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Rechtsschutz: Ja oder nein? - eine genauere Betrachtung

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6 Kapitel - 1.488 Wörter - Erstellt von: Versicherungsprofi - Aktualisiert am: 2016-11-16 - Entwickelt am: - 1.982 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Recht haben und Recht bekommen – in der Praxis oft zwei Paar Schuhe. Wer als Verbraucher selbst offensichtlich das Gesetz auf seiner Seite weiß, muss mitunter trotzdem erbittert darum kämpfen. Sei es im Zusammenhang mit einer offensichtlich fehlerhaften Kündigung des Arbeitsverhältnisses, oder aufgrund eines Verkehrsunfalls, bei dem man als Geschädigter einen bleibenden Gesundheitsschaden davon getragen hat. Ein Rechtsstreit kann – auch wenn Aussicht auf Erfolg besteht – teuer werden. Die Rechtsschutzversicherung hilft an diesem Punkt weiter. Laut Gesamtverband der Versicherer (GDV) wurden im Jahr 2015 an die 48 Assekuranzen mit entsprechenden Tarifmodellen mehr als 3,62 Milliarden Euro an Beiträgen gezahlt.

Trotz der Bedeutung, welche die Versicherer und einige Experten den Rechtsschutz-Tarifen immer wieder beimessen, sehen andere Fachlaute die Rechtsschutzversicherung kritisch. Beispiel Bund der Versicherten: Hier sind Rechtsschutz-Tarife Teil der Verträge, die zur Basisabsicherung eines Haushalts gehören. Was führt zu dieser doch unterschiedlichen Haltung? Eines vorweg: Für die kontroverse Debatte gibt es mehr als einen Grund. Letztlich sind es die individuellen Rahmenbedingungen, welche den Ausschlag geben.

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    Wozu ist eine Rechtsschutzversicherung gut? Das Grundprinzip hinter jeder Rechtsschutzversicherung ist die Finanzierung der Wahrnehmung rechtlicher In
    Wozu ist eine Rechtsschutzversicherung gut?
    Das Grundprinzip hinter jeder Rechtsschutzversicherung ist die Finanzierung der Wahrnehmung rechtlicher Interessen. Versicherungsnehmer sollen – so die Idee – in die Lage versetzt werden, einen Rechtsstreit ohne finanzielles Risiko durchzufechten.
    Daher übernehmen die Versicherungsgesellschaften ganz unterschiedliche Leistungen. Als Versicherungsnehmer sind durch den Abschluss einer Rechtsschutzversicherung Aufwendungen für:
    - Honorare des eigenen Anwalts
    - Sachverständige
    - Zeugen im Verfahren
    - Gerichtskosten
    - eventuell Reisekosten
    gedeckt. Darüber hinaus übernehmen die Versicherer auch jene Kosten der Gegenseite, welche dem Verfahrensteilnehmer auferlegt werden. Zusätzlich ist in vielen Tarifen auch eine Übernahme von Kautionszahlungen – bis zu einer gewissen Höhe – mitversichert.
    In diesem Zusammenhang muss jedem Versicherungsnehmer klar sein, dass die Rechtsschutzversicherung ihre Grenzen hat. Einerseits werden durch die Gesellschaften Deckungssummen eingearbeitet, ab deren Erreichen keine Leistungen mehr übernommen werden. Darüber hinaus werden nicht alle Sachgebiete der Rechtswissenschaften in den Tarifen zusammengefasst.
    Wichtig: Die Versicherer stellen sich in der Rechtsschutzversicherung hinter die Interessen ihres Vertragspartners. Allerdings gibt es diese Rückendeckung nur solange, wie ein Verfahren Aussicht auf Erfolg hat. Über die Versicherungsbedingungen behalten sich die Unternehmen das Recht vor, bei mangelnder Erfolgsaussicht die Leistungszusage abzulehnen. In einem solchen Fall müsste der Versicherte für die Kosten des angestrebten Rechtsstreits selbst aufkommen.

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    Können rechtliche Probleme häufig auftreten?

    Wie häufig ein Haushalt sich juristisch zur Wehr setzen oder sein Recht einklagen muss, lässt sich pauschal nicht festlegen. Familien kommen über 30 Jahre oder 40 Jahre ohne Anwalt aus, andere Haushalte brauchen mehrfach in zwei Jahren die Unterstützung eines Juristen.
    Das Statistische Bundesamt gibt allerdings Aufschluss darüber, wie viele Verfahren bei Gerichten in Deutschland neu eingehen. Bei den Zivilgerichten lag die Zahl der Neuzugänge im Jahr 2014 bei mehr als 1,43 Millionen. Die Familiengerichte und Strafgerichte kommen zusammen auf mehr als 1,3 Millionen Verfahren im gleichen Zeitraum. Auf die Gesamtzahl der bundesdeutschen Haushalte bezogen ist es am Ende nur ein Bruchteil, der jedes Jahr einen Richter in seiner Robe zu Gesicht bekommt.
    In einigen Lebensbereichen sind Verfahren allerdings häufiger. Die Rede ist von
    - Familienangelegenheiten wie Scheidungen, Erbschaften, Sorgerechtsstreits
    - Problemen am Arbeitsplatz
    - Streit im Straßenverkehr.
    Aber auch zwischen Nachbarn oder beim Bau einer Immobilie kann es zu Auseinandersetzungen kommen.

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    Was macht eine gute Police aus?

    Die Frage muss eigentlich anders gestellt werden. Aus Sicht eines Versicherten ist entscheidend, welche Lebensbereiche in besonderer Weise schutzbedürftig sind. Eine gute Police lässt sich letztlich nicht einfach auf Kriterien wie die Deckungssumme oder die Höhe einer Kautionsleistung reduzieren.
    Zu den wichtigen Lebensbereichen, in denen Haushalte auf Leistungen der Rechtsschutzversicherung regelmäßig angewiesen sein können, gehören:
    - Verkehrsrecht
    - Arbeitsrecht
    - Familienrecht.
    Andere Rechtsgebiete, wie der Wohnungs- und Grundstücks-Rechtsschutz oder Sozialgerichts-Rechtsschutz, sind tendenziell für nur wenige Haushalte interessant.
    Eine gute Police muss am Ende sicherstellen, dass in den versicherten Rechtsgebieten ein umfassender Schutz aufgebaut wird. Beispiel Verkehrsrecht: Hier sollten unter anderem die Bereiche:
    - Schadenersatz
    - Vertrags- und Sachenrecht (Stichwort Werkstattmangel)
    - Strafrecht
    eine Rolle spielen. Entsprechend ist für alle anderen Bereiche der Rechtsschutzversicherung vorzugehen. Außerdem sollte auch eine umfassende rechtliche Beratung zum Leistungspaket gehören. Darüber hinaus muss jedem Haushalt – sobald er sich für den Abschluss eines Tarifs interessiert – etwas klar sein: Die Versicherer leisten in einigen Situationen nicht mehr. Dies gilt für alle Leistungsfälle, die bereits vor Abschluss der Police entstanden sind. Hier hat man (leider) in vielen Bereichen der privatrechtlichen Versicherungsverträge das Nachsehen.
    Tipp: Eine gute Police schließt in den Leistungskatalog nicht nur Sachverhalte ein, in denen ein Verfahren unausweichlich ist. Auch dem Versicherer ist klar, dass außergerichtliche Einigungen kostengünstiger sind. Die Mediation als Leistungsbaustein macht sich des Öfteren für alle Beteiligten bezahlt.

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    Für wen lohnt sich eine Rechtsschutzversicherung?
    Diese Frage ist nur auf den ersten Blick einfach zu beantworten. Oberflächlich betrachtet ist Schutz gegenüber gerichtlichen Verfahren für jeden Haushalt interessant. Allerdings kostet eine Rechtsschutzversicherung Geld. Und an dieser Stelle taucht die Frage nach Kosten und Nutzen auf.
    Grundsätzlich muss sich jeder Interessent fragen, wie groß das Risiko für juristischen Ärger ist. Für Ottonormal-Verbraucher reduziert sich der Bedarf an dieser Stelle meist recht schnell. Weiterhin ist zu bedenken, wie das Gesamtportfolio hinsichtlich der abgeschlossenen Versicherungen aussieht. Sofern Policen für den BU-Schutz oder die Altersvorsorge fehlen, ist eher hier nachzubessern.
    Die Rechtsschutzversicherung wird stattdessen hintenangestellt. Nur, falls bereits alle wichtigen Bereiche abgedeckt sind und finanzielle Reserven verbleiben, sollte über Rechtsschutztarife nachgedacht werden. Um die Beitragslast nicht zu stark ausufern zu lassen, empfiehlt sich ein Trick. Der Selbstbehalt im Vertrag wird etwas höher angesetzt. Auf diese Weise steigt der Versicherer nur dann mit ins Boot, wenn ein Verfahren droht, wirklich teuer zu werden.
    Tipp: Vor der Unterschrift ist in jedem Fall zu prüfen, wie der Schutz des Vertrags – inklusive aller Deckungssummen – im Ausland aussieht.

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    Leistungsausschlüsse: Hier zahlt die Rechtsschutzversicherung nicht

    Der Abschluss einer Rechtsschutzversicherung kann sich durchaus lohnen. Allerdings ist diese kein Blankoscheck, um alle möglichen Ärgernisse und Verfahren bis zur letzten Instanz durchzufechten. Generell existieren – neben den bereits genannten Einschränkungen – einige Leistungsausschlüsse in den Tarifen, die bekannt sein müssen.
    Zu diesen Elementen gehören:
    - Schutz gegen Strafverfolgung
    - Ansprüche aus Glücksspiel oder Wetten
    - Ansprüche aus Spekulationsgeschäften usw.
    Zudem muss jedem Verbraucher, der einen Vertrag zur Rechtsschutzversicherung abschließen will, folgender Sachverhalt klar sein: Die Versicherer arbeiten mit Wartezeiten. Diese wird für einzelne Elemente, wie den Schutz im Mietrecht, in den Vertrag eingewoben und soll sicherstellen, dass sich Verbraucher bei Anbahnung eines Verfahrens nicht noch schnell um den Versicherungsschutz – um die Kosten zu umgehen – bemühen. Wer diesen Aspekt aus den Augen verliert, muss im Ernstfall mit Überraschungen rechnen.

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    Fazit: Rechtsschutz kann sich für Familien lohnen

    Deutsche Haushalte gelten gern als überversichert. Diese Ansicht mag in einigen Fällen zutreffen, ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Beobachter stellen immer wieder fest, dass Familien und Singles zwar im Bewusstsein durch den Alltag gehen, dass Lebensbereiche Risiken bereithalten, gegen sehr wichtige Gefahren, die zu existenziellen Sorgen führen, wird mitunter jedoch nicht aktiv vorgegangen. Stattdessen kommt es zum Abschluss von Versicherungen, an die eigentlich erst später gedacht werden sollte. Die Rechtsschutzversicherung liegt an der Grenze. Deren Schutz kann für Haushalte sehr wichtig sein, wenn es um ein kostspieliges Verfahren – etwa wegen eines Mangels am Hausbau – geht. Trotzdem stehen die Tarife aus dem Segment Rechtsschutz nicht auf einer Stufe mit Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit oder Invalidität und der Haftpflicht- und Risikolebensversicherung. Letztlich ist die Absicherung gegen das Kostenrisiko eines gerichtlichen Verfahrens eine Ergänzung des bestehenden Versicherungsschutzes, über die man aber mit ruhigen Gewissen als Familie mit Kindern oder als Single nachdenken kann.

    Bildquelle: pixabay.com © Daniel_B_photos (CC0-Lizenz)

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2016-11-16
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