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Die Statistik vom Quiz

My Hogwarts Experience

34.57 % der User hatten die Auswertung: Profil A Name: Alexandra „Lexie“ Grey Geburtstag: 18. Juni 1978 Jahrgang: Zwillinge Haus: Gryffindor Beste Freunde: Lee und Hermine. Titel: Sprachlos. Story: Ich stand da in meinem nachtblauen Kleid und sah mich in der Halle um. Hermine sah atemberaubend aus, Ron blickte missmutig drein, was ich aufgrund seines Festumhanges nur zu gut verstehen konnte. Harry sah nervös aus, schritt aber erhobenen Hauptes neben einer der Patil-Schwestern in die Mitte der Halle. Gleich würde er tanzen müssen und ich wusste, dass er das gar nicht mochte. Ich warf einen Blick auf meine Füße, die in viel zu hohen aber wunderschönen Schuhen steckten. Ich fragte mich, ob ich damit überhaupt würde tanzen können. Ich hätte es ausprobieren sollen. Aber zur Not hatte ich meine kleine Abendtasche magisch erweitert, sodass ich ein Paar flache Schuhe hinein tun konnte. Plan B sozusagen. George und Fred unterschieden sich einzig und allein durch ihre Einstecktücher. Ich konnte sie nur dann auseinanderhalten, wenn ich mit beiden sprach. Dann fiel mir jedes Mal wieder auf, dass George irgendwie etwas zurückhaltender war. Was nicht hieß, dass er mir nicht schon Streiche gespielt hatte. Ich sage nur Kotzpastillen. Angelina strahlte neben Fred wie ein Honigkuchenpferd und Katie sah auch ziemlich zufrieden aus, wie sie da neben George stand. Ich grinste und freute mich für die beiden. Jetzt begannen die vier Champions mit ihre Begleitungen zu tanzen. Hermine schwebte fast über das Parkett und Cedric Diggory führte Cho Chang anmutig im Takt. Fleur Delacour sah bezaubernd aus, ihr silbriges Haar wirkte federleicht, wie es sich ihren Bewegungen anpasste und Roger Davies konnte seine Augen gar nicht von ihr lassen. Ich verstand es, sie war wirklich hübsch. Eine warme Hand stahl sich um meine linke Hand und ich sah zu meiner Begleitung auf. Er hatte ein breites Grinsen im Gesicht und sah wirklich wunderbar aus heute Abend. Nein, eigentlich sah er immer gut aus. Ich erwiderte das Grinsen. „Irgendjemand muss Harry retten. Auf seinem Besen wirkt er galanter.“, feixte Lee und ich musste kichern. Oh, er hatte ja so Recht. Harry sah völlig verwirrt aus, wie er da so über das Parkett stolperte und seine Begleitung wirkte mehr als unglücklich. „Ich fürchte, den Tanz muss er durchstehen. Und danach setzt er sich bestimmt mit Ron an einen Tisch.“, lachte ich und zwinkerte meinem besten Freund zu. Lee nahm seine Hand von meiner und legte mir stattdessen einen Arm um die Schulter. Ich fühlte mich geborgen und glücklich. Ich war froh, dass ich hier mit meinem besten Freund sein konnte und kein Date hatte. Lee kannte mich besser als die meisten anderen und so musste ich mich nicht verstellen, um jemandem zu gefallen. „Wir können ihm ja gleich mal zeigen, wie das geht.“, bot Lee an und ich nickte. Ich tanzte für mein Leben gern und ich hatte Lee die wichtigsten Schritte beigebracht. Den Rest hatte uns die McGonagall gezeigt. Ich war heilfroh, dass Lee nicht auch zwei linke Füße hatte, so wie Harry. Kaum hatten die Champions ihren Tanz beendet, zwinkerte ich Hermine zu und ließ mich lachend von Lee auf die Tanzfläche führen. George und Katie tanzten ebenfalls und wie ich es vorausgesagt hatte, saßen Harry und Ron an einem der vielen Tische und sahen missmutig drein. Lee drehte mich und drehte mich und drehte mich, und als mir langsam schwindelig wurde, fing er mich auf und grinste sein typisches Grinsen. Ich kam aus de Lachen gar nicht mehr heraus, das war herrlich. Meine Füße beschwerten sich auch erst nach drei Tänzen, also beschlossen wir, uns eine Pause und vor allem ein Glas Bowle zu gönnen. „Ist hier noch frei?“, fragte ich Fred und Angelina, die ganz angeregt miteinander redeten. Angelina wand ihren Blick gar nicht erst von Fred ab, während sie mit „Ja, klar“, antwortete. Lee schob meinen Stuhl zurück, damit ich mich setzen konnte, und schob ihn mir dann entgegen. Er war ein echter Gentleman. Hätte ich ihm gar nicht zugetraut. „Der Abend macht so viel Spaß, den können uns nicht mal die Slytherin vermiesen.“, bestimmte ich und nahm einen Schluck Bowle. George und Katie gesellten sich jetzt auch zu uns an den Tisch und Katie stimmte mir zu. Sie sah sehr glücklich aus. „Abwarten. Da drüben stehen Pucey und seine Begleitung. Sobald er dich sieht, ist Ärger schon vorprogrammiert.“, meinte George und erhob sein Glas: „Auf heute Abend!“ Wir stießen alle miteinander an und ich warf einen Blick über meine Schulter. Tatsächlich, da stand Adrian Pucey mit seiner blonden Begleitung. Er hatte einen düsteren Blick drauf, wie immer. Schnell sah ich weg, wollte ich mir den Abend doch nicht vermiesen lassen von diesem Schnösel. Es reichte schon, dass wir beim Quidditch regelmäßig aneinander gerieten. Er war anders als die anderen Jungs in seiner Clique. Anders als Marcus Flint, der sein bester Freund gewesen war bevor er endlich seinen Abschluss geschafft hatte. Anders als Draco Malfoy, der jeden beleidigte, dessen Blut nicht so rein war wie das seine. Pucey hatte noch nie jemanden aufgrund seiner Herkunft verspottet, zumindest hatte ich davon noch nie etwas gehört. Er hielt sich im Hintergrund und spielte fair, sowohl im Alltag, als auch beim Quidditch. Aber mich hatte er gefressen. Und ich ihn. Ich konnte gar nicht mehr genau sagen, woran es lag. Unsere Blicke hatten sich schon am ersten Abend auf Hogwarts getroffen, als ich bereits am Gryffindor-Tisch gesessen hatte und er nach Slytherin eingeteilt worden war. In seinem Blick lag Verachtung und in meinem Spott. Nicht ein einziges Mal hatten wir uns freundlich angesehen oder gar gegrüßt und ich konnte von Glück sagen, dass uns keiner der Professoren für eine Gruppenarbeit eingeteilt hatte. Nicht auszudenken, was passiert wäre. „Erde an Lexie.“, holte mich Lees sanfte Stimme aus den Gedanken über Pucey. Ich lächelte meinen besten Freund an und stellte mein Glas ab: „Tanzen!“, rief ich aus und hielt ihm meine Hand hin. „Schon wieder? Du weißt aber, dass wir uns hingesetzt haben, weil wir eine Pause wollten?“, fragte Lee etwas gequält, aber er lächelte dabei. Ich nickte. „Wir hatten ein Glas Bowle, also eine Pause. Komm schon, der Abend geht nicht ewig.“, quengelte ich und zauberte Lee ein Grinsen ins Gesicht. Wenn ich bettelte und quengelte, war er machtlos. Zumindest sagte er das immer. Er nahm meine Hand und ließ sich zurück auf die Tanzfläche ziehen. Das Lied war etwas schneller und es waren nur noch diejenigen auf dem Parkett, die wirklich gern tanzten. Ich sah, dass Hermine sich zu Ron und Harry setzte und lächelte ihr zu. Sie sah wirklich wunderschön aus. Ich gönnte es ihr von ganzem Herzen, dass sie mit Viktor Krum hier war. Ron und Harry waren manchmal ganz schöne Stoffel. Dass sie beide nicht auf die Idee gekommen waren, Hermine zu fragen. Ich lachte auf und Lee sah mich fragend an. „Sorry, ich war gerade woanders.“ „Unverzeihlich.“, meinte Lee, zog mich näher zu sich und führte mich dann in eine Drehung. Ich musste nur noch mehr lachen. Es machte einfach so viel Spaß, mit ihm hier zu sein. Nach zwei weiteren Liedern fingen langsam aber sicher alle tanzenden Pärchen an, die Partner zu wechseln. Ich fand mich zunächst in Fred Weasleys Armen wieder. Er tanzte wirklich gut, wenn auch nicht ganz so gut wie Lee. Als nächstes tanzte ich dann mit George, bevor Viktor Krum abklatschte. Es machte wirklich Spaß, auch mal mit den anderen zu tanzen. Sogar mit Neville Longbottom wagte ich ein Tänzchen. Er war völlig verunsichert, aber er machte sich besser, als ich erwartet hätte. „Danke, Neville.“, meinte ich lächelnd, als sich das Lied dem Ende neigte und ich gleich wieder jemand anderem gegenüberstehen würde. Neville bekam ganz rote Ohren und stammelte etwas, das ich nicht ganz verstand. Aber er lächelte schüchtern. Mein nächster Tanzpartner raubte mir die Sprache und den Atem. Ich und sprachlos? Das kam tatsächlich nicht häufig vor. Ich gab immer gern meinen Senf zu allem hinzu, aber jetzt blieb mir jedes Wort im Hals stecken. Das Lied begann und meine Füße bewegten sich irgendwie über das Parkett. Ich bewahrte meine Haltung, aber in meinem Kopf ratterte es unaufhörlich. Warum grinste er so überheblich? Warum tanzte er überhaupt? Warum war er zu mir gekommen? Warum beleidigte er mich jetzt nicht? Er grinste einfach nur. Ich muss wohl ziemlich bescheuert geguckt haben, so wie das Grinsen in seinem Gesicht klebte. Er führte mich elegant und gekonnt in eine Drehung und legte seine Hand anschließend auf meine Hüfte. Ich erschauderte unter seiner Berührung. Normalerweise versuchte er schließlich, mich vom Besen zu schmeißen. Der Tanz zog an mir vorbei, als sei ich in einem Traum gefangen. Ich sah die schönen Lichter und die glücklichen Gesichter der anderen. Mir war schwindelig. Alles verschwamm, bis das Lied ausklang und mich in die Realität zurückholte. „Wenigstens tanzt du besser, als du Quidditch spielst, Prinzessin.“, feixte Pucey und deutete eine Verbeugung und einen Handkuss an. Ich hätte explodieren können. Zum einen, weil er mich immer Prinzessin nannte. Und zwar keinesfalls positiv. Er nannte mich so, weil er sich sicher war, dass ich eine verwöhnte Göre aus gutem Hause war, die sich die Finger nicht schmutzig machen wollte und der alles in den Schoß fiel. Und zum anderen, weil er meine Fähigkeiten als Jägerin wieder einmal schlecht machte. Alles, was mir einfiel, war ein halbherziges „Hau ab!“ und das Entziehen meiner Hand aus seinem Griff. Er lachte abfällig auf und drehte mir den Rücken zu. Ich musste mich echt zusammen reißen, ihn nicht aus dem Hinterhalt anzugreifen. Ich wusste ja, dass man das nicht tat. Aber dieser eingebildete Idiot brachte mich so sehr auf die Palme! Und meinen Zauberstab hatte ich selbstredend dabei. Lee legte den Arm um mich: „Hat er dich verzaubert?“ „Bei Merlin, Lee! Beleidige mich nicht so!“ *** „Na, wie war deine Verabredung mit Fred?“, fragte ich Angelina. Wir hatten uns auf dem Weg vom Gemeinschaftsraum zum Frühstück getroffen. Hermine hatte ich mit meiner Trödelei im Badezimmer verpasst. Aber ich wusste, sie würde an unserem Tisch auf mich warten. „Ich hatte einen tollen Abend. Und du? Ich habe dich mit Pucey tanzen gesehen.“, meinte sie und grinste vielsagend. Ich kam gar nicht dazu, etwas zu erwidern, weil mich die flüsternden Schüler, die uns entgegen kamen, verwirrten. Sie sahen mich an, einige grinsten, die anderen schauten abfällig. Sie flüsterten hinter vorgehaltener Hand, und zwar ziemlich offensichtlich über mich. Ich blieb kurz stehen, sah mich um und zog dann eine überraschte Angelina Johnson in einen anderen Gang und in ein leeres Klassenzimmer. „Habe ich etwas im Gesicht? Habe ich versehentlich nur ein Auge getuscht? Habe ich irgendetwas an mir? Warum tuscheln denn alle?“, plapperte ich etwas nervös vor mich hin und wedelte dabei wie verrückt mit den Händen. Eine seltsame Angewohnheit von mir. Angelina sah mich fragend an. Dann räusperte sie sich und begann: „Du hast nichts im Gesicht oder an dir, du siehst fabelhaft aus. Wie immer. Aber es gibt da ein paar Gerüchte wegen deines Tanzes mit dem Feind.“ Sie klang verschwörerisch, aber sie lächelte mich dennoch freundlich an. Wir waren nicht wirklich eng befreundet, aber wir mochten uns. „Ich war doch selbst völlig überrascht von dem Tanz, aber schließlich haben alle ihre Partner getauscht. Du hast doch auch mit Pucey getanzt.“ Ich verstand die Aufregung nicht. Angelina schüttelte langsam den Kopf. „Was für Gerüchte?“, wollte ich dann wissen. Was sollte es für Gerüchte geben? Dass ich mit ihm zusammen war, nur weil ich mit ihm getanzt hatte? Dass er mich beim Tanzen geschwängert hatte? Wie dumm. Aber ich wollte es dennoch wissen. „Niemand hat mit Pucey getanzt, Lexie. Nicht einmal seine Begleitung. Er hat nur zu einem einzigen Lied getanzt, und zwar mit dir. Und nach dem Lied seid ihr dann beide verschwunden. Die Gerüchteküche brodelt. Er ist ein Slytherin!“ Letzteres sagte sie mit vorwurfsvoll erhobenem Zeigefinger. Ich riss die Augen auf. Er hatte vorher gar nicht getanzt? „Als du mit Pucey getanzt hast, hatte Fred keine Partnerin mehr. Alle haben euch angestarrt. Das war, als würde Dumbledore mit Du-weißt-schon-wem tanzen. Ihr feindet euch doch sonst immer an. Und dann verschwindet ihr auch noch zusammen.“ „Wir sind nicht zusammen verschwunden! Ich habe noch mit Lee gesprochen und bin dann in den Gemeinschaftsraum gegangen. Sag mal, was denkst du eigentlich von mir?“, fragte ich Angelina ziemlich aufgebracht. Und dann knurrte mein Magen. „Ich glaube dir ja. Aber ich fürchte, das werden nicht alle.“ Meinte Angelina versöhnlich und hakte sich bei mir ein: „Jetzt lass uns frühstücken gehen.“ Am liebsten hätte ich die Plappermäuler auf dem Weg in die Große Halle alle gestopft. Es war ein Spießrutenlauf. Von „Na Grey, wie war er?“ über „Wie konntest du nur?“ bis zu „Was sich neckt, das liebt sich“ war alles dabei. Ich versuchte, cool zu bleiben und sie alle zu ignorieren. Aber das fiel mir wirklich nicht leicht. Besonders, als wir die Große Halle betraten und ich Puceys Blick auffing. Könnten Blicke töten, wäre ich wohl auf der Stelle tot umgefallen. Als sei ich Schuld daran! Ron sah mich finster an, Harry fragend. Hermines Blick war mitleidig. Katie ignorierte mich, sie war viel zu sehr damit beschäftigt, George anzustarren. Die Zwillinge grinsten mich dreckig an, aber ich war mir sicher, dass sie den Gerüchten nicht glaubten. Sie hatten mich schließlich noch mit Lee gesehen. Und Lee sah mich an, als könne er das Lachen nicht länger zurückhalten. Sofort machte er neben sich Platz für mich und Hermine setzte sich ihm gegenüber: „Lass sie alle reden. Wir wissen ja, dass da nichts war.“ Ich hätte sie knutschen können, nickte aber nur. „Pucey sieht aus, als wolle er jemanden töten.“, gluckste Lee lachend. „Wenn ich wüsste, wer für diesen Mist verantwortlich ist, würde ich ihm dabei auch helfen.“, knurrte ich und nahm mir eine Schüssel Müsli. Lee verteilte gerade einen Löffel Kürbismarmelade auf seinem Brot und hielt es mir schließlich unter die Nase: „Für dich.“ „Boah, nimm das weg. Ist ja ekelhaft.“, zickte ich ihn an und schob das Brot so weit weg wie nur möglich. Jetzt grinste auch Hermine. Jeder wusste, dass ich Kürbis nicht ausstehen konnte. Kürbissaft trank ich aber trotzdem. Noch so eine seltsame Eigenschaft von mir... „Was war denn bei dir los? Irgendwann warst du einfach weg.“, fragte ich Hermine schließlich, als wir uns zu zweit auf den Weg in die Bibliothek machten. Ich hoffte, dort in Ruhe gelassen zu werden. Hermine erzählte mir von Rons unangebrachtem Ausbruch und ich verdrehte die Augen: „Der Kerl hat einfach kein Einfühlungsvermögen. Das tut mir Leid.“ Ich nahm meine beste Freundin in den Arm und sie lächelte mich schief an, als wir uns voneinander lösten. „Aber ich habe ihm die Meinung gesagt.“, meinte sie stolz und ich klopfte ihr auf die Schulter: „Richtig so!“ „Siehst du. Wenn du ein Problem hast, ignorier es nicht, Lex. Sprich es an.“ „Manchmal, wenn ich pinkeln muss und es ignoriere, geht es weg. Und so werde ich auch hiermit umgehen. Einfach ignorieren. Irgendwann haben die alle gar keine Lust mehr, sich darüber zu unterhalten, was vielleicht zwischen der strebsamen Gryffindor und dem dunklen Slytherin vorgefallen ist.“ Hermine seufzte. Sie war wohl nicht überzeugt. Aber sie beließ es dabei und ich rechnete es ihr hoch an. Ich hatte wirklich keine Lust, mich jetzt weiter über Adrian Pucey und diesen bekloppten Tanz zu unterhalten. Es war nur ein Tanz gewesen. Okay, ein Tanz mit der Person, die ich von allen auf Hogwarts am wenigsten mochte. Aber trotzdem. Selbst zwischen den Bücherregalen und trotz der allgemeinen Ruhe in der Bibliothek, fühlte ich, wie mich die Blicke der anderen Schüler verfolgten. Ich atmete dreimal tief ein und aus und schloss kurz die Augen. Nur nicht gleich aus der Haut fahren. Ich setzte mich mit Hermine an einen kleinen runden Tisch und sie machte sich augenblicklich auf den Weg zu den Regalen. Ich blieb erst einmal kurz sitzen. Ein Fehler, wie sich herausstellte. „Was soll das, Prinzessin?“, hörte ich eine zischende Stimme nah an meinem Ohr. Ich musste mich nicht umdrehen, um zu wissen, wer mit mir sprach. Einfach ignorieren, sagte ich mir selbst und kramte in meiner Tasche nach Feder und Pergament. „Sprich!“, forderte mich noch eine andere Stimme auf. Okay, jetzt war es Zeit, mich umzudrehen. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass Pucey seine Freunde mitbringen würde. Ich stand langsam auf und drehte mich ebenso langsam um. Immer cool bleiben. „Verfolgst du mich, Pucey? Erst gestern tanzt du mit mir und jetzt bist du hier...“, meinte ich und grinste süffisant. Der machte mir keine Angst. „Stell das richtig. Du ruinierst meinen Ruf.“, sagte er und sah mich so abfällig an wie immer. Das konnte ich auch: „Hör mir mal gut zu, du unterbelichteter Troll. Du hast mit mir getanzt. Mit niemand sonst. Aber mit mir. Das war ganz sicher nicht meine Idee. Und meinst du nicht, dass es meinem Ruf viel mehr schadet? Immerhin bin ich eine beliebte und attraktive Schülerin. Du bist nur der miesgelaunte Troll mit den ebenso unterbelichteten Freunden. Vielleicht willst du dich ja nur in meinem Licht sonnen?“, giftete ich ihn an und stand nun so nah vor ihm, dass ich aufsehen musste. Okay, wie ein Troll sah Pucey echt nicht aus. Aber das würde ich niemals zugeben. Ich hatte einen Ruf zu verlieren. Einer seiner Freunde packte mich am Arm und zog mich heftig zurück. „Au!“, schrie ich entsetzt auf und rief so Hermine auf den Plan. Meine Schulter wurde von stechendem Schmerz durchzogen. Pucey grinste ganz kurz auf, dann setzte er wieder seinen typischen gelangweilten, düsteren Blick auf und wand sich ab. Natürlich nicht, ohne noch eine Drohung auszusprechen: „Pass auf dich auf, Prinzessin. Wer so ein großes Mundwerk hat, gerät schnell in brenzlige Situationen.“ Er drehte sich noch einmal um und seine Augen blitzten. Ich biss die Zähne zusammen, um nicht dem erneuten Impuls nachzugehen, meinen Zauberstab zu zücken und ihm eine Ganzkörperklammer oder einen Langlock entgegen zu feuern. Stattdessen hielt ich meine schmerzende Schulter und ließ den aufgeblasenen Idiot gehen. Hermine sah mich an und ich musste es zugeben: „Ignorieren ist vielleicht doch nicht der Schlüssel zum Erfolg.“ Dass sie aber auch immer Recht haben musste! *** Mein letztes Schuljahr hatte begonnen und damit die Regentschaft der pinken Pest auf Hogwarts. Ich überlegte gar nicht erst, sondern trug mich gleich nach den Zwillingen in die Liste der DA ein. Zwar fand ich die Vorstellung, von einem jüngeren Zauberer unterrichtet zu werden, etwas absurd, aber letztlich war Harry ein wirklich hervorragender Lehrer. Wir übten, so oft es uns gelang und ich hatte das Gefühl, dass wir wirklich Fortschritte machten. Ich fühlte mich jedenfalls sicherer. Der Nachteil war, dass ich mich jetzt noch mehr kontrollieren musste, um Pucey nicht jedes Mal einen Fluch entgegen zu schleudern, wenn er mich mal wieder beleidigte. „Mach ihn lieber beim Quidditch fertig, Lex.“, meinte Lee immer, wenn ich mich mal wieder über ihn aufregte und lautstark überlegte, welcher Fluch ihm besonders gut stehen würde. Ein Verschwindekabinett wäre eigentlich die beste Lösung. Ich hatte darüber mal in einem dicken Wälzer gelesen, als ich mit Hermine in der Bibliothek fast versauert wäre. „Und wie das, Lee? Ron als Hüter. Wir sind geliefert.“, prophezeite ich. „Lass das bloß nicht Harry hören. Sonst schmeißt er dich noch raus.“, lachte Lee und kniff mir sanft in die Wange. Ich saß neben ihm auf einem Sofa im Gemeinschaftsraum und hatte meine Beine über seine gelegt. Ich seufzte. „Ja, Ron ist nicht der Beste, aber...“ „Aber? Wie kann man nur so optimistisch sein?“, fragte ich ein wenig aufgebracht. Ich war ja für Cormac McLaggen als Hüter gewesen, aber während der Probestunde hatte er wirklich schlechter gehalten als ich. Ich hatte ihn öfter spielen sehen, und auch wenn mir seine Art so gar nicht gefiel, fand ich ihn stark als Hüter. Nun war es zu spät dafür. Harry hatte sich entschieden und er war schließlich der Kapitän. Ich musste einfach mein Bestes geben und hoffen, dass Pucey nach dem Spiel keinen Grund haben würde, mich auszulachen. Er sang zwar „Weasley ist unser King“ nicht mit, aber an dem Aufblitzen seiner Augen konnte ich doch zu gut erkennen, dass er den Song durchaus lustig fand. „Irgendwer muss ja optimistisch bleiben, wenn du schon den Kopf in den Sand steckst. Das wird schon. Die Jungs lenken Montague und Pucey ab. Harry kümmert sich um den Schnatz und Angelina und Katie machen die Tore mit dir. Alles wird gut. Du wirst sehen.“, meinte Lee aufmunternd und ich war ihm dankbar. Ich nickte leicht und kuschelte mich an seine Schulter. Am Abend vor dem Spiel der Spiele heckte ich mit Fred, George und Lee einen Streich aus. Es war ein schwieriges und gefährliches Unterfangen, denn ich wurde auserkoren, nachts die Materialien in der Umkleide der Slytherins zu verstecken. Würde mich eine der Ratte aus dem Inquisitionskommando auf frischer Tat ertappen – oder gar Snape oder Umbridge höchstpersönlich – war ich geliefert. Aber ich nahm das einfach mal in Kauf. Vielleicht würde es uns helfen, das Spiel zu gewinnen. Ja, ja, man soll nicht betrügen und so, aber mal ehrlich: Einen Streich spielen ist nicht betrügen. Wir wollten sie ja bloß ein wenig erschrecken und verwirren, nichts Ernstes. Ich hatte mir Lees Umhang über die Schultern gelegt, denn der war um einiges größer als meiner und verdeckte mich umso besser. Ich setzte auch die Kapuze auf, damit man mich im Falle des Falles nicht sofort erkannte. Mein dunkles Haar hatte ich zu einem Zopf zusammengebunden. Die Jungs begleiteten mich bis zum Tor. Von dort aus schlich ich allein über das Gelände zur Umkleide. Alles war still und dunkel, irgendwie bedrohlich. Ich erzeugte Licht mit meinem Zauberstab und hielt ihn fest umklammert. Ich hasste die Dunkelheit. Die meisten Kinder fürchten sich vor ihr und verlieren diese Angst mit den Jahren, aber bei mir hatte sie sich höchstens verfestigt. Ich brauchte einfach etwas Licht, egal wo und wann. Zum Glück beschwerten sich Angelina und Alicia nie darüber, dass die Spitze meines Zauberstabs auch in der Nacht in unserem Schlafsaal leuchtete. Jetzt öffnete ich vorsichtig die Tür zu den Umkleiden. Die Schlangen nutzten die Umkleide zu meiner linken, also schlich ich dort hinein. Ich hatte das Gefühl, hier sei es noch dunkler als draußen auf dem Gelände, aber ich wagte es nicht, das Licht meines Zaubers heller werden zu lassen. Was, wenn einer der Professoren auf den Gängen patroullierte und das Licht aus den Umkleiden sah? Ich würde augenblicklich ertappt werden und hatte das ungute Gefühl, dass es dieses Mal mehr werden würde als nur mit dem eigenen Blut zu schreiben. „Psst!“, zischte mir eine dunkle Stimme ins Ohr und zeitgleich umfasste eine Hand mein rechtes Handgelenk. Vor Schreck ließ ich meinen Zauberstab fallen und das erzeugte Licht erlosch. Es war so unglaublich dunkel, dass ich nicht einmal meine eigene Hand erkannt hätte. Eine zweite Hand hielt mir fest den Mund zu. Ich bekam Panik. Wo zum Teufel kam derjenige her und wer war es? Ich zappelte und versuchte vergeblich, mit aus dem festen Griff zu befreien. Mein Angreifer stand hinter mir. Ich war mir sicher, er war männlich. Eine Frau oder ein Mädchen hätte nicht so große Hände und wahrscheinlich auch nicht die Körperkraft, mich so in Schach zu halten. Ich spürte seinen Atem an meinem Hals und musste ein Schluchzen unterdrücken. Was wollte der denn von mir? Warum versteckt man sich nachts in der Umkleide der Schlangen? Woher wusste derjenige, dass heute Nacht jemand hier her kam? „Hör auf zu zappeln, Prinzessin.“, raunte mein Angreifer. Adrian Pucey! Ich zappelte umso mehr, aber das entlockte ihm nur ein raues Lachen. „Lass gut sein, Prinzessin. Wenn du versprichst, die Klappe zu halten und mich nicht anzugreifen, lasse ich dich los.“ Ich nickte benommen. Ich hatte begonnen, still und leise zu weinen. Ich hatte Angst. Angst im Dunkeln, Angst vor der Dunkelheit und vor den Folgen, die jetzt auf mich warteten, da mich eine der Inquisitionsschlangen entdeckt hatte. Pucey ließ mein Handgelenk los und nahm seine Hand von meinem Mund. „Lumos!“, hörte ich ihn sagen und mit einem Mal war die Umkleide heller erleuchtet als zuvor. Ich wischte schnell mit Lees Umhang über mein Gesicht. Ich wollte mir nicht die Blöße geben, dass ausgerechnet Pucey mich weinen sah. Dann drehte ich mich um. Er stand lässig an einen der Spinde gelehnt da und grinste mich mal wieder überheblich an. Ich wollte mich nach meinem Zauberstab bücken, aber er lag nicht auf dem Boden. Mir wurde schlecht und die nächste Panikwelle kam auf mich zu. Ich sah schnell zu Pucey und funkelte ihn wütend an: „Gib ihn zurück!“ „Nicht so unfreundlich, Prinzessin. Hier ist er.“, sagte er ganz freundlich. Freundlich? Er reichte mir meinen Zauberstab und ich schnappte ihn mir rasch. An den Streich dachte ich gar nicht mehr. Ich wollte hier einfach nur weg. Bevor ich jedoch die Tür erreichen konnte, packte er mich erneut, dieses Mal an den Schultern. Er drehte mich zu sich um und umklammerte mich: „Was wolltest du hier?“ „Das könnte ich dich genau so fragen.“, gab ich zickig zurück. Er lachte wieder nur. „Das ist immerhin meine Umkleide, nicht?“, entgegnete er gelassen. Er hatte eigentlich eine ganz angenehme Stimme. Ich zappelte wieder, um mich von ihm zu befreien. Er verfestigte seinen Griff und ich war gezwungen, seinen Duft einzuatmen. „Was kriegst du dafür, wenn du mich an die Sabberhexe auslieferst?“, fragte ich schließlich. Er lockerte den Griff und sah mich ehrlich überrascht an: „Wieso sollte ich?“ Jetzt schaute ich überrascht drein. „Komm schon, wir wissen beide, dass du in ihrem Kommando bist und mich gleich zu ihr schleifen wirst. Also, was kriegst du dafür, Pucey?“ „Ich wollte nur verhindern, dass du hier irgendetwas deponierst, das unseren morgigen Sieg gefährden könnte.“ „Woher...“ „Woher ich das weiß? Ach Prinzessin. Das war doch klar. Ihr habt keine Chance, und das weißt du genau so gut wie ich. Also musstet ihr auf dreckige Tricks zurückgreifen.“, meinte er und zuckte mit den Schultern. „Ich wusste nur nicht, wer hier auftauchen würde.“ Ich riss mich von ihm los und betrachtete ihn unsicher. „Du willst mir sagen, du seist gar nicht in ihrem Kommando? Dass ich nicht lache!“, spie ich aus. „Glaub, was du willst, Prinzessin.“ Blitzschnell zückte ich meinen Zauberstab und hielt ihn ihm unter sein Kinn. Ich sah ihn böse an: „Nenn mich nicht so!“ Er hob abwehrend die Hände: „Wir wissen doch beide, dass du eine verwöhnte kleine Prinzessin bist. Papas kleiner Liebling, nicht wahr? Also, warum nennen wir ich nicht auch so?“, er klang belustigt. Er machte sich über mich lustig! Ich dachte nicht nach, der Fluch war schneller über meine Lippen gekommen, als ich hätte denken können. Ganzkörperklammer. Er sah mich geschockt an und kippte dann um. „Ich sage dir mal etwas, du aufgeblasener Troll. Mein Vater ist abgehauen, als er von mir erfahren hat. Er wollte keine Kinder. Vor allem keine Tochter. Ich hasse ihn. Er verwöhnt mich sicher nicht. Und meine Mutter auch nicht. Sie ist krank. Ich kümmere mich um sie, wenn ich in den Ferien zu Hause bin. Ich muss mir eine eigene Wohnung suchen und einen Job finden, damit ich sie finanziell unterstützen kann. Du denkst, ich bin eine verwöhnte Göre? Nein. Ich lerne und bin fleißig, um die Dinge zu erreichen. Und ich lasse mich nicht von einem wie dir beleidigen. Finite!“ Der Fluch war aufgehoben und Pucey stand langsam auf. Seine Stirn lag in Falten, als würde er wirklich über das nachdenken, was gerade aus mir heraus geplatzt war. Ich wollte mich gerade trotzig abwenden und zurück ins Schloss gehen, als er mich wieder packte, ganz nah zu sich zog und mir in die Augen sah. Mein Feind. Der arrogante Slytherin. Die fiese Schlange. „Es... Tut mir Leid.“, flüsterte er und ich traute meinen Ohren kaum. Was war denn das jetzt? „Spar dir dein Mitleid.“, meinte ich bitter und wand den Blick ab. „Nein. Ich habe kein Mitleid. Ich habe mich bloß für mein Verhalten entschuldigt.“ Jetzt war ich perplex und absolut sprachlos. Wie machte er das bloß immer? Sein Gesicht war dem meinen plötzlich so nah, dass ich schlucken musste. Seine dunklen Augen fixierten meine und ich war machtlos. Ich konnte mich nicht abwenden, ich musste ihn ansehen. Verdammt, der sah ja eigentlich tatsächlich ziemlich gut aus. Das passte so gar nicht zu dem Bild, das ich von ihm gezeichnet hatte. Fies, arrogant, überheblich, dumm und unattraktiv. Ich spürte schon seinen Atem auf meinem Gesicht und war beinahe gewillt meine Augen zu schließen und mich dem Moment und der Möglichkeit hinzugeben. Seine Lippen zu spüren, vielleicht auch seine Zunge. Ihn nah bei mir zu spüren, ihn zu küssen. Aber dann schaltete sich mein Verstand ein und ich zuckte augenblicklich zurück. Ich verstaute meinen Zauberstab und trat den Rückzug an ohne auch nur einmal zurück zu sehen. Ich lief schnell über das Gelände, rannte beinahe. Die Gedanken rasten in meinem völlig verwirrten Gehirn. Was war denn das gewesen? Heimliche Küsse in der Umkleide bei Nacht? Was hatte ich mir dabei bloß gedacht? Zum Glück hatte sich mein Kopf eingeschaltet und alles beendet, bevor ich etwas bereuen würde. Im Schloss schlich ich wieder leise und vorsichtig um jede Ecke. Besonders vorsichtig musste ich auf den Treppen sein. Eine Trickstufe war das Letzte, was ich jetzt gebrauchen konnte. Ich sah auf meine Uhr und seufzte. Nur noch vier Stunden, bevor der Wecker klingeln würde und nach dem Frühstück hieß es dann ab auf den Besen. Ich hoffte, die anderen hatten es früh ins Reich der Träume geschafft. „Wie ist es gelaufen?“ „Du warst ewig weg.“ „Ist alles okay?“, redeten Lee, Fred und George wild durcheinander, als ich durch das Portraitloch gestiegen war und den Umhang abgelegt hatte. Bei Merlin. Der Streich. Den hatte ich in der Verwirrung völlig vergessen. Ich sah die drei schuldbewusst an und ließ die Materialien nach und nach aus meiner Tasche auf den Boden fallen. Freds Augen weiteten sich. „Pucey hat mich erwischt.“, meinte ich achselzuckend. Das war nicht einmal gelogen. Bevor die Jungs noch Fragen stellen konnten, ging ich lieber schnell in meinen Schlafsaal. *** Einige Tage nach dem Spiel gegen die Schlangen hatte ich noch immer schlechte Laune. Ganz egal, dass wir gewonnen hatten, Fred, George und Harry waren aus dem Team geflogen! Und alles nur, weil dieser schleimige Malfoy seine Klappe nicht hatte halten können. Am liebsten wäre auch ich auf ihn losgegangen, aber Angelina und ich hatten uns gegenseitig festgehalten. Sonst hätten wir am Ende gar kein Team mehr gehabt. Harry war am niedergeschlagensten. Zumindest sah es so aus und er tat mir ehrlich leid. Wir taten mir ehrlich leid. Wie sollten wir ohne ihn nur spielen? Wie sollten wir ohne ihn und ohne Fred und George bloß gewinnen? Und jedes Mal, wenn ich Malfoy oder Zabini auf den Gängen traf, war ich kurz davor, ihnen an die Gurgel zu springen. Komischerweise hatte sich Pucey in all das nicht eingemischt. Er hatte Malfoy auf dem Platz sogar wortlos beiseite gezogen, anstatt ihm zu helfen. Ich verstand diesen Typen nicht. Er beachtete mich seit dem Abend gar nicht mehr. Auf dem Feld hatte er mich zwar zwei Mal gerammt, aber ich hatte das Gefühl, er sei sanfter geworden. Bildete ich mir das nur ein? Er sah eigentlich noch genau so gelangweilt aus, wie auch früher schon. Aber irgendetwas hatte sich dennoch geändert. Oder? Ich hatte ihn schließlich vor dem Spiel auch nicht beleidigt oder versucht zu ärgern, so wie ich es früher immer liebend gern getan hatte. Er hatte mich überrascht, als er sich am Abend vor dem Spiel einfach so entschuldigt hatte. „Lexie!“, rief mich meine beste Freundin Hermine und ließ sich wenige Augenblicke später neben mir auf die Bank fallen. Ihre Tasche war berstend gefüllt mit Büchern aller Art, natürlich. Sie lernte schon jetzt wie eine besessene für die anstehenden ZAG-Prüfungen. „Wie geht es voran?“, fragte ich mit einem amüsierten Grinsen auf ihre Tasche. „Alles bestens. Ich habe schon einen Plan erstellt.“ Ich rollte zwar mit den Augen, aber ich wusste, das war gut. „Ich werde auch gleich mal in die Bibliothek gehen, bevor ich meine UTZ noch verhaue und dann wie Flint wiederholen muss.“, meinte ich lachend. Hermine fiel mit ein und so saßen wir noch eine Weile auf der Bank und unterhielten uns. Zum ersten Mal seit dem Spiel lachte ich wieder und dachte nicht daran, dass Fred, George und Harry uns nicht mehr unterstützen konnten. Zusammen mit Hermine machte ich mich schließlich auf in die Bibliothek. Besonders lernen musste ich vor allem für Kräuterkunde. Darin war ich wirklich gar nicht gut. Aber ich hatte es tatsächlich in Professor Snapes Kurs geschafft, weil ich ein Naturtalent im Zaubertränke brauen war. Lernen würde ich natürlich trotzdem, schließlich wollte ich es vor allem Snape nicht gönnen, durchzufallen oder nur ein A zu kassieren. Die Prüfungen rückten immer näher. Der Gemeinschaftsraum ähnelte inzwischen eher einem Klassenzimmer, so viele Schüler saßen mit Pergament, Feder und unzähligen Büchern an den Tischen, auf den Sesseln oder einfach auf dem Boden. Hermine gefiel das sichtlich, schließlich war sie jetzt nicht mehr die Einzige. Sogar Lee sah ich fast nur noch mit Buch in der Hand. Die Zwillinge sah ich immer weniger, ständig flüsterten sie und taten geheimnisvoll. Ich wusste, sie heckten etwas Großes für die pinke Pest aus, aber mehr bekam ich aus ihnen nicht heraus. Nicht einmal Lee wusste mehr. „Komm schon, irgendetwas müssen sie dir doch gesagt haben!“, bohrte ich mal wieder erfolglos. Lee und ich saßen inmitten der lernenden Löwen auf dem Sofa und ich hatte mich an ihn gekuschelt. „Ich weiß nur, dass sie ihre Zukunft nicht an dieser Schule sehen.“, meinte Lee und zuckte mit den Schultern. „Du bist ihr bester Freund!“, beschwerte ich mich. „Vielleicht weiß ich auch alles, aber erzähle dir nichts?“, fragte er belustigt und kniff mir spielerisch in die Wange. „Lee!“, entfuhr es mir und ich war ehrlich ein wenig beleidigt. Was, wenn er wirklich mehr wusste und mich im Dunklen tappen ließ? „Du bist doch mein bester Freund!“, meinte ich schließlich und sah ihn prüfend an. Sofort ließ er seine weißen Zähne blitzen und nahm mich versöhnlich in den Arm: „Das bin ich allerdings. Und du bist meine beste Freundin.“ Das beruhigte mich allerdings. Wir blieben noch ein wenig sitzen, bis wir dann endlich zum Abendessen in die Große Halle durften. Nicht ein einziges Mal sah ich in meine Bücher oder las mir meine Notizen durch. Ich versuchte stattdessen, das Geheimnis der Zwillinge herauszufinden. Leider gelang mir das nicht. George war zwar nicht halb so schnippisch wie sein Zwillingsbruder, aber er ging trotzdem nicht auf meine Fragen ein. Und Fred versuchte, meine Arme festzuhalten, damit George mir eine Kanarienkremschnitte in den Mund schieben konnte. Aber ich wehrte mich sowohl lautstark als auch kraftvoll und schüttelte den lachenden Fred ab. Im nächsten Moment waren die beiden verschwunden. Als hätten sie appariert, auch wenn das im Schloss absolut unmöglich war. Wie schafften sie es nur immer, aus brenzligen Situationen einfach so heraus zu kommen? Ich hätte mir die Haare raufen können, aber ich musste einsehen, dass ich einfach zu langsam war für die Chaoszwillinge. Ich lernte viel und gut und war mir schließlich sogar sicher, dass ich die Prüfung in Kräuterkunde mit mehr als nur einem Annehmbar würde bestehen können. Und anschließend wäre mein Schülerdasein beendet und ich würde ins wahre Leben geworfen werden. Ich hatte viele Ideen, was ich werden könnte. Heilerin stand nicht auf dem Programm. Vielleicht Aurorin. Meine Noten gaben genug her. Oder Angestellte für das Zaubereiministerium in der Abteilung für Missbrauch von Muggelartefakten. Das stellte ich mir spannend vor. Oder vielleicht würde ich mir erst einmal eine kleine Auszeit nehmen und reisen. Rumänien reizte mich, seit ich durch Fred und George von dem Drachenreservat erfahren hatte, in dem ihr Bruder Charlie arbeitete. Okay, ich sollte wohl zunächst Geld verdienen, um es dann für eine Reise ausgeben zu können. Ich saß hier und träumte von der Zeit nach den Prüfungen, obwohl die Prüfung noch gar nicht vor mir lag. Ich war aufgeregt, aber nicht, weil ich Angst hatte, durchzufallen. Ich war aufgeregt, weil ich wissen wollte, was das Leben bereit hielt. Außer meiner kranken Mutter. Sie nahm ihre Medikamente und schaffte den Alltag, aber ich fühlte mich dennoch verantwortlich. Wie praktisch, dass ich magisches Blut hatte und apparieren konnte. Ich würde also nicht zwingend in London bleiben müssen. „Lexie, hey!“, säuselte mir eine bekannte Stimme ins Ohr und ich wurde von hinten umarmt. „Lee.“, stellte ich zufrieden fest und schloss die Augen. Ich war in letzter Zeit häufig in Gedanken. „Worüber denkst du schon wieder nach?“, fragte er mich interessiert und ich drehte mich zu ihm um. Er lächelte sanft und sah dann an mir vorbei aus dem Fenster. Ich drehte mich auch wieder um und sah hinaus. „An die Zukunft. Weißt du schon, was du vorhast? Wirst du Kommentator? Oder machst du was mit den Zwillingen?“, fragte ich, in der Hoffnung, dass ich so ganz unauffällig heraus bekam, was die beiden planten. „Ich werde mich in den Stadien bei den verschiedenen Mannschaften vorstellen. Mal sehen, ob ich Glück habe.“ Also ich hatte keins. „Die wären ja dumm, dich nicht zu nehmen!“, lachte ich. Lee gab mir einen leichten Kuss auf die Wange. Wie oft hatte man uns schon eine Beziehung unterstellt. Unweigerlich musste ich schmunzeln. Mein Lee war definitiv ein guter Fang, doch empfand ich für ihn wie für einen Bruder. Und ich wusste, dass er mich auch als Schwester ansah. Er beschützte mich. Er half mir. Und ich war immer an seiner Seite. „Und du, was hast du vor? Bewirbst du dich als Spielerin?“ Er hatte seinen Kopf auf meiner rechten Schulter abgelegt und obwohl ich ihn nicht sah, wusste ich, wie er mich ansah. Herausfordernd. „Keine schlechte Idee, Mister Jordan!“, meinte ich und wirbelte schließlich zu ihm herum, sodass er aus dem Gleichgewicht kam. Immerhin hatte ich seinen Kopf mit meinem Schwung von meiner Schulter geworfen. Er reagierte blitzschnell und hielt sich am nächstbesten fest, das er zu fassen bekam. Natürlich war das mein Arm und so landeten wir zusammen auf dem Boden. „Verdammt!“, lachte Lee, während ich mich aufrappelte und ihm eine Hand hin hielt. Er ergriff sie. Aber statt aufzustehen, zog er mich mit einem starken Ruck wieder zu sich auf den Boden. Wir bekamen beide einen Lachanfall und irgendwann schnappte ich nur noch nach Luft. Bei Merlin, das muss seltsam ausgesehen haben, als Fred und George und kurze Zeit später auch Harry und Hermine den Gemeinschaftsraum betraten und uns da auf dem Boden liegen sahen. Ich hatte so gelacht, dass ich hatte weinen müssen und nun war meine Wimperntusche verlaufen. Lee hatte ebenfalls Tränen in den Augen und hielt sich den Bauch: „Aua, aua, aua!“, jammerte er. „Grey, was hast du mit Lee angestellt?“, fragte Fred mit hochgezogenen Augenbrauen und einem belustigten Blitzen in den Augen. „Wir sollten euch wohl nicht alleine lassen.“, fügte George grinsend hinzu. Ich rollte ein wenig von Lee weg und versuchte, mich aufzustützen. Aber vom Lachen waren meine Bauchmuskeln so sauer, dass ich aufgab und einfach liegen blieb. Lee fing einfach wieder an zu lachen und ich konnte nicht anders, als mit einzustimmen. „Wow. Lexie ist ja viel durchgeknallter, als ich zunächst angenommen hatte.“, meinte Fred schließlich und setzte sich auf das Sofa, um uns zu beobachten. Hermine sah mich geschockt und verwirrt an, grinste aber dann auch: „Bist du so gut vorbereitet, dass du dir das hier erlauben kannst?“, fragte sie schließlich in einem Ton, mit dem Professor McGonagall Konkurrenz machen konnte. Augenblicklich wurde es still in unserer Runde. Lee stand auf und zog mich hoch. Ich wischte mir die Tränen aus dem Gesicht. Fred und George sahen Hermine mit offenem Mund an und es war klar, was sie dachten: Spaßbremse. Aber Harry grinste und klopfte ihr auf die Schulter und ich lief auf sie zu, umarmte sie und dankte ihr tausendfach. „Du bist die Einzige, die meine Lachkrämpfe stoppen kann. Meine Bauchmuskeln und ich sind dir zu ewigem Dank verpflichtet!“, mit diesem Satz lief ich zu meinem Schlafsaal, um mein Gesicht zu waschen und ließ die anderen mit offenen Mündern zurück. *** Alle waren aus dem Häuschen und rannten durcheinander, sahen in den Himmel, lachten und freuten sich. Wir liefen alle nach draußen, um das Spektakel besser beobachten zu können. Jetzt hatte ich meine Antwort auf die Frage, was die Zwillinge ausgeheckt hatten und ich hatte meine Freude daran. Die Idee mit dem Drachen fand ich einfach klasse und das entsetzte Gesicht der pinken Kröte würde ich sicherlich nie wieder vergessen. Herrlich. Besondere Genugtuung empfand ich aber, als ich hörte, wie sich Malfoy angestellt hatte. Diese kleine Ratte hatte es verdient! Jetzt schaute ich in den Himmel über mir und sah die freudestrahlenden Gesichter von Fred und George, während sie über unsere Köpfe flogen, Pirouetten drehten und uns das beste Feuerwerk bescherten, das Hogwarts je gesehen hatte. „Sie haben das Geld zusammen und schon einen Laden gefunden.“, meinte Lee neben mir. Ich sah ihn überrascht an. Meine Augen verengten sich zu Schlitzen: „Du hast es die ganze Zeit über gewusst, oder?“ Lee zeigte mir nur seine unverschämt weißen Zähne. „Und mir, deiner besten Freundin, sagst du nichts? Du brichst mir das Herz.“, sagte ich übertrieben theatralisch. Wir fingen beide an zu lachen. „Ich fasse gar nicht, dass du das vor mir verheimlichen konntest. Ich dachte wirklich, du hast genau so wenig Ahnung wie ich.“ „Tja, ich bin eben gut.“ Ich knuffte ihn spielerisch in de Seite und sah wieder an den Himmel. Die Zwillinge ließen eine riesiges W erscheinen und machten noch ein wenig Werbung für ihr Geschäft, und dann flogen sie unter tosendem Applaus davon. Meine Hände fühlten sich schon taub an und die Handinnenflächen waren vom Klatschen ganz rot, als ich mich langsam zum Gehen umdrehte. Lee hatte ich aus den Augen verloren. Wahrscheinlich war er bei Dean, Seamus oder Harry. Oder er traf die Zwillinge noch irgendwo. An mir liefen viele Schüler vorbei und in dem Getümmel passierte es schließlich, dass ich über meine eigenen Füße stolperte und zu fallen drohte. Doch bevor ich dem Boden zu nah kommen konnte, packte mich jemand fest am Handgelenk und zog mich zurück auf die Füße. „Danke.“, sagte ich etwas außer Atem. Ich hatte mich ganz schön erschreckt und mein Haar versperrte mir jetzt die Sicht auf meinen Helfer. Ich strich mir die Strähnen aus dem Gesicht und sah in tiefschwarze Augen. Waren die dunkelbraun, oder wirklich schwarz? Der Unterschied zwischen Pupille und Iris war kaum erkennbar, aber je länger ich in die Augen starrte, desto sicherer war ich mir, dass sie sehr dunkles braun waren. Unergründlich. Irgendwie schön. Ich blinzelte einige Male und sah dann, wie sich mein gegenüber mir näherte. Seine Augen waren auf meine Lippen fixiert und unweigerlich biss ich mir in die Unterlippe. Die Luft zwischen uns war geladen. Seine Hand hielt noch immer mein Handgelenk und der Griff war auch nicht schwächer geworden. Ich wusste nicht, wie lang wir so inmitten der anderen Schüler standen, aber es kam mir vor, als hätte jemand die Zeit angehalten, als würde alles in Zeitlupe geschehen. Ich konnte nur die Augen sehen, den Griff spüren. Mein Blick wanderte dann aber doch über seine Nase, sein markantes Gesicht, seine Lippen, die einen kleinen Spalt geöffnet und nur noch wenige Zentimeter von meinen entfernt waren. Ich war stocksteif. In Erwartung. Ich wollte ihn küssen, schaltete meinen Verstand aus, der mir sicher nur eingetrichtert hätte, dass das hier ein Fehler war. Adrian Pucey sah von meinen Lippen in meine Augen und unsere Blicke trafen sich. Jetzt war es um mich geschehen. Ich hörte nichts mehr und nahm nichts mehr wahr, außer ihm. Es ging wahnsinnig schnell. Er küsste mich einfach so, mitten auf den Mund, zwischen all unseren Mitschülern. Seine Lippen waren weich, sein Kuss war bestimmt, gekonnt und doch unendlich sanft. Und vor allem viel zu kurz. Der Moment war vergangen. Ich hörte das aufgeregte Gerede einiger Hufflepuffs, die an mir vorbei gingen. Ich sah Malfoy und seine Freunde abschätzig lächelnd. Nur Pucey sah ich nicht. Konnten hier alle apparieren außer mir, oder war ich einfach unglaublich reaktionsschwach? Ich sammelte mich einen kurzen Moment und lief dann mit dem Strom zurück in das Schloss. Immer wieder sah ich mich um, wie ein scheues Reh, das im Wald Geräusche vernahm. Hatte ich das geträumt und würde gleich aufwachen? Ich fühlte noch immer meine brennenden, leicht tauben Hände. Das Geklatsche war also kein Traum gewesen. Das Kribbeln auf meinen Lippen war Beweis genug, dass ich auch den Kuss nicht geträumt hatte. Adrian Pucey hatte mich geküsst. Die Schlange den Löwen. Ich war verwirrt und irgendwie ungeahnt glücklich. Ein Lächeln stahl sich auf mein besorgtes, verwundertes Gesicht und machte sich breit. Es würde noch eine Weile so bleiben. *** Ich hatte einen anstrengenden Tag hinter mir. Die Zwillinge waren so freundlich gewesen, mich in ihrem verdammt gut laufendem Geschäft als Verkäuferin einzusetzen. Ich hatte viel zu tun gehabt. Das Lager aufräumen, neue Ware in die Regale sortieren, kassieren, wenn sonst niemand an der Kasse stand und viele, viele Fragen der Besucher und Kunden beantworten. Es war anstrengend, aber es machte mindestens genauso viel Spaß. Fred und George hatten immer einen flotten Spruch auf den Lippen und machten viele Scherze, führten ihre Erfindungen vor und brachten mich zum Lachen. Lee hatte heute auch vorbei geschaut. Er half immer wieder, aber hauptberuflich wollte er Kommentator werden. Ich unterstützte ihn bei seinem Vorhaben. Wir hatten uns eine kleine gemeinsame Wohnung gesucht, weil weder er noch ich eine eigene bezahlen konnte. Es war schön, nicht allein oder bei meiner Mutter wohnen zu müssen. Ich besuchte sie allerdings wirklich häufig. Inzwischen war es draußen kühler geworden und ich hielt mich extra so lang wie möglich im Laden auf, um im Warmen zu sein. Lee hatte heute Abend eine Verabredung und so würde mich niemand erwarten. Ich hatte es also wirklich nicht eilig. Die Zwillinge hatten mir schon vor ein paar Wochen einen eigenen Schlüssel gegeben, damit ich morgens aufschließen oder abends abschließen konnte. Ich überprüfte noch einmal das Regal neben der Kasse und beschloss dann, zu gehen. Ich sah zur Tür und erlitt beinahe einen Herzinfarkt, so sehr erschrak ich. Durch das helle Licht im Laden erkannte ich denjenigen nicht, der da vor der Tür stand und mich ansah, aber ich wusste, es war keine Frau. Dafür war die Gestalt zu breit gebaut und zu groß. Ich schnappte mir meine Handtasche, meinen Mantel und griff nach meinem Zauberstab. Das Licht machte ich aus, bevor ich mit erhobenem Zauberstab an die Tür trat und sie aufschloss. Wenn ich abends allein war, schloss ich mich immer ein. Und das hier war wohl der beste Beweis, dass das auch nötig war. Meine Augen brauchten eine Weile, bis sie sich an die Dunkelheit gewöhnt hatten. Ich öffnete langsam die Tür und hielt meinen Zauberstab auf die Peron gerichtet. „Du bist also immer noch schreckhaft.“, meinte der Mann. Adrian Pucey. Diese Stimme würde ich überall erkennen. Und diese dunklen, unergründlichen Augen erst recht. „Was willst du denn hier?“, fragte ich etwas forscher als geplant. Den Stab ließ ich nicht sinken, aber ich trat jetzt hinaus auf die Straße und verschloss die Tür hinter mir. „Ich dachte, es wäre an der Zeit, dass wir mal ausgehen.“, meinte er ganz lässig, als wäre es das Normalste auf der Welt und hielt mir seine Hand hin. Ich zog meinen Mantel an und starrte etwas perplex auf die ausgetreckte Hand, dann in sein Gesicht. Er sah so selbstsicher aus. Er wusste, dass er gut aussah und ich hatte das Gefühl, er wusste auch, dass ich ja sagen würde. Also tat ich ihm und mir den Gefallen und ergriff seine Hand. Sie war warm und fühlte sich gut an. Schweigend liefen wir ein Stück durch die dunklen Gassen, meine Finger mit seinen verschränkt. Irgendwann zog er mich an sich und apparierte mit mir. Wir trafen uns häufiger. Weder Lee, noch Fred oder George begrüßten das. Aber was sollten sie schon machen, schließlich behandelte er mich gut. Adrian holte mich ab und zu von der Arbeit ab und ging dann mit mir essen. Manchmal kochte ich für uns beide oder wir verbrachten einfach einen gemütlichen Abend in seiner Wohnung, die er sich mit niemandem teilte. Er arbeitete zwar im Ministerium, aber er trainierte auch viel. Er hoffte, doch noch den Sprung zum Quidditch-Profi zu schaffen. Ich genoss die Zeit mit ihm ungemein. Wir redeten über dies und das, er nannte mich nicht mehr Prinzessin, aber behandelte mich wie eine. Im positiven Sinne. Es war schön mit ihm. Ich konnte sogar mit ihm lachen. Er war nicht annähernd so humorlos, wie ich es ihm immer gern unterstellt hatte. Er hatte einen schwarzen Humor und er liebte Ironie. Manchmal trieb Adrian mich damit in den Wahnsinn. Wenn wir zusammen auf seinem Sofa saßen und Feuerwhiskey tranken, hatte ich oft meinen Kopf auf seiner Schulter und er seinen Arm um mich gelegt. Es war ein wenig so, wie damals mit Lee. Allerdings fühlte ich für Adrian eindeutig mehr als für einen Bruder. Die Spannung zwischen uns war zum Greifen nah. Aber nie passierte es. Kein kleiner Kuss auf die Wange oder gar den Mund. Keine zu intimen Berührungen. Ich fragte mich spätestens seit dem dritten sogenannten Date, ob ich für ihn vielleicht nur eine gute Freundin war. Adrian und ich trafen uns jetzt seit mehr als drei Monaten und noch immer hatte er nicht mehr getan als meine Hand zu nehmen. Heute Abend würde er mich wieder einmal abholen. Ich arbeitete mit George, Fred hatte schon Feierabend gemacht. Ich hatte noch einen Kunden, der mir zu nah kam. Er hatte so viele Fragen, die ich ihm geduldig beantwortete, aber er kam immer näher. Ich konnte schon sein Aftershave riechen. Ich wich wieder einen Schritt zurück, aber er kam hinterher. „Entschuldigen Sie, würden Sie vielleicht ein wenig mehr Abstand halten?“, fragte ich betont freundlich und setzte mein unschuldiges Lächeln auf. Manchmal musste ich mich wirklich zusammenreißen. „Ach komm schon. So wie du mich ansiehst, findest du das doch gut.“, entgegnete er und kam noch einen Schritt näher. Ich räusperte mich und sah ihn nicht mehr so freundlich an. „Nein. Das ist mir unangenehm. Also bitte.“ Immer schön höflich, Lexie, ermahnte ich mich selbst. Aber es half nichts. Er griff jetzt sogar nach meiner Hand. „Sie hat Nein gesagt. Also mach dich vom Acker.“, ertönte da diese tiefe, etwas raue Stimme, die ich unter tausenden erkennen würde. Adrian war zu früh. Was für ein Glück. Der Kunde ließ mich los, drehte sich zu Adrian um und provozierte ihn unnötig. Adrians dunkle Augen funkelten gefährlich, aber der penetrante Kerl schien das gar nicht zu bemerken. Er machte unaufhörlich weiter, bis es Adrian reichte. Inzwischen hatte der Kerl alle Aufmerksamkeit auf uns drei gelenkt und George war auf dem Weg zu uns, wahrscheinlich, um die geladene Stimmung zu entschärfen. Aber er kam zu spät. Adrian hatte bereits ausgeholt und dem Kerl eine verpasst, sodass dieser rücklings ins prall gefüllte Regal taumelte. „Verdammt, Pucey!“, schrie George. Ich lief um den Kerl herum und packte Adrian, um ihn zurück zu halten. „Halt die Klappe, Weasley. Der Typ hat es doch nicht anders verdient.“, herrschte Adrian George an und statt sich auf einen verbalen Schlagabtausch einzulassen, stimmte George ihm zu: „Stimmt schon.“ Wir hatten George noch beim Aufräumen geholfen und waren anschließend zu Adrian appariert. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ob ich etwas dazu sagen sollte. Hatte er mich beschützt, wie ein Bruder seine Schwester, oder hatte er doch mehr Interesse an mir? Ich hatte Angst vor der Antwort, weswegen ich die Frage gar nicht stellte. Ich sah ihn nur an und bemerkte, dass er die Zähne aufeinander presste. Sein Kiefer war ganz angespannt. Ich drückte ihn sanft auf das bequeme Sofa und setzte mich neben ihn, ließ meinen Kopf wie so oft auf seine Schulter sinken. Seine linke Hand verschränkte ich mit meiner rechten. So saßen wir da. Irgendwann brach ich doch die Stille: „Warum hast du das gemacht?“ Adrian schnaubte nur. „Danke.“, sagte ich, um ihn zu beschwichtigen. „Ich fühle mich geehrt.“ Jetzt sah er mich an. Seine Stirn lag in Falten, als würde er überlegen, ob ich das ernst meinte. Aber er sagte nichts. Er blieb den ganzen Abend still, also beschloss ich, nach Hause zu gehen. Ich gab ihm einen vorsichtigen Kuss auf die Wange. Ich wollte die Grenze eigentlich nicht überschreiten, aber ich wollte ihm nah sein. Es war mir nicht geheuer, dass er so still war. Also dachte ich mir, ich könne ohnehin nichts mehr verlieren. Er reagierte mit einem überraschten Blick und wünschte mir eine gute Nacht. Aber er hielt mich nicht davon ab, in meine Wohnung zu Lee zu apparieren. Stattdessen apparierte er mir hinterher und erschreckte mich wieder einmal. „Was machst du...“, setzte ich an, aber er versiegelte meine Lippen mit einem gierigen und verlangenden Kuss. Ich spürte, wie meine Knie weich wurden und ich zog ihn näher zu mir. Ich musste in den Kuss hinein grinsen und ich spürte, dass er das auch tat. Als wir uns etwas nach Luft ringend voneinander lösten, lag so viel mehr in seinem Blick als sonst. Es schien, als hätten sie begonnen, zu leuchten und sie wirkten heller als sonst. Adrian hielt mein Gesicht in seinen Händen und fuhr mit seinem Daumen über meine linke Wange, an der ich ein Grübchen hatte. Er küsste mich erneut, dieses Mal kürzer, zärtlicher. „Alexandra.“, sagte er. „Lexie.“, korrigierte ich ihn. „Lexie. Okay. Hör zu. Ich... Wir müssen reden, oder?“ „Allerdings. Du könntest mir zum Beispiel sagen, warum du mich erst küsst, dich dann wochenlang nicht blicken lässt und mich dann überrumpelst. Warum du damals mit mir getanzt hast und jetzt so ausgerastet bist. Was ist da los bei dir? Ich verstehe dich nicht.“, sagte ich wahrheitsgemäß. Er lächelte. Ich war verunsichert. „Ist das denn nicht offensichtlich? Bei Merlin Lexie, ich...“, aber bevor er mehr sagen konnte, ging die Tür auf und Lee stand im Türrahmen. Adrian setzte seinen üblichen, etwas erhabenen Blick auf und sagte: „Schon einmal von Anklopfen gehört, Jordan?“ Er wartete gar nicht auf eine Antwort, sondern fügte hinzu: „Ich wollte ohnehin gerade gehen.“ Er gab mir einen flüchtigen Kuss auf die Stirn und weg war er. Ich hätte Lee erschlagen können, aber ich funkelte ihn nur böse an. Es war kein Geheimnis, dass Lee und Adrian sich nicht besonders mochten, aber warum musste Lee so herein platzen? Ich hatte es hören wollen. Was Adrian zu sagen hatte. Ich konnte mir denken, worauf es hinaus lief. Aber ich hatte es hören wollen, direkt von ihm und hier und jetzt. Wer weiß, wie lange es dauern würde, bis mein tatsächlich leicht überheblicher Slytherin sich noch einmal zu so einem Gefühlsausbruch würde hinreißen lassen. Es hatte ja schon lange genug gedauert. Ich war frustriert und genervt von dem grinsenden Lee, der noch immer da stand wie bestellt und nicht abgeholt. Also griff ich nach meinem Kopfkissen und warf es ihm an den Kopf. *** Den ganzen Tag war ich schon unkonzentriert. Immer wieder sinnierte ich über die Ereignisse der letzten Zeit und vor allem über den gestrigen Abend. Ich dachte an Adrians plötzliches Auftauchen, an seinen Ausraster, an den leidenschaftlichen Kuss und an die Worte, die nicht folgen konnten, weil Lee uns unterbrochen hatte. Ich dachte daran, dass meine Freunde ihn eigentlich gar nicht mochten. Okay, sie kannten ihn ja auch kaum. Und was wollte ich eigentlich? Ich fühlte mich nirgends so sicher und beschützt wie bei Lee, aber wenn ich bei Adrian war, fühlte ich mich wie im siebten Himmel. Auch wenn er mir nicht so den Hof machte, wie ich es mir als kleines Mädchen immer vorgestellt hatte. Seine selbstsichere Art verunsicherte mich manchmal ganz schön, aber ich fand es eben aufregend. Ich hatte keinen Plan, wo das alles hinführen würde, ob es überhaupt irgendwo hinführen würde, aber ich wollte es zumindest versucht haben. So beschloss ich, nach Feierabend zu ihm zu gehen und mit ihm zu sprechen und vergaß darüber den ungeduldigen Kunden, der bei mir hatte zahlen wollen. Ich sah die Zwillinge entschuldigend an, während ich abkassierte und der Kunde kopfschüttelnd den Laden verließ. Ich zog mich lieber vom Tresen zurück und arbeitete zwischen den Regalen. Hier würde es niemandem auffallen, wenn ich meinen Gedanken nachhing, oder zumindest würde ich hier niemanden aufhalten. Ich sortierte und ordnete den Bestand und wollte gerade ins Lager gehen, als ich Adrian am Eingang stehen sah. Mit Fred. Sie redeten und schließlich sah sich Fred um. Als er mich entdeckte, zeigte er in meine Richtung und rief mich: „Du hast Besuch, Lex!“ Ich fühlte mich irgendwie ertappt. Als hätte Adrian gewusst, dass ich die ganze Zeit an ihn und seinen Kuss denken musste. Jetzt war er hier. Aber hier würde ich darüber nicht mit ihm reden können. Bis zu meinem Feierabend waren es noch knapp zwei Stunden. Ich lief zu Fred und Adrian, der mich so kühl und emotionslos ansah, dass mich mein Mut verließ. „Nimm dir den restlichen Tag frei, Lex.“, meinte Fred, als er sich zum Gehen umdrehte. Ich nickte nur und sah dann zu Adrian, der mir nur ein „Hi“ entgegenbrachte. „Willst du mich wieder küssen und dann einfach abhauen?“, hörte ich mich fragen, bevor ich überhaupt in der Lage war, nachzudenken. Adrians Mundwinkel zuckte leicht in die Höhe. Es amüsierte ihn, aber er hob sofort beschwichtigend die Hände: „Vielleicht gehen wir erst einmal ein Stück?“ „Vielleicht klären wir das erst einmal, bevor ich mit dir gehe?“, stellte ich eine Gegenfrage. Keine Ahnung, woher ich diese Bissigkeit hatte. Adrian seufzte, nickte dann aber knapp. Ich sah ihn abwartend an. Ja, ich war verletzt, dass er sich von Lee hatte verjagen lassen. Kratzte es an seinem Ego, mit einer ehemaligen Löwin gesehen zu werden? „Warum hast du dich so für mich eingesetzt?“, fragte ich und spielte damit auf seinen Ausbruch meinem Kunden gegenüber an. „Gestern wurden wir unterbrochen. Du wolltest es mich sagen hören, oder? Die drei Worte. Also sage ich sie. Jetzt.“, meinte er ruhig und mit einer Stimme, die mich in ihren Bann zog. Rau und doch melodisch. Ich sah ihn an. Er sagte nichts, aber er hielt meinem Blick stand und sah nicht eine Sekunde weg. „Ich höre gar nichts.“, sagte ich schließlich. Adrian verdrehte die Augen: „Halt den Mund!“ Ich musste schmunzeln. „Okay, aber...“, fing ich wieder an, aber Adrian schnitt mir das Wort ab: „Ich meine es ernst!“ Seine Stimme war schneidend, beinahe bissig. Er meinte es ernst. „Schön.“, gab ich mich geschlagen und Adrian sah mich selbstzufrieden an. Er hatte gewonnen, das machte ihn stolz. „Ich liebe dich.“, sagte er schließlich und seine so dunklen Augen schienen plötzlich nicht mehr so kalt, sondern viel wärmer. Ich musste unweigerlich lächeln. Es tat so gut, das zu hören. Ich hatte es mir ja gestern Abend noch gedacht, aber dann hatte ich den Gedanken aufgegeben. Und jetzt sagte dieser anziehende, düstere Kerl genau die Worte, die ich offensichtlich hatte hören wollen. Ich ging einen kleinen Schritt auf ihn zu, ließ aber einen Abstand zwischen uns. Ich legte ihm meine Hände in den Nacken und zog seinen Kopf näher zu mir, um ihm mit einem Kuss zeigen zu können, dass mir gefallen hatte, was er gesagt hatte. Kaum hatten meine Lippen seine zart berührt, da packte er mich fast an der Hüfte und zog mich so eng an sich, dass kein Papier mehr zwischen unsere Körper gepasst hätte. Er raubte mir den Atem. Seine Lippen lagen fest auf meinen, dann öffnete er seinen Mund leicht und ich tat es ihm gleich. Ich liebte seine Küsse, sie waren so leidenschaftlich, fordernd und gekonnt. Ich lächelte froh in den Kuss hinein und hörte wie durch Watte ein Räuspern, ignorierte es aber, bis wir uns schließlich voneinander lösten. Alle Augen waren auf uns gerichtet, einige der Anwesenden klatschten, andere sahen uns überrascht bis pikiert an, und Fred und George sahen mich an, als habe ich den Verstand verloren. Gerade wollte ich ihnen sagen, dass sie sich ihre Moralpredigt doch bitte sparen sollten, da wackelte Fred dumm mit seinen Augenbrauen und George kam zu uns um Adrian auf die Schulter zu klopfen. Adrian deutete ein Lächeln nur an, aber die Zwillinge gaben keinen Kommentar dazu ab. Stattdessen scheuchten sie uns lachend aus dem Laden. Es hatte einiges an Überzeugungsarbeit gekostet, aber schließlich hatte ich alle meine Freunde an einen Tisch bekommen und sogar Lee akzeptierte meine Beziehung zu Adrian. Wir waren eine explosive Mischung und stritten häufig, aber wir versöhnten uns auch immer wieder. Ich war glücklich mit meinem überheblichen Adrian und er war glücklich mit mir und das war es doch, worauf es ankam. *** THE END *** PS: Wie immer habe ich Anregung bei Grey's Anatomy gesucht und auch gefunden ;-)

31.89 % der User hatten die Auswertung: Profil B Name: Arya Stark. Geburtstag: 19. September 1979. Jahrgang: Hermine Granger. Haus: Gryffindor. Beste Freundin: Hermine Granger. Titel: Zweite Chance. Story: Ich lief ungeduldig auf und ab. Geduld war nie meine Stärke gewesen und dessen war ich mir durchaus bewusst. Mrs. Weasley seufzte und warf mir einen mitleidigen Blick zu, obwohl ich ihr ansah, dass sie genauso ungeduldig und nervös war wie ich. Ginny zupfte am Saum ihres Oberteils herum und stand schließlich auf, um ebenfalls auf und ab zu laufen. „Setzt euch, Kinder.“, sagte Mrs. Weasley leise und ein wenig genervt. Widerwillig lief ich zu einem der Sessel und nahm Platz. Ginny nicht. Ihre Mutter warf ihr einen besorgten Blick zu und ich kaute nervös auf meiner Unterlippe herum. Diese Warterei machte mich wahnsinnig. Alle waren unterwegs um Harry in den Fuchsbau zu eskortieren, sogar Fleur. Und wir saßen hier untätig herum und konnten nichts weiter tun als abzuwarten. Ich hatte gebettelt, gestritten und geschrien, dass ich mit wollte, aber Mad-Eye hatte mich ignoriert und Hermine hatte mir erklärt, dass sie in Paaren fliegen mussten und ich deshalb nicht mit konnte. Sie hätten besser Fleur zurück gelassen. Die kannte sich mit dem Nichtstun besser aus. Ich hatte es nicht verstanden und ich verstand es auch jetzt nicht. Ich machte mir Sorgen um die anderen. Um Hermine ganz besonders, wo sie doch meine beste Freundin war. Aber genauso um Harry, Ron und die Zwillinge, um Tonks, Lupin und die anderen. Am wenigsten um Mundungus Fletcher, der war mir nicht geheuer. Sie hätten mich mitnehmen sollen und nicht ihn! „Wo bleiben die denn alle?“, fragte Ginny schließlich und klang ziemlich verzweifelt. Mrs. Weasley versuchte zu lächeln, was ihr aber kaum gelang: „Setze dich, Schätzchen. Sie werden gleich alle eintrudeln.“ Ginny sah mich fragend und besorgt zugleich an und ich wusste, dass sie sich genau so viele Sorgen machte wie ich. Auch wenn ihre Hauptsorge sicherlich niemand geringerem galt als dem Jungen, der überlebt hatte: Harry James Potter. Da tat es einen unheimlich lauten Knall und Mrs. Weasley und ich sprangen wie von einer Doxy gebissen auf. Ginny lief sofort zum Fenster und ich ihr hinterher. Mrs. Weasley öffnete die Tür und Ginny lief an mir vorbei hinaus in die Dunkelheit, aus der uns ein riesiger Kerl mit struppigem Haar und dickem Bart entgegen kam. Und neben ihm lief Harry, in dessen Arme Ginny sich stürzte. Eigentlich sollten die zwei nicht die Ersten sein, dachte ich nur finster. Wo war Hermine? Als Remus Lupin leichenblass mit dem stark blutenden George den Fuchsbau betrat, geschah alles andere um mich herum nur noch in Zeitlupe. Ich erfasste schnell, dass es Georges Ohr war - oder das was davon übrig geblieben war – das so blutete, aber mein Magen drehte sich schlagartig um. Mir war ganz schlecht. Was war nur passiert? Ich sah, wie Lupin ihn zum Sofa brachte, wie Mrs. Weasley sich über ihn beugte und wild gestikulierte. Ich sah Ginnys Tränen und Harrys ehrlichen Schock. Ich stand da wie vom Donner gerührt und meine Füße fühlten sich an wie tonnenschwere Felsen, als ich mich in Bewegung setzte, um zu George ans Sofa zu gelangen. In meinem Kopf ratterten all die Streiche, die er mir mit Fred gespielt hatte, wie eine Chronik vor meinem geistigen Auge vorbei. Sein Lächeln, sein Grinsen, seine flotten Sprüche. Ich dachte daran, wie er mich auf dem Weihnachtsball zum Tanzen aufgefordert hatte, obwohl ich mit Dean und er mit Katie dort gewesen war. Ich dachte an seinen stolzen und triumphalen Blick, als ich ihn und Fred das erste Mal in ihrem Laden besucht hatte und wie er mir zwinkernd die Phiole Liebestrank aus der Hand genommen hatte. Ich hörte sein Lachen. Und mit einem Mal spürte ich ganz klar, wie sich kalte Finger um meine Hand schlossen und sich dann mit meinen Fingern verschränkten. Die Berührung riss mich aus meinen Gedanken und erst jetzt bemerkte ich, dass ich neben dem liegenden George auf dem Sofa saß und es seine kalten Finger waren, die ich spürte. Ich sah ihm in die Augen und sie strahlten noch immer so spitzbübisch wie sonst, wirkten nur etwas müder. „Alles... Oh bei Merlin, George. Alles okay bei dir? Was ist passiert?“, sagte ich und meine Stimme wurde bei jedem Wort höher. Ich war nervös, meine Nerven waren aufgerieben. Der Anblick von so viel Blut an George hatte mein Herz für einen Moment aussetzen lassen. Ich war nicht ich selbst, nicht mehr Herrin der Lage. George lächelte schwach: „Du machst dir ja richtig Sorgen. Das ist süß.“ Ich wusste nicht, was ich sagen sollte. Ich drückte seine Hand. Mrs. Weasley wuselte um ihren Sohn herum und brachte eine Wickel mit Salbe. Sein Ohr war sicherlich nicht mehr zu retten, doch die Wunde musste natürlich versorgt werden. Ich wich keine Sekunde von Georges Seite. Ich hatte aufstehen wollen, um Hermine in den Arm zu nehmen, aber er hatte meine Hand nicht losgelassen. Hermine hatte das mit einem versteckten und verständnisvollen Grinsen quittiert und ich war sitzen geblieben. George hatte mir zugezwinkert. Am nächsten Morgen beim Frühstück waren wir alle gerädert und still. Mad-Eyes Tod saß allen in den Knochen und Georges monströser Verband quer um den Kopf erinnerte uns alle immer wieder daran, dass es verdammt gefährlich gewesen war. Nicht einmal Fleur fand ein sinnloses Thema, über das wir hätten reden können. Wir waren alle erleichtert, als das letzte Brot gegessen und die letzte Tasse Tee geleert war und Mrs. Weasley uns herum scheuchte um alles für die bevorstehende Hochzeit auf Vordermann zu bringen. Fred und George mussten den Garten entgnomen, während Hermine und ich mit Ginny für die weißen Laken zuständig waren. Wir zauberten eine schöne Verzierung, die die Namen der Brautleute enthielt und belegten die Laken anschließend mit einem Anti-Knitter-Zauber. Ich war heilfroh, dass es so etwas gab und wir nicht zum Bügeleisen greifen mussten. Immer wieder wanderte mein Blick zu George, dessen ausgelassenes Verhalten mir zeigte, dass es ihm gut ging. Immer wieder ließ ich dabei meinen Zauberstab sinken, bis Hermine sich lautstark räusperte und Ginny mir in den Oberarm kniff. „Au!“, protestierte ich empört, aber die beiden grinsten sich nur wissend an. Ich widmete mich wieder meiner Aufgabe, aber Ginnys Blick entnervte mich schließlich so sehr, dass ich den Zauberstab wieder sinken ließ und sie fragend ansah. „Was läuft denn da?“, fragte sie und wirkte unendlich aufgeregt. Sie gluckste richtig. Hermine sah mich interessiert an. Ich schüttelte nur den Kopf: „Gar nichts.“ „Von wegen. Ihr habt Händchen gehalten.“, meinte Ginny und ich fragte mich, ob ihre Ohren bei dem breiten Grinsen nicht hätten abfallen müssen. „Er war verletzt. Ich habe mir Sorgen gemacht.“, rechtfertigte ich mich halbherzig. Hermine zwinkerte mir zu. Sie stellte keine Fragen. Ginny ließ kaum locker, aber irgendwann gab sie es auf, weiter herum zu stochern. Ich fürchtete jedoch, dass das nur vorübergehend so bleiben würde. Spätestens am Abend würde sie versuchen, mich auszuquetschen, mir etwas zu entlocken. Sie hatte eine blühende Phantasie und ich teilte mir ihr Zimmer mit ihr und Hermine. Da stand mir ganz schön was bevor. Beim Abendessen sah ich zu, dass ich weit weg von Ginny saß. Ich setzte mich zwischen Ron und Mr. Weasley. Dass das keine gute Idee war, bemerkte ich, als Ginny sich mir gegenüber setzte und mich die ganze Zeit breit und wissend angrinste. Ich verdrehte die Augen und unterhielt mich hilfesuchend mit Mr. Weasley, schließlich war er ganz versessen auf alle Muggelartefakte und ich war in einer waschechten Muggelfamilie groß geworden. Hermine guckte mich fassungslos an, denn normalerweise wimmelte ich Mr. Weasley bei diesen Dingen gern sehr schnell ab. „Nein, nein. Es gibt keine andere Art, ein Laken wirklich faltenfrei zu bekommen. Außer bügeln. Mit dem Bügeleisen. Verstehen Sie? Es ist heiß und der Dampf glättet die Falten.“ Ich gab mir wirklich Mühe, aber Mr. Weasley hörte gar nicht mehr auf, Fragen zu stellen und stellte meine Geduld damit ganz schön auf die Probe. Sogar George und Fred entging meine Not nicht und sie grinsten. Ginny hatte meinen Blick in Georges Richtung natürlich sofort gesehen und hatte nun einen Blick drauf, der mir verriet, dass sie sich in ihrem Verdacht bestätigt fühlte. Ich entschied, mich einfach schlafend zu stellen, sobald sie anfangen würde, mich voll zu texten. Kaum vernahm ich ein regelmäßiges und entspanntes Atmen von Ginny, die neben mir lag, öffnete ich meine Augen. Sie und Hermine hatten eine geschlagene halbe Stunde geredet, bevor sie endlich eingeschlafen waren. Und ich musste wirklich mehr als dringend auf die Toilette. Vorsichtig hob ich die Decke an und glitt aus dem Bett. Ich passte bei jedem Schritt Richtung Tür höllisch auf, denn der alte Holzfußboden konnte heimtückisch knarren und alle im Haus wecken. Als ich die Zimmertür leise hinter mir schloss, atmete ich erleichtert aus. Dann ging ich ins Badezimmer und konnte endlich auf die Toilette. Nachdem ich meine Hände gewaschen und mir Wasser ins Gesicht geklatscht hatte, entschied ich, mir ein Glas Wasser aus der Küche zu holen. Mein Zauberstab lag natürlich auf dem Beistelltisch in Ginnys Zimmer. Ich schlich also die Treppe hinab und traute mich gar nicht, richtig zu atmen. „Kannst du auch nicht schlafen, Prinzessin?“, flüsterte eine Stimme, deren Besitzer sicherlich auf dem Sofa saß und ließ mich zusammen fahren. Es war stockdunkel und ich erkannte niemanden, aber diese Stimme würde ich überall erkennen. „George.“, flüsterte ich und es klang wie eine Frage. „Lumos.“, flüsterte er nur und sein Zauberstab erhellte das gemütliche Wohnzimmer. „Schickes Outfit. Steht dir.“, meinte er grinsend mit einem Blick auf meinen Schlafanzug. Okay, Schlafanzug war etwas übertrieben. Ich trug nur einen schlichten schwarzen Slip und ein etwas weiteres Oberteil. Meine Beine waren nackt und der Ausschnitt des Oberteils war so verrutscht, dass meine linke Schulter frei lag. Ich rückte das schnell zurecht, aber George war mit wenigen leisen Schritten schon bei mir angekommen und zupfte das Shirt wieder so, wie es zuvor gesessen hatte. Ich fuhr mir etwas nervös durch meine langen blonden Haare. Im Licht des Zauberstabs sah George irgendwie verrucht aus und die Tatsache, dass er mir näher war als sonst, ließ meinen Magen kribbeln. Ich nahm seinen Geruch war und musste unwillkürlich lächeln. Wie an der Sommersonne getrocknete Kleidung und frisch gemähtes Gras. „Wie geht es dir?“, fragte ich zaghaft. Er fuhr mit seiner linken Hand über die Stelle des Verbands, an der sein Ohr war. Ich dachte schon, er habe vielleicht doch mehr Schmerzen, als wir angenommen hatten, aber dann lächelte er: „Alles bestens, Arya. Du machst dir doch nicht immer noch Sorgen um mich?“ Ich sagte nichts, wollte an ihm vorbei in die Küche. Schließlich war ich gekommen, um mir ein Wasser zu holen. Aber George hielt mich am Handgelenk zurück. Dieses Mal waren seine Hände warm. Ich sah zu ihm auf. „Schön zu wissen, dass ich dir etwas bedeute.“, flüsterte er. Es war so leise, dass ich es kaum verstand. „Natürlich.“, gab ich prompt zurück. Seine Lippen umspielten ein sanftes Lächeln und das feine Licht ließ seine Augen ganz besonders schimmern. „Du bist wunderschön.“, sprach er aus, was ich gerade über ihn dachte. Sofort stieg die Hitze in mir auf. Er strich über meine Wange und anschließend über mein Schlüsselbein, über die Schulter, die frei lag. Ich bekam eine Gänsehaut und wollte nicht, dass diese Berührungen wieder aufhörten. Ich machte noch einen kleinen Schritt auf ihn zu und legte meine Hand auf seine Brust. Sie hob und senkte sich schneller als sonst. Sein Puls raste also. Genau wie meiner. Ich musste grinsen. Und als ich dann zu ihm aufsah, war sein Gesicht dem meinen so nah, dass ich seinen Atem auf mir spürte. Ich legte ihm meine Hand in den Nacken und zog ihn so noch ein kleines Stückchen weiter runter. Ich stockte kurz bevor meine Lippen seine berührten und kostete den Moment voll aus. Dann überbrückte ich das letzte bisschen Distanz und küsste ihn. Ganz sanft, nicht aufdringlich, aber sehnsüchtig und verlangend. Ich spürte, dass er lächelte und er ließ seine Hände über meinen Rücken wandern, über meine Arme und schließlich verschränkte er seine Finger wieder mit meinen. Der Kuss wurde langsam mutiger, fordernder. Immer wieder setzten wir kurz ab und sahen einander in die Augen, nur um sie dann wieder zu schließen. Wo der Zauberstab abgeblieben war? Der lag sanft schimmernd auf dem Sofa und interessierte keinen von uns. Ich küsste George immer wieder und wieder, ließ seine Hände auf Wanderschaft gehen und schob meine Hände schließlich unter sein Shirt. Irgendwann lösten wir uns voneinander, aber es war uns beiden klar, dass es nicht für lange sein würde. Ich warf einen Blick auf die Treppe, um sicher zu gehen, dass uns niemand gehört hatte. Als ich ihn wieder ansah, hatte er ein verschmitztes Grinsen auf den Lippen. Und das hieß bei George Weasley für gewöhnlich nichts Gutes. Der führte doch was im Schilde. „Was ist?“, fragte ich leise, als er keine Anstalten machte, mich wieder in seine Arme zu ziehen und mich zu küssen. Er musterte mich von oben bis unten. „Ich habe eine Idee.“, meinte er nur, nahm seinen Zauberstab, löschte das Licht und griff nach meiner Hand, bevor er mich hinter sich her aus dem Haus in die frische Nachtluft zog. *** „Wo warst du letzte Nacht geschlagene zwei Stunden?“, flüsterte Hermine mir zischend ins Ohr, als Mrs. Weasley am nächsten Morgen das Rührei auf den Tisch stellte. Ich sah meine beste Freundin an und wusste, dass ich rot anlief. Ich lächelte sie zaghaft an, aber sie schien zu verstehen, dass ich darüber nicht am Frühstückstisch sprechen wollte. In der einzigen freien Minute, die wir gemeinsam verbrachten, erzählte ich ihr kurz und schmerzlos, was geschehen war. „Du hast was? Ihr habt... Bei Merlins Bart, Arya!“, kommentierte Hermine meine kleine wahre Begebenheit. Ich sah sie unschuldig an. „Seid ihr zusammen? Ist das etwas Ernstes? Du und George? Ich meine, ihr hattet doch nie viel miteinander zu tun...“ Es schien, als redete Hermine weniger mit mir, als mit sich selbst. Ich packte sie an den Schultern und sah sie eindringlich an: „Ich habe keinen Plan, was jetzt ist, okay? Wir haben nicht direkt danach darüber geredet, sondern uns ins Haus und in unsere Betten geschlichen. Ich weiß nicht, was das war. Aber es war gut. Und ich würde es wieder tun.“ Hermines Augen weiteten sich ins Unermessliche. „Du bist verliebt.“, stellte sie fest. Ja, sie hatte Recht. Sonst hätte ich nicht mit ihm geschlafen. Sonst wäre ich nicht rot angelaufen. Sonst hätte er mich nicht so verzaubert. Ich war verliebt in George Weasley, den Chaoten vor dem Herrn. Aber wollte ich etwas Festes? Eine Beziehung? Ich hatte wirklich nie viel mit ihm oder Fred zu tun gehabt, ich kannte ihn also nicht richtig. „Er schaut die ganze Zeit zu dir.“, kicherte Hermine. Ob er es wohl auch Fred erzählt hatte? „Ich muss mit ihm reden.“, sagte ich trocken. Ich hatte einen Kloß im Hals. Was für eine komische Situation. Ich sah zu George und als sich unsere Blicke trafen, wusste ich, dass wir an die gleiche Situation dachten, die in der vergangenen Nacht im Schuppen geschehen war. Peinlich, aber lustig. Schnell verdrängte ich den Gedanken wieder und Hermine gab mir einen Schubser, damit ich zu George ging. Ich hatte es vor, ich hatte es wirklich vor, aber im letzten Moment machte ich einen Schlenker nach links und lief statt dessen zu Ron und Harry. *** Ich weinte. Mein Gesicht war nass und ich verfluchte mich dafür, dass ich kein Taschentuch bei mir hatte. Die Trauung von Bill und Fleur war einfach zauberhaft. Und obwohl ich keinen von beiden wirklich kannte, stand ich hier und weinte, als sei es meine eigene Hochzeit. Oder zumindest die von Hermine. Zum gefühlt hundertsten Mal wischte ich mit meinem Handrücken über meine Wange, als mir jemand ein Taschentuch hin hielt. Ich schniefte und nahm es dankbar an. Es war von George. Er grinste mich schief an, als ich die Tränen getrocknet und tief durchgeatmet hatte. Ich lächelte zurück. Wir hatten immer noch nicht miteinander über das gesprochen, was in dieser Nacht geschehen war. Als die Trauung beendet war und das frisch angetraute Ehepaar durch den Mittelgang schritt, legte George einen Arm um meine Schulter und flüsterte mir ein „Du bist die Schönste hier.“ ins Ohr. Sofort stellten sich meine Nackenhaare auf, als ich seinen Atem auf meiner Halsbeuge spürte. Heute hatte er Parfüm benutzt und es stand ihm. Es passte zu seinem natürlichen Geruch. Dann befreite ich mich auf seinem Griff, sah ihn entschuldigend an und ging hinüber zu Hermine und Ginny. Ginnys verschmitzten Blick ignorierte ich einfach, während Hermine mit Viktor Krum sprach. Zu späterer Stunde war das Parkett voller tanzender Pärchen. Hier und da saß jemand an einem Tisch und einige unterhielten sich angeregt. „Darf ich bitten?“, raunte mir George zu, als ich gerade Luna Lovegood und ihren Vater erblickt hatte. Ich nickte und nahm seine Hand. Wir tanzten eng, sprachen aber kaum. Als das Lied zu Ende war, sahen wir uns stillschweigend an. „Wir müssen...“, fing ich an, als er sagte: „Wir sollten...“ Wir mussten lachen. „Du zuerst.“, sagten wir zusammen. Wieder lachten wir. Es konnte so unbeschwert sein mit ihm, so ungezwungen. Und doch fühlte ich mich gefangen und unsicher. „Was war das?“, fragte ich gerade heraus, weil ich nicht wusste, was ich sonst hätte sagen sollen. George sah überall hin, nur nicht in meine Augen. Ich folgte seinem Blick, der bei Fred und zwei Cousinen von Fleur hängen blieb. „Erde an George Weasley.“, holte ich ihn zurück zu unserem Gespräch und sofort schnellte sein Blick zu mir. „Entschuldige.“, murmelte er etwas verlegen. So hatte ich ihn noch nie erlebt. Sprachlos, unsicher, betreten. Mir wurde schlecht, aber ich wusste was das bedeutete. Und ich wusste, dass ich es nicht hören wollte und deshalb musste ich die Sache selbst beenden. Ich räusperte mich und unterbrach ihn somit, bevor er etwas sagen konnte. „Wir müssen das nicht tun. Okay? Was passiert ist, ist passiert. Es war gut. Sehr gut sogar. Aber das heißt nicht, dass du bis auf alle Ewigkeit an mich gebunden bist. Wenn du nicht mit mir zusammen sein willst, ist das völlig okay.“, ratterte ich schnell runter. Ich stand überhaupt nicht hinter dem, was ich da sagte, aber lieber tat ich so etwas als von ihm hören zu müssen, dass er ein paar verschnöselte Französinnen interessanter fand als mich. Obwohl er doch gesagt hatte, ich sei die Schönste. George sah mich erleichtert und traurig zugleich an. Und ich kämpfte mit den Tränen. Er hob seine Hand und wollte mir sicherlich wieder über die Wage streicheln, aber ich hielt ihn davon ab: „Sag jetzt nichts.“ Er ließ die Hand sinken und räusperte sich. Es war eine unangenehme Situation. „Ich... Es tut mir Leid.“, presste er schließlich hervor. Die erste Träne bahnte sich ihren Weg über meine Wange. Ich wischte sie schnell weg und funkelte George böse an: „Wow. So viel zu 'Sag jetzt nichts'. Danke.“ Schon machte sich die nächste Träne auf den Weg zu meinem Kinn und ich wandte mich von ihm ab. Ich suchte Hermine und fand sie ganz in der Nähe von Harry und Ron. Kaum hatte ich die drei erreicht, platzte Kingsley Shacklebolts Patronus in die Hochzeit und verkündete den Fall des Ministeriums und das Auftauchen der Todesser. Ich warf George noch einen letzten Blick zu und sah, dass er mich ebenfalls ansah, bevor ich Hermines Hand nahm und mit ihr und den Jungs disapparierte. *** ZEITSPRUNG *** „Die erste Frage, die er mir stellte war: Was ist dein Lieblingsessen?“, jammerte ich und setzte mich auf den freien Platz neben Hermine. Ich kam gerade von einem Date mit Justin Finch- Fletchley zurück. Ich hatte nicht erwartet, dass die anderen noch immer im Tropfenden Kessel sitzen würden, aber sie taten es. „Und was hast du gesagt?“, fragte Ron. Der dachte auch echt immer nur ans Essen, unglaublich. Hermine sah ihn mit strafendem Blick an und er sah betreten zu Boden. „Pizza. Aber das spielt doch keine Rolle. Wieso fragt er überhaupt nach meinem Lieblingsessen? Als hätte er in einem Ratgeber gelesen das sei ein guter Eisbrecher. Das Buch muss auf der internationalen Messe der Versager verteilt worden sein. Bah!“, beschwerte ich mich und ließ meinen Kopf deprimiert auf die Tischplatte sinken. Hermine streichelte mir aufmunternd über den Rücken. „Man geht eben nicht mit einem Hufflepuff aus...“, ärgerte mich Harry. Ich hob meinen Kopf und sah ihn finster an: „Du hast eine Freundin. Damit hast du jedes Recht, dich über mein miserables Liebesleben lustig zu machen, verspielt.“ Ich bestellte mir ein Butterbier. „Ach komm, so schlimm ist es gar nicht.“, meinte Hermine. Ich wusste, sie meinte es gut. Aber es half nichts: „Klar. Du bist glücklich mit Ron, Harry ist glücklich mit Ginny. Ich bin das fünfte Rad am Wagen. Aber kein Problem.“ „Du darfst das nicht so schwarz sehen. Alles zu seiner Zeit.“, meldete sich Harry wieder. Wann war der denn so neunmalklug geworden? „Ich finde immer noch, dass du und George gut zusammen gepasst hättet.“, sagte Ron wie beiläufig und mir gefror das Blut in den Adern. George. „Ach Ron!“, jammerte Hermine. Ron wusste nichts von meiner Nacht mit George, ich hatte es ihm und Harry nie erzählt. „Er hat ja jetzt Angelina.“, sagte ich und konzentrierte mich besonders auf mein Butterbier. Es hatte eine schöne Farbe. „Kommst du morgen mit zum Quidditch?“, fragte Ginny und lenkte das Gespräch dankenswerter Weise in eine andere Richtung. Ich zuckte mit den Schultern. Ich spielte schon ganz gern mal, aber ich war kein Fan. Es würde mich ablenken. Ich wusste, dass Hermine nicht mitkommen würde, also würde ich nicht mit zwei Paaren gehen. „Komm schon!“, meinte Harry und Ginny fügte hinzu: „Dean und Lee kommen auch.“ „Also gut. Überredet.“ *** Das Spiel war wirklich unterhaltsam, aber mein Blick wanderte weniger häufig zum Spiel als zu dem überdurchschnittlich glücklichen Pärchen einige Plätze links von mir. George und Angelina saßen händchenhaltend nebeneinander und teilten sich einen Kürbissaft. Mir wurde schlecht. Ginny bemerkte meinen Blick und flüsterte Dean, der rechts neben ihr saß, etwas zu. Als Harry mit den Getränken wiederkam, machte ihm Dean Platz und setzte sich links von mir, sodass ich George und Angelina nicht mehr beobachten konnte. Warum sollte ich sie auch beobachten? Was auch immer zwischen George und mir gewesen war, es war vorbei. Wir hatten uns beide verändert. Die Schlacht hatte uns beide verändert, Freds Tod hatte George verändert. Er hatte lange gebraucht, bis er den Laden wieder so führte wie vor der Schlacht. Und offenbar hatte Angelina ihm dabei geholfen. Und Lee und Ron. Ich war George aus dem Weg gegangen. Wir hatten uns immer mal wieder gesehen, in der Winkelgasse, beim Essen bei seinen Eltern, beim Quidditch oder bei Ginny. Aber die Luft war zum Zerreißen, wenn wir beide zu lange im selben Raum waren. Keiner sagte mehr als nötig, und doch trafen sich unsere Blicke immer wieder. Auch jetzt drehte George seinen Kopf in meine Richtung, aber ich lenkte meine Aufmerksamkeit lieber schnell auf Dean und lächelte ihn an: „Tolles Match, was?“, fragte ich übertrieben grinsend, aber Dean erwiderte das. Er reichte mir einen Kürbissaft und ich bedankte mich. Den Rest des Spiels bekam ich gar nicht mit, weil ich ununterbrochen mit Dean redete. Ich mochte ihn wirklich gern, er war witzig, aufrichtig, charmant und clever. Als alle aufstanden um sich auf den Heimweg zu machen, taten wir das auch. „Also dann, Arya.“, sagte Dean und klang fast ein wenig schüchtern. „Bis bald, Dean.“, meinte ich und umarmte ihn. Er war ein gutes Stück größer als ich, was mir sehr gefiel. Und er roch angenehm. Nicht so wie George, aber gut. Dean drückte mich sanft an sich und ließ mich dann los. „Bis bald.“, erwiderte er und zwinkerte mir zu, bevor er mit Lee in der Menge verschwand und ich mich umdrehte um mit Ginny, Harry und Ron zu apparieren. „Dean, hm?“, fragte Ron und ich wusste, was er meinte. Ich schüttelte nur den Kopf. „Gib ihm eine Chance. Er ist echt ein netter Kerl!“; gab Ginny ihren Senf hinzu und Harry zog sie in seine Arme. „Netter Kerl, ja?“, fragte er. „Ja. Ein netter Kerl. Aufrichtig und charmant.“, gab ich zu. Ginny zeigte mit dem Daumen nach oben, was ich mit einem Augenrollen quittierte. Aber ich lächelte. Ja, vielleicht würde ich Dean tatsächlich wiedersehen. Und wie schnell ich ihn wiedersehen würde, damit hatte ich nicht gerechnet. Am nächsten Tag schlenderte ich wie so oft durch die Winkelgasse. Ich liebte das bunte Treiben, die jungen Kinder mit ihren Eltern, die alten Zauberer und Hexen, die ominöse Dinge verkauften, die bunte und leuchtende Reklame und nicht zuletzt den Duft von Büchern in meinem liebsten Geschäft. „Guten Morgen, Miss Stark.“, grüßte mich der Besitzer. Er kannte mich schon seit ich damals noch nach Hogwarts ging und nach der Schlacht hatte ich ihm ein wenig ausgeholfen, bevor ich dann meinen Abschluss nachgeholt hatte. Ich grüßte ihn freundlich und fragte, wie es ihm und seiner Frau ging und machte mich dann auf die Suche nach einem interessanten Buch. Ich lief durch die Reihen von Regalen, in denen sich die Bücher bis unter die Decke stapelten und ließ meine Finger über die Bücherrücken streifen, bis ich etwas interessantes entdeckt hatte. Eine Weile blätterte ich im Gang in diesem Buch herum. Ich merkte, dass mich jemand beobachtete und ich hatte Recht: Am Ende des Ganges stand Dean, lässig an ein Regal gelehnt und breit grinsend. Er trug ein kariertes Hemd, was ihm sehr gut stand. Ich klappte das Buch zu, behielt es aber in der Hand, als Dean auf mich zukam. „Was machst du denn hier?“, fragte ich ihn verblüfft. Ich hatte nicht damit gerechnet, ihn hier zu treffen. „Ich suche ein Geschenk für eine Freundin, aber ich habe keine gute Idee. Hilfst du mir?“, fragte er mich und war immer näher gekommen. Ich fuhr mir durch mein langes Haar und nickte: „Liest sie denn überhaupt gern?“, fragte ich lachend. Er stimmte mit ein und mir fiel zum ersten Mal auf, dass sein Lachen ansteckend war. „In diesem Punkt ist sie Hermine nicht unähnlich.“, sagte er und nahm mir das Buch aus der Hand. Kurz streiften sich unsere Finger und ich hatte das Gefühl, ein Blitz sei durch meinen ganzen Körper gezuckt. Dean lächelte mich an. „Ist das gut?“, fragte er und sah das Titelbild an. „Ich... Also, ich weiß nicht. Ich habe es noch nicht gelesen, aber es klingt doch gut.“, meinte ich. Ich war nervös und wieder einmal wurde meine Stimme höher als ich es wollte. Peinlich. Dean grinste, behielt das Buch in der einen Hand und hielt mir die andere hin: „Ich nehme es. Und ich lade dich heute Abend zum Essen ein. Als Dankeschön für die Hilfe.“ „Und was, wenn ich das Buch kaufen wollte?“, fragte ich neckisch, musste aber schon grinsen. „Dann lade ich dich zum Essen und auf ein Eis ein.“ Ich willigte ein und ergriff Deans große, warme Hand. Nie hatte ich mit jemandem mehr gelacht und über jeden unsinnigen Quatsch reden können wie mit Dean. Er kannte Fußball und einige andere Dinge, die reinblütige Zauberer nicht kannten. Es tat gut, mit ihm zu reden, mit ihm herum zu albern, mit ihm zu lachen. Er hatte ein melodisches Lachen und eine angenehme Art. Er sah mir immerzu in die Augen, als könne er sich nicht von ihnen losreißen und er machte mir schöne Komplimente, ohne dass sie abgedroschen klangen. Wir aßen bei ihm zuhause, nachdem er für mich gekocht hatte. Okay, ich war ihm einige Male zur Hand gegangen, aber gemeinsam zu kochen machte mir wahnsinnig viel Spaß. Nach nur zwei Stunden hatte ich das Gefühl, ich würde Dean schon eine Ewigkeit kennen. Er erzählte von seiner Familie, von den Freunden, die er gekannt hatte, bevor er nach Hogwarts gekommen war. Und wir redeten über Fußball, auch wenn ich davon nicht wirklich viel Ahnung hatte. Als der letzte Rest Lamm von der Gabel in meinen Mund gewandert war, grinste ich Dean glücklich an: „Das war sehr lecker, vielen Dank für die Einladung.“ „Du willst mich doch nicht schon verlassen, Arya? Du bekommst noch ein Eis, schon vergessen?“ „Du bist süß. Aber ich weiß nicht, ob ich nicht platze, wenn ich heute noch etwas esse.“, meinte ich und hielt mir meinen Bauch. Ich war wirklich voll. Und glücklich. Dean sah mich an und ich merkte, dass er überlegte. „Was heckst du aus?“, fragte ich zwinkernd. Er stand auf und kam um den Tisch herum. Dann griff er nach meiner Hand und zog mich vom Stuhl in seine Arme. Ich spürte, wie mir die Hitze in die Wangen stieg. Ich mochte ihn wirklich gern. „Lass uns einfach einen Spaziergang machen. Dann bringe ich dich auch nach Hause, einverstanden?“, fragte Dean und sah mich mit seinen wunderschönen braunen Augen an. Treue Augen. Ich nickte bloß, und schon im nächsten Moment standen wir in der Winkelgasse vor dem Buchladen, in dem wir uns am Mittag getroffen hatten. Dean hielt jetzt meine Hand und mein Magen spielte verrückt. Ich wusste, mir war nicht schlecht vom Apparieren. Also musste es an ihm liegen. An Deans Berührungen, an seiner Art, seinem Lächeln, seinen Augen und an den süßen Worten, die für mich übrig hatte. Wir liefen eine Weile still nebeneinander, bis ich stehen blieb. „Alles okay?“, fragte Dean sofort. „Alles bestens.“, versicherte ich ihm und musste schmunzeln, weil er so verunsichert aussah. Ich zog ihn näher zu mir und nahm nun auch seine zweite Hand. Ich musste zu ihm aufsehen, er sah mir in die Augen und lächelte: „Du bist unglaublich, Arya.“ Ich lächelte nur noch mehr: „Das bist du auch, Dean.“ Das gab ihm seine Sicherheit zurück und er beugte sich weiter vor, um meinem Gesicht näher zu kommen. Ich war fasziniert von seinem hübschen Gesicht, aber ich wollte auch den Augenblick genießen. Ich schloss die Augen und wartete auf seinen Kuss. Als sich unsere Lippen trafen, hatte ich das Gefühl, als sei ich endlich angekommen. Die unglücklichen Verabredungen waren vergessen und an George Weasley verschwendete ich erst Recht keinen Gedanken. Ich spürte Deans Lippen und dann seinen Atem, seine Zunge, und ich musste kichern. Er lachte auch kurz auf, unsere Blicke trafen sich für eine Sekunde, bevor wir uns im nächsten sehnsüchtigen Kuss verloren. Ich streckte mich ihm entgegen und fuhr mit meiner Hand über seinen Oberarm. Als wir uns schließlich voneinander lösten, prickelten meine Lippen angenehm. Dean ergriff erneut meine Hand und wir liefen weiter. Ich schmiegte mich nah an ihn, ich fühlte mich unwahrscheinlich wohl. Wir schlenderten eine Weile, bis wir schließlich bei Florian Fortescues Eisdiele ankamen. Niemand wusste, was aus Florian geworden war, aber der Laden trug in Erinnerung an ihn noch immer seinen Namen. „Doch ein Eis?“, fragte Dean und ich nickte lachend. Ich fühlte mich so leicht und unbeschwert, dass ein Eis mit einem Mal sehr passend war. Erdbeere. Immer Erdbeere. *** Seit sechs Wochen waren Dean und ich jetzt ein Paar. Ginny hatte es anfangs ein wenig kritisch beäugt, aber sie hatte uns ihren Segen gegeben. Ich war glücklich, Dean machte mich glücklich. Er war immer da, unterstützte mich, machte mir Komplimente. Ich verbrachte gern Zeit mit ihm, wir lachten immer viel. Er verstand sich super mit Harry und Ron und Hermine mochte ihn auch. Endlich war auch ich vergeben und nicht mehr das fünfte Rad am Wagen. Wir saßen alle zusammen im Garten. Hermine und Ron hatten uns eingeladen und alle waren gekommen. Luna Lovegood, Neville Longbottom, Seamus Finnigan, Lee Jordan, Cho Chang, Harry und Ginny, George und Angelina. Ich saß natürlich zwischen Dean und Hermine und unterhielt mich gerade mit meiner besten Freundin über ihre neueste Idee, die Rechte der Hauselfen zu verbessern. Ich liebte es, wie sehr sie sich engagierte und wie ihre Augen strahlten, wenn sie von ihrer Arbeit erzählte. Ich hatte inzwischen eine feste Stelle in meinem Lieblingsladen ergattert: Dem Buchladen in der Winkelgasse. Es machte mich glücklich. Schon immer hatte ich mich gern in Büchern verkrochen, mich in eine andere Welt ziehen lassen. Und Hermine teilte dieses Hobby. Mit ihr konnte ich immer über meine Arbeit reden. Wir lachten gerade laut, als Dean meine Hand in seine legte und mir einen Kuss auf die Wange gab. Dann stand er auf und setzte sich zu Seamus, um mit ihm zu reden. Ich lächelte ihm zu. „Ihr seid ein schönes Paar.“, schwärmte Hermine sofort. Ich grinste sie an: „Ich weiß.“ „Und jetzt stell dir mal vor, deine Verabredung mit Justin Finch-Fletchley wäre besser gelaufen.“ Wir mussten beide lachen und ich hatte schnell Tränen in den Augen. Ich wollte mir das lieber gar nicht vorstellen. Dean war eindeutig die bessere Wahl. Immer wieder sah er zu mir und auch Seamus’ Blick spürte ich immer wieder auf mir liegen. „Er kann die Augen nicht von dir lassen.“, machte Hermine mit ihrer Schwärmerei weiter. Schließlich kamen die Jungs zu uns und setzten sich. Dean ergriff sofort wieder meine Hand. Dann sah ich an Hermine vorbei und sah Angelina und George. Sie saß auf seinem Schoß und sie küssten sich. Ich verzog das Gesicht: „Können die sich kein Zimmer nehmen? Hier gibt es doch ausreichend viele.“, sagte ich spitz. Hermine sah zu den beiden und ihre Augen weiteten sich. Dean nahm mein Kinn und drehte mein Gesicht sanft zu sich. „Das braucht dich doch nicht stören, Prinzessin.“, meinte er und küsste mich. Ich erwiderte den Kuss, war aber dennoch verärgert über George und Angelina. Was zu viel war, war eben zu viel. Manche Dinge tat man einfach nicht in der Öffentlichkeit. Ich kuschelte mich seitlich an Dean und legte meinen Kopf auf seine Schulter, als Luna sich zu uns gesellte und wir schließlich in Erinnerungen schwelgten. Der Flug auf den Thestralen ins Ministerium war selbst in der Erzählung noch aufregend und ich erinnerte mich genau an das flaue Gefühl im Magen. Ich konnte die Wesen schließlich damals noch nicht sehen. Langsam wurde es kühler und nach und nach verließen immer mehr Gäste die kleine Feier. George und Angelina waren natürlich die ersten, die sich breit grinsend von uns verabschiedeten und bei dem Gedanken an das, was die beiden gleich tun würden, wurde mir schlecht. Ich küsste Dean einmal mehr und war froh, dass ich ihn an meiner Seite hatte. Wir halfen Hermine und Ron noch, gemeinsam mit Harry und Ginny, bevor wir uns ebenfalls verabschiedeten und zu ihm apparierten. Kaum hatten wir die Wohnung erreicht, als wir uns wieder küssten. Er bekam einfach nicht genug von mir, Hermine hatte Recht, wie immer. Ich lächelte in den Kuss hinein und ließ ihn mein Shirt anheben und über meinen Kopf ziehen... *** Die Nachricht, dass Angelina George verlasen hatte, schockte mich irgendwie. Ich fühlte mich plötzlich gar nicht mehr so sicher und geborgen in Deans Armen. Stattdessen ertappte ich mich dabei, immer wieder an die Nacht mit George zu denken, die schon so lang zurücklag. In seinen Armen hatte ich mich geborgen gefühlt, wirklich geborgen. Sicher, glücklich und zufrieden. Dean war nur solange ausreichend, wie George unerreichbar war, schoss es mir durch den Kopf, aber ich schüttelte den Gedanken schnell beiseite. So ein Quatsch. Dean war ein toller Kerl. Er war aufrichtig, humorvoll, treu und charmant, wirklich charmant. Er brachte mich zum Lachen und wusste immer genau, was ich brauchte. Er sah gut aus. Ich mochte besonders seine Augen und sein verschmitztes Grinsen. Aber je länger ich die Augen geschlossen hielt und mir sein Grinsen vorstellte, umso mehr transformierte sein Gesicht in das von George. Schnell öffnete ich die Augen. Ich starrte an meine Schlafzimmerdecke und hörte Deans gleichmäßiges Atmen neben mir. Er lag mit dem Rücken zu mir, also kuschelte ich mich an ihn, klammerte mich an ihn, bis er erwachte und den Arm um mich legte. Er sah mich so glücklich an, dass ich mich richtig mies fühlte. Was dachte ich auch an George, während Dean neben mir lag? Drei wunderschöne Monate hatten wir bisher zusammen verbracht, inklusive Blumen, Eis und Spaß. Dean kannte mich wirklich gut und ich mochte ihn wirklich sehr. Warum also stahl sich George immer wieder in mein Herz, und warum musste ich jetzt an ihn denken? Ich hatte gerade eine wunderschöne Nacht in Deans Armen hinter mir. Einen tollen Abend, ein leckeres Essen und ein noch leckereres Dessert im Schlafzimmer. Und dennoch grübelte ich über Georges Trennung nach. Hermine hatte gesagt, Angelina hätte Schluss gemacht. Ich wunderte mich, warum. „Gut geschlafen, meine schöne Frau?“, fragte Dean noch etwas verschlafen neben mir und zog mich fester an sich. Ich genoss die Nähe, die Wärme, die von ihm ausging, aber irgendwie störte es mich, dass er mich seine Frau nannte. Warum nur? „Sehr gut sogar. Neben dir schlafe ich immer hervorragend.“, schnurrte ich ihm ins Ohr und gab ihm einen Kuss. Ich mochte es, wie er küsste. So sanft und angenehm. „Kommen heute nicht Hermine und Ron zum Frühstück?“, fragte er dann und mit einem Mal war ich hellwach. Als hätte er mir einen Eimer Eiswasser über den Kopf geschüttet. „Bei Merlin!“, war alles, was ich vorbringen konnte, bevor ich aufstand und den Kleiderschrank aufriss. Dean lachte rau auf und setzte sich dann. Ich wühlte in meinen Klamotten umher. Wo war denn mein blaues Kleid? Jenes, das meine blauen Augen so wundervoll zur Geltung brachte? Ich liebte dieses Kleid, ich wollte es anziehen. Ah, da! „Mach dir keinen Stress, meine Schöne. Geh ins Bad, mach dich frisch und ich kümmere mich um den Rest.“, meinte Dean, stand auf und kam auf mich zu, küsste mich erneut und zog sich dann sein Hemd und die Hose an. „Du bist ein Schatz.“, rief ich ihm zu, als ich schon halb unter der Dusche stand und das Wasser aus dem Hahn tropfte. Ron und Dean philosophierten angeregt über Quidditch und zum gefühlten hundertsten Mal versuchte Dean, Ron Fußball zu erklären. Hermine und ich beobachteten die beiden eine Weile, bis wir schließlich selbst quatschten. Über Rechte, das Ministerium, die Familien, Bücher und Fleurs Schwangerschaft. „Molly sagt, Bill schwebt einen Meter über dem Boden, seit er es erfahren hat, so stolz ist er.“, kicherte Hermine. „Und Molly schwebt sicherlich auch, oder? Schließlich wünscht sie sich schon immer Enkelkinder.“, meinte ich. Hermine nickte: „Gestern war Charlie zu Besuch und wir haben alle gemeinsam gegessen. Sie hat Charlie gesagt, er solle sich ein Beispiel an Bill nehmen. Charlie ist rot angelaufen und war plötzlich hundemüde.“ Wir lachten beide. „Na, ich bin mal gespannt, wie viel Weasley in dem Kind steckt, oder ob es mehr nach Fleur kommt.“, sagte ich. Würde das Kind die Weasley- typischen roten Haare haben? Oder blond werden, wie seine Mutter? „Warten wir es ab, in acht Monaten wissen wir dann mehr.“ Je mehr wir über Bills ungeborenes Kind sprachen, umso mehr merkte ich, dass Hermine offenbar auch einen Kinderwunsch hatte. Aber ich wusste auch, dass sie nichts überstürzen würde. Und mal ehrlich, noch konnte ich mir Ron nicht wirklich als Vater vorstellen. „Ich muss dann mal los.“, sagte Dean und stand auf. Ron klopfte ihm auf die Schulter und Hermine umarmte ihn: „Bis bald, Dean.“ Dann kam er zu mir und gab mir einen seiner unwiderstehlichen Küsse. Und dann sagte er es. Einfach so. Vor Hermine und Ron. „Ich liebe dich.“ „Bis nachher.“, war alles, was ich sagen konnte. Ich lächelte ihn an und er zwinkerte er mir zu, bevor er seine Jacke nahm und verschwunden war. Hermine und Ron sahen mich überrascht, schockiert, verwirrt an. „Bis nachher?“, fragte Ron, als habe er sich verhört. „’Ich liebe dich auch’ ist die richtige Antwort auf ‚Ich liebe dich’.“, meinte Hermine und sie sagte es so, als müsse sie einem kleinen Kind etwas ganz simples erklären. „Sehe ich auch so.“, stimmte Ron zu. Ich verdrehte die Augen. „Ich sage so etwas doch nicht nach gerade mal drei Monaten.“, rechtfertigte ich mich und stemmte die Hände in die Hüften. „Er hat es doch auch gesagt. Nach drei Monaten.“, meinte Ron wieder. Ich wollte gerade das Thema wechseln, als Hermine mich wie vom Donner gerührt ansah. Ihr war wohl gerade ein Licht aufgegangen. Sie sah Ron alarmiert an: „Oh. Oh nein. Nein, nein, nein, nein, nein, nein. Das ist typisch Arya. Sie weiß, dass Angelina mit George Schluss gemacht hat und jetzt bekommt sie kalte Füße wegen Dean.“ Ich schnaubte. Dann sah Hermine mich an und setzte ihren strengen Blick auf: „Du lässt schön die Finger von George, klar? Dieser Zug ist abgefahren. Und entgleist.“ Die Hitze stieg mir in den Kopf, dieses Mal nicht aus Scham, sondern weil ich wütend war. „Das hat gar nichts mit George zu tun.“, versuchte ich es, aber Hermine schüttelte nur den Kopf. „Okay. Also ich gehe dann auch mal.“, meinte Ron und umarmte mich kurz, bevor er Hermine flüchtig küsste und „Ich liebe dich!“ sagte. Hermine sah mich unentwegt an, als sie antwortete: „Bis nachher. Ich liebe dich auch.“ *** Mit Dean traf ich mich seltener. Immer wieder ertappte ich mich selbst dabei, wie eine Notlüge meine Lippen verließ, wenn er mich um ein Treffen bat. Ich sagte dann ich hätte Kopfschmerzen, Migräne. Oder ich sei mit Hermine verabredet. Ich müsse länger arbeiten oder ich sei einfach nicht in der Stimmung. Aber es tat mir selbst weh und ich wusste tief in mir, dass ich etwas ändern musste. Dean war so gut zu mir. Er trug mich auf Händen, brachte mich zum Lachen, schenkte mir Blumen und Lakritze. Er kochte sogar für mich. Es tat mir weh, ihm weh zu tun. Jetzt saß ich hier am Frühstückstisch und sah ihm zu, wie er verschlafen den ersten Schluck Tee trank. Ich widmete mich still meinem Brot, aber ich bemerkte, dass er mich ansah. Er merkte, dass ich mich verändert hatte, dass unsere Beziehung sich verändert hatte. Dass ich nicht ganz ehrlich war. „Ist alles okay bei dir?“, fragte er schließlich, nachdem ich seinen Blick einige Minuten gemieden hatte. Ich hatte Angst vor der möglichen Konfrontation. Angst vor seiner Reaktion, vor dem Ausdruck in seinen Augen. Ich legte mein Brot zurück auf den Teller, trank einen Schluck Tee und sah ihn schließlich traurig an. Schon bevor ich das erste Wort sagen konnte, kullerte eine Träne meine Wange hinunter und es folgten mehr. Dean stand sofort auf und kam um den Tisch herum zu mir. Er kniete neben meinem Stuhl und nahm meine Hand in seine warmen Hände. Ich weinte nur noch mehr. Wie konnte ich ihm so weh tun? Warum konnte ich nicht glücklich sein mit ihm? Warum dachte ich an die Augen eines anderen, bevor ich abends ins Land der Träume abdriftete? „Hey, Arya. Sag doch etwas.“, flüsterte Dean und ich konnte den Kloß in seinem Hals hören. Er machte sich Sorgen und er wusste, dass etwas nicht in Ordnung war. Ich wünschte, er würde mich nicht lieben, dachte ich. Ich wollte ihm nicht wehtun. Aber ich musste ehrlich sein. Also wischte ich mit meiner freien Hand über mein Gesicht um die Tränen los zu werden. Ich räusperte mich und nahm all meinen Mut zusammen. „Dean, wir müssen...“, fing ich gerade an, als er mir das Wort abschnitt und den Satz seufzend beendete: „...reden. Ja, das habe ich befürchtet.“ Ich fuhr mit meiner Hand über seine Wange und lächelte etwas gequält. Er tat mir so leid und ich hasste mich dafür, dass es mit ihm nicht klappte. Es war meine Schuld. „Ist es wegen George?“, fragte Dean schließlich, als er aufstand. Mir blieb das Herz beinahe stehen und ich sprang vom Stuhl auf: „Nein. Ich... Es tut mir so leid, Dean. Es funktioniert einfach nicht. Für mich. Ich kann dir nicht geben, was du verdienst. Ich wünsche mir so sehr, dass es anders wäre, aber ich kann das nicht. Ich will dir nicht noch mehr wehtun. Bitte entschuldige. Und glaube mir, dass du mir sehr viel bedeutest.“ Ich hatte wieder angefangen zu weinen, und ich sah, dass Dean auch mit den Tränen kämpfte. Ich fühlte mich wahnsinnig schlecht. „Komm mir jetzt aber nicht mit dem Angebot, dass wir Freunde sein können.“, meinte er. Es tat mir so weh, dass er das sagte, aber ich verstand ihn und schüttelte den Kopf. „Sicher, dass George damit nichts zu tun hat?“, fragte Dean dieses Mal mit festerer Stimme. Es klang Bitterkeit mit. „Sei ehrlich.“ Ich schloss einen Moment meine Augen und atmete tief durch. Was sollte ich sagen? Ich wollte ehrlich sein, aber ich wollte ihm auch nicht noch unnötig mehr Kummer bereiten. Und bei Merlin: Was brachte es ihm? „Dass es mit uns nicht funktioniert, ist nicht Georges Schuld, Dean.“, sagte ich und sah ihm dabei fest in die Augen. Ich konnte die Erleichterung, die von Deans Schultern fiel, beinahe sehen. „Danke.“, sagte er fast flüsternd und machte Anstalten, meine Wohnung zu verlassen. Ich hielt ihn nicht zurück. Kaum war er verschwunden, sank ich weinend auf meinen Fußboden und blieb dort sitzen, bis ich mich einigermaßen beruhigt hatte. Warum fühlte ich mich nicht befreit? Weil ich wusste, dass ich einen ganz besonderen Menschen verloren hatte? Ich vermisste ihn, seinen Duft, seine starken Arme um meinen Körper, sein Lachen. Hatte ich den falschen Entschluss gefasst? Ich räumte den Tisch ab und fühlte immer wieder, wie sich die Tränen in meinen Augen sammelten. Zum Glück hatte ich heute frei und musste nicht raus, musste nicht unter Menschen, musste nicht lächeln, obwohl mir danach nicht zumute war. Ich konnte den ganzen Tag heulen und mich selbst bemitleiden. Ich würde mich auch gar nicht erst umziehen. *** Es war ein lauer Morgen und ich hatte frei. Seit zwei Wochen das erste Mal. Hermine war im Ministerium, Harry und Ron hatten einen Termin im Hause Malfoy und Ginny besuchte ihren Bruder Charlie in Rumänien. Ich wusste nichts mit mir anzufangen, aber ich wollte meinen freien Tag auch nicht in meiner Wohnung verbringen. Ich legte mir mein Lieblingstuch um die Schultern, zog meine Jacke an und schlüpfte in meine Turnschuhe. Bevor ich die Wohnung wie ein Muggel durch die Tür verließ, warf ich noch einen Blick in den Spiegel. Alles gut. Ich lief durch die Straßen und atmete die frische Luft ein, sah mich um und fühlte mich gut, aber auch ein wenig einsam. Ich schlenderte eine Weile umher, bis ich schließlich in die Tram stieg und einige Stationen fuhr. Ich mochte es, die öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen, auch wenn die Gerüche, die mir in die Nase stiegen nicht alle schön waren. Es machte mir Spaß, die Menschen zu beobachten. Apparieren war schnell, magisch und zeitsparend, aber es machte nicht halb so viel Spaß. Als ich ausstieg, musste ich nicht mehr weit laufen. Ich kannte den Weg im Schlaf und stand mit einem Mal vor der Mauer, ohne den Weg wirklich mitbekommen zu haben. Ich zückte meinen Zauberstab und vollführte den Trick, der den Eingang in die Winkelgasse freigab. Ich trat ein und ließ die Mauer hinter mir den Durchgang wieder versperren. Meinen Zauberstab steckte ich zurück in meine magisch erweiterte Handtasche und ich zog das Tuch etwas enger um meinen Hals, es war frischer hier. Und voller. Ich lief durch die verwinkelten Gassen und sah in jedes Schaufenster, beobachtete die Besucher und hielt Ausschau nach bekannten Gesichtern. Ein oder zweimal prallte ich mit jemandem zusammen, weil es so voll war. Aber ich genoss es und erst, als ich vor Flourish & Blotts angekommen war, fiel mir auf, dass ich selbst an meinem freien Tag in der Nähe meines Arbeitsplatzes herumlungerte. Ich musste grinsen und lief weiter, bevor mein Chef mich noch sah und hereinbat. Ich würde mich nur in eine ruhige Ecke verziehen und das nächste Buch lesen. Und dann hätte ich auch gleich zuhause bleiben können. Unweigerlich musste ich an Dean und unsere Begegnung im Buchladen denken. Er hatte mir das Buch erst vor der Nase weg gekauft, um es mir anschließend zu meinem Geburtstag zu schenken. Dean. Zwei Wochen war es her, dass ich mich von ihm getrennt hatte und es war nicht leichter geworden. Wir hatten uns seither nicht mehr gesehen, aber ich dachte noch oft an ihn. Wie er mir eine Decke brachte, wenn ich auf dem Sofa in mein Buch vertieft saß und schon eine Gänsehaut hatte. Wie er mich in seine Arme zog, wenn wir bei einem Spaziergang stehen blieben. Er war so gut zu mir gewesen. Du hast das Richtige getan, Arya!, versicherte ich mir selbst und schüttelte den Gedanken an Dean Thomas aus meinem Kopf. Ich sah auf und stellte fest, dass mich meine Füße vor Weasleys Zauberhafte Zauberscherze getragen hatten, ohne dass ich es bemerkt hatte. Ich war zu sehr in Gedanken gewesen. Ich atmete tief ein und wieder aus, fuhr mir etwas nervös durch meine Haare und stieß schließlich die Tür auf. Der Laden war voller Menschen, vor allem tummelten sich viele Schüler zwischen den Regalen. Die jungen Mädchen standen bei den Liebestränken, die Jungen vor den Nasch- und Schwänzleckereien. Ich musste lächeln. Ich erinnerte mich ganz genau an den Tag, an dem ich mit Hermine und den anderen das erste Mal den Laden betreten hatte. Was die Zwillinge geschaffen hatten, war einfach unfassbar. Ich war froh, zu sehen, dass der Laden wieder so florierte, wie er es zu Beginn getan hatte. Ich bahnte mir meinen Weg durch die aufgeregten Schüler und sah mir alles ganz genau an, als sei ich das erste Mal hier. Vieles war mir vertraut und bekannt, einige Dinge hatte ich selbst abbekommen. Fred hatte mir einmal gezeigt, wie das Instant- Finsternispulver funktionierte und George hatte die Wirkung der Kanarienkremschnitten an mir ausprobiert. Den anderen Erfindungen war ich glücklicherweise entgangen. Hermine hatte einen sehr gut ausgeprägten Riecher für getarnte Scherzartikel. Viele Artikel waren mir vollkommen neu. George hatte also neue Erfindungen gemacht und anscheinend liefen sie alle gut. Ich konnte Verity an der Kasse kaum sehen, weil so viele Kunden um sie herum standen und warteten, bezahlen zu können. Ich merkte, wie sehr ich es vermisst hatte, durch die Regale und das Sortiment zu stöbern. Ich verlor mein Zeitgefühl, während ich vertieft war in die Beschreibungen der Artikel. Ich hörte die Ladenklingel läuten, ich nahm Gesprächsfetzen wahr, ich sah leuchtende Kinderaugen, aber ich hatte keinen blassen Schimmer, wie lange ich hier stöberte. Irgendwann kam ich schließlich wieder da an, wo ich begonnen hatte. Ich sah mich im Laden um und bemerkte, dass das aufgeregte Gerede der Schüler fast verstummt war und der Laden ziemlich leer aussah. Ich warf einen Blick auf die große Uhr, die über der Eingangstür hing und erschrak. Ich hatte über zwei Stunden hier vertrödelt? „Du warst lange nicht hier.“, sagte George neben mir. Wann war er neben mir aufgetaucht? Und warum hatte er mich entdeckt und ich hatte ihn die ganze Zeit über nicht gesehen? Ich sah zur Seite und sah seine warmen braunen Augen auf mir ruhen. Ich lächelte verlegen. „Du siehst gut aus.“, sagte George und klang dabei beinahe schüchtern. „Danke.“, hauchte ich. Zu mehr fühlte ich mich nicht in der Lage. Ich sah ihn einfach nur an und versank in seinen Augen. Er war erwachsener geworden, aber er hatte noch immer das verschmitzte Grinsen auf dem Gesicht. Genau wie damals auf Hogwarts, als er mir unter einem falschen Vorwand die Kanariencremschnitte angedreht hatte. „Der Laden läuft ja bombastisch.“, brachte ich schließlich hervor und riss mich von seinen Augen los, die von meinen Augen zu meinen Lippen über meinen Körper gewandert waren. Er nickte: „Auf jeden Fall. Viel zu tun.“ Irgendwie war das eine komische Situation. Normalerweise war doch keiner von uns beiden verlegen oder auf den Mund gefallen. „George, ich brauche mal eben Hilfe!“, kam es dann von Verity an der Kasse. George antwortete ihr nicht, sah mich an. Der Blick war erwartungsvoll. Ich sah zur Tür und zu ihm zurück. „Ich gehe dann wohl besser...“, sagte ich, wollte das aber eigentlich überhaupt nicht. „Nein, warte.“, meinte George und ließ mich stehen. Ich hörte, dass er mit Verity sprach, während ich mich umsah. Immer wieder wanderte mein Blick zu der Uhr und zur Tür. Ich sollte gehen, aber ich wusste, dass ich das nicht konnte. Aber warum sollte ich bleiben? Wir schafften es ja kaum, ein Wort miteinander zu wechseln. Es waren bestimmt drei Minuten vergangen, als George plötzlich meine Hand nahm und mich mit sich zog. Ich hörte die Ladenklingel ein letztes Mal und wusste, Verity war gegangen und hatte abgeschlossen. Der Laden war leer, das meiste Licht war aus, nur die Straßenlaternen schienen hinein und tauchten den verlassenen Laden in einen angenehmen, romantischen Schimmer. George hielt nach wie vor meine Hand, aber ich wagte es nicht, zu ihm auf zu sehen. „Arya...“, flüsterte er ganz nah an meinem Ohr. Er hatte sich zu mir hinunter gebeugt und jagte mir einen Schauer über den Rücken. Ich drehte meinen Kopf zu ihm und bevor ich ihm auch nur in die Augen sehen konnte, presste ich meine Lippen verlangend auf seine. Ich hatte ihn die ganze Zeit gewollt, das hatte ich schon gewusst, als ich an jenem Abend vor ihm gestanden hatte und schließlich mit ihm geschlafen hatte. Da war immer nur er gewesen, auch wenn ich Dean wirklich gemocht und geschätzt hatte. George war es, dem mein Herz gehörte, dem mein Verstand gehörte und den ich liebte. Ich küsste ihn und küsste ihn und küsste ihn. Nur widerwillig löste ich mich von ihm, um Luft zu holen. George hatte mich ganz fest an sich gezogen und mein Tuch gelöst. Es glitt mir von den Schultern und meine Jacke folgte nur wenig später. Wo seine warmen Hände meine Haut berührten, hinterließen sie eine angenehme Gänsehaut. Ich fuhr mit meinen Fingerspitzen über seine Nase und Wange und blieb auf seinen Lippen hängen. Wieso hatten wir diese ganze Zeit verschwendet? Ich fuhr über sein Kinn, an seinem Hals entlang und über seinen Oberkörper. Ich sah zu ihm auf und mir gefiel sein Lächeln, sein leicht geöffneter Mund. Ich fuhr mit meiner Hand unter sein Shirt und fühlte, dass auch er eine Gänsehaut hatte. Er nahm mein Gesicht in beide Hände und sah mich einen langen Moment einfach nur fasziniert an, als sei ich ein kostbarer Schatz, den in Händen zu halten er nie für möglich gehalten hatte. Ich hielt eine Weile inne, aber dann fuhr ich mit meiner Hand doch über seinen Bauch und seine Brust und zog ihm schließlich das Shirt ganz aus. Er grinste mich breit an, küsste mich und half mir aus meinem Oberteil, bevor er meinen Hals küsste und mich damit an den Rand des Wahnsinns trieb. Ich krallte mich in seinem Rücken fest und zog ihn so nah an mich, wie es nur möglich war. Nie wieder würde ich ihn gehen lassen. Wir landeten zunächst im Lagerraum und schließlich dann in seiner Wohnung über dem Geschäft und verbrachten nicht nur eine unvergessliche Nacht miteinander, sondern auch einen wunderschönen Morgen, bis wir beide zur Arbeit mussten. Wir wollten uns gar nicht voneinander verabschieden, aber nach dem bestimmt zwölften Kuss apparierte ich doch schnell zu meinem Arbeitsplatz. Ich wusste ja, dass ich sofort nach getaner Arbeit wieder bei meinem George sein würde. Von nun an für immer. *** THE END *** PS: Wie immer habe ich Anregung bei Grey's Anatomy gesucht und auch gefunden ;-)

33.54 % der User hatten die Auswertung: Profil C Name: Mary Tyrell Geburtstag: 11.09.1979 Jahrgang: Harry Potter Haus: Slytherin Bester Freund: Blaise Zabini. Titel: Geliebter Feind. Story: „Wenn es Probleme gibt, sagt mir Bescheid, Prinzessin.“, meinte Loras und küsste mich auf den Scheitel. Ich sah zu ihm auf und verdrehte spielerisch die Augen: „Was soll es denn für Probleme geben?“ „Jungs.“, antwortete er und fügte dann noch hinzu, dass ich mich doch am besten an den jungen Malfoy halten solle, weil unsere Mutter mit dessen Eltern befreundet war. Mein großer Bruder hatte die Rolle meines Vaters übernommen, seit sich dieser aus dem Staub gemacht hatte. Manchmal fand ich das ja ganz amüsant, aber manchmal nervte es auch einfach nur. So wie jetzt. „Ich halte mich an niemanden. Es wird keine Probleme geben. Und sonst kommst du ja vorbei und löst sie für mich.“, meinte ich kokett und klimperte übertrieben mit meinen Wimpern. Loras musste grinsen: „Du bist wirklich eine Prinzessin.“ „Deine Schuld. Du und Mutter habt mich verzogen und verwöhnt. Und jetzt lass mich Tschüss sagen, bevor ich den Zug verpasse.“, meinte ich und ließ mich in den Arm nehmen. Wir standen schon am Gleis und aus dem Augenwinkel sah ich, dass sich unsere Mutter mit den Malfoys unterhielt. Von deren Sohn war zum Glück nichts zu sehen. Ich hatte nicht viel Gutes von ihm gehört. Außer von meiner Mutter. Sie schwärmte in den höchsten Tönen von ihm. „Und halte Ausschau nach Malfoy. Schließlich bist du neu und er kennt sich bestens aus.“, rief mir meine Mutter zu, bevor ich das Abteilfenster energisch schloss. Endlich Ruhe. Ich hatte ein leeres Abteil ergattert und meinen Koffer verstaut und war einfach froh, jetzt endlich nach Hogwarts zu fahren. Ich hatte ein sehr gutes Leben bei meiner Mutter und meinem Bruder, aber manchmal fühlte ich mich wie im goldenen Käfig eingesperrt. Privatunterricht. Ich hatte keine Beeinträchtigung und alle anderen gingen schließlich auch nach Hogwarts. Jetzt, nach fünf Jahren Privatunterricht, hatte ich es geschafft, sie davon zu überzeugen, dass es mir gut tun würde, auf die Schule zu gehen. Meine Mutter hatte nur zugestimmt, weil Narzissa und Lucius Malfoy ihren Sohn auf der Schule hatten und ich damit dort einen Freund haben würde. Pah! Ich kannte den Kerl ja nicht mal und ich gab mich sicherlich nicht mit jedem ab. Außerdem würde ich in wenigen Tagen siebzehn werden, ich war kein kleines Kind mehr und ich suchte mir meine Freunde selbst aus. Ich wusste, dass meine Mutter es begrüßen würde, wenn mich der Hut nach Slytherin stecken würde. Wenn ich ihn davon überzeugen könnte, würde ich ihr den Gefallen tun. Mir war es egal, in welchem Haus ich landete, aber ich wollte den Haussegen nicht umschmeißen. Die Fahrt verlief eigentlich recht ruhig. Einige jüngere Kinder setzten sich zu mir und ich schätzte, dass sie auch neu waren. Sie sahen mich neugierig an und hätten sicher gern ein Gespräch angefangen und mich mit Fragen gelöchert, also hatte ich mich schlafend gestellt und ihnen zugehört. Kurz vor Hogsmead zog ich den schwarzen Umhang über und stellte mich einfach schon in den Gang. Die Kleinen waren so aus dem Häuschen, dass ich lieber draußen wartete als mir das anzutun. Ich stand nicht lang allein im Gang. Nach und nach kamen die ersten Schüler aus ihren Abteilen und viele warfen mir neugierige und verwunderte Blicke zu. Sie kannten mich schließlich nicht. Aber ich senkte meinen Blick, damit mich keiner ansprach. Ich hatte keine Lust auf unnötigen Small-Talk. Der Zug hielt etwas ruckelnd und beinahe verlor ich das Gleichgewicht. „Vorsicht.“, raunte mir jemand entgegen. Seine Hand lag an meinem Arm und er grinste mich breit an. Ich klimperte mit den Wimpern und lächelte ihn nett an: „Danke.“, dann öffneten sich auch schon die Türen und ich stieg aus, ohne ihn eines weiteren Blickes zu würdigen. Die Erstklässler wurden vom einem riesigen Kerl gerufen. Ich war mir nicht sicher, ob ich auch zu ihm laufen sollte. Aber immerhin war ich ja keine Erstklässlerin, also folgte ich einfach den anderen Schülern. Sie stiegen alle in Kutschen ein, die scheinbar ohne Pferde oder andere Nutztiere fuhren. Die Koffer würden im Schloss auf uns warten. Ich stieg in eine der Kutschen ein und vier Augenpaare sahen mich an. Wie ich das hasste. Am liebten hätte ich sie angefaucht, dass ich sehr wohl wusste, wie hübsch ich war, aber stattdessen lächelte ich wieder aufgesetzt und sagte: „Hi!“ „Wer bist du?“, fragte mich ein Junge mit dunklem Haar und schiefen Zähnen. Er sah sehr lieb aus, aber das sagte ich natürlich nicht. „Ich bin Neville. Neville Longbottom.“, stellte er sich schließlich vor und hielt mir seine Hand hin. Ich sah von seiner Hand zu ihm, nahm sie nicht, setzte mich stattdessen hin und nickte ihm nur zu. Jetzt sahen mich erst Recht alle an, und so entschied ich, mich doch vorzustellen. „Ich bin Mary Tyrell und neu hier.“ Sofort stellten sie mir fragen, stellten sich selbst vor und erklärten mir, dass ich doch bloß nach Gryffindor kommen müsse und auf keinen Fall eine Schlange werden dürfe. Ich lächelte die ganze Zeit nett und dachte mir meinen Teil. Der eine Junge, Dean hieß er, sah ja schon wirklich gut aus, aber das allein konnte wohl kein Grund sein, den heimischen Haussegen zu gefährden. Slytherin war die richtige Wahl, das musste der Hut einfach auch so sehen. Nachdem ich eingeteilt worden war – natürlich nach Slytherin – betrat ich die Große Halle. Die anderen Schüler saßen schon an ihren Tischen und die Erstklässler wurden jetzt eingeteilt. Ich war dankbar, dass ich nicht wie sie vor der ganzen Schule eingeteilt worden war, sondern in Dumbledores Büro. Der Schulleiter zeigte auf den Tisch, an dem ich Platz nehmen sollte und zwinkerte mir noch einmal zu, bevor er zu seinem Platz ging. Ich setzte mich ganz ans Ende des Tisches mit etwas Abstand zu den nächsten Schülern und verfolgte die Zeremonie mit wenig Interesse. In der Mitte des Tisches entdeckte ich schließlich den Jungen aus dem Zug und lächelte ihm zu, bevor ich meinen Blick schnell wieder dem Geschehen zu wand. Wenige Augenblicke später bemerkte ich, dass sich jemand dicht neben mich auf die Bank setzte. Ich seufzte und sah zur Seite in ein Paar sturmgraue Augen. Der Junge hatte platinblondes Haar und war irgendwie blass. Er sah mich interessiert, aber auch etwas überheblich an. „Tja, ich dachte, ich kenne hier alle. Wie konnte ich dich übersehen?“, fragte er und grinste mich selbstsicher an. Ich zuckte mit den Schultern: „Da habe ich wohl einfach Glück gehabt.“ Ich dachte, das würde ihn bremsen, aber er überging es einfach: „Ich bin Draco Malfoy.“ War ja klar. Der hatte mir gerade noch gefehlt. „Nett.“, war deshalb alles, was ich sagte. Meinen Blick hatte ich längst wieder von ihm abgewandt. „Und wie heißt du?“, hakte er nach. Bei Merlin, war der neugierig. Ich seufzte nur, dann sah ich ihn kurz an: „Werde ich dir bestimmt nicht sagen.“, und stand auf. Ich ging um den Tisch rum und lief zu dem Jungen, den ich schon im Zug getroffen hatte. Neben ihm saß ein blondes Mädchen. Ich sah sie an, zog eine Augenbraue nach oben und meinte, sie solle Platz machen. Sie sah mich zwar wütend an, aber als der Junge ihr zunickte, tat sie, wie ihr geheißen und ich setzte mich zufrieden. *** Blaise und ich verstanden uns immer besser und anstatt mich mit Draco Malfoy abzugeben, verbrachte ich die meiste Zeit mit Blaise. Er war ruhig und wusste, was er wollte. Er war einfach eine angenehme Gesellschaft. Malfoy versuchte ständig, mich in Gespräche zu verwickeln, aber ich ließ ihn immer abblitzen. Dadurch gewann ich eine Freundin: Pansy Parkinson. Okay, sie war nicht wirklich eine Freundin, aber sie war mir lieber, als gar keine. Sie schwärmte immerzu von Draco. Er sei so attraktiv und schlau und stark, so toll und was weiß ich. Ich verdrehte jedes Mal die Augen und ließ mich nicht darauf ein. Jeder so, wie er mochte. Nach der ersten Zaubertränke-Stunde sprach mich Professor Slughorn an. Ich hatte keinen blassen Schimmer, was der von mir wollte, aber natürlich blieb ich und hörte es mir an. Blaise hatte mir schon erzählt, dass zuvor Professor Snape Zaubertränke unterrichtet hatte. „Was gibt es denn, Professor?“, fragte ich, als die anderen Schüler den Kerker verlassen hatten. „Ah, Miss Tyrell. Sie sind neu hier, nicht?“ Ich nickte. Professor Slughorn wirkte ein wenig zerstreut auf mich. „Sie hatten Privatunterricht?“, fragte er und wieder nickte ich. „Ah. Ja wirklich, Sie sind sehr begabt. Vielleicht die begabteste Schülerin, die ich je unterrichtet habe.“, meinte er. Es klang, als sei er irgendwo anders und nicht hier im Kerker mit mir. Er räumte die Zutaten, die wir benötigt hatten, ins Regal und das Pergament in seine Tasche. „Vielen Dank.“, sagte ich und lächelte. Ich wusste, ich war nicht schlecht, aber das war doch wirklich mal ein nettes Kompliment. „Wissen Sie, ich gebe am kommenden Wochenende ein Essen. Eine kleine Runde von Schülern aus verschiedenen Jahrgängen und Häusern werden kommen. Ich würde es sehr begrüßen, wenn Sie auch kämen. Das wäre eine wunderbare Möglichkeit für Sie, sich hier schneller einzuleben.“ Jetzt sah er mich an. Seine Augen waren milchig, er wirkte alt. Aber freundlich. Also nickte ich wieder: „Es ist mir eine Ehre, Professor. Vielen Dank.“ Als ich aus dem Klassenzimmer lief, wurde ich prompt von Blaise am Handgelenk gezogen und fand mich in seinen Armen wieder: „Na, was wollte der alte Mann?“ Ich lachte und löste mich aus der Umarmung. Blaise nahm mir meine Tasche ab. Es war herrlich mit ihm, er war so gut erzogen. Ja, ich war eine Prinzessin. Und wirklich verwöhnt. „Er hat mich zu einem Essen eingeladen.“ „Am Wochenende? Ich werde auch dort sein.“, meinte Blaise und zwinkerte mir zu. „Wieso das denn? Ich bin viel besser als du in Zaubertränke.“, empörte ich mich gespielt. Blaise zuckte mit den Schultern: „Ich weiß es auch nicht, aber ich vermute stark, dass es an meiner Mutter liegt. Du weißt schon... Wohlhabend und gutaussehend.“ „Was für eine Leistung.“, meinte ich knapp und lachend liefen wir gemeinsam zur nächsten Stunde. Wie immer setzte sich Blaise neben mich. Ich hatte ihn darum gebeten, weil ich weder Pansys Gerede, noch Malfoy selbst ertrug. Er war so von sich überzeugt, dabei war er in keinem Fach herausragend gut. Er hatte keine Freundin und mir kam es so vor, als habe er auch sonst keine wahren Freunde. Blaise hatte wenig mit ihm zu tun, Pansy himmelte ihn bedingungslos an und mit Crabbe und Goyle konnte man jawohl wirklich nicht viel anfangen. Ich konnte die beiden nicht einmal auseinander halten. Während ich so darüber nachdachte, kam der Eisprinz höchstpersönlich in den Raum. Ich hörte, wie Pansy schmachtend seufzte. Blaise seufzte auch, jedoch eher, weil er nicht verstand, was Pansy an Malfoy fand. Mir ging es auch so. Ich sah mir Malfoy noch einmal richtig an, von oben nach unten. Ja, er war kein hässlicher Vogel. Aber dieser arrogante Blick und die streng nach hinten gekämmten Haare gingen mal gar nicht. Ich sah auf meinen Tisch, bevor Malfoy meinen Blick bemerken konnte und unterhielt mich schließlich angeregt mit Blaise über die Einladung von Slughorn. Sollte der eingebildete Eisprinz ruhig hören, dass auch ich eingeladen worden war. Ich wusste ja, dass er nicht kommen würde. Es gab mir ein Gefühl der Genugtuung. Ich sah zu Malfoy rüber, der neben einem der Gorillas Platz genommen hatte, und grinste ihn überheblich an. Hach, das machte Spaß! Nach der Stunde hatten wir endlich frei. Pansy kam mir hinterher gerannt. Bei Merlin, entweder rannte sie Malfoy hinterher oder mir. „Mary, du bist bei Slughorn eingeladen?“, wollte sie außer Atem wissen. Ich sah sie kurz lächelnd an, lief aber weiter und beantwortete ihre Frage mit einem knappen „Ja.“ Blaise hatte sich verabschiedet und sprach nun mit ein paar Jungen aus unserem Haus. Wahrscheinlich über Quidditch oder Mädchen. „Sag mal Mary, läuft da was zwischen dir und Blaise?“, fragte Pansy. Jetzt blieb ich stehen. „Wie kommst du denn darauf?“ „Ihr zwei seid unzertrennlich. Er trägt sogar deine Tasche.“, kicherte sie. Und dann wurden ihre Augen irgendwie glasig und ich wusste, sie träumte davon, dass Malfoy ihre Tasche tragen würde. „Er ist eben gut erzogen. Und ich mag ihn. Aber nicht so. Nein, da läuft nichts.“, tat ich das Thema ab und lief weiter. Aber wenn Pansy einmal angebissen hatte, ließ sie so schnell nicht locker. Sie hielt Schritt und lief mit mir zu unserem Gemeinschaftsraum, wo wir unsere Taschen abluden und uns in eine gemütliche Couch fallen ließen. Eigentlich war auf der Couch bequem Platz für drei Personen, aber wir setzten uns jeweils an die Armlehnen und platzierten unsere Füße in der Mitte. „Ihr wärt ein schönes Paar!“, schwärmte Pansy weiter. Ich warf ihr ein Kissen an den Kopf und wir lachten. „Du hast Recht. Ein schönes Paar wären wir schon.“, stimmte ich dann zu. Und lachte wieder. „Wer wäre ein schönes Paar?“, fragte da Blaise, der gerade mit einigen anderen Schülern in den Gemeinschaftsraum gekommen war. Malfoy war auch unter ihnen. Pansy grinste und wurde leicht rosa um die Nase. Ich sah Blaise einfach offen an und grinste: „Wir zwei.“ Er sah überrascht aus, aber irgendwie auch übertrieben stolz. Er grinste und ließ uns seine perfekten Zähne sehen. Die anderen Jungs schlugen mit ihm ein, nur Malfoy nicht. Er starrte mich an. Überrascht, perplex und ein wenig... verletzt? Sauer? Was auch immer. „Bilde dir nur nichts darauf ein, Blaise. Soweit wird es niemals kommen.“, entschärfte ich die Situation, aber Blaise grinste mich trotzdem an: „Komm schon. Unsere Kinder wären nicht nur verdammt schlau, sondern auch wunderschön.“ Er zwinkerte mir zu, ich machte eine abwehrende Geste und dann widmete ich mich wieder Pansy und er setzte sich mit seinen Jungs an einen Tisch. Dass auch immer alle denken mussten, man sei ein Paar oder würde noch eins werden. Meine Güte, verstanden die denn alle das System Freundschaft nicht? *** Es war soweit. Professor Slughorn hatte zu einer Weihnachtsfeier in seinen Räumlichkeiten eingeladen. Er hatte uns nahegelegt, gerne eine Verabredung mitzubringen, die nicht zum erlesenen Slug-Club gehörte. Ich hatte mir gar nicht erst die Mühe gemacht, mir eine Begleitung zu suchen. Ich würde allein hingehen. Obwohl Slughorn besonders mich angesehen hatte. Er sorgte sich, weil ich immer nur mit Blaise sprach, wenn wir bei den Abendessen saßen. Hermine Granger saß manchmal neben mir und ich hatte nichts gegen sie, aber wir wechselten dennoch nie ein Wort. Wahrscheinlich war sie neidisch, weil ich in Zaubertränke besser war als sie. Blaise hatte mir erzählt, was für eine unverbesserliche Streberin die Granger war. Ginny Weasley saß immer neben Harry Potter. Ihn hielt ich zwar für einen besonderen Zauberer – immerhin hatte er Du-weißt-schon-wen bereits einige Male geschlagen. Aber etwas an seiner Art mochte ich nicht. Und Ginny sah ihn immer so versonnen an, obwohl sie doch mit diesem Dean ging. Nein, danke. Oh, und ganz zu schweigen von Cormac McLaggen, dem gelackten Idioten. Er saß nur im Slug-Club, weil sein Onkel bekannt war. Weasley, Potter und Granger hatten wenigstens selbst etwas geleistet. Okay, auch Blaise saß nur wegen seiner Mutter hier, aber auf ihn würde ich nicht verzichten können. Schon allein deshalb hatte er eine Daseinsberechtigung. „Tyrell.“, tönte eine Stimme an mein Ohr. Malfoy. Ich drehte mich nicht zu ihm um, sondern steckte mir meinen Ohrring ins Ohr und strich anschließend meine Haare glatt, was bei meinen leichten Locken gar nicht einfach war. „Nimm mich mit. Deine Mutter wäre sicher glücklich darüber.“ Jetzt sah ich doch zu ihm, aber mit einem vernichtenden Blick. Dass er es noch immer nicht aufgegeben hatte, wunderte mich doch sehr. Ich hatte ihm inzwischen fünf Mal eine Absage erteilt. Warum war er so versessen darauf, mit zu dieser dummen Feier zu kommen? Blaise kam auf uns zu und an seinem Arm hing wieder das blonde Mädchen vom Tag meiner Einschulung auf Hogwarts. Daphne Greengrass. Ich beachtete sie nicht weiter. Pansy saß mit verletzter Miene auf der Couch und beobachtete, wie ihr heiliger Malfoy mich schon wieder um ein Date bat. Sie sprach immer weniger mit mir, es wunderte mich nicht. Und ich merkte, dass ich sie gar nicht brauchte. Blaise reichte mir. Ich ging an Malfoy vorbei, der noch immer seine Hand nach mir ausgestreckt hatte, damit ich sie ergreifen und ihn damit zu meiner Begleitung machen konnte. „Da bist du ja. Wollen wir?“, sagte ich glücklich grinsend zu meinem besten Freund und hakte mich bei ihm unter. Daphne sah aus, als würde sie jeden Moment Feuer speien. Blaise sah sie entschuldigend an und legte dann seinen Arm um meine Hüfte, um mit mir den Gemeinschaftsraum zu verlassen. „Was hast du gegen Daphne?“, fragte Blaise mich, als wir schon die Tür zu Slughorns Räumen sehen konnten. Ich zuckte mit den Schultern: „Sie ist so... Unecht. Sie will dich nur, weil deine Mutter reich ist. Sie ist ein dummes Püppchen und du hast was Besseres verdient.“ Blaise verstärkte seinen Griff. Ich musste schmunzeln. „Zum Beispiel dich?“, fragte er schließlich. Ich blieb stehen, kurz vor der Tür, und sah ihn fragend an. Meinte er das ernst? „Du bist sprachlos? Komm schon, du siehst doch auch, wie dich alle ansehen. Vor allem Draco. Du bist was Besonderes, nicht wahr? Aber keine Sorge, du bist meine beste Freundin. Ich passe auf dich auf.“ Ich musste lachen und knuffte ihn sanft aber bestimmt in die Seite. „Du klingst schon fast wie Loras. Ich habe einen Bruder. Und der reicht mir vollkommen. Sei einfach mein bester Freund.“, meinte ich schließlich und gab ihm einen Kuss auf die Wange, den er mir zurück gab. Es war ein gutes Gefühl und mit einem aufrichtigen Lächeln klopfte ich an Professor Slughorns schwerer Tür. „Ah, Miss Tyrell. Mister Zabini. Kommen Sie rein. Mister Potter ist auch schon hier.“, begrüßte uns der Professor und wir traten ein. Der Raum war festlich geschmückt und ich erkannte Neville Longbottom. Er kam auf uns zu und Blaise nahm ihm zwei Gläser ab. Eins reichte er mir und stieß mit mir an. Bevor wir jedoch den ersten prickelnden Schluck nehmen konnten, stand schon der Professor mit erhobenem Glas neben uns. Wir stießen erneut an und tranken endlich. Ich war froh, als es an der Tür klopfte und Slughorn uns allein zurück ließ. Ich sah Blaise an und verdrehte die Augen. Er lachte auf und zog mich mit sich in eine Ecke, in der ein Tisch stand. Wir stellten unsere Gläser ab und sahen uns um. Es waren nicht nur Schüler und Professoren hier, sondern auch einige andere Gäste. Ich sah, wie Hermine Granger mit Cormac McLaggen eintrat und boxte Blaise gegen die Schulter: „Bei Merlin! Ich dachte, sie würde Weasley heiraten!“ Auch Blaise schien überrascht, aber mir fiel schnell auf, dass sich Granger gar nicht wohl fühlte. Mit der Zeit füllten sich die Räumlichkeiten und der Geräuschpegel stieg enorm an. Alle lachten und redeten, Harry Potter versuchte anscheinend, vor Professor Slughorn zu fliehen, der ihn mit allen möglichen Personen vertraut machen wollte. Blaise und ich hatten offenbar den besten Platz ergattert, denn wir konnten das Geschehen beobachten ohne gestört zu werden. Oder wir wurden nur deshalb nicht gestört, weil wir die einzigen beiden Slytherin hier waren. Neben Professor Snape, der uns nur mit einem knappen Nicken zu verstehen gab, dass er uns gesehen und hiermit auch gegrüßt hatte. Der Kerl war mir durchaus suspekt, aber er behandelte mich gut. Ich war wohl seine Lieblingsschülerin oder so etwas. Also beschwerte ich mich auch nicht über ihn oder seine Art. Irgendwann musste ich auf die Toilette und ließ Blaise allein zurück. Als ich mich auf den Rückweg zu ihm machen wollte, erkannte ich Hermine Granger in einer kleinen Nische stehen und sich fast panisch umguckend. „Buh!“, machte ich und trat nah an sie heran. Sie stieß einen kurzen, spitzen Schrei aus. Ich lachte sie offen an. Das war wirklich lustig. Sie sah mich an, als sei ich ein Geist. „War nur ein Scherz. Versteckst du dich vor deiner unfassbar uncharmanten Begleitung?“, fragte ich. Sie sah mich misstrauisch an. Ich konnte es ihr wohl nicht verübeln. Also redete ich einfach weiter: „Ich verstehe gar nicht, warum du ausgerechnet mit diesem Kerl hier bist. Da hättest du auch gleich Malfoy fragen können. Der Kerl ist ähnlich aufdringlich und anstrengend.“ „Du... Du magst Malfoy nicht?“, fragte sie und sah noch überraschter aus, als ich es für möglich gehalten hatte. Ich schüttelte den Kopf. In diesem Moment lief McLaggen an uns vorbei. Granger zog scharf die Luft ein und versteckte sich halb hinter mir. Kaum war er an uns vorbei, ließ sie mich los und sah ein wenig verlegen aus. „Ich fresse dich nicht auf, keine Angst.“, lachte ich. Und jetzt lächelte sie mich auch an. „Hier steckst du!“, sagte McLaggen, der uns doch entdeckt hatte. Granger sagte nichts. Ich stellte mich vor McLaggen und sah ihn an. Er sagte nichts. „Hast du ein Problem?“, fragte ich ihn und stemmte meine Hände in die Hüfte. Er sah mich von oben nach unten an und es schien, als müsse er erst überlegen. Dann sagte er: „Nein.“ „Hast du Feuerwhiskey?“ „Nein.“ „Dann hau ab!“, zickte ich ihn an und machte eine passende Handbewegung, so, als würde ich ihn wegfegen. Er sah verwirrt aus, aber er kehrte uns tatsächlich den Rücken und ging weg. „Wow.“, sagte Granger hinter mir. „Danke, Tyrell.“ „Ich bin Mary.“, meinte ich, drehte mich zu ihr und streckte ihr meine Hand entgegen. „Hermine.“, sie ergriff meine Hand zögerlich und schüttelte sie. Wir grinsten uns an und ich verabschiedete mich, weil ich Blaise nicht zu lange allein lassen wollte. Ich ging auf meinen besten Freund zu und hatte das Gefühl, dass ich mich mit Hermine gut verstehen könnte. Mit einem Mal donnerte die Tür gegen die Wand und Filch kam mit Malfoy im Gepäck in den Raum gestürzt. Er sah so fies aus! Blaise und ich wechselten einen überraschten, aber auch leicht amüsierten Blick miteinander, als Filch berichtete, Malfoy habe sich einschleichen wollen. So toll war diese Party nun wirklich nicht, dachte ich mir und schüttelte den Kopf. Ich sah mich um und erkannte Potter, der alarmiert aussah. Immerhin war Malfoy sein absoluter Feind. Hermine stand in Potters Nähe, Cormac schien sich verabschiedet zu haben. Ich erhaschte Hermines Blick, und sie sah mich fragend an. Woher sollte ich denn wissen, was der Kerl hier wollte? Ich zuckte mit den Schultern und sie tat es mir gleich. Wir erfuhren ohnehin nicht mehr, was der Eisprinz hier wollte, da Professor Snape ihn persönlich hinaus begleitete. *** „Was ist bloß mit Malfoy los? Er isst kaum noch und macht weniger dumme Bemerkungen. Und was wollte er bloß auf Slughorns Feier?“, fragte ich Blaise, als wir auf der Couch saßen. Es war schon spät, die Sperrstunde würden jeden Moment anfangen. Er zuckte bloß mit den Schultern. Pansy saß uns gegenüber in einem Sessel mit hoher Lehne und tat so, als würde sie lesen. Ich wusste, sie tat nur so. Schließlich wurde sie bei der Erwähnung des Namen Malfoy immer hellhörig. Sie zuckte dann kaum merklich zusammen oder sah über den Rand des Buches. „Komm schon Blaise, du kennst ihn länger als ich!“, jammerte ich und schüttelte ihn sanft. Er grinste bloß und sagte ganz emotionslos: „Du findest es bloß seltsam, dass er aufgegeben hat, dich nach Dates zu fragen.“ Das saß. Geht’s noch? Ich war heilfroh darüber. Ich wunderte mich einfach nur darüber, wie er sich verhielt. Selbst Potter, Weasley und Hermine konnten ihn nicht mehr zu miesen Sprüchen hinreißen. Das stank doch gewaltig zum Himmel! „Pff.“, machte ich nur und Blaise grinste noch breiter. Ich würde noch wahnsinnig werden. Pansy sah über den Rand ihres Buches zu uns und als ich ihren Blick fand, blätterte sie geräuschvoll eine Seite um und konzentrierte sich wieder auf das Buch, das sie nebenbei erwähnt falsch herum hielt. „Weißt du etwas, Pansy?“, fragte ich also einfach direkt an sie gewandt. „Entschuldige, Mary. Ich habe nicht zugehört. Worum geht es?“ Blasie lachte schallend. Wie ich ihn kannte, war ihm das Buch auch aufgefallen. „Komm schon Pansy. Du hältst das Buch falsch herum. Du weißt, worüber wir gesprochen haben.“ Sie wurde rot. Fast so, wie das Wappen der Löwen. Sie räusperte sich. „Erzähl Mary doch von unserer Unterhaltung im Zug, Blaise.“, meinte sie und machte Anstalten aufzustehen. Blaise seufzte und sah mich ein wenig genervt an. „Ist schon gut.“, meinte ich zu ihm und schnappte Pansy am Handgelenk, um sie hinter mir her aus dem Gemeinschaftsraum und in einen verlassenen Gang zu zerren. Sie wehrte sich halbherzig. Ich wusste, dass sie sich geehrt fühlte, dass ich das lieber mit ihr als mit Blaise besprechen wollte. Sollte sie doch. „Sag schon, was ist mit der Liebe deines Lebens los?“, kam ich sofort auf den Punkt, als ich mich vergewissert hatte, dass uns niemand sah oder hören konnte. Pansys Wangen färbten sich schon wieder rosig. Bei Merlin! „Ich will nichts von ihm, okay? Also raus mit der Sprache.“, spie ich ein wenig genervt aus. „Warum fragt er immer nur dich nach einer Verabredung? Warum sieht er mich nicht? Bin ich zu dumm für ihn, zu hässlich?“, plapperte Pansy drauf los und ich stöhnte. War das jetzt ihr voller Ernst? Sie bekam sich gar nicht mehr ein und redete in einem Schwall, den ich kaum zu stoppen vermochte. Irgendwann erhob ich dann aber doch meine Stimme, bis mich Pansy schließlich außer Atem ansah und endlich, endlich nicht mehr in den höchsten Tönen von Malfoy redete. „Was willst du bloß von dem? Der Kerl ist wie billiger Feuerwhiskey, der dir Kopfschmerzen bereitet, die du sogar in den Zähnen spürst!“, entrüstete ich mich und ich ermahnte sie, etwas zu entgegnen, als sie leicht empört den Mund öffnete. „Ich will keine Widerrede, Pansy. Ich will nur wissen, was mit dem arroganten Spinner los ist. Er isst kaum, ist noch blasser als sonst und beleidigt nicht einmal mehr Ronald Weasley.“ „Warum fragst du ihn nicht selbst?“, fragte sie zurück und klang verletzt. „Erstens hast du gerade Blaise gesagt, er solle mir erzählen, was im Zug gewesen ist. Zweitens frage ich ihn nicht, weil er sich nichts darauf einbilden soll, dass ich mir Sorgen mache. Und drittens frage ich dich, weil du meine Freundin bist. Also bitte Pansy. Raus mit der Sprache.“ „Er ist einer von ihnen.“ „Wie bitte?“ „Er ist... Du-weißt-schon-wer ist in seinem Elternhaus. Er hat ihn in den Ferien kennen gelernt. Er gehört jetzt dazu.“ Ich hörte Pansys Worte klar und deutlich und ich verstand sie auch. Mir blieb die Luft weg. Ich war geschockt. Das war wie mit allen schlimmen Dingen: Man dachte, das würde einem selbst nie passieren. Draco Malfoy war ein Todesser und kannte Voldemort? Was hatte er sich dabei nur gedacht? Es war eine Sache, jemanden aufgrund seiner Herkunft nieder zu machen. Es war etwas völlig anderes, ein Todesser zu sein. Er würde für den Rest seines Lebens gebranntmarkt sein. Er war der Feind, er war das Böse. Das hatte ich ihm nicht zugetraut. Pansy sah mich besorgt und fragend zugleich an. Sie sagte etwas, aber ich hörte es nicht mehr. Ich hörte nur das Blut in meinen Ohren rauschen und spürte nur wahnsinnige Wut und mächtigen Hass. Mit energischen, schnellen Schritten lief ich zurück zu unserem Gemeinschaftsraum und stürzte hinein. Blaise sagte nichts zu mir. Er erkannte wohl an meinem Ausdruck, dass ich das Geheimnis des Eisprinzen gelöst hatte. Irgendwie war ich wütend auf ihn, weil er es mir nicht gleich gesagt hatte. Was wäre denn gewesen, wenn ich so dumm gewesen wäre und mich auf ihn eingelassen hätte? Blaise hätte mich in die Arme eines Todessers laufen lassen. Ich stapfte wortlos an ihm vorbei und funkelte ihn noch böse an, bevor ich in meinen Schlafsaal verschwand und die Tür laut zuschlug. Verräter. Mistkerl. Ich huschte später wieder aus meinem Schlafsaal, als ich mich versichert hatte, dass die anderen Mädchen schon schliefen. Ich bekam jedenfalls kein Auge zu. Ich ließ das Licht im Gemeinschaftsraum aus, irgendwie war es gemütlich. Ein ganz leichter Schimmer erhellte den Raum ausreichend, um beim Laufen nirgendwo gegen zu stoßen. Ich setzte mich mal wieder auf die Couch. Das war mein ausgesprochener Lieblingsplatz. Ich lehnte mich an und kuschelte mich in eine flauschige Decke und dachte nach. Woher wusste Pansy, dass er ein Todesser war? Hatte sie sein Mal gesehen? War er wirklich so verdammt dumm und hatte es prahlend herum gezeigt? Und warum, warum hatte mir mein bester Freund nichts gesagt? Malfoy war noch so jung. Ja, ich hatte ihn nie gemocht. Aber jetzt verachtete ich ihn. Warum hatte er sein Leben so achtlos weggeworfen? Gab es nichts, das ihm wichtig war? Ich würde noch verrückt werden, wenn ich die ganze Nacht so verbrachte. Gerade hatte ich mich entschieden, jeglichen Gedanken an Blaise oder den Eisprinzen zu verdrängen und in meinem Bett Hippogreife zu zählen, bis mir die Augen zufielen, als ich eine Tür hörte. Ich versteifte mich, wie dumm. Schließlich tat ich hier nichts Verbotenes. Die Tür wurde geschlossen und ein blasser, blonder Junge lief fast an mir vorbei. Im letzten Moment, bevor er den Gemeinschaftsraum verlassen wollte, blieb er stehen und drehte sich langsam zu mir um. „Wo willst du hin, elender Mistkerl? Hast du eine Verabredung mit deinem Meister? Oder musst du nur einen Auftrag ausführen, wie jeder dahergelaufene Botenjunge?“, ich war aufgestanden und hatte meine Hände in die Hüften gestemmt. Meine Güte, war ich geladen. Malfoy sah noch blasser aus als sonst. Wie machte er das nur? Es war, als habe sich jeder Tropfen Blut aus seinem Körper verabschiedet. „Was machst du hier?“, fragte er mich und seine Stimme klang kalt, zitterte aber gehörig. „Lenk nicht ab. Wo willst du hin?“ Er machte einen Schritt auf mich zu und biss die Zähne zusammen. Ich konnte die Bewegung seines Kiefers deutlich sehen. Irgendwie bedrohlich. „Das geht dich gar nichts an.“, meinte er abfällig. Seine Stimme hatte er jetzt besser im Griff. Ich griff blitzschnell zu seinem Handgelenk um den Ärmel hoch zu reißen, doch er war zu schnell für mich. Er hielt mein Handgelenk und verdrehte es leicht. „Au!“, entfuhr es mir. Er grinste etwas spöttisch und ließ mein Handgelenk los, als habe er sich daran verbrannt. „Willst du jetzt durch das Schloss schleichen und versuchen, in die anderen Gemeinschaftsräume zu kommen, um die ahnungslosen Muggelgeborenen im Schlaf zu töten?“, fragte ich und meine Stimme klang bitter und wütend. Eine Sekunde, nur eine kurze Sekunde, sah er aus, als hätte ich ihn ertappt. Dann fing er sich wieder und ich war mir nicht mehr sicher, ob ich das wirklich gesehen oder mir nur eingebildet hatte. „Mach dich nicht lächerlich und geh schlafen.“ Er griff nach meiner Taille und drehte mich um, um mir einen Schubser in Richtung Schlafsaal zu geben. Ich fuhr wieder zu ihm herum und gab ihm eine schallende Ohrfeige. „Fass. Mich. Nicht. An. Todesser.“, zischte ich hysterisch und bedrohlich. Malfoy sah mich wütend an und packte mich blitzschnell. Er zog mich so nah an sich heran, dass ich mich nicht mehr winden und wehren konnte. Meine Hände hielt er auf meinem Rücken fest. Mit nur einer Hand. Er war größer als ich. Eine Strähne seines viel zu hellen Haares fiel ihm in die Stirn und auf einmal sah er verwegen aus. Gar nichts mehr schnöselig und herablassend. Mein Herz schlug mir bis zum Hals. Er hatte mich vollkommen in der Hand. Ich war vielleicht die bessere Hexe, doch er war mir körperlich definitiv überlegen. Er hatte immer so schlaksig gewirkt, aber er hatte eine ganz schöne Kraft. Seine kalte Augen bohrten sich in meine. Er sah mich wütend und genervt an und bevor ich weiter darüber nachdenken konnte, was wohl als nächstes passieren würde, fühlte ich seine Lippen auf meinen. Er war forsch, seine Lippen waren weich und seine Zunge, die nun langsam über meine fuhr, bereitete mir eine Gänsehaut. Ich war wie paralysiert, konnte mich weder bewegen, noch einen klaren Gedanken fassen. Ich spürte nur ihn. Seinen Atem, seinen Kuss. Irgendwann war ich doch in der Lage, diesen intensiven und wenig romantischen Kuss zumindest zu erwidern. Ich wusste nicht einmal, warum ich das tat. Als ich dann realisierte, was ich hier tat und vor allem mit wem, riss ich mich von ihm los. Er war nachlässig geworden, der Kuss hatte seine Kraft weichen lassen. Seine Hand hielt meine nur noch ganz locker und so war es ein leichtes Spiel, mich aus seinem Griff zu befreien. Meine Hand raste erneut auf seine Wange zu, doch dieses Mal fing er sie locker ab. Er sah mir auf die Lippen, dann in meine Augen, ließ meine Hand wieder los und machte sich aus dem Staub. Ich blieb wie angewurzelt stehen. Die Tür fiel in den Rahmen und der Raum war leer und still. Nur der leichte Schimmer erhellte ihn und ich war allein. Die anderen schliefen. Niemand hatte mitbekommen, was hier gerade passiert war. Ich fasste mir an die Lippen und starrte wie verzaubert auf die geschlossene Tür, durch die der Todesser verschwunden war. „Idiotin!“, schimpfte ich schließlich mit mir selbst. Er hatte mich ausgetrickst. Und ich hatte den Kuss auch noch erwidert. Was war nur los mit mir? Ich schüttelte den Gedanken an seine Zunge und seine Lippen von mir und verließ den Gemeinschaftsraum, um mich grübelnd und wenig müde ins Bett zu legen. Pansy schlief und sah friedlich aus. Fast zufrieden. Sicherlich träumte sie von Malfoy. Ich bedauerte sie. Das hatte sie nicht verdient. Sich in einen solchen Mistkerl zu verlieben, der dann auch noch auf die beste Freundin stand. Ich zog den dünnen Vorhang zwischen unseren Betten zu und legte mich hin. Obwohl ich die Augen schloss, eine bequeme Position fand und Hippogreife zählte, bis ich beinahe wahnsinnig wurde, schlafen konnte ich nicht. Was führte Malfoy bloß im Schilde? Und warum, bei Merlins langem grauen Bart, hatte er mich geküsst? *** Dumbledore war in jener Nacht gestorben. Das hatte er vorgehabt. Und ich hatte es vermasselt, ihn abzuhalten. Ich war sauer, unfassbar sauer. Malfoy ließ sich nicht mehr blicken, ich verbrachte mein siebtes Schuljahr mit Blaise und Pansy. Hermine hatte ich seit dem Ende des sechsten Jahres nicht mehr gesehen. Auch Potter und Weasley waren verschwunden. Ich machte mir Sorgen. Zugegebenermaßen mehr um Hermine als um die Jungs, aber das war ja egal. Pansy hatte ich nichts von dem Kuss erzählt, aber ich hatte ihr verboten, in meiner Gegenwart über ihren Eisprinzen zu reden oder gar von ihm zu schwärmen. Ich war mir sicher, dass er Dumbledore hätte töten sollen. Das war sein Auftrag gewesen. Jedes Mal, wenn ich an jene Nacht dachte, wuchs der Hass in mir. Auf ihn, auf Voldemort, auf alle Todesser. Jetzt war es soweit. Die Lehrer hatten begonnen, das Schloss zu schützen. Der Krieg würde nicht mehr lang auf sich warten lassen. Ich lief mit Pansy durch einen Korridor, als uns Potter mit einem seltsam gekleideten Mädchen entgegen kam. Ich kannte sie vom Sehen her, wusste aber nicht, wer sie war. „Potter!“, donnerte ich ihm entgegen. Er blieb stehen und sah mich unsicher an. „Ist Hermine hier irgendwo? Geht es ihr gut?“ Pansy schnappte nach Luft. Sie wusste ja nichts davon, dass ich mich mit Hermine verstand. Potter runzelte die Stirn. „Mary, richtig?“, fragte er schließlich. Ich nickte knapp. „Hermine meinte, du könntest mir vielleicht helfen. Ihr geht es gut.“ „Dir helfen?“, wiederholte ich. Pansy sah mich an, als platze sie gleich. Sie fänd es wohl angemessener, wenn ich ihn mit einem Fluch überwältigen würde. Ich ignorierte sie und ließ mich von Potter und dem blonden Mädchen mitziehen. Er suchte das Diadem der Ravenclaw. Luna, so hieß das seltsame Mädchen, war sich sicher, dass es existierte und er mit dem Hausgeist sprechen müsse. Ich dachte nach. Ja, dass es existierte glaubte ich. Aber der Geist war bekanntermaßen verschlossen und scheu. Die Graue Dame. Kein schmeichelhafter Name für eine junge Frau oder einen weiblichen Geist. „Überleg doch mal. Wo würdest du etwas verschwinden lassen, das du wiederhaben willst? Niemand sonst soll es finden. Klingelt es?“, fragte ich. Potter sah mich an, als verstünde er kein Wort. Na toll. Der Junge, auf dessen Schultern die Hoffnung der ganzen magischen Welt lag, war nicht der schnellste Denker. „Raum der Wünsche.“, hauchte Luna. Sie sah durch mich hindurch, als sei ich gar nicht hier. Ich legte den Kopf schief. Sie war mir suspekt, aber wenigstens war sie schneller als Potter. „Genau. Ab dafür.“, meinte ich in Potters Richtung. Ich wollte mich umdrehen und Blaise suchen, aber Potter hielt mich fest: „Hilf mir suchen. Hermine wird auch dort sein.“ Ich zögerte kurz, folgte ihm dann aber. Luna verließ uns und bog in einen anderen Gang ab. Wir liefen drei Mal auf und ab und der Eingang erschien. Ich hatte von diesem Ort bisher nur gehört und war sehr neugierig, ihn nun zu betreten, zu sehen, in ihm nach einem Diadem zu suchen. Der Anblick, der sich uns bot, machte mir allerdings wirklich wenig Hoffnung. Stapelweise Gerümpel. Alte Bücher, Mäuse, Möbel, Spiegel und alles andere, was irgendwer irgendwann einmal hatte loswerden oder verstecken wollen. Ich seufzte, aber Potter lief sofort weiter und schob einen Sessel zur Seite und suchte in einem Haufen Kleidung. Ich sah mich zunächst ein wenig um. Hier stand wirklich alles. Ich lief umher und suchte nicht wirklich. Dann stießen Hermine und Weasley dazu. Hermine und ich nahmen einander in den Arm, was Weasley mit einer gerümpften Nase kommentierte. Dann ging alles ganz schnell. Potter entdeckte das Diadem und wir stießen auf die Person, die ich von allen am wenigstens vermisst hatte: Malfoy. Blaise war bei ihm. Und einer seiner Gorillas. Ich hatte gar nicht erst versucht, sie auseinander zu halten. Dieser hirnlose Troll feuerte einen Fluch auf uns und wir wurden von Feuerwesen gejagt und auseinander getrieben. Der erste Haufen Bücher begann schnell zu brennen und bald rauchte der ganze Raum. Hermine fand in einer Ecke vier Besen, wie passend. Wir stiegen schleunigst in die Luft und flogen zum Ausgang. Aber als Potter sah, dass Malfoys Gorilla in die Flammen stürzte und verbrannte, ging sein gutes Herz mit ihm durch. Ich flog zu Blaise und zog ihn mit einiger Mühe auf meinen Besen, während Potter Malfoy rettete. Dieser Mistkerl verdiente es nicht, aber ich hatte jetzt andere Sorgen. Es war, als hätten wir es in letzter Sekunde geschafft. Kaum hatte Weasley als letzter von uns den Raum verlassen, fiel die Tür zu und verschmolz wieder zu einer Wand. Ich landete sicher und Blaise bedankte sich überschwänglich bei mir. „Was hast du mit diesem Mistkerl zu schaffen, Blaise?“, herrschte ich meinen besten Freund an. „Er wird es dir erklären.“, sagte Blaise verschwörerisch und ließ mich stehen. Ich sah zu Hermine, deren Hand in Weasleys lag. Hatte ich also doch Recht behalten. Potter sah Malfoy erwartungsvoll an, aber selbstredend machte der keine Anstalten, sich zu bedanken. Er ging einfach an Potter vorbei und kam auf mich zu. Ich setzte gerade zu einer Schimpftirade erster Güte an, als er mich an der Taille packte und grob zu sich zog. In seinen Augen lag Verlangen, vielleicht auch ein wenig Sehnsucht, und Wut. Ich trommelte mit meinen Fäusten auf seiner Brust. Er sollte mich loslassen. Er sah mich überlegen an und grinste siegessicher. Ich hörte Hermines entsetztes Kreischen und dann spürte ich zum zweiten Mal in meinem Leben Draco Malfoys Lippen auf meinen. Der Kuss war nicht weniger forsch als der letzte und auch dieses Mal raubte er mir jede Möglichkeit, mich angemessen zu wehren. Meine Fäuste gaben es schließlich auf, seine Brust zu demolieren. Dennoch übte ich Druck auf ihn aus um mich von ihm zu befreien. Er drückte mich als Antwort einfach noch fester an sich. Woher nahm er bloß diese Kraft? Ich spürte seinen rasenden Herzschlag und seine weichen Lippen, seine großen Hände auf meiner Taille und seine Zunge. Er roch nach Rauch und Zitrus, eine seltsame Mischung. Als er eine Hand in meinen Haaren zu vergraben versuchte, biss ich ihm auf die Unterlippe und nutzte den kurzen Moment des Schocks seinerseits, um mich von ihm zu befreien und loszurennen, ohne mich auch nur ein einziges Mal umzusehen. Ich musste hier weg. Weg von diesem Mistkerl, der mich mit seinen Küssen widerstandsunfähig machen konnte und den ich so sehr hasste. Weg von Hermines geschocktem Blick und Weasleys Kommentaren a la „War ja klar.“ Ich lief und lief, bog um eine Ecke und rannte schließlich beinahe in Professor McGonagall hinein. Die Schlacht war in vollem Gange und ich hatte mich in einer Nische verschanzt, bis ich erkannte, dass es offenbar eine Pause gab. Überall wuselten Gestalten durch die Gänge. Ich lief und ignorierte sie alle. Ich hatte einen Tunnelblick und suchte das Szenario nur nach einer Person ab. Blaise. Ich hoffte, es ging ihm gut. Und auch Hermine schlich sich in meine Hoffnungen. Und natürlich suchte ich nach dem blonden Mistkerl, auch wenn ich das niemals zugeben würde. Ich wollte ihm wehtun. Ihn schlagen. Ihn anschreien. Ihn küssen. Ich lief aus der Halle hinaus und sah Hermine neben Weasley, Potter in den Armen des Wildhüters. Malfoy neben Voldemort. Ich stellte mich neben Hermine, die mich mit roten Augen anlächelte. Weasley sah auch aus, als habe er geweint. Alle sahen geschockt aus. Viele waren verwundet. Ich starrte zu Voldemort und hörte sein Angebot. Malfoy sah sich um. Er suchte die umstehenden Personen ab, als hoffe er, jemanden zu entdecken. Sein Blick blieb an mir hängen und ich hielt seinem Blick Stand. Ich sah ihn an. Gleichgültig, wütend. Seine Mutter rief ihn zu sich. Sein Vater ebenfalls. Voldemort wollte ihn auch in seinen Reihen wissen. Ich bemerkte Hermines Blick, aber ich sah Malfoy weiterhin an. Er schaute fragend, unsicher, fast wie ein kleiner Junge. Er war so blass, wirkte so schlaksig und ausgelaugt, unglücklich und verletzt. Schließlich wand er seinen Blick von mir ab und folgte seinen Eltern auf die falsche Seite. Seine Mutter weinte und nahm ihn in den Arm, sein Vater wirkte erleichtert. Ich kochte vor Wut, ließ mir aber nichts anmerken. Ich sah ihn noch immer an, bis er meinen Blick schließlich erwiderte. Ich schüttelte fassungslos und angewidert den Kopf und wollte mich schon umdrehen, als der schusselige Longbottom vortrat und unser aller Atem ins Stocken geriet. Potter lebte, die Schlange ließ ihren Kopf und Malfoy verschwand wie ein feiger Hund mit seinen Eltern aus dem Getümmel. Und ich stand da, inmitten der schreienden, kämpfenden Menge. Meine Augen waren auf den Blondschopf geheftet, bis Hermine mich mit sich riss und ich anfing, für unsere Zukunft zu kämpfen. Bis Potter Voldemort besiegte und ich ohne nachzudenken einfach apparierte. *** ZEITSPRUNG *** „Mary.“, es war mehr eine Feststellung als eine Frage, obwohl Hermine den Kopf schief gelegt hatte und mich ansah, als sei sie sich nicht sicher. „Darf ich?“, fragte ich zaghaft. Hermine hatte sich verändert. Ihre Haare waren glatter als früher, sie wirkte erwachsener. Ihre Augen waren ernst, aber freundlich. Ich lächelte sie an. Schließlich nickte sie und machte mir den Weg frei. Ich trat ein und zog meinen Mantel aus. Sie nahm ihn mir ab und führte mich anschließend in ein gemütliches Wohnzimmer. „Wie geht es dir?“, fragte sie, als sie mir einen Platz angeboten hatte. „Besser. Entschuldige, dass ich einfach abgehauen bin.“ „Du musst dich nicht entschuldigen. Du hast dich schließlich schon erklärt. Ich habe deine Briefe bekommen.“ Ich nickte. Ich war einfach appariert. Ich hatte mich nicht verabschiedet und ich hatte nur Hermine und Blaise geschrieben. „Ihr habt es schön hier.“, sagte ich und ließ meinen Blick schweifen. Blumen, Kissen und Kerzen bereiteten ein gemütliches Ambiente und ich fühlte mich direkt wohl. „Danke.“ „Wie geht es dir? Was machst du jetzt?“, fragte ich Hermine, als sie mit einem kleinen Tablett aus der Küche zurück kam. Sie stellte eine dampfende Tasse Tee vor mir ab. „Sehr gut. Ich arbeite im Ministerium. Und Ron ist Auror, gemeinsam mit Harry. Aber er hilft auch George im Scherzartikelladen.“ „Wie schön. Du siehst glücklich aus.“, sagte ich und nippte vorsichtig an der heißen Flüssigkeit. „Du auch.“ Ich sah auf und lachte. „Sicher.“, meinte ich ironisch. „Ich meine es ernst!“, empörte sich Hermine. Ich lachte nur noch mehr. „Es geht mir gut, das stimmt. Aber wirklich umwerfend geht es mir nicht. Ich kann die Vergangenheit einfach nicht vergessen. Ich... Ich weiß nicht so recht, warum ich eigentlich hier bin. Also warum ich nach England zurückgekehrt bin. Ich wollte dich sehen. Aber ich weiß nicht, ob ich hier glücklich werden kann.“ Hermine hatte neben mir Platz genommen und legte mir einen Arm um die Schulter: „Hast du Blaise schon besucht?“, fragte sie mich. Ich schüttelte den Kopf. Sie war die erste Person, zu der ich gekommen war. Nach drei Jahren Ausland. Österreich, Rumänien, Frankreich, Ägypten und Mexiko. Kein fester Wohnort, kein fester Partner. Nur Vergessen und Abstand. Und jetzt war ich hier. Saß mit Hermine in ihrer Wohnung, die sie mit Ron bewohnte. Zu Pansy hatte ich keinen Kontakt mehr. Ich hatte das Gefühl, Hermine sei meine einzige Freundin, obwohl wir uns kaum kannten. Sie hatte mich nicht verurteilt. Ich hatte ihr aus der Situation mit McLaggen geholfen und wir hatten miteinander gelacht. Ich hatte sie vermisst. „Darf ich dich etwas fragen?“ Ich stellte die heiße Tasse ab und nickte ihr zu. Ich war mir sicher, dass ich wusste, was sie fragen wollte. Ich hatte sie in meinem ersten Brief darum gebeten, das Thema nicht anzusprechen und mir einfach zu glauben, dass ich meine Meinung nicht geändert hatte. Aber das war jetzt drei Jahre her. Sicher dachte sie, ich sei darüber hinweg. Aber ich war noch immer wütend und ich konnte es einfach nicht vergessen. „Was war damals zwischen dir und Malfoy? Weißt du, Harry besucht seine Familie regelmäßig, um sicherzugehen, dass sie der dunklen Magie tatsächlich abgeschworen haben. Er hat gesagt, Malfoy sähe schrecklich aus.“ Ich spürte ihren Blick auf mir, aber ich tat so, als habe ich nur die Frage gehört und den Rest nicht: „Ich verstehe es auch nicht. Ich habe ihn wirklich gehasst und zur Rede gestellt, als Pansy mir erzählt hatte, dass er ein Todesser geworden ist. Er hat mich geküsst und ist dann einfach abgehauen. Später in der Nacht haben wir dann erfahren, dass Dumbledore tot sei. Ich weiß einfach, dass es seine Aufgabe war. Auch wenn Snape ihn getötet hat. Danach habe ich ihn erst im Raum der Wünsche wiedergesehen. Als er mich wieder geküsst hat. Ich weiß nicht, was da war. Ich bin noch immer verwirrt. Er ist einfach gegangen. So ein elender, feiger Mistkerl!“ Ich hatte mich in Rage geredet und sah Hermine entschuldigend an. Sie lächelte matt. „Er hat Schuldgefühle.“, sagte sie. Die Worte kamen trotz meines antrainierten Schutzschildes bei mir an und trieben mir die Tränen in die Augen. „Ich hasse ihn.“, war alles, was ich heraus brachte. *** Seit zwei Wochen war ich nun zurück und saß gerade bei Blaise am Frühstückstisch, als es an der Tür läutete. Blaise hatte seine Villa so geschützt, dass niemand einfach hinein oder hinaus apparieren konnte. Er sah mich überrascht an und stellte seinen Kürbissaft ab. Dann stand er auf, weil es ein zweites Mal läutete, wuschelte mir durch die Haare und lief zur Tür. Ich richtete meine Frisur und stocherte ein wenig lustlos in meinem Müsli herum. Ich hörte gedämpfte Stimmen in der Eingangshalle, dachte mir aber nichts dabei. Vielleicht ein Kollege, der Blaise in seinem wohlverdienten Urlaub störte. Es klang, als würden sie sich streiten. Ich stand auf und stellte meine Schüssel ins Waschbecken. Dann zückte ich meinen Zauberstab und ließ das restliche Geschirr vom Küchentisch folgen. Geschickt bewegte ich den Stab und überwachte den Abwasch, der sich wie von Zauberhand selbst machte. Die Stimmen wurden lauter. Blaise knurrte wie ein wütender Wachhund und ich musste schmunzeln. Als der Abwasch erledigt und das Geschirr im Schrank verstaut war, entschied ich, nachzusehen, wer unser Frühstück torpediert hatte. „Hör zu, es ist besser, du gehst einfach wieder. Sie hat damit abgeschlossen. Mach sie nicht unglücklich.“, hörte ich Blaise sagen. Ich hätte keinen weiteren Schritt gehen müssen, um zu wissen, wer geläutet hatte und im Türrahmen stand. Aber ich ging trotzdem weiter. Mein Körper lief, ohne dass mein Gehirn einen Befehl gegeben hatte. Ich lief wie auf Eiern, fühlte mich, wie in Watte eingepackt und als ich ihn dann schließlich sah, sackten meine Knie beinahe weg. Er war größer geworden, aber noch immer schlaksig. Seine blonden Haare waren etwas länger geworden und er trug sie zerzaust statt nach hinten gekämmt. Er war noch immer schrecklich blass. Potter hatte Recht gehabt: Er sah schrecklich aus. Krank. Unglücklich. Leidend. Ich hatte mir eingeredet, es würde mich befriedigen, ihn so zu sehen. Zu sehen, dass er unter seiner Entscheidung litt. Aber ich fühlte mich mies. Es war so offensichtlich, dass es ihm nicht gut ging, dass ich ihn am liebsten in den Arm genommen hätte, aber ich hielt mich dezent im Hintergrund. Weder er noch Blaise hatten mich bisher bemerkt. „Komm schon, Blaise. Granger hat mir gesagt, sie wäre bei dir. Ich will mich nur entschuldigen.“, sagte Malfoy. Seine Stimme zitterte nicht. Er klang erschöpft, müde, traurig. Die erste Träne suchte sich ihren Weg über meine Wange und ich strich sie hastig weg. Blaise sah zur Seite und schüttelte leicht den Kopf. Er wollte die Tür schließen, aber Malfoy stemmte seinen Arm dagegen. Er hob seinen Blick und fand mich, hab versteckt hinter der Küchentür und mit nackten Füßen. Es war, als würde er nach Jahren der Dunkelheit das erste Mal wieder die Sonne sehen. Seine Augen erhellten sich, die Augenringe waren wie weggezaubert und ich sah förmlich, wie das Blut durch seine Adern pulsierte. Blaise sah von Malfoy zu mir und wieder zurück. Dann hob er die Hände, als würde er sich ergeben: „Ich lass euch wohl mal allein.“, sagte er und lief zur Treppe, die in den ersten Stock führte. Ich stand wie angewurzelt da. Meine Füße waren kalt. Malfoy stand noch immer im Türrahmen und sah mich an, als sei ich ein Wunder, als könne er nicht fassen, dass ich tatsächlich hier war. Langsam schloss er die Tür, nur um sie sogleich wieder zu öffnen. Er wirkte unentschlossen. „Willst du wieder einfach gehen? Wie der feige Hund, der du vor drei Jahren warst?“, fragte ich mit kratziger Stimme. Ich musste mich wirklich zusammenreißen. Die Tür krachte in den Rahmen und Malfoy sah mich aus zu Schlitzen verengten Augen an. Ich hatte den Drachen geweckt. „Du wolltest dich entschuldigen. Also los. Ich habe nicht den ganzen Tag Zeit.“, provozierte ich ihn. Ich wusste einfach nicht, wie ich mich sonst hätte verhalten sollen. Ich wollte mich in seine Arme werfen, sehen, ob er das Mal noch immer trug, oder ob es bereits verblasst war. Ich wollte sichergehen, dass es ihm gut ging, aber ich wollte auch auf gar keinen Fall über meinen Schatten springen. Er war derjenige, der Mist gebaut hatte, nicht ich. Ich würde es ihm sicherlich nicht leicht machen. Mit drei langen Schritten stand er vor mir. Dieses Mal roch er einfach nur nach frischer Luft. So rein und frisch, einfach gut. Er sah mich an und ich war sofort wie gefesselt. Er übte eine seltsame Anziehungskraft auf mich aus. Ich sah ihn erwartungsvoll an. Ich hatte so viele Fragen, so viele Anschuldigungen, so viel Wut. Aber ich hielt mich zurück, sagte nichts. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bis er endlich den Mund aufmachte. Und gleich wieder schloss. Der trieb mich noch in den Wahnsinn! „Bei Merlin, Draco. Sag endlich, was du sagen willst. Dass du ein elender Mistkerl bist und dich nicht geändert hast. Dass du zwar bereust, was du getan hast, es aber wieder tun würdest. Weil du ein Feigling bist.“, sprudelte es aus mir heraus. Ich sah, dass ihn meine Worte erreichten und trafen. Er sah mich wütend an: „Was willst du eigentlich von mir? Du hast mich von Anfang an gehasst. Und jetzt erwartest du, dass ich vor dir zu Kreuze krieche? Was denkst du eigentlich, wer du bist?“ Ich war empört, geschockt, aber irgendwie froh, dass er endlich etwas sagte. Ich schnaubte verächtlich und schlug ihm schließlich gegen den Oberarm. Er packte mich am Handgelenk. „Verdammt, Mary. Es tut mir Leid, okay? Ich wollte das alles nicht. Niemals. Ich war ein Feigling, ein Mistkerl, ein verdammter Idiot. Ich habe das nur für meine Familie getan. Du hättest mich zurückhalten können. Aber du hast es nicht. Das war für mich ein Zeichen. Nichts würde mich auf Potters Seite halten außer dir. Du wolltest mich nicht. Also bin ich gegangen. Feige nennst du mich. Okay. Damit kann ich leben. Aber kannst du es auch?“ Er war immer näher gekommen. Jetzt hielt er meine Hände in seinen. Ich musste den Impuls unterdrücken, meine Arme um seinen Nacken zu werfen und ihn zu küssen. Er entschuldigte sich bei mir. Aber Moment. Was hatte er damit gemeint? „Was?“, fragte ich einfach. „Du bist auch feige. Du hast dich in einer Nische versteckt, statt zu kämpfen. Du hast mich gehen lassen, nur weil du nicht zugeben wolltest, dass du mich willst. Nicht wahr? Ich bin vielleicht feige, aber ich bin kein Idiot. Du hast mich genauso geküsst wie ich dich. Du willst mich. Die Frage ist nur, ob du auch über deinen feigen Schatten springen kannst und es dir eingestehen willst.“, sagte er und grinste dabei schelmisch. Ich war verblüfft. Sprachlos. Er nannte mich feige. Er sagte einfach so, dass er dachte, ich stünde auf ihn. Was dachte der sich eigentlich dabei? Er sah mich herausfordernd an, während es in meinem Hirn ratterte. Hatte er Recht? Wollte ich ihn? Mehr als bisher? Wollte ich nur einen weiteren Kuss, oder hatte ich mein ganzes Herz bereits an ihn verloren, als er mich im Gemeinschaftsraum geküsst hatte? Ich war verwirrt. Die Welt um mich herum drehte sich zu schnell. In meinen Ohren rauschte es. Ich dachte an die Momente mit ihm, an den Tag, an dem ich nach Hogwarts gekommen war und ihn abserviert hatte. An die Blicke, die er mir immer zugeworfen hatte. An Blaises Vorwurf, ich hätte mir nur Sorgen um Draco gemacht, weil er aufgehört hatte, mir den Hof zu machen War das wirklich wahr? War ich so von mir selbst eingenommen? Dass ich angefangen hatte, Malfoy bei seinem Vornamen zu nennen, war mir gar nicht aufgefallen. Aber mir fiel auf, dass Draco meine Hände losließ und seufzte. Er ließ den Kopf hängen und kehrte mir den Rücken zu. Er ging zur Tür. Zum ersten Mal in meinem Leben dachte ich nicht nach. Ich holte ihn ein, nahm sein Gesicht in meine Hände und küsste ihn voller Sehnsucht, voller Leidenschaft und voller Hoffnung. Mein Magen spielte verrückt. So fühlten sich also Schmetterlinge an. Drei Jahre waren vergangen, aber seine Küsse würde ich überall wiedererkennen. Er stutzte zunächst, hob mich dann aber leicht hoch und grinste in den Kuss hinein. „Ich habe dich vermisst.“, gab ich schließlich zu, als er mich wieder abgesetzt hatte. „Elender Mistkerl.“ „Arrogante Prinzessin.“ „Feigling.“ „Selber!“ Kurz funkelten wir uns fast böse an, dann grinsten wir und küssten uns erneut. Es dauerte eine Weile, bis ich ihm wirklich verzeihen konnte, was er getan hatte. Aber ich lernte, sein Handeln zu verstehen. Er machte mir wieder den Hof, schenkte mir Blumen und lud mich zum Essen ein. Seine Eltern lernte ich aber erst einmal nicht kennen. Seine Mutter würde ich mögen, sagte er immer wieder. Vielleicht würde ich sie irgendwann in mein Herz schließen. Aber nur, wenn er lernen würde, Hermine als Teil meines Lebens zu akzeptieren. Wir hatten eine Menge Arbeit vor uns, aber wir hatten uns entschieden, über unsere Schatten zu springen und der Arbeit den Kampf anzusagen. Gemeinsam. Für immer. *** THE END *** PS: Wie immer habe ich Anregung bei Grey's Anatomy gesucht und auch gefunden ;-)