x

Die Statistik vom Quiz

Sweet Amoris - Deine Lovestory

39.88 % der User hatten die Auswertung: „Seid ihr bereit, zu rocken?“, grölte die Stimme des Sängers über den Platz. Castiel und ich hatten es tatsächlich geschafft, soweit zur Bühne vorzudringen, dass uns nur wenige Meter von unserer Lieblingsband den „Winged Skulls“ trennten. Neben uns ließen ein paar Fans laute Begeisterungsrufe erklingen, woraufhin der Sänger sein Mikrofon zu sich heranzog und die ersten Töne eines Liedes anstimmte, das ich nur allzu gut kannte. Selbst Castiel versuchte einige Passagen mitzusingen, was ich anhand seiner Lippenbewegungen erkennen konnte. Der erste Teil des Konzerts nahm gute zwei Stunden in Anspruch, bevor das Bühnenlicht nach einem flotten Solo seitens des Schlagzeugers erlosch und die Besucher zur Pause freigegeben wurden. Castiel und ich gehörten zu den ersten, die sich vor einem Stand einfanden, der Getränke und kleine Snacks verkaufte. Während ich mir einen alkoholfreien Cocktail gönnte, gab sich Castiel mit einer Cola zufrieden. Zum Trinken suchten wir uns einen Platz, der ein wenig abseits lag, wo ich unvermittelt mit meinen Eindrücken herausplatzte: „Die Atmosphäre ist der Wahnsinn! Ich hätte nicht gedacht, dass die Band auch live so cool drauf ist.“ Castiel quittierte meine Worte mit einem amüsierten Lächeln. „Sieht so aus, als hätte ich einen Treffer gelandet, was die Location betrifft.“ Er schlang einen Arm um meine Taille und zog mich zu sich heran, um mir einen Kuss aufzudrücken. „Alles Gute zum Einjährigen. Auf dass du es noch viele weitere Jahre mit mir aushältst.“ Nachdem wir unsere Gläser angestoßen hatten, nahm jeder von uns einen kräftigen Schluck, wobei Castiel sein Glas innerhalb von zwei Minuten geleert hatte. So war es kein Wunder, dass er nur wenig später verkündete: „Ich geh mal schnell für kleine Königstiger.“ Das leere Glas stellte er auf der Theke des Getränkestandes ab, bevor er in Richtung Toiletten ging, die auf der anderen Seite des Platzes in Reih und Glied vor einem morschen Holzzaun aufgestellt waren. Ich sah ihm nach, bis er von einer großen Menschentraube verschluckt wurde, die ausschließlich aus erwachsenen Männern und Frauen bestand. Einer der Männer bemerkte, dass ich zu ihnen herüberschaute, und erwiderte meinen Blick mit einem lasziven Grinsen. Ich antwortete mit einem charmanten Hochziehen der Augenbraue, bevor ich mich schnell wegdrehte. Doch der Mann schien meine Reaktion falsch zu deuten, denn er kam in großen Schritten auf mich zu und stammelte mit trunkener Stimme: „Hey Kleine, was machst'n hier so ganz allein?“ Ich wägte ab, ob es besser wäre, ihn einfach stehen zu lassen oder mit einem frechen Spruch zu kontern, doch die Entscheidung wurde mir liebenswürdigerweise von dem Typen abgenommen: „Eine hübsche, junge Frau…einsam und verlassen auf einem Konzert…Süße, du brauchst einen Beschützer!“ Mit erstaunlicher Schnelligkeit krallte sich der Typ mein Handgelenk und warf mich in einer barschen Geste gegen seine harte Brust als hinter ihm eine von Zorn erfüllte Stimme die Luft zerschnitt: „Den hat sie schon! Und wenn du sie nicht auf der Stelle loslässt, dann sieht dieser sich leider gezwungen, dich mit einem saftigen Tritt in die Hölle zu befördern!“ Der Typ ließ soweit von mir ab, dass er sich zu dem wutschnaubenden Castiel umdrehen konnte. „Du Bürschchen willst mich belehren?“ Da ich ahnte, dass diese Auseinandersetzung kein gutes Ende nehmen würde, fackelte ich nicht lange und biss dem Typen in den Arm um mich endgültig aus seinem Griff zu befreien. Danach nahm ich die Beine in die Hand und rannte so schnell ich konnte zu dem nächsten Security-Posten, wo ich den zwei Männern in knappen Sätzen erklärte was vorgefallen war. Als ich wenig später in Begleitung der beiden Security-Männer bei den Streithähnen eintraf, musste ich jedoch zu meinem größten Entsetzen feststellen, dass der Typ gerade im Begriff war zuzuschlagen – und das mit seinem leeren Bierglas. Gott sei Dank gelang es Castiel rechtzeitig auszuweichen, sodass der Typ aufgrund des Alkohols, den er bereits intus hatte, vornüber stürzte und machtlos liegen blieb, bis ihn die beiden Security-Männer wieder auf die Beine stellten um ihn anschließend abzuführen. Den lautstarken Protest des Betrunkenen bekam ich gar nicht mehr mit, denn meine gesamte Aufmerksamkeit galt Castiel, dem ich sofort, nachdem er sich erhoben hatte, erleichtert in die Arme fiel. „So ein Arschloch“, schnaubte ich voller Abscheu in sein T-Shirt. „Hoffentlich bekommt der lebenslanges Konzertverbot und obendrein eine ordentliche Züchtigung seitens der Beamten!“ Castiel, sichtlich amüsiert über meine zynische Aussage, spielte mal wieder den Unschuldsengel: „Aber, aber! So harte Worte aus dem Mund einer frommen, jungen Frau?“ Während er mir unermüdlich durchs Haar wuselte, presste er seine Lippen in einer knappen, aber dennoch zärtlichen Geste auf meine Stirn. „Wir sollten uns jetzt erst mal wieder zu unseren Plätzen vorarbeiten. Das Konzert wird gleich weitergehen.“ Als ich mein Handy eine anderthalbe Stunde später aus der Hosentasche holte, leuchtete mir die Zahl 23:52 Uhr entgegen. Just in diesem Moment war der letzte Ton des zweiten Zugabe-Liedes verklungen und die Bühne wurde in vollkommene Dunkelheit getaucht. Es dauerte nicht lange bis sich eine riesige Menschenansammlung gebildet hatte, die wie eine einzige, große Bewegung gen Ausgang strömte. Castiel und ich warteten einige Minuten bis wir uns einer kleineren Gruppe anschließen konnten. Nachdem wir das Konzertgelände hinter uns gelassen hatten, warf ich erneut einen nervösen Blick auf mein Handy. „Scheiße!“ Das Display zeigte 0:05 Uhr. „Wir müssen uns echt ranhalten! Der letzte Zug geht in zehn Minuten.“ Der nächste würde erst in den Morgenstunden anrollen… Außer Puste und völlig durchnässt von dem Regenschauer, der uns während unserer Sprinteinlage überrascht hatte, erreichten wir den Bahnhof. Doch als ich in einiger Entfernung ein Paar rote Lichter aufblinken sah, wusste ich, dass der Zug bereits ohne uns abgefahren war. „Verflucht!“ Castiel raufte sich die Haare. „Sieht so aus, als würden wir die Nacht hier festsitzen…vor 5.30 Uhr kommen wir hier nicht weg.“ „Na toll…“ Mutlos ließ ich mich gegen die Mauer des Bahnhofsgebäudes sinken. „Das Gebäude ist natürlich abgeriegelt“, stellte Castiel nach eingehender Testung beklommen fest. „Sag mal, möchtest du nicht lieber auf der Bank sitzen?“ Ich zuckte nur die Schultern, bevor ich meine Beine zu mir heranzog und die Arme darum schlang. „Was wird das?“, fragte ich, als Castiel begann, sich seiner Jacke zu entledigen. „Nicht das, was du schon wieder denkst“, meinte er augenzwinkernd. Als er sich neben mich setzte und mich anwies, näher zu ihm heran zu rutschen, erkannte ich seine Absicht: er wollte, dass wir uns die Jacke teilten. „Zumindest sind die Temperaturen erträglich“, murmelte ich eingekuschelt an Castiels Schulter. „Stell dir mal vor, wir wären zu einer kälteren Jahreszeit gefahren…“ Obwohl Castiel es für unnötig hielt, stellte ich vorsichtshalber meinen Handywecker auf kurz vor halb sechs; denn bei meiner Müdigkeit traute ich mir durchaus zu die Ankunft des Zuges zu verschlafen. Als das penetrante Klingeln meines Handyweckers ertönte, war Castiel schon wach. „Na, gut geschlafen?“ Ich wollte die Augen schon wieder schließen, als ein lautes Poltern vom Erscheinen des Zuges kündete, der just in diesem Moment in den Bahnhof einfuhr. In der Wärme des Zugabteils, das abgesehen von uns noch völlig leer war, fühlte ich mich sofort geborgen, vor allem da ich Castiel weiterhin als Kopfkissen missbrauchen durfte. Als eine dreiviertel Stunde später der Bahnhof unserer Heimatstadt in Sicht kam, kam es mir vor, als wären erst wenige Minuten vergangen. Noch ein wenig schlaftrunken trat ich mit Castiel aus dem Zugabteil und schaute blinzelnd der aufgehenden Sonne entgegen, als plötzlich ein Handy klingelte. „Lysander? Was will der denn schon so früh?“ Während Castiel mit seinem langjährigen Bandkollegen telefonierte, blieb mein Blick an einem Gebäude hängen, das ich nur allzu gut kannte. Es war das Hard Rock Café, in dem Castiel und ich so viele gemeinsame Nachmittage verbracht haben, dass ich sie gar nicht mehr zählen konnte. Schon bevor wir ein Paar wurden, gehörte ich zu den Stammgästen dieses Cafés und eines schönen Tages trat auf einmal Castiel zur Tür herein und war sichtlich überrascht ausgerechnet mich hier anzutreffen. Wie ich später erfuhr gab er hier öfters ein paar Lieder auf seiner E-Gitarre zum Besten und ab und zu trat er auch mit seiner Band auf. „Wenn es sein muss…ich bin gleich da.“ Castiels Stimme sickerte nur langsam zu mir durch. Er klappte das Handy zu und ließ es zurück in seine Hosentasche gleiten. „Was ist? Was wollte Lysander?“ „Wir haben den Auftritt, von dem ich dir neulich erzählt habe, nun doch bekommen. Aber die Stadt, in der das Konzert stattfinden soll, liegt fünf Autostunden von hier entfernt und gleich am nächsten Tag hat Lysander zusätzlich noch eine Überraschung für seine Freundin geplant, bei der die Band ebenfalls spielen soll. Lysander ist schon auf dem Weg um erst mich und dann schnell das restliche Equipment einzusacken.“ „Wann werdet ihr zurück sein?“ „Ich weiß es nicht, Alexa. Aber ich hoffe bald.“ Er verwickelte mich in einen leidenschaftlichen Kuss, aus dem wir uns beide nur höchst ungern lösten. „Wir holen das, was ich dir eigentlich für heute versprochen habe, nach, klar?“ Am nächsten Tag kam ich erst spät abends nach Hause, da ich nach der Arbeit auf einen Spontanbesuch bei meiner besten Freundin Iris vorbeigeschaut hatte. Ich wollte gerade die Haustür aufschließen, als mir ein höchst sonderbarer Brief auffiel, in dessen obere Ecke ein kleines Herz geklebt war, welches aus dem Briefkasten lugte. Komischerweise enthielt der Brief keinen Absender, sondern trug nur den Namen „Alexa“, was mich natürlich umso neugieriger machte. Mit pochendem Herzen öffnete ich den Brief und holte einen kleinen Zettel hervor, der nur die zehn Worte: „Komm hoch ins Schlafzimmer. Ich warte dort auf dich“ umfasste und auf dessen Rückseite ein sorgsam mit Klebeband befestigter Anhänger in Form eines Totenschädels angebracht war. Das konnte nur eines bedeuten: Castiel war wieder da. Und tatsächlich: als ich in unser gemeinsames Schlafzimmer spähte, hockte dieser auf dem Bett und schien vollends in seine Musik vertieft zu sein. Ich setzte mich wortlos zu ihm auf die Bettkante und lauschte seinem Spiel. Zunächst ließ er nur wahllos verschiedene Melodien anklingen, doch nach einiger Zeit stimmte er ein Lied an, das ich nur allzu gut kannte; es war mein persönliches Lieblingslied der „Winged Skulls“. „My heart is bleeding for you…“, wisperte ich, woraufhin Castiel den Kopf hob und mir tief in die Augen schaute. Ich konnte gar nicht anders, als ihn zu küssen. Castiels verschmitzter Blick sprach Bände. „Ich habe noch eine Überraschung für dich…“ Sein zärtliches Flüstern jagte mir einen warmen Schauer über den Rücken. Er legte die Gitarre beiseite und nahm mich bei der Hand, nachdem ich ihm versprechen musste, die Augen geschlossen zu halten. Schon nach wenigen Metern war die Luft von einem angenehm blumigen Duft erfüllt, was mich zu der Annahme brachte, dass wir uns im Badezimmer befanden. Als ich die Augen endlich öffnen durfte, bestätigte sich mein Verdacht – allerdings nicht so, wie ich es mir vorgestellt hätte. Rings um die großzügig geschnittene Badewanne waren Kerzen aufgestellt und auf einem kleinen Beistelltisch standen zwei Cocktailgläser neben einer Flasche „Sex on the beach“. „Castiel, ich bin ehrlich gesagt ein bisschen sprachlos…wie kommt es, dass du auf einmal deine romantische Ader entdeckt hast?“ Der Angesprochene bedachte mich nur mit einem seltsam wissenden Lächeln, ehe er damit begann, seine Kleidung abzustreifen, von wo ab meine Stimme vollends versagte. „Was ist? Glaubst du etwa ich hätte die Wanne nur zum Spaß volllaufen lassen?“ Kopfschüttelnd beobachtete ich, wie sich Castiel auch des letzten Kleidungsstückes entledigte, um mir anschließend eine stumme Aufforderung zu senden, das gleiche zu tun. „War ja klar, dass du sowas nicht ohne Hintergedanken auf die Beine stellst“, meinte ich in gespielt tadelndem Ton, woraufhin Castiel kurz auflachte. „Wie lange willst du mich eigentlich noch warten lassen? Hör auf zu quatschen und komm endlich rein!“ Als ich kurz darauf zu Castiel in die heiße Badewanne stieg, hatte er schon die Flasche geköpft und war gerade dabei einzuschenken. Ein Glas reichte er an mich weiter. „Ich liebe dich, du alter Esel.“ „Ich dich auch, kleine Kratzbürste.“ Woraufhin wir unsere Gläser in einem Zug leerten, um uns anschließend anderen Dingen zu widmen…

30.7 % der User hatten die Auswertung: „Guten Morgen“, wurde ich von meinem verschlafenen Freund begrüßt. „Morgen.“ Ich küsste ihn auf die Wange und schob ihm eine Tasse Tee hinüber. „Möchtest du auch eine Scheibe Toast?“ „Gern.“ Er labte sich an der Minz-Mischung und beobachtete wie ich an meinem Cappuccino nippte. „Wie lange wirst du heute arbeiten müssen?“, fragte ich ihn etwas später und schlüpfte in meine dunkelblauen Ballerinas während er seine Jacke überzog. „Ich weiß es nicht genau, hast du etwas Besonderes geplant?“, erwiderte er nur und hielt mir die Jacke hin. Selbstverständlich schlüpfte ich hinein, nahm meine Tasche auf und folgte ihm aus der Wohnung. „Nein, nein“, murmelte ich und ging die Treppen hinunter; seinen nachdenklichen Blick bemerkte ich nicht. „Möchtest du das kurze Stück mitfahren?“, fragte er unten und schloss seinen Polo auf. Ich schüttelte den Kopf und zog mein Halstuch höher angesichts des kalten Windes. Er beugte sich zu mir hinunter und küsste mich: „Ich liebe dich meine Muse, hab einen schönen Tag.“ „Ich dich auch“, hauchte ich und versuchte Herr über das Kribbeln in meinem Magen zu werden. Er sah mir nach wie ich den Fußgängerweg entlang ging. Dass ich betrübt mit dem Kopf schüttelte, bekam er leider nicht mehr mit, meine Schritte wurden fester und abgehackter. >Er kann es doch nicht vergessen haben<, dachte ich traurig. >Auch wenn er ab und an verschiedene Dinge verlegt, an meinem Geburtstag hat er mich mit einem Frühstück im Bett überrascht. Oder weiß er wirklich nicht was heute ist?< Seufzend setzte ich meinen Weg fort, holte mein Telefon heraus und rief den Kalender auf. Es war der 21.September, das Feld war von einem roten Herz umgeben. Eindeutiger konnte ich unseren Jahrestag nicht hervorheben. Kopfschüttelnd betrat ich das Theater, wobei ich eine einsame Träne beiseite wischte; doch über meinem Arbeitstag hing eine schwarze Wolke. „Bis morgen Victoria.“ Meine Arbeitskollegin umarmte mich zum Abschied und schenkte mir ein schelmisches Zwinkern. „Treibt es heute Nacht nicht zu bunt.“ „Hm.“ Ich nickte tapfer, schluckte trocken und verließ dann das Atelier. Mit kleinen Schritten ging ich die Treppe hinunter, schüttelte immer wieder den Kopf und dachte über den Morgen nach. – So war es nicht verwunderlich, dass ich an meinem Freund vorbeiging. Dieser stand neben dem Eingang und eilte mir sofort nach: „Victoria!“ Diese Stimme würde ich unter tausenden wiedererkennen, überrascht drehte ich mich um: „Lysander, was machst du hier?“ „Ich dachte mir, dass ich heute früher Schluss mache und mit meiner Freundin dieses herrliche Wetter genieße.“ Er küsste mich und verschränkte dann seine Finger mit meinen. „Im Park sind schon die Bäume bunt, lass uns den Umweg nach Hause nehmen.“ „Gern“. Ich lehnte mich leicht an ihn, dann gingen wir zusammen weiter. Schweigend erreichten wir den Stadtpark, dort waren viele Leute zugange und genossen die Sonne. Wir schlugen automatisch den Weg zum Pavillon ein, beobachteten die davon schwebenden Blätter und sogen die Atmosphäre in uns auf. Plötzlich steuerte Lysander die große Wiese an, wobei er mich sanft hinter sich her zog, und deutete auf eine Picknickdecke. „Hast du was ausgefressen?“, fragte ich einem inneren Impuls nachgebend und beäugte das Arrangement. „Darf ich meine Freundin nicht einfach mal überraschen?“, fragte er halbherzig zurück und zog mich auf seinen Schoß. „Wie war dein Tag?“, wollte ich wissen nachdem ich einige Weintrauben verputzt hatte. „Ohne dich unerträglich“, flüsterte er mir ins Ohr. „Aber ich habe den Nachruf für den Verlag fertig bekommen.“ Früher war ich bei solchen Bemerkungen bis unter die Haarspitzen rot geworden, jetzt genoss ich diese kleinen Liebesbeweise einfach. Doch heute konnte ich mich in seiner Nähe irgendwie nicht entspannen… „Und wie war dein Tag?“ „Ich habe mich mit Miriam gestritten…nur weil sie Aschenputtel spielen darf führt sie sich auf wie eine Prinzessin. Jeden Tag will sie ein anderes Kleid zur Aufführung tragen, diese Frau macht mich noch wahnsinnig“, gab ich zu und fühlte wie er mir gleichmäßig über den Rücken strich. „Da konntest du natürlich keine Gedanken an deinen Freund verschwenden“, murmelte dieser und ich glaubte zu hören wie belegt seine Stimme klang. Schweigend blickten wir zum Eiffelturm und all den anderen Bauwerken unserer Geburtsstadt, immer wieder blieben sie am Wahrzeichen hängen. >Und ich habe mir eingebildet, dass er mich wegen unserem Einjährigen hier her geführt hat<, dachte ich traurig und verspannte mich kaum merklich. >Aber wahrscheinlich hat Rosalia recht, er hat einfach zu viel um die Ohren um sich an alles zu erinnern. Jetzt wo sein Agent so plötzlich verstorben ist bleibt ihm noch weniger Freizeit<. „Über was denkst du nach?“, weckte mich sein sanfter Bariton aus meinen Gedanken, er versenkte seine Nase in meinem Haar und inhalierte deren ganz eigenen Duft nach Salzwasser, Orchideen und Meer. „Nichts weiter“, murmelte ich und lehnte mich gegen seine starke Brust - in seinen Armen fand ich noch immer Geborgenheit. Einer dieser löste sich, holte eine kleine Brotbüchse hervor und klappte diese auf: „Ich habe mich an einer neuen Mischung versucht.“ „Eines deiner Spezialtörtchen“, grinste ich und nahm dieses in die Hand. „Mit Schoko-Glasur und bunten Streuseln.“ „Nur das Beste für dich“, bestätigte er und beobachtete erwartungsvoll wie ich den ersten Biss nahm. Genüsslich leckte ich mir über die Lippen um ja keinen Krümel zu verschwenden, biss noch einmal ab und spürte etwas Festes zwischen den Zähnen. Verwundert senkte ich die Leckerei, schob das Ding mit der Zunge nach vorn und nahm es mit spitzen Fingern aus meinem Mund: „Ich glaube in meinem Kuchen ist…“ Weiter kam ich nicht, denn er legte mir einen Finger auf die Lippen und nahm mir gleichzeitig das Teilchen ab. Sorgfältig putzte er es mit einem Taschentuch und Wasser, steckte dieses dann zurück und hielt mir den winzigen Anhänger vor die Nase. „Eine Feder“, flüsterte ich verwundert und betrachtete das silberne Schmuckstück welches er zwischen den Fingern hielt. Mit seiner freien Hand schob er meinen Jackenärmel hinauf, ich ließ ihn gewähren. Ehrfürchtig beobachtete ich wie er den Anhänger an meinem Handkettchen anbrachte, doch er stupste mich an und lenkte meine Aufmerksamkeit auf sich zurück. „Ich möchte mich für heute Morgen entschuldigen“, begann er und legte seine Arme wieder fester um mich. „Es fiel mir nicht leicht so abweisend zu reagieren. Als du dann noch in Schweigen verfielst schalt ich mich einen Idioten, ich sah wie verletzt du warst. Und als du dann allein zum Theater gelaufen bist musste ich mich zwingen dir nicht hinterher zu fahren und dich gehen zu lassen. Ich konnte spüren wie verwirrt du warst.“ Er brach ab, küsste meinen Hinterkopf und murmelte dann: „Weißt du noch wie wir uns kennengelernt haben?“ „Hm.“ Ich nickte und blickte in seine Augen. „Es war an einem der letzten Sommertage genau hier im Park.“ „Es war unser letztes Freiluft-Konzert vor der Sommerpause, wir waren der Ersatz für eine viel bekanntere Band und trotz unserer Erfahrung aufgeregt hier zu spielen. Wir hatten gerade die Bühne betreten als du mit deinen Freundinnen wenige Schritte an der Bühne vorbeigingst, ihr habt uns einen kurzen Blick geschenkt und euch wieder in euer Gespräch vertieft. Ich hab euch keine Beachtung geschenkt, suchte bekannte Gesichter in unseren Zuschauern und begann einfach unsere Vorstellung. Als dein Kopf beim Refrain herum schnellte hab ich zu Castiel geschaut und er hat auch nur mit den Schultern gezuckt, keinem von uns ist das Offensichtliche eingefallen. Ihr drei habt euch ein lauschiges Plätzchen gesucht unweit der Bühne; wir haben irgendwann eine Pause gemacht und ich bin an euch vorbeigelaufen. Obwohl ich einfach nur in Ruhe ein paar Minuten entspannen wollte bist du mir gefolgt, ich hielt dich für einen schüchternen Fan. Als du dann aber losgebraust hast konnte ich meinen Ohren kaum trauen“, während er erzählte fuhr er ihre Konturen entlang, sie kicherte. „Ich hab wirklich geglaubt meine Freundinnen veräppeln mich, ich dachte sie haben euch angestiftet“, murmelte ich kleinlaut, „Ich war einfach in Rage und habe dich kaum zu Wort kommen lassen. Auf der Bühne warst du der Frontman, standest im Rampenlicht. Und hier unten warst du plötzlich um eine Antwort verlegen und wortkarg.“ „Ich kam mir nur so ungehobelt vor, schließlich benutzt man nicht einfach so einen Namen“, gab er zu und lehnte sich mit mir zurück. „Als ich mich bei dir entschuldigt hatte warst du ganz rot um die Nase, erst recht als Castiel den Spruch abließ.“ Es entstand eine kurze Pause, er spielte mit meinen Haaren und seufzte: „In dem Moment war glaube ich weder dir noch mir klar, dass wir uns in Zukunft öfter sehen würden. Aber du warst bei jedem Auftritt da und dann trafen wir uns immer wieder in der Bibliothek oder im Buchladen. Ich konnte es kaum fassen als du zugestimmt hast mit mir einen Tee trinken zu gehen, nur weil ich mich bei dir entschuldigen wollte für das Wegkaufen des Romans. – Es war dieser Nachmittag an dem du mich endgültig fasziniert hast, vielleicht war wirklich das Teehaus schuld.“ „Oder die Tatsache, dass ich das Buch von dir dabeihatte“, murmelte ich und legte meinen Kopf auf seine Brust, er streichelte über mein Haar und redete weiter: „Einige Tage später hatte ich in diesem Buchladen meine erste Signierstunde, ich saß herum und war deprimiert wie desinteressiert die Leute reagierten. Und dann kamst du herein, blicktest dich um und warst überrascht niemanden an meinem Tisch zu sehen. Fast schüchtern kamst du heran, zogst das Buch hervor und legtest es hin. Als ich ausversehen deine Hand berührte fühlte ich dieses Knistern, sah das Funkeln in deinen Augen und konnte nicht anders als dich zu mir hinüberzuziehen. Nach dem Kuss kam ich mir vor wie der letzte Trottel, ich stotterte eine Entschuldigung zusammen und unterschrieb dein Buch.“ „Als du mich nach meinem Namen gefragt hast stand ich noch neben mir, vollkommen desorientiert begann ich die Melodie zu summen“, mischte ich mich ein und krabbelte auf seinen Bauch. „Als du mich mit deinen zweifarbigen Augen angesehen hast war es um mich geschehen, ich hab mich zu dir gebeugt und dich geküsst.“ Auf unsere Worte folgten Taten, wir versanken in der Zärtlichkeit des anderen und lösten uns nach wenigen Minuten schwer atmend voneinander. „Ich liebe dich Victoria“, flüsterte er gegen meine Lippen. „Und ich habe noch eine kleine Überraschung für dich.“ Er schob mich von sich herunter, stand auf und bot mir seine Hand an. „Ich verbinde dir jetzt die Augen. Lass dich von mir führen, es ist nichts Schlimmes.“ „Ok, ich vertraue dir.“ Ich ließ ihn gewähren und spürte dann seine Hände auf meinen Schultern; langsam schob er mich vorwärts. Sehr darauf bedacht mich nicht ins Stolpern zu bringen führte er mich auf den Weg zurück; sein Herz klopfte ihm bis zum Hals. „Achtung, ich dreh dich jetzt, damit du die Orientierung verlierst“, eigentlich hatte er es nicht sagen wollen doch er konnte nicht anders. Ganz behutsam berührte er meine Oberarme und ließ mich Drehungen vollführen. Als ich zu taumeln begann fing er mich auf: „Das reicht.“ „Hm“, mehr kam nicht über meine Lippen. Er führte mich nun einfach den Weg zurück, den wir gekommen waren. Von weitem schon erkannte er seine Freunde, diese waren eingeweiht und gaben keinen Ton von sich. Einige Parkbesucher sahen irritiert oder besorgt zu uns hinüber, der Großteil blieb stehen. „Du hast es fast geschafft.“ Er schob mich weiter bis ich in einem aus Steinen gelegten Herz stand. „Schön hier stehen bleiben und nicht gucken!“ „Versprochen.“ Ich nickte und schon waren seine vertrauten Hände von meinen Schultern verschwunden. Ich bemerkte die anderen Leute um mich erst jetzt, biss mir auf die Unterlippe aber hielt mein Versprechen. Seine Schritte hatte ich auf dem Kies noch gehört, er war nach rechts gegangen. >Wenn mich nicht alles täuscht sind wir vorne beim Klettergerüst<, dachte ich. >Aber was will er hier?< Wie falsch ich lag sollte ich in den nächsten Minuten merken. Denn nun erscholl seine Stimme von überall, um einiges lauter als gerade eben: „Sieh mich an.“ Ich hob den Kopf während ich mit den Händen das Tuch abnahm, öffnete die Augen und erblickte den Pavillon. Dort oben standen mein Freund hinter einem Mikrophon, rechts hinter ihm sein bester Kumpel Castiel und auf der anderen Seite im Hintergrund saß der Schlagzeuger ihrer Band. Meine Augen weiteten sich als ich die Aussage eines kleinen Jungen überprüfte der hinter mir zu stehen schien: „Guck mal Mutti, sie steht in einem Herzchen.“ Dann hob ich wieder den Blick zur Bühne; die anderen Leute waren stehengeblieben und wollten nun endlich wissen was hier los war. „Your Guardian Angel - dein Lieblingslied von The Red Jumpsuit Apparatus, alles Gute zum Einjährigen“, hauchte der Weißhaarige gerade ins Mikrophon und begann von seinen Kollegen begleitet zu singen: “When I see your smile, Tears run down my face. I can't replace. And now that I'm stronger, I have figured out, How this world turns cold and it breaks through my soul. And I know I'll find deep inside me, I can be the one. I will never let you fall. (let you fall.) I'll stand up with you forever. I'll be there for you through it all. (through it all.) Even if saving you sends me to heaven. It's ok. It's ok. It's ok. Seasons are changing And waves are crushing And stars are falling off for us Days grow longer and nights grow shorter I can show you I'll be the one I will never let you fall I'll stand up with you forever I'll be there for you through it all Even if saving you sends me in heaven Cuz you're my, you're my, my, my true love, my whole heart Please don't throw that away Cuz I'm here for you Please don't walk away, Please tell me you'll stay, stay Use me as you will Pull my strings just for a drill And I know I'll be ok Though my skies are turning gray I will never let you fall I'll stand up with you forever I'll be there for you through it all Even if saving you sends me to heaven I will never let you fall I'll stand up with you forever I'll be there for you through it all Even if saving you sends me to heaven.” Das Lied war zu Ende, Totenstille herrschte. Umso deutlicher waren die Worte des Sängers zu verstehen: „Ich liebe dich Victoria, ich liebe dich mit jeder Faser meines Körpers.“ Die umstehenden Menschen hatten den intensiven Blickkontakt zwischen uns schon längst registriert, ein Ruf wurde laut und ging wie ein Lauffeuer durch die Menge: „Geh hoch zu ihm!“ Unsicher sah ich mich um, holte tief Luft und ging dann an den Rand. Die drei Stufen hatte ich schnell überwunden, wackeligen Schrittes kam ich auf ihn zu. Einen Meter von ihm entfernt blieb ich stehen, blendete all die fremden Leute aus und richtete meinen Blick auf die Person vor mir. Gelassen nahm ich das Mikrophon aus dem Ständer bei Castiel und führte es zum Mund. Alle Augenpaare waren auf mich gerichtet, woraufhin ich hörbar schluckte. Mein Freund kam einen Schritt näher, schenkte mir ein Lächeln und formte mit den Lippen die Worte: ‚Ich liebe dich, egal was passiert‘. „Ich liebe dich auch Lysander“, flüsterte ich in den Verstärker und strich ihm eine widerspenstige Haarsträhne hinters Ohr. „Und danke für die Feder.“ „Als meine Muse gebührt sie dir“, murmelte er zurück und versank in meinen Augen; seine Nase stupste meine an. Kaum verständlich flüsterte ich: „Willst du mich noch länger warten lassen oder …“. Mit einem Kuss versiegelte er meine Lippen, das war mir Antwort genug; die Menge tobte.

14.76 % der User hatten die Auswertung: „Es ist wunderschön hier“, schwärmte ich und drehte mich einmal um meine eigene Achse. Um mich herum standen fein säuberlich gepflanzte Blumen, Sträucher, Büsche und Bäume. „Ich finde es auch herrlich“, stimmte Jade zu und nahm meine Hand. „Monsieur Maier war aber auch zu freundlich uns die Karten zu schenken“. „Ja, er wollte sich bei mir noch einmal für die kurzfristige Hilfe bedanken. Schließlich findet man nicht überall solch einen Orchideen-Experten.“ Lächelnd führte er mich weiter. Zusammen genossen wir die bunte Pracht, kamen mit dem einen oder anderen Mitarbeiter ins Gespräch und schlossen dabei neue Bekanntschaften. Der letzte Arbeitgeber meines Freundes war kein geringerer als der Planer vom ‚Neuen Botanischen Garten Paris‘. Ihm war der weltweit bekannte Experte Tom Laren von New York vor der Nase weggeschnappt worden, obwohl er ihm bereits zugesagt hatte. Mister Laren, zweifelsohne Engländer, war erst vor einem Jahr zum ‚World-Master of Orchids‘ ernannt worden und das von der Queen höchst selbst. Dass ausgerechnet ein Konkurrent den Mann abwerben konnte, schmerzte den Veranstalter natürlich, doch umso erleichterter war er über die Zusage meines Freundes. Trotz seiner jungen Jahre hatte er ein enormes Fachwissen über Orchideen, alles dank eines zweijährigen Auslandsaufenthaltes in Japan. Diese Zeit war für mich nicht leicht gewesen, ganz im Gegenteil. Mein Event-Management-Studium forderte viel von mir und meine Dozenten noch mehr. Ohne die täglichen Telefonate und das Skypen wäre ich zu Grunde gegangen, 9861.139 km waren wirklich nicht zu unterschätzen. Der Zeitunterschied machte uns kaum etwas aus, dass ich ihn aller zwei Monate für ein Wochenende besuchen kam tat sein Übriges. Endlich zurück widmete er sich den Rosen, den Königinnen unter den Blumen. Er schaffte es schwarze Rosen zu züchten, die dieses Klima überstanden, und kreuzte diese wiederum mit allerhand anderen Sorten. Dadurch schuf er die einzigartige ‚Bloody Rose‘ für welche er einige internationale Preise erhalten hatte. „Lass uns rüber ins Gewächshaus gehen“, schlug Jade vor und zog mich von den Obstbäumen weg. Der Duft von frischen Äpfeln und Zitronen erfüllte die Luft, davon angezogen tummelten sich allerlei Insekten in der Nähe der Früchte. Unseren Weg bildeten dunkle, naturbelassene Steine und Gras. Immer wieder entdeckten wir eine außergewöhnliche Farbkombination oder eine neuartige Bepflanzungsart. >Es ist wunderschön hier, diese ruhige Atmosphäre und der leichte Sommerwind< Seufzend lehnte ich mich gegen ihn. „Danke, dass du mich aus meinem Arbeitszimmer geholt hast.“ „Ansonsten hättest du doch diese ganze Schönheit verpasst“, meinte er sanft und legte seinen Kopf auf meinen. „Die Orchideen haben das gesamte Haus hier für sich.“ „Ich bin so neugierig“, gestand ich und trat zu Jade heran. „Das sind Stanhopea und Catasetum, die durchdringend nach Ananas, Vanille, Zimt, Kümmel oder Menthol riechen“, erklärte er, während ich angesichts dieser Duftexplosion die Nase rümpfte. „Wir haben sie nebeneinandergepflanzt damit die anderen ihre Düfte besser verbreiten können.“ „Ihr habt einen wahren Regenbogen geschaffen“, schwärmte ich und betrachtete die lieblichen Geschöpfe. „Es erschien uns besser um die ganze Pracht und die unterschiedlichen Schattierungen darzubieten“, schmunzelte er und strich einer seiner Lieblinge über den Kopf. „Es fasziniert mich jedes Mal wie unterschiedlich die Köpfe ausgeprägt sind“, meinte ich und betrachtete eine der Diuris drummondii mit ihrer gelben Farbe genauer. Wir verbrachten viel Zeit zwischen den Pflanzen, bis Jade einen verlockenden Vorschlag machte: „Was hältst du von einem Abstecher ins Café 'Lady Letizia'?“, fragte Jade und legte einen Arm um deine Taille. Ich schmiegte mich an ihn und lächelte nur. „Es ist nach der Gutsherrin benannt, früher soll hier ein Herrenhaus mit Stallungen gestanden haben. Ich glaube man hat auch ein Portrait von ihr und ihrem Mann ausgehängt und etwas über ihr Leben.“ Arm in Arm schlenderten wir aus dem Orchideen-Haus und überquerten die große Wiese auf welcher ein Klettergerüst für Kinder aufgebaut war; die kleinen Racker spielten fröhlich und heiter. Wieder kam mir in den Sinn, dass ich noch etwas für die Baby-Party einer ehemaligen Klassenkameradin besorgen wollte, schließlich hielt der Kontakt zu Rosalia schon seit so vielen Jahren und als erste aus unserem Jahrgang würde sie in einem Vierteljahr Mutter werden. >Wenn sie uns nur verraten hätte ob es ein Mädchen oder ein Junge wird< Drei Schlingel, die Fangen spielten, rannten an uns vorbei. >Ich finde diese allgemeinen Geschenke einfach nicht so schön<. „An was denkst du?“, wurde ich aus meinen Gedanken aufgeschreckt, als Jade meine Hand nahm. „Die Babyparty für Rosalia“, gestand ich und seufzte laut. „Ich weiß einfach nicht, was ich ihr schenken könnte.“ „Du hast doch noch zwei Wochen Zeit, ich bin mir sicher dir fällt etwas Schönes ein“. Das ermunternde Lächeln von ihm zauberte meine Sorgenfalten weg, ich beugte mich zu ihm hinüber und gab ihm einen kurzen Kuss. Danach setzten wir unseren Weg schweigend fort. „Diese Cupcakes waren unbeschreiblich lecker.“ Mit der Zunge leckte ich den letzten Rest der Buttercreme aus den Mundwinkeln und sah zu wie Jade seinen Kaffee austrank. Danach verließen wir den Pavillon und steuerten den Weg zum Barfußpfad an. Fein säuberlich legte ich meine Socken in die Schuhe und stellte sie in das Schließfach, meine Fußsohlen kribbelten und die Luft um mich herum war erfüllt vom Geruch aufgewühlter Erde. Erneut ergriff ich Jades Hand und führte ihn zu den Fühlkisten, dort liefen wir als erstes über Tannenzapfen und Fichtennadeln. „Das piekt.“ Ich schüttelte mich. „Und dort kommen sogar Scherben!“ „Keine Angst, die Bruchstellen sind alle stumpf“, er setzte seinen rechten Fuß auf und lief darüber. Keine drei Kisten weiter stellte sich bei mir ein sonniges Lächeln ein: „Rosenblüten, sie sind so samtig weich und anschmiegsam.“ „Sie sind sanft ohne ihre Stacheln“, stimmte er zu und zupfte sich eines aus der Hosenkrempe, welches hochgeflattert war. „Es erinnert mich an unseren ersten gemeinsamen Abend“, sagte er mit rauer Stimme. „Ich hatte die gesamte Wohnung dekoriert und es war mir so peinlich.“ „Es war romantisch, aber vielleicht ein bisschen kitschig.“ Ich gab ihm einen Kuss. „Woher solltest du auch wissen, dass es beim ersten Date erst einmal ums Kennenlernen geht ohne irgendwelche Ablenkungen.“ Er erwiderte den Kuss und führte mich weiter zum Schlammbecken und verteidigte sich: „Ich wollte eine Verbindung knüpfen zu dem Rosenstrauch den ich dir geschenkt habe.“ „Unser Kennenlernen haben wir nur den Blumen zu verdanken.“ Ich blieb stehen und blickte skeptisch auf die braune Masse. „Müssen wir da wirklich durch?“ „Dort hinten ist auch noch Schlick. Natürlich machen wir alles!“, erwiderte er nur und streckte die Hand aus. „Mit Lehm arbeitest du doch auch.“ „Du lenkst vom Thema ab.“ Mich schauderte, als meine Waden vollständig von Schlamm umschlossen wurden. „Oder weißt du nicht mehr wie wir uns kennengelernt haben?“ „Wie könnte ich das je vergessen.“ Er bereitete dir eine Bahn und drehte sich um damit er mir in die Augen sehen konnte, „Ich hab in der ‚Blütenpracht‘ ausgeholfen und war gerade dabei draußen die Sträucher zu gießen als du mit dem Fahrrad ankamst. Du hast deinen Rock glatt gestrichen, das Fahrrad abgestellt und bist ins Geschäft gegangen; allerdings gleich wieder raus weil niemand da war. Ich hab dich gefragt was du möchtest…“ „…und von mir nur die Visitenkarte unter die Nase gehalten bekommen vom ‚Festiziös –Event – Management‘. Danach hab ich dir erklärt dass mein Onkel der Geschäftsführer ist und ich in seinem Auftrag einige Tischgedecke bestellen soll. Du hast mich in den Laden gebeten und deinerseits erläutert du wärst die Urlaubsvertretung; aber du wusstest in meinen Augen zu viel für einen Laien“, unterbrach ich ihn und verließ das Braun um in den Sand zu treten. „Wir haben uns auf 15 Gestecke in schlichtem Weiß und Lila geeinigt. Du hast sie pünktlich abgeliefert und mein Onkel gab auch die nächsten Aufträge an dich.“ „Madame Brewer stellte mich während meines Studiums an, sie war so aus dem Häuschen als sie die ganzen Aufträge bekam und wollte sich erkenntlich zeigen bei mir. Immer warst du unsere Kontaktperson, wir sahen uns aller drei Wochen oder auch öfter, je nachdem wie viele Projekte die Firma hatte.“ Er folgte mir und vergrub sein Gesicht in meinen Haaren. „Dann kam die Bestellung mit den Rosensträuchern nach mehr als einem halben Jahr.“ Ich lächelte und machte mich frei. „Zu dem Zeitpunkt war ich die Gehilfin der Assistentin, ich hatte so viele Dinge zu erledigen aber wollte die Blumendekoration unbedingt weiterhin übernehmen.“ „Es ging dir doch weniger um die Blumen als um mich, oder?“ Er blickte mir in die Augen, ich zwinkerte ihm zu und rannte dann weg; danach beendeten wir den Parcours. „Ich hatte vier rote Rosensträucher bestellt für die Grundsteinlegung einer Bäckerei, aber du hast fünf vom Anhänger genommen.“ Ich zog meine Socken über die frischgewaschenen Füße. „Du warst wie eine Furie, richtig beängstigend“, gestand er und knotete seine Schuhe zu, ehe er ihr aufhalf. „Wenn sonst etwas nicht deinen Vorstellungen entsprach hast du immer nahezu gefühlskalt deine Beschwerden vorgebracht. Aber dieses Mal warst du so aufgedreht, hast dir dauernd deine Haare hinters Ohr gesteckt und den Rock glattgestrichen und irgendetwas auf deinem Klemmbrett abgehakt oder notiert. Du warst das allererste Mal als richtige Assistentin tätig.“ Jade führte mich einen Weg hinauf, ich zog meine Strickjacke enger denn es wurde windig. „Es war bei der Bestuhlung schon einiges schiefgegangen und jemand hatte die Spaten verlegt. Ich war außer mir!“, gab ich von mir und betrachtete die freie Rasenfläche zu meiner rechten Seite. „Und dann kamst du auch noch mit einem Strauch zu viel, obwohl du einen Tag vorher doch auch genau vier Löcher ausgehoben hattest. Wenn dich niemand begleitet hätte…“ Ich holte tief Luft, ehe ich weitersprach: „Ich wollte dir eine scheuern, du solltest spüren was ich von dieser Fahrlässigkeit hielt.“ „Aber du hast es nicht getan!“, warf er ein und stieg mit mir höher, sein Arm um meiner Taille zog mich näher. „Und als wir dir erklärten es wäre ein Geschenk des Hauses an dich konntest du es schlecht wieder zurückschicken. Wir sind also nach der Veranstaltung zu dir gefahren und haben den Baum im Übertopf in dein Wohnzimmer getragen; beziehungsweise hat Maties es gemacht weil ich ja schon weg war.“ „Ich hab das Ding angestarrt und nur den Kopf geschüttelt“, murmelte ich und vergrub mein Gesicht an seiner Schulter. „Was sollte ich in meiner Dreizimmerwohnung mit einem Rosenstrauch? Noch dazu mit einem wo der Großteil der Blüten geschlossen ist; aber ich hab mich darauf eingelassen einen lebenden Mitbewohner zu haben.“ „Und du bist dabei nicht leer ausgegangen“, er küsste mich und half mir dann über die großen Steine. „Ist das keine Absperrung?“, fragte ich und sah mich nach einem Schild um. „Der Weg biegt doch nach rechts ab.“ „Keine Sorge“, beschwichtigte er mich. „Nur eine Abkürzung zur Aussichtsplattform.“ Skeptisch ließ ich mich von ihm weiterführen; er erzählte weiter: „Ich hatte alle Mühe den Charme in der Knospe zu verstecken ohne dass sie stirbt, sie hätte auch zubleiben und verwelken können; dann hättest du ihn wahrscheinlich weggeschmissen.“ „Aber sie ist mit allen anderen aufgeblüht und ich kam in dem Moment in die Wohnküche als er auf den Boden fiel“, erwiderte ich lächelnd und zupfte eine Kette unter meiner Jacke hervor. „Ich hab die Rose aufgehoben, war erst ziemlich skeptisch und dachte sie gehört irgendjemandem. Also hab ich sie nur auf die Arbeitsplatte gelegt und wollte nach der Arbeit bei euch anrufen, aber als ich wiederkam lag da ein Paket vor meiner Tür in dem eine rote Rose, ein schwarzes Band und ein Brief waren. Du hast mich um ein Date gebeten und ich war einfach nur baff.“ „Aber du bist gekommen und es war der erste schöne Abend von vielen.“ Er küsste mich und zog mich dann weiter nach vorn an eine Klippe. „Und seit dem bekommst du jeden Monat eine andersfarbige Rose von mir.“ Ich nahm seine Worte gar nicht mehr wahr, denn mein Blick war auf das gigantische Feld weißer und bordeauxroter Rosen gerichtet, welches sich unter uns ausbreitete. >Das müssen hunderte wenn nicht tausende sein<, schoss es mir durch den Kopf, als mir aufging dass die Rosen Zeichen oder besser Buchstaben bildeten. >Will you marry me, Emely?< Neben mir raschelte es, meine Augen lösten sich von der Frage und ich traf auf die mintgrünen Seelenspiegel des vor mir Knieenden, welcher leise die Frage wiederholte: „Willst du mich heiraten, Emely?“ In seinen Händen stand ein aufgeklapptes Kästchen, ein schlichter goldener Ring mit einer Jadeperle lag darin. Von selbst fuhren meine Finger über den Anhänger um meinen Hals. Ich lächelte ihn an während sich die ersten Tränen aus meinen Augen stahlen und meine Wangen hinunterliefen. „Natürlich will ich dich heiraten, Jade“, erlöste ich ihn und beugte mich zu ihm hinunter damit er mich küssen konnte; dabei schmeckten wir beide salzige Freudentränen.

14.65 % der User hatten die Auswertung: „Bist du fertig, Liebling?“ Ich rückte mein Diadem zurecht und warf einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel, bevor ich zurückrief: „Ja, ich komme.“ In meinem bodenlangen, weinroten Gewand fühlte ich mich wie eine Prinzessin, während ich die Treppe zum Ballsaal hinunter schritt. Als ich sah, dass mein Prinz dort bereits auf mich wartete, erhellte sich mein Gesicht. "Du siehst bezaubernd aus“, säuselte er, indem er meine Hand zu seinem Mund führte und einen zärtlichen Kuss darüber hauchte. „Du kommst keine Sekunde zu spät. Die ersten Gäste sind soeben eingetroffen.“ Tatsächlich betrat just in diesem Moment eine Traube von gut gekleideten Männern und Frauen den Saal, jeder von ihnen Ausschau haltend nach der Person, zu deren Ehrentag man sie heute eingeladen hatte. „Dimitry, mein Bester!“ Ein älterer Herr mit Schnurrbart und Monokel entdeckte den Hausherren als erster, woraufhin auch die restlichen Gäste auf ihn aufmerksam wurden und sofort mit zahlreichen Glückwünschen überhäuften. Dimitry nahm sie alle geduldig entgegen und bedankte sich höflich bei jedem Einzelnen. Währenddessen stand ich treu zu seiner Rechten und begrüßte jedermann mit einem freundlichen Händeschütteln. Nachdem alle zweiundfünfzig geladenen Gäste ihre Glückwünsche übermittelt hatten, wandte sich Dimitry mit einem erleichterten Seufzen zu mir um: „Jetzt kann das Fest beginnen!“ Hand in Hand flanierten wir zur anderen Seite des Ballsaals hinüber und stiegen auf das breite Podium, von dem aus wir die gesamte Menge problemlos überblicken konnten. Sofort hielten alle in ihren Gesprächen inne und richteten ihre Blicke auf das Gastgeberpaar. „Es freut mich, dass ihr anlässlich meines Geburtstages so zahlreich hier erschienen seid. Meine Frau und ich heißen euch hiermit herzlichst willkommen und hoffen, dass euch die folgenden Stunden eine angenehme Zeit bei uns versprechen und dadurch zu einem unvergesslichen Ereignis werden, von dem ihr euren Liebsten nur in den besten Zügen berichten könnt!“ Ein Diener reichte uns ein Silbertablett, auf dem zwei halbvolle Weingläser standen, die Dimitry und ich mit einem höflichen Nicken entgegennahmen und zum Prosit erhoben. „Auf einen wunderschönen Abend und noch viele weitere gemeinsame Stunden, die wir in diesem Kreis zusammen verbringen dürfen!“ Im nächsten Moment war der Saal vom Klirren der Gläser erfüllt, die während Dimitrys Rede an die Gäste verteilt worden waren. „Damit ist das Fest offiziell eröffnet!“, verkündete der Hausherr mit einer auffordernden Geste in Richtung der Musiker, woraufhin diese nach ihren Instrumenten griffen und ein paar erste, unsichere Töne anstimmten. „Das erste Lied gehört nur dir, mein Liebling.“ In vollendeter höfischer Manier deutete Dimitry eine Verbeugung an und streckte mir dabei seine rechte Hand entgegen. Dementsprechend vollführte ich einen tiefen Knicks, bevor ich seine Hand ergriff und mich von ihm zur Saalmitte geleiten ließ. Just in diesem Moment begannen die Musikanten zu spielen und nach und nach gesellten sich immer mehr Tanzpaare dazu. Doch ich hatte nur Augen für Dimitry. Sofort fühlte ich mich an den Tag zurückversetzt, an dem wir uns auf einem Maskenball das erste Mal begegnet waren. Schon damals war Dimitry allein durch sein galantes und selbstbewusstes Auftreten aus der Menge herausgestochen, wobei sein Kostüm, das an einen gut situierten Vampirlord erinnerte, und die weiße Maske dem Ganzen das i-Tüpfelchen aufgesetzt hatten. Dasselbe Kleid, welches ich an diesem Abend in Kombination mit einer schwarzen, aus Spitze gefertigten Maske getragen hatte, zierte seit jenem schicksalhaften Tag heute das erste Mal wieder meinen Körper. Just in dem Moment, als ich diesen Gedanken zu Ende gedacht hatte, war auch das Lied zu Ende. „Ich danke für diesen Tanz, meine Schöne.“ Seine Lippen hinterließen ein Kribbeln an der Stelle, wo sie meinen Handrücken berührten. „Bitte entschuldige mich für einen Augenblick, ich möchte mich nur kurz mit einer alten Freundin unterhalten, die ich soeben in der Menge ausgemacht habe. Ich bin sofort wieder bei dir.“ Im Vorbeigehen prostete er zwei älteren Herren zu, bevor er auf die große Fensterfront auf der westlichen Seite des Ballsaals zuhielt. Ich schaute ihm noch eine Weile hinterher, da wurde ich auch schon von einem Mann mittleren Alters angesprochen, der sich kurz angebunden zu den Annehmlichkeiten dieses Festes äußerte und mich schließlich zum Tanz aufforderte. Er mochte etwa Ende dreißig sein, hatte aschblondes Haar das ihm bis zum Kinn reichte und einen Dreitagebart. Ich kannte ihn bereits von vorangegangenen Festlichkeiten und wusste, dass er über zwei Ecken mit Dimitry verwandt war. Nur sein Name entfiel mir immer wieder. Was vielleicht daran liegen könnte, dass er ziemlich selten von sich aus ein Gespräch begann. Gerade drehte ich eine ausladende Pirouette, als sich mein Blick unwillkürlich auf das Szenario heftete, was sich hinter meinem Rücken abspielte: eine junge Frau mit schulterlangem, blonden Haar kam meinem Mann gefährlich nah. Sie präsentierte sich von ihrer Schokoladenseite, indem sie ihr unwiderstehlichstes Lächeln aufgesetzt und sich in eine vorteilhafte Pose gerückt hatte, die tiefe Einblicke in ihren v-förmigen Ausschnitt gestattete. Zu meiner Erleichterung war das Lied nur vier Takte und zwei Drehungen später zu Ende und meinen Tanzpartner zog es in Richtung des üppig aufgetischten Büfetts, nachdem er sich mit einer angedeuteten Verbeugung bei mir bedankt hatte. Ich atmete einmal tief durch, bevor auch ich mich umwandte und zielstrebig auf Dimitry und seine neue Verehrerin zuging, die mich sofort mit höhnischen Blicken maß, als ich neben meinen Mann trat. „Du bist es, meine Liebe! Darf ich dir Lady Olivia vorstellen, die Tochter meiner alten Freundin Miss Maria Leighton?“ Ich gab der jungen Lady die Hand und obwohl es in meinem Inneren brodelte, versuchte ich ein möglichst freundliches Lächeln aufzusetzen. „Oh, dann sind Sie also Lady Letizia, von der alle Leute in den höchsten Tönen sprechen?“, flötete das werte Fräulein, wobei es sich keinerlei Mühe gab, den Zynismus in seinen Worten zu verbergen. „Eine vortreffliche Wahl, die Ihr da getroffen habt, mein lieber Dimitry“, mischte sich Miss Leighton ein. „Wenn es Ihnen nichts ausmacht, würde ich mich gern eine Weile mit Ihrer Frau unterhalten, sobald ich dem Büfett einen Besuch abgestattet habe.“ „Natürlich, Miss Leighton. Sofern sie damit einverstanden ist?“ Dimitry bedachte mich mit einem fragenden Blick. „Aber sicher“, antwortete ich, woraufhin Miss Leighton zufrieden nickte und auf dem Absatz kehrtmachte. „Wollen Sie Ihre Mutter nicht begleiten?“, fragte ich an Lady Olivia gewandt. „Ich verspüre noch keinen rechten Hunger“, antwortete sie schlicht und zog einen goldgelben Fächer aus ihrer Schärpe, mit dem sie sich Luft zuzufächeln begann. „Aber ein Glas Punsch könnte ich vertragen!“ Ich wechselte einen vielsagenden Blick mit Dimitry, bevor ich kurzerhand die Initiative ergriff und mich anbot, um dem Wunsch der Lady nachzukommen. Am Büfett herrschte reges Gedränge, sodass ich eine Weile brauchte, um die Schüssel mit dem Punsch zu erreichen. Dort angekommen füllte ich zwei Gläser und stibitzte im Vorbeigehen eines der Schokoladentörtchen, dann machte ich mich auf den Rückweg. Doch was ich dort sah, nahm mir für einen kurzen Augenblick die Luft zum Atmen. Lady Olivia hatte meine Abwesenheit schamlos ausgenutzt und war soeben im Begriff Dimitry zu küssen! Ohne groß darüber nachzudenken, schob ich mich zwischen die beiden Turteltäubchen und stieß die junge Frau mit einer harschen Geste beiseite. „Was bezwecken Sie mit dieser Aktion, Lady Olivia? Sich an einen verheirateten Mann ranzumachen und das auch noch vor den Augen seiner Frau?“ Ein Blick ihrer blitzenden, braunen Augen versicherte mir, dass sie keineswegs ein schlechtes Gewissen hatte. Im Gegenteil: ihre ganze Erscheinung war eine einzige, stumme Kampfansage, als sie neben mir stehen blieb und folgende Worte an mich richtete: „Sie haben alles kaputtgemacht. Dimitry sollte von Anfang an mir gehören! Schon seit unserer Kindheit sind wir einander versprochen…“ Dimitry, der außer Hörweite war, zog fragend eine Augenbraue in die Höhe, doch noch ehe ich ihn darüber aufklären konnte, worum es gerade ging, bekam ich einen heftigen Hieb in die Seite, der mich augenblicklich zu Fall brachte. „Oh Gott, ist bei Ihnen alles in Ordnung?“ Im selben Moment, in dem ich mit voller Wucht zu Boden krachte und dabei an einem der Couchtische hängenblieb, tauchte eine bestürzte Miss Leighton auf, die die Situation schneller erfasst hatte als ich und sich mit zornesroter Miene an ihre Tochter wandte: „Wir sprechen uns später!“ Ich nahm Miss Leightons helfende Hand dankend an, knickte jedoch sofort wieder ein, als ich mich aufzurichten versuchte. Mit schmerzverzerrtem Gesicht hielt ich mir die rechte Seite und seufzte erleichtert auf, als ich mich bei Dimitry abstützen durfte. „Ist hier zufällig ein Arzt unter Ihnen?“, schallte Miss Leightons Stimme durch den Saal. Ich staunte nicht schlecht, als sich ein Mann aus der Menge schälte, den ich als meinen vorherigen Tanzpartner wiedererkannte. „So schnell sieht man sich wieder“, äußerte der Mann mit einem amüsierten Schmunzeln, bevor er sich Dimitry zuwandte und ihm auftrug, mich in ein Nebenzimmer zu bringen. Dort legte ich mich brav auf das Sofa und ließ die Untersuchung wortlos über mich ergehen. „Sie scheinen mit ein paar Prellungen davongekommen zu sein. Aber ich würde Sie gerne noch einmal ausführlicher untersuchen. Meine Praxis liegt nur ein paar Häuser entfernt.“ Ich sah Dimitry an, der zustimmend nickte und mir hoch half. Doch in dem Moment, als meine Füße den Boden berührten, wurde mir schlagartig so übel, dass ich befürchtete meinen Mageninhalt nicht länger bei mir behalten zu können. „Was ist los, Schatz?“ Dimitry war sofort zur Stelle und hielt meine zitternde Hand. „Nichts, nichts. Es geht schon wieder.“ Zum Beweis straffte ich meine Haltung und folgte entschlossenen Schrittes dem jungen Arzt. Nachdem dieser seine Kutsche vorgefahren hatte, stiegen Dimitry und ich zu ihm auf die vordere Sitzbank. Zum Glück dauerte die Fahrt tatsächlich nur wenige Minuten, denn der holprige Weg trug nicht gerade zur Besserung meines Zustandes bei. Unser Weg endete vor einem schlichten Reihenhaus, das sich durch seinen blitzweißen Anstrich von den anderen abhob. Dimitry hielt mir die Tür auf, sollte auf Anraten des Arztes jedoch im Vorzimmer auf mich warten. Im Untersuchungszimmer musste ich mich auf eine einfache, braun gepolsterte Liege legen, wo mich der Doktor einer ausführlicheren Untersuchung unterzog, bei der ich gezwungen war mein Kleid auszuziehen. Während der Arzt meine Hüfte und meinen Bauch abtastete, zog er nachdenklich die Stirn kraus. „Sagen Sie mal, meine Liebe: Haben Sie in letzter Zeit öfter Schmerzen im Bauchbereich verspürt? Und wie steht es mit der Übelkeit?“ „Na ja…in den letzten Tagen war dies tatsächlich häufiger der Fall. Aber wieso fragen Sie?“, fragte ich während der Arzt mir zu verstehen gab, dass ich mich wieder anziehen durfte. „Nun, mal abgesehen von den Prellungen, die Sie davongetragen haben, ist mir eine weitere, höchst bedenkliche Sache aufgefallen…“ Merkwürdigerweise lächelte der Doktor angesichts der Tatsache, dass alle Farbe aus meinem Gesicht wich und ich ihn mit schreckgeweiteten Augen anstarrte. „Soll das heißen, ich habe wesentlich ernsthaftere Verletzungen erlitten?“ Anscheinend machte sich der junge Mann einen Spaß aus meinem derzeitigen Zustand, denn das Lächeln wollte einfach nicht von seinen Lippen verschwinden. „Das kommt darauf an, ob man eine Schwangerschaft als eine 'ernsthafte Verletzung' bezeichnen kann?“ Ich spürte, wie mir ein riesiger Stein vom Herzen fiel. Gepaart mit einer Welle der unbändigen Freude, die von meinem ganzen Körper Besitz ergriff. „Ist das Ihr Ernst, Mister Kingsley?“ Der Name kam wie von selbst aus meinem Mund. Und er schien auch noch zu stimmen, denn mein Gegenüber nickte bestätigend. „Ja. Meines Erachtens dürften Sie sich ungefähr im dritten Monat befinden.“ Mister Kingsley trat zu mir heran und schüttelte kräftig meine linke Hand. „Herzlichen Glückwunsch.“ Ich bedankte mich überschwänglich bei meinem Retter in der Not, bevor ich zur Tür hinausstürmte und meinem völlig verdutzten Ehemann in die Arme fiel. „Liebling, geht es dir gut?“ „Dimitry, ich…ich bin schwanger!“, erklärte ich unter Freudentränen. Sobald Dimitry meine Worte verarbeitet hatte, riss er mich in die Höhe und wirbelte mich durch die Luft. „Ich werde Vater!“ Sobald ich mich wieder auf festem Boden befand, drückte mir Dimitry einen übermütigen Kuss auf. „Das ist das schönste Geburtstagsgeschenk von allen!“ Als würde er von einer plötzlichen Eingebung heimgesucht, hielt Dimitry kurz inne, bevor er mit den Worten: „Ich habe ja auch noch etwas für dich…“ in die Innentasche seines Mantels griff und eine kleine Schatulle zu Tage förderte. „Eigentlich wollte ich dir das erst später geben, aber nun da du meine Planung so durcheinandergebracht und mir unwillkürlich den perfekten Anlass dafür geliefert hast?“ Neugierig hob ich den samtbesetzten Deckel der Schatulle an und fand mich einem rot glitzernden Augenpaar gegenüber, das einem wunderschönen Fledermaus-Anhänger aus schwarz glänzendem Onyx gehörte. „Dimitry…!“ Mehr brachte ich gar nicht heraus. „Er soll dich immer daran erinnern, dass du einen Vampir geheiratet hast, der nicht nach deinem Blut sondern allein nach deiner Liebe trachtet.“ „Ich werde ihn stets bei mir tragen“, erwiderte ich gerührt. Daraufhin fanden sich unsere Lippen erneut zu einem langen Kuss, wobei Dimitry anschließend von mir daran erinnert wurde, dass wir unsere Gäste nicht länger warten lassen und nach Hause zurückkehren sollten. „Ob Mister Kingsley uns begleitet?“ Nur wenige Sekunden später ertönte seine Stimme aus dem Untersuchungszimmer: „Ich komme gleich!“ „Lassen Sie sich ruhig Zeit! Die Nacht ist jung und das Fest noch lange nicht vorbei. Schließlich haben wir jetzt noch einen Grund mehr zum Feiern!“