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Fliederpfotes Verrat

Diese Geschichte ist eigentlich für den Schreibwettbewerb von Silbersturm, doch ich denke, diese Geschichte hat eine besondere Message an alle Leser! Ich wünsche euch viel Vergnügen beim lesen!

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    ((big))Hirarchie des Wiesenclans:((ebig)) ((bold))Anführer:((ebold)) Tulpenstern - schildpattfarbene Kätzin mit grünen Augen ((bold))Zweiter Anfüh
    Hirarchie des Wiesenclans:

    Anführer: Tulpenstern - schildpattfarbene Kätzin mit grünen Augen

    Zweiter Anführer:
    Gingkoglanz - gelber Kater mit blassgrünen Augen

    Heiler: Thymianwirbel - blinde, braun getigerte Kätzin mit blauen Augen, Mentorin von Holunderpfote - cremefarbene Kätzin mit gelben Augen

    Krieger:
    Silberblüte - große, silbern getigerte Kätzin mit grünen Augen, Mentorin von Blattpfote
    Lilienschweif - kleine, graue Kätzin mit bernsteinfarbenen Augen
    Sonnenblumenfleck - gelb-braun getigerter Kater, Mentor von Fliederpfote
    Margeritensturm - weißer Kater mit schwarzer Schwanzspitze und schwarzen Pfoten
    Gänseblümchenwirbel - braune Kätzin mit schwarzen Pfoten und grünen Augen
    Magnolienfrost - langhaariger, rot getigerter Kater mit bernsteinfarbenen Augen und buschigem Schweif, Mentor von Graspfote
    Brennnesselohr - dünner, weißer Kater mit braunen Flecken und blassgrünem Augen, Mentor von Kleepfote
    Minzflug - schildpattfarbene Kätzin mit mintgrünen Augen
    Schlüsselblumenpelz - gelbe Kätzin mit veilchenblauen Augen
    Butterblumenschweif - schöner, hell getigerter Kater mit bernsteinfarbenen Augen

    Schüler:
    Blattpfote - hellbraun getigerter Kater mit weißen Ohren und weißen Pfoten
    Fliederpfote - grau getigerte Kätzin mit fliederfarbenen Augen
    Graspfote - langhaariger, schwarzer Kater mit grünen Augen
    Kleepfote - braun getigerte Kätzin mit schwarzen Pfoten

    Älteste:
    Farnflügel - braune Kätzin mit grünen Augen
    Algenfeuer - stämmiger, rot getigerter Kater

    Hirarchie des Waldclans:

    Anführer: Rindenstern - braun weiß gefleckter Kater

    Zweiter Anführer: Fichtengold - golden getigerte Kätzin

    Heiler: Eschensturm - Schwarze Kätzin mit grünen Augen, Mentorin von Kiefernpfote

    Krieger:
    Eibenmond - dunkelbrauner Kater mit weißen Pfoten
    Ahornfrost - Gold gestreifte Kätzin mit braunen Augen, Mentorin von Flechtenpfote
    Buchenpelz - grauer Kater mit grünen Augen, Mentor von Moospfote

    Hirarchie des Feldclans:

    Anführer: Wirbelstern - grau getigerte Kätzin

    Zweiter Anführer: Halmfrost - schildpattfarbener Kater

    Heiler:
    Hauchfuß - braun getigerter Kater mit rötlichem Fell

    Krieger:
    Flatterherz - weiße Kätzin mit bläulich schimmernden Pfoten, Mentorin von Flügelpfote
    Kräuselfell - braun getigerter Kater mit zerzaustem Fell, Mentor von Windpfote
    Sturmschwinge - hell getigerte Kätzin mit weißen Pfoten

    2
    Fliederpfote lief durch den Wald. Die Kälte kroch durch ihren Pelz und sie spürte, wie sie fröstelte. Es war früh am Morgen und sie war mit ihrem Mentor Sonnenblumenfleck und Minzflug auf Morgenpatroullie. Fliederpfote trabte hinter ihrem Mentor her und hatte alle Aufmerksamkeit auf die Gerüche, des Waldclans gerichtet. Erst vor kurzem hatten Gänseblümchenwirbel und ihr Gefährte Butterblumenschweif den Geruch des Waldclans auf ihrem Territorium entdeckt. Das duldete die Anführerin des Wiesenclans natürlich nicht, und so hatte Tulpenstern die Patrouillen verstärkt.
    An der Grenze begannen die Krieger, sie zu markieren und Fliederpfote witterte, um den möglichen Geruch des Waldclans zu erschnuppern. Doch sie bemerkte nur die normalen Duftmarkierungen, die Waldclan Krieger noch vor Sonnenaufgang angebracht haben mussten. Sie half ihren Clangefährten, den Rest der Grenze zu markieren und lief dann zu ihrem Mentor und Minzflug, die sich bereit machten, zum Lager zurückzukehren.
    Fröstelnd machten sie sich auf den Weg und Fliederpfote legte einen kurzen Sprint ein um ihre steifen Muskeln zu erwärmen.

    Als die Morgenpatroullie im Lager ankam, lief Sonnenblumenfleck zu Tulpenstern um ihr von der Patroullie zu berichten. Fliederpfote sah sich im Lager um und beobachtete ihre Schwester Holunderpfote, die Heilerschülerin war, und sich auf der Lichtung am Frischbeutehaufen putzte. Als Fliederpfote gerade zu ihr gehen wollte, schob sich ein hellbraun getigerter Kater aus dem Schülerbau, den Fliederpfote sehr mochte. Der Kater lief über den staubigen Boden zum Frischbeutehaufen und setzte sich neben Holunderpfote. Daraufhin rutschte die cremefarbene Kätzin zur Seite. Der Kater nahm sich eine Drossel und biss hinein.
    Fliederpfote wandte sich ab um die beiden nicht mehr sehen zu müssen und erschrak, denn ihr bester Freund Graspfote stand plötzlich direkt hinter ihr. Er schnurrte und seine Augen blitzten belustigt. »Na?«, fragte er grinsend. »Bereitet dir mein lieber Bruder mal wieder Herzklopfen?« Fliederpfote knuffte ihn gespielt beleidigt in die Flanke. »Und wenn schon, dieser blöde Fellball hat doch eh nur Augen für meine Schwester...«, maunzte sie. Belustigt sagte Graspfote:»Oh, jetzt bist du eifersüchtig auf Holunderpfote?« Fliederpfote drehte sich blitzschnell um und rammte ihm die Hinterpfoten sachte unters Kinn. Dabei fauchte sie gespielt:»Der ist für deine Frechen Kommentare!«
    Ihr bester Freund wirbelte herum und schlug mit eingezogenen Krallen auf ihr Ohr ein.
    Und kurz darauf rollten die beiden quer über den Lagerboden bis vor die Pfoten von Holunderpfote und dem Kater. Der Kater miaute belustigt: »Wen haben wir denn da?«
    Graspfote knuffte seinen Bruder spielerisch in die Seite. »Lass den Schwachsinn, Blattpfote«, maunzte er. Holunderpfote erhob sich. »Ich muss dann mal los«, miaute sie. »Thymianwirbel und ich wollen heute Kräuter sammeln gehen.«
    Die cremefarbene Kätzin strich mit der Schwanzspitze über Fliederpfotes Flanke und verschwand dann im Bau der Heiler. Fliederpfote hörte wie die beiden sich fröhlich begrüßten. Die Kätzin fröstelte. Dann krallte sie sich eine Spitzmaus und biss hinein. Dabei sah sie immer wieder zu Blattpfote hinüber, der angeregt mit seinem Bruder diskutierte. Darum bemerkte sie ihre Mutter Lilienschweif auch nicht gleich, als diese ihren Schweif auf Fliederpfotes Schulter legte. Fliederpfote zuckte zusammen. Ihre Mutter schnurrte belustigt: »Immernoch schreckhaft wie ein Kaninchen. Fliederpfote? Also so wird nie eine Kriegerin aus dir.« Fliederpfote knurrte verächtlich und zwang sich, ihr Nackenfell wieder anzulegen. »Was ist denn, Lilienschweif?«, fragte sie.
    »Ich wollte nur mal vorbei schauen!«, kam die Antwort ihrer Mutter.
    Ihre Tochter maunzte: »Ich frage jetzt Sonnenblumenfleck, ob wir heute jagen gehen können.« Die graue Kätzin sprang auf und lief zu ihrem Mentor. »Sonnenblumenfleck«, fragte sie, »Können wir heute jagen gehen?« Ihr Mentor willigte ein. »Wie wäre es, wenn wir Blattpfote und Silberblüte mitnehmen?«, fragte er. Fliederpfote nickte stumm. Oh nein... Das wird so peinlich!

    3
    Fliederpfote jagte einem Kaninchen hinterher. Sie verfolgte es über die weitläufigen Wiesen des Territoriums. Plötzlich sah sie aus dem Augenwinkel den Eingang zu einem Kaninchenbau und sie legte noch einen Zahn zu. Die Kätzin musste dieses Kaninchen einfach bekommen. Dann sprang Fliederpfote. Sie hob ab und erwischte das Kaninchen mit den Vorderpfoten. Sie zog es zu ihr und biss ihm ins Genick. Dann jaulte sie triumphierend. Hinter einem Hügel tauchte eine silbern getigerte Kätzin auf. Es war Silberblüte, Blattpfotes Mentorin und Gefährtin von Sonnenblumenfleck. Ihr Schüler kam neben ihr den Hang hinab und am Ende lief Sonnenblumenfleck. Ihr Mentor kam zu ihr und schnurrte. »Herzlichen Glückwunsch!«, miaute er. Auch Silberblüte lobte: »Ein toller Fang, Fliederpfote! Da kann sich Blattpfote noch etwas abgucken.« Dann fügte sie noch mit einem strengen Blick zu ihrem Schüler hinzu: »Im Kämpfen ist er tipptopp, aber beim jagen müssen wir noch etwas üben.« Blattpfote schnippte ungerührt mit dem Schwanz und schwieg. Dann drehte er sich um und lief zwischen ein paar Ginsterbüsche. Kurz darauf kam der Kater mit einer Maus zurück. »Beim Jagen noch üben? Ah ja«, maunzte er.
    Seine Mentorin nickte erfreut. »Nicht schlecht.« Sonnenblumenfleck sagte: »Fliederpfote, ich glaube wir haben genug gefangen. Wir gehen ins Lager zurück.«

    Im Lager tappte Fliederpfote zu Graspfote und Kleepfote. Die beiden übten Kampftechniken und Kleepfote stand gerade über Graspfote und tat so, als würde sie ihm in die Kehle beißen wollen. Fliederpfote sprang Kleepfote auf den Rücken und riss sie von Graspfote herunter. »Fuchsherz!«, fauchte Fliederpfote. Kleepfote wirbelte herum und schlug mit wirbelnden Pfoten auf ihre Schnauze ein. Graspfote biss Kleepfote in den Schwanz, woraufhin sich Kleepfote ergab. Fliederpfote schnurrte: »Eingespieltes Team!« Dann knuffte sie Graspfote in die Seite. »Wie war die Jagd?«, fragte ihr Freund. »Großartig«, sagte Fliederpfote mit einem blitzen in den Augen. Sie nickte zum Frischbeutehaufen und begutachtete ihren Fang: Bevor sie dem Kaninchen nachgejagt war, hatte die Schülerin eine Spitzmaus und einen Wiesel erlegt. Graspfote hatte außer der Maus noch eine Schwalbe erlegt. Fliederpfote war stolz auf ihren Fang. »Ich werde«, miaute sie, »Farnflügel und Algenfeuer den Wiesel und die Spitzmaus bringen.« Die Kätzin tappte zum Frischbeutehaufen und nahm die Beute, dann machte sie kehrt und ging zum Ältestenbau. Auf dem Weg dorthin ging sie am Heilerbau vorbei, wo sie hörte, dass Thymianwirbel noch einmal losziehen und frische Kräuter sammeln würde.
    Die Maus rutschte Fliederpfote aus dem Maul und sie nahm sie fester. Beim Ältestenbau miaute sie: »Algenfeuer? Farnflügel? Ich habe euch Frischbeute mitgebracht.« Ein Kopf schaute aus dem Bau. Die grünen Augen der Kätzin funkelten. »Wie Nett von dir! Ich nehme die Maus«, miaute die Kätzin. Eine Stimme ertönte: »Und was ist mit mir, Farnflügel?« Ein rotbrauner Kater erschien vor dem Bau und begutachtete die Frischbeute. Er leckte sich das Maul. Dann miaute er: »Danke, du hast ja einen Wiesel mitgebracht! Meine Lieblingsfrischbeute.« Fliederpfote schnurrte. »Den Wiesel habe ich selbst gefangen, Algenfeuer«, miaute sie. Algenfeuer nickte lobend und schnappte sich den Wühler. Dann kauerte er sich neben seine Gefährtin und begann, zu fressen.

    Fliederpfote zuckte mit jedem Schritt zusammen. Sie hatte sich beim Moos sammeln einen Dorn in die Pfote getreten. Sie war auf dem Weg zum Heilerbau. Gerade als sie eintreten wollte, huschte eine Katze an ihr vorbei. Sie kannte den hellbraunen Kater. Blattpfote!, schoss es ihr durch den Kopf. Fliederpfote duckte sich. Sie wollte unbedingt mitbekommen, was im Heilerbau ablief. Die graue Schülerin entdeckte einen Spalt in der Wand des Heilerbaus. Sie schlich sich an und konnte in das Innere des Baus schauen. Ihre Augen mussten sich an das dämmrige Licht im inneren des Baus erst gewöhnen. Dann konnte sie die Gestalt ihrer Schwester und die von Blattpfote entdecken. Holunderpfote schnupperte an einem Kratzer an seiner Flanke. Dann ging die cremefarbene Kätzin zu einem Spalt im Boden und kam kurz darauf mit großen, farnartigen Blättern zurück. Sie zupfte die Blätter ab und legte sie auf den Kratzer. Blattpfote schnurrte. Als sich Holunderpfote runterbeugte, liebkoste der Kater ihre Wange.
    Fliederpfote wurde schlecht. Es war nicht zu übersehen, dass die beiden kurz davor waren, Gefährten zu werden. Erstens wollte siemit Blattpfote zusammen sein, und zweitens brachen die beiden das Gesetz der Krieger und der Heiler indem sie sich liebten.
    Wut kochte in Fliederpfote hoch. Die Schülerin ging zum Eingang des Heilerbaus und schlich Hinein. Ihre Schwester und Blattpfote hatten sie noch nicht bemerkt. Holunderpfote schnurrte laut und presste ihre Schnauze an seine Wange.
    Fliederpfote räusperte sich. Blattpfote erschrak und leckte sich verlegen das Brustfell. Ihrer Schwester sträubte sich der Pelz vor Unbehagen. »Was machst du denn hier?«, fragte sie. Fliederpfote blinzelte ungerührt und miaute: »Soll ich zum Heiler des Waldclans gehen, wenn ich einen Dorn in der Pfote habe?« Ihre Stimme triefte vor Ironie. Holunderpfote schüttelte hastig den Kopf und holte eine Pflanze mit weißen Blüten. Sie zerkaute diese und träufelte den Saft auf ihren Ballen. »Schafgarbe«, murmelte sie. Dann nahm sie denn Dorn zwischen die Zähne und zog ihn mit einem Ruck hinaus. Fliederpfote sog scharf die Luft ein, dann entspannte sie sich und atmete aus. Sie sagte: »Danke.« Blattpfote beäugte sie. Fliederpfote drehte ihren Kopf und schaute ihm in die Augen. »Was ist?«, fragte sie. Er rätselt, wie viel ich mitbekommen habe, überlegte sie. Fliederpfotes Augen blitzten gefährlich. In ihr kochte die Wut erneut hoch. Und das machte Fliederpfote unberechenbar.

    4
    Fliederpfote hörte das Blut in ihren Ohren Rauschen. Sie schlug mit wirbelnden Pfoten auf eine Gold - gestreifte Kätzin ein. Dann spürte sie einen stechenden Schmerz in ihrem Schweif. Als sie sich umdrehte, sah sie einen schildpattfarbenen jungen Kater, der sich in ihrem Schweif verbissen hatte. Nach Fliederpfotes Einschätzung musste der Kater ein sehr junger Schüler sein. Leicht zu besiegen. Sie ließ von der goldenen Kätzin ab und wirbelte herum. Die Augen des Waldclan Schülers weiteten sich. Doch dann kehrte der hasserfüllte Ausdruck in die Augen des Katers zurück. Fliederpfote stemmte ihm die Pfoten in die Flanke und hatte so eine Möglichkeit, die Lichtung zu überblicken. Die Katzen des Waldclans waren in ihr Territorium eingedrungen und hatten provokativ Frischbeute auf ihrem Territorium erlegt. Fliederpfote war mit ihrem Mentor, Brennesselohr und Kleepfote jagen gewesen und sie hatten die Katzen entdeckt. Daraufhin war Kleepfote ins Lager zurückgerannt und hatte Verstärkung mitgebracht. Nun kämpften allerlei Katzen auf der Lichtung und ihr Kreischen erfüllte die Luft.
    Neben sich erkannte Fliederpfote den schwarzen Pelz von Graspfote, der mit einem grauen Kater rang. Neben ihm schlug Kleepfote im Takt auf den grauen Kater ein.
    Fliederpfote zuckte zusammen, als ihr Gegner seine Krallen über ihr Ohr riss. Sie spürte wie das heisse Blut über ihre Augen rann und sah nur noch rot. Sie hatte ihren Gegner unterschätzt. Dann schüttelte sich die Schülerin und sammelte all ihre Kraft, dann stemmte sie den Kater von sich. Sie jaulte triumphierend auf und zerriss ihm die Schnauze. Sie schaute sich um und eilte ihrem Mentor zu Hilfe, der mit einem dunkelbraunen Kater rang. Plötzlich spürte sie einen stechenden Schmerz in ihrem Bein. Sie wirbelte herum und sah eine kleine, weiße Kätzin, die sich in ihrem Bein festgebissen hatte. Fliederpfote zog der Kätzin die Krallen über die Schnauze und kratzte ihr übers Gesicht. Die Kätzin jaulte und floh in den Wald. Dann hörte Fliederpfote die Stimme von Magnolienfrost, Graspfotes Mentor. »Rückzug, Wiesenclan!«, jaulte er. Fliederpfote wollte zu ihm eilen, doch als sie ihr Hinterbein belastete, sog sie die Luft ein. Es tat weh. Sehr weh. Sie brach zusammen und blieb einfach liegen. Dann spürte sie, wie sich eine Nase an ihre Wange presste. Fliederpfote erkannte den Geruch ihres besten Freundes sofort. Die Schülerin setzte sich auf und sah einen hellbraunen Pelz in der Nähe. Blattpfote lag auf dem Boden und krümmte sich unter Schmerzen.
    Fliederpfote wurde an ihre eigenen Schmerzen erinnert. Sie jaulte auf. Dann sah sie ihre Schwester Holunderpfote. Sie stand unschlüssig zwischen Fliederpfote und Blattpfote. Wusste nicht, wem sie zuerst helfen sollte. Fliederpfote hielt den Atem an und bemerkte, dass Graspfote ebenfalls angespannt war.
    Holunderpfote musste sich für sie entscheiden. Sie war ihre Schwester! Die cremefarbene Kätzin ließ ihren Blick über die beiden Katzen wandern. Dann blieb ihr Blick an Fliederpfote hängen und die graue Kätzin konnte nicht sagen, was in ihm lag. Als ihre Schwester den Kopf drehte und langsam zu Blattpfote tappte, wusste es Fliederpfote. Es war eine Entschuldigung. Doch nichts konnte diesen Zug ihrer Schwester entschuldigen. Holunderpfote hatte gerade ihr Familienmitglied verraten. Sie hatte für ihren verbotenen Gefährten ihre Familie links liegen lassen. Und dafür würde sie bezahlen.

    Fliederpfote schlug die blauen Augen auf.
    Sie fand sich im Heilerbau wieder und spürte einen feuchten Blätterumschlag auf ihrem verletzten Bein liegen. Die Luft im Bau war vom Kräutergeruch getränkt. Sie sah den braun getigerten Pelz von Thymianwirbel, die eine Kräuterpaste auf die Kratzer an Graspfotes Bauch schmierte. Dann sah sie Schlüsselblumenpelz in einem Nest nebenan liegen. Die Kriegerin hatte einen Riss am Ohr und Holunderpfote schnupperte daran.
    Fliederpfote spürte, wie erneut die Wut in ihr hochkochte. Sie wollte sich aufsetzen, doch ihr Bein hinderte sie daran. Sie sah Graspfotes Schwester Kleepfote auf sie zu kommen. Die braun getigerte Kätzin hatte ein dickes Moosbüschel in ihrem Maul und brachte es Fliederpfote. Gierig leckte sie daran und merkte, wie das Wasser ihre Kehle hinunterlief. »Wo ist Blattpfote?«, fragte Fliederpfote. Holunderpfote drehte sich zu ihr um. Ihre Ohren zuckten und sie miaute: »Im hinteren Teil des Baus.«
    Fliederpfote fauchte: »Dich habe ich nicht gefragt.« Die Wut über das Verhalten ihrer Schwester drohte, sie zu überwältigen. »Du musst dich ausruhen, Fliederpfote. Flechtenpfote hat deinem Bein ziemlich zugesetzt. Wenn du morgen Kriegerin werden möchtest, solltest du schlafen«, hörte sie die sanfte, aber bestimmte Stimme von Thymianwirbel.
    Flechtenpfote war also die weiße Kätzin, überlegte Fliederpfote. Und dann durchfuhr eine Welle der Freude sie. Morgen schon würde sie Kriegerin sein. Doch kurz darauf erstarrte sie. Was, wenn Flechtenpfote das Bein so sehr geschädigt hatte, dass sie gar keine Kriegerin werden konnte? Und... sie hatte ihre Kriegerprüfung noch gar nicht absolviert. Wie sollte sie da schon Kriegerin werden?
    »Thymianwirbel?«, fragte sie, »Kann ich meine Kriegerprüfung überhaupt bestehen? Mit meinem Bein?«
    Die Heilerin nickte bedächtig und miaute liebevoll: »Gute Frage, Fliederpfote. Eigentlich müsstet ihr erst eine Kriegerprüfung bestehen. Aber Tulpenstern hat gesagt, sie würde alle Schüler, die im Kampf mitgekämpft hatte, morgen zu Kriegern ernennen. Ihr habt euch und euren Clan so gut verteidigt, dass sie beeindruckt war.« Thymianwirbel schnurrte.
    Fliederpfote blinzelte. Und dann erst verstand sie, was ihre Heilerin gerade gesagt hatte. Sie und die anderen mussten keine Kriegerprüfung bestehen. Die vier Schüler würden zu Kriegern ernannt werden, weil sie gut gekämpft hatten! Und dann würde Fliederpfote nicht mehr im Schülerbau bei den beiden neuen Schülern Marienkäferpfote und Grashüpferpfote schlafen. Sie würde mit bei den älteren Katzen schlafen und dürfte nun endlich alles tun und lassen, was sie wollte. Über diesen Gedanken schlief die Kätzin schließlich ein.

    5
    Fliedersee schaute stolz auf ihren Clan. Gerade eben war sie zur Kriegerin ernannt worden. Graspelz, Kleebart und Blattschweif standen neben ihr und wurden gemeinsam mit Fliedersee bejubelt. Endlich war es so weit. Fliedersee konnte nun kämpfen, jagen, so gut wie jeder andere Krieger.
    Sonnenuntergang war schon vorbei und Fliedersee würde nun gemeinsam mit den anderen neuen Kriegern Nachtwache halten.
    Die neue Kriegerin spürte eine raue Zunge in ihrem Nacken. Als sie sich umdrehte, sah sie ihren Mageritensturm. In seinen Augen glänzte Stolz. Er miaute: »Sehr Gut gemacht, Fliedersee. Ich bin stolz auf dich.«
    Jetzt kamen auch die anderen Clanmitglieder zu ihnen um ihnen zu gratulieren. Auch Holunderpfote trabte auf sie zu. Ihre Schwester blinzelte Fliedersee zu, doch Fliedersee wandte sich ab. Daraufhin tappte die Heilerschülerin zu Blattschweif und gratulierte ihm.
    Fliedersee wurde abgelenkt, als Graspelz zu ihr tappte. »Jetzt sind wir also Krieger«, miaute er, »du hast echt einen tollen Namen. Er passt sehr gut zu dir.«
    Fliederpfote schnurrte: »Danke. Aber ich denke auch, Graspelz ist der richtige für dich.« Die Kätzin drückte ihre Schnauze an seine Wange und merkte plötzlich, wie nah sie und Graspelz sich standen. Wie vertraut er ihr war. Und dann wanderten ihre Gedanken zu Blattschweif. Ihr Herz machte keinen Hüpfer mehr wie früher, als sie ihn sah. Aber das lag an Holunderpfote. Die Kätzin hatte ihre Liebe für den Krieger zerstört.

    Fliedersee fröstelte. Sie stand still neben Graspelz, Kleebart und Blattschweif. Es war mitten in der Nacht und Fliedersee wurde von der Müdigkeit immer weiter eingeholt. Doch der Gedanke, dass sie morgen ihre erste große Versammlung als Kriegerin sehen würde, hielt sie wach. Plötzlich hörte sie eine Stimme. »Fliedersee«, flüsterte sie. Die Ohren der jungen Kriegerin zuckten. Sie fragte: »Wer ist da?«
    Ihre Augen suchten das Dickicht ab. Graspelz fragte: »Alles okay, Fliedersee?«
    Die graue Kätzin nickte. Doch dann hörte sie wieder die Stimme: »Tu stets das, was dein Herz dir sagt.« Und dann war nichts mehr. Nur noch die Stille des nächtlichen Waldes.

    Am nächsten Morgen waren Fliedersees Glieder steif und kalt. Sie tappte zu Gingkoglanz, dem zweiten Anführer. »Darf ich heute mit auf Morgenpatroullie?«, fragte sie eifrig. Gingkoglanz gähnte: »Du darfst sie sogar anführen. Wenn du nicht zu müde bist.« Fliedersee schüttelte den Kopf. Keine Spur Müdigkeit. Einfach nur Bewegungsdrang. »Dann nimm«, fuhr Gingkoglanz fort, »Butterblumenschweif, Minzflug und Grashüpferpfote mit.« Fliedersee ging zum Kriegerbau und weckte die beiden Katzen. Nachdem auch Minzflug ihren Schüler Grashüpferpfote geweckt hatte, gingen sie in den Wald. »Freust du dich auf die Versammlung heute?«, fragte Butterblumenschweif. Fliedersee nickte und maunzte: »Ja, ich bin total aufgeregt.« Und das stimmte. Nicht nur, weil sie allen Clans als Kriegerin vorgestellt werden würde, sondern auch, weil sie etwas ganz besonderes vor hatte. Sie würde Blattschweif und Holunderpfote bezahlen lassen.

    6
    Als Fliedersee auf die Lichtung trabte, war sie sofort von unzähligen, verschiedenen Gerüchen umhüllt. Ihre Beine wollten sie zu einem Baumstamm tragen, wo sich immer ein paar Schüler niederließen, doch sie war jetzt keine Schülerin mehr.
    Darum tappte sie zu den Kriegern. Die junge Kriegerin Sturmschwinge aus dem Feldclan kannte sie von der letzten Versammlung. Die hell getigerte Kätzin trippelte um ihren Clangefährten Kräuselfell herum und erzählte Buchenpelz aus dem Waldclan von einer aufregenden Kaninchenjagd. Als Fliedersee, Graspelz, Kleebart und Blattschweif auf sie zu tappten, hielt sie inne. »Neue Krieger?«, fragte sie neugierig. Graspelz nickte und miaute: »Nach dem Kampf gegen den Waldclan hat uns Tulpenstern zu Kriegern ernannt.« Fliedersee hörte gar nicht richtig zu. Als Kräuselfell nach den Kriegernamen der Katzen fragte, antworteten Kleebart, Graspelz und Blattschweif, doch Fliedersee sagte nichts. Erst als Kleebart sie mit der Schnauze anstieß, miaute sie: »Ich bin Fliedersee.« Die Feldclan Krieger beglückwünschten die Katzen. Auch Baumpelz nickte den neuen Kriegern zu.
    Fliedersee wandte sich ab und beobachtete die Heiler, die schon am Fuß der großen Tanne Platz genommen hatten.
    Holunderpfote hatte sich neben den Waldclan Schüler Kiefernpfote gesetzt. Ihre Mentorin Thymianwirbel flüsterte gerade einem hellbraunen Kater etwas ins Ohr. Es war Hauchfuß, der Heiler des Feldclans. Als der Kater sich streckte, schimmerte sein Fell rötlich.
    Eine schwarze, kleine Kätzin tappte um die Gruppe herum. Diese Katze war Kiefernpfotes Mentorin Eschensturm.
    Alle Heilerkatzen warteten nur darauf, dass die Anführer zu sprechen anfingen. Dann, endlich sprang einer nach dem anderen auf die Tanne und schließlich saßen alle auf ihren Ästen. Zuerst sprach Wirbelstern. »Wir haben zwei neue Schüler! Flügelpfote und Windpfote werden jetzt von Kräuselfell und Flatterherz ausgebildet!« Die Kätzin wartete, bis sich der Jubel gelegt hatte, dann fuhr sie fort: »Brisenflüstern hat ihren ersten Wurf zur Welt gebracht! Silberjunges und Flinkjunges sind im Clan herzlich willkommen!« Auch die beiden neuen Jungen wurden bejubelt. Dann trat die Anführerin des Feldclans zurück und Rindenstern, der alte Anführer des Waldclans trat vor. »Bei uns gibt es nichts Neues zu berichten. Außer, dass Kiefernpfote nun von Eschensturm zum Heiler ausgebildet wird.« Er trat zurück und schnippte mit dem Schweif. Tulpenstern machte einen Schritt nach vorne und fauchte Rindenstern an: »Nichts zu berichten? Nein? Was ist denn damit: Deine Katzen dringen in unser Territorium ein, jagen dort und fressen sie dann? Das ist nicht erwähnenswert? Nein? Dieses eine mal haben wir gekämpft und wir haben diesen Kampf unentschieden ausgehen lassen. Sollte dass jedoch noch einmal vorkommen, dann werden wir gewinnen.« Die Anführerin funkelte Rindenstern noch einmal an, dich der nahm davon keine Notiz und blieb einfach ruhig. »Den nächsten Kampf werden wir gewinnen«, fuhr Tulpenstern fort. »Denn wir haben vier neue Krieger. Kleebart, Graspelz, Fliedersee und Blattschweif! Wir begrüßen sie in den Reihen der Krieger.«
    Überall auf der Lichtung ertönte Jubel. Fliedersee dröhnten die Ohren. Und ihr wurde kalt, als sie daran dachte, was sie gleich tun würde.
    Als der Jubel verstummte, stand sie auf. Ihre Clangefährten musterten sie überrascht. Doch ehe jemand etwas sagen konnte, miaute sie: »Es tut mir leid, dass ich die Versammlung störe.« Ihre Stimme wurde kühl, eiskalt. »Doch es gibt hier etwas, was offenbart werden muss. Ein Geheimnis zwischen zwei Katzen meines Clans. Verbotene Liebe. Zwischen einer Kätzin, die mir eigentlich sehr nahe stehen sollte. Doch sie hat sich gegen mich entschieden.« Fliedersee merkte, wie die Katzen unruhig waren, doch sie sprach weiter. Und diesmal loderte in ihrem Herzen der Hass. »Blattschweif. Der neue Krieger. Der hier neben mir steht. Er ist der Gefährte von meiner Schwester. Von Holunderpfote.«
    Und dann, als die Katzen empört aufjaulten, merkte Fliedersee, wie die Gefühle in ihr hochstiegen. Der Hass auf Blattschweif und Holunderpfote. Und das Gefühl, endlich Rache an ihrer Schwester genommen zu haben. Und das fühlte sich gut an.

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