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Die Statistik vom Quiz

Deine Liebesgeschichte in der magischen Potter Welt IV

42.18 % der User hatten die Auswertung: „Mach weiter so!“. Ich lächelte ihm zu und verließ sein Büro. Für so eine Lobeshymne blieb ich doch gern etwas länger. Wir waren nur zwei Mädchen in der Nationalmannschaft und diesen Posten hatten wir uns schwer erkämpft. Es tat gut ab und zu auch mal zu hören, dass man gebraucht wurde. Aber leider war die Saison für mich schon wieder vorbei. Die Weltmeisterschaft stand vor der Tür und es konnten nicht alle Spieler mit nach Bulgarien fliegen. Ich seufzte und öffnete die Tür zu der Frauenumkleide. Reihenweise standen die Spinde offen, nur neben der Tür zu den Duschen waren zwei verschlossen. Es hatte eben auch seine Vorteile, wenn man in der Minderheit war. Ich schloss den Spind auf und entledigte mich meines verschwitzten Trainingumhangs. Heute hatte die Sonne nur so auf uns herab gebrannt. Ich schnappte mir mein Handtuch und machte mich auf den Weg zu den Duschen. Zunächst ließ ich kaltes Wasser über meinen erhitzten Körper strömen. Ich seufzte erleichtert. Das Duschen war wirklich immer mein Highlight nach dem Training. Zwei starke Arme, die sich um meine Taille schlangen, rissen mich aus meinen Gedanken. Er strich mir das Haar aus dem Nacken und begann mich dort zu küssen. „Na? Was wollte Wood denn von dir?“ säuselte Blaise mir ins Ohr. „Nichts besonderes“ erwiderte ich und strich ihm durchs Haar. Er küsste meinen Hals, was mir ein leichtes stöhnen entlockte. Er grinste. „Ich wollte mich von Dir verabschieden!“ sagte er zwischen den Küssen „es ist echt blöd, dass du nicht mitkommen kannst!“. Ich schnaubte: „Wieso? In Bulgarien gibt es doch genug andere Mädchen“. Er hielt inne, drehte mich zu sich und sah mir ernst in die Augen. Wie immer schmolz ich dahin... „Celine, bist du wieder eifersüchtig? Ich habe Dir gesagt, dass ich kein Mann für eine Frau bin!“. Ich sah ihn traurig an. Ja, das hatte er gesagt. Immer und immer wieder. Er würde sich nicht ändern... tief im Innern wusste ich das, aber trotzdem war da immer wieder ein Funken Hoffnung. Ich setzte ein Lächeln auf und sagte: „Ich weiß! Das war doch nur ein Witz“ zur Bestätigung lachte ich, schlang dann meine Arme um seinen Hals und küsste ihn. Seine Lippen waren so weich und es fühlte sich so richtig an. Wie sollte ich nur den ganzen Sommer ohne ihn ertragen? Ohne die Küsse, die Berührungen, die meinen ganzen Körper kribbeln ließen? Ich schloss meinen Spind und machte mich missmutig auf den Weg ins Wohnheim. Ich sah Blaise vor mir, wie er den bulgarischen Mädchen schöne Augen machte, wie er ihnen das Trainingslager zeigte und die Besenkammer... „Hey“, begrüßte mich meine beste Freundin und Kollegin Ginny, mit der ich mir ein Zimmer teilte. Ich brummte nur zur Begrüßung. „Was wollte denn Wood von Dir? Das Gespräch hat ja ganz schön lange gedauert“. „Er hat nur gesagt, dass ich heute gut gespielt habe... Blaise hat mich noch aufgehalten...“, sagte ich und errötete dabei leicht. Ginny stöhnte genervt auf. Sie hielt überhaupt nichts von meiner Affäre mit Blaise. ‚Du bist nur ein Spielzeug’ hatte sie oft genug gesagt. Ich wusste, dass sie Recht hatte, aber ich war schon seit der ersten Klasse unsterblich in ihn verliebt gewesen und als ich in die Nationalmannschaft kam und er anfing mir Avancen zu machen, konnte ich ihm nicht widerstehen. Ich ließ mich auf mein Bett fallen und beobachtete Ginny beim packen. „Ähh... das ist mein Pulli“, sagte ich und richtete mich auf. Skeptisch sah ich zu ihrem Koffer, der gefüllt mit meinen Klamotten war. „Wieso packst du meine Klamotten ein?“, fragte ich sie verwirrt. Ein Strahlen erschien auf ihrem Gesicht. „Ginny?“, fragte ich sie. „Na gut...“, platzte sie raus, „also... du fliegst nach Bulgarien!“ sagte sie und fiel mir um den Hals. „Aber...“,- „Ich kann leider nicht mitkommen“, erklärte sie, „Ich... bin schwanger!“. „Wow“, war das Einzige was ich rausbrachte und nun fiel ich ihr um den Hals. „Ich habe Oliver gebeten, dir nichts zu sagen!“, sie strahlte mich an. „In sechs Monaten ist es soweit. Harry ist schon ganz aufgeregt“, sie kicherte, „vielleicht sogar aufgeregter als ich. Jedenfalls muss ich mich schonen und Oliver fand es eine geniale Idee, dich stattdessen mit zu nehmen!“. „Danke, danke, danke!“, ich drückte sie noch einmal. Mein Sommer war gerettet. Ginny wurde am nächsten Morgen noch vor dem Frühstück von Harry abgeholt. Er sah leicht übermüdet aus, was wohl daran lag, dass er in letzter Zeit kaum schlafen konnte; vor Aufregung, wie mir Ginny berichtete. Wir versprachen uns regelmäßig zu schreiben und sie ermahnte mich noch einmal, die Affäre zu beenden. Allerdings wusste sie, dass das zwecklos war. Fröhlich schlenderte ich zum Frühstück und ließ mich Blaise gegenüber fallen. „Guten Morgen. Du scheinst ja blendend geschlafen zu haben“, er lächelte mich an, dann fuhr er flüsternd fort „Hast du von mir geträumt?“. Ich lächelte ihn an und wollte gerade etwas erwidern, als Oliver mit einem Löffel gegen sein Glas schlug, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Er räusperte sich: „Guten Morgen. Bevor wir nach dem Frühstück nach Bulgarien aufbrechen, wollte ich noch eine Bekanntmachung machen. Ginny Weasley kann leider nicht mit kommen, da sie schwanger ist...“, ein Raunen ging durch den Raum. In der Ecke bemerkte ich eine aufgetakelte Frau, die in der Hand einen Notizblock hielt, auf dem eine magische Feder Notizen machte. Irgendwoher kannte ich sie... „Stattdessen wird unsere andere Frau Celine McLissey mitkommen!“ Alle Augen wanden sich mir zu und Oliver deutet mir mich zu erheben. Oliver kam zu mir: „Ich freue mich dich im Team begrüßen zu dürfen!“. Er umarmte mich kurz und die Mannschaft applaudierte. Als er sich wieder von mir löste, sah ich, dass mich die Frau mit dem Block interessiert musterte. Ein listiges Lächeln lag auf ihren Lippen. „Herzlichen Glückwunsch!“, sagte Blaise und lächelte mich an, „Ich freu mich, dass du dabei bist! Dann ist es nicht so langweilig!“. Er zwinkerte mir kokett zu und verließ den Tisch. Ich musste bei dem Gedanken grinsen, dass ich Blaise weiterhin jeden Tag sehen konnte... allerdings würde ich sicher Konkurrenz bekommen, in Bulgarien gab es nicht nur zwei Mädchen, wie in unserer Mannschaft... Der Flug nach Bulgarien verlief ohne weitere Probleme. Es war bei weitem nicht so heiß, wie gestern und wir hatten einen lauen Wind im Rücken, der uns die Reise etwas erleichterte. Unser Quartier in Bulgarien war etwas anders, als zuhause in England. Es gab kein Wohnheim neben dem Stadion, sondern einen Kreis von verschiedenen Zeltplätzen für die Mannschaften, in dessen Zentrum ein Stadium für alle Mannschaften war. Eigentlich musste man sich die Zelte teilen, aber da ich das einzige Mädchen war, hatte ich ein Zelt für mich alleine. Wir hatten streng festgelegte Trainingszeiten, sodass wir eine Stunde nach Ankunft schon wieder auf den Besen sitzen mussten. Oliver war gestresst, was wir deutlich zu spüren bekamen. „Celine, dass ist schon der zweite Klatscher, den du hast durchgehen lassen... Blaise du bist zu langsam... Taylor konzentrier dich...“, so ging es die vollen zwei Stunden lang. Danach war die französische Mannschaft dran und wir waren alle erleichtert, als wir das Spielfeld verließen. Völlig erschöpft fiel ich in einen traumlosen Schlaf. Ich wurde von einem Kratzen geweckt. Widerwillig öffnete ich die Augen und sah unseren großen Uhu Rufus auf meinem Tisch sitzen. Ich schälte mich aus dem Bett. Zu seinen Füßen lag der Tagesprophet und eine Pergamentrolle. Liebe Celine, es ist wirklich schade, dass wir es so erfahren müssen. Wir dachten du würdest uns alles erzählen, dem ist wohl nicht so. Mum & Dad Verwirrt starrte ich auf das Papier. Was war den jetzt los? Rufus pickte mit seinem Schnabel auf der Zeitung herum. Ich zog sie weg und erhaschte dabei einen Blick auf die Titelseite. „Quidditch-Love“ war die große Überschrift. Darunter prangte ein Foto, auf dem Oliver zu sehen war, der mich umarmte. Die Szene des gestrigen Frühstücks wiederhole sich immer wieder. Als ich den Namen der Redakteurin las, wusste ich woher ich sie kannte. Rita Kimmkorn hatte damals in Hogwarts den Bericht über das trimagische Turnier geschrieben. Ich seufzte und begann den Artikel zu lesen, gab es jedoch nach dem ersten Absatz auf. So einen Blödsinn wollte ich mir echt nicht vor dem Frühstück antun. Ich gab Rufus ein paar Brotkrümel, schrieb eine knappe Antwort an meine Eltern, dass das alles ein Missverständnis war und schickte Rufus dann zurück. Die ganze Sache war mir unglaublich peinlich. Ich überlegte was ich tun sollte und beschloss mit Oliver zu reden. Ich zog mir einen Bademantel über und stiefelte dann zu Olivers Zelt, das er, aufgrund seiner Stellung als Kapitän, auch alleine bewohnen durfte. Ich räusperte mich, bevor ich eintrat: „Oliver bist du wach?“. Im halbdunkeln konnte ich eine Gestalt im Bett erkennen. „Was ist?“ grummelte er. Ich schlich zu seinem Bett und setzte mich neben ihn. „Das ist!“, sagte ich und hielt ihm den Tagesproheten entgegen. Oliver richtete sich etwas genervt auf: „muss das jetzt sein...“, sein Blick fiel auf die Schlagzeile und er verstummte. „Oh“, sagte er und wollte gerade noch etwas sagen als eine schrille Stimme hinter uns ertönte: „Na ihr beiden Turteltauben? Ihr könnt wohl Eure Finger nicht voneinander lassen!“ Rita Kimmkorn stand im Zelteingang, neben ihr ein rundlicher Mann, mit einer riesigen Kamera vor dem Gesicht. „Raus hier! Das ist Privatsphäre!“, schnauzte Oliver sie an, was Rita einfach ignorierte. „Schläfst du öfters bei deinem Liebsten?“, fragte sie an mich gerichtet. Die flotte Schreibefeder war schon auf Höchsttouren. „Er ist nicht mein Liebster!“, erwiderte ich patzig. Rita lachte nur schrill: „Natürlich nicht... aber es lohnt sich jetzt nicht mehr es geheim zu halten... die ganze Zaubererwelt weiß bescheid!“, flötete sie. Sie deutete ihrem Begleiter ihr zu folgen und stolzierte aus dem Zelt. „Diese blöde Zicke!“, ich stand auf und ging wütend auf und ab. „Hey, ist doch nicht so schlimm... die meisten wissen doch, dass man Kimmkorn eh nichts glauben darf“, versuchte Oliver mich zu beruhigen. „Meine Eltern gehören schon mal nicht dazu!“, grummelte ich und verließ wütend das Zelt. Zum Glück erschien Rita nicht beim Frühstück, ich weiß nicht, ob ich mich hätte zurück halten können. Ich starrte wütend in meinen Haferbrei. Als ich merkte, wie sich jemand neben mich setzte grummelte ich ein: „Morgen“. Jedoch kam keine Antwort. Ich hob meinen Blick und sah in Blaise Augen, die mich prüfend musterten. „Alles okay?“, fragte ich und betastete mein Gesicht, um sicher zu gehen, dass ich keinen Brei im Gesicht kleben hatte. Er erwiderte nichts sondern begann etwas grob, sich ein Brot zu schmieren, wobei er es zerfledderte. Na toll, jetzt war Blaise auch noch sauer auf mich... ein Stechen durchzog meinen Bauch und ich verließ das Frühstück. Tränen stiegen mir in die Augen, die ich jedoch nicht zu ließ. Was hatte sich diese dämliche Rita Kimmkorn nur gedacht? Ich erinnerte mich, wie sie damals aus Harry und Hermine ein Paar gemacht hatte. Ginny war in Tränen aufgelöst gewesen... so tratschgeil konnte man doch nicht sein... Und dann noch Blaise’ Blick... ich hatte gehofft wenigstens durch ihn ein wenig aufgemuntert zu werden... aber nein, der Herr redete nicht mehr mit mir. Das Quidditch-Training kam mir gerade recht, sodass ich mich auf etwas anderes konzentrieren konnte. Es war kühl und nebelig; wir waren innerhalb kürzester Zeit durchnässt. Es fiel mir schwer die Klatscher im Blick zu behalten... Robin kam den Torringen immer Näher, ich flog nach rechts um ein Täuschungsmanöver auszuführen... Krach... ich wurde fast vom Besen gerissen, schaffte es aber gerade noch mein Gleichgewicht zu halten. Ich hörte Oliver pfeifen, dann schrie er: „Zabini sofort auf den Boden... bist du bescheuert? Was soll das denn?“. Ich wandte meinen Blick zu Seite, wo ich von Blaise wütend angestarrt wurde. Er wollte mich doch nicht ernsthaft vom Besen schubsen? Ich sah ihn entsetzt an, worauf er nicht reagierte sondern Olivers Anweisungen folgte, und zu Boden flog. Nach dem Duschen wartete ich vor der Herrenumkleide. Ich wusste, dass Blaise viel Wert auf sein Äußeres legte und deshalb am längsten brauchte. Kurz nach Taylor kam er endlich aus der Kabine. Ich stellte mich ihm in den Weg, wohl wissend, dass er mich einfach zur Seite dränge konnte. Er blieb stehen. „Hast du nichts zu sagen?“, fragte ich laut. Er zuckte nur mit den Schultern. „Blaise, du hättest mich fast vom Besen geschubst“. „Wenn ich das gewollt hätte, hätte ich es getan. Glaub mir“, sagte er kühl. „Was soll das?“, fragte ich, nun wieder etwas ruhiger. „Ich... wusste nicht, dass...“, er sah mir in die Augen, „du mit Oliver zusammen bist!“. Ich war total perplex. „Was?“, fragte ich. „Tagesprophet. Titelseite!“, half er mir auf die Sprünge. „Ja, den Mist habe ich auch gesehen... und?“, ich sah ihn verwirrt an. „Also was jetzt? Seid ihr zusammen?“, fragte er und wandte seinen Blick zur Seite, als ob es eine nebensächliche Frage wäre. Ein Hoffnungsschimmer erschien in meinen Gedanken, war Blaise etwa eifersüchtig? Ich unterdrückte ein Lächeln: „Selbst wenn, kann es dir doch egal sein! Wir haben ja nur eine Affäre, wie du selbst immer wieder betonst!“. Er sah mich wütend an: „Trotzdem wäre es angebracht mir zu erzählen, mit wem ich dich teile!“, schnauzte er mich an. „Ich erwarte doch auch keine Liste von dir!“, schnauzte ich zurück, „du kannst dich wahrscheinlich nicht mal an alle erinnern!“. Er warf mir noch einen wütenden Bick zu, drängte mich zu Seite und ging. Nachmittags hatten wir eine Teambesprechung, bei der Oliver uns seine neue Taktik vorstellte. Ich konzentrierte mich auf seine Ausführungen, da sie eine gute Ablenkung darstellten. Am Ende wählten wir noch einen Stellvertretenden Teamkäpten, da dies die Regeln der WM vorsah. Oliver hatte bisher auf einen Ersatzmann großzügig^^verzichtet. Ich stimmte für Taylor, aber Blaise gewann. Er schien sich nicht besonders zu freuen und starrte die ganze Zeit nur vor sich hin. Das Abendessen ließ ich aus, da ich weder Oliver, noch Rita, noch Blaise begegnen wollte. Beim Frühstück hatte Rita sich ja noch zurück gehalten, aber beim Training war sie wieder aufgetaucht und hatte die Mannschaft seit dem verfolgt. Manchmal hatte sie mir Fragen zu meiner Beziehung gestellt, die ich ihr einfach nicht beantwortete. Sie würde sowieso schreiben, was sie für richtig hielt. Harrys neue Schneeeule begrüßte mich in meinem Zelt. Ginny hatte mir geschrieben. Glücklicherweise stellte sich der Brief, als eine Hasstirade über Rita Kimmkorn heraus. Ginny glaubte ihr kein Wort. Ich dankte ihr herzlich, da sie mein einziger Trost im Moment war. Dann ließ ich mich erschöpft auf mein Bett fallen. „Celine?“, Blaise raue Stimme ließ mich hoch schrecken. Mit leuchtender Zauberstabspitze betrat er das Zelt. Ich machte meine Nachtischlampe an. „Was willst du?“, zischte ich, da ich immer noch sauer auf ihn war. Er kam zu meinem Bett und setzte sich neben mich. Man sah, wie er innerlich kämpfte bis er endlich: „Es tut mir leid“ heraus brachte. Eigentlich wollte ich weiter wütend sein, aber als ich ihm in die Augen blickte konnte ich es nicht mehr. Er legte seine Hand an meine Wange und strich darüber. Er küsste mich sanft. „Seid ihr jetzt eigentlich zusammen oder nicht?“. Eigentlich nervte mich die Frage, aber ich wollte diesen Moment nicht zerstören, also schüttelte ich nur den Kopf. Ein Grinsen machte sich auf seinem Gesicht breit und er küsste mich noch einmals, aber diesmal intensiver. Sein Duft umnebelte mich. Ich legte meine Hand in seinen Nacken und zog ihn noch enger zu mir. Die andere legte ich an seine Hüfte. Seine Zunge fragte nach Einlass, die ich ihm natürlich sofort gewährte. Seine Hände waren überall und ich erschauderte. Er zog sich sein Shirt aus und griff dann nach dem Saum meines Oberteils, das neben seinem auf dem Boden landete... An diesem Morgen wurde ich von Sonnen strahlen geweckt, die durch den Schlitz des Zelteingangs fielen. Ich drehte mich um, um der Helligkeit zu entgehen und stieß gegen etwas. Verwundert öffnete ich die Augen, und sah Blaise neben mir liegen. Er war noch da! Bisher war er immer ziemlich schnell verschwunden, wenn wir miteinander geschlafen hatten. Er brummte in sein Kissen und zog mich, mit dem Arm den er um mich geschlungen hatte, was ich auch erst jetzt bemerkte, nah an sich. Er vergrub sein Gesicht in meinen Haaren und seufzte. Was war denn in Blaise Zabini gefahren? Ich war überrascht, aber freute mich zugleich unendlich. Wie oft hatte ich morgens da gelegen, in der Hoffnung, dass ich, wenn ich meine Augen aufschlage, ihn als erstes sehe? Ich lächelte und beobachtete ihn beim schlafen. Er sah so friedlich aus. Sein Oberkörper hob und senkte sich, ich konnte seinen Atem in meinem Nacken spüren. So lagen wir einfach da... ich hörte wie es anfing in den Nachbarzelten zu rumoren. Stöckelschuhe kamen näher und entfernten sich. Stöckelschuhe? Oh nein, wenn Rita Kimmkorn ins Zelt platzen würde, so wie es gerne ihre Art war, würde morgen etwas ganz anderes auf der Titelseite stehen. Ich seufzte und entwand mich Blaises Umarmung. Ich stupste ihn an. Er schlug die Augen auf und lächelte mich an. „Guten Morgen“. „Hey“, sagte ich. „Ich will dich echt nicht rausschmeißen, aber wenn Rita Kimmkorn uns so sieht...“, erklärte ich, stand auf und fing an meine verstreuten Klamotten aufzusammeln. „Okay“, sagte er wenig euphemistisch und tat es mir gleich. Als er angezogen war und ich schon im Begriff war ihm den Eingang aufzuhalten, griff er nach meiner Hüfte und zog mich zu sich. Ich sah ihn fragend an. Als Antwort legte er seine Lippen auf meine. Ich seufzte und strich ihm mit der Zunge über seine weichen Lippen. Er grinste. Der Kuss dauerte viel zu kurz. Er löste sich von mir, zwinkerte mir zu und verließ das Zelt. Gerade zur rechten Zeit, denn drei Minuten später stand, wie erwartet, Rita in meinem Zelt und fragte, wo denn Oliver sei. „In seinem Bett“, gab ich entnervt zurück und schob sie und den Fotografen aus meinem Zelt. Nach dem Frühstück schaffte ich es Ritas Jägerblicken zu entkommen und mich in Olivers Zelt zu schleichen. „Hey“, begrüßte er mich etwas überrascht. „Oliver, so kann es nicht weiter gehen!“, ich hielt ihm den neuen Tagespropheten hin, in dem vom gestrigen Training berichtet wurde, bei dem „Romeo seine Julia vor dem Sturz aus Todeshöhen gerettet hatte!“. Oliver lachte: „Nimm das doch nicht so ernst“. „Meine Eltern haben mir eine empörte Nachricht geschrieben, wieso ich ihnen nichts von dir erzählt habe!“. Oliver hörte auf zu lachen. „Okay... vielleicht nehmen das ja doch einige Leute ernst...“. „Auch schon gemerkt!“, erwiderte ich. „Also um ehrlich zu sein...“, Oliver wurde etwas rot, „finde ich die Vorstellung nicht unangenehm, mit dir zusammen zu sein!“. Ich starrte ihn an. „Ich wollte Dich schon länger mal nach einem Date fragen...“, er sah mich mit seinen hellbraunen Augen an. Sie waren nichts im Vergleich zu denen von Blaise, aber auch nicht gerade unattraktiv. „Und warum hast du nicht?“, fragte ich etwas unsicher. Er lächelte: „Naja, bis vor kurzem stand ja noch nicht fest, dass du mitkommst... und ich dachte es wäre unfair kurz bevor ich für mehrere Monate nach Bulgarien fliege, etwas mit dir anzufangen!“. Ich nickte verständnisvoll. „Hättest du denn Ja gesagt?“, fragte er. Nun wurde ich rot. Keine Ahnung. Darüber hatte ich mir definitiv noch nicht den Kopf zerbrochen. Der einzige Mann, der in meinem Leben eine Rolle spielte, war Blaise. Über andere hatte ich nie nachgedacht. Oliver sah gut aus, war sehr nett und schien mir, im Gegensatz zu Blaise, auch an einer festen Bindung interessiert zu sein. Mir fiel der heutige Morgen ein, an dem ich neben Blaise aufgewacht war. War das eine Ausnahme gewesen? Ausnahmen bestätigen die Regel... und die Regel war, dass er verschwand und nur Spaß wollte... Oliver räusperte sich und holte mich somit aus meinem Gedankenstrom. „Vielleicht“, antwortete ich wage. Es war nicht gelogen. „Wie wäre es heute Abend mit Essen?“, fragte er nun etwas mutiger. Ich hörte Ginnys Stimme im Ohr: ‚Vergiss Blaise endlich!’... Ich nickte, woraufhin Oliver lächelte. „Aber ohne Kimmkorn“, sagte ich bestimmt, was Oliver laut auflachen ließ. Wir gingen zusammen zum Training. Es war ein schöner Tag. Nicht zu heiß, nicht zu kalt, eben genau richtig. Oliver war zufrieden mit der Mannschaft und ließ uns sogar eine Viertelstunde früher gehen. Als ich zurück in mein Zelt kam, fand ich einen Zettel auf meinem Kopfkissen: Treffen wir uns heute Abend? Ich warte an deinem Zelt. -B- B....wie Blaise... heute Abend... wieso gerade heute Abend? Blaise oder Oliver? Ich wusste es nicht... Wahrscheinlich wollte Blaise nur seinen Spaß, aber das hatte er bisher doch auch nie angekündigt? War das eine Einladung zu einem Date? Es ist Blaise, er hat keine Dates. Ich seufzte. Schnell schrieb ich eine Nachricht an Ginny. Eine halbe Stunde später hatte ich ihre Antwort in den Händen. Oliver hat zuerst gefragt! Ginny Sie hatte Recht, aber ich konnte doch Blaise nicht einfach versetzten, oder? Aber genauso unfaire wäre es Oliver gegenüber... außerdem hatte dieser bestimmt festere Absichten als Blaise. Am Abend stand ich vor Olivers Zelt. Ich musste mich endlich von Blaise lösen und andern Jungen eine Chance geben. Und heute war dieser Tag gekommen. Blaise würde darüber schon hinweg kommen. „Du siehst umwerfend aus“, sagte Oliver und zog mich in eine Umarmung. Er roch ganz anders als Blaise... ich ermahnte mich selbst, die Vergleiche zu unterlassen. Oliver apparierte mit mir in ein schönes Restaurant. Wie ein Gentleman zog er meinen Stuhl zurück, damit ich mich hinsetzten konnte. Er ließ sich mir gegenüber nieder. Wir bekam Champagner und prosteten uns zu. „Ich freue mich sehr, dass du ja gesagt hast“, sagte er und lächelte mich an. „Ich mich auch“, sagte ich ehrlich. Es war ein wirklich schöner Abend. Oliver brachte mich immer wieder zum Lachen, gleichzeitig unterhielten wir uns über interessante Themen. Ich merkte, dass sein Blick oft auf mir ruhte und genoss seine Aufmerksamkeit. Am Ende des Abends zog er, wie bereits am Anfang, meinen Stuhl zurück und apparierte mit mir zurück. Wir standen vor seinem Zelt und er legte mir seinen Umhang um die Schultern, da es etwas kühl war. Er stand sehr nah vor mir und guckte mich an. Langsam senkte er seinen Kopf und legte seine Lippen auf meine. Es war kein atemberaubender, aber ein durchaus angenehmer Kuss. Ich spürte, wie er lächelte. „Das wollte ich schon lange tun“, sagte er und strich mir eine Strähne aus dem Gesicht. Ich lächelte ihn an, küsste ihn kurz auf die Wange, sagte „Gute Nacht“ und ging zu meinem Zelt. Das ist also eine Alternative... dachte ich, als ich in meinem Bett lag. Es war so schön, so angesehen zu werden. Natürlich sah auch Blaise mich ab und an mal so an, aber Olivers Blick, war den ganzen Abend so gewesen, als ob ich etwas wirklich Besonderes wäre. Der Kuss war allerdings nicht so gut gewesen... aber vielleicht, war das auch nur so, weil ich es gewohnt war, Blaise zu küssen... Ich tastete nach meinen Lippen und erinnerte mich an Olivers und an Blaise’ Kuss. Na gut, dieser Punkt ging an Blaise... aber der Punkt für den Blick gingt an Oliver... Ich glitt in einen unruhigen Schlaf. Ich wurde von einem Knall wach. Ich schlug die Augen auf und sah, wie Oliver mir seinen Umhang über die Schulter legte und mich dann küsste. „Was ist das?“, sagte Blaise im bedrohlichen Ton. „Dir auch einen Guten Morgen“, erwiderte ich kühl. Benehmen: ein Punkt an Oliver. „Hast du mich deshalb gestern versetzt?“, er sah mich zornig an. „Oliver hat mich zuerst gefragt“, sagte ich und begann langsam zu realisieren, was er mir gezeigt hatte. Kimmkorn diese Ziege... „Also seid ihr doch zusammen?“. Auch ich wurde langsam wütend: „Blaise, seitdem diese Gerüchte mit Oliver existieren, benimmst du dich, als wärest du mein eifersüchtiger Freund! Wir sind nicht zusammen! Wir haben, oder besser gesagt hatten, nur eine Affäre. Nur Spaß! Okay? Vielleicht bist du auch einfach nur sauer, weil diesmal du betrogen wurdest!“. Er sah mich wutschnaubend an: „Du hast Recht... es hatte nichts bedeutet... gar nichts.“ Er zerriss die Zeitung und polterte aus dem Zelt. Tränen stiegen mir in die Augen... er war so ein Sturkopf... wieso konnte er nicht sagen, dass er mich mochte? Oder es sich zumindest eingestehen...Weil es vielleicht nicht so war...das war wahrscheinlich nur wieder eine dieser dummen Hoffnungen, die sich immer in meine Gedanken schlich, vielleicht kann er sich die Gefühle nur nicht eingestehen..blabla... ich hatte wahrscheinlich Recht.... er war es nicht gewohnt, dass ein Mädchen ihn betrog...normalerweise war er die Affäre.... Ich hörte jemanden ins Zelt kommen und wischte schnell die Spuren von meinen Wangen. „Was denn noch?“, ich hob den Blick, sah aber nicht Blaise sondern Oliver. „Ich wollte mich entschuldigen... ich wusste nicht, dass sie von uns Fotos macht... ehrlich!“. Er dachte, dass ich wegen dem Zeitungsbericht sauer war, was ja auch stimmte, aber der Hauptgrund war eben ein anderer. „Schon gut“, sagte ich, stand auf und hob die zerfledderten Seiten auf. „Also... ich wollte dir übrigens noch sagen, dass es echt schön gestern war und...“, er schluckte, „vielleicht... also... ähh..“. „Ja?“, fragte ich, während ich zum Mülleimer ging. „Also... wollen wir echt...äh...willst du mit mir zusammen sein?“. Ich erstarrte. Damit hatte ich wieder nicht gerechnet. Nach meiner letzten Rechnung hatte es eins zu zwei für Oliver gestanden... nach diesem Auftritt von Blaise stand es minus zehn zu zwei für Oliver. Sollte Blaise ruhig sehen, dass ich ihn nicht brauchte um glücklich zu sein. „Ja“, sagte ich entschlossen. Oliver strahlte, kam zu mir und zog mich in einen Kuss... ich vermisste Blaise’ Lippen... Die nächsten Wochen vergingen schleppend. Rita Kimmkorn war beglückt, als Oliver und ich endlich offiziell verkündeten, dass wir ein Paar waren. Es gab exklusive Interviews, bei deren Bericht sie sich sogar teilweise an die original Aussagen hielt. Blaise und ich ignorierten uns. Ich tat, als ob es mir blendend mit Oliver ginge, aber in Wahrheit vermisste ich Blaise unheimlich. Jedes Mal, wenn ich Oliver küsste erinnerte ich mich an Blaise Lippen, die weicher waren, die dafür sorgten, dass sich meine Nackenhaare aufstellten. Wenn Oliver mich berührte, dachte ich an das Gefühl, des Verbrennens, wenn Blaise mich berührt hatte... Das ganze wurde noch schlimmer, als Oliver anfing von Verlobung zu sprechen. Gut, er war Ende zwanzig, aber wir waren nicht mal zwei Monate zusammen, bis jetzt. Ich ermahnte Oliver, nicht in Ritas Anwesenheit davon zu sprechen und er hielt sich daran. Ich hatte Ginny lange nicht mehr geschrieben und freute mich, als ich die Schneeeule in unserem Zelt (wir waren „zusammen gezogen“) antraf. Ginny wusste, dass etwas nicht stimmte und fragte in dem Brief, was los war. Ich erzählte ihr alles und war froh einen Teil der Last loslassen zu können. Ginny verstand mich zumindest teilweise, den Teil mit Blaise natürlich nicht. Sie riet mir mich von Oliver zu trennen, was ich angesichts der noch auf uns zu kommenden Spiele, für keine gute Idee hielt. Wir waren jetzt bis ins Viertelfinale gekommen und ich befürchtete, dass wir abstürzten würden, wenn ich Oliver das Herz brechen würde... außerdem würde Blaise dann sehen, dass ich ohne ihn vielleicht doch nicht so glücklich war. Wir gewannen das Viertelfinale und ebenso das Halbfinale und standen jetzt mit dem Gastgeber Bulgarien im Endspiel. Anlässlich dessen wurde eine große Pressekonferenz organisiert. Leider konnte nicht das ganze Team kommen sondern nur Oliver, als Kapitän, Ich, als seine Freundin und die einzige weibliche Spielerin und zu meinem Leid Blaise, als Stellvertreter von Oliver. Es lief eigentlich ganz gut. Die typischen Fragen wurden gestellt, wie wir unseren Gegner einschätzen würden, wie die Beziehung unter so einem starken Druck lief usw.. Ich war froh, als ich es endlich hinter mich gebracht hatte. Wir gingen einen langen Gang entlang, der zu den Fahrstühlen führte. „Geht schon mal vor, ich habe noch eine Frage an den Vorsitzenden“, sagte Oliver und gab mir einen flüchtigen Kuss. Im gehen drehte er sich noch einmal um: „Und Hände weg Zabini!“, er lachte und ging. Blaise und ich fanden das gar nicht lustig. Schweigend betraten wir den Aufzug. Ich drückte auf den Knopf mit dem E und die Türen schlossen sich. Ich spürte wie der Aufzug nach unten glitt. Plötzlich wurde der Boden erschüttert, die Kabine hielt. Ich verlor mein Gleichgewicht und prallte auf Blaise, der mich abfing. Schnell löste ich mich aus der unfreiwilligen Umarmung. „Danke“, sagte ich leise. Die Notfallbeleuchtung ging mit einem flackern an. Eine blecherne Stimme ertönte: „Bitte bleiben Sie ruhig. Das Problem wird in Kürze behoben sein. Bitte sehen Sie von der Verwendung ihres Zauberstabs ab, da es zu ungünstigen Komplikationen führen könnte!“. Wie in einem typischen Kitschfilm, dachte ich. Ich schielte zu Blaise, der einfach nur da stand und zu Boden blickte. „Was?“ sagte er mit gereizter Stimme. Schnell guckte ich weg. Ich ließ mich zu Boden sinken. So lief das aber nicht im Film ab. Eigentlich müsste er mir jetzt seine Liebe gestehen... ich gab mir innerlich eine Ohrfeige. An so etwas sollte ich nicht denken. Immerhin war ich fast mit Oliver verlobt. Aber vielleicht konnte man doch etwas aus der Situation machen. Wir könnten doch Freunde sein? Oder war das nur einer dieser typischen Sätze, der durch ‚Jungen und Mädchen können nicht befreundet sein’ widerlegt wird? Egal, Augen zu und durch. „Wie geht es Dir?“ fragte ich leise. Ich war auf eine patzige Antwort eingestellt. Blaise schien zu überlegen, ob er mir antworten solle. „Naja...eher schlecht... ich vermisse Dich!“, er richtete seine Augen auf mich. Ich war sprachlos. Mit der Antwort hatte ich nicht gerechnet. Wie meinte er das? Fehlte ihm der Spaß? Oder fehlte ich ihm? Als ich nichts erwiderte sagte er: „Und wie geht es Dir?“, und fügte etwas schärfer hinzu, „oder besser gesagt Euch?“. Bei dem letzten Wort sah ich ein Zucken in seinen Augen. Ich wusste nicht, was ich antworten sollte. Ich konnte ehrlich sein und sagen, dass ich unglücklich war und ihn ebenfalls unglaublich vermisste. Aber dann hätte er das, was er wollte. Und dann? Eine Beziehung mit mir stand sicherlich außer Frage, also würden wir unsere Affäre wieder aufnehmen, was mich auch nicht wirklich glücklich machen würde. Ich zuckte mit den Schultern. „Liebst Du ihn?“. Ich konnte es nicht ertragen, ihn länger anzusehen und wand meinen Blick ab. Er drängte mich in die Enge. Ich richtete mich wieder auf und klopfte den Staub von meiner Hose. Das konnte ich auch: „Und du?“, fragte ich gereizt, „Wie viele Bulgarinnen hast du schon flach gelegt?“. Ich sah ihn spöttisch an, obwohl mir eher zum heulen zu Mute war. Aber gnädiger weise, stiegen mir keine Tränen in die Augen. Blaise erwiderte meinen Blick wütend: „Keine, wenn du es genau wissen willst!“. Er kam auf mich zu und stellte sich direkt vor mich. Ich wich etwas zurück, aber da war nur die Fahrstuhlwand. „Liebst Du ihn?“, fragte er nun noch mal mit Nachdruck und sah mir in die Augen. Mein Herz klopfte schneller. Ihr habt keine Zukunft, sagte mein Verstand. „Vielleicht“ sagte ich leise. Er ballte seiner Hand zu einer Faust und schlug sie an die Wand, direkt neben meinen Kopf. Er war mir so nahe. Ich konnte seinen unverwechselbaren Duft riechen. Mein Herzschlag dröhnte mir in den Ohren. Blaise sah mich einfach nur an. Langsam wich der Zorn aus seinem Gesicht und sein Blick wurde sehnsüchtig. „Ich vermisse Dich!“, hauchte er und legte im nächsten Moment seine Lippen auf meine. Ich war wie elektrisiert. Endlich erreichte ich die Oase, auf die ich so lange gewartet hatte. In meiner Erinnerung war es unglaublich gewesen ihn zu küssen. Aber meine Erinnerung hatte nur einen schwachen Schatten dessen abgebildet, wie es sich wirklich anfühlte. Er legte seine Hand an meine Wange und strich sanft darüber, während ich meine Lippen öffnete. Wie sehr, hatte ich dieses Gefühl vermisst? Ich legte meine Hände auf seine Schultern, um mich noch näher an ihn zu drücken. Ich spürte seine Muskeln durch sein Shirt. Ich spürte, wie seine Hand neben meinem Kopf runter glitt und er sie an meine Taille legte. Er seufzte, was mich lächeln ließ. Ich ließ meine Hand zu seinem Shirtsaum gleiten. Sie glitt unter sein Shirt... ich spürte wie er erschauderte, als ich über seinen Bauch strich.... Wir wurden, von einer erneuten plötzlichen Erschütterung unterbrochen. Blaise löste sich von mir und ging wieder hinüber zur gegenüber liegenden Wand. Wir standen beide schwer atmend da. Der Aufzug setzte sich wieder in Bewegung. Keiner Sprach ein Wort, bis er wieder zum Stehen kam und die blecherne Stimme sagte: „Erdgeschoss“. Die Türen glitten auf. Ich sah Blaise noch einmal in die Augen und verließ dann zügig den Fahrstuhl. Ich entschuldigte mich für den Abend bei Oliver, da er mich eigentlich zum Essen ausführen wollte. Ich sagte ihm, dass es mir nicht so gut ginge, was auch eigentlich nicht gelogen war. Was war im Aufzug passiert? Schon bei dem Gedanken fing mein Herz an zu Rasen. Was wäre passiert, wenn er etwas länger stecken geblieben wäre? Ich musste zugeben, ich hatte, nach Blaise Shirt gegriffen und es ihm wahrscheinlich auch ausgezogen... Aber er hätte sicher keinen Wiederstand geleistet... und dann wäre das passiert, was immer passiert. Und dann hätten wir den Aufzug verlassen und? Blaise hätte gesagt, dass er sich jetzt dafür entschieden hat eine monogame Beziehung, mit der Frau die er liebt zu führen nämlich mich... ganz bestimmt nicht. Aber wieso hatte er denn nichts mit den Bulgarinnen angefangen? Oder Französinnen? Oder Schwedinnen? Oder sonst irgendwem? Halt! Er hatte gesagt, dass er mit keiner was hatte, was nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen musst. Aber er hatte es so ernst gesagt, fast schon verletzt... aber weswegen verletzt... das war sein typisches Verhaltensmuster. Da war es doch kein Wunder, dass ich es von ihm erwartete... Es war aber nicht mehr im Aufzug passiert. Nur ein Kuss. Der beste Kuss... nur ein Kuss. Ich ermahnte mich selbst. Ich würde einfach so tun, als ob nichts gewesen wäre. Das war das Beste für alle. Oliver musste nichts davon erfahren, es war ja auch nur ein Kuss... Als ich an diesem Morgen den Tagespropheten in den Händen hielt, beschloss ich, dass ich mein Abo kündigen würde. Diese Zeitung hatte mir bis jetzt nichts als Ärger eingebracht. Und dieses Mal war der Höhepunkt erreicht. Ich musste gestehen, irgendwo war es auch meine Schuld. Es war doch völlig normal, dass Fahrstühle Überwachungskameras hatten. Wenn dann die falschen Leute, wie zum Beispiel Rita Kimmkorn, bestimmtes Videomaterial in die Finger bekamen, konnte man nur verlieren. Blaise und ich standen in einen innigen Kuss vertieft im Fahrstuhl. Ein Zeitstempel war auch noch zu sehen, sodass es keinen Zweifel gab, dass es gestern gewesen war. Ich hörte draußen Schritte auf mein Zelt zukommen und wusste was mich erwartete. „Zabini? Wirklich? Dieser Mistkerl?“, Oliver sah mich mit Tränen in den Augen an, in der Hand den Tagespropheten. „Wieso? Wir waren doch glücklich? Ich wollte Dir alles geben! Dich heiraten! Und Du?“, er sah mich an, als ob er auf eine Antwort warten würde, die mir nicht einfiel. „Sie liebt Dich nicht!“, hörte ich Blaise dunkle Stimme vom Zelteingang her. Oliver drehte sich um, sah Blaise ins Gesicht und wandte sich dann wieder zu mir. „Stimmt das?“, fragte er mit brüchiger Stimme. Ich sah zu Boden. Das reichte ihm als Antwort und er drängte sich an Blaise vorbei aus dem Zelt. „Wieso mischt du Dich denn ein?“, fragte ich nun an Blaise gerichtet. Er kam zu mir. „Es ist doch die Wahrheit!“, sagte er. „Ja, schon. Aber meinst Du nicht, es wäre angebrachter gewesen, Oliver und mich da alleine drüber reden zu lassen?“. „Hättest du ihm denn die Wahrheit gesagt?“, er kannte die Antwort. „Blaise...“,- „Nein. Hättest du nicht. Deshalb habe ich das gemacht. Jetzt können wir zusammen sein!“. Die Kinnlade fiel mir herunter. „Was?“, fragte ich perplex. „Wir können jetzt zusammen sein!“. Er hatte das gesagt, wovon ich schon immer geträumt hatte. Aber irgendwie war es falsch. „Ich liebe Dich“, sagte er bekräftigend. Ich schüttelte kaum merklich den Kopf. „Weißt du, ich warte schon soo lange, auf diesen Augenblick. Das du es endlich einsiehst... aber woher weißt du das es Liebe ist?“. Er sah mich verständnislos an. „Du hast erst gemerkt was du fühlst, als du Konkurrenz bekommen hast“ sagte ich während mir Tränen in die Augen stiegen. „Vielleicht geht es Dir gar nicht um mich, sondern darum der Gewinner zu sein. Es Oliver zu zeigen...“. Blaise schüttelte den Kopf: „Nein...nein... ich bin mir sicher! Ganz sicher!“. Er griff nach meiner Wange, aber ich hielt seine Hand zurück. „Ich brauche Zeit!“, sagte ich und erhob mich. Er sah mich traurig an, wusste aber, dass es keinen Zweck hatte und verließ das Zelt. Ich packte meine Sachen zusammen und verließ das Lager. Es war für alle besser, wenn ich nicht am Finale teilnehmen würde. Ich erhielt keine Nachricht von Oliver, als ich wieder in England war, was mir sagte, dass er es auch für das Beste hielt, dass ich gegangen war. Ich wusste, dass Thomas seine nächste Wahl gewesen wäre und benachrichtigte ihn, dass er für das Finale nach Bulgarien fliegen sollte. Er war ganz aus dem Häuschen, was zumindest ein kleiner Trost für mich war. Ich wollte nicht zurück ins Wohnheim, dort gab es zu viele Erinnerungen und abgesehen davon, wäre ich dort ganz allein. Und wie ich mich kannte, würde ich mich dort nur in eine Gedankenspirale verfangen und meine depressive Seite zum Vorschein kommen lassen. Ich brauchte Ablenkung, also begann ich in dem Quidditch-Zubehör-Laden meiner Eltern auszuhelfen. Hier hatte mein Traum angefangen. Zu meinem fünften Geburtstag hatte mein Vater mir einen Spielzeugbesen geschenkt, damals ganz neu auf dem Markt. Und seit dem hatte man mich eigentlich nicht mehr aus der Luft bekommen. Mit meinen Eltern wollte ich nicht über Blaise oder Oliver reden. Das Thema Männer war ohnehin immer etwas schwierig zwischen uns gewesen und seit meinen Schlagzeilen im Tagespropheten wurde das Thema in der Familie vermieden. Aber irgendwie musste ich meinen Frust loswerden. Ich vermisste Blaise mehr als je zuvor. Ich ging unser letztes Gespräch immer und immer wieder durch. Fragte mich, ob ich falsch gehandelt hatte, aber kam zu dem Schluss, dass ich so oder so lernen musste ohne ihn zu sein. An den Wochenenden verzog ich mich in mein Zimmer. Ich ging kaum noch raus und meine Eltern fingen sich an Sorgen zu machen. Ich hatte mich auf meinem Bett zusammengerollt und mir die Decke über den Kopf gezogen. Ich schwelgte in Erinnerungen an Blaise. Leise klopfte jemand an meine Tür. Ein stöhnen kam von mir als Antwort. Die Tür wurde einen Spaltbreit geöffnet und ein roter Haarschopf erschien. Ginny blickte suchend umher, da ich mein Jalousien zugemacht hatte. „Lumos“ sagte sie und betrat mit leuchtendem Zauberstab mein Zimmer. Sie schritt zu meinem Fenster und ließ, mit einem Wink ihres Zauberstabs, die Jalousie nach oben gleiten. Ein weiterer Wink folgte, woraufhin sich das Fenster öffnete und frische Luft in meine kleine Höhle einströmte. Ich spürte, wie sie sich ans Fußenden meines Bettes setzte. Mit einem Ruck war ich nur noch bis zur Hüfte mit der Decke bedeckt. Ich blinzelte gegen das grelle Tageslicht an. „Celine, es kann nicht so weiter gehen! Deine Elter haben mir geschrieben, sie wissen nicht was sie tun sollen...“, Ginny sah mich teils mitleidig, teils wütend an. Ich gewöhnte mich an das Licht und setzte mich auf. Ich kroch zu Ginny an das Fußende. Ginny strich mir übers Haar: „Was ist passiert? Hat Blaise dich betrogen?“, fragte sie mit einem leichten Unterton in der Stimme, nach dem Motto „Ich hab es dir ja gleich gesagt“. Ich schüttelte den Kopf. „Nein...“, krächzte ich, „eher im Gegenteil... er hat gesagt, dass er mich liebt“, Ginnys Kinnlade fiel herab, „ und mit mir zusammen sein möchte“. Ginny starrte mich eine Zeitlang ungläubig an, dann begriff sie, dass das keine ironische Bemerkung gewesen war und Verwirrung machte sich breit. „Und warum sitzt du dann hier alleine?“, fragte sie mich, als sie endlich die Sprache wieder gefunden hatte. „Ach Ginny... ich...er... es musste so viel passieren, dass er es überhaupt begriffen hat. Und ich bin mir nicht mal sicher, dass er es begriffen hat! Vielleicht war das auch nur ein Machtspiel, zwischen ihm und Oliver...“, schluchzte ich. Ginny fing an zu lachen: „Du bist echt bescheuert, weißt du das? Da passiert endlich das, was du dir gewünscht hast und woran keiner geglaubt hat: Blaise Zabini entscheidet sich für EINE Frau, und du? Du suchst irgendwelche ausreden, und bist tot unglücklich!“. Ihre Worte waren wie eine Ohrfeige, die mich wach rüttelte. Sie hatte Recht ich war bescheuert. Ginny sah, dass ihre Worte bei mir fruchteten und erhob sich zufrieden. Sie ging zu meinem Kleiderschrank. „Pass auf...“, sagte ich noch, aber sie hatte ihn bereits geöffnet und ein Stapel knüddeliger Klamotten stürzte auf sie hinab. „Ich bin in letzter Zeit nicht wirklich ordentlich gewesen...“, gestand ich ihr, was sie zum Glück mit einem Lachen kommentierte. Sie stocherte mit ihrem Zauberstab in dem Haufen rum und fand tatsächlich ein sauberes, buntes Sommerkleid. „So“, sagte sie zufrieden, „ab unter die Dusche und dann schlüpfst du hier rein. Ich denke, apparieren kriegst du alleine hin?“. „Ja, Mum“, sagte ich sarkastisch, war ihr aber unglaublich dankbar. Ich fiel ihr um den Hals. „Falls du mich brauchst, oder mir von deinem Happy End erzählen willst“, sie zwinkerte mir zu, „weißt du ja wo du mich findest!“. Sie gab mir einen Kuss auf die Stirn und apparierte mit einem Plopp. Ich folgte ihren Anweisungen und merkte, wie ich mich immer besser fühlte. Nur eine Sorge plagte mich noch, was wenn Blaise mich nicht mehr wollte? Die Antwort darauf würde ich gleich erhalten. Damit meine Eltern sich keine Sorgen machten, ging ich nach unten um ihnen bescheid zu sagen, allerdings hatten sie mir einen Zettel hin gelegt, dass sie einen Ausflug machten. Wahrscheinlich wollten sie mir und Ginny etwas Zeit für uns geben. Ich wollte gerade apparieren, als die Ladenglocke ertönte. „Wir haben geschlossen!“, rief ich während ich die Treppe herunter rannte. Ich kam durch die Tür, die direkt hinter der Theke lag, und blieb wie angewurzelt stehen. Es stand kein anderer da, als Blaise Zabini. „Ihr habt einen netten Laden“, sagte er und sah mir direkt in die Augen. Mein Magen überschlug sich, als sich unsere Blicke trafen. „Hast du ein Date?“, fragte er, als er mich von unten bis oben musterte und sah dabei etwas verunsichert aus. Ich schüttelte den Kopf. „Ich... ich wollte gerade all meinen Mut zusammen nehmen und... dem Mann den ich Liebe meine Liebe gestehen...“, stotterte ich mit brüchiger Stimmer, „aber ich weiß nicht, ob er mich noch will?“. „Ich glaube, ich muss dich enttäuschen“, mein Herz setzte aus, „aber Oliver war ziemlich schnell über dich hinweg. Kein Wunder, als Kapitän der Quidditch-Weltmeister bekommt man viele Angebote.“. Ich atmete erleichtert aus, was Blaise mit einem Lächeln notierte. „Und wie stehet es um seinen Stellvertreter?“, fragte ich und lächelte ihn schüchtern an. Langsam kam Blaise zu mir hinter den Tresen. Er griff nach meiner Hand, die auf dem dunklen Ebenholz lag. Eine Gänsehaut bildete sich. „Der vermisst dich immer noch“, sagte er, während er sanft über meine Hand strich. Ich konnte mich nicht mehr zurück halten, schlang meinen Arm um seinen Hals und küsste ihn endlich. Ein Feuerwerk explodierte. Freudentränen stiegen mir in die Augen. Auch er erwiderte den Kuss leidenschaftlich, als ob er sich genau wie ich, nur danach gesehnt hätte. Er schlang seine Arme um meine Taille und hob mich auf den Tresen, sodass wir auf ungefähr gleicher Augenhöhe waren. Ich fuhr ihm mit meinen Händen durch die Haare und er strich mich an der Seite entlang. „Ich habe dich auch vermisst“, sagte ich, als wir uns voneinander lösten. Er lächelt mich an. „Und...“, fügte ich leise hinzu, „und ich liebe Dich auch, Blaise Zabini!“. Das Lächeln wurde zu einem Strahlen. Ganz sanft legte er wieder seine Lippen auf meine. Seine Hand hatte er an meine Hüfte gelegt um mich ganz nah zu sich zu ziehen, mit der anderen griff er in seine Jackentasche, was ich nur am Rande mit bekam, da mich seine Küsse und Berührungen nicht klar denken ließen. Vorsichtig hielt er mich zurück und löste sich von mir. Er sah mich ernst an. „Ich habe lange darüber nach gedacht und du hattest Recht, was du im Zelt gesagt hast, also damit, dass du dir mit mir nicht sicher sein kannst... deshalb habe ich mir überlegt, was du davon halten würdest, wenn wir es uns gegenseitig versprechen würden?“, seine Augen flackerten und er reichte mir ein kleines Kästchen, das er aus seiner Jacke gezogen hatte. Ich schluckte. Das konnte doch alles nicht war sein? Behutsam öffnete ich das Kästchen und ein wunderschöner, schlichter silberner Ring kam zum Vorschein. „Möchtest du mich heira..“- „Ja, ja und noch einmals ja,“ unterbrach ich ihn und fiel ihm um den Hals. Als er mir den kühlen Ring auf den Finger steckte, brannte meine Haut wie Feuer.

37.33 % der User hatten die Auswertung: Das letzte Buch war ins Regal geräumt. Endlich fertig. Zufrieden sah ich mich in meinem Zimmer um. Ein frisch bezogenes Bett, ein Schrank, unter dem Fenster ein Schreibtisch, der von zwei breiten Bücheregalen umrandet wurde und ein gemütlicher Sessel, gegenüber der Tür. Ich sah auf meine Uhr. In zehn Minuten begann die Versammlung der Lehrer, die jedes Jahr einen Abend vor dem eigentlichen Festessen stattfand. Aus meinem Schrank suchte ich mir einen schönen dunkelroten Umhang aus und machte mich dann auf den Weg, durch die noch völlig leeren Korridore, zum Lehrerzimmer. „Kathrine“, hörte ich eine schnarrende Stimme hinter mir, als ich gerade den Raum betreten wollte. „Hallo Severus“, begrüßte ich meinen langjährigen Freund Severus Snape. Wir umarmten uns kurz und betraten dann gemeinsam den Raum. Ein runder Tisch stand in der Mitte, an dem Minerva McGonagall saß und eifrig etwas nieder schrieb. Unter der Fensterreihe war ein langer Tisch als Büffet aufgestellt. Kleine Grüppchen von Lehrern standen verteilt im Raum. Ich sah mich gespannt um, ob ich jemand neues entdecken konnte. Das ganze Kollegium war letztes Jahr nicht gerade enttäuscht gewesen, als Professor Lockhart die Schule verlassen hatte. Ein gläsernes Klirren ertönte. Ich blickte mich um und sah, dass Dumbledore in der neben dem Tisch erschienen war und einen silbernen Löffel gegen ein Gals schlug. Alle verstummten. „Herzlich Willkommen, liebe Kolleginnen und Kollegen, zu einem neuen Jahr in Hogwarts“, begrüßte er uns und warf lächelnde Blicke in die Menge. „Ich hoffe Sie hatten alle eine angenehme Anreise. Bevor wir uns auf das köstliche Büffet stürzen möchte ich Ihnen die Neuzugänge im Kollegium vorstellen.“. Ich warf einen Blick zu Severus und wusste sofort, dass er nicht der neue Lehrer für Verteidigung gegen die dunklen Künste sein würde. „Wie Sie alle wissen, haben wir letztes Jahr unseren lieben Kollegen Professor Kesselbrand in den Ruhestand entlassen und seine Nachfolge wird kein Geringerer als Rubeus Hagrid übernehmen“, eine Woge des Beifalles ertönte, bei der ich gerne mit einstimmte. Hagrid stand mit Tränen in den Augen, ein gepunktetes Taschentuch in der Hand, in der Ecke und strahlte. „Herzlich Willkommen im Kollegium! Für unseren lieben Professor Lockhart, der uns leider aufgrund einer starken Amnesie verlassen musste“, spöttisches Gemurmel erklang, „wird ein neuer Kollege kommen, der, wie ich weiß, einigen von Ihnen noch aus ihrer Schulzeit bekannt ist“, Dumbledore guckte Severus und mich über seine Halbmondgläser an. Eine schlimme Erwartung packte mich. „Professor Remus Lupin!“, und wurde im nächsten Augenblick von Dumbledore bestätigt. Remus, der vorher unscheinbar am einen Ende der Büffet-Tafel gestanden hatte, zog nun alle Blicke auf sich. Auch ich, starrte ihn geschockt an. Er erwiderte meinen Blick, sah allerdings weniger geschockt als fröhlich aus. Er lächelte in die Runde. „Auch Ihnen, ein herzliches Willkommen! Und nun, das Büffet ist eröffnet!“. Ein Schmerz in meinem Arm riss mich aus meiner Schockstarre. Severus hatte mich gekniffen. „Früher oder später musstest du ihn wiedersehen“, murmelte Severus, wobei er einen Unterton nicht unterdrücken konnte, der sagte, dass auch ihm später lieber gewesen wäre. Remus steuerte direkt auf uns zu, sodass es unhöflich gewesen wäre einfach zum Büffet zu gehen. „Hallo Severus, schön dich zu sehen Kathrine“, begrüßte er uns. Er reichte Severus die Hand, die dieser mit einer nicht zu übersehenden Abneigung ergriff. Ich reichte ihm ebenfalls die Hand, allerdings hatte er sich da schon zu mir herunter gebeugt und mich umarmt. Sein Geruch stieg mir in die Nase –erdig und herb- und mit ihm eine Flut von Erinnerungen, die ich schleunigst wieder in die letzte Ecke meines Gedächtnisses verbannten zu versuchte. Die Situation war mehr als unangenehm, aber zum Glück kam bald Professor Flitwick zu uns, und verwickelte den guten Remus in ein Gespräch über die gute alte Zeit, als wir noch seine Schüler waren. „Ich werde den anderen sagen, dass es dir nicht gut ging und du früh ins Bett gegangen bist“, murmelte Severus. Das war genau das was ich jetzt brauchte. Ich dankte ihm und verließ den Raum. Natürlich ließen sich die Erinnerungen nicht so leicht verbannen, sodass ich nur unter höchster Konzentration den Weg zu meinem Zimmer fand. Ich zog mir schnell mein Nachthemd an, denn im Schlaf würden mich die Erinnerungen hoffentlich nicht quälen. Als ich dann jedoch im Bett lag, war an Schlaf gar nicht zu denken. Immer wieder tauchten alte Erinnerungen auf... Das erste Mal traf ich ihn, während der Sommerferien vor meiner Einschulung. Mein Bruder, James, hatte gerade sein erstes Jahr auf Hogwarts beendet und gleich drei neue Freunde gefunden. Sirius Black hing fast die ganzen Ferien bei uns rum, da er bei sich zuhause eher ungern gesehen war. Sirius war wie James und hatte nichts als Albereien im Kopf. Die beiden schaukelten sich, durch ihre ähnlichen Temperamente, schnell gegenseitig hoch und waren dann unerträglich. Ebenfalls oft war Peter Pettigrew zu Besuch. Ein unangenehmer, kleiner Junge, -also so groß wie ich damals, was doch ziemlich klein war- der etwas von einer Maus oder Ratte an sich hatte. Er lief James und Sirius immer nach, als wären die beiden so was wie seine Idole. Ich war froh, wenn er nicht bei uns zuhause rum schlich. Den vierten im Bunde hatte ich noch nicht kennen gelernt, da er mit seinen Eltern etwas außerhalb wohnte. Es war an einem heißen Julitag. Sirius und James waren im Garten und suchten nach Flubberwürmern im Blumenbeet, als es an der Tür klingelte. Mum und Dad waren gerade einkaufen, also ging ich zur Tür, mit der Erwartung gleich dem kleinen Peter gegenüber zu stehen. Genervt öffnete ich also die Tür und sa, die wunderschönen Augen, die mich heute in eine Schockstarre versetzt hatten. Remus war relativ groß, schlaksig und wirkte auf den ersten Blick sympathisch. „Hi, ich bin Remus Lupin. Ich wollte mich heute mit James Potter treffen“. So freundlich hatten mich weder Sirius („Hey, ist James da?“), noch Peter (Keine Begrüßung, sondern ein lauter Ruf ins Haus: „Sirius? James? Seid ihr da“) je begrüßt. „Ja, der ist mit Sirius im Garten“, fand ich meine Sprache wieder und öffnete die Tür soweit, dass er eintreten konnte. „Und wer bist du?“, fragte er mich interessiert. Ich errötete leicht. „Ich bin Kathrine, James’ Schwester“, erklärte ich, während ich ihm den Weg in den Garten zeigte. „Freut mich, dich kennen zu lernen. Kommst du dieses Jahr auch nach Hogwarts?“, fragte er weiter. Ich nickte und wurde noch etwas röter, wenn das überhaupt noch möglich war. Er lächelte mich an und wurde dann mit einem lauten Ruf von Sirius begrüßt. „Remus, na endlich“, er kam zu uns und zog Remus in den Garten, um ihm die Ausbeute ihrer bisherigen Suche zu zeigen. Eine herrliche Woche lang bliebe Remus bei uns. Er war so etwas wie ein Ruhepol, der etwas Entspannung in Sirius’ und James’ Aktionen brachte. Außerdem war er wirklich nett zu mir. Von Sirius durfte ich mir immer wieder kleine Neckereien gefallen lassen, bei denen er von meinem Bruder unterstützt wurde. Ich merkte wie ich Remus immer mehr mochte und freute mich immer mehr auf Hogwarts, weil ich ihn dort jeden Tag sehen würde. Abgesehen davon konnte ich es kaum erwarten das Schloss, das in so vielen Geschichten der Rumtreiber -wie sich die vier Freunde nannten- den Schauplatz darstellte, selbst zu erkunden. Nach einer Zeit, die mir unendlich lang vorkam, war es endlich soweit. Meine Eltern fuhren James, Sirius und mich zum Bahnhof. Auf dem Bahnsteig hielt ich Ausschau nach Remus, hatte aber genau wie mein Bruder, wenig Erfolg ihn in der breiten Masse zu finden. Meine Eltern halfen mir, meinen riesigen Koffer in den Zug zu hieven und verabschiedeten sich herzlich von mir. Eigentlich wollte ich James um Hilfe bitten, da der Koffer fast so groß war wie ich, aber er war schon mit Sirius in einem der vielen Abteile verschwunden. Also machte ich mich selbst auf die Suche nach einem freien Sitzplatz und fand ihn in dem Abteil, meiner zukünftigen besten Freunde: Lily Evans und Severus Snape. Wir verstanden uns von Anfang an gut, obwohl ich ein Jahr jünger war. Als ich mich vorstellte, stutzten sie allerdings zuerst. „Potter? So wie James Potter?“, fragte Severus mit skeptischer Miene. „Nur weil sie Potter heißt, heißt das nicht, dass sie so wie ihr Bruder ist.“, verteidigte mich Lily und ich war ihr sehr dankbar dafür. Ich erzählte ihnen, dass er mir auch sehr oft auf den Geist ginge, was die Spannung zwischen Severus und mir löste. „Evans und Snape?“, platzte plötzlich Sirius, ohne zu klopfen, in das Abteil, dicht gefolgt von James, Peter und Remus. James war Severus einen bösen Blick zu, den Severus mit gleicher Intensität erwiderte. „Da hast du dir ja die richtigen Freunde ausgesucht!“, sagte er an mich gewandt. Ich funkelte ihn böse an. „Du und deine Freunde, seid solche Idioten!“, schrie ich ihn an. James zuckte mit den Schultern und verließ das Abteil. Sirius lachte über meine Bemerkung und steckte damit Peter an. Remus warf mir einen merkwürdigen Blick zu und dann gingen sie alle. Das sollte vorerst eines der letzten Male sein, bei denen ich etwas mit meinem Bruder und seinen Freunden zu tun hatte. Ich kam nach Hufflepuff und teilte somit nicht meinen Gemeinschaftsraum mit ihnen. Außerdem verstanden sich Lily und Severus mit den Rumtreibern wirklich gar nicht. Und da diese meine neuen besten Freunde waren, mied auch ich die Jungen-Clique. Ich vermisste die dummen Scherze meines Bruders und Sirius’ nicht besonders. Auch auf den kleinen Peter konnte ich gut verzichten. Allerdings fand ich es schade nichts mehr mit Remus zu tun zu haben. Ich hatte ihn vom ersten Augenblick an gemocht und mich mit der Zeit immer mehr in ihn verliebt. Manchmal traf ich ihn in der Bibliothek, aber meistens setzte er sich in eine andere Ecke. Er schien keine Notiz von mir zu nehmen. Erst in meinem vierten Jahr, entstand wieder näherer Kontakt zu Remus. Lily hatte dem hartnäckigem Werben meines Bruders nachgegeben und war mit ihm ausgegangen. Sie stellte fest, dass er alleine eigentlich ganz nett sein konnte- ziemlich nett- und war schließlich, nach einem Monat, mit ihm zusammen gekommen. Severus schäumte vor Wut, da er, wie ich auf den ersten Blick gesehen hatte, ebenfalls unsterblich in sie verliebt war. Er distanzierte sich von Lily und mir. So war es auch typisch, dass er, als wir alle zusammen im Gryffindor-Gemeinschaftsraum Slughorn-Schleimt spielten, nicht dabei war. Es schien keinem aufzufallen, bis Remus fragte: „Wo ist eigentlich euer Freund Severus?“. Er sagte es nicht abfällig, so wie Sirius es wahrscheinlich gesagt hätte. „Wen interessiert’s?“ war dessen taktvolle Antwort. Ich sah ihn Vorwurfvoll an und beantwortete dann die Frage: „Naja... also ich glaube er hat das mit James und Lily nicht so gut verkraftet“. James lachte auf und Lily warf ihm einen bösen Blick zu, „und er hält euch für zu kindisch“ setzte ich nach, um nicht Lily als einzigen Grund zu nennen. „Findest du das denn nicht?“ fragte Remus und sah mich dabei direkt an. Diese Augen... „Naja... nicht alle von euch“ gab ich als Antwort und zwinkerte ihm zu. Es hatte lange gedauert, aber endlich war das Eis zwischen Remus und mir gebrochen. In der Bibliothek setzte er sich jetzt öfter zu mir. Anscheinend hatte er sich meine patzige Antwort damals im Zug, zu sehr zu Herzen genommen. Allerdings habe ich nie darüber mit ihm gesprochen, deshalb ist das reine Spekulation. Wir unterhielten uns viel und ich war sehr froh wieder jemanden zu haben, mit dem ich reden konnte, denn Lily schwebte nur noch auf Wolke sieben und war somit kaum ansprechbar und Severus wollte nur über die Rumtreiber lästern, was mir ziemlich auf die Nerven ging. Um ehrlich zu sein glaube ich, dass sich Remus und Severus eigentlich recht gut verstanden hätten, wäre nicht von Anfang an diese Diskrepanz zwischen ihnen gewesen. Es war nun mittlerweile kurz vor Weihnachten. Das letzte Hogsmeade-Wochenende in diesem Jahr stand an. Ich saß deprimiert in der großen Halle und büffelte für Kräuter Kunde. „Was ist los, Kathy?“, ertönte Remus’ Stimme neben mir. Er lächelte mich an und schlug mein Schulbuch zu. „Lily und James feiern an diesem Wochenende ihr halbjähriges Jubiläum und Severus möchte die beiden auf keinen Fall in Hogsmeade treffen. Mit anderen Worten: Ich muss am Wochenende alleine nach Hogsmeade gehen“, seufzte ich und nahm einen Schluck Kübissaft. „Und wenn wir zusammen gehen?“, fragte Remus. Ich schüttelte den Kopf: „Lass mal, ich möchte nicht so gerne mit Sirius gehen, vor allem im Winter findet er es besonders witzig, mich mit Schneebällen zu bewerfen“. Remus schmunzelte: „Da hast du ja Glück, dass Sirius nicht mitkommt. Seine Eltern haben ihm die Erlaubnis nicht unterzeichnet und nachdem Professor McGonagall rausbekommen hat, dass er sich manchmal mit Tarnumhang raus geschlichen hat, hat sie ihm einen Haufen Strafarbeiten aufgedrückt.“. Ich musste grinsen: „Na dann, können wir gerne zusammen gehen“. Ich wurde etwas rot bei dem Gedanken, ein Date mit Remus zu haben, worauf ich seit der ersten Klasse gewartet hatte; wenn er es denn auch als Date sah... „Ich hol dich nach dem Frühstück ab“, sagte er und verschwand zwinkernd. Den restlichen Tag konnte ich die Hausaufgaben vergessen. Immer wieder ging ich im Kopf meinen Kleiderschrank durch, um das perfekte Outfit zusammen zu stellen, dachte darüber nach, worüber wir morgen reden könnten und vor allem analysierte ich, ob es sich um eine Date oder einen Freundschaftsdienst handelte. In dieser Situation wäre der Rat einer besten Freundin wirklich hilfreich gewesen, aber leider nicht, wenn diese nur ihren eigenen Schwarm im Kopf hatte. Also zermarterte ich mir selbst das Gehirn. Konnte Remus mich als Date betrachten, wenn ich die kleine Schwester, eines seiner besten Freunde war? War ich nur eine Notlösung gewesen, weil er keine Lust gehabt hatte mit Peter zu gehen? Wie würde ich merken, ob es ein Date war? Die Zeit schien sich ewig hin zu ziehen, aber endlich war der Tag da. Es war ein Wunder, dass ich überhaupt geschlafen hatte. Ich wachte mit einem unglaublichen Kribbeln in der Magengegend auf. Die anderen Mädchen aus meinem Schlafsaal waren bereits aufgestanden. Sie wussten, dass mein Schlaf mir heilig war und hatten mich deshalb nicht geweckt. Ich stürzte mich auf meinen Kleiderschrank und suchte mir schnell das Kleid raus, für das ich mich gestern nach langen hin und her überlegen, entschieden hatte. Es war schön, aber nicht zu schön. Man konnte es also auf ein Date anziehen, aber eben auch zu einem normalen Treffen. Aufgeregt ging ich in die große Halle und verschlang geradezu mein Frühstück. Die anderen Mädchen in meiner Nähe fingen an zu kichern, als Remus zu uns an den Tisch kam. „Guten Morgen. Können wir los?“, begrüßte er mich, nach einer kurzen Umarmung. „Klar“, sagte ich etwas schüchtern und ließ mich von ihm aus der Halle geleiten. Zunächst war die Stimmung zwischen uns etwas angespannt, aber das legte sich mit der Zeit. Remus erzählte mir von seiner Familie, die etwas abseits von einem kleinen Dorf, auf einem Cottage wohnten. Ich mochte es ihm zu zuhören. Seine Stimme war sehr angenehm und außerdem war es schön, dass er mir seine Aufmerksamkeit schenkte. Wir erreichten das Dorf und schlenderten durch die kleinen Gassen. Wo genau wir waren, weiß ich nicht mehr genau. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich es zu dem Zeitpunkt wusste, denn meine Aufmerksamkeit lag voll und ganz auf Remus. Das erste mal das wir unser Gespräch unterbrachen war, als wir plötzlich bei der heulenden Hütte ankamen. Remus wurde etwas blass -später wurde mir natürlich klar wieso- und er schien sich unwohl zu fühlen. „Geht es dir gut?“, fragte ich ihn besorgt, da er seinen Satz einfach unterbrochen hatte. Er starrte auf die Hütte. Er nickte langsam, was nicht zu seinem gequälten Gesichtsausdruck passte. „Wollen wir in die drei Besen gehen?“, schlug ich vor. Er schien unendlich dankbar und bekam auch wieder etwas Farbe, als er der Hütte endlich den Rücken zu kehrte. Er beruhigte sich auf dem Rest des Weges wieder und so nahmen wir auch unser Gespräch wieder auf. Es war knall voll in dem Café und wir waren froh, als wir endlich mit zwei Butterbier in einer kleinen Nische am Fenster saßen. „Bleibst du über Weihnachten in Hogwarts?“, fragte er mich. Ich schüttelte den Kopf: „Nein. Wir fahren zu unseren Großeltern nach Cornwall, wie jedes Jahr. Und du?“. „Meine Tante wohnt in Schottland“, antwortete er und wir mussten beide lachen. „Da fällt mir ein, nächste Woche ist Slughorns Advents-Feier. Eigentlich wollte ich mit Lily zusammen hin gehen, aber Severus hat sie sofort gefragt, nachdem wir die Einladungen bekommen hatten. Hättest du vielleicht Lust mit zu kommen?“, hoffnungsvoll sah ich ihn an. „Also...ja... gerne... ich bin nur keine große Leuchte in Zaubertränke...und berühmte Eltern oder so habe ich auch nicht...“, er stotterte ein wenig und ich glaubte einen hauch Rosa auf seinen Wangen zu sehen. Ich lächelte ihn an: „Das stört mich nicht im geringsten, Remus“. Es wurde langsam dunkel, deshalb machten wir uns auf den Rückweg. Ich war etwas verwirrt, weil sich immer noch nicht wirklich geklärt hatte, was das heute gewesen war. Gehörte zu einem Date nicht ein Kuss? Ich beschloss dies als Kriterium zu nehmen. Wenn er mich nachher zum Gemeinschaftsraum brachte, ohne irgendeinen Versuch gestartet zu haben mich zu küssen, war es definitiv kein Date gewesen. Da würde Lily sicher mit mir über einstimmen. Leider kam ich nicht dazu meine Theorie zu testen, denn kaum hatten wir das große Eichenportal durchquert, kam Sirius zu uns gelaufen. „Na endlich“, stöhnte er, „Ich bin schon den ganzen Tag alleine mit Peter. Remus, wie konntest du mir das nur antun!“. Er griff nach Remus’ Arm und zog ihn hinter sich her, die Marmortreppe hinauf. Remus warf mir einen entschuldigenden Blick zu und versuchte dann, mit Sirius Schritt zu halten. Na toll! Dachte ich, als ich am Abend im Bett lag. Woher sollte ich jetzt wissen, ob es ein Date gewesen war? Vor allem wenn es kein Date war, war es dann dreist gewesen ihn auf Slughorns-Party einzuladen? Wie Mädchen in dem alter eben sind, beschäftigten mich hundert weiterer solcher Fragen den Rest des Abends, bis ich in einen unruhigen Schlaf glitt. In der folgenden Tagen bekam ich Remus nicht oft zu Gesicht. Es war mir schon in den letzten Jahren aufgefallen, dass er ziemlich oft krank zu seien schien. So auch diese Woche. Ich sah ihn nicht mit den Rumtreibern durch die Gänge ziehen und als er dann am Ende der Woche wieder da war, wirkte er sehr erschöpft und mitgenommen. Am Dienstag, vor Weihnachten, an dem die Party stattfand, ging ich zu Remus, da er immer noch nicht richtig fit wirkte. „Hey, ich hab gesehen, dass es dir nicht so gut geht. Wenn dir das mit der Party zu anstrengend wird...“, in Gedanken betete ich, dass er es nicht für zu anstrengend befand. „Nein, kein Problem. Ich freue mich schon drauf. Um halb acht, vor eurem Gemeinschaftsraum, oder?“, fragte er noch einmal nach und mir fiel ein Stein vom Herzen. Es machte sogar einen kleinen Hüpfer, als er sagte, dass er sich freuen würde. „Du siehst bezaubernd aus“, begrüßte er mich, als ich aus dem Gemeinschaftsraum kam. Die anderthalbstündige Vorbereitung hatte sich offensichtlich gelohnt. Ich hakte mich mit einem Lächeln bei Remus unter und wir schlenderten zusammen zu Slughorns Büro. Der Korridor, der zu dem Zimmer führte, war mit orangenen Lampions erleuchtet, was für eine gemütliche Stimmung sorgte. „Herzlich Willkommen, meine Liebe“, begrüßte Slughorn mich überschwänglich an der Tür und zerquetschte mir fast die Hand. „Und wer ist dieser nette Junge Mann?“, fragte er an Remus gewandt. „Remus Lupin“, stellte er sich vor, obwohl ich wusste, dass Slughorn ihn eigentlich ebenfalls in Zaubertränke unterrichtete. „Schön, schön... setzt Euch“, sagte Slughorn und wandte sich den nächsten eintreffenden Gästen zu. Wir gingen zu einem runden Tisch, an dem schon vier weitere Pärchen saßen. Lily winkte uns auf die Plätze neben sich. Severus schien äußerst gute Laune zu haben und ein funkeln trat in seine Augen, wenn Lily sich mit ihm unterhielt. Das Essen war eher langweilig. Slughorn erzählte viel über all diejenigen Berühmtheiten, die er bereits in Hogwarts unterrichtete und fragte die am Tisch Sitzenden über ihr Leben aus. Ich bereute es ein wenig Remus gefragt zu haben mit zu kommen, da Slughorn ihn völlig ignorierte. Nach dem Dinner, was sich ewig hingezogen hatte, ertönte aus einer Ecke Musik. „Ich bitte zum Tanz“, verkündete Slughorn und forderte Lily zum Tanz auf, was Severus mit bitterer Miene beobachtete. Langsam erhoben sich alle Pärchen und schlenderten auf die Tanzfläche. „Wollen wir auch?“, fragte mich Remus und reichte mir seine Hand. Er war ein wirklich guter Tänzer, im Gegensatz zu meinem Bruder, bei dem ich die Takte laut mitzählen musste. Er führte mich sicher und elegant. Als ein langsames Lied einsetzte zog er mich etwas enger an sich und ich legte meinen Kopf an seine Schulter. Ich spürte wie mein Herz anfing zu rasen und wünschte mir, dass dieser Tanz ewig andauern würde. Nach diesem Gefühl zu Urteil, war das definitiv ein Date! Nur, fühlte er das auch? Oder wollte er nur tanzen, weil es alle taten? Ich beobachtete, wie Severus Lily aufforderte und sie glückselig in seinen Armen hielt. Er tat mir leid, da ich wusste, dass Lily nie das gleiche für ihn empfinden würde. Der Tanz endete und wir stellten uns etwas Abseits der Tanzfläche. Remus holte uns etwas zu trinken und ich ließ meinen Blick durch den Raum schweifen, immer noch von dem angenehmen Gefühl durchströmt, was Remus bei mir auslöste. Er kam zurück und reichte mir einen Kürbissaft. „Ich hoffe du bereust es nicht all zu sehr, mitgekommen zu sein. Slughorn benimmt sich nicht gerade freundlich dir gegenüber...“, sagte ich entschuldigend. Er lächelte mich an und ich versank in seinen braunen Augen: „Ich bin ja nicht wegen Slughorn hier“ sagte er und zwinkerte mir zu. Ich wurde rot und wandte meinen Blick ab. Ein Läuten ließ meinen Blick wieder nach oben gleiten. Über unseren Köpfen wuchs ein Mistelzweig aus der Decke, an dessen Ende ein kleines Glöckchen hing. Ich sah Remus überraschten Blick, der ebenfalls nach oben gerichtete war. Eine Welle von Adrenalin durchströmte mich und bevor ich über das nachgedacht hatte, was ich tat, stand ich auf meinen Zehenspitzen und hatte meine Lippen auf seine gelegt. Es war ein wunderbares Gefühl, so als wäre ich schwerelos. Dann allerdings, holte mich mein Verstand wieder ein und ich löste mich wieder schnell von ihm. „Ähh... wollen wir noch mal tanzen?“, versuchte ich die Situation schnell zu retten. Er sah mich verdattert, aber mit einem Anflug eines Lächelns an, und reichte mir erneut seine Hand, um mich zur Tanzfläche zu führen. Den Rest des Abends war die Stimmung zwischen uns etwas angespannt. Ich schaffte es einfach nicht mehr, ihm in die Augen zu sehen. Langsam leerte sich das Büro und so entschlossen auch wir uns zu gehen. Wir gingen schweigend die Korridore entlang, mein Kopf war wie betäubt, so dass ich nichts Vernünftiges hätte rausbringen können. Endlich kamen wir vor meinem Gemeinschaftsraum an. Nervös trat ich von einem Fuß auf den anderen. Sein Blick lag auf mir. „Es.. tut mir leid...“, stotterte ich, „Ich weiß nicht was in mich gefahren ist...“. Ich hob den Kopf und sah ihm in die Augen. Er sah ernst aus, sicherlich würde er mir gleich sagen, dass alles nur Freundschaftlich zwischen un... Er legte seine Hände um meine Taille, zog mich zu sich und küsste mich. Es war nicht zu vergleichen mit dem ersten. Dieser Kuss riss mir den Boden unter den Füßen weg. Ich legte meine Arme um seinen Hals und zog ihn noch näher zu mir. Seine weichen Lippen... er öffnete sie und strich mit seiner Zunge über meine Oberlippe. Ich seufzte und spürte, wie er lächelte. Nach viel zu kurzer Zeit löste er sich wieder von mir: „Schlaf Gut“, sagte er und hauchte mir noch einen Kuss auf die Lippen. Am nächsten Morgen stand ich nervös vor der großen Halle. Ich wusste nicht, wie wir uns begegnen würden. Ich nahm all meinen Mut zusammen und betrat die weihnachtlich geschmückte Halle. Mein Blick glitt zum Gryffindor-Tisch. Da saßen Sirius und Peter, aber von James oder Remus war keine Spur. Erleichtert atmete ich aus und ging zu Severus an den Slytherin-Tisch. Er sah verdrießlich in seinen Haferbrei und blickte nicht auf, als ich mich setzte. „Hey, was ist los?“ fragte ich ihn und strich ihm tröstend über den Rücken. „James Potter“, war seien zerknirschte Antwort. „Ihr seid doch verrückt, dass ihr euch mit solchen Taugenichtsen abgebt“, grummelte er und fixierte nun seinen Kürbissaft mit einem Blick, als würde er ihn gleich anspringen. Ich wusste, dass es keinen Sinn hatte mit ihm darüber zu diskutieren, deshalb widmete ich mich meinem Essen zu. Immer wieder glitt mein Blick nervös zur Tür. Und dann betrat Remus die Halle. Sirius winkte ihm zu und deutete neben sich. Remus suchte den Hufflepuff-Tisch ab, ließ den Blick dann durch die ganze Halle schweifen und traf meinen Blick. Er grüßte Sirius kurz zu und kam dann.... er... er kam zum Slytherin-Tisch. Die Nervosität stieg in mir hoch, als er immer näher kam. Dann stand er neben mir. „Na du?“, begrüßte er mich, setzte sich neben mich und küsste mich vor allen in der großen Halle. Wenn das kein Statement war. Severus blickte angewidert zu uns herüber und verschwand mit wehendem Umhang. „Remus Lupin sitzt am Slytherin-Tisch“, stellte ich strahlend fest, als er sich von mir gelöst hatte. Er griff nach meiner Hand, verschränkte unsere Finger und legte sie auf den Tisch. „Ich sitze am Slytherin-Tisch, mit dir!“, korrigierte er mich und lächelte mich an. Das undenkbare war eingetroffen, Remus Lupin war mit mir, Kathrine Potter, zusammen. Als Lily es erfuhr war sie ganz aus dem Häuschen und fing sofort an, diverse Doppeldates zu planen. James nahm Remus erst mal bei Seite, um, wie ich vermute, das typische „Du bist zwar mein bester Freund, aber wehe du tust ihr weh!“-Gespräch zu führen. Aber ich denke, eigentlich freute er sich auch. Immerhin hatte ich mir nicht Sirius als Freund ausgesucht, der ja bekannt für seine vielen Bettgeschichten war. Dieser war auch derjenige, der sich, neben Severus, am meisten darüber aufregte, dass wir zusammen waren. Jetzt war Sirius quasi mit Peter alleine, was ihm natürlich gar nicht gefiel. Severus ignorierte mich ab jetzt. Ich denke, dass er es als eine Art „Hochverrat“ oder so betrachtete, da ja schon Lily, „die Seiten gewechselt hatte“. Es lief alles super. Wir waren einfach glücklich. Bis auf einmal im Monat. Ich wusste, dass Remus etwas vor mir verheimlichte. Er verschwand spurlos für einen Tag. Den Lehrern schien es nicht aufzufallen, denn sie sprachen ihn nie darauf an. Ich tat es allerdings, aber bekam nie eine zufriedenstellende Antwort. Er wich mir aus oder versuchte das Thema zu wechseln, wenn ich ihn fragte wo er gewesen war. Es machte mich völlig fertig, dass er mir anscheinend nicht vertraute. Ich sagte es ihm, woraufhin er meine Hand nahm: „Ich liebe dich, Kathrine. Deshalb darfst du es nicht wissen!“. Für’s erste akzeptierte ich diese Antwort, denn immerhin hatte er mir seine Liebe gestanden, aber auf Dauer machte ich mir immer mehr Sorgen um ihn. Es war mittlerweile fast ein Jahr vergangen. Remus und ich saßen in der Bibliothek und „lernten“, was konkret so aussah, dass er in der hintersten Regalreihe auf dem Boden saß und mich auf dem Schoss hatte. Ich hatte meinen Kopf in seine Halsbeuge gelegt und er strich mir mit der Hand durchs Haar. „Nächste Woche sind wir schon ein Jahr zusammen“, seufzte ich und küsste seinen Hals. Ich spürte wie er etwas verkrampfte und seine Hand inne hielt. „Kathrine, wir müssen die Feier unseres Jubiläums leider verschieben...“, sagte er leise. Ich richtete mich auf und sah ihm in die Augen. „Ist das dein ernst? Wegen dem Grund den ich nicht wissen darf?“, Tränen stiegen mir in die Augen. Er nickte langsam und wollte mir die Tränen wegwischen, doch ich ließ ihn nicht. Ich stand auf. „Remus, es macht mich kaputt nicht zu wissen was dich quält“, schluchzte ich. Er sah mich nur unglaublich traurig an. Ich wusste ich würde heute keine Antwort erhalten. Also drehte ich mich um und ging. Rannte die Korridore entlang zum Gemeinschaftsraum, wo ich mich erst mal beruhigte. Den Rest der Woche ging ich Remus aus dem Weg. Ich sah seine Blicke, aber nutzte all meine Kräfte um dem Drang zu widerstehen, zu ihm zu gehen. Am Dienstag Mittag war er wieder verschwunden. Lustlos saß ich neben Lily und quälte mir ein bisschen von dem Mittagessen rein, als sich plötzlich Severus zu uns gesellte. „Kann ich kurz mir die reden?“, fragte er an mich gewandt und würdigte Lily keines Blickes. Ich nickte und ging mit ihm aus der Halle. „Ich weiß das Geheimnis deines Freundes“, sagte Severus leise. „Triff mich morgen nach dem Abendessen hinter den Gewächshäusern!“, sagte er und war verschwunden. Mit einem schlechten Gewissen wartete ich am nächsten Tag an der vereinbarten Stelle. Wollte ich es wirklich wissen? War es nicht ziemlich blöd, seinem Freund hinter her zu spionieren? „Ich wusste, du würdest kommen“, hörte ich jetzt Severus’ Stimme hinter mir. Er zog mich am Arm über die Wiese, bis wir zu einer Gruppe von Sträuchern kamen. Es dämmerte und ich fragte mich was ich hier tat. „Vielleicht sollte ich lieber gehen“. „Shhh...“, unterbrach mich Severus und hielt einen Finger an die Lippen. Es waren Stimmen zu hören. Mir, sehr bekannte Stimmen. Die Rumtreiber schlenderten vom Schloss herüber. Sie gingen an den Büschen vorbei, von wo aus wir sie verdeckt beobachten konnten. Vor einem großen Baum blieben sie stehen, der peitschenden Weide. „Los, Wurmschwanz!“, sagte Sirius lachend. Peter zog seinen Zauberstab aus dem Umhang und –ich traute meinen Augen nicht- war im nächsten Augenblick verschwunden. Ich hörte ein leisen Quieken und nach einer Minute, in der nichts geschah, erstarrten plötzlich die Äste der Weide, die vorher hin und her geschwungen waren. Ich sah, wie sich Remus unter den Ästen duckte, den Stamm ansteuerte und irgendwo verschwand. Sirius sah sich suchend um und fing an zu lachen. „Was ist los?“, fragte mein Bruder, währen sie zusammen zum Baumstamm gingen. Sie waren jedoch schon aus unserer Reichweite, so dass ich die Antwort nicht mehr hörte. „Bereit?“, fragte Severus, den ich schon fast vergessen hatte. Ich sah in fragend an. Er ging aus der Deckung und bewegte sich nun auch auf den Baum zu. Ich folgte ihm. „Bist du sicher, dass wir das tun sollten? Wieso willst du mir überhaupt helfen, ich dachte du bist sauer auf mich!“, ich sah ihn unsicher an. „Hör zu, Kathrine. Lily und du ward meine besten Freunde. Irgendwie haben es diese Idioten geschafft, euch den Kopf zu verdrehen und euch, mir weg zu nehmen. Aber jetzt habe ich die Gelegenheit, dir das wahre Gesicht deines Freundes zu zeigen.“. Er war immer lauter geworden und kam der Weide immer näher... Er wurde zu Boden gerissen. Die Weide war nicht mehr erstarrt, sondern wieder quick lebendig. Severus schrie, aber ich konnte ihm nicht helfen. Immer wenn ich versuchte zu ihm zu gelangen, wurde ich von einem Ast zurück geschleudert. Plötzlich erschien ein Hirsch hinter dem Baumstamm. Er trabte an, wich geschickt zwischen den Ästen aus und schaffte es Severus in Sicherheit zu bringen. Severus ächzte vor Schmerzen. „Bring ihn in den Krankenflügel“, ich erschrak, als plötzlich James vor mir stand. „Was?“, fragte ich verdattert, doch James sah mich wütend an. „Geh!“, schrie er. Ich beschwor eine Trage herauf und tat wie mein Bruder mir geheißen hatte. Madam Pomfrey schaffte es Severus’ Prellungen schnell verheilen zu lassen. „Sie wissen doch ganz genau, dass man sich der peitschenden Weide nicht auf zehn Meter nähren soll!“, sagte sie, während sie ihm einen kühlenden Verband um die Schulter schlang. „Aber mein Bruder und seine Freunde...“,- „Es interessiert mich nicht, was andere Schüler getan haben, solange diese nicht ebenfalls verletzt hier liegen“, unterbrach sie mich barsch und ging ins Schwesternzimmer, um noch etwas zu holen. Ich saß neben Severus’ Bett auf einem Stuhl. „Es tut mir leid“, ächzte er. „Schon okay, du wolltest mir ja nur einen Gefallen tun... was ist jetzt eigentlich mit dem Geheimnis?“. „Ich weiß nicht, vielleicht sollte dir das Remus doch selbst sagen...“,- „Geniale Idee, Schniefelus.“, ertönte Sirius Stimme neben mir. „Kathy, James möchte gerne mit dir reden“, sagte er zu mir. Ich nickte, strich Severus noch einmal über den Arm und verließ dann den Krankenflügel. James wartete in der Eingangshalle auf mich. „Spionierst du Remus jetzt nach? Bist du bescheuert?“, fuhr er mich an, „Ihr hättet tot sein können!“. Da kam mal seine brüderliche Ader zum Vorschein. „Mir ist aber nichts passiert. Und wenn Remus mir nichts erzählst, muss ich es eben selbst raus finden. Wo ist er überhaupt?“. James starrte mich wütend an: „In der heulenden Hütte, wenn du es genau wissen willst.“. Verwirrt sah ich ihn an. „Es steht mir nicht zu, dir sein Geheimnis zu verraten, das soll er selbst tun. Aber ich denke, er wird mir zu stimmen, dass ihr eure Beziehung am besten beendet.“. Ich verstand die Worte, aber nicht den Sinn dahinter. „Das entscheidest nicht du!“, schrie ich ihn an, machte auf dem Absatz kehrt und lief in meinen Gemeinschaftsraum. Die nächsten Tage bekam ich Remus nicht zu Gesicht. Ich hielt überall nach ihm Ausschau und wartete sogar zwei Stunden vor seinem Gemeinschaftsraum, während ich mir Beauty-Tip’s der fetten Dame anhören musste, aber ich fand ihn nicht. Doch dann, ganz plötzlich, als ich trübsinnig aus dem Zauberkunstunterricht kam, stand er an die Steinwand gelehnt da. Er sah ausgezehrt aus, seine Augen hatten dunkle Ringe und sein Haar stand in wilden Strähnen ab. „Wir müssen reden“, sagte er mit kratziger Stimme und hielt mir die Tür zu einem leeren Klassenzimmer auf. Als er die Tür geschlossen hatte, fiel ich ihm um den Hals. Die Wut war vergessen und hatte der Sorge um ihn Platz gemacht. Er schob mich jedoch von sich weg. Das hatte er noch nie getan. „Ich möchte mich von dir trennen“, sagte er und sah mir dabei direkt in die Augen. Mein Atem stockte und ich sah ihn völlig überrascht an. „Wieso?“, brachte ich mit brüchiger Stimme hervor. „Ich... ich bin ein Werwolf“, sagte er, „und du wärest wegen mir gestern fast gestorben“. Ein Werwolf...das erklärte so einiges. „Remus, das ist kein Problem. Ich liebe dich, auch als Werwolf...“. Ich griff nach seiner Hand, die er mir jedoch entzog. Er starrte auf den Boden: „Aber ich verabscheue mich. Ich könnte dir sonst was antun.“. Ich suchte seinen Blick, aber er wich aus:„Es hat sich doch nichts geändert, du warst doch mit mir zusammen, obwohl du die ganze Zeit ein Werwolf warst!“. Er nickte: „Das stimmt und ich bereue es. Ich habe dich die ganze Zeit einer großen Gefahr ausgesetzt und damit höre ich jetzt auf“. Ich sah, wie Tränen in seinen Augen standen. „Ich liebe dich!“, flüsterte er, küsste mich sanft und kurz und im nächsten Moment saß ich alleine, schluchzend auf dem Boden. Natürlich gab ich nicht auf. Den Rest des Schuljahres kämpfte ich um ihn, suchte das Gespräch, versuchte ihn zu küssen, aber er wies mich kühl ab. Irgendwann hatte ich keine Kraft mehr. Als die Sommerferien endlich kamen, fiel die unendlich schwere Last von mir, ihn täglich sehen zu müssen. Es graute mir davor, ein weiteres solches Jahr durchzustehen. Zum Glück kam mir die rettende Idee: Ein Austauschjahr nach Frankreich. Meine Eltern fanden das eine gute Idee, um neue Erfahrungen zu sammeln und stimmten sofort zu. Ich verbrachte ein entspanntes Schuljahr in Beauxbaton, in dem ich es sogar schaffte nicht die ganze Zeit an Remus zu denken. Ich lernte neune Freunde kennen, zu denen ich auch später noch den Kontakt pflegte. Das Gefühl der Leere kam erst wieder deutlich zurück, als ich nach Hogwarts zurück kehrte, um mein letztes Jahr zu absolvieren. Die Rumtreiber hatten zwar ihren Abschluss gemacht und ich musste sie somit nicht mehr sehen, aber wir hatten hier einiges zusammen erlebt, das meine Erinnerungen wieder wach riefen. Nach der Schule ging ich nach Frankreich zurück um dort zu studieren. Mein Freund Luc verliebte sich in mich und auch ich entwickelte ähnliche Gefühle für ihn, so dass wir zusammen kamen. Natürlich war es nicht zu vergleichen, mit der Liebe, die mich mit Remus verbunden hatte, aber es war doch ein Trost. Ich merkte, dass mir England immer mehr fehlte und, dass ich mich für das falsche Studienfach entschieden hatte. Deshalb zogen wir zurück nach England, wo ich anfing Zauberkunst auf Lehramt zu studieren. Luc fing an im Ministerium zu arbeiten und wir waren eigentlich ziemlich glücklich. Bis zum Aufstieg von Du-weißt-schon-wem. Dunkle Zeiten standen an und Luc fiel im Kampf gegen die Todesser. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, ereilte mich die Nachricht, das James und Lily ihm ebenfalls zum Opfer gefallen waren. Ich schämte mich, weil ich die beiden so selten besucht hatte. James hatte mich einfach immer an Remus erinnert. Ich sprach mit Dumbledore und bot an, den kleinen Harry zu mir zu nehmen, aber er erklärte mir, das es besser für ihn wäre, bei Tante und Onkel zu leben. Dort würde er nicht so leicht zu finden sein. Dann kam der Tag, an dem ich Remus wieder traf: die Beerdigung. Weinend saß ich zwischen meinen Eltern in der Kirchenbank. Ich nahm alles nur noch durch einen grauen Schleier war. Die Rumtreiber waren nicht gekommen: Sirius nicht, da er in Askaban war und Peter nicht, da er tot war. Remus hatte ich ebenfalls nicht gesehen, aber in diesem Moment war es mir auch egal. Erst nach der Feier kam er zu mir. Er tickte mir auf die Schulter und als ich mich zu ihm umdrehte, nahm er mich einfach in den Arm. „Es tut mir so leid“, sagte er in meine Haare hinein. Es fällt mir schwer mich genau zu erinnern was dann passierte. Auf jeden Fall saßen wir irgendwann in einem Pub und hatten mehrere, leere Gläser Feuerwhiskey vor uns stehen. Im Endeffekt glaube ich, dass ich die fast ganz alleine ausgetrunken habe. „So lass ich dich aber nicht apparieren“, sagte Remus, als ich mich erhob und zum Gehen ansetzte. Ich musste ziemlich wackelig auf den Beinen gewesen sein, denn er musste mich aus dem Pub tragen. Ich hatte meine Arme um seinen Hals gelegt und weinte an seiner Schulter. Er trug mich etwa zehn Minuten, dann setzte er mich kurz ab. Wir standen vor seiner Wohnung und er suchte seine Taschen nach dem Schlüssel ab. Ich saß zusammengesunken an der Hauswand und begann ein altes Kindelied zu summen, dass mich an James erinnerte. Er hatte Mühe mich ruhig zu halten, während wir im Treppenflur waren. Irgendwie schaffte er es jedoch mich in seine Wohnung zu bugsieren, ohne jemanden im Haus zu wecken. Schließlich saß ich auf seinem Sofa und weinte immer noch. Er holte mir eine Tasse Tee und setzte sich dann neben mich. Sanft strich er mir über den Rücken und all die Gefühle von damals, die sich schon die ganze Zeit angestaut hatten, brachen aus mir heraus. Ich schlang meine Arme um seinen Hals und küsste ihn fordernd. Ich spürte, wie die Leere in mir langsam schrumpfte und gefüllt wurde. Ich wollte ihn immer noch! Er drückte mich zurück. „Du bist betrunken“, sagte er beruhigend, was mich nicht davon abhielt ihm erneut um den Hals zu fallen. Ich konnte jetzt nicht aufhören, er war mir als einziges geblieben. Ich merkte, wie sein Widerstand schwächer wurde und er meinen Kuss schließlich erwiderte. Seine Hände strichen über meinen Rücken, zerzausten meine Haare, lagen an meinen Wangen... Ich tastete nach seinem Kragen und begann sein Hemd aufzuknöpfen. Er hielt kurz inne und schien sich nicht sicher zu sein, ob er das richtige tat, doch dann warf er alle Bedenken über Bord und zog sich sein Hemd mit einem Ruck selbst aus. Bals landeten auch all unsere anderen Klamotten auf dem Boden und er trug mich, meine Beine um seine Hüfte geschlungen, ins Schlafzimmer. Am nächsten Morgen erwachte ich mit einem brummenden Schädel. Ich wusste zuerst nicht, wo ich war, bis ich merkte, dass ich meine Arme und mein Bein um den nackten Remus geschlungen hatte. Er schlief friedlich, sein Gesicht in meinen Haaren verborgen. Er wachte zum Glück nicht auf, als ich vorsichtig meine Hand unter seinem Rücken wegzog und mein Bein, zwischen seinen weghob. Er gab nur ein zufriedenes Grummeln von sich. Ich hauchte ihm einen Kuss auf die Wange und suchte schnell alle meine Klamotten zusammen. Mit einem Knall apparierte ich in meine Wohnung. Ich war mir nicht sicher, ob diese Nacht ein Fehler gewesen war. Allerdings war ich mir sicher, dass es am besten für uns beide war, dass ich danach gegangen war. Es wäre unnötig gewesen, die alten Erinnerungen und Narben neu zu belasten. Danach war mein Leben remus-frei geblieben, bis zum heutigen Abend. Ich seufzte. Warum nur, musste ich ihn ausgerechnet hier wieder treffen? Es war schlimm genug gewesen, zurück zu kehren und hier zu arbeiten, wo ich ihn in jedem Gemälde, jedem Wandteppich und jeder Rüstung sah. Und jetzt war er hier. Ich wälzte mich im Bett umher, aber fand keine gemütliche Position. Immer wieder Glitten meine Gedanken, zu den Erinnerungen. Das Gefühl ihn zu küssen... fast spürte ich noch, seine Lippen auf meinen... Ich glitt in einen unruhigen Schlaf, durch den sich Remus schlich. Ich schaffte es, ihm weitest gehend aus dem Weg zu gehen. Meistens sah ich ihm beim Essen, aber zwischendurch kaum. Immer wieder spürte ich seinen Blick auf mir, doch ich erwiderte ihn nicht ein einziges mal. Nur einmal, als Severus und ich in Dumbledores Büro kommen mussten, um zu versprechen, dass wir Remus Geheimnis nicht verraten würden, sah ich ihn an. Innerlich gab ich mir selbst eine Ohrfeige, denn wie jedes mal, schmolz ich innerlich dahin. Aber es war zum Glück nur ein Ausrutscher gewesen und so schaffte ich es den Schulalltag wieder ziemlich normal aufzunehmen. An einem Morgen nahm mich Professor Flitwick beiseite, und bat mich, seine Schicht der Bibliotheksaufsicht zu übernehmen. Die berüchtigten Weasley-Zwillinge hatten vor ein paar Wochen mehrere Regalreihen zum Einsturz gebracht, als sie den Poltergeist Peeves ärgerten und seit dem musste immer ein Lehrerteam Aufsicht halten. Da ich meinen Unterricht für diese Woche schon geplant hatte –ich stürzte mich gerade zu in die Arbeit, um andere Gedanken zu verdrängen- sagte ich zu. Ich hätte natürlich wissen können, dass es das Schicksal nicht gut mit mir meinte, aber leider bemerkte ich erst, wer mein „Teamkollege“ war, als ich die Bibliothek betrat. Erinnerungen kamen auf, als mein Blick die langen Reihen entlang glitt. An der letzten Reihe blieb mein Blick hängen und ich musste seufzten. Diesen Ort hatte ich bisher immer vermieden. An ein paar Tischen saßen ein paar Schüler verstreut. Auch meinen Neffen, mit seinen Freunden konnte ich in einer Ecke erkennen. Mein Blick fiel zum Fenster und da stand er und sah mich an. Remus. Natürlich. Bewusst, schlenderte ich in die entgegengesetzte Richtung der Bibliothek. Remus blieb am Fenster stehen, wie ich aus dem Augenwinkel sah, und verfolgte mich mit seinem Blick. Nach einer Ewigkeit erklang die Schulklingel, die das Schließen der Bibliothek ankündigte. Erleichtert begab ich mich wieder in den vorderen Teil des Raumes und wartete geduldig –zumindest Äußerlich, innerlich konnte ich es nicht erwarten zu verschwinden- neben Remus darauf, dass alle Schüler die Bücherei verließen. Ich wollte mich gerade hinter der letzten Schülerin (natürlich Hermine ;)) einreihen, als Remus mich am Arm zurück hielt. Ein Schauer durchzuckte meinen Körper. „Kathy, wieso bist du damals gegangen?“, fragte er leise. Ich schaffte es nicht ihn anzugucken. Ich riss mich von ihm los und lief den Schülern hinter her: „Jemand hat ein Buch liegen lassen!“, rief ich ihnen zu, wusste aber, dass ich so niemanden täuschen konnte. Auch nicht mich selbst. Ich fühlte mich elend, als ich am Abend ins Bett ging. Immer wieder strich ich über die Stelle, an der Remus mich berührt hatte. Es hatte sich so angefühlt wie früher. In meinem Kopf hallte seine Frage und ich suchte nach einer Antwort. Von hunderten von Antworten schien mir am plausibelsten, dass ich einfach Angst gehabt hatte. Ich hatte Angst, wieder so etwas zu empfinden, ihn vielleicht auch irgendwann zu verlieren, dass er es als Fehler sah... Die Antwort würde er wahrscheinlich nie bekommen. Am nächsten Tag kam ich nach dem Abendessen ins Lehrerzimmer, um die Vorräte an Federn zu prüfen, damit die Schüler mit ihnen den Schwebezauber üben konnten. Leider reichte der Vorrat nicht aus und ich sah mich suchend im Zimmer um. Da entdeckte ich einen Schrank in einer der hinteren Ecken. Ohne weiter darüber nach zu denken öffnete ich eine der Schubladen. Ein Zischen ertönte und plötzlich erschien vor mir eine Gestalt. Gebannt starte ich das Etwas an und plötzlich konnte ich erkennen, dass es Remus war. Er stöhnte, als wäre er stark Verletzt. Blut quoll aus einer Wunde an seinem Bauch. Mit blankem Entsetzten starrte ich den sterbenden Remus an. Er sackte in sich zusammen, ganz bleich von dem hohen Blut Verlust. Ich spürte einen unerträglichen Schmerz, dann plötzlich kam ein zweiter Remus in den Raum gestürzt, stellte sich vor mich und die Leiche verwandelte sich in eine weiße Kugel. „Riddikulus“, sagte der zweite Remus mit erhobenem Zauberstab und die Kugel schwirrte, wie ein Luftballon, bei dem die Luft rausgelassen wirde, zurück in den Schrank. Der echte Remus kam zu mir. Ich hatte nicht bemerkt, wie ich auf dem Boden zusammen gesackt war. Mein Gesicht war nass von Tränen. „Iss das“, sagte er zu mir und gab mir ein Stück Schokolade. Er ließ sich neben mir nieder und gab mir noch ein zweites Stück, als ich das erste runtergeschluckt hatte. „Ich bringe dich besser auf dein Zimmer!“, sagte er bestimmt und half mir auf. Ich klammerte mich an seinen Arm, da ich das Gefühl hatte sonst ohnmächtig zu werden. Er führte mich die leeren Korridore entlang. „Was war das?“, unterbrach ich die Stille, mit zitternder Stimme. „Ein Irrwicht. Er nimmt die Gestalt unserer größten Ängste an“, klärte Remus mich mit ruhiger Stimme auf. Na super! Jetzt hatte er mit eigenen Augen gesehen, dass er mir immer noch viel bedeutete. Um das Thema zu wechseln, beantwortete ich ihm seine Frage vom Vortag: „Ich schätze, ich hatte damals einfach Angst. Ich war betrunken und dachte, dass du es als Fehler betrachten würdest...“, er schien kurz verwirrt, begriff dann aber worauf ich mich bezogen hatte. Er nickte stumm und zum Glück erreichten wir in diesem Moment mein Zimmer. Ich ließ seinen Arm los, wobei mir auffiel, dass ich mich ziemlich festgekrallt haben musste, da sein Umhang total zerknautscht war. Na wunderbar. Um es nicht noch schlimmer zu machen sagte ich schlicht: „Gute Nacht“, und ging in mein Zimmer. Besser hätte der Tag wirklich nicht laufen können. Missmutig begann ich meinen Umhang auszuziehen, als es an der Tür klopfte. Ich hatte Licht angemacht, deshalb konnte ich nicht einfach so tun als ob ich schlafen würde. Also ging ich zur Tür und öffnete sie. Remus stand immer noch vor der Tür. Er sah mich für einen Moment nur an, dann ging er einen Schritt auf mich zu, nahm mein Gesicht in seine Hände und küsste mich. Wieder wurde mir fast der Boden unter den Füßen weggerissen. Er liebte mich noch? Er drückte mich in mein Zimmer und schloss mit einem Wink des Zauberstabs die Tür, ohne von mir abzulassen. Wie sehr hatte ich diese weichen Lippen vermisst? Ich war vollkommen ausgefüllt, nicht ein Plätzchen der Leere war noch da. Langsam bewegte er sich zu meinem Bett. Er setzte sich und zog mich auf seinen Schoss. Er küsste meinen Hals und strich mit seinen Händen über meinen Körper. Ich öffnete seinen Umhang und mit einer schnellen Bewegung, langen wir auf dem Bett, er über mir, sodass er nun meinen Umhang endgültig öffnen konnte. Ich sah in seine wunderschönen Augen und lächelte ihn an, bevor ich meine Arme um seinen Hals schlang, um ihn zu mir nach unten zu ziehen... Es kam mir vor, als hätte ich ein Déjà-vu, als ich die Augen aufschlug. Eng umschlungen lag ich neben Remus. Ich spürte seinen gleichmäßigen Atem in meinem Nacken, der mir verriet, dass er noch schlief. Ich hatte meine Arme um ihn geschlungen und unsere Beine bildeten einen merkwürdigen Knoten. Ich lächelte und strich ihm liebevoll über die Seite. Ich war einfach glücklich und schloss wieder die Augen, um noch ein bisschen weiter zu schlafen, da hörte ich ein raues Lachen an meinem Ohr. Remus küsste meinen Hals. „Du bist ja schon wach?“, murmelte ich und strich ihm behutsam durch die Haare. „Und du bist noch hier!“, sagte er und zog mich noch enger an sich. „Ich wollte wissen, ob du das wirklich willst“, murmelte er. Ich drehte mich so, dass ich ihm in die Augen gucken konnte. Ich strahlte ihn an und gab ihm einen kleinen Kuss: „Ja, das will ich“.

20.5 % der User hatten die Auswertung: Ich warf einen letzten, prüfenden Blick in den Spiegel, da klingelte es auch schon an meiner Wohnungstür. Lee lächelte mich an. „Alles Gute zum Zweijährigen!“, sagte er und zog mich in eine Umarmung. Ich strahlte und küsste ihn, nachdem er mich wieder frei gegeben hatte: „Das wünsche ich dir auch“. Er griff nach meiner Hand und verschränkte unsere Finger miteinander: „Können wir los?“. Ich nickte und schloss die Tür hinter uns ab. Wir gingen das Treppenhaus hinunter, durch die schwere, eicherne Eingangstür und schon standen wir in einer lauen Abendbrise. Das Restaurant lag in nördlicher Richtung, Lee wandte sich jedoch nach Süden und führte mich in eine schmale Gasse zwischen zwei Häusern. Ich stellt mich eng zu ihm, er zog seinen Zauberstab und mit einem lauten Knall waren wir verschwunden. Im nächsten Moment standen wir vor einem netten kleinen Lokal, in einer Seitenstraße von der Winkelgasse. Hier hatten wir schon unser erstes Date gehabt und deshalb hatten wir entschieden, jedes Jahr unser Jubiläum hier zu feiern. „Alles okay?“, fragte Lee. Er war wirklich süß. Jedes mal nach dem Apparieren war er total besorgt um mich. „Nur, weil ich es nicht alleine kann (ich war eine Squib), heißt es nicht, dass ich es nicht vertrage“, sagte ich frech. Er grinste, legte einen Arm um meine Schulter und führte uns ins Lokal. Wir hatten den selben Tisch reserviert wie die Jahre zuvor. Die Wirtin kannte uns auch bereits und begrüßte uns freudestrahlend: „Willkommen, willkommen. Schön Sie wieder einmal bei uns zu haben.“. Sie geleitete uns den Weg zum Tisch und nahm uns unsere Reiseumhänge ab. Lee kam zu mir und zog mir den Stuhl zurück, sodass ich mich setzten konnte. „Womit hab ich dich nur verdient?“, seufzte ich, als er sich mir gegenüber niedergelassen hatte. Er griff nach meiner Hand: „Ich liebe dich“. Ich strahlte ihn an: „Ich dich auch!“. Der Abend war wirklich wunderschön und bestätigte mir wieder, was für ein Glück es war mit Lee zusammen zu sein. Nach dem Dessert entschuldigte Lee sich kurz. Ich guckte mich ein bisschen um und beobachtete die Leute, die am Fenster vorbei gingen. Plötzlich setzte die Jazz Musik aus und Streichmusik ertönte. Das Licht wurde etwas schummriger. Ehe ich mich umsehen konnte, sah ich Lee auf mich zu kommen. Er lächelte glücklich und nervös zu gleich. Als er an meinem Stuhl ankam, kniete er sich nieder: „Joanne Elizabeth Liroy, möchtest du Joanne Elizabeth Jordan werden?“. Ich strahlte ihn an. Was für ein unglaublich süßer Antrag. Ich stand auf und fiel ihm um den Hals: „Ja, natürlich“, seufzte ich und Tränen traten mir in die Augen. Wir rundeten den Abend mit einem romantischen Spaziergang im Park ab und schließlich brachte mich Lee wieder nach Hause. Sofort verfasste ich einen Brief an meine Schwester Jane, um sie zu Fragen, ob sie meine Brautjungfer seien wollte. Als ich danach glücklich ins Bett fiel, glitt ich schnell in einen wunderschönen traumlosen Schlaf. Ich konnte es kaum abwarten Lee wiederzusehen und beschloss direkt nach der Arbeit zu ihm zu fahren und ein Abendessen für uns beide zu kochen. Als ich alle Blumensamen fertig sortiert hatte –ich arbeitete in einem Muggel-Gärtnereibetrieb, da ich Arbeiten in der Zaubererwelt nicht ausführen konnte und die Natur liebte- hängte ich meine Gartenschürze an den Nagel und machte mich schnell auf den Weg zu nächsten U-Bahnstation. Zum Glück wohnte Lee ziemlich Zentral im Muggel-London, sodass ich seine Wohnung ohne Probleme erreichen konnte. Wie ich erwartete hatte, fand ich die Wohnung leer vor, da Lee bei Gringotts immer Überstunden machen musste. Ich hatte im Supermarkt nebenan schnell noch ein Paar Zutaten gekauft und machte mich jetzt daran, sie zuzubereiten. Während die Kartoffeln kochten, deckte ich den Tisch mit dem alten Familiengeschirr, Servietten und einem silbernen Kerzenständer. Es sah wirklich sehr romantisch aus. Kurz darauf erschien Lee in der Tür. Er sah mich überrascht an: „Waren wir heute verabredet?“. Ich lächelte: „Nein, ich wollte dich überraschen, was mir nach deinem Gesichtsausdruck zu schließen, auch gelungen ist!“. „Das ist echt super lieb von dir, aber ich glaube, aus einem romantischen Abendessen zu zweit wird leider nichts“, er sah mich entschuldigend an und schlang seine Arme, von hinten um meine Taille, „weißt du, ich habe heute meinen alten Freund George Weasley eingeladen, weil ich ihn fragen wollte ob er mein Trauzeuge werden will.“. Etwas enttäuscht drehte ich mich zu ihm um: „Aber ich habe doch jetzt extra für uns gekocht...“, ich schob schmollend die Unterlippe nach vorne. „Wieso essen wir nicht einfach zu dritt“, schlug Lee vor, „dann kannst du meinen alten Schulfreund gleich mal kennen lernen.“. „Na, gut“, gab ich nach und holte ein drittes Gedeck aus dem Schrank, „ist das eigentlich der George Weasley von dem du mir schon so viel erzählt hast? Der mit dir und seinem Bruder immer so verrückte Streiche gemacht hat?“. Erst als ich mich umdrehte sah ich, dass Lee mich mit ernster Miene ansah: „Ja, das ist er. Aber.... weißt du... Fred... also sein Bruder... er ist damals, bei der großen Schlacht von Hogwarts gefallen und seit dem ist ein Teil von Georges Lebensfreude erloschen... Am Anfang war es ganz schlimm, da war er richtig depressiv, aber mittlerweile hat er sich zusammen gerissen und führt jetzt alleine den Scherzartikelladen, den er mit Fred zusammen eröffnet hatte...“. Eine beklemmende Stille trat ein, da ich nicht wusste was ich dazu sagen sollte. Schließlich löste Lee die Situation, in dem er beschloss duschen zu gehen. Ich war gerade dabei die Kartoffeln abzugießen, als mich ein lauter Knall rumfahren ließ. Ein großer, schlaksiger Mann, mit feuerrotem Haar, stand mitten in Lees Esszimmer. Als er mich bemerkte, starrte er mich mit seinen großen braunen Augen an. Wir standen eine Weile einfach so da, bis ich meine Sprache wiederfand: „Du musst George sein“, stellte ich fest und trat einen Schritt auf ihn zu. So einen seltsamen Moment hatte ich noch nie erlebt. Er musterte mich und blieb schließlich an meinen Augen hängen. Ein komisches Gefühl der Vertrautheit durchströmte mich. Er räusperte sich: „Und du bist Joanne?“, sagte er mit etwas brüchiger Stimme. Da kam Lee, ein Handtuch um die Hüfte geschlungen, aus dem Bad. „George“, sagte er erfreut und schlug ihm freundschaftlich auf den Rücken, „wie ich sehe hast du meine Freundin Joanne schon kennen gelernt!“. Er strahlte ihn fast stolz an. George nickte stumm. „Setzt euch doch schon mal. Ich zieh mich nur kurz an!“, sagte Lee, auf das Handtuch deutend und war dann wieder im Bad verschwunden. Da ich nicht wusste, was ich tun sollte, stellte ich das Essen auf den Tisch und setzte mich dann. Nach kurzen Zögern ließ sich auch George nieder. Es lag eine merkwürdige Stille zwischen uns, die weder als angenehm noch unangenehm definiert werden konnte, also versuchte ich das Eis zu brechen. „Also... du bist der berühmte George Weasley. Lee hat mir schon viel von dir erzählt“, sagte ich und versuchte ein Lächeln zustande zu bringen. „Ja, wir waren zusammen auf der Schule“, war seine kurz angebundene Antwort. Er sah mich einfach nur an und mir lief ein Schauer über den Rücken, als ich seinen Blick erwiderte. „Ich.. ähh... also ich weiß nicht ob Lee es dir erzählt hat, das ist nicht gerade das, was man als erstes erwähnt, aber ich bin eine Squib, deshalb war ich leider nicht auf Hogwarts.“. Er nickte, während er mir immer noch in die Augen sah: „Ich weiß. Du wärest mir mit Sicherheit aufgefallen“. Wie war das denn bitte gemeint? Um nichts darauf sagen zu müssen nahm ich einen Schluck Wasser und war unendlich froh, als Lee endlich kam. Mit Lee war es deutlich einfacher. Meistens übernahm er das Reden, erzählte von alten Schulerlebnissen (wobei immer mal wieder ein Zucken auf Georges Gesicht erschien, da er sich vermutlich an seinen Bruder erinnerte), von seiner Arbeit und wie wir uns kennen gelernt hatten. Ich wusste, dass George und er sich in letzter Zeit nicht mehr so oft sahen, da Lee viel arbeitete und es nur ab und zu schaffte in der Mittagspause bei George vorbei zu sehen, deshalb gab es viele Neuigkeiten zu berichten. Schließlich war Lee zum Ende unserer Beziehungsgeschichte gelangt und schloss damit, dass er unsere gestrige Verlobung verkündete. George, dessen Blick immer mal wieder zu mir gehuscht war, verschluckte sich an seinem Butterbier. Als er wieder zu Atem gekommen war sagte er: „Herzlichen Glückwunsch!“, wobei ich nicht das Gefühl hatte, dass er sich wirklich freute. Ich fragte mich, ob er nicht wollte, dass ich seinen besten Freund heiratete. Immerhin verhielt er sich schon die ganze Zeit ziemlich merkwürdig... Vielleicht hatte er auch einfach Vorurteile gegen Squibs? Obwohl das eigentlich nicht zu dem George passte, den ich aus Lees Erzählungen kannte. Lee schien nicht zu bemerken, dass George eher minder begeistert schien und fragte ihn ob er Trauzeuge werden wolle. George warf mir wieder einen komischen Blick zu: „Natürlich Lee. Das haben wir uns doch schon vor Jahren versprochen!“. Wir stießen mit Champagner an, ich sah George nicht an, als wir uns Zuprosteten. Ich verstand einfach nicht, wieso er mich nicht mochte. Kurz danach verabschiedete sich George auch schon, da er noch einiges zu Erledigen hatte. Als ich mir sicher war, dass er weg war sagte ich zu Lee: „Ich glaube George mag mich nicht.“. Lee sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an und fing dann an zu lachen: „Wie kommst du denn auf die Idee?“. „Er schien sich nicht gerade darüber zu freuen, dass du mich heiraten willst“, sagte ich etwas wütend, dass er mich nicht ernst nahm. Lee nahm mich in den Arm: „Schatz, mach dir keine Sorgen. George mag dich bestimmt. Und ehrlich gesagt, hatte ich nicht das Gefühl, dass er sich nicht gefreut hat. Außerdem darfst du nicht vergessen, was ich dir erzählt habe, über seinen Bruder. Manchmal ist er eben noch etwas seltsam“. Ich seufzte, denn ich wusste, dass es keinen Sinn hatte darüber weiter zu diskutieren. Ich blieb die Nacht über bei Lee. Sein Arm war um mich gelegt und er schnarchte leise, ich jedoch konnte nicht schlafen. Immer wieder sah ich Georges Gesicht vor mir, seinen Blick und auch das merkwürdige Gefühl war immer mal wieder in mir hochstieg. So eine erste Begegnung hatte ich zuvor nie gehabt. Überhaupt so eine Begegnung. George schien mir vertraut, aber ablehnend zugleich. Und diese Abweisung verletzte mich sehr. Dabei kannte ich ihn ja nicht mal wirklich. Im Grunde konnte es mir doch egal sein, oder? Oder lag es vielleicht einfach daran, dass er Lees Freund war und ich deshalb von ihm gemocht werden wollte? Nein. Das war eine der wenigen Fragen im Zusammenhang mit George, auf die ich die Antwort wusste. Am nächsten Tag fuhr ich nach der Arbeit zu mir. Der gestrige Abend beschäftigte mich noch sehr und deshalb brauchte ich etwas Zeit für mich. Als ich die Treppe zu meinem Apartment hoch kam, sah ich George vor der Tür sitzen. Sofort war das Gefühl wieder da, was mir inzwischen etwas unheimlich geworden war. Wie konnte man für jemanden den man ein paar Augenblicke kannte, solche Gefühle entwickeln? Bevor ich etwas sagen konnte, fing George an zu sprechen: „Lee hat gesagt, du hast das Gefühl ich würde dich nicht mögen. Ich wollte mich für gestern entschuldigen... für mein Verhalten dir gegenüber. Ich denke, dass Lee unglaubliches Glück hat, dich zu haben.“. Ich sah ihn völlig perplex an und unsere Blicke trafen sich. Seine Augen waren ziemlich schön... braun mit einem grünen Kranz um die Pupille... Er wandte den Blick ab: „Das wollte ich nur gesagt haben!“. Und im nächsten Moment, war er mit einem Knall appariert. Na toll, jetzt war ich noch verwirrter. Ich hatte gespürt, dass George es ehrlich gemeint hatte, obwohl er den Text offensichtlich auswendig gelernt hatte. Wenn er sich wirklich für Lee freute und mich mochte, wieso war er dann so komisch zu mir? Und wieso, hatten mich seine Augen so gebannt? Bisher war ich nur bei Lees schokoladenbraunen Augen dahingeschmolzen... Ich entschloss Lee eine Nachricht zu schreiben, dass George sich entschuldigt hatte. Er sollte sich keine Sorgen machen. Gerade als ich den Brief zu ende geschrieben hatte, klopfte meine Schleiereule Aurora gegen das Küchenfenster. Sie hatte die Antwort meiner Schwester dabei. Ich gab ihr einen Eulenkeks, den sie sofort genüsslich zerhackte, nahm ihr die Antwort vom Bein und band die neue Nachricht fest. „Bring den bitte zu Lee!“, sagte ich und strich ihr sanft durchs Gefieder. Sie klackerte kurz mit dem Schnabel und war im nächsten Moment schon wieder aus dem Zimmer entschwebt. Jane hatte mir einen wirklich langen Brief geschrieben. Sie sagte, wie glücklich sie war und das sie immer schon gewusst hatte, das Lee der richtige für mich wäre und das sie selbstverständlich meine Brautjungfer seien wolle. Zufrieden legte ich die Pergamentrolle auf meinen Schreibtisch und kochte mir dann etwas zum Abendbrot. Gerade als ich fertig war, hörte ich erneut Auroras Geklacker. „Das ging ja schnell“, sagte ich und gab ihr einen zweiten Eulenkeks. Ich entfaltete das Pergament und las: Hallo Liebling, das möchte ich George auch geraten haben. Ich bin heute in der Mittagspause zu ihm gegangen und habe ihm gesagt, dass er sich bitte bei dir entschuldigen soll. Ich vermisse dich, Dein Lee Die Nachricht stimmte mich traurig. Ich dachte, George wäre aus freien Stücken zu mir gekommen, um sich zu entschuldigen. Dabei hatte Lee in quasi dazu gezwungen... Enttäuscht knüllte ich den Zettel zusammen und warf ihn in den Müll. Als mich Lee am nächsten Tag von der Arbeit abholte, war ich nicht gerade begeistert: „Lee, ich weiß, das du bei George warst war nett gemeint, aber nur weil du ihn zu einer Entschuldigung zwingst, heißt das nicht, dass er es auch so meint. Wahrscheinlich mag er mich jetzt noch weniger, weil ich mich bei dir ausgeheult habe...“. Lee stöhnte entnervt auf: „Wieso könnt ihr Euch denn so gar nicht leiden?“. „Ich habe kein Problem mit ihm“, gab ich patzig zurück. „Genau das sagt er auch“, konterte Lee. Hahaha...das ich nicht lache. „Dann ist es ja sicher kein Problem für dich, wenn du morgen mit ihm Mittag isst, ich habe leider keine Zeit, muss morgen überraschend nach Ägypten.“. Ich nickte, denn jetzt musste ich zu meinem Wort stehen. Obwohl ich wirklich keine Lust hatte. Ich versuchte extra etwas Zeit zu schinden und war zwanzig Minuten zu spät da. Ich hoffte, dass George einfach gegangen war, aber leider tat er mir diesen Gefallen nicht. „Sorry, das ich zu spät bin!“ versuchte ich es freundlich. Ich musste mich wirklich zusammen reißen, für Lee. Ich setzte mich ihm gegenüber: „Also, wir hatten ja irgendwie einen doofen Start, deshalb wollte ich vorschlagen, einfach noch mal von Vorne anzufangen?“, ich sah ihn erwartungsvoll an. „Okay“, sagte er knapp. Erleichtert atmete ich aus. Ich reichte ihm die Hand: „Hallo ich bin Joanne!“. George musterte meine Hand und reichte mir dann nach einem kurzen Moment seine. „Hallo ich bin George...“, unsere Hände berührten sich und es war wie ein elektrischer Schlag, der sich durch den ganzen Körper zog, „tut mir leid, ich kann das nicht!“ stammelte er, nachdem er seine Hand reflexartig zurück gezogen hatte, stand auf und rannte fast aus dem Café. Ich sah ihm verwirrt nach. Dann bemerkte ich, dass ich am ganzen Körper Gänsehaut hatte. Was löste dieser Mann nur bei mir aus? In der Nacht wandelte sich die Verwirrtheit in eine Art Wut. Selbst wenn er das gleiche gefühlt hatte wie ich, war es kein Grund sich derart daneben zu benehmen. Wenigstens etwas Mühe konnte er sich geben, ich war schließlich die Verlobte seines besten Freundes. Ich beschloss gleich morgen früh, vor der Arbeit, bei ihm im Scherzartikelladen vorbei zu gucken, um die Sache ein für alle Mal zu klären. Ich stand früh auf, da ich den Weg zu Fuß zurück legen musste. Nachdem mir ein freundlicher, älterer Zauberer geholfen hatte, die Mauer im Tropfenden Kessel zu öffnen, stand ich nun mit pochendem Herzen vor der Tür von Weasleys-Zauberhaften-Zauberscherzen. Es gab nur eine Klingel, die vermutlich zu Geschäft und Wohnung gehörte. Ich läutete ein paar Mal, aber nichts tat sich. Missmutig wollte ich schon gehen, als George plötzlich in der Tür stand. Er war nur mit Boxershorts bekleidet, anscheint hatte ich ihn geweckt, aber das war mir herzlich egal. „Kann ich reinkommen?“, fragte ich forsch, während ich mich, am verdutzten George vorbei, in den Laden drängte. Als ich ihn streifte, durchströmte mich erneut ein Kribbeln, aber ich versuchte es einfach zu ignorieren. „Klar, fühl dich wie zu Hause“, sagte George wütend, als er sich zu mir drehte. „Was hast du gegen mich? Was habe ich dir getan?“, platzten die Fragen sofort aus mir heraus. Er hatte überhaupt nicht das Recht wütend zu sein. Die Wut schien aus seinem Gesicht verflogen und er sah mich überrascht an. Seine Antwort war jedoch zutiefst unbefriedigend: „Du solltest jetzt besser gehen!“. Ich konnte es einfach nicht fassen. Wütend stampfte ich auf: „Beatworte zuerst meine Fragen!“, ich funkelte ihn an. Dann geschah etwas völlig Überraschendes. George stand zuerst einfach nur da, musterte mich, sah mir in die Augen... dann taumelte er vorwärts, legte seine Hände an mein Gesicht und küsste mich. Ein Feuerwerk explodierte in mir, als sich unsere Lippen trafen. Ich schloss meine Augen und genoss diesen Moment, in dem sich einfach alles richtig anfühlte. Sein Geruch nach frischem Gras stieg mir in die Nase und ich seufzte kaum merklich. Ich merkte nicht, wie ich meine Arme um seinen Hals schlang und seiner Zunge Einlass gewährte, bis sich plötzlich mein Gehirn wieder einschaltete. Was tat ich hier? Ich war verlobt, mit Lee! Vorsichtig drückte ich George weg. Sein Blick war nicht zu deuten, es lag so viel in ihm: Sehnsucht, Hoffnung, Sanftheit, aber auch Verwirrung. „Du hast recht“, sagte ich während ich meine Hände von seinen Schultern nahm, „ich sollte wirklich gehen!“ Die nächsten Wochen war ich komplett verwirrt. Immer wieder sah ich Georges Gesicht vor mir, spürte seine Lippen in meinen Träumen und gleichzeitig fühlte ich mich so elend wegen Lee. Wieso hatte ich den Kuss erwidert? Es wäre alles nur halb so schlimm gewesen, wenn George mich geküsst hätte und ich sofort klar gemacht hätte, dass ich das nicht wollte. Aber wollte ich es denn wirklich nicht? Sendete mein Körper nicht klare Signale? Gänsehaut bei Berührung, Explosion beim Küssen, und dieses seltsame Gefühl... deuteten auf Verliebtheit hin, wenn nicht sogar noch mehr. Aber woher kam das? George und ich hatten uns drei, vier Mal gesehen... da konnte man sich doch nicht verlieben... aber wenn ich ehrlich war, war es ja schon beim ersten Mal so zwischen uns gewesen... Lee war in letzter Zeit nicht oft da, da er öfters nach Ägypten reisen musste. Wir sahen uns nur selten, was mir nur recht war, da ich immer von meinem schlechten Gewissen geplagt wurde, wenn ich in seiner Nähe war. Er kam am Freitag wieder und so hatte ich für uns gekocht. Dieses Wochenende würde uns gehören. Ich würde mich voll und ganz auf ihn konzentreiren und mir wieder ganz sicher sein, dass er der einzig richtige war. Zumindest dachte ich das, bis Lee sagte: „Es ist wirklich blöd, aber ich muss leider am Wochenende arbeiten.“, sofort sank meine enthusiastische Stimmung wieder. „Aber bevor du allzu enttäuscht bist, habe ich eine Überraschung für dich. Ich habe mit Molly und Arthur geredet, den Eltern von George. Sie haben ein wunderschönes Haus, mitten in der Natur. Und dort“, er machte mit den Fingern einen kleinen Trommelwirbel, „wird unsere Hochzeit gefeiert!“. Er strahlte mich an. Ich gab mir größte Mühe, so glücklich wie möglich aus zu sehen: „Das ist ja toll!“. „Und an diesem Wochenende kannst du es kennenlernen. Ich bringe dich morgen Abend dort hin und George bringt dich Montag früh wieder nach Hause.“. Ein Kloß bildete sich in meinem Hals, aber zum Glück musste ich nichts sagen, da Lee mich bereits küsste. Einen Tag später, standen wir vor dem Fuchsbau. Ich war total nervös und überlegte fieberhaft, wie ich der Situation doch noch entkommen konnte, aber da ging die Tür schon auf und eine rundliche Frau, mit ebenfalls feuerroten Haaren, kam heraus und drückte Lee in einer herzlichen Umarmung. „Lee, mein Lieber!“, sagte sie, „wir haben uns ja so lange nicht mehr gesehen!“. Als sie ihn losgelassen hatte, wandte sie sich an mich: „Und du musst Joanne sein. Ich bin Molly!“, sagte sie strahlend und zog auch mich in eine, im wahrsten Sinne des Wortes, atemberaubende Umarmung. Als ich wieder etwas zu Luft gekommen war, erschien George in der Tür. „Hallo ihr beiden“, sagte er etwas gepresst. Zum Glück blieb keine lange Zeit für Begrüßungsflosken, denn Molly sagte: „George, zeig doch Joanne schon mal ihr Zimmer.“. Sie bat Lee in die Küche und reichte ihm einen Becher Kaffee. George nahm mir den Koffer aus der Hand. „Nach dir“, sagte er und ließ mir den Vortritt. Wir gingen eine verwinkelte, lange Treppe hinauf. „Hier“ sagte George, als wir an einer Tür ankamen auf der „Ginny“ stand. Ich öffnete die Tür und stand in einem gemütlichen kleinen Zimmer, mit dunkelroten Wänden. Ein Schreibtisch stand am Fenster, ein Schrank an der Wand und ein Bett gegenüber. George stellte den Koffer neben dem Bett ab. Er wollte gerade wieder gehen, da sagte ich: „Danke... wie geht’s dir?“. Er sah mich mit einem langen Blick an, ähnlich dem, den er mir nach unserem Kuss... halt nicht daran denken. „Ganz okay.“ Sagte er und ging die Treppe wieder hinab. Molly hatte Lee nicht dazu überreden können mit Abendbrot zu essen und so saß ich mit den drei Weasleys zusammen. Molly und Arthur waren wirklich nett. Arthur fragte mich über mein Leben, wie ein Muggel aus und war vollkommen fasziniert, als ich ihm von meiner Arbeit als Gärtnerin erzählte. Molly wollte alles über Lee und mich erfahren. Während ich erzählte, widmete George sich voll und ganz seinem Essen. Erst als Molly ihn erwähnte richtete er seine Aufmerksamkeit wieder auf das Gespräch. „Lee hat erzählt, du magst die Natur so gerne. Wie wäre es, wenn George und du morgen ein Picknick machen würdet? In der Stadt kommst du ja sicher nicht so oft raus...“. George unterbrach sie: „Das ist eine nette Idee, aber leider muss ich morgen Arbeiten. Es steht eine Inventur an...“ -„Papperlapapp“, fiel ihm nun Molly ins Wort, „die Inventur kann auch noch bis nächste Woche warten. Überhaupt, seit wann bist du so fleißig?“ und damit stand die Sache fest. Ich wurde von einem leisen Klopfen geweckt. „Guten Morgen“, hörte ich Georges Stimme, „Ich soll dich zum Frühstück holen und wir müssten dann auch bald aufbrechen.“. Ich hörte wie er die Tür leise schloss, nachdem ich ihm mit einem Brummen signalisiert hatte, dass ich ihn gehört hatte. Er wollte das wirklich durchziehen? Nach dem Frühstück, das ich extra in die länge gezogen hatte, schlenderten wir los. George hatte einen Rucksack mit dem Lunchpaket von Molly dabei und ich trug die Picknickdecke. Es war schon seltsam mit uns, denn plötzlich, einfach so, war die Stimmung zwischen uns entspannt. Wir redeten nicht viel, gingen über ein paar grasbewachsene Hügel, die in einem kleinen Waldstück mündeten und kamen schließlich an einem See an. Als wir mit Essen anfingen, entwickelte sich auch langsam ein Gespräch. „Hast du noch Geschwister?“ fragte er mich. Ich nickte: „Eine Schwester, Jane, sie war auch auf Hogwarts, in Hufflepuff“, erklärte ich. Er sah mich merkwürdig an: „Entschuldige, ich wollte dich nicht daran erinnern, dass du eine Squib bist.“, sagte er mit ernstem Ton. Ich lachte: „Ach, das macht nichts. Ich bin eben so. Ich komme klar und finde es interessant in zwei Welten zu leben“. „Und deine Eltern? Waren sie...“, er führte den Satz nicht zu ende. „Enttäuscht?“, fragte ich und er nickte. „Naja, Dad hat es schon ein bisschen mitgenommen, als kein Brief kam. Aber Mum hat immer hinter mir gestanden und ihm geholfen damit fertig zu werden.“. Ich lächelte ihn an. Es war wirklich angenehm, dass wir einfach mal normal miteinander redeten. „Aber jetzt mal zu dir, Lee hat mir viel von Euern Abenteuern erzählt. Jetzt würde ich gerne mal deine Version hören“, sagte ich grinsend. Und dann fing er an zu erzählen, wie sie Peeves und Filch immer fast in den Wahnsinn getrieben hatten, wie sie Percy immer aufgezogen hatten, weil er Vertraunensschüler und sogar Schulsprecher geworden war, wie sie auf die Idee mit den Scherzartikeln gekommen waren. Fred erwähnte er dabei nicht so oft. Es war sicher schmerzhaft für ihn. Er wandte seinen Blick zum See: „Und in Hogwarts gibt es auch einen See, etwa acht mal so groß wie dieser. Da lebt ein Riesenkrake drin, der hat uns immer in die Luft gewirbelt und ins Wasser geworfen“, er lachte. „Ja, Jane hat mir davon erzählt. Sie fand ihn allerdings immer etwas gruselig und hat sich nicht getraut im See zu schwimmen. Hier gibt es keine Kraken oder?“ fragte ich etwas verunsichert, mit Blick auf den See. „Wer weiß?“, sagte George, sprang auf, hob mich kurzerhand über seine Schulter und rannte lachend mit mir zum See. „Whaaa...“, ich schrie scherzhaft empört auf und landete mit einem lauten Platscher im Wasser. „Na warte, du Krake!“ sagte ich, als George wieder aufgetaucht war und drückte ihn kurz unter. Natürlich konnte er meiner Kraft locker stand halten. Wie lieferten uns eine Wasserschlacht und legten uns, als wir bis auf die Knochen nass waren und es etwas kühl wurde, in die Sonne ans Ufer. Wir lagen eine Weile einfach nur so da und lachten. Ich dachte an Georges Erzählungen. So wie jetzt musste es früher oft für ihn gewesen sein. „Es ist fast wie früher....mit Fred“, sagte er, als ob er meine Gedanken gelesen hätte. Und dann strömte es aus ihm heraus. Alles. Das Positive, wie die Einmalige Verbindung, die zwischen Zwillingen ist und das Negative, wenn diese Verbindung bricht. Er schien mir zu vertrauen, denn er redete mit mir, als ob wir uns schon ewig kennen würden. Ich genoss es einfach neben ihm zu liegen und ihm zuzuhören. Wir waren wie in einer eigenen kleinen Welt, in einer Seifenblase, in der es nur ihn und mich gab. Wie es so gekommen war, konnte ich mir nicht erklären, aber ich war sehr dankbar. Gestern noch hatten wir kaum ein Wort miteinander gesprochen und uns gestritten... und heute... Er endete in dem er mir von seinem Scherzartikelladen erzählte. Wie Harry Potter ihnen geholfen hatte, ihren Traum zu verwirklichen und wie Molly das alles, höchst argwöhnisch hingenommen hatte. „Zeigst du ihn mir irgendwann mal?“, fragte ich. „Was? Unseren Laden? Du warst doch schon mal da...“, er räusperte sich. Gut, dass er nicht sehen konnte wie ich rot anlief. „Naja...da hab ich ihn ja nicht richtig gesehen“, schloss ich. Er richtete sich auf und grinste mich spitzbübisch an. Im nächsten Augenblick hatte er meine Hand ergriffen, die wieder verdächtig zu kribbeln begann, zog seinen Zauberstab und Zack stand ich zwischen dutzenden von Regalen, aus denen es in allen Farben leuchtete. Ich drehte mich, mit aufgerissenen Augen, im Kreis. George stand neben mir und beobachtete mich. „Eine kleine Rundführung für die bezaubernde Lady“, sagte er und führte mich durch die Regalreihen, vorbei an Nasenblutnougat, Kanariencreme, Liebestränken, Kotzpastillen... Ich probierte einen der Juxzauberstäbe aus und hielt im nächsten Moment eine lilane Giraffe in der Hand. „Wie cool“, sagte ich und musterte das Tier. George freute sich sichtlich, dass es mir so gut gefiel. „Und da geht es zu deiner Wohnung?“, fragte ich, als ich eine Treppe hinter der Theke entdeckte. Er nickte und führte mich die Treppe hinauf. Nachdem er auch hier seine Führung beendet hatte, standen wir im Wohnzimmer. „Weißt du, Joanne, ich finde es schön, dass wir doch noch Freunde geworden sind“, sagte George und ging einen Schritt auf mich zu. „Das finde ich auch“, sagte ich und trat ebenfalls einen Schritt vor. Es war eine merkwürdige Anziehungskraft zwischen uns. Ich merkte wie ich wieder Gänsehaut bekam und mein Herz schneller schlug. Ich blickte in seine Augen, die mich auf diese einzigartige Weise anguckten. Wir kamen uns noch näher. Schließlich stand ich so nahe vor ihm, dass sein wundervoller Duft wieder in meine Nase stieg. Ich konnte einfach nicht anders, als meine Lippen auf seine zu legen. Er wirkte überrascht, aber schlang im nächsten Moment auch schon seine Arme um meine Hüfte. Erneut ging eine richtige Silvesterparty in meinem Bauch ab. Ich legte meine Hände an sein Gesicht und zog ihn noch näher zu mir. Ich spürte wie er mir sanft über den Rücken fuhr. Seine Lippen öffneten sich und unsere Zungen trafen sich. Sie schmiegten sich aneinander, als hätten sie es schon immer getan. Er löste sich von mir und küsste mich sanft die Wange hinab, bis er an meinem Hals ankam. Ich seufzte, woraufhin ein leichtes Lachen von ihm ertönte. Ich strich ihm durch die feuerroten Haare. Mit der anderen Hand tastete ich mich hinunter, bis zu seinem Hemdsaum. Er seufzte nun, was mich veranlasste meine Hand darunter gleiten zu lassen. Ich strich über seinen Bauch. Er arbeitete sich nun von meinem Hals wieder ach oben und erneut trafen sich unsere Lippen. Nun gingen seine Hände auf Entdeckungstour. Er begann meine Bluse aufzuknöpfen, was für mich das Signal war, ihm sein Hemd zu öffnen. Die Klamotten landeten auf dem Boden. Ich drängte ihn nach hinten, worauf er mich hochhob. Ich legte meine Hände um seinen Hals und schlang meine Beine um seinen Oberkörper. Langsam bewegten wir uns zur offenen Tür, des Zimmers, was wir zuletzt besichtigt hatten: dem Schlafzimmer. Ich schlug die Augen auf. Mein Arm war um den nackten Oberkörper von George geschlungen und mein Kopf auf seiner Brust gebettet. Er bemerkte, dass ich wach war und strich mir sanft über den Rücken. Nach einer Gefühlten Ewigkeit sagte er leise: „Ich liebe Dich, Joanne. Aber es war ein Fehler! Lee ist dein Verlobter und mein bester Freund, er hat es nicht verdient.“. Er sprach meine Gedanken aus. „Ich weiß“, sagte ich bestätigend und erhob mich. Ich tapste aus dem Zimmer und suchte meine Klamotten vom Boden auf. George gesellte sich zu mir und tat es mir gleich. Wir sagten nichts. Wortlos ging ich zu ihm und ergriff seine Hand. Mit einem Knall apparierten wir zurück zum Fuchsbau. „Da seid ihr ja, wir haben uns schon Sorgen gemacht!“, begrüßte uns Molly. Ich setzte mich in die Küche an den Tisch, während George noch einmal zum See apparierte, um unsere Sachen zu holen. „Ist alles okay mit euch?“, fragte Molly und setzte sich zu mir an den Tisch. Ich setzte ein Lächeln auf und nickte. Molly glaubte mir nicht, dass sah ich in ihrem Gesichtsausdruck, aber sie fragte dankbarerweise nicht nach, sondern widmete sich wieder den Kochtöpfen zu. Das Abendbrot war bedrückend. Arthur erzählte einiges aus dem Büro, aber keiner konnte die seltsame Stimmung ignorieren, die zwischen George und mir herrschte. Als ich gerade nach oben gehen wollte sagte Molly: „George bringt dich dann morgen früh zur Arbeit!“. Ich nickte und machte mich dann schnell auf den Weg nach oben. Ich ließ mich auf mein Bett fallen. Eigentlich war mir zum Heulen zu mute, aber es kamen keine Tränen. Ich hatte etwas furchtbares getan. Ich hatte Lee betrogen. Und ich liebte George. Lee liebte ich auch, aber George liebte ich mehr. Es war wie Schicksal... war es wirklich... Eigentlich hatte ich es immer für totalen Blödsinn gehalten, aber jetzt wusste ich, dass es Liebe auf den ersten Blick gab. Was sollte ich jetzt nur tun? Wenn ich bei Lee blieb, würde ich George verlieren. Aber Lee war nun mal der erste gewesen. Und wenn ich mich für George entschied, würde ich Lee das Herz brechen. Das würde ich früher oder später sowieso... ich könnte ihm es nicht verschweigen. Angenommen ich sagte es ihm, würde er mich dann noch wollen? Wollte ich ihn noch? Und George, würde er mich nehmen, wenn ich Lee verließ? Ich hatte das Gefühl gar nicht geschlafen zu haben und kam zum Frühstück die Treppe gerade zu runter gekrochen. Ich war zu spät dran, kriegte aber sowieso keinen Bissen hinunter. George war nicht zum Essen erschienen und kam erst als Molly ihn rief und sagte, dass es jetzt höchste Zeit wäre. Ich verabschiedete mich von den Weasleys und dankte ihnen herzlich für die Gastfreundschaft. Molly warf immer wieder besorgte Blicke zwischen George und mir Hin und her, sagte aber nichts. Mit einem Knall waren wir aus der Küche verschwunden und standen vor dem Gartencenter. „Ich bringe deinen Koffer gleich noch bei dir vorbei“, sagte George matt. Ich nickte. „George... ich...“, ich hob meinen Blick von meinen Füßen und sah ihm nun in die Augen, „ich liebe dich, auch.“. Ein Lächeln zuckte an seine Mundwinkeln. Er beugte sich zu mir und gab mir einen letzten Kuss; einen Abschiedskuss. Ich strich ihm durch die Haare und löste mich dann von ihm. Mit einem Knall stand ich alleine da. Eigentlich hatte ich nach Hause gehen wollen, ich hatte aber nicht groß darauf geachtet wo ich lang lief, da mir andere Sachen durch den Kopf gingen^^, und plötzlich stand ich vor Lees Wohnung. Ich öffnete die Tür und sah, dass im Wohnzimmer Licht brannte. Überrascht trat ich ein und fand einen Löcher-in-die-Luft-starrenden Lee auf dem Sofa sitzen. „Du bist wieder da“, stellte ich mit rauer Stimme fest. Er wandte seinen Blick zu mir. Sofort sah ich, dass er es wusste. Wie zur Bestätigung sagte er: „Ich habe euch heute Morgen gesehen.“. Ich stand wie erstarrt da und wusste nicht was ich tun sollte. Mit erstickter Stimme sagte ich: „Es tut mir Leid“, es war fast schon ein Flüstern. Er funkelte mich wütend und enttäuscht an: „Mir auch! Mein bester Freund! Joanne, warum? Ich wollte dich heute morgen überraschen und was sehe ich? Dabei mochtet ihr euch doch nicht...“, er schien zu überlegen, die Geschehnisse verarbeiten zu wollen, sie einsortieren zu wollen, aber es gelang ihm nicht. Ich stand immer noch da. Ich ertrug seinen Anblick nicht. Wieso war ich her gekommen? Schließlich drehte ich mich auf dem Absatz um und lief aus der Wohnung. Ich hatte große Kreise durch London gezogen und nach ein paar Stunden war ich schließlich zuhause angekommen. George stand vor meiner Wohnung: „Was ist los?“. „Er weiß es... er... hat uns heute morgen gesehen“, seufzte ich. George kam zu mir und umarmte mich. Wir sagten nichts, standen einfach nur da. Dann, nach einer Weile, löste er sich von mir. Wir sahen uns an, er küsste mich auf die Wange und ging dann die Treppe hinab. Es war so unfair Lee gegenüber. Ich hatte ihn betrogen und dann einfach alleine sitzen lassen. Ich beschloss am nächsten Tag zu ihm zu gehen. Ich würde da bleiben und mir alle Beleidigungen und Verfluchungen von ihm anhören. Ich fand ihn in seinem Büro. Er hatte seinen Stuhl zum Fenster gedreht und starrte hinaus. Er blickte auf, als ich das Zimmer betrat. „Es tut mir alles so leid. Ich wusste nicht was ich sagen sollte“, keine sehr originelle Entschuldigung, aber immerhin hatte ich es überhaupt geschafft etwas zu sagen. Lee faltete die Hände und drehte seinen Stuhl dann in meine Richtung: „George war heute bei mir. Falls du ihn nicht erkennen solltest, er hat jetzt ein blaues Auge“, er rieb sich über seine Hand, „er sagt er liebt dich!“. Lee sprach ganz ruhig und gefasst. „Liebst du ihn?“, er sah mir direkt in die Augen. Ich nickte: „Ich..kann es mir auch nicht erklären...es ist ... einfach passiert“, sagte ich leise und sah den Schmerz in seinem Blick. Zu meiner Überraschung sagte er: „Liebe kann man nicht erklären...gibst du mir den Ring zurück?“. Der Ring saß schon seit Tagen wie eine Last auf meinem Finger, was ich erst jetzt bemerkte, als ich ihn löste. Es gab ein metallenes Geräusch las ich ihn auf den Schreibtisch legte. Sein Blick fiel auf den Ring, er seufzte. „Na dann, viel Glück“, er drehte sich mit seinem Stuhl wieder zum Fenster und ich verließ das Büro. Ich konnte jetzt einfach nicht zur Arbeit gehen. Ich musste George sehen. Also machte ich mich auf den Weg zum Tropfenden Kessel und von da aus in die Winkelgasse. George hatte den Laden heute geschlossen, aber als ich gegen die Tür drückte ging sie trotzdem auf. Ich fand George im Lager auf einem Karton sitzend. Er drehte sich um, als er meine Schritte hörte: „Hey“, begrüßte er mich. „Hey“, sagte auch ich. Ich kam näher und stellte mich ihm gegenüber. Er erhob sich: „Ich war heute bei Lee“, er deutete auf sein pflaumefarbenes, geschwollenes Auge. „Ich auch“, gestand ich. Er sah mich überrascht an, dann fuhr er sich nervös mit der Hand durch die Haare: „Hör zu, Ich verstehe, wenn du jetzt lieber alleine bleiben willst...“. Ich unterbrach ihn: „Kannst du dir denn vorstellen mit mir zusammen zu sein?“, eine Träne rollte über meinen Wange, „nach allem was passiert ist?“. George kam zu mir uns küsste mir die Träne weg: „Ich weiß, ich sollte eigentlich ein schlechtes Gewissen haben, aber...“, um sich zu erklären gab er mir einen kurzen sanften Kuss. „Mir geht es genau so“, sagte ich und er schloss mich in seine Arme.