Die Statistik vom Quiz

My Hogwarts Romance

33.63 % der User hatten die Auswertung: Profil A Name: Lumen Ann Pierce. Geburtstag: 10.10.1979 Familie: Familie nicht magisch, gutes Verhältnis zu den Eltern, keine Geschwister. Jahrgang: Harry Potter. Haus: Gryffindor. Freunde: Hermine Granger, Ron Weasley, Harry Potter. Titel: One step too far. Story: Die Feier bei Professor Slughorn stand an und ich hatte keinen Partner. Hermine ging mit Cormac McLaggen und Harry kam gar nicht auf die Idee, mich zu fragen. Am liebsten hätte ich Ron gebeten, mich zu begleiten, aber dann hätte ich wohl ziemlich viel Stress am Hals. Lavender Brown mochte mich ohnehin schon nicht besonders gern – was auf Gegenseitigkeit beruhte – und Hermine wäre sicher beleidigt, wenn ich Ron fragen würde. Ich hasste es, dass die beiden nicht miteinander sprachen. Mir ging es ganz ähnlich wie Harry, der zwischen den Stühlen saß. Okay, ich war Hermines bester Freundin, aber eigentlich waren wir vier ein eingespieltes Team. Ron kam also nicht in Frage. Dean ging mit Ginny und Seamus war mir zu unlustig. Ich seufzte und legte mein Buch beiseite. Ich sah mich im Raum um. Hermine saß in einem Sessel und konzentrierte sich sichtlich auf ihren Aufsatz, bedacht, nicht in die andere Ecke zu sehen, in der sich Ron mit Lavender vergnügte. Harry saß neben mir und blätterte wiederholt durch das Buch des sogenannten Halbblutprinzen. Ich fand es nicht gut. Es freute mich für Harry, dass ihm das Buch half, aber wir hatten schließlich keine guten Erfahrungen mit seltsamen Büchern gemacht. Harry wollte davon nichts hören und ich hatte aufgegeben, ihn darauf anzusprechen. Schlimm genug, dass Ron und Hermine nicht miteinander sprachen. Ich entschied, eine Runde über die Ländereien zu gehen und vielleicht Hagrid zu besuchen. Vielleicht hatte ich ja Glück und ich traf jemanden, den ich zur Feier einladen konnte. Auch wenn es mir lieber wäre, eingeladen zu werden. „Ich gehe dann mal eine Runde raus. Kommst du mit?“, fragte ich an Hermine gewandt, aber die schüttelte abwesend den Kopf. „Was ist mit dir, Harry?“ „Nein, danke. Ich bleibe hier und sorge dafür, dass Hermines Kopf nicht gleich explodiert.“, meinte er und grinste schwach. Ja, Hermine sah wirklich nicht gut aus. Sie war in letzter Zeit immer geladen und ganz schlecht auf Ron zu sprechen. Und wenn sie Lavender hörte, schnaubte sie neuerdings immer. So auch jetzt. „Das wird sicher schrecklich. Die Stimmung ist angespannt und kalt und gefährlich. Das ist, als würde man eine Bombe entschärfen. In einem Spukschloss, das auf einem Minenfeld gebaut wurde, auf dem es von Dementoren nur so wimmelt...“, meinte ich verschwörerisch. „Ach hör auf, das wird schon.“ „Du musst sie bändigen. Oder du wirst sterben. Wir werden alle sterben. Ihr Hass zerstört noch das Schloss und dann die ganze Welt. Ich verlasse mich auf dich, Harry. Viel Glück.“, sagte ich dann und drehte mich schon um, als Harry hinter mir her rief: „Du hättest bei Professor Trelawney bleiben sollen. Du bist genau so optimistisch wie sie!“ Ich musste lachen, drehte mich noch einmal um und zwinkerte Harry zu, bevor ich durch das Portaitloch stieg und die Gänge entlang zum Ausgang schlenderte. Ich ließ mir die frische Luft um die Ohren wehen und genoss es. Ich entdeckte natürlich niemanden, von dem ich zur Feier eingeladen werden wollte. Es gingen aber auch nur uninteressante Kerle dort hin. Ich war froh, dass Ginny und Hermine hin gingen und Harry. Selbst wenn ich keine Begleitung haben sollte, würde ich mich amüsieren. Als mir schließlich doch etwas kalt wurde und ich Hagrid bereits einen Besuch abgestattet hatte, beschloss ich, zurück ins Schloss zu gehen. Sicherlich gab es gleich Essen. Ich lief gerade auf das große Tor zu, als ich Ron und Lavender entdeckte. Sie hatten ihre Knutscherei also vom Gemeinschaftsraum an die frische Luft verlagert. Ich schauderte. Ich fand das Ganze reichlich absurd. Lavender hatte sich nie für Ron interessiert und umgekehrt. Ich war mir immer sicher gewesen, dass Ron Hermine bevorzugte, aber so sicher war ich mir da jetzt nicht mehr. Es war offensichtlich, dass Hermine verletzt war, aber Ron bekam das natürlich nicht mit. Ich wollte die beiden miteinander verschlungenen Turteltauben eigentlich ignorieren, aber auf halbem Weg rief Ron meinen Namen. Ein Teil von mir wollte einfach weiterlaufen. Ich wusste, Hermine wäre stolz auf mich wenn ich das täte. Aber ich blieb stehen und drehte mich um. Er war eben auch mein Freund. So kam es, dass wir schließlich gemeinsam in die Große Halle gingen. Neben mir Ron und an seinen Arm geheftet Lavender. Ich verdrehte nur genervt die Augen, als ich sah, wie sie sich festgeklammert hatte. Hermine und Harry saßen schon an unserem Tisch und um etwas Abstand zwischen mich und Lavender zu bringen, setzte ich mich natürlich zu meiner besten Freundin. „Oh, Hermine, denkst du...“, ich hatte den Satz noch nicht beendet, da stand sie wortlos auf und setzte sich auf die andere Seite des Tisches zu Ginny und Dean. Ginny sah mich fragend an und ich konnte nur mit den Schultern zucken. „Hermine! Ich bin deine beste Freundin, du musst mit mir sprechen!“, rief ich ihr jetzt zu. Sie sah mich nur kurz an: „Ich weise deine Annahme zurück.“ So nicht. Nicht mit mir. „Und ich lehne deine Zurückweisung ab.“, gab ich zurück. „Und ich ignoriere deine Ablehnung meiner Zurückweisung.“, sagte sie und widmete sich ihrem Essen. Ich saß da und starrte sie entgeistert an. Sie konnte doch nicht sauer auf mich sein, nur weil ich mit Ron und Lavender zeitgleich in die Halle gekommen war? Harry sah mich an und ich wusste, dass er die Situation so langsam auch mehr als anstrengend fand. *** Ich hatte mich mit Hermine vertragen. Sie hatte schließlich jemanden gebraucht, der ihr Cormac McLaggen vom Hals hielt. Sie meinte, selbst Grawp sei ein Gentleman neben ihm. Da war ich mir ja nicht so sicher... Gerade ließ ich mich ihr zuliebe von ihm dicht quatschen lassen und mir wurde klar, dass es die beste Idee überhaupt gewesen war, ohne Begleitung zu kommen. Er hatte bereits mit seinen herausragenden Qualitäten als Hüter geprahlt und über Harry geschimpft, weil der ja Ron ausgewählt hatte. Und nun versuchte er, mir zu erklären, warum ich mit ihm hätte zur Feier gehen sollen. Aha, und warum hatte er mich dann nicht gefragt? War ja auch egal. Ich fand ihn schon attraktiv, aber ich fand ich auch anstrengend. Wie viel Selbstbewusstsein konnte denn eine Person allein haben? „Hör mal...“, fing ich gerade an, aber er überging das einfach und lächelte mir gewinnend zu. Ja, verdammt, dieses Lächeln gehörte in die Werbung! Ich hörte ihm halbwegs zu, nickte ab und an, schaute mich aber eigentlich nach Harry, Ginny und Dean um. Ich sah niemanden. „Warum spielst du kein Quidditch?“, fragte McLaggen auf einmal. Er fragte mich etwas? Ich kannte ihn ja nicht wirklich, aber ich hatte bisher nur mitbekommen, dass er viel über sich selbst redete und kaum Interesse an anderen zeigte. Aber man sollte ja schließlich nicht so viele Vorurteile haben, nicht wahr? „Ich bin eben keine Sportskanone.“, meinte ich schlicht. McLaggen betrachtete mich von oben bis unten und sagte dann: „Sieht aber so aus.“ „Das nehme ich mal als Kompliment.“, entgegnete ich und er nickte. Wieder dieses Lächeln. Kein Wunder, dass ihm so viele Mädchen hinterher sahen, wenn er die Große Halle verließ. „Würdest du mich denn anfeuern, wenn ich der Hüter wäre?“, fragte er dann und kam etwas näher. Er stützte seinen Arm an der Wand ab und lehnte sich zu mir. Ich blieb unbeeindruckt und hielt seinem Blick stand: „Ich sehe mir doch ohnehin jedes Spiel an. Ich bin immer für Gryffindor.“ Jetzt sah er fast etwas enttäuscht aus. „Du wirst schon noch zum Einsatz kommen.“, versuchte ich ihn aufzumuntern. Es klappte. „Hoffentlich. Schließlich ist das mein letztes Jahr.“ Ich nickte nur und nahm mir ein Glas Saft vom Tablett, das an uns vorbei getragen wurde. McLaggen schnappte sich auch ein Glas, allerdings Bowle, und stieß mit mir an: „Ich bin Cormac.“ Am liebsten hätte ich gesagt, dass ich das doch wusste, aber mir war klar, dass er wollte, dass wir uns nicht mehr nur beim Nachnamen ansprachen. Irgendwie mochte ich ihn. Er war ehrlich und direkt, und auch wenn er wusste, was er für eine Ausstrahlung hatte, nutzte er das nicht aus. „Lumen. Prost!“, lachte ich und trank einen Schluck. McLaggen, ach Quatsch, Cormac ließ mich keine Sekunde aus den Augen und machte mich damit doch etwas nervös. Ich mochte seine Augen, aber in seinem Blick lag so etwas eindringliches. Ich musste wegsehen. Ich war eigentlich wirklich nicht schüchtern oder schnell klein zu kriegen, aber dieser Blick war mir eine Spur zu intensiv. Ich sah mich also erneut im Raum um und bekam nur deshalb mit, dass Draco Malfoy von Filch herein gebracht worden war und nun mit Snape wieder ging. Ich sah außerdem Harrys Blick und wusste, er würde es sich nicht nehmen lassen, den beiden hinterher zu gehen. „Wir sehen uns bestimmt die Tage, Cormac. Ich bin müde und werde jetzt gehen. War aber nett mit dir.“, sagte ich und lächelte ihn an. Er hatte seinen Blick immer noch nicht abgewendet. Seine Augen bohrten sich förmlich in meine und für einen kurzen Moment wollte ich mich an ihn schmiegen und seine Lippen auf meinen spüren. Lumen!, ermahnte ich mich selbst und zwang mich, wieder klar zu denken. Ich kannte ihn doch kaum. Cormac schmunzelte, als wüsste er, was ich gerade gedacht hatte. Okay, wahrscheinlich kannte er diesen Blick bereits auf dem Gesicht eines Mädchens. „Schade. Wenn du magst, begleite ich dich noch.“, sagte er schließlich, aber ich schüttelte den Kopf: „Du bist mit Hermine hier, schon vergessen?“ „Wo steckt die eigentlich?“, fragte er und sah sich nach ihr um. Ich nutzte die Gelegenheit und stahl mich davon, darauf bedacht, Slughorn nicht zu nahe zu kommen. Wenn er anfing zu reden, hörte er so schnell nicht auf und er hörte sich selbst so gern reden. Nein, ich musste jetzt einen klaren Kopf bekommen und lief deshalb schnellen Schrittes durch die kühlen Korridore bis zur Fetten Dame, die nur auf das Passwort wartete und dann den Weg in den Gemeinschaftsraum freigab. *** Ich hatte seit der Feier immer mal wieder mit Cormac gesprochen und ich mochte ihn mittlerweile wirklich gern. Er war überhaupt kein Aufreisser oder eingebildeter Schnösel, wenn man ihn erst einmal besser kennen lernte. Ja, genau das hatte ich von ihm gedacht, als ich ihn das erste Mal bei einem Treffen bei Slughorn reden gehört hatte. Wer weiß, was einige von mir dachten, wenn sie mich das erste Mal sahen oder reden hörten. Hermine war auf den ersten Blick für alle nur die ehrgeizige Streberin, Ron der tollpatschige Schatten vom berühmten Harry Potter und Harry war eben der Auserwählte, der Junge, der überlebt hatte und so weiter. Vielleicht war ich dann die unscheinbare graue Maus in diesem Vierergespann, oder das hübsche Mädchen, das nicht viel konnte, außer gut aussehen. Ich war mir tatsächlich unsicher, warum genau Slughorn mich für seinen Club auserwählt hatte. Ich hatte keine berühmten Eltern oder Geschwister, ich war nicht Hermine, spielte kein Quidditch. Vielleicht lag es tatsächlich schlichtweg an meinem Aussehen. Ohne eingebildet klingen zu wollen: Ich wusste, dass ich gut aussah. Zumindest hörte ich das immer und immer wieder. Von meinen Eltern, von meinen Freunden, von Jungs, von fremden Menschen. Ich fand mich nicht überragend schön, aber ich war zufrieden und sah zu, dass es auch so blieb. Obwohl ich eine bekannte Schwäche für Schokofrösche hatte... „Harry sucht dich. Er muss dringend mit dir sprechen.“, holte mich Parvati aus meinen Gedanken. „Wo ist er denn?“ „Im Gemeinschaftsraum.“ Ich machte mich sofort auf den Weg. Ron und Hermine hatten das Kriegsbeil zwar wieder vergraben, aber wer wusste schon, wie lange das halten würde? Ich beeilte mich wirklich und rannte auf dem Weg in Ginny rein, die mir hinterher zickte, als ich ihr über die Schulter eine Entschuldigung zurief. Das würde sie schon verstehen. Ich machte vor dem Portrait halt und musste erst einmal tief Luft holen, bevor ich in der Lage war, das Passwort zu sagen und durch das Loch zu klettern. Der Gemeinschaftsraum war relativ leer. Die meisten waren bei dem schönen Wetter wohl draußen, oder wie Hermine in der Bibliothek. Dort hatten sich unsere Wege getrennt. Ich ging zwar auch in die Bibliothek, aber nicht so exzessiv wie Hermine. Harry saß auf dem Sofa und ich ließ mich neben ihn sacken. Er schreckte hoch. „An wen hast du denn gerade gedacht?“, neckte ich ihn und für einen kurzen Moment huschte ein hellroter Schimmer über seine Wangen und Ohren. Ich hatte die Blicke bemerkt, die er Ginny zuwarf. „Was? An niemanden.“, meinte er hastig und ich lachte auf. Seamus drehte sich zu mir um. Das tat er ständig, wenn ich lachte. Ich sah schnell weg. Der sollte sich ja nichts einbilden. Er war ja wirklich nett, aber so gar nicht mein Typ. „Was gibt es denn so dringendes, dass ich auf dem Weg hier her Ginny fast von den Füßen gehauen hätte?“, fragte ich belustigt. Wieder dieser Schimmer auf Harrys Gesicht. Das war ja mal süß. „Ich, ähm, nun ja. Du kennst doch McLaggen ganz gut, oder?“, fragte er und schien noch zu überlegen, was er als nächstes sagen sollte. Ich nickte nur und sah ihn fragend an. „Ich weiß einfach nicht, was ich tun soll. Der nervt. Er lauert mir überall auf und redet auf mich ein.“ Harry sah mich gequält an. Er hatte es aber auch nicht leicht. Ich musste unweigerlich an Colin Creevey denken oder an die Maulende Myrthe. Oder neuerdings an Romilda Vane. „Du hast dich für Ron entschieden. Ende der Diskussion.“, meinte ich schlicht. „Das habe ich ihm auch schon gesagt. Aber der hört nur, was er hören will.“ „Okay. Ich rede mit ihm.“, sagte ich schließlich und machte es mir bequemer. „Danke.“ Wir redeten noch eine Weile über dies und das und er fragte mich, was er wegen Slughorn und der Erinnerung machen sollte. Wir hatten das ja schon besprochen, aber ich bekräftigte ihn noch einmal in dem Vorhaben, mit Ron zu ihm zu gehen. Schließlich stand ich auf. Bald würde es Abendessen geben und ich wollte vorher mit Cormac reden. „Moment mal. Du hast mich herbestellt, damit ich für dich mit McLaggen rede, richtig?“ „Ja, und du machst es sogar.“, grinste Harry. „Nicht schlecht.“, sagte ich anerkennend, klopfte ihm auf die Schulter und machte mich auf den Weg zum Quidditchfeld. Ich wusste, dass Cormac seine Freizeit am liebsten dort verbrachte. Als ich gerade aus dem Portraitloch stieg, kam mir Ron entgegen und hatte rote Flecken im Gesicht. „Was ist denn mit dir los?“, fragte ich ihn und blieb stehen. Er schnaufte und sah sich wütend um. „McLaggen.“, war alles, was er hervor pressen konnte. Oh man. „Ich wollte gerade zu ihm und mit ihm reden. Er geht Harry ziemlich auf den Keks, weil du der Hüter bist.“ Wieder ein Schnaufen von Ron. Ich musste kichern, was er mit einem finsteren Blick quittierte. „Das wird schon.“, meinte ich und wollte gerade los, als Ron sagte: „Was willst du eigentlich von dem? Das ist ein mieser Schleimbeutel.“ Na super. Kaum hatte er sich mit Hermine vertragen, musste er mich blöd von der Seite an quatschen? Bei aller Liebe. Feingefühl hatte Ronald Weasley wirklich nicht. „Ich will nichts von ihm, er ist bloß ein Freund. Und keine Angst, dich mag ich viel lieber.“, sagte ich zickig, streckte ihm die Zunge raus und ließ ihn stehen. Würde ich länger bleiben, würde ich Feuer speien. Ich hasste es, wenn er so voller Vorurteile war. Ja, Cormac war ihm gegenüber nicht nett, aber das hieß ja nicht, dass er zu mir genau so war. Ach, die Männer waren echt anstrengend! „Lumen!“, hörte ich Cormacs freudige Stimme auf der Luft und blieb stehen, wo ich war. Ich sah hinauf und erkannte ihn in luftiger Höhe auf seinem Besen. Er flog noch eine Pirouette – wollte der mich etwa beeindrucken? - und landete dann gekonnt direkt vor mir. Sein Haar war vom Wind zerzaust, aber das stand ihm erschreckend gut. „Cormac.“, sagte ich und strahlte ihn an. Wenn dieser Kerl lächelte, konnte man einfach nicht grimmig gucken. Er stieg vom Besen und umarmte mich. Er roch fantastisch. Wie frisch gewaschene und an der Luft getrocknete Wäsche. Ich löste mich schnell aus der Umarmung, schließlich wollte ich ein Hühnchen mit ihm rupfen und nicht weiche Knie bekommen. „Ich habe gerade Ron getroffen.“, sagte ich so gleichgültig wie möglich. Cormac grinste, sagte aber nichts. „Was hast du schon wieder zu ihm gesagt? Cormac, das muss aufhören. Harry hat sich für Ron entschieden. Ich habe zugesehen und er war wirklich besser als du. Komm drüber hinweg. Und hör auf, Harry nachzustellen. Das ist nicht cool.“, ratterte ich einfach runter, Ich wollte es schnell hinter mich bringen. Cormac sah mir unentwegt in die Augen und ich fand ihn in diesem Moment unfassbar attraktiv. „Denkst du, ich bin zu selbstbewusst?“, fragte er dann völlig unvermittelt. „Nein.“, rutschte es mir heraus, bevor ich nachdenken konnte. Hallo? Natürlich war er zu selbstbewusst! „Lüge nicht.“, sagte er und grinste wieder. „Ich...“, fing ich an. Wahnsinn, wann bitteschön war ich denn mal sprachlos? Aber was sollte ich auch sagen? Ich mochte ihn ja, aber sein Selbstbewusstsein war manchmal echt nervig. „Du hast 30 Freisekunden. Du darfst mir alles sagen, was du willst. Schieß los.“, meinte er. Na dann. „Du bist eingebildet, arrogant, herrisch und aufdringlich. Außerdem überheblich...“, sagte ich. Seine Augen weiteten sich. Damit hatte er wohl nicht gerechnet. „Aber...“, wollte er gerade anfangen, aber ich legte ihm meinen Zeigefinger auf die Lippen: „Ich habe noch 20 Sekunden.“ Wir mussten beide lachen, aber er sah mich schon etwas schuldbewusst an: „Bin ich echt so schlimm?“ „Nein, gar nicht. Aber wenn man dich nicht kennt, bist du ein aufgeblasener Schnösel.“, gab ich offen zu. „Und jetzt du. Was denkst du über mich?“, wollte ich wissen. Er ließ sich Zeit und sah mich wieder einmal von oben bis unten an. Unangenehm. „Du bist ziemlich frech und kannst eine totale Zicke sein. Aber du bist auch verdammt hübsch anzusehen und wenn man dich kennst, bist du eigentlich ganz lieb.“ „Eigentlich?“, fragte ich herausfordernd, aber er hob schon beschwichtigend die Hände. „Ich gelobe Besserung.“ Wir lachten wieder beide und ich genoss es, mit ihm so unbeschwert lachen zu können. *** ZEITSPRUNG *** „Hey Lu, kommst du heute Abend zum Essen?“, fragte Hermine mich. Ich starrte weiter vor mich hin und nickte kaum merklich: „Ja...“ Hermine kicherte. Ich starrte weiter. „Und kommst du allein, oder wird uns McLaggens Hintern auch Gesellschaft leisten?“, fragte Hermine weiter. Ertappt. Mein Gesicht wurde ganz heiß und ich realisierte, wohin ich die ganze Zeit gestarrt hatte. Auf Cormacs Hintern. Cormac stand einige Meter von uns entfernt mit einem Kollegen im Flur und unterhielt sich. Für eine Profikarriere im Quidditch hatte es nicht gereicht, und so hatte er eine Stelle im Ministerium angenommen. So wie auch Hermine und ich, nachdem Hogwarts wieder aufgebaut worden war und wir unseren Abschluss nachgeholt hatten. Ron und Harry hatten sich erfolgreich davor gedrückt und arbeiteten nun in der Aurorenzentrale. „Harry und Ginny kommen auch und vielleicht sogar George und Angelina.“, sagte Hermine und drückte mich, bevor sie ging. Ich hatte noch eine Stunde Arbeit vor mir und lief schnell an Cormac vorbei in mein kleines Büro. Ich schloss die Tür hinter mir und lehnte mich gegen sie. Ich spürte. Wie sich die Tränen ihren Weg in meine Augen suchten und schloss meine Augen. Schnell an etwas schönes denken. Aber alles, was ich vor meinem geistigen Auge sehen konnte, war meine beste Freundin mit Ron, mein bester Freund mit Ginny. George mit Angelina. Alles Paare, alle glücklich. Nur ich war allein. Cormac hatte mich bereits einige Male gebeten, mit ihm auszugehen, aber er hatte einen Ruf. Ich mochte ihn nach wie vor, aber ich wusste auch, dass er nichts ernstes wollte. Er hatte ständig Dates. Wahnsinnig viele Kolleginnen standen auf ihn, ganz zu schweigen von den Besucherinnen, die in seine Abteilung kamen. Ich seufzte. Wann hatte ich zuletzt ein Date gehabt? „Lumen, alles in Ordnung?“, drang eine angenehme Stimme durch meine Tür. Ich schluckte und atmete tief durch, bevor ich mit mehr oder weniger fester Stimme antwortete: „Alles bestens!“ Dann lief ich zu meinem Schreibtisch, als sich die Tür öffnete und Cormac eintrat. Er sah mal wieder blendend aus und ich war mir sicher, dass er auch heute Abend eine Verabredung hatte. Hatte ich ja auch, allerdings mit drei Pärchen. „Was ist los, du siehst traurig aus.“, meinte er und schloss die Tür wieder. Ich seufzte erneut und sah ihn nur an. Ich wollte eigentlich nicht darüber reden, schon gar nicht mit ihm, der sich vor Verabredungen kaum retten konnte. „Also?“, hakte er nach. Ich gab auf, Widerstand zwecklos. „Um mich herum sind nur Paare. Harry und Ginny, Hermine und Ron, George und Angelina. Die einzige, die keine Verabredung abbekommt, bin ich. Was ist nur los mit mir? Was mache ich falsch? Ich habe das Gefühl, ich bin schon vertrocknet. Und das mit Anfang zwanzig!“, sagte ich rasch und leicht hysterisch. Die Tränen vernebelten mir die Sicht, aber ich nahm sehr wohl wahr, dass Cormac immer näher gekommen war. „Was wird das?“, fragte ich schließlich, als kein Pergament mehr zwischen uns gepasst hätte und Cormac mein Kinn anhob. „Ich werde dich küssen. Ich werde dich richtig küssen. So, dass du es fühlst, okay?“, sagte er und kam mit seinem Gesicht immer näher. „Okay.“, konnte ich gerade noch hauchen, bevor sich seine weichen Lippen auf meine senkten. Er küsste mich vorsichtig, kein bisschen fordernd, sondern ganz sanft. Ich legte meine Hand auf seine Schulter und spürte seine freie Hand an meinem Rücken. Der Kuss wurde intensiver und ich spürte seine Zunge auf meiner. In meinem Bauch kribbelte es, in meinem Kopf rasten die Gedanken, ohne dass ich auch nur einen Gedanken zu begreifen imstande war. Cormac löste sich von mir und nahm wieder etwas Abstand. Seinem Blick hielt ich stand. Dieses Mal hatte ich nicht das Bedürfnis zu Boden zu sehen oder ihm auszuweichen. „Warum hast du das getan?“, fragte ich leise. „Um dich zu erinnern, dass du begehrenswert bist, Lumen. Du bist alles andere als ausgetrocknet. Solltest du noch eine Erinnerung brauchen, geh mit mir aus.“, sagte er mit fester Stimme, als sei es das Normalste der Welt, eine verzweifelte Frau um den Verstand zu küssen. Ich lächelte ihn sanft an: „Okay.“ Er drehte sich um und ging zur Tür. Seine Hand lag schon auf der Klinke, als er sich noch einmal umsah: „Morgen?“ Ich konnte nur nicken. Ich hatte eine Verabredung. So schnell konnte es gehen. Moment, hatte ich nicht den Vorsatz gehabt, nicht mit ihm auszugehen? Nicht mit dem Mann, den so viele Frauen anhimmelten, den ich heimlich auch anhimmelte? Der Mann, dessen Hintern ich heute wie gebannt angestarrt hatte? Ich strich mir mit den Fingerspitzen über die Lippen und lächelte. Manchmal musste man gute Vorsätze eben über Bord werfen und einfach mal etwas riskieren. Wer sagte denn, dass er mich verletzen würde, dass ich nur eine von vielen war? Hatte er damals auf dem Quidditchfeld nicht gesagt, ich wäre verdammt hübsch? Später an diesem Abend hatte ich es geschafft, Hermine von den restlichen Gästen weg zu lotsen und in Ruhe mit ihr zu reden. „Cormac McLaggen hat mich nach einem Date gefragt.“, platzte es aus mir heraus. Hermine grinste wissend: „Cool.“ Ich war überrascht, dass sie so einfach reagierte. Ich hatte erwartet, dass sie als meine beste Freundin versuchen würde, mir das Ganze auszureden. Schließlich hatte er ja diesen Ruf und Hermine war eher vorsichtig veranlagt. „Hab doch einfach etwas Spaß. Ich meine, McLaggen ist wie... Schokolade. Iss und vergiss.“ Hatte Hermine das gerade ernsthaft gesagt? Meine Hermine? Die, die ihn im Vergleich mit Grawp nieder gemacht hatte? Ich musste wohl ziemlich dumm aus der Wäsche schauen, denn Hermine lachte mich an: „Ach komm schon, das ist vielleicht die beste Idee, die ich je hatte!“ „Okay. Ich habe ohnehin schon zugesagt.“, meinte ich schließlich, war aber noch immer etwas überrumpelt von ihrer Reaktion. Hatte sie mir wirklich geraten, das Ganze mit Cormac nicht zu ernst zu nehmen, sondern einfach meinen Spaß mit ihm zu haben? Scheinbar schon. Ich schüttelte meinen Kopf und schlenderte dann mit ihr zu den anderen zurück. Mit der Aussicht auf die Verabredung mit Cormac morgen war das Dasein zwischen drei Pärchen gar nicht mehr so dramatisch... *** Die Verabredung war ein voller Erfolg. Ich hatte es Cormac gar nicht zugetraut, so ein Gentleman zu sein. Er hielt mir jede Tür auf, half mir aus der Jacke, rückte meinen Stuhl zurecht und unterbrach mich kein einziges Mal. Ich hatte das Gefühl, mit ihm über alles reden zu können. Wir sprachen über Hogwarts, Quidditch, die Schlacht und die Arbeit. „Warum wolltest du eigentlich mit mir ausgehen? Dir rennen doch so viele Frauen hinterher.“, fragte ich beim Dessert neugierig. Ich hatte Mousse au Chocolat bestellt, einfach himmlisch! Cormac sah mich wieder an, seine Augen hatten sich an meine geheftet und sein Blick wollte mich nicht loslassen. Er trug ein helles Hemd, was seinen Teint noch frischer wirken ließ und hatte die obersten zwei Knöpfe geöffnet. Ich mochte es, dass er keine Krawatte trug. Ich hasste Krawatten, dafür war Cormac meiner Meinung nach auch noch viel zu jung. Ich verlor mich einmal mehr in dem Anblick, der sich mir bot. Erst als Cormac begann zu sprechen, löste ich mich und zwang mich, ihm wieder in die Augen zu sehen. „Ich wollte schon früher mit dir ausgehen, schon vergessen? Aber du hast mich immer abgewiesen. Das hat dich nur noch interessanter gemacht. Ich bin froh, dass du dieses Mal ja gesagt hast.“, sagte er. Seine Stimme war sanft und rau zugleich, männlich und harmonisch. „Du siehst heute mal wieder wunderschön aus.“, fügte Cormac dann noch hinzu und aß verschmitzt grinsend noch einen Löffel Dessert. Ich musste auch grinsen und fühlte mich geschmeichelt. „Warum hast du mir nicht wieder eine Abfuhr erteilt?“, wollte er dann wissen. „Man muss auch mal etwas riskieren.“, lachte ich ihn an. Er fiel mit ein: „Ich bin also ein Risiko?“ „Aber hallo. Ich könnte mir schließlich an dir die Finger verbrennen.“ Mit einem Mal war es ganz still, als wären wir allein im Restaurant, als hätte die Musik aufgehört zu spielen. Ich sah nur seine Augen und es lag so viel Wärme und Leidenschaft in ihnen, dass ich das eben gesagte am liebsten auf der Stelle zurück genommen hätte. Cormac sah mich ganz ernst an und ich wusste nicht, ob er sauer war oder verletzt. Er beugte sich leicht vor, sodass er über den Tisch hinweg an meinen Mundwinkel fassen konnte. Mousse au Chocolat. Gott, war mir das peinlich! Er grinste wieder, nahm dann meine Hand, die auf dem Tisch lag, und bedeutete mir, aufzustehen. Er zahlte schnell und half mir in die Jacke, um mich anschließend nach draußen zu führen. Er ließ meine Hand nicht los und ich mochte die Wärme, die von seiner Hand ausging. Wir liefen ein kleines Stück, dann apparierten wir vor meine Wohnungstür, den Ort, an dem unsere Verabredung begonnen hatte. Meine Gedanken waren wirr. Sollte ich ihn hineinbitten oder das Date mit einem kleinen aber feinen Gute-Nacht-Kuss beenden und allein in meine Wohnung gehen? Ich stand etwas unschlüssig vor ihm und er vor mir. So hatte ich ihn noch nie erlebt, so ruhig und ohne einen flotten Spruch auf den Lippen. Ich lächelte ihn an und mit einem Mal wusste ich ganz genau, was ich tun sollte. Ich nahm seinen Nacken in meine Hände und zog ihn sanft aber bestimmt zu mir. Unentwegt sah ich ihm in seine klaren Augen und schlussendlich küsste ich ihn. Ich küsste ihn richtig, ich küsste ihn so, wie ich nie zuvor einen Mann geküsst hatte. Voller Verlangen, voller Leidenschaft. Ich wollte nicht warten, ich wollte heute Nacht nicht allein sein und ich wollte mir keine dummen Gedanken machen. Ich wollte in dem Moment leben und ich erinnerte mich an Hermines Worte. Einfach Spaß haben. Genau das wollte ich jetzt. Spaß haben mit Cormac McLaggen, dem selbstsicheren Kerl mit dem netten Hintern. Cormac erwiderte meinen intensiven Kuss und vertiefte ihn noch weiter. Ich ließ meine Hand durch seine Haare wandern und spürte, wie er mich gegen die Wand drückte. Er übte sanften Druck mit seinem Körper aus und ich wollte mehr. Ich musste mich zurückhalten, um mir meine Klamotten nicht mitten im Hausflur vom Leib zu reißen. Seine Küssen waren einfach unbeschreiblich und sie schmeckten süß. Mousse au Chocolat. Zum Dahinschmelzen. Ich war willenlos und froh, dass ich in diesem Moment meinen Verstand ausschalten konnte. Ich öffnete meine Wohnungstür und wir stolperten hinein. Keine Sekunde hörten wir auf uns zu küssen. Ich zog ihm sein Jackett aus und warf es achtlos auf den Boden. Er trat nach meiner Tür und ließ sie so einrasten. Wir wollten ja nicht gestört werden. Meine Jacke musste als nächstes dran glauben und schließlich sein Hemd. Ich lotste ihn rückwärts direkt in mein Schlafzimmer, wo er den Kuss nur unterbrach, um mir mein Kleid über den Kopf zu ziehen. Er betrachtete mich anschließend wohlwollend und zog mich wieder eng an sich. Ich spürte seine Haut auf meiner und sofort stellte sich an meinem ganzen Körper eine Gänsehaut ein. Jetzt unterbrach ich den Kuss um langsam seinen Gürtel zu öffnen. Cormacs Hände wanderten über meinen Rücken, über meine nackten Arme, durch meine langen Haare und schließlich zu meinem BH. Zeitgleich öffneten wir Gürtel und BH und beides landete auf dem Teppich neben meinem Bett, auf das er mich nun hob. Ich hatte nie gedacht, dass ein Mann gleichzeitig so gefühlvoll und fordernd sein konnte. Ich wusste, er würde nichts tun, was ich nicht selbst wollte. Aber das spielte keine Rolle, denn eigentlich war ich zu allem bereit. Wow, ich war wirklich einsam gewesen in der letzten Zeit. Noch nie hatte ich bei einem ersten Date geknutscht oder mehr, aber vielleicht hatte ich diese Hemmschwelle so leicht übertreten, weil er mich schon im Büro geküsst hatte. Und wie. Cormac wusste genau, was er tun musste, um mir einen Schauer nach dem nächsten über den Rücken zu jagen. Die Art, wie er meinen Namen aussprach, zauberte jedes Mal ein glückseliges Lächeln auf meine Lippen. Nachdem ich seine Verführungskünste ausreichend angetestet hatte, drehte ich den Spieß um und ließ ihn genießen. Wir passten hervorragend zusammen und hatten in dieser Nacht viel Spaß. *** Seit der ersten gemeinsamen Nacht waren Cormac und ich so gut wie unzertrennlich. Das war jetzt drei Monate her. Hermine zog mich immer damit auf, denn wir hatten offiziell keine Beziehung. Wir wollten es ruhig angehen lassen. Schauen, ob es wirklich etwas festes werden sollte oder ob es zerbrechen würde. Hermine nannte ihn nur noch meinen Mann. Sie war sich sicher, dass wir eigentlich schon längst wussten, dass wir einander liebten und miteinander alt werden würden. Ginny pflichtete ihr immer bei, Ron und Harry trauten sich wohl nicht so recht, weil sie Cormac nicht wirklich kannten und ebenso wenig mochten. Ich wusste, ich musste ihn mal allen vorstellen, aber ich wusste einfach nicht, was ich dann sagen sollte. Vorher musste ich mit Cormac reden. Was war das, was wir da hatten? Ja, ich fand, es war eine Beziehung, aber mich reizte auch die Tatsache, dass wir das nie aussprachen. Ich hatte nur Augen für ihn und ich vertraute ihm voll und ganz. Vielleicht flirtete er hier und da mal, aber er würde mich sicherlich nicht betrügen. Obwohl, konnte man jemanden betrügen, mit dem man eigentlich gar nicht zusammen war? Einmal mehr war ich verwirrt und Cormac war die Ursache für dieses Chaos. „Bring doch deinen Mann morgen mit, Lu. Wir grillen.“, sagte Ginny breit grinsend und erntete einen zufriedenen Blick von Hermine, die auf Rons Schoß saß. „Du meinst Cormac? Ich werde es mir überlegen.“, sagte ich so diplomatisch wie möglich. Im nächsten Augenblick überkam mich eine ungeheure Übelkeit und mir wurde schwindelig. Bei Merlin, ich saß doch! „Alles okay?“, fragte Hermine und eilte sofort um den Tisch. Harry brachte gerade die Pfanne mit dem gebratenen Schinkenspeck und ich roch das Fleisch. Ich liebte Schinkenspeck zum Frühstück, aber jetzt wurde mir nur noch schlechter. „Nein, ih, bring das weg!“, meinte ich leise und mit zittriger Stimme. Ron grummelte irgend etwas und Harry sah Ginny fragend an. Ginnys Augen weiteten sich ins Unendliche und auch Hermine sah mich zwar besorgt, aber sehr wissend an. Ich stand auf und ließ mich von meinen Freundinnen zum Bad begleiten. Die beiden warteten vor der Tür und ich übergab mich. Noch nie war mir morgens schlecht gewesen... Morgens. Schwindel, Übelkeit, Überempfindlichkeit. Ich klatschte mir kaltes Wasser ins Gesicht und spülte meinen Mund ordentlich aus. Hermine und Ginny traten ein und ich drehte mich zu ihnen um. Ginny sah aus, als würde sie jeden Moment platzen, wenn sie nichts sagen durfte. Und Hermines Blick war etwas zwischen Freude und Besorgnis. „Sag schon, Ginny.“, meinte ich leicht grinsend und Ginny legte los: „Du bist schwanger. Merlin, unsere Lu bekommt ein Baby. Jetzt ist er wirklich dein Mann. Er wird der Vater deines Kindes. Oh Lu, das ist so toll!“, und sie kam zu mir um mich fest in den Arm zu nehmen. „Ich bin schwanger.“, flüsterte ich und sah Hermine ängstlich an. „Wie fühlst du dich?“, fragte sie, als Ginny mich losließ und ich auf dem Rand der Badewanne Platz genommen hatte. Hermine setzte sich neben mich und legte einen Arm um meine Schultern. „Ich bin schwanger.“, wiederholte ich nur. Ginny hockte sich auf den Boden vor mir und sah mich an. „Ich habe keine Ahnung, wie ich mich fühlen soll. Vielleicht ist es ja auch bloß falscher Alarm.“, sagte ich schließlich. Hermine nickte: „Du solltest das überprüfen.“ Jetzt nickte ich: „Begleitet ihr mich?“ Beide bejahten und gemeinsam verließen wir die Wohnung. Harry und Ron hatten wir nur gesagt, dass es mir nicht besonders gut ging. Ich wollte nicht gleich alle aufschrecken. Ich war zwar völlig durcheinander und irgendwie war Cormac wieder die Ursache, aber ich dachte doch recht rational. Vielleicht war es nur eine Magenverstimmung oder der Wetterumschwung. „Und, weißt du, was du tun wirst?“, fragte Ginny, nachdem die Ergebnisse vorlagen. Wir waren noch im St. Mungos und saßen in der Eingangshalle. Ich atmete tief durch und dachte nach. „Wir werden dich unterstützen, egal wie du dich entscheidest.“, sagte Hermine und nahm mich in den Arm. „Ich bin schwanger.“, sagte ich wieder. Dieses Mal klang Freude in meiner Stimme mit. Ich lächelte. Hermine und Ginny wechselten einen Blick, lächelten und umarmten mich dann beide fest. „Ich muss mit Cormac sprechen.“, sagte ich dann wieder ganz ernst und verabschiedete mich. Ich apparierte zu seiner Wohnung. Hier hatten wir uns in den letzten drei Monaten häufig getroffen. Ich klopfte an der Tür und hörte zunächst nichts. Ich klopfte erneut. „Komme!“, hörte ich seine vertraute Stimme und dann hörte ich Schritte. Die Tür öffnete sich und da stand er vor mir. Sein Hemd war offen, sein Haar noch nass. Vermutlich hatte er gerade erst geduscht. „Lumen.“, sagte er zur Begrüßung, lächelte und küsste mich. Dann zog er mich in die Wohnung und schloss die Tür. „Das ist mal eine Überraschung.“ Er fing an, das Hemd zuzuknöpfen und ich sah ihm dabei zu. Dann setzte ich mich auf das Sofa. „Tee, Kaffee, Wasser?“, fragte er und lief in die offene Küche. „Nein, danke.“, lehnte ich ab. Jetzt sah er mich doch etwas verdutzt an: „Versteh mich nicht falsch, ich freue mich, dass du hier bist. Aber warum? Geht es dir nicht gut?“ Ich wusste nicht recht, was ich darauf sagen sollte. „Na ja. Es geht mir gut. Aber ich muss dir etwas sagen. Setze dich doch.“, meinte ich schließlich etwas zögerlich. Cormac nahm sich einen Stuhl und setzte sich mir gegenüber. „Kannst du vielleicht zu mir auf das Sofa kommen?“, hakte ich nach. Ich wusste nicht warum, aber ich wollte ihn näher bei mir haben. Neben mir. „Du machst mir Angst.“, gab Cormac zu und versuchte sein typisches Grinsen aufzusetzen, aber er scheiterte. „Das will ich gar nicht. Entschuldige.“, fing ich an und bedeutete ihm, sich neben mich zu setzen. Er kam zu mir. „Ich finde es gut, was ich dir sagen muss. Mir geht es gut damit. Aber ich weiß nicht, wie du reagieren wirst und ich will dass du weißt, dass du dich zu nichts gezwungen fühlen sollst. Du kannst ganz in Ruhe nachdenken. Ich meine, wir sind ja nicht einmal... Also, wir... Wir sind... Ja, was sind wir eigentlich? Ich habe keine Ahnung.“, plapperte ich los und Cormac schien immer verwirrter und unsicherer. Wer konnte es ihm verübeln? „Was möchtest du denn sein?“, fragte er. „Unterbrich mich bitte nicht. Nicht jetzt. Ich muss dir das sagen, egal was wir sind. Okay? Das können wir danach klären.“ „Okay.“, gab er nach. „Ich bin schwanger.“, sagte ich einfach. Es war raus. Ich hatte es laut gesagt und er hatte es gehört. Hatte er es gehört? Er starrte mich an und schwieg. In seinem Gesicht regte sich gar nichts. So, als hätte er einen Petrificus Totalus abbekommen. Ich wollte ihm Zeit geben, nachzudenken. Schließlich hatte ich ihm gesagt, er könne in Ruhe nachdenken. Aber dass er nichts sagte, war nicht gut. Oder? „Sag etwas. Irgendwas. Sprich. Forme Wörter.“, sagte ich nach einer Weile, die mir wie die Ewigkeit vorgekommen war. Cormac sah mich an, dieses Mal wirklich. „Heilige Scheiße?“ Es war mehr eine Frage als eine Aussage. „Zum Beispiel.“, kam es von mir. Wir schwiegen beide noch eine ganze Weile und saßen einfach nur auf dem Sofa. Ich ging im Kopf durch, was ich machen würde, wenn er nichts mit dem Kind zu tun haben wollte. Ich malte mir die schlimmsten Möglichkeiten aus, als er endlich seine Stimme wiederfand und die Stille durchbrach: „Ich möchte mit dir zusammen sein, Lumen Ann Pierce. Ich möchte es allen zeigen, dass du zu mir gehörst. Und ich möchte mit dir eine Familie gründen. Wann, wenn nicht jetzt?“ Ich war baff und einige Sekunden sprachlos. Dann lachte ich los. Die ganze Anspannung fiel von mir, ich war erleichtert. Er hatte genau das gesagt, was ich mir gewünscht hatte. Ich wusste, ich würde ihn morgen mitnehmen zum Grillabend bei Ginny und Harry und ich würde ihn allen als meinen festen Freund vorstellen. *The End* PS: Und auch dieses Mal stecken in der Geschichte ein paar Anregungen aus Grey's Anatomy. Für Kritik, Lob und so weiter bin ich gern zu haben. Vielen Dank ;-)

37.41 % der User hatten die Auswertung: Profil B Name: Melinda Warren. Geburtstag: 12.05.1978. Familie: Mutter nicht magisch, Vater Zauberer, kleine Schwester in Ravenclaw. Jahrgang: Weasley-Zwillinge. Haus: Gryffindor. Freunde: Angelina Johnson, Katie Bell, Fred und George Weasley. Titel: My favorite mistake. Story: Es war mein viertes Schuljahr auf Hogwarts. Gerade schlenderte ich mit meiner Freundin Angelina Johnson laut lachend über den Innenhof, als wir lautstarkes Geschrei hörten. Das waren zweifellos Oliver Wood und Marcus Flint, die ewigen Streithähne. Um sie herum hatte sich schon ein Pulk gebildet und sofort erkannte ich unter den Schaulustigen auch Fred und George Weasley. Sie spornten Wood an, Flint zu schlagen. Angelinas Lachen erstarb und wir sahen uns besorgt und genervt an. Es stand außer Frage, dass wir auch dort hin liefen um uns das Geschehen anzusehen. „Ladies.“, begrüßte uns Fred und George grinste breit. „Chaos-Zwillinge.“, sagte Angelina zur Begrüßung und ich streckte den beiden meine Zunge raus. Das tat ich gern. Wir unterhielten uns etwas und zwischendurch drangen immer wieder Worte wie „Schlammblut“, „Loser“, „Feigling“ und so weiter an unsere Ohren. Bei dem Wort „Schlammblut“ wurde ich wütend. Marcus Flint warf damit um sich, als sei es Konfetti. Er beleidigte jeden damit, dessen Familie nicht vollständig magisch war. Ich gehörte auch zu den Opfern seiner Attacken. Er war unausstehlich, fies und arrogant. Was machte ihn denn besser als uns, nur weil seine Familie einen ewigen Stammbaum reinblütiger Zauberer aufweisen konnte? Sein Charakter sicherlich nicht. Ich war noch ganz in meine Gedanken vertieft, als die Menge an Schülern um uns herum raunte. Einige klatschten heftig, andere schrien wütend auf. Ich stellte mich auf die Zehenspitzen, um sehen zu können, was passiert war: Wood hatte Flint offensichtlich eine verpasst. Und zwar dem Nasenbluten nach zu urteilen mit der Faust statt dem Zauberstab. Ich grinste kurz. Marcus Flint, niedergestreckt von einer Muggelattacke. Das gefiel ihm sicher gar nicht. Wood rieb seine Hand und drehte sich weg, lief langsam in Richtung Schloss. Fred und George folgten ihm jubelnd, genau wie alle anderen aus meinem Haus, aber auch die schaulustigen Ravenclaws oder Hufflepuffs. Ich stand einfach nur da und beobachtete die Szene weiter. Flint stand da wie angewurzelt und hielt sich die blutende Nase. Sein Umhang und die Uniform waren schon voller Blut. Aus seinem Haus scherte sich keiner, ihm zu helfen. Nicht einmal sein bester Freund Adrian Pucey. Sie waren wohl nur hier, um zuzusehen, wie Flint Wood eine verpasste. Dumm gelaufen. Flint drehte sich zu seinen Mitschülern um und sah, dass sie ihm alle den Rücken zukehrten um auf anderem Weg als Wood und die anderen ins Schloss zu gelangen. Gleich würde es Abendessen geben. „Kommst du, Mel?“, fragte Angelina hinter mir. Ich winkte ab: „Geh ruhig schon vor.“ Und sie tat es. Ich hingegen ging auf Flint zu und zückte meinen Zauberstab. Ich war zwar erst in der vierten Klasse, aber ich wusste, wie man Blutungen stoppte und gebrochene Nasen heilte. Das hatte ich in einem Buch gelesen in den Ferien. Ich richtete meinen Stab direkt auf Flints Nase, als ich nah genug dran war und rief: „Episkey!“. Flint sah mich erschrocken und wütend an, seine Nase knackte laut und ich hoffte, ich hatte den Zauber korrekt ausgeübt und ihm keinen Grund gegeben, mich noch mehr zu hassen. Nach er ersten Schrecksekunde fasste sich Flint an die Nase und sah mich dann verwundert an. „Danke, Melinda Warren. Bitte, Marcus Flint., gern geschehen.“, sagte ich sarkastisch, als er von sich aus nichts sagte. Er sah mich aus zu Schlitzen verengten Augen an. „Was..“, fing er an, aber ich unterbrach ihn. Ich war nicht umsonst eine Löwin. „Du hast es verdient, dass Wood dir eine verpasst.“ „Der Kerl schlägt wie Weasleys kleine Schwester.“, sagte Flint abwertend. Ich seufzte. „Also wurdest du nach eigenen Angaben von einem Mädchen verprügelt?“, hakte ich angriffslustig nach. Flints Blick wurde nur noch finsterer. Als mir klar wurde, dass er sich nicht entschuldigen würde, ging ich ins Schloss und ohne Umwege direkt in die Große Halle. Angelina saß neben Fred, das wunderte mich gar nicht. Ich wusste, dass sie ihn mochte. Auf ihrer anderen Seite saß Katie Bell, und die winkte mich sofort zu sich. Der Junge, der neben ihr saß, seufzte genervt auf, als ich mich zwischen ihn und Katie quetschte und stand zu guter Letzt auf und machte somit ausreichend Platz. „Danke, Towler.“, sagte ich zuckersüß. Er nickte knapp und setzte sich dann zu Lee Jordan. Ich war zufrieden und George lachte sich halb schlapp: „So etwas können auch nur Mädchen machen.“ „Wenn ich das auch nur versuche, habe ich gleich eine sitzen.“, pflichtete ihm Fred bei und Angelina und Katie fielen mit ins Gelächter ein. Auch ich ließ mich mitreißen. Als ich mit dem Hauptgang fertig war, schnappte ich mir eine Schüssel Pudding. Ich liebte Pudding und aß jeden Abend eine kleine Schüssel. Zum Glück bewegte ich mich ausreichend, sodass man mir das nicht ansah. Das Hauptthema am Tisch war natürlich Flints blutige Nase. Ich versuchte, mich raus zu halten, was mir nicht leicht fiel.Bei allem, was ich gehört hatte, hatte Flint es verdient, mal zurecht gewiesen zu werden. Er hatte Wood ohne jeden ersichtlichen Grund einfach beleidigt und ziemlich schnell seinen Zauberstab gezückt und ihn bedroht. Eigentlich war Wood ein ruhiger Kerl, völlig besessen von Quidditch, aber sonst wenig auffällig. Aber irgendwann musste das Fass ja mal voll sein. Dennoch fand ich es nicht ganz richtig, Flint so zu verletzen, auch wenn ich das vor Flint niemals zugegeben hätte. Manchmal hasste ich meinen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Gewalt ist keine Lösung, bla bla. Warum konnte ich nicht wie alle anderen jubeln und machte mir stattdessen Gedanken um Flint? Bei Merlin, der Kerl ärgerte mich, wann immer er konnte. Er beleidigte meine Freunde und spielte unfair Quidditch, war ein schlechter Verlierer und ein noch schlimmerer Gewinner. Katie stupste mich an und ich ließ den Löffel voll Pudding sinken, um zu sehen, was sie sah. Marcus Flint kam in die Große Halle. Seinen Umhang trug er nicht mehr und das Blut auf seinem Gesicht war verschwunden. Er hatte sich umgezogen, aber trotzdem ruhten alle Blicke auf ihm. Die Lehrer sahen ebenfalls zu ihm, wahrscheinlich, weil sie es nicht gewohnt waren, dass es beim Essen so totenstill war. Flint ließ seinen bedrohlichen Blick über die Reihen von starrenden Schülern schweifen und für eine Millisekunde hatte ich das Gefühl, als würde sein Blick auf mir hängen bleiben. Ich hatte das Gefühl, sein Blick wurde etwas weicher, aber ich war mir nicht sicher, ob ich mir das nicht nur einbildete. War er vielleicht doch nicht so kalt, wie ich vermutet hatte? Das würde ich abwarten müssen, beschloss ich. So schnell der Moment gekommen war, so schnell war er auch wieder vergangen. Flint setzte sich an seinen Tisch, steckte den Kopf mit Adrian Pucey zusammen und an unserem und den anderen beiden Tischen kehrte langsam Normalität ein. Ich löffelte meinen Pudding, Fred und George stellten den kurzen Kampf zwischen Wood und Flint nach und Katie, Angelina und ich lachten laut. *** Die Stimmung war gedrückt. Alle spürten die Anwesenheit der Dementoren in meinem fünften Jahr auf Hogwarts, auch wenn Dumbledore dafür gesorgt hatte, dass diese Wesen niemandem mehr zu nahe kommen würden. Am stärksten schien Harry Potter von der Anwesenheit der Dementoren betroffen zu sein und der neue Lehrer, Remus Lupin, wich ihm kaum von der Seite. Ich kannte Harry nur flüchtig, aber ich mochte ihn. Er tat mir manchmal leid, weil er von so vielen belagert wurde, aber ich musste zugeben, dass ich auch neugierig war. Er war noch so jung und bei Muggeln aufgewachsen, und dennoch hatte er in seinen zwei ersten Jahren auf Hogwarts schon so viel erlebt. Im vergangenen Jahr hatte er Ginny, Fred und Georges kleine Schwester, gerettet. Ich hatte das Ganze noch immer nicht wirklich verstanden, aber vielleicht war es besser so. Ich saß auf dem gemütlichen Sofa im Gemeinschaftsraum und hatte meine Beine über Georges gelegt. Angelina saß auf dem Sessel und wir unterhielten uns angeregt. Ich hatte prophezeit, dass Angelina Kapitänin werden würde, nachdem Oliver Wood nur noch dieses Schuljahr auf Hogwarts sein würde. Fred hatte mir sofort zugestimmt. Er saß neben George und begutachtete interessiert meine Beine über denen seines Bruders. Ich verdrehte die Augen. „Wirst du dann auch endlich ins Team kommen?“, fragte George mich. Ich überlegte: „Wie soll das denn gehen, George? Ich spiele am liebsten als Jägerin, schon vergessen?“ „Du bist die Beste. Dann muss eben jemand für dich Platz machen.“, meinte Fred. Angelina war das sichtlich unangenehm. Würde ich mich bewerben und sie tatsächlich Kapitänin werden, stünde sie vor einer schwierigen Entscheidung. Zwar war ich ihre beste Freundin, aber auch Katie und Alicia waren unsere Freunde. „Ich werde Ersatzjägerin.“, entschloss ich und Angelina sah mich dankbar an. „Was hast du eigentlich gegen Wood?“, fragte George. Was hatte ich gegen ihn? „Eigentlich nichts, aber ich finde, er übertreibt es. Ich will Spaß haben am Fliegen und am Spiel. Er hat keinen Spaß, er ist viel zu verbissen.“ „Nur so wird man Profi, Warren.“, ertönte eine Stimmt hinter uns. Wood. „Und ich will gar kein Profi werden, Wood.“, entgegnete ich. Ich nahm meine Beine von George, stand auf und ging gerade an Wood vorbei, als ein aufgebrachter Harry Potter mit Ron und Hermine in den Gemeinschaftsraum kam. „Was ist los?“, fragte Fred argwöhnisch. Hermine sah aus, als habe sie sich tierisch aufgeregt. Die roten Flecken in ihrem Gesicht wichen nur langsam. Und jetzt, als sie uns erzählte, was los war, traten sie wieder deutlicher hervor. Harry sah einfach nur wütend aus und Ron unterbrach Hermine, weil er die Geschichte erzählen wollte. Draco Malfoy, die schmierige Schlange, hatte sich mit ein paar Freunden als Dementoren verkleidet und Harry erschreckt. „Wie geschmacklos!“, rief Angelina und ging auf die drei zu. „Wer war noch dabei?“, wollte ich wissen. Die Antwort überraschte keinen von uns: „Crabbe, Goyle und Flint.“, murmelte Harry. Ich überlegte nicht lang, sondern lief entschieden auf das Portraitloch zu. „Was hast du vor?“, rief mir George hinterher, aber ich antwortete nicht. Wie konnte Flint sich nur zu so etwas hinab lassen? Bei Merlin, er sollte es besser wissen, er war immerhin drei Jahre älter als ich und somit ganze fünf Jahre älter als Harry, Draco und die beiden anderen Idioten. Ich raste innerlich und lief immer schneller. Ich wusste gar nicht, wo ich suchen sollte, also lief ich ohne jede Ahnung quer durch die Korridore. Zur Not würde ich Flint heute Abend in der Großen Halle sehen. Der konnte was erleben. Ich war mit Fred und George befreundet, ich machte mir auch mal einen Spaß daraus, jemanden zu erschrecken. Aber das war zu viel. Dementoren? Ich war mir sicher, dass Flint anfangen würde zu heulen, wenn er einem Dementoren gegenüber stehen würde. Wood hatte ihn eiskalt erwischt im letzten Jahr und jetzt vergriff sich Flint an Drittklässlern? Das war arm. Aber was hatte ich auch erwartet? Lautes Gelächter drang an mein Ohr, als ich gerade das schwere Tor öffnete, um draußen nach dem Troll zu suchen. Das waren unverwechselbar Slytherin. Dieses miese Lachen hatten nur sie drauf. Ich drehte meinen Kopf nach links und erblickte eine ganze Horde Schlangen. Theodore Nott, Adrian Pucey, Terence Higgs, Gregory Goyle, Vincent Crabbe, Draco Malfoy und natürlich Marcus Flint. „Ihr scheint euch ja prächtig zu amüsieren. Was ist denn so lustig?“, rief ich ihnen zu und kam immer näher an sie heran. Flint stand mit dem Rücken zu mir und drehte sich langsam um. Adrian Pucey sah mich abschätzig an, hielt aber zu seinem eigenen Glück die Klappe. Malfoy machte einen Schritt auf mich zu, aber Flint hielt ihn am Kragen fest. „Ihr lacht also darüber, wie ihr einen Drittklässler erschreckt habt? Wow, ich bin überrascht. Prahlt ihr Idioten nicht sonst immer damit, dass ihr es mit jedem aufnehmen würdet? Ein Drittklässler ist natürlich ein starker Gegner. Für Malfoy und seine Gorillas jedenfalls, nicht wahr? Hat dich nicht sogar Hermine Granger geschlagen?“, sagte ich spitz, als ich direkt vor Malfoy Halt gemacht hatte. Der sah aus, als würde er gleich platzen, was mich doch sehr amüsierte. Higgs und Pucey kamen jetzt auch näher und kesselten mich ein, aber ich hatte keine Angst vor ihnen. Ich wusste, dass Pucey eigentlich ein ganz netter Kerl war. Nur seine Freundschaft zu Flint stand ihm selbst im Weg. „Aber von dir, Flint, hatte ich mehr erwartet. Bist du nicht schon 18? Ist es dir nicht peinlich, dich an dem kleinen Potter zu vergreifen? Erbärmlich nenne ich das. Und falsch. Und traurig.“, spie ich aus. Ich wurde gar nicht ruhiger, ich hätte mich noch stundenlang auslassen können. Flint stand vor mir und grinste nur überlegen. Das brachte mich erst recht auf die Palme. „Das...“, fing Higgs an zu schreien, aber Flint hielt ihn am Arm fest und bedeutete ihm und den anderen Idioten, zu gehen. Wow, die hörten wirklich alle ohne Widerrede auf ihn. War bestimmt praktisch. Flint grinste mich noch immer an, als seine Lakaien im Schloss verschwunden waren. „Du bist eine Spielverderberin, Warren.“, sagte Flint amüsiert mit seiner tiefen, rauen Stimme. „Und du bist ein Monster.“, zischte ich ihm immer noch erbost entgegen. Leider hatte das ganz und gar nicht die gewünschte Wirkung. Marcus Flint stand vor mir und grinste noch breiter, fing sogar ein wenig an zu lachen. Ich war wohl im falschen Film! „Werde mal locker, Warren. Das war doch nur ein Scherz, niemand ist verletzt worden.“ „Das wäre ja noch schöner. Schlimm genug, dass du beim Quidditch alle in den Krankenflügel verfrachtest.“, gab ich bissig zurück. Nur nicht nachgeben, Melinda! Flint schnaubte. „Kannst du nicht ein einziges Mal nett sein? Oh, ich vergaß, bei dreckigen Schlammblütern wie mir muss man das ja nicht.“ Jetzt sah mich Flint für den Bruchteil einer Sekunde ganz ernst an. Kein überhebliches Grinsen, kein dummer Spruch, kein Gelächter. Er stimmte mir nicht einmal zu. Vielleicht lag es daran, dass sich meine Augen bei dem Schimpfwort mit Tränen gefüllt hatten. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich schämte mich keineswegs dafür, eine Mutter zu haben, die nicht mit Magie aufgewachsen war. Ich war sogar stolz deswegen. Wir lebten zu viert: Meine Muggel-Mutter, mein Vater, der für den Tagespropheten schrieb, und meine kleine Schwester, die in etwa vier Jahren nach Hogwarts kommen würde. Wenn sie denn zaubern konnte. Ich hasste es, dass Idioten wie Flint darüber lachten, dass meine Mutter nicht zaubern konnte. Es machte mich wütend und traurig zugleich und deshalb konnte ich die Tränen auch nicht zurückhalten. Sie liefen über meine Wangen und ich sah Flint starr in die Augen. Ich wollte nicht noch mehr Schwäche zeigen, es war schlimm genug, dass ich vor ihm stand und heulte. „Hör auf.“, meinte Flint schließlich. Es war ihm sichtlich unangenehm, dass ich weinte und er wusste wohl nicht, wie er damit umgehen sollte. Er hätte einfach gehen können. „Hör auf? Im Ernst? Das ist nicht so leicht, wenn man jeden Tag beleidigt wird, weil die eigene Mutter Muggel ist. Du weißt nicht, wie das ist. Aber eins sag ich dir, Flint. Meine Familie ist vielleicht nicht reinblütig, aber wenigstens bin ich schlau genug, keine Klasse wiederholen zu müssen!“, sagte ich. Bei jedem Wort war ich lauter geworden und ein paar Schüler, die um uns herum liefen und sich unterhielten, sahen zu uns. Jetzt sah er mich wieder finster an. Und packte mich am Handgelenk. Sein Griff war fest. „Du tust mir weh.“, sagte ich kleinlaut. Ich war ihm unterlegen. Verbal vielleicht nicht, aber körperlich. Flint ließ nicht los, lockerte seinen Griff aber ein wenig und sah mich an. Zwar weinte ich jetzt nicht mehr, aber die Tränenspuren auf meinen Wangen waren deutlich spür- und sichtbar. Flint öffnete gerade den Mund und schloss ihn wieder. So, als wolle er etwas sagen, brächte es aber doch nicht über die Lippen. Er sah mich an und wie schon im letzten Jahr hatte ich wieder das Gefühl, sein Blick würde weicher, sanfter werden. Sicher hatte auch er eine weiche Seite. Vielleicht hatte er keine glückliche Kindheit gehabt, irgendwo her mussten sein Temperament und seine Vorurteile ja kommen. Jetzt hatte sich wieder mein Gerechtigkeitssinn eingeschaltet, ganz toll. Glückwunsch. Applaus. Ich seufzte und Flint schüttelte kaum merklich den Kopf, dann ließ er mein Handgelenk mit einem Mal los und wollte an mir vorbeilaufen. Ich hielt ihn reflexartig am Arm zurück. Wow, der trainierte aber wirklich hart. „Du hast etwas schreckliches getan, als du Potter so erschreckt hast. Und überhaupt, du tust ständig Schreckliches. Das heißt aber nicht, dass du auch eine schreckliche Person bist.“, hörte ich mich sagen. Bei Merlin, warum tat ich das? Er beleidigte mich und meine Freunde, trat jeden mit den Füßen und ich unterbreitete ihm ein halbes Friedensangebot? Flint schien ebenso überrascht über meine Worte, und wieder öffnete er den Mund um etwas zu sagen, entschied sich dann aber anders. Wortlos drehte er sich um und lief durch das Gras zum Tor. Ich blieb noch eine Weile stehen und sah ihm nach, selbst, als er schon längst nicht mehr zu sehen war. Was war nur los? Dachte ich wirklich, dass ich ihm helfen konnte, dass ich ihm helfen musste? Eine gefühlvolle Person zu sein erschien mir mit einem Mal wahnsinnig anstrengend. *** Es war der letzte Schultag vor den Ferien. Ich freute mich schon auf meine kleine Schwester Julyana, sie war mein Ein und Alles. Ich würde ihr wieder alles haarklein erzählen müssen und ich wollte mich von all meinen Freunden verabschieden, als wir nach dem Frühstück alle in unsere Gemeinschaftsräume rauschten. Kaum angekommen, sah ich jedoch, dass Wood das ganze Team um sich versammelt hatte und wild gestikulierte. Aha, selbst an seinem letzten Schultag, seinem wirklich letzten Schultag, musste er noch den Kapitän spielen. Ich konnte es nicht fassen. Aber irgendwie machte es ihn ja auch aus, diese Besessenheit. Das war heute nicht mein Tag gewesen, noch am letzten Tag hatte ich mich mit Snape anlegen müssen. Ich war mir sicher, dass er mir im kommenden Schuljahr gleich als erstes Nachsitzen auf brummen würde. Er hatte mir zudem zehn Punkte abgezogen und Percy Weasley, dieser blöde Streber, hatte das auch noch für richtig befunden. Er mochte mich nicht. Okay, das beruhte auf Gegenseitigkeit. Aber innerhalb des Hauses sollte man doch wenigstens zusammen halten. Ich hatte also schlechte Laune. Und jetzt hielt Wood auch noch eine Rede. Ich stellte mich einfach neben ihn und brachte ihn damit etwas aus der Fassung. „Danke, Wood. Ein schönes Leben dir und bis dann.“, zickte ich und er verdrehte die Augen, ging aber. Ich quetschte mich zwischen Angelina und Katie auf das volle Sofa und fing schon einmal an, mich von meinen besten Freundinnen zu verabschieden. Ich würde sie schließlich erst im nächsten Schuljahr wiedersehen! George und Fred standen auf und zogen mich vom Sofa, dann umarmten sie mich gemeinsam, bis ich nach Luft rang. „Heute ist nicht dein Tag, was?“, fragte Fred. „Dagegen müssen wir etwas tun.“, bestimmte George. „Mit unserem unwiderstehlichen Charme.“, kam es wieder von Fred und er drückte mich noch fester. „Erbarmen!“, quiekte ich und brachte sie so zum loslassen und lachen. Angelina, Alicia und Katie kamen dazu und gemeinsam verließen wir alle mit unserem Gepäck den Gemeinschaftsraum. Hogwarts würde mir fehlen, aber die Freude, meine Familie wieder zu sehen, überwog ganz klar. Wir nahmen eine Kutsche zusammen und machten Scherze. George erzählte zum gefühlten tausendsten Mal eine der Anekdoten, in denen seine eigene Mutter ihn mit Fred verwechselte. „Schockierend.“, kommentierte ich vor Sarkasmus triefend und fiel nur schwer in Angelinas Lachen ein. Es war eben immer noch kein guter Tag. Die zehn Punkte lagen mir schwerer im Magen als zunächst angenommen. Am Bahngleis in Hogsmeade angekommen, fand ich noch die Zeit, mich von einigen anderen zu verabschieden. Angelina hielt sich vornehmlich in Freds Nähe auf und George warf ihr einen wissenden Blick zu. Ich grinste ihn ebenso wissend an. Wir verstanden uns manchmal blind. Ich lief am Gleis auf und ab, als die rote Lok einfuhr. Der Fahrtwind wirbelte meine Haare durcheinander und ich sah nichts mehr, lief aber weiter. Dann strich ich mir die Haare mit etwas Mühe aus dem Gesicht und stieß gegen jemanden, der sich sogleich genervt zu Wort meldete: „Verdammt, passe doch auf du...“ „Was? Schlammblut?“, fragte ich, als ich meine Haare gebändigt hatte und in Flints dunkle Augen sah. Er schüttelte den Kopf. „Entschuldige. Ich habe nichts gesehen. Der Wind hat meine Haare...“, wollte ich mich entschuldigen. Nur weil er sich damals nicht entschuldigt hatte, hieß das ja nicht, dass ich seinem Beispiel folgen musste. Aber ich kam nicht weiter. Inmitten des Getümmels am Bahngleis, zwischen den Koffern, Eulen und herum eilenden Schülern packte Flint mich blitzschnell und küsste mich. Auf den Mund. Ich konnte nichts dagegen tun, und vielleicht wollte ich das auch gar nicht. Obwohl er ein elender Mistkerl war. Er hatte mich gerade nicht beleidigt, oder? Als ich meine Augen wieder aufschlug, war Flint weg, vermutlich schon im Zug. Und ich drehte mich um und suchte die anderen. Fred und George steckten ihre Köpfe schon aus einem der Abteile, Katie und Alicia sah ich nicht, aber Angelina stand dort, noch auf dem Gleis, und sah mich überrascht und fassungslos an. Ich eilte zu ihr, schnappte mir meinen Koffer und stieg mit ihr ein. Rechts von uns saßen die Zwillinge und machten ziemlich deutlich, dass wir ihnen Gesellschaft leisten sollten. Ich wusste, dass Angelina sich gern dort hingesetzt hätte, aber ich zog sie erst einmal den Gang weiter, bis wir ein leeres Abteil fanden. Wir setzten uns und ich zog die Gardinen zu. „Was zum...“, fing sie sofort an. „Das ist heute einfach nicht mein Tag, okay?“, unterbrach ich sie rasch. „Und das tust du also an schlechten Tagen? Flint küssen? Von allen Typen auf der Welt ausgerechnet Flint?“, fragte Angelina und schüttelte sich. Das würde eine anstrengende Fahrt werden. „Was ist los mit dir, Mel?“ „Hey. Er hat mich geküsst, nicht ich ihn!“, verteidigte ich mich. „Das sah aber nicht so aus, als hättest du dich gewehrt.“, sagte Angelina und grinste leicht. Sie fand es aufregend, auch wenn sie Flint ebenso wenig mochte wie all die anderen. Wie ich. Oder? Ich zog den Tagespropheten aus meiner Tasche und fing an, so zu tun, als würde ich ganz konzentriert lesen. Angelina beobachtete mich argwöhnisch und nach zwei Minuten wurde es mir zu bunt. „Die Fakten. Er hat mich geküsst. Er ist ein Mistkerl. Ich weiß das, sehr gut sogar. Und du weißt, dass ich das weiß. Aber vielleicht habe ich etwas gesagt, was ihn denken lässt, dass ich ihn doch nicht so schrecklich finde.“, platzte es aus mir heraus. Irgendwem musste ich es doch alles sagen. Und wem, wenn nicht meiner besten Freundin? „Können wir uns dazu setzen?“, fragte plötzlich ein Mädchen aus unserem Haus. Sie stand mit zwei Jungen in der Tür und guckte herzzerreißend lieb. „In zehn Minuten gehört das Abteil euch.“, meinte Angelina und machte eine Handbewegung, um ihnen zu bedeuten, das Abteil schnell wieder zu verlassen. Die Tür schloss sie vorsichtshalber selbst. Ich hatte ihre vollste Aufmerksamkeit. Und ich erzählte ihr alles, bis ins kleinste Detail. Ich wusste, sie war ehrlich zu mir und sie würde mir ihre Meinung dazu sagen. Und ich wusste, sie würde dicht halten. Besonders in der Nähe der Zwillinge war das wichtig. Und wie sie mir die Meinung geigte. Angelina wusch mir gehörig den Kopf. Marcus Flint war ein mieser Slytherin, eine fiese Schlange, ein unfairer Sportler und weder schlau noch hübsch. Sie regte sich wirklich über mich auf. Und irgendwann war ich nicht mehr geschockt über ihren Ausbruch, sondern amüsierte mich. „Was ist denn jetzt schon wieder?“, fragte sie mich genervt. Ich hatte sie bereits mehrfach unterbrochen. Ich sagte nichts, sondern lachte sie nur an. Und sie sah mich an und fiel mit ein. Wir lachten und lachten und überhörten damit das erneute Klopfen des Mädchens. Die ganze Fahrt über saßen wir in diesem Abteil und lachten, später wechselten wir dann das Thema und landeten – wie überraschend – bei dem Thema Fred. Alles war gut. *** ZEITSPRUNG *** Ich lief durch die kalte Nacht und zog meine Jacke fester um meinen Oberkörper. Es war ganz schön frisch geworden. Meine nackten Beine waren von Gänsehaut überzogen. Also entschied ich, noch einen Absacker im Tropfenden Kessel zu trinken. Tom kannte mich inzwischen. Hogwarts hatte ich vor zwei Jahren abgeschlossen und inzwischen arbeitet ich beim Tagespropheten, was meinen Papa sehr stolz machte. Und da ich für manch eine Story etwas länger auf den Beinen war, hatte ich Tom schon häufig zu später Stunde besucht. „Ah, hallo Melinda.“, begrüßte er mich sofort und stellte mir schon ein Glas Feuerwhiskey auf den Tresen. Ich sollte nicht so häufig herkommen. Es war kein gutes Zeichen, wenn der Besitzer genau wusste, was ich trank. Ich nahm das Glas dankend an und setzte mich auf den Hocker. „Kein guter Tag heute?“, fragte Tom, während er einige Gläser spülte und dann abtrocknete. Ich schüttelte den Kopf und musste doch wieder daran denken. Danke, Tom. Erfolgreich hatte ich den Grund für meine schlechte Laune heute verdrängen können, aber jetzt dachte ich wieder daran. An ihn, Kenneth Towler, mein fester Freund. Wir waren erst seit sechs Monaten ein Paar und schon jetzt ging er mir auf den Keks. Ich kannte ihn aus Gryffindor. Kurz vor unseren ZAG- Prüfungen hatte Fred ihm damals Furunkelpulver in den Pyjama gestreut, was ich natürlich gar nicht witzig gefunden hatte. Ich hatte Kenneth nach unserem Abschluss wieder getroffen und wir hatten uns gut verstanden. Na ja, und vor sechs Monaten war eben mehr daraus geworden. Aber jetzt wollte ich nicht weiter über unseren letzten Streit nachdenken, jetzt leerte ich mein Glas in einem Zug. „Danke, Tom.“, sagte ich, lächelte ihn freundlich an und machte Anstalten, von meinem Barhocker zu kommen, als sich zwei große, starke Hände auf meine Schultern legten und mich bestimmt auf den Sitz drückten. Als erstes dachte ich, Kenneth wäre das. Aber die raue Stimme verriet mir, dass er es nicht sein konnte. „Die nächste Runde geht auf mich.“, sagte Flint und setzte sich neben mich. „Was...“, fing ich an, aber schon hatte Flint zwei Gläser in der Hand, gab mir eines davon und prostete mir zu. Ich sah ihm zu, wie er trank und keine Miene verzog. Ich nippte bloß an meinem Drink. „Als Dankeschön. Für meine Nase.“ Ich lachte kurz auf. Dann fiel mir auf, dass er sich ganz schön verändert hatte. Die breiten Schultern und die bullige Statur waren geblieben, aber er wirkte athletischer. Seine Haare und seine Augen waren so dunkel, wie ich sie in Erinnerung hatte. Und auch sein Blick war gleich geblieben. Ernst, finster und überheblich. Aber irgendetwas an ihm war anders. Sein Mund war anders. Seine Zähne waren anders, gerader. Seine Lippen waren voll, angenehm geschwungen. Das war mir vorher nie aufgefallen. „So so. Als Entschuldigung. Da stehen mir ja noch einige Drinks zu, oder nicht?“, fragte ich schließlich. Sein Blick wanderte von meinem Gesicht eine Etage tiefer und blieb an meinem Ausschnitt hängen. „Du hast dich kein bisschen verändert, Flint. Du bist immer noch ein Mistkerl.“, sagte ich matt. Sein Blick wanderte wieder hoch und er grinste wieder so selbstsicher wie damals, als ich ihn wegen Potter zur Rede gestellt hatte. „Du hast dich auch nicht verändert, Warren. Immer noch eine Spielverderberin.“ Ich nahm noch einen Schluck und wollte wirklich gehen, aber ich wollte nicht nach Hause. Da wartete Kenneth, und den wollte ich gerade wirklich nicht sehen. „Hast du ein Zimmer frei, Tom?“, fragte ich. „So schlimm?“, fragte Tom und überreichte mir dann einen Schlüssel. „Schlimmer.“, grinste ich und steckte den Schlüssel in meine Tasche. Flint hatte uns neugierig beobachtet. Ich sah nicht mehr zu ihm und sprach auch kein Wort mit ihm. Ich trank in Ruhe mein Glas leer. Wie von Zauberhand füllte es sich erneut. „Was soll das?“, fragte ich Flint genervt. „Du hast doch gesagt, du kriegst ein paar mehr Drinks von mir. Also trink.“ Er grinste, aber dieses Mal eher belustigt als überheblich. Es stand ihm, es machte ihn attraktiv. „Kannst du nicht einfach Entschuldigung sagen?“, fragte ich, bevor ich erneut mit ihm anstieß. „Das wäre ja langweilig.“, meinte er schulterzuckend. Tom widmete sich seinen anderen Gästen. Vermutlich spürte sogar er die Spannung zwischen Flint und mir. Wir saßen die meiste Zeit schweigend nebeneinander und tranken und tranken, bis ich die Wirkung deutlich merkte und das Glas rasch umdrehte, bevor es sich wieder füllen konnte. „Was ist?“, fragte Flint. „Gute Nacht du Mistkerl.“, grinste ich und zwinkerte ihm zu. „Schon?“ „Schon? Ich weiß ja nicht, was du so machst, aber ich muss morgen wieder zur Arbeit.“, sagte ich und kramte den Schlüssel aus meiner Tasche, bevor ich aufstand und beinahe zur Seite kippte. „Vorsichtig.“, kommentierte Flint, als er mich festhielt. Seine dunklen Augen bohrten sich in meine und ich war mir nicht sicher, ob es ein sehr dunkles Braun oder schlichtweg Schwarz war. „Das war wohl ein Glas zu viel.“, meinte ich und nahm seine Hand, um sie von meiner Taille zu ziehen, aber das ließ er nicht zu und so begleitete er mich in den ersten Stock und bis vor meine Zimmertür. „Gute Nacht.“, wiederholte ich, aber er tat es mir nicht gleich. Er hatte wieder seinen selbstsicheren Blick aufgesetzt und zog mich so schnell so fest an sich, dass ich nichts tun konnte. Mir fiel auf, dass er gut roch, angenehm. Und seine starken Arme fühlten sich auch gut an. Ich trug zwar hohe Schuhe, aber ich war dennoch kleiner als er und musste mich nach oben recken, um meine Lippen gierig auf seine zu pressen... *** Ich hatte Kenneth verlassen, was hätte ich auch sonst tun sollen? Ich hatte ihn betrogen. Das hätte ich niemals von mir gedacht, aber es war passiert. Es ließ sich nicht mehr ändern. Die Beziehung zu Kenneth war vielleicht auch schon vor diesem Ausrutscher kaputt gewesen, aber ich hatte ihr den Todesstoß verpasst. Ich, die Gerechtigkeit in Person. Den Grund hatte ich Kenneth nicht genannt. Hätte ich sagen sollen, dass ich ihn ausgerechnet mit einem ehemaligen Slytherin betrogen hatte? Mit dem unmöglichen Mistkerl, der jeden geärgert hatte, der ihm zu nahe gekommen war? Ich hatte es nicht über mein viel zu großes Herz gebracht, denn eigentlich war Kenneth ein feiner Kerl. Flint war das nicht. Ich war verwirrt und unentschlossen, verunsichert und sauer auf mich selbst. Aber jetzt musste ich das abschalten, damit aufhören. Wir steckten inmitten einer Schlacht, mitten im Kampf gegen Voldemort und seine geisteskranke Gefolgschaft. Meine Mutter und meine kleine Schwester hatten mein Papa und ich in Sicherheit gebracht. Julyana konnte nicht zaubern, genau wie meine Mutter. Daher hatten wir sie weit weg gebracht und durch Zauber geschützt. Jetzt mussten wir nur noch gewinnen. Ich flog neben Angelina und hinter Wood auf das Schloss zu. Ja, Wood und ich hatten das Kriegsbeil begraben. Wir standen schließlich auf der gleichen Seite. Wir landeten und Angelina drückte meine Hand fest, als sie Fred und George erblickte. Ich lächelte sie an, drückte sie noch einmal an mich, flüsterte „Bis später. Wehe, du kommst nicht!“ und ließ sie zu Fred eilen. Ich selbst blieb bei Katie. Die ganze Zeit blieb ich in Katies Nähe. Fred, George und Angelina, Wood und die meisten anderen verlor ich aus den Augen. Und als es dann eine Art Pause gab, musste ich geschockt feststellen, dass wir nicht unbesiegbar waren. Fred hatte es nicht geschafft. Fred. Fred Weasley war tot. Ich war geschockt, traurig, ungläubig. Ich war verletzt, aber ich lebte. Angelina lebte, ebenso Katie Alicia, George und Wood. Warum nur Fred? Ich war erschöpft und schleppte mich an der Wand entlang in Richtung Große Halle, als ich plötzlich gleißend helles grünes Licht erblickte und unsanft von den Beinen gerissen wurde. Nicht etwa der Fluch hatte mich getroffen, sondern Marcus Flint. Er hatte mich umgerissen, mich vor dem Fluch bewahrt und kämpfte nun höchst selbst gegen den Angreifer. Als ich wieder auf den Beinen war, hatte Flint den Kerl schon besiegt. Ich sah von dem leblosen Körper zu Flint und wieder zurück. „Wer hätte gedacht dass ein Mistkerl mal ein dreckiges Schlammblut rettet, was?“, fragte er mit seiner tiefen, rauen Stimme. Ich musste grinsen. Und dann ertönte Voldemorts Stimme. Wir rannten hinaus und ich erblickte Hagrid mit dem leblosen Harry. Flint stand etwas weiter weg von mir, aber ich sah ihm an, dass er geschockt war. Die kleine Ginny Weasley schluchzte laut und einige fielen mutlos auf die Knie. Voldemort lachte. Malfoy trat zu den Todessern über. Und Neville Longbottom, der kleine, tollpatschige Junge, den Flint und die anderen Slytherin mit Vorliebe geärgert hatten, trat vor und redete. Ich fasste es nicht. Wann war der denn so mutig geworden? Und mit einem Mal brach die Schlacht von Neuem los. Harry war gar nicht tot. Ich versuchte, mich ein wenig im Hintergrund zu halten, aber um einige Kämpfe kam ich nicht herum. Flint sah ich immer wieder. War der etwa absichtlich in meiner Nähe? Passte er am Ende auf mich auf? Ich fühlte mich sicherer und als Harry Voldemort endlich ein für allemal besiegte, ließ ich mich zusammen sacken. Flint hob mich auf und trug mich zu Madam Pomfrey, die mir einen Trank zur Stärkung gab und einige von Flints Wunden stillte. Er wich nie von meiner Seite, und das, obwohl ich mich nie wieder bei ihm gemeldet hatte, ihm aus dem Weg gegangen war. Die meisten lagen sich glücklich in den Armen, ich hing an Flints Arm und apparierte mit ihm in meine Wohnung. Er setzte mich auf dem Sofa ab und stand dann unschlüssig im Raum. Er sah sich um, wusste aber offensichtlich nicht, was er sagen sollte. „Das Problem war nicht Kenneth. Das Problem war...“, fing ich an. Er sah mich an: „Dass es gut war.“ „Es war sehr gut.“, nickte ich und musste lächeln. „Ja, nur ich habe die Situation dann ausgenutzt.“ „Ausgenutzt? Was?“, fragte ich etwas perplex. „Ich sollte wohl besser gehen.“, sagte er und drehte sich schon Richtung Tür. Ich sprang vom Sofa auf und zog die Luft scharf ein. Mein Bein war wohl schlimmer getroffen worden als ich gedacht hatte. „Ich hab dich geküsst, vergessen?“, fragte ich, als er schon die Hand auf der Klinke liegen hatte. „Ja, aber ich habe deinen Kuss erwidert.“, sagte er und sah mich wieder an. Die Hand ließ er sinken. „Schon. Aber ich habe dein Hemd aufgeknöpft.“ „Ja, aber deinen Rock habe ich dann hoch geschoben.“ Er kam näher. „Aber ich habe dann deinen Hals geküsst.“, sagte ich und erinnerte mich wieder genau an die Situation an dem Abend. Er machte noch einen Schritt auf mich zu. „Ja, und dann habe ich dir dein Shirt ausgezogen.“, sagte er dann wieder. Seine Stimme klang noch rauer als zuvor. „Und ich habe langsam deinen Gürtel geöffnet.“ „Und dann habe ich deinen Rücken berührt. Genau so.“, flüsterte er jetzt fast und strich mit seinen Fingerspitzen über meinen Rücken. Die Gänsehaut wurde nur noch verstärkt und ich seufzte: „Währenddessen habe ich meine Arme um deinen Hals gelegt.“ Ich tat es wieder. „Und dann habe ich...“, brachte er hervor und legte seine Stirn an meine. „Und dann hast du...“, wiederholte ich und reckte mich ihm ein Stückchen entgegen. Mir war total heiß. Ich spürte seinen Atem auf meinem Gesicht und ich schloss die Augen. „Und dann habe ich...“, murmelte er wieder und bevor er es aussprach, küsste er mich wieder. Genauso fordernd, genauso leidenschaftlich wie in der Nacht im Tropfenden Kessel. Meine Knie wurden weich und mein Hirn verabschiedete sich. Ich wollte diese Nacht noch einmal erleben, noch einmal, noch zwei Mal, am besten nur noch. Am nächsten Morgen wachte ich allein in meinem Bett auf und war sofort enttäuscht. Er war wohl doch einfach nur ein Mistkerl. Und ich eine dumme Nuss. Ich streckte mich ausgiebig, wickelte das Laken um meinen nackten Körper und stand dann auf. In dem Moment, als ich die Schlafzimmertür öffnete, wich auch das letzte Bisschen Hoffnung. Meine Wohnung war leer. Nur meine Klamotten lagen verteilt auf dem Boden, seine waren alle weg. Ich seufzte und setzte Wasser auf. Ich brauchte einen starken Kaffee, auch wenn ich den eigentlich gar nicht gern trank. Ich lief ins Bad und stellte die Dusche an um mich vom kühlen Nass richtig wecken zu lassen. Meine nassen Haare klebten mir im Nacken und auf dem Rücken und ich wickelte sie in ein Handtuch ein, als ich auf der Dusche stieg. Ich cremte mich nicht sonderlich sorgfältig ein und lief stattdessen nur mit Handtuch bekleidet zurück in die Küche, um den Kaffee aufzubrühen. Dann zog ich mir das erstbeste Outfit an, das ich aus meinem Schrank geangelt hatte. Es klopfte. Ich hatte keinen blassen Schimmer, wer das sein konnte, und fragte erst einmal: „Wer ist da?“ „Mach schon auf, Warren.“, dröhnte eine mir bekannte Stimme. Flint. Der hatte ja Nerven. Ich öffnete die Tür. Da stand er, noch immer in den Klamotten von gestern, noch immer sah man seine Verletzungen. War der etwa gar nicht zuhause gewesen? „Was...?“, wollte ich gerade fragen, da stürmte er an mir vorbei in die Wohnung. Ich stieß die Tür zu und sah ihn interessiert und fragend an. „Hör zu. Ich bin nicht gut in so etwas.“, fing er an. Ich sagte erst einmal nichts. „Ist das mit uns exklusiv oder treffen wir uns auch mit anderen?“, fragte er schließlich und ich lachte auf. Das war doch nicht sein Ernst? „Ach, vergiss es einfach.“, rief er aufgebracht und setzte wieder seinen besonders fiesen Blick auf. Seine Augen zu Schlitzen verengt, funkelte er mich böse an und rauschte wieder zur Tür, vor der ich allerdings stand. „Du willst, dass wir ein Paar sind und fragst so?“, platzte es mir zwischen Lachern heraus. Er sah jetzt noch finsterer aus. „Okay. Sorry.“, fing ich mich wieder. Er nickte knapp. „Wenn das klappen soll, musst du mir helfen, okay? Und Lachen hilft nicht.“, stellte er grummelig klar. Das war ja ein Bild für die Götter, sofern es überhaupt so etwas wie Götter gab. Marcus Flint kleinlaut. „Du willst also Unterricht?“, fragte ich schließlich. Er stand noch immer vor mir. „Ich will Unterricht.“, gab er zu. Ich grinste breit und legte ihm wieder einmal meine Hände in den Nacken. „Okay. Fang an mit: Melinda Warren, du bist atemberaubend gut im Bett. Du bist unglaublich klug, wunderbar humorvoll... Und hübsch.“, sagte ich und sah ihm unentwegt in die dunklen Augen. Sie waren eindeutig braun, nicht schwarz. „Damit fange ich an?“, fragte er etwas skeptisch, aber er grinste. „Allerdings. Und dann sagst du, dass du mich niemals verlassen wirst.“, machte ich weiter. Er grinste gewinnend und verschloss mir meine geschwätzigen Lippen mit einem atemberaubenden Kuss. *The End* PS: Und auch dieses Mal stecken in der Geschichte ein paar Anregungen aus Grey's Anatomy. Für Kritik, Lob und so weiter bin ich gern zu haben. Vielen Dank ;-)

28.95 % der User hatten die Auswertung: Profil B Name: Theodora “Teddy” Altman. Geburtstag: 14.02.1973 Familie: Mutter verstorben, Vater im Ministerium tätig, älterer Bruder war in Slytherin. Jahrgang: Charlie Weasley. Haus: Hufflepuff. Freunde: Nymphadora Tonks, Charlie Weasley, Bill Weasley. Titel: Scars and souvenirs. Story: Es war jetzt ziemlich genau sechs Jahre her, dass ich Bill und den Rest der Familie Weasley gesehen hatte. Nur zu Ginny und Charlie hatte ich halbwegs regelmäßig Kontakt. Er war schon immer mein bester Freund gewesen und sie war die kleine Schwester, die ich nicht hatte. Vor sechs Jahren hatten Bill und ich uns getrennt, wir waren nur wenige Monate ein Paar gewesen. Es war für alle überraschend gewesen. Ich hatte gerade meinen Abschluss gemacht und wusste nicht so recht, was mich anschließend erwarten würde. Charlie hatte es bereits nach Rumänien gezogen und Bill arbeitete für Gringotts als Fluchbrecher in Ägypten. Ich hatte mich schon früh in Bill verliebt, er war so ein Freigeist, sportlich, cool und einfach zum Anhimmeln. Nach meinem Abschluss hatte er mich dann wohl auch nicht mehr nur als die beste Freundin seines Bruders gesehen und sich in mich verliebt. Wir waren ein gutes Team, seine Eltern liebten mich und Mrs. Weasley, da war ich mir sicher, hatte bereits unsere Hochzeit geplant. Ginny mochte mich besonders gern und ich sie. Ich hatte mich wohl gefühlt in der Familie Weasley. Aber aus beruflichen Gründen hatten wir uns dann getrennt, im Guten zwar, aber dennoch getrennt. Ich hatte eine Stelle angeboten bekommen bei Charlie in Rumänien. Als Heilerin. Die Arbeiter des Drachenreservats hatten schließlich ständig Verletzungen. Ich war hin- und hergerissen. Und Bill liebte seinen Job in Ägypten. Ich wollte nicht, dass wir uns die Zukunft verbauten. Wir waren noch so jung gewesen, ich gerade mal 18 und er 21. Wir hatten uns schweren Herzens getrennt und beschlossen, uns nicht mehr zu sehen. Ich besuchte seine Familie also nicht mehr zu Weihnachten. Charlie brachte mir jedes Mal ein Päckchen von seinen Eltern mit, wenn er nach den Feiertagen wieder in Rumänien aufschlug. Ja, ich verbrachte auch die Feiertage in Rumänien. Meine Mutter war gestorben, als ich noch sehr klein war. Ich hatte keinerlei Erinnerung an sie. Und meinen Vater hasste ich. Er arbeitete im Ministerium und hatte genau wie der Minister die Augen vor Voldemorts Rückkehr verschlossen. Zu meinem Bruder hatte ich nur sehr unregelmäßig Kontakt. Er war in Slytherin gewesen und war der typische große Bruder. Als er damals raus gefunden hatte, dass ich mit Bill ging, hatte er ihn herausgefordert. Ich konnte damals schon nur den Kopf schütteln, und das tat ich auch jetzt bei dem Gedanken daran. Wie albern. „Bereit?“, fragte Charlie, der meine Nervosität offenbar spürte. Ich atmete tief ein und aus, ein und aus, ein und wieder aus. Dann sah ich ihn an und nickte knapp. Gleich würden wir nach Hogwarts apparieren, oder vielmehr nach Hogsmeade. Genau wie Charlie arbeitete ich für den Orden des Phönix. Genau wie Bill. Schon im letzten Jahr hatte Charlie mir erzählt, dass Bill sich verlobt hatte. Mir hatte es einen Stich versetzt, obwohl wir uns so lange nicht gesehen hatten. Und jetzt würde ich ihn vermutlich gleich wiedersehen. Und seine Verlobte. Ich hielt mich an Charlies starkem Arm fest und schloss die Augen. Wir apparierten und ich wunderte mich zum tausendsten Mal, wann es aufhören würde, sich so mies anzufühlen. Warum überkam mich jedes Mal Übelkeit, wenn ich apparierte? Wer auch immer das erfunden hatte, hatte wohl einen Fehler gemacht. Wir kamen in Hogsmeade an und ich strauchelte kurz. Charlie konnte sich ein Lachen nicht verkneifen und ich boxte ihm unsanft gegen den Arm. „Auf geht es.“, meinte ich und lief los in Richtung Schloss, Charlie immer neben mir. Wir sprachen kaum, wir waren wohl zu angespannt. Bills Patronus hatte Charlie vor wenigen Momenten erreicht. Es gab einen Kampf in der Nähe des Astronomieturms und sie brauchten Verstärkung. Unsere Zauberstäbe hatten wir längst gezückt, als wir das Gelände und schließlich das Schloss selbst betraten. Wir stiegen gerade die letzte Treppe empor, als wir den Kampf schon hören konnten. Wir liefen schneller und attackierten die ersten Todesser, die nicht damit gerechnet hatten, dass noch mehr von uns kommen würden. „Bill!“, entfuhr es mir, als ich seinen roten Schopf erblickte. Er trug seine Haare zu einem lockeren Zopf, einige Strähnen hingen ihm verrucht ins Gesicht. Er war groß, schlaksig aber nicht zu dünn, und wirklich hübsch. Er trug noch immer eine Lederjacke, die ihre besten Tage schon hinter sich hatte und in seinem Ohr steckte ein Drachenzahn. Bill fuhr zu mir herum und ein breites Grinsen erstreckte sich über sein Gesicht: „Teddy.“, sagte er. Er ließ seinen Blick auf mir ruhen und es war, als hätte es die letzten sechs Jahre gar nicht gegeben. „Stupor!“, schrie ich gerade noch rechtzeitig, bevor der vermummte Todesser Bill aus einem Hinterhalt angreifen konnte. Das befreite Bill aus seiner Starre und er widmete sich wieder dem Kampf. Uns unterstützten auch einige Schüler, zum Beispiel ein blondes Mädchen, ein tollpatschiger Junge, ein Mädchen mit buschigem Haar und Ginny, meine Ginny. Sie war noch hübscher geworden, groß, beinahe schon erwachsen. Sie fiel mir glücklich in die Arme, als wir eine Sekunde verschnaufen konnten. Ich fragte mich gerade, wo Harry Potter war, als Ginny mir erzählte, er sei mit Dumbledore in geheimer Mission unterwegs. Okay, dann mussten wir uns um ihn keine Sorgen machen. Er war schließlich mit dem besten Zauberer unserer Zeit unterwegs. Im nächsten Moment vernahm ich einen markerschütternden Schrei. Ginny und ich ließen einander ruckartig los und sahen uns erschreckt um. Bill lag am Boden, um ihn herum Blut, überall Blut. Sein Gesicht war kaum mehr zu erkennen, so stark blutete er dort. „Greyback.“, stellte Charlie fest, als er neben mir zum Stehen kam und ebenso geschockt zu Bill sah. Greyback hatte sich über ihn gebeugt und obwohl er nicht verwandelt war, erkannte man den Werwolf in ihm sehr gut. Zu gut. „Incarcerus!“, riefen Charlie und ich wie aus einem Munde und Greyback wand sich unter vielen Seilen, die ihn stramm fesselten. Dann verschwanden die Todesser mit einem Mal, als hätten sie einen stummen Befehl erhalten, sich zurück zu ziehen. Uns sollte es recht sein. Ginny war als erste bei Bill angekommen und schluchzte heftig. Charlie fühlte den Puls seines Bruders und nickte mir benommen zu. Ich half Charlie, Bill vom Boden zu heben und gemeinsam brachte wir Bill in den Krankenflügel. *** „Liebes, du musst dich ausruhen. Schlaf ein wenig.“, meinte Mrs. Weasley zu mir und legte eine Hand auf meine Schulter, aber ich schüttelte den Kopf. Mrs. Weasley warf ihrem Mann einen Blick zu, den ich nicht recht deuten konnte. Es war schon spät, aber ich wachte dennoch an Bills Bett. Meine Hand lag auf seiner, mein Kopf ruhte die meiste Zeit auf der Matratze. Mr. Und Mrs. Weasley saßen auf der anderen Seite des Bettes und Charlie schlief irgendwo. Madam Pomfrey war wenig begeistert darüber, dass so viele Gäste im Krankenflügel waren, und nun erschien sie zum gefühlt hundertsten Mal hinter dem Vorhang, der Bills Bett von den anderen trennte. „Ich muss Sie nun bitten, zu gehen. Mr. Weasley braucht absolute Ruhe. Kommen Sie morgen wieder. Auch Sie brauchen Ruhe, nicht?“ Ich mochte Madam Pomfrey, sie war nett, aber bestimmt. Uns blieb also nichts anderes übrig, als den Krankenflügel zu verlassen. Am nächsten Morgen waren Charlie und ich die ersten, die in den Krankenflügel gingen. Okay, doch nicht. Harry Potter saß an einem der Betten, auf dem Ron lag. Ginny und die anderen Freunde, die uns geholfen hatten, saßen bei ihnen. Dort gingen wir zuerst hin. Ich nahm Ginny in den Arm: „Wie geht es dir?“, fragte ich sie. Sie zuckte mit den Schultern. Ich wusste, sie machte sich Sorgen um Harry und Bill. „Bill wird schon wieder, du kennst ihn doch. Der ist hart im nehmen.“, meinte ich und versuchte dabei so optimistisch wie möglich zu klingen. Ich sah Ginny an, dass sie mir das nicht ganz abnahm. „Hast du mal sein Gesicht gesehen?“, brummte Ron neben mir. Ich nickte. Ich hatte gesehen, wie Bill blutend am Boden gelegen hatte. Ich hatte gesehen, wie tief die Schnitte und Bisswunden waren, die Greyback ihm zugefügt hatte. Und ich hatte gesehen, wie Madam Pomfrey die Wunden gesäubert und schließlich verbunden hatte. Ja, ich wusste, dass Narben zurückbleiben würden. Mitten im Gesicht. „Er ist immer noch ein hübscher Kerl, glaub mir.“, versicherte ich Ron. Sein Mund klappte auf. Ich sagte nichts weiter, aber ich spürte Ginnys Blick auf mir. Ich sah zu ihr und sie flüsterte mir etwas ins Ohr: „Ich wünschte, du wärst Bills Verlobte.“, aber ich konnte darauf nicht mehr antworten. Hermine Granger, das Mädchen mit dem buschigen Haar, fing an zu schluchzen und erzählte, was für Vorwürfe sie sich machte, weil sie Professor Snape nicht gestoppt hatte, als dieser Professor Flitwick geschockt hatte. Charlie sah betreten von Harry zu Ron, zu Hermine, zu Ginny und schließlich zu mir. Er konnte mit Tränen nicht gut umgehen. Das wusste ich. Also ging ich zu dem Mädchen und schloss es in meine Arme. Sie hörte gar nicht auf zu weinen, obwohl Harry und Ron auf sie einredeten. „Ich glaub, niemand hätte es anders gemacht, Hermine. Und Professor Flitwick geht es doch gut, er ist schon wieder entlassen.“, sagte ich und strich ihr die Tränen von den Wangen. Sie war wirklich hübsch und ich fragte mich, ob sie Ron oder Harry den Kopf verdrehen könnte. Sie schluckte, dann versuchte sie sich an einem Lächeln und bedankte sich bei mir. Ich zwinkerte ihr zu und beschloss dann, nach Bill zu sehen. Schließlich war ich wegen ihm hergekommen. Als Charlie den Vorhang beiseite zog, saßen Mr. Und Mrs. Weasley schon wieder auf den Stühlen bei Bills Bett und standen auf, um erst Charlie und dann mich zu umarmen. „Was sagt Madam Pomfrey?“, fragte Charlie seinen Vater und dieser erzählte, Bill bräuchte einfach Ruhe und viel Schlaf. Er war also noch nicht aufgewacht? In mir machte sich Sorge breit, auch wenn ich eigentlich wusste, dass diese unbegründet war. Madam Pomfrey hatte ihm sicherlich ein starkes Schmerz- und Schlafmittel gegeben. „Wie lange sind Sie schon hier?“, fragte ich, als wir uns schließlich alle setzten und ich automatisch wieder nach Bills Hand griff. Ich hätte schwören können, dass seine Hand unter meiner gezuckt hatte und offenbar hatte das auch Mrs. Weasley gesehen, denn sie warf ihrem Mann wieder diesen Blick zu. „Wo ist eigentlich Fleur?“, fragte Charlie dann. Ich ließ Bills Hand nicht los, aber ich versteifte innerlich. Fleur. Fleur Delacour. Charlie selbst kannte sie nicht persönlich, aber er hatte sie während des Trimagischen Turniers gegen einen der Drachen antreten sehen. Er fand sie ausgesprochen hübsch, aber sie war wohl eher ein Püppchen. Ginny schien sie ja nicht besonders zu mögen, und das beruhigte mich irgendwie. Die Blicke von Mr. Und Mrs. Weasley bei der Erwähnung des Namen ihrer zukünftigen Schwiegertochter entgingen mir auch nicht. Fleur schien nicht das zu sein, was sie sich erhofft hatten. „Wir haben sie heute früh benachrichtigt. Sie wird bald hier sein.“, sagte Mr. Weasley und klang dabei nicht wirklich erleichtert oder glücklich. Er sah müde aus, genau wie seine Frau. Offenbar hatten sie nicht viel Schlaf bekommen. „Wollen Sie vielleicht einen Tee trinken gehen und einen Spaziergang machen? Ich kann hier bleiben und Sie informieren, wenn er aufwacht.“, bot ich deshalb an. Mrs. Weasley sah mich so warm an, wie sie es schon immer getan hatte. Sie war eine gute Frau, eine tolle und fürsorgliche Mutter. Sie war einfach ein guter Mensch. „Danke, Liebes.“, sagte sie und stand auf. Charlie begleitete seine Eltern und zog die Vorhänge wieder zu. Kaum verstummten die Stimmen der drei, schlug Bill langsam die Augen auf und sah mich an. Ich schnappte nach Luft, wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Eine Träne verlief sich so oder so. Ich lächelte ihn breit an. „Ich...“, fing ich an, doch er drückte meine Hand nur fester und bedeutete mir, nichts zu sagen. Er versuchte, sich aufzusetzen und ich half ihm vorsichtig. Dann setzte ich mich zu ihm auf die Kante des Bettes und er griff wieder nach meiner Hand. „Wie schlimm ist es?“, flüsterte er und sah mich durchdringend an. Ich schüttelte den Kopf: „Du bist immer noch der attraktivste Mann, den ich kenne, Bill. Du siehst jetzt nur abenteuerlicher und mutiger aus. Aber du bist immer noch ein hübscher Kerl, keine Sorge.“ Ich strich mit dem Finger über den Verband. Er grinste. „Es ist schön, dich zu sehen.“ Ich hatte ihn vermisst, auch wenn ich versucht hatte, nicht mehr an ihn zu denken. „Du bist immer noch wunderschön.“, flüsterte er schließlich heiser und in mir stieg Hitze auf. Ich sah weg. Er war verlobt. Er trank einen Schluck Wasser und sah mich wieder an. Ich konnte den Blick nicht lange von ihm wenden. Er fesselte mich zu sehr. „Gib mir einen Spiegel.“, sagte Bill bestimmt. Ich wusste nicht, ob das so eine gute Idee war, aber ich holte dennoch einen kleinen Spiegel aus meiner Tasche und gab ihn ihm. Er sah sich an, seine Augen weiteten sich. „Siehst du, ist gar nicht schlimm.“, meinte ich und nahm den Spiegel wieder an mich. Er lächelte matt. Okay, er hatte sich noch nicht ohne Verband gesehen, aber ich meinte wirklich, was ich sagte. „Du bist unglaublich optimistisch.“, sagte er leise und lachte knapp. Dann beugte er sich zu mir und ich bekam eine Gänsehaut. Ich fühlte mich wieder wie damals, als ich achtzehn war und er mich das erste Mal geküsst hatte. Wie konnte er mich nach so langer Zeit nur so aus der Fassung bringen? Mich so verunsichern? Ich hatte das Gefühl, die Zeit sei stehen geblieben. Ich fühlte seinen Atem auf meinem Gesicht und sah in seine wundervoll braunen Augen. Es war, als sei er noch immer „mein“ Bill. Er überbrückte die letzte Distanz zwischen uns und küsste mich mit Nachdruck. Ich schaltete meine wirren Gedanken aus und kostete den Moment voll aus. Ich wollte, die Zeit würde tatsächlich stehen bleiben und dieser Augenblick niemals vergehen. Bill schmeckte noch wie damals. Er küsste leidenschaftlich, etwas fordernd und definitiv gekonnt. Ich konnte gar nicht genug bekommen. Mich überrannte eine massive Gänsehaut und ohne es zu merken, hatte ich meine linke Hand in seinen Haaren vergraben. Ich spürte seine Hand auf meinem Rücken und ich grinste in den intensiven Kuss hinein. Wow. Kaum hörten wir Stimmen, zerplatzte die aufgeheizte Stimmung wie eine Seifenblase. Wir zuckten blitzschnell auseinander, er legte sich wieder hin und ich setzte mich zurück auf den Stuhl. Ich fuhr mir über die Lippen. Er sah mich noch einmal an. In seinem Blick lagen Verlangen, Lust und etwas Undefinierbares. Eine Entschuldigung? Bedauern? Ich hatte keine Zeit, darüber nachzudenken, denn der Vorhang wurde hastig zur Seite geschoben und Charlie stand mit seinen Eltern da. Mr. und Mrs. Weasley fragten sofort, ob Bill erwacht sei, aber da er die Augen wieder fest verschlossen hatte und keine Anstalten machte, zu zeigen, dass er wach war, schüttelte ich den Kopf. Ich konnte ihnen nicht in die Augen sehen. „Du siehst erschöpft aus, Teddy.“, meinte Charlie und setzte sich neben mich. „Charmant wie immer, Charlie.“, neckte ich ihn und zwinkerte ihm zu. Er sah mich an und ich wusste, er hatte bemerkt, dass etwas nicht stimmte. Er kannte mich einfach zu gut. „Auf ein Wort?“, fragte er wortkarg und nickte in Richtung Ausgang. Ich folgte ihm. Als wir an Rons Bett vorbei gingen, erhaschte ich einen kurzen Seitenblick auf Ginny, die mich breit angrinste. Bei Merlin, warum? Hatte sie gehört, dass ich mit Bill gesprochen hatte? Oder interpretierte sie es falsch, dass ich mit Charlie nach draußen verschwand? „Was war los?“, kam Charlie gleich zur Sache, als wir im Gang standen und die Tür geschlossen war. „Was meinst du?“, fragte ich unschuldig. „Du weißt genau, was ich meine. Dein Blick hat Bände gesprochen. Du hast noch Gefühle für Bill.“ „Bitte was?“, entfuhr es mir. Wie schaffte er es, mit nur einem einzigen Versuch ins Schwarze zu treffen? „Komm schon. Wir wissen beide, dass ich Recht habe.“, grinste er. „Ich hasse dich.“, sagte ich nach einer ganzen Weile, in der ich beharrlich geschwiegen hatte und Charlies Blick ausgewichen war. „Weil ich Recht habe. Und unglaublich bin.“, erklärte er und grinste jetzt noch breiter. Ich streckte ihm die Zunge raus. So ein Idiot. Ja, und wie er Recht hatte. „Also, verrätst du mir, was passiert ist?“, hakte er wieder nach. Ich überlegte. Sollte ich ihm sagen, dass Bill wach war? Dann würde er wissen wollen, warum er sich jetzt schlafend stellte. Das würde dazu führen, dass Charlie wissen wollen würde, was zwischen uns passiert war. Und das wollte ich ihm nicht sagen. „Nichts ist passiert. Ich war allein mit ihm und mir ist klar geworden, dass ich noch immer Gefühle für ihn habe. Schlimm genug.“, meinte ich achselzuckend und fand mich eigentlich sehr überzeugend. Aber Charlie sah mich abwägend an. Er wusste, da war mehr gewesen, aber er fragte nicht weiter nach. Gerade erreichten wir wieder Bills Bett, als hinter uns eine nervtötende Stimme ertönte und nach Bill rief. Ich drehte mich um und erblickte ein Püppchen. Ich konnte es nicht anders umschreiben, sie war wirklich ein Püppchen. Feines, hellblondes Haar, das im Licht fast wie pures Silber glänzte. Strahlend blaue Augen, rot geschminkte Lippen und eine aufgesetzte Sorgenmiene, ein schwingendes Röckchen und lange, lange Beine, die in hohen Schuhen endeten. Ich konnte nicht fassen, dass das wirklich Bills Verlobte sein sollte, aber wer sollte es denn sonst sein? „Kneif mich, ich träume.“, murmelte ich und Charlie musste sein Lachen unterdrücken. Ich schüttelte meinen Kopf in der Hoffnung, die Erscheinung damit zu vertreiben, aber das Püppchen blieb an Ort und Stelle und umklammerte jetzt Bills Hand so sehr, dass ich befürchtete, sie würde abfallen oder Bill würde aufschreien. Nichts dergleichen geschah. Aber ich sah deutlich Ginnys theatralisches Seufzen, Rons verklärten Blick, Harrys und Charlies Grinsen und Mr. Und Mrs. Weasleys Blick. Ich hatte der Konversation nicht wirklich zugehört, aber offenbar hatte Mrs. Weasley gerade erklärt, dass sie es verstehen könne, wenn Fleur die Hochzeit absagen würde. Das Püppchen plusterte sich auf und beschwerte sich mit sehr starkem französischen Akzent: „Das Einzige, was die Narben zeigen, ist dass mein Mann mutig ist. Ich denke, ich bin hübsch genug für uns beide.“ Mrs. Weasleys Blick wurde weicher. Hallo? „Nett.“, sagte ich sarkastisch und klatschte in die Hände. Das Püppchen drehte sich zu mir um und sah mich zornig an. „Wer ist das?“, fragte sie hochnäsig. Ich dachte gar nicht daran, ihr meinen Namen zu nennen. „Wie kannst du so etwas sagen? Dass du hübsch genug bist für euch beide. Was ist das denn für ein Kompliment?“, spie ich aus. Charlie hielt meinen Arm fest, als hätte er Angst, ich würde meinen Zauberstab zücken und angreifen. „Was glaubst du, wer du bist? Du wagst es, so mit mir zu sprechen?“, fragte sie mit schriller Stimme. „Das ist Theodora Altman. Charlies beste Freundin.“, erklärte Mr. Weasley. Ich schnaubte bei meinem vollen Namen. Es hatte einen Grund, dass ich von allen nur Teddy genannt wurde. Fleurs Augen verengten sich zu Schlitzen und sie begutachtete mich kritisch von oben bis unten. Sicherlich gefiel es ihr nicht, dass ich kein Röckchen, sondern eine ganz normale Jeans trug. Dass ich meine Haare weder geglättet noch gelockt hatte. Dass ich keine knallroten Lippen hatte. Ich war eben praktisch veranlagt, konnte anpacken. Dieses Püppchen würde in ihren High Heels keine drei Meter rennen können. Ich konnte wirklich nicht glauben, dass Bill dieses Püppchen heiraten wollte. Warum? Am liebsten hätte ich ihr vor die Füße geworfen, dass ich ihren zukünftigen Ehemann vor wenigen Minuten geküsst hatte, oder eher er mich. Aber ich riss mich zusammen und sah sie nur feindselig an, bevor ich mich aus Charlies Griff befreite und den Krankenflügel fluchtartig verließ. *** Ich hatte meine Wunden geleckt und meine Gedanken abgelenkt. Ich hatte Bill nicht mehr im Krankenflügel besucht. Nach meinem Ausbruch war das wohl das Beste. Ich konnte nicht mit ansehen, wie sich das Püppchen um ihn sorgte und so tat, als helfe sie ihm. Ich schüttelte mich bei dem Gedanken daran und ermahnte mich selbst zur Konzentration. Ich hatte beschlossen, das Kapitel Bill endlich ein für allemal abzuschließen. Er war verlobt und er würde heiraten, ob er mich geküsst hatte oder nicht. Ich wäre schon längst wieder nach Rumänien zurückgekehrt, hätte Mad-Eye mich nicht für einen Auftrag begeistert. Harry Potter aus dem Haus seiner Familie abholen und sicher in den Fuchsbau bringen. Ich war im Orden, wie hätte ich also absagen können? Charlie hatte zurück gemusst, Norberta ging es nicht gut und er war der Einzige, den sie nah an sich heran ließ ohne gleich Feuer zu speien. Ohne Charlie fühlte ich mich irgendwie nicht mehr so sicher, als ich nun auf meinem Besen saß und zwischen Tonks und Remus flog. Ich wusste, dass Bill hinter uns war. Bill. Ich musste mich wirklich zusammen reißen, nach vorne zu sehen. Ich sollte mich bei dieser Aufgabe wirklich auf nichts und vor allem niemanden konzentrieren, außer Harry Potter sicher zu begleiten. Mad-Eye hatte noch nichts von einem Plan verraten, jedenfalls nicht mir. Ich war schon sehr gespannt und so langsam konnte ich mich auf die bevorstehende Aktion konzentrieren, ohne von einem gewissen Fluchbrecher mit schönen Augen abgelenkt zu werden. Mein Name wurde aufgerufen, genau wie der von Hermine, Ron und den Zwillingen. Hallo? Ich war im Orden! Warum musste Tonks keinen Vielsafttrank zu sich nehmen? Ich hasste dieses Zeug, seit ich in meinem vierten Schuljahr ein Experiment damit gemacht hatte und anschließend unentdeckt in den Krankenflügel hatte laufen müssen. Ich hatte einen schrecklichen Fehler gemacht und wenig menschlich ausgesehen. Ich schüttelte den Gedanken daran ab und hoffte, dass Mad-Eye sein Handwerk verstand. Die Flasche ging reihum und ich hielt mir die Nase zu, als ich trank. Sofort spürte ich die Wirkung. Ich spürte, dass ich etwas schrumpfte, meine Arme bekamen mehr Muskeln, meine Brüste verschwanden. Es war kein gutes Gefühl. Meine Haare wurden kürzer und meine Sicht verschlechterte sich dramatisch. Den Zwillingen entfuhr ein Aufschrei, sie seien nun identisch. Ich musste grinsen. Spinner! „Umziehen!“, befahl Mad-Eye gewohnt unfreundlich. Ich suchte eine Jeans, Schuhe, ein Shirt und eine Jacke zusammen und überlegte kurz, ob ich den Raum verlassen sollte, entschied aber, dass e schnell gehen musste. Ich zog also mein T-Shirt aus und stand in Harry Potters Körper mit meinem BH da. Oh bei Merlin! Schnell zog ich den BH aus, auch wenn es ein komisches Gefühl war. Bill sah mich die ganze Zeit an. Der Verband war ab, sein Gesicht zierten zwei lange Narben, die mich keinesfalls störten. Es war, als gehörten sie dorthin. Ich zog das Shirt und schließlich die Jacke über, dann wechselte ich die Hose und Schuhe und stand als fast perfekte Kopie von Potter im Raum. Mad-Eye gab mir eine Brille. Jetzt sah ich wirklich aus, wie der berühmte Harry Potter. Der Junge, der überlebt hatte. Ich war ein Junge! Der echte Harry flog mit Hagrid, Fred mit seinem Vater, George mit Remus und Ron mit Tonks. Hermine mit Kingsley und Mundungus mit Mad-Eye. Moment mal, das würde ja heißen... „Teddy, du fliegst mit Bill!“, bellte Mad-Eye und ich schloss die Augen. Was hatte das Schicksal eigentlich gegen mich? Warum musste ich nach sechs Jahren wieder Feuer und Flamme für ihn sein? Warum musste er mich dann küssen und warum musste ich jetzt mit ihm fliegen? Womöglich auch noch auf einem Thestral. Ich seufzte und fügte mich dem bitteren Schicksal, es hatte schließlich keinen Sinn, mich zu sträuben. Mad-Eye erklärte die Strategie zum wiederholten Mal. Fred und George verdrehten die Augen, hörten aber zu. Tonks und Remus warfen sich einen Blick zu, dann wurde Tonks Haar etwas dunkler und Remus sah verlegen weg. Okay. Was auch immer da war, ich würde Tonks definitiv nachher darauf ansprechen. „Vorne oder hinten?“, fragte Bill mich und seine Stimme ließ mich schaudern. Warum hatte er so eine Macht über mich? „Vorne natürlich.“, sagte ich bestimmt und ließ mir von ihm auf das schaurige Geschöpf helfen. Ja, ich konnte es sehen. Auch wenn ich keine Erinnerungen an meine Mutter hatte, so hatte ich ihren Tod gesehen. Bill schwang sich hinter mir auf das Wesen und fast war er mir zu nah. Wie sollte ich mich so auf die Aufgabe konzentrieren? Ich roch ihn, spürte ihn an meinem Rücken. Er griff in die Mähne, um sich festzuhalten und dabei berührten seine Hände meine, die sich bereits in der Mähne vergraben hatten. Ein angenehmer Schauer übermannte mich. Dann merkte ich die Wärme, die von seinem Körper ausging und wurde ruhiger. Ich fühlte mich so wohl, so sicher in seiner Nähe. Daran hatte sich nichts geändert. „Schöne Unterwäsche.“, flüsterte er mir leise ins Ohr. Ich hätte also doch den Raum verlassen sollen. „Hör auf damit!“, meinte ich zischend. Mad-Eye sollte uns besser nicht hören, er wurde unangenehm, wenn jemand unkonzentriert war. Bill lachte kurz auf. Warum reizte er mich so? Er war verlobt. Und wieder fand ich etwas, das mich an dem Püppchen störte: Wo war sie jetzt? Hatte sie Angst, sich einen Nagel zu brechen? Hatte sie keine angemessene Kleidung hierfür? Ich konnte wenigstens anpacken! Als wir dann flogen, ließ ich alles im Ligusterweg, was nicht zu unserem Auftrag gehörte. Ich konzentrierte mich auf den dunklen Himmel und auf alles, was sich vor uns erstreckte. Ich machte mich innerlich bereit, uns zu verteidigen, sollten wir angegriffen werden. Zuerst passierte lange Zeit gar nichts. Mad-Eye und Mundungus flogen etwas weiter unter uns und ich sah zu ihnen. In diesem Moment passierte es: Sie wurden angegriffen. Ich schrie Bill zu, dass wir ihnen helfen mussten, aber er schüttelte den Kopf. Es war so abgesprochen, dass jedes Team seinen Portschlüssel kriegen musste. Mundungus ließ Mad-Eye im Stich. Ich schrie Bill wieder an, drehte mich etwas zu ihm und sah, dass er mit sich kämpfte. Aber er flog auch dann weiter, als wir sahen, dass Mad-Eyes lebloser Körper in die Tiefe rauschte. Ich ließ einen erstickten Schrei verlauten und musste mich zusammenreißen. Dann wurden auch wir angegriffen. Es dauerte, bis wir unsere Verfolger abgehängt beziehungsweise besiegt hatten. Diejenigen, die wir nicht erwischt hatten, zogen sich mit einem Mal zurück. Was war los? Hatten sie es sich anders überlegt? Irgendetwas war geschehen. Dass die Todesser sich zurück zogen war sicherlich kein gutes Zeichen. Ich war geschockt von Mad-Eyes Fall, als wir den Ort, an dem der Portschlüssel sein sollte, erreichten. Wir waren zu spät. Meine Haare wurden wieder länger und fielen mir über die Schultern und meine Augen wurden schärfer, sodass ich die Brille abnahm und in die Jackentasche steckte. „Wir beeilen uns besser.“, meinte Bill und wir flogen wieder los, durch die kalte Luft, bis wir den schiefen Fuchsbau erkennen konnten. Ich hatte einen Kloß im Hals. Wir mussten die schlechte Nachricht von Mad-Eyes Tod überbringen und ich wusste noch nicht, ob es alle sicher zurück geschafft hatten. Wir landeten sanft und sicher im hohen Gras unweit vom Fuchsbau entfernt und Bill half mir hinunter, nachdem er selbst abgestiegen war. Er packte mich an der Hüfte und mich durchzog ein wohliges Kribbeln. Er ließ mich los, als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte und ich strich mir durch mein endlich wieder langes Haar. Bill sah mich an und schmunzelte. „Was?“, fragte ich. Vielleicht war ich manchmal etwas forsch, aber ich fand es legitim, nachzufragen. Er grinste noch immer und sagte dann: „Das hast du früher schon immer gemacht. Es sieht noch genau so gut aus.“ Ich war perplex und geschmeichelt. „Was war das im Krankenflügel?“, fragte ich schließlich, bevor wir uns in Richtung Fuchsbau bewegen konnten. Bill biss sich auf die Unterlippe und er sah aus, als würde er nachdenken. Er blieb stumm, also drehte ich mich zu ihm und machte einen Schritt auf ihn zu: „Was war los mit dir? Du bist verlobt. Plötzlich öffnest du die Augen und küsst mich, plötzlich tust du wieder so, als würdest du schlafen. Du verwirrst mich. Was ist los? War das ein Ausrutscher?“ „Ich verwirre dich? Dass ich nicht lache. Du verwirrst mich. Plötzlich tauchst du nach sechs Jahren wieder hier auf, sitzt an meinem Bett, weichst nicht von meiner Seite und sagst all diese Dinge zu mir. Du bist plötzlich aufgetaucht, nicht ich. Du warst an meiner Seite und ich konnte nichts dagegen tun. Du verwirrst mich, so wie du mich damals schon verwirrt hast. Du bist wie eine Sucht, wie Gift. Du bist die verbotene Frucht, von der ich die Finger nicht lassen kann.“, knallte er mir an den Kopf und war immer lauter geworden. Ich war geschockt, völlig überrumpelt. Wie bitte? Ich war Gift für ihn? Vielen Dank auch, du dämlicher Idiot! Ich hatte es mir nicht allein ausgesucht, dass wir uns trennen mussten und ich hatte ihn auch nicht eigenhändig verlobt. Was war eigentlich sein Problem? „Wenn du es in meiner Gegenwart nicht aushältst, gehe ich jetzt wohl besser.“, flüsterte ich so leise, dass ich es selbst kaum hörte. Ich war traurig, aber auch wütend. Ich drehte mich schnell um und lief ein paar Schritte. Nein, ich stapfte eher wütend durch das dumme hohe Gras, in dem man nicht vernünftig rennen konnte. Ich schluckte fest und nahm mir vor, nicht zu weinen. Es war mir gutgegangen in den sechs Jahren, oder nicht? Ich brauchte keinen Fluchbrecher, um glücklich zu werden. Im Reservat gab es genug attraktive Männer. Und anderswo auch. Ich lief weiter in Richtung Fuchsbau. Ich musste den anderen schließlich sagen, dass wir es auch geschafft hatten und sehen, ob es allen gut ging. Und ich musste ihnen sagen, dass Mad-Eye gefallen war. Ich sah das wackelige Haus schon, da umschloss eine raue Hand meinen Unterarm und zog mich ein Stück zurück. Ich prallte unsanft mit dem Gesicht gegen Bills Brust und schaute wütend zu ihm herauf. „Du verstehst wohl Komplimente nicht.“, meinte er trocken. „Vielleicht liegt es daran, dass du darin nicht besonders gut bist.“, konterte ich. Er grinste mich an und meine Wut wich aus meinem Körper. Ich wollte mich aus seinem Griff befreien, aber es ging nicht. Ich hatte ihn geliebt, auch wenn ich noch so jung gewesen bin. Und ich hatte damit nicht aufgehört, auch heute nicht. Ich liebte ihn noch immer. Aber ich war eben keine dieser Frauen, die bei einem netten Wort gleich weiche Knie bekamen und dahin schmolzen. Da brauchte ich schon mehr. Einen Kuss vielleicht, oder zwei. Bill zog mich noch näher an sich und ich sah mir seine Narben an. Seine linke Wange war durchzogen davon. Aber wie ich bereits gesagt hatte, sah er kein bisschen weniger gut aus. Er sah toll aus. Ich stellte mich auf Zehenspitzen und ließ geschehen, was nun geschah. Wir küssten uns und stolperten Stück für Stück tiefer ins Dickicht, aus dem Blickfeld des Fuchsbaus. Es war wie in der guten alten Zeit vor sechs Jahren, als wir noch ein Paar gewesen sind und uns nicht hatten verstecken müssen. Wir küssten uns und erneut hatte ich das Gefühl, die Zeit würde stehen bleiben. Bill öffnete langsam den Reißverschluss meiner Jacke, während ich seinen Hals küsste. Wir wurden immer leidenschaftlicher und verspielter, bis wir uns schließlich ins Gras fallen ließen und uns einander völlig hingaben. Kaum lagen wir schwer atmend aber mit breiten Grinsen in den Gesichter nebeneinander, spielte sich die Situation, in der wir uns befanden, in den Vordergrund. Wir hatten noch keine Ahnung, ob alle anderen sicher im Fuchsbau waren. Wir hatten ihnen noch nicht gezeigt, dass es uns gut ging. Sie machten sich sicher Sorgen, vor allem Molly und Arthur. Ich schnappte mir die Jeans und das Shirt, das ich getragen hatte und zog mich schnell an. Bill tat es mir gleich, wir sahen uns nicht an. Ich zog die Jacke an und er band sich sein Tuch um den Hals. Nebeneinander liefen wir ein weiteres Mal in Richtung Fuchsbau und dieses Mal hielten wir nicht inne, sondern überquerten die Wiese und öffneten die Tür. Molly nahm mich sofort fest in den Arm und ich hörte Fleur laut schluchzen und sah aus dem Augenwinkel, wie sie sich an Bill schmiegte. Ginny nahm mich ebenfalls in den Arm und ich versicherte ihr mehrmals, dass uns nichts passiert war. „Mad-Eye ist tot.“, endete Bill unser Gespräch. Es war totenstill. Dann erst erblickte ich George auf dem Sofa und setzte mich sofort zu ihm. „Ich muss also erst ein Ohr verlieren, damit du mich beachtest?“, gluckste George. Ich gab ihm einen sachten Schlag auf den Hinterkopf und brachte ihn damit zum Schweigen. Er grinste trotzdem. Ich sah mir an, was von seinem Ohr übrig geblieben war und er erzählte mir, dass es Snape gewesen sei. „Man kann niemandem mehr vertrauen.“, war mein Kommentar. „Du hast Snape vertraut?“, fragte Fred ungläubig. Ich nickte und erntete viele ungläubige Blicke. Nur Bill lächelte leicht. „Dumbledore hat ihm vertraut. Er war im Orden. Aber nun genießt er mein Vertrauen nicht mehr.“ „Er hat Dumbledore umgebracht!“, meckerte Harry ungehalten, aber ich nahm es ihm nicht übel. Er hatte ja Recht. Wir beschlossen, dass wir uns hinlegen sollten. Kingsley apparierte allein, Remus mit Tonks und Fred mit George. Ich war etwas unschlüssig. Ich konnte unmöglich hier bleiben, auch wenn ich wollte. Schließlich verabschiedete ich mich von Molly und Arthur, nahm Ginny in den Arm und warf Bill einen flüchtigen Blick zu. Ich apparierte zu Charlie nach Rumänien. *** ZEITSPRUNG *** Ich war gerade aufgestanden und wollte einfach nur schnell unter die Dusche springen. Ich schlief schlecht in der Zeit seit der Hochzeit von Bill und Fleur, auf der ich nur gewesen bin, weil Charlie mich gedrängt hatte. Ich trug nur meinen Slip und ein weites weißes Shirt und meine Haare waren zerzaust. Ich gähnte. Ich sollte mir eine andere Bleibe suchen, durchdrang es mich wieder einmal. Ich konnte unmöglich hier bleiben. Shell Cottage, mein persönlicher Albtraum. Wer wohnte schon gern unter einem Dach mit dem Mann, den man liebte, der aber verheiratet war? Ich versuchte, Bill und Fleur aus dem Weg zu gehen. Ich blieb fast ausschließlich in dem kleinen Gästezimmer, dass sie mir zur Verfügung gestellt hatten. Ihre Hochzeit war gesprengt worden und unter den Todessern hatte ich meinen Vater und meinen Bruder erkannt. Ich hatte also keine Familie mehr, zu der ich hätte gehen können. Von meinem Vater hatte ich nichts anderes erwartet, aber der Anblick meines Bruders hatte mich zutiefst getroffen. Charlie hatte mich gepackt und war mit mir, seinem Bruder und dessen Püppchen hier her appariert. Ich hatte Charlie und Bill versprechen müssen, hier zu bleiben. Ich wusste, irgendwann würde ich dieses Versprechen brechen, aber erst einmal musste ich duschen. „Teddy...“, hörte ich Bills verschlafene Stimme dicht hinter mir. Der Boden hatte unter meinen verschlafenen Schritten geknarrt und er war aufgewacht. Mal wieder. Es war nicht das erste Mal, dass wir uns zu früher Morgenstunde auf dem Flur begegneten. „Ich wollte dich nicht wecken.“, sagte ich, ohne mich zu ihm zu drehen. Ich nahm die Klinke der Tür in die Hand und drückte sie schon nach unten, als Bill mich mal wieder packte und zu sich umdrehte. „Hör auf, Bill. Mein Tag wird auch so schon chaotisch genug, da kann ich dich nicht auch noch gebrauchen.“ Das saß. Bill sah mich überrascht und verletzt an, ging aber zurück in sein eheliches Schlafzimmer und ließ mich in Ruhe duschen. Als ich mir etwas angezogen und meine Haare getrocknet hatte, ging ich die Treppe hinab in die Küche. Ich sah Bill mit verschränkten Armen und fester Miene vor sich hinstarren, und Fleur stand ebenso neben ihm. Vor den beiden stand Ron. Ron? „Ron!“, rief ich freudig und umarmte ihn stürmisch, woraufhin er etwas rot wurde. „Was machst du hier? Was ist mit Hermine und Harry? Geht es dir gut?“, sprudelte es aus mir heraus. „Lass uns einen Moment allein, Teddy.“, sagte Bill und schnitt Ron damit das Wort ab, der seinen Mund gerade geöffnet hatte um mir zu antworten. Ich war wie vor den Kopf gestoßen und verließ das Wohnzimmer. Ursprünglich wollte ich ja ohnehin in die Küche gehen und frühstücken. Ich hörte Bill ganz genau, Fleur auch. Und Ron. Anstatt Ron zu unterstützen und in Ruhe zu lassen, sprach Bill davon, wie enttäuscht er war. Und Fleur gab auch noch ihren französischen Senf dazu. Wie Ron seine Freunde in dieser Zeit nur in Stich lassen können, fragte sie. Ich goss die Milch daneben, so ein Drachenmist! Mit einem Wink meines Zauberstabs, der in meiner hinteren Hosentasche gesteckt hatte, beseitigte ich die Sauerei und ging schließlich zurück ins Wohnzimmer, in dem Ron inzwischen wie ein Häufchen Elend auf dem Sofa saß und gar nicht mehr aufsah. „Jetzt halt aber mal die Luft an, Bill!“, meckerte ich und stellte mich schützend vor Ron. Fleur sah mich an, als wolle sie mir an den Kragen. „Das ist nicht deine Sache,...“, fing Bill an, aber ich unterbrach ihn augenblicklich: „Ach nein? Dann mache ich es eben zu meiner Sache, hörst du? Ron geht es offensichtlich selbst nicht gut mit seiner Entscheidung. Er ist hier her gekommen um bei seinem Bruder Unterstützung zu bekommen. Und du sagst, du seist enttäuscht von ihm? Er hat sein Leben riskiert, damit Voldemort besiegt werden kann. Ich weiß nicht, wie du es nennst, aber ich denke, es heißt Mut. Lass ihn einfach in Ruhe.“ Ich wunderte mich selbst über meinen Ausbruch, aber ich fand, ich hatte Recht. Ron war aufgestanden und hatte noch immer einen roten Hauch auf den Wangen. Fleur sah mich finster an. Und Bill schüttelte ohne jedes Verständnis den Kopf. „Ron hat es euch doch erklärt, nicht? Sogar ich habe es gehört. Kannst du dir vielleicht vorstellen, wie es ist, mit der Person, die du liebst auf engstem Raum zusammen zu leben, ohne dass dich diese Person wahrnimmt? Weil sie mit jemand anderem beschäftigt ist? Nein. Aber ich kann das, Bill. Ich kann das sehr gut. Ich bin in der gleichen Situation.“, meckerte ich jetzt noch lauter. Fleurs Mund öffnete sich und ihre Augen weiteten sich im Schock. Sie sah aus, als hätte ich ihr einen Petrificus Totalus auf den Hals gejagt. Oh, wie ich mir wünschte, ich könnte ihr einfach einen Petrificus Totalus auf den Hals jagen! Sie sah zwischen Bill und mir hin und her. Ron sah ihr plötzlich ganz ähnlich. Auch Bill sah etwas geschockt aus, sagte dann aber matt: „Gut, bleib hier, Ron. Du kannst dir das Zimmer mit Teddy teilen. Nimm dir so viel Zeit, wie du brauchst.“, und ging die Treppe hinauf. Fleur ließ es sich nicht nehmen, mich noch einmal böse und warnend anzusehen und hastete ihrem Mann dann hinterher. Ich stand wie festgefroren in der Mitte des gemütlichen Wohnzimmers und Ron stand neben mir. Ich sah aus dem Augenwinkel, dass er mit sich rang. „Spucke es einfach aus, Ron.“ „Du musst mich nicht verteidigen. Du kannst mich auch einfach verurteilen. Das scheint einfacher zu sein und du streitest dich nicht wegen mir mit Bill.“, sagte er etwas kleinlaut und ich musste lachen. Jetzt sah er mich an. „Ich finde, ich habe Recht mit dem, was ich gesagt habe. Ich finde dich mutig. Außerdem habe ich gestern Abend alles aus dem Kühlschrank gegessen, sogar ein Stück Butter. Ich verurteile also besser niemanden.“, gab ich zu. Ron verzog das Gesicht zu einer Grimasse: „Butter? Pur?“ Ich bejahte und lachte. Wir setzten uns zusammen auf das Sofa. „Ich kann hier auf dem Sofa schlafen.“, meinte Ron. „Wieso? Es ist unbequem. Oder hast du Angst, mit mir in einem Bett zu schlafen?“, fragte ich. Rons Ohren färbten sich dunkelrot. Es war ihm peinlich, wie niedlich! „Ich beiße nicht, versprochen.“, sagte ich und sah ihn fragend an. „Okay. Aber... Warum bei Merlin hast du Butter gegessen?“, hakte Ron nach. Der war ja fast so neugierig wie Ginny. Jeder andere hätte es längst verstanden, aber Ron nicht. Er verstand nicht, was ich gesagt hatte. Er hatte nicht verstanden, dass ich Bill liebte. Bevor ich Ron antworten musste, öffnete sich die Tür und Ron und ich schreckten auf. Ich hatte meinen Zauberstab sofort griffbereit, genau wie Ron. „Na, das ist ja mal ein warmer Empfang.“, lachte Charlie und ich ließ meinen Stab sinken um ihm in die Arme springen zu können. Am nächsten Abend saß ich wie so oft allein auf dem Bett im Gästezimmer, das ich mir mit Ron teilte. Ich hörte Bill lachen. Ich liebte dieses Lachen. Wie oft hatten wir zusammen gelacht, bevor wir uns getrennt hatten und bevor er geheiratet hatte? Seit Ron hier war sprachen wir gar nicht mehr miteinander. Charlie hatte versucht, mich davon zu überzeugen, mit den anderen unten in der Küche zu essen, aber ich hatte vehement abgelehnt. Ich würde essen, wenn sie alle längst im Bett waren. Zumindest Bill und Fleur. Ich seufzte, daran wollte ich gar nicht denken. Bill und Fleur im Bett, nein danke, liebe Gedanken. Ich stand vom Bett auf und machte ein paar Schritte ans Fenster. Dann lief ich doch zurück zum Bett. Ich wusste nicht recht, ob ich mich setzen wollte. Also lief ich zur Tür und öffnete sie einen Spalt. Jetzt drangen die Stimmen lauter zu mir. Fleurs aufgesetztes Lachen, das ich sicherlich nicht als halb so aufgesetzt und falsch empfinden würde, wäre ich nicht in ihren Ehemann verliebt. Rons Stimme. Charlies Stimme. Bill. Ich schloss die Tür, als ich hörte, wie Bill und Fleur den anderen gute Nacht sagten. Es war noch nicht spät, ich wusste, was das hieß. Ich ließ mich an der Tür hinab sinken und zog meine Beine so nah wie möglich an meinen Körper. Ich musste einen Weg finden, woanders unter zu kommen. So ging es jedenfalls nicht weiter. Eine Weile saß ich zusammen gekauert an der Tür, bis ich entschied, dass mir das nicht weiter half. Außerdem meldete sich mein Magen wütend zu Wort. Ich hatte nur gefrühstückt, und das nicht besonders ausgiebig. Ich rappelte mich also auf und öffnete die Tür. Charlie und Ron unterhielten sich ziemlich leise, als wollten sie nicht, dass man sie hörte. Das machte mich natürlich nur noch neugieriger. Also lief ich auf Zehenspitzen durch den Flur und hoffte inständig, dass der Boden nicht wie heute früh knarren würde. Ich hatte Glück. Am Treppenbeginn blieb ich stehen und ging in die Hocke. Ich konnte Charlie und Ron nicht sehen, aber jetzt verstand ich ihre Unterhaltung. Sie mussten also direkt unter der Treppe auf dem Sofa sitzen. „Die einzigen Personen, die nicht wissen, dass Bill Teddy liebt, sind Bill, Teddy und Fleur.“, sagte Charlie gedämpft und ich musste mich zusammenreißen, um nicht umzukippen. Bitte was? „Und deinem Gesichtsausdruck zu folgen gehörst du auch zu diesen Personen.“, lachte Charlie nun. Ich verlor leicht das Gleichgewicht und der verflixte Boden unter mir knarrte. Charlies lachen erstarb sofort und Ron startete eine einstudiert klingende Konversation zum Thema Quidditch. Ich wurde erwartet, also schritt ich die Treppe hinab und versuchte, so unbeteiligt wie möglich auszusehen. *** ZEITSPRUNG *** Es war das erste Mal seit ich Bill wiedergesehen hatte, dass ich nicht an ihn dachte. Kaum hatte ich einen Patronus von Kingsley erhalten, dass die Schlacht bevorstand, war ich ohne ein weiteres Wort aus Shell Cottage appariert. Ich wusste, dass es gefährlich war, aber mein Verstand hatte für eine Sekunde ausgesetzt. Ich war nach Hogsmeade appariert, wie vor dem Kampf auf dem Astronomieturm. Und wieder einmal war mir schlecht geworden. Aberforth Dumbledore, der ruppige Wirt des Eberkopf, hatte mich in seine Gaststätte gezogen, nachdem ich beinahe erwischt worden war. Durch ihn und den Geheimgang gelangte ich schließlich in den Raum der Wünsche, wo ich zunächst Luna und Ginny wiedertraf. „Wo ist Bill?“, fragte Ginny sofort, als sie in meinen Armen lag. „Er kommt sicher gleich. Mit Fleur.“, sagte ich und versuchte, ruhig zu bleiben und mir nichts anmerken zu lassen. „Ich wünschte, er würde sie einfach zurücklassen.“, murmelte Ginny und ich musste unwillkürlich grinsen. Dann machte ich mich auf die Suche nach Kingsley. Professor McGonagall hatte bereits die steinerne Armee zum Leben erweckt und ich sah Molly und Arthur mit einigen anderen einen Schutzwall errichten. Ohne Umschweife stellte ich mich dazu und half. Es war schon spät, der Himmel tiefschwarz. Es wirkte so unecht. Als die Todesser durch unsere Wall brachen und mir einige Mauerteile entgegenflogen, rannte ich, Flüche um mich werfend, ins Schulgebäude hinein. Ich musste den anderen helfen, Hogwarts vor Eindringlingen zu schützen. Wir mussten Harry mehr Zeit verschaffen. Ich kämpfte gegen einen besonders hartnäckigen Todesser, als mich aus dem Hinterhalt ein Fluch traf. Ich spürte einen brennenden, stechenden Schmerz, der sich wie eine Klinge durch meinen Körper bohrte. Es war, als würde sich Gift in meinem ganzen Körper ausbreiten. Es begann im Rücken und wanderte über meine Lungen in meine Arme, von meinem Bauch in meine Beine. Meinen Zauberstab ließ ich achtlos zu Boden fallen. Meine Hände reagierten nicht mehr auf die Signale, die mein Gehirn sendete. Ich war nicht einmal in der Lage zu schreien oder anders auf mich aufmerksam zu machen. Ich war wie betäubt. Nur mein Kopf funktionierte noch, während mein lebloser Körper wie in Zeitlupe zu Boden sank. Mein Kopf schlug hart auf dem von Schutt bedeckten Boden auf und ich war mir ganz sicher, dass ich in einer Blutlache liegen würde. Ich sah mich angestrengt um und erblickte einen Rotschopf in der Menge. Was, bei Merlin, war das für ein Zauber? Sicher war nur, dass es schwarze Magie war. Noch bevor ich sicher sagen konnte, welcher Weasley sich mir näherte, schlossen sich meine Augen, obwohl mein Gehirn keinen Befehl dazu herausgegeben hatte. Ich bekam Panik. Ich spürte, wie mich jemand vom Boden hob und trug, aber ich konnte mich weder bewegen noch meine Augen öffnen. Weder husten noch stöhnen. Bitte bring mich zu Madam Pomfrey, dachte ich flehentlich. Sie würde wissen, was zu tun ist. „Was ist passiert?“, drang eine Stimme zu mir. Ich konnte sie nicht zuordnen, sie klang verzerrt und unnatürlich tief. „Ich habe sie so gefunden.“, kam es von einer anderen Stimme. Zumindest dachte ich, es müsste eine andere Stimme sein. Beide Stimmen klangen so gleich. Ich musste mich anstrengen, sie zu verstehen. Und ich strengte mich an, mich bewegen zu können. Ich wollte endlich meine Augen öffnen und sehen, wo ich war und mit wem. Ich war so müde. „Teddy, kannst du mich hören?“ Ja, dachte ich. Ja, ich höre dich. Aber ich konnte es nicht sagen, es war frustrierend. „Verdammt, Charlie. Warum warst du nicht bei ihr?“, dröhnte die eine Stimme wieder an mein Ohr. „Ich könnte dich das Gleiche fragen!“, polterte die andere Stimme zurück. Ich hörte sie, als hätte ich Watte in den Ohren. „Wach auf, Teddy. Wach auf.“ Ich versuche es ja, bei Merlin! Innerlich schrie ich, so laut ich nur konnte, dann wurde es ganz still um mich herum. Als habe man den Ton ausgestellt. So leise, zu leise. Beängstigend. Wo waren die Stimmen? War ich jetzt allein? Ich wollte kämpfen, ich wollte schreien, weinen, um mich treten, kratzen oder irgendetwas anderes tun. Aber die Dunkelheit und die Stille übermannten mich und die Müdigkeit tat ihr übriges. Ich gab mich der Müdigkeit hin... Irgendwann hörte ich wieder Stimmen. Sie waren weit weg, aber klarer als zuvor. Ich versuchte erneut meine Augen zu öffnen, aber ich bekam es nicht hin. Ich konzentrierte mich also auf die Stimmen. „Wie lange sitzt du schon so da? Du musst wenigstens etwas essen.“ Charlie. Ich war mir sicher. „Er hat Recht, Bill. Wir bleiben hier.“ Ginny. Ich spürte, dass ich nicht auf hartem, kalten Stein lag, sondern relativ weich. Der brennende Schmerz war verschwunden, aber ich war noch immer müde und schlapp. Bill war hier. Mein Herz raste. „Ich bleibe.“, sagte er. Er klang erschöpft und traurig. Erst jetzt spürte ich, dass meine rechte Hand umklammert wurde. Der Druck wurde fester. Bill. „Die Heilerin hat gesagt, es kann noch Wochen dauern, bis sie wieder aufwacht.“, sagte Ginny. Ich spürte Tränen in meinen Augen. Wochen? Und wie lange lag ich hier schon? „Dann werde ich eben noch Wochen hier bleiben.“, sagte Bill leise, fast flüsternd. Ich drückte seine Hand. Ich drückte seine Hand? „Teddy.“, sagte er ungläubig. Ich hörte, dass jemand weg lief. Vielleicht waren es auch zwei. „Teddy. Hörst du mich?“ Ich versuchte zu sprechen, aber es ging nicht. Ich drückte wieder seine Hand. „Ganz ruhig, Teddy. Ganz ruhig. Das wird schon wieder.“, sagte er, aber ich hörte seine Verzweiflung ganz deutlich. Ich wollte ihm sagen, dass ich hier war. Ich wollte ihm sagen, dass ich ihn liebte, immer geliebt hatte. Ich öffnete langsam meine Augen und plötzlich sah ich ihn. Er stand neben dem Bett, auf dem ich lag. Er hielt meine Hand mit seinen beiden Händen fest umklammert und er weinte. Mein Mund war schrecklich trocken. Ich schaffte es, ihn zu öffnen, aber anstelle von Bills Namen entfuhr mir bloß ein undefinierbarer Laut. Bill schreckte auf und seine Augen fingen an zu strahlen. Er sah so müde aus, aber dennoch wahnsinnig gut. War es falsch, ihn in meiner Situation so zu sehen? Ich konnte nicht anders. Ginny und Charlie kamen mit einer Heilerin im Schlepptau ins Zimmer. Bill half mir auf. Er hielt meinen Oberkörper im Arm, damit die Heilerin mir einen Trank einflößen konnte. Er schmeckte bitter und sauer zugleich, aber er war flüssig und das tat mir gut. Ginny stand vor mir und hatte Tränen in den Augen, ebenso Charlie. Die Tür öffnete sich leise, und Molly, Arthur, Percy, Ron und George traten ein. Jetzt liefen mir die ersten Tränen die Wangen hinunter. Bill legte mich sanft zurück in die Kissen, als ich den Trank hinter mir hatte. Ich räusperte mich. „Fred.“, war alles, was ich heraus bekam. Schlagartig wurden alle Gesichter traurig und ich wusste, ich hatte ins Schwarze getroffen. Fred hatte es nicht geschafft. In den folgenden Tagen ging es mir immer besser. Bill war immer da, wenn ich die Augen am Morgen öffnete und bis ich sie am Abend schloss. Ginny, Harry, Ron und Hermine kamen oft vorbei, so auch Molly und Arthur. Charlie war wieder zurück in Rumänien. Ich konnte mich wieder bewegen, war aber noch immer schwach. Die Heilerin hatte gesagt, ich sei außergewöhnlich stark gewesen. Die meisten hätten diesen Fluch wohl nicht überlebt. Jeden Tag brachte sie mir einen Trank zur Stärkung, der jeden Tag schlimmer schmeckte. Heute hatte ich sogar einen Würgereiz verspürt. Die Heilerin schickte meinen Besuch immer raus, wenn sie eintrat. Sie erinnerte mich stark an Madam Pomfrey. Ich war schon wieder müde und legte mich hin. Sie gab mir noch einen Schluck Wasser und sagte „Ruhen Sie sich aus, Miss Altman.“, wie sie es immer tat, bevor sie mein Zimmer verließ. Ich schloss also die Augen und hörte, wie die Tür hinter ihr ins Schloss fiel. Kurz darauf wurde sie wieder geöffnet. Bill, da war ich mir sicher. Ich öffnete die Augen und hatte Recht. Er lächelte mich an. Ich setzte mich umständlich auf. „Du solltest nach Hause gehen und dich ausschlafen. Mir geht es schon viel besser.“, sagte ich. Ich umging es, den Namen seiner Frau zu benutzen. Sicher fand sie es gar nicht gut, dass er jeden Tag hier war. Dass er Tag und Nacht an meinem Bett gewacht hatte, bevor ich wieder aufgewacht war. Ich dachte wieder an Charlies Worte: „Die einzigen Personen, die nicht wissen, dass Bill Teddy liebt, sind Bill, Teddy und Fleur.“ Jetzt fragte ich mich, ob Bill es nun wusste. Ob ich mir sicher sein konnte. Ob Fleur es wusste. Ich muss ziemlich nachdenklich und verwirrt ausgesehen haben, denn Bill setzte sich auf die Kante meines Bettes und nahm meine Hand in seine. Ich wollte, dass er mich niemals wieder losließ. Ich sah ihn fragend an. „Soll ich denn gehen?“, fragte er. Ich schüttelte so heftig den Kopf, dass ich Sterne sah. Nicht gut. Er lachte auf. „Dann bleibe ich hier.“ Okay, jetzt musste ich nachfragen, oder? „Was ist...“, fing ich unschlüssig an. Merlin, das war aber auch ein unangenehmes Thema! „Sie ist wieder bei ihrer Familie in Frankreich. Wir... Wir haben uns getrennt.“, sagte Bill mit fester Stimme und sah mir die ganze Zeit in die Augen. Ich war glücklich, verwirrt, unsicher, überwältigt und erleichtert zugleich. „Ich war ein Idiot, Teddy. Ich habe dich nie vergessen können. Ich habe es wirklich versucht. Aber es hat nicht geklappt. Dann habe ich sie kennen gelernt und mich verliebt. Ich dachte, ich würde mit ihr glücklich werden. Aber immer, wenn Charlie von dir erzählt hat, ist dieser Traum ein wenig mehr zerbrochen. Und dann warst du plötzlich da. Ohne Ankündigung. Einfach so. Wunderschön, mutig, tapfer und umwerfend. Aber ich wollte es mir nicht eingestehen, ich hatte doch Fleur einen Antrag gemacht. Und dann ist es passiert. Der Kuss und alles andere. Teddy, du machst mich wahnsinnig. Hast du schon immer und wirst du auch immer. Und dann dachte ich, du wärst tot. Charlie hat dich gefunden und ich konnte an nichts mehr denken, außer dass ich dir nie gesagt habe, dass ich dich liebe. Ich liebe dich.“ Ich saß da auf meinem Bett unter der Decke und hatte Tränen in den Augen. Er liebte mich. Er hatte sie verlassen, oder sie ihn, völlig egal. Er war frei. Ich lächelte und weinte zugleich. Nie hatte jemand etwas schöneres zu mir gesagt. Ich war sprachlos. Ich drückte Bills Hand, aber sein Gesicht verriet mir, dass er immer unsicherer wurde, weil ich noch nichts erwidert hatte. Also legte ich ihm meine Hände in den Nacken und zog ihn näher zu mir, um ihn zu küssen. Krankenbetten schienen einen besonderen Reiz auf uns auszuüben. Ich konnte gar nicht genug von ihm bekommen. Ich war so glücklich. *The End* PS: Und auch dieses Mal stecken in der Geschichte ein paar Anregungen aus Grey's Anatomy. Für Kritik, Lob und so weiter bin ich gern zu haben. Vielen Dank ;-)