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Drachentöter

Eine Geschichte für den Schreibwettbewerb von Speedwagonist.

Ein Ritter zieht aus, um eine Prinzessin von einem Drachen zu befreien.

Ein echter Klassiker. Oder vielleicht doch nicht?

Wer wissen will, welche Rolle eine Sackgasse, Fackeln, eine Axt und ein Pferd dabei spielen, sollte definitiv weiter lesen.

Bitte nicht zu ernst nehmen!

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    Mit einem lauten Knall schwang die Tür auf. Begleitet von seiner Leibwache stürmte König Eckard in die Gemächer seiner Tochter Eleonore. Aber es w
    Mit einem lauten Knall schwang die Tür auf. Begleitet von seiner Leibwache stürmte König Eckard in die Gemächer seiner Tochter Eleonore. Aber es war zu spät! Seine Finger schlossen sich um die Ballustrade des Balkons. Doch dem König blieb nichts anderes übrig, als fassungslos der kleiner werdenden Silhouette hinterher zusehen. Kleiner werdend, aber immer noch gigantisch. Auch in dieser Entfernung zitterten ihm die Knie. Seine arme Tochter! Entführt von einem Drachen! "Ruft die tapfersten Ritter des Reiches zusammen!", seine Stimme bebte vor Zorn. Dieser Drache war definitiv zuweit gegangen!

    Voller prächtig gekleideten Ritter lag der Thronsaal kurze Zeit später vor ihm. Der König bebte immer noch vor Zorn, während er sich auf seinem Thron nieder ließ. Kurz wanderte sein Blick zu dem Platz neben ihm - doch der war leer. "Wo ist Mathilde?", wollte er irritiert von einem Bediensteten wissen. "Die Königin fühlt sich nicht gut, Majestät. Sie bittet ihre Abwesenheit zu entschuldigen, die Ereignisse haben sie sehr mitgenommen." Eckard seufzte, wer konnte es ihr schon verübeln?
    Langsam wandte er sich wieder den wartenden Rittern zu.
    "Ich werde demjenigen, der den Drachen erschlägt und meine Tochter zurückbringt, sie zur Frau geben!", keine ausgefeilte Rede, aber sie enthielt alles, was es zu sagen gab. Totenstille breitet sich im Saal aus, gespannt beobachtete der König die Ritter. Nichts geschah. Ungläubig öffnete der König den Mund. "Ich werde es tun, Majestät!", ein hochgewachsener junger Mann aus seiner Leibgarde trat vor. Sofort setzte Gemurmel ein. "Rodrich, ich bewundere deine Tapferkeit", auch Eckard runzelte die Stirn, "aber Eleonore ist deine Schwester, ich kann sie dir nicht zur Frau geben." Zustimmendes Gemurmel lief durch den Saal, des Ritters Augen wurden schmal, "Ich bin nicht mit ihr verwandt, Majestät. Als Ihr meine Mutter heiratetet, hatte sie bereits einem Sohn und Ihr eine Tochter. Ich kann natürlich zurücktreten," zornfunkelnd glitten seine Augen über die anwesenden Ritter, "Aber von diesem Pack sieht sich offenbar niemand in der Lage die Prinzessin zu retten." Erneut herrschte Totenstile. Die Ritter wurden unter den Blicken des Königs und Rodrichs immer kleiner.
    "Nun gut, so sei es!", Eckard erhob sich, "Da du offensichtlich der tapferste meiner Ritter bist, sollst du Drachentöter erhalten, um meine Tpchter sicher zurück zu bringen!" Atemloses Raunen ging durch die Reihen, als das legendäre Schwert herein gebracht wurde.
    "Ich fühle mich geehrt, Majestät", der Ritter sank auf ein Knie, "doch ich werde auch ein Pferd benötigen." "Wähle dir eins aus den Ställen", Eckards Ton war fast schon beiläufig, ein Handwedeln scheuchte die Ritter aus dem Saal.

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    Es dämmerte bereits, als Rodrich endlich die Mauern von Jarv erblickte. Hier würde er die Nacht verbringen, erschöpft bei dem Drachen anzukommen, würde schließlich überhaupt nichts bringen. Er ließ Wildfang antraben, was dem Hengst ein unwillig Kopfschütteln entlockt. Der Ritter seufzte. Warum hatte er bloß diese sture Pferd ausgesucht? Weil es nunmal das schnellste des ganzen Königreichs war, gab er sich selbst die Antwort.

    Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne verblassten gerade, als Rodrich endlich die Stadtmauer erreichte. Natürlich war das Tor bereits geschlossen, doch nach einem kurzen Blick auf das Schreiben, dass der König ihm mitgegeben hatte, ließ man den Ritter trotzdem passieren.

    Nervös beschleunigte Rodrich seine Schritte. Schon seit geraumer Zeit hatte er das Gefühl verfolgt zu werden. Wildfang, den er am Zügel neben sich her führte, schnaubte aufgeregt, was seine Vermutung nur noch bestätigte, doch ein Blick zurück zeigte dem Ritter nur eine leere Gasse. Oder doch nicht? Hatte sich dort in den Schatten nicht gerade etwas bewegt?
    Weiter eilte Rodrich durch die Straßen der unbekannten Stadt. Wo war bloß ein gutes Gasthaus? Hinter ihm knirscht etwas, Wildfang warf den Kopf herum und rückte am Zügel. Jetzt würde es Rodrich zu bunt. Er rannte los, suchte sich einen Weg durch das Gewirr der Gassen. Schritte verfolgten ihn nun deutlicher. Mehrere Personen, dachte er noch und bog um eine Ecke. Wie angewurzelt blieb der Ritter stehen. Eine Sackgasse!
    Stöhnend drehte er sich um und sah in die grinsenden Gesichter einiger Banditen. Seufzend zog Rodrich Drachentöter. Das klingende Geräusch bildete den Auftakt eines tödlichen Tanzes.

    "... und dann ist er gerannt. Hat sich nicht mal um das Gold aus seinem kaputten Beutel gekümmert.", beendete Rodrich seine Erzählung und hielt zum Beweis die Münzen hoch. Gröllendes Gelächter war der Lohn für seine Geschichte - und ein weitere Krug Bier. Zufrieden lehnte er sich zurück. Jarv war ein paar Banditen ärmer und ihm hatte die Geschichte einiges an Sympathie eingebracht, als er endlich einem Gasthof gefunden hatte. "So Jungs, trinkt noch eine Runde! Ich geh mich ausruhen, auf mich wartet schließlich ein Drache!", unter lauten Hochrufen -ob sie nun dem Drachen oder dem kostenlosen Bier galten war unmöglich zu sagen - verließ der Ritter die Schankstube.

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    Wie ein klaffendes Maul lag der Höhleneingang vor ihm.
    Mit zittrigen Händen band Rodrich Wildfang ab einen nahen Baum. Von nun an würde ihm das Pferd auch nicht weiter helfen können. Mit einem letzten Blick über das Tal und laut pochendem Herzen betrat der Ritter die Höhle - nur um gleich wieder hinaus zu gehen und sich eine Fackel zu entzünden.
    Mit der Fackel in der einen und dem Schwert in der anderen Hand wagte der Ritter einen neuen Versuch.

    Selbst im schummrigen Fackellicht waren die rot glühenden Nasenlöcher des Drachen gut zu erkennen. Ein dumpfes Grollen ertönte und einige Funken stiegen daraus auf. Offenbar schnarcht der Drache. Genau konnte Rodrich das natürlich nicht sagen, denn er hatte noch nie einen Drachen schnarchen gesehen. Vorsichtig schlich er näher, vielleicht konnte er den Drachen ja im Schlaf erstechen.
    Der Ritter gab sich alle Mühe leise zu atmen und ein Quietschen seiner Rüstung zu vermeiden. Beinahe hatte er das schlafende Untier erreicht, als sein Fuß auf einige losen Steinen ausglitt und er scheppernd zu Boden viel.
    Hastig sprang der Ritter wieder auf, nur um direkt in die glutroten Augen des Drachen zu sehen!
    Fluchend sprang Rodrich zurück, dieser Drache war größer als gedacht! Der stachelbewerte Schwanz des Drachen verfehlte den Ritter nur um Zentimeter und schlug dafür ein Loch in die Höhlenwand, sodass die Höhle nun vom Sonnenlicht erhellt wurde. Erleichtert schmiss Rodrich Schwert und Fackel von sich und zog stattdessen seine Kriegsaxt. Mit neuer Zuversicht stellte er sich dem fauchenden Untier entgegen.

    Der Kampf war kurz, aber heftig. Kein Ende dieses Drachen war ungefährlich, wie der tapfere Ritter schnell feststellte. Dem Feuerstrahl aus dem Maul des Drachen wich er aus, nur um von einem Schwanzschlag durch die Luft gewirbelt zu werden. Geschickt nutzte der Ritter dem Schwung, um direkt neben dem Drachen zu landen und mit seiner Axt den verhältnismäßig ungeschützten Bauch zu bearbeiten. Brüllen vor Schmerz schnappte und schlug der Drache im Todeskampf um sich. Gerade noch rechtzeitig gelang es Rodrich sich hinter eins der viel zu schwachen Beine zu werfen. Ein Stachel des Schwanzes durchdrang die Rüstung und schlitzte seinen linken Oberarm auf, dann lag der Drache still.

    Der Rest war ein Kinderspiel. Schnell entledigt man dich der zerbeulten Rüstung. Akribisch wurde die Axt gereinigt und wieder verstaut, Drachentöter hingegen im Drachenblut gebadet und anschließend nur flüchtig gesäubert. Nichts deutet darauf hin, dass das Schwert seinem Namen nicht gerecht geworden war, als Rodrich mit einer neuen Fackel tiefer in die Höhle vordrang, um endlich Eleonore zu befreien.

    Die Prinzessin war schnell gefunden und mit einem Seil - das schließlich jeder gute Abenteurer dabei hat - aus der Grube, in die sie der Drache geworfen hatte, befreit. "Mein Retter!", kaum oben flog sie dem Ritter um den Hals, der sie nur verblüfft anstarren konnte. So etwas hatte sie noch nie getan. Nun, er hatte sie auch noch nie aus den Fängen eines Drachen befreit. Errötend ließ sie ihn los und strich ihr etwas mitgenommen Kleid glatt. "Lass uns hier weg! Ich will hier nicht länger als nötig bleiben! Wo ist der Drache?", sich mit großen Augen umsehend griff die Prinzessin nach seiner Hand. Gerade noch rechtzeitig viel Rodrich ein, dass er sie anstarrte. Ihrer Schönheit hatte die Gefangenschaft jedenfalls nicht geschadet. Schnell wandte er den Blick ab. "Der Drache ist tot. Ich habe ihn getötet.", mit glückseliger Mine führte er sie zum Eingang zurück. Endlich war er am Ziel.

    "Da liegt das Ungeheuer", Rodrich tratt gegen den schuppigen Schwanz, "Gleich sind wir draußen. Dann wird der König sein Versprechen einlösen." Zufrieden drehte er sich zu der Prinzessin um. Seine Glücksgefühle wurden jäh von einem stechenden Schmerz beendet. Keuchend sank er auf die Knie. Fassungslos sah er an sich hinunter. Kraftlos tastete er nach dem Dolch in seiner Brust. Haare kitzelten sein Ohr, eine samten Stimme flüsterte hinein, "Glaubst du wirklich, ich würde einen Trottel wie dich heiraten?" Nur langsam drangen die Worte zu seinem von Schmerzen benebelten Verstand durch. Ein leises Stöhnen war alles, was er als Antwort heraus brachte. "Danke, dass du mir den Drachen aus dem Weg geräumt hast", säuselte es an seinem Ohr. Dann würde dem Ritter schwarz vor Augen. Dumpf fiel er zu Boden.

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    In dem Moment, in dem Rodrich zusammen brach, fiel die ängstliche Fasade von ihr ab. In aller Seelenruhe zog Eleonore ihren Dolch aus seiner Brust und reinigte ihn an seiner Kleidung. Was für ein Idiot. Niemals würde sie so jemanden heiraten. Beinahe schon nachlässig verstaut sie den Dolch wieder in seiner versteckten Scheide und überprüfte auch gleich die übrigen. Immerhin hatte der dämliche Ritter ihr den Drachen aus dem Weg geräumt. Das bedeutet, der Schatz des Drachen gehörte nun ihr. Mit einem zufriedenen Grinsen drehte sie sich zu der Drachenleiche um.
    Das Grinsen gefrohr ihr auf den Lippen. Der Kadaver, der dort in einer grünlichen Lache aus Drachenblut lag, war zwar der eines Drachen. Aber dieser Drache war nicht der, der sie entführt hatte! Er war viel zu klein! Dieser Trottel hatte den falschen Drachen getötet!
    Wutentbrannt trat sie nach Rodrichs Leiche und sah noch einmals zu dem Drachen. Es war definitiv der falsche! Ein frustrierter Schrei entwickelt ihrer Kehle. Ihr schöner Plan!
    Gerade setzte sie zu einer Schimpfwort-Tirade an, als sie plötzlich ein leises Schaben aus einem der Höhlengänge vernahm. Sofort waren die Sinne der Prinzessin hellwach. Lautlos glitten zwei Dolche aus ihren Scheiden. Innerhalb von Sekunden stand sie an der Wand neben dem Tunnel, bereit alles anzugreifen, was heraus kam. Im Stillen verfluchte sie ihren Stiefbruder erneut für seine Unfähigkeit.

    "Rodrich? Alles in...", die Frage wurde jäh von einer Klinge an der Kehle der Fragenden unterbrochen. "Was zum?". Eleonore kannte diese Stimme, "Mathilde?". Ohne den Dolch von der Kehle zu nehmen, drehte die Prinzessin sich so, dass sie das Gesicht der Gestalt sehen konnte. Es war tatsächlich die Königin! "Eleonore?", auch ihr Gegenüber erkannte sie jetzt, "Wo ist Rodrich? Was ist passiert?". Aufgeregt wollte sie sich an Eleonore vorbei schieben, doch ein leichter Schnitt, verursacht durch die Waffe an ihrer Kehle, hielt sie davon ab. "Was tust du da?", der Blick der grünen Augen wurde panisch, "Was ist mit meinem Sohn? Und warum hast du überhaupt eine Waffe?". Fassungslos fuhr sie sich mit einem Finger über den Schnitt und betrachtet das Blut, das daran klebte. "Geh darüber!", Eleonores freier Arm wieß auf einen Felsen, "Ich will wissen, was hier eigentlich los ist!"

    Mathildes schmaler Körper wirkte im Licht der Fackel ziemlich verloren, nachdem Eleonore sie an den Felsen gefesselt hatte. Panisch wanderte der Blick der Königin durch die Höhle und viel schließlich auf die Leiche ihres Sohnes. "Rodrich! Was.. ", verzweifelt wand sie sich in ihren Fesseln, "So hätte es nicht enden sollen." "Hätte es nicht?", Eleonore trat in ihr Blickfeld und starrte sie kalt an. Von der liebreizenden Prinzessin war nicht mehr viel übrig geblieben, "Also hattet ihr beide irgendwas geplant. Raus mit der Sprache!". Erst dieser Idiot von Ritter und nun auch noch ihre Stiefmutter, das wurde ja immer schöner. Mathilde sah zu Boden, "Es hat eh keinen Sinn mehr, richtig? Ja, es war alles geplant. Ich kenne den Drachen. Er hat dich entführt, damit Rodrich dich befreien und als Belohnung heiraten konnte. Es gibt eine geheimen Gang von der Burg hierher - es ist der gleiche Berg, nur auf der anderen Seite. So bin ich hier her gekommen. Du hättest mich nie sehen sollen. Aber ich habe einen Schrei gehört und...", langsam hob sie den Blick wieder, "Was ist passiert?". Eleonore musterte sie kurz, diese Frau sah nicht aus als würde sie lügen. Außerdem hatte sie die Fähigkeiten der Prinzessin gesehen, sie würde sowieso sterben müssen, da konnte sie ihr auch alles sagen. "Habt ihr wirklich geglaubt, ich würde dabei mitmachen?", verächtlich spuckte sie der Königin vor die Füße, "Ich bin lange nicht so wehrlos, wie alle denken. Aber gegen Drachen habe selbst ich ein Problem. Also habe ich brav mitgespielt, damit irgend so ein idiotischer Ritter den Drachen aus dem Weg räumt. Ich bräucht nur noch den Ritter aus dem Weg zu räumen und hätte den Drachenhort ganz für mich alleine.", wütend funkelte sie Mathilde an, "Aber dein dämlicher Sohn hat den falschen Drachen getötet. Oder war das auch Teil eures Plans?" Langsam nickt die Königin, "Der Drache hatte ein Kind. Seine Beine waren verprügelt, es hätte sowieso nicht lange überlebt. Das hat Rodrich getötet. Gegen den richtigen Drachen hätte er keine Chance gehabt. Es sollte nur so aussehen, als hätte er ihm getötet.", ein Träne ran ihre Wange hinab, "Aber du hast..." "Ja", knurrte Eleonore verächtlich. Was für ein bescheuerte Plan. Hatten die wirklich gedacht, sie würde sich mit ihrem Stiefbruder verheiraten lassen? Wer kam überhaupt auf so eine Idee?
    "Und das gleiche wird dir widerfahren!", mit erhobenem Dolch schritt sie auf die Gefesselte zu, als ein lautes Schaben sie herum fahren ließ. "Nein, wird es nicht. Du hast zu lange geredet.", hörte sie noch die plötzlich wieder kräftige Stimme ihrer Stiefmutter hinter sich. Doch Eleonore konnte nur noch in die roten Augen des gigantischen Drachen starren. Ganz genau sah sie, wie sich das Maul mit dem unterarmlangen Zähnen offnete, sich ein Ritter Punkt ihm Rachen bildete. Sie sah, wie die Flammen auf sie zu schossen. Und dann spürte sie nur noch Schmerzen, als ihr Fleisch verbrannte.

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    Einen Moment konnte sie nur die Prinzessin anstarren, dann brach die bis zur Unkenntlichkeit verbrannte Leiche zusammen. Endlich gelang es der Königin ihren Blick abzuwenden und den Drachen anzusehen. Der schloß sein Maul wieder und legte leise grollend den Kopf schief. Trotz der Tränen, die sie um ihren Sohn vergaß, musste Mathilde lächeln, "Vielen Dank  Sorana, alles richtig gemacht. Obwohl du dich ruhig etwas hättest beeilen können!". Der Kopf auf dem langen Hals schob sich in ihre Richtung und legte sich vor ihr auf den Boden. "Ich würde ja gerne, aber naja", sie rückt an ihren Fesseln, "Wärst du vielleicht so freundlich?" Eine Kralle rückte vor und trennte die Seile mit einem Schlag durch. Erleichtert trat Mathilde vor und kräulte den Drachen hingebungsvoll hinter den Hörnern. Ein dumpfes Grollen erfüllte die Höhle, das die Königin sofort als Laut der Zufriedenheit erkannte - im Gegensatz zu ihrem Sohn kannte sie sich mit Drachen aus.

    "Komm, Sorana, hier hält uns nichts mehr. Wollen wir doch mal sehen, ob er es wirklich geschafft hat, mir Sturm zu bringen.", Mathilde erhob sich und zwang sich, nicht mehr zurück zu sehen. Den Anblick ihres toten Sohnes hätte sie nicht ertragen.
    Lammfromm folgte ihr der gewaltige Drache hinaus. Im Höhleneingang blieb Mathilde stehen und blinzelte sowohl gegen die Sonne, als auch gegen die Tränen. Als ihre Augen sich endlich an das Licht gewöhnt hatten, suchten sie die Umgebung ab. Ihr Blick blieb sofort an dem unruhig tänzelnden Pferd des Ritters hängen. "Hat er es doch tatsächlich geschafft", murmelte sie und ging auf das aufgeregte Tier zu. Das Pferd, wegen dem sie diese ganze Geschichte überhaupt erst mitgemacht hatte. Ihr Pferd, dass von König Eckards Männern gestohlen worden war und nun endlich wieder ihr gehörte. Andächtig streichelte sie den weißen Hals des Tieres, dem die Anwesenheit des Drachen nichts auszumachen schien. "So ihr beiden, dann suchen wir uns mal einen netten Ort zum Bleiben. Irgendwo, wo ein Drache nicht ständig gejagt wird.", sprach die ehemalige Königin und wandte ihrem Königreich für immer den Rücken zu.

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    Epilog

    Eine Woche später stand König Eckard fassungslos im Eingang der riesigen Höhle. Sein Blick wanderte immer wieder zwischen der Drachenleiche, den verkohlten Überresten einer Frauenleiche und dem Leichnam des Ritters mit der Stichwunde in der Brust hin und her. Das ergab alles überhaupt keinen Sinn. Und wo war eigentlich seine Frau? "Was bei allen Drachen ist hier passiert?"

    Einige Zeit später erzählte man sich Land auf Land ab die Geschichte von dem Ritter, der zu spät gekommen war, um die Prinzessin vor dem Drachen zu retten und aus Gramm darüber zuerst den Drachen und dann sich selbst getötet hatte. Als krönender Abschluss der Tragödie beging die Königin aus Verzweiflung über den Tod der beiden Selbstmord. Lediglich das Pferd des Ritters habe die Tragödie überlebt und geistere nun auf ewiger Suche nach seinem Reiter durch die Lande.

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