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From the Beginning

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7 Kapitel - 10.409 Wörter - Erstellt von: - Entwickelt am: - 280 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Dies ist eine Geschichte für den Schreibwettbewerb von Speedwagonist:
Cassandras Leben ist von Zeitreisen geprägt. In ihrem Zeitalter ganz normal.
Auch Cassandra dachte, sie wäre normal. Aber das ist eine Lüge.
Eine Bedrohung gefährdet das System.
Die Bedrohung ist eine Person.
Die Bedrohung ist Cassandra.

    1
    Prolog

    Als ich zum ersten Mal die warme Sonne auf meiner Haut spürte war alles in Ordnung. Warme Hände hielten mich. Ich konnte zwei glückliche Gesichter ausmachen. Ein weibliches und ein männliches. Vielleicht auch eines der Krankenschwester. Meine Mutter und mein Vater nannten mich Cassandra. Cassandra Mitchell.
    Meine kleinen Augen sahen an der Wand, des Krankenzimmers ein Kalender. Darauf waren vier Zahlen ganz groß geschrieben und eine Tabelle.
    Natürlich hatte ich keine Ahnung was das für Zeichen waren. Und was die Erwachsenen gesprochen hatten wusste ich auch nicht. Sie klangen aber glücklich.
    Natürlich waren sie das. Da war ich ja auch noch normal und keine gesuchte Zeitreisin.
    Meine Ohren hörten hupende Autos, glückliche Stimmen, Züge, Vögel, raschelnde Bäume.
    Mein Mund gab glucksende Geräusche von sich. Ich wollte auch sprechen können. Die Laute meiner Eltern nachmachen. Ich wollte „ A“ sagen oder „ B“ oder „ J“ oder irgendein Buchstabe.
    Meine Augen öffneten und schlossen sich. Sie blinzelten.
    Meine Finger fühlten warme Hände, warme weiche Hände. Die meiner Mutter.
    Meine Zunge schmeckte kein Essen, nicht das Süße von Schokolade oder die Säure von Zitronen. Noch nicht.
    Das alles. Diese ganze Szene war lange her. 15 Jahre her.
    Ja.
    Ich bin eine Zeitreisin.
    Eine 15-jährige Zeitreisin.
    Und entdeckte am 14. April 2100 zum Ersten Mal das Licht der Welt.


    2
    Jahr: 2115

    Und fand am 14. April 2115 heraus, dass ich das System gefährden würde.
    Leicht gesagt, ja.
    Aber so einfach war das nicht.
    Wenn ich es dir erklären dürfte: Unsere Welt ist ein System: Babys dürfen von ihrer Geburt bis zu ihrem 10. Lebensjahr bei ihren Eltern leben. Dann gehen sie zur Schule und lernen das Zeitlaufen. Wenn sie 15 sind wechseln sie die Schule und werden 3 Jahre lang ihre zukünftige Arbeit gelehrt. Am 18 sind sie offiziell Erwachsen und leben in dem System.
    Das Zeitreisen ist eigentlich nicht für etwas da, sondern einfach da. Es ist ein Lebensmotto. Es ist nicht dafür da, das wir irgendwelche Pandemien oder Epidemien bekämpfen oder umgehen können oder für etwas Bestimmtes. Sondern einfach da.
    Man benutzt es für sich selbst.
    Möchte man wissen welche Note man in der Prüfung hat? Reise kurz in die Zukunft, finde es heraus und schreibe eine bessere Note. Oder willst du wissen welchen Job du bekommst. Reise in die Zukunft, finde es heraus und stelle dich auf deinen zugeteilten Job ein.
    Ja, dein Job wird dir zugeteilt.
    Dein Leben wird dir zugeteilt.
    Das Leben in dem System ist Freiheitsberaubend.
    Du darfst nur raus, wenn du einen aktiven Pass hast, den du jeden Monat wechseln musst. Und einen neuen Pass zu erstellen ist teuer. 1 Time. Übersetzt heißt es: eine Zeit. Das Wort: Zeit hat in unserer Währung keine bestimmte mythische Überlieferung. Man hat es einfach genommen, statt Euro, Dollar, Pound…zu benutzen. 1 Time ist 100 Euro.

    „ Das ist einfach nicht zu glauben!“, rief jemand aufgebracht und stand vom Stuhl auf. Schweigend schaute ich auf meinen vollen Teller und stocherte mit der Gabel in meine Erbsen. Aber keine steckte ich in meinen Mund. Ich wohnte eigentlich alleine. Heute wollte ich einfach meine Eltern besuchen und dann kam…das. Diese Nachricht:
    „ Du sollst angeblich in der Zukunft das System stürzen?“, rief die gleiche Stimme und schaute mich fassungslos an. Es war meine Mutter. Ich zuckte mit den Schultern und brachte kein Wort über die Lippen. „ Warum? Und wie?“, fragte meine Mutter und lief im Zimmer auf und ab. Mein Vater stand wortlos an der Wand, des Esszimmers und schaute mich ebenfalls fragend an. „ Cassie. Hast du ein Grund dafür?“, wollte mein Vater nun wissen. Langsam hob ich den Kopf und zuckte wieder mit den Schultern. Ich brachte es nicht übers Herz in die Gesichter meiner Eltern zu schauen. „ Cassandra Mitchell! Ich habe dich etwas gefragt!“, die Stimme meines Vaters war scharf, eisig und kalt.
    „ Äh- ich…weiß ich nicht!“, sagte ich knapp. Es war die falsche Antwort gewesen. Mein Vater verschränkte die Arme vor der Brust und meinte: „ Dir ist klar das dies eine Straftat ist. Das du ins Gefängnis kannst, trotz dass du Minderjährig bist! Aber ich weiß ja nicht mal, ob du überhaupt ins Gefängnis gehen kannst. Vielleicht wirst du davor...“ Mein Vater suchte nach den passenden Worten. „ Vielleicht wirst du davor beseitigt. Eliminiert“, fügte meine Mutter hinzu. Mein Herz pochte unangenehm hart, gegen meine Rippen und meine Hand krallte sich in mein Arm fest. Ich biss auf meine Lippe. „ Ich weiß nicht warum ich das tun würde. Ich wäre 18, wenn ich das System stürzen würde. Habt ihr gesagt!“, verteidigte ich mich. „ Ja, aber…hast du Pläne für den Sturz des Systems?“, fragte meine Mutter und stemmte die Hände in die Hüften.
    „ Nein! Warum sollte ich?“, ich spürte meine glasigen Augen und meine verzweifelte Stimme. „ Du hasst Systemseid du 10 bist!“, half mein Vater mir auf die Sprünge.
    Ein dicker Kloß machte sich in meinem Hals breit, es war so als ob eine unsichtbare Hand mir die Lunge zerdrückte und ich rang nach Luft.
    „ Glaubt mir doch! Ich würde sowas nicht tun!“, protestierte ich und stand wütend auf. Im Nachhinein fragte ich mich wirklich ob ich das System nicht, nicht stürzen würde. Vielleicht wollte ich das System trotzdem stürzen, trotz der Gefahr…der Eliminierung.
    „ Natürlich würdest du das nicht tun!“, mein Vater lachte sarkastisch, „ In der Zukunft wirst du das System auch nicht stürzen!“
    „ Wie habt ihr denn überhaupt herausgefunden dass ich das System stürzen würde?“, wollte ich wissen. In mir kochte Wut, Verzweiflung…wie können meine Eltern so etwas Grausames von mir denken? Warum sollte ich das System stürzen wollen? Es ist doch ganz nett- nein, nein. Das alles rede ich mir nur ein. Ich würde das System stürzen. Weil es Freiheitsberaubend und ein Diktator über uns herrscht. Dieser Diktator hieß: John Grahams. Ich kann mir sein Gesicht innerlich vorstellen: ein faltiges, kantiges Gesicht. Strenge Gesichtszüge. Kalte blaue Augen. Ein grauen Bart, sowie graue Haare, die nach hinten gegellt sind. Und seine Kleidung! Einen grauen, karierten Anzug. Weißes Hemd. Schwarze Krawatte. Braune Lederschuhe. Braune Aktentasche.
    „ Wir sind in die Zukunft gereist um zu schauen ob mit dem System alles in Ordnung seien wird“, erwiderte meine Mutter. Mein Vater und meine Mutter sind Büroleute. Die Aufgabe meines Vaters besteht darin, zu schauen ob irgendeine Bedrohung das System gefährden würde, die gleiche Aufgabe, wie die meiner Mutter. Und- Tadaa!- eine 18-jährige Cassandra Mitchell würde das System stürzen!
    „ Und ihr glaubt wirklich ich würde sowas tun? Aber…wie könnt ihr nur das von mir denken?“, meine Stimme wurde lauter, eisiger, wütender. Meine Hände ballten sich zu Fäusten, ich spürte meine angespannten Arme. Das Esszimmer war klein. Viel zu klein. Es war ein kleiner Raum, mittendrinnen ein großer Holztisch und 8 Stühle darum gestellt. „ Cassandra! Wir müssen es glauben, weil es keine andere Lösung gibt!“, bellte mein Vater, „ Wir haben gesehen wie du die Daten des ganzen Systems gelöscht hast. Gesehen, wie du die Zeitfabrik zerstört hast. Du hast…du hast das Zeitreisen zerstört!“
    Der Raum war viel zu klein und hatte keine Fenster. Ich brauchte frischen Sauerstoff, der meine Lunge, wie Flüssigkeit füllt. Ich stolperte zur Tür, die in den Flur führte und rannte zur Haustür. „ Wo willst du hin?“, die besorgte Stimme meiner Mutter war zur hören und Schritte ließen die Flur erbeben. „ Komm wieder zurück!“, das war mein Vater. Die Stimmen meiner Eltern waren ein Bass in meiner Brust. Tief, laut, dröhnend. Aber für mich nichts weiter. Nicht mehr.
    „ Wo willst du hin Cassandra?“, wieder meiner Mutter. Ich packte die Türklinke. Ich hörte die Schritte meiner Eltern. Immer lauter. Mein Atem war bruchstückig, zitternd drehte ich die kühle Klinke runter. Als ich die Tür öffnete prallte ein große Wucht Wind auf mich. Ließ mich erzittern. Fegte meine braunen lockigen Haare aus dem Gesicht und legte sich wie ein Mantel auf meine Haut. Vor mir erstreckten sich große Hochhäuser, ihre Wände bestanden aus Glas. Darin spiegelten sich die Wolken, die Millimeter für Millimeter über die Welt zogen. Die Sonne war versteckt hinter den dicken, großen Wolken. Ihre Farbe war grau, dunkelgrau. Es würde regnen. Ich trat aus dem Haus. Zog meine Anzugjacke fester um mich und schaute nach vorne.
    Auf der Hauptstraße fuhren hupende Autos. Alle Autos in einem Farbton. Schwarz.
    „ Cassandra! Komm wieder zurück!“, mein Vater stand im Türrahmen. Langsam drehte ich mich zu ihm. Er trug einen schwarzen Anzug, weißes Hemd, schwarze Krawatte, schwarze Lederschuhe. Das waren Arbeitsuniformen. Meine Mutter drängte sich hinter ihm vor und schaute mich besorgt an. „ Cassie. Komm wieder, schnell. Die Regierung…sie weiß davon. Sie hat es mitbekommen! Sie kommen gleich und holen dich!“, flüsterte meine Mutter panisch. Auch sie trug einen Anzug, statt eine Hose einen knielangen, engen Rock. Aber ihre Autorität ist genauso hoch, wie die meines Vaters.
    Das System hat eine Bedrohung erkannt. Mich. Ich hörte schon Sirenen. Sirenen die für mich schrillen.
    „ Cassie!“, meine Mutter packte panisch meine Arme. „ Komm!“, mein Vater wirkte ebenfalls hektisch. Sie wollen nicht dass ich geschnappt werde. Aber sie wollten auch nicht dass ich ein Systemgegner bin.
    Mir war nicht bewusst dass ich das System mal stürzen würde oder ich war nicht auf so eine Idee gekommen. Aber das war auch eine absurde Idee.
    Ich hatte gerade mit meiner Ausbildung zu meinem neuen Job angefangen. Wie sollte ich bitte das System stürzen?
    Aber ein Gefühl verriet mir das es meine Bestimmung war. Diese Diktatur ein Ende zu setzen.
    Ich bin leichtsinnig. Keine Frage, aber bin ich dumm? Ich befreie mich aus dem Griff meiner Mutter, sehe meine Eltern das Letzte Mal an und flüstere: Es tut mir Leid.“
    Die Sirenen wurden lauter. Autos hörten auf zu hupen, blieben stehen. Menschen wurden unruhig. Meine Mutter riss erschrocken die Augen auf. Mein Vater schüttelte den Kopf und wollte meinen Arm greifen, doch ich wich zurück.
    „ Cassie!“, rief meine Mutter mir nach als ich auf dem Absatz kehrt machte und los lief. Ich lief direkt auf die Straße zu.
    „ Cassie!“, mein Vater. Ich wusste meine Eltern würden mir nicht folgen, sonst würde ich geschnappt werden. Und das wollten sie verhindern. Aber die einzige Lösung war, mich gehen zu lassen. Die Regierung weiß von mir Bescheid.
    Ich weiß dass die Autos stehen bleiben werden, wenn ich auf die Straße gehe. Alle haben bemerkt dass ich eine Bedrohung bin.
    Entweder liegt das an meinem Gesichtsausdruck, entschlossen, wütend, sicher oder das in der Luft Bilder von mir projiziert werden. Auf dem Hologramm steht: Neue Bedrohung: Cassandra Mitchell. Gefahrenstufe: 10.
    Gefahrenstufe 10 war die höchste Stufe.
    Die Leute schauten mich ehrfürchtig, befremdet und ängstlich an.
    Ihre Angst vor mir war größer, als ihr Mut. Sie könnten mich einfach gehen lassen, wie jetzt oder sie könnten mich aufhalten. Doch niemand tat etwas.
    Während dem Gehen zog ich meine Absatzschuhe aus, die zu meiner Uniform gehört. Meine feminine Uniform bestand aus einer weißen Bluse, dunkelblauer Anzugjacke, einer schwarzen Krawatte, dunkelblauer Hose und Absatzschuhe. Die Schuhe hatte ich gerade ausgezogen und lief nun auf weißen Sneaker-Socken auf die Straße. Der Wind war das Gegenteil von Rückenwind, kämmte meine braunen Haare nach hinten.
    Als ich vor der Straße angelangt war, schloss ich meine Augen. Die Sirenen waren laut. Dröhnend. Ohrenbetäubend.
    Ich bin leichtsinnig.
    Jeder würde an meiner Stelle, wenn schon rennen.
    Und ich laufe ganz entspannt auf die Straße zu!
    Mein Herz drohte zu zerspringen, so hart klopfte es gegen meinen Brustkorb.
    Die Person sollte kommen. Die Person sollte kommen.
    So wie ich es in der Schule gesehen hatte.
    So wie ich in der Schule als Übung, in die Zukunft gereist bin und habe diese Szene gesehen.
    Die Person sollte jetzt kommen.
    Jetzt.
    Unsicher öffnete ich die Augen. Das erste was ich sah, waren Transporter. Leute die mit erhobenen Waffen auf mich zielten.
    Wo sind sie?
    Genau jetzt, genau jetzt sollte sie kommen. Doch da spürte ich eine kalte Hand die mein linkes Handgelenk packt.
    Ich schaute zu der Person und ich riss meine Augen auf.












    3
    Jahr: 2112 12-Jährige Cassandra

    „ Reist in die Zukunft. Genau in drei Jahren, in eure Zukunft. Eure Aufgabenstellung“, die Worte meiner Lehrerin echoten in meinem Kopf.
    Gerade schloss sich hinter mir das Zeitportal und ich schaute mich um.
    Ich sah eine große Straße und das Haus indem ich früher gelebt hatte. Die sorgfältig aufeinander gereihten Backsteine waren hinter der weißen Farbe verborgen. Das Haus war groß, hatte einen Spitzen Dach und der Eingang verzierten Marmorsäulen. Das Haus sah aus, wie alle anderen Häuser. Dennoch war es einzigartig, über die Hälfte meines Lebens hatte ich in diesem Haus verbracht.
    Jetzt wohnte ich im Internat. Schule, Schlafstätte, Schule, Schule… Für Hobbys habe ich keine Zeit und darf auch keine haben. Regeln.
    Ich bin gerade 12 geworden, ich weiß nicht ob es gut ist in meine Zukunft zu sehen. Wenn ich überhaupt in meine Zukunft bin, ich schaute auf meinen Detektor. Es zeigt vier Zahlen: 2115. Ich bin tatsächlich in meine Zukunft gereist!
    Ich konnte mein Glück kaum fassen. Ich habe wirklich meinen Zeitstandort bestimmt! Ein großer Fortschritt, für mich!
    Begeistert schaute ich mich um. Doch dann wich mir alle Farbe aus dem Gesicht. Auf der Straße sah ich Transporter, Regierungsmitglieder. Ich sah Leute die, die Person in der Mitte, entgeistert anstarrten. Sie schauten die Person in der Mitte an. Befremdet. Ehrfürchtig. Ängstlich.
    Und die Person in der Mitte war…
    …ich.
    Die Sirenen sind für mich da?
    Das war ich.
    Auf jeden Fall!
    Braune brustlange, lockige Haare. Graue, fast blaue, kleine Augen von dünnen Wimpern umgeben sind. Die etwas kleine Körpergröße. Die aufrechte Haltung. Die kleine Nase. Die gebräunte Haut. Die fast unsichtbaren Sommersprossen.
    Das bin ich.
    Das bin ich.
    Ich, die ältere Cassandra, schloss die Augen. Sie schaute entschlossen aus.
    Die Regierung war wegen mir da!
    Mein Herz ließ einen Schlag aus, mein Atem wurde hektisch. Mir wurde schwindelig. Ich taumelte zu einer Hauswand, an die zwei älteren Leute in Anzügen an die Hauswand lehnten und zuschauten.
    Ich stütze mich an der Hauswand und sah weiter zu. Die Leute bemerkten mich nicht, ich bin praktisch unsichtbar für sie.
    Die Regierungsmitglieder kamen der älteren Cassie näher, die Waffen hoch erhoben, Blicke: grimmig, wütend, alarmiert. Alarmiert, weil sie die Bedrohung( Ich) so schnell wie möglich beseitigen müssen!
    Niemand darf davon erfahren! Niemand darf erfahren dass all das geschieht!
    Ich muss…ich muss versuchen, mich so gut wie möglich an die Regeln zu halten.
    So kann ich…dieser Szene entgehen.
    (Mir war nicht bewusst dass meine Straftat ungeschehen ist, als ich auf der Straße stand)
    Gerade war ein Regierungsmitglied bei mir. Wollte mich packen.
    Doch auf einmal tauchte ein Zeitportal auf, direkt neben mir.
    Erschrocken riss ich meine Augen auf. Auch die Regierungsmitglieder stolperten überrascht zurück. Passanten tuschelten aufgeregt. Meine Eltern…ich schaute zu ihnen, meine Eltern waren in unser Haus geflüchtet und wollten nicht sehen, was gerade mit mir passiert.
    Eine Hand schoss aus dem Portal, packte mein Handgelenk und zog mich in das Portal. Cassie ließ sich in das Portal ziehen. Mir war auch klar warum: Sie hatte…sie hatte gesehen, was ich gerade gesehen habe.
    Als Cassie durch das Portal gezogen wird, wird danach das Portal kleiner. Die Menschenmenge um die Szene wird lauter. Die Regierungsmitglieder schreien Befehle. Der Himmel verdüsterte sich. Dicke Tropfen fielen auf den Boden.
    Cassie, Cassandra, Cassandra Mitchell war eine Bedrohung und ist davon gekommen.
    Ich schaute auf mein Detektor, drückte einen Knopf an der Seite und auf dem Display erschien eine Zeiteinstellung. Ich stellte ein: 02.05.2112.
    Vor mir erschien ein Zeitportal.
    Ich lief hindurch.
    Tauchte gleich danach wieder in der großen Übungshalle auf.
    Niemand war sonst da, alle Schüler waren in ihrer Zukunft.
    Meine Lehrerin sah mich und schaute mich fragend an.
    „ Ich hab mein 15. Geburtstagsgeschenk gesehen und wollte nicht mehr sehen. Sonst wird es ja nicht überraschend“, log ich.
    Ich hoffte dass niemand diese Szene sehen würde.
    Niemand darf sehen was da gerade passiert ist, ich weiß ja nicht mal was ich getan habe um beseitigt werden zu müssen.
    Ich weiß nur dass ich hoffen kann, dass niemand das erfahren würde. (Damit lag ich falsch. In 3 Jahren hatten meine Eltern das herausgefunden)
    Meine Lehrerin nickte knapp und ich setzte mich an die Außenbank.
    Ich versuchte mein unregelmäßiges atmen zu kontrollieren.
    Meine Lehrerin war zu sehr mit sich beschäftigt statt es zu merken.
    Niemand darf dies sehen. Ich darf nicht daran denken. Sonst werde ich verrückt.
    Ich war in meiner Zukunft.
    Ich war eine Bedrohung, ich werde eine Bedrohung sein.

    4
    Jahr 2115 ( Gegenwart)

    Stöhnend erhob ich meinen nach vorn gebeugten Oberkörper.
    Meine Handgelenke brannten als ich etwas Metallisches spürte.
    Fesseln.
    Die Fesseln schnitten in meine Haut und ich spürte wie langsam, heißes Blut meine Finger runter rannen.
    Ich versuchte nicht auf den Schmerz zu achten und schaute mich um.
    Ich weiß nicht wo ich war, aber ich befand mich in einem kleinen Raum.
    Die Wände, die Decke, sowie der Boden waren grau und eine einzige Glühbirne erhellte den Raum in ein weiß. Das Licht flackerte leicht. Vor mir sah ich eine braune Holztür. Mein Oberkörper, Arme, Beine, Hände waren in Eisenketten an einem Stuhl gefesselt.
    Ich spürte pochende Kopfschmerzen, meine Schläfen taten Weh. Erst jetzt spürte ich eine Wunde an meiner Stirn. Sie war rechts und verliefen bis zu meiner Schläfe.
    Eine blutende Wunde?
    So fühlte es sich zumindest an, aber weiter war es nichts.
    Zwar war die verkrustete Haut unangenehm, aber nicht Lebensbedrohlich.
    Aber wer hatte mir den Kopf eingeschlagen?
    Und wo bin ich? Und…
    ….wann bin ich?
    Dumme Frage, dagegen kann ich nichts sagen, aber ich kann mich an alles erinnern.
    Wie ich auf die Straße lief und wartete bis jemand kam und mich durch ein Zeitportal zog.
    Ein Zeitportal.
    Bin ich in der Zukunft?
    Zumindest bin ich vor der Regierung gerettet, aber bin ich hier sicher?
    Langsam kroch die Angst meinen Rücken hoch und ich wurde panisch.
    Ich musste hier weg!
    Sofort!
    Ich versuchte die Eisendrähte auseinander zu reißen, funktioniert nicht, wie sollte das auch klappen? Nur mit Händen?
    Immer noch hatte ich die Uniform an.
    Auf einmal öffnete sich die Tür von außen und ich erschrak.
    Ich konnte mir ein Schrei verkneifen.
    Ein Junge, ein Mädchen und zwei Erwachsene kamen herein.
    Die zwei Jugendlichen waren in etwas so alt wie ich. Oder sie waren ein Jahr älter. Das Mädchen sieht älter als der Junge aus. Wahrscheinlich 17, 18?
    „ Und sie soll…das System zerstören?“, skeptisch beäugte mich das Mädchen.
    Sie hatte rote, kirschrote Haare, kleine Schlitzaugen, tiefrote Lippen und blasse Haut. Ihre gerade Haltung versprühte mehr Autorität als ich dachte.
    Der Junge hatte schwarze Haare, waldseegrüne Augen, gebräunte oder leicht dunkle Haut. Ich sah dass an seinem Gürtel eine Waffe steckte und ich schluckte einen dicken Kloß herunter.
    Beide Erwachsenen waren Männer.
    Der eine hatte dunkle Haut und kurze schwarze Haare. Seine Haare waren perfekt kurz geschnitten. Er hatte große braune Augen und einen ebenfalls schwarzen kurzen Bart. Der Mann hatte breite Schulter und trug einen langen schwarzen Ledermantel. Nicht nur sah der Mann bedrohlich aus, sondern auch gefährlich.
    Der andere Mann war mindestens 22, so alt wie der andere.
    Die blonden Haare des Mannes waren ohrenlang. In seiner Hand sah ich eine Waffe, sein Finger lag auf dem Abzug.
    Schluckend wich ich zurück.
    „ Cassandra Mitchell“, sagte der Blonde mit einem frechen Grinsen auf dem Gesicht.
    Woher kennt er meinen Namen?
    Die Angst krallte sich tief in mein Herz und ich verkniff mir ein Wimmern,
    „ Keine Sorge, das Zeitreisen hat uns alle möglichen Visionen gezeigt und, ja, wir haben dich gesehen“, erklärte der Blonde. Er stellt sich vor mich und verschränkt die Arme vor der Brust.
    Ich verstehe nur Bahnhof.
    „ W…was?“, hauchte ich denn Sprechen konnte ich nicht mehr. Meine Kehle kratzte, weil sie trocken war und ich musste schlucken.
    „ Phil!“, warnend schaute der Dunkelhäutige den Blonden (wahrscheinlich Phil) an. Seufzend lehnte sich Phil an die Wand, wo der Junge und das Mädchen uns zuschauten.
    „ Wer…wer seid ihr?“, stammelte ich. Der dunkelhäutige Mann stellte sich vor mich und lächelte freundlich. Seine weißen Zähne waren wie Licht in der Dunkelheit, auch wenn es gar nicht dunkel war.
    „ Ich bin Leo“, sagte er, er deute zu dem Blonden, „ Das ist Phil.“ Ich schaute zu ihm und sah wie er kurz nickte. „ Der schwarz-haarige ist Marcus. Und das Mädchen ist unsere beste Kämpferin“, anerkennend nickte Leo und das Mädchen lächelte kurz. „ Ihr Name ist Yuna“, stellte Leo sie vor.
    Sollte ich jetzt nicken?
    Und vor allem… warum schreie ich nicht endlich?
    Mir wurde kein Tuch um mein Mund gebunden, warum schreie ich nicht um Hilfe?
    Erstens: Mir wird wahrscheinlich eh niemand helfen, weil ich ja eine Bedrohung in unserem System bin.
    Zweitens: Wer wird mich schon hören? Ich sehe einen kleinen schwarzen Kasten an der Wand. Es blinkte blau, nur kurz. Niemand außerhalb dieses Raumes konnte uns hören da dieser Kasten keine Stimme, kein Geräusch oder sonst was durch die Wände dringen lässt.
    Drittens: Warum sollte ich dann versuchen zu schreien?
    „ Welche Zeit…in welcher Zeit bin ich?“, fragte ich zitternd. „ 2117“, erwiderte Marcus.
    „ Ich bin in der Zukunft?“, rief ich hoch und hysterisch.
    „ Ja“, langsam nickte Marcus.
    „ Warum?“
    „ In einem Jahr, wirst du das System stürzen. Wie du wahrscheinlich erfahren hast. Und wir wollen dir dabei helfen. Wir wollen das System so schnell wie möglich zerstören“
    Mir klappte der Mund auf, wie konnte er denken ich würde ihm dabei einfach helfen?
    Ich habe doch kein Grund das System zu zerstören- doch!
    Doch, ich habe ein Grund!
    Es ist Freiheitsberaubend und eine Diktatur, von Demokratie hatte die Regierung nie gehört.
    „ Deshalb seid ihr in die Zukunft gereist, damit mich die Regierung nicht in meiner eigentlichen Zeit findet?“, riet ich.
    „ Genau, die Regierung hat dich auch nicht gefunden“, erklärte Leo und er nahm sein Detektor ab und hielt das Display vor meine Nase. Ich hörte eine Sprachmemo und wie ein tiefe, raue Stimme sprach. „ Wer ist das?“, fragte ich leise um nicht zu verpassen wie die Stimme über mich redete. Mein Magen zog sich zusammen, ich war wirklich eine Gesuchte! Und das war keine erfreuliche Nachricht.
    „ Der Präsident, erkennst du die Stimme nicht?“, fragte Yuna irritiert und sah mich fragend an. „ In meiner Zeit hatte der Präsident eine festere Stimme, jetzt ist sie von rauschen begleitet!“, zischte ich und hörte zu wie der Präsident über Gefahren und so redete. Was ich auslösen könnte, das Ende der Welt.
    Ich.
    Ein fünfzehn-jähriges Mädchen, das gerade ihre Job als Zeitaufseherin (den Job meiner Eltern) lernen sollte.
    Aber sie hatte andere Pläne und verursacht die Zerstörung von dem System!
    Wie verrückt und absurd soll das bitte noch Klingen?
    „ Hör zu!“, Phil nickte zum Detektor hin, als er meinen nachdenklichen Blick sah.
    Leo spulte die Audio kurz zurück und ich hörte hin wie der Präsident sagte: „ Ich denke wir sollten unsere Cassandra Mitchell nicht suchen, sondern vernichten.“
    Eine andere Stimme antwortet (wahrscheinlich ein Soldat): „ Aber, Sir, wir können sie nicht finden. Sie ist schon seit über einem Monat weg, ihre Eltern wissen auch nicht wo sie sind“
    „ Zumindest…haben sie uns ein paar Eckdaten gegeben, wo Cassandra sich aufhalten könnte“
    „ Sie haben mich verraten?“, rief ich spitz. Meine Eltern hatten mich verraten? Wie konnten sie nur? Trauer und Wut übermahnten mich zugleich und ich unterdrückte ein Schluchzen. Stattdessen drang Schnauben aus mir heraus.
    „ Nur damit sie nicht ebenfalls beseitigt werden Cassandra!“, klärte Leo mich auf und wies zum Detektor hin. Ich hörte weiter zu. Der Präsident sagte: „ Aber wir sollten Cassandra nicht suchen und dann beseitigen, sondern einen kurzen Prozess machen. Ihr geht in Cassandras Vergangenheit, an dem Tag an dem sie geboren ist und tötet sie dort. Auf der Stelle, haben sie verstanden?“
    „ Ja, Sir. Wann geht es los?“
    „ Morgen“
    Ich holte Luft.
    Hielt die Luft an.
    Luft entwich mir und ich quiekte.
    „ Sie wollen, was?“
    „ Sie wollen am Tag deiner Geburt, dich beseitigen“, erklärte Yuna.
    „ Und warum bin ich nicht tot? Noch nicht?“, stotterte ich und merkte wie ich anfing zu zittern. Das war´s.
    Die Regierung greift auf alle Mittel zu um mich zu vernichten.
    „ Cassandra, wir sind in der Zukunft. Du bist hier nicht die echte Cassandra. Das wäre jemand anderes, die 17-jährige Cassandra. Und die ist nicht da“, versuchte Phil zu erklären. „ Weil die Echte Cassandra nicht existiert“, murmelte ich.
    „ Ja, genau. Aber…wir wollen das Rückgängig machen, wir wollen zum Tag deiner Geburt reisen. Verhindern dass du beseitigt wirst, während du mit Yuna und Marcus das System zerstörst. Bist du dabei?“, fragte Leo. Er nahm sein Detektor wieder und legte es sich, wie ein Armbanduhr auf den Arm.
    Das war die verrückteste Idee die ich je gehört hatte.
    Aber hatte ich eine Wahl?
    Eigentlich wäre ich tot.
    Langsam nickte ich. „ Warum vertraue ich euch?“, fragte ich eher zu mir selbst und merkte gar nicht dass ich es laut ausgesprochen hatte.
    „ Weil wir deine einzige Chance zum Leben sind“, erwiderte Marcus.
    „ Wir gehen morgen früh los“, bestimmte Leo und machte meine Fesseln los. „ Vor allem, würde ich dir empfehlen nicht wegzurennen. Zum Überleben hättest du keine Chance, niemand kennt dich“, riet mir Yuna.
    Also ließ ich es sein nur ein Gedanken an eine Flucht zu machen.
    Ich stand auf und klopfte meine Arme langsam ab.
    Ich konnte nicht fassen was ich da gerade mache, oder machen würde.
    Das war mehr als verrückt. Die Idee.
    Mein Leben war verrückt.
    Eigentlich wäre ich tot!
    „ Ich kann verstehen wie du dich fühlst“, sagte Yuna. Ich schaute sie an.
    Yuna klopfte mir auf die Schulter und meinte: „ Man merkt dir deine Anspannung an, versuche dich zu entspannen.“
    Und wie?
    Ich sagte nichts und atmete tief durch, brachte nichts. Trotzdem tat ich so als ob es mir besser ginge.
    „ Wer seid ihr?“, fragte ich. Ich war unfähig mich zu bewegen, deshalb zog mich Yuna zu der Tür und Leo öffnete sie.
    „ Zeitbrecher“, sagte Phil. „ Zeit-was?“, fragend schaute ich in die Runde und trat durch die offene Tür, die in einen Flur führte.
    „ Zeitbrecher, wir sind unbekannte Kriminelle“, meinte Marcus.
    Ich bin also bei Verbrechern.
    Bei Verbrechern!
    „ Du spannst dich wieder an!“, erinnerte mich Yuna, so als ob ich mich entspannen sollte.
    „ Ich bin bei Verbrechern! Darf ich mich nicht anspannen?“, fuhr ich sie an und biss mir auf die Lippe und zog mein Kopf ein.
    Hätte ich nicht sagen sollen.
    „ Wir sind nicht SOLCHE Verbrecher. Wir sind gegen das System, Freiheitsberaubend… und so. Ich denke du hast die gleichen Gründe wie wir das System zu stürzen“, sagte Leo und lief ganz vorne voran. „ Wir haben unsere Daten gelöscht, wir sind für die Regierung unsichtbar. Nicht wortwörtlich, aber die Regierung kennt unsere Daten nicht. Cool, was?“, lachte Phil.
    Ich schluckte einen Kloß runter. Mir war gar nicht zu Lachen zumute.
    „ Das System zu stürzen, war eine gute Idee. Wir sind nicht darauf gekommen, weil wir es uns verboten hatten daran zu denken. Unsere Welt, wäre ganz anders. Wir würden nicht wissen was auf uns zukommen würde“, fing Marcus an zu erzählen, „ Aber ich bin aus Lust und Laune in die Zukunft gereist und dann habe ich gesehen, wie du das System zerstört hast. Da wusste ich, dass es keinen Sinn gab länger zu zögern. Du wirst das System stürzen, wir wollen dir helfen.“
    Ich hatte Angst, was würde passieren wenn das System zerstört war? Wie würde die Welt danach aussehen?
    Ich riss mich zusammen und dachte nicht daran. Ich muss einfach nur das System stürzen, für eine Demokratie. Für ein besseres Leben.
    „ Und eure Familien?“, wollte ich wissen.
    „ Na ja…wir alle sind Freunde. Auch als wir Klein waren und wir haben herausgefunden das wir alle gegen das System sind. Als Leo und Phil 20 waren sind sie geflohen. Natürlich lebten sie schon alleine, aber trotzdem sind sie geflohen. Sie haben ihre Daten gelöscht -sie sind super-Hacker- und als sie wieder gehen wollten sind sie Yuna und mir begegnet. Als sie uns von ihrer Idee erzählt hatten sind wir gleich mitgekommen. Haben unsere Daten gelöscht und sind dann in den Wald. Frag mich nicht wie, aber wir haben unterirdische Katakomben von dem ersten oder zweiten Weltkrieg gefunden –sehr Antike, aber irgendwie bricht alles nicht zusammen-“, erklärte Marcus, „ Wir haben einen Schalldichter mitgenommen und hier überall angebracht.“ Die schwarzen Kästen an den Wänden, die ich immer wieder sehe. „ Niemand, kann uns hören“, fügte Phil grinsend hinzu.
    Der Flur wurde von Fackeln beleuchtet und Yunas blasse Haut wirkte rot unter dem Licht.
    „ Und morgen früh gehen wir in meine Vergangenheit. Ihr“, ich zeigte auf Leo und Phil, „ beschützt meine „Vergangenheits-Vision“ und Marcus, Yuna und ich gehen zu dem System und löschen alle Daten der Zeitfabrik und des Systems?“
    „ Genau“
    Wir gehen ganz zum Anfang. Zu meinem Anfang.
    Die Regierung hätte von Anfang an mich beseitigen sollen, dann wäre das nicht passiert, zumindest glaubte ich dass die Regierung das denken würde.
    „ Wenn die Daten der Zeitfabrik gelöscht wären, könnten sie keine Zeitreisen ermöglichen und das System wäre nie erbaut worden“, fasste ich zusammen.
    „ Ja“, erwiderte Leo. „ Los!“, sagte ich und schaute Leo erwartungsvoll an.
    „ Was?“, fragte er.
    „ Mach ein Zeitportal!“
    „ Warum?“
    „ Ich lösche die Daten!“
    „ Jetzt?“
    „ Wann dann?“
    „ Morgen“
    „ Nein, jetzt. Umso früher umso besser!“
    „ Du bist noch nicht bereit, du musst dich ausruhen“, erklärte Leo leise. „Weil einer von euch mir eine Kopfnuss verpasst hat und ich jetzt eine verkrustete Wunde am Kopf habe, heißt das nicht, das ich jetzt Stunden lang verarztet werden musst!“, protestierte ich und blieb stehen. „ Du bist nicht vorbereitet!“, versuchte Marcus mir zu erklären. „ Es ist doch einfach, ich gehe zur Zeitfabrik, lösche die Daten die in dem Kontrollraum gelagert sind und schon ist das System Geschichte“, erklärte ich. Ich war schon einmal in der Zeitfabrik, kurz vor bevor ich in meine eigene Wohnung eingezogen war. In der Zukunft würde ich dort zwar nicht arbeiten, aber ich würde ab und zu hingehen und schauen ob alles funktioniert.
    „ Stimmt“, murmelte Yuna und schaute Leo an, „ Sie hat Recht.“
    „ Yuna! Ist dir eigentlich die Gefahr klar?“, fragte Leo wütend.
    „ Aber…aber Leo, Marcus und ich sind da um Cassandra zu beschützen. Ihr wird nichts passieren!“, versicherte Yuna, Marcus nickte zustimmend.
    Leo war wohl der Anführer. Er atmete tief ein, seine Nasenflügel bebten.
    „ Morgen, Cassandra muss sich ausruhen“, seine Stimme war fest und geduldete kein Widerstand.
    „ Heute Nacht“, war Phils gegen Angebot.
    „ Ja, heute Nacht“, zustimmend nickte Yuna und Marcus.
    „Na gut“, ergeben lief Leo weiter, wir folgten ihm.
    Bis er vor einer Tür stehen blieb. Leo öffnete sie und ich konnte nichts ausmachen.
    Es war zu dunkel.
    Marcus nahm eine Fackel und hielt sie ins Zimmer. Das Zimmer wurde schwach rot und gelb beleuchtet und ich konnten zwei Betten ausmachen. Nur zwei Betten die gegenüber an Wänden standen. Das Zimmer war klein.
    Ich sah ein Schrank und die Schranktüren hingen fast aus dem Gerüst. In dem Schrank stapelten sich leere Regale, aber auch wenige Kleiderstücke befanden sich darin.
    „ Das Zimmer teilst du mit Yuna“, erklärte Leo, Marcus steckte die Fackeln in eine Halterung in unserem Zimmer, an die Wand.
    „ Im Schrank sind Klamotten du kannst dir welche aussuchen. Keine Sorge die gehören mir nicht“, fügte Yuna hinzu, „ Solche Klamotten trage ich nicht.“
    Erst jetzt sehe ich das Yuna ein japanischen Kimono anhat. Die Farbe: Blau.
    Ich gehe zum Schrank und ziehe vorsichtig ein paar Kleidungsstücke raus.
    Eine enge blaue Jeans, sie war unabsichtlich zerrissen. Eine blaue Sweatshirt-Jacke. Auf einem der Betten sah ich eine schwarze lange, breite Hose. „ Du würdest eher längere Sachen anziehen?“, riet ich.
    „ Ja“, Yuna nickte.
    „ Zieh dich um, such‘ dir einfach irgendwas aus“, sagte Phil.
    „ Ich klopfe später an, dann kannst du was essen“, sagte Yuna, „ Wenn du duschen willst, muss ich dich enttäuschen, wir müssen dazu einen 1 Kilometer langen Fußmarsch zum nächsten See machen.“
    „ Okay, schon gut“
    „ Okay, dann bis später“, Leo schloss die Tür und ich hörte, wie die Leute vor der Tür gingen.
    Ich setzte mich auf das Bett, auf dem keine Kleidung lag. Ich massierte mir die Schläfen und achtete auf mein Atem, schön, gleichmäßig.
    Es ist verrückt!
    Einfach verrückt!
    Wie oft soll ich das noch sagen?
    Ich mache einfach so mit. Ich werde einfach so das System zerstören, ohne zu wissen was danach passiert, wer danach noch existiert.
    Ein langer Atemzug entwich mir und ich stand auf und suchte mir aus dem Schrank eine Hose aus, die nicht ganz zerrissen war.
    Eine Bessere fand ich nicht. Ich glaubte Yuna, Marcus, Phil und Leo hatten Kleidung und Essen gefunden. Vielleicht baut einer von ihnen über der Erde Ernte an.
    Ich zog mir die Hose an und darüber ein Lila Pulli. Ich suchte in dem Schrank ein Haargummi, Yuna hatte ihre Haare doch zusammengebunden.
    Irgendwann, irgendwo fand ich eins. Genau da klopfte die Tür.
    „ Herein“, rief ich und band mir währenddessen die Haare in ein Zopf.
    Die Tür öffnete sich langsam und ich sah wie Yuna hinein lugte. „ Ha, du hast unsere Kleiderabteilung aber ganz schön unter die Lupe genommen“, lachte sie und deutete zu dem Kleiderhaufen den ich gemacht hatte. Ich zuckte mit den Schultern und lachte leicht mit.
    „ Keine Sorge“, meinte Yuna und hörte auf zu lachen. Sie lief langsam in das Zimmer und ließ sich auf ihr Bett nieder.
    „ Was?“, fragte ich und setzte sich mich auf mein Bett, ihr gegenüber.
    „ Dir wird schon nichts passieren, Leo ist der beste Anführer, Phil ist ein super Schütze, Marcus lässt keinen zurück und ich bin die beste Kämpferin. Du brauchst keine Angst zu haben“, erklärte Yuna.
    „ Ich hab doch gar nicht gesagt, dass ich Angst habe“, sagte ich verwundert, weil ich wirklich Angst hatte.
    Ich meine, in die Vergangenheit Reisen, das Zeitreisen zerstören ohne zu wissen wie die Zukunft dann aussehen wird.
    „ Deine Körpersprache verrät einiges“, meinte Yuna.
    „ Körpersprache?“
    „ Ja. Ich kann sie beherrschen und ich weiß wann jemand lügt“
    „ Zeig mal“, bat ich sie.
    „ Beispiel, du versteckst dein Hals“, erklärte Yuna.
    Ich hob fragend eine Augenbraue. „ Okay?“
    Yuna schloss die Augen und schüttelte schmunzelnd den Kopf: „ Der Säbelzahn Tiger hat früher am liebsten hier her gebissen.“ Yuna zeigt zu ihrem Hals.
    „ Und deshalb hat man den Hals versteckt?“
    „ Genau“, Yuna nickt wie eine Lehrerin das ihrer Schülerin endlich das 1 Mal 1 beigebracht hatte.
    Tatsächlich hatte ich mein Hals eingezogen.
    „ Krass, woher kannst du das?“, wollte ich wissen.
    „ Meine Eltern hatten mir sehr viel beigebracht“, erwiderte sie lächelnd.
    „ Hast du Geschwister?“, fragte ich sie und ich hatte das Gefühl sie sich wie bei einem Verhör vor, ich frage sie aus, Yuna muss die Antworten geben.
    „ Ja…2 kleine Zwillinge“, murmelte sie, „ Und du?“ Yuna verzog das Gesicht, so als ob sie ihre Familie vermissen würde. Kann ich ihr nicht verübeln. Auch ich vermisse meine Familie.
    „ Nein, stolzes Einzelkind“, es sollte wie ein Witz klingen doch Yuna lachte nicht.
    „ Sag Mal, ist das euer Jahr…ich meine seid ihr in eurem richtigen Jahrgang und nicht in der Zukunft?“, fragte ich sie.
    Yuna nickte leicht: „ Ja, du allerdings…bist in der Zukunft.“
    Stöhnend stand ich auf und nickte. „ Ich hab Hunger, habt ihr…hier Essen?“, dumme Frage und ich schäme mich dafür.
    „ Ja, ich baue oben auf der Erde ein Salatfeld an“, sie zeigte zur Decke. Da lag ich mit meiner Vermutung richtig. „ Und die Kleider?“, fragte ich und schaute zu dem Kleiderhaufen.
    Yuna stand auf und erwiderte: „ Hab die mitgenommen. Als Leo und Phil Marcus und mich abgefangen hatten bin ich gerade vom Shoppen zurückgekommen. Und ja, ich hatte auch Jeans und so getragen. Jetzt sind die lockeren, breiten Hosen einfach gemütlicher. Für die Jungs aber…mussten wir uns ein paar Kleider…borgen.“
    „ Ihr seid in Häuser eingebrochen und habt einfach Kleidung mitgenommen, wahrscheinlich auch Essen und so nötiges Zeug?“, fragte ich staunend.
    „ Äh…ja“, Yuna räusperte sich, „ Nicht besonders professionell aber es geht.“
    „ Und woher habt ihr das Gespräch mit dem Präsidenten und dem Soldaten?“
    „ Leo und Phil sind super Hacker“, erwiderte Yuna und öffnete die Tür.
    Ich folgte ihr und wir liefen aus dem Zimmer, den Flur entlang der rotes und gelbes Licht vom Feuer warf.
    Wir liefen den Flur entlang bis wir vor einer großen Halle standen.
    Er war leer, nur einzelne Tische standen in der Halle. Mehr nicht. Vielleicht waren noch ein paar Fackeln an den Wänden, aber sonst war es sehr staubig.
    „ Mehr seid ihr nicht?“
    „ Nein“, erwiderte Marcus auf meine Frage der schon an einem Tisch saß.
    Yuna lief zu ihm und setzte sich hin. „ Setz dich“, meinte Marcus zu mir und ich setzte mich langsam zu ihnen.
    „ Wo sind Leo und Phil?“, wollte Yuna wissen. „ Leo bestimmt die Koordinaten deines Geburtsorts und Phil die der Zeitfabrik“, erwiderte Marcus.
    „ Müssen die denn nicht Essen und sich ausruhen?“, fragte Yuna und schaute auf ihr Detektor. Alle hatten noch ihre Detektoren gehabt und auch hatte ihn noch und er funktionierte!
    „ Wir wollen um…20:00 Uhr los. Wir landen dann um…14:00 Uhr bei deinem Geburtsort“, Marcus schaute auf seinen Detektor, danach wieder zu uns.
    „ Drei Stunden dann ist es soweit. Ich gehe dann mal schlafen“, meinte Yuna und stand wieder auf, sie verließ mit zügigen Schritten die Halle.
    Als Marcus und ich alleine waren, war es leise und schweigsam, unerträglich.
    „ Wie hast du mich genau gefunden?“, fragte ich ihn nach einer Weile.
    „ Also…“, Marcus schaute mich an, „ mir war langweilig, also bin ich mal aus Lust und Laune in den Zeiten herum gereist. Mal in die Vergangenheit. Gesehen wie die Zeitfabrik erbaut wurde und so das System. Mal in die Zukunft und dann habe ich gesehen wie du die Daten gelöscht hast. Du hast das System zerstört!“
    Verblüfft starrte er mich an.
    Ich zuckte mit den Schultern. „ Ich kann es selbst nicht fassen“
    „ Verstehe ich“, Marcus stand auf und ich schaute zu wie er zu einem Tresen lief das in der Dunkelheit verborgen war. Diesen Tresen hatte ich gar nicht gesehen.
    Anschließend kam er zurück und hielt mir belegtes Brot hin.
    Essensausgabe: Tresen.
    „ Äh, danke“, sagte ich und nahm das Brot entgegen.
    „ Ich erzähl dir den Plan, okay?“, Marcus‘ Aussage war keine Frage, auch wenn das so klang.
    Ich biss in mein Brot und nickte.
    „ Heute in, 3 Stunden, gehen wir durch ein Zeitportal ins Jahr 2100 zum Tag deiner Geburt. Wir werden in dem Krankenhaus landen. Leo und Phil werden deine jüngere Vision beschützen und wir -Yuna, du und ich- werden noch mal 5 Minuten in die Vergangenheit reisen und wir werden dann in dem Kontrollraum in der Zeitfabrik landen. Du musst uns genau erklären wo der Kontrollraum ist damit wir auch genau in dem Kotrollraumlanden. Du wirst, wie in der Zukunftsvorhersage, die Daten löschen und dann…wird alles anders aussehen. Keine Zeitreisen, kein System…keine Vorhersagen“, Marcus schaute nun auf den Tisch.
    Es war so als ob er Angst hätte. Er hatte sein Hals nicht versteckt, aber seine Augen verrieten mir eines. Angst.
    Ich hatte keine Ahnung was ich tun sollte, schließlich war ich ja der Grund für das Ende der Zeitreisen und auch für die Vorhersagen.
    Stattdessen blickte ich auf mein Detektor und öffnete darauf ein Plan der Zeitfabrik und zeigte Marcus den Ort des Kontrollraums. Marcus machte daraufhin ein Foto und sagte er würde zu Leo und Phil gehen und ihnen das Bild zeigen. (Danach hatte ich ihm noch mein genaues Geburtsdatum und Geburtsuhrzeit gegeben)
    „ Du kannst dir noch was zu essen machen, auf dem Tresen steht Essen“, er deutete zum Tresen. Mein Brot das ich fertig gegessen (gewürgt –es war lecker doch der Gedanke an das was passieren würde…-) hatte war nicht besonders groß gewesen, aber trotzdem wollte ich nicht noch was Essen.
    Als Marcus vor dem Ausgang der Halle stand drehte er sich noch einmal um und meinte: „ Besser du gehst schlafen. So tief in die Vergangenheit zu reisen kostet mehr Kraft als du denkst.“
    Dann war er gegangen.
    Und ich hatte zum Glück den Weg zu meinem Zimmer merken können und bin in Yunas und mein Zimmer geschlüpft.
    Ich legte mich in das Bett, spürte die harte Matratze. Wälzte mich und schloss meine Augen.
    Ich öffnete meine Augen wieder und prüfte meinen Wecker, bei meinem Detektor, ob ich ihn richtig gestellt hatte. 1 Stunde Schlaf.
    Dann schloss ich wieder die Augen.
    Die Zeitbrecher waren gar nicht so schlimm wie ich dachte, sie waren nett.
    Aber bald würde es die Zeitbrecher gar nicht mehr geben, bald würde die Welt die ich kannte gar nicht mehr geben.
    Bald wäre alles anders.















    5
    Jahr 2115

    Ein sanftes Klingeln.
    Ich öffnete meine Augen.
    Ich lag in meinem Bett in den Katakomben.
    Es war 18: Uhr.
    Ich setzte mich auf und sah das Yuna auf ihrem Bett meditierte.
    Stören wollte ich sie nicht also stand ich auf und nahm mein Detektor, das auf dem Boden neben meinem Bett lag. Ich legte es auf mein Handgelenk und überprüfte die Batterie. Sie war voll, wie immer.
    Unsere Detektoren waren immer mit dem Time-Netzwerk verbunden.
    Wenn unsere Detektoren leer waren, wird die Batterie wieder zurückgestellt und ist wieder voll. (Kompliziert, ich weiß)
    Ich band mein Haar wieder in einen ordentlichen Pferdeschwanz.
    Auf einmal klopfte es.
    Langsam setzte ich mich in Bewegung und öffnete die Tür.
    „ Kommt ihr?“, wollte Marcus wissen und schaute zu Yuna die gerade fertig mit ihrer Meditation war.
    Yuna nickte und zwängte sich durch die Tür an mir vorbei.
    Sie lief schon los, Marcus wartete auf mich.
    „ Was machen wir jetzt?“, fragte ich unsicher. Mein Magen zog sich zusammen und ich gab mir Mühe nicht mein Brot raus zu würgen, welches ich gegessen hatte.
    „ Leo, erzählt Phil und Yuna den Plan. Den ich dir schon gesagt habe“, erwiderte Marcus. „ Warum hat Leo erst dir etwas von dem Plan erzählt“, fragte ich ihn und trat aus dem Zimmer.
    Marcus lief schon los und ich folgte ihm.
    „ Es war Zufall, ich hatte vorbei geschaut wie er den Plan…vorbereitete, dann hab ich ihm geholfen“, erwiderte Marcus.
    Wir liefen in die Mensa. „ Und dann hast du es mir erzählt“, beendete ich seinen Satz.
    „ Ja, ich denke du müsstest darüber schlafen, statt kurz vor dem… „ Ereignis“ den Plan zu hören“, meinte Marcus.
    In der Mensa sah ich Yuna, Phil und Leo an einem Tisch sitzen die miteinander redeten.
    Schweigend setzten Marcus und ich uns hin.
    „ So sieht der Plan aus“, beendete Leo seine…(Ich nenne es mal: ) „ Präsentation“.
    Yuna nickte, Phil murmelte ein O.K.

    Die restlichen 2 Stunden verbrachen wir mit aufwärmen und vorbereiten.
    Aufwärmen: Alle hatten sich in der Mensa versammelt und trieben Sport.
    Vorbereiten: Alle packten ihre Rucksäcke mit Lebensmittel und Betäubungsgeräten. „ Wir töten nicht“, meinte Leo. Auch ich bekam ein Rucksack.
    Jeder überprüfte, ob sein Detektor funktionierte.
    Und…
    …dann war es soweit.

    Wir alle standen in der Mensa und schauten uns an. Ich atmete rasselnd die Luft ein. Leo nickte nach einer Weile und erschuf ein Zeitportal mit seinem Detektor.
    Das Portal war rund, leuchtete Blau und kleine Elektro-Blitze blitzen, sie waren nicht gefährlich.
    „ 14. April 2100. 14:00Uhr?“, ging Leo noch einmal sicher während er das Datum in sein Detektor eintippte. „ Ja“, ich nickte.
    „ Okay, dann…los in“, fing Phil an.
    Alle machten sich bereit, so als ob sie ein 50-Meter Lauf antreten werden.
    Alle außer mir. Ich?
    Ich schaute mit ängstlichem Gesichtsausdruck die Anderen an.
    Bis Marcus mich an der Hand packte und leicht rüttelte. Dann fing ich mich und machte Marcus oder Leo oder Yuna oder Phil nach.
    „ 3“, fing Yuna an.
    „ 2“, machte Marcus weiter.
    „ 1“, das war Leo.
    Alle Blicke ruhten auf mir. Mein Einsatz?
    Mein Körper spannte sich an und ich sagte: „ Los.“
    Und dann rannten wir alle in den Zeitportal.
    Kaum war ich durch, landete ich auch schon vor einem Krankenzimmer.
    Wir alle waren auf dem sauberen, weißen Flurboden gefallen.
    Stöhnend setzte ich mich auf und schaute mich um.
    Ich sah eine weiße Tür vor mir, aus dem Zimmer kamen glucksende Geräusche, wahrscheinlich war das ein Baby.
    Der Flur war hell beleuchtet, vor manchen Zimmern stand eine Bank auf der Leute saßen und uns erschrocken anschauten.
    Wahrscheinlich waren diese Leute Besucher. Und sie waren gerade Zeugen von dem was hier gerade passierte.
    „ Wer sind sie?“, kreischte eine Krankenschwester. Sie stand vor mir und zeigte mit dem Finger auf mich. Ihre blonden Haare waren in einem Dutt zusammengeknotet.
    Langsam erhoben Leo und die Anderen sich. Auch ich beeilte mich aufzustehen.
    Leo, Phil, Yuna und Marcus machten einen richtig coolen Eindruck, wie sie heldenhaft dastanden und ernst guckten, während ich abseits und sprachlos dastehe.
    Ja, wir haben die Vergangenheit verändert, aber was soll’s. Unsere Zukunft wäre bestimmt ganz anders, nachdem ich alle Daten gelöscht hatte.
    Phil stieß die Tür in ein Krankenzimmer auf, aus dem die Geräusche eines Babys kamen. Leo ging nicht auf die Frage der Schwester ein und schaute sich um.
    Aus dem Krankenzimmer kam eine Krankenschwester herausgerannt und stoppte als sie uns sah. Sie hatte schwarze Haare.
    Ich sah wie Besucher auf ihren Detektoren etwas eintippten.
    „ Lassen sie das lieber“, warnte Marcus die Besucher, doch niemand hörte auf ihn. Bis er eine Waffe zückte, eine Waffe die nur betäubte. Nicht tötete.
    Die Besucher stockten und hörten auf, auf ihren Detektoren rum zu tippen.
    Auf einmal dröhnte ein Alarm über das gesamte Krankenhaus, plötzlich wurde vor allen Türen und Fenstern ein dickes, metallenes, schweres Tor herunter gefahren.
    Das Krankenhaus wurde rot beleuchtet, der Alarm tat in den Ohren Weh.
    Es war so als ob du gegen eine verschlossene Tür trittst, so oft. So stark und die Tür würde bald nachlassen.
    Meine Ohren taten Weh. Ich presste meine Hände darauf, das Baby im Krankenzimmer schrie.
    Auf einmal sah ich wie an beiden Flurenden Wachen auf uns zu rannten.
    Zeitsoldaten.
    Sie waren komplett in schwarzer Kleidung, nicht mal ihr Gesicht sah man.
    Ihre Waffe lag in beiden Händen bereit.
    Sie würden schießen.
    Leo blickte sich panisch um.
    Schließlich war ich in der Gefahrenzone.
    Ich sollte schon längst in der Zeitfabrik sein.
    Und jetzt…
    Wir waren zu langsam.
    Ich muss selber…
    …das ist die einzige Chance, sonst ist alles verloren.
    Ich schaute zu dem Krankenzimmer wo die Babygeräusche kamen, das Tor war fast ganz unten.
    Ich schnappte nach Luft, duckte mich, rollte mich unter dem Tor ab bis es ganz unten war.
    Keine Frage, ich bin Leichtsinnig.
    Soll ich jetzt alles alleine machen?
    Warum bin ich nicht bei den anderen geblieben?
    Die Krankenschwester mit den schwarzen Haaren war in das Krankzimmer zurückgerannt, deshalb ist sie jetzt hier.
    „ Wer sind sie?“, fragte sie und hatte vor sich ein Stuhl gezogen.
    Ich stand auf und schaute mich um. Das ganze Zimmer war rot beleuchtet, die Fenster und Türen (es gab eigentlich nur 2 Türen, eine führte ins Nebenzimmer, eine in den Flur) waren vom Tor verschlossen. Ich konnte ein Krankenbett erkennen, ein paar Schränke. Ein Tisch und 2 Stühle. Neben dem Bett war ebenfalls ein Stuhl auf der sich ein Mann niedergelassen hatte. Im Bett saß eine Frau und in ihren Armen lag ein Baby.
    Ich versteinerte mich und schaute das Baby an.
    Kleine Augen, grau-blaue Augen, kleine Nase…
    Das bin ich.
    Das bin…ich.
    Und die zwei Erwachsenen (die Frau (nicht die Krankenschwester) und der Mann) waren meine Eltern.
    Das Baby schrie.
    „ Wer sind sie?“, schrie die Krankenschwester.
    Der Mann, mein Vater, war aufgestanden und hielt eine Hand vor das Baby (ich) und der Frau (meine Mutter).
    Alle wirkten verängstigt, ich hörte hinter dem Stahltor Rufe, Kreischen, Schritte, Schüsse? Aber ich hörte nicht wie jemand auf den Boden sackte. Das war Gut.
    Von außen klopfte jemand an das Tor. „ Cassandra?“, rief jemand rein. Besorgt, hektisch, panisch.
    „ Wir werden in die Zeit-“
    „ Nein, versucht zu überleben und das Baby zu beschützen! Ich mache das alleine!“, unterbrach ich Marcus und schaute in die Augen meiner Eltern die mich erschrocken anstarrten.
    „ Was?“, Marcus.
    Wenn die anderen in die Zeit zurück reisen, wäre alles ganz anders.
    Vielleicht würde sich so eine Gelegenheit nie wieder ermöglichen.
    Jetzt ist die beste Gelegenheit. Ich muss es selber machen.
    Alleine.
    „ Cassandra! Wir werden alles in Ordnung-“
    „ Nein!“, unterbrach ich ihn abermals.
    Es wurde von außen auf das Tor gehämmert.
    Dann hörte es auf und jemand wurde von außen gegen das Tor geschmissen.
    Erschrocken blinzelte ich und blickte auf mein Detektor.
    Schnell stellte ich die Zeit ein, 5- 10 Minuten bevor das alles losgeht.
    Dann bestimmte ich die Koordinaten des Kontrollraums, ich hatte den Plan der Zeitfabrik.
    Als ich die Koordinaten eingab wurde ich plötzlich an die Wand geschubst. Mein Vater schaute mich an. „ Wer bist du?“, fragte er. Auch die Krankenschwester stellte sich vor mich auf. Ihr Blick war aber alles anderes als mutig. Was natürlich völlig in Ordnung war.
    Sie schaute ängstlich drein.
    Mein Vater hatte Abstand zu mir, so konnte ich mich schnell umdrehen, hinter mir ein Zeitportal erschaffen. Mein Vater ging ungläubig Schritte zurück, wie die Schwester. Meine Mutter hielt dem Baby die Augen zu.
    Ich glaubte, alle waren zu erschrocken statt in die Zukunft zu reisen und zu schauen wie die Welt aussehen würde, nach unserem… „Angriff?“
    Ich biss mir auf die Lippen und hoffte Marcus würde auf mich hören. Dann sprang ich in das Zeitportal und landete unsanft im Kontrollraum.

    Marcus hatte Recht gehabt, ein Zeitsprung kostete viel Kraft, zehn Minuten waren nicht schlimm. Aber 15 Jahre und 10 Minuten…zitternd erhob ich mich und presste die Augen zusammen.
    Erst jetzt bemerkte ich dass eine Person in diesem Raum war.
    Ich schaute auf, ein Mann. Mit erhobener Waffe starrte er mich an.
    Ich hob meine Hände und stand langsam auf.
    „ Alles in Ordnung, ich tue ihnen nichts. Legen sie die Waffe weg“, bat ich ihn.
    „ Aus welcher Zeit bist du?“, fragte er stattdessen und legte die Waffe nicht weg.
    Mit einem Zeitportal kann man nur in die Vergangenheit oder in die Zukunft reisen, aber nicht wie ein Portal nutzen. Also ist seine Frage berechtigt.
    „ Ich…bin von der Zukunft“, sagte ich. „ Was willst du hier?“, der Mann richtete die Waffe auf meine Stirn und mir wurde heißt, als ich die Waffe ins Gesicht sah.
    Ich schaute mich um. Der Kontrollraum war nicht groß. Klein.
    Zwei Wände waren kürzer als die anderen.
    An den längeren Wänden war eine mit vielen Geräte und Computer ausgestattet. Tische, bedeckt von technischen Geräten und ich sah den Computer an dem ich die Daten löschen muss.
    Auf der anderen langen Wand waren eine große Scheibe und eine Tür. Als ich aus der Scheibe blickte, sah ich ein Gelände. Hinter dem Gelände eine große Halle. Ausgestattet mit technischen Geräten und großen Tanken. In den Tanken befand sich die benötigte Energie, die man für das Zeitreisen braucht.
    Ich sah auch einige Leute die in der Halle arbeiteten.
    „ Blick zu mir“, die tiefe Stimme des Mannes war wie ein Bass in meiner Brust.
    Ich schaute wieder zu ihm, der Kontrollraum war grün beleuchtet.
    Ich griff zu meinem Betäubungsgerät an meinem Gürtel und zog sie raus.
    Bevor der Mann schießen konnte betäubte ich ihn.
    Das Betäubungsgerät sah aus wie eine Pistole und funktionierte auch wie eine, nur das sie nicht tötete.
    Ich schnappte nach Luft und sah wie der Mann umfiel, seine Augen waren offen.
    Ich kniete mich zu ihm und tastete sein Handgelenk ab und spürte sein Puls.
    Er lebte noch.
    Ich atmete erleichtert aus und stand schnell auf, niemand müsste uns bemerkt haben, denn der Kontrollraum war mit einem Schalldichter ausgestattet.
    Zum Glück. Aber warum, keine Ahnung.
    Ich raste zum Computer und fing an zu tippen.
    Zum Glück hatte ich in der Schule diesen ganzen Computer Zeug gelernt.
    Meine Finger rasten über die Tastaturen bis ich schließlich auf dem Display viele Zahlen, Symbole, Buchstaben und so sah.
    Der Hintergrund war schwarz, die Zahlen, Buchstaben, Symbole usw. waren grün.
    Wie bei einem Hacker.
    Ich markierte alles.
    Dann schaute ich zu der Tastatur. Unser System beruhte auf diesen Symbolen und so.
    Da ich in der Vergangenheit war, war das Sicherheitssystem nicht so gut. Durch ein paar Passwörter musste ich doch durchkommen.
    Sie waren aber leicht, da der Mann der auf dem Boden lag in seiner Jackentasche ein Zettel mit allen Passwörter hat, damit er wohl keine vergisst.
    Das zerknitterte Papier mit den Passwörtern lag neben der Tastatur.
    Ich nahm es und zerriss es, dann atmete ich tief durch.
    Ich durfte keine Zeit verlieren.
    Atmete tief durch und löschte die ganze Datei.
    Zerstörte das ganze System.
    Ich dachte an alles was es nie wieder geben würde. Das System war zerstört. Das Zeitreisen war zerstört.
    Ich wusste nicht wie die Welt aussehen würde.
    Aber meine Augen fielen zu, das letzte was ich spürte war der kalte Boden unter mir.








    6
    Epilog

    „ Ich hol mir kurz was beim Getränkeautomaten“, gab ich kurz Elli, meine beste Freundin, bescheid. „ Klar“, sie lachte, „ Orangensaft ist nicht deins, oder Cassandra?“
    „ Nope“, ich lachte und schüttelte den Kopf. Das nächste Mal muss mir meine Mutter ein anderes Getränk geben, oder ich nehme mir eben ein Getränk das mir schmeckt.
    Geradeeben hatte ich ein Deutschaufsatz hinter mir. Mein Kopf rauchte immer noch.
    Schule.
    Gerade war Pause und ich quetschte mich durch die ganze Schülermenge zu dem Getränkeautomat.
    Auf halbem Weg rempelte mich ein Mädchen an.
    „ Oh, sorry“, sie nickte entschuldigend und ihre roten Haare wirbelten dadurch herum. „ Nicht schlimm“, sagte ich, sie war in meiner Parallelklasse und hieß Yuna.
    Auf meiner Schule waren auch Studenten. Deshalb gehörte ich eher zu den kleineren statt zu den Älteren.
    Auf meinem Weg begegnete ich Leo und Phil, beide waren mit mir im Tennis-Verein.
    Leo war ganz nett, Phil war nur nervig.
    Beide waren aber gerade mit sich beschäftigt, deshalb lief ich ohne Wort an die Beiden vorbei.
    Beim Getränkeautomat holte ich mir eine Flasche Mineralwasser und wollte gerade weiterlaufen bis ich jemand im Schatten des Automaten bemerkte.
    Schwarze Haare, grüne Augen. Das war irgendwie das einzige dass ich erkennen konnte.
    Aber die Sonne war hinter den Wolken versteckt und die ganze Stadt war von Regen und Tropfen geprägt.
    Um mich herum waren keine Schüler, die meisten Schüler hielten sich auf dem Hauptplatz der Schule auf, statt beim Getränkeautomaten der um die Ecke war.
    Als die Person aus dem Schatten hervortrat sah ich einen Jungen den ich hier noch nie gesehen habe.
    Wahrscheinlich neu hierher gezogen.
    Aber er kam mir so bekannt vor.
    „ Scheinst dich nicht zu erinnern“, der Junge grinste und hielt mir seine Hand hin. Fragend schaute ich ihn an.
    „ Dann müssen wir uns eben kennenlernen“, sagte er.
    Ich nahm seine Hand an und schüttelte sie. „ Wer bist du?“, fragte ich.
    „ Weißt du wer du bist?“, stellte er eine gegen Frage.
    „ Ja, natürlich!“, lachte ich, „ Ich bin…“ Kurz überlegte ich, ob ich wirklich meinen Namen sagen sollte, wer ist das überhaupt?
    Aber er war in meinem Alter, bestimmt nur neu auf dieser Schule.
    Aber was meinte er mit…erinnern?
    „ … Cassandra“, beendete er meinen Satz.
    „ Woher weißt du das?“, fragte ich erschrocken.
    Er schmunzelte: „ Ich kann mich erinnern. Ich bin-“
    Als er dies sagte versteinerte ich.
    Ich kannte ihn irgendwoher.
    Langsam hatte ich das Gefühl es zu wissen.
    Dann wieder nicht.
    Und dann…
    …fielen die ganzen Erinnerungen in mein Kopf.
    Ich erinnerte mich.
    Langsam schaute ich den Jungen an und hauchte: „ Marcus!“


    7
    Info:

    Folgende Informationen zur Körpersprache auf YouTube von diesem Video übernommen: https://youtu.be/fxseyEKckCk

    Inspiriert von dem Buch: Left to Fate von Gloria Trutnau

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