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Die Statistik vom Quiz

Harry Freakin' Potter: Magic Works

45.21 % der User hatten die Auswertung: Trompeten und Fanfaren! Gratulation, oder, was auch vorkommen mag: Mein Beileid. Hier eure Geschichte: ~Jahr Fünf~ „Hey Lyla!“ Als ich meinen Namen hörte, drehte ich mich um, in die Richtung aus der die Stimme kam und musste auch gleich grinsen. Ein großer, gutaussehender Junge kam jetzt ebenfalls grinsend auf mich zu. „Hey Sirius“, grüßte ich. Ich wollte ihn umarmen, aber ich hielt meinen Besen in der linken und den Käfig mit meiner Eule Zazu in der rechten Hand. Vor mir stand mein Koffer. Ich war gerade dabei gewesen meine Sachen zum Gepäckwagen zu schleifen, bevor ich in den Hogwartsexpress steigen wollte. Sirius aber zögerte nicht lange. Er nahm mir den Besen und den Käfig aus der Hand, stellte sie neben meinen Koffer und nahm mich dann in die Arme. Ich musste lachen und strubbelte ihm durch die schwarzen Haare. „Ey, mach doch nicht meinen ganzen Look zunichte“, regte er sich künstlich auf und fummelte an seinen Haaren herum, als er mich wieder losgelassen hatte. Ich rollte mit den Augen. „Heute ist der erste Schultag. Sag nicht, du hast schon ein Auge auf eine geworfen, die du dann das ganze Schuljahr über klar machen willst“, fragte ich und griff wieder nach dem Käfig mit meiner Eule darin. Sirius grinste mich nur an. „Und wenn dem so wäre?“ fragte er und nahm den Besen und den Koffer, nach dem ich gerade danach greifen wollte. Ich verzog den Mund, als wir uns Richtung Gepäckwagen in Bewegung setzten. „Als ob ich dafür das ganze Schuljahr brauchen würde“, hörte ich ihn dabei noch murmeln. „Mann Sirius, das nervt. Wenn du dir wenigstens einmal eine suchen würdest, die auch ein wenig Verstand hätte und nicht so 'ne hohle Nuss ist, wie alle anderen“, fing ich an aber er unterbrach mich. „Was brauch ich Verstand? Ich will mich ja nicht mit ihr unterhalten“, sagte er nur und ein Grinsen breitete sich wieder auf seinem Gesicht aus. Ich verkniff mir einen Kommentar. Die Diskussion hatten wir schon an die hundert Mal geführt und am Schluss endete es damit, dass wir uns nur gegenseitig in den Haaren lagen. Ich wechselte also das Thema. „Wo ist dein Zwilling?“ fragte ich und sah mich auf dem Bahnsteig um. „Sitzt schon im Abteil. Ich hab dich nur gesehen, wie du dich mit dem Gepäck geplagt hast, also habe ich mich erbarmt und bin hier raus, um dir zu helfen.“ „Wow, ein wahrer Gentleman.“ „Jetzt sag das noch einmal, aber ohne dabei so überrascht zu klingen.“ Wir stichelten uns noch eine Weile, bis wir den Wagen erreicht hatten. Ich ließ Zazu aus seinem Käfig. Er flog am liebsten dem Hogwartsexpress hinterher. Den Rest stellten wir auf dem Gleis ab und machten uns dann wieder auf den Weg zu den Abteilen. Sirius hatte die Hände in den Taschen vergraben. „Ab ins fünfte Jahr, nicht?“ meinte er und ich nickte. „Sieht ganz so aus.“ Er betrachtete mich kurz von der Seite. „Normale Menschen werden über die Sommerferien ja meistens braun“, fing er dann an. „Aber du wirst jedes Mal blasser, egal, was für 'ne Jahreszeit ansteht.“ „Na und?“ giftete ich zurück, was Sirius schmunzeln ließ. „Bin ich halt blass. Ich finds schön!“ „Klar, wenn man auf Porzellanpüppchen steht“, grinste er und ich boxte ihn in die Seite. „Vorsicht, Tatze! Verscherz es dir nicht schon am ersten Tag mit mir!“ drohte ich und er lachte nur. Wir stiegen in den Zug und Sirius ging voraus zu dem Abteil, in dem bereits James, Remus und Peter saßen. Ich war wieder einmal das einzige Mädchen hier. Aber Lily, meine einzige Freundin, wollte nicht mit James in einem Abteil sitzen. Ich hatte sie schon beim Betreten des Zuges in einem Abteil mit Snape sitzen sehen und ihr kurz zugewunken. „Hey Jungs.“ Ich begrüßte meine Freunde und ließ mich am Fensterplatz nieder, Sirius mir gegenüber. Und nach wenigen Minuten ruckelte der Zug auch schon aus dem Bahnhof raus. Wir tauschten Neuigkeiten aus und berichteten von unseren Ferien. Nach etwa zwei Stunden wurde es ruhiger im Abteil, da wir alle ziemlich müde wurden. Ich lehnte mich auch mit dem Kopf an die Abteilwand und legte meine Füße gegenüber auf Sirius Sitz, der seine wiederum auf meinem Sitz liegen hatte. Wir alle dösten vor uns hin. Als ich wieder meine Augen blinzelnd öffnete, grinste mich Sirius frech an. Ich streckte mich. „Was?“ fragte ich und streckte meine Arme hinter den Kopf. „Nichts, ich hab nur darauf gewartet, bis du im Schlaf anfängst zu sabbern“, lachte er und ich schnitt ihm eine Grimasse. „Da hättest du lange warten können. Ich sabbere nämlich nicht“, stellte ich klar und hoffte dabei inständig, dass es auch stimmte. „Ja, hätte aber gut sein können. Wie kannst du schon wissen, was du machst, wenn du schläfst?“ „Nicht sabbern auf jeden Fall. Das überlasse ich dir Tatze“, grinste ich und jetzt schnitt Sirius mir eine Grimasse. Automatisch kratzte er sich am Kopf, wie er es sonst immer mit der Hinterpfote tat, wenn er ein Hund war. Ich fing an zu lachen und als Sirius den Grund bemerkte, grinste er. ~ Ich hatte fertig ausgepackt und ließ mich müde aufs Bett fallen. Lily neben mir tat es mir gleich. „Ich hab viel zu viel gegessen“, stöhnte sie und auch mir wurde ein wenig schlecht, wenn ich an die Massen an Essen zurückdachte. Es schmeckte einfach immer viel zu gut, sodass man nicht mehr aufhören konnte. „James hat dich während der ganzen Willkommensfeier angestarrt.“ Lily fuhr hoch und ich blickte sie grinsend an, als ich mich ebenfalls aufrichtete. Lily verzog den Mund. „Er ist widerlich.“ Das war ihre häufigste Bemerkung über ihn. „Ja, aber so benimmt er sich meistens nur, wenn du in der Nähe bist. Dann macht er einen auf Macho. Wenn ich mit den Jungs abhänge, ist er total okay.“ Immer wieder versuchte ich James zuliebe ihn vor Lily schön zu reden. Seit der dritten Klasse stand er jetzt schon auf sie und diese ständige Anhimmelei seinerseits fing langsam an zu nerven. Sirius und ich zogen ihn schon ständig damit auf. „Was du nicht sagst“, bemerkte Lily nur in sarkastischem Ton und ich gab auf. Vielleicht sollte ich es wieder versuchen, wenn ich nicht so vollgestopft mit Essen war. ~ „Erster Tag und dann schon sowas“, regte sich Sirius auf. In seinen Händen hielt er den neuen Stundenplan der Fünftklässler. „Ist doch gar nicht so schlimm“, bemerkte Remus und Sirius schüttelte den Kopf. „Du nennst also eine Doppelstunde Geschichte der Zauberei und eine Doppelstunde Zauberkunst nicht schlimm? Denk nur mal an die Hausaufgaben! Oh Mann, ich geh ein.“ Theatralisch ließ Sirius sich in dem Gang, in dem wir gerade unterwegs waren, auf den Boden sinken und krümmte sich, als leide er Todesqualen. Ein paar Mädchen, die ihn im Vorbeigehen betrachteten, kicherten. Sirius, der immer noch in seiner Rolle war, ließ es sich nicht nehmen, ihnen hinterher zu schielen. „Ich bin das ganze Jahr über hier, Mädels!“ rief er ihnen nach, worauf diese noch einmal laut los kicherten. Ich konnte das Getue nicht ausstehen. Ich schloss mich Remus an, der ohne Sirius Einlage zu beachten, weitergegangen war, die Augen immer noch auf den Stundenplan. Aber hinter mir hörte ich schon gleich darauf wieder eilige Schritte und dann Sirius Arm, den er lässig um meine Schulter legte. „Wenn es mit der Schule nichts wird, kannst du ja immer noch Schauspieler werden“, meinte ich und Sirius grinste. „Ja? Ich war gut eben, oder? Damit käme ich sogar ins Muggelfernsehen“, grinste er und ich musste lachen. „Klar. Und du würdest sicher zahlreiche Nominierungen für die goldene Himbeere bekommen.“ „Was ist das?“ Ich fing Remus Blick auf, der los lachte und ich fing ebenso an. Sirius wechselte verwirrte Blicke zwischen uns beiden. „Ach so, hab schon verstanden. Die beiden Halbblüter unterhalten sich über Muggeldinge, die der gute Sirius nicht versteht, schon klar“, meinte er dann gespielt beleidigt. „Dazu müssen wir uns nicht über Muggeldinge unterhalten“, lachte ich und Sirius Arm, der um meine Schulter lag, zog mich enger an ihn heran, bis er mich im Schwitzkasten hatte. Ich musste trotzdem immer noch weiter lachen. „Mr. Black, was tun Sie denn da? Lassen Sie gefälligst Miss McAvoy los!“ Wir standen vor dem Klassenzimmer und Professor Binns war hinter uns aufgetaucht, da er einfach durch die Steinwand geschwebt war. Sirius ließ mich nur wiederwillig los und wir schupsten uns noch den ganzen Weg ins Klassenzimmer hinein, bis wir uns schließlich an unseren Stammplätzen niederließen. Lily saß neben mir. Sirius auf meiner anderen Seite, neben ihm James, der Lily schon wieder sehnsüchtige Blicke zu warf. Sie ignorierte ihn aber vollständig. „Ich geh ein“, wiederholte Sirius seine Worte von vorhin nach fünf Minuten Unterricht und ließ seinen Kopf aufs Pult fallen. ~ „Sieht so aus, als hätte schon wieder jemand an Sirius Haken angebissen.“ Ich hob meinen Kopf von meinen Hausaufgaben und folgte Remus Kopfnicken. Sirius und ein Mädchen waren gerade durch das Porträtloch gestolpert und jetzt knutschten sie wild in einer Ecke herum. „Das ist ekelhaft“, meinte ich und Remus lächelte kurz und widmete sich dann wieder seinem Aufsatz über Werwölfe. Klar, sein Spezialgebiet. Er konnte kaum die Feder still halten, dabei hatte er schon drei Pergamente vollgeschrieben. Wenn das mal nicht nach einem Ohnegleichen aussah... Ich wandte mich ebenfalls wieder dem Aufsatz zu. Ich hatte ebenfalls schon eine stattliche Länge erreicht, dank Remus Hilfe, und brauchte nur noch einen guten Schluss. Aber der Gedanke, dass Sirius nur ein paar Meter entfernt mit einer knutschte half mir nicht gerade mich zu konzentrieren. „So, fertig“, meinte Remus und schrieb noch seinen Namen auf die Pergamentrollen. „Ich denke, das wird genügen.“ „Genügen? Also das kannst nicht mal du ernst meinen, Moony. Gib zu, dass dein Aufsatz der Beste sein wird.“ Ein kurzes Lächeln huschte über seine Lippen, als er die Pergamente zusammen rollte. „Einen Vorteil muss es ja schließlich geben, aber ich bin bescheiden, das weißt du“, sagte er und in dem Moment fing er an zu lachen und ich grinste. „Hilf mir lieber“, sagte ich, nachdem er sich beruhigt hatte und er rückte neben mich um meinen Aufsatz zu lesen. „Das ist doch gut. Zum Schluss schreibst du noch ein Zitat von mir auf und betitelst es mit 'Anonymer Werwolf'. Mit Zitaten zu enden kommt immer gut.“ Wir lachten los, aber ich schrieb, was er mir diktierte und dann war ich fertig und recht zufrieden mit mir selbst. Ich packte meine Schulsachen in meine Tasche und in dem Moment ließ sich jemand neben Remus und mir auf den freien Stuhl fallen. „Was gibt es denn da so zu lachen?“ fragte Sirius. „Das wüsstest du wohl gern?“ sagte ich nur und grinste Remus an. „Ja, ich hab ja auch gerade danach gefragt“, meinte Sirius und schaukelte lässig mit dem Stuhl vor und zurück. „Tja, hättest du mal nicht mit deiner Tussi geknutscht und stattdessen mit uns abgehangen, wüsstest du es“, sagte ich nur kurz und Sirius kniff ein Auge zu. „Sind wir wieder mal soweit um mit der ewigen Diskussion anzufangen?“ funkelte er mich an und ich setzte einen trotzigen Gesichtsausdruck auf. Remus neben uns hatte schon seine Sachen gepackt und sich verzogen. „Ich fang nicht damit an, ich sag nur, wie es ist.“ „So? Wie ist es denn?“ „Wo ist deine kleine Freundin hin, Sirius?“ „Ich hab zuerst gefragt.“ „Geh mir nicht auf die Nerven!“ „Nein, das ist dein Job.“ Ich funkelte Sirius angriffslustig an, der mich nur ebenso zurück anstarrte. „Sirius? Gehen wir dann?“ Ich lehnte mich ein wenig zur Seite um an Sirius vorbei zu sehen. Da stand noch immer das Mädchen, mit dem Sirius hergekommen war. Ich glaubte, sie war eine Hufflepuff und wir hatten einen Kurs zusammen. Sirius drehte sich ebenfalls kurz zu ihr um, bevor er mich wieder ansah. „Ja Sirius? Gehen wir dann?“ wiederholte ich die Frage des Mädchens, aber mein Ton glich weniger dem des Mädchens. Ich hätte auch nicht geglaubt, dass er sie einfach so stehen lassen würde, als er sich zu Remus und mir gesetzt hatte. Sirius Augen verengten sich nach meiner Bemerkung noch einmal und er knirschte mit den Zähnen, sagte aber nichts, sondern stand daraufhin schnell auf, nahm das Mädchen an der Hand und trat mit ihr durch das Porträtloch. Ich wusste nicht warum, aber ich hatte eine ziemliche Wut auf Sirius. ~ Am nächsten Morgen weckte mich Lily. Es war Samstag und ich wollte ausschlafen, aber das war ihr herzlich egal gewesen. „Ich will Frühstück! Das gibt's nicht bis Mittag“, weckte sie mich und zog an meiner Bettdecke. „Mmmmh“, murmelte ich nur in mein Kissen. „Los jetzt!“ und sie warf mir ihr Kissen gegen den Kopf. Und nachdem ich so langsam wach wurde, zog ich mich um und wir gingen hinunter in die große Halle. Alle anderen saßen natürlich schon am Gryffindor-Tisch. Ich setzte mich neben Remus und Lily neben mich. Etwas appetitlos kaute ich ein Stück Toast. Und plötzlich, wie aus dem Nichts hatte ich einen Löffel voll Haferschleim an der Wange kleben. Und als ob ich es nicht schon gewusst hätte, woher das gekommen war, ertönte auch schon Sirius schadenfrohes Lachen. Ich wischte mir die Wange ab und blickte angriffslustig in seine Richtung. Er saß neben James auf der anderen Seite des Tisches ein wenig unterhalb und hatte sogar noch den Löffel in der Hand, mit dem er den Haferschleim in mein Gesicht befördert hatte. „Du weißt genau, dass du das sowas von zurück bekommst!“ knurrte ich ihn an. „Ja? Lass sehen!“ grinste Sirius nur. Er hatte wohl nicht damit gerechnet, dass ich damit sofort gemeint hatte. Mit einer einzigen Bewegung hatte ich die große Schüssel mit Haferschleim genommen und ihren Inhalt mit Schwung in Sirius Richtung geworfen. Er konnte gar nicht so schnell reagieren, wie ich geworfen hatte, darum landete alles genau dort, wohin ich gezielt hatte: In seinem hämisch grinsendem Gesicht. Lily stieß einen Laut aus, halb Schrei und halb Lachen, James hatte sich noch vor dem Haferschleim hinweg geduckt und lachte jetzt ebenfalls seinen besten Freund aus, sogar Remus konnte ein Grinsen nicht verbergen. Am gesamten Gryffindor-Tisch brach lautes Gelächter aus, was auch die anderen Tische aufmerksam werden ließ. Aber Sirius hatte immer noch den besten Gesichtsausdruck von allen: Ein sah ungläubig, wütend und zugleich auch so aus, als müsste er sich das Grinsen verkneifen. Ich jedenfalls konnte es mir nicht verkneifen und grinste von einem Ohr zum anderen. „Na? Genügt dir das, Black?“ fragte ich, während er sich den Schleim aus dem Gesicht strich. Mit einer ziemlichen Gelassenheit antwortete er. „Nicht im Geringsten, McAvoy. Was hast du noch?“ Am Tisch entbrannte ein Johlen und Klatschen und ich musste noch breiter grinsen. „Wie wärs mit Eier und Speck?“ fragte ich und Sirius grinste. „Immer her damit!“ Im gleichen Moment griff er nach der Cornflakesschale und deren Inhalt landete auf mir, während die Spiegeleier genau in Sirius Haar landeten. Und so entbrannte am ganzen Gryffindor-Tisch eine einzige Essensschlacht. Viele flüchteten kreischend, aber die meisten blieben am Tisch und schmissen sich da Frühstück um die Ohren. Nach kurzer Zeit klebten an allen Beteiligten Reste des Frühstücks, gar nicht abzusehen von den Wänden und dem Tisch. „DAS REICHT!“ Mit einem Schlag hielten alle Schüler inne, als McGonagall die Halle betrat, mit zornigem Gesichtsausdruck und raschem Schritt auf den Gryffindor-Tisch zu. Filch folgte ihr und blickte ebenfalls mit großen Augen auf das Chaos. „WER DAS HIER ZU VERANTWORTEN HAT, MÖGE SOFORT VORTRETEN!“ rief McGonagall. Ich blickte zu Sirius, der mit den Schultern zuckte, aber trotzdem noch weiter grinste. Ich konnte mir meines ebenfalls nicht verkneifen. Dann traten wir beide vor. „McAvoy! Black! Sie kommen mit!“ Und McGonagall rauschte aus der Halle. Hinter uns konnte ich noch lautes Gröhlen und Beifall vernehmen, bis wir uns immer weiter entfernten. „Was gibt es da so zu grinsen!“ Wir waren vor ihrem Büro stehen geblieben und McGonagall hatte sich zu uns umgedreht. Augenblicklich froren unsere Gesichter ein. „Das wird ein Nachspiel haben, verlassen Sie sich darauf!“ drohte McGonagall und trat jetzt in ihr Büro ein. Sirius und ich folgten ihr. Nach etwa einer halben Stunde Angebrülle und 100 Punkten Abzug für Gryffindor durften Sirius und ich das Büro wieder verlassen. Wir mussten einen Monat jedes Wochenende nachsitzen, sowie einige Strafarbeiten verrichten, angefangen mit der Aufräumarbeit der großen Halle. „Und zwar ohne Zauberstab!“ hatte McGonagall betont und somit auch sofort beide Stäbe eingefordert. Und trotzdem grinsten Sirius und ich uns immer noch an, als wir wieder im Flur standen. „Wirklich, das hätte ich dir nie zugetraut“, meinte Sirius als erster, als wir uns auf den Weg in die große Halle machten. „Ich hab dich gewarnt“, grinste ich nur. Als wir in die Halle kamen, waren nur noch wenige Schüler dort. Die meisten waren schon unterwegs nach Hogsmeade. Und wir sahen das Ausmaß unserer Essenschlacht erst. Lily, die neben Remus, James und Peter auf uns gewartet hatte, kam auf mich zu. „Du bist verrückt!“ war das erste, was sie sagte. „Sieh dich doch nur an, du hast Speck in den Haaren!“ Sie zog ein Stück aus meinen Haaren und ließ es angewidert fallen. Sie war im Gegensatz zu mir größtenteils verschont worden. Ich blickte zu den anderen. James klopfte Sirius auf den Rücken und lachte. Er war von oben bis unten mit Orangensaft bespritzt. Sogar Remus grinste und wischte sich ein Stück Spiegelei von der Schulter. „Na dann, haut endlich ab, damit wir anfangen können hier aufzuräumen“, meinte Sirius dann und sie verließen die Halle. Zurück blieben Sirius und ich und das totale Chaos. Filch hatte schon Besen und Putzzeug bereitgestellt. „Ich muss zugeben, dass ich irgendwie stolz auf dich bin. Ich hab es geschafft, dich dazu zu bringen, das totale Chaos auszulösen“, lachte Sirius und ich schupste ihn ebenfalls lachend zur Seite. Wir schnappten uns Lappen und fingen an die Essensreste in Tüten zu werfen und die Tische zu putzen. Aber nicht ohne zwischendurch immer wieder in Lachen auszubrechen. „Du hast Rührei in den Haaren.“ Ich zupfte den Rest aus seinen schwarzen Haaren und er grinste. „Ich frag mich, wie das passieren konnte“, lachte er und zupfte wiederum ein Stück Speck von meinem Umhang. Kaum zu glauben, aber wir kriegten es hin, dass die Halle bis zum Mittagessen wieder sauber war, und die anderen Schüler hier essen konnten. Immer noch klatschten viele, als sie an Sirius und uns vorbei kamen und wir verneigten uns tief. „Ich brauch jetzt 'ne Dusche“, meinte ich, als ich meine verklebten Haare betrachtete. „Der Look steht dir aber“, sagte Sirius und kratzte Haferschleim aus seinen Augenbrauen. ~ „Ich sitze nach mit Sirius... Sirius und ich sitzen nach... Nachsitzen mit Sirius...“ „Könntest du mal die Klappe halten?“ Ich saß an einem Tisch mit Sirius, der die Beine ausgestreckt auf der Tischfläche liegen hatte und plapperte aus Langeweile vor mich hin. Kein Zauberstab zur Hand - den hatte immer noch McGonagall - und ich hatte keine Ahnung, was ich tun konnte, um mir die Zeit zu vertreiben. Ich fing an ein Lied zu summen. „Was hab ich gerade gesagt?“ fuhr Sirius mich wieder an und öffnete seine Augen, da er versucht hatte ein Nickerchen zu machen. „Mir ist langweilig. Es gibt ja nicht mal Bücher hier die man lesen könnte!“ Sirius grummelte irgendetwas in sich hinein und schloss wieder die Augen. „Hey!“ rief ich und kickte seinen Stuhl, sodass er fast nach hinten gefallen wäre, sich aber noch fassen konnte und mich anstarrte. „Unterhalte mich!“ Sirius atmete lange und genervt aus, stellte dann seine Füße aber wieder zurück auf den Boden und drehte sich zu mir. „Was soll ich deiner Meinung nach machen, hä?“ Ich wusste es ja auch nicht. In dem Klassenzimmer hier gab es so gut wie gar nichts. Ich zuckte mit den Schultern. Sirius sah mich an und schaute sich dann um, wahrscheinlich auf der Suche nach Unterhaltung. Dann stand er auf und ging zur Tafel. Er winkte mir und nahm ein Stück Kreide. Wir fingen an drauf los zu kritzeln. Wir malten die ganze Schule, Lehrer, Schüler, den verbotenen Wald. „Das bist du“, lachte ich und zeigte auf den Hund, den ich gemalt hatte. Sirius zeigte auf eine seiner Figuren. „Das bist du“, grinste er und ich beugte mich zu der Zeichnung. „Hast du mit der Oberweite nicht ein bisschen übertrieben?“ fragte ich, als ich die zwei Kreise an dem Strichmännchen betrachtete. Sirius musterte mich und schüttelte dann grinsend den Kopf. „Nö.“ Ich gab ihm eine Kopfnuss und er lachte nur. „Miss McAvoy, Mr. Black!“ Wir wirbelten herum. McGongall stand in der Tür des Klassenzimmers und musterte uns mit strengem Blick. „Sie beide haben eindeutig zu viel Spaß beim Nachsitzen“, bemerkte sie, während Sirius versuchte hinter seinem Rücken das Strichmännchen mit der Handfläche zu löschen, über das McGonagalls Name geschrieben war. „Sie beide werden das weitere Nachsitzen getrennt verbringen. Miss McAvoy, melden Sie sich bei Hagrid. Mr. Black, Sie kommen mit mir mit.“ Sirius und ich blickten uns einen Moment an und verließen dann hinter McGonagall das Klassenzimmer. „Dann bis später“, murmelte Sirius, als sich unsere Wege trennten und ich aus dem Schloss hinaus ins Freie trat. Es war nicht gerade warm, und ich zog den Reißverschluss meiner Jacke ganz zu, bevor ich mich auf den Weg zu Hagrid machte. Ich sah ihn schon vor seiner Hütte auf mich warten, als ich den Weg hinunter stolperte. „Was hastn schon wieder angestellt?“ war seine Begrüßung, als ich vor ihn trat. „Nichts weiter von Belang“, meinte ich und winkte ab. „Also, was machen wir?“ Hagrid schulterte seine Axt und den rosa Schirm. „Wir gehen in 'n Wald. Bowtruckles suchen. Ich hab gehört, du hast zurzeit keinen Zauberstab, ja?“ „Ja, den hat McGonagall“, erwiderte ich missmutig. „Na dann... los komm.“ Er gab mir einen Sack, den ich schulterte und folgte ihm in den Wald. Wir waren um die drei Stunden unterwegs, bis wir schließlich mit einem Sack voller Bowtruckles aus dem Wald zurückkehrten. Es war schon dunkel und ziemlich kalt geworden. „Komm rein. Ich mach dir 'n Tee, damit du wieder warm wirst“, meinte Hagrid. Er stellte Wasser auf und ich setzte mich auf einen Stuhl an dem Tisch. Als der Tee fertig war, goss er uns zwei große Becher voll ein und in seinen Becher schenkte er sich noch einen ordentlichen Schuss Rum ein. Naja, es war eine halbe Flasche voll, aber für ihn wohl nicht mehr als ein Schuss. „Kann ich auch was haben?“ fragte ich und hielt ihm meinen Becher hin. Hagrid hob eine Augenbraue, brummte kurz und tröpfelte etwas Rum in meinen Tee. Er stellte die Flasche zurück auf den Tisch und wir tranken den Tee. Hagrid erzählte begeistert von ein paar Viechern, die er gerade versuchte zu züchten. Mir wurde wieder warm und als sich Hagrid kurz umdrehte, schüttete ich noch etwas Rum in meinen Tee. Mir kam nur kurz die Flasche aus und ich goss mir viel zu viel Rum in meinen Becher. Aber ich trank den Tee, da Hagrid schon wieder zu mir blickte. Als ich mich wieder auf dem Weg ins Schloss machte, konnte ich schon fühlen, wie mir der Alkohol zu Kopf stieg. Mehr schlecht, als recht kam ich im Schloss an. Ich ging zu McGonagall um meinen Zauberstab zurückzuholen - und ich verbarg erfolgreich meinen Alkoholatem - und stieg dann die Treppen hoch in den Gemeinschaftsraum. Im Gemeinschaftsraum warteten natürlich schon alle auf mich. „Wo warst du so lange?“ fragte Lily, die neben Remus auf dem Sofa saß. Sirius war auch schon da und grinste mich an. Er, Peter und James saßen vor dem Kamin und spielten Zauberschnippschnapp. „Nachsitzen“, brummte ich. „War ja klar, dass du vor mir hier bist.“ Ich blickte zu Sirius. „Hey, ich bin auch vor gerade mal zehn Minuten gekommen“, meinte er nur und er sah mich mit erhobener Augenbraue an. „Alles okay mit dir?“ „Nix okay. Scheißkalt isses draußen. Und mir ist schwindlig.“ Ich setzte mich auf den Boden, wo ich gerade gestanden hatte und legte meinen Kopf in meine Hände. Mir war elend zumute. Was war das schon wieder für Rum gewesen, den Hagrid da gehabt hatte? Wahrscheinlich selber gebranntes Zeug. „Warum, was ist los?“ Sirius hatte sich vor mich gesetzt und musterte mich. Ich kniff die Augen zusammen, weil sich alles drehte. „Sag mal, riech ich da etwa Alkohol?“ Alle blickten auf und starrten jetzt Sirius und mich an. Ich sah Sirius ins Gesicht und grinste. „Kann schon sein.“ Sirius Ausdruck war überrascht, bis er ebenfalls anfing zu grinsen. „Kleine, bist du beschwipst?“ Mein Grinsen verriet wohl alles, da Sirius begann laut los zu lachen. Auch James und Peter lachten. Remus grinste und Lily sah mich immer noch überrascht an. „Ich hab nur Tee bei Hagrid getrunken, naja, mit ein bisschen Rum.“ „Ein bisschen?“ fragte James und Peter kicherte. „Ach, ich glaube du verträgst einfach nur nichts“, stellte Sirius lachend fest und ich schnitt ihm eine Grimasse. „Du würdest Hagrids Zeug auch nicht vertragen... Scheiße, ist mir schlecht.“ Sirius wich automatisch ein Stück zurück und ich warf ihm einen Todesblick zu. „Keine Angst, ich werd dich schon nicht ankotzen“, blaffte ich ihn an. „Ich werd mich einfach ein wenig hinlegen.“ Ich rollte mich auf dem Boden zusammen und wollte gerade die Augen schließen, als mich jemand wieder hoch zog. „Ja, schlaf auf dem Boden ein, gute Idee“, konnte ich Sirius sarkastische Stimme hören. „Mmmh, lass mich einfach schlafen“, verlangte ich missmutig, aber Sirius zog mich weiter hoch, als wäre ich nur ein Sack Federn. „Macht mal Platz, Leute.“ Remus und Lily rutschten von der Couch und Sirius legte mich darauf. Ich rollte mich wieder zusammen und bekam noch mit, wie sich Sirius neben mich setzte und mich zudeckte, bevor ich auch schon eingeschlafen war. ~ Jemand strich mir über die Wange. Ich rümpfte die Nase. „Ich glaube, sie wird wach.“ Ich öffnete die Augen und blickte in Lilys grüne. Sie lächelte. „Morgen Lyla. Wie geht's dir denn?“ Ich runzelte die Stirn. Ich versuchte mich zu erinnern, was passiert war. Warum ich im Gemeinschaftsraum aufgewacht war und nicht im Schlafsaal… Ach ja, der Rum. „Geht“, murmelte ich und setzte mich auf. Jetzt bemerkte ich auch Sirius, der neben mir auf der Couch saß und mich angrinste. „Spar dir einfach jeden Kommentar, okay?“ sagte ich nur zu ihm und er hob abwehrend die Hände. „Hey, ich hab doch gar nichts gesagt.“ Ich rieb meine Augen und fuhr mir durch die Haare. „War ich schlimm gestern?“ Ich erinnerte mich nicht, ob ich etwas Unpassendes gesagt hatte, was mit dem Rum intus ja leicht hätte sein können. „Nein, du warst ganz lieb“, beruhigte mich Lily und setzte sich neben mich aufs Sofa. „Ja, du wolltest zwar auf dem Boden schlafen, aber ansonsten warst du so charmant wie immer.“ „Ach, leck mich doch“, murrte ich, als ich in sein grinsendes Gesicht sah, das jetzt anfing zu lachen. „Charmant“, wiederholte er. ~ „Ihre heutige Aufgabe wird sein einen Gripsschärfungstrank zuzubereiten. Arbeiten Sie konzentriert und genau. Auf dann! Gutes Gelingen!“ Slughorn schritt durch die Reihen, während um ihn herum eifriges Zusammensuchen der Zutaten und Bücherseitendurchblättern vonstattenging. James hatte es endlich geschafft Lily zu überreden heute mit ihm zusammen zu arbeiten, was ihn immer noch dämlich grinsen ließ. Remus hatte sich mit Peter zusammen getan und Sirius ließ seinen Kessel mit einem lauten Klong! auf unseren Tisch knallen. Ich blätterte in dem Buch nach der Anleitung. „Hol mal Ingwer“, stellte ich ihn an. „Ich lebe um zu dienen“, erwiderte Sirius sarkastisch, ging aber nach hinten zum Regal, wo die Zutaten standen. Ich folgte ihm und holte noch ein Glas Skarabäuskäfer und die weiteren Zutaten. „Also, was tun?“ fragte Sirius und blickte mich auf Anweisungen wartend an. „Wurzeln in Streifen schneiden.“ „Ay ay!“ Ich zermahlte die Käfer und warf sie in den Topf, den ich mit Wasser gefüllt und über das Feuer gestellt hatte. Ein paar Tische weiter kicherte Lily leise. Na, wenn das kein gutes Zeichen war. Sirius neben mir stupste mich auch mit dem Ellbogen in die Seite und grinste mich mit hüpfenden Augenbrauen an. Ich musste grinsen. Ich kippte Gürteltiergalle in den Kessel und verrührte das Ganze. Sirius blickte in den Kessel. „Dauert das noch lange?“ „Halbe Stunde köcheln lassen“, las ich aus dem Rezept vor. Wir ließen uns auf unseren Stühlen nach hinten fallen und atmeten fast gleichzeitig lange aus. Ich ließ meinen Blick durch den Raum schweifen und blieb an Snape hängen. Ich mochte ihn nicht besonders, aber er war mit Lily befreundet. Und da er mich, bis auf ein paar schnippische Kommentare ab und zu, auch in Ruhe ließ, tat ich es auch. Im Gegensatz zu Sirius und James. Snape blickte immer wieder mit finsterem Blick in Lilys und James Richtung. „Der hat wohl 'n Problem“, stellte auch Sirius fest, der meinem Blick gefolgt war. Sein Blick hatte sich ebenfalls verfinstert. „Misch dich da einfach nicht ein“, sagte ich, was Sirius aber nur milde lächeln ließ. „Hey, du kennst mich doch.“ „Ja, genau deswegen“, erwiderte ich und Sirius rümpfte nur die Nase. ~ Ich saß neben Lily im Schatten eines Baumes am See. Die Jungs ließen laut lachend Steinchen über das Seeufer springen und spritzten sich gegenseitig nass. Irgendwo weiter draußen schaute ein Tentakel des Riesenkraken aus dem Wasser. „Hey Lily, hey Lyla.“ Geleichzeitig fuhren Lily und ich herum und blickten hoch zu einem Jungen, der jetzt neben uns stand. „Hey Matt“, grüßte ich zurück und lächelte. Er war in unserem Jahrgang und in Ravenclaw. Wir hatten im Unterricht aber nur Geschichte der Zauberei gemeinsam. Matt sah kurz hinunter zum See zu den anderen und dann wieder zu mir. „Kann ich kurz mit dir reden?“ fragte er dann an mich gewandt. Ich sah ihn mit großen Augen an. Lily neben mir rührte sich und entfernte sich mit den Worten „Ich glaube, James hat mich gerade gerufen“. Sie ging hinunter zu den anderen, nicht aber ohne mir immer wieder neugierige Blicke zuzuwerfen. „Klar, schieß los“, meinte ich also und Matt setzte sich neben mich. „War 'ne coole Aktion mit der Essensschlacht neulich“, fing er an und ich musste grinsen. Als ich wieder hinunter zum See blickte, sah ich, wie Sirius inzwischen aufgehört hatte Steinchen zu werfen und zu uns hoch sah. Ich drehte mich wieder zu Matt. „Jedenfalls wollte ich dich fragen, ob du nächstes Wochenende mit mir nach Hogsmeade gehst.“ Der Satz kam ganz schnell aus ihm heraus gesprudelt und jetzt sah er mich erwartungsvoll an. Er war schon irgendwie süß. „Ja, okay. Gern.“ Matts Gesicht hellte sich auf und er grinste. „Echt jetzt? Super! Dann am Samstag um zehn am Portal?““ „Ich werd da sein.“ Immer noch grinsend stand Matt auf und ging wieder hoch zum Schloss. Und kaum war er außer Sichtweite kam auch schon Sirius zu mir hoch gestapft. „War das Matt Ross?“ Lily kam ebenfalls den Weg rauf und ich nickte. „Was wollte der denn von dir?“ fragte er etwas ungläubig und Lily kam hinter ihm zum Stehen. Sie grinste mich an. „Er hat mich gefragt, ob wir nächstes Wochenende zusammen nach Hogsmeade gehen.“ Lily kicherte los, aber Sirius schien weniger amüsiert. Und das amüsierte mich umso mehr. „Was? Der Schleimbeutel will mit dir nach Hogsmeade gehen?“ fragte Sirius laut. „Hast du ein Problem damit?“ fragte ich zurück. „Du triffst dich auch jeden zweiten Tag mit 'ner anderen, da kann ich mich ruhig auch mal mit jemanden treffen, oder?“ Ich war aufgestanden und funkelte Sirius an. Lily warf den anderen am See, die jetzt ebenfalls zu uns hoch sahen, einen Blick zu und zuckte mit den Achseln. „Klar, triff dich nur mit dem Idiot. Das ist er nämlich. Nur ein Idiot“, sagte Sirius und funkelte mich jetzt auch an. „Oh ja, und deine Freundinnen haben die Weisheit mit dem Löffel gefressen, schon klar!“ gab ich zurück. „Was haben die damit zu tun?“ „Genug, okay! Ich geh jetzt, das muss ich mir nicht antun! Lily, kommst du?“ Und egal, ob sie wollte oder nicht, ich nahm ihre Hand und zog sie hinter mir her Richtung Schloss. ~ Die Stimmung zwischen Sirius und mir blieb die nächsten Tage über frostig, was mir eher egal war, da ich mich im Recht fühlte. Er hatte keinen Grund mich so anzufahren, nur weil mich auch mal jemand gefragt hatte, ob ich mit ihm weggehen wollte. Lily dagegen freute sich sehr für mich und schien am Samstag aufgeregter als ich zu sein, als ich mich gerade fertig machte. „Ich wünsch dir ganz viel Spaß“, grinste sie mich an und umarmte mich. „Ich geh später mit Severus noch nach Hogsmeade, vielleicht treffen wir uns ja dort?“ „Ja, vielleicht.“ Ich verließ den Gemeinschaftsraum. Von den Jungs war keiner zusehen. Aber Remus hatte mir gestern Abend noch viel Spaß gewünscht, bevor er ins Bett gegangen war. Er war auch der einzig Vernünftige unter ihnen. Ich hüpfte die Treppen hinunter und am Portal wartete auch schon Matt auf mich. ~ Am späten Nachmittag standen wir wieder vor dem Gemälde der fetten Dame. Matt hatte mich noch her begleitet. „Hat Spaß gemacht heute“, meinte er und ich nickte. „Ja, danke noch einmal für das Butterbier. Das nächste Mal zahle ich.“ „Das heißt also, dass wir das wiederholen werden?“ fragte er hoffnungsvoll und ich musste lachen. „Von mir aus gern.“ Matt grinste. Dann beugte er sich zu mir vor und gab mir einen Kuss auf die Wange. „Dann bis bald hoffentlich.“ Ich war rot geworden, aber ich riss mich zusammen. „Ja, bis bald.“ Er stieg die Treppen hinunter und ich ging durch das Portal in den Gemeinschaftsraum. Und sofort rissen mich zwei Hände zur Seite. „Und wie wars?“ fragte Lily und schien gleich zu hyperventilieren. „Erzähl, erzähl!“ Ich ließ meinen Blick durch den Gemeinschaftsraum schweifen. Sirius und James saßen am Fenster über einer Partie Zauberschach. Sirius hatte schon den Kopf gehoben, als Lily mich mit Fragen bombardiert hatte. „Ich erzähls dir später im Schlafsaal“, meinte ich, aber als ich Lilys enttäuschte Mine sah, ließ ich mich doch erweichen. Ich erzählte ihr von unserem schönen Tag in Hogsmeade und dass er mir zum Abschied einen Kuss gegeben hatte. Lily quietschte los. Im Hintergrund setzte James gerade Sirius Dame matt und Sirius grummelte irgendetwas Unverständliches vor sich hin. Ich hatte genau gemerkt, dass er jedes meiner Worte verfolgt hatte. Sein Gesicht war immer düsterer geworden. Warum das aber so war, wusste ich nicht. ~ Eines Abends kam ich etwas später zurück in den Gemeinschaftsraum. Matt hatte mich in den Turm der Ravenclaws eingeladen und ich hatte etwas auf die Zeit vergessen. Aber zum Glück war kein Lehrer unterwegs gewesen. Ich schritt durch das Gemälde und trat in den leeren Gemeinschaftsraum. Zumindest dachte ich, dass er leer wäre. „Ups!“ machte ich, als ich ein knutschendes Paar entdeckte, das am Aufgang zum Jungenschlafsaal lehnte. Schnell huschte ich vorbei und sah beiseite. „Lasst euch nicht stören, bin gleich weg“, murmelte ich nur schnell und eilte Richtung Mädchenschlafsaal. „Lyla?“ Ich fuhr herum. Klar, da stand Sirius, den ich zuvor gar nicht erkannt hatte, und ein blondes Mädchen, das ihm an den Lippen hing. Sie betrachtete mich argwöhnisch. „Oh“, machte ich nur, als ich Sirius ansah. Eigentlich wollte ich nur weg. „Macht nur weiter, ich hab nichts gesehen.“ Ich eilte die Treppen hinauf, aber vor dem Eingang zum Mädchenschlafsaal hielt ich noch einmal inne. Ich lugte über das Geländer nach unten. „Also“, sagte das Mädchen und drehte Sirius wieder in ihre Richtung. „Du wolltest mir noch den Schlafsaal zeigen.“ Sie fing an wieder seinen Hals zu küssen, aber Sirius schien etwas abwesend. Das Mädchen schaute auf. „Ja... neee, ich glaube, wir verschieben das lieber“, murmelte Sirius und sie starrte ihn an. „Was?“ fragte sie entgeistert. „Mir ist irgendwie die Lust vergangen“, meinte er und schaute Richtung Mädchenschlafsaal, sodass ich mich ducken musste, damit er mich nicht sah. Das Mädchen folgte seinem Blick. „Ist es wegen der Kleinen? Die, die gerade vorbei kam?“ „Was?“ fragte Sirius und sah sie wieder an. „Bist du in sie verknallt?“ Sirius ließ so etwas wie ein Lachen hören. „Nein, das nun wirklich nicht.“ „Und da bist du dir sicher?“ hakte das Mädchen nach und Sirius Blick wurde ernst. „Was soll das Verhör?“ „Ich hab mir den Abend auch anders vorgestellt!“ zischte sie ihn an. „Hör mal Dana...“, fing er an. „Ich heiße July!“ Ich hielt mir eine Hand vor den Mund, damit ich nicht laut los lachen konnte. Die Szene war einfach zu köstlich. „Vergiss es einfach, Black!“ schnauzte sie ihn an, machte auf dem Absatz kehrt und verließ den Gemeinschaftsraum. Ich schlich ebenfalls in meinen Schlafraum und wenig später hörte ich auch wie Sirius in seinem verschwunden war. Ich legte mich ins Bett. Die Worte des Mädchens gingen mir aber nicht aus dem Kopf. Warum hatte sie ihn gefragt, ob er in mich verknallt sei? Ich fand es auch komisch, dass er nicht mehr weiter machen wollte, aber deswegen gleich so etwas zu behaupten war lächerlich. ~ Am nächsten Morgen saß ich mit Lily schon beim Frühstück, als die Jungs endlich auftauchten. Ich lehnte gerade über mein Kreuzworträtsel des Tagespropheten und gähnte ein paar Mal. Als ich kurz mal hoch sah, bemerkte ich, wie Sirius mich anstarrte, aber sofort wieder wegsah, als ich seinen Blick bemerkt hatte. „Was war denn gestern noch mit der Kleinen?“ fragte James jetzt an ihn gewandt und biss in seinen Toast. „Gar nichts“, sagte Sirius und ich konnte aus den Augenwinkeln sehen, wie er mich wieder anstarrte. „Echt nicht?“ fragte James mit vollem Mund. „Mit was hast du sie denn vergrault?“ „Ich hab sie nicht vergrault!“ fuhr Sirius ihn an. „Sondern Lyla.“ Ich sah hoch von meinem Rätsel und starrte ihn an. Alle anderen sahen mich überrascht an. „Bitte was hab ich?“ fragte ich ziemlich verwirrt. Ich hatte keine Ahnung, was das jetzt sollte. „Wegen dir ist July gestern abgehauen! Du hast uns gestört!“ Ich wollte schon fast bemerken, ob er sich jetzt endlich ihren Namen gemerkt hatte, aber verkniff es mir. Dann würde er ja wissen, dass ich sie belauscht hatte. Aber mir jetzt zu unterstellen, dass ich sie vergrault hätte, war zu viel. „Ich hab euch gestört? Ich bin ja nur schnell an euch vorbei geeilt. Du hast mich schließlich angesprochen!“ fuhr ich ihn an und Sirius Augen verdunkelten sich. Die Wahrheit tat weh. „Kann aber auch nicht sonderlich gut gewesen sein, wenn du zwischendurch noch Zeit hast vorbeigehende Leute anzusprechen!“ „Du hast mich überrascht, das war alles!“ giftete er zurück. „Tja, tut mir leid, aber ich bin nun mal auch im Haus Gryffindor und muss durch den Gemeinschaftsraum, wenn ich in den Schlafsaal will!“ „Hättest aber genauso gut warten können, bis wir weg waren“, warf Sirius ein. „Ich hab euch aber erst zu spät gesehen, da war ich schon halb an euch vorbei! Glaub mir, auf den Anblick hätte ich ebenso gut verzichten können!“ Sirius schnaubte wütend. Die anderen am Tisch waren unserer Unterhaltung ziemlich überrascht gefolgt. Ich packte die Zeitung ein und stand auf. „Das muss ich mir echt nicht antun!“ Ich rauschte aus der großen Halle und konnte noch James sagen hören: „Wow, ich werd in Zukunft nicht mehr fragen.“ ~ Die Sommerferien kamen und erlösten uns von diesem anstrengenden Schuljahr. Sirius und ich behandelten uns wieder einigermaßen normal. Er verzog sich nur jedes Mal gleich, wenn Matt in seiner Nähe auftauchte. Aber solange er sich seine Sachen nur dachte und nicht laut aussprach, war es mir herzlich egal. Am Bahnsteig verabschiedeten wir uns wie immer mit einer Umarmung, wenn auch nicht ganz so herzlich. ~ „Was machst du denn hier?“ Es hatte an der Tür geklingelt, und ich hatte sie geöffnet, nichtsahnend, wer da plötzlich vor mir stehen würde. „Dir auch einen guten Tag“, begrüßte mich Sirius. „Wer ist denn da, Schatz?“ Mum kam aus dem Wohnzimmer in den Flur und blickte zu Sirius. „Hallo Mrs. McAvoy, ich bin Sirius Black, ein Freund von Lyla. Ich hoffe, ich störe nicht.“ Elendiger Schleimer, dachte ich mir nur und blickte ihn ungläubig an, weil ich ihn noch nie so höflich daherreden gehört hatte. Er grinste mir kurz zu, als wüsste er genau, was ich dachte und schüttelte dann Mums Hand. „Nein, natürlich nicht“, meinte meine Mutter gleich lächelnd. „Lyla, willst du deinen Freund nicht hereinbitten?“ „Ich weiß nicht, ob ich das will“, sagte ich mit einem Blick zu Sirius. „Sei nicht so unhöflich“, meinte Mum und trat zur Seite. „Komm rein, Sirius.“ Sirius ging mit einem selbstzufriedenen Blick an mir vorbei und folgte meiner Mum. Ich knallte die Haustür zu und ging den beiden hinterher. „Tee, Sirius?“ fragte ihn meine Mutter in der Küche und er nickte. „Gern, Mrs. McAvoy.“ „Nenn mich bitte Annie.“ „Soll ich euch zwei alleine lassen?“ fragte ich mit einem Blick auf die seltsame Szene, die sich hier in der Küche abspielte. Meine Mum und Sirius verstanden sich ja blendend. „Sei nicht so zynisch, Lyla“, ermahnte mich meine Mutter und stellte mir ebenfalls eine Tasse hin. Nur widerwillig setzte ich mich dazu. Sirius grinste mich frech an. Am liebsten hätte ich ihm eine gescheuert. Mum und Sirius unterhielten sich eine Weile, während ich ihnen nur schweigend zuhörte. Sirius wusste wirklich, wie er sich vor meiner Mutter zu geben hatte. Nett und höflich. Würg. Mum blickte Minuten später wieder auf die Uhr und stand auf. „Ich muss jetzt“, sagte sie. „Hat mich gefreut, Sirius. Komm uns mal wieder besuchen.“ Sie gab mir einen Kuss auf die Schläfe und huschte aus der Küche. Wenige Sekunden später schlug die Haustür zu. Sirius, der bei ihrer Verabschiedung aufgestanden war, sah jetzt zu mir. „Wohin geht sie denn jetzt noch?“ fragte er. „Sie hat heute Nachtschicht im Krankenhaus“, sagte ich kurz angebunden. Sirius drehte sich wieder zu mir. „Sie ist echt nett“, meinte er. „Kannst sie ja nach 'nem Date fragen“, gab ich zurück und Sirius schnitt mir eine Grimasse. „Wie witzig.“ „Sirius, hat es einen Grund, dass du hier bist?“ Er zuckte mit den Schultern. „Wollt dich mal besuchen. Ich war noch nie bei dir zuhause.“ „Ja, das hatte seine Gründe.“ „Und zwar?“ „Du bist ein Arsch!“ Sirius wiegte seinen Kopf leicht hin und her bis er zustimmte. „Ja, kann schon sein.“ Er drehte seinen Kopf in Richtung Flur. „Was sind das für Geräusche?“ „Der Fernseher läuft. Ich verpasse gerade einen Film wegen dir.“ „Kann ich mal sehen?“ fragte er und überging meinen Vorwurf einfach. Ich atmete hörbar laut aus. „Von mir aus.“ Ich ging voraus ins Wohnzimmer und Sirius folgte mir. Wir setzten uns aufs Sofa und schauten uns den Rest des Filmes an. Sirius kannte Fernsehen ja nicht unbedingt. Ich hatte es ihm schon öfters beschrieben, aber versuch einmal 'Fernsehen' einem Zauberer zu erklären. Er nahm die Fernbedienung und untersuchte sie. „Ich bin übrigens von zuhause ausgezogen.“ Er sagte das, während er die Batterien aus der Fernbedienung heraus puhlte und dann versuchte sie wieder hinein zu stecken. Ich sah ihn mit großen Augen an. „Du bist was?“ fragte ich und meine Stimme war wohl etwas lauter, da er mich überrascht ansah. „Na von zuhause ausgezogen“, wiederholte er in einem Ton der so klang, als würde er mir nur die neusten Nachrichten über das Wetter erzählen. „Warum?“ Er schnaubte kurz, als ob die Frage überflüssig wäre, während er sich weiter mit der Fernbedienung plagte. Ich nahm sie ihm aus der Hand und steckte die Batterien innerhalb zwei Sekunden wieder hinein und warf sie beiseite. Sirius sah mich an. „Du warst nie bei mir zuhause, du weißt nicht wie es da ist. Ich lebte mit einem Haufen Todessern, Muggelhassern und Schwarz-Magischen Leuten zusammen. Ich hab es nicht mehr ausgehalten.“ Wir sahen uns ein paar Sekunden lang an. „Und wo wohnst du jetzt?“ „Bei James. Seine Eltern haben nichts dagegen.“ „War ja klar. Warum frage ich überhaupt?“ Ich lehnte mich auf dem Sofa zurück. Das waren schon Neuigkeiten. Ich nahm die Fernbedienung und schaltete den Fernseher aus. Lief sowieso nichts mehr. Sirius sah vom Fernseher zu mir. „Und zeigst du mir jetzt dein Zimmer?“ Ich rollte mit den Augen, da ich aber sowieso in mein Zimmer gehen wollte, stand ich auf und Sirius folgte mir die Treppen hoch. „Was trägst du da eigentlich?“ fragte er, als wir vor meiner Zimmertür Halt gemacht hatten. Ich blickte an mir runter. „Nach was siehts denn aus? Kleidung?“ „Ja, aber in der Schule rennst du nie so rum.“ „Das sind bequeme Sachen. Bequeme Kleidung für Muggel. Jogginghose wird das genannt. Soll ichs dir buchstabieren?“ Er rollte mit den Augen, aber grinste mich dann wieder an. „Steht dir auf jeden Fall, diese Jog-irgendwas-Hose.“ Dieses Mal rollte ich mit den Augen und öffnete die Zimmertür. „Hier, bitteschön.“ Ich hielt ihm die Tür auf und er ging hinein. Es war ja nicht sonderlich groß, generell nichts Besonderes. Bett, Schreibtisch, Kleiderschrank und Regale. Nicht unbedingt ordentlich, aber es war ja mein Chaos. Neben dem Fenster lehnte mein Besen und auf dem Fensterbrett stand Zazus Käfig, der gerade auf Jagd war. Sirius ging zu meinem Schreibtisch und lehnte sich vor um die Bilder besser betrachten zu können, die ich darüber gepinnt hatte. Er fing an zu lachen. „Das ist ja mal übel“, grinste er und zeigte auf ein Foto von ihm und mir in der ersten Klasse. Wir schnitten beide die schrecklichsten Grimassen aus dem Bild heraus und kugelten uns dann vor Lachen. „Warum?“ grinste ich jetzt ebenfalls und trat neben Sirius. „Ist doch ein super Foto.“ Sirius lachte und schaute weiter. Immer wieder zeigte er auf ein paar und wir mussten wieder lachen. Ein Gruppenfoto mit den Rumtreibern und Lily, eines mit Sirius als großen schwarzen Hund und ein Foto, wo wir alle am See in Hogwarts sind, und Sirius mich mit großem Platschen und Prusten in den See geworfen hatte. „Das ist aber ganz gut“, meinte er dann und holte ein Foto von der Wand. Er hielt es mir hin. Es war letztes Jahr im Gemeinschaftsraum aufgenommen worden. Sirius und ich. Er hatte den Arm um mich gelegt und lachte in die Kamera, während ich ihn angrinste. „Ja, das ist mein Lieblingsfoto“, stimmte ich ihm zu und pinnte es wieder an die Wand. Als ich mich umdrehte, blickte Sirius mich an. Er räusperte sich. „Was ist eigentlich mit Matt?“ Ich hatte gehofft, dass er das Thema vermeiden würde. „Was soll mit ihm sein?“ „Naja, er ist schließlich dein Freund und-“ Sirius sprach das Wort Freund äußerst gestreckt aus und ich unterbrach ihn gleich. „Eifersüchtig, Sirius?“ fragte ich und er starrte mich an. „Worauf sollte ich denn bitte eifersüchtig sein?“ „Auf Matt. Weil ich nicht mehr nur mit dir Zeit verbracht hab.“ „Na und? Du verbringst ja auch Zeit mit Remus und James.“ „Ja, aber das sind deine Freunde“, erklärte ich und Sirius sah mich nur an. „Ach egal, dich wird es sicher freuen zu hören, dass wir nicht mehr zusammen sind.“ Er sah mich überrascht an. Er fuhr sich durch die Haare und wollte etwas sagen, aber das einzige, was aus seinem Mund kam, war ein „Oh“. „Ja, oh. Du bist aber sicher auch todtraurig darüber, nicht wahr?“ Ich setzte mich aufs Bett und Sirius blickte mich immer noch an. Dann setzte er sich neben mich. „Und warum? Ich meine, warum seid ihr nicht mehr zusammen?“ fragte er dann. „Hat halt nicht gepasst“, meinte ich nur und zog meine Füße aufs Bett, damit ich meine Arme auf meine Knie legen konnte. „Oh“, sagte er wieder und ich hätte ihm gerne eine runtergehauen. Sonst war er ja auch nicht so wortkarg. Und irgendwie kam es mir so vor, als ob er mich jetzt trösten sollte, obwohl ich ja gar nicht traurig darüber war. Trotzdem. Er wusste das ja nicht. „Warum hast du nichts gesagt?“ Ich zuckte mit den Schultern. „Was hätte ich denn sagen sollen? 'Sirius, Matt und ich sind nicht mehr zusammen, aber das ist dir ja eh egal, weil du sowieso meintest, er wär ein Idiot'?“ „Naja, das stimmt wohl, aber er war ja auch dein Freund und nicht meiner“, murmelte Sirius jetzt ziemlich kleinlaut. Wir schwiegen ein paar Sekunden, dann sah er mich wieder von der Seite an. „Soll ich Matt in der Schule einen Fluch auf den Hals hexen?“ fragte er und versuchte seine Begeisterung für diese Idee zu unterdrücken, was ihm nur halb gelang. „Nein, das sollst du nicht! Du sollst mich in den Arm nehmen und trösten!“ fuhr ich ihn an und er war sogar ein Stück von mir weg gewichen. Dann rückte er aber wieder neben mich und legte einen Arm um mich. Ich lehnte meinen Kopf an seine Schulter. Das war schon besser. „Wenn du wegen ihm traurig bist, dann verhex ich ihn auf jeden Fall“, meinte Sirius aber ich schüttelte den Kopf. „Danke, aber ist nicht nötig.“ Wir blieben noch ein wenig so sitzen und es war ganz okay. Sirius fing irgendwann an mit einer meiner Haarsträhnen zu spielen, wie er es oft tat, wenn er in Gedanken versunken war. Wenn er so war, dann war er der Sirius, wie ich ihn mochte. Nicht der mädelsaufreißende Macho, der sich am nächsten Tag nicht mal mehr an ihre Namen erinnern konnte. So war er mein bester Freund. Ich nahm seine Hand, mit der er mich umarmt hielt und küsste seinen Handrücken. „Für was war das denn eben?“ fragte er, schief grinsend. „Weil ich dich lieb hab. Manchmal jedenfalls.“ Er grinste und drückte mich noch einmal an sich. Ich mochte seinen Geruch. Er roch immer irgendwie nach draußen. Nach Wald, Gras oder einfach kalter Luft. Es kam mir vor, als ob jetzt, da die Neuigkeit mit Matt draußen war, die Spannung zwischen uns wieder komplett weggefallen war und es fühlte sich wieder so an wie früher. Und ich war sehr froh darüber. „Es ist schon spät“, murmelte ich dann, als mein Blick auf den Wecker auf meinem Nachttisch fiel. „Kann sein“, meinte Sirius nur, ohne seine Umarmung zu lockern. „Wird sich James nicht fragen, wo du bist?“ „Nur weil ich bei ihm wohne, heißt das nicht, dass ich nicht weg gehen und bleiben kann, wie ich will“, sagte er. „Ich steh jetzt nicht mehr unter elterlicher Aufsicht. James weiß schon, dass ich dich heute besuchen wollte.“ „Okay.“ Wir saßen noch ein Weilchen auf dem Bett und unterhielten uns über unsere bisherigen Ferien. Aber ich wurde immer müder. Mein Kopf, der sowieso schon an Sirius Schulter lehnte, sackte nach vorne und Sirius lachte. „Ich glaub, ich lass dich dann mal schlafen.“ Er stand auf, sodass ich unter die Bettdecke schlüpfen konnte. „Bleib noch ein bisschen hier, bitte“, bat ich. Im Moment wollte ich nicht alleine sein. Ich wusste auch nicht warum. „Okay“, sagte er und legte sich neben mich. Er verschränkte die Hände hinter dem Kopf und ich kuschelte mich an seine Seite. Wir hatten schon oft in einem Bett geschlafen. Es war nichts neues, trotzdem war es heute anders. Vielleicht, weil es schon so lange nicht mehr vorgekommen war. Es fühlte sich auf jeden Fall schön an. Ich legte eine Hand auf seinem Bauch und nach wenigen Minuten war ich auch schon eingeschlafen. ~ Am Morgen weckte mich Zazu, der mit seinem Schnabel gegen mein Fenster klopfte und hereingelassen werden wollte. Ich wollte aufstehen, aber neben mir lag immer noch Sirius und nicht nur das. Seine Arme lagen um mich und er hielt mich umarmt und an sich gedrückt. So waren wir bisher wirklich noch nie aufgewacht. Sein Gesicht lag in meinen Haaren vergraben und er atmete gleichmäßig ein und aus. Ich wollte ihn wirklich ungern wecken, aber seiner Umarmung konnte ich so wirklich nicht entkommen. Und wenn Zazu weiter so an die Scheibe pickte, würde Sirius sowieso bald aufwachen. „Sirius“, flüsterte ich. „Sirius!“ Er rührte sich und seine Umarmung wurde fester. Er drückte mich weiter an sich und ich musste unwillkürlich anfangen zu grinsen. „Sirius!“ „Hhmm?“ „Könntest du mich mal los lassen?“ Mit einem Schlag hatte er seine Augen geöffnet und mit dem nächsten seine Arme um mich gelöst. „Sorry“, murmelte er noch halb verschlafen und richtete sich auf, während ich zum Fenster ging und es für Zazu öffnete. „Schon okay, ich wollte nur Zazu rein lassen.“ „Nerviger Vogel“, meinte Sirius und Zazu krächzte ihn laut an. Er hüpfte in seinen Käfig und ich warf ein Tuch halb darüber, damit er schlafen konnte. „So, jetzt kann ich wieder weiter schlafen“, meinte ich und ließ mich wieder ins Bett fallen. Sirius neben mir blinzelte. „Du willst wieder weiter schlafen?“ fragte er ein wenig verwirrt. „Ja, oder hast du nicht auf die Uhr gesehen? Es ist gerade mal sieben.“ „Naja, schon, aber was ist mit deiner Mutter? Wann kommt sie denn nach Hause?“ „Um acht. Aber sie geht dann immer gleich ins Bett. Außerdem hab ich abgesperrt.“ Ich drehte meinen Kopf zur Seite und zog wieder die Bettdecke hoch. „Gute Nacht.“ Sirius blickte mich noch ein wenig verdattert an. Er war genauso wie ich kein Morgenmensch. Dann ließ er sich aber ebenfalls wieder in die Kissen fallen und war nach einer Minute wieder eingeschlafen. ~ Jahr Sechs ~ „Ich dachte mir, dass du hier bist.“ Sirius ließ sich neben mich am Ufer des Sees nieder. „Mit der Karte des Rumtreibers wird es wohl nicht allzu schwer sein mich zu finden“, sagte ich nur und sah weiter auf den See hinaus. „Die hab ich gar nicht benutzt“, meinte er. Er schwieg wieder und wir sahen eine Weile nur auf den See hinaus. „Ich hab heute was Interessantes gehört“, fing er dann wieder an und grinste, als ich ihn ansah. „Ich nehme an, du willst, dass ich nachfrage, was so interessant ist?“ fragte ich und er nickte. „Okay, also was hast du denn Interessantes gehört?“ „Nach dem Quidditch-Training in der Kabine hab ich Matt plappern hören, dass er dich wieder um ein Date bitten will, weil du ihm anscheinend doch sehr fehlen würdest.“ Ich runzelte die Stirn und sah Sirius an. Er nickte. „Ja, ehrlich.“ „Tja, soll er mich ruhig fragen. Ich werd ja doch nein sagen.“ „Ja, das hab ich ihm auch gesagt“, meinte Sirius darauf und ich blickte ihn mit großen Augen an. „Oh nein, sag nicht, dass du Streit angefangen hast.“ „Ich nicht, aber er“, erklärte Sirius nur unschuldig und ich fuhr mir durch die Haare. „Was hast du getan?“ fragte ich, auf das Schlimmste gefasst. Zumindest hoffte ich das. „Hey, ich hab gar nichts gemacht. Er hat angefangen mich anzufahren, und ich hab mich nur verteidigt.“ „Hast du ihm eine verpasst?“ „Sag mal-“ „Hast du?“ „Nein“, murmelte er und rupfte ein paar Grashalme neben sich aus. „James und Remus haben mich noch zurückgehalten.“ Er sagte das, als täte ihm das furchtbar leid, dass er Matt keine verpassen konnte. Ich rollte mit den Augen. „Sirius, ehrlich, ich brauche niemanden, der das für mich regelt, ich kann das auch alleine. Und zwar ganz ohne ihn verhauen zu müssen. Was? Warum wolltest du das überhaupt?“ „Er ist ein Idiot, das hab ich dir schon mehrmals erklärt. Außerdem ist er frech geworden, da musste ich doch was tun. Hätte ich zumindest, wenn nicht James und Remus gewesen wären.“ „Okay, ich werd mit ihm reden. Aber halte dich da raus, ja?“ sagte ich nur und wartete auf eine Antwort. Sirius schien zu überlegen. „Ja, okay“, meinte er schließlich, nicht ganz so glücklich darüber. ~ Die Gelegenheit mit Matt zu reden bekam ich gleich am nächsten Tag in der Mittagspause. Ich war gerade auf dem Weg in den Gemeinschaftsraum, als ich einen Gang entlang ging, und mich plötzlich eine Hand am Umhang packte und mich in eine versteckte Spalte hinter einen Wandvorhang zog. Es war so eng, dass ich dicht an diese Person gedrückt stand und es war dunkel, sodass sich meine Augen erst an die Schwärze hier gewöhnen mussten. „Autsch!“ sagte ich, da ich durch den plötzlichen Ortswechsel mit meinem Knie an die Steinmauer gestoßen war. „Was soll das?“ Matt stand vor mir und grinste mich an. „Sorry, aber ich wollte mal mit dir reden.“ „Und das geht nicht wo anders?“ fragte ich und versuchte ein wenig von ihm wegzurücken, was nur minimal möglich war. In meinem Rücken spürte ich schon die andere Seite der Steinmauer. „Doch schon, aber ich finds hier ganz gemütlich“, sagte er nur und grinste immer noch. Mir gefiel dieses Grinsen ganz und gar nicht. Misstrauisch hob ich eine Augenbraue. „Na dann, red mal“, forderte ich ihn also auf, während ich versuchte unauffällig an meinem Zauberstab in meiner Tasche ranzukommen. „Ich will noch mal mit dir ausgehen“, sagte er gerade heraus. „Wir haben darüber geredet, Matt. Ich hab mit dir Schluss gemacht, weil wir nicht zu einander passen und darum werde ich auch nicht mehr mit dir ausgehen.“ Matts Grinsen verschwand und jetzt funkelte er mich an. „Das ist ziemlich unfair, findest du nicht?“ „Nein, finde ich nicht!“ schnauzte ich zurück. Langsam fing er an mich aufzuregen. „Ich werd jetzt gehen.“ Ich wollte gerade den Vorhang beiseite ziehen, als sich Matts Hand fest um mein Handgelenk schloss. „Au! Lass los, das tut weh!“ Er zog mich wieder zurück in die Nische und drückte mich gegen die kalte Steinmauer. Keine Chance, dass ich jetzt an meinen Zauberstab kam. „Ich finde das schon unfair“, redete er weiter, als wäre nichts. „Ich finde, ich habe zumindest eine kleine Abfindung verdient.“ „Lass los, du Arsch!“ fluchte ich und versuchte mich aus seinem Griff zu befreien, der aber viel zu stark war. Jetzt fing er wieder an zu grinsen. „Ganz schön frech“, grinste er nur. Er kam immer näher, egal wie sehr ich versuchte mich aus seinem Griff zu winden. „Ich warne dich!“ drohte ich. „Fass mich an, und du wirst es bereuen!“ „Klar doch.“ Plötzlich löste sich sein Griff von meiner Hand und Matt wurde von einem Arm durch den Vorhang nach draußen gezogen. Ich eilte hinterher und sah wie Sirius Matt am Kragen gepackt hatte und ihn gegen die Steinmauer drückte. „Sie hat Nein gesagt!“ knurrte Sirius ihn an. Matt wirkte ziemlich eingeschüchtert und ich war selbst überrascht. So hatte ich Sirius noch nie gesehen. „Fass sie noch einmal an, und ich schwör dir, ich werde dir den Kopf abreißen!“ Matt nickte schnell und Sirius ließ ihn los. Er stolperte schnell davon und jetzt standen wir wieder allein im Gang. „Hat er dir was getan?“ fragte er an mich gewandt. Ich schüttelte den Kopf, obwohl mein Handgelenk schon etwas weh tat. Ich streifte den Ärmel etwas nach hinten und schaute nach. Es war etwas gerötet und brannte ein wenig. Sirius bemerkte es auch und seine Augen verengten sich. „Ich werde ihm wohl wirklich den Kopf abreißen!“ knurrte er und wollte schon in die Richtung davon, in der Matt verschwunden war. Ich hielt ihn aber zurück. „Lass ihn.“ Sirius sah mich an. „Was? Du willst ihn einfach so davon kommen lassen?“ fragte er und sah mich an. „Ich glaube, der hat seine Lektion gelernt. Das war wirklich beängstigend.“ Sirius Gesicht, das immer noch ziemlich düster gewirkt hatte, glättete sich ein wenig. „Was, ich hab dir Angst gemacht?“ fragte er ziemlich überrascht. „Nicht nur mir“, meinte ich und sah in die Richtung, in die Matt abgehauen war. Als ich wieder zu ihm blickte, sah er mich an. „Naja, danke“, murmelte ich und strich meinen Rock wieder zurecht. „Schon gut. Ich hab dir gesagt, dass er ein Idiot ist.“ „Jaah, ich hab es verstanden.“ Wir gingen in den Gemeinschaftsraum, wo die anderen schon warteten. Ich fuhr mir immer wieder gedankenverloren über mein gerötetes Handgelenk. Remus schien das aufzufallen. „Was hast du denn da?“ fragte er, während wir über unseren Hausaufgaben saßen. James und Sirius spielten auf dem Sofa vor dem Kamin Zauberschnippschnapp. „Da? Ach nichts... ein kleiner Zusammenstoß mit Matt“, meinte ich nur und Remus nickte. „Hat das was damit zu tun, was Matt gestern in der Umkleide gesagt hat?“ Ich horchte auf. „Wieso? Was hat er denn gesagt?“ „Ich dachte, Sirius hätts dir schon erzählt“, murmelte Remus und blätterte in seinem Zaubertrankbuch herum. „Was? Sirius hat erzählt, dass Matt mich noch einmal fragen wollte, ob ich mit ihm ausgehe.“ Remus sah hoch und hob eine Augenbraue. „Na, das war aber längst nicht alles“, erklärte Remus und blickte rüber zu James und Sirius, die gerade laut lachten und dann wieder zu mir. „Matt hat ziemlich geprahlt in der Umkleide. Ich verwende solche Wörter zwar nicht oft, aber er war wirklich ein Arschloch. Er hat angegeben, von wegen, dass du zu ihm zurückgekrochen kommst, weil du auch nur so ein - ich zitiere: 'ein naives Blondchen ohne Selbstvertrauen und mit Minderwertigkeitskomplexen wärst' - das waren seine Worte.“ Ich starrte Remus mit offenem Mund an. Hatte ich mich gerade verhört? „Das hat er gesagt? Wirklich?“ fragte ich und Remus nickte. „Ja, die ganze Umkleide hats gehört, darum ist Sirius auch so ausgerastet und wollte ihn verhauen.“ Remus schrieb gerade den Schluss seines Aufsatzes und ich blickte ihn immer noch ungläubig an. „Und warum hat Sirius mir das nicht gesagt?“ „Ich nehme mal an, weil er nicht wollte, dass du es weißt.“ Ich schaute zu James und Sirius. Sirius regte sich gerade auf, weil James gewonnen hatte. Warum hatte Sirius mir das nicht erzählt? Wenn er es mir gesagt hätte, hätte ich Matt gleich eine reingehauen und hätte ihn nicht zuvor noch labern lassen. ~ „Sirius?“ „Hm?“ „Warum hast du mir nicht erzählt, was Matt in der Umkleide gesagt hat?“ Sirius, der gerade Käfer in einer kleinen Schale mit dem Mörser bearbeitet hatte, hielt kurz inne und sah mich überrascht an. Dann rieb er weiter, als ob ich nichts gesagt hätte. „Wieso? Warum ist das so wichtig?“ nuschelte er nur und ich konnte ihn fast nicht verstehen unter dem Krach, den er mit seiner Reiberei veranstaltete. „Ich finds schon wichtig“, meinte ich und rührte in dem Kessel, der leise vor sich hin blubberte. „Du hast mich schließlich verteidigt.“ Er sah hoch, aber ich blickte weiter in den Kessel mit der hellgrünen Brühe. Den Rest der Zaubertrankstunde sagte er nichts mehr, obwohl ich immer wieder mitbekam, wie er den Mund öffnete um etwas zu sagen, es aber dann schließlich wieder bleiben ließ. Am Ende der Stunde gaben wir unseren Trank bei Slughorn ab und unsere Wege trennten sich, als ich mit Lily unterwegs zum Astronomie-Unterricht war und er mit den anderen Rumtreibern eine Freistunde hatte. ~ Ein paar Nächte darauf weckte mich ein Geräusch. Ich zog die Vorhänge an meinem Bett beiseite und starrte in die Dunkelheit des Schlafsaales. Da war ein Klopfen. Ich blickte zum Fenster und bekam einen Schreck, als ich dort draußen ein Gesicht sah. Ich hüpfte auf und öffnete es. „Bist du jetzt total verrückt geworden?“ zischte ich Sirius an, der auf dem Mauervorsprung unter dem Fenster stand und mich angrinste. In einer Hand trug er einen Besen. „Nein, warum denn?“ erwiderte er gelassen und stieg durch das Fenster herein in den Schlafsaal. „Ich kann nichts dafür, wenn der Zugang zum Mädchenschlafsaal für männliche Personen verzaubert ist. Ich hab mir ordentlich wehgetan, als ich die Treppen runtergerutscht bin.“ Er hob den Ellbogen und zeigte mir eine Schramme, die ziemlich neu aussah. „Das weißt du doch ganz genau! Und was gibt es so wichtiges, dass du mitten in der Nacht hier auftauchen musst?“ flüsterte ich und setzte mich wieder auf mein Bett. Sirius setzte sich neben mich und ich zog die Vorhänge um uns herum wieder zu. So kam es mir wenigstens ein wenig geschützter vor. „Ich konnte nicht schlafen“, meinte Sirius schlicht und zog sich seine Jacke aus. „James hat mir ein Kissen an den Kopf geworfen, Remus drohte mir mit irgendwelchen Vertrauensschülerdingen und Peter ist sowieso nicht wach zu kriegen, als ich versucht hab sie irgendwie zu wecken.“ „Und da glaubst du, du könntest also einfach so bei mir antanzen und mich nerven?“ Sirius nickte eifrig mit den Kopf. „Das war der Plan.“ Ich verpasste ihm eine Kopfnuss für seine freche Antwort, woraufhin er sich empört die betroffene Stelle rieb. „Autsch!“ „Ich würde vielleicht auch gern schlafen!“ zischte ich ihn an. Ich legte mich wieder unter die Decke während Sirius einfach so sitzen blieb. „Entweder du legst dich jetzt hin und hältst die Schnauze, oder ich schmeiße dich wieder aus dem Fenster raus! Und zwar ohne Besen!“ Sirius musterte mich. „Wow, bist du immer so charmant, wenn du müde bist?“ „Schnauze und schlaf jetzt!“ Ich schloss schon wieder die Augen und bekam kaum noch mit, wie Sirius sich neben mich legte, bevor ich wieder einschlief. ~ „Weißt du, was mir aufgefallen ist? Dass du eigentlich kaum noch irgendwelche Mädchen abschleppst.“ Sirius sah mich an und zuckte nur mit den Schultern. „Gibt's keine Auswahl mehr, oder hast du schon alle durch?“ „Was interessiert es dich? Du hast dich doch immer nur aufgeregt.“ „Aber es gehört zu dir. Es ist einfach ungewohnt.“ „Willst du etwa, dass ich wieder mehr Mädchen hierher bringe?“ „Nein, bloß nicht.“ „Warum sagst du es dann überhaupt? Sei froh und halt die Klappe.“ „Mach ich doch. Es ist mir einfach nur aufgefallen.“ „Mir ist auch aufgefallen, dass du seit Matt niemanden mehr hattest. Könnt ich auch sagen“, begann er und grinste mich an. „Ja, aber ich war nie so, dass ich jede Woche jemand neuen abgeschleppt hab.“ „Könntest du aber.“ Ich schnaubte. „Ja, klar.“ Sirius sah mich an und nickte. „Du kennst das Gelaber der Typen ja nicht“, sagte er nur. „Soll heißen?“ fragte ich, ohne meinen Blick von meinen Hausaufgaben zu nehmen. „Dass es genug Typen gäbe, die was von dir wollten. Ist ja nicht so, dass du hässlich wärst oder so.“ „Wow, was für ein Kompliment, Sirius.“ „Du weißt, was ich meine.“ Ich sagte nichts mehr und schrieb weiter an meinen Hausaufgaben. Sirius hatte schon längst aufgegeben und lümmelte jetzt auf dem Stuhl mir gegenüber herum. „Ich glaub nicht, dass ich besonders beliebt bin“, murmelte ich dann, während ich einen Satz durchstrich. Sirius, der auf seinem Stuhl vor und zurück geschaukelt war, hielt inne und sah mich an. „Warum glaubst du das?“ „Weil mich noch nie wer gefragt hat, ob ich was unternehmen will… naja, außer Matt halt.“ Ich korrigierte einen Satz in meiner Hausaufgabe und schloss dann das Tintenfass. Sirius sah mich immer noch an. Ich überflog den Text, und als ich wieder hoch sah, sah Sirius mich immer noch an. „Na, ist doch so“, erklärte ich. „Wenn, wie du sagst, doch einige Typen was von mir wollen, warum fragt mich dann nie jemand?“ „Das sind doch alles Idioten“, meinte Sirius nur. „Ja, und du bist der Hauptgewinn.“ „So ist es.“ „Sarkasmus, Sirius, ist dir ein Begriff, nehme ich an?“ Er grinste mich breit an und ich rollte nur mit den Augen. Aber die Frage hatte mich schon länger beschäftig. Jetzt wo Lily und James gut miteinander auskamen und bestimmt auch schon bald ein richtiges Paar werden würden, fühlte ich mich schon etwas schlecht. Wenn ich so durch die Schule ging und meine ganzen Mitschüler schon in festen Händen waren, nur ich irgendwie nicht. Ich packte mein Schulzeug zusammen und verstaute es wieder in meiner Tasche. „Das beschäftigt dich jetzt wirklich, was?“ Ich blickte zu Sirius, der mich ansah, wieder mit ernstem Gesicht. „Na, du brauchst ja nur eine anzusehen und schon hast du eine Verabredung für den Abend“, gab ich zurück. „Bist du eigentlich jemals zurückgewiesen worden?“ Sirius schien nachzudenken, schüttelte dann aber den Kopf. „Ich hab aber auch noch nicht alle gefragt.“ „Aus unserem Jahrgang hast du alle durch, das weiß ich aus verlässlicher Quelle.“ „James?“ „Ganz genau.“ Sirius grinste und ich musste auch grinsen. „Das stimmt so nicht. Ich hab aus unserem Jahrgang zwei Mädchen ausgelassen“, meinte er dann und grinste schief. „Ach ja, und wen?“ fragte ich zurück. „Naja, Lily, weil ich weiß, dass James auf sie steht“, begann er und sein Grinsen wurde breiter. Und-“ „Und?“ fragte ich ungeduldig. „Dich.“ Ich schloss sofort meinen Mund wieder. Sirius hob eine Augenbraue und verschränkte die Arme vor seiner Brust. „Ach ja“, murmelte ich. Das hatte ich fast vergessen. Schnell packte ich meine Tasche fertig, damit ich nicht mehr in Sirius Gesicht sehen musste. Ich war doch tatsächlich rot geworden. Wir waren von Anfang an so gut befreundet gewesen, dass ich nie daran gedacht hatte, mit Sirius etwas anzufangen. Dazu kannte ich ihn einfach zu gut. Genauso konnte ich mir nicht vorstellen mit einem der anderen Rumtreiber etwas am Laufen zu haben. Ich schob den Gedanken beiseite. „Tja, so wird das wohl auch bleiben“, sagte ich schnell und stand auf. Ich wollte in den Mädchenschlafsaal, aber Sirius war schneller. Er stellte sich mir in den Weg. „Was ist?“ „Der Grund, warum dich niemand fragt, ist, weil ich gesagt hab, sie sollens lassen.“ Ich starrte ihn an. Mein Gehirn brauchte eine Weile, bis es Sirius' Satz richtig zuordnen konnte. Doch dann musste ich ihn noch überraschter angesehen haben. „Was?“ sagte ich. Ich ließ meine Tasche von meiner Schulter gleiten und auf dem Boden landen. „Du wirst mir jetzt aber keine runterhauen?“ fragte er und blickte auf meine Tasche, die gut ein paar Kilo wog. „Das weiß ich noch nicht“, gab ich zurück. „Kommt drauf an, wie die Geschichte weiter geht.“ Sirius atmete lange aus und musterte mich wieder. „Hau mir keine runter, du bist die Einzige, bei der es immer so weh tut.“ „Sirius! Sag jetzt, warum du das getan hast!“ fuhr ich ihn an. „Okay... also, der Grund, warum ich allen erzähle, sie sollten sich unterstehen Lyla nach einem Date zu fragen, ist...“ „Ist?“ „Das kann ich dir nicht sagen.“ Ich starrte ihn an. Ich konnte schon erkennen, wie er in Verteidigungsposition ging, den Blick auf meine Hände und die Tasche gerichtet. „Aha, du kannst es mir also nicht sagen“, wiederholte ich seinen Satz. „Nein, besser nicht.“ „Warum?“ „Es steht zu viel auf dem Spiel.“ „Sag mal!“ fuhr ich ihn jetzt wütend an und er wich eine Schritt zurück. „Willst du mich verarschen?“ Ein paar Schüler, die im Gemeinschaftsraum saßen, starrten erschrocken zu uns rüber. Aber ich beachtete sie nicht. Nur Sirius, der vor mir stand und mir solche Dinge erzählte, war jetzt wichtig. „Du erzählst mir also“, begann ich und musste unweigerlich anfangen zu lachen, „dass du die ganzen Jahre über Mädchen abschleppst und wenn jemand mal mich fragen wollte, ob ich mit ihm ausgehen will, hast du gesagt, sie sollens lassen, aus was für einen Grund auch immer!“ Meine Stimme war immer lauter und höher geworden und inzwischen starrten alle Augenpaare in Sirius und meine Richtung. Sirius sah mich an und in dem Moment wollte ich ihn verhauen, und zwar richtig. Es klang, so dämlich es sich anhörte, genau nach etwas, was Sirius tun würde. Und so gut wie niemand würde sich gegen Sirius stellen. Er war einer der größten Schüler unter den Jungs und überhaupt hatte er immer James, Peter und Remus, die ihm den Rücken stärkten. Aber die Frage war, warum? „Du würdest das nicht verstehen“, versuchte er wieder. „Aber die Typen hier sind auch alles Idioten, glaub mir. Ich kenne die. Die wollen doch nur das eine.“ „Ach, und wenn du das tust, ist das in Ordnung, oder wie?“ „Nein, das hab ich auch gar nicht gesagt. Ich will nur nicht, dass sie das mit dir machen. So bist du nicht.“ „Lass mich vorbei!“ knurrte ich ihn an, während ich meine Tasche wieder hoch hob. Sirius rührte sich nicht. „Ich hab nicht gedacht, dass dir das so wichtig ist“, meinte er dann. „Es geht doch gar nicht um das!“ schrie ich, so wütend wie noch nie. „Es geht darum, dass du dich in mein Leben einmischst und dazu hast du kein Recht! Lass mich jetzt vorbei!“ „Lyla, ich hab das wirklich aus einem guten Grund getan“, versuchte er zu erklären und blieb weiter vor der Treppe zum Mädchenschlafsaal stehen. „Was ist dieser verdammte Grund! Los sags mir!“ „Das kann ich nicht!“ rief er jetzt zurück, nicht ganz so laut wie ich. „Warum kannst du es mir nicht sagen! Ich dachte, wir wären so was wie Freunde!“ Er stutzte. Inzwischen war es mucksmäuschenstill geworden im Gemeinschaftsraum. Sirius knirschte mit den Zähnen. „Das ist mitunter der Grund, warum ich es dir nicht sagen kann“, meinte er dann, wieder in normaler Lautstärke. „Schön. Dann kannst du jetzt ja beiseite gehen und mich vorbei lassen“, entgegnete ich wieder in normalem Ton. Sirius schien zu überlegen und ich wurde wieder wütend. „Lass mich vorbei, du Arsch! Geh zu einer deinen dämlichen Tussis, denen du mehr anzuvertrauen scheinst, als mir! Ich ertrag dich jetzt nicht länger!“ Ich rempelte ihn beiseite und lief die Treppen hoch in den Mädchenschlafsaal, wo ich mit lautem Krachen die Tür zuwarf. Tränen stiegen mir in die Augen. Ich war so wütend auf Sirius, wie ich es noch nie im Leben gewesen war. Ich warf mich aufs Bett und starrte mit nassen Augen und verschwommenen Blick auf die gemusterte Bettdecke. Ich hasste es, dass ich immer heulen musste, wenn ich wütend wurde. Niemand nahm einen dann noch ernst, da man für die meisten gar nicht mehr wütend rüber kommt. Deswegen wollte ich auch so dringend von Sirius weg. Ich hätte angefangen zu heulen, und er hätte gedacht ich wäre verletzt. Aber eigentlich hatte ich nur eine Riesenwut auf diesen Trottel. Das Verletzt-Sein kam erst an zweiter Stelle. ~ „Lyla? Schläfst du schon?“ Lily war in den Schlafsaal gekommen und hatte sich auf mein Bett gesetzt. Es war gerade mal sieben Uhr abends. „Ja“, gab ich zurück. „Willst du nicht darüber reden?“ Klar, hatte sie mitgekriegt, was los war. Jeder im Gemeinschaftsraum hatte es mitbekommen. Wahrscheinlich hatte Sirius es ihr sogar erzählt. Ich war wohl die Einzige, der er nichts erzählte. „Nein“, gab ich trotzig zurück. Ich lag mit dem Rücken zu Lily aber konnte mir schon denken, was sie für ein Gesicht machte. Ich konnte hören, wie sie ausatmete und dann wieder den Schlafsaal verließ. Aber die Ruhe war nur von kurzer Dauer. „Hey Lyla, Lily meinte ich solle mit dir reden.“ Ich fuhr hoch und starrte zu Remus, der vor meinem Bett stand. „Du hast hier drin nicht einmal Zutritt“, funkelte ich ihn an, aber Remus blieb ganz locker. „Wie kommst du überhaupt hier rein?“ „Ich bin Vertrauensschüler“, gab er nur zurück und setzte sich dann auf das Bett, das neben meinem stand. „Also, was ist los? Sirius steht unten an der Treppe und starrt hier hoch, als wäre er aus Stein.“ „Sirius kann mich mal!“ rief ich und warf mich wieder aufs Bett. Ich unterdrückte die Tränen, die bei der Erwähnung von Sirius Namen wieder drohten in meine Augen zu steigen. „Ja, das hab ich auch mitgekriegt“, meinte Remus nur und seine Gelassenheit regte mich auf. Ich setzte mich wieder auf. „Dann hast du wohl auch mitgekriegt, dass er allen gesagt hat, sie sollten sich unterstehen mich jemals um ein Date zu bitten!“ fuhr ich ihn an. Remus hob eine Augenbraue. „Ja, kann sein“, sagte er nur und jetzt wollte ich Remus eine rein hauen. Ich ließ mich wieder aufs Bett fallen und zog die Decke über mich. „Ich weiß, dass das nicht gerade fair von ihm war“, redete Remus weiter, während ich unter der Decke lag. Ich schnaubte verächtlich. „In Ordnung, es war keineswegs fair“, korrigierte Remus sich. „Was du nicht sagst“, murmelte ich unter der Decke. Wir schwiegen beide ein paar Sekunden, während ich die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte. Lautlos bahnten sie sich ihren Weg über meine Wangen. „Weißt du auch, warum er das getan hat?“ Was es auch war, nichts konnte diesen Vertrauensbruch rechtfertigen. Ich schüttelte den Kopf, weil ich nicht wollte, dass Remus bemerkte, dass ich weinte. Aber er konnte mich ja auch nicht durch die Decke hindurch sehen. Remus schien mein Schweigen als ein ‚Nein‘ zu deuten. „Sag nicht, dass du nichts bemerkt hast“, sagte er und klang wirklich amüsiert. „Was bemerkt?“ Remus gluckste. Wirklich. Er saß auf dem Bett und lachte mich aus. Ich tauchte unter der Decke auf. „Ich hab kein Problem damit, dir eine runterzuhauen, wenn du nicht sofort aufhörst zu lachen“, drohte ich ihm und er grinste mich an. „Ich glaube, du und Sirius solltet euch wirklich mal zusammen setzen und reden“, meinte er nur und stand auf. „Ich geh ihn holen.“ „Untersteh dich!“ rief ich ihm nach, aber er war schon verschwunden. Ich verzog mich wieder unter meine Bettdecke. Ich wollte nicht mit Sirius reden. Ich wischte mir die Tränen aus dem Gesicht. „Ähm“, hörte ich dann hinter mir eine leise Stimme, die Sirius gehörte. „Verzieh dich“, entgegnete ich, ohne unter der Decke hervorzukommen. „Geht nicht. Remus und Lily versperren die Tür.“ Es war wirklich unfassbar. Geradezu lächerlich. Ich hätte lachen können, wäre ich nicht so wütend gewesen. Ich tauchte unter der Decke auf und warf ihm meinen bösesten Blick entgegen. „Dann bleib da stehen und lass mich einfach in Ruhe!“ Ich drehte mich auf die andere Seite und wischte mir mit dem Ärmel übers Gesicht. Sirius blieb hinter mir stehen. Irgendwann setzte er sich auf mein Bett. „Tut mir leid“, murmelte er. Ich versuchte ihn nicht zu beachten. Aber wenn er schon allein den Mund öffnete, kamen mir wieder die Tränen. „Es tut mir wirklich leid“, wiederholte er. „Weinst du?“ „Nein“, schniefte ich, was in dem Moment genauso gut wie ein 'Ja' war. „Bitte nicht weinen“, sagte er schnell und ich konnte hören, wie er sich näher an mich heran setzte. Wenn er mich jetzt berühren würde, würde ich entweder richtig losheulen oder ihm eine reinhauen. Vielleicht sogar beides. Aber er tat nichts und ich schniefte weiter. „Weißt du, ich hab einfach Angst, dass, wenn ich dir den Grund für mein Verhalten erzähle, wir keine Freunde mehr sein können.“ Ich wischte mir die Tränen aus dem Gesicht und versuchte mit dem Weinen aufzuhören, aber Sirius Worte machten es nicht gerade einfach. „Lyla, bitte“, flehte er schon fast. „Ich kann dich nicht weinen sehen, kannst du nicht aufhören?“ Ich richtete mich auf und drehte mich zu ihm um. Mit Tränen im Gesicht funkelte ich ihn an. „Du bist doch überhaupt erst der Grund, warum ich heule!“ rief ich und Sirius schaute mich mit großen Augen an. Ich fuhr mir wieder mit dem Ärmel übers Gesicht. „Wenn du mich schon zum Weinen bringst, dann solltest du auch den Anblick davon ertragen“, murmelte ich in meinen Ärmel. „Das tue ich aber nicht“, meinte er. „Dein Problem.“ Wir schwiegen wieder, während ich mich langsam beruhigte. „Also wegen vorhin...“, fing er dann wieder an, aber ich unterbrach ihn. „Remus kannte den Grund“, sagte ich. „Anscheinend kennt jeder den Grund, nur ich nicht! Was soll ich den bemerkt haben? Bin ich einfach zu blöd um zu kapieren, worum es überhaupt geht?“ Sirius starrte mich an. Wir saßen beide auf meinem Bett, ich am Kopf- und Sirius am Fußende. „Für Außenstehende muss es ziemlich offensichtlich wirken“, meinte er nur und ich verstand wieder gar nichts. „Was denn? Sag mir was so offensichtlich wirkt!“ „Naja, dass ich... ich irgendwie... oder so...“ „Raus damit!“ rief ich ungeduldig, während Sirius herumstotterte. „Das ist nicht so einfach!“ motzte er zurück. „Bei Merlin!“ drang plötzlich Remus Stimme vom Gemeinschaftsraum in den Schlafsaal herauf. „Er ist in dich verknallt!“ Eine plötzliche Stille trat ein, so heftig, dass ich meinen eigenen Herzschlag hören konnte, der sich ziemlich beschleunigt hatte. Sirius hatte kurz die Augen geschlossen, als ich ihn überrascht anstarrte und war dann aufgestanden, um die Tür des Schlafsaales zu schließen und uns somit etwas Privatsphäre zu garantieren. Er blieb an der Tür stehen und schaute zu mir. Ich starrte immer noch auf die Stelle, an der er gerade noch gesessen hatte. Es dauerte eine Ewigkeit, bis wieder jemand von uns anfing zu sprechen. „Stimmt das?“ fragte ich, während ich immer noch auf mein Bett starrte. Aus den Augenwinkeln konnte ich aber sehen, wie Sirius langsam nickte. Ohne zu ihm zu sehen winkte ich ihm und zeigte auf den Punkt vor mir auf dem Bett. Sirius kam langsam durch den Schlafsaal und setzte sich aufs Bett mir gegenüber. Ich sah hoch in sein Gesicht, das ausdruckslos war. „Im Ernst?“ fragte ich wieder und er nickte leicht. Ich konnte es nicht fassen. Mein bester Freund war angeblich in mich verknallt. Aber das würde immerhin erklären, warum er alle anderen Typen aufgefordert hatte, die Finger von mir zu lassen. „Wie lange denn schon?“ Er zuckte mit den Schultern. „'Ne ganze Weile schon“, murmelte er. 'Ne ganze Weile war relativ. Aber so langsam konnte ich mir einen Zeitraum denken. „Du warst also wirklich auf Matt eifersüchtig!“ rief ich und Sirius' Augen verengten sich. „Ich meine, abgesehen davon, dass er wirklich ein Idiot war.“ „Ja, vielleicht war ich das... ich meine, ja, ich wars.“ Ich blickte ihn an. Meinen besten Freund, der auf mich stand. Das war geradezu lächerlich, wie in einem dieser Filme. Das Mädchen erkennt nicht, dass ihr bester Freund schon seit Jahren in sie verliebt ist, weswegen er auch immer nur diese unbedeutenden Affären hat. Passte wie die Faust aufs Auge. Am Schluss stellte sich dann immer heraus, dass das Mädchen natürlich auch Gefühle für den Typen gehabt hatte. Happy End. Ich lachte los. Und zwar so richtig. Sirius starrte mich überrascht an. „Du scheinst dich ja köstlich zu amüsieren“, meinte er, nachdem ich eine geschlagene Minute durchgelacht hatte. „Ja schon“, prustete ich und er schnaubte. „Komm schon, ich fühle mich hier gerade ziemlich verarscht.“ „Och, armes Baby“, lachte ich und tätschelte seinen Arm, was ihn nur noch wütender machte. Schmollend zog er ihn weg. „Was ist eigentlich so witzig? Ich hab dir gerade meine Gefühle offenbart... oh Mann, hörst du das? Was ich da gerade gesagt hab? 'Gefühle offenbart'. Siehst du jetzt, was du mir antust? Ich rede total geschwollen.“ Sirius räusperte sich und ich beruhigte mich allmählich. Aber ein Grinsen konnte ich mir trotzdem nicht verkneifen. „Du glaubst doch wohl nicht, ich hätte Mitleid mit dir?“, grinste ich. „Nein, nicht nachdem, was du da abgezogen hast. Den anderen verbieten, mich nach einem Date zu fragen, nur weil du es selbst nicht hinbekommst. Lachhaft! Sirius Black! Der Mädchenschwarm! Offenbart seine Gefühle! Was willst du jetzt, einen Preis?“ „Ich-“ „Hey, unterbrich mich nicht!“ zischte ich. „Du bekommst den Preis für den Vollpfosten des Jahres. Ja, den muss ich dir schon zugestehen, das hast du ganz wunderbar gemacht und dir redlich verdient! So und jetzt zur Sache: Sirius, was macht man normalerweise, wenn man jemanden so richtig gut findet. So richtig gut, meine ich. A) Verbietet den restlichen männlichen Anteil der Schule, sich ihr zu nähern B) Teilt es ihr ganz einfach mit C) Gar nichts Jetzt bist du gefragt, Tatze.“ Sirius biss die Zähne zusammen, während er mich mit düsterem Blick musterte. „Du musst nicht gleich so zynisch sein.“ „Falsche Antwort, Sirius. Soll ich dir helfen? Also C) kannst du ausschließen.“ Er kniff die Augen zusammen und schnaubte. „B)“, murmelte er dann und ich applaudierte. „Bravo, du hast gerade 500 Galleonen gewonnen! Die Frage war aber auch schwer!“ Ich hatte den Punkt fast erreicht, dass Sirius kein Wort mehr mit mir sprechen würde. Und auch wenn es mir richtig Spaß machte, ihn so leiden zu sehen, wollte ich doch langsam Schluss machen. „Bist du dann fertig?“ fragte er tonlos und ich wiegte meinen Kopf hin und her. „Ja fast. Du musst es nur noch tun.“ „Was tun?“ „B) Teilt es ihr ganz einfach mit. Also los.“ „Was, du weißt es doch schon!“ „Ja, aber genau genommen, hat Remus es verkündet und nicht du. Also bitte.“ Sirius grummelte irgendetwas vor sich hin, bevor sich durch die Haare strich und mich schließlich wieder ansah. Er setzte ein gespieltes Lächeln auf. „Lyla.“ „Ja, Sirius?“ „Ich muss dir etwas sagen, und ich hoffe, du verstehst es. Ich... hör auf mich so blöd anzugrinsen!“ „Tut mir leid“, lachte ich und wurde wieder ernst. „Okay, also es ist so: Ich mag dich. Und zwar nicht nur, wie zwei beste Freunde sich mögen, sondern so richtig“, zitierte er mich, was mich zum Lächeln brachte und auch über seine Lippen huschte ein kurzes Lächeln. „Ich wollte zuerst nicht, dass du es weißt, weil ich nicht wusste, wie du reagieren würdest. Und ich wollte unsere Freundschaft nicht aufs Spiel setzen. Weil du mir sehr wichtig bist.“ Ich lächelte, froh darüber, dass ich Sirius dazu gebracht hatte, mir alles zu sagen. „Das hast du schön gesagt, hast du das irgendwo abgelesen?“ „Ich wollte dir das schon so oft sagen, dass ich es mir in meinem Kopf zurechtgeschrieben habe“, entgegnete er. „Du bist süß.“ Ich hielt mir eine Hand vor dem Mund und runzelte die Stirn. Sirius lachte erstaunt auf. „Hast du mich gerade süß genannt!“ Ich hatte keine Ahnung, wo das auf einmal hergekommen war. Und Sirius hatte es auch noch gehört, verdammt! Normalerweise behielt ich solche Dinge für mich, um sein Ego nicht noch mehr zu füttern. Normalerweise... wenn ich so darüber nachdachte, tat ich das schon ziemlich häufig. Wenn er etwas tat, was wirklich nett war, oder wenn er hilfsbereit war, andere verteidigte und so weiter. Immer dann dachte ich mir, dass er wirklich einen guten Charakter hatte. Aber gesagt hatte ich ihm das nie. Ich hatte ihm auch nie gesagt, dass ich es süß fand, wie er seine Nase rümpfte, weil er mich dann immer an einen kleinen Hundewelpen erinnerte. Und was gab es Süßeres als Welpen? So langsam dämmerte es mir... Was, wenn ich Sirius auch mochte, so richtig? Okay, ich hatte mir nie vorgestellt, wie es wäre ihn zu küssen, das wars aber auch. Ich hatte ihn gern um mich. Und immer wenn er wieder ein Mädchen abschleppte, war ich genervt. Vielleicht war ich aber einfach nur eifersüchtig gewesen? Und eigentlich wäre es sicher nicht schlecht, herauszufinden, ob er wirklich so gut küsste. „Hallo?“ Sirius wedelte mit seiner Hand vor meinem Gesicht herum, und mein Blickfeld wurde wieder klarer. „Ja?“ „Ich glaube, du warst kurz mal weg...“, meinte er und musterte mich eingehend. „Können wir das jetzt klären? Ich würde mich nämlich gern vom nächsten Turm schmeißen.“ „Warum denn das?“ „Das fragst du noch? Ich habe mich dir gerade geöffnet - schon wieder rede ich so geschwollen - und was ist jetzt? Das bekomme ich doch bis an den Rest meines Lebens zu hören. Sirius ist in Leyla verknallt! Da mache ich meinem Leben lieber gleich ein Ende.“ „Komm, sei nicht blöd“, antwortete ich und zog Sirius wieder aufs Bett, nachdem er schon abhauen wollte. Was sollte ich jetzt tun? Klar, war Sirius ein Idiot gewesen, mir wiederum aber seine Gefühle zu gestehen, war schon mutig von ihm. Und natürlich war ich ihm nichts schuldig. Aber ein Versuch konnte auch nicht schaden. „Komm mal her.“ Sirius, der mir auf dem Bett gegenüber gesessen hatte, setzte sich jetzt neben mich. Ich legte mein Kinn auf seine Schulter, was ihn etwas verwirrt drein blicken ließ. „Wie hast du dir das vorgestellt? Wenn das hier alles perfekt gelaufen wäre, meine ich. Wie hätte ich in deiner Vorstellung reagiert?“ Sirius fing langsam an zu grinsen. „Du hättest mir deine Liebe gestanden und wärst mir unter Freudentränen um den Hals gefallen, während du immer wieder 'Mein Held!' gerufen hättest. Und dann hätten wir uns geküsst.“ „Also den ersten Teil kannst du dir mal getrost abschminken“, antwortete ich und Sirius lachte. „Den zweiten Teil könnte ich mir überlegen.“ Sirius drehte seinen Kopf, sodass er mich ansah, und ich hatte ihn noch nie so erschrocken gesehen. Er sah mich mit weit aufgerissenen Augen an. Fast musste ich wieder lachen, aber ich verkniff es mir. „Ähh... was?“ fragte er, in der Sicherheit, dass er sich verhört hatte. „Ach komm schon, bist du bei deinen anderen Knutschbekanntschaften auch immer so unsicher? Kann ich mir nicht vorstellen.“ Hinter Sirius' Stirn begann es zu arbeiten. Er hatte also verstanden. „Damit ich das richtig verstehe“, begann er wieder, und ich rollte mit den Augen. „Wir... sollen uns küssen?“ „Drei Sekunden, Sirius, dann bin ich weg.“ Und ja, es dauerte weitere 2,99 Sekunden, bis er es raffte. Aber um fair zu sein, der Kuss machte einiges wieder gut. ~Epilog~ „Das ist doch komisch, oder nicht?“ Sirius beugte sich mit verschränkten Armen über den Tisch und stieß dabei fast die zwei Butterbier um, die er uns gerade bestellt hatte. „Was macht man bei einem ersten Date? Man lernt sich kennen... aber ich kenne dich doch schon... das ist doch beknackt...“ Ich ignorierte Sirius' Murren und trank mein Butterbier. Wir saßen im Drei Besen bei unserem ersten offiziellen Date. Ich wollte es nämlich richtig machen. Und dazu gehörte nun mal mindestens ein Date. Wir hatten in einer Ecke einen kleinen Tisch mit Sitzbank bekommen und da saßen wir nun. „Ich komm mir gerade ziemlich blöd vor. Ich hab keine Ahnung, was ich machen soll.“ Ich rollte mit den Augen. Er wollte noch nicht einmal zugeben, dass er richtig nervös war. Ich hatte ihn und James heute im Gemeinschaftsraum reden hören. Sirius hatte sich Tipps für sein erstes Date geben lassen. Irgendwie war es ja süß, dass er sich Mühe geben wollte, aber man merkte auch, dass er wirklich noch nie richtige Dates gehabt hatte. Da musste ich ihm wohl etwas entgegenkommen. Ich rückte näher an ihn heran, nahm seinen Arm und legte ihn mir um die Schultern. Sirius entspannte sich etwas und lächelte mich dann an. „Hi“, sagte ich. „Hi.“ Ich gab ihm einen Kuss und schon war Sirius wieder Sirius. „Findest du mich eigentlich sexy?“ „Bei Merlin, Sirius.“ Er lachte los und ich konnte nicht anders, als mitzulachen.

26.59 % der User hatten die Auswertung: Jemand ganz besonderes hats dir angetan, ich kanns dir nicht verüblen. Eure Geschichte: „Ich geb auf, ich bin einfach zu blöd.“ „Hör auf, du bist nicht blöd.“ „Meine Noten sagen da etwas anderes“, erwiderte ich. „Als ob Noten irgendetwas über Intelligenz aussagen würden“, meinte Remus und schüttelte den Kopf. „Außerdem hast du auch ganz gute Noten.“ Ich atmete einmal tief ein und aus und sah dann wieder zu Remus, der mir gegenüber am Tisch saß. Er begutachtete meinen Aufsatz für Geschichte der Zauberei, für den morgen Abgabetermin war. Und ich kam einfach nicht weiter. Das Pergament war vollgeschmiert und hatte schon fast Löcher, weil ich einige Dinge schon so oft durchgestrichen hatte. Aber das was ich geschrieben hatte war sowieso nicht zu gebrauchen, auch wenn Remus etwas anderes sagte. Er las gerade den Aufsatz durch und strich hier und da etwas durch oder ergänzte es. Als ich nichts erwiderte sah er wieder zu mir hoch. „Du bist gut in Zauberkunst und Verteidigung gegen die dunklen Künste. Verwandlung ebenfalls und auch Zaubertränke bekommst du gut hin. Das sind wohl die wichtigsten Fächer, also was willst du mehr?“ Ich will so klug sein wie du! wollte ich sagen, sah ihn aber nur an. Ich war schon dankbar dafür, dass er mir so oft mit meinen Hausaufgaben half. Ich zuckte mit den Schultern und Remus lächelte ein wenig. „Mach dich nicht immer schlechter, als du bist“, sagte er und wandte sich wieder meinem Aufsatz zu. Ich lehnte mich in meinem Stuhl zurück. Ein paar Minuten sagte niemand ein Wort. Ich konnte James und Sirius aus der anderen Ecke des Gemeinschaftsraumes lachen hören. „Ich glaube, du hast mal wieder geträumt“, sagte Remus dann und wieder breitete sich ein Lächeln auf seinen Lippen aus. Er zeigte mit seiner Feder auf meinen Aufsatz. Ich beugte mich vor und las, was ich geschrieben hatte. Er hatte Recht. Zwei unzusammenhängende Absätze befanden sich in der Mitte des Aufsatzes, in denen es um etwas völlig anderes ging, als im vorherigen Teil, ganz zu schweigen von den kleinen Männchen, die ich an den Rand des Pergaments hingekritzelt hatte. „Ups“, gab ich zu und Remus grinste. Er nahm mir den Aufsatz wieder aus der Hand und strich den Teil durch. „Du bist nicht blöd. Du bist nur oft nicht ganz bei der Sache, das ist alles.“ „Oh ja, als ob das eine bessere Entschuldigung wäre“, schnaubte ich. Manchmal regte mich mein Verhalten selbst auf. Ich war wirklich eine Träumerin. Manchmal driftete ich im Unterricht so ab, dass ich wenige Minuten darauf gar nichts mehr mitbekam. Und wenn meine Gedanken wieder im Unterricht waren, hatte ich keine Ahnung, worum es ging. „So fertig“, meinte Remus und schob mir den Aufsatz wieder über den Tisch zu. „Es wäre wohl besser, wenn du ihn noch einmal neu abschreibst.“ Das war wohl wirklich besser. Wenn ich den Aufsatz so abgeben würde, würde ich ihn wohl um die Ohren zurück geworfen bekommen. „Ja mach ich. Und danke noch einmal Remus, dass du mir wieder mal geholfen hast.“ „Kein Thema“, lächelte er und ich zog ein neues Pergament aus meiner Tasche. Ich begann sogleich mit dem Abschreiben. Es war schon spät genug und ich wollte endlich Feierabend machen. Vielleicht noch etwas Zauberschnippschnapp mit den Jungs spielen oder einfach aufs Sofa lümmeln. „Hey Moony, bist du fertig?“ James, Sirius und Peter standen neben Remus und mir aufgereiht und grinsten ihn alle an. Remus nickte leicht und stand dann auf. Ich brauchte einen Moment, bis ich wusste, was sie vorhatten. „Nein, ist echt schon wieder Vollmond?“ fragte ich und ließ meine Feder fallen, die einen hässlichen Tintenfleck auf meinem neu angefangenen Pergament hinterließ. Das war mir aber egal. Ich blickte von den Jungs zu Remus, der mich etwas geknickt ansah. „Ja“, murmelte er und kramte in seiner Hosentasche. Er holte ein Pergament hervor und legte es zu mir auf den Tisch. „Hier... falls du... naja, nachsehen willst, wo wir uns so rumtreiben.“ Ich schaute von der Karte des Rumtreibers zu Remus und mein Blick wurde finster. „Du meinst, ich soll euch zusehen, während ihr euch draußen vergnügt und mich hier alleine zurück lasst?“ Remus blickte hilfesuchend zu James und Sirius. Letzterer beugte sich zu mir herunter. „Hör mal“, begann Sirius, „wir haben uns geschworen, dass wir nie Mädchen mitnehmen würden. Ganz einfach.“ Ich warf ihm einen Todesblick zu, während er mich frech angrinste und Remus stieß ihm mit dem Ellbogen in die Seite. James wandte sich jetzt an mich. „Die Diskussion haben wir jedes Mal, Lia. Es ist einfach zu gefährlich. Außerdem bist du kein Animagus.“ „Aber ich könnte es lernen, wenn ihr mich nur lassen würdet!“ zischte ich. „Aber geht ruhig. Viel Spaß und vergnügt euch schön! Ich bleib einfach hier und schreib den verdammten Aufsatz fertig.“ James, Sirius und Peter ignorierten meinen sarkastischen Unterton, dankten mir und stiegen durch das Porträtloch. Remus aber blieb noch zurück und sah mich an. Ich versuchte ihn nicht anzusehen und schrieb weiter an meinen Aufsatz. „Tut mir leid“, hörte ich ihn murmeln. „Was denn?“ sagte ich, ohne aufzusehen. „Dass du heute den Abend allein verbringen musst.“ „Schon gut. Wie gesagt, ich werde viel Spaß haben.“ „Komm, sei nicht so. Du weißt, ich kann nichts dafür.“ „Ja, ich weiß. Geh jetzt, die anderen warten sicher schon.“ Ich konnte aus den Augenwinkeln erkennen, wie Remus noch etwas erwidern wollte, es dann aber ließ und ebenfalls aus dem Porträtloch stieg. Ich blickte wieder hoch. Ich wusste, dass ich Remus Unrecht tat, jedes Mal, wenn ich so reagierte. Trotzdem regte es mich jeden Monat wieder auf, wenn die Jungs abzogen und sich weigerten mich mitzunehmen. Ich schrieb den Aufsatz fertig ab und jetzt war er auch gar nicht mehr so schlecht, dank Remus' Verbesserungen. Als ich fertig war, sah ich aus dem Fenster. Der Vollmond erleuchtete hell das Schulgelände. Mit einem leisen Seufzen kramte ich die Karte hervor. „Ich schwöre feierlich, ich bin ein Tunichtgut.“ Ich suchte das Gelände ab und musste auch nicht lange nach ihnen sehen. Ihre Punkte mit ihren Namen verliefen sich kreuz und quer am Rand des Verbotenen Waldes entlang. Ich wurde neidisch. Ich hatte schon oft überlegt, mir den Zauber des Animagus einfach beizubringen, aber er war einfach zu schwer. Und dann war ich mir auch gar nicht sicher, was ich für ein Tier werden würde. Bei meinem Glück und Talent wahrscheinlich eine Schnecke oder bestenfalls eine Schildkröte. Ich sah noch einmal auf die Karte, schloss sie dann wieder und steckte sie in meine Tasche. Einige Schüler waren noch im Gemeinschaftsraum. Aber meine Freunde waren nun mal da draußen und mir war langweilig. Da kam Lily durch das Porträtloch. Wir kamen ganz gut miteinander aus, aber sie konnte James nicht leiden. Und weil der die meiste Zeit mit mir und den anderen abhing, kamen wir nicht allzu oft ins Gespräch. Jetzt aber setzte sie sich neben mich an den Schreibtisch. „Hey Lia, wie geht's?“ „Ganz gut, und dir?“ „Auch. Wo sind denn die Jungs?“ fragte sie und sah sich um. „Irgendwo draußen“, sagte ich und nickte zum Fenster. „Und dich haben sie hier gelassen?“ „Ja, ich hatte noch ein paar Hausaufgaben zu machen.“ „Ach?“ Lily war immer neugierig, wenn es um die Jungs ging. Natürlich nur, wenn sie nicht da waren. Manchmal hatte ich den Verdacht, dass sie James vielleicht doch nicht so nervig fand, wie sie immer tat. Wir unterhielten uns ein wenig. Und dann war es auch schon wieder an der Zeit fürs Bett. Lily und ich teilten uns den Schlafsaal, also redeten wir noch ein wenig im Bett weiter, bis wir einschliefen. °°° Der nächste Morgen war ein Samstag, also schlief ich erst einmal aus. Zusammen mit Lily ging ich dann hinunter zum Frühstück. Die Jungs würden sicher bis Mittag im Bett bleiben, wenn sie die ganze Nacht draußen verbracht hatten. Während des Frühstücks fragte mich Lily, ob wir nicht zusammen nach Hogsmeade gehen wollten. Und da ich auch nichts anderes vorhatte, stimmte ich zu. Nach dem Frühstück reihten wir uns in die Gruppe der weiteren Schüler ein, die nach Hogsmeade wollten. Draußen war es angenehm warm. Man brauchte gar keine Jacke mehr zu tragen. Mit Lily den Tag zu verbringen war ganz anders als mit den Jungs. Zunächst mal plapperte sie ohne Punkt und Komma. Nicht dass es mich störte, aber es war schon gewöhnungsbedürftig. Trotzdem hatten wir mehr Spaß gemeinsam, als ich gedacht hätte. Gegen Mittag saßen Lily und ich in den Drei Besen über zwei Butterbier, als die Jungs herein geschneit kamen. Und als sie uns in der hinteren Ecke sitzen sahen, kamen sie natürlich sofort zu uns herüber. Ich bemühte mich meine schlechte Laune, die sie gestern bei mir hervorgerufen hatten, hinunterzuschlucken. Und das fiel mir leichter, als ich gedacht hatte, nachdem ich Remus gesehen hatte. Ich sprang von der Bank, als die Jungs vor unserem Tisch standen und starrte Remus mit großen Augen an. Abgesehen davon, dass er müde und fertig aussah, wie meistens nach einer Vollmondnacht, hatte er heute zusätzlich ein blaues Auge und Kratzer im Gesicht. Auch seine Arme waren mit blauen Flecken übersehen. „Bei Merlin!“ rief ich erschrocken und musterte sein Gesicht. „Was... was ist denn mit dir passiert!“ Ich merkte gar nicht, wie laut ich geworden war, da sich einige der anderen Gäste nach uns umgedreht hatten. Remus sah mich nur mit diesem entschuldigendem Ausdruck an und zuckte mit den Schultern. Sein Blick fiel kurz auf Lily, und ich wusste, dass er mir nicht vor ihr erzählen konnte, was sie gestern Abend gemacht hatten. Sie wusste nichts von seiner Veranlagung. Im Moment war mir das aber egal. Besorgt musterte ich ihn. Ich wollte ihm helfen, wusste aber nicht wie. Remus war ein besserer Zauberer als ich und konnte mit seinem Zauberstab mehr ausrichten. Ich wandte mich von Remus ab und sah die anderen an. James, Sirius und Peter standen da und wirkten, als ob sie gar nicht bemerkt hätten, wie schlimm Remus zugerichtet war. Ich trat auf sie zu. „Wart ihr das?“ fauchte ich sie an. Ich hörte, wie Remus mich zurückhalten wollte, aber ich schüttelte seine Hand einfach ab. „Habt ihr ihn so zugerichtet?“ Sirius hob abwehrend die Hände und James schien mir gar nicht zuzuhören. Sein Blick fiel verträumt auf Lily am Tisch. „Hey, er hats uns auch nicht gerade einfach gemacht!“ zischte Sirius zurück und mir fielen ebenfalls blaue Flecken auf seinen Armen auf. Ich wollte wissen was los war, aber wenn Lily zuhörte, würde das nicht funktionieren. „Los James, hol uns noch was zu trinken!“ gab ich ihm den Auftrag und drehte mich zu Lily um. „Könntest du ihm vielleicht tragen helfen?“ James und Lily starrten mich beide mit großen Augen an, aber mein Gesichtsausdruck ließ keine Ausrede zu, also machten sich die beiden Richtung Bar davon. Ich wandte mich wieder den Jungs zu. „Geht's noch?“ zischte ich und versuchte meine Stimme unten zu halten. „Habt ihr gesehen, wie Remus aussieht?“ „Sieh mich nicht so an“, meinte Peter nur und setzte sich. „Ich bin nur eine Ratte, ich hab ihn ganz sicher nicht so zugerichtet.“ Mein Blick fiel auf Sirius, der sich natürlich nicht einschüchtern ließ, lässig wie er war. „James und ich mussten Remus irgendwie bändigen. Sonst hätte er noch Hagrids Tür eingelaufen!“ „Müsst ihr ihn deswegen gleich so zurichten?“ giftete ich zurück. „Wenn du 'ne bessere Lösung hast einen Werwolf aufzuhalten, ich bin ganz Ohr.“ Sirius verschränkte die Arme vor der Brust. Entfernt konnte ich Lily kichern und James lachen hören. „Er hat Recht, Lia“, murmelte Remus hinter mir. „Sie mussten mich irgendwie aufhalten. Die paar Flecken sind ein geringer Preis dafür.“ Ich schloss einen Moment die Augen. Sirius ließ sich am Tisch nieder und James und Lily kamen mit den Getränken zurück. Ich war wütend. Ich wusste nicht auf wen. Am liebsten wollte ich allen eine verpassen. Naja, außer Lily. „Ich geh mal kurz frische Luft schnappen“, sagte ich schnell und verließ die Gruppe, ohne mich noch einmal zu ihnen umzudrehen. Ich eilte zwischen den Tischen hindurch hinaus aus dem Gasthaus. Die Mittagssonne schien warm über Hogsmeade. Ich entfernte mich ein paar Schritte von den Drei Besen und atmete tief ein und aus. Meine Wut flaute langsam ab. Um mich herum spazierten einige Schüler aus Hogwarts und niemand schien mich zu bemerken, bis mir jemand auf die Schulter tippte. Ich drehte mich um und da stand Remus. Er sah mich an. Sein Blick schien mich zu durchbohren. „Sei nicht sauer“, sagte er. „Sie mussten mich irgendwie aufhalten. Es ist nicht ihre Schuld.“ Ich sagte nichts, sondern sah ihn nur an. Sein zerschundenes Gesicht und seine zerzausten Haare. In dem Moment fielen mir die Bartstoppel an seinem Kinn auf. Seit wann hatte Remus einen Bart? Mein Blick fiel auf die blauen Flecken auf seinen Armen. Und seit wann waren seine Arme so muskulös? Ich sah zu ihm hoch. Größer als ich war er ja schon immer gewesen. Groß und drahtig, aber im Moment kam er mir gar nicht mehr so dürr vor. Er hatte Muskeln und breite Schultern und einen verdammten Bart! „Alles okay?“ fragte Remus und musterte mich etwas verwirrt, weil ich ihn solange anstarrte ohne etwas zu sagen. Verlegen wandte ich mich ab und tat, als würde ich mir das Schaufenster vom Honigtopf ansehen. „Klar“, murmelte ich und dann „tut es sehr weh?“ Remus blies laut Luft durch die Nase und schien erleichtert, dass ich ihn nicht mit Schweigen strafte. Er kratzte sich am Hals und lächelte kurz. „Nein, tut es nicht.“ Remus war nicht der Typ, der umarmte. Wir kannten uns jetzt schon seit sechs Jahren, doch immer wenn wir uns zum Abschied oder zur Begrüßung, oder aus welchem Grund auch immer umarmt hatten, war ich immer die erste gewesen, die die Initiative ergriff. Dazu war er zu scheu. Sogar jetzt noch nach diesen Jahren musste ich ihn immer als erstes umarmen. Er war mein bester Freund und ich umarmte ihn gerne. Er hatte so eine besondere Art mich zu halten. Eine Hand auf meinem Rücken und die andere um meine Hüfte. In diesem Moment wollte ich ihn umarmen, aber es kam mir irgendwie komisch vor. Ich drehte mich wieder zu ihm um und versuchte zu lächeln. „Deine Freunde sind Idioten“, scherzte ich und Remus lächelte ebenfalls. „Ich werds ihnen ausrichten“, meinte er. Sein Lächeln war immer noch dasselbe. Es hatte sich nicht verändert. Darüber war ich froh, und es gab mir auch schließlich den Anstoß ihn kurz zu umarmen. Ich musste mich zu ihm hoch strecken. „Bin kurz ausgeflippt“, murmelte ich, während er mir über den Rücken strich. Ich ließ wieder von ihm ab und betrachtete sein blaues Auge. „Du solltest es kühlen“, meinte ich. „Komm, vielleicht hat Madam Rosmerta ein paar Eiswürfel übrig.“ °°° „Gripsschärfungstrank... am Arsch!“ Ich ignorierte Sirius' Fluchen am Tisch neben mir, während er versuchte Ingwerwurzeln fein in Streifen zu schneiden. Peter war ihm keine große Hilfe. Sein Gesichtsausdruck sah wie ein einziges großes Fragezeichen aus. James und Lily widmeten ihrem Zaubertrank eher weniger Aufmerksamkeit. Seit sie sich so gut verstanden, konnten sie fast nicht die Hände von einander lassen. Remus neben mir las noch einmal in dem Rezept, während ich den Skarabäuskäfer zermahlte. Slughorn schritt durch die Reihen und gab ein paar Tipps. Remus' und mein Trank sah bis jetzt ganz in Ordnung aus. So wie immer, wenn ich mit Remus zusammen arbeitete. Wir gaben die letzten Zutaten in den Kessel und hingen ihn wieder übers Feuer. „Jetzt noch fünfzehn Minuten köcheln lassen“, las Remus und fing an unseren Platz leer zu räumen. Ich half ihm alles aufzuräumen und dann ließen wir uns wieder auf unseren Platz fallen. Fast gleichzeitig atmeten wir lange aus. Sirius fluchte noch ein paar Mal neben mir und Lily kicherte einen Platz hinter uns. Ich stützte meinen Kopf auf meinen Arm und ließ meinen Blick durch den Klassenraum gleiten. Mir würde das alles furchtbar fehlen. In wenigen Monaten wäre unser letztes Schuljahr hier beendet. Ich wurde traurig bei dem Gedanken und versuchte ihn abzuschütteln. Ich bemerkte wie Remus mich ansah und hob fragend eine Augenbraue. „Ich mag es nicht, wenn du so aussiehst“, meinte er und ich schnaubte. „Hab nur gerade daran gedacht, dass wir nur noch kurze Zeit hier in Hogwarts haben“, meinte ich und Remus nickte. „Zum Glück, dieses verdammte... aaah, Mistding!“ Sirius schleuderte seinen Käfer quer durch den Raum und lutschte an seinem Daumen, wo er sich geschnitten hatte. „Dann muss ich wenigstens keine Zaubertränke mehr brauen. Dann heißt es nur noch Freiheit.“ Ich rollte mit den Augen, während Sirius sich lässig an seinen Tisch lehnte. „Mir egal, was du denkst Sirius, aber ich werde Hogwarts vermissen“, erklärte ich. „Ja, klar. Sicher, ich werd auch so einiges hier vermissen, aber trotzdem. Das ganze Leben liegt noch vor uns!“ Ich ignorierte Sirius und wandte mich stattdessen dem Tisch hinter uns zu. „Ihr werdet mir doch schreiben, wenn wir nicht mehr in Hogwarts sind?“ fragte ich James und Lily, die jetzt aufhorchten. Sie nickten beide. „Ja, klar“, meinte Lily. „Ich schreib dir jede Woche.“ Lily und ich waren in den letzten Wochen richtig gute Freunde geworden. Jetzt da sie und James sich so gut verstanden, hatten die Jungs sie auch in ihr Werwolf-Animagi-Geheimnis eingeweiht. Sie war erstaunlich verständlich damit umgegangen, was mir wiederum den Beweis gegeben hatte, dass sie ein guter Mensch war. „Du schreibst mir auch, Remus“, sagte ich und wandte mich wieder ihm zu. Er lächelte und nickte. „Ich komm dich auch besuchen“, versprach er und ich lächelte zufrieden. „Und ihr schreibt mir auch“, sagte ich noch zu Sirius und Peter. Peter nickte nur und Sirius ließ ein Schnauben hören. „Ja, klar“, entgegnete er sarkastisch. „Jeden Tag, meine Liebste.“ „Das will ich dir auch raten!“ fügte ich in drohendem Unterton hinzu und Sirius grinste. „Echt jetzt... ich werde euch alle sehr vermissen.“ „Jetzt werd mal nicht melancholisch, Lia. Nur weil wir nicht mehr zusammen in die Schule gehen, heißt das doch nicht, dass wir uns nicht mehr sehen“, meinte Sirius und rückte näher an mich heran. Sein und Peters Zaubertrank schien ihn nicht mehr zu interessieren. Stattdessen legte er mir einen Arm um die Schultern. „Wir werden uns ganz oft sehen. Ja, ich seh uns alle schon vor mir, wie wir alle auf dem Land wohnen, nur ein paar Meilen voneinander entfernt, jeder in seinem eigenen, mit Efeu bewachsenen Steinhäuschen, und wie wir uns an den Wochenenden immer treffen und unsere Kinder werden beste Freunde, genau wie wir und sie wachsen alle zusammen auf und gehen dann alle zusammen nach Hogwarts, während wir in unseren Gärten hocken und zusammen Limonade trinken und über alte Zeiten lamentieren. Ja, so wird es sein.“ Er hielt seinen Arm vor sich ausgestreckt, als sehe er die besagte Szene vor sich im Raum schweben. Ich musste grinsen. „Mann Sirius, hör auf, sonst fang ich noch an zu heulen“, meinte ich und schniefte theatralisch. James und Lily lachten und Sirius grinste. Remus lächelte leicht und ich wandte mich unter Sirius Arm heraus. Slughorn kam an unserer Reihe vorbei und Sirius tat beschäftigt. Ich wandte mich wieder an Remus. „Du musst mich wirklich besuchen kommen“, murmelte ich. „Natürlich“, meinte er und ich lächelte. °°° Ein paar Tage später machte ich mich am Abend auf zu Hagrid. Lily konnte mich leider nicht begleiten, da sie bei einem Treffen des Slug-Clubs war. Und wo die Jungs sich schon wieder herumtrieben, wusste ich nicht. Als ich vor dem kleinen Steinhäuschen stand klopfte ich an die Tür. Während ich darauf wartete, dass sie geöffnet wurde, schaute ich mich um. Das würde mir alles unheimlich fehlen. Hagrids Garten mit dem übergroßen Gemüsearten, die er züchtete und die vielen magischen Wesen, die er immer anschleppte. Mit einem Quietschen öffnete sich die große Holztür und Hagrid steckte seinen bärtigen Kopf nach draußen. „Lia, was für eine Überraschung! Komm rein, na komm!“ Er zog mich an den Schultern nach drinnen und platzierte mich auf einem Stuhl an dem runden Holztisch. „Hallo Hagrid, ich stör doch nicht?“ fragte ich und ließ meine Beine über den hohen Stuhl baumeln. „Nicht doch! Freut mich, dass du vorbei schaust! Wie geht's denn?“ Hagrid stellte zwei Tassen auf den Tisch und füllte heißes Wasser hinein. Dann ließ er sich mir gegenüber auf seinen Stuhl sinken. „Ganz gut. Bin in letzter Zeit etwas traurig, weil das mein letztes Jahr hier ist. Ich werde Hogwarts vermissen.“ Hagrid nickte und stellte einen Teller mit Keksen auf den Tisch, von dem er sich selbst gleich einen nahm. Er biss ab und mir tat schon vom bloßen Anblick der Kiefer weh. Hagrids selbstgebackenen Felsenkekse waren nichts für schwache Zähne. „Die Zeit vergeht so schnell. 'S kommt mir vor wie gestern, als ich euch's erste Mal vom Hogwarts-Express abgeholt hab. Dich und Sirus, James, Remus und alle anderen. Ihr wart alle noch so klein und jetz... und jetz... sieh dich an, so erwachsen...“ Hagrid holte ein großes gepunktetes Taschentuch hervor und schnäuzte hinein, sodass die ganze Hütte vibrierte. „Oh Hagrid, sei nicht traurig, ich komm dich ganz oft besuchen, ja?“ So ging die Unterhaltung weiter. Hagrid brach immer wieder in Tränen aus und ich musste ihn beruhigen. Zum Schluss vermied ich es über den Abschluss zu sprechen. „Wo sind'n die andern überhaupt“, fragte Hagrid und tupfte sich die Augen. „Sonst klebt ihr doch auch zusammen wie 'n paar Sirupbonbons.“ „Lily ist bei einem Treffen des Slug-Clubs und frag mich nicht, wo die Jungs schon wieder sind. Aber sie kommen dich sicher auch noch besuchen, bevor wir... naja, du weißt schon.“ Ich hatte versucht es nicht auszusprechen, aber Hagrid war schon wieder in Tränen ausgebrochen und ich versuchte ihn zu trösten. Ich lenkte das Thema auf sein Lieblingsthema: Magische Wesen. Hagrid plapperte drauf los, ganz in seinem Element. Ich trank Tee und versuchte auch einen seiner Kekse, nachdem ich ihn zuvor ein paar Minuten in meiner Teeschale eingeweicht hatte. Ich bemerkte gar nicht, wie es draußen immer dunkler wurde. Hagrid fiel es schließlich auf. „Oh, 's ist ja schon dunkel draußen! Lia, ich glaube, du solltest dich jetzt lieber auf'n Weg ins Schloss machen. Sonst bekommst du noch Ärger, wenn du so spät unterwegs bist.“ „Ja, hast Recht. Ich schau noch mal vorbei, mit den anderen dann.“ „Das würde mich freuen.“ Ich umarmte Hagrid und ihm kullerten schon wieder ein paar Tränen übers Gesicht. Er hielt mir die Tür auf und ich ging nach draußen. Es war noch angenehm warm. „Wenigstens scheint der Mond, sodass es hell genug ist, damit du den Weg findest“, meinte er und mit diesen Worten schloss er die Tür. Ich starrte in den Himmel. Der Mond stand gerade über dem verbotenen Wald und mit einem Mal durchfuhr mich ein Schaudern. Es war Vollmond! Ich hatte gar nicht daran gedacht! Erschrocken sah ich mich um. Alles war ruhig. Ein paar Eulen flogen über meinen Kopf hinweg in den Wald um auf die Jagd zu gehen. Aber sonst war nichts zu hören außer ein paar Grillen. Mit schnellen Schritten machte ich mich auf den Weg hinauf zum Schloss. Ich hielt meinen Zauberstab griffbereit und ging mit gespitzten Ohren auf jedes Geräusch achtend den steilen Weg nach oben. Ich blickte in alle Richtungen um mich herum. Der Mond erhellte das ganze Gelände, aber es war nichts zu sehen. Als ich an der Holzbrücke angelangt war, drehte ich mich noch einmal um. Nichts war zu hören. Sogar die Grillen waren verstummt. Die Stille fühlte sich unangenehm an. Wind fuhr in meine Kleider und ich bemerkte erst jetzt, dass sich Schweiß auf meinem Rücken gesammelt hatte. Ein Schauer bereitete mir eine Gänsehaut. Ich hielt meinen Zauberstab vor mir ausgestreckt und setzte meinen Weg fort, flach atmend, sodass ich Geräusche um mich herum besser wahrnehmen konnte. Als ich einen Fuß auf die Brücke setzen wollte, hörte ich plötzlich ein tiefes Knurren hinter mir. Ein Schauer durchfuhr mich und die Angst, die mich in dem Moment überkam ließ mich schwindlig werden, als ich mich langsam umdrehte. Vor mir stand ein riesiger Werwolf, der mich mit funkelnden gelben Augen und zähnefletschendem Maul anblickte. Ich musste einen Schrei unterdrücken. Zitternd versuchte ich mich zu bewegen und trat langsam einen Schritt nach hinten, worauf ein weiteres Knurren tief aus der Kehle des Wolfes entfuhr. Vor Schreck hielt ich in der Bewegung inne. Er war doppelt so groß wie ich, mit Klauen so lang wie meine Hände. Ich war starr vor Angst. Trotzdem suchte ich irgendwie meine Stimme. „Remus, ich bins. Lia, deine Freundin.“ Als ich so sprach ging ich einen weiteren Schritt nach hinten, aber der Werwolf folgte mir. Seine riesigen Klauen an den Füßen klapperten auf dem Holz der Brücke. „Erkennst du mich nicht? Du bist doch mein Freund, Remus.“ Ich versuchte das Zittern in meiner Stimme zu unterdrücken, was mir nicht allzu leicht fiel. Doch war ich froh, dass ich überhaupt einen Ton heraus brachte, wenn auch um eine Oktave höher als üblich. Mein Herz klopfte mir bis zum Hals. „Bitte tu mir nichts“, flüsterte ich mit heißerer Stimme, als ich noch einen Schritt nach hinten machte. Der Werwolf blickte mich immer noch mit funkelnden Augen an und kurz glaubte ich, dass er mir nichts tun würde. Aber dann stieß er ein markerschütterndes Geheul aus und stürzte auf mich zu. Ich rannte los, die Brücke entlang, so schnell ich konnte. Panik überkam mich und Bilder vor meinem inneren Auge spielten meinen Tod ab. Hinter mir konnte ich das laute Klappern der Klauen auf dem Holzboden hören. Ich wusste, dass ich keine Chance hatte, einem Werwolf zu entkommen, trotzdem lief ich weiter. Ich schoss ein paar Flüche nach hinten, die aber nicht allzu viel nützten. Ich bekam dadurch nur ein wenig Vorsprung, und mit letzter Kraft stolperte ich von der Brücke und stand vor dem Portal des Schloss. Ich hielt drauf los, aber musste anhalten, da der Werwolf plötzlich vor mir stand. Er war über meinen Kopf hinweg gesprungen und versperrte mir nun den Weg. Ich konnte einen Aufschrei nicht unterdrücken. Der Werwolf kam auf mich zu. Als er zum Sprung ansetzte duckte ich mich instinktiv und hob die Hände schützend über meinen Kopf. Plötzlich tauchte ein riesiger schwarzer Hund hinter mir auf und knurrte den Werwolf drohend an. Sirius ging in Sprungstellung und sprang über mich hinweg auf Remus zu. Lautes Bellen und Kläffen unterbrochen von den Beiß- und Kratzgeräuschen ließen mich noch mehr erschauern, als zuvor. Ich war vor Angst wie gelähmt. Trotzdem hob ich den Kopf und sah nun Remus und Sirius, die miteinander kämpften. Und für Sirius sah es nicht allzu gut aus. Der Werwolf war viel größer und stärker. Ich vernahm das Aufheulen von Sirius, als Remus ihn mit seiner Pranke in die Rippen stieß. Sirius wurde gegen den Brückenpfosten geschleudert und winselte vor Schmerzen. „Hör doch auf!“ schrie ich unter Tränen und der Werwolf blickte mich wieder an. Er fletschte seine Zähne. Ich wusste, dass ein Werwolf nichts mehr Menschliches an sich hatte, trotzdem sah ich immer noch Remus vor mir stehen. Der Werwolf kam wieder auf mich zu und ich rührte mich nicht vom Fleck. Vor lauter Schreck hörte ich nicht einmal die Hufe, die hinter mir über die Holzbrücke galoppiert kamen. James als Hirsch kam angelaufen und scheuchte den Werwolf mit seinem Geweih nach hinten, weg von mir. Sirius hatte sich inzwischen auch wieder aufgerappelt und ging wieder auf Remus los. „Tut ihm nicht weh!“ rief ich und nahm meine ganze Kraft zusammen, um aufzustehen. Ich versuchte das Schloss zu erreichen. Vielleicht konnte ich Hilfe holen. Ich schlich an den kämpfenden Freunden vorbei, aber der Werwolf hatte mich schon wieder ins Visier genommen. Er stieß Sirius und James weg und hielt auf mich zu. Er holte wieder mit seiner Pranke aus und schlug zu. Ich spürte einen höllischen Schmerz in meinem Unterarm, an dem er mich erwischt hatte. Der Schmerz brannte den ganzen Arm entlang. Ich sah Blut und vier riesige Krallenwunden aus denen es hervor sickerte. Vor meinem Blickfeld wurde es neblig. Ich sah noch, wie Remus zu einem zweiten Schlag ausholen wollte, aber Sirius angesprungen kam und seine Pranke packte. Er biss sich so daran fest, dass der Werwolf ihn nicht mehr abbekam. Auch James kam wieder angelaufen und trieb den Wolf mit seinem Geweih von mir weg. Ich drückte meinen Arm an meinen Körper, und sackte auf den Boden. Der Nebel wurde immer dunkler. Ich spürte das warme Blut auf meiner Haut und glaubte meinen Namen zu hören. Doch bevor ich ausmachen konnte, wer nach mir rief oder woher die Stimme kam, wurde es schwarz vor meinen Augen. °°° Meine Augenlieder fühlten sich so schwer an, dass es unheimlich schwierig wurde sie zu öffnen. Es kostete mich einiges an Kraft und Geduld. Und als sie endlich offen waren, blendete mich das Licht unangenehm in den Augen, sodass ich sie gleich wieder zusammen kniff. Es pochte in meinem Arm und als ich versuchte ihn zu bewegen, durchfuhr mich brennender Schmerz und ich biss die Zähne aufeinander. Ich hatte also nicht geträumt. Ein Werwolf hatte mich angegriffen. Remus. Mit ganzer Kraft öffnete ich wieder die Augen und behielt sie diesmal offen. Ich war im Krankenflügel. Durch die Fenster schien heller Sonnenschein. Madam Pomfrey kam aus ihrem Büro gewuselt und als sie sah, dass ich wach war, kam sie an mein Bett. „Na Kindchen, wie fühlst du dich?“ fragte sie und blickte mich besorgt an. Sie zauberte ein Thermometer hervor und steckte es mir in den Mund. Ich wollte etwas sagen, mein Mund war aber furchtbar trocken und ich bekam keinen Ton heraus. Stattdessen fiel mein Blick auf den Verband an meinem linken Unterarm. Ich wollte versuchen ihn zu heben, aber sogleich schoss der Schmerz in meine Glieder und fraß sich durch jeden einzelnen Finger meiner linken Hand. Madam Pomfrey nahm das Thermometer und sah es sich an. „Deine Temperatur ist in Ordnung, vielleicht etwas zu niedrig. Was du jetzt brauchst ist Schlaf.“ Sie wuselte davon und ich war wieder allein. Mein Blick fiel auf den Nachttisch, wo in einer Vase ein paar Wiesenblumen standen. Das sah nach Lily aus. Ich wünschte mir, dass sie hier wäre. Und auch die Jungs. Vor allem Remus. Ich musste wieder eingeschlafen sein, denn als ich das nächste Mal die Augen öffnete, saß Lily auf dem Stuhl neben meinem Bett. Sie lächelte leicht, als sie sah, dass ich wach wurde und griff nach meiner gesunden Hand. „Hey“, sagte sie. „Wie geht's dir?“ „Super“, entgegnete ich mit kratziger Stimme und war in der Lage mich ein wenig aufzusetzen. „Wie geht's den Jungs? Ist Remus okay?“ Lilys Gesicht nahm einen komischen Ausdruck an. „Er ist okay, ja“, meinte sie. „Aber Lia, er... er ist fertig. Ich meine richtig fertig. Er macht sich solche Vorwürfe.“ „Kannst du... kannst du ihn nicht holen?“ bat ich meine Freundin und meine Stimme zitterte. „Ich weiß doch, dass er nichts dafür konnte, das weiß ich Lily! Er hat keine Grund sich Vorwürfe zu machen.“ Ich spürte Tränen in meinen Augen, konnte sie aber unterdrücken. Im Moment wollte ich nur Remus sehen. Ich kannte ihn und konnte mir deshalb genau vorstellen, was Lily meinte. Er machte sich selbst bestimmt total fertig. „Ja, das hab ich ihm auch gesagt“, meinte sie. „Wir alle haben versucht es ihm klar zu machen. Aber er hat total dicht gemacht. Er geht uns aus dem Weg. Wir kommen nicht an ihn heran.“ Lily kam näher und flüsterte: „Er hat sogar Dumbledore darum gebeten, ihn von der Schule zu werfen.“ Ich starrte Lily an. Einen Augenblick lang ignorierte ich den Schmerz an meinem Arm vollkommen, als ich mich aufrichtete und Lilys Hand in meiner fester umschloss. „Das... das darf er nicht!“ rief ich und war überrascht, dass meine Stimme wieder mehr Kraft gefunden hatte. „Ich werde zu Dumbledore gehen und ihm sagen, dass er das nicht tun kann!“ Ich war schon fast aus dem Bett, als Lily mich wieder sanft zurück schob. Sie schüttelte den Kopf. „Professor Dumbledore will Remus gar nicht rauswerfen, Lia“, erklärte sie. „Er weiß, dass es ein Unfall war.“ Etwas beruhigter setzte ich mich wieder hin. Wenn das alles stimmte, musste ich Remus sofort sehen. Plötzlich flog die Tür zum Krankenflügel auf und James, Sirius und Peter kamen herein geplatzt. Sie kamen gleich auf mein Bett zu. „Na, wieder unter den Lebenden?“ fragte Sirius und schob einen Stuhl ans Bettende, wo er sich hinsetzte. James und Peter setzten sich ebenfalls. „Na, wie geht’s dir?“ „Geht so“, meinte ich. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass Remus mit den Jungs auftauchen würde, trotzdem war ich enttäuscht. „Tut's sehr weh?“ fragte James mit einem Blick auf meinen Arm. „Nein“, log ich. Die drei sahen ziemlich mitgenommen aus. Sirius hatte eine Narbe auf der Wange und James Ohr war verbunden. Auch Peter sah schlecht aus. „Danke. Dass ihr mich gerettet habt und so. Wirklich, ohne euch wäre ich nicht hier.“ Sirius grinste schief und tätschelte sacht die Bettdecke über meinem Bein. „Klar doch“, meinte James und Peter nickte. „Ich kann... ich kann mich nicht mehr genau erinnern, was passiert ist“, murmelte ich. Meine Freunde warfen sich alle Blicke zu und Sirius Grinsen verschwand aus seinem Gesicht. Einen Moment sagte niemand ein Wort, bis Sirius es mir erzählte. „Nachdem Remus' dich erwischt hatte, bist du ohnmächtig geworden. Ich hab versucht ihn von dir wegzulocken und James hat ihn schließlich in den Wald zurück jagen können. Ich hab mich zurück verwandelt und dich hierher gebracht. Du hast so viel Blut verloren, dass ich wirklich dachte, das wars. Die Spur, die wir vom Portal bis hier hoch hinterließen, hätte jedem Gemetzel alle Ehre gemacht. Madam Pomfrey hat sich gleich um dich gekümmert und da ich nichts tun konnte, bin ich wieder raus zu den anderen. Remus war irgendwo im Wald und wir blieben draußen, bis die Nacht vorbei war...“ Sirius hielt inne und sah einen Moment auf seine Füße und dann schließlich wieder mich an. „Du hättest Remus Gesichtsausdruck sehen sollen, als wir ihm erzählt hatten, was passiert war.“ „Er ist sofort hierher gelaufen und wir ihm nach“, erzählte James. „Er schlug fast die Tür ein, als er in den Krankenflügel kam. Madam Pomfrey musste Dumbledore holen, da er nicht gehen wollte, ohne dich zu sehen. Du lagst aber hinten und es durfte niemand zu dir. Dumbledore konnte ihn schließlich dazu bewegen zurück in den Schlafsaal zu gehen und zu warten, bis du außer Gefahr warst.“ „Ich kann dir sagen, wir haben kein Auge zu getan. Remus saß auf seinem Bett und hat keinen Ton mehr gesagt, sondern starrte nur vor sich hin. Egal, was wir sagten, um ihm die Schuld zu nehmen, er nahm uns gar nicht wahr.“ Der Schmerz in meinem Arm war nichts im Vergleich zu dem, was ich jetzt fühlte. Ich bemerkte, dass mir Tränen über die Wangen liefen und ich strich sie mit meiner heilen Hand weg. „Wo ist er denn?“ fragte ich und meine Stimme versagte, als weitere Tränen kamen. „Könnt... könnt ihr ihn nicht her-herbringen?“ „Wir wissen nicht, wo er ist“, sagte Peter. „Als wir heute Morgen erfahren haben, dass du wieder gesund werden würdest, ist er verschwunden und wir haben ihn seitdem nicht mehr gesehen.“ „Er war nicht mal im Unterricht. Remus hat noch nie geschwänzt. Keine Ahnung, wo er ist“, meinte Sirius niedergeschlagen. Eine Minute sagte niemand ein Wort. Lily strich immer noch über meine gesunde Hand und lächelte mich aufmunternd an. „Das wird schon wieder“, hörte ich sie dann sagen. „Ich bin nur froh, dass du wohlauf bist.“ „Ja, Remus braucht nur etwas Zeit um sich abzureagieren“, stimmte Sirius zu. „Wird wieder.“ Sirius Wiederholung von Lilys Worten spendete nur wenig Trost, da es klang, als würde er selbst nicht glauben, was er da sagte. Ich wischte die letzten Tränen weg und nickte. „Klar“, murmelte ich. Ich ließ mich wieder zurück in die Kissen sinken und drückte meinen verletzten Arm an meinen Körper. Es pochte unangenehm unter dem Verband. Mein Blick fiel auf den Nachttisch, auf dem mein Zauberstab lag. Wenn ich eine bessere Hexe wäre, wäre das alles vielleicht nicht passiert. Oder wenn ich einfach auf den Mond geachtet hätte. Ein Klopfen kam von der Tür des Krankenflügels und gleich darauf trat Dumbledore in den Raum. Sein Blick fiel sogleich auf mich, und da ich die einzige Patientin hier war, musste er wohl zu mir wollen. Er trat an mein Bett und Sirius und Peter machten ihm Platz. Auch James und Lily standen auf und zogen sich zurück. Sie winkten mir noch einmal zu, bevor sie den Krankenflügel verließen und es wieder still wurde. „Miss Burnside, wie geht es Ihnen?“ fragte er und hob seine weißen Augenbrauen. „Es geht, Professor“, antwortete ich. „Haben Sie Schmerzen?“ Ich nickte und Dumbledore nickte ebenfalls wissend und drehte sich nach rechts, Richtung Madam Pomfreys Büro und dann wieder zu mir. „Ich werde Madam Pomfrey ausrichten, dass sie Ihnen ein Schmerzmittel geben soll, und etwas damit Sie schlafen. Das ist jetzt sehr wichtig, damit Sie sich wieder erholen.“ „Ja, ich weiß, aber Professor, ich-“ „Ich denke, dass Mr. Lupin auch später noch hier sein wird. Zuerst einmal erholen Sie sich.“ Ich schloss meinen Mund wieder und nickte. Dumbledores Lippen formten sich kurz zu einem Lächeln unter dem langen Bart. „Ihr Freund hat mich um den Ausschluss von Hogwarts gebeten. Er macht sich große Vorwürfe, aber ich konnte ihn zum Bleiben überreden, wenn es Ihnen Recht ist.“ „Ja, natürlich! Es war doch nicht seine Schuld, dass sag ich doch die ganze Zeit! Ich bin selbst schuld, weil ich nicht auf den Mond geachtet hab.“ Dumbledore sagte nichts, sondern nickte nur wieder. „Sie haben ein paar sehr gute Freunde, Miss Burnside. Ich bin mir sicher, Sie werden noch viel Besuch bekommen, solange Sie hier bleiben müssen. Und das wird wohl noch eine Weile sein. Wir müssen sicher gehen, dass Sie nicht mehr als diese Verletzung an Ihrem Arm davongetragen haben.“ Es dauerte einen kurzen Moment, bis ich verstand, was er meinte. Ich hatte noch gar nicht daran gedacht, dass ich durch Remus Angriff vielleicht etwas von der Krankheit abbekommen haben könnte. „Ich will Ihnen keine Angst machen, Miss Burnside. Bis jetzt sieht alles ganz normal aus“, erklärte Dumbledore auf meinen Gesichtsausdruck hin. „Ich werde Ihnen jetzt wieder ein bisschen Ruhe gönnen. Ruhe und vielleicht ein Päckchen Zitronendrops würden Ihnen ganz gut tun.“ Mit einer Bewegung seines Zauberstabes erschienen die Bonbons auf meinem Nachttisch, bevor Dumbledore auch schon Richtung Madam Pomfreys Büro davon rauschte. Ich steckte mir ein Bonbon in den Mund und legte mich hin. Ich würde wirklich ein Schlafmittel brauchen, denn ohne lag ich nur grübelnd da. Madam Pomfrey erschien dann auch nach ein paar Minuten mit einem Becher ekelhaft schmeckender Flüssigkeit. Ich leerte sie mit drei großen Schlucken und bemerkte kaum, wie Sekunden darauf der Schlaf mich übermannte. °°° Keine Ahnung, wie lange ich geschlafen hatte. Als ich meine Augen wieder öffnete, dämmerte es draußen, wobei ich nicht wusste, ob Abend- oder Morgendämmerung. Ich lag auf der Seite, auf meinen gesunden Arm und drehte mich auf den Rücken. Mein linker Arm pochte, aber es war auszuhalten. Ich hatte furchtbaren Durst, fand aber keine Kraft um aufzustehen und mir ein Glas Wasser zu holen. Blind tastete ich nach meinem Zauberstab auf dem Nachttisch und im nächsten Moment erklang das hohle Klappern, als er auf den Boden fiel. Und einen Moment später drückte mir jemand den Zauberstab in meine Hand. Ich erschrak so sehr, dass ich mich aufsetzte und herum fuhr. Schmerz durchfuhr meinen Arm, aber ich ignorierte ihn, weil ich Remus neben meinem Bett auf einem Stuhl sitzen sah. „Was brauchst du denn?“ fragte er und klang ungewohnt tonlos. Er blickte auf meine Hand, die den Zauberstab hielt und dann wieder in mein Gesicht. Ich starrte ihn noch einen Augenblick an, bevor ich ihm antwortete. „Wasser“, sagte ich nur und Remus stand auf und ging zu dem Waschbecken auf der anderen Seite des Raumes. Er gab mir das Glas Wasser und setzte sich wieder auf den Stuhl. Ich trank aus, ohne meinen Blick von ihm zu nehmen. Als ich fertig war, nahm Remus mir das Glas wieder ab und stellte es auf den Nachttisch. Sein Blick war leer, als er mich wieder ansah. Er war leichenblass und seine Arme waren zerkratzt und vernarbt. Auf seiner Stirn klebte ein Pflaster und seine Lippe war offen. Seine Augen wirkten düster und müde zugleich. Sein Anblick konnte einem Angst machen. Aber ich kannte Remus. Er war mein bester Freund und wer ihn kannte, wusste, dass man vor ihm keine Angst haben musste. Trotzdem beunruhigte mich sein Blick. „Ist alles okay mit dir?“ fragte ich, weil er kein Wort mehr sagte. „Remus?“ Er schien beim Klang seines Namens zusammen zu zucken. Ich wollte seine Hand nehmen, aber er entzog sie mir. „Okay, hör zu“, sagte er darauf und blickte auf die Bettdecke. „Ich... ich hätte dich fast umgebracht, und wenn James und Sirius nicht gewesen wären, dann wäre es auch passiert. So... und jetzt frage ich mich, was mit dir falsch läuft, dass du überhaupt noch mit mir sprichst.“ Er sah mir wieder in die Augen und sein Blick war so voller Selbsthass, dass ich einen Moment wirklich Angst bekam. „Nein, du... du konntest doch nichts dafür!“ „Das ist völlig egal! So etwas durfte nicht passieren! So etwas darf nicht passieren... nie mehr!“ fügte er noch hinzu und stand von seinem Stuhl auf. Er wollte schon gehen, während ich ihm immer noch perplex hinterher starrte. „Remus! Bleib hier! Es ist doch nichts passiert!“ rief ich ihm nach und er hielt abrupt inne. Mit schnellen Schritten kam er wieder auf mich zu und beugte sich über mich. „Nichts passiert?“ funkelte er mich an. „Du nennst das nichts passiert! Um ein Haar wärst du so ein Monster wie ich geworden, oder schlimmer...!“ Er stockte und blickte an die Decke. Ich war den Tränen nahe, als ich ihn so sah. Ich wollte aufstehen, ihn umarmen, ihm helfen, aber als ich mich rührte, drückte er mich wieder zurück ins Bett. Seine braunen Augen sahen so traurig aus, dass ich fast nicht hinsehen konnte. Sein Blick glitt auf meinen verbundenen Arm und er wandte sich wieder von mir ab. „Remus, bitte...“, flüsterte ich und meine Stimme versagte. „Ich werde dir nicht mehr wehtun, Lia.“ Bevor ich noch etwas sagen konnte, war er schon durch die Tür verschwunden. Als Lily eine halbe Stunde später auftauchte, starrte ich immer noch auf die Tür, durch die Remus verschwunden war. Als sie mich sah, fragte sie, was passiert war, aber ich konnte es ihr nicht erzählen, weil in dem Moment die Tränen kamen. °°° Nach einer Woche wurde ich aus dem Krankenflügel entlassen. Mein Arm war immer noch verbunden, aber es tat nicht mehr ganz so weh. Wenn ich ihn nicht bewegte, spürte ich kaum etwas. Ob ich davon abgesehen vollkommen von den Wirkungen des Angriffes verschont geblieben war, würde sich erst beim nächsten Vollmond zeigen. Die ganze Woche über hatten die Jungs und Lily versucht mit Remus zu sprechen. Aber entweder war er unauffindbar oder er ignorierte sie vollkommen. So hatte es Lily mir jedenfalls erzählt. Remus war hier nicht mehr aufgetaucht, seit seinem letzten Besuch. Jeden Tag hatte ich darauf gehofft, dass er sich wieder einkriegen würde. Stundenlag war ich wach gelegen und hatte über seine Worte nachgedacht. Das hatte dann meist damit geendet, dass ich mich schließlich in den Schlaf geheult hatte. Ich war richtig froh, als ich wieder in den Unterricht durfte, auch wenn das wieder Lernstress bedeutete. Die Abschlussprüfungen standen an. Ich hatte im fünften Jahr meine ZAGs in Verteidigung gegen die dunklen Künste, Zaubertränke, Verwandlung, Zauberkunst, Pflege magischer Geschöpfe und Astronomie bestanden und ich hatte auch vor meine UTZ darin zu bestehen. Aber vorher musste ich noch etwas klären. Montagmorgens stand ich mit Lily vor dem Klassenzimmer für Verwandlung und wartete auf McGonagall. Lily strahlte und erklärte die ganze Zeit, wie froh sie war, dass ich wieder hier war. Und ich war auch froh. Die Schülermenge wurde immer größer vor dem Klassenzimmer. Auch Sirius, James und Peter tauchten bald darauf auf. Aber von Remus keine Spur, und es wusste auch niemand, wo er war. „In letzter Zeit taucht er immer kurz vor Unterrichtsbeginn auf, sodass wir keine Chance mehr haben mit ihm zu reden. Und kaum läutet es, verschwindet er auch schon wieder“, erklärte James. „Unser Moony... warum muss er auch alles immer so ernst nehmen?“ meinte Sirius und kratzte sich mit seinem Zauberstab am Rücken. Er warf einen Blick auf mich. „Ich meine, versteh das nicht falsch, aber schließlich lebst du ja noch, also könnte er mit den Selbstvorwürfen endlich aufhören. Das nervt.“ Lily zwickte Sirius in die Seite und er zuckte zusammen. In dem Moment öffnete McGonagall auch das Klassenzimmer und die Schüler strömten hinein. Ich setzte mich auf meinen gewohnten Platz in die vorletzte Reihe, Sirius neben mich, aber der Platz auf meiner anderen Seite blieb leer. Normalerweise saß Remus dort. Ich drehte mich um, und sah gerade, wie er als Letzter ins Klassenzimmer gehuscht kam und sich in der letzte Reihe auf dem Platz ganz außen nieder ließ. Er sah immer noch furchtbar blass aus, aber dafür war sein Gesicht wieder fast verheilt. Remus sah nicht zu mir, aber ich starrte ihn die ganze Zeit an, sodass ich erst bemerkte, dass McGonagall mit mir sprach, als sie neben mir stand. „Miss Burnside, hätten Sie die Güte meinem Unterricht zu folgen? Ich sagte Seite 261 im Buch aufschlagen!“ Ich tat wie mir geheißen und kramte das Buch hervor. Trotzdem konnte ich mich den restlichen Unterricht nicht richtig konzentrieren. Ich warf öfters einen Blick nach hinten, aber Remus Gesicht war starr auf sein Buch vor sich gerichtet. Sirius lümmelte auf seinem Stuhl neben mir und ließ kleine Funken aus seinem Zauberstab sprühen. Lily tuschelte mit James einen Platz weiter. Ich fühlte mich plötzlich so allein. Doch ich hatte keine Zeit mich weiter schlecht zu fühlen, da McGonagall mich aufforderte den Zauber, den wir gerade besprachen, vorzuführen. Ich schaffte ihn mehr schlecht als recht und fühlte mich noch mieser, als es endlich zum Ende der Stunde klingelte. Ich drehte mich um und sah nur noch, wie Remus Umhang durch die Tür verschwand. Mies gelaunt begab ich mich in den Astronomie-Turm während die anderen sich in ihre Fächer aufmachten. Astronomie war nicht so voll belegt wie Verwandlung. Wir waren nur eine Handvoll Schüler und jeder bekam immer sein eigenes Teleskop. Normalerweise mochte ich den Unterricht sehr gerne, aber heute war er mir zu viel. Und da es eine Doppelstunde war, war ich echt fertig, als ich endlich den Turm verließ und mich in die große Halle zum Mittagessen aufmachte. James, Lily, Sirius und Peter waren auch schon da. Und von Remus fehlte wieder jede Spur. Missmutig ließ ich mich auf die Bank fallen. Ich hatte nicht allzu großen Appetit, zwang mich aber trotzdem etwas zu essen. Remus tauchte zum Essen überhaupt nicht mehr auf. Als ich fertig war, brachte ich meine Schulsachen hinauf in den Gemeinschaftsraum. Ich hatte jetzt eine Freistunde und nahm mir vor Remus zu suchen. Ich ging im Kopf die Plätze durch, an denen wir uns gerne aufgehalten hatten. Vielleicht war er dort ja irgendwo. Als ich an den See kam, saßen dort vereinzelte Schülergruppen und genossen den schönen Tag. Die Sonne schien warm und einige Schüler standen mit hochgekrempelten Hosenbeinen am Ufer des Sees. Weiter draußen räkelte sich der Kraken im Wasser. Ich blieb einen Moment am Ufer stehen und überlegte. Remus war an keinen der alten Plätze im Schloss gewesen. Ich war im Raum der Wünsche und in der Bibliothek gewesen. Der Gemeinschaftsraum war auch leer gewesen. Jetzt musste ich hier draußen weiter suchen. Am See war er schon mal nicht. Also ging ich weiter. Ich kam an Hagrids Hütte vorbei und plötzlich kam mir eine Eingebung. Ich marschierte auf den verbotenen Wald zu. Das war zwar keiner unserer Plätze gewesen, aber die Jungs hielten sich an Vollmondnächten häufig hier auf. Also kannte sich Remus hier aus. Keine Ahnung, ob ich mit meiner Vermutung Recht hatte, aber ich ging trotzdem darauf zu. Für Schüler war er ja verboten. Etwas unschlüssig stand ich vor den dunklen Bäumen, die sogar an diesem sonnigen Tag dunkel und kalt wirkten. Ich spähte hinein. Es gab keine Geräusche, bis auf die des Waldes und der Tiere darin. Einen Moment lang wollte ich wieder umdrehen, aber ich fasste mir ein Herz und betrat den Wald. Nach wenigen Schritten schon verschluckten die dichten Baumkronen das Tageslicht und es wurde düster und kühler um mich herum. Sicherheitshalber holte ich meinen Zauberstab hervor. „Komm raus!“ rief ich in eine Richtung und drehte mich dann wieder in eine andere. „Komm raus, oder ich werde noch tiefer in den Wald hinein gehen um dich zu suchen!“ Ich hatte keine Ahnung, ob Remus mich hörte. Ich hoffte es jedenfalls. Denn eigentlich wollte ich nicht weiter in den Wald hinein gehen. Ich suchte mir einen Baum ein paar Meter weiter entfernt aus und steuerte ihn an. Weiter wollte ich nicht gehen. Spätestens wenn ich dort angekommen war, musste ich umkehren. „Geh nicht weiter.“ Remus trat hinter einem Baum hervor, als ich ein paar Schritte weiter gegangen war. Erleichtert drehte ich mich zu ihm um. Er hatte seine Hände tief in den Taschen vergraben und blieb neben dem Baum stehen. Ich ging auf ihn zu, aber er wich zurück, als ich näher kam. „Nicht“, sagte er. „Was?“ rief ich, weil Remus mich in dem Moment extrem wütend machte. „Kann ich nicht zu dir kommen? Das mache ich nämlich. Weil du mein Freund bist, Remus. Ja, weißt du noch?“ Er sagte nichts, sondern schaute auf den Boden. „Was machst du hier?“ sagte er schließlich, ohne aufzusehen. „Hier ist es gefährlich.“ „Das könnte ich dich auch fragen“, sagte ich. „Oh nein, ich weiß ja, was du hier machst. Du versteckst dich vor den anderen und mir auch. Ist es nicht so?“ Remus sah hoch. Einen Moment sah er mir in die Augen und dann wandte er seinen Blick auch schon wieder ab. Er fiel auf meinen verbundenen Arm. „Tut es noch weh?“ fragte er und in seiner Stimme lag so viel Reue und Sorge, dass kurz meine Wut auf ihn verflog. Ich schüttelte den Kopf. „Nein, es tut nicht mehr weh.“ Remus nickte leicht und schien plötzlich den Baum neben sich sehr faszinierend zu finden. Er richtete seinen Blick darauf und puhlte mit den Fingern an der knorrigen Rinde herum. Er schien wirklich alles zu tun, um es zu vermeiden, mich anzusehen. Sofort wurde ich wieder wütend. „Also, du hast jetzt also vor den Rest des Schuljahres hier im Wald zu verbringen, sehe ich das richtig?“ fragte ich und verschränkte die Hände. „Das ist lächerlich, und das weißt du auch, Remus.“ Da er nichts sagte, redete ich weiter. „Deine Freunde vermissen dich. Ich vermisse dich. Glaubst du, ich lasse dich einfach so hier versauern? Dann kennst du mich schlecht! Ich hab dir gesagt, dass es nicht deine Schuld war. Wenn, dann war es meine, weil ich nicht auf den Vollmond geachtet habe! Es ist passiert, und es ist vorbei! Mir geht's wieder gut. Was willst du noch?“ Ich atmete heftig, weil ich in einem Atemzug durchgeredet hatte, und jetzt nach Luft rang. Remus sah hoch und fuhr sich hektisch durch die Haare. Er wollte etwas sagen. Ich ging auf ihn zu und stand jetzt vor ihm. Seine braunen Augen blickten mir jetzt wieder direkt in die Augen. „Du bist ein Idiot“, sagte ich und umarmte ihn dann. Mal wieder musste ich die Initiative ergreifen. Aber in dem Moment war es mir egal. Und als ich ihn umarmte spürte ich seine gewohnte Berührung auf meinem Rücken und an meiner Hüfte, obwohl sie etwas zögerlich und zaghaft kam. Aber ich gab mich damit zufrieden und als ich ihn wieder los ließ, lächelte ich ihn aufmunternd an. „Was ist, wenn so etwas wieder passiert?“ fragte er plötzlich, als ich ihn an der Hand nehmen und aus dem Wald hinausgehen wollte. Ich blieb stehen und drehte mich zu ihm um. „Wird es nicht“, sagte ich, aber Remus schien das nicht zu genügen. Er rührte sich nicht vom Fleck, als ich gehen wollte. Einen Moment lang sah er mich traurig aus seinen braunen Augen heraus an und wandte seine Hand schließlich aus meiner. Ich bemerkte gar nicht, wie meine Hand wieder schlaff an meiner Seite herunter hing, weil ich nur Remus anstarrte. Ein Gefühl von Angst breitete sich in meiner Brust aus und schien meine Lungen zuzuschnüren. Und dann kam genau das, wovor ich mich so fürchtete. „Ich... ich kann das nicht, Lia“, murmelte Remus und ließ seinen Kopf hängen. „Du wärst wegen mir fast gestorben und ich... kann nicht einfach so tun, als wäre das nie passiert. Ich bin ein Monster und es ist besser, wenn ich dir nicht mehr zu nahe komme.“ Ich starrte ihn nur an. Mein Gehirn schien auszusetzen, weil ich nicht imstande war, irgendetwas zu tun, außer Remus anzustarren. Irgendwann meldete sich mein Denkvermögen aber doch wieder, weil ich plötzlich keine Luft mehr bekam. Ich hatte vergessen zu atmen und keuchte nach Luft ringend. „Was?“ war ich schließlich in der Lage zu sagen und meine Stimmlage hatte sich um einige Oktaven erhöht. Ich atmete immer noch angestrengt ein und aus, konnte aber ebenfalls nicht aufhören Remus anzustarren. „Es ist besser, wenn... wenn wir keinen Kontakt mehr haben“, erklärte er und sah mich einen Moment an, bevor er seinen Blick abwandte. Er starrte wieder auf den Baum neben sich. „Du-!“ presste ich hervor und brach ab, weil ich merkte, wie mir die Tränen kamen und ich versuchte sie hinunterzuschlucken. Keine Tränen! Das war im Moment das Letzte, was ich brauchen konnte. Ich riss mich zusammen. „Aber du bist doch mein bester Freund“, brachte ich hervor und hielt meinen Zauberstab, den ich seit dem Betreten des Waldes in meiner gesunden Hand hatte, so fest, dass er zitterte. „Beste Freunde tun einander nicht weh“, erwiderte er. „Wenn... wenn du jetzt gehst, dann tust du mir mehr weh, als du es jemals sonst tun könntest!“ Remus hob seinen Blick vom Baum neben sich und richtete ihn wieder auf mich. Für eine Sekunde schien er es sich zu überlegen, aber dann fiel sein Blick wieder auf den Boden. „Immer wenn ich dich ansehe, taucht vor mir das Bild von dir im Krankenflügel auf. Wie du da liegst und das wegen mir. Ich ertrage das nicht. Es tut mir Leid“, murmelte er und stapfte an mir vorbei. Ich hatte keine Ahnung, wo er hinging, weil ich mich nicht umdrehte. Ich starrte immer noch auf den Punkt, an dem er vor wenigen Sekunden noch gestanden hatte. Noch Minuten später stand ich noch so da, nicht fassend, was gerade passiert war. Irgendwann trugen mich meine Füße schließlich zurück ins Schloss, obwohl ich keine Ahnung hatte, wie ich den Weg aus dem Wald gefunden hatte. Ich kam in den Gemeinschaftsraum, wo die anderen ihre Freistunde verbracht hatten. Lily und James turtelten am Fenster herum, während Sirius Peter beim Zauberschach fertig machte. Sirius war der Erste, der mich bemerkte, als ich mich aufs Sofa vor dem Kamin setzte. „Hey Lia, du... hey, ist was passiert?“ Er und Peter sahen mich an und jetzt hoben auch James und Lily ihre Köpfe. „Ja“, bekam ich nur hervor, bevor meine Stimme brach. °°° Es nützte gar nichts. Weder ich noch die anderen Rumtreiber kamen an Remus heran. Kaum sprachen sie das Thema an, schaltete Remus auf taub und stumm zugleich und gab kein Wort mehr von sich. Daher hatten es Sirius, James und Peter bald aufgegeben. Solange sie mit ihm nicht über mich sprachen verhielt er sich immerhin halbwegs normal, aß wieder mit seinen Freunden und beteiligte sich wie früher an Gesprächen. Dafür sprach er nicht mehr mit mir. Und ich auch nicht mit ihm. Nachdem ich die größte Trauer über unsere zerbrochene Freundschaft überwunden hatte, war nämlich ziemlich viel Wut zurück geblieben. Jedes Mal, wenn Remus es vermied mit mir auch nur den geringsten Kontakt aufzunehmen, war es im Unterricht oder in der Freizeit, wollte ich ihm am liebsten eine verpassen. Er tat fast, als ob ich hochgiftig wäre, radioaktiv, und die kleinste Kontaktaufnahme mit mir könnte ihn anstecken. Im Unterricht arbeitete ich von jetzt an mit Lily zusammen, wenn es um Zweierarbeiten ging. Ich wusste, dass sie, James, Sirius und Peter sich untereinander abgesprochen hatten, um noch weitere unerfreuliche Aufeinandertreffen zwischen Remus und mir zu vermeiden. Sie setzten Remus und mich immer am weitesten auseinander, war es beim Essen in der großen Halle, im Unterricht oder im Gemeinschaftsraum, natürlich so, damit es ganz zufällig erschien. Ich war ihnen einerseits dankbar dafür. Ich würde Remus an die Gurgel springen, wenn er in meine Nähe kommen würde. Aber sie hatten das wirklich ganz gut im Griff und ich war echt überrascht, wie sie das alles regelten. Unfassbar, was für ein Theater nötig war. Aber Remus wollte ja nichts mehr mit mir zu tun haben und inzwischen war ich so wütend auf ihn, dass ich das auch nicht mehr wollte. Andererseits vermisste ich ihn furchtbar. Er war mein bester Freund gewesen. Mit den anderen Rumtreibern war ich zwar auch gut befreundet, aber ich war nie so vertraut mit ihnen gewesen, wie mit Remus. Und Lily kannte ich erst so richtig seit diesem Schuljahr. Außerdem schien das zwischen ihr und James immer ernster zu werden, da wollte ich nicht dazwischen funken, indem ich ihnen im Weg war. Ich konnte es kaum fassen, aber ich war echt froh, als die Prüfungen losgingen. Ich vergrub mich mit ein paar Stapel Bücher in der Bibliothek, wo ich meistens den ganzen Tag verbrachte. Somit war ich wenigstens abgelenkt. Ich wollte meine UTZ bestehen. Und ich hatte wirklich noch nie so viel gelernt. Nicht einmal alle Schuljahre zusammen genommen. Ich lernte wirklich konzentriert und trat das erste Mal stoffsicher zu meiner ersten Prüfung an. Astronomie. Hierfür hatte ich alleine lernen müssen, weil die anderen das Fach nicht belegt hatten. Ich bekam ein O und hüpfte froh aus dem Astronomieturm, als die Prüfung vorbei war. Die Prüfung hatte natürlich nachts stattgefunden. In den nächsten Tagen kamen die restlichen Fächer dran. Ich ging in den Gemeinschaftsraum, wo Sirius und James noch wach waren und eine Runde Zauberschnippschnapp spielten. „Na, wie ist es gelaufen?“ fragte Sirius, als er mich sah. Sie beiden unterbrachen ihr Spiel, als ich mich zu ihnen setzte. „Ohnegleichen“, grinste ich und die beiden klopften mir anerkennend auf die Schultern. „Freut mich für dich“, meinte Sirius. „Wenn ich nur morgen irgendwie lebend aus der VgddK-Prüfung rauskomme, werd ich schon mehr als froh sein. Vielleicht schaff ich ja ein Annehmbar.“ Ich wusste, was Sirius meinte. Das Niveaus dieses Unterrichts war schon sehr gehoben und es war mit Abstand das Fach, für das ich am meisten lernen hatte müssen. „Wenn du einen Patronus schaffst, bekommst du Bonuspunkte“, erklärte ich und stupste Sirius in die Seite, sodass er zu grinsen begann. „Vielleicht willst du dich darauf konzentrieren?“ „Vielleicht“, murmelte er. „Ein Versuch schadet nicht“, meinte James. „Ich könnte mir schon einen glücklichen Gedanken vorstellen.“ Sein Blick verklärte sich einen Moment und Sirius und ich grinsten uns an. „Ja, schon klar, du und Lily, schmatz, schmatz, Liebe, Turteltauben, viele Babys, wir habens kapiert“, plapperte Sirius und ich musste lachen. „Und du stellst dir dein Motorrad vor und dass die Schule vorbei ist und du überall hinfliegen wirst“, erklärte ich und Sirius zwinkerte mir zu. „Ich werd schon überglücklich, wenn ich nur daran denke. Vielleicht könnte daraus ein Patronus werden.“ Ich überlegte. „Ich glaube nicht, dass ich zurzeit irgendeinen glücklichen Gedanken zusammen bringe, der stark genug ist“, sagte ich dann. Zu Beginn des Schuljahres hatten Remus und ich einmal zusammen an unseren Patroni gearbeitet. Er hatte ihn bald hinbekommen, aber bei mir war nichts weiter als silbriger Nebel aus dem Zauberstab gekommen. Mehr war nicht drin gewesen. „Ach was“, meinte Sirius und legte mir eine Hand auf die Schulter. „Denk einfach an Ferien, Freiheit, was auch immer. Hey, wenn du willst, kann ich dich küssen. Das macht die Mädchen eigentlich immer ganz glücklich.“ Er grinste mich frech an und ich schnitt ihm eine Grimasse, während ich seine Hand von meiner Schulter streifte. „Behalt deine Lippen mal lieber bei dir“, meinte ich. „Außer dir ist nach einer Ohrfeige zumute.“ James lachte und Sirius grinste breit. „Oho, ich werde mich hüten.“ Die beiden beendeten ihr Spiel und machten sich auf in den Schlafsaal. Ich stieg ebenfalls in den Mädchenschlafsaal hinauf. Ich schlief ziemlich schnell ein und der nächste Morgen kam viel zu früh. Ich war noch wirklich müde, als ich in meine Schuluniform schlüpfte und Lily mich zum Frühstück drängte. Ich zwang mich etwas zu essen, obwohl ich nicht allzu großen Hunger hatte. Ich brauchte aber Energie für den heutigen Tag. Vormittags hatten wir schriftliche VgddK- und Zaubertränke-Prüfung. Nachmittags kam der praktische Teil. Der schriftliche Teil fand in der großen Halle statt. Ich kritzelte alles, was ich wusste auf die Pergamentrollen und fand es ausreichend, als die Pergamente wieder eingesammelt wurden. Nach dem Mittagessen kam zuerst die Zaubertränke-Prüfung im gewohnten Klassenzimmer an die Reihe. Wir mussten ein paar Tränke zusammen mischen und Fragen beantworten, die uns die Prüfer stellten. Klarerweise mussten diesmal alle für sich selbst arbeiten. Ich schnitt gerade ein paar Blutegel klein und konzentrierte mich auf meine Arbeit. Mein Blick fiel einen Moment auf meinen linken Arm, der immer noch verbunden war. Er tat nicht mehr weh, trotzdem vermied ich es ihn anzusehen, weil ich dabei immer an Remus denken musste. Ich rümpfte die Nase und widmete mich wieder meinem Blutegel. Einen Platz weiter ertönte Sirius Fluchen und ich grinste in mich hinein. Als ich hochsah, um zu sehen, was sein Problem war, konnte ich Remus Blick auf mir spüren. Er arbeitete eine Reihe hinter mir neben James und Lily und als ich mich an Sirius wandte, sah ich aus den Augenwinkeln, wie er mich anstarrte. Einen Moment war ich so überrascht darüber, dass ich nicht mehr wusste, was ich tun wollte. Schnell wandte ich mich wieder an meinen Zaubertrank. Ich schnitt den letzten Blutegel klein. Ein Teil flutschte unter meinem Messer weg und landete auf dem Boden. Ich starrte hinunter. Als gerade keiner der Prüfer zu mir sah, bückte ich mich und suchte nach dem Egel. „Mist, verdammter!“ fluchte ich leise und ich konnte Sirius lachen hören. Ich tastete auf dem Boden herum, bis ich den Blutegel erblickte. Er lag eine Reihe hinter mir, zwischen Remus und James Füßen. „Miss Burnside, kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein?“ Ich stieß mir den Kopf am Tisch an, als ich hochfuhr und in das Gesicht eines Prüfers blickte, der mich streng betrachtete. Ich rieb mir meinen Kopf und versuchte entschuldigend zu lächeln. Da tippte mir jemand auf die Schulter. „Ihr ist das runter gefallen“, meinte Remus zu dem Prüfer und legte mir den Egel in die Hand, als ich mich zu ihm umwandte. Der Prüfer blickte von Remus zu mir. „Mir ist was runter gefallen“, wiederholte ich dämlich und streckte dem Prüfer den Egel vors Gesicht. „Schon wieder gefunden!“ Schnell wandte ich mich wieder an meinen Zaubertrank, während Sirius neben mir einen Lachanfall unterdrückte. Der Prüfer betrachtete mich noch einen Moment mit misstrauischem Blick, bevor er wieder weiter durch die Reihen schritt. Ich versuchte mich wieder auf meine Arbeit zu konzentrieren, was mir schwer fiel. Warum hatte Remus auch unbedingt etwas sagen müssen? Genau jetzt, mitten unter der Prüfung. Das brachte mich ganz aus dem Konzept. Keine Ahnung, wie ich den Zaubertrank fertig stellte, am Ende der Prüfung gab ich jedenfalls eine Probe davon in einem beschrifteten Fläschchen ab. Ich musste mich jetzt auf die nächste Prüfung konzentrieren. Verteidigung gegen die dunklen Künste fand in der großen Halle statt. Die Tische und Bänke waren beiseitegeschoben, damit genug Platz war. Es wurden immer zwei Schüler gleichzeitig geprüft, während die anderen am anderen Ende der Halle zusahen. Ich war ein wenig nervös, obwohl ich keinen Grund dazu hatte. VgddK war immer eines meiner besten Fächer gewesen, und ich hatte auch sehr viel dafür gelernt. Trotzdem fühlte ich mich etwas mulmig. Die Prüfer riefen immer einen Jungen und ein Mädchen auf und ließen sie dann zusammen gegen etwaige Zauber und Flüche ankämpfen. Lily kämpfte mit einem aus Ravenclaw und schlug sich gut. Am Ende brachte sie sogar einen gestaltlichen Patronus zustande und bekam Bonuspunkte. Mit strahlendem Lächeln kam sie wieder zu uns zurück gehüpft, während die nächsten aufgerufen wurden. „Das war ein Reh. Lass mich raten, an was du gedacht hast“, grinste Sirius und Lily wurde rot, während James sie anstrahlte. „Oder besser an wen.“ Ich versuchte zu lächeln. Aber eigentlich waren meine Gedanken wo anders. Ich versuchte an etwas Glückliches zu denken. Ich wollte auch einen Patronus zaubern und zwar richtig, nicht nur silbernen Nebel. Ich dachte an glückliche Erinnerungen von früher. An meine Geburtstage oder die gemeinsamen Abende im Gemeinschaftsraum mit meinen Freunden. Klarerweise tauchte Remus dabei ebenfalls in meinen Gedanken auf. Ich schob den Gedanken beiseite und dachte an etwas anderes, aber egal, was mir in den Kopf kam, immer war Remus dabei mitenthalten. Ich fluchte innerlich. „Remus Lupin und Lia Burnside nach vorne bitte!“ Ich fuhr hoch. War ja klar, dass ausgerechnet wir zusammen antreten mussten. Es überraschte mich gar nicht. Wenn schon vermasseln, warum dann nicht gleich richtig vor Remus? Wir gingen schweigend durch die Halle, während unsere Freunde uns noch Glück wünschten. Ich bekam fast nicht mit, was sie uns hinterherriefen. Ich schloss meine Finger fester um meinen Zauberstab. „Nur damit du es weißt, du bist der Grund, warum ich keinen Patronus zustande bringen werde.“ Remus starrte mich an, als ich das gesagt hatte. Ich hatte es nur geflüstert, während wir nach vorne zu den Prüfern gingen, aber er hatte es genau gehört. Und das war gut so. Ich wollte, dass er es wusste. Dass er mich unglücklich machte, konnte er ruhig wissen. Wir kämpften abwechselnd gegen die Flüche und Zauber an, die uns entgegengeworfen wurden und dann war es auch schon vorbei. Mir war es extrem kurz vorgekommen, aber ich beklagte mich nicht. „Für Bonuspunkte wäre ein Patronuszauber auszuführen“, sagte ein Prüfer. „Wer möchte?“ Er blickte von mir zu Remus und wieder zurück. Ich war mir sicher, Remus würde das machen. Er konnte den Patronuszauber sehr gut. Sein Patronus war ein Wolf. Ich hatte ihn schon ein paar Mal gesehen. Ich schüttelte den Kopf. „Ich hab im Moment nicht allzu glückliche Gedanken“, antwortete ich dem Prüfer. Überraschenderweise schüttelte Remus ebenfalls den Kopf. Der Prüfer nickte und kritzelte etwas in sein Buch und schickte uns dann wieder zu den anderen, während wieder zwei Neue aufgerufen wurden. Ich konnte Remus Blick immer noch auf mir spüren, als uns unsere Freunde schon wieder beiseite gezogen hatten und uns gratulierten. „Du hast alle Abwehrzauber gewusst!“ jubelte Lily und drückte mich an sich. „Sauber gemacht!“ gratulierten James und Sirius ein paar Meter weiter Remus. Dieser sagte jedoch nichts, sondern starrte nur vor sich hin. Obwohl die Prüfung zu Ende war und ich sie auch sicherlich nicht schlecht bestanden hatte, war mir auch nicht gerade zum Jubeln zumute. Mit einer gemurmelten Entschuldigung verließ ich die Gruppe und verließ die große Halle. Ich hatte kein bestimmtes Ziel und als mich meine Füße zum Portal führten, trat ich hindurch und ging über das Schlossgelände. Es war ein schöner Tag. Warm und sonnig. Ich zog meinen Umhang und die Schuhe aus und wanderte barfuß Richtung See. An verschiedenen Stellen am Ufer räkelten sich Schüler in der Sonne. Gelächter drang an meine Ohren. Ich ging weiter am sandigen Ufer entlang bis zu einem Baum unter dem ich mich niederließ. Hier waren keine anderen Schüler, worüber ich froh war. Ich legte den Umhang und die Schuhe beiseite und krempelte die Ärmel meines Hemdes hoch und lockerte die Krawatte. Weiter draußen im See räkelte sich der Kraken im Wasser. Ich beobachtete ihn ein Weilchen und zupfte Grashalme aus. Schließlich stand ich auf und trat ins Wasser, bis ich bis zu den Knöcheln darin stand. Ich bückte mich und fischte ein paar Steine aus dem Wasser. Sie waren schön glatt und rund, perfekt zum Steinchen-Hüpfen-Lassen. Das hatte ich aber noch nie gekonnt. Also warf ich sie nur nacheinander ins Wasser, manche mit ganzer Kraft, so weit ich konnte, andere wiederum nur ein paar Meter weit. Ich stand eine ganze Weile so im See, bis hinter mir ein Räuspern ertönte. Ich drehte mich um und da stand Remus unter dem Baum, wo meine Sachen lagen. Einen Moment war ich so überrascht, dass mir die Steine, die ich in Händen hielt aus den Fingern glitten und mit einem lauten Platschen neben mir zurück ins Wasser fielen. „Willst du sie springen lassen?“ fragte Remus und kam ans Ufer, wo er stehen blieb und mich weiter ansah, während ich mich bückte um die Steine wieder einzusammeln. „Nein, ich will sie nicht springen lassen“, gab ich zurück und vermied es ihn anzusehen. Stattdessen fuhr ich mit meiner Steinwerferei fort. Ich pfefferte sie mit voller Wucht hinaus in den See. Es hätte mich nicht gewundert, wenn plötzlich ein paar Wassergeister aufgetaucht wären, um sich über mich zu beschweren. „Ich hab nicht gewollt, dass du wegen mir keinen Patronus zaubern konntest“, meinte er dann. Ich warf einen größeren Stein einen Meter weit ins Wasser und das Wasser spritzte an mir hoch. Es war mir egal, ich wollte nur, dass Remus aufhören würde zu reden. Darum sagte ich nichts, sondern drehte den Stein in meiner Hand. Für eine Millisekunde dachte ich daran, Remus den Stein gegen den Kopf zu werfen, aber ich ließ ihn schließlich ins Wasser fallen. Remus sagte nichts mehr und ich glaubte, er wäre wieder gegangen, doch als ich einen schnellen Blick über die Schulter warf, sah ich, dass er immer noch an der gleichen Stelle wie vorher stand. „Ich hab noch nie einen Patronus zustande gebracht, also ist es sowieso egal“, antwortete ich schließlich. „Aber du schon. Und du hättest bei der Prüfung auch einen zaubern können. Und wenn du glaubst, es hätte mir in irgendeiner Weise geholfen, dass du ebenfalls keinen gezaubert hast, dann irrst du dich.“ Platsch Der Stein landete ein paar Meter weiter draußen im Wasser. Ich suchte nach ein paar neuen Steinen unter Wasser und als ich wieder aufsah, stand Remus neben mir. Seine Hosenbeine waren hochgekrempelt, genauso wie die Ärmel seines Hemdes. Ich hatte nicht einmal gehört, wie er ins Wasser gekommen war. „Was!“ fragte ich und versuchte so giftig wie möglich zu klingen, als er mich ansah. Seit ein paar Wochen war ich ihm nicht mehr so nah gekommen. Er sah müde aus, aber das war ja schon fast Normalzustand bei ihm. Die zusätzlichen dunklen Schatten unter den Augen machten es nicht besser. „Ich kann dir zeigen, wie man sie springen lässt“, meinte er und versuchte ein Lächeln, das aber sofort erlosch, nachdem er mein Gesicht sah. Ich wandte mich wieder meinen Steinen zu und warf sie ins Wasser. Einen Moment später hüpfte ein Stein neben mir über die Wasseroberfläche, bis er ein paar Meter weiter draußen versank. „Lass das“, knurrte ich. Aber einen Augenblick später hüpfte der nächste Stein hinaus über den See. „Kannst du dir nicht eine andere Stelle für deine Spielchen suchen? Ich bin hier beschäftigt“, erklärte ich also. Remus sagte nichts, sondern sah mich entschuldigend an. Diesen Blick hatte ich früher immer gemocht, aber jetzt regte er mich auf, weil ich böse auf ihn sein wollte und dieser Hundeblick wirklich nicht dabei half. „Kannst du aufhören mich so anzusehen!“ rief ich aufgebracht. „Ich bin böse auf dich und ich hab auch allen Grund dazu! Was kommst du jetzt hier an und tust, als ob nichts gewesen wäre!“ Remus starrte mich an. Ich konnte sehen, dass er etwas sagen wollte, aber er schloss den Mund nach wenigen Augenblicken wieder. Betreten senkte er den Blick. Ich warf meine restlichen Steine ins Wasser und wollte gehen. Remus Auftauchen war mir jetzt wirklich zu viel. Ich stapfte aus dem See und ging zu dem Baum unter dem meine Sachen lagen. „Ich weiß, dass du allen Grund dazu hast!“ rief Remus plötzlich. Überrascht drehte ich mich um. Er stand am Ufer des Sees und sah mich an. „Ich weiß das. Es ist nur so schwer“, sagte er etwas ruhiger, da er ja jetzt meine Aufmerksamkeit hatte. Er fuhr sich mit der Hand über seinen Arm und rieb sich dann über die Stirn. Er sah aus, als ob nur so dazustehen ihm ungeheuer viel Kraft kostete. Als ich nichts sagte, redete er weiter. „Es ist schwer dich zu ignorieren. Besonders, wenn man es eigentlich nicht will aber tun muss. Oder glaubst du, es ist mir leicht gefallen unsere Freundschaft aufzugeben? Das ist es nicht.“ Ich ließ meinen Umhang, den ich gerade aufgehoben hatte, fallen und ging zu Remus. Gedanken rasten durch meinen Kopf, während ich überlegte, ob ich ihm eine verpassen sollte, ihn beschimpfen oder anfangen sollte zu heulen. Ich entschied mich für die ersten zwei. „Sag mal, bist du blöd?“ rief ich aufgebracht, als ich vor ihm stand und ihm gleich darauf mit der Faust gegen die Schulter boxte. Remus zuckte zusammen und hielt sich die betroffene Stelle. Als ich ihm noch eine verpassen wollte, hob er abwehrend die Hände. „Au, bitte nicht noch mal!“ „Man ist also blöd und wehleidig!“ fauchte ich. „Nein, du hast nur genau die richtige Stelle getroffen“, meinte er und rieb sich die Schulter. „Sei froh, dass ich dir nicht ins Gesicht geschlagen hab, damit es jeder sieht.“ „Oh ja, besten Dank, zu gütig!“ „Jetzt hör mir mal zu, du Vollarsch! Du warst derjenige, der unsere Freundschaft beendet hat, nicht ich! Und aus welchem Grund? Aus einem Grund, für den du nicht einmal etwas kannst! Ich hab versucht es dir zu erklären, aber nein, du wolltest einen auf stur machen! Ja, ist toll gewesen, die letzten Wochen waren echt klasse! In einer Woche ist die Schule vorbei, und das wars dann mit Hogwarts! Ich wollte die letzte Zeit hier, abgesehen von den Prüfungen, genießen! Mit meinen Freunden! Und was war? Mein bester Freund verhält sich wie ein Vollidiot, ignoriert mich, und in meinem Kopf schwirrt die ganze Zeit nur eine Frage herum: Bedeuten ihm die letzten Jahre wirklich so wenig, oder sogar gar nichts, dass er das einfach so tun kann? Dass es ihm so leicht fällt?“ „Hey, du weißt, dass-!“ „Lass mich ausreden!“ drohte ich ballte meine Hand wieder zur Faust, um sie ihm vors Gesicht zu halten. „Also, scheinbar schon. Muss wohl so sein. Mit den anderen konntest du ja nach einiger Zeit wieder ganz normal verkehren, aber mit mir nicht! Warum denn auch? Aber vielleicht hab ich auch nur gedacht, dass ich dir etwas bedeute! Vielleicht ist es nur meiner Fantasie entsprungen, dass wir so was wie ziemlich gute Freunde waren! Ich hab mir das wohl einfach nur alles eingebildet!“ „Ich-!“ „Ich hab gesagt, lass mich ausreden!“ rief ich und boxte ihm noch einmal gegen den Arm. „Die letzten Wochen, von denen ich gedacht hätte, dass sie wirklich unvergesslich werden würden, waren so ziemlich das schlimmste, was ich je erlebt hab. Eigentlich werden sie sogar unvergesslich bleiben, weil ich das nie vergessen werde, wie mein angeblich bester Freund mich fallen und liegen gelassen hat!“ Ich wusste nicht, woher diese ganzen Worte kamen. Ich hatte mir schon oft überlegt, was ich einmal zu Remus sagen wollte, aber das war es nicht gewesen. Eigentlich wollte ich ihn beschimpfen und schlagen und ihn verletzen, so wie er mich verletzt hatte. Aber jetzt stand ich nur da und diese ganzen Dinge sprudelten aus mir raus. Ich schrie ihn an und schlug ihm auf die Brust und irgendwann merkte ich auch, wie mir die Tränen kamen, aber ich konnte nicht aufhören ihn anzuklagen. Und Remus stand einfach nur da und sah mich an. Und als ich fertig war, und jetzt richtig heulte, fühlte ich mich so kraftlos wie schon lange nicht mehr. „Ich mach hier so ein Drama um unsere Freundschaft, weil es das Wertvollste war, das ich jemals besessen habe! Noch nie hab ich jemandem so vertraut, wie dir! Aber in Zukunft werde ich mich hüten!“ Tränen liefen an meinen Wangen herab und ich hielt mir meinen Arm vors Gesicht. Ich war fertig und als ich spürte, wie Remus mich in den Arm nahm, wehrte ich mich nicht einmal dagegen. Ich hatte keine Kraft mehr. Remus sagte nichts, während er mich umarmt hielt, und ich schluchzte noch eine ganze Weile vor mich hin, bis ich mich endlich ein wenig beruhigt hatte. Ich drückte mich etwas von Remus weg, aber er lockerte seine Umarmung nicht. „Lass los“, murmelte ich. „Nein“, sagte er nur. „Was?“ „Ich muss wieder gut machen, was ich getan hab“, meinte er und sah mich an. „Das kannst du nicht wieder gut machen“, erklärte ich. „Ich werds aber versuchen. Ich werde mein restliches Leben versuchen wiedergutzumachen, was ich getan hab. Vielleicht kannst du mir in fünfzig Jahren oder so verzeihen. Obwohl ich das gar nicht will. Weil es unverzeihlich ist.“ Sein Blick war traurig und ich konnte ihm fast nicht standhalten. Ich blinzelte und fuhr mir übers Gesicht. „Du hast mich im Krankenflügel nie besucht“, sagte ich. „Ich weiß.“ „Du hast mich im Wald einfach stehen lassen.“ „Das war das Schwerste, was ich je getan hab.“ „Warum hast du es dann getan?“ „Immer wenn ich dich angesehen hab, hab ich Angst gehabt, du würdest nicht mehr mich sehen, sondern das Monster, das ich bin. Das Monster, das dir das angetan hat.“ Er nickte hinunter zu meinem Arm mit den Narben. Heute nach dem Frühstück hatte mir Madam Pomfrey den Verband abgenommen und ich war überrascht gewesen, wie gut alles verheilt war. Die Narben hoben sich blass und weiß von meiner normalen Hautfarbe ab. Wenn man nicht direkt hinsah, bemerkte man sie kaum. Und Schmerzen hatte ich auch seit Ewigkeiten keine mehr gehabt. „Ich hab gesagt, dass es nicht deine Schuld war. Du bist kein Monster, und ich hab dich auch nie als eines gesehen und ich werde dich auch nie als eines sehen, da kannst du sagen was du willst“, beharrte ich. „In unserer Gruppe warst du immer der Einzige, der von sich als Monster gesprochen hat. Für uns warst du immer nur Moony.“ Remus kniff die Augen zusammen und presste die Lippen aufeinander. In dem Moment verzieh ich ihm. Nicht alles, jedenfalls nicht sofort. Ich legte meine Arme um ihn und umarmte ihn diesmal und einen Moment später erwiderte er die Umarmung. Wir standen eine Ewigkeit einfach nur da und wiegten uns langsam hin und her. Es hätte eine Stunde sein können, ich hatte jedes Zeitgefühl verloren. Irgendwann hörten wir beide ein Räuspern hinter uns. Wir fuhren herum, ohne unsere Umarmung zu lockern, und da standen James, Sirius, Peter und Lily und grinsten zu uns herüber. „Oh, sieh sie dir nur an, Krone. Sind sie nicht herzallerliebst?“ „Der Anblick erwärmt mir wirklich das Herz, Tatze.“ „Los, verzieht euch“, meinte Remus, konnte aber ein Grinsen nicht unterdrücken. „Ja, lassen wir die beiden Turteltauben ein wenig allein“, hörte ich Sirius sagen, bevor Lily die Jungs mit sich ziehen konnte. °°° Alles war wieder gut. Remus war wieder bei mir. Und mehr als das. Seine ganze Aufmerksamkeit schien auf mich gerichtet zu sein. Als er mich einmal aus heiterem Himmel umarmte, war ich so überrascht, dass ich einen Augenblick steif wie ein Brett wurde. Normalerweise tat er das nie. Ich war es die umarmte. Aber das hatte sich geändert und ich fand es schön. Er umarmte mich, nahm meine Hand oder ließ seine Finger über meine Arme gleiten, wenn er neben mir im Gemeinschaftsraum saß. Remus schien über unsere Versöhnung noch glücklicher zu sein, als ich. Er strahlte mich unentwegt an, wenn ich ihn ansah. Ich fühlte mich so glücklich, dass ich mir vorstellen konnte, hunderte Patroni zaubern zu können. Ich erklärte das auch Remus und er sah mich lächelnd an. „Na dann, worauf warten wir dann noch? Versuchen wirs!“ Er zog mich mit sich und bevor ich fragen konnte, wo wir hinwollten, standen wir schon davor. Ein großes Portal formte sich in der Kahlen Wand vor uns und Remus drückte es auf. Der Raum der Wünsche war leer, bis auf ein Sofa. Sonnenlicht fiel durch die hohen Fenster und erhellte den Raum. „Was hast du dir gewünscht?“ fragte ich, als die schwere Tür hinter uns zufiel und verschwand. „Nur einen Raum, große genug um zu zaubern.“ Remus schob mich in die Mitte des Raumes und stellte sich dann wenige Schritte weiter hinter mich. „Willst du es versuchen?“ hörte ich ihn fragen. Ich sah auf den Steinfußboden und wusste nicht recht. Sicher war ich jetzt glücklich, aber der Patronus-Zauber war trotzdem immer noch ein ziemlich schwerer Zauber. Ich zuckte mit den Schultern. „Was hast du zu verlieren?“ sagte er und ich wusste, dass er Recht hatte. Ich holte meinen Zauberstab hervor und hielt ihn vor mich. Ich konzentrierte mich und sprach schließlich die Worte. „Expecto Patronum!“ Silbriger Nebel flog aus der Spitze meines Zauberstabes und hielt sich für einen Moment in der Luft vor mir, bevor er wieder verpuffte. „War wohl nichts“, meinte ich und drehte mich zu Remus um. „Versuchs noch einmal“, ermutigte er mich. „Du kannst das, ich weiß es.“ Ich sah von meinem Zauberstab zu Remus. „Kannst du mich umarmen? Dann klappts bestimmt.“ Ich grinste ihn an und er begann ebenfalls zu grinsen. Dann umarmte er mich und ich drückte mich an ihn. Ich legte meinen Kopf an seine Schulter und er strich mir durch die Haare. Ich umarmte ihn vielleicht ein bisschen zu lange, aber es schien ihm nichts auszumachen. Es fiel mir richtig schwer mich in dem Moment wieder von ihm zu trennen. Ich musste mich jetzt zusammen reißen. „Also“, sagte ich schnell und drückte mich von ihm weg. Ich räusperte mich und Remus sah mich an. Ich stellte mich wieder in die Mitte des Raumes und wandte ihm den Rücken zu. Ich versuchte das Kribbeln in meiner Magengegend zu ignorieren, das sich ausgebreitet hatte und konzentrierte mich. Ich dachte an Remus und die Umarmung. „Expecto Patronum!“ Mein Zauberstab vibrierte leicht, als silberner Nebel aufstieg. Unförmig wirbelte er in die Luft und ich war enttäuscht, weil es wieder nichts geworden war. Doch als ich meinen Blick wieder hob, sah ich, wie der Nebel sich verformte. Ich hielt die Luft an. Er wurde immer größer, und füllte bald den halben Raum aus. Und dann erschien die Gestalt mit einem Mal, als ob sie die ganze Zeit schon da gewesen wäre. Das silbrige Tier sprang über mich hinweg und durchquerte den ganzen Raum mit zwei Sprüngen. Es lief eine Runde, bevor es wieder vor mir in der Luft anhielt, den Kopf in den Nacken warf und lautlos heulte. Obwohl kein Ton zu hören war, bekam ich eine Gänsehaut. Dann sprang es mit einem Satz aus dem Fenster und löste sich dabei wieder in silbrige Nebelschwaden auf. Ich starrte noch eine halbe Ewigkeit auf die Stelle, wo es verschwunden war. „Das… war ein Wolf.“ Ehrfürchtig starrte ich auf meinen Zauberstab. „Ja, ich hab es gesehen“, murmelte Remus hinter mir. Seine Stimme brachte mich aus meiner Trance. „Oh Mann, hast du gesehen? Ein Wolf! Ein Wolf! Mein Patronus ist kein Mistkäfer oder ein Faultier, nein, er ist ein Wolf! Ein großer, starker, furchteinflößender, wunderschöner Wolf! Hast du gesehen?“ Obwohl Remus diese Frage schon beantwortet hatte, konnte ich nicht aufhören sie ihm zu stellen. Ich war so froh, dass ich es geschafft hatte. Ich drehte mich zu Remus um, der mich nachdenklich anblickte, so, als würde er durch mich durch sehen. „Ist das nicht toll? Remus?“ Er schüttelte sich, als wollte er einen Gedanken abschütteln und sah mich dann wieder an. „Ja, toll“, lächelte er und ich sprang ihm in die Arme. „Das hab ich nur dir zu verdanken“, freute ich mich. Doch als ich zu ihm hochsah, blickte er nur wieder nachdenklich drein. Ich löste meine Umarmung. „Was ist los?“ wollte ich wissen. Warum freute er sich nicht für mich? „Nichts, ich...“, Remus fuhr sich übers Kinn und fuhr dann fort, „ich hab mich nur gefragt, warum dein Patronus ausgerechnet ein Wolf ist.“ Ich hob eine Augenbraue und erst dann machte es Klick. „Dein Patronus ist auch ein Wolf“, murmelte ich und kam mir so blöd vor, weil ich nicht daran gedacht hatte. „Ja, und irgendwie bin ich auch einer“, meinte er und versuchte zu lächeln. „Lilys Patonus ist ein Reh und James' ein Hirsch“, sagte ich geistesabwesend. Mein Hirn war Matsch. Es konnte die jetzige Situation nicht richtig verarbeiten. Als ich meinen Blick hob, sah Remus mich an. „Ich...“, sagte ich, wusste aber nicht weiter. „Ich hab immer gedacht, du...“, fing Remus an, brach dann aber wieder ab. Er suchte die Worte. „Ich dachte, es ging nur mir so.“ Ich starrte ihn an. Meine Knie wurden weich. „Du... waaas?“ stammelte ich. Mein Kopf war leer. Trotzdem versuchte ich meine Gedanken zu ordnen. „Ich hab einen Wolf als Patronus und du auch. Und dann sagst du so was und ich hab keine Ahnung, was ich jetzt sagen soll, mein Kopf schwirrt und tut weh und du stehst da und siehst mich so an und das hilft mir noch weniger dabei, aber-“ Ich wurde unterbrochen, als Remus mit zwei Schritten auf mich zu kam, mein Gesicht mit beiden Händen umfasste und mich küsste. Es fühlte sich so schön an, und nachdem der Schock überwunden war, den ich zweifelsohne vor Überraschung erlitten hatte, konnte ich sogar den Kuss erwidern. Ich spürte, wie Remus Lippen sich zu einem Lächeln verzogen und ich fing auch an zu lächeln und dann küsste er mich wieder und meine Beine gaben fast nach, aber Remus legte seine Arme um mich und ich hielt mich an ihm fest, so fest ich konnte und küsste ihn. Das war das Einzige, das ich jetzt tun wollte. Remus hielt einen Moment inne und drückte seine Stirn gegen meine. „Ich liebe dich. Hab ich schon immer“, murmelte er. „Hast du schon immer?“ flüsterte ich überrascht, während ich mich weiter an ihm fest hielt. Meine Knie waren immer noch weich und ich traute ihnen nicht. Wenn ich Remus loslassen würde, läge ich auf dem Boden. Remus nickte. „Ich musste mich zusammenreißen.“ „Warum hast du nichts gesagt?“ Remus Lächeln verschwand. „Ich bin ein Werwolf. Ich hab versucht mich von dir fernzuhalten... hat nicht geklappt.“ Ich küsste Remus und er fing wieder an zu lächeln. „Ich liebe dich auch. Auch wenn es einen Patronus gebraucht hat, damit ich das erkenne.“ Remus drückte mich fest an sich und hob mich ein Stück hoch. Er grinste mich immer noch breit an und ich konnte ebenfalls nicht mehr aufhören meine Mundwinkel nach oben zu ziehen.

28.2 % der User hatten die Auswertung: Welcher Weasley wird es werden? Kleiner Tipp: er hat rote Haare... ahiahia so WITZIG. Your story: Ich schmeckte Blut in meinem Mund und an meiner Schläfe schmerzte es heftig. Ich hielt meinen Zauberstab mit beiden Händen umklammert und starrte vor mich auf den Boden. Um mich herum herrschte reges Treiben. Verletzte wurden in die Halle gebracht und versorgt. Schluchzen und Weinen war ebenfalls zu hören. Ich versuchte nicht hinzuhören. Aber ich hatte schon zuvor Fred tot am Boden liegen sehen, umringt von seiner trauernden Familie. Ich hatte den Anblick nicht ertragen und mich stattdessen hierher gesetzt, abseits von allen anderen. Als ich meine beiden Hände an meine Ohren presste, durchfuhr ein weiterer Schmerz meine Schläfe, aber ich ignorierte ihn. Ich wollte nur nichts mehr hören. Ich schloss die Augen. Unwillkürlich kam mir der Gedanke, dass ich schon zwei Monate überfällig war. Ich war mir schon sicher, was das bedeutete, auch wenn ich es nicht wahrhaben wollte. Aber zwei Monate war ein eindeutiges Zeichen. Ich versuchte diesen mehr als unpassenden Gedanken abzuschütteln, was gar nicht so leicht war. Bis mich plötzlich jemand an der Schulter berührte. Ich zuckte zusammen und öffnete die Augen. Bill saß neben mir auf dem Mauervorsprung und betrachtete mich besorgt. „Alles in Ordnung?“ fragte er und ließ seine Hand von meiner Schulter gleiten. Ich nickte schnell und Bills Blick fiel auf meine Schläfe. „Du blutest. Warte einen Moment.“ Er griff in seine Jackentasche und holte seinen Zauberstab hervor. Dann legte er sanft eine Hand an mein Kinn und drehte es in die andere Richtung, damit sich meine Verletzung ihm zuwandte. Bill murmelte eine Zauberformel vor sich hin und hielt den Zauberstab gegen meine Schläfe. Sie begann daraufhin heftig zu brennen und ich biss die Zähne zusammen. Einen Moment später war es wieder vorbei, aber das schmerzhafte Pochen war immer noch da. Bill betrachtete sein Werk. „Es tut noch weh oder?“ fragte er. „Aber immerhin blutet es nicht mehr.“ Ich drehte mich wieder in seine Richtung und dann nahm er mich in den Arm. Seine Hand strich durch meine Haare. Er hauchte mir einen schnellen Kuss auf die Wange. Ich hätte los heulen können. Noch ein Grund, warum ich mir sicher war, dass ich schwanger war. Meine Hormone spielten verrückt. Normalerweise heulte ich nie. Aber seit ein paar Wochen kamen mir einfach so die Tränen. Ich blinzelte schnell und drängte sie zurück. „Das mit Fred tut mir so leid“, brachte ich schließlich heraus und Bill nickte leicht, während er mich immer noch im Arm hielt. „Ja, mir auch.“ Ich wollte ihm sagen, dass ich schwanger war. Dass ich von ihm schwanger war. Dass ich von ihm schwanger war, obwohl er mit Fleur verheiratet war. Ich musste es ihm sagen. Aber Fleur stand irgendwo in der Nähe. Zusammen mit allen anderen Weasleys. „Mit dir sonst alles in Ordnung?“ fragte Bill noch einmal und löste seine Umarmung um mir wieder ins Gesicht zu sehen. Ich nickte und presste meine Lippen aufeinander, und gleichzeitig kamen mir die Tränen. Ich schluchzte los und hasste mich dafür, aber ich konnte mich auch nicht mehr so einfach beruhigen, während Bill mich besorgt anblickte. Natürlich dachte er, dass ich trauerte, um alle, die gefallen waren, oder einfach wegen der Situation, in der wir uns gerade befanden. Immerhin befanden wir uns im Krieg. Voldemort und seine Todesser warteten im Verbotenen Wald auf Harry, der beschlossen hatte ihn dort aufzusuchen. Und ich konnte nicht bestreiten, dass es nicht so war. Es sah nicht gerade rosig für uns aus. Aber neben diesen Problemen hatte ich im Moment auch mein eigenes, ganz großes Problem. Ich war schwanger von Bill, der mit Fleur verheiratet war und ich liebte ihn auch. Alle diese Emotionen überkamen mich im Moment und meine Hormone waren da auch nicht gerade hilfreich. Ich stützte meinen Ellbogen auf mein Knie und verdeckte mein Gesicht mit der Handfläche. Bills Finger strichen über meinen Rücken. „Es wird gut enden“, versuchte er mich zu trösten. „Wir dürfen nur nicht aufgeben.“ Durch die vielen Stimmen in der Halle ertönte plötzlich ein lautes Rufen in unsere Richtung. Eine Stimme mit französischem Akzent. Bills Hand hielt inne, als er den Kopf wandte und zu Fleur blickte, die durch die Trümmer auf uns zukam. Ich behielt meine Position bei. Ich wollte sie nicht sehen. „William, komm! Wir brauchen disch!“ rief sie und streckte ihre Hand nach ihm aus. Ich konnte es zwar nicht sehen, aber ich spürte, wie Bill mir noch einen Blick zu warf, bevor er aufstand und mit seiner Frau davon ging. Ich fuhr mit meinem Ärmel über mein Gesicht und verwischte die Tränen. Ich schluckte und mein Hals schmerzte unangenehm. Als ich mich vom Mauersprung erhob warf ich unwillkürlich einen Blick an mir runter, wie ich es in letzter Zeit immer öfter tat. Mein Bauch war noch genauso flach wie zuvor, obwohl ich mir einbildete, dass schon was zu sehen war, was einfach nur Einbildung war. Ich verdrängte den Gedanken und stieg über die Trümmer aus der Halle hinaus. Schließlich gab es im Moment wichtigere Dinge als das. Vielleicht würde ich ja sterben, dann würde sich das mit der Schwangerschaft ohnehin erledigen. Ich ging hinaus auf den Innenhof, der ebenfalls teilweise eingestürzt war. Trümmer lagen herum, dazwischen tote Riesenspinnen sowie Riesen selbst. Ich musste an Hagrid denken, und fragte mich, wo er war. Ich ging zwischen den Trümmern hindurch und hielt nach Verletzten Ausschau. Ich schockte eine Spinne, die anfing zu zucken, als ich an ihr vorbeigetreten war und fand eine verletzte Schülerin, die unter einem Stein eingeklemmt war. Mithilfe meines Zauberstabes entfernte ich den Brocken und half ihr hinein in die Halle. Madam Pomfrey kümmerte sich gleich um sie und ich wollte wieder zurück nach draußen. Aber jemand hielt mich zurück. Ich wandte mich um. Charlie Weasley stand vor mir und hielt mich an meinem Ärmel fest. „Gib mir was zu tun, sonst dreh ich noch durch“, meinte er. Er wirkte angespannt und verzweifelt zugleich. Ich öffnete den Mund, aber ich brachte keinen Ton heraus. Wenn ich daran dachte, dass sein Bruder gerade gestorben war, dann kamen mir wieder die Tränen. Aber ich musste doch etwas sagen. Charlie war mein bester Freund und ich musste ihm irgendwie helfen. Ich streckte meine Arme aus und die Umarmung, die ich eigentlich ihm geben wollte wechselte in ein Festhalten meinerseits. Er nahm mich in die Arme und wenn er losgelassen hätte, wäre ich einfach auf dem Boden zusammengesunken wie ein leerer Sack. Aber Charlies Arme waren stark. „Es tut mir so leid!“ schluchzte ich und schämte mich dafür, dass ich ihm keinen besseren Trost spenden konnte. Stattdessen musste er mich festhalten. „Schhh, schon gut“, beruhigte er mich und strich über meinen Rücken. Charlie war kein großer Redner. Normalerweise war er sogar recht schüchtern. In unserem Fall war es anders. Wir waren zusammen zur Schule gegangen, hatten die Sommer oft gemeinsam verbracht und ich hatte ihn auch schon einige Male im Drachenreservat in Rumänien besucht. Es gab nicht viel, was wir nicht voneinander wussten. „Komm setz dich hin“, versuchte er mich zu überreden, aber ich schüttelte den Kopf, während ich mich noch an ihn festklammerte. „Nein“, schniefte ich und löste meine Umarmung. „Gehen wir raus. Da gibt es was zu tun.“ Ich zog ihn mit mir mit, bevor er protestieren konnte. Ich musste ihn ablenken und mich auch gleich mit. Er hatte um eine Aufgabe gebeten und so räumten wir mit anderen Zauberern und Hexen zusammen den Innenhof. Wir schufen die eingestürzten Mauern beiseite und löschten die Feuer, die an einigen Stellen ausgebrochen waren. Mir fiel dabei immer wieder Charlies besorgter Blick auf, den er mir zuwarf, er sagte aber nichts, wofür ich ihm dankbar war. Einige Minuten später kam auch noch Bill dazu. Er half mir den Körper eines Riesen beiseite zu schaffen. „Sollte sich Madam Pomfrey nicht vielleicht doch deine Verletzung ansehen?“ versuchte er, aber ich schüttelte den Kopf. „Nein, es geht schon. Tut fast nicht mehr weh.“ Das war gelogen, aber ich wollte nicht, dass er mir die ganze Zeit diese besorgten Blicke zuwarf. Er war genau wie Charlie. Ich war kleiner als Bill, also musste ich zu ihm hoch sehen. Seine Wange, die von Greyback entstellt worden war, wies neue Verletzungen auf. Blutige Kratzer und blaue Flecken. „Geht es dir denn gut?“ fragte ich und auf Bills Gesicht zeigte sich ein kurzes Lächeln. „Wenn du da bist, immer doch“, murmelte er, sodass nur ich es hören konnte und strich mir über die Wange. Einen Augenblick vergaß ich mich in dieser Berührung, wurde aber jäh aus diesem schönen Moment gerissen. „Schaut! Da!“ Alle Zauberer und Hexen im Hof wandten ihre Blicke Richtung Brücke, die ins Gelände hinausführte. Jetzt kamen auch einige aus der Halle hinaus in den Hof. Auf der Brücke hatten sich die Todesser versammelt und kamen jetzt alle zusammen Richtung Innenhof. Ich konnte Hagrid schon von weitem erkennen. Er trug etwas im Arm. Alle noch kampffähigen Zauberer und Hexen versammelten sich im Hof. Charlie kam zu Bill und mir gelaufen und stellte sich neben seinen Bruder. Bill behielt mich ein wenig hinter sich, obwohl ich mich dagegen wehrte. Und als ich auf der anderen Seite weiter nach vorne treten wollte, machte Charlie das gleiche. Die Todesser, angeführt von Voldemort, nahmen im Hof Aufstellung. Und jetzt erkannte ich auch, was Hagrid in den Armen gehalten hatte. Oder besser gesagt wen. Mein Herz rutschte mir in die Hose. „Harry Potter ist tot!“ verkündete der dunkle Lord und die Todesser brachen in Jubelgeschrei aus. Ich starrte auf Harrys Körper in Hagrids Armen. Hinter mir hörte ich ebenfalls aufgeregte Schreie und Schluchzen. An was daraufhin passierte konnte ich mich nicht mehr erinnern, nur dass Harry gar nicht tot war. Und der Kampf ging von neuem los. ~ Mein Fuß war eingeklemmt. Der Schmerz fraß sich bis in meinen Oberschenkel, während ich versuchte mich davon zu befreien. Mein Zauberstab war mir aus der Hand gefallen und lag nur wenige Meter von mir entfernt. Gerade so weit, dass ich ihn nicht erreichen konnte. Ich setzte mich auf und schob an dem Steinbrocken, der sich keinen Millimeter rührte. Tränen liefen mir über die Wangen vor lauter Anstrengung, aber mein Fuß klemmte fest. Der pochende Schmerz in meinem Bein ließ mich schwindlig werden. Einen Moment wurde mir schwarz vor Augen. Entfernt hörte ich Rufe. Um mich herum lagen Felsen und Steinbrocken und ich fühlte mich total abgeschnitten von der Außenwelt. Was, wenn sie mich nicht finden würden? Unter meinem eingeklemmten Fuß hatte sich eine Blutlache gebildet. Vielleicht würde ich ja verbluten. Ich wusste, ich versetzte mich mit diesen Gedanken selbst in Panik, aber in meinem Kopf sah ich immer wieder das Bild vor mir, wie ich hier unter diesem Stein sterben würde. Und dazu mein ungeborenes Kind, ohne dass es jemand außer mir wusste. Ich setzte mich erneut auf und fasste mit meinen Händen unter mein verletztes Bein. Ich strengte mich so sehr an, meinen Fuß zu befreien, dass mir schwarz vor Augen wurde. Der Schmerz wurde so groß, dass ich ohnmächtig wurde und zurück auf den Boden sackte. Als ich wieder aufwachte baumelten meine Beine frei in der Luft. Jemand trug mich. Mit schnellen Schritten eilte dieser Jemand jetzt durch den Innenhof, während ich meine Augen öffnete. Noch benommen von dem Schmerz in meinem Bein, versuchte ich mich zu regen. „Ganz ruhig, nicht bewegen“, hörte ich Bills Stimme. „Lass mich runter“, hörte ich mich murmeln. Aber Bill schien mich nicht zu hören, also wiederholte ich meine Worte. „Wir sind gleich da. Madam Pomfrey wird dich wieder hinkriegen“, sagte er schnell. „Nein, lass mich runter“, sagte ich diesmal etwas lauter. Ich wollte nicht, dass Bill mich trug. Mit ganzer Kraft wehrte ich mich gegen seinen Griff, aber er wurde stattdessen nur fester. „Hör auf, was soll das?“ rief Bill, der alle Mühe hatte, mich zu halten und dabei zu laufen. Ich hatte keine Ahnung, woher ich die Kraft nahm, aber mit einer ruckartigen Bewegung schaffte ich es aus Bills Armen und schlug hart auf dem Steinfußboden auf. Mein verletztes Bein protestierte sofort, als ich es belastete. „Was ist los mit dir?“ rief Bill wieder und warf sich neben mir auf die Knie. Ich presste meine Stirn gegen den kalten Boden und spürte kalten Schweiß auf meinem Rücken. Er wollte mich gleich wieder hochheben, aber ich verscheuchte seine Arme mit einer Handbewegung. „Ich kann gehen“, presste ich hervor, obwohl ich mir dessen gar nicht so sicher war. „Was stellst du dich so an? Ich will dir doch nur helfen!“ regte sich Bill auf und klang gleichzeitig besorgt. Ich schloss die Augen und versuchte Kraft zu sammeln. Ich kniete auf dem Boden und Bill neben mir. Mit einer Hand stützte ich mich an seiner Schulter ab und kam auf die Beine. Bill stand gleichzeitig mit mir auf und musterte mich. Ich biss die Zähne zusammen. „Ich kann dich tragen“, erklärte Bill wieder, nachdem er meinem Gesichtsausdruck sah. „Und ich kann gehen“, wiederholte ich. Dabei blieb ich noch ungefähr eine Minute neben Bill stehen, bis ich schließlich die Kraft fand einen Schritt zu machen. Bill legte seinen Arm unter meine Schulter um mich zu stützen. Das musste sein, da ich sonst wirklich nicht vorankäme. Humpelnd erreichten wir die große Halle, die voll mit Verletzten war. Alle, die gekämpft hatten, schienen sich hier aufzuhalten. „Helena!“ Ich drehte meinen Kopf und sah Charlie auf mich zu eilen. Schlitternd kam er vor Bill und mir zum Stehen. „Geht's dir gut? Warum trägst du sie nicht?“ Diese Frage war an Bill gestellt, nachdem Charlie meinen verletzten Fuß gesehen hatte. „Ich wollte ja, aber sie lässt mich nicht!“ beschwerte sich Bill und warf mir wieder einen Blick zu. Charlie starrte mich verwirrt an. „Ich kann gehen“, erwiderte ich jetzt zum dritten Mal und Charlie schnaubte. „Ja, so siehst du aus“, meinte er und stellte sich auf die andere Seite neben mich um mich zu stützen. Zu dritt nebeneinander hinkten wir durch die Halle, bis Bill einen freien Platz auf einem Feldbett fand. Langsam ließen mich die beiden Brüder darauf nieder. „Ich hole Madam Pomfrey“, sagte Bill schnell und eilte davon. Charlie half mir meinen Fuß auf das Bett zu legen und sah mich dann vorwurfsvoll an. „Was?“ presste ich hervor, da ich schon ahnte, was jetzt kam. „Warum lässt du Bill dich nicht tragen? Du schadest dir nur selbst.“ Er zog seinen Hemdärmel über sein Handgelenk und wischte mir damit den Schweiß von der Stirn, ohne seinen vorwurfsvollen Blick von mir zu nehmen. „Ich wollte nicht, dass er mich trägt“, gab ich nur zurück und beugte mich nach vorn, da ich versuchte mein Hosenbein etwas hochzukrempeln. Es war voller Blut, genau wie mein Fußgelenk. Ich fragte mich, ob ich es schaffen würde meinen Schuh auszuziehen. „Warum denn nicht? Du kannst kaum gehen und machst solche Zicken! Ich versteh dich nicht.“ Ich sah Charlie nicht an. Mein Blick war noch auf meinen Schuh gerichtet. Langsam zog ich am Schnürsenkel und entknotete ihn. „Oder ist es wegen Bill?“ Ich sah hoch und blickte in Charlies braune Augen. Mal wieder hatte er den Nagel auf den Kopf getroffen. Er kannte mich zu gut. „Vielleicht“, murmelte ich und konzentrierte mich wieder auf meinen Schuh. Erst jetzt bemerkte ich neben dem Schmerz in meinem Bein das stetige Pochen an meiner verletzten Schläfe. Bill hatte es aufhören lassen zu bluten, aber es tat noch weh. Charlie schnaubte nach meiner Antwort, sagte aber nichts mehr. Als er meinen Versuch bemerkte meinen Schuh auszuziehen, nahm er meine Hände. „Lass das Madam Pomfrey machen.“ Widerwillig nickte ich und lehnte mich zurück gegen die kalte Steinwand. Ich spürte andere kleinere Verletzungen. Kratzer, Abschürfungen, Blutergüsse, aber das war nichts gegen die Schmerzen in meinem Bein. Ich warf einen Blick auf Charlie, der neben dem Feldbett in der Hocke kniete und seinen Zauberstab zwischen den Fingern drehte. Er sah mitgenommen aus. Seine Nase blutete immer wieder und an seiner rechten Wange klaffte eine blutige Wunde. „Ist mit dir alles okay?“ fragte ich und er sah hoch. „Klar“, meinte er nur und hielt sich seinen Hemdärmel unter die Nase, damit das Blut nicht über sein restliches Gesicht lief. „Ich seh doch bestimmt prächtig aus, nicht?“ Er warf mir ein breites Grinsen zu. „Mindestens so prächtig wie ich“, gab ich zurück und sein Grinsen wurde kleiner. Jetzt sah er mich wieder besorgt an. Er wollte etwas sagen, aber in dem Moment kam Bill herbeigeeilt mit Madam Pomfrey im Schlepptau. „So viele Verletzte, ich kann leider nicht schneller“, meinte sie gleich entschuldigend und sah sich mein Bein an. „Es gibt sicher Leute, die Sie dringender brauchen als ich“, sagte ich gleich darauf. „Ich kann warten, wirklich.“ Aber sie schüttelte den Kopf. „Nein Kind, es sind so gut wie alle versorgt. Jetzt bist du an der Reihe.“ Mit einem Wink ihres Zauberstabes entfernte sie den Schuh von meinem Fuß und ich zuckte zusammen. Schnell ergriff ich Charlies Hand neben meiner und er drückte sie. Ich kniff die Augen zusammen. Ich konnte noch immer Bills heftige Atemgeräusche hören, als wäre er gerade einen Marathon gelaufen. Wahrscheinlich war er die ganze Halle auf und ab gehetzt um Madam Pomfrey zu finden und zu mir zu bringen. „Er ist gebrochen, ziemlich kompliziert noch dazu“, erklärte Madam Pomfrey dann. „Aber das haben wir gleich.“ Ich öffnete meine Augen und begegnete Bills. Seine Narben hatten Zuwachs bekommen. Er blutete am Hals und über seine Lippen verlief eine Narbe, die sehr schmerzhaft aussah. Er lächelte schief, sodass sich seine Mundwinkel nur an der unverletzten Seite nach oben zogen. Ich konnte nicht anders als zurückzulächeln. Zumindest ein wenig. Es gab einen lauten Knacks, gefolgt von mehrere kleineren und ich zuckte zusammen. Madam Pomfrey hatte ihren Zauberstab auf meinen Fuß gerichtet und mit der einfachen Zauberformel Episkey meinen ganzen Bruch verheilen lassen. Es war ein Segen, als der Schmerz verflog und ich bemerkte, wie verkrampft ich dagesessen hatte. Ich entspannte mich ein wenig, während Madam Pomfrey sich noch schnell um meinen schmerzenden Kopf kümmerte. „Wie ich sehe, wurde diese Wunde schon behandelt“, meinte sie. „Das ist gut, der Schmerz wird von alleine nachlassen. In wenigen Stunden ist alles vorbei.“ Ich bedankte mich bei ihr und sie lächelte mich an. „Wenn ich gewusst hätte, dass mit einer kurzen Zauberformel alles getan wäre, hätte ich es selber gemacht und Sie nicht von dringenderen Fällen weggeholt“, meinte ich, aber sie schüttelte nur den Kopf. „Dafür bin ich da“, lächelte Madam Pomfrey nur. „Und damit gleich zu Ihnen beiden.“ Sie wandte sich an Bill und Charlie, die sich beide Blicke zuwarfen, als wären sie gerade bei einem Streich ertappt worden. Ohne den geringsten Widerspruch zuzulassen, zog sie Bill zu sich herab, um seine Verletzungen im Gesicht zu begutachten. Charlie warf mir einen schadenfrohen Blick zu, als er seinen Bruder auslachte, der von Madam Pomfrey behandelt wurde. Sie tupfte ein Tuch mit einer durchsichtigen Flüssigkeit über Bill verletzte Lippe und an der Wunde an seinem Hals entlang. Mit den Worten, dass die Verletzungen von selbst heilen würden, wandte sie sich an Charlie, dessen Grinsen verschwand. Mit einem Zauber schloss sie seine blutende Wunde auf seiner Wange, sodass nur ein heller roter Strich übrig blieb. Genauso hielt sie es mit seinem Nasenbluten, als es einen unschönen Knacks gab. Charlie griff sich ans Nasenbein und schien erleichtert, dass der Schmerz weg war. Madam Pomfrey wuselte wieder davon und ließ uns drei zurück. Jetzt, da meine Schmerzen verflogen waren, bemerkte ich, wie müde ich eigentlich war. Ich hätte auf der Stelle einschlafen können. Aber ich wollte nicht das Feldbett belegen, wenn es noch genug andere Verletzte gab, die es benötigten. Etwas unbeholfen zog ich mir meinen Schuh wieder an und stand auf, etwas vorsichtig, da ich vor wenigen Minuten noch ein zertrümmertes Bein gehabt hatte. Bill hatte blitzschnell seinen Arm nach mir ausgestreckt, als ich schwankte, und mich unter meinem Arm gestützt. Charlie regte sich auf, warum ich nicht liegen bleiben wollte, aber ich achtete nicht auf ihn. Ich ging ein paar Schritte und als ich wieder etwas sicherer war, schüttelte ich Bills Arm von mir ab. „Habt ihr meinen Zauberstab gesehen?“ fragte ich die beiden, als es mir wieder einfiel. Charlie schüttelte den Kopf, aber Bill zog ihn in dem Moment aus seiner Gesäßtasche. Er reichte ihn mir und ich nahm ihn entgegen. Meine Finger wurde wärmer, als ich das gewohnte Stück Holz wieder in meinen Händen hielt. „Danke“, murmelte ich und wandte mich um. „Wo gehst du hin?“ hörte ich Charlie fragen. Ich zeigte mit meiner Hand Richtung Portal der großen Halle und stieg über die Trümmerhaufen hinweg nach draußen. Ich spürte genau die Blicke der beiden in meinem Rücken und war froh, dass sie mir aber nicht folgten. Ich musste frische Luft schnappen. Der Hof sah noch zerstörter aus als vorher. Filch fegte mit einem alten Besen Schutt beiseite. Ich kletterte über eine umgestürzte Säule und ließ mich darauf nieder. Es war ein kühler Morgen. Der Himmel war klar und hellblau. Als ich tief Luft holte, schmerzte mein Hals ein wenig. Ich legte eine Hand auf meinen Bauch und stellte mir vor, wie es wäre eine dicke Kugel mit einem Kind darin zu haben. Der Gedanke trieb mir wieder die Tränen in die Augen und ich wurde wütend, dass ich schon wieder heulte. Plötzlich hörte ich ein Räuspern hinter mir und einen Moment später kletterte Bill über die Säule und setzte sich neben mich. „Warum weinst du?“ fragte er besorgt. Ich zuckte mit den Schultern und schniefte. „Es war anstrengend. Es gibt so viele Verletzte. Viele, die heute Nacht gestorben sind. Fred... Fred ist nur einer von ihnen“, sagte Bill und stockte einen Moment. „Aber sie sind nicht umsonst gestorben. Es ist vorbei... vorbei. Ich glaube, ich werde ein paar Tage brauchen, bis ich das realisiert habe.“ Er lächelte mich an und ich musste zurück lächeln. Er legte seine Hand unter mein Kinn und strich mit dem Daumen sanft darüber. „Als ich dich nach der Schlacht nicht finden konnte, tauchten in meinem Kopf lauter Bilder von dir auf. Ich hatte Angst, dass ich dich irgendwo tot auf dem Boden liegend finden würde, aber ich konnte nicht… es war als ob in meinem Kopf eine Schranke sein würde, die jegliche Vorstellung von dir und dem Tod zusammen nicht möglich machte. Ich konnte mir nicht einmal vorstellen, wie es wäre, wenn ich dich nicht mehr lebend gefunden hätte.“ Ich wollte ihn küssen, aber ich konnte nicht. Um uns herum hielten sich Zauberer und Hexen im Innenhof auf. Bill war mit Fleur verheiratet, die genau in diesem Moment aus dem Portal in den Hof geschritten kam. Als sie uns sah, kam sie in unsere Richtung. Ich rückte ein wenig von Bill weg. Er blickte sich ebenfalls um und als er seine Frau sah, verschwand sein Lächeln, das er eben noch im Gesicht hatte. Er warf mir noch einen Blick zu und rutschte dann von der Säule hinunter um Fleur entgegen zu gehen. Sie redete sofort mit lauter Stimme auf ihn ein, als sie zusammen Richtung Schloss davon gingen. Ich verstand nicht, worum es ging, aber ich konnte es mir schon denken. Warum war Bill hier draußen und nicht in der Halle bei seiner Frau und seiner Familie? Warum saß er hier mit mir, Schulter an Schulter? Zumindest hätte ich ihn das gefragt, wenn ich seine Frau gewesen wäre. ~ Ich war also schwanger. Jetzt wusste ich es mit Sicherheit. Der Arzt hatte es mir bestätigt. Und als ob ich es nicht schon gewusst hätte, zog mich das Erhalten dieser Nachricht weiter nach unten. Ich war den ganzen restlichen Tag nicht zu gebrauchen und in der Nacht wälzte ich mich wach im Bett herum. Am Morgen, als ich gerade dabei war einzuschlafen, klopfte es an meine Tür. Ich wollte es ignorieren, aber da das Klopfen nicht nachließ, mühte ich mich aus dem Bett und stapfte zur Tür. „Guten Morgen“, grüßte Charlie mich gut gelaunt und kam in meine Wohnung. „Was, ich hab dich doch wohl nicht aufgeweckt? Es ist nach elf!“ Ich rümpfte die Nase und stapfte an ihm vorbei in die Küche, woraufhin er mir folgte. Ich zeigte auf den Teekessel am Herd und ließ mich auf den Küchenstuhl sinken. Charlie verstand schon und setzte Wasser auf. Danach setzte er sich neben mich. Ich gähnte und rieb mir die Augen. „Ich hab dich ja wirklich aufgeweckt“, sagte er ungläubig und musterte mich. „Obwohl du aussiehst, als ob du nicht geschlafen hättest.“ „Ich war gerade dabei, als plötzlich so ein Irrer an meine Tür gehämmert hat“, murmelte ich und er grinste schief. „Und das auch zurecht. Oder hast du etwa vergessen, dass du heute zum Essen eingeladen bist und ich dich abholen komme?“ Einen Moment hatte ich keine Ahnung von was Charlie da laberte, dann fiel es mir aber wieder ein. Arthur und Molly hatten die ganze Familie und enge Freunde in den Fuchsbau eingeladen um den Sieg noch einmal in kleinerem Kreise zu feiern. Aber war das wirklich heute? Ich warf einen Blick auf den Kalender, der sich in dem Moment von selbst umblätterte und den Blick auf mein Gekritzel frei gab, das unter dem Datum stand. 12 Uhr Fuchsbau stand da. Ich drehte mich wieder zu Charlie um. „Oh“, war alles, was mir darauf einfiel und er rollte mit den Augen. „Oh“, wiederholte er meine Worte und stand auf, da der Teekessel pfiff. Er stellte mir eine Tasse Tee vor die Nase und sich selbst ebenfalls. Dann setzte er sich wieder neben mich. „Wenn ich nicht gekommen wäre, hättest du komplett verschlafen, gibs zu.“ Ich nahm einen Schluck Tee, damit ich ihm nicht antworten musste, aber er wusste schon Bescheid. „Ist irgendwas, oder warum siehst du aus, als ob du schon ein paar Nächte nicht mehr geschlafen hättest?“ fragte er. „Nein, ich konnte einfach nur schlecht einschlafen“, erwiderte ich. „Wird schon wieder werden. Wenn erst alles wieder in seinem alten Rhythmus abläuft, wird das Schlafen auch wieder hin hauen.“ Charlie nickte und nippte an seinem Tee. Wie gern hätte ich ihm erzählt, was eigentlich los war, aber wie hätte ich das machen sollen? Ach ja, und außerdem hat mich dein älterer Bruder geschwängert, als er gerade mal ein paar Monate mit Fleur verheiratet war, aber sonst ist nichts. Ich trank weiter und verbrannte mir die Zunge. Dann stand ich auf. „Okay, ich geh dann mal schnell duschen, dann können wir los.“ Ich beeilte mich und schlüpfte nach der Dusche in frische Kleider. Mein Bauch war immer noch flach, aber immer wieder bildete ich mir ein, dass man schon etwas sehen konnte. Ich stand vor dem Spiegel und strich über mein Shirt, als Charlie in der Tür stand. „Seh ich darin dick aus?“ fragte ich ihn und drehte mich zur Seite, sodass er mich im Profil hatte. Charlie lachte los. „Nicht dein Ernst oder? Seit wann interessiert dich denn sowas?“ Ich betrachtete mich noch einmal im Spiegel. Charlie schnaubte. „Du bist so dünn wie eh und je. Können wir jetzt los?“ fragte er ungeduldig und trat in den Flur. „Ich hab dir schon mal erklärt, wie man Komplimente macht“, sagte ich ihm im Vorbeigehen und steckte meine Schlüssel ein. Dann nahm ich Charlies Hand, der mich angrinste. ~ Als wir wieder festen Grund unter den Füßen hatten, ließ ich Charlies Hand los. Im Garten der Weasleys hielten sich schon einige Gäste auf, wobei die meisten davon rote Haare hatten. Es war ein warmer Tag, darum befand sich der Esstisch auch hier draußen. Einige saßen auch schon auf ihren Plätzen und unterhielten sich miteinander. Ich überquerte den Rasen in Richtung Fuchsbau und klopfte gegen die offene Tür. Molly stand am Küchentisch und schimpfte gerade mit George, als sie mich dann erblickte. „Helena, Kind!“ rief sie und nahm mich in die Arme. George ergriff die Chance und flüchtete. „Schön, dass du gekommen bist! Du siehst müde aus. Und so dünn! Aber heute werde ich dich wieder aufpäppeln. In ein paar Minuten gibt es Essen.“ Ich war es schon gewöhnt, dass Molly sich über mein Gewicht aufregte. Das hatte sie schon bei unserer ersten Begegnung getan, also lächelte ich nur. Sie scheuchte mich hinaus in den Garten, auf meine Frage hin, ob ich ihr irgendwie helfen konnte, und da stand ich nun. Ich hatte nicht allzu große Lust mich unter die Leute zu mischen. Am liebsten wäre ich jetzt zuhause in meinem Bett unter meine Decke gekuschelt. „Helena!“ Ginny kam über den Rasen auf mich zugeeilt und drückte mich an sich, als sie mich erreicht hatte. Harry kam ihr nach und begrüßte mich ebenfalls. Wir plauderten ein wenig, bis jemand anderer Ginnys Namen rief und sie mit Harry im Schlepptau wieder davon eilte. Ich ging Richtung Esstisch und begrüßte auf den Weg dorthin noch ein paar bekannte Gesichter. „Helena!“ Wieder rief jemand meinen Namen und ich wandte mich um. Bill kam auf mich zu und nahm mich in die Arme, als er mich erreicht hatte. „Schön, dass du da bist!“ strahlte er mich an und ich musste lächeln. „Du darfst deinem Bruder dafür danken“, meinte ich und Bill grinste. „Ich hätte verschlafen, wenn er mich nicht abgeholt hätte.“ Bill musterte mich. „Ist alles in Ordnung? Du siehst müde aus.“ „Ich frage mich, wie oft ich das heute noch hören werde“, erwiderte ich und Bill lächelte leicht. Ich wechselte das Thema. „Und wie geht's dir? Oder euch? Seid ihr wieder in Shell Cottage?“ Bill schüttelte den Kopf. „Nein, wir wohnen noch hier. Ich wollte noch ein wenig bleiben. Mum helfen und so. Ich finds hier eigentlich ganz schön, aber naja, Fleur ist da anderer Meinung.“ Fast wäre mir eine Beleidigung für seine schöne Frau herausgerutscht, aber da tauchte sie auch schon hinter Bill auf. Mir kam es vor, dass sie ihn unter Beobachtung gehabt hatte. Sie begrüßte mich etwas frostig und hängte sich an Bills Arm, wie um zu verdeutlichen, dass er ihr Mann war. Sie hatte mich noch nie gemocht. Ich war auch nicht gerade ein Fan von ihr. Mit einer Ausrede ließ ich die zwei allein und setzte mich an den Esstisch neben Charlie. Er kippte mit Ron ein Glas Feuerwhiskey und ich hätte jetzt selbst einiges für ein Glas gegeben. Aber Alkohol war für mich gestrichen, also lehnte ich ab, als Charlie mir ein Glas einschenken wollte. Ich nahm mir eine Scheibe von dem Brot, das bereits auf dem Tisch stand und knabberte daran. Allmählich fanden alle an den Tisch und das Essen wurde aufgetragen. Molly hatte sich mal wieder selbst übertroffen, als die Speisen auf dem Tisch erschienen. Hier war wirklich für jeden etwas dabei. Beim Anblick des Essens knurrte sogar mir der Magen, obwohl ich nicht gedacht hatte, dass ich Appetit hätte. Aber ich tat mir was von den Kartoffeln auf den Teller und genoss das selbstgekochte Essen. „Es gibt auch noch Nachtisch“, meinte Charlie neben mir und steckte sich eine Karotte in den Mund. „Also lass noch Platz.“ Er grinste mich an und ich grinste zurück. Er wusste, dass ich eine Schwäche für Süßes hatte. Charlie kippte noch einen Feuerwhiskey mit Harry, der auf seiner anderen Seite saß. Sie wollten mich wieder überreden mitzutrinken. Fast hätte ich Ja gesagt. Aber dann wurden die Nachspeisen aufgetragen und ich hatte besseres zu tun. Neben Kuchen, Törtchen und unzähligen Muffins in verschiedenen Sorten gab es auch Eis in sämtlichen Variationen. Ich tat mir etwas Schokoladen- und Haselnusseis auf meinen Teller und genoss die süße Abkühlung. Für einen Maitag war es ziemlich warm, wie mitten im Sommer. Ich löffelte an dem Eis und fing dabei Bills Blick ein, der auf der anderen Seite des Tisches saß und mich anlächelte. Er hob seinen Teller, der ebenfalls mit Eis voll war und ich grinste zurück. Auch er wusste, dass Eis eines der Dinge war, die mich glücklich machten. Und einen Moment vergaß ich auch mein kleines Problem. Viele der Gäste waren schon aufgestanden und verteilten sich im Garten, manche mit Törtchen und Muffins in Händen. Ich lauschte dem Gespräch von Ron, Harry und Charlie, da er ihnen vom Drachenreservat erzählte, als sich Bill auf den frei gewordenen Platz neben mir fallen ließ. „Na, gut gegessen?“ fragte er und fing an zu lächeln, als er mein Gesicht sah. Ich aß immer noch an dem Eis. „Wie du siehst, ich bin noch lange nicht fertig“, entgegnete ich also und er nickte wissend. Dann schwiegen wir beide einen Moment. Ich löffelte weiter an meinem Eis und Bill ließ seinen Blick durch den Garten schwenken. „Und wie geht's dir so?“ fragte er dann. „Gut“, log ich. „Gut“, meinte Bill. Charlie schob ihm ein Glas Feuerwhiskey zu und sie stießen über meinem Kopf hinweg an. „Willst du auch?“ fragte Bill. „Nein, ich bleibe bei Eis.“ „Okay.“ Ich konnte sehen, wie Bill mich von der Seite anblickte. Ich legte den Löffel beiseite und warf ihm einen Blick zu. Er lächelte kurz und beugte sich dann zu mir herunter, nahe an mein Ohr. „Ich vermisse dich“, murmelte er und ich bekam eine Gänsehaut. Ich sagte nichts und er sah mich wieder an. Er lächelte leicht, als ich mich zu ihm drehte. „Können wir uns mal wieder treffen?“ flüsterte er und blickte mich erwartungsvoll an. Ich nahm einen Löffel Eis, das plötzlich ziemlich bitter schmeckte und überlegte, was ich sagen sollte. Mein Magen rumorte leise und ich schob das Eis beiseite. „Besser nicht“, antwortete ich und im nächsten Augenblick wurde mir übel. Ich wusste nicht, ob es an dem Essen lag oder an dem unangenehmen Gesprächsthema. Wichtigster Auslöser war natürlich das kleine Etwas, das da in mir wuchs. Ich hielt mir die Seite und nahm einen Schluck Wasser. „Alles in Ordnung?“ fragte Bill. „Du bist weiß wie Schnee.“ Ich schüttelte den Kopf, als Zeichen, dass nicht alles in Ordnung war. Und im nächsten Moment war ich aufgesprungen und rannte durch den Garten Richtung Fuchsbau. Natürlich hätte ich auch einfach hinter irgendwelche Büsche gehen können, aber die lagen auf der anderen Seite des Gartens und viel weiter entfernt. Das Badezimmer im Fuchsbau war näher. Und zum Glück nicht besetzt. Ich sprintete hinein und übergab mich in die Kloschüssel. Alles drehte sich und als mein Magen leer war, blieb ich auf den kühlen Fließen im Bad sitzen und atmete tief ein und aus. Dann klopfte es an der Tür. „Helena! Alles okay? Bist du da drin?“ „Natürlich ist sie da drin, ich hab sie hinein laufen sehen!“ Charlie und Bill standen auf der anderen Seite der Badezimmertür. Ich hatte keinen Nerv ihnen zu antworten. Lautes Hämmern an der Tür ertönte. „Los, mach auf!“ forderte Charlie und ließ seine Faust gegen das Holz schlagen. „Geht weg!“ rief ich und wunderte mich, dass meine Stimme noch stark genug war. Vor der Tür war es einen Moment leise. „Wir wollen dir nur helfen“, meinte Charlie dann. Ich rollte mit den Augen. Natürlich wollten sie das. Sie waren meine Freunde. Und mehr. „Ich will allein sein.“ „Jetzt werd nicht kindisch!“ entgegnete Charlie, stur wie er war und ich schnaubte. „Bitte Helena, mach auf“, versuchte es Bill wieder. „Verzieht euch, verdammt noch einmal!“ Das war angekommen. Die beiden zogen murrend ab, was ich sogar durch die Tür hören konnte. Ein paar Minuten hatte ich meine selige Ruhe, bis es wieder klopfte. „WAS!“ rief ich genervt. „Mach die verdammte Tür auf, oder ich trete sie ein! Oder schlimmer: Ich hole meinen Zauberstab und zaubere sie auf!“ Charlie war sturer als Bill. Ich konnte ihn vor mir sehen, wie er vor der Tür stand und diese drohend anblickte, weil sie ihm im Weg war. Mit einem leisen Seufzen schwang ich selbst meinen Zauberstab und die Tür sprang auf. Charlie warf mir einen Blick zu, der sich im nächsten Moment auch gleich wieder veränderte. Ich saß immer noch auf dem Boden vor der Toilette und Charlie hatte wohl Mitleid, da sich seine Stirn gleich wieder glättete und einen besorgten Ausdruck annahm. „Na komm schon“, meinte er und half mir auf die Beine. Er setzte mich auf den Rand der Badewanne und schenkte mir ein Glas Wasser ein, das ich in einem Zug leerte. Dann setzte er sich neben mich. Mir war immer noch etwas schwindlig und Charlie hielt mich vorsichtig an der Schulter fest. „Du siehst gar nicht gut aus“, sagte er und reichte mir ein zweites Glas Wasser. „Bist du krank?“ „Schön wärs“, murmelte ich und nippte an dem Glas. Charlie betrachtete mich verwirrt. „Ich hätte heute einfach im Bett bleiben sollen.“ „Willst du mir sagen, was los ist?“ fragte Charlie. „Nein“, gab ich zurück und er schnaubte. „Wirst du es trotzdem tun?“ fragte er darauf und ich überlegte. Natürlich früher oder später musste ich es ihm sagen. Dann lieber früher, bevor mich der wachsende Bauch verraten würde. Aber ich hatte Angst. Angst vor seiner Reaktion. Er war zwar mein bester Freund, so ein sensibles Thema hatten wir aber trotzdem noch nie. Hier ging es schließlich um seinen Bruder und mich. Seinem verheirateten Bruder. Mir wurde wieder schlecht. „Versprich mir, dass du es niemandem sagst“, flehte ich und bemerkte, wie mir die Tränen kamen. Charlie starrte mich fast entsetzt an. „Helena, du machst mir Angst.“ „Versprich es!“ „Okay, okay natürlich verspreche ich es! Ich werde es niemandem sagen.“ Ich schniefte und wischte mir mit dem Handrücken die Tränen aus den Augen. Noch nie war mir etwas so schwer über die Lippen gekommen. „Ich bin schwanger.“ Ich fing an zu heulen wie ein kleines Mädchen, nachdem der Satz ausgesprochen war. Ich konnte Charlies Gesicht nicht sehen, da ich mein Gesicht mit meinen Händen bedeckte. Ich spürte nur seinen Arm, der sich um meine Schulter legte. „Hey, das ist... naja, deiner Reaktion nach eine schlechte Nachricht“, meinte er und räusperte sich. „Aber das ist doch eigentlich etwas Schönes nicht? Ich meine-“ „Bill ist der Vater.“ Charlies Hand rutschte von meiner Schulter und landete auf dem Badewannenrand. Von draußen drang heiteres Lachen der Gäste durch das leicht geöffnete Badezimmerfenster, während es hier mucksmäuschenstill war. Ich hörte, wie Charlie schwer schluckte. „Mein Bruder Bill?“ fragte er und seine Stimme schien um eine Oktave höher geworden zu sein. Ich nickte und er atmete lange aus. Erneutes Schluchzen packte mich und Charlie stand auf. Er zog mich auf die Füße und nahm mich in die Arme. Eine Minute lang sagte niemand ein Wort, bis Poltern von der Treppe zu hören war. Charlie nahm mich an der Hand und führte mich die Treppen hinauf bis unters Dach, wo er sich ein Zimmer mit Ron teilte, solange der Fuchsbau so voll mit Gästen war. Ich ließ mich auf dem Bett nieder und Charlie blieb am Fenster stehen. Er schaute nach unten in den Garten und kreuzte die Arme vor der Brust. Ich versuchte mich zu beruhigen und wischte mir die Tränen aus dem Gesicht. Charlie warf mir immer wieder Blicke zu, soviel sah ich aus den Augenwinkeln, während ich auf den Boden starrte. Noch nie in meinem Leben hatte ich mich so schlecht gefühlt. Nach ein paar Minuten wandte er sich vom Fenster ab. „Bleib hier. Ich komm gleich wieder“, meinte er nur und ich sah auf. Er war schon an der Tür angelangt. „Du sagst es doch niemanden? Du hast es versprochen“, erinnerte ich ihn. Meine Stimme zitterte furchtbar, als ich den Mund öffnete. „Ich weiß“, knurrte er, überhaupt nicht zufrieden damit, und verließ das Zimmer. Ich starrte noch eine Weile auf die Tür, bis ich mich schließlich auf Charlies Bett legte und an die Wand starrte. Keine Ahnung, wie lange ich das tat. Zwischendurch kamen mir immer wieder die Tränen. Und irgendwann fielen mir die Augen zu. Als ich sie das nächste Mal öffnete, brannten sie furchtbar. Es war dunkel im Raum und als mein Blick auf das Fenster fiel, sah ich, dass es draußen bereits Nacht war. Ich drehte mich auf die andere Seite und bemerkte Charlie, der am anderen Ende des Bettes auf dem Boden saß und mit seinem Zauberstab im Fußboden herumbohrte. Immer wieder stoben Funken aus dessen Spitze hervor und die Holzdielen wiesen bereits schwarze Brandflecken auf. Als ich mich aufrichtete, sah Charlie hoch. „Ich hab es niemanden gesagt“, meinte er und stand langsam auf. „Aber du solltest es tun.“ Ich nickte. Charlie hatte Recht, dass wusste ich. Er setzte sich auf die Bettkante und lehnte sich zurück, sodass sein Kopf gegen die Wand lehnte. Ich zog die Beine an, sodass er Platz hatte. „Wie lange geht das denn schon mit euch beiden?“ fragte er dann. Ich zuckte mit den Schultern. Ich wusste es wirklich nicht genau. Es war einfach passiert. „Und er hat keine Ahnung?“ Ich schüttelte den Kopf. Charlie holte tief Luft. „Wie lange weißt du es denn schon?“ „Ein paar Wochen“, murmelte ich. Charlie holte noch tiefer Luft. „Ein paar Wochen? Du spinnst!“ Charlie fuhr hoch und starrte mich an. Ich bemerkte wie sein Blick auf meinen Bauch fiel, bevor er mich wieder ansah. „Warum erzählst du mir sowas nicht?“ „Deswegen“, gab ich zurück und stand auf. „Ich geh jetzt. Ich bin müde. Ich will nach Hause.“ An der Treppe holte mich Charlie wieder ein. „Du musst nicht gehen. Du kannst hier bleiben und wir überlegen uns was“, versuchte er mich zu überreden und ich drehte mich auf den Stufen zu ihm um. „Danke Charlie, aber ich will nach Hause. Hier ist es ohnehin schon so voll mit den ganzen Gästen und allem.“ „Gut, dann komm ich mit dir mit.“ Er starrte mich mit seinen braunen Augen an und ich wusste, dass er es ernst meinte. Ich hätte gelacht, wenn es mich nicht so gerührt hätte, dass er sich so um mich sorgte. „Du... nein, ich brauch jetzt Zeit für mich. Ich muss allein sein, Charlie. Verstehst du? Für eine Weile, okay? Ich melde mich wieder, hm?“ Charlie wollte widersprechen, das konnte ich ihm ansehen, aber stattdessen biss er sich auf die Lippen und nickte widerwillig. Ich musste lächeln und umarmte ihn. „Sag deinen Eltern danke für die Einladung. Bis dann.“ Ich stieg die letzten Stufen hinunter und betrat wieder den Garten der Weasleys. Wenige Gäste waren noch da. In den Bäumen hingen bunte Laternen und Kerzen erhellten die Tische auf denen jetzt volle und leere Flaschen mit unterschiedlichsten Getränken standen. Ein paar der Gäste saßen noch an den Tischen, andere standen in kleineren Gruppen unter den bunten Laternen und unterhielten sich. Ich ging im Schatten der Hausmauer entlang Richtung Gartentor, von wo ich disapparieren konnte. Ich betete dafür, dass mich niemand bemerken würde, aber wie schon so oft, wurde mein stilles Gebet ignoriert. „Helena!“ Als ich mich umblickte sah ich, wie Bill herbei geeilt kam. Ich blieb nicht stehen, sondern ging weiter. Aber er holte mich ein. „Was ist denn los?“ fragte er und hielt mich an meinem Arm zurück, als ich ihm nicht antwortete. Ich war schon fast am Gartentor. Bill drückte mich gegen die Steinmauer, die den Garten hier umgab. „Red mit mir.“ Bills blaue Augen, die so unterschiedlich zu Charlies waren, musterten mich und ich wandte mich von ihnen ab. „Bitte Helena, ich hab keine Ahnung, was los ist. Was hab ich getan?“ „Was du getan hast?“ wiederholte ich und befreite mich aus seinem Griff. „Was wir getan haben ist folgendes: Du bist verheiratet, okay! Fleur und du, nicht ich und du. Verstehst du das nicht, Bill! Ich hab da keinen Platz. Und das müssen wir einfach akzeptieren, du und ich müssen das akzeptieren und sein lassen. Ich will nicht-“ Ich brach ab, weil ich den Kloß in meinem Hals bemerkte und jetzt auch die Tränen, die in meinen Augen brannten. Bill sah mich an mit diesem Blick, der mir das Herz brach. Er wollte etwas sagen, aber ich ließ ihn nicht. „Ich muss jetzt gehen“, sagte ich und drehte mich um, eilte zum Gartentor, und als ich es erreicht hatte, stand ich im nächsten Moment auch schon vor meiner Wohnung. ~ Die nächsten Tage verließ ich so gut wie nie das Bett. Ich verkroch mich in meiner Höhle aus Kissen und Decken und ignorierte die Außenwelt, die versuchte wieder Teil meines Lebens zu werden. Manchmal klopften Eulen mit Briefen ans Schlafzimmerfenster, aber ich öffnete es ihnen nicht, sodass sie nach kurzer Zeit krächzend wieder davon flogen. Es klopfte auch ein paar Mal an meine Tür, und ich konnte schwören, es waren entweder Charlie oder Bill. Da ich mich aber nicht aus meinem Bett bewegte, war ich mir nicht sicher. Nach einer Woche völliger Isolation klopfte es wieder an mein Fenster. Ich lugte unter den Decken hervor und erblickte die kleine Eule, die aufgeregt gegen das Fenster flatterte. Und sie hörte nicht auf damit. Ihre Flügel, Krallen und ihr Schnabel schlugen abwechselnd gegen die Scheibe und irgendwann sprang ich aus dem Bett. „Was?“ rief ich genervt, als ich das Fenster aufriss. Eine kleine ältere Frau, die unten in der Winkelgasse spaziert war, hüpfte erschrocken zur Seite, und sah zu mir hoch. Schnell wechselte sie die Straßenseite. Gerade als ich ihr eine Entschuldigung nachrufen wollte, flatterte mir die kleine Eule um die Ohren. Federn flogen herum, als sie mich zurück ins Zimmer drängte und dabei laut krächzte. „Pig!“ rief ich, als ich sie erkannte. „Lass das!“ Der kleine Kauz flatterte noch ein paar aufgeregte Runden durch den Raum, stolz und glücklich, dass sie es hier rein geschafft hatte, bevor sie sich schließlich auf meinem Bett nieder ließ und ich ihr den Brief abnehmen konnte, den sie an ihren Krallen befestigt hatte. „Du bist das nervigste kleine Ding, das ich kenne“, erklärte ich, woraufhin sie nur laut krächzte und mir in den Finger zwickte. Ich überflog den Brief und rollte mit den Augen. Dann stand ich auf und ging zur Haustür. „Es wohnen auch noch andere Leute hier im Haus“, entgegnete ich, als Charlie, der auf dem Boden vor meiner Wohnung gesessen hatte, langsam aufstand und sich Schmutz aus seiner Hose klopfte. „Was du nicht sagst“, meinte er und ging an mir vorbei in die Wohnung. Ich seufzte und schloss die Tür hinter ihm. „Was soll das?“ fragte ich und warf ihm den Brief entgegen, den mir Pig gerade gebracht hatte. „'Warte vor deiner Tür. Wenn es sein muss auch Tage'. Hast du nichts anderes zu tun? Was ist mit Rumänien?“ Er zuckte mit den Schultern. „Glaubst du ernsthaft ich reise ab, und lasse dich hier in deiner Verfassung so zurück?“ meinte er nur und trat ins Schlafzimmer, von wo das anhaltende Krächzen Pigs zu hören war. Er ging zum Fenster und ließ den Vogel wieder hinaus. Dann warf er einen Blick auf mein Bett. „Du hast dich vergraben“, stellte er fest und zupfte ein paar Federn von Pig von der Bettdecke. „Aber ist nicht so, dass du das Klopfen an der Tür nicht hörst, wenn du unter deinen Kissen liegst, oder?“ Ich schnaubte und verschränkte die Arme vor der Brust. „Hab ich wohl gehört, hatte aber keine Lust sie zu öffnen. Und du? Was verstehst du unter Ich muss allein sein nicht?“ schnauzte ich zurück. „Bestimmt nicht mir den nervigsten aller Vögel auf den Hals zu hetzen.“ „Ich musste zu drastischen Mitteln greifen, ja. Wenn das die einzige Chance ist dich zu Gesicht zu bekommen.“ „Gut, hier bin ich. Was willst du?“ Charlie musterte mich. Er schien zu überlegen, was er sagen sollte. Dann setzte er sich aufs Bett. „Ich hab es dir versprochen, aber meinen Bruder anzulügen ist nicht gerade eines der Dinge, das mir leicht fällt“, begann er. „Also könntest du es ihm bitte mitteilen, damit diese Fragerei seinerseits endlich ein Ende nimmt?“ Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. In den letzten Tagen hatte ich mir oft überlegt, wie und ob ich es Bill überhaupt mitteilen sollte. Charlie musste meine Gedanken wohl erahnt haben, als er mich ansah. „Du sagst es ihm doch?“ hakte er nach und hob eine Augenbraue. „Ich-“ „Du musst es ihm sagen!“ unterbrach er mich und sprang vom Bett hoch. Ich presste die Lippen aufeinander und warf Charlie einen Blick zu. Dann drehte ich mich um und ging in die Küche. „Wenn du es nicht sagst, werd ich es sagen“, redete Charlie weiter, während er mir folgte. „Untersteh dich!“ fauchte ich ihn an und bohrte meinen Finger in seine Brust, als ich mich zu ihm umgedreht hatte. „Du hast doch wohl nicht ernsthaft vor, es ihm zu verschweigen?“ Ich ließ Charlie stehen und trat an die Spüle, wo ich den Teekessel mit Wasser füllte. Charlie lehnte sich an den Kühlschrank und ließ mich nicht aus den Augen. „Er hat ein Recht darauf, es zu erfahren!“ „Wenn du nicht sofort die Klappe hältst, verhex ich dich, dass dir Hören und Sehen vergeht!“ knurrte ich ihn an und stellte den Kessel auf den Herd. Charlie folgte mir mit seinen Blicken. Er regte mich auf. „Warum bist du überhaupt hier? Wo ist dein Bruder? Warum sitzt du im Flur draußen, wo es doch Bill sein sollte?“ Charlie verrückte die Kühlschrankmagneten und ich war mir nicht sicher, ob er mich gehört hatte. Bevor ich meine Fragen wiederholen konnte, tat er es aber, während sein Blick nicht vom Kühlschrank wich. „Er hat doch immer schon das getan, was du wolltest. Wenn du gesagt hast, du willst deine Ruhe, dann hat er es akzeptiert. Aber er war auch schon ein paar Mal hier, stand vor deiner Wohnung und du hast ihm nicht aufgemacht. Er ist nicht so stur wie ich. Wenn er aber so wie ich wüsste, was eigentlich los ist, hätte er schon längst die Tür eingetreten.“ Charlie hatte Recht. Bill hatte mir immer meinen Freiraum gelassen, im Gegensatz zu Charlie, der solange rum nervte, bis das Problem beseitigt war. Es war ihm einfach egal, ob er mich nervte. „Ich will es ihm nicht sagen. Ich will seine Ehe nicht zerstören, verstehst du das? Auch wenn es dafür schon zu spät ist. Immerhin hab ich das ja schon.“ Charlie sah mich an. „Das hast du nicht. Zumindest ist es nicht deine Schuld. Ich will nicht gutheißen, was ihr getan habt, aber wenn das nicht passiert wäre, dann vermutlich etwas anderes, was die Ehe der beiden auf die Probe gestellt hätte. Und ich glaube nicht, dass sie viel aushält.“ Ich warf Charlie einen fragenden Blick zu und goss das inzwischen kochende Wasser in zwei Tassen. „Was soll das heißen?“ „Naja, Fleur ist eben Fleur. Frag mich nicht, was Bill an ihr findet. Jedenfalls streiten sie sich häufig. Bill stürmt aus dem Haus und sie bleibt heulend zurück und Mum muss sich ihrer annehmen. Nicht gerade das, was man sich unter einem glücklichen Zusammenleben vorstellen würde.“ „Ich dachte immer, sie wären glücklich“, gestand ich und drehte meine Tasse auf dem Tisch um die eigene Achse. Charlie setzte sich neben mich vor seine Tasse Tee und schüttelte den Kopf. „Ich dachte immer, dass mit Bill und mir ist nur ein Ausrutscher seinerseits, oder so was in der Art. Sowas wie einmal und nie wieder. Schließlich ist er mit Fleur Delacour verheiratet. Ich meine, das sagt doch schon alles. Sie ist so schön und anmutig und was weiß ich nicht noch alles... alles, was ich nicht bin. Ich hätte nicht gedacht, dass-“ „Dass jemand wie sie jemals Eheprobleme haben könnte?“ unterbrach mich Charlie und rückte näher an mich heran. „Du redest einen Haufen Drachenmist, weißt du das?“ Charlie lehnte sich in seinem Stuhl zurück und verschränkte die Hände hinter dem Kopf. Er hatte einen Punkt an der Wand fixiert und starrte nun darauf. Ich legte meine Hände um die Teetasse um sie zu wärmen. Eine lange Minute sagte niemand ein Wort. Dann atmete Charlie einmal tief ein und aus. „Wie gesagt, Fleur ist Fleur. Sie mag ein gewisses Aussehen haben, auch wenn das vermutlich nur an den Veela-Genen liegt. Davon abgesehen ist sie einfach nur ein Mädchen. Sie ist keine schlechte Hexe, aber interessant finde ich sie auch nicht. Also verwende sie nicht als Maß aller Dinge. Denn ehrlich gesagt ist mir dein breites Grinsen zehnmal lieber, als ihre gesäuselten französischen Worte.“ Ich schnaubte und fing an zu lachen. Es war nicht einmal ein fröhliches Lachen, trotzdem konnte ich nicht aufhören. Ich lachte, bis mir die Tränen kamen und dann weinte ich. Ich legte meine Arme auf den Tisch und vergrub mein Gesicht darin und heulte los. Charlies Hand strich mir über den Rücken. Er sagte nichts und ließ mir Zeit um mich zu beruhigen. „Was willst du mir damit sagen? Dass Bill besser mich geheiratet hätte, anstatt Fleur? Tja, hat er aber nicht. Und das ist der Punkt. Ich bin diejenige, mit der er seine Frau betrügt und jetzt auch noch schwanger von ihm ist. Und jetzt willst du auch noch, dass ich zu ihm hin gehe und ihm das sage? Was wird Bill dann tun? Fleur für mich verlassen? Oder so tun, als wäre nichts passiert? Ich weiß nicht, was schlimmer wäre.“ „Ich weiß nicht, was er sagen oder tun wird“, meinte Charlie und nahm meine Hand. „Aber nichtsdestotrotz wird er Vater und du solltest es ihm sagen.“ Ich wusste, dass Charlie Recht hatte. Natürlich hatte er Recht. Sosehr mich der Gedanke auch verschreckte, musste ich es ihm sagen. Und mit dem Schlimmsten rechnen. Ich hatte ihm nie gestanden, dass ich ihn liebte. Und jetzt war ich froh darüber. Denn er erwiderte meine Liebe sicherlich nicht, womit ich auch nie gerechnet hatte. Er hatte Fleur. Und ich musste sehen, wo ich blieb. Ich nickte und Charlie nickte ebenfalls. Diese ganzen Diskussionen und meine Heulerei hatten mir Kopfschmerzen bereitet. Charlie begleitete mich in mein Schlafzimmer, wo ich mich zuerst einmal ein wenig hinlegte. Auch wenn noch nichts zu sehen war, bemerkte ich schon deutlich ein paar Veränderungen, die da in mir vorgingen. Und dazu gehörte auch dieses ganze Fertig-Sein. Ich fühlte mich, als hätte ich tagelang nicht mehr geschlafen, als ich wieder im Bett lag. Ich hatte Mühe Charlies Worten zu folgen. „Soll ich Bill dann herschicken?“ „Morgen“, murmelte ich in das Kissen. „Schick ihn morgen her. Dann werd ich mit ihm reden.“ Charlie nickte und zog meine Bettdecke etwas höher, dass sie mich besser bedeckte. Ich bekam gar nicht mehr mit, wie er ging, ~ Klopf Klopf Klopf. Schlafen. Ich will schlafen. Ich bin müde. Klopf Klopf Klopf Ich schlug die Augen auf. Hatte ich nur geträumt oder hatte ich gerade meinen Namen gehört? Nein, da war er wieder. Gedämpft und dann klopfte es wieder. Langsam rollte ich aus dem Bett und stapfte in den Flur. Ein Blick auf den Wecker neben meinem Bett hatte mir verraten, dass es gerade mal sieben Uhr war. Viel zu früh. Aber das Klopfen hörte nicht auf. Ich öffnete die Tür. Blitzartig war ich hellwach. Bill stand im Eingang und wirkte einigermaßen erstaunt, dass ich ihm wirklich geöffnet hatte. Dann runzelte er aber die Stirn. „Ich hab dich geweckt. Charlie sagte, ich solle vorbei kommen, aber ich kann auch später wieder-“ „Nein, schon okay, komm rein.“ Ich trat beiseite und ließ ihn vorbei. Kurz bevor ich die Tür geöffnet hatte, hatte ich geglaubt, dass ich die Unterhaltung mit Charlie am vorigen Tag nur geträumt hatte. Aber jetzt stand Bill da. Ich zeigte in die Küche und folgte ihm, während ich versuchte meine Gedanken zu ordnen. Dort angekommen drehte Bill sich zu mir um und fasste mich an den Armen. „Tu das nie wieder“, sagte er. „Beschimpfe mich, wenn du willst, schrei mich an, aber hau nie wieder einfach so ab, ohne ein weiteres Lebenszeichen von dir zu geben. Ich stand vor deiner Tür, tagelang. Ich hab keine Ahnung, was los ist. Was hab ich getan?“ „Du hast nichts getan... ich meine, schon, aber... es ist schwierig, okay?“ Bill starrte mich an. Ich streifte seine Hände von meinen Armen und drückte ihn auf den Stuhl am Küchentisch. „Ich mach mal Tee“, murmelte ich und ging an den Herd. Ich spürte Bills Blick in meinem Rücken, drehte mich aber nicht um, bis der Tee fertig war und ich mich mit zwei Tassen zu ihm an den Tisch setzte. Bill warf mir einen letzten Blick zu und lehnte sich dann zurück. Er tippte mit den Fingerspitzen gegen die Teetasse und starrte auf die Tischplatte. Es lag wohl an mir, etwas zu sagen. „Wie geht's dir denn?“ „Fantastisch, siehst du doch.“ Sein Sarkasmus war nicht zu überhören. Er hob seinen Blick, holte tief Luft und versuchte etwas netter zu klingen. „Viel Arbeit zurzeit“, erklärte er und klang dabei sehr müde. „Fleur regt sich auf, weil ich nie zuhause bin. Wenn ich aber arbeite, komme ich wenigstens von ihrer Nörgelei zuhause weg.“ „Das klingt ja nicht gerade gut“, murmelte ich und obwohl Charlie mir von ihren Problemen erzählt hatte, war ich überrascht es noch einmal aus Bills Mund zu hören. Bei den beiden lief es wirklich nicht gerade rosig. „Ja, aber jetzt mal was anderes. Hier geht es nicht um mich. Ich will wissen, was mit dir los ist. Bei dem Essen schien noch alles okay zu sein und dann haust du ab und verbarrikadierst dich in deiner Wohnung.“ „Ja“, sagte ich, weil ich nicht wusste, was ich sonst sagen sollte. „Mir gings nicht gut.“ „Ja, das hab ich auch mitbekommen“, meinte Bill. „Was du da gesagt hast... ich meine, ich wollte nicht, dass du dich so fühlst... ich will nicht, dass du dich so fühlst. Unsere Situation ist schwierig, ich weiß, aber-“ „Unsere Situation?“ unterbrach ich ihn. „Das ist das Problem. Es dürfte keine unsere Situation geben. Du bist mit Fleur verheiratet. Das mit uns war ein Fehler.“ Bill kniff die Augen zusammen und sah mich weiter an. Ich nippte an meinem Tee. „Soll heißen?“ Ich zuckte mit den Schultern. Ich wollte es nicht aussprechen. Weil ich doch eigentlich nicht wollte, dass das mit Bill und mir aufhörte. Aber ich konnte einfach nicht hinter Fleurs Rücken so weiter machen. Auch wenn ich sie nicht mochte, das hatte sie nicht verdient. „Ist dir deine Ehe denn komplett egal?“ Bill blickte in seine Teetasse. „Nein“, brachte er schließlich hervor. „Du bist mir aber auch nicht egal.“ „Tja, du kannst nun mal nicht beides haben“, schloss ich und stand auf. Ich hatte Hunger. Mein Magen rumorte und ich ging zum Kühlschrank. Wenn ich die Kühlschranktür öffnete entging ich wenigstens einen Augenblick Bills Blicken. Viel war nicht da. Ich war schon eine Weile nicht mehr rausgekommen um einzukaufen. Missmutig verzog ich den Mund, schloss den Kühlschrank wieder und lehnte mich dagegen. Bill las meine Gedanken. „Gehen wir etwas essen und reden dann weiter“, schlug er vor. Ich war einverstanden und ging mich umziehen, während Bill im Flur wartete. Es war regnerisch draußen, also schlüpfte ich in meinen Mantel und setzte meine Mütze auf. Gemächlich gingen wir die Hauptstraße der Winkelgasse hinunter. Nur wenige Hexen und Zauberer waren unterwegs. Das Wetter war einfach zu ungemütlich um draußen zu sein. Darum entschieden Bill und ich uns auch für das erste Restaurant, an dem wir vorbei kamen und setzten uns in die warme Stube. Es war noch zu früh für Mittagessen, also bestellten wir Frühstück, was mir recht egal war. Und Bill blieb sowieso bei Kaffee. Wir redeten nicht viel während wir auf die Bestellung warteten und als das Essen schließlich kam, war ich zu beschäftigt damit, als dass ich hätte reden können. Bill leerte drei Tassen Kaffee, während ich aß, wobei ich bei Tee blieb. Als das Geschirr abgeräumt wurde, lehnte ich mich mit meiner Tasse zurück und musterte Bill, der mich ebenfalls ansah. „Liebst du Fleur?“ Bills Gesicht zeigt keine Emotionen, während er mich weiter nur ansah. Irgendwie hatte ich Angst vor der Antwort. Ich nahm einen großen Schluck und blickte in meine Tasse. „Helena...“, fing er an und ich schloss die Augen. „Antworte einfach, Bill. Ja, oder nein. Du liebst doch deine Frau, das stimmt doch?“ „Ich... ja... ich liebe sie. Wir... wir haben einige Probleme, aber sie ist meine Frau, und ich glaube, wir können daran arbeiten.“ „Das ist gut, so soll es sein“, meinte ich. Meine Stimme zitterte, aber innerlich zerbrach ich. Es fühlte sich an, als würde jemand meinen Brustkorb auseinander reißen und mein Herz mit einem Flammenwerfer bearbeiten. Ich versuchte die Tränen zurückzublinzeln. „Okay, dann hätten wir ja alles geklärt.“ Ich stand auf und wollte gehen, aber Bill hielt mich an meinem Arm zurück. „Das wars?“ fragte Bill. „Ja, das wars. Geh nach Hause zu deiner Frau, Bill.“ Ich konnte es ihm nicht sagen. Ich wollte, aber es ging nicht. Er liebte Fleur und ich wollte nicht der Grund sein, dass ihre Ehe auseinanderging. Das wollte ich nicht verantworten. „Und was ist mit uns?“ fragte er. „In Zukunft gibt es kein uns mehr. Bitte, mach es nicht noch schwerer, als es schon ist.“ Seine Hand hielt immer noch meinen Arm und sein Griff wurde fester. „Wir sind fertig“, versuchte ich das Ganze zu beenden. Ich wollte nur noch weg. „Ich wünsche dir alles Gute... dir und... Fleur.“ Bills Ausdruck brach mir das Herz, aber ich musste da durch. „Helena...“ Bill... bitte lass los.“ Und weil Bill einfach Bill war und nicht Charlie, ließ er los. ~ 4 Monate später Ich saß auf dem Sofa und futterte Schokolade in mich hinein. In letzter Zeit war das meine einzige Beschäftigung. Auf dem Sofa sitzen und essen. Während mein Bauch immer größer und runder wurde. Dabei musste ich meine Sitzposition des Öfteren wechseln, weil es immer schwieriger wurde, bequem zu sitzen. Aber die Schwangerschaft hatte auch sein Gutes. Ich hatte von der Arbeit frei bekommen und mein Bauch diente mir auf dem Sofa als Tischersatz. Den Teller mit der Schokolade darauf balancierte ich schon richtig gut. Draußen dämmerte es und ich zappte mich durch die Fernsehkanäle. Ich war wirklich froh, dass ich einen Fernseher hatte. Keine zwei Monate mehr, und ich würde Mutter sein. Schon allein wenn ich daran dachte, bekam ich eine Gänsehaut. Es schien immer noch so unwirklich, aber ich musste ja nur nach unten sehen, um mich vom Gegenteil zu überzeugen. Ich hatte Bill seit unserem Gespräch und unserer Trennung nicht mehr gesehen. Ich war immer noch nicht über ihn hinweg, wer weiß, ob ich das jemals sein würde. Oft war ich kurz davor gewesen, ihm zu schreiben, aber hatte es dann doch sein lassen. Es war besser überhaupt keinen Kontakt mehr zu ihm zu haben. Charlie war ein paar Mal vorbei gekommen. Anfangs hatte er eine ziemliche Wut auf mich gehabt, weil ich es Bill doch nicht gesagt hatte. Aber er hielt sein Versprechen mir gegenüber, es seinem Bruder nicht zu erzählen. Er ließ es sich wiederum nicht nehmen, hin und wieder vorbeizuschauen. Schließlich würde er Onkel werden, wie er nur allzu oft, und nicht ganz ohne Stolz, verkündete. Aber ich wollte ihn auch nicht von seiner Arbeit in Rumänien abhalten, daher verbat ich ihm öfters als einmal im Monat vorbeizukommen. Aber typisch für Charlie, hörte er nicht auf mich und tauchte immer mal wieder auf, wenn es ihm passte. Auch heute klopfte es an meine Tür. Ich brauchte ein wenig Zeit, mich von der Couch zu hieven, und es klopfte noch einmal. „Komme schon.“ Ich stapfte zur Tür und öffnete sie. Und da stand Bill. Ich bekam kein Wort heraus. Er sah mich einen Moment an, bevor sein Blick hinunter zu meinem Bauch wanderte. Seine Augen wurden groß und sein Mund klappte auf. Der Gedanke, ihm die Tür vor der Nase zuzuschlagen kam mir in den Sinn, aber diesmal würde Bill wohl gar nichts davon abhalten, mich zur Rede zu stellen. Ich könnte disapparieren. Ich verwarf diese Idee ebenfalls gleich. Es war auch zu gefährlich in meinem Zustand zu disapparieren. Und schließlich musste Bill es irgendwann herausfinden. Und jetzt war er schon mal da und sah meinen runden Bauch. Was hätte ich auch schon sagen sollen? Ich hab zu viel gegessen? Wohl eher nicht. Wir standen beide einige Sekunden einfach nur da und sahen uns an. Ich hatte keine Ahnung, was ich sagen sollte. „Komm rein“, sagte ich, nachdem das Schweigen etwa eine Minute angehalten hatte, und machte Platz für Bill. Er rauschte an mir vorbei, Richtung Wohnzimmer und ich schloss die Wohnungstür. Ich folgte ihm nach und fand Bill vor dem Fernseher stehend, hektisch an den Knöpfen der Fernbedienung herumdrückend. „Äh, was machst du da?“ fragte ich, während er mir das ganze Fernsehbild versaute, indem er den Kontrast auf 100 einstellte. „Ich mach das verdammte Ding aus! Ich kann mich nicht einmal denken hören... wie funktioniert das denn?“ Doch statt zu verstummen erwischte Bill die Lautstärkeregelung, und mit einem mal dröhnte die Wohnung von der Stimme eines Nachrichtensprechers wider, dass man sie vermutlich in der ganzen Winkelgasse hören konnte. Bill reichte es. Er warf die Fernbedienung zurück aufs Sofa und zog seinen Zauberstab. Der Fernseher erstarb und hinterließ eine Rauchwolke, die von der Rückseite des Gerätes emporstieg, nachdem Bill den Zauberstab geschwungen hatte. „Du hast meinen Fernseher gekillt!“ rief ich und zog schnell das Kabel aus der Steckdose, bevor noch etwas durchbrannte. „Ich kauf dir einen neuen.“ „Hey, der war aber teuer!“ „Jetzt vergiss den blöden Fernseher, und erklär mir stattdessen lieber, was das da ist!“ Das da, worauf sein Finger zeigte, war mein Bauch. Bevor ich ihm antwortete, setzte ich mich aufs Sofa. Mir tat der Rücken weh, wenn ich zu lange herumstand, und außerdem war es anstrengend. „Setz dich doch“, bot ich ihm an, aber er schüttelte den Kopf. „Ich steh hier ganz gut“, gab er zurück, ohne seinen Blick von mir abzuwenden. Ich kaute auf meiner Unterlippe herum und überlegte, was ich sagen sollte. „Willst du was trinken? Ich hol uns was zu tri-“ „HELENA!“ Wenn Bill einmal laut wurde, was selten genug vorkam, wusste man, dass man ihn nicht mehr länger reizen sollte . Ich ließ mich also wieder in die Kissen zurücksinken und zog die Füße aufs Sofa. „Ich bin schwanger“, sprach ich also das Offensichtliche aus. Bill nickte schnell. „Ach bist du, ja?“ Sein Sarkasmus half mir nicht gerade, ihm alles zu erklären, aber ich hatte es auch nicht anders verdient. „Ja, ich bin im siebten Monat.“ Ich konnte sehen, wie es hinter Bills Stirn arbeitete. Wie er die Zahlen in seinem Kopf miteinander verknüpfte. „Im siebten?“ wiederholte er und ich nickte. Und wieder ging das Kopfrechnen los. „Brauchst du einen Taschenrechner?“ „Nein, auch wenn ich wüsste was das ist“, erwiderte er tonlos. Und einen Moment später: „Wenn du im siebten Monat bist, dann warst du bereits während der Schlacht schwanger“, stellte er fest. „Du wurdest schwanger, als wir noch zusammen... zusammen waren.“ „Wir waren nicht zusammen, wir hatten ein Verhältnis. Du bist mit Fleur verheiratet“, unterbrach ich, aber Bill ignorierte mich. „Also ist das Kind von mir?“ Ich wurde etwas wütend, als er das sagte. „Natürlich ist es von dir!“ rief ich aufgebracht. Am liebsten wäre ich aufgesprungen und hätte ihm eine rein gehauen. Aber aufspringen konnte ich in meinem Zustand vergessen. Also funkelte ich ihn nur böse an. „Was glaubst du denn!“ Ich nahm eines der Kissen vom Sofa und warf es Richtung Bill, aber er wich mit einer schnellen Bewegung aus, ohne überhaupt aufzusehen. Seine Stirn war gerunzelt und seine Augen wanderten hin und her. „Ich glaube, ich muss mich doch hinsetzen“, murmelte er und sank aufs Sofa. Er fuhr sich durch seine langen Haare und verschränkte die Arme, bevor er sich in dieser Stellung zu mir umdrehte. „Ich werde also Vater?“ Er sah mich mit diesem Blick an, erwartungsvoll und aufgeregt zugleich; ich konnte ein Lächeln meinerseits nicht unterdrücken, während ich zur Bestätigung nickte. Bill hielt sich eine Hand vors Gesicht, als er ein kurzes Lachen hören ließ. „Wow“, flüsterte er, „wow.“ Und dann war es eine ganze Weile lang still, bis er sich mit einem leichten Grinsen wieder mir zuwandte. „Sicher, dass es meins ist?“ Diesmal verfehlte das Kissen sein Ziel nicht, und traf Bill genau im Gesicht, der aber nur lachte. Ich hatte gar nicht gewusst, wie sehr mir sein Lachen gefehlt hatte, bis ich es endlich wieder hörte. „Schon gut, schon gut“, lachte er und rückte näher, bis er direkt neben mir saß. Sein Lächeln verblasste wieder, während er mich von oben bis unten musterte. „Warum hast du es mir nicht gesagt?“ „Ich hatte Angst.“ „Wovor denn?“ „Vor deiner Reaktion.“ Bill legte seine Hände an meine Wangen und hob sanft mein Gesicht an, sodass ich ihm in die Augen sehen musste. „Und war es so schlimm?“ fragte er. Ich schüttelte langsam den Kopf und er lächelte. Bills Finger strichen über meine Wangen und ich bekam eine Gänsehaut. Es war wirklich schön ihm wieder so nahe zu sein, aber andererseits war er ein verheirateter Mann und darum fühlte es sich auch falsch an. Ich drehte mein Gesicht um seiner Berührung zu entgehen. „Und jetzt?“ fragte ich. „Wie solls jetzt weiter gehen?“ „Weißt du denn schon, was es wird? Hast du schon über Namen nachgedacht?“ fragte Bill und ich blickte ihn verwirrt an. „Was? Ich... nein, ich weiß es nicht. Das ist doch im Moment auch egal...“ „Finde ich nicht“, unterbrach mich Bill, „unser Kind soll schließlich einen guten Namen bekommen.“ Ich atmete tief ein und aus. „Bill...“ Er sah mich an, hob fragend beide Augenbrauen und ich ärgerte mich darüber, dass ich das Offensichtliche erst aussprechen musste. Warum war er überhaupt hier? Ich hatte schwer Charlie im Verdacht. „Bill, warum bist du hier? Was ist mit Fleur?“ Er hob beide Hände zu einer entschuldigenden Geste und blickte zu Boden. Dabei wackelte er auffallend mit dem Finger, an dem eigentlich sein Ehering sein müsste. War er aber nicht. Ich starrte auf den nackten Finger, zu verwirrt und überrascht um überhaupt etwas zu verstehen. Ich verstand es wirklich nicht. Bill war schließlich so gnädig es mir zu erklären. „Damals in dem Restaurant, als du gesagt hast, ich solle nach Hause zu meiner Frau gehen, hab ich das getan. Ich bin nach Hause in den Fuchsbau, hab die Sachen gepackt und bin mit Fleur zurück nach Shell Cottage. Ich wollte wirklich an unserer Ehe arbeiten und versuchen dich… dich zu vergessen. Du hast mir ja klar und deutlich gemacht, dass es kein uns mehr geben würde. Ich wusste, dass es ungerecht gegenüber Fleur war, daher habe ich versucht einen Schlussstrich zu ziehen. Aber in Shell Cottage ging es genauso weiter wie im Fuchsbau. Fleur war mit allem unzufrieden. Sie hatte sich einfach so verändert, es war, als hätten wir nichts mehr gemeinsam. Vielleicht hab ich mich auch verändert, ich weiß nicht...“ Gebannt hatte ich Bill zugehört, obwohl ich kaum fassen konnte, was er da sagte. Bill stockte kurz, erzählte dann aber weiter. „Ich habe mich bemüht, unsere Ehe zu retten. Das habe ich wirklich. Es sollte einfach nicht sein.“ Ich starrte Bill an und bemerkte, wie mir die Tränen in die Augen stiegen. „Das ist meine Schuld“, antwortete ich. „Ich hab deine Ehe zerstört. Es tut mir... es tut mir so leid, Bill. Das hab ich nicht gewollt. Ich...“ Die Tränen begannen mir über die Wangen zu laufen und Bill umarmte mich. Er war dabei so vorsichtig, als hätte er Angst, er könnte mir wehtun. „Es ist nicht deine Schuld. Das wäre ohnehin passiert. Helena, mach dir keine Vorwürfe. Das mit uns hatte nichts damit zu tun.“ „Natürlich hat es das. Du hattest keine Zeit für Fleur wegen mir, du hast sie links liegen lassen. Du warst abwesend. Und daran bin ich genauso beteiligt gewesen wie du. Ich hätte nie... ich hätte das nie tun dürfen. Ich schäme mich so dafür.“ Ich befreite mich aus Bills Umarmung und fuhr mir mit dem Ärmel über mein nasses Gesicht. „Und warum hast du es getan?“ fragte Bill. „Weil ich... weil ich mich in dich verliebt hatte und mit dir zusammen sein wollte.“ Ich konnte den Satz nur flüstern, während ich weiterhin mein Gesicht in meinen Ärmeln vergraben hatte. Ich wollte Bill nicht mehr ansehen, so sehr schämte ich mich. „Na, das ist doch mal ein guter Grund...“ Mit finsterem Blick musterte ich Bill. „Kannst du auch mal ernst sein?“ „Ich bin ernst. Hey, ich meine das todernst.“ Und er nahm meine beiden Hände in seine, wie er es früher immer getan hatte, und blickte mich an. „Ich. Liebe. Dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Ich liebe dich. Das ist der beste Grund überhaupt. Und ich weiß nicht, was jetzt noch dagegen spricht, dass wir zusammen sind. Ich meine, wir werden bald Eltern, Helena. Und außerdem, falls du es noch nicht gewusst hast: Ich liebe dich.“ Ich atmete lange ein und aus. „Alles okay?“ fragte Bill. „Nein!“ „Oh, und ich dachte, hiermit wäre alles geklärt und wir könnten uns endlich küssen.“ „Halt die Klappe, Bill.“ Er hob die Hand mit einer entschuldigenden Geste und sagte nichts mehr. Ein paar Minuten saßen wir schweigend da. Bill warf mir immer wieder Blicke zu, die ich aber ignorierte „Kann ich... darf ich mal anfassen?“ Ich nickte. Bill legte sanft eine Hand auf meinen Bauch und begann zu lächeln. „Wahnsinn“, hörte ich ihn murmeln und konnte ein Lachen nicht verkneifen. Bill blickte auf und grinste breit. „Mum und Dad werden total ausflippen. Alle werden das. Außer Charlie natürlich, denn der wusste es ja schließlich als Erster.“ Mein Lächeln rutschte mir aus dem Gesicht, während ich Bills vorwurfsvollen Ton überhörte. Ich fasste mir an die Stirn. „Oh Mann.“ „Was ist?“ fragte Bill, während ich mich von ihm wegdrehte und mich vom Sofa hochstemmte. Ich ging in die Küche, dicht gefolgt von Bill. „Du hast recht, sie werden ausflippen“, sprudelte ich los, während ich Runden um den Küchentisch drehte. Bill blieb an der Anrichte gelehnt stehen und beobachtete mich mit verschränkten Armen. „Sie werden eins und eins zusammenzählen und dann werden die Fragen kommen: Aber Helena, wie kannst du im siebten Monat sein, wenn Bill und Fleur vor einem Monat noch verheiratet waren? Wie können du und unser Sohn gemeinsam ein Kind bekommen, wenn ihr gar nicht zusammen wart? Hast du etwa unseren Sohn verführt, während er mit Fleur verheiratet war? Du hast also die Ehe unseres Sohnes zerstört! NIEMALS werden wir das gutheißen! Dieses Kind wird kein Teil unserer Familie!“ Ich starrte Bill an, der mich ebenfalls anstarrte. Ich war etwas außer Atem und versuchte mich wieder zu beruhigen. Ich hatte endlich angehalten und mich auf einen Stuhl niedergelassen. „So hört sich weder meine Mutter, noch mein Vater an“, gab Bill schließlich von sich, als wäre das das eigentliche Problem meines Monologes gewesen. „Bill!“ „Okay, tut mir leid“, meinte er und zog einen Stuhl zu sich heran, dass er mir gegenüber sitzen konnte. „Aber jetzt mal ehrlich: du kennst meine Familie. Sie lieben dich. Nie und nimmer würden sie so etwas über dich denken, geschweige denn sagen. Okay, als Fleur und ich uns getrennt haben, waren Mum und Dad nicht gerade glücklich. Sie dachten, ich wäre todtraurig darüber. Aber als sie nach einer Weile erkannten, dass ich eigentlich ganz okay war, beruhigten sie sich ebenfalls. Denn eigentlich wollen sie doch nur, dass ihre Kinder glücklich sind. Und wenn es dazu einer Trennung gebraucht, dann soll es so sen. Und spätestens zwei Wochen nach der Trennung, fing Mum auch schon wieder an, davon zu sprechen, wie Fleur eigentlich nicht in die Familie gepasst hat. Du weißt ja, die zwei haben sich nie sonderlich gut verstanden. Wie dem auch sei, wenn du willst rede ich mit ihnen. Ich werde ihnen alles erklären. Und du wirst sehen, sie werden das verstehen. Und dann werden sie ausflippen, wie schon gesagt. Mum wird komplett aus dem Häuschen sein, wenn sie erfährt, dass sie in zwei Monaten Oma sein wird.“ Unwillkürlich fing ich an zu lächeln und Bill grinste mich an. „Machen wirs so?“ Ich nickte. „Darf ich dich jetzt endlich küssen?“ fragte er ungeduldig. Und nach langem Hin und Her, nur um ihn noch etwas zu ärgern, warf ich mich ihm in die Arme. ~ Ich saß auf der Treppe im Flur des Fuchsbaus und zappelte nervös herum. Bill saß mit seinen Eltern und Geschwistern in der Küche und erzählte ihnen alles. Die Weasleys wussten nicht, dass ich hier war, und ich war mir selbst auch nicht mehr sicher, ob ich hier sein wollte. Ich umklammerte meinen Zauberstab und vor meinem geistigen Auge sah ich immer wieder Molly, die mir einen Fluch auf den Hals jagte, nachdem sie Bills Erzählung gehört hatte. Ich wusste, Molly würde so etwas nie tun, aber ich fühlte mich doch etwas sicherer, wenn ich meinen Zauberstab bei mir hatte. Außerdem dachte ich daran, einfach abzuhauen. Apparieren konnte ich vergessen. Und Arthurs schwebendes Auto, mit dem Bill mich hierhergebracht hatte, konnte ich auch nicht einfach stehlen. Oder doch? Ich rang mit mir und war kurz davor, aufzuspringen und zu flüchten, als Bill im Flur auftauchte. „Na?“ meinte er und legte eine Hand auf das Treppengeländer. „Bereit?“ „Was für eine blöde Frage“, entgegnete ich, was ihn nur grinsen ließ. Aber vielleicht würde es auch gar nicht so schlimm werden. Zumindest hatte ich kein Geschrei aus der Küche gehört. Und da ich eigentlich keine Wahl hatte, stand ich mit Bills Hilfe auf und strich meine Kleidung glatt. „Was hast du denn mit dem Zauberstab vor?“ fragte Bill. „Man kann nie wissen“, entgegnete ich, und er rollte mit den Augen. „Übertreibst du es nicht ein wenig?“ Ich schüttelte den Kopf, aber mit einem weiteren Blick Bills steckte ich den Zauberstab schließlich wieder ein. „Schön, aber wenn sie mich schon umbringen wollen, dann sollen sie es gefälligst schnell machen.“ „Ab mit dir.“ Bill schob mich in die Küche. Ich versuchte zwar mich noch einmal gegen ihn zu stellen, aber er schob einfach weiter. Und dann stand ich vor dem Küchentisch, an dem Molly, Arthur, Ron und Ginny saßen. Charlie war in Rumänien und George wohnte inzwischen in der Winkelgasse. Aber ich hatte keinen Zweifel daran, dass er auch noch hier auftauchen würde. Alle starrten mich an. Bill stand immer noch hinter mir, ich konnte also nicht einfach wieder umdrehen, um wegzulaufen. Ich hatte es schon versucht, indem ich einen Schritt nach hinten gemacht hatte, und nur mit Bill zusammengestoßen war. Also stand ich einfach nur da und wartete darauf, dass es losging. Molly sprang von ihrem Stuhl hoch und eilte auf mich zu. Und als sie, anstatt mich zu verhexen, in die Arme schloss, konnte ich einen überraschten Aufschrei nicht unterdrücken. „Kindchen, wie schön, dich wiederzusehen! Bill hat uns alles erzählt und ich bin ja so glücklich! Sieh dich nur an! Ich kann dir gar nicht erklären, wie froh wir darüber sind, dich in unserer Familie willkommen zu heißen! Ich meine, natürlich warst du immer schon ein Teil dieser Familie, aber jetzt so richtig!“ Ihre Wangen glühten vor Aufregung, als sie ihre Umarmung wieder lockerte und mich ansah. Ich hatte keine Ahnung, was ich sagen sollte. Ich war zu überrascht über ihre Reaktion, dass ich sie einfach nur anstarrte. Aber etwas musste ich doch loswerden. „Es... es tut mir wirklich alles furchtbar leid... ich...“ Aber weiter kam ich nicht, da mich Molly wieder an sich drückte. „Mach dir keinen Kopf, Liebes!“ sagte sie nur. „Im Moment ist nur wichtig, dass es dir und dem Kind gut geht.“ „Uhm... okay?“ Mehr brachte ich nicht zustande, aber Molly lächelte mich strahlend an. Dann kam auch Arthur und umarmte mich, wenn auch nicht so überschwänglich, wie Molly. Aber er schien so gerührt zu sein, als er mich betrachtete, dass mir fast die Tränen kamen. Dann fiel Ginny mir um den Hals. „Ich werde Tante!“ rief sie fröhlich. „Und ich bin so froh, dass du anstelle von Schleim getreten bist! Wirklich, ich konnte sie nicht ausstehen!“ „Ginny, ich hab dir gesagt, du sollst Fleur nicht so nennen“, entgegnete Bill, der immer noch hinter mir stand, aber Ginny gluckste nur vor sich hin. Sogar Ron umarmte mich und wurde dabei rot wie eine Tomate. „Herzlichen Glückwunsch“, murmelte er verlegen und mit ihm fielen alle anderen in die Glückwünsche ein. Ich starrte immer noch von einem zum anderen, und fragte mich, ob ich das ganze eigentlich nur träumte. Molly legte einen Arm um meine Hüfte und führte mich zu einem der Stühle. „Na komm, Liebes, du musst Hunger haben, schließlich isst du ja jetzt für zwei. Ich koche dir etwas. Und ich habe da noch ein Rezept für einen speziellen Tee, den ich während meiner Schwangerschaften auch immer getrunken habe. Du wirst sehen, er wirkt Wunder.“ Während sie einen Topf auf den Herd zauberte, erzählte sie mir von den Schwangerschaften ihrer Kinder und plapperte munter vor sich hin. Ginny hatte sich auf den Stuhl neben mir niedergelassen und strich, nachdem sie sicher war, dass es mir nichts ausmachte, vorsichtig über meinen Bauch. Sie lachte laut auf, als sie die Bewegungen im Inneren vernahm und konnte kaum erwarten es Harry zu erzählen. Von diesen heiteren Szenen immer noch etwas verwirrt, blickte ich nach rechts zu Bill, der immer noch am Türeingang zur Küche stand und mich jetzt anlächelte. Und in dem Moment konnte ich nur das Lächeln erwidern.