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Engelhafte Liebe

Für Mondsilbers Schreibwettbewerb

Ich hab den Charakter Ava Lia Spring und den Spruch "Die Zukunft gehört denen, die an die Wahrhaftigkeit ihrer Träume glauben" bekommen.

    1
    ♡Erste Begegnung ♡

    ☆Avas Sicht☆


    Gedankenverloren machte ich mich auf den Weg nach Hause. Es war ein schmaler Waldweg, der mein Dorf mit der Stadt, in der ich in die Schule ging, verband. Neben dem Weg standen hohe Ahornbäume, Tannen, Buchen und Linden. Der kleine Bach, der direkt neben dem Weg lag, plätscherte munter. Die Vögel, die bereits aus dem Süden zurück waren, zwitscherten fröhlich. Unter den Bäumen, denen schon wieder Blätter wuchsen, blühten Schneeglöckchen, Primeln und andere Frühlingsblumen.
    Normalerweise wäre ich von der zauberhaften Landschaft begeistert gewesen und hätte Fotos von den Blumen gemacht oder mein Gesicht in die warme Frühlingssonne gehalten, doch heute war es anders. Ich war bei dem Mathetest DURCHGEFALLEN! Mein Lehrer hatte gesagt, das wäre nicht so schlimm, es gäbe ja noch andere Tests. Aber meine Mutter, nein die würde durchdrehen! Sie liebte es im Dorf anzugeben, dass ihre Tochter eine Klasse übersprungen hatte und dennoch Klassenbeste war. Mir wurde schon schlecht bei dem Gedanken, was sie sagen würde. Nein, besser gesagt, was sie schreien würde. Sollte ich den Test vor ihr verheimlichen? Nein, unmöglich, ich brauchte ja eine Unterschrift. Sollte ich die Unterschrift fälschen? Aber wenn das herauskam…..
    Ich war so in gedankenverloren, dass ich das Mädchen, dass mitten am Weg, vertieft in eine Karte, stand, erst bemerkte, als ich gegen es knallte. Mit einem Schrei fielen wir beide zu Boden. Zum Glück wurde unser Sturz von dem feuchten Moos am Boden abgefedert.
    „Au. Spinnst du?“, das Mädchen stieß mich von ihr weg und stand schnell wieder auf. „Du kannst mich doch nicht einfach so schubsen!“
    Eilig rappelte ich mich wieder auf. „Das tut mir so leid! Ich wollte nicht…“
    „Kannst du dir sparen“, fauchte das Mädchen. Es hatte die Augen zu Schlitzen verengt und sah mich wütend an. Die braunen Haare des Mädchens waren kurz und unordentlich geschnitten. Außerdem waren ein paar Federn eingeflochten, die aussahen wie bunte Strähnen. Es roch nach einer Mischung aus verschiedenen Frühlingsblumen mit einer Spur…Zimt? Seine Jeans und die weiße Bluse waren dreckig, war ich das gewesen? Irgendwie konnte ich meinen Blick nicht von dem sommersprossigem, blassem Gesicht losreißen. Ich stand einfach unbeweglich da, wie ein Volltrottel und starrte das Mädchen an.
    Nach langem Schweigen und bösen Blicken des Mädchens, wandte ich mich verlegen ab. War ich etwa rot geworden? „Tut mir wirklich leid“, sagte ich erneut. „Hast du dich verletzt?“
    „Nein“, sagte das Mädchen nun schon weicher. Es öffnete auch wieder die Augen. Sie waren karamellfarben mit einer Spur dunkelbraun. Wieso interessierte ich mich für die Augen des Mädchens?
    „Äh, brauchst du irgendwas?“, fragte ich und deutete auf die Landkarte, die das Mädchen verkrampft in der Hand hielt. Es war eindeutig nicht von hier.
    „Nein, danke“ Jetzt war die Tonlage des Mädchens wieder scharf. „Ich schaff das schon.“ Mit diesen Worten drehte es sich um und rannte davon. Viel schneller, als ich jemals gerannt war. Bald verschwand es aus meinem Sichtfeld und ich stand alleine da.

    2
    ♡Steh ich auf sie?♡

    ☆Moiras Sicht☆

    Es gab Verzögerungen in meiner Aufgabe. Und das war so gar nicht gut. Vor allem nicht, wenn es sich dabei um die Aufnahmeprüfung der Engelsakademie handelte. Meine Eltern hatten viel gezahlt, damit ich an der Schule für junge Engel aufgenommen wurde und jetzt vermasselte ich die Prüfung? Das war ein Alptraum. Vor allem, weil es seit meiner Kindheit mein Traum war, an diese Akademie zu gehen und dann in der Gemeinschaft der Engel aufgenommen zu werden. Bestand ich die Prüfung nicht, konnte ich nur Jobs wie „Das Reinigungspersonal der Engelshäuser“ oder „Koch für Engelsgerichte“ werden. Aber schloss ich die Akademie ab, standen mir viel mehr Berufe offen. Vielleicht würde ich „Anwältin für verlorene Seelen“ oder „Coach für ein besseres Nachleben“ werden. Aber mein absoluter Favorit, war der Traumjob aller Engel. „Seelenfängerin“ Der Best bezahlte und mit Abstand der tollste Job der gesamten Engelswelt! Und all meine Träume würden bald platzen, weil ich die dämliche Kirche nicht fand! Die Kirche!
    Ich presste wütend die Lippen aufeinander während ich die Karte studierte. Ich blickte mich verzweifelt um. Eine Kirche musste doch wohl auffallen!
    „Hey“ Eine Stimme schreckte mich aus meinen Gedanken. Und, oh nein, da stand das Mädchen von gestern, das mich umgerannt hatte. Ich erkannte es sofort wieder. Blonde lange Haare, eisblaue Augen, blasse Haut und dieses umwerfende freundliche Lächeln. Moment, hatte ich ihr Lächeln gerade als „umwerfend“ bezeichnet? Ich warf den Gedanken beiseite. Ich durfte nicht mit Menschen reden. Deshalb knurrte ich unfreundlicher als gewollt: „Verzieh dich.“
    Diesmal war es das Mädchen, das wütend die Hände in Hüfte stemmte. „Ich wohne hier.“
    „Oh“ Ich sah auf das kleine weiße Haus und lächelte verlegen.
    Plötzlich fing das Mädchen an zu lachen. Es war ein schönes Lachen, aber wieso lachte es bitte schön?
    „Mein Name ist Ava“, sie hielt mir die Hand hin. Zögerlich schüttelte ich sie. „Moira.“
    „Schöner Name.“
    „Wenn du meinst.“
    „Darf ich dich Mo nennen?“
    „Nein.“
    „Okay, Mo.“
    Ich verdrehte genervt die Augen. Wenn alle Menschen so waren, konnte ich schon mal „Coach für ein besseres Nachleben“ von meiner Berufsliste streichen. Ich würde es keine 10 Minuten mit jemanden wie dieser Ava aushalten.
    Als Ava keine Anstalten machte in ihr Haus zu gehen, seufzte ich. Ich brauchte Hilfe. Auch, wenn es verboten war…Aber, ich durfte meine Eltern nicht enttäuschen. Mein Vater, der wohl bekannteste Richter über Seelen, durfte auf gar keinen Fall seinen guten Ruf wegen mir verlieren. „Weißt du vielleicht wo die Kirche ist?“, fragte ich zögerlich.
    „Ja.“
    „Willst du es mir verraten?“
    Ava lachte. „Von mir aus. Aber in unserem Dorf bist du falsch. Wir haben keine Kirche. Die Kirche ist in der Stadt neben an.“
    Ich schlug mir gegen den Kopf. Wieso war ich da nicht früher drauf gekommen? Jetzt hatte ich zwei Tage umsonst gesucht!
    „Soll ich dich hin bringen?“, fragte das Mädchen.
    „Nein, das schaff ich schon.“ Wenn das Mädchen weg war, konnte ich meine Flügel entfalten und selbst hinfliegen. Aber wie ich gefürchtet hatte, lautete die Antwort: „Nein, ich hab Zeit. Ich führ dich hin.“
    Ich stöhnte. „Von mir aus. Aber schnell!“
    Ava grinste. „Wird gemacht.“
    Natürlich ging es nicht schnell. Wir brauchten fast 20 Minuten. Wäre ich geflogen, hätte ich nur fünf Minuten gebraucht. Höchstens. Ich war nämlich eine ausgezeichnete Fliegerin. Aber zu Fuß zu gehen…Der Horror! Füße können sooo schmerzen. Endlich kamen wir an der Kirche an.
    „Und was machst du jetzt? Beten?“ Ava schnitt eine Grimasse.
    Ich verdrehte die Augen. „Natürlich nicht. Ich spreche mit ein paar verstorbenen Seelen.“
    Ava kicherte und winkte mir zum Abschied. „Viel Spaß beim Beten!“ Dann ging sie pfeifend davon.
    „Ich spreche mit Seelen von Verstorbenen!“, rief ich ihr hinterher. Falls sie mich gehört hatte, ignorierte sie mich. Seltsames Mädchen. Wieso sollte ich in eine Kirche gehen, um zu beten?

    3
    ♡Geheimnisse♡

    ☆Avas Sicht☆

    Es waren zwei Tage vergangen, seit dem ich Moira zur Kirche geführt hatte. Ich sie noch ein paar Mal gesehen, doch sie hatte mich nicht bemerkt. Ich war ihr immer gefolgt, hatte nach ihr gerufen, aber sie viel schneller als ich. Und das verstand ich nicht. Ich war eine ziemlich schnelle Läuferin. Es war beinahe so, als würde sie sich in Luft auflösen, aber das war doch unmöglich! Und wieso war sie in die Kirche gegangen? Sie kam mir nicht besonders religiös vor.
    Und so passierte es, dass ich zum zweiten Mal gegen Moira knallte. Ich war wieder einmal in meine Gedanken versunken, die sich diesmal um Moira drehte, und bemerkte sie nicht.
    „Au“, rief sie, als wir vor der Kirche auf den steinigen Boden fielen. „Wird das jetzt zur Gewohnheit?“, knurrte sie, aber es klang nicht mehr so aggressiv wie bei unserer Begegnung.
    Ich half ihr aufzustehen. „Alles okay?“, fragte ich besorgt. „Blutest du? Deine Hose ist ganz zerfetzt.“
    „W-Was?“ Moira schaute an sich hinunter und verdeckte blitzschnell ihre zerschundenen Knie.
    „Nein, alles okay.“ Moiras Lächeln wirkte gezwungen.
    „Zeig mal…“ Ich wollte Moiras Hände nehmen, aber sie stieß mich weg.
    „Ich sagte, alles ist in Ordnung“, fauchte Moira und drehte sich eilig von mir weg.
    „Sicher?“, fragte ich. „Ich kann dir bestimmt helfen….“
    „Nein“, unterbrach Moira mich. „Ich schaff das schon.“
    „Den Satz hör ich von dir zu oft.“ Ich stemmte die Arme in die Hüften. „Gib doch mal zu, dass du meine Hilfe brauchst.“
    „Tu ich nicht….Ich geh nur mal schnell, äh, zum Fluss, um das zu reinigen.“ Moira verschwand schnell hinter der Kirche. Ich lief ihr nach. „Mo, warte! Der Fluss ist dort….“ Ich blieb stehen. Wo war sie hin? Vor mir erstreckte sich eine grüne Wiese, auf der viele Frühlingsblumen blühten, aber von Moira keine Spur.
    „Mo?“, rief ich und blickte mich um. „Sie kann doch nicht verschwunden sein“, murmelte ich. Plötzlich fiel mir etwas auf dem Boden auf. Es war eine weiße Feder. Vorsichtig hob ich sie auf. Sie war fast so lang wie mein Arm und seidenweich. Woher die wohl stammte? Umso länger ich die Feder anstarrte, umso wärmer wurde mir. Sie wirkte beruhigend und irgendwie vertraut. Ich roch an der Feder. Sie duftete nach Frühlingsblumen und einer Spur Zimt.

    4
    ♡ein schmerzhafter Abschied♡

    ☆Moiras Sicht☆

    War es richtig gewesen zu fliehen? Ja, natürlich. Ansonsten hätte Ava mein goldenes Blut gesehen und dann zu viele Fragen gestellt. Ich hätte nicht einmal mit ihr reden dürfen. Das war ein großer Fehler gewesen. Jetzt empfand ich etwas für sie, das stand fest. Zuerst hielt ich es für eine Art Freundschaft zwischen uns, aber jetzt befürchtete ich, war da mehr. Ich empfand mehr, als ich empfinden sollte. Und das musste ein Ende haben.
    Zögerlich stand ich vor dem weißen kleinen Haus, in dem Ava wohnte. Es war eine Woche her, dass ich sie zuletzt gesehen hatte und meine Gedanken waren ständig bei ihr gewesen. Irgendwie hatte ich es geschafft die Aufnahmeprüfung zu bestehen. Morgen würde der Unterricht an der Akademie starten und Beziehungen zu Menschen, in welcher Art auch immer, waren strengstens verboten. Nicht nur in der Akademie, sondern in der gesamten Engelwelt. Ich musste ihr nun lebe wohl sagen.
    Vorsichtig klopfte ich an der Haustür und wartete nur wenige Sekunden. Sie wurde sofort aufgerissen und Ava stand vor mir.
    „Dein Ernst? Du haust einfach so ab, ohne ein Wort zu sagen und lässt dich für eine Woche nicht blicken? Ich dachte schon, du wärst nicht mehr im Dorf!“ Sie blickte mich böse an, doch ich bemerkte eine Spur Erleichterung. Sie war froh, dass ich noch da war.
    „Ich muss dir was sagen“, fing ich vorsichtig an. Normalerweise war ich nicht so schüchtern, was war los mit mir?
    „Ja, das musst du tatsächlich.“ Mein Herz setzte beinahe aus, als Ava mir eine lange weiße Feder unter die Nase hielt. Mir wurde schlecht. Das war eine Engelsflügelfeder. Und nicht irgendeine. Die stammte aus meinem Federkleid! Ich überlegte fieberhaft nach irgendeiner Lüge.
    „Großer Schwan“, war das einzige was mir einfiel.
    Ava verdrehte die Augen. „Also, bitte. Du verschwindest und dann liegt da diese riesige Feder? Das ist kein Zufall, Moira.“
    Warum betonte sie meinen Namen? Natürlich erhielt ich eine Erklärung.
    „Ich habe ein bisschen nachgeforscht und herausgefunden, dass „Moira“ griechisch ist und „Schicksal“ bedeutet.“
    „Meine Eltern sind Griechen und fanden ich sei ihr Schicksal. Daher der Name.“ Ich versuchte locker zu klingen. Ich konnte ihr ja schlecht erzählen, dass wir Engel alle wie griechische Wörter hießen.
    „Aha.“
    Das aha machte mich nervös. Einerseits hatte ich das Verlangen Ava die Wahrheit zu erzählen, andererseits wollte ich so schnell wie möglich wegrennen. Ich atmete tief durch. Ein Mensch durfte erst von den Engeln erfahren, wenn er starb. Ava musste wohl noch einige Jahre warten.
    „Ich bin eigentlich gekommen, um dir zu sagen, dass ich wieder, nach…äh…Griechenland muss.“
    Ich sah Schmerz und Trauer in Avas eisblauen Augen aufblitzen. „Wirklich?“
    „Ja, tut mir sehr leid.“
    „Du wirkst überhaupt nicht wie eine Griechin.“
    Warum bemerkte sie bloß, dass ich log? Anwältin für verlorene Seelen konnte ich auch schon streichen.
    Schnell überlegte ich mir eine Lüge und ließ es natürlich klingen. „Nur mein Vater ist Grieche. Ich komm wohl eher nach meiner Mutter.“ Ich versuchte zu lächeln, aber es fühlte sich an wie eine Grimasse. Es tat weh Ava anzulügen.
    Ava schien einzusehen, dass sie aus mir nicht mehr herausbekam. Die Umarmung kam überraschend. Plötzlich drückte sie mich ganz fest an sich. Ich spürte ihren gleichmäßigen Herzschlag, ihren warmen Atem in meinem Nacken und ihren herrlichen Duft nach Minze.
    „Ich werde dich vermissen“, murmelte Ava. Ich spürte wie etwas Warmes meinen Rücken hinunterlief. Ihre Tränen? Ich musste meine zurückhalten. Immerhin waren sie silbern.
    „Ich dich auch“, wisperte ich. Nach einiger Zeit lösten wir uns wieder aus der Umarmung.
    „Nummer“, sagte Ava und wischte sich eine Träne beiseite.
    „Wie bitte?“
    „Deine Telefonnummer, dass wir telefonieren können.“
    „Oh.“ In diesem Moment verfluchte ich die Engelwelt, dass wir keine Handys besaßen. „Tut mir leid“, sagte ich. „Ich hab keins.“
    „Das habe ich mir gedacht“, sagte Ava. „Ich weiß, dass du anders bist. Inwiefern, aber nicht. Kannst du es mir verraten?“
    Ich seufzte. Es fiel mir schwer, ihr nicht sofort die Wahrheit zu sagen. „Wenn ich dürfte, wüsstest du es schon lange.“
    Ava schenkte mir ein trauriges Lächeln. „Die gehört dir.“ Ava hielt mir meine Feder hin. Ich schüttelte den Kopf. „Behalte sie. Sie ist ein Geschenk für dich, damit du mich nicht vergisst.“
    „Also ist es ein Abschied für immer?“
    „Nein, nur bis du stirbst.“
    Dann rannte ich davon. Und im Lauf entfalteten sich meine Flügel und stieg in die Lüfte. Ich würde dieses Mädchen niemals vergessen.

    5
    ♡Hoffnungsschimmer♡

    ☆Avas Sicht☆

    Ich heulte ungefähr noch die nächsten zwei Tage. Als sich meine Mutter erkundigte, wieso ich nicht lernte und meine Zeit mit Weinen verschwendete, murmelte ich etwas von Liebe. Ich hatte es nicht für möglich gehalten, so etwas für ein Mädchen zu empfinden. Meine erste Beziehung hatte ich bereits von vorne bis hinten durchgeplant gehabt. Ein gutaussehender Junge, mit durchschnittlichen Noten. Ich hatte mir unseren ersten Kuss ausgemalt und die vielen gemeinsamen traumhaften Stunden. Aber wie schnell ein Mädchen, all deine Pläne verändern konnte. Jetzt konnte ich mir nicht mehr vorstellen, ohne Moira zu leben. Ich hatte nur drei Mal mit ihr gesprochen. Zwei mal davon hatte ich sie umgerannt. Ich vermisste ihre bissigen Kommentare, sogar ihre Heimlichtuerei, die mich so genervt hatte. Ich wollte unbedingt wissen, was sie mit ihrem letzten Satz meinte: „Nein, nur bis du stirbst.“ Was auch immer sie war, Moira war etwas Besonderes. Etwas, das es nicht zwei mal gab. Sie war perfekt für mich. Aber es ging nicht, das hatte sie selbst gesagt.
    Irgendwie schaffte es meine Mutter mich zu zwingen, in die Schule zu gehen. Dort war ich aber den Tränen nahe und hatte Mühe nicht zu weinen, wenn mich jemand fragte, was mit mir los war.
    Schließlich kam meine Deutschlehrerin zu mir. „Ava, stimmt etwas nicht?“, fragte sie besorgt.
    Ihr war wohl aufgefallen, dass ich nicht aufgepasst hatte, als wir über Sprichwörter im Unterricht redeten. Ich hatte sogar einmal falsch geantwortet.
    „A-alles gut“, stotterte ich. „Es ist nur, ich dachte einmal, ich finde mein Glück. Und jetzt, hat sich herausgestellt, dass mein Traum unmöglich ist.“ Ich drückte die weiße Feder fester an mich. Ich trug sie seit Tagen mit mir herum. Es fühlte sich beinahe so an, als wäre Moira bei mir. Aber nur fast, die bissigen Kommentare fehlten.
    „Offenbar warst du wirklich sehr abwesend in meinem Unterricht“, sagte meine Lehrerin.
    „Was meinen Sie damit?“
    Als Antwort zeigte sie auf die Tafel, auf der in großer Schrift stand:

    DIE ZUKUNFT GEHÖRT DENEN, DIE AN DIE WAHRHAFTIGKEIT IHRER TRÄUME GLAUBEN

    „Wir haben heute über dieses Sprichwort geredet. Und am Schluss der Unterrichtsstunde habe ich gesagt: Manchmal tut es uns gut, mehr auf Sprichwörter zu hören. Wir sollten nach ihnen leben.“
    Plötzlich überkam mich ein Gefühl von innerer Stärke. Meine Lehrerin hatte Recht. Mir war egal, warum auch immer Moira und ich uns nicht sehen durften. Ich wollte sie! Und ich war mich sicher, sie mich.
    „Danke“, sagte ich zu meiner Lehrerin. Dann stand ich auf und lief aus dem Klassenzimmer. Schneller als mich meine Füße jemals getragen hatten. Ich rannte zu dem schmalen Waldweg, bei dem Moira und ich uns zum ersten Mal getroffen hatten. Ich wedelte mit der Feder herum. „Moira!“, rief ich entschlossen. Ich wusste nicht, was Moira war, aber ich betete, sie konnte mich hören. „Moira! MOIRA!“

    6
    ♡Die Zukunft gehört denen, die an die Wahrhaftigkeit ihrer Träume glauben ♡

    ☆Moiras Sicht☆

    Ich saß an meinem Schreibtisch in der Engelsakademie und lernte für eine Prüfung. Wer hätte gedacht, dass Schule so viel Arbeit war? Plötzlich hörte ich eine kleine Stimme in meinem Kopf. Es war gruselig, aber ich wusste sofort was das war.
    „Oh mein Gott!“ Ich sprang rasch auf. Meine Zimmergenossin sah mich fragend an. „Hä? Was ist? Hast du endlich die Lösungen für meine Hausaufgaben?“
    Ich konnte sie nicht leiden. „Nein! Ich glaube ich werde von einem Gestorbenen gerufen, damit ich seine Seele ins Jenseits begleite!“
    Meine Zimmergenossin schien verwirrt: „Du bist grad mal eine Woche an der Akademie, für die man vier Jahre braucht und hörst schon deine erste Seele? Willst du mich veräppeln?“
    „Nein! Ich schwöre! Da ruft jemand meinen Namen!“ Schnell schnappte ich mir das nächst beste weiß-goldene Kleid und stürmte aus meinem Zimmer. Die anderen Engel schauten mich an, als wäre ich verrückt geworden. Ich ignorierte sie und verließ die Akademie. Ich breitete meine Flügel aus und flog über die wolkige Landschaft. Ich schloss die Augen. „Du schaffst das, Mo“, flüsterte ich. Seit dem Ava mich Mo genannt hatte, identifizierte ich mich mit diesem Namen. In meinen Ohren klang er viel schöner als Moira, denn Ava hatte ihn mir gegeben. Ich dachte an das Mädchen und vergaß kurz mich zu konzentrieren. Ich vermisste sie. Sehr sogar. Schnell schüttelte ich den Kopf. Jetzt war nur wichtige diese Seele zu finden! Meine Eltern würden so stolz sein! Endlich spürte ich etwas. Als würde ich von dem Rufendem angezogen werden. Ich atmete tief ein und löste mich auf…

    …Als ich die Augen wieder öffnete schwebte ich ein paar Meter über moosigem Boden in der Luft. Ich war in meinem Wald. Wer starb bitte schön in einem Wald? Egal, als ich mich nach dem Verstorbenem umblickte, fiel mein Blick auf ein blondhaariges Mädchen, das eine weiße Feder schwenkte und laut meinen Namen rief.
    „Ava?“, rief ich überrascht. Ava drehte sich zu mir um. Als sie mich sah, blieb ihr der Mund offen stehen.
    „W-wow“, stammelte sie. „Du siehst umwerfend aus.“
    Ich blickte an mir herunter. Ach, ja, stimmt. Ich hatte mir ja das schöne Kleid angezogen.
    „Nicht meine bevorzugte Kleidung“, brummte ich und landete auf dem Boden.
    „Und du hast Flügel“ stelle Ava fest.
    Ich strich über meine schneeweißen Flügel. „Hm, ja.“ Mit einem Fingerschnipsen ließ ich die Flügel verschwinden und verwandelte mein Kleid in etwas Bequemes.
    „Wow“ Ava sah mich mit großen Augen an.
    Da fiel es mir wieder ein. „Spinnst du eigentlich?“, sagte ich. „Du kannst mich doch nicht einfach herbeirufen!“
    Ava grinste schief. „Nicht?“
    Ich verdrehte die Augen, dann schloss ich sie in eine Umarmung. „Ich hab dich vermisst.“
    „Ich dich auch. Also bist du eine Fee?“
    Ich löste mich von ihr und schnitt eine Grimasse. „Da sind wir empfindlich. Ich bin ein Engel.“
    „Cool.“
    „Nein, nicht cool. Denn das bedeutet, dass ich keinen Kontakt zu dir haben darf. Und dabei…hab ich dich sehr gern.“
    Ava grinste mich schief an. Wie konnte sie in so einem Moment lächeln? Ihre Hand schob sich in die meine. „Egal, was uns von einander fernhält, zusammen sind wir stark.“
    Ich weiß nicht, ich trat von einem Fuß auf den anderen.
    „Ich werde für dich alles riskieren, was ich habe“, Ava sah mir tief in die Augen. Ihre Augen waren vermutlich die schönsten auf der ganzen Welt. „Denn die Zukunft gehört denen, die an die Wahrhaftigkeit ihrer Träume glauben.“
    „Du klingst wie eine Poetin“, flüsterte ich. Unsere Köpfe waren einander so nah, dass ich ihren warmen Atem spürte.
    „Was sagst du?“, wisperte Ava.
    „Ich werde alles für dich riskieren“, antwortete ich ihr. „Ich werde mich jeden Tag nach der Schule zu dir schleichen.“
    „Und ich werde jeden Tag auf dich warten.“
    Das nächste was ich spürte, waren ihre Lippen auf den meinen.

    7
    ENDE

    Ich hoffe es hat euch gefallen ^^ Das ist meine erste homosexuelle "Romantasy Geschichte"
    Ava ist ein toller Chara, Rose Black. Danke, dass ich sie bekommen habe, Mondsilber

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