich will meine Hände von seinen befreien. «Ist das dein Ernst! Hast du letztes Jahr nichts gelernt!» Er hält sie fest. Fast ein bisschen grob. «Doch. Darum schau ich dieses Jahr nicht zu. Ich kann das nicht. Nicht von Nahem. Du… Du wirst wieder so dünn… Und schlecht gelaunt. Und gemein zu allen. Du wirst zu einem Zombie. Damit kann ich nicht umgehen. Nicht ohne den Grund zu kennen. Nicht ohne irgendeine Möglichkeit dir beizustehen.» Ich bin nicht sicher, auf was Fred da hinauswill, als er es auch schon ausspricht. «Ich will bis nach den Sommerferien nichts mehr mit dir zu tun haben. Es tut mir weh, dich so zu sehen. Und du wirst mich wieder verletzten, wie letztes Jahr. Ich habe gelitten wie ein geprügelter Hund.» Ich werde blass. «Fred…» Er schüttelt den Kopf. Und dann, dann murmelt er: «Ich liebe dich.» Dann küsst er mich. Ungestüm, zärtlich, voller Verzweiflung. Ich erwidere seinen Kuss. «Pass auf dich auf», meint er leise und geht davon. In den Sommerferien Karl kommt in mein Zimmer. Aber dieses Mal erstarre ich nicht vor Angst. Denn etwas ist passiert. Fred hat mir Kraft gegeben. «Na, Kleine. Noch nicht im Schlafanzug? Na, wäre auch verschwendete Zeit, ich hätte ihn dir sowieso gleich ausgezogen.» Er grinst und packt mich an den Hüften. Ich verpasse ihm einen Schlag auf die Brust. Er ist kurz irritiert, dann grinst er breit. «Hast du endlich deinen Kampfwillen wiedergefunden? Schön, lass uns kämpfen.» Es artet zu einer Rangelei aus, die ich verliere. «Ich will das nicht! Lass los! Ich wollte es nie! Du elender, perv…» Er drückt mir die Hand auf den Mund. «Wehr dich nicht, es tut dann nur weh, meine Süsse.» Ich merke, wie ich kurz davor bin aufzugeben, als Fred Gesicht vor mir auftaucht. «Ich liebe dich», sagt er. Karl zieht mir die Hosen runter. Zorn durchströmt meine Adern und Hass. Und ich sage kein Wort. Der Zauber dringt aus mir hervor, es ist keiner, denn man aussprechen kann. Es ist ein Gefühl, ein Mächtiges. Ich erwache. Sirenen heulen. Es stinkt nach Rauch und nach etwas Undefinierbarem, überall brennen kleine Feuer. Schutt liegt um mich herum. Mein ganzer Körper schmerzt. Ich fühle mich hundert Jahre alt. Ich drehe den Kopf. Der ganze Häuserblock, in dem ich wohne, ist einfach weg. Liegt in Schutt und Asche. Ich sehe einen Finger. Am Finger steckt einen Ring. Karls Ring. Dann bemerke ich überall kleine hautfarbende Fetzen. Ich habe das ganze Haus in die Luft gejagt. Inklusive Bewohner. Das ist mein letzter Gedanke. 8 Jahre später Ich habe insgesamt acht Personen getötet. Neal, Karl, Fiona und fünf andere Hausbewohner. 3 Jahre habe ich in Askaban verbracht. Normalerweise hätte man für so ein Vergehen lebenslänglich gekriegt, aber das Gericht hat meine Erinnerungen durchwühlt, den Schrecken gesehen, den ich erlebt habe. Darum habe ich mildernde Umstände gekriegt. 2 Jahre nach der Entlassung aus dem Gefängnis habe ich in der Psychiatrie im St. Mungos verbracht. Danach habe ich der Zaubererwelt für drei Jahre den Rücken gekehrt und eine Muggel-Ausbildung in einem Krankenhaus gemacht. Als es passiert ist, war ich gerade siebzehn, mittlerweile bin ich 25 Jahre alt. Zita und Bole haben mich irgendwie in der Muggel-Welt aufgespürt und zurück in meine richtige Welt geholt. Ich wohne in einer kleinen Einliegerwohnung in ihrem Haus und Zita hat mir einen Job als Krankenschwester in der Kinderabteilung im St.Mungos besorgt. Sie arbeitet ebenfalls dort. Nun bin ich für ein Jahr Praktikantin. Aus meiner Vergangenheit habe ich sonst mit niemandem mehr Kontakt. Bis heute. 8 Jahre sind vergangen. Die Medien haben lange und ausführlich über Kallies Fall berichtet. Alle waren entsetzt. Einige Male habe ich versucht, Kontakt zu ihr aufzunehmen. Vergeblich. Irgendwann habe ich aufgegeben. Vor drei Jahren bin ich mit Katie zusammengekommen. Und nun bin ich auf dem Weg ins St.Mungos, ihre Wehen haben eingesetzt. Ich haste durch die Winkelgasse, denn ich bin spät dran. Dabei remple ich jemanden an und stosse die Person um. Ich seufze, werfe einen Blick auf die Uhr und will der Person gerade aufhelfen, als ich erschrocken innehalte. Sie starrt mich an. Dann rappelt sie sich auf und macht sich zügig in die Richtung davon, aus der sie gekommen ist. Ich will ihr nach, aber dann erinnere ich mich wieder daran, dass ich bald Vater werde und haste weiter. Aber ich denke immer wieder an sie. Was tut sie hier? Woher kommt sie so plötzlich? Warum hat sie mir nicht Bescheid gegeben? Meine Pause ist zu Ende, ich bin wieder bei der Arbeit. Von allen Menschen aus meiner Vergangenheit, wollte ich Fred am wenigsten treffen. Zu gross sind die Scham und die Angst, was er wohl von einer Mörderin hält. Ausserdem weiss die ganze Zaubererwelt über meine Geschichte Bescheid. Über das was Karl mir angetan hat. Die Hebamme hält mir das Kind entgegen. Ich nehme es nicht, sondern starre es einfach nur an. Katie weint heftig. «Fred…» Die Hebamme ist irritiert. «Stimmt etwas nicht?» Ich schaue Katie an. «Wieso, Katie, wieso kommt mir Lee Jordan in den Sinn, wenn ich mein Kind anschaue! Kannst du mir das erklären?» Katie weint noch mehr. «Mr. Weasley, ihre Frau hat gerade ein Kind geboren.» Die Frau wirkt entrüstet. «Ein Kind, von dem ich dachte, es wäre meins. Finden Sie, es sieht aus wie meins!» Ich zeige auf das Kind. Es ist ein süsses Kind. Nur sieht es mir überhaupt nicht ähnlich, sondern meinem besten Freund. «Fred… Bitte. Es könnte dein Kind werden! Das mit Lee, das war nichts Ernstes. Es war ein Ausrutscher. Fred.» Ich flüchte aus dem Raum, denn wenn Katie weiterhin solchen Unsinn von sich gibt, ich weiss nicht, was ich machen werde. Aber ganz gehen kann ich nicht. Ich setzte mich in die Cafeteria und versuche irgendwie die Fassung zurück zu erlangen. Neun Monate habe ich mich auf dieses Kind gefreut, habe mir Katie zusammen alles durchgestanden, Namen überlegt, das Zimmer eingerichtet. Ich wollte dieses Kind. Ich schliesse die Augen, denn ich habe das Gefühl, dass ich gleich weinen muss. Ich bin nicht Vater. Wie erkläre ich das meiner Familie? Ich habe Feierabend, aber noch keine Lust nach Hause zu gehen. Ich beschliesse, in der Cafeteria noch einen Kaffee zu trinken und meinen Lieblingskuchen zu essen, als ich ihn entdecke. Er sitzt mit dem Rücken zu mir. Trotzdem kann ich erkennen, dass er leidet. Ich hole zwei Kaffees, den Kuchen und einen Schokoladen-Muffin. Fred hat in der Schule kiloweise davon verdrückt. Ohne Worte setzte ich mich zu ihm und schiebe ihm das Gekaufte vor die Nase. Erst jetzt bemerkt er mich und sieht auf. Mein Herz bricht fast, als ich sein Gesicht sehe. Er weint. Ist blass und völlig am Ende. Fred sieht mich nur an. Und ich sehe ihn an. «Da bist du ja schon wieder», murmelt er und nimmt den Kaffee. «Als ich dich am Mittag traf, sahst du besser aus», erwidere ich. «Katie hat ein Kind bekommen. Ich habe neun Monate gedacht, dass es meins ist. Heute streckt es mir die Hebamme entgegen. Und es sieht aus wie sein Vater. Und der bin nicht ich.» Ich weiss nicht was sagen, daher nehme ich seine Hand in meine. «Weisst du, eigentlich habe ich gewusst, dass sie mich betrogen hat. Jetzt weiss ich auch mit wem und es tut gleich dreifach weh. Von der Freundin betrogen, vom besten Freund betrogen und um die Vaterschaft beraubt worden. Aber ich glaube, es ist falsch, mich bei dir über mein Leiden auszuweinen.» Ich weiss, auf was er anspielt. «Was mit widerfahren ist, Fred, das ist schlimm. Aber was dir widerfahren ist, das ist auch schlimm. Ich bin über meine Vergangenheit hinweg. Ich bin geheilt. Du hast diesen langen, schmerzhaften Weg noch vor dir. Du darfst also weinen, schreien, was immer dir guttut. Aber von einem Mord rate ich dir ab.» Ich grinse, um zu signalisieren, dass ich nur Spass mache. «Es tut gut, dich zu sehen, Kallie. Du siehst gut aus.» Wir plaudern eine Weile, bringen uns auf den neusten Stand in unserem Leben. «Was tust du jetzt?», fragt sie mich. «Ich hole meine Sachen aus der Wohnung und gehe in den Fuchsbau.» Drei Wochen später Seit dem Treffen in Krankenhaus habe ich nichts mehr von Fred gehört. Ich bin zuhause und habe gerade eine Flasche Wein geöffnet, als es klingelt. Vor der Tür steht George. Ich grinse ihn an und er nimmt mich in den Arm. «Fred hat mir erzählt, dass du hier bist. Wie geht es dir?» Ich bitte ihn hinein. «Gut. Dir auch? Fred hat erzählt, du hast Angelina geheiratet? Das ist wunderbar.» Wir reden eine Weile über Unverfängliches, als George sagt: «Fred hat völlig den Verstand verloren. Er säuft, ist aggressiv. Er hat Lee Jordan übel verprügelt. Ich verstehe ihn ja, Lee war sein bester Freund. Aber er lässt sich echt gehen. Ich komm nicht an ihn heran. Ich glaube, er ist wütend, weil bei Angie und mir alles so gut läuft. Wir haben vor zwei Wochen der Familie erzählt, dass wir Eltern werden. Seit da ist es noch schlimmer mit ihm. Der Moment hätte vielleicht besser sein können für die Neuigkeit, aber man sieht schon langsam den Bauch…» Ich höre ihm aufmerksam zu. «Das hört sich ziemlich verfahren an, das Ganze.» George nickt. «Zita hat mich darauf gebracht, dass du vielleicht helfen kannst?» Ich bin irritiert. «Ich? Fred und ich haben uns acht Jahre nicht mehr gesehen, George. Wie sollte ich da helfen können?» George seufzt. «Er ist erst fünf Jahre nach deinem Verschwinden mit Katie zusammengekommen. Ein Jahr lang, war er absolut neben der Spur. Dann hat er sämtliche Frauen im Umkreis von keine Ahnung wie vielen Kilometer gehabt. Dann hat er ein Jahr nicht eine angeschaut. Und nach drei Jahren ist er wieder normal geworden. Ausser in der Sommerzeit. Da hat er getrunken, war ständig besoffen. Mit Katie ging es besser, aber in der Sommerzeit war er immer komisch. Mann, Kallie. Er hat dich geliebt und ich wette, er tut es immer noch. Katie und er… Das war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Keine Ahnung, wieso er sich auf sie eingelassen hat.» Ich schweige kurz, um das Gesagte zu verarbeiten. «Er hat so viele Jahre seines Lebens verschwendet? Wegen mir?» Ich bin fassungslos, entsetzt, aber irgendwie auch gerührt. George nickt. «Okay. Ich versuche es, aber ehrlichgesagt glaube ich nicht, dass ich ihn wieder auf Spur bringen kann.» Zwei Tage später mache ich mich nervös auf den Weg zum Fuchsbau. Molly öffnet die Tür, George hat meinen Besuch angekündigt. Ich habe diese Frau noch nie gesehen, aber sie nimmt mich einfach in den Arm und drückt mich fest. «Meine arme Kleine.» Sie lässt von mir ab und mustert mich von oben bis unten. «Du solltest mehr essen.» Ich grinse. «George hat mir gesagt, dass Sie das sagen würden.» Molly lächelt. «Ich bin Molly. Fred ist in seinem Zimmer. Du bleibst zum Abendessen oder? Angie und George kommen auch. Und Ginny und Harry und Ron und Hermine. Die anderen können leider nicht.» George hat mir ebenfalls gesagt, dass sie mich einladen würde. «Lehne auf keinen Fall ab, sonst bricht ihre Welt zusammen», hat er gesagt. Also nicke ich und bedanke mich für die Einladung. Dann mache ich mich durch das verrückteste Haus, das ich je gesehen habe, auf den Weg zu Freds Zimmer. Ich klopfe an, niemand antwortet, also gehe ich einfach hinein. Es stinkt, ist unordentlich, fast schon dreckig und dunkel. Fred liegt im Bett. Ich öffne die Vorhänge und reisse das Fenster auf. «Hat dich jemand in ein Schwein verwandelt?» Fred sieht mich wütend an. Sein Haar ist ungepflegt, er hat einen Bart, schmutzige Kleidung an und sein Gesicht ist grau. Neal kommt mir in den Sinn und ich bin absolut entsetzt. Er sah oft ähnlich aus. «Hau ab.» Ich stelle mich breitbeinig vor das Bett. «Und wenn nicht? Versprügelst du mich, so wie du es mit Lee Jordan gemacht hast?» Fred springt aus dem Bett und wankt kurz. «Was weisst du schon?» - «Eine Menge.» Ich atme tief durch, denn ich merke, dass ich wütend werde. Und es reicht, wenn Fred wütend ist. «Fred. Sieh dich mal an. Du siehst echt scheisse aus. Merkst du nicht, dass du am Kaputtgehen bist?» Fred grinst höhnisch. «Das ist ja mal Ironie, nicht? Die Geschichte wiederholt sich, nur haben du und ich die Rollen getauscht. Denkst du wirklich, du kannst mir helfen? Ausgerechnet du? Du hast mich abgewiesen, mich abgelehnt, meinen Freunden weh getan. Du bist echt die Falsche dafür und jetzt verschwinde.» Ich schweige kurz, weiss nicht, was darauf antworten. «Ich habe damals deinen Freunden weh getan, heute tust du deinen Freunden, deiner Familie selber weh. Sie lieben dich, sehen wie du vor die Hunde gehst. Weisst du noch, wie es dir dabei gegangen ist, als du mir zusehen musstest?» Fred starrt mich wütend an. «Jetzt hör mir mal zu», grollt er. «Du kannst mir weder helfen, noch möchte ich darüber sprechen, noch geht es dich in irgendeiner Weise etwas an. Also, lass diese nervigen Fragerein endlich sein.» Es ist wie eine Ohrfeige für mich. Er benutzt genau die Worte, dich ich ihm damals gesagt habe, als er mich bedrängt hat. Und wie er damals, gebe ich heute nicht auf. Denn ich weiss nun, was passiert, wenn man sich nicht helfen lässt. «Fred. Ich flehe dich an. Lass dir helfen. Egal von wem. Aber lass dir helfen.» Und wie ich damals, explodiert er. Er packt mich grob an den Schultern und bugsiert mich zur Tür. «Fred. Lass mich los. Ich geh ja schon.» Immer wieder blitzt Neal vor meinem inneren Auge auf. Wie oft hat er mir im Suff weh getan. Hat mich gepackt und geschüttelt, gestossen und geschubst. Ich gerate ins Stolpern und falle hin. Das scheint Fred wieder zur Besinnung zu bringen. Er schaut mich entsetzt an. Ich habe mir den Kopf gestossen und blute. «Kallie.» Er sinkt vor mir in die Knie. «Kallie…», murmelt er erneut. «Es ist gut, Fred. Alles okay.» Ich streiche ihm über den Rücken, er umarmt mich und vergräbt sein Gesicht an meinem Hals. Ich unterdrücke den Ekel. Er stinkt nach Alkohol. «Du musst unter die Dusche. Ich räum hier auf. Los. Um sechs musst du sauber und wohlriechend sein.» Ich helfe ihm auf die Beine, führe ihn ins Bad. Er fängt an, sich mechanisch auszuziehen. Fred scheint völlig vergessen zu haben, dass ich auch noch da bin. Schnell gehe ich zurück in sein Zimmer, bevor er die letzten Hüllen fallen lässt. Eine Stunde verbringt er im Badezimmer. Als er wieder ins Zimmer tritt, ist er rasiert, seine Haare sind gepflegt und er riecht gut. Sein Zimmer ist sauber und aufgeräumt, ich stecke gerade meinen Zauberstab weg. «Siehst gut aus. Wie ein Mensch.» Er schüttelt den Kopf, sieht betreten zu Boden. «Ich habe dir wehgetan. Verzeih mir.» Ich winke ab. «Riechst du das? Ich glaube, das Essen ist bald bereit.» Ich will an ihm vorbeigehen, als er mich packt. «Bleibst du?» - «Ja, Molly hat mich eingeladen. So wie das riecht, war es wohl eine gute Entscheidung zuzusagen.» - «Das meine ich nicht. Bleibst du dieses Mal bei mir? Lässt du endlich zu, dass ich dein Freund bin? Egal was geschieht? Egal was du durchmachen musst?» Ich sehe ihm in die Augen und schweige. «Kallie, ich kann nicht mehr. Ich kann dich nicht in mein Leben lassen, wenn ich jederzeit damit rechnen muss, dass du weg geht’s, ob körperlich oder geistig. Ich möchte, dass du zulässt, dass ich dir beistehe. Dass du mit mir redest. Dich öffnest. Mir vertraust. Wenn du das nicht kannst, dann will ich, dass du gehst. Jetzt. Ich kann dich nicht schon wieder verlieren. Nicht nach dem Ganzen mit Katie, Lee und dem Kind.» Ich nehme ihn in den Arm. «Fred. Ich bin nicht mehr die Person von damals. Ich bin zurück in dieser Welt, weil ich geheilt bin. Gesellschaftstauglich bin. Und jetzt lass uns essen gehen, ich habe einen Mordshunger.» Es sind alle schon da, als wir das Esszimmer betreten. George sieht mich dankbar an, Molly hastet auf Fred zu und nimmt ihn in den Arm. Arthur klopft ihm auf die Schultern, nachdem er sich mir vorgestellt hat. Es wird ein schöner Abend. Fred ist zwar sehr zurückhaltend, aber wirft schon einige Male einen Witz in die Runde. Ich geniesse die Gesellschaft, fühle mich wohl, wie schon lange nicht mehr. Drei Jahre später «Fred, Lukas! Abendessen», rufe ich aus der Tür hinaus. Fred trägt Lukas auf dem Arm. Ich küsse meinen Sohn, dann meinen Mann. Fred lässt Lukas hinunter und streichelt dann zärtlich über meinen runden Bauch. «Hallo, Baby. Bis in vier Wochen.» Ich grinse. «Glaubst du immer noch, dass es ein Mädchen wird?» Fred nickt. «Klar.» Arm in Arm gehen wir in die Küche und geniessen den Abend. Fred und ich waren zuerst nur wieder befreundet. Er hat die ganze Sache mit Katie verarbeitet. Dann, etwa ein Jahr danach, sind wir zusammengekommen. Die erste Schwangerschaft war nicht geplant, aber wir haben uns darüber gefreut. Eine Weile hat es zwischen uns sehr gekrieselt, Fred war wahnsinnig eifersüchtig. Er hat sich dann aber gefangen. Nun sind wir glücklich und freuen auf unser zweites Kind. Ende

19.37 % der User hatten die Auswertung: Geschichte D – Rache Einleitung Vor Hogwarts Ich lebe zusammen mit meiner älteren Schwester Kassandra und meinen Eltern Joyce und Keith in Dundee, Schottland in einem Haus voller Hexen und Zauberer. Meine Mutter ist Zauberin, mein Vater Halbblut. Sie arbeitet als Medimagierin. Bei den Quiddtich-Spielen wirkt sie als Sanitäterin, sowie bei anderen Grossveranstaltungen. Keith arbeitet als Schaffner beim Fahrenden Ritter. Meine Schwester ist ein Jahr älter als ich. Als sie mit sechs Jahren entführt wird, steht unser Leben Kopf. Nach einem Monat wird sie gefunden. Ein Muggel, der gesehen hat, wie sie Magie gebraucht hat, hat sie entführt und mit ihr schreckliche Experimente durchgeführt. Lange Zeit wird sie Psychiatrisch betreut und steht im Mittelpunkt der Familie. Mit neun scheint sie geheilt. Nur ich glaube es nicht ganz, denn oft habe ich gesehen, wie sie Tiere quält und sich scheinbar an ihrem Leiden ergötzt. Aber meine Eltern glauben mir nicht. Ich geniesse das Jahr, an dem Kassandra schon an Hogwarts ist. Denn endlich stehe ich wieder Mal im Zentrum der Aufmerksamkeit. Aber ich freue mich natürlich auch schon riesig auf Hogwarts. Pünktlich an meinem elften Geburtstag kommt der Brief mit einer Eule bei uns an. Mein Dad umarmt mich fest. «Morgen machen wir etwas, nur du und ich.» Ich strahle meinen Dad an und hoffe, Kassandra erfährt von diesem Ausflug so spät wie möglich. Sonst macht sie ihn mir wieder kaputt so wie x andere Sachen. Mom freut sich ebenfalls riesig. «Ich wäre gerne dabei bei dem Ausflug, das musst du mir glauben, Eboni, aber ich verbringe den Tag mit Kassandra.» Sie lächelt etwas traurig. Und wieder Mal beweist sie mir, dass sie eigentlich schon weiss, dass mit meiner Schwester etwas nicht stimmt. Denn käme Mom mit und müsste Kassandra zu Verwandten, würde irgendetwas geschehen, so wie immer, wenn sie nicht im Mittelpunkt der Familiären Aufmerksamkeit steht. Der Tag mit Dad wird wunderschön. Wir gehen Brunchen und danach reiten und am Abend noch gemeinsam etwas essen. Zuhause erzählen wir Kassandra, dass wir im Museum gewesen sind. Das findet sie total öde und lässt mich in Ruhe. Schon bald ist der Abend vor der Abreise da. Ich packe mein Zeugs, muss aber noch einmals alles auspacken, weil ich nicht sicher bin, ob ich den verflixten Zauberstab eingepackt habe oder nicht. Am nächsten Tag machen wir uns zu dritt, Mom muss arbeiten, auf den Weg nach London. Dad darf dafür extra einen Bus des Fahrenden Ritters benutzen. Es wird eine tolle Fahrt. «Pass auf dich auf Eboni. Und du auch Kassie.» Dad drückt uns fest an sich und hilft uns noch, den Koffer in den Zug zu hieven. «Tschau, kleine Schwester, wir sehen uns in Hogwarts. Und wag es nicht, in mein Haus zu kommen.» Ich erwidere nichts. Kassandra ist in Slytherin. Da will ich bestimmt nicht hin. Unsere Eltern haben so getan, als würden sie sich darüber freuen, dass sie in Slytherin ist. Dad war ein Gryffindor, Mom eine Ravenclaw. Mir ist grundsätzlich egal welches Haus, solange ich nicht auch in Slytherin lande. Abreise, Ankunft, Häuserwahl und die erste Zeit in Hogwarts Ich habe mir ein freies Abteil ergattert und winke Dad noch ein letztes Mal zu. Eine Asiatin, sie scheint in meinem Alter zu sein, kommt hinein. «Ist bei dir noch frei?» Sie sieht verweint aus. «Klar.» Ich stehe auf und helfe ihr mit dem Koffer. Sie stellt sich als Cho Chang vor. «Ich bin Eboni Stewart.» Am Anfang reden wir nicht viel. Cho weint leise vor sich hin. Irgendwann beschliesse ich sie, von ihrem Leiden abzulenken. Als wir in Hogwarts ankommen, weint sie nicht mehr und ist bestens gelaunt. «Du bist echt lieb, Eboni. Danke.» Ich schüttle den Kopf. «Ich verstehe, dass du traurig bist, ich bin es auch.» Beim Schloss angekommen bin ich beeindruckt. Kassandra hat viel darüber erzählt, aber es selbst zu sehen. Wir folgen wie Gänse Prof. McGonagall. Langsam werde ich nervös. Nun ist es Cho, die versucht mich abzulenken. «Wie kannst du so ruhig sein?», frage ich sie etwas neidisch. «Ich weiss genau, in welches Haus ich komme, Ravenclaw. Ich hoffe, du auch.» Sie schenkt mir ein Lächeln. Ich versuche zurück zu lächeln, aber mir ist speiübel. Sie klopft mir auf die Schultern, dann wird sie auch schon aufgerufen und kommt, wie angekündigt, ins Haus Ravenclaw. «Stewart, Persephone Eboni!», werde ich nun auch endlich aufgerufen. Ich setzte mir den Hut auf und warte. Und warte. Und warte. «Hm… Schwierig. Bist du nun eine Hufflepuff oder eine Racenclaw?» Ich zucke die Achseln. «Du bist hier der Profi», meine ich. Der Hut lacht. «Ravenclaw!» Ich bin erleichtert, dass er sich endlich entschieden hat und voller Freude, dass ich im selben Haus lande wie Cho. Schnell mache ich mich auf den Weg zu meinem Haus. Cho hält mir die Hand hin und ich schlage ein. Ich lebe mich gut in Hogwarts ein. Mein Lieblingsfach ist der Flugunterricht bei Madam Hooch. Ich liebe es, durch die Lüfte zu sausen. Dann kann ich die Welt um mich herum vergessen. Ich bin intelligent, in allen Fächern gut, ohne mich gross anzustrengen. Wenn ich nicht gerade mit dem Besen durch die Luft fliege, bin ich in der Bibliothek. Ich liebe Bücher. Alle. Stundenlang streife ich zwischen den Regalen hindurch, schaue mal da, mal dort. Ich habe nur wenige enge Freunde, da ich eher zurückhaltend bin. Und auch meine Schwester nicht unnötig herausfordern möchte. Cho gehört dazu, Penelope Clearwater und Marietta Edgecombe. Ich bin in meinem fünften Jahr und sitze auf meinem Besen über dem See. Hier beginnt meine Geschichte. Start der eigentlichen Geschichte «Na los, spring schon!» Ich grinse und stehe langsam von meinem Besen auf. «Cho, du musst mir aber versprechen, denn Besen zu dir zu holen, bevor er irgendwo verloren geht.» Cho nickt und ich springe von meinem Besen in den See hinein. Das Wasser ist wundervoll. Mit schnellen Zügen gelange ich an die Oberfläche. Die Ravenclaws klatschen und johlen und schon macht sich der nächste mit seinem Besen auf den Weg. Ich schwimme ans Ufer und sehe eine Slytherin zu uns schauen. Meine Schwester. Ihr wird überhaupt nicht gefallen, was sie sieht. Am liebsten sähe sie mich alleine irgendwo sitzen. Ich verscheuche den Gedanken. Ich habe es satt, immer Angst vor ihr zu haben, vor ihrer Eifersucht und ihrer Angst, jemand könnte ihr die Show stehlen. Also geniesse ich den restlichen Nachmittag ohne einen weiteren Gedanken an sie zu verschwenden. Irgendwann verabschiede ich mich von den anderen. Ich habe Madam Pince versprochen, ihr bei den Neuheiten zu helfen. Kategorisieren, Einfassen, Einräumen. Ich liebe diese Arbeit. Also mache ich mich alleine auf den Weg ins Schloss zurück. Plötzlich merke ich, dass mir jemand folgt, meine Schwester. «Du denkst wohl, du bist etwas Besonders, oder? Mit dieser Besenaktion?» Ich schlucke und straffe die Schultern. «Nein. Ich habe einfach die Zeit mit meinen Freunden genossen.» Kassandra sieht mir scharf an. «Denkst du, das sind alles deine Freunde? Seit wann bist du denn so beliebt kleine Schwester?» Ich gehe auf Rückzug. «Gar nicht. Cho ist meine Freundin.» Plötzlich und unerwartet entreiss Kassandra mir meinen Besen. Dad hat in mir geschenkt. Sie wirft ihn in die Luft und ruft einen Zauber. Ein roter Blitz trifft den Besen und es regnet kleine Holzsplitter auf uns hinunter. «Ach, das tut mir aber leid. Was wird wohl Dad dazusagen? Der war richtig teuer, oder?» Sie lacht und geht davon. Ich bleibe niedergeschlagen zurück. Immer macht sie alles kaputt. Traurig schaue ich auf die Holzsplitter und kämpfe gegen die Tränen. Ich hasse meine Schwester. «Alles in Ordnung?» Gerade bin ich dabei, die Splitter aufzusammeln, als einer der Weasley-Zwillingen auftaucht. «Klar», murmle ich, ohne ihn anzusehen. Er runzelt die Stirn. Wie ist das passiert? Bist du gestürzt?» Die Kleine antwortet nicht. Aber das muss sie auch nicht. Ich habe sie schon oft fliegen gesehen. Ein Sturz passt nicht in das Bild ihrer Flugkunst hinein. Also musste jemand ihren Besen kaputt gemacht haben. Schon oft habe ich gesehen, wie sie von einer aus dem Slytherinhaus getriezt wird. «War das die Blonde aus dem Slytherin-Haus?» Ruckartig sieht sie auf. Sie scheint geweint zu haben. «Wie kommst du darauf?» Ich knie mich nieder, um ihr zu helfen, die Reste aufzulesen. «Weil ich schon oft gesehen habe, wie sie dich ärgert.» Sie antwortet nicht, also nehme ich an, dass ich recht habe. «Was erhoffst du dir? Dass du den Besen wieder zusammensetzten kannst?» Sie und ich, wir haben beide Arme voller zusammengesammelten Splitter. «Ja», meint sie knapp. Dann etwas höflicher: «Danke, dass du mir geholfen hast. So komme ich wenigstens nur ein bisschen zu spät zu Madam Pince.» Ich bin überrascht, sie wirkt nicht wie jemand, der nachsitzen muss. «Was hast du denn angestellt?» Die Kleine wirkt irritiert. «Was meinst du damit?» - «Weil du nachsitzen musst.» Sie lacht. «Ich helfe ihr, freiwillig.» Der Junge wirkt aufrichtig überrascht. «Du hilft ihr?» Ich grinse. «Ja. Ob du es glaubst oder nicht.» Er schüttelt ungläubig den Kopf. «Aber sie ist so ein Drache.» Ich zucke die Achseln. «Wenn sie dich mag, dann ist sie super.» Wir unterhalten uns noch eine Weile. Schlussendlich stehen wir zusammen vor der Bibliothekstür. «Ich glaube, sie mag dich bald nicht mehr, wenn du die Splitter mithineinbringst.» Ich stöhne. «Verdammt, daran habe ich gar nicht gedacht.» Ich überlege gerade, wie lang es dauert, den Haufen zerstörten Besen in den Gemeinschaftsraum zu bringen. Aber ich bin auch so schon 15Minuten zu spät. «Ich nehme sie. Ich bringe sie dir morgen nach Schulschluss.» Ich werfe ihm einen Blick zu. «Danke. Das ist echt nett von dir. Welcher der beiden Zwillinge bist du noch einmal?» Er grinst mich an und nimmt meinen Splitterhaufen auch noch. «George. Du bist Eboni, oder?» Kurz bin ich überrascht, dass er meinen Namen kennt. Dann nicke ich. «Bis morgen dann. Treffen wir uns hier?» George nickt. Ich verschwinde in der Bibliothek und vergesse für ein paar Stunden Kassandra’s Gemeinheiten. Am nächsten Tag nach Schulschluss warte ich vor der Bibliothek, als George auch schon kommt. Und zwar nicht mit einem Haufen Splittern, sondern einem ganzen Besen. «Ich… Woher… Wie?» George reicht mir den Besen und grinst. «Hermine», meint er nur schlicht. «Ich habe noch nie verstanden, was sie bei euch Gryffindors zu suchen hat. Sie ist so schlau, so begabt.» Ich nehme den Besen entgegen und bewundere ihn von allen Seiten. «Du solltest ihn vielleicht nicht alleine ausprobieren. Und nicht in grossen Höhen. Hermine weiss nicht genau, ob sie es wirklich hinbekommen hat.» Ich grinse von einem Ohr zum andern. «Hast du was vor?», frag ich ihn. Er schüttelt den Kopf. «Eigentlich nicht, nein.» - «Kommst du mit mir mit? Cho hat ein Date und ich will nicht bis morgen warten.» George stimmt zu und verschwindet, um seinen Besen zu holen. Irgendwie mag ich die Kleine. Und sie tut mir leid. Ich frage mich, wieso es die Slytherin ausgerechnet auf sie abgesehen hat. Ich glaube nicht, dass Eboni ihr irgendetwas getan hat. Wir treffen uns auf dem Quidditch-Feld. Der Besen scheint einwandfrei zu fliegen. Eboni strahlt übers ganze Gesicht. «Warum spielst du nicht Quidditch? Du bist eine tolle Fliegerin.» Eboni zuckt die Achseln. «Ich mag das nicht so, diesen Konkurrenzkampf. Cho und Cedric zum Beispiel wären vermutlich schon lange ein Paar, würden sie nicht Quidditch spielen.» Wir fliegen einige Male um die Wette, ich verliere jedes Mal. «Warum lässt du es zu, dass die Slytherin dich schikaniert?» Ich merke, dass ihr das Thema unangenehm ist. «Was soll ich dagegen tun?» - «Wehr dich.» Sie lächelt gequält. «Kann man Feuer mit Feuer bekämpfen?», fragt sie mich. Ich runzle die Stirn. «Du bist eine wachechte Ravenclaw, was?» Dieses Mal scheint ihr Lächeln echt zu sein. «Was ich damit meine, es wird nur schlimmer, wenn ich versuche etwas dagegen zu tun. Ich habe es auch schon versucht und jedes Mal habe ich doppelt gebüsst. Glaub mir, ich weiss wie Kassandra tickt. Sie ist meine Schwester.» Einen Moment bin ich fassungslos. Eboni ist vielleicht knapp 1.65m gross, Kassandra bestimmt an die 1.80m. Eboni hat braune Haare, graue Augen und ist zierlich, Kassandra ist blond, braunäugig und hat eine sehr weibliche Figur. Und wieso sollte eine Schwester so etwas tun? Wir spielen noch eine Weile mit den Bällen. Wieder bewundere ich ihre Flugkunst und auch mit dem Ball kann sie super umgehen. Als es dunkel wird, landen wir. «Danke, George. Du bist ein Schatz.» Sie grinst mich an und irritiert bemerke ich, wie ich rot werde. Zum Glück ist das Licht so schlecht. Sie wird es wohl kaum bemerken. Gemeinsam gehen wir zurück zum Schloss und verabschieden uns. Gedankenverloren mache ich mich auf den Weg in den Gemeinschaftsraum. Einige Wochen später «Eboni!» Roger Davis kommt auf mich zu gerannt. Ich bleibe stehen, Cho wirft mir einen vielsagenden Blick zu und geht weiter. «Hey. Ehm… Du, im Drei Besen findet diese Tanzveranstaltung statt. Ich dachte, du und ich, wir könnten vielleicht zusammen da hin?» Ich bin schon länger in Roger verschossen und strahle ihn an. «Ja. Das ist eine tolle Idee.» Roger lächelt erleichtert. «Phu, ich bin so froh, dass du zu sagst. Ich war echt nervös.» Er wird rot und ich lächle. «Treffen wir uns um acht draussen beim Haupteingang?» Ich nicke. Roger nimmt meine Hand und drückt sie kurz. «Bis dann.» Dann will er gehen, dann überlegt er es sich noch einmals anders, dreht sich zu mir um und gibt mir einen Kuss auf die Wange. Wir schauen uns kurz in die Augen, dann läuft er zurück zu seinen Freunden. «Wow, Eboni!» Cho steht wie aus dem Nichts neben mir. «Er hat dich geküsst!» Ich verdrehe die Augen und werde rot. «Ich weiss Cho, ich war dabei.» Das ganze Abendessen über gibt es kein anderes Thema mehr als Roger Davis und diese Tanzveranstaltung. «Hier steckst du. Ich warte seit einer halben Stunde beim Quidditch-Feld auf dich.» Erschrocken drehen Cho und ich uns um. Da steht George und er wirkt leicht genervt und ein wenig verletzt. «Oh, George. Tut mir leid, ich habe die Zeit vergessen. Gib mir zehn Minuten, okay?» Und schon sause ich los, um mich umzuziehen und meinen Besen zu holen. Seit dieser Sache mit meinem Besen sind George und ich sowas wie Freunde. Einmal in der Woche spielen wir zusammen auf dem Quidditch-Feld. Er sitzt schon auf dem Besen und saust herum, als ich ankommen. Schnell steige ich auf meinen Besen und fliege zu ihm. «Tut mir wirklich leid, George.» Er zuckt die Achseln. «Kein Ding… Lass uns spielen.» Wie immer haben wir viel Spass zusammen. Als wir gelandet sind, fragt George: «Hast du auch von dieser Tanzveranstaltung im Drei Besen gehört?» Ich strahle, als ich wieder daran denke, wie Roger mich dazu eingeladen hat. «Ja. Das wird bestimmt toll. Endlich läuft mal was in Hogsmead.» George wirft mir einen Blick zu. «Du gehst hin?» Er scheint überrascht. «Ja. Du scheinst überrascht.» Er räuspert sich. «Naja, ich dachte nicht, dass Tanzen was für dich ist. Du wirkst immer so schüchtern. Darauf bedacht, nicht in den Mittelpunkt zu geraten.» - «Naja… Cho geht hin. Und ich wurde gefragt. Alleine würde ich nicht gehen, aber so. Das wird sicher toll. Du geht’s auch?» Ich versuche meine schlechte Laune herunterzuschlucken, die mich plötzlich überfällt. Wieso habe ich sie nicht gefragt? Ich habe wirklich gedacht, so was wäre für sie absolut gar nichts. «Hm… Mal sehen…», meine ich ausweichend. «Ach komm schon. Sei kein Muffel!» Sie boxt mich neckisch. «Mit wem gehst du denn hin?», frage ich so beiläufig wie möglich. Sie wird rot und ein Strahlen geht über ihr Gesicht. «Roger Davis. Du könntest Angelina fragen. Ich glaube, die steht auf dich.» Ich gebe ein vages Geräusch von mir. Roger Davis, dieser arrogante Schnösel. «Ist dir was über die Leber gelaufen, Georgie? Du siehst plötzlich so wütend aus.» Kurz fühle ich mich ertappt. «Ich habe morgen Zaubertränke. Ich hasse Zaubertränke.» Wenn man lügt, sollte man immer die Wahrheit sagen. Sie kichert. «Vielleicht ist es einfacher, wenn man mal etwas dafür machen würde. Lernen zum Beispiel. Oder Hausaufgaben.» Ich schüttle den Kopf. «Das überlasse ich den Ravenclaws und Hermine.» Auf dem Weg zurück zum Schloss ist einiges los. Das Wetter ist noch einmals richtig gut geworden und die meisten Schüler haben den Abend draussen verbracht. Roger Davis ist ebenfalls auf dem Rückweg ins Schloss, als er uns bemerkt und auf uns zu kommt. Er mustert mich abschätzig, dann lächelt er Eboni an. «Na, was habt ihr denn so getrieben? Am See warst du jeden Falls nicht, da hätte ich dich sofort gesehen.» Ich verdrehe die Augen über diesen billigen Anmachspruch. «Wir waren auf dem Quidditch-Feld.», meint Eboni arglos. «Hast du dich endlich entschieden, in die Mannschaft zu kommen? Das ist ja grossartig. Aber ich glaube, von einem Treiber kannst du nicht viel lernen. Technisch ist das ja nicht so anspruchsvoll.» Davis schenkt mir erneut einen abschätzigen Seitenblick. «Aber wir können mal zusammen üben. Ich kann dir einiges beibringen.» Ich merke, wie George neben mir kocht. Seine Hände sind zu Fäusten geballt, die Kiefermuskeln sind angespannt. «Nein. Ich habe nach wie vor kein Interesse in der Mannschaft mitzuspielen. George und ich spielen nur so zum Spass. Ich konnte schon einige Tricks bei ihm abschauen.» Roger und ich plaudern noch eine Weile. George ist ungewöhnlich still. «Vielleicht George, solltest du mal über einen neuen Besen nachdenken. Dein Modell sieht schon ein bisschen überbeansprucht aus. Aber, ach, wie konnte ich das vergessen. Bei euch sieht es ja finanziell nicht so rosig aus. Vielleicht hätten deine Eltern auf ein paar Kinder verzichten sollen. Und dann habe ich da noch was munkeln gehört: Dein Dad hat es doch tatsächlich geschafft, und das obwohl er nicht mal eine anspruchsvolle Stelle beim Ministerium hat, einen grobverlässigen Fehler zu begehen. Vielleicht verliert er dann seinen Job. Meinst du deine Eltern können sich die Schule dann überhaupt noch leisten? Wie viele von euch Weasleys sind noch einmals hier an der Schule? Ich habe so langsam den Überblick verloren.» Ich bin schockiert. So viel Boshaftigkeit hätte ich von Roger niemals erwartet. Aber ehe ich etwas erwidern kann, packt George Roger am Kragen und schleudert ihn zu Boden. Doch Roger ist schnell. Schon steht er wieder auf den Füssen und verpasst George einen Faustschlag. George kontert seinerseits. Und er schlägt so fest zu, dass Roger erneut zu Boden geht, dann setzt er sich auf ihn und verpasst ihm wieder und wieder eine. «George!» Ich packe ihn an den Schultern und versuche ihn wegzuziehen. Aber ich bin klein und schmächtig, George gross und muskulös. Ohne grosse Anstrengung schüttelt er mich ab, als ob ich nur eine lästige Fliege wäre. Erneut bin ich schockiert. Noch nie habe ich einen Weasley so ausser sich gesehen. Und vor allem nicht George. George, der Lustige, Nette, manchmal tollpatschige George. Blut sprudelt aus Rogers Nase, er wehrt sich nur noch halbpatzig. «Hör auf, George.» Ich springe ihn von hinten an und drücke ihm mit meinem Arm die Luftröhre zu. Er packt mich am Arm, ich verliere den Halt. George lässt mich grob zu Boden fallen und steht über mir. Und ich werde bleich. Denn in seinen Augen scheint der Hass zu brennen, die Faust hat er zum Schlag erhoben. Sie sieht mich mit riesigen, grauen Augen an. Ihr Gesicht ist kreideweiss, sie blutet am Ellbogen. Ich lass meine erhobene Faust fallen. «George! Bist du wahnsinnig geworden?» Ron, mein kleiner Bruder baut sich wütend vor mir auf, ebenso Harry. Hermine kniet bei Eboni. Die Kleine zittert am ganzen Leib. Hinter mir stöhnt Roger Davis. Auch neben ihm kniet ein Gryffindor, Neville und Luna aus Ravenclaw. Die Wut ist verraucht, macht Platz für Entsetzen und Scham. «Ich…» Und dann drehe ich mich um und gehe einfach weg. Niemand scheint sich darum zu scheren. Alle sind mit den Verletzten beschäftigt. Doch dann ruft eine Stimme. «George!» Mein Zwilling kommt keuchend neben mir zum Stehen. «Was zum Teufel war denn los? Die anderen sagen, du seist vollkommen ausgetickt. Die kleine Eboni sieht aus, als hätte sie Vodemort höchstpersönlich getroffen.» - «Ich. Ich war Voldemort.» Fred sieht mich irritiert aus. «George. Sprich mal Klartext bitte.» Ich seufzte, reibe mir über die Wange. Roger hat ziemlich zugeschlagen. «Dieser… elende… Er hat unseren Vater beleidigt. Unsere Mutter. Ich meine, nicht das Übliche, Fred. Damit kann ich umgehen. Was er gesagt hat…» Automatisch ballt sich meine Hand wieder zur Faust. Fred berührt sanft meine Schulter. «Es ist gelaufen, okay? Du hast es ihm ordentlich gezeigt. Du wirst bis Schulabschluss jeden Nachmittag nachsitzen müssen.» Ich werde bleich. «Habe ich ihn so zugerichtet?» Fred nickt bloss. Ich weiss es nicht mehr. Ich war im Rausch und bin erst wieder bei Ebonis angsterfülltem Ausdruck im Gesicht zu mir gekommen. Ich schlafe schlecht. Georges Gesicht lässt mich nicht los. Und ich bereue es, nicht mehr mit ihm gesprochen zu haben. Ich habe gehört, Dumbledore hat ihn zu sich gerufen. Danach hat ihn niemand mehr gesehen. Scheinbar hat er sich irgendwo verkrochen. «Ich hoffe, es geht dir gut», flüstere ich leise und weine mich schlussendlich in einen wenig erholsamen Schlaf. Am nächsten Tag sehe ich grauenhaft aus. Cho macht mich nicht gerade sehr einfühlend darauf aufmerksam. «Du siehst aus wie ausgekotzt.» Ich ziehe eine Grimasse. «Herzlichen Dank auch. Du sprudelst wieder mal vor Taktgefühl.» Cho murmelt eine Entschuldigung, ich winke ab. Der Tag geht ereignislos vorüber. George taucht nicht auf. Dann ist es auch schon Zeit fürs Abendessen. In der grossen Halle angekommen wandert mein Blick zum Gryffindor-Tisch. Tatsächlich sitz er da. Wie immer zusammen mit Fred und Lee, Harry, Ron und Hermine. «Bin gleich wieder da.» Und schon mache ich mich auf den Weg zu ihrem Tisch. Fred sieht mich zuerst und stuppst seinen Zwilling an. George hat einen üblen Bluterguss im Gesicht. Jedoch sieht Roger tausendmal schlimmer aus. Heute nach Schulschluss habe ich ihn im Krankenflügel besucht. George weicht meinem Blick aus. Wütend stemme ich die Hände in die Hüfte. «Du. Hattest du wenigstens den Anstand, dich bei ihm zu entschuldigen? Das Spiel nächsten Samstag ist für ihn gestrichen. Sowie jegliche anderen Aktivitäten.» Sie macht eine Pause. Ich weiss, was sie anspricht. Die Tanzveranstaltung, zu der Davis sie eingeladen hat. Angriff ist die beste Verteidigung, denke ich mir und schiesse zurück. «Ich soll mich bei diesem elenden Wicht entschuldigen! Er hat meine Familie in den Dreck gezogen. Hat sie beleidigt, ist auf ihr rumgetrampelt ohne Respekt. Und wenn er tot wäre, es wäre mir scheissegal.» Fred verdreht die Augen und verpasst mir unter dem Tisch einen kräftigen Schlag. Eboni sieht mich kurz mit offenem Mund an. «Das kann nicht dein ernst sein?» Ich sehe weg. Und als ich wieder hinsehe, ist sie verschwunden. Ich seufzte. «Da hast du deine Grube ja noch tiefer gegraben. War mir gar nicht bewusst, dass das möglich ist.» Ich schnaube. «Halt die Schnauze, Fred.» Er hebt die Hände und grinst höhnisch. «Und wenn nicht, prügelst du mich dann Krankenflügelreif? Ruckartig stehe ich auf. Einige Gläser fallen dabei um. Dann mache ich mich aus den Staub. Ich habe vor, mich auf dem Quidditch-Feld abzureagieren. Ich hole meinen Besen und mache mich auf den Weg zum Feld. Es regnet und der Wind bläst stark. Auf dem Feld sehe ich eine einsame, bekannte Gestalt. Ohne ein Wort stelle ich mich neben sie. Jemand gesellt sich zu mir. George. Er schweigt, umklammert das Geländer so fest, dass seine Knöchel weiss hervortreten. Rogers Worte scheinen ihn noch nicht losgelassen zu haben. Ich lege meine Hand auf seine. Er blickt zu mir hinunter. Bestimm überragt er mich um zwei Köpfe. «Na, Pebbles» So nennt er mich seit einer Weile. Es bedeutet kleines Steichen. «Wegen deiner Grösse und deinen grauen Augen», hat er den Namen mit einem Lächeln begründet. Ich mag den Kosenamen. Ich seufzte. «George… Was ist da nur in dich gefahren?» George zuckt die Achseln und zieht seine Hand weg und versteckt sie in seiner Umhangtasche. «Du hast doch gehört, was er zu mir gesagt hat.» Ich nicke. «Ja. Aber nie hätte ich so einen Ausbruch von dir erwartet. Ich habe wirklich gedacht, du verpasst mir auch noch eine.» Die Anspannung weicht aus seinem Körper, George fällt geradezu in sich zusammen. «Ich auch», gesteht er leise und voller Scham. Mitleid überkommt mich. Dieser grosse, lustige junge Mann sieht aus wie ein Häufchen Elend. Er wagt es nicht, mich anzusehen. «Ich spiele am Samstag gegen dich.» George runzelt die Stirn. «Ich verstehe nicht?» Seine Haltung wird wieder etwas besser. «Quidditch. Roger kann noch nicht spielen, also übernehme ich seinen Posten als Hüterin.» George stöhnt. «Na toll. Dann haben wir nur die Chance, den Schnatz vor euch zu finden. Jetzt bereue ich es noch ein bisschen mehr, Davis verprügelt zu haben.» Mir wird leichter ums Herz. George ist endlich wieder zum Scherzen aufgelegt. Wir beschliessen trotz dem schlechten Wetter eine Runde zu spielen. Nach einer Stunde bin ich völlig durchnässt und zittere am ganzen Leib. Ich halte George nicht für einen unbegabten Zauberer, aber bisher bin ich nur in den Genuss seiner und Freds Streiche gekommen. Als er jedoch sieht, wie sehr ich friere, zückt er seinen Zauberstab und spricht zwei Zauber. Der Regen prallt plötzlich eine Handbreite über uns ab und meine Kleider sind staubtrocken. Ich merke, wie die Wärme in meinen Körper zurückkehrt. «Wow, George Weasley. Du kannst ja noch etwas Anderes ausser Scherzartikel herzustellen.» Er grinst mich an. «Sicher. Du scheinst ein bisschen zu überrascht. Als hättest du mir so was nicht zugetraut.» Ich zucke nur die Achseln, drücke mich aber vor einer Antwort. George schüttelt grinsend den Kopf. Auf dem Weg zurück ins Schloss blödeln wir noch eine Weile herum, dann trennen sich unsere Wege. «Und Gryffindor verliert! Sie haben keinen einzigen Punkt gemacht und den Schnatz hat Cho Chang auch vor Harry Potter gefangen. Ob sich Gryffindor von dieser scheusslichen Niederlage diese Saison wiedererholen kann?» Das Spiel ist zu Ende. Unser Haus lässt traurig die Köpfe hängen, die Ravenclaws hingegen sind völlig aus dem Häuschen. Ich bin nur halb so enttäuscht, wie wenn Roger Davis als Hütter gespielt hätte. Ich freue mich, dass endlich auch mal die anderen Ebonis Spielkünste sehen konnten. Sie ist wirklich verflucht talentiert. Davis kommt von der Tribüne aufs Spielfeld. Meine Laune sinkt etwas. Er steuert geradewegs auf Eboni zu und küsst sie. Meine Laune landet im Keller. Eboni lässt den Kuss zu, erwidert hin. Ich schaue weg. Und sehe etwas, dass mir eine Gänsehaut einjagt. Da steht Ebonis Schwester aus Slytherin und beobachtet ihre Schwester und Davis. Und in ihrem Gesicht da liegt ein Ausdruck. Neid, Hass, Rachedurst. Dann bemerkt sie meinen Blick. Und sie lächelt mir zu und sieht aus wie ein Engel. Ich lächle halbwegs zurück. Bestimmt habe ich mir das andere nur eingebildet. Roger Davis küsst mich. MICH! Eboni Persephone Stewart. Zuerst bin ich baff, dann erwidere ich den Kuss. Um uns klatschen und Johlen unsere Kollegen. Wir beenden unseren Kuss. Ich sehe Roger strahlend an und auch er grinst zu mir hinunter. «Das wollte ich schon lange tun», gesteht er. «Loss ihr Turteltauben. Ab in den Gemeinschaftsraum. Wir müssen unseren Sieg feiern! Ach übrigens, Roger. Du als Teamleader solltest dich entlassen und Eboni einstellen», meint Cho und grinst über beide Ohren. Roger und ich lassen uns etwas zurückfallen. «Es tut mir leid, wie das mit Wealsey gelaufen ist. Sonst bin ich nicht so, wirklich. Aber ich glaub, ich war einfach eifersüchtig auf ihn. Ihr scheint immer so viel Spass zu haben und so… Ich wäre gerne an seiner Stelle.» Ich fühle mich geehrt über diese Worte und verzeihe ihm. Eine Weile später Roger und ich sind seit einigen Monaten ein Paar. Ich habe Angst. Angst vor meiner Schwester. Sie gönnt es mir nicht, wenn ich glücklich bin. Aber dieses Mal scheint sie sich zurückzuhalten. Dachte ich zumindest. Ich habe mit Roger in einem abgelegenen Korridor abgemacht. Ein Blick auf die Uhr zeigt mir, dass ich bereits 15 Minuten zu spät dran bin. Aber ich habe einfach die Zeit vergessen. George und ich haben Quidditch gespielt und haben wie immer viel Spass gehabt. George ist das einzige was meiner ansonsten glücklichen Beziehung mit Roger einen Dämpfer verpasst. Roger ist rasend eifersüchtig auf ihn, egal wie oft ich ihm versichere, dass wir nur gute Freunde sind. Als ich in den Gang einbiege, bleibe ich abrupt stehen. Da ist Roger, oben ohne und meine Schwester küsst ihn gerade mitten auf den Mund, ihre Hände auf seiner nackten Brust. «Du hast so einen tollen Körper.» Roger grinst. «Und du bist echt ne Schönheit. Schöner als jede Frau hier.» Erst vor einer Woche hat er genau dasselbe zu mir gesagt. Ich bin wütend. Und Hass flammt in mir auf. Hass gegenüber meiner Schwester, Hass gegenüber Roger. Ich habe ihm von meinen Sorgen bezüglich meiner Schwester erzählt. Er hat gelacht, mich umarmt und in mein Ohr geflüstert: «Ich liebe dich, nur dich.» Ich schüttle die Erinnerung ab und bemerke, dass meine Schwester mich direkt anschaut. Sie zwinkert mir zu und zieht Roger die Hosen herunter. «Ich will dich, Roger.» - «Und ich will dich, Kassie.» Zitternd vor Zorn und Enttäuschung drehe ich mich um und gehe davon. Irgendwann renne ich. Ich will nur noch weg, weit weg. Bei meiner Flucht remple ich jemanden an. Ich entschuldige mich nicht und renne einfach weiter. Mittlerweile laufen mir Tränen über die Wangen. Am See gehe ich in die Knie und ringe nach Atem. «Pebbles!» George bleibt keuchend neben mir stehen. «Pebbles. Was ist denn los? Du hast gerade eben Ginny zu Boden gemäht, ohne ein Wort der Entschuldigung.» Erst jetzt bemerkt George, dass ich weine. «Sie hat… Sie hat ihn… Oh Gott, George.» George kniet sich neben mich und nimmt mich in den Arm. «Psst. Ist schon gut.» Er wiegt mich sanft hin und her. «Nein! Es ist nicht gut. Sie macht immer alles kaputt. ALLES! Ich hasse sie. Ich hasse sie aus tiefstem Herzen.» Sanft streichelt George mir über die Haare. «Mit Sie meinst du deine Schwester, nehme ich an?» Ich nicke nur. «Wir waren verabredet, Roger und ich. Und genau dort haben sie rumgeknutscht. Mittlerweile werden sie weiter sein, als nur rumknutschen. Er hatte bereits kein Hemd mehr an…» George seufzt. «Tut mir leid, Pebbels. Ich weiss, du hast ihn wirklich gemocht.» Ich hasse es, sie so zu sehen. Sie ist ein Häufchen Elend. Dieser miese Schuft. Ich schwöre gedanklich Rache. Wir reden nicht mehr viel. Ich halte sie, bis ihre Tränen langsam versickern. Eboni macht sich etwas von mir los, um mir in die Augen schauen zu können. «Danke, George. Du bist der beste Freund, den man sich wünschen kann.» Ihre Worte schmerzen. Nur ein bisschen. Denn es ist besser, ihr bester Freund zu sein als gar Nichts. Ich zwinge mich zu einem Lächeln. «Schon okay, Pebbles. Immer gerne.» Ich mache mit Roger Schluss. Er schämt sich, versucht sich herauszureden. Ich lasse seine Ausreden nicht zu. Gerade bin ich mit Cho auf dem Weg in den Gemeinschaftsraum, als Kassandra an uns vorbeigeht. «Kleine Schwester. Ich habe gehört, du und Roger, ihr seid kein Paar mehr? Das ist ja so was von schade.» Sie sieht ich mitleidig an. «Wie kam es denn zu dieser Trennung?» Und da platzt mir der Kragen. «Impedimenta!», rufe ich. Meine Schwester wird durch den Zauber gelähmt, nur ihre Augen bewegen sich noch. «Du elende, miese Psychofrau.» Und dann schlage ich sie immer und immer wieder mitten ins Gesicht. «Eboni. Es reicht jetzt.» Cho zieht mich von meiner erstarrten Schwester weg. «Lass uns gehen. Der Zauber löst sich dann schon irgendwann.» Und so ziehen wir weiter. Und ich bereue meinen Ausbruch schon jetzt. Bis zu den Sommerferien werde ich immer wieder Opfer mieser Streiche. Nur George und Cho halten mich aufrecht. Auch die Sommerferien fangen schlimm an. Und meine Eltern bemerkten nichts. Bemerken nicht, dass ich von meiner Schwester gepiesackt werde. Und dann kommt die Rettung. George lädt mich zu sich in den Fuchsbau ein für die zwei letzten Ferienwochen. Und in diesen zwei Wochen passiert so einiges. Wir sitzen zusammen am Teich und geniessen die letzten Sonnenstrahlen. Ich betrachte Eboni. Ein glückliches Lächeln liegt auf ihren Lippen, das Gesicht hat sie der Sonne entgegengewandt. «Du siehst wunderschön aus, Eboni.» Die Worte sind raus, ehe ich darüber nachdenken kann. Eboni dreht mir ihr Gesicht zu. Ihre Stirn liegt in tiefen Furchen. «George.» Ich schüttle den Kopf. «Tut mir leid. Das mit Davis ist noch nicht lange her und ich…» Sie legt mir eine Hand auf den Schenkel. «Danke», sagt sie. Nun bin ich es, der die Stirn runzelt. «In Roger war ich verknallt, weisst du. Mehr war es glaube ich nicht. Es ist nicht zu vergleichen mit dem, was ich für dich empfinde, George. Wenn ich mit dir zusammen bin, bin ich froh. Vergesse ich alles. Fühle mich schön und akzeptiert. Das habe ich mit Roger nie gefühlt.» Ich schlucke, weiss nicht, was ich sagen soll. Also lege ich einfach meine Hand auf ihre. Und küsse sie. Und alles in mir kribbelt. Und ich fühle mich absolut zufrieden. Wir beenden den Kuss und grinsen uns dümmlich an. «Du und ich, ja?», frage ich und verpasste ihr einen liebevollen Nasenstüber. «Ja. Du und ich. Aber nur du und ich, okay? Sonst braucht davon niemand zu wissen.» Ich bin etwas irritiert über diese Worte, schiebe aber meine Gedanken beiseite. Eboni und ich, dass ist alles, was zählt. Dachte ich zumindest. George und ich, das ist etwas Besonderes. Und ich glaube, ein Jahr hätten wir es geschafft, die Beziehung zu verheimlichen. Aber nach einem halben Jahr hat George genug. «Ich verstehe nicht, wieso wir unsere Beziehung nicht öffentlich machen können. Ich hasse es, neben dir zu gehen, ohne deine Hand zu halten. Dir zur Begrüssung keinen Kuss geben zu können. Mit dir keine romantischen, peinlichen Dates am Valentinstag zu haben.» Ich verdrehe die Augen. «Schonwiederdiese Diskussion, George? Wegen Kassandra! Und das sage ich dir bestimmt schon zum hundertsten Mal.» George winkt unwirsch ab. «Ich bin nicht Davis, Eboni! Glaubst du, ich lass mich von deiner Schwester so einfach um den Finger wickeln?» Ich schnaube. «Darüber diskutiere ich nicht mehr mit dir. Ich will es so, akzeptier es oder verschwinde.» George sieht mich verletzt an. «Du drohst mir? Entweder ich gebe auf oder du trennst dich von mir? Findest du das nicht auch etwas niveaulos?» George dreht sich von mir weg und geht davon. «George! Lauf doch nicht einfach weg!» Ich laufe ihm nach. Vor dem Eingangstor der Schule habe ich ihn eingeholt. «Komm schon. So habe ich das nicht gemeint. Aber ich habe dir erklärt, wie sie tickt. Wenn sie es nicht schafft, dich zu umgarnen, dann wird sie versuchen unsere Beziehung anders zu sabotieren.» Ich habe laut gesprochen und die anderen Schüler nicht bemerkt. Erst als sie anfangen zu tuscheln, bemerke ich, dass ich gerade mein gut gehütetes Geheimnis preisgegeben habe. «Na, zufrieden, George?» Eigentlich bin ich wütend über mich selbst, aber ich lasse meine Wut an George aus. Wir bewerfen uns mit wütenden Sprüchen, dann wird es George zu bunt und er geht einfach weg. Im Gemeinschaftsraum heule ich mich bei Cho aus. «Geh zu ihm. Entschuldige dich. Los!» Also schicke ich meine Eule los. Lieber George Treffen wir uns in der Bibliothek. Wir müssen reden, dringend! In zwanzig Minuten? In Liebe, Pebbles Der Brief von Eboni trifft ein und ich mache mich sofort auf den Weg. Es ist schon Sperrstunde, also schleiche ich vorsichtig durchs Schloss. In der Bibliothek werde ich erwartet. Aber nicht von Eboni. Ihre Schwester Kassandra steht an einen Tisch gelehnt da, mit gezücktem Zauberstab. «Was willst du denn hier?» Ein ungutes Gefühl macht sich in mir breit. «Du bist nicht so wie Davis. Ich habe dich schon sooft angemacht und du hast nie reagiert. Also muss ich einen anderen Weg gehen. Impedimenta!» Ich merke, wie meine Glieder erstarren und ich bin fassungslos. Wieso? Wieso versucht Kassandra alles, um ihrer Schwester Unglück zu bereiten. Sie scheint meine Frage in meinen Augen zu lesen. «An dem Tag, als dieser Muggel mich schnappte, da hat Eboni meine Puppe kaputt gemacht. Ich war so wütend, da habe ich sie verhext. Heulend ist sie nach Hause gerannt. Und da hat er mich geschnappt. Wenn es Eboni nicht gegeben hätte, hätte ich nie Magie benützt, hätte nie solchen Schrecken erleben müssen. Das ist meine Rache. Denn dieser Monat hat mein ganzes Leben zerstört. Und ich zerstöre nun ihres.» Und dann küsst sie mich und macht und tut. Und ich höre, wie eine weitere Person in die Bibliothek kommt und ein schockiertes Nachluftschnappen. Eboni. Nein! will ich rufen. Aber dieser verfluchte Zauber macht es mir unmöglich. Ich bin entsetzt. Und eine Leere macht sich in mir breit. Ich schreibe meinen Eltern einen Brief. Schon oft habe ich über dessen Inhalt nachgedacht. Denn hier bei Kassandra kann ich niemals glücklich werden. Eine Woche später verlasse ich Hogwarts. George hat sooft mit mir versucht zu reden, hat mir Briefe geschickt. Ich habe alle ignoriert. Und nun bin ich in Frankreich. Auf der Beauxbatons-Akademie beende ich meine Ausbildung zur Hexe. Cho und ich bleiben in Kontakt. Sie erzählt mir von Fred und Georges Laden in der Winkelgasse. Fünf Jahre später Ich bin eine fertig ausgebildete Hexe, habe eine Ausbildung als Buchhändlerin, natürlich in einer Buchhandlung für Hexen und Zauberer. Ich spiele Hobbymässig in einer Quidditchmannschaft und lebe in einer kleinen Wohnung direkt über dem Laden, indem ich arbeite. Gerade wohne ich eine Weile bei Cho. Ich habe Heimweh nach England. Mit meinen Eltern und meiner Schwester habe ich keinen Kontakt mehr. Nie haben sie mir geglaubt, dass Kassandra mich gequält hat. Und das verzeihe ich ihnen nie. Aber in Frankreich ist so vieles anders. Komplizierter. Ich fühlte mich in all den Jahren nie wirklich zuhause. Cho ist mittlerweile Profispielerin bei den Gorodok Gargoyles, einer Mannschaft in Litauen. Gerade sitzen wir beim Frühstück und plaudern, als sie sagt: «Weisst du, Eboni, George hat mir erzählt, wie es damals zu diesem Kuss kam. Und hättest du ihm nur einmal zugehört, wäre alles anders gekommen.» Zuerst möchte ich nicht hören, was Cho mir zu sagen hat. Aber dann höre ich ihr doch zu und bin entsetzt. So eine Aktion würde zu Kassandra passen. «Weisst du, vielleicht ist es noch nicht zu spät.» Ich schüttle den Kopf. «Es ist so lange her, Cho. Natürlich ist es zu spät.» Cho klopft mir auf die Schultern. «Warst du schon mal in ihrem Laden? Er ist wunderbar. Los. Das müssen wir nachholen.» Am Nachmittag schlendern wir durch die Winkelgasse und dann stehen wir vor dem Laden. Leute gehen ein und aus. Der Laden ist bunt und wild und zieht einem unweigerlich an. «Ich kann da nicht rein, Cho. Ich fühle mich so dumm… Ich habe unsere Beziehung einfach weggeworfen. Habe keinen einzigen Versuch unternommen, seine Sicht zu hören und zu verstehen. Ich weiss noch, es hat so weh getan, die beiden zusammen zu sehen… Mein Herz ist gebrochen.» Meine beste Freundin tätschelt mich und zieht mich dann in den Laden hinein. Überall gibt es allerhand zu entdecken. Ich vergesse George völlig. Plötzlich steht ein kleiner Junge vor mir. Er ist nicht älter als zwei und ganz eindeutig ein Weasley. Er weint. «Hör auf zu weinen, Chuck.» Ginny Weasley packt den Jungen an der Schulter. «Dein Dad hat keine Zeit für dich, er arbeitet. Komm, lass uns gehen.» Der Junge weint noch heftiger. Und dann kommt George angelaufen, mit einem besorgten Gesichtsausdruck. Seine ganze Aufmerksamkeit liegt auf dem Jungen, er bemerkt mich gar nicht. «Was ist denn los, Chuck?» Und dann sagt der Junge. «Will bei dir bleiben, Papa.» Ich werde blass und gehe langsam rückwärts um den Laden zu verlassen. Dabei laufe ich direkt in einen Tisch mit lauter Zeugs rein. Es poltert und alle Augen richten sich auf mich. «Oh. Haben Sie sich wehgetan?» George eilt auf mich zu und reicht mir die Hand. «Geht schon», murmle ich und versuche, ihm nicht in die Augen zu sehen. «Na kommen Sie schon, ich helfe Ihnen auf.» Ich ergebe mich und lasse mich hochziehen. «Alles okay?» Ich nicke bloss, meinen Blick habe ich immer noch auf den Boden geheftet. «Mensch, Eboni! Was hast du nun wieder angestellt?» Ich verfluche Cho innerlich. Eboni? Ich erstarre förmlich. Ich habe sie nicht erkannt. Sie hat die Haare violett gefärbt, ihre Ohren sind x-mal gepierct. Dann bemerke ich, dass mein Sohn immer noch weint. Ruckartig lasse ich ihre Hand los. «Chuck. Geh mit Tante Ginny. Ich hole dich um sechs ab.» Der Junge protestiert, aber Ginny schleppt ihn einfach aus dem Laden. Wie wirkt das wohl auf Eboni? Sie muss mitbekommen haben, dass Chuck mein Sohn ist. «Tut mir leid, dass ich den Tisch umgeworfen habe.» Sie zückt ihren Zauberstab und wedelt kurz damit. Der Tisch sieht wieder aus, wie vorhin. «Willst du was trinken gehen?» Ich habe gesprochen, ohne zu überlegen. Erstaunt sieht sie mich an. «Du musst arbeiten, habe ich gedacht.» Ich zucke die Schultern. «Fred macht das schon…» Wir sitzen in einem Kaffee, schweigend. Cho musste ganz plötzlich noch irgendetwas sehr wichtiges erledigen. Das hat sie zumindest behauptet. Ich rühre seit einer gefühlten Ewigkeit in meinem Kaffee, als George sich räuspert. «Wie geht es dir?» Das Gespräch kommt langsam in Gang. Ich erzähle ihm von meinen letzten fünf Jahren. «Und bei dir? Was hast du so erlebt?» Ich getraue mich nicht, direkt seinen Sohn anzusprechen und hoffe, dass er diesen Teil in seiner Erzählung nicht auslässt. Er erzählt ein bisschen und kommt dann ist stocken. «Chuck. Du hast ihn im Laden gesehen. Er ist mein Sohn.» Ich nicke. «Ja, das war ziemlich eindeutig.» Nervös spielt er mit seinen Händen. «Ich dachte eine Zeit lang, seine Mutter wäre meine nächste grosse Liebe. Es war nicht geplant, dass sie schwanger wird. Aber als sie es mir erzählt hat, habe ich mich riesig gefreut. Aber sie war immer schon etwas eigenartig. Manchmal war sie schwermütig, gereizt und wütend. Und manchmal, da war sie total überdreht, fast wie ein Kind. Die Schwangerschaft hat es noch schlimmer gemacht. Chuck wurde geboren. Zwei Tage vor seiner Geburt hat sie sich von mir getrennt. Trotzdem durfte ich bei der Geburt dabei sein. Eine Woche später lag Chuck vor meiner Haustür, von seiner Mutter fehlte jede Spur. Weitere zwei Wochen danach fand man sie, tot. Scheinbar Selbstmord. Ihre Familie hat nachher mit mir Kontakt aufgenommen. Sie und ich, wir waren ein Jahr zusammen und nie habe ich ihre Eltern kennen gelernt. Sie wussten auch nichts von mir oder der Schwangerschaft. Jedenfalls kamen sie vorbei, um mich und ihren Enkel kennenzulernen. Da habe ich erfahren, dass Manon psychisch krank gewesen ist. Darum ihre komischen Phasen.» Georges Augen sind feucht geworden. Ich habe Mitleid mit ihm, Mitleid mit dem kleinen Jungen, der nun keine Mutter mehr hat. «War sie es? Deine grosse Liebe? Du sagtest, du hast eine Zeit lang daran geglaubt.» Ich weiss selbst nicht genau, wieso ich gerade das so genau wissen will. Vielleicht weil ich George in all diesen Jahren nie vergessen habe. Und weil ich genauso fühle wie damals, als ich mich in ihn verliebt habe. Mein Herz klopft, ich fühle mich unsicher und nervös. Am liebsten würde ich ihn anfassen, ihm durch seine Haare streichen, so wie ich es während unserer Beziehung sooft getan habe. Diese Gefühle irritieren mich. «Nein.» Ich runzle die Stirn, verstehe nicht was George damit meint. Er bemerkt meine Verwirrung. «Nein, sie war nie meine grosse Liebe. Eigentlich wollte ich mit ihr Schluss machen, aber da wurde sie schwanger. Also bin ich bei ihr geblieben.» Unsere Blicke treffen sich, scheinen wie festgeschweisst. «George», murmle ich und fange wie aus dem Nichts an zu weinen. «Pebbles. Was ist denn?» Ich schüttle den Kopf, unfähig ein Wort zusagen. George steht auf und setzt sich neben mich. Sanft legt er mir einen Arm um mich. Ich lege meinen Kopf auf seine Schulter und versuche die Fassung wiederzugewinnen. «Es tut mir so leid. Alles. Das mit uns, mit Manon. Dein kleiner Sohn tut mir leid. Ich kann gar nicht glauben, dass ich nie bereit gewesen bin, dich anzuhören. Ich habe dich geliebt, unglaublich geliebt. Aber trotzdem, oder vielleicht darum, ist es mir unmöglich gewesen nach dem ich dich und Kassandra zusammen gesehen habe, mit dir zu sprechen, dich auch nur anzusehen.» George streichelt mir sanft über den Rücken. «Ich verstehe dich. Es hat mich zwar schier kaputt gemacht, dass ich dir nicht erklären konnte, wie es dazu gekommen ist. Aber ich weiss auch, wie es für dich ausgesehen hat. Eine Weile bin ich unglaublich wütend auf dich gewesen. Habe an deiner Liebe gezweifelt. Aber dann habe ich verstanden, wieso du so reagiert hast. Und jetzt ist alles gut, Eboni. Ich habe Chuck und ich bin unglaublich froh darüber. Und er hat auch ohne seine Mutter ein gutes Leben. Und irgendwann wird er eine Kiste mit Fotos und Geschichten bekommen, die Manons Eltern und ich für ihn gestaltet haben. Also hör auf zu weinen.» Ich schüttle den Kopf. «Ich war so dumm, George. Das was du und ich hatten, das war, glaube ich, einmalig. Diese eine, grosse Liebe.» Ihre Worte gehen mir mitten ins Herz. Ich habe wirklich an ihren Gefühlen gezweifelt und hätte nie geglaubt, dass sie so empfunden hat damals. Genau dasselbe habe ich auch für sie empfunden. Nach einer Weile beruhigt sie sich wieder und wir plaudern noch über Unverbindliches. Dann wird es Zeit für mich, Chuck bei Ginny und Harry abzuholen. Innerhalb der nächsten Monate treffen wir uns immer mal wieder, ich nehme sogar Chuck mit zu einem Treffen. Normalerweise halte ich ihn von Frauen fern, mit denen ich mich treffe. Die beiden sind sofort ein Herz und eine Seele, Chuck vergöttert sie gerade zu. Eboni bekommt von Hogwarts einen Brief, sie darf dort als Professorin den Besenflugunterricht geben. Völlig aus dem Häuschen überbringt sie mir die Nachricht bei unserem nächsten Treffen. «George.» Eboni rennt auf mich zu und wedelt mit dem Brief vor meinem Gesicht herum. «Das ist ein Traum, ich fasse es noch immer nicht. Und wenn ich nicht Unterricht gebe, kann ich die restliche Zeit in der Bibliothek arbeiten.» Sie strahlt über das ganze Gesicht und das löst etwas in mir aus. Tiefe Zuneigung, Liebe. Und ich denke nicht darüber nach, sondern ziehe sie zu mir ran und küsse sie. Und lege all meine Gefühle in diesen Kuss. Verwirrung, weil ich so empfinde. Glück, sie wieder in meinem Leben zu haben. Angst, sie mit dieser Aktion zu verscheuchen. Und sie erwidert meinen Kuss. Nach einer Weile entfernen wir uns etwas voneinander und sehen uns an. Ich räuspere mich. «Ich… Es… Ich…», stammle ich. Sie schüttelt nur leicht den Kopf und legt mir ihren Zeigefinger auf die Lippen. «Ich glaube, man bekommt in Sache grosser Liebe selten eine zweite Chance. Ich bin bereit, sie zu nutzen und diese Mal möchte ich es nicht vermasseln.» Zuerst verstehe ich den Sinn ihrer Worte nicht ganz, doch dann fällt der Groschen. Zwei Jahre später Eboni bringt gerade Chuck ins Bett und ich sitze im Wohnzimmer und lese den Tagespropheten. Seit zwei Jahren, seit unserem ersten Kuss nach langer Zeit, sind wir wieder ein Paar. Wir haben es langsam angehen lassen und wohnen erst seit wenigen Monaten zusammen in Hogsmead. Ich appariere jeden Tag in die Winkelgasse zur Arbeit. Chuck ist manchmal bei meinen Eltern, seinen anderen Grosseltern und zwei Tage in der Woche kann Eboni ihn mit nach Hogwarts mitnehmen. Wir sind eine glückliche kleine Familie. Eboni kommt ins Wohnzimmer und sieht bedrückt aus. «Was ist? Will er nicht schlafen?» Sie schüttelt den Kopf. «George… Er hat mich gefragt, ob er mir Mama sagen darf.» Ich schweige kurz. Chuck weiss mittlerweile fast alles über seine Mutter Manon. Ich habe ihm aber nicht gesagt, wie sie gestorben ist und dass sie das selbst gewählt hat. «Willst du das denn? Weisst du, ich fände das schön. Vor allem wenn wir, du und ich, mal ein Kind haben, wäre das für Chuck vermutlich leichter. Aber es liegt bei dir.» Eboni setzt sich auf meinen Schoss und kuschelt sich an mich. «Ja. Ich glaube, es ist für mich okay, wenn er mir Mama sagt.» Ende