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You betrayed us

Mein Beitrag für den Schreibwettbewerb von Mond in dunkler Nacht.

Ein Verräter,
ein Mord
und mittendrin die Kriegerin Schattenherz

    1
    Hierarchie


    Sumpfclan

    Anführer: Froststern (grau-weißer Kater mit hellgrünen
    beinen, Schwanzspitze, Maske
    und bernsteinfarbenen Augen)


    Heiler: Funkenfeuer (rote Kätzin mit orangenen Punkten
    und gelben Augen) Mentorin von
    Veilchenpfote

    Heilerschüler: Veilchenpfote (silbern-cremefarben getigerte
    Kätzin mit weißer Brust und
    blauen Augen)

    Krieger: Felstatze (graue Kätzin mit weißer Schwanzspitze
    rotbraunen Augen)
    Nachtschweif (schwarz-weiß getigerter Kater mit
    türkisfarbenen Augen)
    Bernsteinblick (dunkelbrauner Kater mit
    weißen Pfoten,
    großen weißen Flecken und bern-
    steinfarbenen Augen)
    Goldstreif (langhaariger golden-grau getigerter
    Kater mit rotbraunen Flecken,
    weißer Schwanzspitze und grauen
    Augen) Mentor von Sturmpfote
    Lichtkralle (großer, weißer Kater mit türkisfarbenen
    Augen) Mentor von Sonnenpfote
    Eisfleck (cremefarben-silbern getigerte Kätzin mit
    weißem Brustfleck und blauen Augen)
    Mentorin von Weißpfote
    Schattenherz (schwarze Kätzin mit bernsteinfarbenen Augen und einer
    verdrehten Pfote.) Mentorin von Feuerpfote
    Astgesicht (hellbrauner Kater mit weißen Punkten,
    dunkelbraunem Gesicht und blauen Augen)
    Blauglanz (blaugraue Kätzin mit eisblauen Augen)

    Löwentatze (goldener Kater mit weißen Vorderbeinen
    und karamellfarbenen Augen)
    Flammensturm (kleiner, langhaariger, rot-weißgetigerter
    Kater mit hellblauen Augen)

    Schüler: Sonnenpfote (Schildpatt Kätzin mit bernsteinfarbenen Augen)

    Feuerpfote (orange-weiß getigerte Kätzin mit weißen Pfoten
    und blauen Augen)
    Sturmpfote (hellbraun- silbern getigerter Kater
    mit grauen Augen)
    Weißpfote (rotbraune Kätzin mit weißen
    Flecken, und braunen Augen)

    Königinnen: Rotbrust (langhaarige, orange getigerte Kätzin
    mit roter Schwanzspitze, rotem
    Brustfleck und hellgrünen Augen)
    trächtig
    Tüpfelnase (rote Kätzin mit großen
    weißen Flecken und braunen
    Augen) Mutter von
    Grasjunges, Dunkeljunges und Beerenjunges
    Junge: Grasjunges ( weiß-grau gescheckter Kater mit
    hellgrünen Augen)
    Dunkeljunges (langhaariger, grauer Kater mit
    schwarzen Flecken und hellblauen
    Augen)
    Beerenjunges (dunkelbraun-weiß getigerte
    Kätzin mit roten Zehen und
    gelben Augen)

    Älteste: Eichhörnchenpelz (weiß-rot getigerter Kater mit
    gelben Augen)
    Löwenfuß (goldene Kätzin mit dunkelbraunen
    Zehen und türkisfarbenen Augen)



    Waldclan

    Anführer: Bienenstern (schwarz-gelb getigerte Kätzin mit dunkelbraunen Augen)
    Zweiter
    Anführer: Flammentanz (roter Kater mit goldgelben Augen)

    2
    Prolog

    Dunkler Nebel waberte zwischen den kahlen Bäumen des sternenlosen Orts. Neben einem Bach mit schwarzem, schlammigen Wasser kämpften zwei Kater. Der, der der die Oberhand zu haben schien, war ein großer, weißer Krieger des Sumpfclans. Der andere, ein schwarz-weißer, lag auf dem Rücken und wurde von dem weißen zu Boden gedrückt, doch mit einem kraftvollen Tritt mit den gegen den Bauch des Weißen stieß er ihn von sich weg. Der Sumpfclan Krieger landete ein paar Mäuselängen entfernt auf der Seite, er blutete aus einer Wunde am Bauch und an der Schulter. Der Schwarz-Weiße erhob sich nun. Er hatte keine Sterne im Pelz, doch seine Gestalt schimmerte etwas durchsichtig. Er war ein Krieger des finsteren Waldes. „Steh auf Lichtkralle.“, beendete er den Kampf. Der Weiße stand auf und setzte sich vor den finsteren Krieger. „Deine Technik ist gut, nur am Ende hättest du besser aufpassen müssen und dein Gewicht nicht so früh von mir nehmen dürfen. Dadurch hatte ich eine Chance dich von mir zu stoßen.“, lobte der Schwarz-Weiße seinen Schüler. Der Sumpfclankater neigte ehrfürchtig den Kopf vor seinem Mentor: „Nächstes Mal werde ich daran denken.“ Der Schwarz-Weiße musterte den Kater vor sich eindringlich. „Ich denke du bist jetzt bereit deine Bestimmung zu erfüllen.“ meinte er ruhig. Die Augen des Sumpfclankriegers leuchteten, wie die eines Schülers, der zum ersten Mal das Territorium erkunden durfte. Endlich war es so weit, seit er begonnen hatte im Wald der Finsternis zu trainieren wartete er auf diesen Tag. Vorsichtig fragte er: „Wirklich, Mondkralle?“ „Ja. Zuerst wirst du Anführer des Sumpfclans und dann eroberst die den Waldclan. Es wird nur noch einen Clan geben: den Mondclan.“, antwortete er und hielt kurz inne, um sich an dem Gedanken zu erfreuen, dass es einen Clan gibt den er nach seinen Vorstellungen formen konnte, bevor er weiter sprach. „Aber es gibt eine Katze, die dich aufhalten kann: Schattenherz. Du musst sie loswerden!“ Der Weiße schnaubte belustigt. „Schattenherz! Wirklich? Wie soll die mich denn aufhalten?“ Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie die schwarze Kätzin ihn aufhalten sollte. Dann wurde er wieder ernst: „Es wird ein leichtes sein sie loszuwerden.“ Der Schwarz-Weiße sagte nur: „Gut.“ Dann erhob er sich von seinem Platz, drehte sich um und lief in den Wald. Bevor der Nebel ihn verschluckte, blickte er sich noch einmal um. „Warte!“, befahl er.

    3
    1. Kapitel

    Der Tag, der ihr Leben verändern sollte, begann für Schattenherz ganz gewöhnlich. Die junge Kriegerin wachte auf, als die Sonne fast ganz aufgegangen war. Sie erhob sich und streckte sich erstmal ausgiebig, bevor sie ihr Nest verließ. Viele waren schon wach und standen oder saßen bei der zweiten Anführerin Schneeflamme, die gerade die Patrouillen für den Tag einteilte. Aber einige Krieger schliefen noch, so wie Schattenherz Bruder Lichtkralle. Sie ließ ihn schlafen. Soll er doch verschlafen, dachte sie, es brachte ja eh nichts ihn zu wecken, der weiße Kater würde sie ja nur anschnauzen. Die schwarze Kätzin verließ den Kriegerbau und trabte zum Schüler, wo sie ihre Schülerin Feuerpfote weckte. Gemeinsam gingen sie zu Schneeflamme, wo sie sich neben Blauglanz niederließen. „Guten Morgen!“, begrüßte Schattenherz ihre ehemalige Mentorin. Diese neigte zur Begrüßung nur den Kopf, weil jetzt Schneeflamme sprach: „Bernsteinblick du führst ein Grenzpatroullie zur Waldclangrenze. Nachtschweif, Goldstreif, Eisfleck und Weißpfote ihr begleitet ihn.“ Der dunkelbraune Kater mit dem weißen Fleckenmuster neigte seinen Kopf, um zu zeigen, dass er verstand. Den anderen Angesprochenen bedeutete er mit er Schwanzgeste ihm aus dem Lager zu folgen. Nun wandte sich Schneeflamme Schattenherz zu: „Schattenherz, kannst du bitte Funkenfeuer und Veilchenpfote beim Kräutersammeln begleiten. Du weißt ja, dass gerade ein Fuchs in unserem Territorium herumstreunt, und darum hat mich Funkenfeuer gebeten ihr einen Krieger mitzuschicken.“ Die schwarze Kriegerin hatte nichts dagegen, schließlich nahte die Blattleere und da kann der Clan die Kräuter gut gebrauchen. Zustimmend murmelnd wandte sich Schattenherz an Feuerpfote: „Kannst du die Ältesten solange nach Zecken absuchen?“ Die Schülerin nickte und sprang zu den Ältesten. Schattenherz wollte sich auf den Weg zum Heilerbau machen, als Lichtkralle an geschlurft kam. Er sah müde aus und hatte sich mal wieder an einem Dorn die Schulter aufgerissen, aber das wunderte sie nicht mehr, denn das war schon so oft passiert, seit sie Schüler geworden sind. Doch was er jetzt sagte überraschteres sie mehr: „Schneeflamme, gehst du mit mir und Schattenherz jagen?“ Seit wann wollte ihr Bruder etwas mit ihr machen, wo er sie doch für so schwach hielt? Die zweite Anführerin antwortete freundlich: „Gerne, aber wir müssen bis Sonnenhoch warten. Schattenherz muss erst Funkenfeuer und Veilchenpfote beim Kräutersammeln begleiten.“ An Schattenherz gewandt fügte sie hinzu: „Seid bitte spätestens um Sonnenhoch wieder da.“ „Was ist mit unseren Schülern?“, warf die Angesprochene ein. „Die zwei können ja mit Goldstreif, Eisfleck und ihren Schülern zum Kampfträining gehen.“, schlug Lichtkralle vor. Die zweite Anführerin sagte: „So sei es.“ Schattenherz neigte nur zustimmend den Kopf und trabte nun nicht mehr ganz so fröhlich zum Heilerbau. Dort angekommen rief sie: „Funkenfeuer, Veilchenpfote, kommt ihr? Ich soll mit euch Kräutersammeln gehen.“ Die rote Heilerin mit den orangenen Punkten trat aus ihrem Bau. Dicht hinter ihr lief ihre lebensfrohe Schülerin. Als sie das Lager verließen schlug Funkenfeuer vor: „Lass uns zur Glühwürmchenlichtung gehen,“ Als Antwort bekam sie von Schattenherz nur ein zustimmendes „Mhm.“ Die Antwort von Veilchenpfote war da viel fröhlicher: „Au ja! Die Glühwürmchenlichtung ist immer so schön!“ Die Glühwürmchenlichtung war eine Lichtung in einem Teil des Nadelwalds im Sumpfclanterritorium. Ein Teil davon lag immer im Schatten und vor allem Nachts tanzten die Glühwürmchen in ihnen. Dort flossen auch mehrere Bachadern hindurch, es gab moosbedeckte Steine und die Heiler finden dort immer Kräuter. Normalerweise würde sich Schattenherz mehr freuen, denn die Glühwürmchenlichtung war ihr Lieblingsort im gesamten Sumpfclanterritorium, aber ihre Gedanken waren bei dem was Lichtkralle gesagt hatte. Sie konnte es einfach nicht glauben, dass ihr Bruder freiwillig mit ihr jagen gehen wollte. Als sie noch Junge waren, waren sie beste Freunde gewesen, doch als Schüler wurden, hatte er angefangen, sich für was besseres zu halten, nur weil keine seiner Pfoten verdreht war, so wie ihre. Sie wusste nicht wie oft er ihr damals gesagt hatte, dass sie niemals Kriegerin werden würde. Als sie dann Schüler wurden, wurde er so richtig Arrogant. Er beschimpfte sie als schwach und unwürdig. Ständig hat Lichtkralle, damals Lichtpfote, sie beschworen doch Heilerin zu werden. Beinahe hätte sie Funkenfeuer gebeten ihre Schülerin werden zu dürfen. Sie hatte die ständigen Sticheleien ihres Bruders nicht mehr ausgehalten. Einzig und allein ihrer Mentorin Blauglanz hat sie es zu verdanken, dass sie jetzt Kriegerin ist. Sie hat sie gelehrt, dass man seine Träume immer verfolgen sollte, auch wenn sich einem jemand in den Weg stellt. An der Lichtung angekommen, versuchte die Kriegerin sich von ihren Gedanken zu lösen und aufzupassen. Vielleicht konnte sie das ja noch gebrauchen. Funkenfeuer wandte sich an ihre Schülerin: „ Welche Kräuter kannst du entdecken?“ Veilchenpfote suchte vergnügt die Lichtung ab. Sie bleibt neben einer Pflanze mit blauen, sternförmigen Blütenblättern stehen. „Das ist Borretsch.“ miaute die immer fröhliche Schülerin. „Gut gemacht!“, lobte die Heilerin sie. „Und wofür wird er verwendet?“ „Zum senken von Fieber, für die Milchbildung der Königinnen und bei Bauchschmerzen oder Atemproblem.“ schallt die fröhlich klingende Stimme von Veilchenpfote über die Lichtung. Die Heilerin lobte ihre Schülerin für die richtige Antwort und schickte sie weitere Kräuter suchen. Obwohl sich Schattenherz bemühte, schaffte sie es nicht nicht sich ganz von ihren Gedanken zu lösen. So verging die Zeit schnell und, als sie ihren Blick nach oben wand, bemerkte sie, dass es schon fast Sonnenhoch ist. „Wir sollten so langsam zum Lager zurückkehren.“, meinte die Kriegerin. „Okay! Ich glaube wir haben genug Kräuter.“, antwortete die Heilerin und rief dann ihre Schülerin. Veilchenpfote kam sofort an gehüpft und die drei Katzen machten sich auf den Rückweg. Sie kamen pünktlich zu Sonnenhoch beim Lager an, doch Schneeflamme und Lichtkralle warteten bereits. Der weiße Kater bearbeitete mit seinen Krallen ungeduldig den Boden. „Da bist du ja endlich!“ Ach seine Stimme klang ungeduldig. Schattenherz ignorierte ihn und sprach mit Schneeflamme: „Wir können dann los.“ Schneeflamme nickte und winkte die zwei Krieger mit dem Schweif aus dem Lager. Die Jagd lief größtenteils schweigend ab, nur, wenn ein der Katzen etwas gefangen hat, gab es Glückwünsche zu dem Fang. Die Jagd lief gut: Schattenherz hatte eine Amsel gefangen, Schneeflamme zwei Mäuse und Lichtkralle ein dickes Kaninchen, auf das er sehr stolz war. Als er es gefangen hatte, dachte Schattenherz, dass er den Rest des Tages damit angeben würde. Trotz der Sorgen, die sie sich gemacht hatte, war es ganz nett, bis sie auf einer Lichtung ankamen auf der es nach Fuchs roch. Nervös drehte die schwarze Kriegerin ihre Ohren und meinte, um den Fuchs zu hören, falls er in der Nähe war. Auch die zweite Anführerin wirkte aufmerksam. Der Fuchs schien nicht in der Nähe zu sein, jedoch war Schattenherz so abgelenkt den Fuchs zu, dass sie zu spät bemerkte was als Nächstes geschah. Es passierte so schnell, es war gar nicht möglich einzugreifen. Mit einem höhnischen Lächeln stürzte sich Lichtkralle auf seine zweite Anführerin. Er war so schnell, dass Schneeflamme kaum reagieren konnte, aber sie schaffte es ihm einen tiefen Kratzer auf der Wange zu verpassen, bevor er sich an ihrem Rücken festkrallte und sie zu Boden drückt. In diesem Moment bemerkte Schattenherz was vor sich ging. Sie wollte ihren Bruder von Schneeflamme reißen, wollte ihr helfen, doch ihre Pfoten waren wie am Boden festgewachsen. Sie konnte nur da stehen, zu sehen und nichts tun, um Schneeflamme zu helfen. Unendliche viele Gedanken schwirrten Uhr durch den Kopf. Von Werde ich die Nächste sein? bis Wenn Schneeflamme jetzt stirbt, ist es meine Schuld! war alles dabei. Das alles dauerte nur einen Herzschlag und Lichtkralle biss die sich heftig wehrende Schneeflamme ins Genick. Sein Biss wurde immer fester, bis sich die zweite Anführerin nicht mehr regte. Er ließ sie in den Dreck fallen wie ein Stück Krähenfraß. Dann wand er sich Schattenherz zu und in diesem Moment konnte sie sich wieder bewegen, doch es war zu spät. Schneeflamme war tot. In einer schnellen Bewegung sprang sie ihren an, rang mit ihm. Sie verpasste ihm einige heftige Kratzer an den Flanken und Schultern, doch er war stärker. Seine Krallen spalteten ihr rechtes Ohr in zwei Teile und nahe ihrer Kehle verpasste er ihr eine große, tiefe Wunde. Blut benetzte ihr Fell und rann in einem Rinnsal auf den Boden. „Was geht hier vor sich?“, drang die Stimme von Felstatze in Schattenherz Ohren drang.

    4
    2. Kapitel

    Sofort lösten sich die kämpfenden Katzen von einander. Beide hatten mehrere blutenden Wunden an Rücken und Flanken und Schattenherz Pfoten waren mit Blut verschmiert. Noch bevor sie das Maul aufmachen konnte, um auf die Frage von Felstatze zu beantworten, ergriff ihr Bruder das Wort: „Schattenherz hat Schneeflamme getötet und wollte mich auch töten!“ Felstatze erblickte die Szenerie auf der Lichtung, die tote Schneeflamme, die blutüberströmt war, Schattenherz mit mehreren Wunden und blutbefleckten Pfoten und Lichtkralle, der auch verwundet war. Schattenherz war klar, wie das alles aussehen musste und sie dachte Du verlogener Flohpelz!, doch sie wollte diese Worte schreien, alles richtig stellen, aber ihre Zunge war wie festgefroren und sie konnte nichts sagen. Felstatze schüttelt den Kopf in Richtung Schattenherz und befahl: „Flammensturm, du und Lichtkralle tragt bitte Schneeflamme zurück zum Lager. Astpelz, du eskortierst Schattenherz mit mir zum Lager.“ Die Kater nickten und Flammensturm half Lichtkralle dabei Schneeflammes Körper auf seinen Rücken zu heben. Nachdem die Beiden Kater Schneeflamme von der Lichtung getragen hatten, meinte Felstatze mit einem Blick auf Schattenherz Pfoten: „Du kannst dir deine Pfoten noch im Bach waschen.“ Schattenherz nickte leicht und die graue Kätzin positionierte sich rechts neben ihr. Astpelz, ein hellbrauner Kater, stellte sich links neben. Wie in Trance trat sie ein paar Schritte auf den Bach zu, ihre Clangefährten immer an ihrer Seite. Sie hielt ihre Pfoten in den Bach und ließ vom kühlen Wasser umspülen. Die Kriegerin beobachtete wie sich das Blut von ihren löste, eine dunkelrote Wolke im kristallklaren Wasser bildete und sich auflöste. Dann fiel ihr Blick auf ihr Spiegelbild. Obwohl sie dieselbe schwarze Katze aus denselben bernsteinfarbenen Augen wie immer ansah, erkannte sie sich selbst nicht wieder. Es lag an ihre Augen, die sie schon immer am meisten an sich gemocht hatte. Sie hatten bisher ein geleuchtet, doch jetzt hatten sie jeglichen Glanz verloren. Schattenherz musste eine ganze Weile so dagestanden sein, denn Felstatze stieß sie unsanft in die Seite und knurrte: „Genug! Wir gehen jetzt zurück.“ Schattenherz gehorchte und trat einen Schritt aus dem Bach. Grob stießen die anderen Krieger voran. Schattenherz wehrte sich nicht, denn im Moment war sie zu nichts anderem fähig. Den leichten, pulsierenden Schmerz in ihrer verdrehten Pfote ignorierte sie, denn diese tat immer etwas weh, wenn sie sie stark belastet hatte. Den Weg zurück zum Lager verbrachten die Katzen schweigend. Es war ein so eisiges Schweigen, dass es Schattenherz war, als ob sie die kalten Klauen der Blattleere in ihrem Fell spüren konnte. Sie konnte kaum einen klaren Gedanken fassen. Der einzige Gedanke, der sich in Dauerschleife in ihrem Kopf abspielte, war Aber ich war es doch gar nicht! Im Lager spürte sie sofort die bohrenden Blicke ihrer Clankameraden auf ihrem Pelz. Starr blickt sie auf den Boden, denn sie wollte nicht die Wut, den Hass und die Enttäuschung in den Augen ihrer Clangefährten sehen. Froststern entdeckte die drei Katzen sofort und kommt zu ihnen. Ohne große Umschweife ergreift er das Wort: „Ich habe schon gehört was passiert ist. Ich werde morgen entscheiden, was mit ihr geschehen soll, heute wollen wir Schneeflamme betrauern. Schattenherz kann bis morgen im Schülerbau bleiben. Felstatze und Astpelz, könnt ihr sie bitte bewachen? Ich schicke euch später eine Ablösung.“ Bei seinen Worten schüttelte Froststern immer wieder enttäuscht den Kopf. „Wo sollen die Schüler schlafen?“ meinte Astpelz skeptisch, während Felstatze nur zustimmend den Kopf neigte. „Im Ältestenbau. Da ist noch Platz genug.“, erklärt Froststern. Das reichte Astpelz und er neigte auch den Kopf. Schattenherz wurde von den beiden Kriegern zum Schülerbau eskortiert. Auf dem Weg konnte sie das Getuschel der Sumpfclankatzen hören. Einige sagten, dass sie so etwas schon immer von ihr erwartet hattet, während andere genau das Gegenteil behaupteten. Sie wurde von Astpelz mit einem Knurren grob in den Bau gestoßen. Felstatze und Astpelz setzten sich jeweils links und rechts neben den Eingang. Innen drinnen blieb Schattenherz stehen, den Blick immer noch starr auf den Boden gerichtet. „Ich fordere alle Katzen auf, die alt genug sind ihre eigene Beute zu fangen, sich unter dem Hohlfelsen zu einem Clantreffen zu versammeln.“, schallte Froststerns Stimme durchs Lager. Augenblicklich kehrte Stille ein und der gesamte Clan musste sich versammelt haben. Die Worte des Sumpfclananführers erklangen klar und deutlich: „Ich habe heute zwei traurige Neuigkeiten zu verkünden!“ Er holte einmal tief Luft bevor er mit einem Seufzen weiterredete. „Schneeflamme ist tot! Und nicht nur das. Schattenherz hat sie getötet!“ Wieder ertönte Getuschel, doch Schattenherz konnte die genauen Worte nicht verstehen. Froststern ließ den Clan kurz gewähren, dann sprach er weiter: „Ruhe! Einen neuen zweiten Anführer werde ich um Mondhoch ernennen und morgen entscheide ich, was mit Schattenherz Strafe. Heute wollen wir um Schneeflamme trauern!“ Nach seiner Rede legte sie sich hin und vergrub die Schnauze in ihren Pfoten. Sie ließ ihren Tränen freien Lauf. Sie rennen über ihre Wangen und benetzten ihre Pfoten. In ihr brodelten die verschiedensten Gefühle: Verzweiflung, Trauer, Wut, Schuld und verraten sein. Verzweiflung über das, was passiert ist, Trauer um Schneeflamme, Schuld an ihrem Tod und das Gefühl des verraten seins und unbändige Wut gegenüber Lichtkralle. Mittlerweile ging die Sonne unter und Schattenherz entschied sich dazu etwas zu schlafen. Sie schloss die Augen und es dauerte ein wenig bis sie in einen unruhigen Schlaf, der ständig von düsteren Gedanken unterbrochen wurde. Wenn sie schlief, träumte sie von Schneeflammes Tod. Es war alles andere als erholend. Sie konnte nicht sagen, ob ein Alptraum oder Froststerns Stimme sie um Mondhoch weckte. Egal was es war, sie wollte wissen, wer der neue zweite Anführer wird und passte gut auf. „Ich sage diese Worte vor Schneeflammes Leichnam, damit ihre Seele es hören kann und meine Wahl billigen kann. Lichtkralle, du wirst der neue Anführer des Sumpfclans sein. Auch wenn du verloren hast, hast du tapfer gekämpft und hast dir diesen Posten verdient.“, sprach Froststern. Was!, dachte sie. Sie konnte es nicht fassen, wie konnte Froststern nur einen Mörder zum zweiten Anführer machen? Das konnte nicht wahr sein! Lichtkralle kommt einfach damit durch und sie würde für etwas, was sie nicht getan hatte,… Ja was würde mit ihr passieren? Sie musste wohl bis zum nächsten Tag warten. Die Sorge ließ sie nicht schlafen und als die Sonne den Horizont erklomm, war sie übermüdet. Sie merkte erst, dass die Wachen abgelöst worden waren, als Löwentatze, Schneeflammes Gefährte, sie grob am Nackenfell packte und aus dem Bau zehrte. Sie musste sich an den Fuß des Hohlfelsen stellen und Froststern rief den Clan zusammen. „Ich habe nun entschieden, was mit Schattenherz geschehen soll!“, verkündete er. Lichtkralle unterbrach ihn: „Tötet sie!“ Noch andere ihrer Clangefährten stimmten in seine Rufe ein. Von Lichtkralle hatte sie so etwas irgendwie erwartet, aber die andren verletzten sie. Froststern sorgte mit einer Schwanzgeste führ Ruhe. „Was Schattenherz getan hat war abscheulich, aber, wenn wir ein Leben für ein Leben nehmen, sind wir nicht besser als sie. Schattenherz, hiermit verbanne ich dich! Du hast bis Sonnenuntergang Zeit das Sumpfclanterritorium zu verlassen. Solltest du danach noch hier erwischt werden, wirst du wie ein Feind behandelt.“, verkündete er sein Urteil. Fassungslos stand Schattenherz da, auf einmal wirkte alles so unwirklich. Jetzt suchte sie den Blickkontakt zu ihren ehemaligen Clangefährten, doch keiner wagte es ihr in die Augen zu sehen, nicht mal Rotbrust und Nachtschweif, ihre Eltern. Sie merkte es, niemand wollte sie mehr. Wortlos stürmte sie aus dem Lager, es brachte ja eh nichts mehr. Ohne es zu merken, trugen ihre Pfoten sie in Richtung Waldclangrenze. Auf halbem Weg fiel ihr auf, wo sie hin rannte und blieb stehen. Sie könnte sich vielleicht dem Waldclan anschließen. Nein das würde nicht gehen. Bienenstern würde es nie erlauben, nicht, wenn Froststern sie wegen Mordes verbannt hatte. Die Erkenntnis traf sie wie ein Schlag: Sie würde den Clans den Rücken zu kehren müssen, ob sie nun wollte oder nicht und das vermutlich für immer. Ihre Pfoten fühlten sich auf einmal wie Steine an. Es war immer noch früh am Morgen und sie brauchte bis Sonnenhoch, bis sie das Sumpfclanteritorium verließ. Dabei vermied sie es einem ihrer ehemaligen Clangefährten zu begegnen. Sie warf noch einen letzten Blick auf das Sumpfclanteritorium, bevor sie sich wegdrehte. Sie wusste, es gab kein Zurück mehr, doch wirklich verlassen wollte sie das Gebiet nicht. Sie würde sich nur von den Clans fern halten müssen.

    5
    3. Kapitel

    Es war nun fast einen Mond her, seit Schattenherz verbannt worden war. Sie vermisste die meisten ihrer Clangefährten sehr. Ihre Verletzungen waren noch nicht ganz verheilt und sie hatte sich einen verlassenen Dachsbau zum Schlafen gesucht. Es könnte auch ein Fuchsbau sein, ganz sicher war sie nicht, da der ursprüngliche Bewohner schon so lange fort war, dass kein Geruch mehr da war. Die Blattleere war nun eingekehrt und es war für Schattenherz schwerer sich allein zu versorgen. Mit jedem Tag fror sie mehr und wagte sich weiter an die Sumpfclangrenze. An diesem Tag war sie nahe an der Grenze, um zu jagen. Sehnsüchtig warf sie einen Blick auf das Sumpfclanteritorium. Wie es ihren Eltern wohl ging? Und ihre kleinen Geschwister? Diese wird sie wohl nie kennenlernen. Sie versuchte die Gedanken tief in sich drin zu vergraben und sich wieder auf die Jagd zu konzentrieren. Sie öffnete das Maul, damit ihr kein Beutegeruch entging. Die Ohren drehten sich immerfort nach und zurück, bereit jedes Geräusch aufzufangen. Da, das leise Knabbern einer Maus. Sie suchte mit den Augen den Waldboden und entdeckte die Maus im Schnee unter einer Baumwurzel. Die Maus war mager, aber es war immerhin besser als nichts. Sie ließ sich ins Jagdkauern fallen. Sie musste leise sein, die Maus durfte sie auf keinen Fall hören. Vorsichtig schlich sie sich an. Dann war sie in Sprungweite und spannte die Muskeln in den Hinterbeinen an. Sie stieß sich kräftig vom Boden ab und für einen kurzen Moment flog sie durch die Luft. Dann kam sie wieder auf dem Boden auf, doch sie hatte sich verschätzt und landete neben der Maus. Diese rannte sofort weg, aber Schattenherz reagierte schnell und verfolgte die Maus. Sie kam zum stehen, als die Maus über die Grenze lief. Fuchsdung!, dachte sie. Über die Grenze konnte sie nicht gehen, aber es sprach nichts dagegen an ihr entlang zugehen. In einem lockeren Tempo lief sie aufmerksam neben der Grenze her. Ihre Ohren fingen eine Stimme auf. Erst als sie näher dran war, konnte sie erkennen wer da sprach und was derjenige sagte. Es war Lichtkralle, er sagte: „Nun Froststern, jetzt ist es meine Zeit zu herrschen!“ Seine Stimme triefte nur so vor Selbstgefälligkeit und Gier und Schattenherz konnte das höhnische Grinsen hören, was er auf den Lippen haben musste. Lichtkralle würde Froststern sicherlich töten. Schnell rannte sie in Richtung der Stimme. Als sie bei Froststern und Lichtkralle ankam, musste sie feststellen, dass sie schon gekämpft hatten. Nun umkreisten sich die Kater und Froststern knurrte: „Du warst es! Du hast uns verraten und Schneeflamme getötet!“ Lichtkralle lachte höhnisch. „Natürlich oder denkst du Schattenherz wäre dazu in der Lage? Und jetzt werde ich dich auch töten!“ Die zwei Kater stürzten sich wieder aufeinander. Es ging zu schnell für Schattenherz um einzugreifen. Froststern wehrte sich, doch Lichtkralle war schnell. Der Anführer sank zu Boden. Eins seiner Leben entwich seinem Körper. Schattenherz hoffte, dass es nicht sein letztes war, denn sonst gab es keine Hoffnung mehr für den Sumpfclan. Jetzt konnte auch sie angreifen. Der Kampf mit Lichtkralle war wie ein schrecklicher Tanz. Mal duckte sich der eine unter dem Schlag des anderen weg, dann war es andersherum. Ab und zu traf auch einer und Krallen schnitten schmerzhaft durch Fleisch. Blut färbte den weißen Schnee dunkelrot. Dann schnappte Froststern nach Luft. Kurz war Schattenherz abgelenkt und Erleichterung durchströmte sie. Froststern war noch am Leben! Doch der kurze Moment reichte Lichtkralle und er nagelte die Kätzin am Boden fest. „Halt durch, Schattenherz! Ich hole Hilfe!“, meinte Froststern und lief in den Wald. Lichtkralle knurrte: „Ich hätte dich gleich töten sollen, dann wäre alles viel einfacher gewesen. Tja, dann muss ich das wohl jetzt nachholen!“ Er wollte gerade seine Zähne in ihrer Kehle versenken, als sie ihre verkrüppelte Pfote freibekam und sie so vor ihre Kehle hielt, so dass er in diese beißen musste. Dann schaffte sie es sich zu befreien und trat einige Schritte zurück. Sie knurrte, ein Grollen, das Tief aus ihrer Kehle drang. Lichtkralle griff sie wieder an, doch sie wich aus und der Tanz begann von Neuem. Sie wich ein paar Hieben aus und versuchte welche zu verteilen. Doch Lichtkralle war ein geschickter Kämpfer und es war ein leichtes für ihn auszuweichen. Dann kam endlich Froststern wieder. Mit dabei hatte er Blauglanz, Löwentatze und Eisfleck. Löwentatze warf sich sofort knurrend auf Lichtkralle. Auch Blauglanz, Froststern und Eisfleck mischten nun im Kampf mit. Gemeinsam war es ein leichtes Lichtkralle niederzuringen. Löwentatze und Blauglanz hielten ihn am Boden fest, als Froststern vor ihn trat. „Nun Lichtkralle, da du der wahre Mörder von Schneeflamme bist und auch mir ein Leben genommen hast, muss ich dich verbanne. Lauf, Lichtkralle, lauf weit weg und kehre nie wieder zurück!“, sprach der Anführer. Blauglanz und Löwentatze ließen den Verräter wieder aufstehen, Löwentatze nur widerwillig. Lichtkralle funkelte zuerst Froststern und dann Schattenherz wütend, doch dann gab er sich geschlagen. Wortlos stolzierte er ohne einen Blick zurück zu werfen über die Grenze und verschwand zwischen den Hügeln. Dann wandte sich Froststern an Schattenherz: „Ich muss mich wohl bei dir entschuldigen. Die Verbannung Hebe ich hiermit auf! Du kannst zum Sumpfclan zurückkehren, wenn du willst.“ Schattenherz erste Intention war es „ja“ zu sagen, aber dann zögerte sie. Wollte sie wirklich zurück zu ihren ehemaligen Clangefährten? Sie hielten sie für eine Mörderin und einige hatten sogar ihren Tod gefordert. Doch dann dachte sie an ihre Eltern und die anderen, die sie vermisste. In ihrem Herzen spürte sie, dass es die richtige Entscheidung war. Nach kurzem Zögern antwortete sie: „Ja, natürlich!“ Sie folgte ihren Clangefährten zurück zum Lager. Endlich war sie wieder zu Hause!

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