x

Die Statistik vom Quiz

Hogwarts mal anders vol.2

32.2 % der User hatten die Auswertung: „Sam!“ Grinsend wirbelte ich herum und blickte zwei stürmischen Zwillingen in die Augen. „Na was habt ihr denn für Gnome im Hintern, dass ihr so schreit?“ lachte ich sie an, nachdem sie mich zusammen mit ihren drei Großen Brüdern erreicht hatten. Bill hatte die Schule schon vor drei Jahren verlassen, doch da er noch Urlaub hatte, hatte er Molly den Gefallen getan seine Geschwister sicher zum Gleis zu bringen. Ich kannte die rothaarige Rasselbande seit ich ein kleines Mädchen war und hatte fast alle meine freie Zeit mit den Zwillingen verbracht, die zwar ein Jahr jünger waren als ich, jedoch mit dem gleichen Sinn für witzige Streiche ausgestattet waren. Percy hingegen mied ich seit meinem ersten Schuljahr auf Hogwarts. Er war einfach ein elender Streber. Tja und Charlie? Der war mal schwer in Ordnung. Durch ihn hatte ich selbst an Quidditch Spaß, wenngleich ich in diesem Sport grottig war. Wie eigentlich in jedem Sport. Ich war eher die Frau für starke Zauber. Ja, denn im Zaubern war ich gut. Bei der McGonagall sogar Klassenbeste! Aber noch als ich mich von Bill verabschiedete und mit den Zwillingen ein Abteil bezog, beschlich mich der Verdacht, dass mein zweites Schuljahr notenmäßig nicht an mein erstes anschließen würde. „Percy magst du dich nicht zu uns setzen?“ erkundigte sich George grinsend. „Nein, je weniger ich hier mit euch zu tun habe, desto besser“, gab dieser hochmütig zurück und zog ab. „Seltsamer Vogel. Sicher, dass der mit euch verwandt ist?“ „Das fragen wir uns auch öfter“, kicherte Fred. Das Jahr verlief wie im Flug und ich musste feststellen, dass sich meine Befürchtung meiner Noten bezüglich bestätigte. Zwar lieferte ich im Unterricht immer noch erstklassige Ergebnisse ab, doch waren meine Hausaufgaben meist nur Durchschnitt. Dennoch bereute ich nicht, dass ich jede freie Minute mit meinen beiden besten Freunden verbrachte. Auch Charlie meinte dazu nur, dass es im Leben ohnehin nicht nur auf Noten ankam. So verstrich auch mein drittes Schuljahr. Die Sommerferien hatte ich wie üblich im Fuchsbau verbracht und war nun mit Molly, Arthur, Percy, Fred, George, Ron und Ginny auf dem Weg zum Bahnhof. „Meint ihr es ist wahr? Ich meine, dass Harry Potter jetzt nach Hogwarts geht?“ „Jeder, der in Mathe nicht durchgefallen ist, dessen Rechenkünste sollten wohl ausreichen, um sich die Antwort selbst zu geben“, spottete Percy über die in seinen Augen überflüssige Frage Rons. Ich strich mir eine der bunten Strähnen aus dem Gesicht und lächelte Ron aufmunternd zu, „glaub mir nicht jeder Zauberer wird mal wie Percy.“ „Wenn nicht jeder Zauberer so wird wie Fred und George wäre das schon eine Wohltat“, murmelte Percy und blickte genervt auf seine Uhr, „wir kommen noch zu spät, wenn ihr nicht ein wenig schneller geht.“ „Oh Gott, bist du spießig geworden“, lachte ich und stieß ihn leicht in die Seite. Verwirrt sah er mich an und es schien, als wolle er etwas sagen. Doch wir beschleunigten dennoch unsere Schritte, schließlich wollten wir den Zug nicht verpassen. Zielstrebig rannte ich durch den Pfeiler, der sich genau zwischen Gleis neun und zehn befand und die magische Barriere zum verzauberten Gleis darstellte. Auf diesem herrschte schon heilloses Durcheinander und ich verabschiedete mich rasch von Molly, Arthur und Ginny, um dann mit den Zwillingen den Zug zu besteigen. „Vergiss nicht, dass sich die Vertrauensschüler schon im Zug treffen“, erinnerte ich Percy mit strengem Blick, ehe ich ihn lachend stehen ließ. „Was machst du nur mit dem? Sonst hat er doch auch immer eine Antwort. Nur du machst ihn Mal um Mal sprachlos“, kicherte George, als wir uns gerade in einem Abteil niedergelassen hatten. Mir blieb keine Zeit für eine Antwort, da in diesem Moment drei lachende Mädchen vor dem Abteil erschienen. Alicia, Katie und meine beste Freundin Angelina, die mich bei ihrer freudigen Umarmung beinahe erdrückte. „Na wie waren die Ferien?“ „Fantastisch! Wir waren in einem dieser schaurigen Dörfer, von denen die Muggel glauben, sie seien magisch“, begann Fred von unseren Ausflügen zu erzählen. „Echt schade, dass wir dieses Jahr die gesamten Ferien über in Frankreich waren. Ich sag euch meine Cousine ist der Horror. Volle Kanne Tussi“, stöhnte Katie und schüttelte den Kopf. „Und leider fehlt dir die nötige Schadenfreude, um ihr heimlich die Haare zu färben, was?“ „Nicht jeder ist so wie du, Fred“, gab sie grinsend zurück. „Aber zum Thema Haare, coole neue Frisur“, kicherte nun Angelina, der ebenso wie den anderen beiden, dieser Kommentar schon seit Minuten auf der Zunge zu liegen schien. Auch die Zwillinge prusteten los. „Eine schöne Frau kann nichts entstellen“, lächelte ich nur und drehte eine der bunten Strähnen zwischen meinen Fingern. „War das Absicht?“ erkundigte sich nun Alicia skeptisch. >Flashback< „Und ihr meint echt, dass wir damit alles richtig gemacht haben?“ erkundigte sich George, die Stirn nachdenklich in Falten. Er war eben doch immer ein wenig unsicher, wenn es um Selbstversuche ging. Dieses Mal hatten die Zwillinge versucht einen Trank zu brauen, der die Haare für wenige Stunden in allen Regenbogenfarben erstrahlen ließ. Wir hatten gelost, an wem er ausprobiert werden würde und ich hatte verloren. Doch was konnte schon schief gehen? Mit Pech würde ich einen magischen Barbier bitten müssen mir wieder leuchtend blonde Haare zu zaubern. „Jetzt hab dich nicht so und gib mir das Zeug“, lachte ich und leerte die Ampulle in einem Zug. „Hm schade“, maulte Fred, denn es geschah absolut nichts. „Nach dieser Flaute muss ich glaub ich direkt ins Bett.“ „Komm schon Sam, lass es uns noch mal versuchen.“ „Gut, Fred, eine noch“, gab ich zurück und leerte die zweite Ampulle. Was jetzt geschah ließ mich erschrocken schreien. Meine Kopfhaut begann zu kribbeln und für einen Moment drehte sich alles. Das nächste, was ich wahrnahm, war dass mich George in den Armen hielt und aufgeregt mit Fred flüsterte. „Sie wird uns umbringen, wenn das so bleibt!“ „Locker bleiben Fred, es wird schon wieder.“ „Ja, aber wann? Und überleg nur was Mom mit uns anstellen wird!“ „Azkaban wird ein Kindergeburtstag dagegen sein“, stöhnte ich und die beiden sahen mich besogt an. „Geht‘s dir gut?“ „Ja, warum sollte es nicht?“ „Du hast geschrien und bist zusammengebrochen.“ „Mir geht‘s gut. Aber hat es funktioniert?“ „Sieh selbst“, murmelte Fred und hielt mir einen Spiegel vor die Nase, nachdem ich mich aufgerichtet hatte. Was mir da entgegenblickte war wirklich komisch. Meine sonst hellblonden Haare leuchteten allen Farben des Regenbogens. Bunt, sie waren wirklich bunt. blinzelnd strich ich mir eine der schillernden Locken aus dem Gesicht und betrachtete mich noch etwas genauer. Zu meiner großen Überraschung gefiel ich mir so wirklich ausgesprochen gut. Es war ein wenig befremdlich, klar, aber es stand mir. Ließ die Leute sehen, dass ich eben kein blonder Engel war. „Ich find‘s gut“, grinste ich die beiden Zwillinge an, die sich überrascht ansahen. „Wirklich?“ „Ja.“ „Das beruhigt uns.“ >Flashback ende< „Tja und wie ihr seht, geht es nicht wieder weg“, lachte George, nachdem die Zwillinge abwechselnd von unserem kleinen Experiment berichtet hatten. „Aber du hast Recht, es steht dir“, meinte Angelina und ich sah ihr an, dass sie nicht log, wenngleich sie meine Haare noch immer irritiert musterte. „Aber ihr hättet ihr besser die Haare in Rot und Gold gefärbt, dann könnte sie jetzt unser Quidditchmaskottchen sein, wenn sie schon nicht mitspielen will.“ „Selbst wenn ich könnte, ich würde bei eurem Captain dankend verzichten“, gab ich Alicia lachend zurück. In diesem Moment ging die Tür auf und ein großer, blonder Junge streckte seinen Kopf in das Abteil. Doch das charmante Lächeln, mit dem er meine Freundinnen für gewöhnlich grüßte, war nicht zu erahnen. Stattdessen sah Oliver aus, als hätte man seinen Hund erschossen. „Gut, dass ihr alle hier seid. Wir müssen uns dringend wegen des kommenden Jahres besprechen. Dass uns Charlie jetzt fehlt können wir vermutlich nicht ausgleichen“, sagte er ernst und die Zwillinge stöhnten, während Angelina genervt die Augen verdrehte. Ja, Wood war absolut fanatisch. „Da ich darauf gerne verzichten würde, sehen wir uns wohl wenn euer Sklaventreiber mit euch fertig ist“, meinte ich und musterte Wood einmal knapp, ehe ich das Abteil verließ. >Fred‘s Sicht< Ich musste lachen, was mir einen bösen Blick von Wood einbrachte, der allerdings auch etwas überrascht reagiere. „Wer war das denn?“ „Sam und du kennst sie. Immerhin ist sie eine Gryffindor“, meinte Angelina und sah Wood empört an. „Die kleine blonde, die so oft bei euch ist?“ „Wie du sehen konntest ist sie nicht mehr blond.“ „War die nicht immer eher schüchtern?“ Alle konnten wir uns ein breites Grinsen nicht verkneifen. „Was?“ „Oliver, sie organisiert seit zwei Jahren jede unserer Hauspartys und haut bloß immer ab wenn du kommst, weil sie dein Quidditchgelaber nicht ertragen kann“, lachte Alicia. „Quidditchgelaber?“ „Sie steht mehr auf Musik. Außerdem kannst du von ihr eigentlich fast alles kriegen, was man zum feiern braucht.“ Jetzt sah Wood aus, als wäre ein Schnellzug an ihm vorbei gerauscht. „Lieb und süß ist mit ihr nicht.“ Ich stimmte meinem Bruder nickend zu. Doch leider schien sich Wood in diesem Moment wieder zu fangen. Zwar hatte es mich nicht überrascht, dass er bis jetzt noch keine Notiz von unserer Freakfreundin genommen hatte, doch dass es ihn selbst so verwunderte, war wirklich mal was neues. „Also, wir müssen ein Casting veranstalten. Es ist ungeheuer wichtig, dass wir einen guten Sucher finden. Klar, Charlie werden wir nicht ersetzen können, doch wir müssen die Schlangen in diesem Jahr von ihrem Podest stoßen!“ „Jaja schon klar Wood, doch warum machen wir uns darüber jetzt schon Gedanken? Vielleicht finden wir ja ganz überraschend einen super Sucher!“ „Allerdings! Komm mal runter.“ „Ihr versteht offensichtlich die Lage nicht“, setzte unser Captain wieder an und ich begann nur noch mit einem Ohr zuzuhören. Stattdessen sah ich aus dem Fenster und freute mich auf das kommende Jahr. Ein Jahr mit meinen besten Freunden und an dem Ort, den ich liebte. >Normale Sicht< Die ersten Wochen waren vergangen wie im Flug. Anfängliche Kommentare bezüglich meiner Haare hatte ich größtenteils ignoriert, wenn sie aus Slytherin kamen. Die meisten anderen hatten begeistert oder zumindest positiv reagiert. Nun saß ich zusammen mit Lee in der Bibliothek und versuchte meinen Aufsatz für Kräuterkunde fertig zu bekommen. Es war Halloween und dennoch hatte fast alle Lehrer uns schrecklich viele Hausaufgaben aufgebrummt. „Dass man sich mit so was Unnötigem beschäftigen muss, regt mich echt auf“, murmelte Lee, der mitten in einer Hausarbeit für Snape steckte. „Ich schätze die Zwillinge sollten das auch machen?“ „Klar, Zusatzarbeit wegen Störung des Unterrichts.“ „Hab ich mir fast gedacht.“ „Die beiden sollten sich mehr auf ihre Zukunft konzentrieren“, mischte sich Percy ein, der sich an einem benachbarten Tisch in ein dickes Buch vertieft hatte. „Und du solltest dich auf deinen eigenen Kram konzentrieren.“ „Ja, da wären wir beim Thema“, wandte sich Lee, Percy vollkommen ignorierend an mich, „ich wollte ja meinen Geburtstag feiern und wollte dich fragen, ob du mir mit der Party helfen kannst.“ „Klar, wann möchtest du denn feiern?“ „Kommendes Wochenende.“ „Kein Ding. Das kriegen wir wohl hin“, grinste ich und rollte meinen Aufsatz zusammen, um stattdessen einen Pergamentbogen mit den Worden >Lees Geburtstagsfeier< zu beschriften. „Also, wie viele Leute?“ „Keine Ahnung, ich dachte ich lade das Team, paar aus der Stufe und so ein.“ „Also so vierzig Leute?“ „Kommt hin.“ „Fein, dann organisiere ich einen der Kerker.“ „Wie willst du das denn anstellen?“ „Lass das mal meine Sorge sein.“ „Okay.“ „Irgendwelche Essenswünsche?“ So war der Nachmittag vergangen und ich war auf dem Weg durch die Gänge, als plötzlich ein völlig aufgelöstes Mädchen in mich hinein rannte. „Hey, ganz ruhig, was hast du denn?“ fragte ich sie und packte sie sacht an den Schultern. „Ach nichts“, murmelte sie und riss sich los, um mit wehendem Umhang davonzurennen. „Hey was ist denn dir für eine Laus über die Leber gelaufen, Sam?“ „Oh hi Pen. Danke, alles super. Mir ist nur grade so ne Kleine begegnet. Sie war vollkommen fertig. Erinnert mich dran, wie fies die teilweise zueinander sind in dem Alter“, gab ich Penelope Clearwater, einer Ravenclaw mit nussbraunem Haar und klugen Augen zur Antwort, um dann mit ihr den Weg in die Große Halle anzutreten. „Sag mal kommt dir Percy in letzter Zeit eigentlich auch so still vor?“ „Percy? Keine Ahnung, hab mich nie groß für ihn interessiert“, murmelte ich, überrascht von dieser Frage. „Na er wirkt irgendwie noch stiller als sonst. Gab es Streit zu Hause?“ „Du Pen, ich kann dir sagen welche Bills Lieblingsband ist, aber du weißt Percy und ich kamen nie gut aus. Ich kann dir wirklich nicht sagen, ob es ihm gut geht, oder nicht. Zudem wäre ich sicher die Letzte, mit der er darüber reden würde. Aber frag ihn doch einfach.“ „Hm. Vielleicht wenn es sich ergibt.“ „Gut.“ „Also dann bis später.“ „Ja bis dann“, sagte ich, lächelte sie an und steuerte auf meinen rot-goldenen Haustisch zu. Wie jedes Jahr sah die Große Halle an Halloween schaurig schön aus. Fledermäuse flogen umher und man konnte sein Essen auch in riesigen Kürbissen verputzen. „Na war das nicht Penelope Clearwater?“ „Richtig George, warum?“ „Percy steht auf sie.“ „Wirklich?“ „Ja, aber psst“, grinste er und hob verschwörerisch seinen Zeigefinger vor die Lippen. „Und ihr, gut eingelebt?“ richtet ich das Wort an Ron und Harry Potter, der mir zwar sympathisch aber nicht unbedingt mein liebster Umgang war. Das hatte weniger mit ihm, mehr mit dem Schwarm Tuschler zu tun, die ihn des Öfteren verfolgten. Außerdem war er ja viel jünger als ich. Was sollte ich mich mit ihm groß unterhalten? „Ja. Dass Harry im Quidditchteam ist, ist doch der absolute Hammer“, rief Ron. „Ich hoffe du genießt die Zeit, in der dir Wood noch nicht die Hölle heiß macht“, lachte ich. Angelina lachte nickend und Fred stöhnte. „Wenn man vom Teufel spricht“, murmelte er als Begründung für das Stöhnen und im nächsten Moment ließ sich der blonde Hüter neben George nieder. „Na wie war euer Tag?“ erkundigte er sich und sah uns der Reihe nach an, wobei ich das Gefühl hatte, dass er meinem Blick kaum standhalten konnte. „Wood, bist du krank?“ „Äh, nein.“ „Wo ist das übliche Quidditchzeug, mit dem du uns sonst in jeder freien Minute kommst?“ „Ich kann mich auch wo anders hinsetzen“, gab Oliver leicht gekränkt zurück. „Bleib nur und verzeih den Zwillingen ihr nicht vorhandenes Feingefühl“, lächelte ich ihn geradewegs an. „Nicht vorhandenes Feingefühl? Also wirklich Sam!“ „Ja, so was kannst du uns doch nicht unterstellen!“ „Und wie ich kann.“ „Bevor das hier ausartet, gehen wir am Samstag zusammen nach Hogsmeade?“ klinkte sich Angelina galant ein und verhinderte so eine Zänkerei, die sicherlich in einer Essensschlacht geendet wäre. „Ich glaube wir haben Samstag schon andere Pläne“, meinte ich. „Ja und du auch“, schloss sich Lee an, „ich feiere nämlich meinen Geburtstag.“ „So mit Party?“ „Klar und Sam hilft mir.“ „Du willst wohl sagen, dass unser Organisationswunder die Party schmeißt.“ „Ach halt die Klappe Fred.“ „Halt die Klappe Fred“, äffte der rothaarige Zwilling seinen Freund nach. Ich grinste und widmete mich meinem Essen. Es war höchst amüsant, bis plötzlich Professor Quirrell vollkommen aufgelöst in die Halle gestürmt kam und noch die Worte >Troll im Kerker< herausbrachte. Daraufhin brach das totale Chaos aus, welches Professor Dumbledore nur unter Mühe in den Griff bekam. „Die Vertrauensschüler bringen ihre Häuser in die Gemeinschaftsräume. Die Lehrer kommen mit mir. Und eines ist ganz wichtig: bewahren Sie Ruhe.“ „Ihr habt es gehört“, rief ich und wandte mich an Percy, der im Trubel neben mir aufgetaucht war, „walte deines Amtes. Und vergiss nicht: du musst jetzt die Ruhe selbst sein!“ „Klar. Ruhe. Mit einem Troll im Keller.“ „Jetzt reiß dich mal zusammen!“ „Entschuldige, es ist nur“, stammelte der sonst so beherrschte Weasley. Darauf packte ich ihn an beiden Schultern und drückte sie so nach hinten, dass er aufrecht stand. „So du feiger Streber. Wenn du jetzt nicht auf der Stelle die Kinder in den Schlafsaal bringst, trete ich dir so heftig in den Arsch, dass du nie wieder darauf sitzen kannst!“ Er machte große Augen, reagierte dann aber. Schon wenige Herzschläge später hatte sich die Gryffindortruppe in Bewegung gesetzt. „Du hast hier ne menge Leute ganz schön im Griff“, erklang es plötzlich neben mir. „Nur du scheinst davon in den letzten drei Jahren nichts mitbekommen zu haben“, grinste ich Oliver an. „Vielleicht sollte ich das ändern.“ „Vielleicht wäre es ein Anfang, wenn du deine Wahrnehmung nicht nur benutzt, wenn der Duft von Quaffeln in der Luft liegt.“ „Dabei sind schon Quidditchspieler gestorben“, meinte er und versuchte sich an einem wenig überzeugenden Lächeln. Er war schon süß, wenn er versuchte sich mit jemandem nicht über Quidditch zu unterhalten. Also verkniff ich mir einen sarkastischen Kommentar und nickte knapp. „Was meinst du, wie der Troll in die Kerker kommt?“ „Trolle sind unheimlich blöde. Er musste also Hilfe gehabt haben“, gab ich zurück. „Aber wer könnte einen Troll ins Schloss lassen?“ „Jemand mit einem kranken Sinn für Humor.“ „Wer hat einen kranken Sinn für Humor?“ kam es nun von Fred, der sich zwischen mich und Oliver schob. „Also ausgefallen vielleicht, aber nicht krank“, schloss sich George empört an. „Es drehte sich zur Abwechslung mal nicht um euch zwei Chaoten!“ „Oh, wie das?“ „Stören wir etwa?“ „Wood, seit wann interessierst du dich für Frauen?“ „Bist du nicht doch krank.“ Sie plapperten so schnell, dass weder Oliver noch ich etwas sagen konnten. Also schüttelte ich lachend den Kopf und beschleunigte, um zu Angelina aufzuschließen. „Percy nervt ganz schön mit seiner Strebertour. Wie hast du das bloß die ganzen Ferien ausgehalten?“ „Keine Ahnung“, gab ich lachend zurück. Auch mich nervte dieses ständige „Nicht bummeln“, welches immer wieder ertönte. Was war ich froh, als wir den Gemeinschaftsraum endlich erreichten. Aus irgendeinem Grund konnte ich kaum schlafen und schlich mich um kurz nach Mitternacht aus dem Schlafsaal zurück in den Gemeinschaftsraum. Eigentlich war mein Plan noch mal in die Küche zu huschen, um mir einen Tee zu organisieren, doch hielt ich inne, als ich den Fuß der Treppe erreichte, welche zu den Mädchenschlafsälen führte. >Percys Sicht< Gedankenverloren und vollkommen rastlos stand ich am Fenster und starrte in die beruhigende Dunkelheit. So in mir selbst versunken bekam ich gar nicht mit, dass jemand den Gemeinschaftsraum betreten hatte. Ob es daran lag, dass ich sie am wenigsten erwartet hätte, oder daran, dass ich sicher gewesen war alleine zu seien, wusste ich nicht, doch schrak ich fürchterlich zusammen, als ich plötzlich meinen Namen hörte. Es dauerte einige Herzschläge, bis ich mich wieder beruhigt hatte. „Alles in Ordnung bei dir?“ Ihre Stimme war besorgt und so voll frei von der Fröhlichkeit, die sonst neben ihrer Leichtigkeit darin lag. Das bunte Haar in großen Locken über den Schultern, die in einem von Freds Shirts steckten. Ihre fast schwarzen Augen musterten mich einen Moment, dann trat sie weiter auf mich zu. Wie schön sie doch war, wenn sie sich nicht geschminkt hatte. Sie war mir nie als Mädchen aufgefallen. Doch jetzt in diesem Moment, in dem sie mich nicht zu veralbern schien, wurde mir bewusst, wie ansteckend ihr Lachen für mich immer gewesen war. Auch wenn ich das nie hatte zugeben wollen. Hatte sie doch immer so viel Unfug angestellt mit den Zwillingen. „Willst du darüber reden?“ Erst jetzt wurde mir bewusst, dass ich sie immer noch bloß angestarrt hatte, ohne etwas zu sagen. Wollte ich mit ihr darüber reden? Würde sie es verstehen? Oder würde sie mich auslachen? „Ich weiß wir hatten nie einen besonders guten Draht zueinander, doch ich bin gut im Zuhören. Ansonsten kann ich dir auch anbieten erst mal einen warmen Tee mit mir zu trinken“, redete sie weiter, nachdem ich immer noch nichts gesagt hatte. „Äh ja“, murmelte ich also und folgte ihr aus dem Gemeinschaftsraum. „Was? kein >das ist doch verboten<?“ erkundigte sie sich, als wir durch das Portrait stiegen und wandte sich lächelnd zu mir um. Ich schwieg. Auch sie schwieg und schlich durch die Gänge, als wisse sie ganz genau, wo sie hinwolle. Ich war noch nie in der Küche gewesen, doch wusste ich, dass Fred und George dort regelmäßig ein zweites Abendessen zu sich nahmen. So ging es immer tiefer, bis se plötzlich vor einem Birnenbild stehen blieb und drei mal schnell und viermal lang klopfte. Fragend blickte ich sie an. „Weiß das Passwort nicht“, murmelte sie, doch schon Sekunden später schwang das Bild zurück und eine zierliche Hauselfe kam zum Vorschein. „Oh guten Abend Samanta Gold. Was kann ich Ihnen Gutes tun?“ „Würdest du mir zwei Tassen Tee bringen?“ „Sofort, Miss“, und schon war das Geschöpf verschwunden, um nur Augenblicke später mit zwei dampfenden Tassen wieder vor uns zu stehen. „Danke.“ „Immer gerne.“ Wieder alleine, übernahm Sam erneut die Führung, doch wurde mir nach eingen Gängen klar, dass wir nicht auf dem Weg zum Gryffindorturm waren. Vielmehr wirkte es, als wolle sie zum Astronomieturm. „Weißt du, wo du hinwillst?“ flüsterte ich. „Ich werde dir jetzt was zeigen, das dich sicher ablenkt“, gab sie bloß zurück und lief unbeirrt weiter. Was sollte das? War das ein makabrer Scherz? Doch ich war nicht in der Stimmung davonzulaufen. Also folgte ich ihr weiter schweigend durch die nur vom Mondlicht beleuchteten Gänge. Tatsächlich ging es zum Astronomieturm. Doch machte sie dort nicht Halt, sondern kletterte über eine Luke direkt in die Holzverstrebungen des Turmdaches. Dort gab es ein Loch, welches einen knappen Meter Durchmesser hatte. Davor ließ sie sich nieder und ich setzte mich neben sie. „Ich komme her, um zu schreiben“, setzte sie nach einer Weile an. „Schreiben?“ Statt einer Antwort, griff sie in ihre Tasche und zog ein kleines metallenes Etwas heraus an dem ein Kabel mir zwei knopfartigen Kugeln hing. Sie steckte mir einfach einen der Knöpfe in die Ohren und drückte dann auf dem Metallding herum. Ich schrak zusammen, als plötzlich Musik aus dem Knopf kam. Offenbar eines dieser Dinger, die sie aus der Muggelwelt hatte. Doch nach dem ersten Schreck, lauschte ich der Musik. Es war der Klang einer Gitarre und der warmen Stimme einer Frau. Sie sang über Ferne, Hoffnung und Freiheit. Wie eine irische Banshee entführte mich der warme Klang, während ich an meinem Tee nippte und schweigend gen Horizont sah. So saßen wir da und mit einem Mal wurde mir klar, dass es ihre Stimme war, die diesem roten Sonnenaufgang besang, der sich langsam über den Himmel legte. Es gab mir eine solche Ruhe, dass ich beinahe vergaß, dass das Mädchen neben mir mir bereits die übelsten Streiche gespielt hatte. „Du solltest jetzt los, wenn du nicht zu spät zum Unterricht kommen willst“, vernahm ich plötzlich eine warme Stimme über mir. Da erst bemerkte ich, dass ich eingeschlafen war und schlug benommen die Augen auf. Die Welt lag auf der Seite und es dauerte einen Moment, bis ich bemerkte, dass ich es war, der auf der Seite lag. Mit dem Kopf auf Sams Schoß. Panisch fuhr ich hoch. „Keine Sorge, ich erzähl das keinem. Aber du bist einfach eingeschlafen.“ „Du hast-?“ „Ja, ich war wach, aber mach dir nichts draus, ich bin auch verschlafen noch besser als du“, grinste sie und stieß mich in die Seite. Ich musste schwach lächeln. „Und jetzt los, oder willst du als Superstreber etwa ungewaschen im Unterricht erscheinen?“ Da war sie wieder, die super taffe Sam. Doch ich war nicht mehr beleidigt, wie ich es sonst stets gewesen war. Sie meinte es nicht böse, das wusste ich jetzt. >Normale Sicht< Samstag Abend und alles lief, wie geplant. Sir Nicolas hatte mir gestattet unter seiner Aufsicht einen der Kerker als Feierlocation zu nutzen und meine Anlage hatten die Zwillinge auch schon aufgebaut. Noch ein letzter Wink meines Zauberstabes ließ die Lichterketten an ihre Plätze schweben. Dann kletterte ich hinter das Mischpult, setzte mir meine Kopfhörer auf und schob die Regler hoch. Der Bass gehorchte und so erschallte eine konzertgleiche Version von Steppenwolfs „born to be wild“, während die ersten Gäste eintrudelten. Grinsend sah ich ihnen zu, wie sie meine Dekoration bewunderten und begeistert zu quatschen begannen. Als alle da waren, schob ich die Regler noch weiter nach oben und ließ die Gäste tanzen. Es war faszinierend, was Musik mit den Leuten machen konnte. Sie ließ sie exstatisch werden, sie machte glücklich, traurig, sentimental, ausgelassen, verrückt und einfach nur wahnsinnig. Sie beraubte uns all unserer Sorgen, oder ließ uns in ihnen ertrinken. „Du bist der helle Wahnsinn“, vernahm ich plötzlich Lee neben mir. „Alles liebe zum Geburtstag“, lachte ich und umarmte ihn fest. „Wir wollen auch“, erklang jetzt das Lachen der Zwillinge, woraufhin ich beide auf die Wange küsste. „Und jetzt weg von meinem Baby und lasst mich meine Arbeit machen“, scheuchte ich die drei lachend von meinem Mischpult weg. Der Abend zog sich und wurde immer ausgelassener. Sir Nicolas hatte Wort gehalten und erklärte mehrfach gegenüber einiger Lehrer, dass dies hier von ihm beaufsichtig und damit in Ordnung sei. Er war einfach klasse. Wieder ein Mischpult, wieder eine Party, doch dieses Mal war es größer. Ja und knapp zwei Jahre später. Wir hatten den Quiddtichpokal doch tatsächlich gewonnen! So ausgelassen hatte ich die Gryffindors noch nie erlebt. Der ganze Turm tobte. Selbst Percy lachte und schien seine Steifheit ein wenig abgelegt zu haben. Ich hatte ihm heimlich zu Weihnachten meinen MP3- Player geschenkt und seither beobachtete ich ihn öfter dabei, wie er sich heimlich auf den Astronomieturm stahl und das genoss, was mein Herz höher schlagen ließ. Die Musik. Meine Musik. Wir waren keine Freunde, aber wir kamen seither wesentlich besser miteinander aus. Tolerierten uns. Toleranz hatte man auch meinen Haaren gegenüber gezeigt, die waren nämlich immer noch bunt. Sonst war in den letzten Jahren nichts Besonderes passiert. Oder doch, sie hatten mich noch enger an Fred und George gebunden. Angelina kam zu mir gestürmt und umarmte mich stürmisch. „Wir sind Sieger“, kreischte sie. „Ja ihr ward super“, lachte ich und drückte sie, bevor ich sie losließ und nach dem Mirkofon meines Mischpultes griff. „Und jetzt hebt eure Gläser und lasst uns trinken! Trinken auf drei nicht nur bezaubernd schöne, sondern auch unschlagbar treffsichere Jägerinnen. Trinken auf zwei chaotische und für ihre Gegner höchst gefährliche Zwillinge. Trinken auf den Jungen, der trotz Brille auch den windigsten Schnatz fängt. Und lasst uns trinken auf einen fanatischen, diktatorischen, absolut nervtötenden, aber zweifelsfrei genialen Sklaventreiber“, rief ich und schob die Regler hoch, woraufhin Queens „don‘t stop me now“ den Gemeinschaftsraum erfüllte und die Jubelschreie beinahe überdeckte. Das Team wurde lauthals gefeiert. Diese Euphorie war so ansteckend, dass auch mir das Herz bis zum Hals schlug. „SAM!“ „Verrückte“, gab ich lachend zurück, als mich die Zwillinge überschwänglich umarmten, auf die Wangen küssten und mich schließlich sogar durch die Luft wirbelten. „Lasst mich sofort runter Jungs und bringt mir lieber ein Butterbier!“ „Zu Befehl, Chef“, salutierte Fred, um mit seinem Bruder in Richtung Bar zu verschwinden. >Harrys Sicht< Es war atemberaubend was hier geschah. Absoluter Wahnsinn und Sam hatte sich selbst übertroffen. Sie hatte den Gemeinschaftsraum in eine Disko verwandelt, die sogar eine Bar hatte, an der einige Geister für schaurige Getränke sorgten. „Ich kann das immer noch nicht ganz fassen“, meinte Wood plötzlich neben mir. „Ja, wir haben die Slytherins zurück in ihre Schlangengrube geschickt.“ „Da wo sie hingehören!“ „Aber Sam hat Recht, du warst ein ganz schöner Sklaventreiber“, riefen Fred und George beim vorübergehen, bevor sie wieder in der Menge verschwunden waren. „Dass sie es mit den beiden aushält ist immer wieder überraschend“, grinste ich, während Wood nur zum Mischpult sah, hinter dem Sam tanzte. Die Kopfhörer auf und vollkommen in ihrer eigenen Welt versunken. „Verhalten sie sich eigentlich wie ein richtiges Paar, wenn sie nicht in der Schule sind?“ „Wer?“ „Sam und Fred.“ „Was?“ mit offenem Mund sah ich Oliver an. „Na, die beiden sind doch ganz offensichtlich zusammen, wenngleich man sie nie Händchenhalten sieht oder ähnliches.“ „Die beiden sind nicht zusammen. Das wäre, wie wenn Fred Ginny küssen würde“, lachte ich laut. „Ehrlich.“ „Ja klar. Sam gehört einfach schon immer zur Familie. Noch mehr als Hermine oder ich.“ „Ah.“ „Aber warum fragst du?“ „Äh, entschuldige mich kurz.“ >Olivers Sicht< Konnte das sein? Ich hatte zu Beginn meines fünften Schuljahres mal versucht mit ihr in Kontakt zu treten, doch dann hatte ich gesehen, wie sie alleine mit Fred am See gesessen hatte. Den Kopf in seinem Schoß, während er ihr in den Haaren gespielt hatte. Da war ich fest davon überzeugt gewesen, dass sie ein Paar waren. Mir hatte Lees Geburtstagsfeier gereicht, um sie klarer zu sehen, als sonst ein Mädchen. Wie sehr sie die Musik liebte, wie sehr jeder Ton ihren Körper regierte. Sie war pure Leidenschaft und so unbändig wie der Wind. Sie hatte mich schwer beeindruckt, doch immer dachte ich sie sei unerreichbar. Hatte Harry wirklich recht? War sie nicht Freds Freundin? Ich hatte sie fast erreicht, als ich sie meinen Namen sagen hörte. „Oliver Wood? Nein niemals. Mit dem ausgehen wäre doch als würde man einen Quidditchratgeber lesen“, lachte Sam gerade und Angelina stimmte darin ein. Die beiden waren mir so nahe, dass ich glaubte sie können mein Herz zerspringen hören. Alles drehte sich. Das hier war viel schlimmer, als zu glauben sie würde mit Fred ausgehen. Sie hatte soeben gesagt, dass sie nie mit mir Zeit verbringen wollte. Sie wollte mich nicht mal kennen lernen. Nie. Wie betäubt stand ich da. Nahm die Welt um mich herum nicht mehr wahr. Es klang alles wie durch Wasser. Hatte ich mich wirklich so sehr in sie verliebt? Warf es mich wirklich so aus der Bahn? Ja. Mehr als ich mir je hatte vorstellen können. Wie sehr ich sie bewunderte wurde mir deutlicher denn je. Erdrückte mich. Ich wollte weinen und schreien. Am liebsten hätte ich irgendetwas kaputt gemacht. Doch etwas in mir schien mich mit aller Gewalt an meine Vernunft erinnern zu wollen. Raus hier, rief mich eine innere Stimme und ich gehorchte ihr. Fort von all dem hier. Alle ignorierend rannte ich nur noch weg. >Normale Sicht< „Wahnsinn Sam, Wahnsinn! Dieses Mal hast du dich selbst übertroffen“, grinste nun Alicia, die soeben mit Katie das Mischpult erreichte. „Ja, aber dir entgeht die wahnsinns Chance auf dieser geilen Party ein hübsches Kerlchen aufzureißen“, kicherte Angelina und sah zu Fred, der lachend mit seinem Bruder anstieß. „Du weißt mein Herz gehört alleine der Musik!“ „Ja und das ist ganz schön verstörend.“ „Ach komm schon, du findest es doch großartig, dass ich nie mit dir um einen Kerl buhle.“ „Auch wieder wahr.“ „Siehste“, lachte ich und meine besten Freundinnen stimmten darin ein. nichts auf der Welt würde uns je trennen können. Wir gegen den Rest der Welt, das hatten wir uns immer geschworen. „Ui seht mal, der Streber persönlich ist auch hier“, witzelte Katie und nickte in Richtung Percy. „Klar, der muss doch seine große Liebe anschmachten“, klinkte sich und George ein und reichte mir einen Drink. „Danke“, nickte ich und wandte mich dann an Fred, „nimm mal Angelina mit zum Tanzen, die hat hier viel zu oft ihre Finger an den Reglern, das nervt!“ „Zu Befehl“, lachte der rothaarige Fünftklässler und griff nach Angelinas Hand. Diese warf mir noch einen knappen, begeisterten Blick zu, dann war sie auch schon verschwunden. „Was hast du da eigentlich im Bezug auf Percy gemeint? Penelope ist doch gar nicht hier“, wollte Alicia wissen. „Percy steht seit geraumer Zeit auf dich, liebe Sam.“ „Was?“ ungläubig sah ich George an. „Ja, kann mir auch nicht erklären wie er drauf kommt, da jemals Erfolg zu haben.“ „Ich dachte er hat so was wie Angst vor Sam“, grinste Alicia, die natürlich wusste, wie sehr wir dem drittältesten Weasley ab und an zusetzten. „Offensichtlich nicht“, meinte Katie. „In jedem Fall hat er in den letzten Ferien öfter deinen Namen im Schlaf gemurmelt und immer wenn du kommst, ist er vollkommen aus dem Häuschen und verbringt Stunden im Bad. Fred und ich haben es anfangs nicht glauben wollen, doch inzwischen sind wir uns sicher.“ „Quatsch, Percy weiß doch, dass er keine Chancen hat, oder? Hat er doch nicht, oder Süße“, blickte mich Katie eindringlich an. „Nein, hat er nicht.“ „Wer hätte denn Chancen“, erkundigte sich Alicia. „Ich natürlich“, witzelte George und legte mir einen Arm um die Schultern, um mich dann auf die Wange zu küssen. „Lass das George, ich weiß was du heute schon alles gegessen hast“, lachte ich und schubste ihn weg, während er in lautes Gelächter ausbrach. „Kommt dann wenigstens eine von euch mit tanzen?“ „Klar“, erwiderte Katie und folgte George. „Die Zwillinge und du sind ja noch enger, als du und Angelina.“ „Sie sind Familie.“ „Aber wenn sie Recht haben, dann solltest du mit Percy reden. Solche Hoffnungen schmerzen mehr, als wenn man weiß, dass es sinnlos ist“, appellierte Alicia an mein Gewissen und ich wusste, dass sie Recht hatte. „Fein. Schaffst du es, dass mein Baby nicht in Flammen aufgeht?“ „Logisch.“ Ich seufzte und drückte der Freundin meine Kopfhörer in die Hand und kämpfte mich durch die Menge zu Percy. Er lächelte, was mich verwirrt hätte, wenn George nicht zuvor gesagt hätte, dass er glaube Percy seie in mich verliebt. „Hast du mal fünf Minuten?“ „Klar“, gab er zurück und folgte mir aus dem Gemeinschaftsraum. „Percy“, setzte ich an, als wir in einem ruhigen Gang angelangt waren. Ich war völlig verunsichert und suchte noch nach den richtigen Worten, als er mir plötzlich seine Hand an die Wange legte und ich zu mir herabbeugte. Ganz sanft senkte er seine Lippen auf die meinen, um sich dann wieder von mir zu lösen. „Sag mir, ob du wirklich nichts gefühlt hast?“ „Was?“ er hatte mich vollkommen überfahren. Aus braunen Augen musterte er mich einige Herzschläge. Klar, er war eigentlich ganz okay und ich war sicher, dass er unheimlich liebevoll sein konnte, doch in mir hatte sich absolut nichts geregt. Kein Feuerwerk, kein Kribbeln. Nichts von dem, wovon Angelina immer schwärmte, wenn sie von Fred sprach. Allein der Anblick meines besten Freundes ließ Angelina strahlen. Percy verursachte so was bei mir nicht. „Ich weiß, weshalb du mit mir reden wolltest. Du möchtest mir sagen, dass du nichts für mich empfindest, doch ich wollte alles versucht haben, falls sich doch etwas in dir zu mir hingezogen fühlt“, erklärte er sich. Zu meiner großen Überraschung fand ich das sehr einleuchtend und typisch Percy. „Es tut mir leid, Percy.“ Resignierend senkte er den Kopf. Für einen kurzen Moment dachte ich, er würde anfangen zu weinen, doch dann nickte er steif, straffte die Schultern und rannte davon. Vollkommen verdattert blieb ich stehen. Was sollte ich von all dem halten? Wie sollte ich mit ihm jetzt umgehen? So überfordert stand ich noch eine Weile da, bis mich plötzlich ein großes Mädchen in die Arme schloss. „Alicia hat es mir erzählt. Ich dachte du brauchst vielleicht eine Freundin“, sagte sie ruhig. „Danke Angelina“, flüsterte ich und zog sie an mich. „Dafür bin ich doch da“, lächelte sie und stützte ihr Kinn auf meinen Kopf. „Glaubst du mit mir ist irgendwas falsch?“ „Warum das, Süße?“ „Na weil ich für absolut keinen Jungen je so empfunden habe, wie du für Fred?“ Jetzt lachte sie und sah mir in die Augen, „nein mit dir ist absolut nichts falsch, du bist nur sehr anspruchsvoll. Und das ist gut so! Außerdem ist dein Herz voll Musik und wenn ich das richtig sehe, dann kennen wir niemanden, dem das ebenso geht.“ „Nein fanatische Freaks kennen wir nicht“, witzelte ich. „Außer deine besten Freunde“, gab sie prustend zurück. „Ja, aber die lassen sich ungern als Freaks bezeichnen“, vernahm ich Georgs Stimme. „Aber deine besten Freunde sind wir schon“, schloss sich sein Zwilling an. „Und wir“, „Das heißt wir und alle anderen“, „Da drin“, „Brauchen dich jetzt“, „Heiz ihnen ein, Kleine“, „Die Beiden haben Recht. Denk nicht mehr dran und lass uns feiern gehen!“ Doch ich hatte noch oft daran gedacht. Vor allem, als ich hörte, dass Percy nach Vollendung seines letzten Schuljahres ausgezogen war und den Kontakt vollkommen abgebrochen hatte. Selbst in meinem letzten Jahr kam mir so was wie verliebt sein nicht unter. Aus purer Verzweiflung war ich dann einmal mit einem der Durmstrangs ausgegangen, doch da hatte es einfach nicht funken wollen. Der Weihnachtsball kam und ging für mich ereignislos, da ich ohnehin in der Organisation tätig war und wenig Zeit zum Feiern gehabt hatte. Doch es war atemberaubend gewesen. Angelina hatte Recht. Ich liebte die Musik. Sie gab mir das Gefühl, das meine Freundinnen als Verliebtheitsgefühl beschrieben. Es war das Ende des Trimagischen Turniers und ich saß neben Fred auf der Tribüne. „Wo stecken sie nur? Harry müsste längst wieder hier sein“, hörte ich Hermine neben Ron flüstern. „Es wird schon alles gut-“, ich stockte, da in diesem Moment ein schwer mitgenommener Harry Potter aus dem Labyrinth stolperte und einen leblosen Körper stützte. Es dauerte einige Herzschläge, bis ich realisierte, was dort unten geschah. „Cedric“, kreischte eine Mädchenstimme hinter mir. Blitzschnell reagierte ich und packte das Mädchen, dass sich an mir vorbei drängen wollte. „Nein“, sagte ich mit fester Stimme und zog sie zu mir. „Lass mich los!“ „Tu dir das nicht an. Behalte ihn in deinen Gedanken, wie er war“, fuhr ich fort und sah ihr dabei in die gehetzten Augen. Einige Herzschläge wehrte sie sich noch, dann sank sie zitternd in meinen Armen zusammen. Eigentlich kannte ich sie nicht, doch sie war Cedrics Freundin gewesen. Cho, soweit ich wusste. Ein nettes Mädchen. Ich hatte Cedric nie nahe gestanden, doch wir hatten einander gemocht. Er war wirklich unheimlich liebenswert gewesen. Es machte mich traurig, dass er tot war. Denn darin bestand kein Zweifel. „Ich bringe sie fort von hier“, murmelte ich zu Fred, der nickte und mir einmal über den Rücken strich. Er wusste, dass ich den Klassenkameraden stets gemocht hatte. Es war eine Schande, dass jemand mit einem so großen Herzen, so früh hatte gehen müssen. So führte ich die benommene Cho fort von alle dem. Sie weinte und ich wiegte sie sanft in den Armen. „Danke“, flüsterte sie nach einer gefühlten Ewigkeit. „Du schuldest mir keinen Dank. So hätte jeder handeln sollen.“ „Aber nur Sie haben so gehandelt“, vernahm ich nun eine erhabene Frauenstimme hinter mir. „Professor, ist es wahr“, wisperte Cho mit zittriger Stimme. „Ich fürchte ja. Kommen Sie, Miss Chang, lassen Sie sich von Miss Edgecombe in den Krankenflügel begleiten. Madam Pomfrey wird Ihnen etwas zur Beruhigung geben. Was Sie betrifft, Miss Gold, so begleiten Sie mich doch bitte“, sagte meine Hauslehrerin in diesem für sie so typischen Ton aus Strenge und Warmherzigkeit. Sie war die stolzeste Frau, die ich kannte und ich würde ihr immer bedingungslos folgen. Also nickte ich und strich Cho noch einmal über den Rücken, „wenn du einfach mal jemanden zum Zuhören brauchst, melde dich. Vielleicht tut es dir gut“, meinte ich mit einem traurigen Lächeln, ehe ich die weinende Fünftklässlerin ihrer Freundin überließ und Professor McGonagall folgte. „Harry hat ihn nicht ermordet, oder?“ „Nein, doch warten Sie. Professor Dumbledore möchte persönlich mit Ihnen sprechen.“ Ich nickte und setzte meinen Weg schweigend fort. Er führte uns in das Büro des Schulleiters. Oft schon war ich hier gewesen. Gerade in diesem Jahr, wegen der Planung der verschiedensten Events. Doch nun war die Stimmung alles andere als ausgelassen. Ernstes Schweigen erfüllte den Raum. Drei Augenpaare sahen uns an. Oder besser mich. Dumbledore, Snape und Moody, doch dieser Letztere wirkte irgendwie mitgenommen. „Der echte Alastor Moody, wie ich vermute?“ „Wie kommen Sie darauf?“ „Kein Alkohol riecht so, wie das Zeug, was Sie da immer getrunken haben. Doch erst jetzt ist mir klar, was ich da gerochen habe: Vielsafttrank. Es war ein Todesser, schätze ich?“ „Sie sind äußerst schnell von Begriff, Miss Gold“, sagte Dumbledore ruhig. „Und du hast Recht, Mädchen, sein Name war Barty Crouch jr.“, knurrte nun der einäugige Auror. „Aber daher sind Sie nicht hier“, fuhr Dumbledore fort. „Wir gehen davon aus, dass der Dunkle Lord zurück ist“, schnarrte Snape. Du musst das ja wissen, Todesser, dachte ich, verkniff mir diesen Kommentar jedoch und sagte stattdessen, „dann tötete er Cedric.“ „So berichtete es Mr. Potter zumindest“, sagte Professor McGonagall. „Harry hätte keinen Grund zu lügen.“ „Das Glauben wir auch. Daher rufen wir den Orden des Phönix erneut ins Leben und bitten Sie diesem beizutreten“, richtete der weißbärtige Schulleiter das Wort direkt an mich. Verwirrt sah ich meine Hauslehrerin an, die stolz nickte. „Warum ich?“ „Sie sind eine begnadete junge Hexe und darüber hinaus verfügen Sie über die nötigen Fähigkeiten unbemerkt Informationen für uns zu beschaffen.“ „Sie meinen, dass mich dort keiner kennt?“ „Ja, Sie fallen in Londons Bars und Kneipen nicht als Auror auf. Moody wird Ihr Partner.“ „Fein, wann geht’s los?“ „Sie sind dabei?“ skeptisch sah Snape mich an. „Daran haben Sie gezweifelt? Wenn mich die Freiheit um Hilfe bittet, dann kann sie immer auf mich zählen“, lächelte ich und Professor McGonagall strahlte. Ich konnte die Worte „das ist mein Mädchen“, in ihrem Blick förmlich sehen, als sie sich Snape zuwandte. „Dann lasst uns keine Zeit verlieren“, grummelte Moody. Ich nickte und sah in die Runde, „was ist mit meinem Abschluss?“ „Ich denke, dass Ihre Lehrer sich darum kümmern werden. Doch vertrauen Sie darauf, dass dies nicht zu Ihrem Nachteil sein wird.“ „Danke Professor Dumbledore. Werde ich noch die Möglichkeit haben, mich zu verabschieden.“ „Dafür bleibt keine Zeit, wir müssen schnell handeln. Es ist davon auszugehen, dass das Ministerium dem jungen Potter nicht glauben wird. Daher sind wir auf uns allein gestellt. Ich werde es Ihren Freunden erklären. Ich bin sicher, dass es Ihre Freundinnen und die Zwillinge verstehen werden.“ Ich nickte meiner Hauslehrerin dankend zu. Dann räusperte sich Moody und ich straffte die Schultern. „Wir sehen uns dann zu Beginn der Ferien im Grimmauldplatz. Ich habe diesbezüglich schon mit Mr. Black gesprochen“, verabschiedete uns Dumbledore. „Nenn mich Moody. Kein Alastor und kein Mister. Verstanden?“ „Klar“, gab ich zurück, als wir uns bereits auf den Ländereien auf dem Weg nach Hogsmeade befanden. „Gut, dann wollen wir mal anfangen.“ Mit diesen Worten waren wir disapperiert. In eine Kneipe. Dort hatte ich mich unter das Volk gemischt und scheinbar unbeteiligt gewirkt, als die Nachricht von Voldemorts angeblicher Rückkehr verbreitet wurde. Hatte die Reaktionen der anderen Gäste beobachtet und ihre Namen herausgefunden. Selbstverständlich fiel ich auf Grund meiner Haare auf, doch ich gab mich als Obdachlose, was die anderen Gäste dazu veranlasste sich nicht mit mir zu unterhalten. Das hatte Dumbledore gemeint. Als Gesindel wurde man unsichtbar. Die Leute wollten einen nicht sehen. So änderten Moody und ich unseren ursprünglichen Plan und ich zog in die Nokturngasse. Und das wortwörtlich. Nicht in ein Haus, sondern unter eine Brücke. Jeden anderen hätte das sicher angewidert, doch ich wusste, dass es von Nöten war. Es war mein erstes Weihnachten auf der Straße und ich wärmte mir die Finger an einem Feuer, dass ich in einer Tonne entfacht hatte. Meine Erscheinung glich vollkommen dem, was man von mir erwartete. Eine zerschlissene Jeans unter einem verdreckten Parker. die bunten Haare zu Dreads gefilzt und die Hände in löchrigen Handschuhen. Die Kälte war wirklich das einzige, was mich wirklich störte. Denn Langeweile hatte ich nie. Die Schwarze Magie kehrte in unsere Welt zurück, wie Rauch, der unter einer Tür hindurch kriecht. Und das spürte man hier. Ich hatte meine Ohren überall und wusste so ziemlich von jedem krummen Geschäft, das hier vor sich ging. „Sam“, murmelte plötzlich eine verhüllte Gestallt. „Moody“, gab ich zurück. Alle anderen auf der Straße nannten mich Sammy und nur Moody kannte diesen Aufenthaltsort. „Komm, es ist Weihnachten.“ „Wohin?“ „Der Orden muss doch seinen Spitzel mal wieder zu Gesicht kriegen.“ Ich grinste. Lange schon hatte ich keinen der anderen mehr gesehen. Moody war mein einziger Kontakt. Selbst meine Zwillinge hatte ich nur einmal gesehen, wenngleich mir mein Partner regelmäßig Briefe meiner Freunde zustellte. Ich reichte Moody meinen Arm und wir apperierten direkt vor das Hauptquartier des Ordens. Das Haus der Familie Black. Molly stockte der Atem, als sie uns öffnete und ihr Blick auf mich fiel, „wie siehst du nur aus, mein Kind“, schrie sie und richtete schon ihren Zauberstab auf mich, als Moody sie bremste. „Lass das Molly, sie braucht diese Verkleidung. Aber keine Sorge ich habe anständige Kleidung für sie dabei, aber jetzt lass uns erst mal rein!“ So wusch ich mich und zog mich gesellschaftsfähig an. Dann trat ich in die geräumige Wohnstube, in der sich die anderen bereits zum Abendessen versammelt hatten. Ich hatte die Tür noch nicht vollständig geöffnet, da fielen mir schon zwei große Rotschöpfe um den Hals und küssten mich auf die Wangen. „Wir haben dich schrecklich vermisst, Kleine“, rief Fred, während George mich noch mal an sich zog. Dann machte er Ginny, Hermine, Harry, Ron, Charlie und Bill Platz. Alle umarmten sie mich. Schließlich erhob sich eine hellblonde junge Frau, an die ich mich noch gut erinnerte. Fleur Delacour. Ich wusste, dass sie Bills Freundin war, wenngleich ich sie noch nie außerhalb des Trimagischen Turniers gesehen hatte. Dennoch umarmte ich sie ohne zu zögern. Sie war überrascht, aber dies auf eine sehr positive Weise. Eine solche Art schien für die französischen Frauen offenbar nicht typisch. Arthur reichte mir die Hand und Sirius, den ich bereits als struppigen Hund kannte, der mich ab und zu besuchte, grinste mir breit zu und hieß mich warmherzig willkommen. So folgte ein herrliches Essen und ein Abend, an dem sie mich alle mit Fragen ebenso löcherten, wie ich sie. Ich wollte alles wissen. Wie es an der Schule lief, wer diese dämliche Umbridge war, von der selbst ich etwas mitbekommen hatte und selbstredend auch was die beiden älteren Weasleys so trieben. Der Abend zog sich und es brach mir fast das Herz mich zu verabschieden. „Versprich, dass du wieder von dir hören lässt“, murmelte George, als er mich fest an sich zog, ganz so als wolle er mich nie wieder loslassen. Dieser Umarmung schloss sich Fred an und ich war von dieser tiefen Wärme der beiden vollkommen überfordert. „Die beiden scheinen sich große Sorgen um Sam zu machen“, hörte ich Hermine murmeln. „Fred und George lieben sie, als wären sie Drillinge“, flüsterte Ginny kaum hörbar zurück. Doch das Gehörte ließ mich weinen. Weinen vor Glück. Und vor Liebe. So musste bedingungslose Liebe sein. Nicht zwischen Liebenden, sondern zwischen Geschwistern. „Passt mir gut auf alle hier auf, versprecht mir das!“ „Großes Scherzartikelehrenwort“, sagte Fred, löste sich von mir und stand einen Augenblick später mit leicht schiefem Lächeln neben George. Ich kannte die kannte dieses Lächeln. „Jungs, Kopf hoch, ich kann schon sehr gut auf mich aufpassen!“ George seufzte, nickte aber, als ich aus der Tür in die kalte Nachtluft trat. Ich war gut in meiner Rolle und ich wurde von Monat zu Monat besser. So erreichte mich Snapes Patronus kurz vor Beginn der Sommerferien. „Die Kinder sind im Ministerium, ebenso der Dunkle Lord und seine Anhänger. Halte dich fern, Tatze und die anderen kümmern sich. Denk an deine Tarnung.“ Dann löste sich die silbrige Hirschkuh auf und ich stand wieder alleine in der einsamen dunklen Gasse. Ich seufzte. Was hatten Harry und seine Freunde da nur wieder für Schwierigkeiten. Während der Sommerferien zog nur ein Geschäft die Leute an wie die Fliegen: Weasleys Scherzartikelladen. Wie sehr es mich reizte die beiden zu besuchen, konnte ich nicht beschreiben, doch das war mir ja verboten. Ebenso, wie es ihnen verboten war mich aufzusuchen. Daher wussten sie auch nicht, wo ich war. Dumbledore wusste ebenso wie ich, dass sich die Zwillinge an ein Verbot nicht halten würden. Dumbledore. Brillant- ja, aber ein schrecklicher Arbeitgeber. Ich hasste es, dass er mich nie vollkommen informierte. Er hielt das für weise, oder wollte uns schützen, doch ich empfand seine vielen Geheimnisse als hinderlich. Minerva hingegen versorgte mich meist zusätzlich mit allem was sie wusste. Es machte mich stolz, dass sie mir traute. Denn Vertrauen war so rar geworden. Lord Voldemort war zurück, das zweifelte nun keiner mehr an. Es war Wahrheit. Grausame Wahrheit. „Sie werden Rekrutieren“, murmelte Remus Lupin, ein tiefsinniger, aber unheimlich fähiger Mann, den ich bereits als Lehrer hatte kennen lernen dürfen, bevor ich ihn im Orden wiedergetroffen hatte. Er saß zusammen mit mir, Minerva und Snape in Dumbledores Büro. „Er wird Sie erneut in seine Reihen fordern, Severus“, sagte der Schulleiter ruhig. „Als Spion wirst du dein Leben riskieren“, wandte Remus ein und sah den ehemaligen Schulkameraden geradewegs an. „Ich werde dieses Risiko eingehen“, schnarrte der schwarzhaarige Zaubertrankmeister. Er war wesentlich mutiger, als ich stets angenommen hatte. Klar, ich konnte ihn nicht ausstehen und ich traute ihm nicht, doch auf welcher Seite er auch immer stand, er riskierte mehr als nur sein Leben. Er riskierte seine Seele. „Nicht nur er“, sagte ich leise. „Wie meinen Sie das, Samanta?“ „Nun Professor Snape, ich weiß, dass Voldemort in meinem Umfeld Greifer sucht.“ „Aber als Greifer sind Sie zu unvorstellbaren Gräueltaten gezwungen, um nicht aufzufallen!“ „Keine Sorge, fragen Sie Minerva, ich bin Illusionistin.“ Sprachlos sah er mich an. Nur Minerva und Dumbledore lächelten wissend. Ja, genau das war ich tatsächlich. Meine Trugbilder täuschten selbst den besten Zauberer. Niemand war dagegen immun, selbst wenn er sich mit Zaubern gegen Trugbilder schützte. Jahrelang hatten Fred und George mich gefragt, was ich in meinen Zusatzstunden bei Minerva lernte. Doch ich hatte sie angelogen. Auch wenn ich mich dafür schämte, so war es doch besser, wenn sie nichts darüber wussten. Nicht wussten, in wen mein Stammbaum gründete. „Gut, dann gehen Sie nun alle.“ Ich hatte das Büro verlassen und bereits wenige Wochen später stand ich erneut vor einem mächtigen Zauberer. Doch dieses Mal war keine stolze Gutherzigkeit im Blick des Magiers. Denn es war kein weißer Zauberer. Ich stand vor Lord Voldemort persönlich. Er hatte alle Greiferanwärter zu sich bringen lassen. Wollte sie prüfen. Alle standen wir in einer Reihe und ich musste innerlich grinsen bei dem Gedanken daran, dass sich der gefährlichste Magier unserer Zeit mit solchen Schrumpfhirnen, wie jenen neben mir, einlassen wollte. Die anderen Irren neben ihm waren Bellatrix Lestrange, Yaxley, Fenrir Greyback und Scabior, welcher das Kommando über die Greifertruppen hatte. Die roten Augen des vollkommen entstellten Lord richteten sich in diesem Moment auf einen der Obdachlosen neben mir. „Sag mir, wem schwörst du die Treue?" Seine Stimme war vollkommen emotionslos und meine Angst vor ihm schwand völlig. Jemand mit starker Seele konnte meinen Illusionen widerstehen, doch ein solches Monster hatte keine Chance. „Euch, Herr“, zitterte der Angesprochene ehrfürchtig, woraufhin er Yaxley seinen Namen nennen durfte, der diesen dann notierte und dem Mann eine Silbermünze reichte. „Seht, denn ich bin ein gerechter Herrscher. Ich behandele meine Untergeben stets ihrer Leistung entsprechend.“ Angewidert musste ich mich zusammenreißen. „Und du, Mädchen, wem schwörst du die Treue?“ richtete er das Wort nun direkt an mich. Jeden anderen hätten diese schwarzen kalten Wände verunsichert. Und die roten Augen. Ja und diese in schwarz gehüllten dressierten Todesser. Doch ich wusste, was ich wollte. Zudem konnte ich ihre Seelen hören. Das war schon ein wenig gruselig, doch ich hatte im Laufe der Zeit gelernt das zu kontrollieren. Zu kontrollieren, dass ich dazu geboren war sie zu manipulieren. „Dem Meistbietenden“, gab ich zurück und hörte Bellatrix scharf die Luft einziehen. Auch die anderen Anwesenden versteiften sich. Wie würde der Dunkle Lord darauf reagieren? Auch ich war mir nicht sicher, doch ich musste ja von Anfang an meine Rolle spielen und dazu gehörte, dass ich dem perfekten Ruf eines Söldners nachkam. „Ich biete dir dein Leben und Bezahlung für jeden Gefangenen“, lächelte Voldemort hämisch. „Nun dann kommen wir wohl nicht ins Geschäft“, gab ich kühl zurück. „Warum das nicht, wenn man fragen darf?“ Dieses Monster schien offenbar belustigt. „Ich mache keine Gefangenen“, gab ich tonlos zurück. Jetzt zuckte ein Hauch Überraschung über das schlangenartige Gesicht, ehe es amüsiert grinste, „seht her, dieses Mädchen ist genau das, was wir suchen. So jung und schon hat sie die Welt so begriffen, wie sie ist.“ Mit ausgebreiteten Armen kam er auf mich zu und ich musste mich zusammenreißen, ihn nicht mit meinem Dolch zu erstechen. „Sicher dass sie die taffe nicht bloß spielt“, grummelte Scabior. „ich spiele keine Spielchen, du Amateur und nun lass uns gehen. Ich schätze fürs Rumstehen werde ich hier nicht bezahlt“, gab ich tonlos zurück, nickte dem Dunklen Lord zu, schnappte mir von Yaxley mein Geld und wollte den Raum verlassen. „Hey, dein Name“, bellte mir der blonde Zauberer hinterher. „Wenn du mich noch ein Mal duzt, teste ich meine Klinge an deinen Augenliedern“, zischte ich zurück und war schon in diesem Herzschlag mit dem Dolch vor seinem Gesicht und den Zauberstab an seinem Hals. Es war Mucksmäuschen still geworden. „Was? stört es hier etwa jemanden, dass ich Spaß an meiner Arbeit habe“, lachte ich und sah aus dem Augenwinkel einige Greifer zucken. „Ganz im Gegenteil, mein Kind! Yaxley, zahl ihr das Doppelte“, rief Voldemort, um sich dann wieder seiner Visite zu widmen. Ein wenig gruselte ich mich schon vor mir selbst, doch wer seine Rolle als Spion nicht perfekt spielte, der wurde enttarnt. „Wie heißt Ihr?“ erkundigte sich nun der immer noch ein wenig bleiche Yaxley. „Nennt mich MyLady“, gab ich zurück. „Ihr geht mit mir“, meinte nun Scabior und ich folgte ihm ohne ein weiteres Wort. Unserer Gruppe schlossen sich noch vier weitere an, nach deren Namen ich nicht fragte, die mich allerdings auch nicht interessierten. Es war mein erster „Einsatz“. Wir durchstreiften die Wälder auf der Suche nach flüchtigen Muggelstämmigen. „Dort“, murmelte Scabior und deutete auf eine schäbige Hütte. Auch ich spürte die Magie. Gekonnt schwang ich meinen Zauberstab durch die Luft und Vivaldi erklang. Ich liebte klassisches Geigenspiel und es würde den Todessern noch größere Angst machen. „Was soll das, es warnt sie doch.“ „Es ist ein Zauber, der sie bindet. Die laufen nirgendwo hin. Sie lauschen bloß noch der Melodie ihres Todes“, gab ich eiskalt zurück und ließ lange Klingen in meinen Händen erscheinen. Ehrfürchtig blieben die anderen Greifer hinter mir, während ich die Hütte betrat. Sie war vollkommen leer. >Scabiors Sicht< Es war der erste Tag der Neuen und die Gerüchte, die man sich über sie erzählte hatten mich anfangs schmunzeln lassen. Doch nun da dieses helle Geigenspiel die Luft erfüllte, verursachte es mir Gänsehaut. Wir betraten die Waldhütte und was ich sah, verschlug selbst mir die Sprache. Eine ganze Familie stand dort und schrie. Vollkommen stumm und die Augen schmerzgeweitet. „Blutstatus“, zischte sie, als die vier mit einem Mal von ihrer inneren Folter erlöst wurden und auf die Knie sanken. „Reinblütig! Ich schwöre es“, stammelte die Mutter. MyLady lachte kalt und köpfte den Vater in dem sie ihre Klingen vor seiner Kehle kreuzte. Die Kinder schrieen panisch auf, während die Mutter wie von unsichtbaren Seilen am Hals an die Decke gezogen wurde. „Was meinst du, Scabior, wie viele Kinder braucht sie für die Wahrheit?“ „Ähm, eines“, gab ich zurück. Hatte mich endlich wieder gefangen und stolzierte um eines der Kinder herum. Schon hatte ich den Zauberstab gezogen, doch sie hielt mich zurück. „Nein, Kinder dürfen schlafen“, lächelte sie grausam und strich dem zitternden Kind über die Augen. Es schloss diese und begann zu weinen. Doch es weinte Sand. Dann riss es die völlig leeren Augenhöhlen auf. Die Mutter schrie, während das Kind leblos zusammensank. „Blutstatus?“ erkundigte sich MyLady erneut. „Halbblütig“, kreischte die Mutter panisch, „bitte lassen Sie“, da brach sie ab und ich erkannte, dass tot war. Erhängt. Das letzte Kind ließ MyLady ebenso wie das erste „einschlafen“. >Normale Sicht< Ich hatte da soeben die Familie Blanc gerettet. Sie standen seit einigen Wochen auf Voldemorts Liste, da sie sich öffentlich zu Harry Potter bekannten. Das war meine eigentliche Aufgabe, neben der Spionage. Ich erzeugte Trugbilder, die ein Massaker darstellten, das es nie gegeben hatte. Und Tote wurden nicht gejagt. Tote konnten unbemerkt untertauchen. Dennoch widerte ich mich selbst an, doch das war mein Opfer für den Frieden und die Freiheit. Wochen, Monate verstrichen und meine Trugbilder blieben erschreckend gut. Ich hatte meine eigene Hütte im Greiferlager. Sie schoben vor, dass ich eine Frau war, doch ich wusste dass sie mich fürchteten. Ich hatte hier nie einen Hel daraus gemacht, dass ich jene die mir quer kamen töten würde. Das allein traf hier zwar auf einige zu, doch fürchteten sie die Art des Mordes. Sie hatten mich Grauenvolles tun sehen. Ich tötete nicht mit einem einfachen Fluch, ich bediente mich der Folterei der krankesten Muggelkiller. Diese Art der Folter kannten die meisten Magier nicht. Von Greyback einmal abgesehen töten sie alle mit ihrem Zauberstab. Ein Mord auf Distanz. Feige Killer waren sie. Doch auch mir machte dieses Morden Angst, selbst wenn es nie echt war. Es erschreckte mich, wie selbstverständlich diese Trugbilder für mich geworden waren. Da klopfte es an meine Türe. Der Raum war nur spärlich eingerichtet, doch lagen überall meine Folterinstrumente verteilt. Ich besaß ein mittelaltergleiches Asynal. Wirklich schaurig. „Herein“, rief ich. „Der Dunkle Lord schickt nach Euch, MyLady“, sagte einer der namenlosen Greifer unterwürfig. Stolz erhob ich mich und folgte dem Mann in ein großes Haupthaus. >Olivers Sicht< Seit Dumbledores Tod waren wir alle auf der Flucht. Der ganze Orden. Doch Lupin meinte immer wieder, dass es jemanden gäbe, der dafür sorgte, dass man uns nicht finden würde. Die Tage waren mehr als düster. Doch vor zwei Tagen hatte man uns geschnappt. Mich und Cormac. Wir waren eines der Gespanne, die Familien halfen ins Ausland zu fliehen. Doch jetzt saßen wir in einem Greiferlager und ehrlich gesagt wartete ich nur noch auf den Tod. Cormac hatte seine Folter stumm ertragen, sprach aber seither auch mit mir kein Wort mehr. „Ihr da! Mitkommen“, blaffte uns eine Greiferin an und wir folgten ihr vorbei an unzähligen Wachen und ihren Gefangenen. Teilweise schändlich entstellten Opfern. Es war abscheulich, was hier geschah. Die Schreie der anderen hatte mich in den letzten Stunden beinahe um den Verstand gebracht. „Ihr hättet euch selbst töten sollen“, kicherte einer der Greifer, an dem wir vorbeikamen. „Der alte Griffin hat Recht“, sagte unsere Greiferin hochmütig, „der Dunkle Lord hat nach MyLady schicken lassen.“ Ich musste schlucken und sah flüchtig zu Cormac. Diese Schlächterin war landesweit bekannt. Sie war zu einem schlimmeren Schreckgespenst geworden als Greyback. Niemand wusste, wer sie wirklich war, doch sie war grausam und kannte kein Erbarmen oder auch nur einen Hauch Menschenwürde. Man führte uns in einen Raum, der vollkommen schwarz gekachelt war. Mein Blick viel auf einen Ausguss zu meinen Füßen. „Ganz recht, das hier lässt sich gut reinigen“, lachte die Greiferin, ehe sie uns alleine ließ. „Die Tür ist aus undurchdringbarem Stahl“, murmelte Cormac. Er glaubte immer noch an Rettung, doch ich wusste, dass es jetzt darauf ankam schnell zu sterben. Es gab keinen Ausweg nur noch stolz zu sterben. Ich würde niemanden verraten! „Ich schweige, was ist mit dir?“ „Für wen hältst du mich?“ gab Cormac ernst zurück und so warteten wir mit dem Rücken zur Wand und dem Blick auf die schwere Tür. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis schließlich das Schloss klickte und ein blonder, hagerer Mann im Türrahmen erschien. Yaxley. Er musterte uns kurz mit einer Mischung aus Abscheu, Hochmut aber auch einem Hauch Grauen. Er musste wissen, dass es scheußlich war, was uns erwartete. „MyLady“, sagte Yaxley und verbeugte sich vor einer Gestallt, die knapp einen Kopf kleiner war als ich. Die Gestallt trug einen Zylinder, einen ledernen bodenlangen Mantel, darunter Bluse, Wams und eine schwarze Lederhose. Doch das war nur halb so grotesk wie die unzähligen silbernen Klingen, die sie scheinbar überall zu tragen schien. Aber all das wurde nur übertroffen von einem Schock, der mir durch alle Glieder fuhr. Die Gestallt war eine junge Frau, deren lange bunte Dreads ihr wirr um die Schultern flogen, als sie den Kopf in unsere Richtung wandte und uns aus nachtschwarzenAugen musterte. Ich kannte ihren Namen wie meinen eigenen. Diese Augen hatten mich immer verfolgt. Und nun würde mich meine große Liebe töten. Sie zeigte mit keiner Regung, dass sie uns kannte. Stattdessen wandte sie sich eiskalt an Yaxley. „Wenn mich jemand stört, reiße ich dir die Stimmbänder einzeln heraus“, mit diesen Worten griff sie sich einen Beutel, den er im Wams trug und er verschwand. In dem Moment, in dem die Tür zufiel, sank Cormac vor ihr auf die Knie. „Sam, du kennst uns! Bitte, wir werden es keinem verraten“, begann er zu betteln. Doch sie würdigte ihn keines Blickes. Sollte sie sich so sehr verändert haben? Eine solche kaltblütige Killerin geworden sein? „Glaubst du das wirklich, Oliver?“ Ihre Stimme war warm und auf ihr Gesicht schlich sich ein leises Lächeln. War das echt? Oder bildete ich mir das ein? „Und du, steh endlich auf, wir haben viel zu tun“, raunte sie Cormac an, der die Lage immer noch nicht zu begreifen schien. „Was wird hier gespielt?“ „Später, erst müssen wir fort von hier!“ „Wir?“ „Ja, das hier ist anders, als sonst. Ohne mich kommt ihr hier nicht weg. Gibt es eure Zauberstäbe noch, oder haben sie sie verbrannt?“ „Zerbrochen.“ „Gut das kommt wohl aufs Selbe raus. Dann muss ich improvisieren.“ „Improvisieren?“ „Nimmst du was? Hör auf mir alles nachzuplappern und pass auf, was ich euch jetzt sage!“ Bis jetzt war ich vollkommen still geblieben, doch langsam schien ich mich wieder zu fangen, „dann wie sieht dein Plan aus?“ „Ich töte euch.“ „Was?“ „Naja zumindest wird es so aussehen.“ „Wie willst du das denn anstellen?“ „Warts ab“, gab sie zurück und kurz darauf sah ich, wie sie Knochen heraufbeschwor. Sehnen begannen sich darum zuwinden, die bald von Haut überzogen war. Selbst Haare bekamen die magischen Wesen. Biologische Statuen in exakt unseren Größen. „Ich würde nun ein wenig in Deckung gehen“, meinte Sam und wir gehorchten, von ihrer Magie restlos verblüfft. Was nun folgte versuchte ich auszublenden, so gut es ging. Sie verstümmelte ihre Werke, bis nur noch ein Haufen blutige Reste zurückblieben. Cormac zitterte am ganzen Körper, so als sei dort eben ein echter Mensch gestorben. „So und nun raus hier“, sagte Sam ernst und blickte mir direkt in die Augen, „vertraut mir, sie können euch nicht sehen, solange ihr nicht in sie hineinrennt.“ Cormac zögerte noch, doch ich fasste all meinen Mut zusammen und nickte, „ich vertraue dir.“ Sie lächelte, um dann zweimal an die Tür zu klopfen. Davor stand Yaxley und sah sie ausdruckslos an. Sein Blick wanderte über ihr blutverschmiertes Gesicht zu ihrem Dekolté. „Würdet Ihr einmal mit mir ausgehen, MyLady?“ „Da drinnen sollte saubergemacht werden“, gab sie bloß eisig zurück und wischte ihre verschmierten Hände an seinem Mantel ab. Irgendwie machte sie mir Angst, doch andererseits bewunderte ich diese Schauspielkunst. Sie spielte ihre Rolle perfekt. Selbst ihr Gang passte zu dem Glanz in ihren Augen. „MyLady, wir haben eine Fährte“, rief einer der Greifer, von dem ich ausging, dass es sich dabei um Scabior handelte. >Normale Sicht< Es war fast putzig, wie unterwürfig sich dieser Mann mir gegenüber verhielt. Aber das taten sie alle. Selbst Yaxley. Ich war mir mehr als bewusst, dass er jeden anderen sofort getötet hätte, wenn er es gewagt hätte Blut an seiner Kleidung abzuschmieren. Doch ich hatte all diese Marionetten geblendet. Selbst der Dunkle Lord glaubte es. Doch hatte meine Arbeit nicht alle vor Schrecklichem bewahren können. Dumbledore war tot und ich hatte lange um Moody geweint. Von den anderen hatte ich nichts mehr gehört. Doch nun da diese zwei Gryffindors hier waren, hielt ich es nicht mehr aus. Ich hatte die Angst dort hin gebracht, wo sie her kam und jetzt würde ich die richtigen zu Opfern werden lassen. Nie wieder Trugbilder geschundener Phönixe. Nie wieder. Auch wenn meine Arbeit wichtig gewesen war, so wollte ich nun endlich Seite an Seite mit meinen Freunden stehen. Ich hatte meiner Rolle gemäß Scabior ignoriert und nun standen wir im Wald. Alleine. So löste ich den Spiegel, der Oliver und Cormac verbarg. letzterer brach augenblicklich zusammen. Doch auch Oliver war mitgenommener, als er sich anfangs gegeben hatte. „Ich bringe uns an einen sicheren Ort“, murmelte ich nur und wir apperierten in eine kleine Bärenhöhle. Ich hatte sie als Kind beim Spielen entdeckt. Ich schuf das Trugbilds eines Wasserfalls vor dem Höhleneingang und entfachte ein Feuer. Sobald es brannte, entglitt auch Oliver das Bewusstsein. Ich jedoch bekam kein Auge zu. Gewissensbisse quälten mich. Wenn ich jetzt ging, könnte ich meine Aufgabe noch fortführen. Es wäre egoistisch mit den beiden fortzugehen. Doch ich wollte so gerne meine Freunde wiedersehen. Bei ihnen sein, wissen dass es ihnen gut ging. Ich wollte sie beschützen und von ihnen beschützt werden. Endlich wieder leben. Ohne Maske wieder ich selbst sein. Ganz ich, ohne Abzüge. Die Sam, die ich hatte so lange verstecken müssen. „Sam?“ Olivers Stimme war zaghaft und noch sehr gebrochen, doch er versuchte sich aufzurichten und ich stützte ihn. Er sagte nichts mehr und auch ich sah ihm nur in die braunen Augen. Kein Funke Verrat, keine Kälte brannte darin. Wie sehr ich solche Augen vermisst hatte. „Dann war das alles gar nicht echt? All die Morde, die Gräueltaten, alles nur Schein?“ „Ja, so konnten die Familien fliehen, ohne dass sie weiter verfolgt wurden.“ „Lupin wusste es, oder?“ „Nein, er wusste nur, dass wir einen Spion haben. Es wussten immer nur Dumbledore, Minerva und Moody. Das war besser so. Es ist schließlich nicht nur mein Leben, dass davon abhängt, dass nichts auffliegt. Auch das all derer, die ich „getötet“ habe.“ „Wie hast du das ausgehalten?“ Ich musste nicht fragen. Er meinte nicht das Greiferlager, er meinte dass ich keinen Kontakt zu meinen Freunden haben durfte. Dass Fred und George nicht hatten wissen dürfen, ob ich noch lebte. Also sah ich in die Flammen und rang mit den Tränen. „Es geht ihnen gut. Sie sind auf der Flucht, doch sie leben noch“, murmelte Oliver irgendwann und setzte sich dicht neben mich, legte mir einen Arm um die Schultern und ich lehnte dankbar meinen Kopf an seine Brust. Er war verdammt abgemagert, doch strahlte sein Körper nur so vor Wärme. Eigentlich kannte ich ihn ja gar nicht, doch der Krieg ließ uns alle näher zusammenwachsen. „Wir wissen wo Lee ist. Er wird uns zu den Zwillingen bringen können. Du solltest sie sehen, bevor du dir überlegst, wie dein weiterer Plan aussieht“, sprach er weiter und strich mir sanft über die Haare. Zitternd ließ ich mich noch enger in seine Umarmung fallen. In meiner Brust schlugen zwei Herzen. Eines war eiskalt geworden. Ein Killer. Das andere verlangte so sehr mein altes Leben zurück. Ich hatte Angst. Würde ich das schaffen. All meine Illusionen vergessen? Sie brannten in meinem Kopf, als seien sie Realität gewesen. Sie waren im Begriff mich wahnsinnig zu machen. Es schien als könnte mich nur diese Umarmung schützen. Diese Nähe, diese Vertrautheit, diese Bedingungslosigkeit. In diesem einen Moment schien es, als würde mein Herz Oliver schon ewig kennen. Ich fühlte mich beschützt und geborgen. >Freds Sicht< Wir versteckten uns in einem verfallenen Schloss und hielten den Orden Mittels PotterWatch auf dem Laufenden. „Da kommt Jemand“, rief George, der gerade Abendessen gemacht hatte. Augenblicklich zogen wir die Zauberstäbe und versteckten uns. Doch die Stimme, die kurz darauf durch die Ruine hallte, war eine wohl bekannte. „Fred? George? Kommt schnell her, ich habe jemanden mitgebracht, den ihr sicher ganz schnell sehen wollt“, rief Lee und wir stürmten in die Einganghalle des verlassenen Gemäuers. Dort standen vier junge Leute, deren Anblick mein Herz kurz aussetzen ließ. „Sam“, stotterte George neben mir und lief auf die tot geglaubte Freundin zu. Wir schlossen sie beide fest in die Arme und ich spürte, dass sie zu weinen begann. Ich küsste sie auf die Wange und zog sie fest an mich. Wollte sie nie wieder gehen lassen. Jedes Mal wenn wir die Gefallenen aufgezählt hatten, hatten wir gebetet, dass wir ihren Namen nie würden nennen müssen. Die anderen beiden, die Lee begleiteten waren Cormac und Wood. Ich zog auch den ehemaligen Captain und den blonden Schönling an mich. Eigentlich hatte ich den arroganten Cormac nie ausstehen können, doch ich hatte gehört, wie treu und bedingungslos er für den Orden kämpfte. Doch Sam hatte sich verändert. Damals im Grimmauldplatz hatte sie verlottert, aber glücklich gewirkt. Jetzt trug sie die Haare wieder in großen glänzenden Locken und steckte in sauberer, wenn auch sehr robuster Kleidung. Sie schien unendlich erwachsen geworden zu sein und der Glanz in ihren Augen beunruhigte mich. Sie wirkte, als hätte man sie fürchterlich verletzt, so zerbrechlich war sie in meinen Armen gewesen. Auch George musste das gemerkt haben. Wir waren ihre Brüder und hatten sie nicht vor was auch immer beschütze können. Doch heute Abend wollten wir sie wieder zum Lachen bringen. So nahm ich mir Lee zur Seite und wir bereiteten ein kleines Festessen vor. „Dann erzählt mal, wie habt ihr unsere Sam gefunden?“ „Ja, ist sie bei Borgin und Burkes als Spion gewesen?“ „Nicht ganz“, setzte Cormac an und sah flüchtig zu Sam, die hingegen auf den Tisch starrte. Ich hätte mich für unsere Fragerei ohrfeigen können. Wir wussten doch, dass sie heimlich für den Orden auf der anderen Seite gearbeitet hatte. Es konnte nichts gewesen sein, worauf sie stolz war. Ich sah wie Wood ihre Hand ergriff und ihr aufmunternd zunickte, „sie werden es verstehen“, murmelte er und sie blickte ihm tief in die Augen. Das verwirrte mich. Was hatte Wood mit unserer Sam zu tun? Was lief zwischen den beiden. Was wusste er, wovon sie glaubte wir würden es nicht verstehen? Dachte sie tatsächlich wir würde sie verurteilen? Doch zu weiteren Überlegungen kam ich nicht. Sie sah uns geradewegs an und seufzte. „Ich bin MyLady“, sagte sie leise. Mir klappte die Kinnlade herunter und ein Blick zu George zeigte, dass er und Lee ebenso geschockt waren. Sollte das wirklich sein? „Nicht wie ihr denkt. Ich habe Trugbilder erschaffen. Nur so getan, als würde ich-“ sie stockte. Ein flüchtiger Blick zu Oliver, der ermutigend nickte, dann fuhr sie an uns gewand fort, „es ist nie geschehen, aber Totgeglaubte verfolgt selbst der Dunkle Lord nicht. So konnten all die Verfolgten fliehen.“ Wir schwiegen. Wie sollte man auf so was reagieren? Sie war die Frau, vor der wir alle mehr Angst gehabt hatten als vor Greyback. Sie hatte überall Angst und Schrecken verbreitet. War die Grausamkeit in Person gewesen. Hatte Bellatrix Lestrange als Voldemorts Liebling abgelöst. Sie hatte eine grausame Rolle spielen müssen. Die Leichtigkeit, die ich empfunden hatte, als ich sie gesehen hatte, war verflogen. Ich unendliches Mitleid mit ihr. Was für ein Monster hatte sie nur spielen müssen? Es hatte ihr die Seele zerrissen, das wusste ich. Denn mir wäre es so gegangen und sie war meine Schwester. Immer gewesen. Und ich liebte sie noch immer, ebenso wie ich George liebte. Doch musste sie so viel stärker sein, als ich je angenommen hätte. Wie hätte sie das sonst überleben sollen? „Ich brauche etwas Zeit für mich“, sagte sie plötzlich und stand auf. George wollte ihr folgen, doch ich hielt ihn zurück. „Lass sie. Wir können ihr nur helfen, in dem wir ihr klar machen, dass wir immer für sie da sein werden. Und Sam, das sind wir“, sagte ich und sie nickte, ehe sie verschwand. „Es war grauenvoll“, sprach Cormac die Antwort auf die Frage aus, die ich mich nicht zu stellen getraut hatte. So verging der Abend und Wood erzählte uns ihre Geschichte. Wie sie geschnappt worden waren und was dann geschehen war als sie Sam getroffen hatten. „Du liebst sie, oder?“ Vollkommen überfordert sah er mich an und ich erkannte in seinen Zügen, wie er mit sich selbst rang. „Wie lange schon?“ versuchte George es ihm einfacher zu machen. „Seit der Schule. Obwohl ich da lange dachte, dass sie mit dir Fred... nun ja“, murmelte Wood. Ich musste lachen, „nein, nie.“ „Das hat mir Harry dann auch erzählt. Tja aber sie war wohl nie interessiert.“ „Glaub mir, Wood, da hatte keiner eine Chance. Sie war freier als ein Vogel.“ „Ein Phönix“, grinste George. „Doch diese Zeit bei den Todessern hat ihr die Flügel gestutzt. Vielleicht kannst du ihr zeigen, wie man wieder fliegt“, gab Lee seinen Senf dazu. „Ja Fliegen kannst du ja“, konnte ich mir einen schlechten Scherz nicht verkneifen, doch es lockerte die Stimmung tatsächlich ein wenig. „Wir sollten Angelina und den anderen sagen, dass sie noch lebt. Außerdem muss die McGonagall wissen, dass es MyLady nicht mehr gibt“, meinte Cormac nach einer Weile und er hatte Recht. So holten wir unsere PotterWatch- Anlage hervor. „Guten Abend ihr da draußen. Neben den üblichen Nachrichten haben wir etwas ganz Besonderes. Der Bunte Phönix ist zurück und er wird sich wieder aus der Asche erheben, dessen sind wir gewiss.“ >Normale Sicht< Ich konnte Lee strahlen hören. Wie sehr es mich freute, dass sie mich nicht verstießen und dass sie an mich glaubten, konnte ich kaum in Worte fassen. Es weckte in mir ein Gefühl, welches man am besten als Stolz beschreiben konnte. Doch es war verwoben mit einem Gedanken, der alles andere betäubt. Dem Wunsch nach Rache. Todesser hatten mich gelehrt wie Herzlosigkeit funktionierte, jetzt sollten sie Selbige spüren. So verstrich die Zeit. Es wurde Winter und mein Herz gefror jedes Mal zu Eis, wenn ich einen dieser missratenen Zauberer traf. Und immer wenn die Geige klang, starben sie. Ich trug erneut meinen schwarzen Mantel, doch hatte ich einen goldenen Phönix auf den Rücken gestickt. Die Haare trug ich immer noch bunt, doch wieder wie früher in Locken. Ich war nun beides: Killer und Phönix. Und beides offensichtlich. Die anderen sah ich nicht. Sie waren auf der Flucht, doch ich würde niemals fliehen. Zudem sprachen sie über PotterWatch stets zu mir. Ich wusste ihre Nachrichten zu deuten und sie sagten mir jedes Mal, dass sie mich lieb hatten und das gab mir den Mut weiter zu machen. Minerva sah ich ab und an heimlich. Obwohl sehen übertrieben war. Ich schlich mich heimlich in die Schule und sprach aus dem Schatten zu ihr. Man beobachtete sie mehr als sonst eine Lehrkraft. Sie sahen es nun ebenso wie ich es immer gesehen hatte: sie brillant. Es war einer dieser Tage, an denen ich mich in die Schule geschlichen hatte. Mit einem Mal brach das pure Chaos aus. Die Kinder wurden aus ihren Betten in die Große Halle bestellt. Da hörte ich es, „Harry ist hier“, flüsterten sie. In mir jubilierte es. Nun würde es um alles gehen. Das war das ende. Entweder für uns, oder für sie. Keine Minute später wimmelte es im Schloss von Ordensmitgliedern, die mich umarmten, sobald sie mich sahen. Sie alle wussten es. Es musste sich rasend schnell herumgesprochen haben. Da sah ich plötzlich Percy. Er stand mit steinerne Miene da und starrte in die Dunkelheit, in der wir die Todesser wussten. Ohne zu zögern rannte ich auf ihn zu, schloss ihn in die Arme, was ihn erst zu überfordern schien, dann aber erwiderte er die Umarmung. „Wir sind alle wieder hier.“ „Ja, alle“, gab ich zurück und löste mich von ihm. „Dann lass uns dafür sorgen, dass wir auch alle die Sonne wieder sehen.“ Ich nickte und starrte neben ihm in die Ferne. Als unser Schutzwall brach, handelte ich wie von selbst. Das Herz aus Eis übernahm und ein grausamer Phönix fiel über die Todesser her wie eine Harpyie. Es war als ich gerade durch einen der Gänge rannte, als ich einen lauten Knall vernahm. „Fred“, hörte ich eine panische Stimme schreien, doch als ich in dem Gang eintraf, sah ich nur eine Person klar. Ich sah nicht George, der verzweifelt den leblosen Körper seines Bruders schüttelte. Ich sah nicht Percy, der mit erhobenem Zauberstab auf den Zaubereiminister losging. Und ich sah nicht meinen verrücktesten Bruder, von dem ich wusste, dass ich ihn nie wieder würde lachen sehen. All das sah ich nicht. Es waren bloß Schemen vor denen ein Mann deutlich war. Yaxley. Er starrte mich an und ich erkannte in seinen Augen seine Schuld und seine Bosheit blanker Angst weichen. In meiner Brust regierte das Monster, der Killer und er spielte eine Melodie. Klassisches Geigenspiel. Es war so voller Schmerz und Blutdurst, dass es den Raum meines Kopfes durchbrach und für alle hörbar durch die Gänge hallte. Es fesselte Yaxley. Es gab vieles, was ich diesem Ekel immer hatte sagen wollen, doch nun war er keines dieser Worte mehr wert. Ich fühlte überhaupt nichts, als ich ihm mit einigen gezielten Klingenhieben das Leben nahm. Wie betäubt sank ich zusammen. In seinem Blut kauernd und am ganzen Körper blutverschmiert. Dann rannte ich los. Einem inneren Impuls folgend hinaus aus dem Schloss. Ich wollte- konnte dort nicht bleiben. Dabei lief ich einem Mann in die Arme, von dem ich gehofft hatte, er würde mich töten. Doch stattdessen schloss er mich in die Arme. Vollkommen verwirt ließ ich es zu und weinte in den Armen eines Mannes, dem ich nie getraut hatte. Doch in diesem Moment wurde mir bewusst, dass er mich nie verraten hatte, wenngleich er um meine eigentliche Gesinnung stets gewusst hatte. Wie Schuppen fiel es mir von den Augen. Auch er war ein Doppelagent gewesen. Hatte alles riskiert und würde nun am Ende alles verlieren. Ihm würden sie nie vergeben, so wie mir. Ihn würden sie immer hassen. „Ich nehme an, es ist einer der Zwillinge gewesen“, murmelte er irgendwann. Ich nickte und er schloss die Arme noch fester um mich. „Warum tun Sie das?“ „Weil ich weiß, wie es ist, was du getan hast. Wie es sich anfühlt, wenn sie einem das Herz nehmen wollen. Du hast nie gegen deinen Willen gemordet, doch deine Augen mussten die Folter sehen. Du fühltest dich dennoch als Mörderin. Sie haben dich beraubt. Nicht nur deiner Freunde auch deiner Unschuld. So war es bei mir nicht, aber musste ich stets sein, was ich nie war. Ich kann meine Taten nicht ungeschehen machen, doch ich habe immer versucht das einzige zu schützen, das meine Seele retten kann.“ „Harry“, murmelte ich und löste mich von dem schwarzgewandten Professor. „Ja. Er wird von mir alles erfahren und ich hoffe, dass du es dir eines Tages von ihm berichten lassen kannst. Es tut mir so leid, doch du kannst die Zeit nicht umkehren. Doch versprich mir eines. Sieh es als Rat eines Mannes, der nach dem Tod eines geliebten Menschen nie wieder ins Leben zurückgefunden hat, weil er diesen Menschen nicht ruhen lassen konnte. Gedenke deinen Freunden immer im Guten doch verliere dich nicht selbst. halte den Kopf aufrecht. Das bist du deinen Freunden schuldig, dass du dein Leben nicht verlierst. Er starb für unser aller Freiheit. Für deine Freiheit. Nutze dieses Geschenk.“ Ich sah ihn überfordert an, doch dann verstand ich. Er hatte Recht und ich wusste, dass ich für diese Einsicht ein ganzes Leben gebraucht hatte. „Danke, dass Sie mir diese Jahre schenken, die ich verloren hätte.“ Er verstand und nickte. „Sie werden heute Nacht sterben, habe ich Recht?“ „Weißt du, ich glaube es ist der einzige Weg endlich Frieden zu finden. Der einzige Weg zu ihr zu gelangen und um Vergebung zu bitten.“ Es ging also um eine Frau. „Ich wünschte, ich würde Sie noch mal sehen, wenn das hier vorbei ist. Ich würde Ihnen gerne danken. Danken dafür, was Sie für den Frieden alles gegeben haben. Was Sie für Harry alles gegeben haben.“ Ein Hauch wärme trat in seine Augen, „es ist Dank genug, wenn du das nutzt, worum ich dich gebeten habe. Es ist die Chance, die ich nie hatte.“ „Danke Professor Snape.“ Er sagte nichts mehr und ging an mir vorbei. Vollkommen verwirrt blieb ich zurück, doch dann richtete ich den Blick gen Himmel. „Für dich Fred werde ich kämpfen! Niemals aufgeben und wir werden siegen! Für dich! Ich werde dich nie vergessen und nie enttäuschen!“ Ich schrie diese Worte, um dann zurück in den Kampf zu laufen. Wieder kämpfte ich verbissen, doch dieses Mal nicht mit Hass im Herzen, sondern Hoffnung. Ein leuchtender Stern, der mich antrieb. Adrenalin pulsierte in meinen Adern. Als Voldemort Harry forderte, kehrte ich in die Große Halle zurück und trat zu George. Bestimmt fasste ich sein Hand und drehte sein Gesicht zu mir. „Wir müssen stark für unsern Bruder sein. Ihn rächen und das Leben leben, das er sich für uns immer gewünscht hätte. Ich bin gewiss, dass er uns sehen kann und nun ist es an uns mit einem solch wilden Feuer zu kämpfen, dass wir ihn stolz machen.“ Erst wirkte er getroffen, dann jedoch erkannte er den Sinn meiner Worte, straffte die Schultern und schloss mich fest in die Arme. „Zusammen werden wir seiner immer gebührend gedenken. Er wird immer stolz auf uns sein können“, flüsterte er. Ich nickte und so kehrten wir in den Innenhof zurück, um den Todessern erneut entgegen zu treten. Und sie kamen. Sie forderten uns auf sich ihnen anzuschließen. Der kleine Malfoy folgte der Aufforderung seiner Eltern, doch sie verließen den Ort augenblicklich. Dann fiel Voldemorts Blick auf mich. „MyLady, Ihr könnt das Monster nicht ewig verstecken. Ihr wisst in meinen Reihen wird immer ein Platz für Euch sein. Ihr seid eine Killerin. Absolut kalt, das habt Ihr bewiesen. Ein gutes Herz könnte solche Bilder gar nicht erschaffen. Wisst Ihr es hat mich lange zum Grübeln gebracht, wie Ihr mich so täuschen konntet. Nun und dann fand ich Euren Stammbaum. Wirklich bemerkenswert. Wissen Eure Freunde, dass Ihr niemals eine von den Guten werdet? Es liegt Euch im Blut eine Verräterin zu sein.“ „Was meint er?“ hörte ich einige neben mir flüstern. „Ja da hört Ihr es, sie fragen sich, was Ihr für ein Monster seid.“ Doch weiter kam er nicht. Da trat ein blonder, hochgewachsener junger Mann aus unseren Reihen. Den Blick auf die Todesser gerichtet. „Wir wissen, dass sie eine Tochter Hels ist. Wir wissen, dass sie von Loki persönlich abstammt. Wir wissen, dass sie eine geborene Trickserin ist. Doch wir wissen auch“, fuhr er fort und sah mich nun direkt aus braunen Augen an, „dass sie ein größeres und wilderes Herz hat, als jeder den ich je kannte. Ihr Platz ist bei uns, denn wir lieben sie. Ich liebe sie.“ Olivers Worte ließen meine Welt kreisen. Doch dann sah ich, wie Voldemort seinen Zauberstab hob und ich reagierte schneller, als ich es je erwartet hätte. Oliver verschwand vor aller Augen. verborgen durch mein Trugbild. >Olivers Sicht< Ohne zu zögern lief ich auf Sam zu. Ich wusste, dass sie mich verbarg. Nevilles Rede bekam ich kaum mit. Ich sah nur die Frau, der ich soeben vor allen anderen meine Liebe gestanden hatte. Doch empfand sie genauso? Mein Kopf war vollkommen leer, als ich vor ihr stand. Mir fehlten alle Worte. „Seit wann weißt du das?“ „Schon länger“, lächelte ich schräg, doch weiter kam ich nicht. Sie legte mir ihre Hand in den Nacken und zog mich zu sich. Meine gesamte Selbstsicherheit löste sich augenblicklich auf, als ich sie ganz sacht küsste. Da geschah es. Wie eine Explosion. In meinem Kopf hallte mit einem mal Musik wider. Wunderschöne Musik. Ich konnte sie spüren und fühlen, wie sie durch meinen Körper pulsierte. Das musste ihr Herzschlag sein. Sie flog wieder. Mein Phönix flog wieder! Instinktiv schloss ich sie in die Arme und zog sie eng an mich. Um uns herum verebbte eine Jahrhundertschlacht, doch sie blieb bei mir.

26.02 % der User hatten die Auswertung: Eine kleine FF für eine junge Bekannte. Ich hoffe ich werde den Erwartungen gerecht. „Oh wie mich diese ganzen Schwachköpfe aufregen“, stöhnte meine kleine Schwester gerade. „Wie mich dein Gelaber aufregt“, dachte ich, hielt aber den Mund. Es war ihr drittes Jahr, mein Fünftes. Wir stiegen gerade in den Hogwartsexpress und waren auf dem Bahnsteig ausgerechnet der Familie Weasley über den Weg gelaufen. Doch es wurde nicht besser. Als wir endlich das Slytherinabteil erreichten, rannte meine Schwester auch schon los und fiel diesem absolut überheblichen Malfoyschleimscheißer um den Hals. Dass Pansy einfach nicht einsehen wollte, dass er absolut nicht interessiert war. „Hallo Zira“, grüßte mich der weißblonde Junge, doch ich schob mich einfach an ihm vorbei. Eigentlich interessierten sie mich alle nicht. Niemand hier. Fiel denen denn gar nicht auf, wie kindisch ihr Verhalten war? Dieses Gefasel von reinem Blut und so. Waren die denn auf den Kopf gefallen? So setzte ich mich alleine in eine Ecke und kramte in meiner Tasche nach einem Buch. ganz schön schwierig bei so viel Krams. Aber so eine Handtasche mit unauffindbarem Ausdehnungszauber war schon was Praktisches. So brauchte ich in jedem Fall keinen schweren Koffer mit mir herumzuschleppen. Man musste eben nur ein gewisses Maß an Intelligenz besitzen, dann war die Welt viel angenehmer. Gerade, als ich das Gefühl von vollkommener Ruhe hatte, ging die Abteiltür auf und eine etwa handgroße Schachtel flog in das Abteil. kurz darauf explodierte sie in hunderten Farben. Dann bildete sich in dem bunten Rauch ein Clownskopf, der laut zu lachen begann: „Malfoy hat sich wieder die Haare nicht gewaschen, Pansy sieht aus wie ein Mops und die Gorillas haben noch weniger Hirn, als eine Alraune und stinken tun sie genauso! Alles beim alten! Euch auch ein wunderschönes neues Schuljahr!“ damit explodierte der Clown in so viel Glitzer, dass es jeder im Abteil abbekam. Innerlich musste ich grinsen. Irgendwie waren diese Weasleyzwillinge schon lustig. aber nach Außen hin seufzte ich genervt, stand auf und verließ das Abteil. Vielleicht war woanders noch was frei, wo man seine Ruhe hatte. Doch ich wurde enttäuscht. die anderen Abteile waren alle besetzt. Da lief ich an einem vorbei, in dem eine Gruppe Zweitklässler aus Hufflepuff saßen. Na bitte geht doch. Ohne zu zögern öffnete ich die Tür. „Macht dass ihr Land gewinnt“, zischte ich und wie erwartet trollten sich die Jüngeren ängstlich. Sie wusste eben von Leuten, wie diesem kleinen Malfoy wie die Slytherins so drauf waren. Endlich alleine klappte ich mein Buch wieder auf und versank in einer dieser spannenden Geschichten über die Vergangenheit unserer Zaubererwelt. Manchmal hatte ich das Gefühl, dass mit mir etwas nicht stimmte, weil ich mich so sehr für Geschichte und Zauberei in aller Form interessierte. Andererseits war ich der Auffassung, dass so etwas zum Grundwissen eines jeden Zauberers gehören sollte. Leider sah das vermutlich nur ein weiterer Schüler auf dieser Schule so. und die war ausgerechnet ein Schlammblut aus Griffindor. Die kleine Freundin von Potter war vermutlich noch belesener als ich. Ich war mir ganz sicher, dass es nie einen Zauber geben würde, den sie nicht würde erlernen können. Doch das interessierte mich eigentlich nicht. Warum auch? Ich hatte weder mit ihr noch Potter etwas zu schaffen. So verstrich die Zeit, als plötzlich der Zug langsamer wurde. Wir konnten unmöglich schon da sein. Verwundert legte ich das Buch zur Seite und schob meine Abteiltür auf. Auch die Türen des Hogwartsexpress öffneten sich und ließen grauenvolle Kreaturen hinein. Ich wusste sofort was dort schwarzgewandt und kälteverströmend über den Boden glitt. Dementoren. Wächter von Askaban. Und sie suchten Sirius Black. Einer von ihnen verharrte vor einer Kabinentür. Die langen knorrigen Finger ließen sie mit einem Wink zur Seite gleiten. Unmöglich, dieser Black war nicht so dumm sich mitten in den Zug zu setzen. Ein Mädchen schrie. Das brachte mich auf. Was erlaubte sich diese Kreatur einen Unschuldigen anzugreifen? Ich war vielleicht ein Slytherin, doch mein Hass auf Dementoren war größer, als die Schmach einem Schüler aus einem fremden Haus zu helfen. Ohne zu zögern richtete ich den Zauberstab auf das in Fetzen gewandte Wesen. „Expecto Patronum!“ Ein silberner Panter schoss aus der Spitze meines Zauberstabes und preschte auf den Dementor los, der augenblicklich von seinem Opfer abließ und die Flucht ergriff. Den Panter wie ein Haustier auf dem Fuß folgend, ging ich zu dem Abteil. Das Bild, welches sich mir bot, hätte ich nicht erwartet. Dort vor mir auf dem Boden lag ein vollkommen bewusstloser Harry Potter. Seine Freunde Granger und Weasley knieten besorgt neben ihm, während ein ziemlich mitgenommen wirkender Mann mit blondem Haar Granger Schokolade reichte, „gebt ihm das, wenn er wieder zu sich kommt.“ Dann sah er mich an. Für sein Alter sah er irgendwie schon verdammt gut aus. Nicht auf diese Märchenprinzart, viel mehr auf die des intelligenten, ruhigen Bücherwurms. Aber wer war er und was zur Hölle wollte er hier. Doch bevor er etwas sagen konnte ergriff der Slytherin in mir das Wort, „wenn Potter immer so wankelmütig ist, solltet ihr vielleicht eine Matratze mit euch herumschleppen“, giftete ich und verschwand wieder in mein Abteil. Der Panter verschwand in dem Moment, in dem ich die Glastüre wieder zuschob. Wenn das die anderen mitbekamen, wäre ich geliefert! eine Slytherin, die Harry Potter rettet. Einfach lächerlich. Das wäre, wie wenn ich mit einem der Griffindor ausgehen würde. Ein Gedanke, den ich im letzten Jahr ab und an hatte. Nicht nur weil ich die Löwen eigentlich nicht so scheußlich fand, wie ich tat, sondern weil es vielleicht mein Haus wachgerüttelt hätte. Wir waren alle nicht Salazar Slytherin und nicht jeder direkt ein Todesser, nur weil er im Haus der Schlange war. Doch am Ende war ich doch zu feige gewesen, dabei hatte mich Oliver Wood nach Hogsmeade eingeladen. Ich war einfach nicht hingegangen, was ihn offensichtlich gekränkt hatte. Denn vorher hatte er mich auf dem Gang sogar gegrüßt. Jetzt begegnete er mir wie jedem anderen Slytherin. Mit Ignoranz und einem dummen Spruch. Das Festessen war vorbei und ich wollte mich gerade in die Keller davonstehlen, als mir plötzlich jemand am Ärmel in eine dunkle Nische zog. Ich hatte schon den Zauberstab im Anschlag, ließ ihn aber sinken, als ich erkannte wer da vor mir stand. „Wegen der Sache im Zug“, begann Hermine etwas unsicher, „danke.“ Amüsiert zog ich eine Augenbraue hoch. Eigentlich hatte ich schon einen Schlammblutsatz aller Malfoy vorbereitet, für den Fall dass mich einer der Drei ansprechen würde. Doch so wie sie hier vor mir stand konnte ich sie nicht beleidigen. Es musste sie viel Mut gekostet haben, das stand fest. „Schon gut, so hätte jeder handeln sollen, der dazu in der Lage gewesen war.“ „Professor Lupin ist genau in dem Moment aufgewacht, als dein Patronus den Dementor vertrieben hat. Er sagte nur sehr mächtige Zauberer und Hexen können einen gestalltlichen Patronus heraufbeschwören“, plapperte sie los. „Ich hatte lange Zeit es zu üben“, ein bitterer Ausdruck trat in mein Gesicht. „Okay. Naja in jedem Fall danke noch mal. Vielleicht sieht man sich ja mal in der Bibliothek“, nuschelte sie etwas schüchtern. Ich wusste, dass sie gespürt hatte, dass ich nicht über Dementoren reden wollte, war aber höflich genug nicht darauf einzugehen. Nettes Mädchen, dachte ich und nickte. „Gute Nacht, Granger.“ „Gute Nacht“, gab sie zurück und huschte davon. Und ich sah sie wieder. Irgendwann sogar regelmäßig. Es schien als hofften wir beide jedes Mal, wenn wir in die Bibliothek gingen, dass der jeweils andere zufällig da war. Ich war nicht der Mensch für tiefe Freundschaften, aber dieses Mädchen war mir einfach sympathisch, obwohl sie ein Schlammblut war. Vielleicht faszinierte mich ihr Wissen gerade daher noch mehr. Ich kam gerade von einem dieser „Treffen“ und wollte eigentlich schnurstracks in meinen Gemeinschaftsraum. >Remus‘ Sicht< Ich schloss gerade mein Klassenzimmer zu, als eine Schülerin voll in mich hineinrannte. Dabei verlor sie all ihre Bücher und einen großen Stapel Papier, der sich augenblicklich im ganzen Gang verteilte. Sie sah auf und schien erst in dem Moment zu erkennen, in wen sie da gerannt war. Rasch trich sie sich eine lange rotbraune Strähne aus dem Gesicht, während ihre dunkelgrünen Augen mich emotionslos musterten. Sie war eine Slytherin und ihre Miene meanderte unentschlossen zwischen entschuldigend und abschätzig. Ich kannte ihren Namen. Das hier war Zira Parkinson. Die begabte, aber vollkommen unterkühlte Schwester von Pansy, welche sich in meinem Unterricht eher durch absolute Talentfreiheit bemerkbar gemacht hatte. Zira hingegen schien eine echte Überfliegerin zu sein. Immer noch hatte keiner von uns etwas gesagt. Sie schien das auch zu merken. „Entschuldigen Sie, Professor“, sagte sie klar und ebenso kalt. Sie erinnerte mich unheimlicher Weise an Regulus Black. Kühl, intelligent und absolut undurchschaubar. Doch das sollte ich ihr vielleicht besser nicht auf die Nase binden. „Schon okay, warte ich helfe dir“, sagte ich rasch, bevor mein Schweigen zu offensichtlich wurde. Doch sie erwiderte nichts, sondern machte sich rasch daran ihre Habseeligkeiten wieder einzusammeln. Es waren allesamt Bücher aus der Bibliothek und wirklich spannende, wenn auch anstrengende Literatur. Dann fiel mir unter ihren Papierstapeln auch eine andere Schrift auf, die mich überraschte. „Das hier gehört doch Miss Granger“, meinte ich und hielt eine Pergamentrollein die Höhe. Es handelte sich um einen Aufsatz über Vielsafttrank. Ich war auf alles vorbereitet gewesen: dass sie mich anfauchte, es leugnete, oder einfach stumm blieb. Sogar dass sie es wagen würde Hermine vor mir ein Schlammblut zu nennen. Doch damit, was sie dann sagte, hatte ich nicht gerechnet. „Ich lerne zusammen mit Hermine. Vielleicht das falsche Haus und das falsche Umfeld, aber klüger als das ganz Malfoypack zusammen“, gab sie vollkommen emotionslos zurück. Ich konnte beim besten Willen nicht sagen, ob sie Hermine mochte und Draco hasste, oder umgekehrt. Aber ich sollte es nicht herausfinden. Sie hatte all ihre Sachen zusammen und sah mich noch einmal flüchtig an. Ehe sie mich einem >Danke Professor< davon rauschte. Gerade wollte ich meinen Weg fortsetzen, als mir etwas auf dem Boden auffiel. Eine schmale Kette, an der ein bronzenes Amulett baumelte. Sie würde nicht wollen, dass ich es öffnete, doch ich war zu neugierig, um es einfach bloß einzustecken. Darin waren zwei Tiere. Eine silberne Schlange, zweifelsfrei als Zeichen für Slytherin. Das überraschte mich nicht. Doch die zweite Abbildung war ein goldener Löwe. Warum sollte sie das Wappentier der Gryffindors mit sich herumtragen? Ihr Familie war streng Slytherin, also konnte das kein Grund sein. Kopfschüttelnd klappte ich das Medallion wieder zu und steckte es in meine Tasche. Im Lehrerzimmer begegnete mir Severus. Klar er hatte meine Freunde gehasst, doch mit mir persönlich hatte er nie ein Problem gehabt. Warum auch? Ich war ja eher der unauffällige gewesen. Vermutlich hatte er sich deshalb bereiterklärt mich mit Wolfsbanntrank zu versorgen. Das musste man der übergroßen Fledermaus lassen: auf diesem Gebiet war er unschlagbar. „Guten Abend, Severus“, versuchte ich mich an einer Konversation, da außer uns beiden niemand im Lehrerzimmer war. Er sah kurz von seinem Buch auf und nickte knapp. Da fiel mir ein, dass er vielleicht besser geeignet war Zira ihr Schmuckstück zurückzugeben. Ich erinnerte mich nämlich einmal daran, wie James versucht hatte zu einer Slytherin nett zu sein. Sie hatte ihn bloß angefaucht und jeher hinter jeder Nettigkeit nur Verrat gerochen. Also setzte ich mich Severus gegenüber. „Severus weißt du wer Zira Parkinson ist?“ „Selbstverständlich, immerhin ist sie Jahrgangsbeste“, gab er schnarrend zurück. „Ähm ja, sie ist in deinem Haus.“ „Was wird das hier? Hast du dich etwa in eine Schülerin verliebt? Wölfe sollten sich von kleinen Mädchen fernhalten“, zischte er verächtlich. Ich versuchte sein Kommentar zu ignorieren, „nein, ich habe einen Anhänger von ihr gefunden. Ich dachte es ist vielleicht besser, wenn du ihn ihr zurückgibst. Immerhin bist du ihr Hauslehrer.“ „Dann geht es sicher um diesen Anhänger, den sie immer trägt.“ Verwundert darüber, dass er sofort wusste, wovon ich sprach, reichte ich ihm das Schmuckstück nickend. „Sie trägt sonst keinen Schmuck“, erklärte Severus knapp. Dieses Wissen lies mich grinsen. Er hatte mir unterstellt in eine Schülerin verliebt zu sein, war er es vielleicht selbst? Severus bemerkte meinen Blick und setzte seine Eismiene auf. „Sie erhielt es von Dumbledore.“ „Warum das?“ „Nun Zira kam hierher, als sie bereits in die zweite Klasse ging. Zuvor besuchte sie eine Schule in Italien. Doch als die Malfoys beschlossen ihren Sohn herzuschicken, entschieden Ziras Eltern, dass auch sie nach Hogwarts gehen solle. Die Häusereinteilung fand im kleinen Kreis im Büro des Schulleiters statt. Doch sie verlief anders als geplant“, er stockte. „Warum?“ jetzt war ich neugierig. Sehr sogar. „Der Hut schickte sie nach Griffindor.“ „Aber sie ist in Slytherin“, ich war verwirrt. „Streng doch mal dein Hirn an, Remus. Eine Parkinson in Gryffindor? Ihre gesamte Familie vertritt die Ideale der Schwarzmagier. Zira weinte bitterlich und bettelte darum nicht nach Gryffindor zu müssen. Sie fürchtete den Zorn ihrer Eltern. Fürchtete sie können ihr etwas antun. Dumbledore verstand das und schickte sie nach Slytherin. Dieses Kettchen soll sie immer daran erinnern wer sie wirklich ist. Ich weiß sie gibt sich alle Mühe ein echter Slytherin zu werden, doch sie ist und bleibt eine Griffindor. Ich kann es sehen, wenn sie Jüngere schubst, oder Mitschüler beleidigt. Sie ist eiskalt ja, aber nur weil sie alleine ist. Sie weiß was richtig und falsch ist, anders als wir Remus.“ Ich saß da, wie vom Donner gerührt. Ihre Eltern hatten ihr ihre Kindheit gestohlen. Sie zu etwas gemacht, was sie nicht war. >Normale Sicht< Dieser komische Lehrer spukte mir immer noch durch die Gedanken. Warum hatte er mich so überfordert angesehen, nachdem ich ihn angerempelt hatte. Kein anderer Lehrer hätte so reagiert. Die McGonagall hätte mich erhaben zurechtgewiesen, Snape hätte mich angebellt und mir Hauspunkte abgezogen und Hagrid... okay wenn ich gegen Hagrid gelaufen wäre, dann hätte ich mir bestimmt eine Schädelfraktur eingehandelt. Ich musste grinsen. „Hey Parkinson, was mach dich denn so glücklich? Wieder ein paar Erstklässler gefoltert?“ Fred und George hatten mir gerade noch gefehlt, aber da ich sie ja eigentlich nicht mal halb so bescheiden fand, wie ich vorgab, hätte es mich auch schlimmer treffen können. Flint zum Beispiel. Der lief mir seit Jahren hinterher und rechnete sich doch tatsächlich Chancen aus, seit ich Oliver letztes Jahr versetzt hatte. „Ich dachte das mit dem Ärgern von Jüngeren wäre euer Job?“ entgegnete ich und zog eine Augenbraue hoch. Mein Ton war weder belustigt noch kalt gewesen. Irgendwie emotionslos, so wie immer also. Ich hatte es aufgegeben herzlos wirken zu wollen, in dem ich gemein war. Die Leute hielten mich auch für kalt, wenn ich einfach nur gar keine Emotionen zeigte. So musste ich wenigstens nur verbergen, nicht auch noch schauspielern. Wer mir nahe kam, würde mich verletzen, das hatte ich auch gelernt. Oh ja dafür war meine Familie gut gewesen. Sie hatten mich alle gelehrt, dass Vertrauen tödlich ist und nie gut endet. „Oh meinst du sie versucht zu scherzen, George?“ „Wenn ja, dann nicht besonders gut“, gab der Zwilling zurück. „Wir könnten dir beibringen wie man lacht“, schlug Fred vor. „Aber Fred, sieh doch sie hat so schwere Last zu tragen, wie soll sie denn da lachen können?“ „Du hast Recht. Aber das kann man ja ändern“, mit diesen Worten streckten die beiden ihre Hände nach meinen Büchern aus. Einen kurzen Moment zögerte ich. Es wäre so wundervoll mit den beiden befreundet zu sein. Aber es konnte auch ein böser Scherz sein. Das war es sicherlich. Schließlich war ich doch eine Slytherin. Warum sollten sie nett sein? „Pff, warum sollte ich mich euch abgeben, Wiesel“, zischte ich und schob mich an den beiden vorbei. Ihre Gesichter zeigten kurz Verwirrung, doch sie blieben stumm. Sie blieben doch tatsächlich stumm. >Freds Sicht< „Was war denn das gerade?“ „Kein Schimmer“, gab ich meinem Bruder zurück. „Hermine sagte doch, dass sie gar nicht so übel sei. Im Gegenteil sie schwärmt immer, dass sie noch nie jemanden aus Slytherin getroffen hat, der so umgänglich sei. Und wenn Hermine das sagt. Überleg mal normalerweise haben es die Slytherins auf sie doch besonders abgesehen.“ „Hm.“ „Hey ihr zwei, warum steht ihr hier so rum, wie bestellt und nicht abgeholt?“ „Wir haben gerade deine Slytherinfreundin getroffen, Hermine.“ „Oh, ja wir waren vorhin noch zusammen in der Bibliothek. Was wolltet ihr denn von Zira?“ „Eigentlich nur herausfinden, ob sie wirklich okay ist. Aber sag mal was ist Zira denn eigentlich für ein Name?“ „Pansy ist auch nicht wirklich besser“, bekräftigte ich meinen Bruder im Themenumschwung. „Naja Zira ich kenne ich auch nur aus einer Muggelgeschichte. Da handelt es sich bei Zira um eine böse Löwin.“ „Böse Löwen was ein Schwachsinn. Außerdem kann die nie ein Löwe sein. Ich bin ein Löwe“, lachte George und wir hakten uns bei Hermine unter, um mit ihr zusammen zum Abendessen zu gehen. „Aber mal im Ernst, ihr wart doch nicht gemein zu ihr?“ „Wir? Nie“, versuchte ich mich an einer Unschuldsmiene. „Is klar.“ „'türlich. Wann waren wir denn das letzte mal nicht engelsgleich?“ Okay jetzt hatte George es übertrieben, denn Hermine krümmte sich vor lachen, als wir uns zu Wood, Ron und Harry an den Tisch setzten. „So was wart ihr noch nie“, mischte sich Wood ein, der den letzten Teil mitbekommen hatte. „Wen habt ihr denn dieses Mal ein wenig veralbert?“ wollte Harry wissen. „Zira Parkinson. Aber wir haben sie nicht veralbert! Ehrlich nicht. Eigentlich wollten wir wirklich nett sein“, beteuerte ich. „Und warum habe ich das Gefühl, dass es dennoch nicht Liebe auf den ersten Blick war“, beteiligte ich nun Lee an unserem Gespräch. „Tja, sie hat uns eiskalt abblitzen lassen, dabei waren wir wirklich charmant.“ „So ist sie eben“, nuschelte Wood grimmig. „Was ist denn mit dir?“ „Ich glaube ich bin satt“, gab unser Captain Harry zur Antwort, ehe er aufstand und einfach ging. „Ich glaube er war ganz schön verliebt in sie, aber sie hat ihn einfach versetzt. Das war letztes Jahr“, flüsterte Hermine. „Gibt es eigentlich Dinge, die du nicht weißt?“ fragte ich lachend. „Wenige“, gab sie grinsend zurück, ehe sie sich ihrem Essen widmete. >Normale Sicht< Wie wild durchstöberte ich meine Sachen. Irgendwo musste sie sein! Ich konnte sie unmöglich verloren haben! Langsam wurde aus Ärger Panik. Was wenn sie jemand gefunden hatte? Niemand würde darauf kommen, dass es meine war. Niemand würde sie mir zurückgeben. Nur Dumbledore, McGonagall und Snape wusste davon. Gerade als ich entgültig in Panik verfallen wollte, betraten meine Zimmergenossinnen giggelnd das Zimmer. Oh wie sie mich nervten. So furchtbar unterbelichtet und oberflächlich. Ich schnaubte einmal verächtlich und stürmte an ihnen vorbei aus dem Zimmer. Nachdem ich die Nacht auf den Ländereien verbracht hatte, um einen klaren Kopf zu bekommen, machte ich mich nach einer warmen Dusche zügig auf den Weg zu meiner ersten Stunde: Zaubertränke bei Snape. Eigentlich schön, weil er mein Geheimnis kannte. Gut, vielleicht war das auch der Grund, weshalb ich die einzige Slytherin war, der er wirklich Hauspunkte abzog, aber irgendwie beruhigten mich Menschen, die ich nicht anlügen musste. Die Stunde zog sich jedoch fast bis ins Unerträgliche. das Unwissen meiner Mitschüler war einfach ermüdend. Und seit vor wenigen Stunden Snape die Zwillinge aus seinem Unterricht geschmissen hatte, war es auch nicht mehr witzig. Nach der Stunde kam Snape auf mich zu, „ich möchte Sie noch mal kurz sprechen.“ Ohne nachzufragen packte ich meine Sachen absichtilich langsam und wartete, bis die anderen Schüler den Raum verlassen hatten. Dann stand ich auf und ging zu ihm nach Vorne. „Sie haben dies hier bei Ihrem Zusammenstoß mit Professor Lupin verloren. Er bat mich es Ihnen zurückzugeben.“ Sprachlos starrte ich auf das Schmuckstück, welches er mir vor die Nase hielt. In mir rastetet etwas vollkommen aus. Ich war unendlich glücklich, dass dem Medallion nichts geschehen war. Doch nach Außen nickte ich bloß dankend und hängte mir die lange Kette wieder um den Hals, ehe ich den Anhänger unter meine Bluse gleiten ließ. Die Zeit verging. Es wurde Winter und als die Wiesen voller Blumen standen nannte ich Hermine zum ersten Mal eine Freundin. Nur in Gedanken, doch ich war mir sicher, dass sie genau das war. „Sag mal wie geht es eigentlich deinem Kater?“ versuchte ich mich wieder einmal nicht besonders einfallsreich an ein wenig Smalltalk. „Oh Krummbein macht immer noch den Gemeinschaftsraum unsicher“, grinste sie, „Ron flucht immer über ihn und behauptet seit aller neustem, dass Krummbein Krätze gefressen hätte.“ „Das glaube ich kaum. Wer würde denn freiwillig so ein stinkendes Rattenvieh fressen wollen?“ Sie kicherte und auch ich musste grinsen. „Sag mal Zira, darf ich dich mal was fragen?“ „Immer raus damit.“ „Warum bist du letztes Jahr nicht mit Oliver ausgegangen?“ Ihre Frage überraschte mich, aber warum sollte ich nicht antworten? „Ich glaube weil ich mir sicher war, dass es nur ein böser Streich sein sollte.“ „Wie kommst du denn darauf?“ „Ich habe Angelina Johnson und Alicia Spinnet darüber reden gehört. Sie sagten, es könne unmöglich sein Ernst sein. Tja und dann bin ich nicht hin.“ „Hat du deswegen auch die Zwillinge immer abgeblockt, wenn sie dich zu Lachen bringen wollten?“ Ich zuckte die Schultern. „Nun die Damen, wir schließen jetzt“, bemerkte plötzlich die alte Bibliothekarin. Wir nickten und packten unsere Sachen zusammen. „Also dann gute Nacht, Zira“, lächelte Hermine und umarmte mich zum Abschied. „Gute Nacht“, gab ich zurück und so gingen wir ein jeder seiner Wege. Gerade als ich um eine der Ecken schlich, vernahm ich Schritte hinter mir. Doch mir blieb keine Zeit meinen Zauberstab zu ziehen. „Petrificus Totalus“, rief die Stimme von Marcus Flint. Doch ich fiel nicht. Nein, er ließ mich in der Luft schweben. Dass er einen solchen Zauber zu Stande brachte überraschte mich ernsthaft. Doch diese Feststellung besserte meine Lage klein Stück. Es war bereits dunkel in den Gängen. Dennoch sah ich es in seinen Augen. Gier und Verlangen. Er widerte mich an. Doch rühren konnte ich mich keinen Millimeter. Bedrohlich kam er mir näher, griff sich meinen Zauberstab und strich mir damit über die Wange. „Na, wie ich sehe willst du es auch. Denn wenn nicht sag einfach was“, grinste er hämisch. Gerade als er mit seiner freien Hand über meine Brüste strich und danach tief unter meinen Rock wanderte und nach einiger Zeit dann seine Hose öffnete, schnappte sich eine fremde Hand beide Zauberstäbe, die Marcus in der anderen Hand hielt. „Weg von ihr“, bellte eine wütende Stimme vollkommen in Rage, „hundert Punkte Abzug für Slytherin!“ „Professor, es ist doch bloß ein Spiel“, versuchte sich Flint an einer Ausrede. „Dann hast du es wohl verloren“, sagte Lupin vollkommen emotionslos, „den kannst du dir morgen bei Dumbledore abholen“, meinte er, während er mit Flints Zauberstab wedelte, „und jetzt verschwinde!“ Ein Wink seines Zauberstabs ließ meine Klammer schwinden und meine Kleidung wieder in Position rutschen. Keuchend sackte ich auf dem Boden zusammen. Zitternd schlang ich eine Arme um die Knie. Ich ekelte mich so sehr und noch immer spürte ich seine Hände. Seine Finger, wie mich mehr als nur intim berührten. Nach einer Weile sank Lupin neben mir nieder und hob zögerlich mein Kinn an, „kannst du laufen?“ Ich reagierte nicht. So hob er mich nach einigen Herzschlägen einfach an und trug mich in sein Büro. Dort setzte er mich auf ein kleines Sofa. Sofort zog ich die Beine an die Brust. „Hier“, sagte er nach einer Weile und reichte mir ein Stück Schokolade. „Ist das Ihre Lösung für alles?“, rutschte es mir heraus. „Nein, aber es ist ein Anfang“, antwortete er ruhig und setzte sich mir gegenüber. Ich rang mir ein knappes Lächeln ab, als er mir meinen Zauberstab zurückreichte. Gedankenverloren ließ ich das helle Holz zwischen meinen Fingern kreisen. Es beruhigte mich wieder bewaffnet zu sein. „Du hast noch zwei Jahre, aber weißt du schon, was du mal machen willst, wenn du mit der Schule fertig bist?“ „Ich weiß nicht, meine Eltern haben sicherlich schon einen Plan für mich“, murmelte ich. „Und was, wenn nicht? Willst du Tee?“ Ich nickte und ließ mir die warme Tasse reichen. „Eigentlich würde ich gerne die Welt sehen“, überlegte ich nach einer Weile. Dieser Lupin war wirklich gut. Mit seiner ruhigen Ausstrahlung hatte er mich vollkommen eingelullt. Es war kein Vertrauen, aber ich fühlte mich hier irgendwie wohl. Zisch ihn an und lauf weg, wisperte eine Stimme in meinem Kopf, die sich verdächtig nach meiner Mutter anhörte. Doch aus irgendeinem Grund ignorierte ich die Stimme. Vielleicht war es die Wärme, die dieser Raum ausstrahlte, oder dass ich immer noch nicht wieder ganz bei mir war. Lupin sah mich schräg an, „und hast du schon ein bestimmtes Ziel?“ „Nein, ich will alles sehen. Die Pyramiden und die Niagarafälle. Ich will den Monsun spüren und den Eiswind der Arktis“, meine Augen mussten strahlen. „Ich muss dir gestehen, dass ich nie wirklich fort kam von dieser Insel“, lächelte er. „Wegen dem, was Sie sind?“ Geschockt sah er mich an. „Keine Sorge, ich werde das mit dem Mond niemandem sagen, aber ja, ich weiß es.“ „Wie lange schon?“ „Hermine hat mir mal von der Sache mit dem Irrwicht erzählt, dann waren sie nie da, wenn Vollmond war und sagen wir ich kenne Greyback und so die Anzeichen.“ „Greyback“, flüsterte Lupin angespannt. „Sie sind keinesfalls wie er, aber Ihre Augen leuchten genauso, wie seine bei Nacht.“ „Du bist eine verdammt kluge junge Hexe.“ Wir schwiegen und ich nippte an meinem Tee. „Warum haben Sie mich nie auf das Medallion angesprochen. Ich weiß, dass Sie es gesehen haben und ich weiß auch, dass Snape Ihnen die Wahrheit darüber erzählt hat." „Woher-?“ „Weil ich sehe, wie Sie mich ansehen. Sie empfinden aufrichtiges Mitleid für mich. Vorher haben Sie mich angesehen, wie jeden anderen Slytherin auch: Ignoranz und der Wunsch einen auf Abstand zu halten lag immer in Ihrem Blick. Wundern Sie sich bitte nicht, ich habe im Laufe der Jahre gelernt zu beobachten.“ „Ich werde dich nicht belügen. Und größtenteils hast du Recht. Nur in einem Punkt irrst du.“ „Und der wäre?“ „Ich hab kein Mitleid mit dir. Jedenfalls nicht so, wie du jetzt denkst. Es ist mehr, dass ich dich verstehe. Es ist, dass ich verstehe wie es ist der Welt etwas vor zu machen. Daher sorge ich mich um dich. Du bist meine Schülerin und doch wirkst du manchmal älter als ich. Man hat dich deiner Kindheit beraubt. Doch verschließe dich nicht. Lass Freundschaft zu, lerne zu vertrauen. Und Hermine ist da ebenso eine gute Wahl, wie die Zwillinge. Vielleicht scheinen sie auf den ersten Blick die ewigen Sonnenscheine, doch würden sie nie einem anderen seelische Schmerz zufügen, in dem sie vorgeben jemanden zu mögen, nur um ihn dann vorzuführen. Das ist eher die Art von Draco Malfoy, wenn ich mir diesen Kommentar erlauben darf“, er lächelte. Ich schwieg. Was sollte ich auch sagen? Danke? Ich geh jetzt besser? Wie haben Sie mich so durchschaut? Warum wirkt meine Wand aus Eis auf Sie nicht?- Ja all das waren Fragen, die mir durch den Kopf spukten, doch ich fragte sie nicht. Wir hatten uns noch lange unterhalten. Über Belanglosigkeiten. Als ich irgendwann ging, hatte ich den Vorfall mit Flint fast vergessen. Fast. Doch ich fühlte mich nicht mehr eingeschüchtert, oder verletzlich, so wie zu Beginn meines Gesprächs mit Lupin. Ich wollte Rache. Und ich wusste auch schon, wer mir dabei helfen würde. Und ich würde ihnen vertrauen. Lupin hatte Recht, ich musste leben. Mein Leben. Das Leben als Löwe. Seit ich vor einem Jahr mal in Verwandlung nur zwei Plätze von den Zwillingen entfernt gesessen hatte, wusste ich wo man sie auch zu dieser Uhrzeit noch finden würde. Die Stufen zum Astronomieturm ließen jeden meiner Schritte widerhallen, doch die beiden konnten ja nicht weglaufen, also war es mir egal, ob sie mich kommen hörten. Oben angekommen war niemand zu sehen, doch das musste ja nichts heißen. „Fred, George, ich brauche eure Hilfe“, rief ich mutig. Eine gefühlte Ewigkeit geschah nichts, doch dann knallten plötzlich bunte Funken neben mir. „Wie können wir behilflich sein?“ „Kotzpastillen?“ „Nasenblutnougat?“ „Ode r suchst du uns unseres unglaublichen Charmes wegen auf?“ Sie waren rechts und links neben mich getreten und hielten mir bei jedem Satz eine Schachtel unter die Nase. Ich musste lachen. Ja wirklich lachen. Verwirrt starrten sich die Zwillinge erst selbst und dann mich an. „Wie reagieren eure üblichen Kunden auf diese Vermarktung?“ „Ausgezeichnet. Aber für dich müssen wir uns wohl was anderes ausdenken“, meinte George- vermutete ich in jedem Fall- und legte mir einen Arm um die Schulter. „Also was führt dich zu uns meine Schöne“, sagte Fred und folgte der Geste seines Bruders. „Rache“, sagte ich bloß und beide ließen mich los, um sich dann vor mich zu stellen. „Also für Rache“, überlegte Fred. „An wem?“ Wollte George wissen. „Was hat er angestellt?“ „Warum fragst du keinen Slytherin, wir sind für Rache eher die Falschen.“ „Stimmt bei uns geht es um Spaß.“ „Hört auf zu spinnen“, warf ich ein und war mir mit einem mal nicht mehr im Ansatz sicher, ob es eine gute Idee gewesen war. Doch jetzt war es zu spät. „Hast du das gehört, George? Sie sagt wir spinnen“, rief Fred empört. „Und ich dachte sie wäre eine von den Schnellen.“ „Ja wundert mich auch, dass ihr das jetzt erst auffällt.“ „Wisst ihr, wenn ihr mir nicht helfen wollt, dann geh ich besser“, murmelte ich und irgendwie war mir zum heulen. Ob es wegen Flint, oder ihren Albernheiten war, oder weil ich mir so gewünscht hatte, dass sie mich akzeptieren würden, konnte ich bei bestem Willen nicht sagen. >Freds Sicht< Sie sah mit einem Mal unheimlich verletzt aus. Was hatten wir denn getan? Ich verstand die Welt nicht mehr. Zira wandte sich gerade ab und George lachte immer noch. Ich stieß ihn in die Seite und griff nach Ziras Schulter. Als ich die Slytherin vorsichtig umdrehte liefen ihr einsame Tränen über die Wangen. Auch Georges Lächeln war wie weggewischt. „Haben wir was Falsches gesagt?“ erkundigte er sich vorsichtig. Ich konnte nichts sagen und blickte sie bloß besorgt an. George war immer der sanftere von uns beiden gewesen, wenn ihr einer von uns jetzt helfen konnte, dann er. „Er soll bluten“, zischte sie. Doch es war nicht ihr Slytherinzischen. Eher das eines Menschen, der furchtbar verletzt worden war. „Wer?“ „Flint“, beantwortete sie meine Frage. „Was hat er dir angetan?“ Bei dieser Frage begann sie zu zittern und sank auf dem Boden zusammen. So verletzlich hatte ich sie noch nie gesehen. Obwohl ich sie noch nie ohne ihre Mauer aus Eis gesehen hatte. Augenblicklich setzten wir uns zu ihr und legten ihr beide einen Arm um die Schultern. Sie wehrte sich nicht. Irgendwie hatte ich trotz ihrer Situation fest damit gerechnet. „Er hat mich geschockt, entwaffnet und angefasst“, brachte sie irgendwann heraus. Gesammelt und wieder absolut emotionslos. Fassungslos starrte George mich an. Wir hatten uns nicht verhört. „Hat er-“, ich brach ab. Wie fragte man ein Mädchen so was? „Nein. Lupin kam gerade noch rechtzeitig“, sie hatte mich offensichtlich dennoch verstanden. „Lupin?“ „Ja, er hatte Nachtwache. Tja und bis vorhin saß ich in seinem Büro und er hat versucht mich zu beruhigen.“ „Hat ja super geklappt“, versuchte ich mich an einem matten Scherz. Tatsächlich zuckten ihre Mundwinkel schwach. „Er hat mich hergeschickt.“ „Was?“ „Naja nicht direkt. Aber er sagte ich sollte aufhören jedem immer nur mit einem Schutzwall zu begegnen und meinte, ihr wärt in Ordnung.“ „Und?“ „Was und?“ „Ja sind wir in Ordnung?“ komplettierte George meine Frage. Sie lachte und stieß uns in die Seiten, „vielleicht.“ „Nur vielleicht?“ „Könnt ihr mir nun helfen?“ „Das ist Ehrensache!“ >Remus‘ Sicht< Es war der Tag des Quidditchspiels Gryffindor gegen Slytherin. Ich hatte erst kurze Zeit zuvor die Karte des Rumtreibers an mich genommen, welche Snape bei Harry entdeckt hatte. Dass der Junge seinem Vater nur so ähnlich sein musste. Die Karte lag ausgebreitet auf dem Pult. Viele Punkte waren bereits auf dem Weg zum Quidditchfeld. Dann fiel mein Blick auf eine Punktezusammensetzung, die ich so nie erwartet hätte. Zira stand mit Fred und George in einer Nische der Kerkergänge. Immer noch verwundert wollte ich die Karte schon schließen, als plötzlich ein weiterer Punkt auf die Drei zukam: Marcus Flint. Sofort war mir klar, was da geschah. Zira nahm Rache an dem verhassten Slytherin und das ausgerechnet mit Hilfe der beiden Chaoszwillinge. Ich musste lächeln. Eigentlich eine gute Wendung der Geschichte. Wenn sie mit Flint abrechnete, würde sie es abschließen können. Und eine Freundschaft zu den absolut loyalen Zwillingen würde ihr auch nicht schaden. >Normale Sicht< Noch ein Mal klopften mir die Zwillinge ermutigend auf die Schultern, dann trat ich mit gezücktem Zauberstab und einem kleinen Törtchen in der anderen Hand in den Gang. Ich wusste, dass Flint mich sehen konnte und dass sich auf seinem Gesicht dieses schmierige Grinsen abzeichnete. Das würde ihm schon vergehen. „Keine Angst, wenn was schief geht passen wir auf dich auf“, hörte ich einen der Rotschöpfe wispern. Das gab mir Mut, den Mut der mir gerade ein wenig zu fehlen schien. „Oh Zira, hast du noch nicht genug? Ich hab doch gewusst, dass du es auch willst“, lachte er und strich sich mit der Hand durch das fettige Haar. „Lass mich mal überlegen, was ich am meisten vermisst habe... deine schiefen Zähne, deinen Mundgeruch, oder vielleicht deine geringe Männlichkeit? Oh nein warte, es war der Ausdruck, der in deinen Augen war, als du in der zweiten Klasse vor der gesamten Schule ausgerutscht bist. Ja das hat mir gefallen“, überlegte ich laut und konnte sehen, wie er wütend wurde. Wütend genug, um erneut auf mich loszugehen. „Du Schlampe“, rief er, doch bevor er seinen Zauberstab ziehen konnte, richtete ich meinen auf ihn. Bunte Funken schossen aus der Spitze und umwirbelten ihn. Als er sie einatmete, verharrte er in der Bewegung, legte mir seinen Zauberstab zu Füßen und kniete vor mir nieder. Ich hingegen hob das Törtchen, „iss“, befahl ich und er tat, wie ihm gehießen. Es war kein Imperio, doch in gewissem Maße hatte er die gleiche Wirkung. Zumindest konnte man vorher die Wirkung festlegen, die er haben sollte. Ich löste den Fluch und kehrte lachend zu den Zwillingen zurück. „Du hast mir ein wenig Angst gemacht“, gestand George, ehe er sich wie Fred seinen Besen schnappte und mit mir zusammen aus dem Schloss hinab zum Spielfeld lief. Wir waren keine fünfzig Meter weit gekommen, da schloss der Rest der Gryffindormannschaft zu uns auf. Unschlüssig sah ich zu den Zwillingen. „Diese kleine Schlange ist heute unser Glücksbringer“, lachte Fred und zog mich an sich. „Eine Schlange als Glücksbringer gegen Slytherin?“ Angelina sah mich unschlüssig an. „Schlangen sollten besser unter Schlangen bleiben“, grummelte Wood. „Weißt du Woodie, ich glaube heute sehe ich lieber dir beim Gewinnen zu, als es mir entgehen zu lassen, wie sich Flint blamiert“, säuselte ich und strich ihm mit dem Zeigefinger über die Brust, ehe ich mich umwandte und davon stob. „Starker Auftritt, Kleine“, hörte ich mir George hinterher rufen. Voller Stolz lächelte ich immer noch, als ich mich in die Fanreihen der Slytherins schob. >Remus‘ Sicht< Natürlich konnte ich mir das Spiel nicht entgehen lassen und bestieg den Tribünenturm der Lehrer. Dort angekommen grüßte ich Minerva und Severus mit einem Lächeln, ehe ich den Blick aufs Spielfeld richtete. Oh, wie sehr mich Harry an seinen Vater erinnerte, so wie er da auf seinem Besen saß. Doch auch der Rest der Rot- Goldenen Mannschaft strahlte. Vor allem die Zwillinge schienen mehr als siegessicher. Das Spiel begann und schnell wurde mir klar, wie Ziras Rache ausgesehen hatte und weshalb die Zwillinge so grinsten. Flint fing keinen einzigen Ball, flog gegen eigene Mitspieler und schien sich vollkommen auf dem Spielfeld zu verirren. „Das ist ein Zauber“, zischte auch Snape neben mir. „Werden Sie nicht albern, Ihre Mannschaft kann mit meiner einfach nicht mithalten“, grinste Minerva erhaben und stolz wie immer. Ich bewunderte diese Frau. Mein Blick wanderte zu Zira. Sie lachte, doch dann zerrte ein schwarzhaariges Mädchen an ihrem Umhang. Ich konnte nicht verstehen, was sie sagte, doch ich sah Pansy vor Wut rasen. Ohne ein Wort folgte Zira der jüngeren Schwester. Als sie meinem Blickfeld entschwanden war ich unsicher, was ich denken sollte. Etwas in mir wollte den beiden hinterher, doch ich blieb wo ich war und wurde so Zeuge eines unglaublichen Sieg der Griffindors. Nach dem Spiel lief ich nur einige Meter hinter den Zwillingen und Oliver Wood zum Schloss zurück. „Was war jetzt mit eurem Glücksbringer? Ham wir doch gar nicht gebraucht, so schlecht, wie Flint gespielt hat“, lachte Oliver. „Wo ist Zira eigentlich?“ „Kein Schimmer George, aber wir müssen sie in jedem Fall zur Feier einladen!“ „Was?“ „Glaubst du echt, dass Flint so schlecht gespielt hat, weil sein Kürbissaft ihm heute morgen nicht geschmeckt hat? Also wirklich Wood.“ „Sie hat ihn verhext“, sagte Oliver vollkommen sprachlos. Ungläubig sah er die Zwillinge an. „Lange Geschichte, erzählen wir dir später. Lass uns die Kleine jetzt erst mal finden.“ „Meint ihr ich sollte mich bei ihr entschuldigen? Wegen vor dem Spiel, ihr wisst schon.“ „Du stehst ja echt immer noch auf sie“, gluckste einer der Zwillinge. „Ach halt die Klappe, Weasley.“ Mit diesen Worten und unter lautem Gelächter der Zwillinge, zog der Captain ab. Auch ich ließ mich ein wenig zurückfallen. Es freute ich, wie sich die Sache entwickelt hatte. Ich gönnte Zira diese Freunde von ganzem Herzen. Doch wo war sie abgeblieben. Auch die folgenden Tage hörte ich nichts von ihr. Mit dem Verdacht, sie seie vielleicht krank, ging ich zu Severus. >Normale Sicht< Wie lange saß ich nun schon in diesem dunklen Loch? Ich wusste es nicht. Seit dem Tag des Quidditchspiels in jedem Fall. Pansy hatte mich vom Spielfeld geschleift und dort hatten schon meine Eltern gewartet. Wie sie so schnell von meinem Streich erfahren konnte, war mir ein Rätsel. Vermutlich hatte Flint es Malfoy und der dann meiner Schwester erzählt. Am Ende hatten sie mich nach Hogsmeade gezerrt und waren von dort mit mir nach Hause apperiert. Sie hatten mir meinen Zauberstab abgenommen und mich in dieses Kellergefängnis gesperrt. Seither hatte ich niemanden mehr gesehen. Wenn ich schlief brachte man mir etwas zu Essen. Nur so konnte ich in etwa sagen, wie lange ich hier war. Bei jeder Mahlzeit kratzte ich mit dem Löffel eine Kerbe in die Wand. Es waren an die vierhundert Kerben. Ich ging davon aus, dass es bereits einmal Weihnachten gewesen war und das Schuljahr bald enden würde. Es wäre mein Vorletztes gewesen. Ob man es spürte, wenn man volljährig wurde? Wenn ja dann würde ich wenigstens wissen, wann die Sommerferien begannen. Ich dachte oft über meine Entscheidung nach. Hätte ich das getan, was mich meine Eltern gelehrt hätten, dann würde ich jetzt nicht hier hängen. Hätte in einem Jahr meinen Abschluss und wäre vielleicht frei. Doch jetzt würde das nie geschehen. Stattdessen kauerte ich mich auf einer Holzpritsche zusammen und zählte wiedereinmal die Sterne, die ich von meinem winzigen Fenster aus sehen konnte. Dennoch bereute ich es nicht, was ich getan hatte. In meinem Hinterkopf hallte immer wieder Lupins Stimme, wie er sagte, dass ich lernen sollte zu vertrauen. Und das hatte ich. In mich selbst. Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich das Richtige getan und es hatte sich gut angefühlt. Lupin. In meiner Zeit hier hatte ich oft an ihn denken müssen. Anders, als ich an die Zwillinge dachte. Er war so ruhig gewesen und hatte mir damit ein Gefühl gegeben, dass ich nie zuvor gefühlt hatte. das Gefühl von Zuhause und Geborgenheit. Ich hatte tatsächlich den Eindruck gehabt, dass er mich mögen würde. Wie es ihm wohl ging? Wie es Hermine, den Zwillingen und diesem Quidditchfanatiker Wood ging? Wie es Pansy ging? Ja sie hatte mich verraten, doch woher hätte sie wissen sollen, dass meine Eltern so ausrasten würden? Sie war immer noch meine Schwester, daran würde Nichts etwas ändern können. Nie. Dann kam der Tag, an dem sie kamen. Dementoren. Ich spürte sie ganz deutlich. Zwei Stück und sie schwebten vor meiner Zellentür auf und ab. Sie sogen alle Hoffnung aus mir heraus. verängstigt wagte ich nicht mehr zu schlafen. Doch nach einer gefühlten Ewigkeit und mehreren sternenklaren Nächten, übermannte mich die Müdigkeit. Ich träumte von fahlen Bäumen in einem trostlosen Wald. Alles war tot. Kein Vogel sang und kein Blatt war grün. Zitternd und unsicher lief ich durch den Wald, in der Hoffnung irgendwann hinaus zu gelangen. Doch es gab kein Ende. Dann plötzlich tat sich der Boden unter mir auf und ich fiel. Immer weiter. Bis ich schließlich unsanft in einem hübschen Mädchenzimmer auf dem Boden aufschlug. Mühsam rappelte ich mich auf und stand einem Mädchen gegenüber, deren braunes Haar ihr dicht um den Kopf fiel. „Hermine“, wisperte ich. „Zira“, gab sie zurück und schlang die Arme um mich. Mein Körper begann zu zittern, als mir die ersten Tränen über die Wangen rannen. Ich hatte sie so gern und ich würde sie nie wieder sehen. So inständig hoffte ich dass es der einzige Freundin, die ich je gehabt hatte, gut ging. Die einzige, die mich je akzeptiert hatte. Die einzige, der ich vertraute. Ich war mein ganzes Leben lang allein gewesen. Nur sie hatte mich gesehen. Meine Einsamkeit und meine Mauer aus Eis. Und sie hatte sie einfach zerschlagen, ohne Angst von den Trümmern erschlagen zu werden. „Ich habe dich vermisst“, flüsterte sie. „Hermine, ich brauche dich.“ „Du wirst dich immer auf mich verlassen können. Dafür hat man Freunde.“ „Danke.“ „Wo bist du?“ „Meine Eltern halten mich im Keller eingesperrt.“ „Was?“ „Ja seit dem Quidditchspiel.“ „Wir holen dich da raus!“ „Nein, ihr werdet nichts für mich riskieren!“ „Wir sind deine Freunde, Zira“, mit einem Mal berührte mich weitere Hände am Rücken und als ich aufblickte, sah ich die Zwillinge und Professor Lupin, der sein beruhigendes Lächeln lächelte. Unheimliches Glück durchströmte mich. Mein Herz pochte wie wild. Diese Worte, dieses Gefühl wollte ich im Herzen tragen, bis ich sterbe. Es gab dort draußen Menschen, denen ich etwas bedeutete. Mein Körper wurde von einem stetigen Zittern ergriffen. Wärme uns Zuversicht pulsierten in meinen Adern. Mir war zum weinen und zum Lachen zu gleich. „Wir sind für dich da“, diese Worte hallten durch meinen Kopf, als ich mit einem Schlg hellwach war. Kälte und Dunkelheit waren verschwunden, doch ich war immer noch in meinem Gefängnis. Unsicher sah ich mich um, als mir plötzlich zwei große silbrige Augen entgegenblickten. Mein Patronus saß stumm vor mir und sah mich geradewegs an. Wie war das denn passiert? Egal, ich war froh, dass er da war. Lächelnd schloss ich die Augen und glitt in einen traumlosen ruhigen Schlaf. So verstrichen weitere Tage, doch es ging mir wieder besser. Unerklärlicher Weise blieb der Patronus und wachte über mich. Ich sprach mit ihm, wie mit einem Haustier. Natürlich wusste ich, dass er das Produkt meiner eigenen Magie war, doch irgendwie schienen seine Augen mit jedem Tag realer zu werden. Sie erinnerten mich an meine Freiheit, meine Träume und meine Freunde, zu denen ich irgendwann zurückfinden würde. So in Gedanken, schrak ich plötzlich unheimlich zusammen, als es laut knallte. >Remus‘ Sicht< Hermine hatte nicht locker gelassen und so standen wir nun in einem stattlichen Anwesen. Sie hatte Dumbledore von schrecklichen Albträumen erzählt. Einem Traum, in dem sie Zira in Gefangenschaft gesehen hatte. Nach dem Unglück des Trimagischen Turniers hatte der Schulleiter augenblicklich den Orden wieder einberufen und die Überprüfung von Hermines Traum zu unserem ersten Auftrag gemacht. Moody erhellte die Wände mit seinem Zauberstab. Es war das ehemalige Haus der Familie Parkinson, doch jetzt lebte bloß noch ein Hauself hier. Dieser hatte uns den Weg versperren wollen, doch Moody hatte ihn unschädlich gemacht, noch bevor ich etwas diplomatisches hatte sagen können. „Hier ist nichts, lasst uns wieder gehen“, warf Arthur ein. „Es ist verdammt kalt hier, findet ihr nicht?“ „Allerdings“, gab mir Moody Recht. „Und erdrückend ist diese Kälte auch.“ „Ich weiß was du denkst, Remus.“ „Wenn wirklich Dementoren hier sind, sollten wir vorsichtig sein.“ „Ja, aber wenn auch das Mädchen hier ist, sollten wir uns beeilen“, warf ich ein und schritt voran. Wir folgten der Kälte. Dann sahen wir sie. Es waren Zwei und sie schienen vor einem Kellertor zu patrouillieren. „Expecto Patronum“, bellte Moody und schon stoben sie davon. „Alohomora“, folgte mein Zauberspruch und das Schloss an der Tür klickte. Das Bild, welches sich uns bot, war erschreckend. In dem kalten, feuchten Verließ saß ein silberner Panter. Wachsam beobachtete uns der Patronus. Er wirkte als würde er etwas bewachen. Bei genauerem Hinsehen wurde dann deutlich, wen er beschützte. Dort auf einer schmalen Holzpritsche kauerte eine ausgemergelte Gestallt. Lange dunkle Strähnen fielen in ein blasses Gesicht, dessen Wangen stark eingefallen waren. Die Kleidung der jungen Frau, die dort der Ohnmacht nahe hockte, bestand nur noch aus Fetzen. Sie wirkte, wie eine lebende Tote. Zögerlich ging ich auf sie zu. „Sei vorsichtig, Remus“, warnte mich Moody. Doch ich wusste, dass mir dieses vollkommen eingeschüchterte Wesen nicht weh tun würde. Behutsam kniete ich vor ihr nieder. Die früher strahlend grünen Augen, die mich immer ein wenig in ihren Bann gezogen hatten, waren fast leer und starrten ausdruckslos durch mich hindurch. „Zira?“ Eine Weile regierte sie nicht, doch dann schien sich ihre versteinerte Miene zu regen. Fast schien es so, als kehrte eine vollkommen vergessene Erinnerung zurück. Sie blinzelte und schien mich dann sogar wirklich sehen zu können. „Wer sind sie?“, wisperte sie, kaum hörbar. Warum erinnerte sie sich nicht? „Ich bin hier, alles wird gut. Mein Name ist Remus Lupin, erinnerst du dich?“, sagte ich ruhig und streckte eine Hand nach ihr aus. Sie zitterte und wich zurück, als meine Fingerspitzen ihre Schulter berührten, „Sch, ich will dir nichts tun, ich bin hier, um dich hier raus zu holen. Wir bringen dich zu deinen Freunden. Hermine macht sich unvorstellbare Sorgen.“ „Hermine“, flüsterte Zira, so als stamme dieser Name aus einer anderen Welt, an die sie sich nur verschwommen erinnerte. „Ja, Hermine und die Zwillinge.“ „Remus Lupin“, wiederholte sie meinen Namen und ich nickte. Wie sie meinen Namen aussprach, jagte es mir einen kalten Schauer über den Rücken. Irgendetwas in mir vibrierte, doch es verwirrte mich und so richtete ich fragend den Blick an Arthur. Was war hier los, warum schien sie niemanden zu erkennen, sich aber an Namen erinnern zu können. „Remus sie erkennt dich nicht. Das ist ein Fluch. Sie kann Menschen nicht mehr sehen“, vernahm ich plötzlich Moody dicht neben mir. Auch Zira hörte ihn und fuhr zusammen. „Zira, erinnerst du dich an mich?“ „Ja, ich denke schon.“ „Vertrau mir. Keine Angst ich reiche dir jetzt die Hand“, meinte ich und streckte erneut meine Hand nach ihr aus. Diesmal wich sie nicht zurück. Ihre Finger waren eiskalt und knochig. Noch immer zitterte sie, doch dann schlossen sich ihre Finger, wie Klauen um die meinen. Reflexartig zog ich sie zu mir. Augenblicklich schlang sie ihre Arme um mich und kalte Tränen befeuchteten meinen Hals, als ich sie noch enger an mich zog. Beruhigend strich ich ihr über den Rücken und wiegte sie sanft in den Armen. „Es wird alles gut. Wir verschwinden jetzt von hier. Erschrick nicht, es könnte ein unangenehmes Gefühl sein“, murmelte ich und nickte zu Moody. „Lassen Sie mich nicht los“, flüsterte sie. „Versprochen“, war alles, was ich sagen konnte. Meine Sorge und Angt um sie war fast erschlagend. Andererseits ließ ihre Nähe mein Herz höher schlagen. Irgendwie fühlte ich mich mit der jungen Frau verbunden. Ich wollte für sie da sein und sie beschützen vor all den Schatten, die sie heimsuchten und von denen ich ausging, dass sie so schnell nicht verschwinden würden. Es umwirbelten uns bunte Farben und als wir im Grimmauldplatz Gestalt annahmen, klammerte sich Zira noch fester an meinem Umhang fest. Wenn sie mich immer noch nicht sehen konnte, musste das noch verstörender für sie sein, als all die Stimmen, die sie plötzlich hörte. „Bring sie hoch Remus, ich informiere Dumbledore und kläre die anderen auf“, sagte Arthur ruhig. Ich nickte bloß stumm. „Kannst du laufen?“ richtete ich das Wort an Zira. Sie zitterte, nickte aber und machte sich zögerlich von mir los. Noch immer folgte ihr der Patronus. Sie schien ihr Umfeld kaum wahrzunehmen, als sie die Stufen hinauf ging. Sie war schwach, doch ich sah den Stolz in ihre Augen zurückkehren. Um Nichts in der Welt würde sie sich von mir tragen lassen, da war ich sicher. Und so schaffte sie es selbst. Ich brachte sie in ein freies Zimmer und wies sie an, sich auf das Bett zu legen. „Professor, was passiert mit mir?“ „Das kann ich dir nicht sagen, doch Dumbledore ist auf dem Weg hierher, er wird die helfen können.“ „Danke.“ „Achso das mit dem Professor kannst du lassen. Nach Ende des Schuljahres hat irgendwer über mein pelziges Geheimnis geplaudert und ich verließ die Schule.“ „Das war ein Verlust für diese Schule.“ Mir schmeichelten ihre Worte. Als sie noch meine Schülerin gewesen war, war mir bereits aufgefallen, dass ich ihr immer hatte beweisen wollen, wie klug und kompetent ich war. Vielleicht weil sie so klug war, oder weil es mir eine Herausforderung schien. So schien sie doch nicht vielen Menschen mit ehrlicher Hochachtung und Bewunderung entgegenzutreten. Sie war eben schwer zu begeistern. Nur Hermine hatte es vermutlich geschafft. „Mr. Lupin?“ „Keine Sorge, ich bin noch hier. Achso und es ist vollkommen in Ordnung, wenn du mich Remus nennst. Mr. Lupin war mein Vater“, versuchte ich mich an einem schlechten Scherz. „Wie geht es Hermine?“ „Das wirst du sie in Kürze selbst fragen können. Wir haben angeordnet, dass sie zu Beginn der Sommerferien sofort hier her kommen kann.“ „Ich habe mir schreckliche Sorgen um sie gemacht. Wenn die anderen Slytherins oder gar meine Eltern erfahren hätten, dass sie mir etwas bedeutet, dann hätten sie ihr sicher etwas angetan. Und den Zwillingen, oder“, sie zögerte, „oder dir.“ Ihre Worte überraschten mich. Sie hatte sich um mich gesorgt? Ich wusste, dass eine ehemaligen Schülerin so nicht an ihren Lehrer denken sollte. Sie sollte einen Lehrer nicht als Freund sehen, dennoch zog sich in meinem Magen etwas zusammen und dies nicht auf eine unangenehme Weise. Was passierte mit mir? Hatte Snape damals Recht gehabt? mochte ich sie? Nein. Doch, aber nicht so. Sie war zu jung für mich. Ich würde ihre nur weh tun. Doch weiter kamen meine Gedanken nicht. In diesem Moment flog die Tür auf und Albus Dumbledore betrat mit ernster, wie besorgter Miene den Raum. „Remus Sie können gehen, ich kümmere mich um sie“, sagte er sanft. „Nein, ich bleibe bei ihr, wenn Sie gestatten.“ „Das habe nicht ich zu entscheiden. Miss Parkinson, möchten Sie, dass Mr. Lupin bleibt?“ „Ich fürchte ich werde sonst wahnsinnig“, flüsterte sie, während der silberne Panter sich an ihrer Seite zusammenrollte. Es freute mich, dass sie mich bei sich haben wollte. Sie vertraute mir. Schien sie doch so wenigen Menschen zu vertrauen. Mir schmeichelte dies, doch der Blick, den mir Dumbledore zuwarf ließ mich zögern. Wieder ein Mal schien der Mann in mir zu lesen, wie in einem offenen Buch. „Machen Sie sich darüber nun keine Gedanken, Remus. Gehen Sie zu ihr und machen Sie sich nützlich. Halten Sie sie fest“, dann wandte er das Wort an Zira, „meine Liebe, das wird nun weh tun. Doch seien Sie gewiss, es wird Ihnen danach besser gehen.“ „Es gibt keinen Schmerz, der einen zu brechen vermag, wenn man es nicht zulässt“, gab sie leise zurück. In Dumbledores Blick trat die selbe Bewunderung, die auch in meinem Herzen aufflammte. Wie gebannt trat ich zu ihr und ergriff ihre Hand, während der greise Schulleiter den Zauberstab erhob. Noch während er begann eine schaurige Melodie zu murmeln, spannte sich Ziras gesamter Körper an. Sie zuckte und schien von schrecklichen Schmerzen heimgesucht zu werden. Es dauerte Stunden, doch ich wich nicht von ihrer Seite, ebenso der Patronus, welcher Dumbledore unentwegt anstarrte, ganz so, als wüsste er, dass der Zauberer Zira helfen würde. Dennoch schien er bereit sie augenblicklich zu schützen, falls ihr jemand Leid zufügen wollte. Das verwirrte mich. Er war Produkt reiner Magie. Wie konnte er da ein eigenständiges Denken, oder gar Empfinden entwickeln? Die Sekunden schienen Stunden zu dauern, doch irgendwann wurde sie ruhig. „Bleiben Sie bei ihr, Remus. Sie wird sich schrecklich fühlen, wenn sie erwacht.“ Und so blieb ich. Sah sie schweigend an. Sah, wie sich ihre Brust bei jedem Atemzug hob und wieder senkte. Ihre kalten Finger klammerten sich noch immer um die meinen. Ich wusste nicht, was ich fühlen sollte. Sie war noch immer wunderschön und ihre Stärke beeindruckte mich zutiefst. warum nur musste sie so jung sein? Sie würde meine Gefühle nie erwidern. Was wollte sie auch mit einem Mann, wie mir? Einem Monster. Alles, was ich berührte schien in meinen Händen zu verdorren. Jene die ich liebte verließen mich. James, Lily, meine Familie und auch Zira würde gehen, sobald sie es wieder aus eigener Kraft konnte. Ich fürchtete meine innere Seite, warum sollte sie es nicht tun? Warum sollte sie einen Werwolf wollen? Es waren immer die gleichen Selbstzweifel. Mir war bewusst, dass ich anfangen musste an mich selbst zu glauben, doch war das so schwer. In diesem Moment regte sich Zira. Sie schlug die Augen auf und versuchte sich aufzurichten, doch ich drückte sie kopfschüttelnd zurück in die Kissen. „Du brauchst noch Ruhe.“ „Wo bin ich, Professor?“ Ich seufzte. Wann würde sie wohl aufhören mich Professor zu nennen? Doch ich kam nicht dazu ihr zu antworten. Die Tür flog auf und ein brünettes Mädchen stürmte auf Zira zu. Weinend brach Hermine neben der Freundin zusammen und schlang ihre Arme um Ziras Hals. Diese erwiderte sie Umarmung, ebenfalls unter Tränen. „Es tut mir so unendlich leid, dass wir so spät kamen“, schluchzte Hermine. „Ihr seid gekommen, nur das zählt. Ohne dich, hätte man mich nie gefunden.“ Langsam ließen die beiden jungen Frauen von einander ab und Zira setzte sich auf. „Zira“; rief plötzlich einer der Zwillinge und stürmte auf uns zu, um Zira zu umarmen. Ihm folgte sein rothaariges Ebenbild. Beide lachten sie vor Erleichterung und Zira schien hre Nähe unendlich viel Kraft zu geben. In mir jedoch zog sich alles zusammen, als ich mit ansehen musste, wie Fred sie immer wieder an sich zog. Kein klarer Gedanke erreichte meine Gedanken. Was war hier los? Verwirrt schüttelte ich den Kopf. „Was haben Sie Professor?“ Ziras grüne Augen blickten mich besorgt an. Ich verlor mich augenblicklich darin. Kein Satz, der durch meinen Kopf spukte ergab Sinn. Nichts aber auch gar Nichts kam mir über die Lippen. „Remus?“ vorsichtig beugte sie sich zu mir. In mir begann es zu brennen. Ich wollte sie zu mir ziehen. Sie nie wieder gehen lassen. Jede Faser meines Körpers sehnte sich nach ihrer Wärme. Ihrem klugen Blick und dem Lächeln, welches so selten schien und mich jedes Mal so verlegen machte, als sei ich ein junger Mann. Sie schien vollkommene Kontrolle über mich zu haben. Doch ich konnte nicht. Sie war eine Schülerin und dazu noch so jung. Ich würde sie dem Gerede der Leute niemals aussetzen. Schon so viel hatte sie durchgemacht. Jetzt sollte sie Ruhe haben. Ruhe um sich selbst wirklich zu finden. >Normale Sicht< Er stand einfach auf und ging. Was sollte das? Hatte ich etwas Falsches getan? Er hatte doch versprochen bei mir zu bleiben. Versprochen zu bleiben, so lange ich ihn brauchen würde. Und ich brauchte ihn. Seine Wärme, Ruhe und Beständigkeit. Doch er kam nicht zurück. stattdessen kamen viele andere. Ich lernte Harry Potter, die Familie der Zwillinge und Hausherr Sirius Black kennen. Sie alle waren verwirrend freundlich zu mir. Ich war das nicht gewohnt und so wurde es mir schnell zu viel. „Sirius, es ist wirklich lieb von dir, dass du mir angeboten hast hier zu bleiben, doch ich schätze, ich muss mal hier raus. Versuchen auf eigenen Beinen zu stehen. Weißt du, was ich meine?“ richtete ich das Wort an den ehemaligen Häftling, als wir gerade beim Frühstück saßen. Die Schule hatte wieder begonnen, doch ich war trotz der Bitten nicht mit den anderen nach Hogwarts zurückgekehrt. Sirius hatte mich gehen gelassen, wenngleich es ihn traurig gemacht hatte. Er war dort eingesperrt und das vollkommen alleine. Doch ich wollte die Welt sehen und er verstand es und wünschte mir beim Abschied alles Glück der Welt. Für ihn wünschte ich mir nichts anderes. Er war ein wundervoller Mann, dem man so Schreckliches angetan hatte. So bereiste ich die Welt. Auf dieser Reise änderte ich meinen Namen. Zira Parker war zwar immer noch auffällig, aber ich konnte nicht länger den Namen meiner Familie tragen. Was mich jedoch nie verließ war der silberne Panter. Zwar hatte man mir einen neuen Zauberstab besorgt, mit dem ich einmal relativ vergeblich versucht hatte den Patronus loszuwerden, doch ich beließ es dabei. Irgendwie war er fast wie ein echter Begleiter geworden, dem ich vertraute. Manchmal erwischte ich mich sogar dabei, wie ich mit ihm sprach. Es waren nun fast zwei Jahre vergangen, seit ich wieder frei war. Hermine schrieb mir regelmäßig und auch Fred und George versuchten sich ab und an an ein paar Zeilen, was ich den beiden sehr hoch anrechnete. Auch hatte ich auch von Sirius‘ Tod erfahren, der mich sehr traurig gemacht hatte. Ich war zwar nur wenige Wochen bei ihm gewesen, doch war das bereits schon mehr Zeit, als sein eigener Patensohn mit ihm hatte verbringen dürfen. Irgendwie hatte mich das veranlasst Harry zu schreiben. Ihm zu sagen, wie schrecklich leid mir sein Verlust tat und was er Sirius bedeutet hatte. Daraufhin hatte ich auch regen Briefkontakt mit dem inzwischen meistgesuchten Zauberer unserer Welt. Seit knapp vier Monaten war Albus Dumbledore tot. Ermordet von Severus Snape. Seither waren all meine Freunde auf der Flucht. Lord Voldemort war zurück, jene zu töten, die sich seinem Weg nach Macht in den Weg stellten. Seitdem hatte ich ein anderes Ziel. Ich jagte Todesser. Ohne Abschluss wartete auf mich ohnehin kein anständiger Beruf. Und jeder tote Todesser konnte meinen Freunden nicht gefährlich werden. So stand ich wiedereinmal in einer kleinen Kneipe, im Herzen Londons. Zaubererbar, versteht sich. Es wurde immer später und die Kunden verließen nacheinander den Laden. Als dann plötzlich ein schlacksiger, blonder Mann aufstand, folgte ich ihm. Sein Name war Yaxley und er würde sterben. Ich trug vollkommen schwarze, lederne Kleidung und hatte mir die Haare zusammengebunden. Der Nebel hing in den dunklen Straßen, als ich dem Mann in eine verlassene Seitenstraße folgte. Perfekt. „Hey“, rief ich und er wandte sich um. „Was willst du kleine?“ „Deinen Tod.“ „Avada Kedavra“, bellte er, doch ich blockte seien Todesfluch. „Komm schon, streng dich ein wenig an, dreckiger Todesser!“ „Du törichtes Weib“, knurrte er und kam Flüche schleudernd auf mich zu. Diese Tour kannte ich schon. Wie lächerlich. „Sectumsempra!“ Ich entstellte alle meine Opfer mit Snapes schwarzem Fluch. Ein Markenzeichen, wenn man so wollte. Doch dieser hier war gut. Er blockte meinen Fluch und so duellierten wir uns. Er wollte mich töten, ich ihn erst entstellen. Okay, man hatte mich zu recht nach Slytherin gesteckt. In solchen Momenten nämlich, spürte ich nichts. Keine Kälte, keine Reue. Nur das berauschende Gefühlt von Triumph und das Wissen, dass die Welt ohne diesen Stinker eine schönere sein würde. Vielleicht war ich böse, aber für meine Freunde würde ich kämpfen und sie schützen. Und irgendwie tat ich das ja auch, indem ich Todesser tötete. „Warum fliehst du nicht?“ Brüllte Yaxley zwischen zwei Flüchen. „Ich halte nichts vom Verstecken. Ich bin eine silberne Königin, ich werde niemals vor etwas fliehen.“ „Dann hast du keine Angst?“ „Du weißt nicht, was Angst bedeutet. Sectumsempra!“ Diesmal war er zu langsam und klappte, wie eine Stoffpuppe in sich zusammen. Inzwischen war auch men silberner Panther aufgetaucht und zusammen nährten wir uns dem Sterbenden. „Du bist ein schöner Mann, schade eigentlich. Dein Vater mordet im Ministerium, richtig?“ „Warum tust du das?“ „Was? Das Morden, oder das Unterhalten?“ „Beides“, keuchte er. „Nun du hast letzte Woche drei kleine Kinder gefoltert, um zu erfahren wo ihre Eltern sind. Das hat dich auf meine List gebracht. Du musst wissen, ich töte nicht wahrlos. Und zu deinem zweiten Punkt: ich möchte, dass du weißt, warum du sterben musst. Es bringt nichts dich für etwas zu bestrafen, ohne dass du weißt, wofür.“ „Bitte mach dem ein Ende.“ „Gerne. Ich wünsche dir, wo immer du jetzt hingehst, ein besseres Leben. Eines ohne diese Grausamkeit im Herzen“, flüsterte ich und schenkte ihm den erlösenden Todesfluch. Ich hoffte immer noch, dass mir einer von ihnen in diesem Moment sagen würde, dass er aufrichtig bereute. Dann würde ich ihnen das Leben schenken, das hatte ich versprochen. Doch lautes Stimmengewirr riss mich aus den Gedanken. „Na, wen haben wir denn da?“ „Du versteckst dich nicht mehr so gut, wie früher.“ „Da muss ich ihm Recht geben. Früher haben wir selbst deine Freunde nur gefunden, weil dieser feige Hund sie verraten hat.“ Ich folgte den Stimmen in einen schäbigen Hinterhof. Überall stapelten sich Kisten, hinter denen ich mich verbergen konnte. Sachte schlich ich näher. Es handelte sich um sieben Männer. Einer von ihnen hatte sich mit dem Rücken der Wand zugewandt und hielt den Zauberstab kampfbereit. Ich erkannte den blonden Mann sofort. Remus Lupin. Mein Herz überschlug sich. Vergebens hatte ich auf ein Lebenszeichen von ihm gewartet, seit er mich damals alleine gelassen hatte. In jeder schlaflosen Nacht war seine Stimme durch meine Gedanken gehallt. Irgendwie hatte mir die Erinnerung an ihn, an seine ruhige und beschützende Art immer Halt gegeben. Ich musste ihm helfen. Ihn retten, so wie er einst mich gerettet hatte. Die Männer da waren Greifer. Dumm wie Brot und mit dem magischen Talent eines Wischmobs ausgestattet. Praktisch, die standen nämlich für gewöhnlich nicht auf meiner Liste, waren mir aber ein unglaublicher Dorn im Auge. „Sectumsempra“, und der erste brach zusammen. erschrocken wirbelten die Männer herum. „Sechs gegen einen, findet ihr das nicht ein wenig unmännlich?“ lachte ich und trat zwischen den Kisten hervor, nur um dann direkt zwischen sie zu apperieren. Ihre Todesflüche trafen ins Leere, während mein zweiter Fluch gleich zwei von ihnen zu Boden riss. Inzwischen hatte sich auch Lupin wieder gefangen und schleuderte seinen Gegnern eine Welle Schockzauber entgegen. Es handelte sich nur noch um Sekunden, dann wurde es still. Keuchend lehnte sie Lupin gegen eine Hauswand. Er sah schrecklich mitgenommen aus. Sofort eilte ich zu ihm, um mit ihm zusammen zu disapperieren. Mein Ziel war das Häuschen von Tantchen Muriel. Fred hatte geschrieben, dass es dort sicher sei. Ein Foto hatte seinem Schreiben beigelegen, damit ich es finden würde. Es lag direkt am Meer auf einem kleinen Hügel. Unsicher klopfte ich. Lupin war der Ohnmacht nahe und ich musste ihn stützen. Mir öffnete eine blonde, wunderschöne Frau. „Allo“, sagte sie mir französischem Akzent. Erst musterte sie mich skeptisch, dann erkannte sie Lupin und half mir ihn auf ein kleines Sofa im Wohnzimmer zu legen. „Mein Name ist übrigens Zira“, stellte ich mich vorund reichte ihr die Hand. „Oh, die Freundin von Fred und George. Ich bin Fleur.“ Klar, die Frau von Bill. Hermine hatte mir von der Hochzeit geschrieben. „Die Zwillinge sagten, ich könne hier her kommen, wenn ich mal in Schwierigkeiten wäre. Nun mir ist nichts besseres eingefallen. Es geht ihm nicht gut“, plapperte ich los. „Schon gut, ihr könnt bleiben, so lange ihr möchtet“, meldete sich nun eine dunkle Männerstimme, „ich bin Bill“, kam es von dem großen, rothaarigen Mann. „Danke, doch ich will euch keine großen Umstände machen. Ich werde gesucht-“, doch Bills Hand gebot mir zu schweigen. „Wir werden alle gesucht“, lächelte Fleur traurig, „in Zeiten, wie diesen müssen wir zusammenAlten. Es gibt kein dein und mein. Bleibt, solange ihr wollt. Wir sind alle eine Familie und wir elfen uns gegenseitig.“ Bill legte ihr einen Arm um die Schulter. Die beiden wirkten ebenfalls mitgenommen, doch sie strahlten vor Kampfgeist. Vor allem Fleur war bereit mit ihrem Leben ihre Familie zu schützen. Sie beeindruckten mich. Und es erfüllte mich mit Stolz solche Menschen zu kennen. So blieben wir. Lupin hatte das Bewusstsein verloren, sobald er lag. Die Zeit verstrich und ich fürchtete er könne nie wieder erwachen. Lange nach Weihnachten, erschien plötzlich ein Hauself am Strand. Er hatte drei mitgenommene Gestalten bei sich. „Fleur“, rief ich und wir rannten auf die vier zu. „Dobby muss wieder los. Harry Potter braucht ihn“, rief der Elf nur stolz, bevor er wieder disapperierte. Fleur und ich hingegen brachten die drei Neunankömmlinge ins Haus. Es handelte sich dabei um den Zauberstabmacher Ollivander und eine Klassenkameradin von Ginny, Luna Lovegood. Ich kannte sie nicht persönlich, doch wusste ich, dass ihr Vater der Herausgeber des Klitterers war. Die Beiden hatte immer hinter Harry gestanden. Sie hatten den Widerstand gelebt, bis die Todesser Luna entführt hatten, so berichtete es die weißblonde Hexe. Dritter im Bunde war ein Kobold aus Gringotts. Was er im Verließ der Malfoys- dort waren sie gefangen gehalten worden- gewollt hatte, war mir schleierhaft. „Harry, Ron und Hermine sind noch dort“, sagte Luna und nippte an ihrem Tee. Sie war die einzige, die bei Kräften war. Anscheinend hatte man sie nicht gefoltert. Ollivander und der Kobold Griphock, hatten Zimmer zugewiesen bekommen, um sich auszuruhen. „Keine Sorge, die schaffen das schon“, versuchte mich Bill zu beruhigen. Ich sorgte mich sehr um Hermine. Sie war neben Fleur meine einzige Freundin. Sie hatte mich gesehen, als mich hinter der Slytherinfassade sonst keiner gesehen hatte. Ebenso, wie Lupin. Mein Blick wurde fern. Jeden Tag versuchte ich etwa anderes, damit er wieder zu sich kam. Doch nichts half. Doch Fleur sagte, ich solle nicht aufgeben. „Wer ist noch hier?“ „Remus Lupin.“ „Wie geht es ihm?“ „Er liegt seit Monaten im Koma, Luna.“ „Oh.“ Mehr sagte sie nicht. Doch in diesem Moment stolperten drei weitere Gestalten zur Tür herein. Augenblicklich sprang ich auf und fiel Hermine um den Hals. „Es tut gut dich zu sehn“, flüsterte ich. „Du bist die, die sie alle tötet, oder?“ „Ja Harry, keiner von denen soll je wieder meine Freunde anrühren“, gab ich ihm zur Antwort und umarmte auch ihn und schließlich Ron. „Wo ist Dobby?“ „Bellatrix“, knurrte Ron nur. Das genügte uns. Der tapfere Elf war tot, doch wir lebten. Das war das einzige, was zählt. „Harry, Lupin ist hier“, sagte Luna plötzlich. „Was?“ „Ja, aber er ist bewusstlos. Schon seit Monaten“, erklärte ich ihnen. „Darf ich zu ihm?“ Ich nickte und führte die drei zu „meinem“ Patienten. Bei seinem Anblick traten mir Tränen in die Augen. „Komm, lass uns an die frische Luft gehen“, flüsterte Hermine und schob mich nach draußen.“ „Geht der Patronus immer noch nicht weg?“ „Nein, er folgt mir einfach überall hin.“ „So, wie du Lupin folgen würdest, oder?“ ihr Frage war sehr vorsichtig, doch ich wusste, was sie meinte. Und ja ich würde ihm folgen. „Vermutlich“, flüsterte ich. Wir spazierten den Strand entlang und sie erzählte mir von dem, was sie erlebt hatten. Auch von ihr und Ron. Ich musste lachen. Das war schon früher so offensichtlich gewesen. Mit der Dämmerung kehrten wir zum Haus zurück. Fleur saß bereits mit Harry und Ron am Tisch, während Bill und Luna Brot und Aufschnitt aus der Küche mitbrachten. Während dem Essen war es weitgehend still, bis Luna plötzlich anfing zu summen und Harry auf die Beine zog. Es war ein vollkommen komischer Tanz, doch schon bald war ich aufgesprungen und hatte Hermine an den Händen gepackt, um sie lachend im Kreis zu drehen. Bill schnappte sich seine Gitarre und Fleur drängte Ron mit ihm zu tanzen. „Was er da vor drei Jahren alles für gegeben hätte“, flüsterte Hermine mir zu und ich musste lachen. Sie hatte mir erzählt, wie fürchterlich verliebt Ron in Fleur gewesen war. Ich drehte Hermine unter meinem Arm hindurch und sie legte mir beide Arme um den Hals. „Du glaubst gar nicht wie schön solche Momente sind. Sie scheinen so leicht und fröhlich. Ganz so, als sei Frieden." „Dann lohnt es sich für solche Momente zu kämpfen“, grinste ich und sie lachte. Mit der Zeit wurde aus unserm Getanze ein richtiger Ringelrein und wir grölten die unterschiedlichsten Rockwunder der letzten Jahre, ganz gleich, ob Bill dazu spielen konnte, oder nicht. So wundervoll war die Stimmung schon lange nicht mehr gewesen. Es war gut, dass die vier hier waren, wenngleich ich wusste, dass das Trio bald wieder gehen würde. Sie waren auf der Suche nach etwas, von dem mir Hermine nicht sagen durfte, was es war. Doch ich respektierte das. Jeder sollte seine Geheimnisse haben dürfen. Ich hüpfte gerade eingehakt mit Harry im Arm im Kreis, als er plötzlich stehen blieb. „Was ist los, weißt du nicht mehr, wie man hüpft?“ lachte ich. Er gab nichts zurück. Auch die anderen waren verstummt. Verwundert sah ich mich um. Dann erblickte ich ihn. Ausgeglichen und mit einem Lächeln, das mir den Verstand raubte. Die tiefbraunen Augen waren dirket auf meine gerichtet. „Remus“, rief Harry und stürmte auf den Mann zu, der sich mit einer Hand an den Türrahmen stützte. Die beiden umarmten sich, während ich mich immer noch nicht regen konnte. Dann endlich stürmte ich an Hermine und Luna vorbei, um den schlanken Mann fest in die Armezu schließen. „Zira“, flüsterte er, machte jedoch keine Anstallten sich von mir zu lösen. Seine Arme hatten sich besitzergreifend um meinen Körper geschlungen. „Ich hatte Angst, dass du nicht erwachen könntest.“ „Das weiß ich. Ich habe es gespürt, wenn du da warst.“ „Wirklich?“ was hatte er alles mitbekommen? Wie ich ihm gestanden hatte, dass ich ihn liebte? Wie ich ihm von meinen tiefsten Gedanken, meinem Kummer und meinen Morden erzählt hatte? „Wir sollten uns unterhalten.“ Ich nickte und wir traten nach draußen unter einen glitzernden Sternenhimmel. Keiner der anderen folgte uns. Schweigend liefen wir nebeneinander her. Was sollte ich jetzt sagen? Das was ich dachte, oder das was ich fühlte? Gab es da behaupt einen Unterschied? Vermutlich im Moment nicht. „Du hast also die Todesser das Fürchten gelehrt?“ fragte er irgendwann und lächelte schräg. Mir klappte die Kinnlade runter. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Mit allem, aber nicht damit, dass er sich an einem Scherz versuchen würde. „Ich hab es versucht“, rang ich mir schließlich ein Lächeln ab. „Hätte mir denken können, dass du keine Frau bist, die davonläuft.“ „Warum bist du damals gegangen?“ rutschte es mir einfach heraus, ohne dass ich etwas dagegen tun konnte. „Gute Frage“, flüsterte er nach einer Weile. Er war stehen geblieben und sah mich an. Es lag so unendliche Zärtlichkeit in seinen Augen, dass es mir kaum möglich war beim Thema zu bleiben. Doch mir fiehl nichts ein, was ich darauf hätte erwidern können, also schwieg ich. Sah einfach nur zu ihm hinauf. Zu diesem klugen und liebenswerten Mann, der in mir vermutlich immer noch ein Kind sah. Eine Schülerin, so viel jünger als er. Nie würde er- doch weiter kamen meine Gedanken nicht. In diesem Moment trat er auf mich zu, legte mir seine Hand in den Nacken und beugte sich zu mir herab. Ich war noch nie mir einer solchen Achtung geküsst worden. Ein kalter Schauer lief mir den Rücken herunter. Zögerlich legte ich ihm meine Hände in den Nacken. Er war warm und schmeckte irgendwie nach Trauben. Fasziniert und ebenso überfordert schmiegte ich mich enger an ihn. Dann löste er sich von mir und hielt mich an den Schultern ein Stück von sich. Zärtlich strich er mir eine Strähne aus dem Gesicht. Es wirkte ganz so, als wolle er etwas sagen, entschied sich aber anders und küsste mich erneut. Diesmal sicherer, aber dennoch einesfalls aufdringlich. Sein Körper begann zu zittern. Erschwrpcken wich ich von ihm zurück. glitzernde Tränen rannen über seine Wangen, doch er lächelte so glückseelig, dass ich unmöglich sagen konnte, was in ihm vorging. Fragend legte ich den Kopf schräg. „Du machst mich glücklich, weißt du das?“ sagte er und ich musste laut lachen, bevor ich ihn eng an mich zog. „Wie lange schon?“ „Lange“, lachte auch er.

18.34 % der User hatten die Auswertung: „Hey Tiara, das Übliche“, rief ein blonder Mann, der sich gerade lachend an den Thresen fallen ließ. Ich kannte ihn schon seit zwei Jahren. Er kam jeden Samstag, trank drei Bier und einen Feuerwhiskey, ehe er wieder ging. Für gewöhnlich redete er mit niemandem, doch jeder grüßte den Auror. Seinen Namen kannte ich so gut, wie jeder hier. Alastor Moody war wohl der beste seines Fachs. Ich stellte ihm das erste Bier vor die Nase. „Wie läuft das Geschäft?“ fragte ich ihn, während ich für einen weiteren Gast Bier zapfte. „Ach, die Bösen sterben einfach nicht aus. Und wie geht es dir?“ „Das hier ist mein Reich und das ganz ohne dunkle Magie.“ „Darauf sollte ich trinken." „Dann auf die Freiheit“, grinste ich und er hob sein Glas. Ich war Inhaberin einer irischen Kneipe im Herzen der Winkelgasse. Es waren Schulferien, daher trieben sich besonders viele hier herum und tummelten sich um die Tische. Noch gab es freie Plätze, doch das würde sich schnell ändern. Sogar Muggel, die von der Zaubererwelt wussten, kamen hier her. Ich war nun zwanig Jahre alt und dennoch war ich mir sicher, dass ich bodenstäniger war, als die meisten meiner Kunden. „Ey, ich will ein Bier!“ genervt sah ich mich zu dem Schreihals um. Meine Aushilfe sah mich schon fragend an. Peet war hier für das Grobe zuständig und warf jene raus, die mir nicht passten. „Nein, mit dem werd ich schon selbst fertig“, meinte ich und zapfte das Getränk. Lässig stich ich mir eine blonde Strähne aus dem Gesicht, ehe ich mich dem jungen Mann zuwandte. Er hatte schulterlanges dunkles Haar und ich musste gestehen, dass der Glanz in seinen grauen Augen durchaus verführerisch war. Doch er konnte sich offensichtlich nicht benehmen. Außerdem erkannte ich ihn. Er war ein Jahr älter als ich und hatte ebenfalls Hogwarts besucht. Seinen Namen kannte ich auch, aber wer hatte den nicht gekannt? Er war der Aufreißer schlechthin gewesen. Und ein Blick auf die beiden Frauen neben ihm zeigte mir, dass er es noch immer war. „Ich entschuldige mich vielmals, dass es so lange gedauert hat.“ „Ach, meine Schöne, ist doch halb so wild“, versuchte er mich anzuflirten. „Es geht auch aufs Haus“, säuselte ich weiter. „Das muss doch nicht sein“, zierte er sich gekünstelt. „Oh doch“, grinste ich, ehe meine Stimmung umschlug und aus lieblich schadenfroh wurde, als ich ihm den gesammten Inhalt über dem Kopf entleerte. „Du“, zischte er und strich sich die nassen Haare aus dem Gesicht, während er angewidert an sich herabsah. „Ich dachte nur, dass du nachher eh so riechst. War jetzt günstiger, schätze ich“, lachte ich und wandte mich ab, „schönen Abend noch, Black“, fügte ich amüsiert hinzu, bevor ich mich einem neuen Kuden widmete. „Das hat gesessen, Kleine“, grinste Peet und strich sie über die Glatze, ehe er lachend im Lager verschwand. Peet war ebenso wie ich reichlich tätowiert, was ihn mir damals von Anfang an sympathisch gemacht hatte. Er war lange arbeitslos gewesen, nachdem er wegen Diebstahl in einem Muggelgefängnis gesessen hatte. Klar vielleicht nicht der beste Umgang, doch ich hatte meine Gründe gehabt. >Flashback< Ich hatte meinen freien Abend in einem angesagten Club in der Muggelwelt verbracht. Das musste man denen nämlich lassen, feiern konnten sie. Ich hatte meine Kneipe seit ich mit meinem 17. Geburtstag die Schule abgebrochen hatte. Warum ich das gemacht hatte? Der Pub hatte meinem Großvater gehört und nach seinem Tod, hatte ich das kleine Stück Irland erhalten wollen. Mit Erfolg, wie sich sehr schnell gezeigt hatte. Ich wusste, wie der Hase lief, immerhin hatte ich seit Kindesbeinen in der Kneipe ausgeholfen. Meine gesamte Kindheit hatte ich bei meinem Großvater verbracht, seit meine Eltern verstorben waren. Ein Unfall im Labor. Ja, meine Eltern waren Forscher gewesen. Ich hatte mir oft gewünscht, sie wären Bibliothekare gewesen, oder so etwas in der Richtung. Doch hatte mir eigentlich nie etwas gefehlt. Für meine Schwester war das Ganze noch sorgenfrei gewesen. Sie war beim Tod unserer Eltern erst wenige Wochen alt gewesen. Sie würde nach den Sommerferien nach Hogwarts gehen, worauf sie sich schon ungemein freute. Seit Wochen lief sie durchs Haus und hielt uns alle gehörig auf Trapp. All ihre Schulutensilien lagen seit drei Tagen in ihrem Zimmer und vor dem Schlafengehen, ging sie alle Sachen nocheinmal durch. Sie würde morgen abreisen. Noch nciht in die Schule, doch zu einer Freundin, die ebenfalls mit dem Ende der Ferien eingeschult wurde. Die beiden verbrachten ohnehin viele Ferien zusammen und ich war froh, dass sie in Hogwarts schon jemanden kannte. So in Gedanken wartete ich auf meinen Bus. Wie ein Muggel reisen gefiel mir eben irgendwie. Zudem hatte ich Alkohol getrunken und wollte nicht apperieren, aus Angst mein Ziel zu verfehlen. So hatte ich gar nicht bemerkt, wie sich die Haltestelle gefüllt hatte. „Willst du nicht noch etwas mit uns mitkommen?“ fragte mich ein schmieriger Mann, mit kurzem braunen Haar. Er saß neben mir und hatte den Arm über die Lehne meines Sitzes gelegt. „Das wird sicher lustig“, schloss sich ein korpulenter Mann mit Kappe an. Er hatte widerliche schweinsaugen und fettiges blondes Haar. „Nein, ich werde jetzt Heim fahren“, gab ich ruhig zurück. Ärger mit Muggeln unter so vielen Zuschauern wäre nicht ratsam. „Komm schon, so ein hübches Ding können wir unmöglich alleine lassen, was meinst du Dursley?“ der Brünette hatte das Wort direkt an seinen dicken Freund gerichtet, der sich jetzt auf meiner anderen Seite niederließ. „Sie hat nein gesagt“, mischte sich nun ein großer, breitschultriger Mann mit Glatze ein. Er war in den späten Dreißigern und beide muskulösen Arme waren reichlich tätowiert und im linken Ohr trug er einen goldenen Ohrring. Ihrgendwie sah er aus, wie man sich einen Piraten vorstellte. Er hatte sich in voller Größe vor den beiden aufgebaut. Die bekamen es offenkundig mit der Angst zu tun und trollten sich. „Danke“, sagte ich lächelnd. „Keine Ursache“, knurrte der Hüne und wollte gehen. „Ich heiße Tiara“, rief ich schnell. „Peet“, gab er zurück und streckte mir nach kurzem Zögern die Hand hin. „Darf ich dich was fragen?“ „Klar.“ „Hast du im Moment einen Job?“ Okay ich war sehr direkt. „Wie darf ich die Frage jetzt verstehen.“ „Naja ich suche noch jemanden in meinem Pub.“ „Du hast einen Pub?“ „Ja, eine irische Kneipe.“ >Flashback ende< Anfangs hatte es ihn ganz schön überfordert, das mit der Zauberei, doch nach einer Weile hatte er sich daran gewöhnt. Ich bezahlte ihn in Gold, da er nun vollkommen in der magischen Welt lebte. Es fiel eigentlich keinem auf, dass er kein Zauberer war und jene, die es wussten, denen war es egal. Peet war toll und damit basta. Der Abend zog sich und so auch die Folgenden. Ich hatte soeben abgeschlossen und brachte die leeren Flaschen in den Hinterhof, als ich mit einem Mal schnelle Schritte vernahm. Es war nur eine verhüllte Gestallt, doch bald schon hörte ich weitere Schritte. Der Fremde wurde verfolgt. Von Todessern, wie ich vermutete. Ich handelte, ohne nachzudenken. „Komm“, raunte ich der Gestalt zu und zog sie mit mir durch meine Hintertür ins Lager. Dort angekommen drückte ich den Fremden blitzschnell an die Wand und bohrte ihm die Spitze meines Zauberstabes gegen den Hals. „Kapuze runter!“ zischte ich und er gehorchte. Schlanke Finger strichen den Stoff zurück und sturmgraue Augen musterten mich. „Du“, spuckte ich und wandte mich um. Ohne ein Wort begann ich weiter die Spuren des Abends zu beseitigen. Noch eine Weile stand er wie angewurzelt da, ehe er auf mich zu kam. „Kann ich dir helfen?“ „Fass hier bloß nichts an, Black“, gab ich zurück. So setzte er sich und hielt den Mund. Sirius Black, wie ich ihn verachtete. >Flashback< Die Sommerferien waren vorbei und ich stand vor meinem fünften Schuljahr. Zusammen mit meiner besten Freundin, Timmy, wartete ich am Bahnsteig auf Timmys Freund, Sirius. Er lebte inzwischen bei James und Timmy freute sich schon riesig den hübschen Mädchenschwarm zu sehen. Seit etwa zwei Wochen vor den Ferien waren die beiden ein Paar und auch wenn ich skeptisch war, freute ich mich für sie. So glücklich hatte ich sie immerhin länger nicht mehr gesehen. „Da ist er“, kicherte sie plötzlich, während ich belustigt über ihr Verhalten grinste, rannte sie auf den dunkelgelockten Schönling zu und küsste ihn überschwänglich. James nickte mir zu, um kurz darauf von Remus in ein seltsames Gespräch verwickelt zu werden. Als sich Timmy endlich von Sirius löste, bestiegen wir den Zug, um uns ein Abteil zu suchen. Wir Mädchen waren im gleichen Haus wie die Rumtreiber, weshalb uns die meisten anderen freundlich grüßten. Nur einige Slytherins blickten verächtlich, als wir uns an einer Traube silber-grüner Schlangen vorbeischoben. Das war auch schon mal anders gewesen. Klar konnten wir diese Arroganz nicht ab, doch vor einigen Monaten war Timmy mit Lucius Malfoy ausgegangen. Ich konnte ihre Männerwahl also noch nie nachvollziehen. Wenigstens war Sirius kein kühler Spinner, der von reinem Blut faselte. Meine Gedanken waren gerade bei Spinner, als ich fast in den weißblonden Zauberer stolperte. Oder besser er in mich. „O‘Connal, oder?“ lächelte er charmant. „Lass gut sein, Malfoy“, gab ich zurück. Sein Gesichtsausdruck mäanderte kurz zwischen überrascht und begeistert, bevor er seine Eismiene aufsetzte und verächtlich seufzte, ehe er sich an mir vorbeischob. „Widerling“, meinte ich kopfschüttelnd und Remus, der inzwischen hinter mir stand, nickte. „Sag mal, was wollte Timmy eigentlich mit dem?“ Eigentlich fand ich James verdammt okay, obwohl ich ihn, ebenso wie die anderen nur flüchtig kannte. Sie grüßten mich, seit das mit Sirius und Timmy lief, aber mehr eben nicht. daher irritierte es mich, dass sie solch eine Konversation zu mir suchten. Doch ich beschloss es nicht zu hinterfragen. immerhin hatten sie mir nichts getan. „Kein Schimmer“, musste ich lachen. Obwohl doch ich wusste es. Er sah gut aus. Das war auch der Grund, weshalb sie Sirius so interessant fand. Ja, Timmy war auch verdammt hübsch. Dem langen pechschwarzen Haar und den leuchtend grünen Augen konnte kaum ein Mann widerstehen. Ich hatte sie wirklich gern, doch wie sie Männer kategorisierte stieß bei mir auf vollkommenes Unverständnis. „Irgendwas muss er aber haben. Wo er jetzt schon wieder ne Neue hat“, gab Peter seine Meinung kund. „Naja, wie dem auch sei, ich geh mir mal ein Abteil suchen. Bis dann Jungs“, wollte ich meinen Weg fortsetzen. „Du kannst bei uns bleiben, wenn du willst“, bot James an. „Gern, doch die zwei da kann ich mir keine ganze Zugfahrt geben“, grinste ich schräg und nickte zu Timmy und Sirius. Remus lachte, „vielleicht sollten wir uns dann dir anschließen, wenn du gestattest?“ Ich zuckte die Achseln und so verbrachte ich die Zugfahrt zusammen mit James, Remus und Peter. Ein wenig cool fühlte ich mich damit schon. Immerhin waren die Rumtreiber so etwas, wie die Stars unseres Hauses. Sie waren einfach nur cool, obwohl das außer Sirius keiner von ihnen raushingen ließ. Wir quatschten über alles Mögliche und ich stellte schnell fest, dass sie verdammt nett waren. Die Wochen verstrichen und wider erwarten waren Sirius und Timmy immer noch zusammen. Das hatte zur Folge, dass ich doch tatsächlich große Teile meiner Freizeit mit den Rumtreibern verbrachte. Timmy erzählte mir fast jeden Abend, wie toll sie Sirius fand und wie verliebt sie war. Also freute ich mich für sie und hatte mittlerweile fast alle Vorurteile gegenüber dem Mädchenschwarm fallen gelassen. Er war ein verdammt guter Kumpel, so James und dieses Bild bestätigte sich mit jedem Ausflug, den ich mit ihnen machte. Die vier Jungen schien nichts auf der Welt trennen zu können. Timmy und ich waren gerade auf dem Weg in die Große Halle, als wir in einen Flur einbogen, aus dem leises Gekicher zu vernehmen war. „Wer das wohl ist“, grinste Timmy. Wir waren eindeutig zu neugierig, um einfach weiter zu gehen. Doch das hätten wir besser mal getan. Dort mitten im Flur stand ein zierliches Mädchen aus Ravenclaw, welches stürmisch von einem großen brünetten Jungen geküsst wurde. Es dauerte einen Moment, bis ich die Situation begriff. Doch da war Timmy schon an mir vorbeigestürmt. Immer noch wie angewurzelt stand ich da und starrte Sirius an. >Flashback Ende< „Wie geht es jetzt weiter?“ Seit geraumer Zeit hatte ich Sirius keines Blickes gewürdigt. Jetzt griff ich mir eine Wolldecke aus dem Regal und warf sie ihm entgegen. Er fing sie, blieb immer noch auf Distanz stehen, doch versuchte er sich an einem Lächeln, welches ich mit einem heben der Augenbrauen quittierte. Was sollte das? Ich konnte ihn nicht ausstehen, wusste er das etwa nicht? war es nicht offensichtlich genug? „Komm mit“, sagte ich bloß und er folgte mir ein die Wohnung über dem Pub. Hier war alles voll mit Fotografien, welche mich, meine Schwester Laine, oder Peet mit Freunden zeigten. Auch einige Poster von Rockbands zierten die Wände. Peet wohnte auch hier und wir hatten uns unser kleines Rock‘n‘Roll Paradies geschaffen. Selbst auf einigen Tassen waren die Embleme unserer Lieblingsbands. Größtenteils stammten diese aus der Muggelwelt. Was diesen Reinblutvernatikern mit der Verweigerung dieser Musik entging... „Hey, na wen haben wir denn da? Ist das nicht der Kleine mit der Bierdusche“, grinste der glatzköpfige Mann jetzt aus dem Türrahmen. „Sie haben ihn verfolgt“, gab ich zurück und ließ mich erschöpft auf einen der Stühle in der Küche fallen. „Ohha, warum das?“ „Frag ihn“, zuckte ich die Achseln und nippte an dem Tee, den Peet mir gereicht hatte. Wir waren wirklich ein verdammt eingespieltes Team. Ich liebte es, wie reibungslos es zwischen uns lief, selbst wenn wir nicht immer der selben Meinung waren. Fragend richtete Peet den Blick zu Sirius, der etwas unsicher da stand, als wüsste er nicht, wie er sich verhalten sollte. Etwas das ich bei dem sonst so taffen Sirius Black noch nie erlebt hatte- wirklich noch nie. „Ich war in dieser Kneipe und plötzlich haben ein paar Todesser den Wirt mitnehmen wollen, weil er muggelstämmig ist. Naja ich hab mich eingemischt. Hat denen nicht gefallen“, sagte Sirius, nachdem er mich flüchtig angesehen hatte. „Das wird ihnen allerdings nicht gefallen haben“, lachte Peet. „Moody sagte, dass man hier sicher ist. Daher rannte ich, so schnell ich konnte“, er brach ab und sah mich wieder an. „Moody?“ „Ja Moody.“ War dieser kleine Schnösel hier etwa auch im Orden? Ich schmuggelte seit Jahren Muggelstämmige ins Ausland, oder versteckte Flüchtige vor Todessern. Das alles heimlich, versteht sich. Nur Dumbledore, Moody und Minerva McGonagall wussten davon. Sie brachten mir meine Schützlinge und ich half ihnen und ihren Familien vor Voldemort zu fliehen. Ich war Teil dieses Widerstandes, doch warum wusste Sirius das? „Wir sind alle im Orden des Phönix“, meinte Sirius nach einer Weile. „Dann muss man dich wirklich verfolgen, wenn du hierher kommst.“ „Werden wir alle.“ „Jeder“, murrte Peet. „Lily ist schwanger.“ „Lily? Lily Evans?“ „Nicht mehr, Lily Potter“, grinste Sirius. „Das freut mich für James, auch wenn er sich schwere Zeiten für ein Kind ausgesucht hat.“ Sirius nickte bloß. „Wie geht es Remus?“ „Gut, er ist ebenfalls in Sicherheit.“ „Es war kein Zufall, da in der Kneipe, oder?“ „Dich anzulügen hat wohl keinen Zweck, oder?“ „Nein.“ „Wir wussten, dass der Wirt gefährdet ist und haben dort alle patrouilliert.“ „Du hast es dem Orden zu verdanken, dass du hier bleiben kannst.“ „Warum hasst du mich so sehr?“ „Das fragst du noch?“ gab ich verächtlich zurück und verließ den Raum. „Du kannst auf dem Sofa schlafen“, hörte ich Peet noch sagen, als ich in mein Zimmer ging, um zu schlafen. Es war eine Woche vergangen und Sirius war noch immer bei uns. Dumbledore hatte mich gebeten ihn zu verstecken. Es sei zu gefährlich für ihn in der Öffentlichkeit. Dennoch sprach ich wenig mit ihm. Es war Samstag Nachmittag und einige Gäste nippten schon an einem kühlen Bier. Die Tür flog auf und ich verschwand augenblicklich im Hinterzimmer. Eilig drückte ich einen verborgenen Knopf, der augenblicklich meinen verborgenen Gast warnte. Ich hatte ihm vor Tagen bereits alles erklärt, so auch, dass er im Fall der Fälle sofort meinen unsichtbaren Raum betreten solle. Dies war eine Erfindung meines Großvaters gewesen, der Seinerzeit vor Grindelwald hatte fliehen müssen. Zurück im Schankraum unterhielten sich bereits einige schick gekleidete Zauberer mit Peet. „Wir müssen den Laden durchsuchen. Es besteht der Verdacht des Schwarzmarkthandels“, säuselte eine schmierige Stimme. „Wer hier wo herumschnüffelt, entscheide immer noch ich“, sagte ich bestimmt und trat neben Peet. So stand ich plötzlich einem wohlbekannten weißblonden Zauberer gegenüber. Seine Augen weiteten sich. das helle Grau war nicht zu deuten, doch ich verzog keine Miene. Ich wusste, dass Lucius mit schwarzmagischen Artefakten handelte und dass auf seinem Unterarm das Dunkle Mal prangte. „Miss O‘Connal“, sagte er bloß. „Und Sie sind?“ Selbstverständlich wusste ich, wer er war, doch ich wollte ihn ein wenig bloßstellen. „Lucius Malfoy“, gab er leicht gekränkt zurück. „Fein, jetzt da wir uns alle lieb haben, könnten Sie mir sagen, was Sie hier wollen?“ „Reine Routine“, sagte er leicht verunsichert durch meine resolute Art. „Gut, dann entweder Sie fangen an, oder Sie verschwinden. Das hier ist schlecht fürs Geschäft.“ „Brown, Dolohow, durchsuchen. Aber machen Sie nichts kaputt“, schickte er seine Gehilfen los. Noch einen Moment sah er mich an, dann wollte er sich schon umwenden. Da überlegte er es sich anders und sah mich noch einmal geradewegs an. „Ihre Schwester müsste doch demnächst auch nach Hogwarts kommen, oder?“ „Das Schuljahr hat bereits begonnen.“ „Stimmt, diese Woche, wenn ich mich nicht irre.“ „Ich muss jetzt weiter arbeiten.“ „Ich hätte diesem aufgeblasenen Schnösel am Liebsten eine geknallt! Wie kann er es wagen Laine ins Gespräch zu bringen?“ „Wer ist Laine?“ wollte Sirius wissen. Wir saßen alle drei in unserer Küche und ich trank bestimmt schon mein viertes Bier, war aber immer noch rasend. „Sie ist meine Schwester.“ „Warum hab ich sie noch nicht kennen gelernt?“ „Sie hat die Sommerferien bei einer Freundin verbracht.“ „Oh, wie alt ist sie denn?“ „Zu jung für dich, Black!“ „Wow, schon gut! So war das nicht gemeint.“ Doch ich war schon aufgestanden und verließ die Küche. Lange stand ich noch an meinem Fenster und hoffte, dass es Laine gut ging. Sie war mein Ein und Alles und ich könnte es mir nie verzeihen, wenn ihr etwas zustoßen würde. Doch in Hogwarts war sie sicher. Dumbledore würde sie schützen können. Kurz nach Mitternacht schlich ich mich zurück in die Küche, um mir noch einen Tee zu kochen. Vielleicht würde mir das helfen einzuschlafen. „Na, kannst du auch noch nicht schlafen?“ „Sirius“, seufzte ich und sah ihn an. Für einen Moment hatte ich das Bedürfnis ihn anzufauchen. Doch so wie er mich ansah konnte ich es nicht mehr. Es war nicht die Weise, wie er seine Betthäschen angesehen hatte. Es war der Blick, den er seinen Freunden zugeworfen hatte, wenn er sich um sie sorgte. Dieser Ausdruck, der in seine Augen trat, wenn er von James sprach, ohne zu wissen, ob es ihm gut ging, „willst du auch einen Tee?“ Er nickte und ich füllte eine zweite Tasse. „Ich habe Angst, dass sie ihr etwas antun, nur um mich zu zwingen dem Orden kein Standbein mehr zu sein“, murmelte ich irgendwann. Wir hatten Minuten nur schweigend nebeneinander an die Spüle gelehnt. „Das wird Dumbledore niemals zulassen“, sagte er und seine Stimme war so ruhig, dass ich ihm glaubte. Wieder schwiegen wir, doch diesmal war er es, der zu reden ansetzte. „Ich muss dir etwas erzählen. Eigentlich wollte ich mich nie für etwas in meinem Leben rechtfertigen, doch ich will, dass du weißt, dass ich nicht der bin, für den du mich hältst. Ich kann dir nicht genau sagen, warum ich das nicht will, doch wir sind hier auf der selben Seite und sollten einander vertrauen können. Solange du in dir das Arschloch siehst, traust du mir nicht weiter, als du mich werfen kannst.“ Er hatte Recht. Wirklich Recht. Daher sparte ich mir einen giftigen Kommentar und nickte bloß. Er hatte mich angesehen, daher nahm er nun einen Teller aus dem Schrank und ließ einen silbernen Gedankenfaden hineingleiten. „Du würdest es mir nicht glauben, wenn ich es dir bloß erzähle“, erklärte er sich. Wieder hatte er Recht und ich senkte das Gesicht zu der wabernden silbernen Flüssigkeit. Schemen der Zeit umwirbelten mich und ich nahm im Gryffindorgemeinschaftsraum wieder Substanz an. Vor mir auf einem Sofa saßen Sirius und James. Sie mochten vermutlich gerade im fünften Schuljahr sein. Sirius sah ziemlich betrübt drein, während James amüsiert grinste. „Krone, ich mein ich mag sie wirklich! Aber ich und eine feste Beziehung? Ich war ihr die gesamten Ferien treu. Kannst du dir das vorstellen?“ „Nein“, lachte James und schüttelte amüsiert den Kopf. „Aber warum?“ „Du bist verliebt Tatze!“ „Tz“, gab dieser zurück. Ich musste schmunzeln. Das konnte man sich tatsächlich nur schwer vorstellen. Das schien James, der mit mir immer irgendwie auf einer Wellenlänge gewesen war, genauso zu sehen. Die Szenerie veränderte sich. „Ich denke du weißt nun, worum es geht", sagte plötzlich eine Stimme hinter mir. Erschrocken zuckte ich zusammen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass er mir in die Erinnerung gefolgt war. Doch mir blieb keine Zeit für eine weitere Reaktion auf ihn. Das Bild der Erinnerung beschäftigte mich viel mehr. Dort sah man, wie Sirius zusammen mit Timmy, den Rumtreibern und mir auf der Wiese vor dem Schloss saß und breit grinste. Ich erinnerte mich selbst gut an diesen Nachmittag. Wir hatten herumgelabert und verdammt viel Spaß gehabt. „Komm schon Tiara, was hast du zu verlieren?“ „Wenn so gar nichts dabei ist, warum machst du es dann nicht vor, James“, gab mein jüngeres Ich zurück und warf dem bebrillten Jungen ein dickes Buch entgegen. „Ey“, rief James, lachte und warf das Buch zurück. „Aber mal im Ernst, wie bekommen wir jetzt die Karte zurück? Slughorn, der Schlangenmeister hat sie schließlich eingesackt“, überlegte meine jüngere Ausgabe und die Jungen nickten. „Ich schlage vor wir brechen heute Nacht in sein Büro ein.“ „Sirius“, rief Timmy empört, doch ich nickte ruhig. „Wenn wir uns aufteilen und verschiedene Vorkehrungen treffen, kann eigentlich nichts schief gehen.“ Das Bild verschwamm. Ich wusste, dass wir jetzt einen grandiosen Plan ausgeheckt hatten. Ich sah gerade Remus und Sirius vor mir durch einen Kellergang laufen. „Hättest du ihr das zugetraut? Tiara meine ich?“ „Klar, Tatze. Schau sie dir mal an, sie hat es faustdick hinter den Ohren. Zudem ist sie echt eine gute Hexe. Für sie und James wird das ein Kinderspiel sein.“ „Hoffentlich hast du Recht. Den Schlaftrunk, den wir Slughorn untergejubelt haben, habe ich vorher bei Peter getestet. Daran dürfte es nicht scheitern. Davon ausgehend, dass der Professor ihn trinkt.“ „Wird schon werden. Aber sag mal was ist eigentlich mit Timmy? Sie hatte wohl keine Lust auf Ärger?“ „Ach Moony, sie findet das kindisch und viel zu riskant.“ „Mädchen eben.“ „Pluralisier nicht, sonder lauf“, zischte meine jüngere Ausgabe, die gerade mit einem strahlenden James um die Ecke gebogen kam. „Was ist passiert?“ keuchte Sirius, nach knapp zwei Stockwerken. „Slughorn ist passiert“, prustete das blonde Mädchen. „Wie du so ruhig bleiben konntest, hat mich wirklich platt gemacht“, lachte James und boxte sie freundschaftlich in die Schulter. Dann wandte er sich an Remus und Sirius, „der Professor hat den Trank nicht genommen. Tja und wir standen gerade in seinem Büro, als er plötzlich die Tür öffnete. Tiara hat mich blitzschnell am Umhang gepackt und hinter ein Regal gezerrt. Es war verdammt knapp. Dann hat sie doch tatsächlich ein paar Flaschen in einem Nebenraum explodieren lassen, sich die Karte geschnappt und ist aus dem Klassenraum gesprintet. Das hättet ihr sehen sollen. Ey eine Sekunde langsamer und Slughorn hätte uns gesehen. Hat natürlich was gemerkt, war aber zu langsam um uns zu sehen. Ganz großes Kino“, plapperte James, während mein jüngeres Ich noch immer bloß begeistert lachte. „Ein netter kleiner Ausflug", sagte es dann und hakte sich bei Sirius und James unter, um mit ihnen zum Gemeinschaftsraum zu laufen. „Ich mach noch mal einen Abstecher“, grinste Sirius auf halbem Weg, als die Gruppe gerade einen Waschraum passierte. „Alles klar, wir sehn uns im Gemeinschaftsraum.“ rief James und legte meinem jüngeren Ich jetzt demonstrativ den Arm um die Schultern. Seltsamer Weise schwang nun eine leichte Welle der Eifersucht in der Erinnerung mit. Das verstand ich nicht und schüttelte den Kopf. Wir folgten dem jungen Sirius nicht, sondern warteten vor dem Klo. „Das war wirklich lustig“, schmunzelte ich und sah den älteren Sirius flüchtig an. „Allerdings. Hätte ich dir damals übrigens wirklich nicht zugetraut. Ich dachte du wärst so ein Feigling, wie die anderen Mädchen.“ „Tja, Pech gehabt.“ „Allerdings.“ In diesem Moment trat der junge Sirius wieder aus dem Waschraum und lief rasch die Gänge entlang. „Wie kommst du nur immer wieder in die Schule, Antonin“, kicherte da ein Mädchen aus einem der Gänge. Verwundert blieb ich stehen. Diese Stimme kannte ich. Sehr gut sogar. Und ich kannte auch den Gibbelton, in dem sie sprach. „Komm“, zog mich Sirius weiter durch die Erinnerung und kurz darauf platzten wir in eine Szene in der Timmy froh sein konnte, dass ich sie nicht in ihrer Zeit erlebte. Timmy saß auf dem Schoß des Todessers Antonin Dolohow, der seine Hände bereits unter ihrem Shirt hatte und sie verlangend küsste. „Ich weiß doch, dass du es ohne mich kaum aushältst.“ „Diese Jungen hier sind einfach nicht wie du.“ „Weil ich ein Mann bin, Timmy“, damit endete ihr Gespräch und ihre Küsse wurden noch verruchter. Der junge Sirius stand da, wie vom Donner gerührt. Dann erwachte er aus seiner Schockstarre und rannte davon. Wir reisten in der Erinnerung direkt in den Gemeinschaftsraum. Doch es musste bereits wesentlich später sein, da mein damaliges Ich und auch Remus bereits in die Schlafsäle verschwunden waren. „Was hast du, Sirius? Ich sehe dir doch an, dass was nicht stimmt.“ „Ich habe gerade Timmy gesehen.“ „Wo?“ „In einem der Gänge.“ „Und warum schaust du dann wie drei Tage Regenwetter? Habt ihr euch gestritten?“ „Sie war dort mit einem Mann.“ Baff sah James seinen besten Freund an, der bloß finster in die schwindenden Flammen starrte. „Ja. Antonin Dolohow. Wie er es in Schule geschafft hat, weiß ich auch nicht. Doch das läuft wohl schon länger.“ „Und was hast du jetzt vor?“ „Na was wohl? Schluss machen!“ „Ja, aber einfach so? Ohne ein wenig Rache? Immerhin hat sie dich offensichtlich nur als Trophäe benutzt.“ „Ja, aber wenn ich es ihr mit gleicher Münze heimzahle, dann wird Tiara mich hassen.“ „Tiara?“ „Sie ist doch klasse und ich fände es schade sie als Freundin zu verlieren. Doch Timmy ist ihre beste Freundin, da ist ihre Partei doch klar.“ „Wie du meinst. ich finde nur du solltest Timmy nicht einfach so davonkommen lassen. Sie brauch mal einen Denkzettel! Wenn du mich fragst ist sie ne aufgeblasene Ziege, die sich zu viel aus ihrem Äußeren macht. Schöne Frauen gibt’s wie Sand am Meer, Sirius, die wirklich tollen Frauen sind die, die um ihre Schönheit wissen, sie aber nicht ausnutzen. Tiara zum Beispiel, wenn du sie schon ins Gespräch gebracht hast. Klasse Frau. Warum du dir immer diese aufgeblasenen Tussis zulegen musst, die Tiaras dieser Welt aber übersiehst, ist mir schleierhaft!“ „Du hast Recht. So kann ich Timmy nicht davon kommen lassen.“ Wieder veränderte sich die Szene. Diesmal waren wir in der Quidditchkabine. Mein jüngeres Ich wollte die Kabine gerade verlassen, als James sie anlächelte. „Na, kommst du nachher noch mit nach Hogsmeade? du warst schon lange nicht mehr mit uns Butterbier trinken.“ „Was soll ich denn da mit euch? Auf solch oberflächliche Arschlöcher kann ich verzichten“, giftete meine Erinnerung. „Warum können wir das sehen? Das sind doch deine Erinnerungen und nicht James'.“ Doch statt einer Antwort trat nun der junge Sirius in die Kabine. Er hatte wohl hinter einem Vorhang gewartet. „Das lief ja nicht so wie geplant.“ Die beiden machten sich auf den Weg zum Schloss. Wieder verschwamm es und wir saßen in Hogsmeade. „Oh, das solltest du nicht sehen“, rief Sirius plötzlich bestürzt. „Warum nicht?“ An einem Tisch saßen die vier Rumtreiber, von denen der junge Black sehr geknickt wirkte. „Er hat es noch mal versucht“, raunte Remus gerade Peter zu, als wolle er diesem Sirius Miene erklären. „Lass uns gehen“, drängte der ältere Sirius, doch ich wollte wissen, was er verheimlichen wollte. „Tatze, lass es gut sein, wenn du sie wirklich liebst musst du ihr Zeit geben. Sie ist Timmys beste Freundin und sie kennt die Geschichte nicht komplett. Klar, dass sie in dir einen Arsch sieht. Aus ihrer Perspektive sogar mit gutem Recht“, versuchte es James und legte seinem Freund eine Hand auf die Schulter. Doch ich war vollkommen überfordert. Unfähig etwas zu sagen starrte ich den älteren Sirius neben mir an. „Ja, ich habe mich schrecklich in dich verliebt“, murmelte er und sah mich etwas scheu an. Was war denn mit dem los? „Habe?“ „Ja es hat nicht nachgelassen“, fuhr er fort und mir klappte der Kiefer herunter. „Warum?“ Jetzt lachte er und sein Lachen wurde zu einem matten Grinsen, als wie schließlich aus der Erinnerung flogen. „Du bist ein elender Aufreißer gewesen und soweit ich das bei deinem letzten Kneipenbesuch beurteilen konnte, bist du es noch immer.“ „Nur um deine Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich habe es doch immer wieder versucht. Doch wahrgenommen hast du mich nur noch, wenn ich für Skandale sorgte.“ Sprachlos stand ich vor ihm. Plötzlich trat er einen Schritt von mir zurück und nickte knapp. „Schon gut“, murmelte er und war verschwunden, ehe ich etwas sagen konnte. Hatte mir da gerade Sirius Black seine Liebe gestanden? DER Sirius Black? Und was hatte ich getan? Ich hatte ihn zurückgewiesen. Oder nein, ich hatte gar nichts getan, aber für ihn kam das einer Zurückweisung offenbar gleich. Irgendetwas ließ mich grinsen und ich musste den Kopf schütteln, um wieder einen klaren Gedanken zu fassen. Mochte ich ihn? Mochte ich ihn mehr, als ich mir je hätte eingestehen wollen? Vermutlich. Doch ich war zu stolz ihm hinterher zu rennen. Er war fort. Wohin wusste ich nicht, doch ich suchte nicht nach ihm. Dafür fehlte mir die Zeit. Hier lief plötzlich alles drunter und drüber. Die Todesser gewannen immer mehr an Macht und fast täglich brachte man mir Verletzte, die ich aus dem Land schaffte. So gingen die Monate ins Land. Es war im Oktober und ich schmuggelte gerade eine junge Familie in meinen verwunschenen Raum, in dem sich auch ein Verschwindekabinett befand. Sein Gegenstück stand in einer kleinen Spelunke in Tortuga. So weit weg würde es für meine Freunde einfach sein unterzutauchen. Sie waren muggelstämmig und Mitglieder des Ordens. „Danke für alles“, flüsterte der dunkelhaarige Mann, als er mit angsterfülltem Blick den Arm um Frau und Kind legte, während ich die Tür des Verschwindekabinetts schloss. Ich seufzte, da drang lautes Gepolter und Geschreie aus dem Schankraum. Augenblicklich lief ich los und stolperte unversehens in einen Kampf. schwarzgehüllte Todesser attackierten einen einzelnen dunkelhaarigen Mann, der sie feindsselig anstarrte, während seine Wangen tränennass waren. „Stupor“, brüllte ich und einige Todesser flogen durch die Luft. Rote Blitze trafen auf grüne Todesflüche. Alles ging unendlich schnell, doch ich wusste, was ich tat. Trotz der abgebrochenen Schule, war ich eine gute Kämpferin. Erschreckend gut sogar. „Was ist passiert“, keuchte ich, als ich mit einem Mal alleine Sirius gegenüber stand. „Lily und James“, schluchzte er. Keine Faser seines Körpers spiegelte den Mann, der immer so selbstsicher und teils auch arrogant gewirkt hatte. „Nein“, brachte ich bloß heraus. Natürlich wusste ich, was er da meinte. „Alle denken ich habe sie verraten! Doch ich war es nicht! Bitte glaube mir! Nie, nie hätte ich sie verraten können! Ich habe sie beide geliebt! Er war doch mein Bruder“, rief er aufgebracht, einem Zusammenbruch nahe. „Sirius, verschwinde von hier! Sie werden dich jagen!“ „Hör zu, Tiara, der Dunkle Lord ist fort. Ob tot weiß ich nicht, doch er ist fort“, sagte er mit einem Mal vollkommen nüchtern. Ernst sah er mir in die Augen und hatte mich an den Schultern gepackt. „Flieh“, flüsterte ich. Doch bevor er meinem Rat folgen konnte, packte ich ihn am Kragen und zog ihn zu mir. Er leistete keinerlei Widerstand und küsste mich ebenso stürmisch, wie Halt suchend. Alles in mir kribbelte und nur mit Mühe brachte ich die Vernunft auf, ihn ein wenig von mir zu drücken. „Flieh“, wiederholte ich mich und sah ihm dabei tief in die Augen. „Schweig über die Wahrheit. Sie werden dir nicht glauben. Doch ich wollte, dass du um meine Unschuld weißt. Vergiss mich nicht“, sagte er sanft und strich mir über die Wange. Ein Schauer überzog meinen Körper. Es wurde heiß und kalt. Doch seine Augen, diese warmen Augen, die immer noch zärtlich auf mir ruhten, ließen mich alle graue Zeit vergessen. „Nie“, rang ich noch hervor, ehe er mich erneut küsste und dann disapperierte. Wie vom Donner gerührt stand ich da. Außer Stande etwas Sinnvolles zu denken, lächelte ich und erst als Peet besorgt in den Raum gestürmt kam, konnte ich mich wieder fangen. Ich hatte gerade Sirius Black geküsst! Und es hatte sich gut angefühlt. Nein mehr als gut- richtig. Es hatte sich richtig angefühlt! Als ich von seiner Verhaftung hörte und von den Vorwürfen gegen ihn, fiel es mir schwer zu schweigen. Doch ich wusste, dass er Recht hatte, wenn er sagte, dass mir niemand glauben würde. Stattdessen begann ich Peter zu suchen. Er musste James und Lily verraten haben, da war ich sicher. Es war an einem verregneten Herbstabend, als ich gerade meinen Pub schloss. „Tiara?“ „Remus“, gab ich verwundert zurück und sah den blonden Mann an. Er sah schrecklich mitgenommen aus, „darf ich rein kommen?“ „Klar“, gab ich bloß zurück und schloss hinter ihm die Tür ab. Er wirkte vollkommen apathisch, daher führte ich ihn mit einem Arm um seine Talje in meine Wohnung. „Willst du auch ein Bi-“ meine Schwester brach ab, als sie sah, dass ich nicht alleine war. Sie stand dort in einem leichten Sommerkleid, welches den gigantischen Phönix zeigte, der auf ihren Rücken tätowiert war, als sie sich umwand, ihr Bier wegstellte und mir half Remus auf unser Sofa zu lotsen. Laine war jetzt siebzehn und half mir seit einigen Jahren in ihren Ferien hier aus. Es war ihr letztes Jahr auf Hogwarts und ich war so unendlich stolz auf sie. Sie war einfach zu einer atemberaubenden Frau geworden. Vor fünf Jahren hatte ich meinen Rumtreiber an Askaban verloren und nun saß einer seiner besten Freunde völlig verstört vor mir. „Ich mach ihm mal einen Tee“, murmelte Laine und stand auf. „Was ist passiert, Remus?“ richtete ich nach einer Weile ganz vorsichtig das Wort an den Mann, der fast zitternd neben mir saß. „Vergangenheit. Tiara, ich bin heute morgen aufgewacht und beim Blick in den Spiegel wurde mir klar, dass sich etwas ändern muss.“ Ich wusste was er meinte. Sein gesamtes Leben war zusammengebrochen, als man ihm all seine Freunde nahm. Die einzigen die er je hatte und die ihn trotz seiner Geheimnisse stets geliebt hatten. Ja, ich wusste von der Wolfsache. Dumbledore hatte mich einst darüber unterrichtet. Er musste es sein gesamtes Leben stets so schwer gehabt haben. Zaghaft legte ich ihm meine Hand auf die Schulter. Seit Jahren hatten wir einander nicht gesehen und noch viel länger hatten wir nicht miteinander gesprochen. Zwar war ich auf James‘ und Lilys Beerdigung gewesen, doch ich hatte mich nicht getraut dort mit ihm zu sprechen. Doch jetzt zuckte er kurz unter meiner Berührung, ehe er mich in eine feste Umarmung zog, die mich anfänglich ziemlich verwirrte und überforderte. Er begann zu weinen und ich ließ ihn. Um etwas zu sagen, fehlten mir die richtigen Worte, also schwieg ich und strich ihm bloß tröstend über den Rücken. Eigentlich kannten wir einander kaum. Selbst in der Zeit, die ich einst mit ihm verbracht hatte, waren wir eher flüchtige Freunde gewesen. Als richtigen Freund hatte ich damals vermutlich nur James betitelt. Dennoch hatte ich Remus immer gemocht. Jetzt schien es, als würden all seine grauen Tage in seinen Tränen davon fließen. Sein Puls wurde mit jedem Herzschlag ruhiger. „Du kannst bleiben solange du willst“, sagte ich schließlich. Er war meine stärkste Verbindung zu Sirius. Ebenso ein Teil von ihm, wie ich es war. Das verband uns. Über Monate. Denn er blieb. Noch oft weinte er, doch es schien ihm gut zu tun, daher versuchte ich nie ihm seine Tränen zu verbieten. Ich ließ sie zu und half ihm zurück ins Leben. Er erzählte, wie er nach James‘ Tod lange in den Wäldern gelebt hatte. „Ich hatte keine Ahnung, ob ich bei dir willkommen wäre. Schließlich sind wir nicht als Freunde auseinander gegangen. Aber Sirius sagte einst, dass er dir alles erzählt hätte“, er brach ab. Die Gedanken an Sirius machte ihn immer noch traurig. Er konnte nicht glauben, dass Sirius ein Verräter sein sollte. Doch ich wollte ihn nicht mit der Wahrheit belasten. Um keinen Preis. „Du kannst dich immer auf mich verlassen.“ „Das weiß ich nun“, gab er zurück und sah mich lächelnd an. „Ich weiß, dass du dich gerade verabschieden willst.“ Fragend sah er mich an. Er lebte seit letztem Herbst bei mir, doch in letzter Zeit machte er immer öfter den Eindruck, dass er wieder vollständig auf eigenen Beinen stehen wollte. „Ich bin nicht blind, Moony“, lachte ich und stieß ihn in die Seite. „Entschuldige. Das hat nichts mit dir oder diesem Ort zu tun. Du bist die beste Freundin, die ich je hatte, aber ich möchte wissen, ob ich es wieder alleine schaffe.“ „Das weiß ich doch! Aber komm so oft dir danach ist. Hier bleibt immer ein Platz für dich.“ Jetzt lachte er. Ich liebte dieses Lachen. Es war wie pures Glück, da es mich an Unbeschwertheit und Frieden erinnerte. Er ging an diesem Tag, doch er kam oft wieder. So auch an dem Tag, den Laine und ich unseren grünen Tag nannten. Es war ein Fest. ein irisches Fest. Remus half Peet hinter der Theke und ich musste vor Glück lachen, als mich meine Schwester im Kreis drehte. Sie hatte ihre Schule abgeschlossen und würde bei Mr. Ollivander in die Lehre gehen. Ich freute mich riesig für sie. Ja, das war meine kleine Familie. Meine Schwester und meine beiden besten Freunde. Doch da flogen meine Gedanken zu Sirius. MEIN Sirius. Es war ungewiss, wann ich ihn wiedersehen würde, doch ich würde auf ihn warten. „Tiara, du musst lächeln“, grinste Laine, die mich in ihrem grünen Kleid und den geflochtenen blonden Haaren stark an eine Elbe erinnerte. „Du siehst wunderschön aus, weißt du das?“ grinste ich sie an. „Das kann ich nur so zurückgeben“, lachte sie und küsste mich auf die Wange, ehe sie sich an die Arbeit machte. Der Abend zog sich und irgendwann legte mir Peet den Arm um die Schultern. „Was meinst du, sollen wir unsere kleine Nachtigall mal singen lassen?“ Er meinte meine Schwester, die tatsächlich eine wundervolle Stimme hatte. Jedes Mal, wenn sie sang, vibrierte es tief in mir. Es war, als würde mich etwas in meinem Herzen rufen. So auch dieses Mal. Vor meinem inneren Auge erschien immer wieder dieser eine Mann, dem mein Herz seit Jahren gehörte. Er fehlte mir. So sehr. >Sirius‘ Sicht< Seit zwölf Jahren war ich nun hier. Gefangen und doch hatten sie meinen Willen, mein Herz nicht brechen können. Es schlug wie wild und ich fürchtete es könne sich überschlagen, so wild pochte es in meiner Brust, jedes Mal, wenn ich an Tiara dachte. Die Frau, die mich lehrte, wie man liebt. Sie lehrte mich den Schmerz der Liebe, aber auch wie süß sie sein konnte. Die Gedanken an sie machten mich gleichermaßen wahnsinnig, wie glücklich. Sie war da draußen und einst hatte sie mich geliebt, dessen war ich gewiss. Noch mehr als alles andere wollte ich wissen, ob wie es noch immer tat. Würde sie das lieben können, was ich jetzt war? Ein Zweifel, der mir immer wieder kam, obgleich ich wusste, dass sie so nicht dachte. Sie war so anders als alle Frauen, die ich je gekannt hatte. Sie war so viel stärker, sie wusste was sie wollte und einst hatte sie mich gewollt. Und ich sie mehr als alles andere, doch es hatte nicht sein sollen. Immer wieder fragte ich mich, ob wir diese Liebe hätten führen können, wenn ich nicht geflohen wäre, nachdem ich ihr meine Liebe gestanden hatte. Doch damals schien es mir das einzig Richtige. Sie hatte mich einfach bloß angesehen. Und dann? Ja dann hatte sie einfach nichts gesagt. Damals war ich sicher gewesen, dass sie mich ablehnte. Dass sie mich je so küssen würde, wie sie es beinahe ein Jahr später getan hatte, hätte ich nie für möglich gehalten. Nie. Dieser damalige Irrtum ließ mich hoffen, dass ich auch falsch lag, wenn ich glaubte sie würde nun einen anderen lieben. Gerade in diesen Gedanken drang eine Stimme zu mir, die ich seit Jahren immer wieder hörte. Eine wunderschöne Melodie. Sie sang von Ferne und Heimat. Ich wusste nicht, woher diese Melodie kam, doch sie schien vor Magie zu pulsieren. Anfänglich hatte ich diese Magie gefürchtet. Doch dann hatte ich begonnen sie in mir aufzunehmen. Sie stärkte mich, gab mir Halt. Heute jedoch war sie noch stärker als gewöhnlich. Ich zögerte keine Sekunde und nutzte sie, um mich zu verwandeln. >Laines Sicht< Tiara hatte mich wiedereinmal dazu gedrängt vor den Gästen zu singen. Nun stieg ich unter lautem Applaus von der Bühne. Selbstverständlich genoss ich diesen, doch irgendwie fürchtete ich diese Bühne vor jedem Lied mehr als eine Horde Todesser. Doch zu Gedanken über Todesser blieb mir keine Zeit. Der Mann mit der Pestmaske, der nun schon seit drei Jahre zu jedem meiner Auftritte kam, trat auf mich zu, verneigte sich knapp und hielt mir seine Hand entgegen. „All diese Leute tanzen, darf ich auch dich um einen Tanz bitten“, lächelte er kühl. Doch ich kannte ihn inzwischen gut genug, um zu wissen, dass er eben etwas anders war. Seine Berührung ließ mir den Kopf schwirren. Ja, ich hatte mich bereits in diesen Mann verliebt, von dem ich nicht mal einen Namen kannte. Doch das störte mich nicht. Vielleicht war es gut, dass er eine Art Illusion blieb. Er war keiner von den Guten, also auch kein guter Partner für eine Kriegerin des Ordens. Mein Herz schlug mir bis zum Hals, als er mich in Tanzhaltung zog und mich zärtlich aber bestimmt führte. So verging der Abend. Irgendwann hatte ich mich von ihm lösen müssen und trug nun einige Müllsäcke in den Hinterhof. Gerade, als ich die Säcke in den Container gehievt hatte, schrak ich zusammen. große, gelbe Augen starrten mich an. Doch nach dem ersten Schreck beruhigte ich mich schnell. Er war ein Animagus. Das konnte ich spüren. Warum ich so was spüren konnte, war mir ein Rätsel, doch ich konnte es. Also zog ich meinen Zauberstab. „Wer bist du?“ Da plötzlich begann sich der Hund zu verwandeln. Wurde menschlich. Ein vollkommen geschundener Mann stand vor mir. Das lange schwarze Haar in filzigen Strähnen im verdreckten Gesicht. „Tiara“, flüsterte er. Klar, ich war mir bewusst, dass meine Schwester und ich uns sehr ähnelten, doch nur jemandem, der mich nicht kannte, fiel der Unterschied tatsächlich nicht auf. „Nein, ich bin Laine“, erwiderte ich. Der gezeichnete Mann senkte den Kopf und er seufzte, als er mich wieder aus sturmgrauen Augen ansah. Er musste einst wunderschön gewesen sein. „Mein Name ist Sirius Black. Es tut mir leid, dass wir uns erst jetzt kennen lernen“, gab er zurück. Doch auch ohne diese Auskunft hätte ich gewusst, wer er war. Meine Schwester schrie in ihren Träumen jede Nacht nach ihm. Sie liebte diesen Mann. Wie sehr hatte ich nie verstehen können. Mir war diese Liebe bis jetzt immer fremd gewesen, doch in den Augen dieses Mannes brannte die selbe Liebe. „Komm mit, du solltest dich auf der Straße nicht blicken lassen.“ „Du bittest einen verurteilten Straftäter einfach so herein?“ „Ganz gleich was du getan hast, oder nicht, du liebst meine Schwester und würdest mir daher nie schaden.“ „Wie weißt du-?“ „Deine Augen“, grinste ich und führte ihn in den Schankraum. >Sirius‘ Sicht< Es verwirrte mich diese junge Frau zu sehen. Sehr sogar, doch in meinem Kopf waren für solche Gedanken kein Platz. Die Gewissheit Tiara wiederzusehen war atemberaubend. Brachte mich um den Verstand und ließ mir alle Sinne schwirren. Meine Tiara. Die Frau für die ich durch jede Hölle gehen würde. Sie brachte mich zu Lachen, zum Weinen und machte mich mit jedem Blick zu einem besseren Menschen. Einem Menschen, der Verantwortung übernehmen konnte und erwachsen geworden war. >Normale Sicht< Ich war gerade dabei eine Fuhre gespülter Gläser in den Schankraum zu tragen, als es mich wie ein Schlag traf. Vor Überraschung fiel mir das Tablett auf den Boden und mit lautem Klirren zersprangen die Gläser in hunderte Scherben. Dort stand er. Er, der Mann an den ich mein Herz verloren hatte. Kaum war er wiederzuerkennen, doch jede Faser meines Körpers wusste, dass dort Sirius Black stand. Die langen verfilzten Haar lagen ihm wirr um den Kopf, der eher dem Schädel eines Gerippes glich, als den Zügen des jungen Schönlings, den ich einst gekannt hatte. Auch seine Kleidung hing nur in Fetzen um seine knochige Erschienung. Seine Augen waren müde, doch voller Hoffnung. Dann endlich löste ich mich aus meiner Starre. Überbrückte die Meter zwischen uns und schloss ihn fest in die Arme. Ich konnte spüren, wie er vor Erleichterung seufzte und mich fest an sich zog. Geschunden oder nicht, ich liebte ihn. Hatte es ab seinem ersten Lachen getan. Auch wenn ich es damals nicht wahrhaben wollte, weil er doch Timmys Freund gewesen war. Doch ich liebte diese wilde, freie Art. Der Wille für seine Freiheit und jene, die er liebt zu kämpfen. Zu kämpfen bis in den Tod. Sein Herz schlug ebenso ungezähmt, wie das meine. Und mein Herz würde für ihn schlagen, so lange es konnte. Wie ein Stromschlag durchfuhr mich sein Kuss. Es lag so vieles Ungesagtes und noch mehr Zuneigung darin. Sehnsucht, die ich nicht zu beschreiben vermochte. Bei unserem ersten Kuss war das anders gewesen. Damals stand die Angst im Raum und die Gewissheit einander lange nicht wiederzusehen. Diesmal war ich gewiss, dass ich ihn nie wieder verlassen würde. Und so wie er mich küsste, so wusste ich, dass er ebenso empfand. Es rauschte mir der Kopf, wie nach einer langen irischen Nacht und mein Blut kochte vor Freude und Verlangen. „Lass mich nie mehr los“, wisperte er plötzlich. „Ich liebe dich.“ „Ohne dich kann ich nicht sein.“ Wie Adrenalin durchfuhren mich seine Worte. Sie waren so ehrlich, dass ich keine Sekunde an ihnen zweifelte. Was immer unsere Zukunft bringen würde, wir würden bis zum Ende zusammenstehen. Einander nie verraten und das band uns stärker, als jeder Fluch. Für immer.

23.44 % der User hatten die Auswertung: Hey Laine, na wie läuft es in der Schule? Hältst du die Lehrer auf Trapp? Ich wollte fragen, ob du über die Ferien nach Hause kommst? Wie geht’s Bill? Erzähl mal, ich habe hier schreckliche Langeweile! Kuss Deine Tiara Lächelnd faltete ich den Brief meiner großen Schwester zusammen und zog die Jacke enger um die Schultern. Es war Winter und mein letztes Jahr auf Hogwarts. Zitternd verließ ich die Eulerei und machte mich auf den Weg zur Bibliothek. Ich hatte mich dort mit Bill zum Lernen verabredet. Seit er Schulsprecher war, verbrachten wir wenig Zeit zusammen, doch da ich im Gegensatz zu ihm lernen musste, um gute Noten zu bekommen, wusste ich meine Zeit zu füllen. Lässig stand der rothaarige Junge an eine Wand gelehnt, als ich vor der Bibliothek eintraf. „Na stehst du schon lange hier?“ grinste ich und stieß ihn gegen die Schulter. „Ja, siehst du das nicht? Ich bekomme schon graue Haare“, gespielt empört sah er mich an und ich musste lachen. Ja, Bill war mein bester Freund. Es gab kaum etwas, über das ich nicht mit ihm sprechen konnte und keinen Unfug, den man mit ihm nicht anstellen konnte. Außerdem machte es ihm nichts aus, dass ich aus Ravenclaw kam. Dem Haus, das so oft als Streberhaus verschrieen war. Mich wunderte es manchmal auch ein wenig, dass ich dort gelandet war. Obwohl ich war klug, aber eben nicht, wenn es Zaubertränke anging. Manchmal dachte ich darüber nach hier abzubrechen und bei meiner Schwester im Pub zu arbeiten. Doch tief in mir wusste ich, dass mir das nicht reichte. Jetzt nicht mehr, da wir keine Aufträge mehr für den Orden erledigten. Seit Voldemort verschwunden war, führten wir doch tatsächlich ein vollkommen normales Geschäft. Oder besser, meine Schwester führte. Ich half nur in meinen Ferien aus. Doch diese Ferien würde ich sie enttäuschen müssen. Bill hatte mich in den Fuchsbau eingeladen und ich würde mir ein Weihnachtsfest bei den Weasleys sicher nicht entgehen lassen. Doch wie ich sie kannte, hatte sie ohnehin genug Gesellschaft. Peet, der beste Freund und langjähriger Angestellter meiner Schwester, blieb dieses Weihnachten zu Hause und auch Remus Lupin hatte sich angekündigt. Remus war ein alter Schulfreund meiner Schwester und irgendwie mochte ich ihn auch. Selbst wenn er manchmal etwas schweigsam war. „Tiara fragt, wie’s dir geht. Soll ich ihr schreiben, dass du dir diese Kleine aus Huffelpuff aufgerissen hast?“ „Bitte nicht. Damit würde sie mich den Rest ihres Lebens aufziehen.“ „Zu Recht. Echt, Bill, die ist doch hohl, wie ein Troll!“ „Ey.“ „Schon okay“, murrte ich. Das war unser Deal. Nie die Beziehungen des anderen in Frage stellen. Bill schien da nämlich eine große Vorliebe für Schrumpfhirne zu haben, wohingegen ich die Arschlöcher förmlich anzuziehen schien. „Charlie schwärmt übrigens immer noch von deinem Flugstil“, witzelte er. Ich wusste genau auf was er anspielte. Ich war Hüterin für mein Haus und wir hatten die Gryffindors beim letzten Spiel so was von nass gemacht. Keinen einzigen Quaffel hatte ich nicht gefangen. Tja, wer kann, der kann. Seither musste Charlie wohl seinen Bruder über mich ausgefragt haben. „Ja, selbst die Zwillinge ziehen ihn schon damit auf.“ „Oh Gott, da bin ich mir nicht mehr so sicher, ob Weihnachten bei euch feiern so eine gute Idee ist.“ „Doch, das ist sie! Vertrau mir!“ „Ich habe Angst, wenn Gespräche mit dir einen solchen Satz beinhalten.“ „Ach jetzt mach dir mal nicht ins Hemd!“ „Spinner!“ Lachend wurden wir aus der Bibliothek geschmissen. Zu laut und solche Dinge hatte man uns gesagt. Ach egal. „Gut, wir sehn uns dann“, lachte Bill und ich nickte, ehe ich mich auf den Weg zum Ravenclawturm machte. Weihnachten kam und ging. Es war wirklich schön gewesen, auch wenn die Zwillinge unglaublich anstrengend waren. Es waren gerade Sommerferien, weshalb ich beschlossen hatte meiner Schwester noch etwas unter die Arme zu greifen, bevor ich meine Ausbildung beginnen würde. Eine Ausbildung bei Ollivander. Wie stolz ich darauf war, konnte ich kaum in Worte fassen. Die Kunst des Zauberstabmachens war alt und kompliziert, doch ich würde sie erlernen. Genial. Aber vorher hieß es Bier zapfen und Gläser spülen. „He Peet, cooles neues Tattoo“, grinste ich und ein großer glatzköpfiger Mann lachte rau, bevor er mir einen Schwung saubere Gläser abnahm. „Danke, aber du hast dich ja im letzten Jahr auch noch ein wenig bebildern lassen“, stellte er fest. Und er hatte Recht. Wie meiner Schwester war auch ich dieser Körperkunst verfallen. So waren meine schlanken Arme bereits übersäht von keltischen Mustern. Auf meinem Rücken jedoch befand sich ein riesiger Phönix mit ausgebreiteten Flügeln. Ja, meine politische Einstellung hatte ich verewigen lassen. Obwohl man das so eigentlich nicht sagen konnte. Als Hexe war es mir möglich mich von diesen Tintenwerken auch wieder spurenlos zu verabschieden. Doch das hatte ich nicht vor. Sie gefielen mir und waren Teil meines Seins. Ebenso wie meine Schwester hatte ich langes gewelltes goldblondes Haar, doch war ich sicherlich einen halben Kopf größer, als sie. Wir hatten viel gemeinsam. Vor allem aber die Liebe zu Irland, der Heimat unserer Großeltern. Seit deren Tod hatte sich hier viel verändert, doch der grüne Zauber war geblieben. Heute Abend war die irische Party, die meine Schwester und ich jährlich ausrichteten. Es war eine Art Maskenball. Ich trug ein dunkelgrünes Cocktailkleid aus Samt und hatte mir Elfenohren angeklebt. Dazu hatte ich die blonden Haare mit kunstvollen Flechtungen verziert. Tiara meinte ich würde sie an eine von Tolkiens Elben erinnern. Das ließ mich lachen, während ich ein Tablett mit Guinness durch die Menge balancierte. Es war noch keine fünf Uhr und doch tummelten sich schon etliche Gäste in der liebevoll eingerichteten Kneipe. Ich freute mich jedes Mal, dass so viele wirklich verkleidet waren. Die meisten selbstverständlich als irgendetwas Irisches. Doch auch einige Teufel und Dämonen tummelten sich an den Tischen. Grinsend stellte ich das Tablett auf einen Tisch, an dem vier Wassergeister saßen. Die Hexen hatten sich mit grünblauer Farbe die Gesichter angemalt und doch erkannte ich sie alle sofort. „Einen wunderschönen Abend den Damen Professoren“, lachte ich und stellte Minerva McGonagall, Rolanda Hooch, Poppy Pomfrey und Pomona Sprout je ein Glas vor die Nase. „Wie geht es Ihnen, Miss O’Connal?“ „Oh sehr gut, vermissen Sie mich etwa schon?“ Die Frauen lachten, während ich mich neuen Kunden widmete. Etwa eine Stunde später begann eine echtirische Band zu spielen und erfüllte den Pub mit dem Klang der Ferne. Einige begannen auf engstem Raum zu tanzen und es wurde immer schwerer die Tablette heile an ihren Bestimmungsort zu transportieren. Ich hatte gerade eine Fuhre Whiskey auf dem Tablett, als ich plötzlich einem großen Mann gegenüberstand. Er trug eine schwarze Pestmaske und einen Gehrock im venezianischen Stil. Wirklich ein sehr schönes Kostüm. Seine grauen Augen fixierten mich unablässig. „Kann ich Ihnen etwas zu Trinken anbieten?“ erkundigte ich mich nach einigen Herzschlägen. Er musterte mich knapp mit einem abschätzigen Blick. Doch noch bevor er zu einer überheblichen Antwort ansetzen konnte, drückte ich ihm ein Glas Whiskey in die Hand. „Trinken Sie und schenken Sie mir ein Lächeln. Das hier ist ein Fest“, lachte ich und er schien kurz sprachlos. Meine offene und wilde Art schien ihn zu überfordern. Dann stürzte er den Inhalt des Glases hinunter und schob sich an mir vorbei. Komischer Kauz. So zog sich der Abend. Irgendwann packte mich meine Schwester am Handgelenk und zerrte mich zur Bühne. „Komm schon, sing uns was vor. Die Band kann dich sicher begleiten“, lachte sie, während ich mich wehrte und versuchte mich von ihr loszureißen. „Tiara, ich kann das nicht“, protestierte ich. „Und ob du das kannst“, gab Tiara zurück. In diesem Moment packte mich Peet an der Hüfte und hob mich einfach auf die Bühne. Widerstand war zwecklos, das wusste ich. >Seine Sicht< Eigentlich hatte ich absolut keine Lust auf dieses Fest. Doch man erwartete von mir, dass ich versuchte hinter Tiaras Geheimnis zu kommen. Sie war in jedem Fall im Orden, doch es hatte sich noch keine Gelegenheit geboten sie dranzukriegen. Also saß ich hier zwischen all diesen Lachfiguren. Blutsverräter und Schlammblüter. Pah! Gerade, als ich nach einem Grund suchte, zu gehen, bot sich mir einer, um zu bleiben. Es war die Kleine, die mich vorhin zum Trinken gezwungen hatte. Jetzt stand sie jedoch auf der Bühne und erfüllte den Raum mit einer Stimme, der eines Engels gleich. Sie schien jegliches Gewicht von meinen Schultern zu nehmen. Wischte alle Sorgen, alle Ängste fort. Sie sang zu der Geige und keiner wagte ein Geräusch zu machen. Selbst mein Atem schien mir zu laut. Alles in mir kribbelte. Was war das für ein Gefühl? Ganz so, als wüsche ihre warme Stimme meine Seele rein. Gleichzeitig brannten alle meine Gräueltaten wie Feuer in meiner Brust. Hin und hergerissen, zwischen der Flucht und dem Verlangen ihr zu lauschen. Als sie endete, brachte mich mein Herz fast um den Verstand. Was machte sie mit mir? Was machte diese Stimme mit mir? Die Sehnsucht ihres Liedes hatte die Sehnsucht in mir selbst entfacht. Doch ich sehnte mich nicht nach Macht, oder Geld. Nein diese Sehnsucht hatte sie mir für einen Moment genommen. Etwas in mir wollte die Welt sehen, die sie in ihrem Lied beschrieben hatte. Doch was dachte ich da? Ich hatte Frau und Kind. Einen Beruf, der mir viel Geld einbrachte und ein Leben, dass nie mit ihrer Freiheit vereinbar wäre. Gerade, als ich beschlossen hatte sie zu vergessen, lief sie auf mich zu. Erst jetzt fiel mir auf, dass ich sie unablässig angestarrt hatte. „Wollen Sie immer noch nichts trinken?“ Sie sah mich so offen an, dass es mich vollkommen entwaffnete. Für gewöhnlich misstrauten mir die Menschen. Und das mit Recht. Doch sie begegnete mir mit einer solchen Freiheit in den Augen, dass mir die Worte fehlten. So war es mir noch nie ergangen. Ich wusste schon immer mich auszudrücken, zu manipulieren und mich aus der Affäre zu ziehen. Das hatte ich von meinen Eltern mein Leben lang gelernt. Ihre Werte, ihre Art zu leben, all das hatte ich verinnerlicht und stets für richtig gehalten. Doch jetzt wankte dieser Turm der Sicherheit. „Gut, sind Sie vielleicht stumm? Naja, in jedem Fall werde ich Ihnen jetzt ein Bier bringen. Das hier kann ich ja nicht mit ansehen.“ Und bevor ich etwas erwidern konnte, war sie zwischen den Leuten verschwunden. Als sie zurückkehrte trug sie zwei Gläser in der Hand und ließ sich mir gegenüber sinken. Sie hatte wunderschöne Augen, die blitzten, als ich mich an einem flüchtigen Lächeln versuchte. Was tat ich hier? So war ich nicht! Ich war kalt, oberflächlich und gewissenlos. „Also, was treibt Sie her? Das Fest ist es ja offensichtlich nicht“, plapperte sie los und schob mir ein Glas vor die Nase, ehe sie an ihrem nippte. „Die Arbeit“, antwortete ich ohne es verhindern zu können. „Oh, also wollen Sie meiner Schwester schaden?“ „Wie kommen Sie darauf?“ „Naja Sie wirken eher wie Jemand vom Ministerium, als Jemand der Reiseführer schreibt.“ Sie schien mich vollkommen durchschaut zu haben. Dabei konnte sie unmöglich schon lange ihren Abschluss haben. „Da haben Sie Recht, doch bisher scheint es hier ja nur mit rechten Dingen zuzugehen“, antwortete ich. Schon wieder überraschte mich meine Ehrlichkeit. Was stellte sie mit mir an? „Alles in Ordnung?“ Sie hatte den Kopf schräg gelegt und sah mir direkt in die Augen. „Ja.“ „Ich scheine Sie zu stören, einen schönen Abend noch“, meinte sie nach einer Weile und wollte sich erheben. Puh. Nein! Sie sollte bleiben. Mein Herz wollte, dass sie blieb. Nie hatte ich so empfunden. Ich wollte unbedingt wissen, was das war! „Nein, bitte bleiben Sie“, sagte ich, vielleicht ein wenig zu laut, doch sie lächelte und ließ sich wieder sinken, „Sie haben übrigens eine wundervolle Stimme.“ „Danke“, lächelte sie und nippte erneut an ihrem Glas. >Normale Sicht< Ich unterhielt mich noch lange mit dem Fremden. Er war steif und ab und an sehr kühl, doch irgendwie war es leicht mit ihm zu reden. Irgendwann ging er und ich war froh darum. Seltsamer Mann und ich hoffte ihn nicht wiederzusehen. Er war keiner von den Guten, dass hatte ich gespürt und ich wollte mir mein Herz nicht brechen lassen. „Wir möchten einen Zauberstab für unseren Sohn“, schnarrte eine kühle Stimme im Verkaufsraum. Ollivander war gerade einige Erledigungen tätigen gegangen und er meinte ich seie ohnehin soweit Kunden zu bedienen. Ich war in diesem Sommer 21 Jahre alt geworden und hatte meine Ausbildung nun fast abgeschlossen. Dennoch gedachte ich, auf Ollivanders Bitte hin, weiterhin für ihn zu arbeiten. Er seie nun auch schon alt und hoffe durch mich irgendwann einen Erben zu haben. Das hatte er gesagt und es erfüllte mich noch immer mit Stolz. So trat ich nun aus dem Lager in den spärlich beleuchteten Verkaufsraum. Dort standen drei adrett gekleidete Gestalten. Eine Frau mit strengen Zügen, weißblondem, jedoch offensichtlich gefärbtem Haar. Ihr grünes Kostüm musste mehrere meiner Monatsgehälter gekostet haben, ebenso, wie die schwarze Ledertasche, die um ihr Handgelenk baumelte. Ich war mir sicher, dass sie heute Morgen einen Stock gefrühstückt hatte. Obwohl bei der Talje hatte sie vermutlich überhaupt nicht gefrühstückt. Vor ihr stand ein schmächtiger Junge, mit ebenso bleichem Gesicht und hellen Haaren. Seine grauen Augen waren voller Hochmut. Kleiner verwöhnter Bengel dachte ich, während ich den Vater der kleinen Familie musterte. Groß, muskulös und altmodisch gekleidet. Das lange weißblonde Haar fiel ihm gekämmt um die Schultern, die er streng gestrafft hatte. In der Hand trug er einen Gehstock mit silbernem Schlangenkopf. Doch anders, als die Augen dieser Schlange waren seine Augen keine Smaragde. Sie waren von eben dem kalten grau, wie die seines Sohnes. Doch schien sich etwas in seinem Blick zu verändern, als ich ihm direkt in die Augen sah. Er regte sich keinen Millimeter. Es schien, als glaube er keiner könne seinem Blick standhalten. Doch ich konnte. Sehr gut sogar. „Guten Tag. Mr. Ollivander ist leider unterwegs, doch wenn Sie möchten, kann ich Ihnen auch weiterhelfen“, sagte ich freundlich und sah ihm immer noch direkt in die Augen. „Ich wusste gar nicht, dass Ollivander eine Sekretärin hat“, bemerkte die Frau spitz. Ihr war offenbar aufgefallen, wie mich ihr Mann anstarrte. Doch ich würde ihn nicht gewinnen lassen. Zudem kränkte mich ihre Bemerkung nicht. Schließlich war ich keine Sekretärin. „Hat er auch nicht. Ich bin seine Auszubildende. Und ich denke bei einem so starken Charakter, wie dem Ihres Sohnes wird es auch mir möglich sein, mit meinen erst drei Jahren Erfahrung, den richtigen Zauberstab zu finden“, lächelte ich und auch auf die starrten Züge des Mannes schlich sich ein flüchtiges Lächeln. „Lucius“, zischte die Frau und er sah sie an. Ha! Gewonnen! Lächelnd wandte ich mich an den Jungen. „Dann wollen wir doch mal sehn, was ich für dich tun kann“, sagte ich und ein magisches Maßband begann um den Jungen herumzusurren, bevor es mir ins Lager folgte, während es die Messergebnisse vortrug. Sehr praktisches kleines Ding. Mit drei Schachteln kehrte ich zurück. „So zuerst mal etwas Offensichtliches: 11 œ Zoll, Eibe mit einem Kern aus Drachenherzfaser, unbiegsam“, sagte ich und drehte den Zauberstab einmal bewundernd durch die Finger, ehe ich ihn dem weißblonden Jungen reichte. Er schien zu wissen, wie man einen Zauberstab benutzte, jedenfalls bewegte er sich so damit. Doch als er ihn durch die Luft schwang, explodierte eine filigrane Vase auf dem Tresen. „Nun, wohl eher nicht. Aber so gar nicht. Dann lassen Sie mich etwas versuchen, junger Mann“, murmelte ich und drückte ihm einen hellbraunen Zauberstab in die Hand. Augenblicklich umgab den Stab ein goldener Schein und Funken sprühten, als der Junge den Zauberstab gekonnt durch die Luft schnellen ließ. Fragend sah mich die Frau an. „Oh, Verzeihung. 10 Zoll, Weißdorn, federnd und mit einen Kern aus Einhornhaar. Ein wundervoller Zauberstab. Sehr wandelbar und fassettenreich.“ Ihr Gesichtsausdruck mäanderte zwischen schockiert und stolz. Dieser Zauberstab war definitiv keiner, der sich an schwarzer Magie vergehen würde. Sollte sich so ein Zauberstab herumsprechen in solch düsteren Kreisen, wie jenen in denen sich diese beiden Erwachsenen zu bewegen schienen, so würde das sicher für Gerede sorgen. „Darf ich fragen, wie sich Ihr Zauberstab zusammensetzt?“ erkundigte sich der Mann mit einem Mal. Seine Stimme war rau und dennoch lag ein Hauch Neugier darin. „Nun was denken Sie?“ gab ich kokett zurück und drehte den vollkommen schwarzen Stab einmal zwischen den Fingern. „Der Farbe nach, wird es sich um Ebenholz handeln. Sehr selten“, sagte er und wieder umspielte ein Lächeln sein markantes Kinn. „Die Tradition Ebenholz für Zauberstäbe zu nutzen ist alt. Man schreibt dem Ebenholz dabei die Fähigkeit zu selbst Dämonen verletzen zu können“, erklärte ich und der Mann hörte mir interessiert zu, während seine Frau sichtlich genervt auf die Uhr sah, die über dem Tresen hing. „Nun als Kern vermute ich Phönixfeder?“ „Sie glauben ich sei klug und überlegt? Darüber hinaus schreibt man dem Phönix große magische, wie körperliche Kraft zu. Diese Einschätzung schmeichelt mir, doch ich muss gestehen auch in diesem Bereich etwas Besonderes zu sein. Der Kern meines Zauberstabes ist aus der Herzfaser eines Mantikors.“ „Dann sind Sie für wahr etwas Besonderes, Miss.“ „Danke“, lächelte ich nickend. „Wir würden dann auch gerne zahlen“, drängte die Frau. „Lassen sie mich raten: Stechpalme, Veelahaar?“ Vollkommen baff sah sie mich an. Ich konnte nur grinsen und kassierte sie ab. „Mein Name ist übrigens Lucius Malfoy“, sagte der Mann und reichte mir seine Hand zum Abschied. „Definitiv ein Kandidat für Drachenherzfaser“, lachte ich und seine grauen Augen zuckten. Als die Drei verschwunden waren, musste ich kurz lachen. Ich hatte doch gerade tatsächlich die Malfoys kennen gelernt. Und Lucius hatte ganz hemmungslos mit mir geflirtet. Doch das nur aus einem Grund und ich kannte ihn: Sie warben schwarze Hexer. Die Jahre gingen ins Land. Sechs, um genau zu sein. Voldemort war zurück und ich kämpfte an erster Front verbissen im Widerstand. Meine Schwester hingegen hatte sich selbst verloren, als vor knapp einem Jahr ihre große Liebe starb. Seither streunte sie durch die Lande und meuchelte Todesser. Ich konnte nicht gutheißen, was sie tat, doch ich liebte sie und das würde ich immer tun. Bills Hochzeit stand an und ich hatte mich bereits vor einer Stunde angefangen schick zu machen. Jetzt gefiel ich mir endlich und griff mir meine Handtasche, bevor ich apperierte. Im Fuchsbau angekommen begrüßte ich Remus, Tonks und den Rest des Ordens herzlich. Dann umarmten mich viele Weasleys. Ihnen folgte ein verkleideter Harry Potter und eine unglaublich kluge Hexe mit Namen Hermine Granger. Es machte mich verdammt stolz, dass ich es einst war, die ihr ihren Zauberstab verkauft hatte, mit dem sie jetzt so Großes vollbrachte. Selbst Xenophilius Lovegood und seine Tochter waren gekommen. Ich freute mich so sehr für Bill und Fleur, dass es so viele gewagt hatten. All ihre Freunde waren hier. Dieses Gefühl hielt während der gesamten Zeremonie. Unbeschwertheit und Glückseeligkeit. Dieser Moment Freiheit und Frieden, um dessen Vergänglichkeit wir alle wussten. Ich tanzte und lachte viel. Vor allem mit Charlie. Er war einfach immer noch ein unglaublich offenherziger Mensch. Irgendwann traf ich Fleur für einen Moment ohne Bill. Da hielt ich es nicht mehr aus und umarmte die junge Frau, die ich eigentlich kaum kannte. „Pass auf ihn auf und stell sicher, dass ihr das alles überlebt. Menschen wie ihr es seid, wird diese Welt für ihren Wiederaufbau brauchen!“ Die Blondine war vollkommen überfordert, zog mich aber eng an sich. Dann lachte sie und ließ mich los. „Für so erzlisch atte ich disch nischt gealten“, gestand sie strahlend. „Das ist auch echt eine Seltenheit“, lachte nun Bill. „So oft bekomme ich dazu ja nicht Gelegenheit“, grinste ich schräg. Fleur lachte, „dann sollten wir daran arbeiten!“ „Weißt du, Fleur, ich gestehe dir, ich hatte anfänglich meine Zweifel. Zu unserer Schulzeit war Bill dafür bekannt, vollkommen dumme Puten zu treffen. Aber du bist alles andere, als eine dumme Pute und ich wünsche euch beiden alles Glück dieser Welt.“ „Darauf sollten wir schnell anstoßen. Für gewöhnlich neigt Laine nicht zu solchen Gefühlsbekundungen“, rief Bill und schleppte uns zur Bar. Gerade, als wir die Gläser hoben, erschien ein silbriger Patronus. „Sie kommen“, rief er mit Kingsleys Stimme. Augenblicklich brach Panik aus. Ich hörte, wie Bill schrie, ich solle verschwinden. Sah, wie überall Zauberer disapperierten. Doch ich würde bleiben. Bleiben, bis alle Kinder in Sicherheit waren. „Laine!“ „Charlie, sind alle in Sicherheit?“ „Ich kann Ginny nicht finden.“ Ich nickte und machte mich auf die Suche. Charlie hatte zu Beginn der Hochzeit Ginny zugewiesen bekommen. Jeder von uns hatte jemanden bekommen, auf den er achten sollte. In meinem Fall hatte es sich um Luna Lovegood gehandelt, doch sie war rechtzeitig mit ihrem Vater disapperiert. In dem entstandenen Durcheinander tauchten plötzlich schwarze Schatten auf. Todesser. Überall. Grüne Blitze zuckten durch die Luft. „Stupor“, hörte ich plötzlich eine bekannte Stimme. „Ginny!“ „Laine! Ich bin hier!“ „Ich hab sie, verschwinde“, hörte ich Charlie durch den Rauch. Irgendwer hatte einige Kerzen umgestoßen. Das Zelt brannte, doch es war lange nicht so tödlich, wie die grünen Blitze, die mir plötzlich den Weg versperrten. Das durchkreuzte meinen Plan einfach zu verschwinden. „Serpensortia“, brüllte ich und eine gigantische Schlange riss einen Todesser von den Beinen. Ich rannte aus dem Zelt, doch was ich sah, verschlug mir die Sprache. Bellatrix Lestrange stand Rücken an Rücken mit ihrer Schwester und sie folterten unteranderem eine alte Frau, die ich sofort erkannte. „Tantchen Muriel“, rief ich. „Oh, sollte die Alte etwa doch jemanden hier haben, der für sie kämpft?“ „Lass sie gehen, Bella!“ „Warum?“ „Sie ist doch nur eine alte Frau!“ „Ebenso, wie dein alter Freund, oder?“ zischte Narzissa. Fragend sah ich sie an. „Ollivander, ist doch dein Freund, oder?“ „Was hast du ihm angetan?“ „Hm, lass mich mal überlegen“, grinste sie. „Stupor“, Narzissa flog mehrere Meter zurück. „Das du es wagst“, bellte Bellatrix, ließ von Muriel ab und ging nun auf mich los. Unser Kampf war erbittert und auf Leben und Tod. „Halt“, schrie plötzlich Narzissa durch die Nacht. Augenblicklich hielten wir inne. Eiskalt drückte sie Muriel ihren Zauberstab an den Hals. Bellatrix lachte und holte zum Todesfluch gegen mich aus. „Nein, Bella.“ Fragend sah die schwarzhaarige Frau ihre Schwester an. „Das da ist die Schlampe wegen der mich Lucius verlassen hat. Ich will sie mitnehmen.“ Was? Ich verstand die Welt nicht mehr. Ich kannte Lucius doch kaum. Um genau zu sein hatte ich ihn nur einmal in meinem Leben getroffen und das war bei dem Kauf des Zauberstabs für seinen Sohn gewesen. Keiner ihrer Flüche hatte mich wirklich erreicht. Ich war zu benommen von Narzissas Worten gewesen. Die Zelle in der ich saß, war eiskalt. Ich spürte meine gebrochenen Knochen kaum. Viel größer war die Angst um Ollivander. Was hatten sie ihm angetan? Oder hatte Narzissa nur geblufft? Warum hatte ich mich ablenken lassen? Weshalb, hatte ich zu spät reagiert, um Bellatrix’ Folterfluch zu blocken? Sonst war doch mein Zauberstab die selbstverständliche Verlängerung meines Arms und reagierte instinktiv. Da vernahm ich Schritte. Augenblicklich war ich aufgesprungen und sah wachsam zu der Gittertür meiner Zelle. Wo genau ich mich befand wusste ich nicht, doch ich vermutete, dass es eines der Todesserhäuser war. „Beim nächsten Mal wirst du gründlicher überlegen, was du dem Dunklen Lord erzählst“, rief eine raue Männerstimme und schubste eine in Lumpen gewandte Gestalt durch die inzwischen offene Tür. Ich reagierte ohne zu denken und fing den Mann auf, der auf mich zustürzte. Ein erstickter Schrei entrann meiner Kehle, als ich ihn erkannte. „Mr. Ollivander“, flüsterte ich und strich ihm eine Strähne aus dem blutverschmierten Gesicht. Dann richtete sich mein Blick starr auf den Mann, der dort in der Tür stand. Lange weißblonde Haare lagen ihm wirr um die Schultern und die kalten Augen musterten mich. „Malfoy“, spuckte ich. „Lumus“, sagte er und im Schein seines Zauberstabes weiteten sich seine Augen, als er mich erkannte. Doch warum schaute er so? Er kannte mich doch gar nicht! „Nox“, und schon war er verschwunden. „Was machst du hier?“ wisperte Ollivander, nachdem ich ihn auf eine Pritsche gesetzt hatte. „Sie haben mich auf Bills Hochzeit gekriegt.“ „Aber warum haben sie dich am Leben gelassen?“ „Um mich zu foltern.“ „Aber du weißt doch gar nichts, oder?“ „Narzissa beschuldigt mich, dass Lucius sie wegen mir verlassen hat. Aber das ist doch vollkommener Irrsinn.“ „Vielleicht. Doch die Malfoys leben schon seit Jahren getrennt, auch wenn sie sich noch ein Haus teilen.“ „Aber was hat das mit mir zu tun, ich kenn ihn doch gar nicht.“ „Er dich aber offensichtlich. Zumindest hat er gerade so reagiert.“ „Seltsam.“ „Wir müssen dich hier raus kriegen. Narzissa ist stinksauer. Sie wird dich noch umbringen.“ „Das soll sie nur einmal versuchen“, lachte ich bitter. „Aber das erklärt, warum sie deinen Zauberstab benutzt. Sie prahlte vor Bellatrix damit, dass auch sie diesen Zauberstab beherrschen würde.“ „Doch das wird sie nicht“, murmelte ich. „Er wird sie töten, wenn sie ihn gegen dich richtet.“ „Ich weiß. Der Kopf dieses Zauberstabes ist eigener, als der der meisten anderen.“ „Er ist das Werk einer Banshee. Sehr gefährlich und ebenso listig, wie atemberaubend.“ „Ich muss mit ihr sprechen.“ „Du willst sie doch nicht etwa warnen?“ „Mr. Ollivander, vielleicht ist sie verletzt und wütend, doch sie war nie grausam. Sie hat sich dieses Leben nicht für sich und ihren Sohn gewünscht.“ „Woher nimmst du diesen Sinn für Gerechtigkeit einer Frau gegenüber, die dich folterte.“ „Wenn ich in ihren Augen der Grund dafür bin, dass Lucius sie verließ, dann verstehe ich ihre Wut, ihren gekränkten Stolz.“ Ollivander nickte und beließ es dabei. Dennoch konnte ich spüren, dass es ihm missfiel, dass ich Narzissa trotz ihrer Taten schützen wollte. So vergingen die Tage und es geschah nichts. Niemand kam um uns zu foltern. Nur eine Hauselfe brachte uns ab und an etwas zu Essen. „Danke. Wie heißt du?“ „Die Herrin verbietet mit den Gefangenen zu sprechen“, sagte das Geschöpf bloß, als ich es nach knapp einer Woche zum ersten Mal ansprach. Die Elfendame hatte mich so seltsam angesehen. Ganz so, als würde sie mich mustern. „Gut, dann sag aber deiner Herrin bitte, dass ich dringend mit ihr sprechen muss. Es ist wichtig.“ Die Elfe nickte und verschwand. Was genau ich davon halte sollte, wusste ich nicht, doch ich setzte mich und aß schweigend. Währenddessen lief Ollivander unablässig in unserer Zelle auf und ab. „Was haben Sie?“ „Was weißt du über den Elderstab?“ „Dass er eines der Heiligtümer des Todes ist. Der Legende nach der mächtigste Zauberstab der Welt. Doch es ist ein Mythos.“ „Das denke ich auch. Dennoch fragte mich Du-weißt-schon-wer danach. Er sucht ihn. Wir müssen beten, dass er ihn nicht findet.“ „Allerdings“, schnaubte ich und wollte mir nicht ausmalen, was geschehen würde, wenn Voldemort diesen Zauberstab in die Hände bekommen könnte. Es vergingen weitere Tage. Dann wurde es mit einem Schlag hell. Im Schein seines Zauberstabes stand ein kleiner dicker Mann mit schütterem blonden Haar. „Wurmschwanz“, spuckte ich verächtlich. Er hatte damals James und Lily Potter verraten und Sirius ins Gefängnis gebracht. Ein widerlicher, verachtenswerter Wurm. „Mitkommen“, grinste er schmierig und winkte mich zu sich. „Bitte zügle deine Zunge“, flüsterte Ollivander. „Der Alte hat Recht. Du solltest die Hausherrin nicht verärgern.“ „Sei still. Ich brauche den Rat von verräterischem Abschaum nicht“, sagte ich. Also folgte ich Wurmschwanz die Treppen hinauf in einen großen Tafelsaal. Dort standen zwei Frauen und drei Männer. Bellatrix und Narzissa hatten Mienen aus Eis. Rodolphus hingegen wirkte vollkommen teilnahmslos. Draco hatte die Schultern schüchtern hängen gelassen und Lucius konnte meinem Blick keine Sekunde standhalten. Er war gebrochen worden, das sah man in jedem seiner Züge. Stolz und Überheblichkeit waren daraus verschwunden. Die grauen Augen hatten ihren Glanz verloren und ein Drei-Tage-Bart ließ ihn noch geschundener wirken. Dieser Mann hatte nichts mehr mit jenem gemein, der einst in Ollivanders Laden stand. Doch auch Narzissa hatte sich verändert. Sie wirkte noch zerbrechlicher und ständige Angst brannte in ihren Augen, auch wenn sie sich alle Mühe zu steifer Haltung gab. „Lucius, sieh sie dir an. Das soll eine Frau sein, die du Narzissa vorziehen würdest?“ höhnte Bellatrix mit schriller Stimme. Ihre Schwester war beim Klang der ersten Worte kaum merklich zusammengezuckt. „Ich könnte zu meiner Verteidigung sagen, dass ich diesen Mann nicht kenne, doch das würde bedeuten, dass ich mir einer Schuld bewusst wäre“, sagte ich gerade heraus. „Du dreckige Lügnerin!“ „Ich lüge n“, weiter kam ich nicht. Wütend war Narzissa auf mich zugerannt und hatte mich schallend geohrfeigt. „Jeden deiner Auftritte in diesem Pub hat er besucht. Deiner Stimme wegen. Willst du mir etwa weiß machen, dass du das nicht mitbekommen hast?“ „Was hat er?“ rutschte es mir heraus. Sollte das die Wahrheit sein? War der Mann, der stets nur kostümiert kam, Lucius Malfoy gewesen. Der Mann mit dem ich mich immer öfter und immer länger unterhalten hatte? Immer war er reserviert gewesen, doch er war immer da gewesen. Über Jahre hinweg. Vollkommen verblüfft sah ich zu dem weißblonden Zauberer, der eiskalt den Blick geradeaus gerichtet hatte. „Los Lucius, töte sie“, rief Bellatrix und schubste ihren ehemaligen Vetter auf mich zu. keine Regung stand in dem markanten Gesicht, doch ich dachte nicht im Traum daran um mein Leben zu betteln. Ich würde stolz und unbeugsam sterben. Diese Blöße würde ich mir nicht geben! „Nun mach schon“, drängte Rodolphus, als Lucius immer noch keine Anstallten machte, den Zauberstab zu heben. Was war los mit ihm? Er war ein Killer. Absolut kalt. Das wusste ich, ich hatte seine Gräueltaten gesehen. Sollte ich ihm tatsächlich etwas bedeuten? Zu solch einer Regung war dieser Widerling doch gar nicht fähig! „Na gut, wenn du sie nicht ermorden kannst, vielleicht willst du sie dann erlösen- Crutio“, schweigend ertrug ich Narzissas Folterfluch. Wie durch einen Schleier nahm ich mein Umfeld war. Sah, wie Lucius den Zauberstab hob, doch der erlösende Tod blieb aus. Stattdessen fiel ich zitternd zu Boden. „Crutio“, brüllte Narzissa erneut, doch nichts geschah. Flink rappelte ich mich auf und sah die blonde Frau mit meinem Zauberstab herumfuchteln. Doch dann wurde klar, dass nicht sie fuchtelte, sondern der Zauberstab versuchte sich ihrem Griff zu entwinden. „Lassen Sie ihn los“, brüllte ich panisch. „Nein, ich kann ihn kontrollieren!“ „Er wird Sie töten“, schrie ich und rannte auf Narzissa zu. „Sissi“, mischte sich jetzt Bellatrix’ hysterische Stimme unter die Unsrigen. Narzissas Arme wurden rot und die Haut begann Blasen zu schlagen. „Lass ihn los“, rief Bellatrix. „Ich kann ihn nicht loslassen“, gab sie zurück, bevor sie begann unter Schmerzen zu schreien. Keiner von ihnen beachtete mich. Ich könnte einfach so weglaufen, doch ich tat es nicht. Ich wollte sie nicht in diesen Qualen sterben lassen. Blitzschnell schob ich mich zwischen Bellatrix und Draco hindurch und schloss beide Hände um Narzissas Hand, in der sich der Zauberstab befand. „Vulnera Sanentur“, murmelte ich immer wieder. Narzissas Schreie verebbten. Rodolphus hatte Bellatrix gepackt und von ihrer Schwester weggezogen. Er hatte begriffen, dass ich ihr helfen konnte. Ein Zittern durchfuhr die Blondine, ehe sich ihre Finger lösten und mein Zauberstab ihnen entglitt. Ohne zu zögern schleuderte ich Bellatrix und Rodolphus eine Ganzkörperklammer entgegen. Draco war schluchzend neben seiner Mutter zusammengesunken, die inzwischen gleichmäßig aber sehr flach atmete. Lucius hatte sich keinen Millimeter gerührt. Also beachtete ich ihn nicht weiter, als ich neben Narzissa niederkniete. „Was ist mit ihr geschehen“, stotterte Draco. „Zauberstabmagie. Ich wollte sie warnen, doch sie wollte nicht mit mir sprechen.“ „Wird sie gesund?“ „Das liegt bei dir. Kümmere dich gut um sie. Sie braucht Ruhe und ihre Arme musst du kühlen. Zudem sollte sie viel trinken.“ Er nickte und strich seiner Mutter sanft über die Stirn, „warum tust du das?“ „Was?“ „Sie wollte dich töten.“ „Rache war nie meine Art. Ich war immer bestrebt jene zu schützen, die unschuldig sind. Vielleicht ist das deine Mutter nicht, doch es würde dein Herz zerreißen, wenn sie stirbt. Dich entgültig zu einem Todesser machen. Noch kannst du dagegen ankämpfen. Lass nicht zu, dass dieser schwarze Fluch dein Herz ergreift!“ „Dann tust du es um meinetwillen?“ „Nein, ich tue es für den Frieden. Am Ende wirst du entscheiden müssen, auf welcher Seite du stehst. Und ich kenne dein Wesen. Vergiss nicht, ich kenne deinen Zauberstab. Er ist nicht böse und du bist es auch nicht. Vertraue mir und vertraue auf dein Herz. Es wird dich leiten.“ „Danke“, sagte er bloß, als ich mich erhob. Ein flüchtiger Blick zu Lucius, ehe ich mich umwandte und in die Kerker eilen wollte. Doch eine kalte Hand umfasste mein Handgelenk, als ich die Treppenstufen erreichte. „Verschwinde von hier.“ „Nicht ohne Ollivander.“ „Dann werden sie dich jagen.“ „Sollen sie nur kommen.“ „Er wird dich töten“, ein gehetzter Ausdruck trat in die grauen Augen. „Warum sollte Sie das kümmern?“ ich musterte ihn skeptisch. „Bitte“, verwirrt sah ich ihn an. Jetzt war sein Blick flehend, „er weiß nicht, dass du hier bist. Er weiß nicht, dass es dich gibt. Flieh und komm nicht wieder.“ „Ich lasse meine Freunde nicht im Stich!“ „Dann musst du an mir vorbei“, sagte er und seine Miene wurde hart, wie Stein. Zögerlich wich ich einige Schritte von ihm zurück. Konnte ich diesen Mann töten, um Ollivander zu retten. Die Antwort war einfach. Ich kannte Lucius Malfoy nicht. Doch mein erster Fluch strafte diese Gedanken Lügen. Ich kannte ihn. Sehr gut sogar. Er war nicht nur grausam. Doch in diesem Moment stand er zwischen mir und einem Freund, der einem Vater gleich war. „Fein, doch ich werde Sie nicht schonen.“ Ich griff ihn an, doch er blockte meine Flüche. Griff mich nicht ein Mal an. Doch dann machte er zwei Schritte auf mich zu und packte mich mit seinem starken Arm und zog mich ganz eng an sich. Ich wollte mich wehren, doch aus irgendeinem Grund tat ich es nicht. Für einen winzigen Augenblick trafen mich seine sturmgrauen Augen. Dann spürte ich seine eiskalten Lippen fordernd auf meinen. Es war ein stürmischer Kuss und ich konnte nicht anders, als meine Finger in seinen Haaren zu vergraben. Er roch nach Rauch und irgendwie schmeckte er nach Wein. Eine Hand krallte sich in den Kragen seines Gehrocks, als ich mich noch enger an ihn schmiegte und er seinen Griff verstärkte. Es war nicht das Gefühl gefangen zu sein, es war das Gefühl von Halt. Was tat ich hier? Verdammt ich wusste es nicht, doch etwas ganz tief in mir fühlte sich unendlich zu diesem Mann hingezogen. Gerade, als ich jedoch die innere Kraft aufgebracht hatte, um ihn wegzustoßen, da verschwamm alles um uns herum. Hart schlug ich auf den Boden eines dichten Waldes auf. Sofort wusste ich, wo ich war. Der Verbotene Wald. „Komm nicht zurück.“ „Aber Ollivander...“ „Ihm wird nichts geschehen.“ „Pff“, endlich hatte ich meine Einstellung ihm gegenüber wieder unter Kontrolle. „Bitte gib mir Zeit. Gib mir die Zeit für eine Chance stark genug zu sein“, sagte er und irgendwie wünschte ich mir, dass er es schaffen würde. Doch bevor ich etwas sagen konnte, war er wieder verschwunden. Einen Moment wusste ich nicht, was ich denken sollte, doch dann schüttelte ich mich ein Mal kräftig und machte mich auf den Weg ins Schloss. McGonagall würde sicher Rat wissen. Und den hatte sie tatsächlich für mich gehabt. Nicht im Bezug auf Lucius, darüber hatte ich geschwiegen, doch im Bezug auf meine nächsten Schritte. Sie schickte mich nach Westen. Dort im Herzen der Karibik sollte ich nach einer Hexe suchen. Dennoch warnte mich Minerva. „Seien Sie vorsichtig, die Hexen und Zauberer dort sind anders, als jene in unseren Landen. Sie haben ihre eigenen Probleme und sind meist Mischwesen.“ „Dann ist sie ebenfalls kein Mensch?“ „In ihrer Brust schlägt das Herz eines Dämonen, so zumindest die Sage. Sie kannte Dumbledore, vielleicht genügt das, um sie für uns zu gewinnen.“ „Ich hoffe es.“ „Sie werden Hilfe jedoch gut gebrauchen können.“ „An wen denken Sie?“ „Er war hier bis vor einigen Jahren Schüler und Kapitän des Quidditchteams. Sein Name ist Oliver Wood.“ „Ich erinnere mich, er war auf einer der Ordenssitzungen im letzten Jahr, oder? der Blonde, der immer nur von Quidditch sprach.“ „Richtig. Ich werde nach ihm schicken. Er wird in dieser Schlacht bis zu Letzt an unserer Seite kämpfen, da bin ich gewiss.“ „Gut.“ So wartete ich im Verbotenen Wald auf Oliver Wood. Es dauerte lange, doch er kam. „Oliver“, sagte er und reicht mir die Hand. „Freut mich, ich bin Laine“, gab ich zurück und wir apparierten gemeinsam. „Weißt du, was uns erwartet?“ erkundigte sich Oliver, nachdem wir im Hinterhof einer Hafenspelunke gelandet waren. Ich fühlte mich sofort wohl. Das hier war wie Dublin: betrunkene Männer und Mythen einer anderen Welt. „Komm, wir müssen es herausfinden“, raunte ich und trat aus dem Schatten vor die Kneipe. „Was hast du vor?“ „Da rein gehen und den verschlagensten Piraten nach unserer Hexe fragen. Wir sind hier in Tortuga. Eine andere Wahl haben wir nicht.“ Er erwiderte nichts und folgte mir skeptisch. „Bleib wachsam, wenn sich dort ein magischbegabter befindet, muss er uns nicht wohl gesonnen sein.“ „Ich bin kein Kind mehr“, murrte Oliver und ich musste lächeln. „Entschuldige“, versuchte ich mich an einem Grinsen. Auch er lachte und schubste mich sanft in den Laden. „Joho, steht zusammen“, lallte ein ziemlich betrunkener Seemann. „Peet würde es hier sicher gefallen“, platzte es mir heraus und schob mich an einem Mann mit Augenklappe vorbei. Es war proppenvoll und Mätressen tummelten sich zwischen den Seemännern von denen einige sicherlich keinen legalen Beruf ausübten. „Wer ist Peet?“ „Oh er leitet unseren Pub, seit sich meine Schwester auf die Jagd nach Todessern begeben hat.“ „Es gibt den Schuppen noch?“ „Du warst mal da?“ „Nein, doch er galt als DER Laden, den man unbedingt mal gesehen haben musste. Doch zu Zeiten vor der Rückkehr Voldemorts war ich noch nicht alt genug. Tja und danach wollte niemand mehr feiern gehen.“ „Verständlich.“ Er nickte. „Lass uns etwas zu Trinken bestellen. Wir sollten versuchen nicht aufzufallen.“ „Gut, dass du solche Gesellschaft gewöhnt bist.“ „Wie darf ich das verstehen?“ „Die machen mir alle ein wenig Angst.“ Ich musste lachen. „Die sind alle harmlos.“ „Bist du sicher?“ „Klar, die Stillen sind die Gefährlichen.“ „Hoffentlich hast du Recht.“ „Vertrau mir Oliver“, grinste ich, ehe ich mich an die Theke durchkämpfte. >Seine Sicht< „Ganz ehrlich, was sollen wir hier?“ „Hör auf zu maulen, Yaxley! Severus meinte, dass Ordensmitglieder hier wären. Die McGonagall hat sie angeblich hergeschickt“, seufzte ich und versuchte teilnahmslos zu wirken. Doch in mir tobte ein Sturm. Die Ordensmitglieder, die wir jagten waren Oliver Wood und Laine O’Connal. Meine Laine. Die Frau, in die ich mich hoffnungslos verliebt hatte. Was mit mir los war konnte ich nicht in Worte fassen. Sie hatte mich absolut verhext. Und seit ich sie geküsst hatte, gab es für mich kein zurück mehr. Doch nein, das stimmte nicht. Es hatte mir das Herz zerrissen, als ich sie leiden sah. Es hatte mir klargemacht, dass ich mir eine Welt ohne sie nicht vorstellen konnte. Alle meine Schönen Momente, all mein Glück, meine Seele würde ich für sie geben. Obwohl ich wusste, dass all das nicht mehr von viel Wert seien konnte, da es zerfressen war von schwarzer Magie. Ein wahres Dämonenfeuer brannte in meiner Brust. Der Sturm zwischen Weiß und Schwarz rang in meinem Herzen. All das woran ich immer geglaubt hatte, war eine Lüge, von der ich erst jetzt erfuhr, dass sie nicht die Wahrheit war. Ich hatte so unendlich viel Schuld auf meine Schultern geladen. Zu viel, als dass sie mich lieben könnte. So viel mehr als sie würde ertragen können. Sie war so ein wundervolles Geschöpf. Kriegerisch, wie ein Drache und doch so verletzlich unter ihrem bunten Federkleid. Jedes Mal, wenn sie sang spürte ich die Sanftheit ihrer Seele. Die Güte und die Zärtlichkeit, die in ihrem Kriegerleben keinen Platz fand. „Malfoy, wo bist du nur wieder“, zischte Dolohow. Wir schlichen durch eine dunkle Gasse, vorbei an Betrunkenen, Bettlern und Huren. Ganz klar, die könnten auch alle in der Nokturngasse leben. Wir bogen gerade in eine weitere Gasse ein, als uns ein roter Blitz entgegenflog. In letzter Sekunde blockte ich ihn. Dann erkannte ich, wer da im matten Mondlicht stand und Dolohow in diesem Moment mehrere Meter zurückschleuderte. „Laine“, rief ich. Was geschah hier? Mit einem Mal erschien um uns herum immer mehr Todesser. Eigentlich sollte ich mich freuen. Wir würde die beiden Gestalten überwältigen können. Doch ich war mir sicher, dass ich das nicht wollte. Und auch, dass sich Laine nicht kampflos ergeben würde. Blitze aus weißem Licht schossen durch die Luft. „Was ist das für ein Zauber?“ Ich zuckte die Schultern. Nur eins wusste ich, man sollte sie besser blocken. Nachdem, was ihr Zauberstab mit Narzissa gemacht hatte, wollte ich lieber nicht herausfinden, zu welchen Zaubern sie noch so in der Lage war. „Ihr sucht uns? Na dann kommt doch“, lachte Laine und ihre Stimme kontrollierte meine Gedanken. Ein kalter Schauer überlief meinen Rücken, „Ihr wollt mit Magie spielen, Jungs? Ihr solltet euch besser sehr sicher sein. Denn es gibt kein Zurück mehr“, zwischen ihren Sätzen zuckten die weißen Blitze in unsere Reihen und rissen sie nieder. Ich wagte einen Blick auf einen Getroffenen und augenblicklich stockte mir der Atem. Wie von Säure übergossen wurde deren Haut verätzt. Unter Schmerzen schrieen sie gequält auf. Wie eine Königin sah sie uns an. Ihr Blick zog mich so sehr in seinen Bann, dass mir schwindelig wurde. Dann riss mich ein roter Blitz von den Beinen. Das musste dieser Wood gewesen sein. Er stand etwas unsicher hinter Laine. Kein Wunder, bei der Magie, die sie ausübte konnte einem wirklich Bange werden, selbst wenn man auf der selben Seite stand. Ich hatte noch nie jemanden getroffen, der so gewandt mit seinem Zauberstab war. Jemand der so sehr Eins mit der Magie war. „Wage es nicht den Zauberstab gegen meine kleine Schwester zu erheben“, hörte ich jemanden schreien. Zögerlich hob ich den Kopf ein Stück, um nicht zu viel Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. „Verschwinde, Oliver“, hörte ich Laine. Dieser gehorchte. Jetzt erkannte ich warum. Neben Laine war eine ebenfalls blonde Frau erschienen. Tiara. Doch ihre Augen waren weiß wie Schnee und ihr Blick eben so kalt. Ich sah Yaxley, Dolohow, Crabbe und mindestens zwei Dutzend Todesser in den Angriff übergehen. „Bitte beruhige dich, wir schaffen das auch ohne Verwandlung! Du weißt, es gibt dann kein Zurück mehr“, vernahm ich Laines panische Stimme. Was zur Hölle meinte sie damit? Doch ich sollte es erfahren. Tiara schüttelte entschieden den Kopf und starrte die Todesser feindselig an. „Sagt mir, fürchtet ihr den Tod?“ grinste sie. So hatte ich sie nicht in Erinnerung. Immer war sie strahlend und fröhlich gewesen. Natürlich war sie zu mir nie so gewesen, doch zu ihren Potterfreunden schon. „Tiara“, flehte Laine, doch ihre Schwester schien sie nicht zu hören. Dann wandte sie ihren Blick zu mir. Das leuchtende Grün war voller Sorge. Doch bevor ich etwas fühlen konnte, wurde alles schwarz. >Normale Sicht< Seit Stunden saß ich an seiner Seite und fühlte gar nichts mehr. Immer noch hallten die Worte meiner Schwester durch meinen Kopf. „Vergiss mich nicht.“ Ich wusste, dass sie nur auf eine solche Gelegenheit gewartet hatte. Es gab hier nichts mehr, das sie hielt. Also war sie gegangen. Hatte sich entschieden. Ich hatte nicht um sie geweint. Jetzt war sie glücklich. Konnte den Schmerz nicht mehr fühlen und ihre Seele war wieder rein und ihr Herz leicht. Ein leises Stöhnen riss mich aus den Gedanken. „Wo bin ich“, flüsterte Lucius und versuchte sich aufzurichten. „Ganz ruhig. Du bist hier in Sicherheit“, gab ich zurück und drückte ihn wieder auf das Sofa. „Was ist passiert?“ „Ich habe dich außer Gefecht gesetzt.“ „Tiara war da.“ „Ja.“ „Wo ist sie?“ „Ich schätze das ist eine längere Geschichte.“ „Wie es aussieht habe ich Zeit“, murmelte er und sah flüchtig an sich herab, ehe er sich aufsetzte. „Gut, dann rutsch mal“, sagte ich nach einer Weile. Er gehorchte und ich setzte mich neben ihn und starrte in die goldenen Flammen eines kleinen Kamins. „Was weißt du alles über unsere Familie?“ „Du und Tiara seit bei euren Großeltern aufgewachsen, weil eure Eltern gestorben sind, als ihr noch klein wart. Sie waren Wissenschaftler, oder?“ „Ja, doch das ist nicht das Interessante. Du weißt, dass wir aus Irland sind?“ Er nickte und sah mich aufmerksam an. Doch es war nicht so, wie damals im Pub. Jetzt lag auch eine Wärme darin, die ich von ihm nicht kannte. „Was weißt du über Banshees?“ „Es sind Geister. Familiengeister um genau zu sein. Und ihr Gesang ist ebenso todbringend, wie atemberaubend.“ „Das klingt nach einer soliden Grundbildung zum Thema nordische Mythologie“, lächelte ich. „Auch Todesser haben eine gewisse Bildung genossen.“ „Erstaunlich. Doch ich will mich nicht über solche Ansichten austauschen. Es geht um meinen Stammbaum.“ Verwirrt sah er mich an. „Meine und Tiaras Mutter war eine Banshee.“ Ihm klappte die Kinnlader herunter, „aber“, er stockte. „Wir sind nur zur Hälfte Banshee. Das bedeutet, dass wir nur einige Eigenschaften einer Banshee haben. Doch in Gefahrensituationen werden diese immer mehr ausgeprägt.“ „Dann hat sich Tiara in eine Banshee verwandelt?“ „Ja. Doch es gibt kein Zurück mehr. Einmal Banshee, immer Banshee.“ „Warum hat sie es getan?“ „Du musst wissen eine Banshee fühlt keinen Schmerz, keine Reue und keine Pein. Seit Sirius’ Tod ist Tiara nicht mehr die Selbe. Sie hat sich selbst verloren. Nur so kann sie sich selbst wiederfinden und vielleicht wieder glücklich werden.“ „Das ist ebenso traurig, wie unglaublich. Werdet ihr euch wiedersehen?“ „Vielleicht eines Tages, doch sie wird mich nicht als ihre Schwester erkennen. Sie hat alle vergessen, die lebten. Als Banshee sieht sie nur die Toten und jene, die die Toten umgeben.“ Er schwieg und ich tat es ihm gleich. Was hätte ich auch sagen sollen? Nichts, das es weniger traurig gemacht hätte. Irgendwann begann ich zu zittern und ich wusste, dass mir die Tränen in den Augen standen. Ich spürte, wie mir Lucius eine Decke um die Schultern legte. Dann sah er mich eine Weile schweigend an. „Ich möchte für dich da sein“, sagte er schließlich. Er log nicht, das konnte ich spüren, doch sollte ich es zulassen? Sollte ich ihn zulassen? Er war ein Todesser. Der Feind. Und doch war er hier und wirkte so warm und vertraut, wie es mir sonst kein Mann auf dieser Welt war. Mein Gewissen und mein Herz rangen noch mit einander, als er mir zärtlich seine Hand in den Nacken legte und mir mit dem Daumen sanft über die Wange strich. Mein letzter Widerstand brach, als er ganz langsam seine Lippen auf die meinen senkte. Er küsste mich so voller Achtung und Hingebung, dass ich mir nicht sicher war, ob ich da wirklich Lucius Malfoy küsste. Doch ich liebte den Mann, den ich da küsste. Vorsichtig schmiegte ich mich enger an ihn. Nach schier hunderten Herzschlägen löste er sich von mir und sah mir tief in die Augen, ganz so als glaube er dort die Antworten auf all seine Fragen zu finden. Doch er blieb stumm und ich küsste ihn wieder. Jeder seiner Muskeln schien sich anzuspannen, als ich ihm über die Brust strich und die Knöpfe seines Wams öffnete. Er lächelte in unseren Kuss hinein. Mich durchflutete eine Woge voll Elektrizität. Die Flammen waren bereits lange erloschen, doch sein Körper gab mir Wärme und Halt. Gedankenverloren strich ich über seine bleiche Haut. Er war wunderschön. „Lass uns fortgehen. Für immer“, flüsterte er mit einem Mal. Sachte wand ich mich zu ihm um und sah in die sturmgrauen Augen, die mich liebevoll musterten. „Das ist nicht unser Krieg.“ „Doch, Lucius. Wenn wir jetzt gehen, werden sie für immer verfeindet sein. Wir müssen zurück. Es sind unsere Familien, die sich dort gegenüberstehen.“ Lange schweig er. Dann strich er mir eine Strähne aus dem Gesicht. „Ich liebe dich und ich werde dich nie wieder alleine lassen.“ „Dann komm mit mir. Wir müssen in diese Schlacht ziehen und dem Allen ein Ende bereiten. Nur so bist du wieder frei.“ „Egal was geschieht, bitte vergiss niemals, dass ich dich liebe und das werde ich immer tun!“ „Trage deine Maske aus Eis, doch sei gewiss, dass ich dahinter sehen kann. Lucius, ich habe dein Herz gesehen“, erwiderte ich. Und ich meinte das ernst. Sehr ernst sogar. Mir war bewusst, dass wir bis zum Ende auf unterschiedlichen Seiten stehen würden. Er konnte sich Voldemort nicht wiedersetzen. Das Dunkle Mal band ihn unwiderruflich. Doch er wusste, dass ich Recht hatte- dass wir zurück mussten und dass wir kämpfen mussten. In einer Welt wie dieser hatte unsere Liebe noch keine Chance. Zudem wusste ich, dass es ihm mehr als nur schwer fallen würde vor der Welt zu seinen Fehlern zu stehen und all den Leuten da draußen den Lucius zu zeigen, den ich sehen durfte. Doch ich war mir sicher, dass ich ihm seine Zeit würde geben können, sollten wir überleben. „Vergiss niemals dein wildes Herz. Du kannst es leugnen, doch du darfst es nie vergessen“, sagte ich und reckte stolz das Kinn, „wir sind wer wir sind und unsere Seele kann uns keiner nehmen. Man hat dich gebrochen, doch du wärst nicht Lucius Malfoy, wenn es dir nicht gelänge wieder aufzustehen und erneut in den Wind zu sehen.“ Er stand vor mir, hatte die Schultern gestrafft und den Blick voller Stolz geradeaus gerichtet. Ich disapparierte. Keine Sekunde länger hätte ich dem Drang widerstehen können ihn zu küssen und ihm zu sagen, was ich empfand. Doch so etwas hatte ich noch nie getan und die Angst davor war lähmend. Vertrauen war gefährlich und Darlegung von Gefühlen ebenso. Monate verstrichen. Monate in denen ich mich versteckte. Ich hörte weder von Oliver, noch von jemand anderem aus dem Orden. Dennoch versuchte ich überall Verbündete zu finden. Verbündete für die unausweichliche, finale Schlacht. Und sie kam. Kingsleys Patronus ereilte mich bei Sonnenuntergang. „Es ist Krieg“, sagte er bloß und ich folgte der Stimme meiner Vergangenheit in eine ungewisse Zukunft. Regen peitschte mir ins Gesicht und wich schwarzem Abend, als ich in Hogsmeade landete. Aberforth erkannte mich augenblicklich und nickte stolz. „Möge diese Nacht die Unsre sein“, sagte ich und folgte einer Gruppe Auroren durch einen Geheimgang in die Schule. „Es sind zu viele“, hörte ich einen von ihnen murmeln. „Herrschaaren“, fügte ein weiterer hinzu. „Und dennoch sollten sie uns fürchten“, rief ich. Verwundert sahen sie sich zu mir um, „was schaut ihr so? Lasst eure Herzen schlagen bis zum Tod und fürchtet keine Sekunde. Verloren seit ihr erst, wenn ihr zweifelt, wenn ihr nicht mehr glaubt, wofür bereits so viele starben. Schaut euch um“, begann ich, als wir den Raum der Wünsche betraten, in dem sich bereits unzählige Schüler und Ordensmitglieder tummelten, „unterschiedlicher könnten wir nicht sein. Und doch stehen wir zusammen, hinter dem einen Jungen, der uns alle zu retten vermag! Der den Dunklen Lord in die Knie zwingen wird! Lasst uns ihm die Kraft für diesen Weg geben. Wir müssen gesammelt hinter ihm stehen. Bereit ihn mit unserem Leben zu schützen. Für eine Zukunft, eine Freiheit und einen Traum für den es sich zu sterben lohnt!“ Stumm legten sie alle ihren Zauberstab kurz aufs Herz, ehe wir gemeinsam den Raum der Wünsche verließen. Stolz und ungebrochen würde ich diese Todesser das Fürchten lehren! Wir alle! Dieser Wunsch brannte in uns allen, als wir das Schutzschild errichteten und uns auf den kommenden Kampf vorbereiteten. Mit dem Zauberstab vor der Brust wartete ich schweigend. Jeder meiner Muskeln war angespannt und meine Miene war wie versteinert. Aus schier endlosscheinender Ferne rief mich die Stimme meiner Seele, doch ich hörte sie nicht. Ich kannte nur noch den Kampf. Um jeden Preis wollte ich diese Todesser in die Hölle schicken, aus der sie gekrochen waren. Vor meinem inneren Auge erschien die Gestalt des Mannes, den ich liebte und den ich zu retten versuchen würde. Sein sanftes Lächeln und die stolzen Augen. Dann griffen sie an und unser Schutzschild brach. Augenblicklich schienen die schwarzen Schatten überall. Kampfbereit ging ich in die Knie und attackierte sie rücksichtslos. Meine Flüche waren gut und den meisten unbekannt. Weiße Magie war eben dem gängigen Todesser kein Begriff. Auch sie war böse und tödlich. Aber eben auf andere Weise, als schwarze Magie. Sie fielen, wie Schachfiguren. Mein Puls raste, doch mein Geist schien klarer als je zuvor. Und ich kannte den Grund dafür. Der Tod war Teil meines Wesens. Ich war geboren um todbringend zu sein, doch ich wollte mich um keinen Preis selbst verlieren. Also kämpfte ich gegen die Gleichgültigkeit an. Sah den Sterbenden in die Augen, um meine Taten zu realisieren und sie zu bereuen. Ich rannte gerade durch einen Fenstergang, als neben mir eine Tür aufflog und eine maskierte Gestalt herauseilte. Schon hatte ich den Zauberstab erhoben, doch der Todesser hob abwehrend die Hände. „Laine!“ Ohne zu zögern schmiss ich mich dem Schwarzgewandten in die Warme. Mit bebender Brust zog er mich an sich. Ich spürte seinen Atem stoßweise auf meinem Haar und das Herz in seiner Brust so schnell schlagen, dass ich fürchtete es könne sich überschlagen. Doch mir ging es ähnlich. So sehr hatte ich mich nach ihm gesehnt. Gebetet, dass er noch lebte. Mir war gleich wer er war, oder was er war. Er hatte seine Seite lange vor meinem Eintritt in sein Leben gewählt. Lange bevor er aus seinem isolierten Glauben erwachte. Seine Seele war schwarz wie die Nacht, doch seit geraumer Zeit begann ich leuchtende Sterne darin zu sehen. Sterne, die mir Hoffnung gaben. Sterne, die meinen Namen trugen, dessen war ich gewiss. „Pass auf dich auf, ich will dich nicht verlieren“, wisperte er. „Wage es ja nicht dich umbringen zu lassen“, gab ich zurück und schmiegte mich noch einmal eng an ihn, bevor ich zurücktrat und ihm in die grauen Augen sah, die ich unter der grausamen Maske ausmachen konnte. „Laine“, murmelte er und so wie er meinen Namen aussprach jagte es mir einen Schauer über den Rücken. „Ich liebe dich“, sagte ich und ich meinte vollkommen ernst, was ich da sagte. Seine Augen strahlten, doch schon einen Herzschlag später sollten sie Ihren Glanz für immer verlieren. „Avada Kedavra!“ Instinktiv fing ich ihn auf. Wie das Gewicht hunderter lastete das seine direkt auf meinem Herzen. Es wollte mich zu Boden reißen, doch etwas in mir versuchte die Schultern zustraffen. Übermenschliche Trauer durchflutete mein Herz. Zitternd zog ich den leblosen Körper des blonden Mannes an mich. Eine einsame Träne zog ihre Bahn. Sanft schloss ich seine leeren Augen und wandte den Blick zu der Frau um, die nicht nur meiner Schwester das Liebste genommen hatte. „Dafür wirst du streben, Bellatrix“, und noch während ich sprach, spürte ich allen Schmerz in mir anschwellen, bis er schließlich tonloser Leere wich. Ein markerschütternder Schrei entwich meiner Kehle. Er nahm all meine Liebe für Lucius mit sich. All die Zuneigung, die ich für ihn empfand. Den Wunsch ihm zu folgen und lähmende Gewissheit nie wieder seinen Atem auf meiner Haut zu spüren. Nie wieder die kalten Lippen zu küssen und seine sturmgrauen Augen für immer missen zu müssen. All dieser Schmerz verließ meinen Körper, wie Wasser aus einem Schwamm fließt, den man auswringt. Ich schrie noch immer, doch ich war gewiss, dass nur Bellatrix diesen Schrei vernahm. Den Schrei einer Banshee. Und er folterte sie. Hob sie in die Luft und riss ihr jede Faser einzeln vom Körper. Als mein Schrei verstummte fiel die Asche der schwarzhaarigen Hexe sacht zu Boden. Ich hatte keine Ahnung, wo ich war. Verwirrt sah ich mich um. Vor mir auf dem Boden lag ein blonder Zauberer. Er war wunderschön, auch wenn er mir völlig fremd war, so hatte ich doch irgendwie das Gefühl, dass mich irgendetwas mit ihm verband. So ging ich. Verließ die Schlacht, von der ich nicht wusste, worum sie ging. Meinem Schicksal folgend ging ich nach Irland. Seither helfe ich den Toten meiner Familien hinüber in die Schattenwelt und achte auf die Kinder aller Welten. Das ist meine Aufgabe. Wächter zwischen den Welten. Und es macht mich glücklich. Nur manchmal wenn die Nächte sternenklar sind, träume ich hin und wieder von sturmgrauen Augen. Sie rufen mich und sie sagen mir, dass sie mich lieben und dass sie immer bei mir sein würden. Ich kenne den Mann nicht, der in diesen Nächten zu mir spricht, doch ich glaube ihm und wünsche mir für ihn alles Glück dieser Welt, wo auch immer er sich befinden mochte.