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Losing you

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1 Kapitel - 1.748 Wörter - Erstellt von: - Entwickelt am: - 429 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Dies hier ist meine Geschichte für den "Write your story" - Schreibwettbewerb

    1


    "Ach komm schon Liz" lache ich und ziehe sie näher zu mir an den Abgrund "du musst diese Angst endlich überwinden". Sie sieht unsicher aus, kaut nervös auf ihrer Lippe herum. Kein Vergleich zu dem selbstbewussten, starken Mädchen, das ich kennengelernt habe. Etwas mitfühlender sehe ich zu ihr und lege eine Hand an ihre Wange. "Du schaffst das" sage ich leise, aber eindringlich und sie lächelt zaghaft. "Ich... ich will nicht springen... kannst du mich einfach stoßen?" Grinsend nicke ich und drehe uns so, dass sie mit dem Rücken zum Wasserfall steht. "Du brauchst dir wirklich keine Sorgen zu machen" sage ich überzeugt. Als Kind habe ich so oft in dem kleinen See gebadet, bin so häufig hier den Wasserfall hinuntergesprungen, dass ich es schon gar nicht mehr zählen kann.
    Vertrauen erscheint in ihren großen grünen Augen. Und als sie mich anlächelt, spüre ich aufs Neue, warum ich mich in sie verliebt habe.
    "Eins..." beginne ich zu zählen "zwei..." Liz spannt sich merklich an. Ich lege die Hand an ihre Hüfte und hauche einen sanften Kuss auf ihre Lippen.
    "Drei!"
    Noch bevor ich das Wort beendet habe, verpasse ich ihr einen sanften Stoß. Für einen Moment scheint sie zu fliegen, vom leisen Flüstern des Windes in den Himmel getragen zu werden, bevor die Schwerkraft sie in seine Krallen zieht und zu sich in die Tiefe reißt.
    Leise glucksend springe ich direkt hinterher. Ich liebe den freien Fall, diesen kurzen Moment des Fliegens, bevor das kühle Wasser meinen Körper umhüllt. Luftblasen begleiten mich ins Wasser und prickeln über meine Haut, bevor sie mit mir nach oben steigen und mein Kopf die Wasseroberfläche durchbricht.
    "Und war doch gar nicht so schlimm, oder?" Mit einem breiten Grinsen im Gesicht sehe ich mich nach Liz um, doch kann sie nirgendwo entdecken. Leichte Panik macht sich in mir breit, aber dann sehe ich sie, wie sie im Wasser liegt, den Kopf auf einen der Felsen gebettet. Ihre Augen sind geschlossen und ihre langen Haare liegen schützend um ihre Schultern. "Hey, Liz. Du schläfst doch nicht etwa!" Sie antwortet nicht. Schmunzelnd schwimme ich zu ihr hinüber. "Lizzylein" necke ich sie und halte vor ihr an. Noch immer gibt sie keinen Ton von sich.
    Ich greife nach ihrer Schulter und rüttele leicht an ihr. "Was wird das denn jetzt?" Sie bewegt sich auch jetzt nicht. Das Grinsen gefriert auf meinem Gesicht. An ihrer Schläfe prangt eine Platzwunde, aus der Blut sickert und sich im dunklen Rot ihrer nassen Haare verliert. "Scheiße, Liz, sag doch was!" Sie reagiert nicht. Hektisch ziehe ich sie mit mir aus dem seichten Wasser. Keuchend bette ich sie ans Ufer und beuge mich über sie. Sie hat die Augen geschlossen, Wasser perlt über ihre blasse Haut, die weiß wie Schnee wirkt. "Liz!" Mein verzweifelter Ruf hallt durch die Stille des Waldes. Natürlich, kaum jemand weiß von dieser Lichtung.
    Wie leistet man noch mal erste Hilfe? Verdammt, der Kurs ist sicher schon ewig her. Als erstes nach dem Herzschlag fühlen, war das nicht so?
    Zitternd greife ich nach ihrem Handgelenk und lege meine Finger auf die empfindliche Stelle mit ihrer Pulsader.
    Ich fühle nichts.
    Eisige Kälte rauscht durch meinen Körper und lähmt mich für einen kurzen Moment.
    "Liz! Bitte wach auf!" rufe ich verzweifelt und rüttele an ihrem schmächtigen Körper. Was würde ich nur dafür geben, zu sehen, dass ihre Augen sich öffnen, dass sie sich aufsetzt und mich ansieht. Dass sie mich auslacht, weil ich mir so viele Sorgen gemacht habe. Doch nichts davon passiert.

    Tick

    Tack

    Was zur Hölle ist das?

    Tick

    Tack

    Suchend sehe ich mich um. Woher kommt plötzlich dieses Ticken?

    Tick

    Tack

    Es wird immer kälter um mich herum. Als würde die warme Julisonne von Wolken aus purem Schnee bedeckt werden. Ich beginne zu zittern. Träume ich?

    Tick

    Tack

    Bilde ich mir den Nebel nur ein, der plötzlich meine nackten Beine umstreift? Ist es wirklich so gespenstisch still, wie es mir mein Gehirn vorgaukelt?

    Tick

    Tack

    Der Nebel wird dichter und wabert zu einer Stelle etwa drei Meter von mir entfernt. Er verdunkelt sich und verformt sich immer wieder, bis er eine Gestalt bildet. Die Silhouette hat die Form einer großen Frau, auch wenn sie sonst nicht danach aussieht. Ein langer Kapuzenmantel bedeckt sie vollständig, doch sie scheint keinen Stoff zu tragen, vielmehr ist es nur der Nebel, aus dem sie besteht.
    Das Ticken ist verstummt.
    "Was gehtn jetzt ab" Ich kann nicht verhindern, dass das Flüstern meine Lippen verlässt.
    "Was ist passiert?" vernehme ich auf einmal eine andere Stimme. Sofort schnellt mein Kopf zu Liz herum. Gerade setzt sie sich auf und reibt sich am Kopf. Verwirrung liegt in ihrem Gesicht. Stürmisch robbe ich auf sie zu und nehme sie in dem Arm. "Oh Liz, du lebst" hauche ich mit tränenerstickter Stimme. "Natürlich lebe ich" sagt sie und ich kann das belustigte Lächeln in ihrer Stimme hören.

    "Rührend" beteiligt sich eine fremde Stimme spöttisch an unserem Gespräch und lässt mit ihrem klirrend kalten Klang eine Gänsehaut auf meinen Armen erscheinen. Ganz automatisch löse ich mich von Liz und schaue zu der fremden Gestalt, die sich uns genähert hat. Immer noch kann ich kein Gesicht erkennen.
    "Wer sind sie?" frage ich und versuche, die Angst komplett aus meiner Stimme zu verbannen. "Und was geht hier vor sich?" fügt Liz hinzu.
    Die Gestalt beginnt zu lachen. "Du fragst mich, wer ich bin?" fragt sie, offenbar aufs Äußerste belustigt. "Lass mich dir einen Tipp geben. Ich habe viele Namen, doch keiner von ihnen wird gerne genannt. Meine Fähigkeit ist gefürchtet und doch unausweichlich mit jedem von euch verknüpft. Habe ich mir einmal etwas zu eigen gemacht, wird es niemals widerkehren."
    Schweigend lausche ich ihren Ausführungen. Diese Situation ist einfach absurd. Das kann nur ein Traum sein. Doch als ich mich in den Arm kneife, durchzuckt Schmerz meinen Körper.
    "Der Tod" flüstert Liz hinter mir und bricht damit die drückende Stille "Sie sind der Tod"
    Die Gestalt scheint ihren Kopf zu neigen. "Das ist eine der Bezeichnungen, die ihr Menschen für mich gewählt habt."
    Das ist doch absurd. Der Tod? Ernsthaft?
    Ich beschließe, das Spiel einfach mal mitzuspielen. "Und was willst du von uns?"
    Auf einmal ist mir die Gestalt ganz nah. Ein Finger aus waberndem Dunst streicht sachte über meine Wange. "Kannst du dir das nicht denken?" wispert sie.
    Beinahe hypnotisiert schüttele ich den Kopf. Das alles ist so dermaßen abgefahren. Ich bin mir sicher nicht zu träumen, kein Traum kann so komplex sein, so… real. Doch ich weigere mich, zu glauben, dass das hier echt ist. Auch wenn es keine andere Möglichkeit gibt.
    Diese Erkenntnis trägt nicht gerade dazu bei, meine Angst zu lindern.
    "Na dann will ich euch mal aufklären" meint der Tod - oder die Tod? - und richtet sich wieder auf. "Die Rothaarige" sie deutet auf Liz " hat sich tödlich verletzt. Nicht heilbar. Egal was du versuchen würdest, sie würde sterben"
    "Aber ich lebe doch" wundert sich Liz. "Ich fühle mich nicht gerade tot" Und sie sieht auch alles Andere als tot aus. Im Gegenteil, ihre Wangen schimmern rosig und bilden einen wunderschönen Kontrast zur Farbe ihrer Augen. Sie sieht aus wie eine Märchenfee, so kitschig das auch klingen mag.
    "Das liegt daran, dass ich deine Seele noch nicht genommen habe, du Dummerchen" erwidert der Tod leicht genervt "ich habe die Zeit angehalten" sagt sie noch, als wäre das etwas Alltägliches. Dann fährt sie mit ihrem Monolog fort.
    "Aber sogar ich habe meine netten Seiten und gewähre den wirklich Liebenden eine zweite Chance" Nun sieht sie wieder zu mir "Du hast die Wahl. Entweder du lässt deine hübsche Freundin sterben oder du opferst dich an ihrer Stelle"
    Mir bleibt die Luft weg. Ich - soll wählen? Verzweifelt blicke ich zu Liz, die mit der Situation immer noch überfordert scheint. "Einer von uns... wird sterben?" haucht sie fassungslos und starrt ins Leere.
    "Ach ja, beeil dich bitte ein bisschen mit deiner Entscheidung, ich habe nicht ewig Zeit. Du glaubst ja gar nicht, wie anstrengend dieser Job ist-"
    Noch einmal mustere ich Liz, in deren Augen Tränen glitzern. Ich weiß nicht was ich tun soll. Ich möchte nicht sterben. Ich habe noch so viel vor, mein ganzes Leben ist schon geplant. Ich möchte studieren, eine Familie gründen. Doch ich kann Liz auch nicht einfach dem Tod überlassen! Was soll ich tun?
    Die Gestalt wird immer ungeduldiger.
    Verzweifelt presse ich die Lippen zusammen und blicke zum wolkenbedeckten Himmel, als könnte er mir die Antworten geben, die ich brauche.
    Dann hole ich tief Luft und sehe zum Tod.

    "Ich habe mich entschieden"

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