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Die Statistik vom Quiz

My Hogwarts Story

37.07 % der User hatten die Auswertung: Profil A Name: Aurora Montgomery Familie: Einzelkind. Vater arbeitet im Ministerium, Mutter starb, als du vier Jahre alt warst. Jahrgang: Ginny Weasley. Haus: Slytherin. beste Freundin: Anfangs Pansy Parkinson. Titel: A Change is Gonna Come. Story: „Guten Morgen.“, sagte ich übertrieben breit grinsend, als ich den glitzernden, blinkenden Laden der Weasley- Zwillinge betrat und mit einem von beiden zusammenstieß. Ich musterte ihn und grinste – sofern das möglich war – noch breiter beim Anblick seines Anzugs. Die Farbe ging ja mal gar nicht. „Schicker Anzug.“ Hinter ihm tauchte sein Bruder auf. Ich hatte sie nie auseinanderhalten können, wie auch? „Satan spricht.“, meinte dieser und sah mich abschätzig an. „Ich bevorzuge die Bezeichnung 'Herrscherin über alles erdenklich Böse', aber auf 'Satan' höre ich zur Not auch.“, meinte ich, immer noch grinsend. Die Zwillinge wechselten einen verwirrten Blick, und ich nutzte die Gelegenheit, mich an ihnen vorbei ins Getümmel zu stürzen. Ja, ich war eine Slytherin und ich war zurecht in diesem Haus gelandet. Aber wir waren keine Schwarzmagier. Zumindest nicht alle von uns. Ich wusste, dass die Malfoys dem Dunklen Lord folgten, oder die Notts. Aber mein Vater gehörte nicht zu den Gefolgsleuten, auch wenn das alle annahmen, weil mein Vater ein hohes Tier im Ministerium war und aus einer altehrwürdigen Familie stammte. Außerdem unterhielt er gute bis sehr gute Beziehungen zu den Malfoys und Co. Mich interessierte diese ganze Blutgeschichte nicht im Geringsten, aber ich war eben eine kleine Schlange, Papas kleine Prinzessin, ehrgeizig, zickig, manchmal hinterlistig, auf meinen eigenen Vorteil bedacht, und vor allem die Eisprinzessin. Ja, so nannten mich viele in Hogwarts. Ich spielte mit diesem unnahbaren Image, weil ich es spaßig fand. Ich konnte jeden abschätzig ansehen, ich konnte Blaise Zabini überzeugen, meine Tasche für mich zu tragen, ich konnte Theodor Nott dazu bringen, meine Hausaufgaben für mich vorzuschreiben. Und das, obwohl ich ein Jahr jünger war als sie. Es lag wohl daran, dass Draco Malfoy mich unter seine Fittiche genommen hatte, und zwar gleich an meinem ersten Tag. Ich hatte mich neben ihn gesetzt und Pansy, die später meine beste Freundin geworden war, hatte nach Luft geschnappt. Scheinbar setzte man sich nicht einfach neben Malfoy. Ich hatte seinen Namen schon gehört und ich hatte ihn schon auf der einen oder anderen Feier des Ministeriums gesehen. Und da er auch meinen Namen und damit meinen Vater kannte, hatte er es zugelassen. Er hatte mir die Räume gezeigt, und ich war in seine Clique gerutscht, ohne es wirklich gewollt zu haben. Ich hasste es, wie er Neville Longbottom ärgerte oder Luna Lovegood. Ich kannte Luna vom Unterricht und fand sie eigentlich echt nett. Sonderbar, aber nett. Aber mein Image hielt mich davon ab, mich ihr zu nähern. Ich wollte angesehen werden in Slytherin, in Hogwarts. Ich hatte Angst, verletzt zu werden, also sah ich auch alle herab und stichelte gern mal. Aber im Grunde meines Herzens fühlte ich mich schlecht und einsam. Dieser Ausflug zu den Weasleys war eine willkommene Abwechslung, ich musste nur darauf achten, dass mich Draco und die anderen nicht sahen. Wobei... Draco war in diesen Ferien ein Todesser geworden. Er ließ sich nicht mehr außerhalb Hogwarts sehen, war fast nur noch für sich. Und Pansy, Crabbe und Goyle liefen ihm immerzu hinterher. Ich war also vermutlich sicher. „Was willst du denn hier?“, ließ mich eine Stimme aufschrecken, als ich gerade fasziniert einen Blick auf die vielen Nasch- und Schwänzleckereien warf. Ich drehte mich um und sah in die zu Schlitzen zusammengekniffenen Augen von Ginny Weasley. Ich setzte wieder meinen typischen Blick auf, sah sie an und sagte nichts. Ich ging einfach an ihr vorbei. Ich mochte sie wirklich nicht, Das lag nicht daran, dass wir in unterschiedlichen Häuser waren, sondern einfach an ihrer Art. Nie konnte sie ihren vorlauten Mund halten. Ich entschied, dass es an der Zeit war, zu gehen. Eigentlich wollte ich zwar noch bleiben, aber es sollte ja nicht gleich die Runde machen dass die unnahbare Eisprinzessin eine Schwäche hatte für Spaß. Ich sah mir noch im Vorbeigehen ein Regal an, als ich zwei Stimmen im nächsten Gang hörte. Als ich meinen Spitznamen hörte blieb ich abrupt stehen und lauschte. „Was macht die Eisprinzessin hier?“ „Das wüsste ich auch gern. Die war noch nie hier.“ „Und ich habe sie noch nie lachen gesehen.“ „Sie hat bestimmt auch nichts zu lachen, immerhin ist sie ständig in Malfoys Gegenwart.“ Dann lachten beide. Die Zwillinge. Na toll. Ich überlegte, ob ich ihnen meine Meinung geigen sollte, aber ich ließ es. Das passte nicht zu meinem Image. Stattdessen sah ich mir einfach die Phiolen im Regal genauer an. „DAS macht die Eisprinzessin also hier.“, drang eine aufgeregte Stimme an mein linkes Ohr. „Ein Liebestrank soll es sein.“, raunte eine zweite Stimme an mein rechtes Ohr. Vor Schreck ließ ich die Phiole fallen und machte einen Satz nach hinten. Die Zwillinge lachten, ich nicht. „An wen haben wir denn bei dem Trank gedacht?“, fragte der eine wieder. An der Farbe seines Anzugs erkannte ich, dass er derjenige war, in den ich anfangs hineingelaufen war. „Na, an dich bestimmt nicht.“, gab ich bissig zurück. Dann holte ich meinen Zauberstab hervor und mit einem Wink waren die Scherben verschwunden. „Das macht 2 Galleonen.“, meinte der zweite belustigt. Ich kniff die Augen zusammen, öffnete sie wieder und sah beide so herablassend wie nur irgendwie möglich an. Beide grinsten. Irgendwie machte mich das wütend. Der erste hielt die Hand auf, als erwartete er tatsächlich, dass ich die Phiole bezahlte. „Vergiss es.“, war meine simple Antwort, bevor ich auf dem Absatz kehrt machte und die beiden zurückließ. Schnell, und ohne mich umzusehen, lief ich zurück zum Schloss. Ich brauchte jetzt die Gesellschaft von ein paar Schlangen, die das Lachen wahrscheinlich nie gelernt hatten. Ich suchte Blaise und fand ihn am See sitzend. Ich setzte mich dazu und lehnte meinen Kopf auf seine Schulter. Er sagte nichts, er war nicht besonders geschwätzig und das schätzte ich, besonders in diesem Moment. *** Seit dem Vorfall bei den Weasleys musste ich ständig an sie denken. Nein, eigentlich nur an den einen. Den, mit dem schrecklichen Anzug. Wenn ich nur wüsste, wer es war. Glücklicherweise hatten es weder Draco, noch Blaise oder Pansy mitbekommen, dass ich dort gewesen war. Es schien, als habe Ginny nichts gesagt. Und wenn, dann jedenfalls keinem von uns. Das erste Mal fand ich sie gar nicht so übel. Ich schüttelte mich, um diesen Gedanken zu vertreiben. Blaise legte seinen Arm um mich, wir saßen auf einem Sofa in unserem Gemeinschaftsraum. Pansy saß uns gegenüber und zwinkerte mir vielsagend zu, was ich mit Augenrollen quittierte. Sie fand, wir würden ein tolles Paar abgeben, aber ich empfand rein gar nichts für ihn und war mir sicher, dass es ihm auch so ging. Und wenn nicht, dann wollte er sich allenfalls mit mir schmücken und das konnte ich nicht tolerieren. Ich mochte ihn, und ja, er sah gut aus. Aber er war nicht mein Typ. Das Einzige, was ich wirklich genoss, waren die dummen Blicke der anderen Mädchen, wenn ich neben Blaise in die große Halle stolzierte und er seinen Arm um meine Hüften legte. Das passte zu meinem Image. Der beliebte und stolze Junge, der sich für keine der anderen interessierte, mir aber den Hof machte. Ich musste lächeln, was Pansy völlig falsch interpretierte: „Ich muss noch Hausaufgaben machen.“, sagte sie und lief zu ihrem Schlafsaal. Blaise spielte mit einer Strähne meines Haares und nach und nach verließen auch die anderen den Gemeinschaftsraum. Sie dachten wohl, wir wollten allein sein. Dumme Idioten. Obwohl, schlecht war das auch nicht. So hatte ich meine Ruhe. „Was ist Malfoys Aufgabe?“, brach Blaise schnell die angenehme Stille. Ich setzte mich auf und sah ihn überrascht an. Ich hatte immer den Eindruck gehabt, ihn interessierte es nicht, was Draco tat. War Blaise vielleicht doch auf der falschen Seite? Er schien meine Gedanken zu lesen: „Ich finde es falsch, aber ich mache mir Sorgen um ihn.“ Ich nickte. Ich machte mir auch Sorgen. Draco sah so ausgezehrt aus, als würde er nie schlafen oder essen. „Ich weiß es nicht. Aber es muss etwas schlimmes sein.“ Wir sahen uns eine Weile in die Augen, sagten aber nichts mehr, Das Thema war beendet. Ich war mir wieder sicher, dass Blaise nichts mit dem Dunklen Lord zu tun hatte oder je haben würde. Ich war froh darüber, ich war nicht allein. Ich lehnte mich wieder zurück und ließ Blaise seinen Arm um mich legen. Ich schloss die Augen und war kurz davor, einzuschlafen, als Professor Snape in den Gemeinschaftsraum kam. Er war sonst nie hier. Sofort war ich hellwach und Blaise setzte sich etwas von mir weg. „Miss Montgomery, würden Sie mich in mein Büro begleiten?“, fragte der Professor mit seiner kalten, monotonen Stimme. Ich nickte und folgte ihm. Kaum in seinem Büro angekommen, erzählte er mir, dass Draco im Krankenflügel lag. Er war angegriffen worden, aber Snape wollte mir nicht sagen, von wem. Das war eigentlich auch egal. Mir kamen die Tränen. Draco war zwar nie wirklich ein Freund gewesen, aber er war immer da. Und er verdiente es nicht, zu leiden, auch wenn er ein verdammter Todesser war. Snape fragte, ob ich zu ihm wollte und ich nickte unter Tränen. Dann folgte ich Snape hinauf in den Krankenflügel, wo Draco schlafend in einem der Betten lag. Madam Pomfrey lächelte mir aufmunternd zu, sagte dann aber streng: „Sie haben zehn Minuten, Miss. Mister Malfoy braucht absolute Ruhe!“ Ich sagte nichts, sondern lief wie in Trance an ihr vorbei und zu dem Bett, indem Draco schlief. Er sah ganz friedlich aus, gar nicht wie jemand, der angegriffen worden war. Ich wusste nicht, wieso, aber ich nahm seine Hand und streichelte sie. Eine letzte Träne rollte über meine Wange und fiel auf das weiße Laken. „Was ist passiert?“, fragte ich, ohne eine Antwort zu erwarten. „Was haben sie mit dir gemacht?“, flüsterte ich dann und strich mit meiner Hand über seine Stirn. Er regte sich nicht, nur seine Brust hob und senkte sich. „Er wird über Nacht hierbleiben müssen. Aber er wird wieder fit. Machen Sie sich keine Sorgen.“, sagte Madam Pomfrey hinter mir. Ich sah sie an und lächelte leicht. Dann legte ich Dracos Hand zurück auf die Matratze und ging. Ich rätselte, was wirklich passiert war, wer das getan hatte, und warum. Was war Dracos Aufgabe? Und wie konnten seine Eltern zulassen, dass er sich so quälte? Er hatte noch nicht einmal mehr die Energie, Harry Potter und seine Freunde zu schikanieren. Als ich wieder in den Gemeinschaftsraum zurückkam, wartetet Blaise auf mich und sprang sofort vom Sofa auf. Ich konnte nichts sagen, ich grübelte noch immer über Dracos Aufgabe. Ich ließ mich von Blaise in eine feste Umarmung ziehen, ich legte meinen Kopf auf seine Schulter und ich fing an, zu weinen. Noch nie hatte mich jemand in Hogwarts weinen gesehen. Ich spürte, wie sich Blaise versteifte. Er wusste wohl nicht, was er nun machen sollte. Er sagte auch nichts, er hielt mich einfach nur und ich war dankbar dafür. Es war schon genug, dass ich ihm meine schwache Seite zeigte, aber im Moment konnte ich einfach nicht anders. Irgendwann, nach einer gefühlten Ewigkeit, strich mir Blaise durchs Haar. Ich löste mich so weit es ging von ihm, aber er hielt mich fest und nah bei sich. Ich spürte seinen Atem auf meiner Haut und sah nichts außer seiner Augen. Mein Hirn schaltete sich aus, und ohne jeden Widerstand meinerseits konnte er seine Lippen auf meine drücken. Der Kuss was sanft, vorsichtig, wunderschön. Ich brauchte ihn, ich brauchte seine Nähe und seine Zuneigung, aber dann sträubte sich etwas in mir gegen ihn und ich schaffte es, mich von ihm zu lösen. Ich sah ihm noch einmal in die Augen. Er sah mich traurig an und flüsterte nur ein „Entschuldige.“, als ich meine Hand auf die Lippen legte, die gerade noch von seinen bedeckt gewesen waren. Ich lief rückwärts in Richtung Schlafsaal und stolperte prompt gegen einen Sessel. Blaise lachte nicht, aber mich holte das zurück aus der Trance. Ich räusperte mich, sah Blaise strafend an und drehte mich dann entschlossen um, bevor ich in den Schlafsaal lief und mich sofort ins Bett legte. Ich war heilfroh, dass ich mir den Saal nicht mit Pansy teilte, sie hätte mich nicht schlafen lassen. *** Am Nächsten Morgen hatte ich den Kuss schon wieder so gut wie vergessen. Ich hatte keinerlei Gefühle für Blaise und ich war mir sicher, dass es ihm mit mir auch so ging. Oder? Jedenfalls hatte ich keine Zeit, mir darüber Gedanken zu machen. Ich fuhr mir mit den Fingern durch die Haare, warf einen letzten Blick in meinen Taschenspiegel, und ging dann hoch erhobenen Hauptes in die Große Halle zum Frühstück. Kaum hatte ich die Halle betreten, wurde es still. Einige reckten ihre Köpfe nach mir, andere tuschelten hinter vorgehaltener Hand über mich, keiner ließ mich aus den Augen. Am auffälligsten waren die Blicke von Pansy, Blaise, Draco und leider auch Ginny Weasley und ihren Gryffindor- Freunden. Mir wurde schlagartig übel und ich fühlte, wie die Unsicherheit von mir Besitz ergriff. Was war los? Was redeten alle über mich? Hatte diese dämliche Ginny doch etwas erzählt? Aber wieso erst jetzt? Oder hatte Blaise allen erzählt, wir seien jetzt ein Paar? Ich schloss kurz die Augen um mich zu konzentrieren, und als ich sie wieder öffnete, war ich ganz die alte, die unnahbare und desinteressierte Eisprinzessin. Ich fühlte mich stark, die Blicke prallten an mir ab. Elegant lief ich zu meinem Tisch und setzte mich neben Draco und Pansy, alles wie immer. „Na, Montgomery, gut geschlafen?“, fragte Nott und sah mich feixend an. Ich würdigte ihn keines Blickes, während ich mir eine Orange schälte und Draco musterte. Er sah immer noch blass aus, aber er grinste mich an. Blaise sah verwirrt zwischen Draco und mir hin und her und Pansy sah etwas alarmiert aus. Ich aß meine Orange und trank einen Tee, sagte aber nichts. Als ich aufstand, fing Nott wieder an: „Ich habe gehört, du hattest einen interessanten Abend gestern.“ Dieses Mal sah ich ihn direkt an und zuckte mit den Schultern: „Und wenn schon, was geht es dich an, Nott?“ Damit machte ich mich auf den Weg aus der Halle. Die Blicke der anderen spürte ich noch deutlich im Rücken, bis ich aus der Halle trat und Richtung Kerker davonlief. Auf halbem Weg bemerkte ich, dass meine Feder fehlte. Sie musste noch im Gemeinschaftsraum liegen, wo ich gestern Mittag meinen Aufsatz geschrieben hatte. Ich seufzte und drehte um. Ich würde mich beeilen müssen, um nicht zu spät zu kommen. „Aurora!“, flüsterte mir eine angenehme Stimme ins Ohr und jemand zog mich am Handgelenk in einen anderen Gang, der verlassen war. Ich sah in die Augen meines Entführers und stockte. Draco. „Du hast dir Sorgen um mich gemacht.“, stellte er fest. Ich riss mich los. „Du hast geweint.“ Bei diesen Worten kam er näher, zu nah. Ich wich einen Schritt zurück, aber er lachte nur kurz auf. Dann packte er mich an der Hüfte und zog mich mit einer Kraft an sich, der ich mich nicht entziehen konnte. „Lass mich gefälligst los!“, empörte ich mich und zappelte. Er grinste. Ich versuchte, hinter meinem Rücken an meinen Zauberstab zu kommen, der ein kleines Stück aus meiner Tasche herauslugte, aber kaum hatte ich nach ihm gegriffen, riss Draco ihn mir aus der Hand. „Na, na, na. Du willst mich doch nicht verletzen?“ „Was fällt dir eigentlich ein, gib mir meinen Zauberstab zurück!“, zickte ich ihn an und schaffte es, seinen festen griff zu lockern. Ich stand vor ihm und kochte vor Wut. „Komm schon, Aurora. Da ist doch etwas zwischen uns. Wir wären das perfekte Paar. Und solange du mit mir zusammen bist, erfährt auch keiner dein kleines Geheimnis, von dem ich erfahren habe.“, säuselte er. Ich schnappte mir meinen Zauberstab aus seiner Hand und sah ihn fragend an. „Deine Mutter...“, setzte er an, aber ich unterbrach ihn: „Starb, als ich vier Jahre alt war. Das ist kein Geheimnis, Malfoy.“ „das meinte ich auch nicht. Eher die Tatsache, dass sie ein Schlammblut war.“ Ich stand da und war bis ins Mark erschüttert. Wie konnte er es wagen, sie so zu nennen? Ich holte weit aus und scheuerte ihm eine. „Niemand spricht so von meiner Mutter, schon gar kein Todesser.“, schrie ich. Und da das Ventil schon einmal geöffnet war, legte ich gleich nach: „Du interessierst mich kein Bisschen, oder hätte ich sonst Zabini geküsst?“ Oh, bei Merlin. Ich schlug mir die Hände vor den Mund, aber es war raus. Ich hatte es laut gesagt und mit einem Mal war der Kuss wieder ganz präsent. Malfoy sah mich abschätzig und verletzt zugleich an und ich trat den Rückzug an. Ich stieß die Tür auf und bemerkte die Blicke der anderen gar nicht. Sogar Snapes Blick entging mir. Ich sagte nichts, sondern ließ mich einfach auf den einzigen freien Platz fallen und fing geistesabwesend an, die Zutaten für den Trank – welcher auf dem Programm stand, wusste ich natürlich gar nicht – hervorzuholen. „Ärger im Paradies?“, drang Ginny Weasleys nervende Stimme zu mir. „Was?“, zischte ich. „Ärger mit Malfoy? Das tut mir Leid, wo ihr doch das perfekte Paar abgebt. Das Eispärchen. Die schwarz magische Allianz.“, machte sie weiter. Ich war noch so in Rage von meiner Auseinandersetzung mit Malfoy, dass ich wieder lauter wurde, als beabsichtigt: „Maul halten, Weasley, oder es knallt. Es gibt kein Paradies mit Malfoy.“ Im nächsten Moment bereute ich meinen Ausbruch auch schon wieder, denn erstens sahen uns alle erschrocken und interessiert an und zweitens stand Snape nun an unserem Tisch und schnarrte uns ein: „Nachsitzen. Heute Abend acht Uhr in meinem Büro. Alle beide!“ hinterher. Ginny sah mich sauer an, aber ich schaute nur selbstzufrieden zurück. Wenn ich unterging, nahm ich wenigstens jemanden mit. Das Nachsitzen war besser, als ich angenommen hätte. Ich entging einer nervenden Pansy, die alle Einzelheiten über meinen Kuss mit Blaise wissen wollte, ich entging einem Draco, der mich mit Blicken zu töten versuchte, und ich entging einem Blaise, der wissen wollte, warum ich es Draco gesagt hatte. Ich entging meinem ganzen nervtötenden Haus. Natürlich hatte Draco allen sagen müssen, meine Mutter sei ein elendes Schlammblut und ich im falschen Haus gelandet. Der Tag bis zum Nachsitzen war ein Spießrutenlauf gewesen, weil jeder seinen Senf dazugeben musste. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, der Sprechende Hut habe mich wirklich ins falsche Haus gesteckt. In Hufflepuff würden sie mich bestimmt nicht alle so belagern. Oder in Gryffindor, oder in Ravenclaw. Ich seufzte, als ich die Kerkertür öffnete. Ginny saß schon da, aber von Snape war noch nichts zu sehen. Ich setzte mich drei Reihen hinter Ginny und schlug ein Buch auf, das ich mitgenommen hatte. Dann trat Snape herein und herrschte uns gleich an, dass wir gefälligst alle Kessel schrubben sollten. Natürlich nahm er uns die Zauberstäbe ab, sonst wäre es ja zu einfach gewesen. Dann verließ er den Raum und überließ uns einem Haufen Kessel, in denen zum Teil noch die Reste der Tränke von heute Vormittag waren. Wir griffen zum gleichen Schwamm und sahen uns deshalb finster an, aber nach einer Weile des Schweigens lachte Ginny plötzlich los. Ich ließ vor Schreck den Kessel fallen, den ich in gerade gereinigt hatte. „Ich hätte nie gedacht, dass Snape die Eisprinzessin zum Kessel schrubben degradiert.“, platze sie zwischen einem Lachanfall heraus. Da musste ich grinsen. „Ich hätte nie gedacht, dass ich mal mit dir lachen würde.“ Dann waren wir wieder still. „Du bist nicht Malfoys Freundin?“ „Nein. Ich hasse ihn. Er ist ein selbstsüchtiger, arroganter und unfairer Feigling.“, gab ich zu. Noch immer brannte in mir die Wut über das, was er über meine Mutter gesagt hatte. „Stimmt es, was alle sagen?“, fragte sie. Wow, die war ja mal neugierig. Ich seufzte. „Was sagen denn alle?“ „Dass deine Mutter muggelstämmig war und dass du mit Zabini geknutscht hast.“ „Was sie über meine Mutter sagen, stimmt. Und ich schäme mich nicht dafür. Sie war eine ausgezeichnete Hexe. Und mit Zabini... Das war nur ein kleiner Kuss und ein Fehler noch dazu.“ Ginny nickte verständnisvoll und säuberte ihren Kessel weiter. „Wissen die anderen, dass du gerne in Scherzartikelläden von Blutverrätern rumhängst?“, kam die nächste Frage. Dieses Mal grinste ich wieder. „Warum hast du es nicht gleich allen auf die Nase gebunden dass die unnahbare Eisprinzessin in Weasleys Laden einkaufen geht?“, stellte ich eine Gegenfrage. Sie zuckte mit den Schultern: „Vielleicht, weil mein Bruder es mir verboten hat.“ „Bitte was?“, rutschte es mir heraus. Warum sollte er es ihr verbieten? „Er dachte, wenn ich es allen sage, würdest du nicht mehr hingehen.“, antwortete Ginny, als habe sie meine Gedanken gelesen. Gruselig. „Welcher?“, fragte ich, ohne daran zu denken, dass Ginny gar nicht meine Freundin war und sich jetzt sicher einbildete, ich würde auf einen ihrer Brüder stehen. Ginnys Augen leuchteten kurz auf, Oh weh, jetzt hatte sie ganz schön viel Material über mich zusammen. „Der in dem schicken Anzug, den du beim reinkommen fast umgehauen hast.“, antwortete sie und musterte mich dabei. Jetzt wusste ich schon einmal, dass auch ich jemandem nicht mehr aus dem Kopf ging. Aber welcher der beiden war er denn? Fred oder George? Ich entschied mich, nicht nachzufragen, das war zu offensichtlich. Ich schwieg einfach und widmete mich dann wieder meinem Kessel, es war der letzte. Als Snape unsere Arbeit überprüfte und für gut befand, gingen wir gemeinsam aus dem Raum. Ich hatte es nicht weit zu meinem Gemeinschaftsraum. „Du bist ziemlich nett für eine Schlange.“, grinste Ginny, als wir uns verabschiedeten. „Und du bist doch nicht so ein Schandmaul, wie ich angenommen hatte.“, gab ich zu. Wir grinsten beide und gaben uns die Hände: „Frieden.“ *** ZEITSPRUNG *** Snape war Schulleiter und hatte die Carrows eingestellt. Ich war in Slytherin, ich war sicher vor ihnen. Jedenfalls solange, wie ich es noch schaffen würde, meinen Mund zu halten. Ich hatte mit Draco nicht mehr gesprochen und es hatte sich als das Richtige herausgestellt, nachdem ich erfahren hatte, dass er Dumbledore hatte umbringen sollen und somit ein Todesser war. Ich schüttelte mich bei dem Gedanken daran. Blaise und ich waren noch immer gute Freunde. Manchmal saßen wir nach wie vor aneinander gekuschelt auf dem Sofa im Gemeinschaftsraum, aber da lief rein gar nichts. Ich musste immer wieder an den Rotschopf denken. Kurz nachdem die Carrows ihre Schreckensherrschaft begonnen hatten, hatte ich mich immer wieder geheim mit Ginny getroffen. Schließlich war sie eine Blutsverräterin. Sie hatte mir erzählt, was auf der Hochzeit ihres Bruders Bill geschehen war und dass Harry Potter mit der Granger und Ginnys Bruder Ron auf der Suche nach was- weiß- ich waren, um den Dunklen Lord endgültig zu stürzen. Ich hatte Angst. Nicht um mich oder meinen Vater, uns würde nichts passieren, solange wir uns nicht auflehnten. Ich hatte Angst um Ginny und ihre Familie, um Mitschüler, mit denen ich eigentlich gar nichts am Hut hatte. Mir war aufgefallen, dass Luna Lovegood aus Ravenclaw fehlte, und ich merkte, dass ich mir Sorgen machte. Schließlich schrieb ihr Vater für den Klitterer. Irgendwann erzählte Ginny mir, dass die DA wieder auferstanden war und erklärte mir, was das bedeutete. Viele Schüler hatten sich in einem Raum versteckt, den ich nie gesehen hatte: Dem Raum der Wünsche. Sie bereiteten sich auf einen möglichen Kampf vor und versteckten sich vor Snape und den Todessern, die unsere Schule übernommen hatten. Mir wurde klar, dass ich nicht vorbereitet war, denn bei Dolores Jane Umbridge hatten wir nichts praktisches gelernt. Vielleicht gehörte sie auch zu den Todessern und wollte deshalb nicht, dass wir uns verteidigen konnten. Ginny redete mir gut zu. Harry Potter würde uns schon alle retten. Ein einziger Junge? Ich verdrehte die Augen jedes Mal, wenn Ginny wieder anfing zu schwärmen. Aber ich merkte ziemlich schnell, dass das nicht nur eine kleine Schwärmerei ihrerseits war: „Du bist bis über beide Ohren verliebt!“, platzte es aus mir heraus, als sie mir mal wieder von ihrem Harry erzählte. Wir waren gerade auf dem Weg, uns nach Hogsmeade zu schleichen. Es war ein riskantes Unterfangen, aber in einem Brief hatten Fred und George Ginny versichert, dass niemand, außer ihnen, den Rumtreibern und Harry den Weg kannten. Uns war das Risiko egal, wir wollten einfach raus aus der Schule. Ginny wollte ihre Brüder wiedersehen, und obwohl ich es abstritt, ging ich nicht nur wegen der Scherzartikel mit ihr. „Ich gebe es ja zu.“, sagte Ginny kleinlaut. Ich grinste sie an und ihre Wangen färbten sich zart rosa. „Und, weiß er von deinen Gefühlen?“, hakte ich nach. Seit ich Ginny kannte, war ich viel offener und vor allem neugieriger geworden. Sie nickte: „Wir haben uns geküsst!“ Ich quiekte, hielt mir aber sofort die Hand vor den Mund. Ginny kicherte. „Und du, bist du verliebt?“, wollte Ginny wissen, als wir den Geheimgang verließen und uns auf den Weg zu den Zwillingen machten. Alles war leer und verlassen, nur wenige Gestalten wanderten umher. Was war nur geworden? Das waren tatsächlich dunkle Zeiten. Was wir brauchten, war Aufmunterung, also wuchs die Vorfreude umso mehr. Ich versuchte, Ginnys Frage zu überhören, aber natürlich bohrte sie immer weiter, bis sie mir schließlich den Weg abschnitt. „Ja, verdammt. Ich glaube, ich bin verliebt. Aber ich kenne ihn eigentlich gar nicht, und er ist älter als ich. Zufrieden?“, zickte ich. Ja ja, diese Eigenschaft konnte ich einfach nicht ablegen. Aber Ginny nahm mir das nicht übel, sie grinste bloß vielsagend. „Kenne ich ihn?“ „Ich denke schon.“ „Geht er noch zur Schule?“ „Nein.“ „Hat er zufällig ein eigenes Geschäft?“ „Ginny, lass mich in Ruhe!“ Ich schubste sie spielerisch ein wenig von mir weg und stolzierte dann weiter, ohne sie eines Blickes zu würdigen. „Die Eisprinzessin ist zurück. Das wird IHM aber gar nicht gefallen. Ich habe so von dir geschwärmt.“, plapperte Ginny und brachte mich kurz vor der Ladentür doch zum Stehen. „Wem wird das nicht gefallen?“, fragte ich interessiert, aber meine werte Freundin zuckte nur mit den Schultern und öffnete die Tür. Ich verscheuchte meine wirren Gedanken und trat hinter ihr ein. Der Laden war wohl der einzige, der nicht leer war. Es war zwar längst nicht so voll wie bei meinem letzten Besuch, aber immerhin war es nicht leer. Sofort fiel Ginny einem der Zwillinge um den Hals, und ich blieb mit einigen Schritten Sicherheitsabstand zurück. „Wie geht es dir, Ginny?“, hörte ich ihn fragen, als ich schon um das erste Regal gelaufen war. Ich sah mir alles an, lachte bei so mancher Beschreibung, und vergaß zum ersten Mal seit langem, was so alles an der Schule und überhaupt in unserer Welt passierte. Ich las gerade das Etikett vom Nasenblut- Nougat, als ich gegen etwas rempelte. Sofort sah ich auf und erkannte, dass das nicht etwas, sondern jemand war: „Sorry.“, meinte ich, war zu mehr aber nicht fähig. Viel zu sehr war ich in diesen Augen versunken. „Dieses Mal gar nicht so stürmisch, was ist los, Prinzessin?“, holte mich seine Stimme aus den Gedanken zurück. „Ich...“ Oh bei Merlin, genau jetzt musste ich sprachlos sein. Im Ernst? „Du...“, brachte ich hervor. „Willst du das kaufen?“, fragte er mit Blick auf das Nougat in meiner Hand. Ich schüttelte den Kopf und gab es ihm, dann drehte ich mich um. Ginny suchen. Ich ließ ihn da einfach stehen und lief durch den Laden. Ginny und ihr anderer Bruder waren nicht zu sehen, also sah ich mich weiter um und landete schließlich wirklich wieder im Gang mit den Zaubertränken. „Es scheint dir ernst zu sein.“ Der schon wieder! „So etwas habe ich gar nicht nötig.“, meinte ich etwas bissig. „Wieso hast du denn diesen Quatsch in deinem Sortiment? Weil du sonst keine Frau kennenlernst?“ „Die Herrscherin über alles erdenklich Böse ist zurück. Und ich habe gedacht, ich hätte dich vorhin lachen gehört.“ Das saß. Man, dieses Image klebte an mir. Ja, manchmal war es hilfreich und es machte auch Spaß, es zu pflegen, aber nun störte es gewaltig. „Ich habe tatsächlich gelacht. Die Eisprinzessin ist geschmolzen, du Scherzkeks. Stell dir vor, ich bin ein ganz normales Mädchen. Ich lache, ich weine, ich bin zickig, ich habe Angst. Ich habe Angst um deine Schwester, denn auf Hogwarts geschehen schreckliche Dinge. Ich hasse Malfoy, ich bin keine Todesserin, ich bin Ginnys Freundin. Ich habe Angst vor dem, was vor uns allen liegt, ich habe Ablenkung und Spaß gebraucht, deshalb bin ich hier. Ich wusste nicht, dass man hier verurteilt wird für die Schwächen, die man hat. Wenn du Ginny siehst, sag ihr, ich warte im Tropfenden Kessel auf sie!“, schrie ich ihn an. Es tat gut, all das zu sagen. Ich meinte damit eigentlich gar nicht nur ihn, aber es tat mir weh, dass er mich so abschätzig als Prinzessin und so bezeichnete. Ja ich weiß, ich Trottel habe ihm eine perfekte Vorlage gegeben, aber ich war nun einmal unsicher. Diese Augen, dieses Grinsen... „Warte mal, Prinzessin!“, rief er, als er mich am Arm packte und am Gehen hinderte. „Tut mir leid, dass ich dich so wütend gemacht habe. Ich weiß, du bist Ginnys Freundin. Sie hat uns geschrieben. Ziemlich viel über dich.“ Er hielt mich fest und ich wollte nicht, dass er jemals loslassen würde. Sein Griff war fest, tat aber nicht weh. Ich sah wieder in seine Augen, dieses Mal sahen sie mich ernst an. „Wer bist du eigentlich?“, platzte es aus mir heraus. Er lachte und ließ mich los. „Du weißt nicht wer ich bin? Ich bin der unglaublich gutaussehende, charmante, humorvolle und unschlagbare Fred Weasley.“ „Bescheiden bist du wohl nicht, was?“, fragte ich, grinste aber bereits. Fred also. Fred Weasley, der mit Angelina Johnson ausgegangen war, den so viele Mädchen angehimmelt hatten und den sicherlich immer noch viele anhimmelten. „Ich sage nur die Wahrheit.“, lachte er mich an und ich konnte nicht anders, als mit ihm zu lachen. Plötzlich kam mir mein Ausbruch völlig kindisch, dumm und unangemessen vor. Nie würde er mich mögen. „Ich gehe mal Ginny suchen.“, sagte ich dann und setzte wieder meine Maske der Gleichgültigkeit auf. „Bei Merlin, warte doch. George zeigt Ginny unsere neueste Erfindung im Lager. Sie sind bestimmt gleich zurück.“, und dieses mal lag seine Hand auf meiner Schulter. Ich sah sie an, sah ihn an, und sagte dann frech: „Fasst du jedes hübsche Mädchen an, das in deinen Laden spaziert? Sie könnte einen großen, starken Beschützer haben.“ Er nahm die Hand weg. „Nur die besonders hübschen werden angefasst. Es haben ja nicht alle einen Beschützer. Manche brauchen noch einen.“ „Und du meinst, du bist der richtige für den Job, Fred?“ Es war das erste Mal, dass ich seinen Namen laut aussprach. Es klang gut. Er grinste wieder. Konnte der auch was anderes? „Wer, wenn nicht ich?“, meinte er übertrieben überzeugt und legte seine Hand zurück. Er hatte recht. Wer, wenn nicht er? „zeigst du mir die Erfindung? Oder darfst du das nicht, weil ich die zickige Prinzessin aus dem Haus der Schlangen bin?“, fragte ich gerade heraus. Er sah überrascht aus: „Meinst du das ernst?“ „Ich meine immer, was ich sage. Also?“ „Klar. Cool. Komm mit.“ Er ließ die Hand auf meiner rechten Schulter und lief links von mir. Wow, das fühlte sich gut an. Ich war Hals über Kopf verknallt in einen Jungen, den ich eigentlich kaum kannte, bei dem ich mich aber unglaublich gut fühlte. Als wir das Lager erreichten, grinsten uns George und Ginny synchron an. Ich merkte, dass ich rot wurde. Ginny lotste ihren Bruder geschickt, aber unter eindeutig zweideutigen Bemerkungen seinerseits, aus dem Lager. Ich bekam keine neue Erfindung zu Gesicht. Keiner sagte etwas und ich fühlte mich unbehaglich. Ich sah mich im um, aber was gab es in einem Lager schon zu sehen? Kartons, Tüten und Regale. Fred musterte mich von der Seite und ich wurde nervös. Dann sah ich ihn direkt an und wollte gerade fragen, wo denn bitteschön die Erfindung sei oder warum er mich so ansah, als alles ganz schnell ging: Sein Atem auf meinem Gesicht, meine rechte Hand in seinem Nacken, seine rechte Hand an meiner Wange, meine linke Hand, die sich in seinen Haaren vergrub, seine Lippen auf meinen, Schmetterlinge in meinem Bauch, kribbelnde Lippen, seine Zunge, die meine spielerisch neckte. Ich strahlte und lächelte in den Kuss hinein, unfähig, klar zu denken, mich zu fragen, warum er mich eigentlich küsste. Ich war glücklich und endlich wusste ich, wie man sich bei einem Kuss fühlen sollte, wie man sich fühlte, wenn man verliebt war, wenn man wusste, dass der andere genau der richtige für einen war. Der Kuss dauerte eine gefühlte Ewigkeit und war dennoch viel zu schnell vorbei. „Wow.“, war alles, was er sagte, als er mir tief in die Augen sah. Ich kicherte. Gerade hatten wir uns ein wenig voneinander entfernt, als Ginny die Tür aufriss und mich rief: „Aurora, wir müssen zurück, sonst verpassen wir das Essen. Und du weißt, was bedeutet. Zumindest für mich...“, den letzten Teil flüsterte sie fast, aber ich hatte einen Entschluss gefasst: Ich würde mich nicht mehr hinter meinem Haus verstecken. Ich würde endlich aussprechen, was ich dachte, auf wessen Seite ich stand und wer meine wahren Freunde waren. *** ZEITSPRUNG *** Ich hatte Ginny nichts von dem Kuss sagen wollen, aber nachdem ich drei Wochen nichts von Fred gehört hatte, hatte ich es doch erzählt und sie war völlig aus dem Häuschen. Das war nun eine halbe Ewigkeit her. Mein Vater hatte mich aus der Schule geholt, nachdem Alecto Carrow mich gefoltert hatte, weil ich Ginny zur Seite gestanden hatte. Nie in meinem Leben hatte ich solche Schmerzen empfunden, aber es hatte etwas Gutes: Ich wurde von allen – natürlich abgesehen von den Slytherin – akzeptiert. Pansy konnte nicht aus ihrer haut und sich auf meine Seite stellen, zu wichtig waren ihr das reine Blut und ihre Freundschaft zu Malfoy und den anderen Idioten. Ich nahm es ihr nicht wirklich übel, zu wenig Kontakt hatten wir im letzten Jahr gehabt. Ginny war nun meine beste Freundin und sogar Neville Longbottom grüßte mich, wenn er mich sah. Ich war nun seit wenigen Wochen zuhause, mein Vater wollte das Land verlassen, aber das konnte ich nicht tun. Ich war zwar erst sechzehn, aber ich wusste ganz genau, dass ich meinen Freunden beistehen musste und wollte, wenn es zum alles entscheidenden Kampf kommen würde. Ginny hatte mir geschrieben, dass es ihr und ihrer Familie ganz gut ging und sie alle bald nach Hogwarts zurückkehren würden. Von Fred hatte sie mir nichts geschrieben, abgesehen davon, dass er jetzt der Ansicht war, ohne jede Konkurrenz bei den Damen zu sein, weil sein Bruder ja ein Käsekopf war. Ich wusste nicht, was ich darüber denken sollte. Einerseits musste ich grinsen, weil ich seinen Humor, und die Tatsache, dass er alles andere als bescheiden war, liebte. Aber andererseits fragte ich mich, ob er auch ab und an an mich dachte, oder an den Kuss. Ob er mich vermisste, ob er sich neu verliebt hatte, ob er überhaupt je in mich verliebt gewesen war oder ob der Kuss gar nichts zu bedeuten hatte. Ich musste diese Gedanken verbannen, denn je länger ich an Fred dachte, desto sicherer war ich mir, dass die Flucht die einzige Möglichkeit war. Die Flucht vor meinen Gefühlen und zurück zu meiner Maske die ich solange erfolgreich getragen hatte. Ich schüttelte mich und redete mir gut zu: Alles wird gut. Harry wird siegen. Und ich werde meinen Beitrag dazu leisten. Ich hatte meinen Vater schlussendlich doch überzeugen können, am Kampf teilzunehmen und für eine bessere Zukunft einzutreten. Wir würden gemeinsam nach Hogwarts gehen. Als wir die Schule erreichten, wuselten hunderte Personen herum und ich brauchte einige Momente, bis ich endlich einen roten Schopf leuchten sah. Da war Ginny! „Ginny! Ginny!“, rief ich und rannte los, ohne darauf zu achten, dass mich mein Vater aus den Augen verlieren könnte. „Aurora!“, schrie mir Ginny entgegen, als ich eigentlich schon nah genug war, sie auch ohne Geschreie zu verstehen. Ich nahm sie in den Arm und wollte nie wieder loslassen. „Bist du allein hier, Kind?“, fragte eine freundliche Stimme neben uns. Das musste dann wohl Ginnys Mutter sein. Ich schüttelte den Kopf: „Mein Dad ist hier irgendwo. Wahrscheinlich begrüßt er gerade Kingsley.“ „Ich bin Molly. Freut mich, dich kennen zu lernen.“, sagte die Frau und nahm mich kurz aber herzlich in den Arm. Ich genoss es. „Fred ist da hinten mit George.“, murmelte Ginny und zeigte in die Richtung. Ich wollte eigentlich nicht hinsehen, aber ich tat es doch und sofort bereute ich es. Er sah einfach verboten gut aus, sofort spürte ich die Schmetterlinge in meinem Bauch wieder und sehnte mich nach seiner Berührung, nach seinem Kuss, nach seinem Grinsen. „Egal.“, kommentierte ich einfallsreich. „Magst du ihn nicht mehr?“ „Doch, aber er fühlt offenbar nicht so wie ich. Warum auch, schließlich hatte er auch schon ein Date mit der Johnson und ich bin drei Jahre jünger als er. Er hat sich nicht einmal bei mir gemeldet, seit dem...“, ich brach ab. Ich konnte es nicht aussprechen. „Hast du ihm denn mal geschrieben? Oder ihn besucht?“, fragte Ginny und wirkte etwas ungeduldig. Ich schüttelte den Kopf und da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Was, wenn er das Gleiche dachte, wie ich? Ich hatte mich auch nicht gemeldet, ich hatte ihn nicht besucht, ich hatte ihn nie über Ginny grüßen lassen. Aber auf der anderen Seite war er der Kerl, der ältere. Ginny sah mich an und ihr Blick sagte so etwas wie: „Jetzt geh schon rüber, was soll schon passieren? Außerdem haben wir heute noch einiges vor uns und wer weiß, wann du dann wieder die Gelegenheit hast.“ Oh, wie Recht sie doch hatte. „Hey.“, sagte ich vorsichtig, als ich in Hörweite der Zwillinge war, die herumalberten und zauberten. „Satan spricht.“, meinte George. Ich verdrehte die Augen. Waren wir wirklich wieder ganz am Anfang angelangt? „Fred, ich...“, fing ich an, wurde aber von Georges „Ich geh dann mal.“ unterbrochen. Nun stand ich da in der Großen Halle vor Fred und versuchte krampfhaft, etwas sinnvolles zu sagen. Aber mein Hirn war leer, ich sah nur ihn. „Was gibt’s?“, fragte er dann einfach.“ „Warum hast du dich nie gemeldet?“, wollte ich wissen. Er sah mich überrascht an. „Warum hast du dich denn nicht gemeldet?“, fragte er mich. Ich wusste es eigentlich nicht. „Weil...“, startete ich, aber was ich sagen sollte, wusste ich nicht. Ja, warum hatte ich mich eigentlich nie gemeldet? Jedes mal, wenn ich Ginny einen Brief geschickt hatte, hätte ich auch ihm einen Brief schicken können. „Weil ich keine Ravenclaw bin.“, meinte ich kleinlaut. Etwas besseres fiel mir einfach nicht ein. „Wie bitte?“ „Weil ich doof bin, okay? Weil ich dachte, du müsstest dich melden, schließlich hast du mich geküsst. Du bist älter, du weißt, wie so etwas läuft.“, zickte ich mal wieder. Fred grinste: „Komm her, Prinzessin.“ Aber ich wollte noch immer wissen, warum er sich nicht gemeldet hatte: „Warum hast du dich nicht gemeldet?“, beharrte ich. „Ich war auch nicht in Ravenclaw und ich habe die Schule geschmissen, schon vergessen? Ich war dumm und bin's auch geblieben. Außerdem hat du mich genauso geküsst.“ Jetzt war ich zufrieden und ließ mich bereitwillig in seine starken Armen ziehen. Er küsste meine Stirn und ich umschlang seinen Nacken. Ich verlor mich in seinen warmen, strahlenden, frechen Augen und überbrückte den letzten Abstand zwischen unseren Lippen, indem ich mich auf die Zehenspitzen stellte. Ich küsste ihn wieder und wieder und wollte niemals aufhören, wollte nicht wissen, was uns noch erwartete, was passieren würde, wie das alles ausgehen würde. Ich wollte einfach nur mit ihm zusammen sein, ihn küssen, in seine Augen sehen, seine Hände auf meinen Hüften spüren, seinen Atem spüren, seinen Herzschlag hören. „Du bist meine Prinzessin.“, murmelte Fred zwischen zwei Küssen in mein Ohr. Ich lächelte selig. „Und du bist mein Scherzkeks.“, gab ich zurück. Niemand wagte es, uns zu stören, denn viel zu früh würden wir uns ohnehin loslassen müssen und in verschiedene Richtungen laufen, kämpfen, hoffen, einander wieder in die Arme schließen zu können, wenn alles vorbei sein würde. Die Hoffnung stirbt zuletzt, doch dieses Mal starb sie. *The End* PS: Ich konnte die Geschichte einfach nicht so schreiben, dass Fred überlebt. Ich finde, das gehört sich nicht, auch wenn ich es nicht ganz verstehe, dass er sterben musste. Ach und ich bin ein riesiger Grey's Anatomy Fan, was ihr vielleicht bemerkt habt ;-)

28.29 % der User hatten die Auswertung: Profil B Name: Prudence „Prue“ Campbell. Familie: Eine jüngere Schwester (Piper), Eltern sind geschieden, Vater Muggel. Jahrgang: Fred und George Weasley. Haus: Gryffindor. beste Freundin: Angelina Johnson. Titel: From a Whisper to a Scream. Story: „Lass mich runter, lass mich runter, lass mich runter!“, schrie ich ängstlich und klammerte mich an George fest. Ich hasste Besen und ich hasste fliegen. Ich hasste das flaue Gefühl in der Magengegend. Ich war eben bodenständig, hatte lieber festen Boden unter den Füßen. George kicherte leise, landete aber sicher und ich sprang wie von der Tarantel gestochen vom Besen. Bloß weg hier! „Komm schon, Prue. So schlimm war es doch gar nicht.“, meinte George, als er sah, dass ich zitterte. Ich streckte ihm die Zunge raus. Ich war gleich zum Fuchsbau appariert, nachdem ich meinen Abschluss in der Tasche hatte und mit meinen Eltern gegessen hatte. Im Gegensatz zu den Zwillingen hatte ich durchgehalten und jetzt wartete eine ungewisse Zukunft auf mich. Mir wurde schwindelig, und ehe ich mich versah, sackten meine Knie weg, aber bevor ich auf dem Allerwertesten landete, fing mich jemand auf: „Ich habe wohl eine besonders starke Wirkung auf dich, Prue. Da wirst selbst du schwach, was?“ Das konnte ja nur Fred sein. Ich rappelte mich auf und bedankte mich: „Danke, Freddie, aber ich muss dich enttäuschen. Dieses Mal ist dein Bruder schuld.“ Natürlich erzielte ich keineswegs den gewünschten Effekt, sondern erntete vielmehr nur ein nervtötendes Augenbrauenhüpfen. Ich musste lachen. Die beiden waren schon ganz besonders. „Essen ist fertig!“, rief da Mrs. Weasley, die liebenswerte Mutter der beiden. Ich mochte diese Familie wirklich gern. Mr. Weasley war völlig aus dem Häuschen, als er erfuhr, dass mein Vater nicht magisch war und wollte dies und das wissen. Molly sorgte sich immer um alle und wollte es allen recht machen. Ginny war zwar ein Plappermaul, aber ich witzelte gern mit ihr herum. Ron wirkte manchmal etwas griesgrämig, aber eigentlich war er auch sehr liebenswert und ich vermutete, dass er sich in Hermine Granger verguckt hatte. Die Zwillinge sorgten immer für Lacher, Chaos und Geschrei. Percy mochte ich nicht ganz so gern, er war mir viel zu strebsam und ministeriumsverseucht. Bill und Charlie hatte ich noch nicht kennen gelernt, aber nach der Beschreibung von Fred, George und Ginny mussten die beiden einfach super sein. Bill arbeitete als Fluchbrecher für Gringotts, was ich mir wahnsinnig interessant vorstellte, und Charlie war Drachenbändiger, ebenfalls außergewöhnlich. Ich hoffte, die beiden bald zu treffen, aber leider wusste ich ja nicht, wie es jetzt weitergehen sollte. Meine beste Freundin Angelina hatte ihre Begeisterung für Quidditch zum Beruf gemacht. Ich liebte es, ihr und den anderen beim Spielen zuzusehen, ich war ein großes Fan der Holyhead Harpies, aber ich konnte eben selbst nicht fliegen. Wie oft hatte ich mir darüber schon Witze anhören müssen? Eine Hexe, die das Fliegen hasste... Ich wusste selbst nicht, wie ich den Unterricht bei Madam Hooch überstanden hatte. Bei dem Gedanken an ihren Gesichtsausdruck während der ersten Stunde musste ich schmunzeln. Die arme Frau hatte wohl von Anfang an gewusst, dass das mit mir nichts werden würde. Na ja, dafür hatte ich andere Qualitäten. So war ich in meinem Jahrgang zumindest in meinem Haus die beste Zaubertrankschülerin. Snape sah mich zwar immer abwertend und unzufrieden an, aber er konnte die Tatsache, dass ich wusste, was ich tat, nicht übergehen. Wir setzten uns an den überfüllten Tisch. Fred hatte mich vorgewarnt, also versuchte ich, nicht ganz so geschockt auszusehen, als ich sah, was seine Mutter alles aufgetischt hatte. Ich saß zwischen George und seinem Vater und fing gerade an zu essen, als Mrs. Weasley die Frage stellte, vor der ich am meisten Angst hatte: „Was wirst du nun tun, Prudence?“ „Mom!“, setzten George und Fred gleichzeitig ein und es klang, als hätte Mrs. Weasley die unmöglichste aller Fragen gestellt. „Schon gut, Jungs. Ich habe ehrlich keine Ahnung. Morgen wollte ich mich in der Winkelgasse durchfragen. Vielleicht sucht ja jemand eine Hilfskraft.“ Das gesagt, nahm ich meine Gabel in den Mund und kostete die leckeren Stampfkartoffeln. Ich fühlte Mrs. Weasleys besorgten Blick auf mir und war erleichtert, dass Ginny einsetzte und allen möglichen Kram aus der Schule berichtete. Ich hoffte wirklich, dass ich morgen einen kleinen Job finden würde. Vielleicht bei Madam Rosmerta hinter der Theke oder bei Mister Olivander zum Staub wischen. Ich seufzte und aß still vor mich hin. Abwarten. *** „Und?“, fragte Fred und kam aufgeregt auf mich zu, als ich den Laden der Zwillinge betrat, der erst vor kurzem eröffnet hatte. Es war total überfüllt, überall standen Menschen und sahen sich um, probierten die verrückten Erfindungen aus und lachten darüber. Ich musste einfach lächeln, denn es machte mich glücklich, dass Fred und George so einen Erfolg hatten. Ich wünschte nur, Angelina könnte jetzt auch hier sein und sich mit mir für die beiden freuen. „Hast du einen Job?“, fragte auch George, der wie aus dem Nichts neben mir aufgetaucht war und mich erschreckt hatte. Ich ließ die Schultern sinken und zog eine Schnute: „Niemand will mich.“, sagte ich extra theatralisch und die Zwillinge grinsten mich an. „Was Süßes zum Aufmuntern?“, fragte Fred dann und hielt mir ein in Goldpapier eingepacktes Bonbon hin. Ich musste lachen: „Ich bin arbeitslos, Fred, nicht völlig übergeschnappt!“ „Ich glaube nicht, dass du wirklich überall gefragt hast.“, meinte George dann. Ich sah ihn entgeistert an. „Was denkst du denn, was ich die letzten vier Stunden gemacht habe? Ein Eis bei Fortescue gegessen?“, fragte ich und boxte ihm spielerisch gegen die Schulter. Er hob abwehrend die Hände. „George hat Recht.“, mischte Fred sich ein. Jetzt boxte ich auch ihn: „Ich kenne hier alle Geschäfte. Ich war in jedem einzelnen Geschäft. Niemand braucht eine Hilfskraft.“, zickte ich. Oh ja, ich konnte zickig sein, wenn man mich ärgerte. „Doch.“, fing George an. „Da gibt es einen Laden...“, meinte Fred, und George beendete seinen Satz: „...da wird eine Aushilfe gesucht.“ „Ach ja, und wo bitteschön soll dieser ominöse Laden sein? Ich wollte nicht bis nach Timbuktu reisen für einen Job.“, meinte ich und sah die beiden prüfend an, aber sie hielten meinem Blick stand und sahen breit grinsend zurück. Meistens bedeutete es nichts Gutes, wenn die beiden so grinsten, aber ich brauchte einen Job, wollte ich doch schließlich eine Wohnung haben und bei meiner Mutter ausziehen. „Der Laden ist ganz nah.“, fing Fred an. „Näher als du denkst.“, meinte George. Immer wieder wechselten die beiden sich beim Sprechen ab. „Der Laden wird von zwei äußerst gutaussehenden...“ „...lustigen...“ „...charmanten...“ „...humorvollen...“ „freundlichen...“ „...witzigen...“ „...jungen Männern geführt, die nach einer hübschen...“ „...charmanten...“ „...humorvollen...“ „...selbstständigen...“ „...coolen...“ „... Hilfskraft suchen.“, beendete George schließlich ihren Vortrag, der dazu geführt hatte, dass mir schwindelig war vom ständigen hin und herschauen. Ich sah die beiden erst fragend an, dann grinste auch ich breit: „Meint ihr das ernst?“ Sie nickten und ich fiel erst Fred, dann George überschwänglich um den Hals. „Danke, danke, danke, danke, danke!“ Rief ich und einige der Kunden, die sich nach Scherzartikeln umgesehen hatten, sahen uns amüsiert zu. Ich bekam mich gar nicht mehr ein. Ich hatte einen Job, und dann auch noch einen, bei dem ich meine Chefs auf Anhieb mochte und mich rundum wohl fühlte. „Sei morgen um neun hier, dann zeig ich dir die Kasse und das Lager.“, meinte Fred grinsend und ließ wieder einmal seine Augenbrauen hüpfen. „Lass das nicht Angelina hören.“, gab ich zurück und brachte ihn so zum Schweigen. Ich wusste noch ganz genau, wie locker Fred Angelina gefragt hatte, ob sie ihn auf den Ball in unserem sechsten Jahr begleiten würde. Sie hatte mir wochenlang damit in den Ohren gelegen, wie sehr sie doch hoffte, dass Fred sie fragen würde. Ich war mindestens so glücklich als sie, als er es endlich tat. Ich selbst hatte natürlich auch ein Date: Adrian Pucey aus Slytherin. Ich war nicht so wie die meisten in meinem Haus. Ich glaubte daran, dass das Haus nicht alles über den Charakter einer Person aussagte. Ja, es waren mehr Slytherin als Gryffindor Gefolgsleute des Dunklen Lords gewesen, aber eben nicht alle. Und Adrian war eine angenehme Begleitung gewesen. Wir hatten getanzt, Punsch getrunken, getanzt und gelacht, und dann hatte er mich zurück zur Fetten Dame gebracht, die ganz hin und weg gewesen war, was für ein Gentleman Adrian doch war, als er meine Hand geküsst hatte. Wir wurden ein Paar, aber nur für das letzte Schuljahr. Kurz vor den Abschlussprüfungen trennten wir uns im Guten, da er eine Stelle in Frankreich angenommen hatte und wir uns unserer Gefühle nicht wirklich sicher waren. Ich vermisste seine Nähe ab und an, aber unter dem Strich war ich momentan ein glücklicher Single. „Hallo, Erde an Prue!“, lachte George und wedelte mit seiner Hand vor meinem Gesicht. „Wo warst du denn gerade?“ „In der Vergangenheit. Ich musste an den Weihnachtsball denken. Treffen morgen früh um neun? Dann begebe ich mich jetzt auf Wohnungssuche.“, sagte ich voller Tatendrang. „Das wird sicher nicht so einfach wie die Jobsuche.“ meinte Fred und George pflichtete ihm bei: „Vielleicht solltest du gleich deine beiden Lieblingszwillinge fragen, ob du eine Weile bei ihnen wohnen darfst.“ Ich schüttelte den Kopf: „Nein, nein. Ihr habt heute schon genug für mich getan. Ich werde eine Wohnung suchen und bis ich eine habe, bleibe ich eben bei meiner Mutter.“ Es kostete mich Überwindung, das zu sagen. Ich hasste es, bei meiner Mutter und Schwester zu leben. Meine Mutter lästerte ununterbrochen über meinen Vater, der sich nicht um mich oder Piper kümmerte und Piper war neidisch, weil sie nicht zaubern konnte und schikanierte mich so gut sie es schaffte. Ich hatte viele Ferien bei Angelina verbracht. Die Jungs sahen mir meine Gedanken wohl an: „Bleib wenigstens, bis du eine eigene Wohnung hast.“ „Wir haben ein Gästezimmer.“ „Und so kannst du nicht zu spät zur Arbeit kommen.“ Sagten sie wieder abwechselnd und sahen mich erwartungsvoll an. „Wie könnte ich eurem unglaublichen Charme bloß widerstehen?“, fragte ich witzelnd und nahm die zwei erneut in die Arme. Heute war ein guter Tag und ich freute mich schon auf morgen. Am nächsten Morgen stand ich extra früh auf, duschte, zog mich an und kochte Tee. Dann bereitete ich ein Frühstück zu, mit allem, was die Jungs noch so zuhause hatten. Ich war keine herausragende Köchin, aber was ich kochte, kochte ich gut. Es gab Spiegelei mit Speck auf Brot. Der Duft vom Tee erfüllte die ganze Wohnung und mein Geklapper mit dem Geschirr hatte die beiden Jungs wohl aus den Zimmern gelockt. Ihre Gesichter waren der Hammer und ich lachte los. Fred sah aus, als sei er gerade aus dem Bett gefallen, so zerzaust war sein Haar und sein Mund war weit geöffnet. George rieb sich die Augen und starrte immer wieder von mir auf den Tisch und zurück. Ich bekam mich gar nicht mehr ein. „Schaut nicht so verdutzt, esst lieber, solange das Ei noch warm ist. Und dann beginnt ein erfolgreicher Tag!“, trällerte ich überzeugend und glücklich. Fred murmelte etwas von „verborgenen Talenten“ und George sah einfach nur überglücklich auf sein Frühstück. Ich konnte mir lebhaft vorstellen, was die beiden jeden Tag aßen: Brot zum Frühstück, Nudeln zu Mittag und Nudeln am Abend. Ich grinste und biss in mein Brot, nachdem ich einen Streifen Speck darübergelegt hatte. Lecker. Dann schenkte ich uns Tee ein und räumte den Tisch ab, während sich die Jungs stritten, wer zuerst ins Bad durfte. Der Laden wirkte ganz anders, wenn morgens noch keine Kunden da waren. So riesig, so leer. George erklärte mir die Kasse und dass ich mich von keinem Kunden in eine Diskussion um die Preise verwickeln lassen sollte, und dann zog mich Fred mit sich ins Lager, wo er mir zeigte was sich in welchem Regal befand und in welche Liste ich etwas eintragen sollte, wenn ich merkte, das ein oder mehr Artikel ausverkauft waren. Ich nickte nur und wartete schließlich an der Kasse sehr gespannt auf unseren ersten Kunden. „Wenn es Probleme gibt, ruf nach uns.“ „Was soll es denn für Probleme geben?“, fragte ich verwundert. Ich hatte mir die Arbeit in einem Geschäft immer sehr simpel vorgestellt. „Na ja, du wirst sicherlich ständig angebaggert bei deinem Aussehen.“, antwortete George. „Und mancher Typ wird sich vielleicht nicht so schnell abwimmeln lassen.“, meinte Fred. Ich kicherte. „Meint ihr nicht, ich kann mich selbst verteidigen?“ „Oh doch, das wissen wir nur zu gut.“, wehrte Fred ab und dachte sicherlich an den Vorfall, als sie versucht hatten, mich in unserem dritten Jahr als Versuchskaninchen für irgendeinen verzauberten Kuchen zu missbrauchen und ich sie dafür geschockt hatte. Es hatte gedauert, bis Professor McGonagall die beiden in einem der Kerkergänge gefunden und befreit hatte. Ich musste grinsen, als ich daran dachte. „Trotzdem. Wenn es Probleme gibt, darfst du mich gern als deinen Freund vorstellen.“, zwinkerte George mir noch zu, bevor er die Tür aufschloss und gleich eine kleine Horde von Schülern den Laden betraten. Es war ein Samstag und anscheinend ein Hogsmeade- Wochenende. Ich hatte diese Samstage geliebt, an denen ich meinen Süßigkeitenhaushalt wieder auf Vordermann hatte bringen können und zu guter Letzt ein Butterbier hatte genießen können. Immer war Angelina an meiner Seite gewesen und manchmal auch Katie Bell oder Alicia Spinnet. Und das, obwohl ich die einzige von uns war, die keinen Besen besaß, weil sie das Fliegen hasste. Ich stand den Großteil des Tages an der Kasse und rechnete ab. Ich lernte viele Leute kennen und unterhielt mich hier und da. George und Fred beobachteten mich nicht gerade unauffällig, aber immerhin grinsten sie mich immer an oder zeigten mit dem Daumen nach oben. Ich verdrehte manchmal die Augen, lachte sie aber an. Als es leerer wurde, weil die Schüler zurück ins Schloss mussten um rechtzeitig fürs Abendessen dort zu sein, half ich Fred und George, die Regale aufzufüllen. Ich rief, was fehlte, und Fred oder George brachte es aus dem Lager. Gerade lief ich rückwärts, um noch schnell um ein Regal zu schauen und zu sehen, wie es um unser Nasenblutnugat stand, da prallte ich gegen etwas, nein, jemanden. „Hoppla!“, entfuhr es ihm. Eine raue, aber angenehme Stimme. Ich drehte mich um und entschuldigte mich höflich, bis ich in seine Augen sah und meine Stimme verlor. Diese Augen, so treu, so warm, so stark, so fesselnd. „Alles okay?“, fragte er mich und ich nickte nur: „Ja, alles bestens. Und bei dir?“, fragte ich, aber er winkte nur ab. Er lächelte und mir wurde warm ums Herz. Dieses Lächeln war unglaublich, wunderschön aber schüchtern. Er fuhr sich mit der Hand durch die roten Haare. Rote Haare? „Arbeitest du hier?“, fragte er mich mit einem Blick auf die Ladung Kanarienpastete, die ich in meinen Händen hielt. „Oh. Ja, ich bin Prue. Und du musst...“, meinte ich und verlagerte die Pasteten umständlich auf meinen Armen, um ihm die Hand entgegen zu strecken. Kaum nahm er meine Hand in seine, fielen natürlich mehrere Pasteten zu Boden. Ich spürte, wie sich die Hitze ihren Weg in meine Wangen bahnte. Wie peinlich! „Charlie.“, stellte er sich vor und half mir sofort, die Pasteten ins Regal zu räumen. „Danke.“, sagte ich und sah wieder in seine Augen. Wow. Ich wollte, er wäre nicht Charlie. Dann wäre er nicht der Bruder von Fred und George und ich könnte mit ihm flirten, hoffen, dass er mich zum Essen einladen würde, ihn küssen. Was dachte ich da eigentlich? Bei Merlin, Charlie war einfach viel zu attraktiv, viel zu aufregend. Ich wollte ihn für mich, so viel stand fest. „Du willst sicher zu Fred und George.“, sagte ich schließlich, um nicht unhöflich zu wirken. Er nickte. Ich rief nach den beiden. „Was fehlt noch?“, kam es aus dem Lager zurück. „Nasenblutnugat. Aber ihr habt Besuch!“, rief ich zurück. Bis Fred und George bei uns angelangt waren, sprachen Charlie und ich kein Wort. Ich wusste nicht, was ich sagen sollte und von ihm kam auch nichts. Er sah mich zwar immer wieder an, ließ seinen Blick dann allerdings wieder durch den Laden schweifen. Ich war erleichtert und enttäuscht zugleich, als die Zwillinge ankamen und Charlie in Beschlag nahmen. Ich kümmerte mich darum, das Nugat ins Regal zu räumen und kassierte dann noch den letzten Besucher ab, bevor ich mir den Schlüssel von George geben ließ und den Laden abschloss. Die Jungs waren schon in die Wohnung gegangen, die praktischerweise direkt über dem Laden gelegen war, als ich meine Sachen zusammengepackt und mich auf den Weg die Treppe hinauf gemacht hatte. Ich hätte natürlich auch apparieren können, aber ich wollte noch etwas Zeit für mich haben, der Tag war schließlich überladen gewesen. Neue Kunden, alte Bekannte, Fred, George und vor allem Charlie. Es war mir noch nie passiert, dass ich jemanden so verdammt attraktiv gefunden hatte, dass ich ihm am liebsten um den Hals gefallen wäre. Ich hoffte, dass er noch den Abend hier bleiben würde, und ich wurde nicht enttäuscht, denn er saß bereits mit George auf dem Sofa, als ich hereinkam. Charlie hatte seine Jacke ausgezogen, und nun sah ich die Narben, die seine Arme zeichneten. Er war eben Drachenbändiger. Ich fand die Narben nicht hässlich, sie machten ihn noch interessanter, sie wirkten irgendwie anziehend auf mich. Wow. „Hat sich da jemand verliebt?“, holte mich Freds langgezogene Frage ziemlich schnell aus der Schwärmerei. Ich schüttelte energisch den Kopf, lief an allen vorbei in mein vermeintliches Zimmer und legte meine Sachen ab. Schon stand Fred in der Tür: „Charlie bleibt über Nacht.“ „Wie schön. Soll ich dann doch vielleicht nach einem Zimmer im Tropfenden Kessel fragen?“ „Quatsch!“ „Aber...“, fing ich an. Drei Betten, vier Personen. „Ich dachte, du teilst dir vielleicht ein Bett mit mir.“ Und wieder hüpften Freds Augenbrauen wie wild. Ich griff nach dem nächstgelegenen Gegenstand: Ein Glas Wasser, das auf dem Beistelltisch stand. Entweder, das Wasser war schon lange abgestanden, oder Fred und George hatten es mir für die Nacht hingestellt. Letzteres glaubte ich irgendwie nicht. Ich nahm also das Glas und schwenkte es so schnell, dass Fred nicht reagieren konnte und kurz darauf klatschnass im Türrahmen stand. Ich lächelte ihn zuckersüß an: „Du bist nicht mein Typ, Freddie.“, und lief an ihm vorbei ins Wohnzimmer, wo George und Charlie verdutzt in meine Richtung schauten. Ich setzte mich auf einen Sessel, und zwar so, dass ich Charlie gut sehen konnte. „Fred brauchte eine kleine Abkühlung. Ach und George... Er wird die Nacht wohl in deinem Bett verbringen müssen, dann Charlie sein Zimmer haben.“, erklärte ich achselzuckend. George sah wenig begeistert aus: „Du kannst auch in deinem Bett Platz machen.“ „Aber nicht für Fred. Der ist viel zu frech. Am Ende klaut er mir noch die Bettdecke.“, meinte ich und hoffte inständig, dass er nicht sich oder Charlie ins Spiel brachte. Tat er nicht, er lachte nur, weil in diesem Moment Fred kam. Er hatte sich trockene Klamotten angezogen, aber seine Haare waren noch nass. Ich nahm meinen Zauberstab, der in meinem Stiefel steckte, und sprach die Worte während ich ihn schwang, damit die Haare trockneten. Fred warf mir einen Kussmund zu. Ich hasste ihn dafür. Ich wollte nicht, dass Charlie dachte, ich wollte was von Fred. „Macht euch keine Umstände, ich kann auch im Fuchsbau schlafen.“, meinte Charlie. Seine Stimme jagte mir einen Schauer über den Rücken und ohne nachzudenken, dass ich hier ja eigentlich auch nur Gast war, schüttelte ich energisch den Kopf. George und Fred sahen einander belustigt an und ich war in Erklärungsnot, weil auch Charlie mich nun ansah. „Ich... Ich meine nur. Ich bin auch nur Gast und ich kann mir wirklich ein Zimmer nehmen. Familie geht vor. Kein Problem.“ Das war gar nicht so schlecht. Aber dieses mal schüttelte Charlie den Kopf: „Ich schlafe einfach auf dem Sofa. Ist ja nur eine Nacht.“ Damit wäre das ja geklärt. Ich protestierte nicht weiter, sonst endete das ganze noch darin, dass Charlie im Fuchsbau oder ich im Tropfenden Kessel schlief. Beides wollte ich nicht. Mitten in der Nacht wurde ich wach und hatte einen wahnsinnig Durst. Ich stand also auf und lief auf Zehenspitzen durch mein Zimmer zur Tür und öffnete sie. Der Boden knarrte leicht und ich bemühte mich sehr, niemanden aufzuwecken. Ich war so darin vertieft, keinen Laut von mir zu geben und den Boden nicht zum Knacken zu bringen, dass ich nicht aufpasste, wohin ich eigentlich lief, bis ich gegen den Sessel knallte. Mein Zeh! Ich musste den Aufschrei unterdrücken und stolperte nach hinten. Dann fiel mir auf, dass das Sofa leer war. Wo war Charlie? Ich verlor das Gleichgewicht, weil ich meinen rechten Fuß mit beiden Händen umklammerte um den Schmerz zu erdrücken. Da fing mich – mal wieder – jemand auf, aber ich merkte sofort, dass das weder George noch Fred war. Ich roch seinen Duft. Er roch männlich, nur ganz leicht parfümiert, einfach himmlisch. „Hab ich dich.“, hörte ich Charlie sagen und ich vergaß den Schmerz im Zeh. Ich drehte mich zu ihm um, seine Haare waren zerzaust, er trug nur sein Shirt und seine Boxershorts. Eine schöne Boxershorts, keine mit dummen Comicfiguren drauf. Ich sah schnell wieder hoch und sah seinen Blick auf mir ruhen. Dann fiel mir ein, dass ich nur ein verdammt kurzes Shirt trug und einen feinen Seidenslip. Dem Blick nach zu urteilen, störte das Charlie wenig. Er grinste. „Ich... Wasser... Ich wollte mir nur ein Wasser holen. Danke für das Auffangen.“, stammelte ich zusammen. Charlie nickte, machte aber keinerlei Anstalten, sich zu bewegen. Ich tat auch nichts, fand ich die Situation doch irgendwie aufregend. Und dann passierte es: Ich konnte es nicht aufhalten, konnte mich nicht aufhalten, und überbrückte die Distanz zwischen uns, bis meine Hände in seinem Nacken lagen und meine Lippen mit seinen verschmolzen. Der Kuss war vorsichtig und schüchtern, ich wollte ihn nicht überfordern und vor allem wollte ich es vermeiden, dass er mich von sich drückte. Er tat es nicht, er zog mich nur noch näher an sich und umklammerte meine Hüften mit seinem starken Griff. Ich glaubte zu träumen. Ich küsste ihn wirklich. Ich öffnete vorsichtig die Augen und erkannte, dass seine Augen geschlossen waren. Wie süß. Ich lächelte leicht in den Kuss hinein, der immer intensiver wurde, und neckte ihn vorsichtig mit meiner Zungenspitze, bis er den Mund leicht öffnete und ich seinen heißen Atem spüren konnte. Ich war absolut überwältigt und ließ seinen Nacken los um mit wenigstens einer Hand unter sein Shirt zu wandern und herauszufinden, ob er wohl ein Sixpack hatte, als wir beide ein Geräusch hörten und auseinander schnellten. Er sah mich völlig überrascht an und fuhr sich wiedermal durch sein Haare, bevor er sich abwandte und ich mir ein Glas aus dem Schrank nahm. „Was macht ihr denn hier?“, hörte ich Georges müde Stimme bevor ich ihn in den Raum schlurfen sah. Charlie sagte nichts. Nichts. Er sah mich nicht an und legte sich einfach wieder hin, mit dem Rücken zu uns. „Wasser.“, war mein Kommentar. Ich hielt das Glas hoch und George nickte mir zu, bevor er es mir wegnahm und selbst einen großen Schluck trank. Ich beließ es dabei und lief schnellen Schrittes zurück in mein Zimmer. Was war denn das gewesen? Warum hatte Charlie nichts mehr gesagt? Ich war ja genauso überrascht gewesen wie er, aber ich küsste ihn nicht so, nur ihm anschließend den Rücken zu zu drehen. Erst signalisierte er mir Verlangen, Lust und was weiß ich, und dann zeigte er mir die kalte Schulter, absolutes Desinteresse? Das war ich nicht gewohnt. Ich war vielleicht nicht die Schönheitskönigin, aber ich war auch kein Mauerblümchen, und in der Regel deutete ich die Signale des anderen Geschlechts sehr richtig. Nur bei Charlie hatte ich mich wohl getäuscht. War er vielleicht nur auf das Körperlich aus? Mit diesem Gedanken schlief ich schließlich ein. *** Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war Charlie bereits weg. Fred sagte, es habe einen Notfall im Reservat gegeben, aber ich war mir sicher, dass Charlie nur eine Ausrede gesucht hatte, um mir nicht begegnen zu müssen. „Hat Charlie eigentlich eine Freundin in Rumänien? Die ganze Drachensache macht doch bestimmt nicht jede mit.“, fragte ich schließlich am Abend, weil ich es nicht mehr aushielt. Ich wollte herausfinden, warum er mich jetzt mied. George und Fred brachen in schallendes Gelächter aus. Ich sah verwirrt zwischen den beiden hin und her. „Charlie...“, japste Fred, „...und eine Freundin?“, brachte George kaum verständlich zwischen mehreren Lachern hervor. „Das war die Frage.“, meinte ich etwas ungeduldig. Die beiden schlugen sich auf die Oberschenkel und Fred hatte inzwischen einen ganz roten Kopf. „Der...“ „...hatte noch nie eine Freundin.“ „Ich wette,...“ „... er weiß nicht einmal, wie man küsst.“, lachten sie weiter. Irgendwie machte mich das wütend und am liebsten hätte ich laut herausgeschrien, dass er sehr wohl sehr gut wusste, wie man küsst und eine Frau heiß macht und sie dann ignoriert. Aber ich beließ es dabei. Er war zumindest Single, das reichte mir fürs erste. Zwei Wochen später besuchte uns Mrs. Weasley im Laden und lud die Jungs und mich zum Abendessen ein, was wir nur zu gern annahmen, da wir alle nicht besonders gern noch in der Küche standen, nachdem wir gearbeitet hatten. Ich trug zwar gern Kleider, aber heute war mir nicht danach, und so entschied ich mich für eine schwarze Hose und eine blaue kurzärmelige Bluse. Nicht zu aufgesetzt, und trotzdem hübsch und anders, als ich auf der Arbeit aussah. Wir apparierten gemeinsam und obwohl ich nun schon eine Weile apparierte, strauchelte ich wie so oft bei der Ankunft. Fred konnte sich ein Lachen nicht verkneifen, was ich mit einem strengen Blick quittierte. „Halte dich von Wassergläsern fern, Fred.“, grinste George. Ich hatte Mrs. Weasley einen Strauß Blumen mitgebracht, weil ich einfach fand, dass sich das gehörte. Immer war sie so gut zu mir, lud mich zum Essen ein und machte jedes Mal einen riesigen Aufwand. George hielt mir die Tür auf und ich trat ein. Mrs. Weasley kam direkt auf uns zu und drückte zuerst Fred, dass George und schließlich mich an sich. Sie hatte beinahe Tränen in den Augen, als ich ihr die Blumen überreichte und wuselte sofort in die Küche, um eine passende Vase zu holen. Die Blumen bekamen einen Ehrenplatz in der Mitte des Tisches. Der war nicht etwa für fünf gedeckt, sondern für sechs. Ron und Ginny waren noch in der Schule und Percy ließ sich so gut wie nie blicken, wie George mir einmal erzählt hatte. Bill war in Ägypten und Charlie in Rumänien. Oder? „Charlie ist hinten und fliegt. Holst du ihn bitte, George?“, sagte Mr. Weasley an Fred gerichtet. Fred verdrehte die Augen: „Prue kann uns auseinanderhalten, Dad. Und sie gehört nicht zur Familie.“ George lachte auf und Mr. Weasley murmelte etwas verwirrt eine Entschuldigung und fragte mich dann ganz aufgeregt nach etwas, das er in der Hand hielt: Ein Muggelartefakt, oder einfach ein Locher. Ich musste grinsen, erklärte ihm aber geduldig die Funktion eines Lochers. Er war begeistert, auch wenn er den Locher doch für ziemlich überflüssig hielt. „Es ist so schön, dass du mitgekommen bist, Prudence.“, meinte Mrs. Weasley, als sie aus der Küche kam und den Tisch deckte. Ich wollte ihr helfen, aber ich lächelte mich nur an: „Setze dich doch schon.“ Also tat ich das. George setzte sich neben mich und wollte schon anfangen, seinen Teller aufzufüllen, was ich mit einem Schlag auf seine Hand unterband. „Au!“, schrie er. Ich verdrehte die Augen, aber wir beide lachten. Und dann kam Fred wieder. Und mit ihm Charlie. Er sah mich überrascht an und sah dann gleich wieder weg. Mr. Weasley hatte neben George Platz genommen und Fred nahm den freien Platz neben mir, sodass Charlie mir gegenüber saß. Ganz toll. Er sah immer noch verdammt gut aus und ich spürte wieder das Verlangen, mich auf ihn zu werfen. Ich versuchte, mich auch mein Essen zu konzentrieren, aber leider war das im Hause Weasley ein unmögliches Unterfangen. „Bill hat eine junge Frau kennengelernt.“, sagte Molly und alle ihre drei am Tisch sitzenden Söhne seufzten laut und klangen verzweifelt. „Jetzt geht es wieder los.“ „Heiraten.“ „Enkelkinder.“, waren die Kommentare und ich musste mir ein Grinsen verkneifen: „Wie schön für Bill. Er ist ja auch der älteste, da kann er ja mit gutem Beispiel vorangehen.“, meinte ich. Die Zwillinge sahen mich an, als wollten sie mich erwürgen. Charlie stocherte mit seiner Gabel im Reis herum. „Was ist mit dir Fred? Hattest du nicht ein Date mit dieser.. Angelina?“, wollte Mrs. Weasley dann wissen. Ich platzte fast, als ich Freds Ausdruck sah. Er wurde rot wie eine Tomate und würgte nur so etwas wie: „Das war nur ein Date, Mom!“, heraus. George lachte so laut, dass seine Mutter als nächstes ihn in die Mangel nahm: „Wie hieß noch das nette Mädchen, mit dem du zum Ball gegangen bist?“ „Katie.“, sagte ich an Georges Stelle, der wenig begeistert aussah. „Sie ist eine Freundin von mir. Genau wie Angelina.“, erklärte ich. Charlie stocherte noch immer in seinem Reis herum, aber ich meinte ein kleines Grinsen auf seinem Gesicht zu erkennen. „Wen hat Bill denn kennengelernt?“, wollte Fred das Thema wieder auf den ältesten Sohn lenken, aber Mrs. Weasley ließ sich nicht beirren: „Da wohnt und arbeitet ihr zwei mit so einer hübschen jungen Frau zusammen, und keiner hat sie ausgeführt?“ Jetzt verschluckte ich mich fast und zum ersten Mal sah Charlie von seinem Teller auf. „Sie sagt immer nein. Erst heute haben zwei Kunden nach einem Date mit ihr gefragt.“, antwortete George achselzuckend und so, als habe er die Frage nicht ganz verstanden. „Und das waren nicht die einzigen Interessenten.“, pflichtete Fred ihm jetzt bei. Ich versuchte, die beiden mit einem Blick zum Schweigen zu bringen, aber es wären nicht die Weasley- Zwillinge, wenn sie sich stoppen lassen würden. „Sie scheint einfach kein Interesse zu haben.“, machte George munter weiter und Mrs. Weasley sah mich an: „Der Richtige wird schon noch kommen, Schätzchen.“ Ich nickte stumm. „Jede Mutter wäre froh, dich als Schwiegertochter zu bekommen.“, sagte sie noch mit einem Zwinkern und sah dann streng zu Charlie, der sich noch gar nicht beteiligt hatte: „Was ist mit dir, Charles?“ Charlie ließ die Gabel fallen, sagte aber nichts. Er sah etwas schockiert aus. Fred lachte: „Prue ist zu viel für Charlie, Mom.“ „Bis Charlie mal eine Frau vorstellt, musst du dich noch gedulden. Eher heiratet Ron Hermine!“, lachte George. Mr. Weasley räusperte sich laut und sah seine beiden Söhne streng an. „Fred und George Weasley! So sprecht ihr nicht von eurem Bruder!“, schrie Mrs. Weasley leicht. Die Zwillinge sahen sich belustigt an: „Von Charlie oder von Ron?“ „Es reicht!“, rief jetzt auch ich. Als ich zu Charlie sehen wollte, war dieser nicht auf seinem Platz. Ich sah ihn gerade noch aus der Tür gehen. Mrs. Weasley ließ eine Schimpftirade über die Zwillinge nieder und Mr. Weasley versuchte kläglich, die Situation zu beruhigen. Ich war aufgestanden und Charlie gefolgt, der bereits auf einem Besen saß und wie ein Irrer durch die Luft heizte. „Charlie!“, rief ich ihm zu, aber er reagierte nicht. Ich versuchte es noch ein paar Mal, aber es brachte nichts. Also griff ich zu meinem Zauberstab und ließ einen großen Stein schweben. Ich ließ ihn vor Charlie schweben, damit er endlich zur Ruhe kam und zu mir sah. Nachdem Charlie versucht hatte, immer wieder um den Stein herum zu fliegen und gescheitert war, kam er schließlich aus der Luft auf dem Boden auf, landete direkt vor mir und sah mich mies gelaunt an. „Was?“ „Alles okay?“, fragte ich zaghaft, aber er antwortete nicht, sondern packte mich etwas unbeholfen und stieg mit mir vor sich auf dem Besen zurück in die Luft. Ich verlor den Boden unter den Füßen, ich spürte, wie die Luft durch meine Haare zischte, fühlte die kühle Brise auf meiner Haut und schloss die Augen, versuchte zu vergessen, dass ich aus einem verdammten Besen saß und durch die Luft heizte. Mein Magen fühlte sich gar nicht gut an, ich spürte, wie mir schlecht wurde. „Lass mich runter.“, flüsterte ich leise. Charlie konnte mich nicht hören, viel zu laut war die Zugluft an unseren Ohren. Ich verstand mich selbst kaum. „Runter.“, sagte ich etwas kräftiger, mit dem stärker werdenden Brechreiz kämpfend. Nichts. „Lass mich runter. Runter. Ich will hier runter. Ich kann das nicht. Runter. Jetzt!“, schrie ich unkontrolliert und völlig überfordert. Charlie erschreckte sich offenbar vor meinem Ausbruch und zog den Besen hart nach oben, wodurch ich mich nicht mehr festhalten konnte, denn damit hatte ich absolut nicht gerechnet. Meine Finger glitten vom Holz und Charlie schnappte mit dem rechten Arm zu spät nach mir. Ich fiel vom Besen, aber er zog den Besen herum und fing mich auf, bevor ich aufprallen konnte. Ich spürte deutlich, dass wir nicht mehr in der Luft waren, Charlie stand mit beiden Beiden auf dem Boden und hielt mich an seine Brust geklammert fest. „Ich hasse es zu fliegen. Ich hasse Besen. Ich hasse es...“, jammerte ich an seiner Brust und er entschuldigte sich knapp. „Warum hast du nichts gesagt?“, wollte ich dann wissen. Deshalb war ich schließlich hinter ihm her gelaufen. „Was?“ „Wieso hast du nichts gesagt, als Fred und George all diese dummen Sprüche gebracht haben?“ „Was hätte ich denn sagen sollen?“ „Dass du sehr genau weißt, wie man küsst. Dass du mich geküsst hast. Oder ich dich. Und das es gut war.“, sagte ich und wurde mit jedem Wort lauter. Inzwischen hatte ich meinen Kopf von seiner Brust gehoben und sah ihm wieder einmal in die Augen, die mich fast um den Verstand brachten. „Meinst du das ernst? Das war kein versehen? Du wolltest tatsächlich mich so küssen?“ Als er das fragte, musste ich fast lachen. Ich konnte es nicht fassen: „Verdammt Charlie, sei doch nicht so abartig unsicher. Natürlich wollte ich dich küssen. Ich wollte dich schon im Laden küssen, obwohl ich dich gar nicht kannte. Und als du mich dann geküsst hast, wollte ich noch viel, viel mehr. George hat einfach kein gutes Timing.“, meinte ich und bevor er antworten oder noch einmal nachfragen konnte, küsste ich ihn wieder und dieses mal war Charlie nicht halb so unsicher wie beim ersten Kuss, er zog mich sofort so nah es ging an sich und vergrub eine Hand in meinem Haar. Ich genoss seinen Atem, seine Nähe, seinen Geruch, seine Zunge. Er machte mich wahnsinnig heiß. Ich vergaß, dass wir bei seinen Eltern zum Essen eingeladen waren und hörte auch den verwunderten Aufschrei nicht, als Mr. Und Mrs. Weasley mit Fred und George im Schlepptau aus dem Haus kamen und uns eng umschlungen vorfanden. Erst als wir beide nach Luft schnappten, bemerkten wir, dass wir nicht mehr allein waren. „Prue!“, entfuhr es Fred. „Nicht schlecht, Charlie!“, kam George auf uns zu und klopfte seinem älteren Bruder auf die Schulter. „Seit wann?“, fragte Fred, der aus dem Staunen gar nicht mehr herauskam. „Sieht so aus, als könnte es gleich eine Doppelhochzeit geben, was Mom?“, feixte George. „Ihr solltet euch bei eurem Bruder entschuldigen. Also los.“, sagte Mr. Weasley beherrscht, aber sichtlich erleichtert, dass Charlie nicht so ein Loser war, wie ihm Fred und George hatten Glauben machen wollen. „Willkommen in der Familie, Prudence.“, strahlte Mrs. Weasley mich an und erdrückte mich fast. Die ganze Zeit hatte Charlie meine Hand nicht losgelassen. *** ZEITSPRUNG *** „Ich kriege keine Luft, Angelina!“, zickte ich meine beste Freundin an, die mein Kleid schnürte. Sie kicherte: „Das erinnert mich an den Weihnachtsball, weißt du noch?“ „Ja, anscheinend hast du aus deinen Fehlern nicht gelernt.“, lachte ich zurück. „Fertig!“, sagte sie zufrieden und schob mich vor den großen Spiegel. Ich staunte nicht schlecht, als ich ihr Gesamtkunstwerk betrachtete: Mich. Ich sah tatsächlich aus wie eine Prinzessin, so, wie sie es gesagt hatte. Mein langes Kleid umspielte meine Figur fabelhaft und die Schleppe lag wundervoll. Sie war nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz. Meine Haare hatte sie hochgesteckt und mit einer Tiara verziert. Einfach fabelhaft. „Dir fehlt nur noch dein Etwas Blaues.“, sagte sie wie zu sich selbst und hielt mir plötzlich ihre Lieblingskette an den Hals. „Die passt perfekt, meinst du nicht?“ Die Kette war Silber und hatte einen ovalen blauen Stein. „Lina, das kann ich nicht annehmen. Die musst du bei deiner Hochzeit tragen. Das war der Plan, schon vergessen?“, meinte ich und war unendlich gerührt. „Heute wirst du heiraten Prue. Und du verdienst es, dass dieser Tag unvergesslich und perfekt ist. Die Kette steht dir viel zu gut. Und vielleicht leihst du sie mir ja für meine Hochzeit, sofern George mich eines Tages fragen sollte. Sie gehört dir.“, erklärte sie und weil sie keinen Widerspruch duldete, schloss sie mit diesen Worten den Verschluss und die Kette gehörte zu mir. Ich hatte Tränen in den Augen. „Nein!“, schrie Angelina auf. „Nicht jetzt schon, erst, wenn ihr beide Ja gesagt habt!“ Ich lachte und sie fiel mit ein. „Danke Angelina. Danke für alles. Du bist und bleibst die Beste!“, sagte ich und fiel meiner liebsten Freundin um den Hals. Sie erwiderte die Umarmung fest und lang. „George wäre dumm, wenn er dich nicht fragen würde. Natürlich wird er dich fragen.“, flüsterte ich ihr noch zu, und dann mussten wir los. Angelina schritt voraus, neben George. Bill stand schon neben Charlie, das konnte ich durch den Vorhang erkennen. Dann kam meine Zeit. Ich musste den Gang durch die Gäste machen und mein Vater war nicht hier um mich zu meinem zukünftigen Mann zu führen. Es interessierte ihn nicht. Meine Mutter und Piper saßen in der ersten Reihe. Ich hatte mich seit meinem Auszug ein wenig mit ihnen angenähert. Das Verhältnis war noch zerbrechlich, aber nicht mehr unterkühlt. Ich wollte den Vorhang beiseite schieben, als mir jemand zuvor kam. Mr. Weasley. Er lächelte mir aufmunternd zu und hielt mir seinen Arm hin. „Darf ich bitten, Prue?“, fragte er mich und ich war überwältigt. „Danke sehr, Mr. Weasley.“, sagte ich und hakte mich bei ihm unter. Gemeinsam schritten wir in Richtung Charlie, der mich völlig verträumt ansah. Mrs. Weasley in der ersten Reihe weinte bereits und nickte uns zu. Ginny stand neben Angelina, sie war meine zweite Brautjungfer. Fleur saß neben Mrs. Weasley und George stand neben Bill. Fred fehlte uns allen noch immer, aber rund zwei Jahre nach der Schlacht um Hogwarts konnten wir inzwischen alle mit seinem Tod umgehen. Percy saß mit seiner Frau Penelope in der zweiten Reihe hinter meiner Mutter, die natürlich nicht weinte, sondern nur lächelte. Piper hatte aber definitiv Tränen in den Augen und in diesem Moment wusste ich, dass zumindest mit meiner Schwester alles gut werden konnte. Sie freute sich für mich und war gerührt. „Nenne mich ruhig Arthur.“, sagte Mr. Weasley mit einem Zwinkern, bevor er mich meinem zukünftigen Ehemann übergab. Ich würde eine Weasley werden und endlich der besten Familie angehören. *The End*

34.64 % der User hatten die Auswertung: Profil C Name: Teresa „Tess“ Lynley. Familie: Alleinerziehende Mutter, Vater verstorben, keine Geschwister. Jahrgang: Harry Potter. Haus: Ravenclaw. beste Freundin: Cho Chang. Titel: Owner of a Lonely Heart. Story: „Fass mich nicht an!“, zischte ich ziemlich bedrohlich. Ich musste mich nicht umdrehen, um ganz genau zu wissen, wer sich an geschlichen hatte und im Begriff war, seinen Arm um mich zu legen. Ich hatte schon den ganzen Abend bemerkt, wie er mich mit seinem kalten und doch sehnsüchtigen Blick verfolgt hatte. Ich hasste alles, wofür er stand, dieser verwöhnte Schnösel, dem alles in den Schoß gelegt bekommen hatte. Ja okay, er hatte einen Preis gezahlt, aber ich war mir nicht sicher, dass er das nicht freiwillig getan hatte und niemand konnte es mir beweisen. Ich war immer für eine zweite Chance, aber er hatte sie verspielt, nachdem er tatsächlich dem Ruf seiner Eltern gefolgt und einfach abgehauen war, dieser feige Hund! Ich hatte, wie so viele, einen Hoffnungsschimmer gesehen, nachdem Harry Potter berichtet hatte, dass nicht er, sondern Snape Professor Dumbledore getötet hatte, aber wir waren enttäuscht worden. Und jetzt brauchte er auch nicht mehr angekrochen kommen. Ich mochte diese dämlichen Veranstaltungen sowieso nicht, auf die meine Mutter mich so gern mitnahm. Ich hatte ihr lediglich einen Gefallen getan. „Tess.“, flüsterte er, er war mir ganz nah und meine Nackenhaare stellten sich auf, seine Stimme jagte mir einen Schauer über den Rücken. So flehend und gleichzeitig so abgeklärt. „Für dich bin ich noch immer Lynley.“, entgegnete ich, ohne ihn anzusehen. Ich konnte es nicht ertragen, ihn anzusehen. Das würde zu viele böse Erinnerungen hervorbringen. Ich konzentrierte mich auf das Glas in meiner Hand und auf die darin befindliche Flüssigkeit. Mit einem Schluck leerte ich das Glas, nüchtern ertrug ich diesen Abend nicht. Ich sah mich im Raum um: Meine Mutter stand an der Bar – und zu meinem Leidwesen stand sie dort nicht etwa allein, sondern mit ihr, mit seiner Mutter und die beiden schauten geradewegs zu uns und winkten. Ich verdrehte die Augen und machte Anstalten, Richtung Ausgang zu laufen, als sich seine Hand um mein Handgelenk schloss und mich somit am Gehen hinderte. Ich hätte am liebsten weit ausgeholt und ihm eine Ohrfeige verpasst, aber ich wollte hier keine Szene machen. Es war mir lieber, ich stand nicht im Rampenlicht, jedenfalls nicht so. „Teresa, wie schön, dich wiederzusehen.“, heuchelte Narzissa Malfoy, als sie und meine Mutter uns erreicht hatten und ich auf die Schnelle keine Fluchtmöglichkeit mehr fand. Ich mochte diese Frau nicht, alles an ihr schrie geradezu nach Heuchelei. Ich musste mich zusammenreißen, nichts über ihren Mann zu sagen, der, wie ich fand, ganz zu Recht in Askaban saß und hoffentlich noch lange dort bleiben musste. Ich zwang mich zu einem Lächeln. Okay, es war kein echtes Lächeln, eher nur die Andeutung eines falschen Lächelns. „Amüsiert ihr euch?“, fragte meine Mutter an Draco und mich gerichtet. Er sagte: „Aber natürlich, Mrs. Lynley.“, während ich mit „Nicht im Geringsten.“ antwortete. Meine Antwort überging meine Mutter, sah mich aber an, als wolle sie sagen, ich solle mich zusammenreißen. Ich verdrehte wieder einmal nur die Augen, während Mrs. Malfoy einen der Kellner zu uns winkte. Wenigstens sorgte sie für Alkohol. „Stoßen wir auf die Verbindung unserer Familien an.“, sagte sie überschwänglich, nachdem sie jedem ein Glas in die Hand gedrückt hatte. Ich behielt mein Glas bei mir und leerte es, noch bevor irgendjemand auf die Idee kommen konnte mit mir anstoßen zu wollen. Die Verbindung unserer beiden Familien, wie bitte? Mein Vater war gestorben, als ich zwei Jahre alt war und meine Mutter hatte mit dem Dunklen Lord ungefähr so viel zu tun, wie Madam Maxime einfach nur große Knochen hatte. Ich musste über meine eigenen Gedanken schmunzeln. „Wo ist dein Benehmen, Teresa?“, fragte meine Mutter sichtlich nach Luft ringend. Am liebsten hätte ich ihr geantwortet, dass man sich in Gesellschaft von ehemaligen Todessern nicht so benehmen musste, wie in der Gesellschaft von respektablen Persönlichkeiten. Aber ich schluckte es runter. „Oh, da ist Cormac...“, sagte ich nur zu meiner Mutter geistesabwesend, als ich Cormac McLaggen erblickte. Meine Rettung. Ohne auf Draco, die geschockt aussehende Mrs. Malfoy oder meine eigene Mutter zu achten, lief ich an ihnen vorbei, stellte mein leeres Glas im Vorbeigehen auf das Tablett eines Kellners und zog Cormac von seiner zugegebenermaßen attraktiven Begleitung weg. „Hallo Tess, schön dich zu sehen. Wie geht es dir?“, meinte Cormac vor Sarkasmus triefend, als wir schließlich im Eingangsbereich zum Stehen kamen. Ich sah noch, wie seine Begleitung verwirrt in unsere Richtung sah, also schob ich ihn doch noch etwas weiter. „Rette mich. Rette mich vor Malfoy und meiner bekloppten Mutter.“, flehte ich und zog eine Schnute. Cormacs Züge wurden weicher und schließlich umarmte er mich: „Tess, Tess, Tess. Was hast du denn mit Malfoy am Laufen?“ Als Antwort schlug ich ihm gegen den Oberarm und hakte mich anschließend bei ihm unter. „Nichts habe ich mit diesem arroganten Schnösel am Laufen, aber unsere Mütter fänden die Vorstellung wohl entzückend. Du weißt doch, dass sie befreundet sind. Sehr zu meinem Leidwesen. Also hilfst du mir?“ Cormac seufzte: „Weißt du, wie lange es gedauert hat, bis ich Alice überzeugt hatte, mit mir herzukommen?“ „Bei deinem Glück nicht länger als drei Minuten.“ Er lachte, also hatte ich wohl recht. „Bitte?“, versuchte ich es noch einmal. „Na schön, aber ich hab was gut bei dir, Tess.“ „Alles, was du willst.“, gab ich süffisant zurück und zwinkerte ihm zu. Als ich den Saal wenig später mit Cormac betrat, sah ich aus dem Augenwinkel, dass Draco kurz davor war, sein Glas nach uns zu werfen und ich grinste breit. Lackaffe. Dann kam das Mädel auf uns zugelaufen, mit dem Cormac aufgekreuzt war. Sie sah fassungslos von Cormac zu mir und auf meine Hand, deren Finger mit Cormacs verschlungen waren. Ich sah sie fragend an, und Cormac sagte: „Tut mir Leid, Alice.“, dann verschwanden wir in der Menge, bevor Alice einen oder gleich uns beide erwürgen konnte. Ich schmiegte mich an ihn und sog seinen Duft ein, ich hatte ihn vermisst. Während der Saison sahen wir uns eigentlich nie, weil Cormac sich dann ganz und gar auf Quidditch konzentrieren musste, aber wenn er Pause hatte, so wie jetzt, trafen wir uns häufig. Wir hatten schon in Hogwarts bemerkt, dass wir uns mochten. Wir waren nicht verliebt, wir waren einfach auf einer Wellenlänge und er war so schön unkompliziert. Wir hatten uns in meinem sechsten Schuljahr auf Professor Slughorns Party kennengelernt. Ich war mit Seamus Finnigan hingegangen, weil Dean mit dieser Ginny zusammen war und in meinem Haus keine interessanten Typen waren, die ich dorthin hatte mitnehmen wollen. Seamus war ein ausgesprochen langweiliger Mensch, auch wenn er sich für verdammt witzig hielt. Irgendwann hatte ich angefangen, mich vor ihm zu verstecken und hatte so Cormac getroffen, der sich vor Professor Snape versteckt hielt, weil er hatte brechen müssen. Ich hatte die Geschichte als sehr lustig empfunden und irgendwann war Cormac in mein Lachen eingefallen. Ab da haben wir uns immer öfter getroffen und ein Treffen hatte zum nächsten geführt und irgendwann hatten wir uns geküsst, geküsst, noch einmal geküsst, dann rumgeknutscht, und waren schließlich im Bett gelandet. Schön war, dass keiner mehr erwartete. Wir verstanden uns gut, waren so etwas wie beste Freunde mit gewissen Vorzügen. Und mal ehrlich: Es gab Schlimmeres, als das Bett mit einem attraktiven und unkomplizierten Kerl zu teilen. „Sie sind also Cormac McLaggen. Ellis Lynley, freut mich.“, sagte meine Mutter, die ich gar nicht hatte ankommen sehen oder hören. Ich hätte ihn warnen sollen. Aber Cormac nahm ihre Hand und machte ihr mit seiner charmanten Art ein Kompliment über ihre letzte veröffentlichte Arbeit. Ich konnte gar nicht fassen, wie gut sich die zwei verstanden. Meine Mutter war bereits nach wenigen Minuten völlig hin und weg von Cormac, Draco und seine Mutter schienen vergessen. Ich wusste nicht, ob ich das wirklich besser fand. Ein Mann an meiner Seite, den meine Mutter für gut befand? Irgendetwas in mir wehrte sich gegen diese Vorstellung. Fred Weasley wäre wahrscheinlich ein Kandidat gewesen, der sogar die brillante Ellis Lynley auf die Palme gebracht hätte. „Teresa, wieso hast du mir diesen charmanten jungen Mann nicht schon eher vorgestellt?“, fragte mich meine Mutter, als Cormac an die Bar ging, um uns allen einen Drink zu holen. „Hätte ich gewusst, dass du ganz ohne meine Hilfe einen Mann wie ihn findest, hätte ich dich vorhin nicht so mit Draco Malfoy überrumpelt, der übrigens die ganze Zeit zu uns schaut.“ „Danke dass du mir nichts, aber auch rein gar nichts zutraust, Mutter. Ich kenne Cormac schon seit meinem sechsten Jahr auf Hogwarts. Er ist mein bester Freund, nichts weiter.“ „Ach Teresa, ich mache mir doch nur Sorgen um deine Zukunft. Du brauchst einen Mann, der sich um dich kümmern kann.“ „Ich bin nicht krank, okay? Ich habe eine Ausbildung zur Heilerin absolviert und arbeite im St. Mungos. Ich verdiene mein eigenes Geld und ich habe ein eigenes Apartment. Ich brauche keinen Mann, ich komme sehr gut allein zurecht!“, brach es aus mir heraus. Natürlich wollte ich eines Tages den richtigen Mann an meiner Seite wissen, mit ihm zusammen leben, heiraten und eine Familie gründen. Aber das hieß doch nicht, dass ich meine Ausbildung umsonst gemacht hatte. Ich konnte mir mein Leben leisten, ich war selbstständig und ich würde sicherlich niemals als Hausfrau und Mutter enden. „Natürlich tust du das.“, versuchte meine Mutter, mich zu beschwichtigen. „Ich dachte nur, dass du nicht eines Tages allein enden willst, so wie ich. Ich dachte, Draco wäre der richtige Kandidat. Er hat einen guten Posten im Ministerium, er kommt aus gutem Hause, er ist wohlhabend und er scheint dich wirklich zu mögen.“ Cormac kam zurück, drückte mir einen Feuerwhiskey in die Hand und meiner Mutter ein Glas Wasser. Er selbst hatte ebenfalls einen Feuerwhiskey und stieß mit mir „Auf uns!“ an. Meine Mutter sah von mir und Cormac zu Malfoy, und ich folgte ihrem Blick. Draco stand allein an der Wand gelehnt und sah zu uns herüber. Er sah mir direkt in die Augen, während Cormac seinen Arm um meine Hüfte legte. Ich fühlte mich sehr wohl bei Cormac, er war mir vertraut und kannte mich wie kein zweiter. Aber noch immer zog mich auch Draco an, der feige Draco Malfoy, der seinen inneren Kampf nicht gewonnen hatte, sondern auf seine Eltern gehört hatte, die immer nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht waren. Er sah mich an und seine grauen Augen fesselten mich. Er lächelte schief und sah dann auf den Boden. Ich hatte mit ihm zu Slughorns Feier gehen wollen. Er hatte mich sogar gebeten, ihn mitzunehmen. Aber wie hätte ich, eine Ravenclaw und noch dazu eine gute Freundin von Hermine Granger, mit Draco Malfoy aufkreuzen können? Draco, der nicht nur Hermine, sondern auch mich aufs Übelste beleidigt hatte? Draco, von dem wir vermuteten, dass er ein Todesser geworden war? Und wir hatten recht behalten. Ich riss mich von seinem Anblick los, griff nach Cormacs Hand, verabschiedete mich von meiner Mutter und zog ihn mit mir nach draußen, von wo aus wir in mein Apartment apparierten und eine weitere gemeinsame Nacht verbrachten, in der ich nicht einen Gedanken an Draco Malfoy verschwendete, sondern mich ganz und gar Cormac hingab. *** „Was?“, fragte Cho mich überrascht. Sie hatte mich von der Arbeit abgeholt und nun saßen wir gemütlich auf dem Sofa in meinem Wohnzimmer, tranken Tee und aßen Kekse. Ich hatte ihr von meiner Begegnung mit Draco Malfoy erzählt und von der Idee meiner Mutter. „Ich habe ihr gesagt, dass ich keinen Mann brauche, sondern selbstständig bin.“, lachte ich meiner besten Freundin zu und goss uns frischen Tee ein. Cho sah mich ein wenig besorgt an: „Und was ist das mit dir und Cormac?“ Die Frage traf mich unerwartet. Ich zuckte mit den Schultern und Cho grinste wissend: „Das ist doch mehr als eine reine Bettgeschichte!“ „Natürlich ist es das. Er ist mein bester Freund, das weißt du doch.“, entgegnete ich unschuldig. Ich selbst hatte noch nie darüber nachgedacht, ob ich Cormac brauchte, so richtig brauchte. Natürlich vermisste ich ihn irgendwie, wenn er während der Saison unterwegs war und natürlich freute ich mich, wenn er an freien Tagen bei mir auftauchte. „Wenn du ehrlich bist, führt ihr schon längst eine Beziehung.“, meinte Cho neunmalklug. Ich schluckte und schüttelte den Kopf. „Nein...“, fing ich an und überlegte fieberhaft, wie ich ihr die Situation klar machen konnte, aber je mehr ich nachdachte, umso bescheuerter kam es mir vor. Ich vermisste ihn, wenn er nicht da war und wenn er da war, verbrachten wir die meiste Zeit zusammen. „Ich war ja auch nicht eifersüchtig, als Cormac mit dieser Alice auf der Feier angetanzt ist.“, gab ich zu bedenken. Ich war heilfroh, dass mir das eingefallen war. Ich wollte nicht verliebt sein ohne es gemerkt zu haben. Cho zog eine Augenbraue hoch und musterte mich. Dann sagte sie: „Du warst nicht eifersüchtig, weil du dir sicher bist, dass du seine Nummer eins bist. Und er hat sie ja auch sofort abserviert, oder?“ Oh man, Cho musste es auch immer gleich auf den Punkt bringen. „So ein Quatsch.“, meinte ich und streckte ihr die Zunge raus. Thema beendet. Von wegen: „Ihr seid zusammen, ohne es bemerkt zu haben. Das ist irgendwie romantisch. Aus Freundschaft plus wird eine Ehe.“, sagte Cho mit leuchtenden Augen und grinste mich breit an. Oh man, wie anstrengend! „Nichts da! Cormac ist mein bester Freund, mehr nicht. Okay, eine Bettgeschichte. Eine gute, angenehme, zufriedenstellende Bettgeschichte. Krieg dich ein, Cho.“ Aber Cho kicherte nur: „Ist dir klar, dass du nie mit einem anderen Mann als ihm geschlafen hast?“ „Verdammt Cho. Natürlich weiß ich das. Cormac ist eben sehr gut, warum sollte ich mich nach jemand anderem umsehen?“ „Du liebst ihn. Du willst dich nicht umsehen, weil du ihn liebst. Sieh es endlich ein.“, machte Cho weiter und nahm noch einen Keks. „Nein, du siehst es ein!“, rief ich und warf ihr ein Kissen an den Kopf. Blöde Kuh. Mir einreden zu wollen, ich sei in Cormac verliebt. Cho sah mich erst geschockt an, dann nahm sie das Kissen und warf es mir entgegen. Irgendwann landeten die Kekse auf dem Boden, weil das Kissen nicht in Chos Gesicht, sondern auf dem Beistelltisch landete. Der Teller zerbarst in hundert Scherben und wir atmeten erst einmal durch. „Reparo!“, sagte Cho bestimmt mit ihrem Zauberstab in der Hand und ich sah zu, wie die Scherben nach und nach wieder zu dem Teller wurden, der sie einst gewesen waren. Ich holte meinen Zauberstab heraus und mit einem gehauchten „Wingardum Leviosa!“ ließ ich den Teller voller Kekse vom Boden zurück auf den Tisch schweben. Cho und ich grinsten uns an, wir waren immer noch ausgezeichnet. Die Kissenschlacht war beendet, und somit auch das Thema. Zum Glück. Es verwirrte mich, darüber nachzudenken, was ich für den Mann fühlte, mit dem ich das Bett teilte. Plötzlich fiel meine Wohnungstür ins Schloss und Cho und ich schreckten auf. „Tess?“, hörte ich Cormacs Stimme aus dem Flur. Cho zog wieder eine Augenbraue hoch und flüsterte amüsiert: „Wer kommt denn da? Etwa dein Nicht- Freund?“, bevor sie wieder kicherte, wie damals in der Schule, nachdem Cedric Diggory sie auf den Weihnachtsball eingeladen hatte. Cormac hatte wirklich kein gutes Gefühl für das richtige Timing. Ich hatte ihm doch gesagt, dass ich keine Zeit hatte, weil ich mich mit Cho traf. „Hier bist du. Oh, hallo Cho.“, sagte Cormac, als er im Wohnzimmer stand. „Hallo Cormac, was machst du denn hier?“, fragte Cho sofort und ich hätte ihr den Hals umdrehen können. „Hast du vergessen, dass ich mit Cho verabredet bin?“, fragte ich Cormac schnell, bevor Cho die Oberhand gewinnen konnte. Ich bemerkte ihren prüfenden Blick. „Sieht wohl so aus. Tut mir Leid, ich wollte euch nicht stören. Ich schätze... Wir sehen uns dann morgen?“, fragte er mich und ließ die Schultern etwas hängen. War er etwa enttäuscht? Und wenn ja, warum? Ich musste damit aufhören. Cho hatte mir einen Floh ins Ohr gesetzt, mehr nicht. „Ich wollte sowieso gerade gehen. Bryan und ich wollen heute ausgehen.“, warf Cho ein und stand vom Sofa auf. Ich sah sie ungläubig an. Was sollte denn das jetzt? „Echt?“, fragte Cormac und plötzlich hingen seine Schultern gar nicht mehr. Cho grinste mich an mit einem Blick, der wohl soviel sagen sollte wie: „Siehst du, er steht auf dich.“, aber ich ging nicht darauf ein. Cormac blieb im Wohnzimmer, während ich Cho zur Garderobe brachte. Sie zog ihre Jacke und Schuhe an und legte das Grinsen die ganze Zeit nicht ab. „Grüße Bryan von mir. Und habt einen tollen Abend.“, meinte ich, klang dabei aber sarkastisch. Bryan war Chos Verlobter. Ein Muggel, den sie kurz nach der Schlacht kennen gelernt hatte. Ich war mir ganz sicher, dass das nur eine Ausrede gewesen war und Chos Blick verriet mir, dass ich recht hatte. „Klär das mit Cormac. Und lass mich wissen, wenn ihr eine Hochzeit plant. Ihr seid ein schönes Paar!“, kicherte Cho und ich schob sie liebevoll aus der Tür, bevor er sie noch hören konnte. Dann umarmte ich meine beste Freundin zum Abschied: „Du siehst Gespenster, Cho.“ „Und du siehst den Wald vor lauter Bäumen nicht.“, entgegnete sie mir und apparierte dann. Ich stand noch eine Minute vor der Tür und atmete tief durch, bevor ich zurück in mein Apartment ging und die Tür schloss. Cormac saß auf dem Sofa und blätterte durch eine meiner Zeitschriften. Erst als ich mich neben ihn setzte, sah er zu mir auf und gab mir sogleich einen Kuss auf die Wange. „Du wusstest ganz genau, dass ich heute verabredet war, oder?“, fragte ich sofort. Cormac grinste ein wenig und zeigte sein makelloses Zahnpastawerbungsgrinsen, das mich immer wieder schwach machte. Was empfand ich für ihn? Ich entschied, mir darüber an einem anderen Tag Gedanken zu machen, als er seine Hand unter mein Shirt schob und ich ihn näher zu mir zog. Verdammt, der konnte küssen! Ich krallte mich an ihm fest und ließ mich auf seinen Schoß ziehen, während wir uns immer weiter küssten. Ich wollte ihn spüren, ich wollte ihm noch näher sein. Ich zog ihm den Sweater aus und begutachtete seinen nackten Oberkörper mit Wohlwollen. Cormacs Hände glitten zu meinem Po, dann stand er mit mir auf und lief mit mir auf dem Arm und wild knutschend in mein Schlafzimmer, wo er mich auf das Bett warf. Ich grinste, als ich ich vom Bett aufstand und mein Shirt vor ihm auszog. Er half mir mit dem BH und kurz darauf stand ich nackt vor ihm. Er kannte mich so gut, ich fühlte keine Scham. Es war einfach perfekt mit ihm. Jede Berührung löste ein wohliges Kribbeln auf meiner Haut aus, jeder Kuss sorgte dafür, dass ich noch mehr wollte und jeder Seufzer, der ihm entfuhr, machte mich nur noch mehr an. Wir verloren uns ineinander und verbrachten den ganzen Abend im Bett, bis wir Appetit bekamen. *** Ich hatte noch immer nicht mit Cormac gesprochen, irgendwie ergab sich das einfach nicht. Oder ich wollte nicht, dass sich das ergab. Jedes mal, wenn wir uns trafen und ich mir zuvor fest vorgenommen hatte, mit ihm zu reden, passierte das Gleiche: Wir landeten im Bett. Jetzt war er wieder einmal mit seiner Mannschaft unterwegs und Cho hing mir in den Ohren, dass ich das doch hätte klären sollen. Leichter gesagt als getan. Ich hatte ihr versprochen, mit Cormac zu reden, sobald er mich wieder besuchte. Jetzt saß ich noch an meinem Schreibtisch im St. Mungos und mischte die Salbe neu, die ich kurz zuvor an einem Patienten verbraucht hatte. Ich erledigte anstehende Arbeit immer am liebsten sofort. So konnte die Salbe über Nacht kühlen und am Morgen konnte ich sie sofort nutzen, sofern ich sie denn brauchte. Ich drehte den Deckel zu und stellte die Salbe beiseite, dann legte ich meinen Kittel über die Stuhllehne und lief zur Tür, wo meine Jacke hing. Es war kühler geworden, Herbst. Ich mochte den Herbst sehr gern, aber der Wind machte mich fuchsig. Ich band mir meinen Schal um und zog die Jacke an, dann schloss ich mit einem Wink meines Zauberstabs die Tür hinter mir und verließ das Gebäude. Ich war gerade ein paar Meter gelaufen, da hielt mich jemand an der Schulter zurück. „Cormac?“, fragte ich erstaunt, während ich mich langsam umdrehte. Hatte er nicht heute ein Spiel? Vielleicht war es auch gestern gewesen, so genau wusste ich das nicht. Aber da stand nicht Cormac vor mir, sondern Draco Malfoy. Seine Hand ruhte noch auf meiner Schulter und der Ausdruck in seinen grauen Augen war verletzt. „Malfoy.“, sagte ich. Er ließ seine Hand sinken. „Bist du mit ihm zusammen?“, fragte er fast flüsternd. Er klang gekränkt. Ich schüttelte den Kopf. „Was willst du?“, fragte ich ihn schließlich. Er stand vor mir, fast einen Kopf größer war er als ich und ich musste zu ihm aufsehen. Der nächste Windstoß, der an uns vorbei fegte, trug seinen Duft zu mir herüber. Elegant, klar, interessant. Ich schloss für einen Moment die Augen um mir den Duft einzuprägen. Als ich die Augen wieder öffnete, war er mir noch ein Stück näher gekommen. Ich schluckte und vergaß all die gemischten Gefühle, die ich ihm gegenüber hegte. Ich roch ihn, und wenn ich auch nur einen Schritt in seine Richtung machen würde, würde ich ihn berühren. Ich sah in sein makelloses Gesicht, sah seine Augen, die mich so sehnsüchtig beobachteten. „Kann ich dich auf einen Drink einladen?“, fand er schließlich seine Stimme wieder. Er klang heiser und ich war nicht in der Lage, etwas zu sagen. Ich sah ihm einfach nur in diese wunderschönen Augen, die mich schon in der Schulzeit um den Verstand gebracht hatten. Ich weiß nicht, wie es hatte passieren können, aber ich hatte mich im sechsten Jahr in ihn verliebt, bevor ich Cormac kennen gelernt hatte. Bevor ich mir sicher war, dass er auf der falschen Seite stand. Obwohl er so herablassend mir und meinen Freunden gegenüber war. Obwohl er sich über meinen toten Vater lustig gemacht hatte, weil dieser nur ein Muggel gewesen war. Ich hatte ihn gehasst und mich dennoch in ihn verliebt. Und dann, nach der Schlacht, hatte ich ihn erfolgreich aus meinen Gedanken verbannt. Bis ich ihn wiedergetroffen hatte. „Okay.“, stimmte ich geistesabwesend zu. Dracos Augen weiteten sich vor Überraschung, doch schnell machte sich ein kleines Lächeln auf seinen Lippen breit. Nur kurz. Malfoy lachte nicht häufig. Er sah mir noch einmal tief in die Augen, dann nahm er meine Hand in seine und apparierte mit mir vor die Drei Besen. Er hielt mir höflich die Tür auf und half mir aus der Jacke, hängte sie sogar für mich auf. Er war sehr aufmerksam, ein wahrer Gentleman eben. Gute Erziehung, wenigstens in diesem einen Punkt. Ich lächelte ihn verstrahlt an. Er hatte mich verzaubert, obwohl ich doch eigentlich skeptisch bleiben wollte. Mein Verstand hämmerte mir gegen die Stirn, aber mein Bauchgefühl verdrängte ihn und ließ ihn unerhört. Draco ging an die Bar und kam kurz darauf mit zwei Butterbier zurück. Er saß mir gegenüber und ich konnte meinen Blick gar nicht von ihm lassen. Ihm schien es mit mir genauso zu gehen. Wir stießen an, ohne etwas zu sagen. Worte schienen die Atmosphäre ruinieren zu können, so zerbrechlich war dieser Moment. Ich, ein Halbblut, und Draco Malfoy. Ich fragte mich, ob sein Dunkles mal noch zu sehen war, und als könne er Gedanken lesen, fing er leise aber bestimmt an zu reden: „Teresa, ich weiß, ich habe viele Fehler gemacht. Ich kann es nicht mehr ändern. Aber ich werde mein Bestes geben, es wieder gut zu machen, dir zu zeigen, dass ich kein schlechter Mensch mehr bin. Ich habe dir so wehgetan, und ich wusste das ganz genau. Aber ich habe mich geändert, ich verändere mich noch immer. Danke, dass du mir eine Chance gibst.“ Er sah mir fest in die Augen und die Tatsache dass er nicht wegsah, imponierte mir. Er meinte es wirklich ernst. „Ich habe dich gehasst.“, sagte ich trocken. Ich wollte es ihm nicht zu einfach machen. Er presste die Lippen hart aufeinander, sodass sein Mund nur noch ein feiner Strich war. „Du hattest kein Recht, mich oder jemand anderes so zu beleidigen.“, machte ich weiter. Er nickte stumm. „Du hast tatsächlich viele Fehler gemacht. Eigentlich hast du deine zweite Chance bereits bekommen und verspielt, als du mit deinen Eltern geflohen bist.“ Ich sah ihm unentwegt in seine Augen. Er sah fertig aus, wie ein gepeinigter Hund. Ich musste lächeln und verwirrte ihn damit nur noch mehr. „Manchmal bekommt man noch eine dritte Chance, Draco.“, schloss ich. Draco sah mich unendlich dankbar an, sagte aber nichts. Wir tranken unser Butterbier aus und er zahlte an der Bar, während ich mir die Jacke anzog und den Schal umwickelte. Dann hielt er mir wieder die Tür auf und wir liefen ein Stück an den bereits geschlossenen Läden vorbei. Irgendwann legte er vorsichtig einen Arm um meine Schultern, abwartend, ob ich ihn vielleicht abschütteln würde. Ich genoss seine Nähe, sog seinen Duft ein, achtete aber darauf, dass er das nicht bemerkte. Vor dem Laden mit dem Zubehör für Quidditch machten wir einen Stopp. Okay, er stoppte und ich zog ihn nicht genervt weiter. Er sah sich den neuesten Besen an und seine Augen funkelten im Mondlicht. Ich schmiegte mich näher an ihn. „Ist dir kalt?“, fragte er und klang ehrlich besorgt, aber ich schüttelte nur den Kopf. Wieder huschte ein kurzes Lächeln über seine Lippen. Dann gingen wir weiter, enger aneinander, mein Arm um seine Hüfte. Wir schlenderten an Weasley Zauberhaften Zauberscherzen vorbei und dieses mal war ich es, die ins Schaufenster sehen wollte. Draco war geduldig und sagte nichts, seufzte nicht einmal ungeduldig auf. Dann drehte ich mich zu ihm. Er nahm meine Hand in seine und ich ließ ihn, Seine Berührung verursachte nicht nur ein Kribbeln, sie löste ein Feuerwerk aus. Ich war wie elektrisiert und ich wollte mehr, aber ich hielt mich zurück. Wir standen eine Weile so da, händchenhaltend und uns ansehend. Sein Blick wurde wieder sehnsüchtig und ich dachte nicht eine Sekunde nach, als ich ihn festhielt und uns in mein Apartment apparierte. Kaum angekommen, zog mir Draco meine Jacke aus und ich knöpfte sein Jackett auf. Mein schal landete unbeachtet auf dem Boden und wir stolperten etwas ungeschickt ins Wohnzimmer, wo wir uns auf das Sofa fallen ließen. Er nahm mein Gesicht in seine Hände und sagte nichts. Ich wollte etwas sagen, aber ich wusste nicht, was. Er raubte mir den Verstand, mir, einer Ravenclaw! „Ich finde dich wunderschön.“, sagte er schließlich und es war das schönste Kompliment, das ich je bekommen hatte. So unschuldig und so ernst, so wahr, so schön. Ich lächelte ihn an und spürte, dass ich rot wurde. Jetzt lächelte auch er kurz und überbrückte endlich, endlich die letzte Distanz zwischen unseren Gesichtern. Ich schmeckte seine Lippen, spürte seine Zunge und dachte an nichts außer an ihn. Ich erwiderte den Kuss leidenschaftlich und führte ihn schließlich in mein Schlafzimmer, wo wir weitermachten, was wir begonnen hatten. Wir wechselten kaum ein Wort während wir uns auszogen, unsere Blicke sprachen Bände. Wie er mich musterte, meine Haut streichelte, jeden Zentimeter von mir genau betrachtete, sorgte dafür, dass ich mich vollkommen fallen lassen konnte. Ich fuhr mit den Fingerspitzen über seine Brust und jagte ihm eine Gänsehaut auf den Körper, was mich zum Lächeln brachte. Er strich mir durch die Haare und küsste meine Nasenspitze, ich zog ihn näher zu mir, näher und näher, bis es näher nicht mehr möglich war. Ich spürte ihn und ich wusste, dass ich niemals mehr jemand anderes spüren wollte. Er war vorsichtig und gleichzeitig wahnsinnig leidenschaftlich, sogar etwas wild. Als wir verschwitzt nebeneinander lagen und nach Luft schnappten, musste ich lachen. Es war befreiend, ich war glücklich. Zuerst sah er mich verwirrt an, dann fiel er mit ein und beugte sich wieder über mich, um mich zu küssen. Seine Küsse schmeckten gut. Frisch und anders, nicht so vertraut. Aufregend, neu und unvergesslich. Es war so anders mit ihm und dennoch so gut. Ich war froh, dass mein Bauch meinen Verstand verdrängt hatte und ich nun war, wo ich war. Ich setzte mich auf und zog die Decke um meinen Körper, aber Draco löste sie wieder. Ich sah ihn fragend an. „Ich will dich sehen.“, war alles, was er sagte, und ich ließ die decke bereitwillig los. Was war es für ein Kompliment, dass er mich auch jetzt noch sehen wollte und nicht aufstand um seine Klamotten zusammen zu suchen und abzuhauen. Ich saß noch eine Weile einfach so da und dachte nach, bis ich Draco spürte, wie er mich von hinten umarmte. Erst jetzt merkte ich, dass ich eine Gänsehaut hatte. Draco küsste meine Schulter und meinen Nacken, was dazu führte, dass mir ein Stöhnen entfuhr. Ich hatte nicht gewusst, wie empfindlich mein Nacken war. Schon sein Atem kitzelte mich unwahrscheinlich, aber der Kuss war zu viel gewesen, ich hatte mich nicht zurückhalten können. Draco schien das allerdings zu gefallen, denn er zog mich näher und drehte meinen Kopf so, dass ich ihn küssen konnte. Als ich da in meinem Bett saß und Draco küsste, wie ich noch nie einen Mann geküsst hatte, wurde mir mit einem mal bewusst, dass ich wirklich dringend mit Cormac würde reden müssen. Ich stoppte den Kuss, mir wurde schlecht. Nicht wegen Draco, sondern wegen der Vorstellung, dass ich Cormac verlieren würde. Ich wollte ihn nicht verlieren. „Teresa, was ist...“, fing Draco an, aber als er die Tränen sah, die sich langsam in meinen Augen bildeten und drohten, über meine Wangen zu laufen, verstummte er und ließ mich los. Ich wusste, ich musste jetzt etwas sagen, sonst würde ich ihn verlieren, aber ich wusste beim besten Willen nicht, was ich sagen sollte. Sollte ich ihm sagen, dass ich nicht wusste, was ich für meinen besten Freund empfand? Dass ich mit diesem besten Freund seit knapp fünf Jahren das Bett teilte, in dem wir uns gerade geliebt hatten? Geliebt, ja. Ich war in Draco verliebt, noch immer. Und jetzt wusste ich, dass es ihm wirklich auch so ging und ich ihm verzeihen konnte, was er falsch gemacht hatte. Sein Dunkles Mal war verschwunden, er war ein anderer geworden: Zuvorkommend, liebevoll, reuevoll, neckisch, lächelnd. „Draco, ich...“, fing ich an, aber meine Stimme versagte mir den Dienst als die Tränen kamen. Er schüttelte langsam den Kopf: „Lass gut sein. Ich versteh schon.“, sagte er kalt. Ich fing an zu schluchzen und er zögerte, stand dann aber doch auf und zog sich langsam an, während ich weinend in meinem Bett saß. Mein Schluchzen schüttelten mich so heftig, dass ich gar nicht bemerkte dass Draco gegangen war. Was sollte ich jetzt nur tun? Ich schlief unter Tränen ein und erwachte am nächsten Morgen mit monströsen Kopfschmerzen. Ich ertrug es nicht, in diesem Bett liegen, das so sehr nach Draco roch, so elegant und frisch. Also schleppte ich mich unter die Dusche und war erst in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen, als ich die erste Tasse Tee getrunken und einen Toast gegessen hatte. Ich hatte heute Spätdienst und hatte daher noch etwas Zeit. Ich atmete tief durch und versuchte, meine Gedanken zu ordnen. Draco oder Cormac? Warum konnte ich nicht beide haben? Ich wollte Draco, denn ich liebte ihn, war ihm völlig verfallen. Aber ich brauchte Cormac, meinen besten Freund. Und sobald ich mit ihm geredet haben würde, würde er mir den Rücken zukehren, soviel war sicher. Er würde es nicht verstehen, dass ich Draco liebte, dass ich Draco ihm und seinen Qualitäten vorzog. Cormac war noch nie von einer Frau abgesägt worden. Und Draco hatte ich mit meiner Heulattacke sowieso schon vergrault, dessen war ich mir sicher. Bevor sich die nächsten Tränen bilden konnten, ging ich zur Arbeit, wo ich natürlich viel zu früh aufschlug. Aber meine Kollegen waren froh, dass ich sie unterstütze. Ich hatte sogar noch Gelegenheit, Cormac eine Eule zu schicken: „Wir müssen reden. Wann hast du Zeit?“ war alles, was ich schrieb. Er antwortete mir direkt nach der Schicht, als ich müde die Tür mit dem üblichen Zauber verschloss und er mich fast zu Tode erschreckte: „Ist was passiert? Tess, geht es dir gut?“, rief er hinter mir und klang besorgt. Ich hätte vielleicht etwas anderes schreiben sollen. „Mir geht es gut. Na ja, eigentlich stimmt das nicht.“, gab ich zu, als wir in meinem Apartment angekommen waren. Ich kämpfte schon wieder gegen die Tränen, als Cormac mich fest in die Arme nahm. Ich ließ es zu, ließ ihn mich halten, mich zum Sofa tragen, meine Tränen sehen. Er kochte mir einen Tee und setzte sich zu mir, bis ich aufgehört hatte zu weinen. Der Tee war inzwischen fast kalt, aber ich trank ihn trotzdem. Cormac saß nah neben mir und seine Hand lag auf meinem Oberschenkel. Es hatte nichts anstößiges an sich, aber ich fühlte mich nicht gut dabei, weswegen ich seine Hand nahm und auf sein Knie legte. „was ist los?“, fragte er zum wiederholten Mal, dieses Mal war seine Stimme näher als sonst, ich spürte seinen Atem an meinem Ohr und bekam eine Gänsehaut und schüttelte mich. Das fühlte sich so falsch an, obwohl ich es auch mochte. „Das geht nicht.“, presste ich hervor und machte Platz zwischen uns. Cormac sah mich an mit einem Anflug von Angst im Gesicht. „Ich habe mich verliebt, Cormac. Ich kann das nicht tun.“, sagte ich schließlich ganz schnell. Die Worte mussten endlich raus. Aber sie hatten einen anderen Effekt als ich erwartet hatte. Cormac grinste breit und rückte wieder näher: „Hast du es also doch auch bemerkt?“, fragte er und klang total erleichtert. Das durfte jetzt nicht wahr sein. Ich rückte weg, setzte mich dieses Mal auf meinen Sessel. Hier hin konnte er nicht folgen. „Was bemerkt?“, fragte ich, um mich zu vergewissern. Cormac stand vom Sofa auf, kam zu mir und kniete sich vor mich hin. Er hatte doch nicht etwa vor..? „Ich wollte es mir nicht eingestehen, Tess. Aber all die Zeit mit dir... Du bist meine Nummer eins. Ich liebe dich auch.“ Mit jedem Wort war sein Gesicht dem meinen näher gekommen und ich war nicht mehr zurück gewichen. Er liebte mich? Cho hatte wirklich Recht gehabt? Ehe ich mich versah, küsste Cormac mich. Dieses mal nicht so fordernd und aufregend wie sonst, sondern zärtlich, langsam, gefühlvoll. Ich mochte diese Art von Kuss sehr, aber langsam schob sich Dracos Bild vor mein inneres Auge und ich schubste Cormac etwas unsanfter als beabsichtigt von mir. „Ich kann das nicht, Cormac. Es geht nicht. Du bist mein bester Freund!“, schrie ich ihn an. Ich war sauer auf ihn, er verwirrte mich. Ich fühlte mich wohl, küsste ihn so gern, war so vertraut mit ihm und musste das jetzt aufgeben. Hätte er sich nicht früher in mich verlieben können? Dann hätte ich mich vielleicht niemals mit Draco getroffen. Ich war aufgesprungen und Cormac stand vor mir: „Tess...“, flüsterte er und ich brach erneut in Tränen aus. „Ich liebe dich, Cormac, aber nur als besten Freund. Ich habe jemanden kennengelernt und mich in ihn verliebt. Es tut mir so leid!“, schluchzte ich und als hätte ich ihn gar nicht verletzt, zog mich Cormac wieder in seine starken Arme bis ich mich endgültig beruhigt hatte. „Ich will dich nicht verlieren.“, jammerte ich, aber nun grinste er schief. „Du verlierst mich nicht, Tess. Aber ich brauche erst einmal Abstand, okay? Ich bin ziemlich verwirrt.“, gab Cormac zu und ich gab ihm einen Freiraum. Es war wohl wirklich das Beste, wenn wir uns eine Weile nicht sehen würden. *** Ich stand vor der Tür und atmete tief ein, tief aus. Ich hob meine Hand und erkannte, dass ich wie verrückt zitterte. Ich fuhr mir durch die Haare und schloss die Augen für einen kurzen Augenblick. Ich dachte an seinen Duft, an seinen Kuss, an seine Augen. Ich lächelte und öffnete die Augen wieder. Ich war endlich sicher, was ich wollte. Ich wollte ihn, ihn und niemand anderen. Ich hörte schon das entzückte Kreischen meiner Mutter und ich hoffte inständig, dass er mich auch noch wollte. Warum zum Teufel war ich nur so unsicher gewesen? Warum war es mir nicht von Anfang an klar gewesen? Ich wünschte, ich hätte nicht so ein unnützes Drama heraufbeschworen. Ich atmete noch einmal tief durch, dann klopfte ich zaghaft an der schweren Holztür. Ich wartete ab, ob ich eine Antwort erhalten würde, aber nichts kam. Ich hörte auch nichts, als ich mein Ohr gegen die Tür presste. Nichts. Ich klopfte noch einmal, dieses Mal fester, stärker, lauter als zuvor. „Herein.“, ertönte eine gelangweilte Stimme aus dem Raum und mein Herz machte einen Sprung. Langsam drückte ich die Klinke nach unten und drückte die Tür auf. Ich war bereit. Ich hoffte, ich war bereit. Ich hoffte, er würde mich nicht gleich wegschicken. Die Tür quietschte kurz, dann ließ ich sie ins Schloss fallen. Er saß mit dem Rücken zu mir in seinem Sessel am Schreibtisch. Ich fand es idiotisch, einen Schreibtisch in einem Büro so ans Fenster zu stellen, dass der Besucher ihn nur von hinten sehen und er den Besuch gar nicht sehen konnte. Aber nun gut, das war seine Entscheidung. Ich sagte erst einmal nichts, schließlich wollte ich ihn nicht unterbrechen, sollte er noch beschäftigt sein. Ich stand da und langsam kam das zittern zurück. Warum drehte er sich nicht um, er wusste doch, dass er Besuch hatte. Ich machte einen Schritt auf ihn zu. „Was gibt es denn?“, fragte er genervt und drehte sich schwungvoll in seinem Sessel zu mir. Sein Gesicht verriet mir, dass er mit mir nicht gerechnet hatte. „Wir müssen reden.“, sagte ich leise und riss mich dann zusammen. Ich musste sicherer werden, schließlich war er, was ich wollte. Ich musste ihn überzeugen, und dazu brauchte ich eine feste Stimme. „Ich liebe dich. Es tut mir Leid, was passiert ist. Ich... Es gab da noch jemand anderen und ich wollte die Situation erst entschärfen. Ich war so verwirrt, aber ich war mir sicher, dass ich dich liebe.“, brachte ich schließlich hervor und er sah mich an, wie ich da vor ihm stand und mit mir rang, nicht die Fassung zu verlieren. Schließlich stand er auf und kam auf mich zu: „Bist du dir da ganz sicher?“, fragte er und ich nickte. „Ich war mir nur nicht sicher, was ich für Cormac empfinde. Und ich fand es nicht fair, beides am laufen zu halten. Ich musste warten, bis Cormac wieder da war, verstehst du? Ich war schon in der Schule in dich verliebt.“ Draco nickte und sagte dann: „Das hast du aber verdammt gut versteckt, Teresa.“ Wir mussten beide schmunzeln und schließlich küssten wir uns sehnsüchtig. Ich hatte ihn vermisst, wie ich Cormac nie vermisst hatte. Cormac hatte mich glücklich gemacht, aber mir hatte immer etwas gefehlt. Oder vielmehr jemand. Ich lag in Dracos Armen, spürte seine Lippen auf meinen und seine Hand auf meinem Rücken und wollte dass dieser Moment niemals enden würde. „Ich liebe dich auch.“, hauchte mir Draco entgegen, nachdem wir uns atemlos voneinander gelöst hatten. Jetzt war ich wirklich überglücklich und war mir sicher, dass es besser nicht mehr werden konnte, aber es konnte... *** ZEITSPRUNG *** „Ich bin so stolz auf dich.“, sagte meine Mutter zu mir und sie hatte wirklich Tränen in den Augen. Ich kannte sie so gar nicht und wusste daher nicht so recht, was ich machen sollte. Es erschien mir seltsam, Ellis Lynley in den Arm zu nehmen, also stand ich einfach nur da und sah sie an, ebenfalls mit Tränen in den Augen. „Ich wünsche dir alles Glück der Welt mein Kind. Du bist deinen Weg gegangen und jetzt bist du hier. Ich bin stolz auf dich.“ „Mom, hör auf damit.“, sagte ich schließlich und wir mussten beide lächeln. Nie hatte sie mich gelobt, nie hatte sie mich wissen lassen, was sie für mich empfand, und heute, an diesem sowieso schon viel zu emotionalen Tag, musste sie das alles zeigen? Ich atmete tief durch und dachte an Draco, an seinen beruhigenden Duft, an seine Umarmung und wurde ruhiger. Das half immer. Er war unglaublich, und das, obwohl ich nie einen Mann gewollt hatte, mit dem meine Mutter einverstanden war. Aber manchmal hatten Mütter eben Recht. Draco war der perfekte Kandidat. „Teresa...“, erklang Narzissas Stimme. Sie hatte zwar angeklopft, aber wie so oft, nicht auf eine Antwort gewartet. Aber sie gab sich Mühe. Sie wusste genau, dass ich das hier nur für Draco tat und sie wollte es sich nicht mit ihrem Sohn verscherzen, der ihr klar gemacht hatte, dass er ihr den Rücken zukehren würde, wenn sie mich nicht akzeptieren konnte. Narzissa war seltsam. Einmal war sie herzlich und freundlich zu mir, dann wieder brachte sie mich auf die Palme. Vielleicht lag es daran, dass Draco ihr einziges Kind war und sie ihn nicht an mich verlieren wollte? Sie würde sich wohl damit abfinden müssen, dass wir nun ein eigenes Haus beziehen würden und er nicht länger in Malfoy Manor leben würde. Ich drehte mich zu Narzissa um und sie lächelte mich an: „Du bist wunderschön.“, sagte sie und es klang dieses Mal wirklich ehrlich. Ich nickte ihr dankbar zu, und dann trat sie zu mir heran und öffnete vor meinem Gesicht eine Schatulle. „Die ist für dich. Mein Hochzeitsgeschenk.“ Ich war platt. Narzissa schenkte mir eine wirklich wunderschöne, filigrane Kette. Sie passte perfekt zu meinem Kleid, zu meinen Ohrsteckern. Ich war mehr als platt. Das hatte ich nicht nicht zugetraut. „Danke.“, war alles, was ich hervorbringen konnte. Narzissa öffnete die Kette und legte sie mir um. „Ich bin nicht der Teufel persönlich, Teresa. Es fällt mir nur schwer, loszulassen. Aber ich freue mich sehr für euch, du machst meinen Draco wirklich glücklich.“ „Danke, Narzissa. Ich verspreche, du wirst ihn noch zu Gesicht bekommen.“, sagte ich versöhnlich und umarmte die Frau, die in wenigen Minuten meine Schwiegermutter sein würde. Ich konnte es kaum erwarten Dracos Frau zu werden und ihm die gute Neuigkeit zu überbringen, die ich unter meinem Herzen trug. Als ich kurz darauf den Gang zum Altar hinab lief, war ich alles andere als aufgeregt. Ich war unwahrscheinlich ruhig. Cormac hatte den Platz meines Vaters angenommen und brachte mich sicher und ohne Stolperer zu Draco, dessen Augen mich den ganzen Weg über gefesselt hatten. Ich stand nun neben ihm, meine Hand auf seiner, und sprach meinen Schwur. Dann war er an der Reihe und seine Worte waren einfach unglaublich. Cho weinte, Bryan reichte ihr sein Taschentuch, und unsere Mütter versuchten, sich in ihrem Stolz zu übertrumpfen. Ich hatte nur Augen für ihn und wurde ungeduldig. Als endlich der Ring an meinem Finger saß und ich ihm seinen Ring aufgesetzt hatte, küsste er mich so fordernd, sehnsüchtig und liebevoll zugleich, dass ich am liebsten auf die restliche Feier verzichtet und gleich in die Flitterwochen gestartet wäre. *The End*