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Sieben Worte für ein Wunder - Mohnblumen

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1 Kapitel - 979 Wörter - Erstellt von: - Entwickelt am: - 464 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Dies ist mein Beitrag zu dem Schreibwettbewerb von torden!.

Den Link zum Wettbewerb findet ihr hier:
https://www.testedich.de/quiz44/quiz/1475077173/Sieben-Worte-fuer-ein-Wunder-Ein-Schreibwettbewerb

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    Die 7 magischen Worte- sie sind fett markiert!^^

    Biest
    Villa
    manipulieren
    zurückhalten
    Mohn
    Haar
    wahnsinnig
    ----

    Dunkelheit. Sie will mich mit sich ziehen, doch ich halte mit aller Kraft dagegen, wehre mich.
    Ich schaffe es. Ich befreie mich aus ihrem klammernden Griff und renne, wie ich noch nie gerannt bin, vor ihr weg.

    Ich erinnere mich noch, wie es früher war. Damals war alles ganz anders gewesen. Ich hatte lange Haare getragen und war regelmäßig zur Schule gegangen. Ich hätte niemals gedacht, dass ich so etwas wie die Schule jemals vermissen würde!
    Außerdem hatte ich Kampfsport gemacht- eine Mischung aus Karate und einfacher “Alltags”-Selbstverteidigung. Ist es nicht fast komisch? Im Kampfsport hatte ich alle besiegt- und nun kamen ein paar Zellen an, begannen, andere Zellen zu manipulieren und schwupps!, brach ich zusammen. Ich bin ja nicht eingebildet, aber sowas verletzt doch meinen Stolz.
    Ich erinnere mich noch, wie ich mir früher immer wünschte, in einer Villa zu wohnen, eigene Pferde, einen Hund, einen Pool zu haben. Vielleicht in einem berühmten Film mitzuspielen und meine Lieblingsschauspielerin zu treffen. Stattdessen lag ich nun hier und wünschte mir nur noch eins: wieder gesund zu werden. Zur Schule gehen zu dürfen, ein normales Leben führen zu können. Meinen “Freunden” eine reinzuhau’n. Freunde, die mich nicht unterstützten und besuchten, als es ernst wurde. Sie wünschten mir maximal Glück vor einer weiteren Operation- an die ich sie durch die Blume erinnern musste. Erkundigen taten sie sich hinterher natürlich nie.
    Ich denke an die Mohnblumen, die auf unserem Balkon wachsen. Meine vierjährige Schwester hat mir seit meinem ersten Tag im Krankenhaus jeden Tag eine Blume mitgebracht, auch heute kam sie mit einem strahlenden Lächeln und einer Blume durch die Tür und platzierte sie zwischen den anderen Blumen. Man sollte doch meinen, dass ein paar Fünfzehnjährige mehr (oder mindestens genauso viel) Mitgefühl als eine Vierjährige hätten, oder? Tja, so kann man sich täuschen.

    Es ist interessant, wie sich der Blick auf’s Leben verändert, wenn man darum kämpfen muss. Früher regte ich mich über Leute auf, die die Hausschuhe Anderer durchs Treppenhaus schmeißen. Die sind immer noch bescheuert, keine Frage- aber was ist mit Leuten, die sich keinen Organspendeausweis holen, weil sie zu faul sind? Die machen mich wahnsinnig.
    Ihretwegen müssen sich so viele schwerkranke Menschen an Maschinen durchs Leben quälen, ihretwegen sterben so viele Leute, ihretwegen… Die Liste könnte ich noch endlos weiterführen. Und jetzt kommt’s: Die Leute, die Hausschuhe durch die Gegend werfen, bekommen eine wohlverdiente Standpauke.
    Aber die Leute, die ihre kostbaren Organe verschwenden? Da zuckt noch nicht mal jemand mit der Wimper! Unfassbar, diese Welt.
    Nach meiner vierten Chemo war der Krebs auf meiner Lunge fast besiegt. Es ging bergauf und wir planten bereits den Tag, an dem ich endlich wieder nach Hause dürfte. Doch mit der nächsten Untersuchung zeigte sich:
    BOOM. Metastasen. Mein ganzer rechter Lungenflügel. Komplett übersät mit diesem Sch… von diesem Biest. Als man mir die Ergebnisse mitgeteilt hatte, war ich aufgesprungen und aus dem Zimmer gestürmt, das weiß ich noch genau. Meine Eltern hatten geschockt auf ihren Stühlen gesessen und eine anwesende Krankenschwester hatte versucht, mich zurückzuhalten, doch ich hatte mich von ihr losgerissen und war weggerannt. Bis zur Tür, die nach draußen führte. Davor war ich stehengeblieben und hatte missmutig auf die Bäume draußen geschaut. Dreimal dürft ihr raten, wer seit 2 Monaten nicht mehr draußen war, weil ihr Immunsystem im Eimer ist!
    Als ich zu meinem Zimmer zurückgekehrt war, erklärten die Ärzte meinen Eltern gerade etwas über Transplantationen. Aha. Sie wollten das Biest also nicht besiegen sondern es mitsamt der Gefahrenstelle entfernen und mir einen neuen Lungenflügel einsetzen. Immerhin mal was anderes!
    Noch am selben Tag war ich auf die Liste gesetzt worden. Man hatte mir gesagt, dass meine Chancen aufgrund meines jungen Alters relativ gut stünden.
    Was soll ich sagen? Das Ganze ist jetzt 3 Monate her und ich merke, dass ich immer schwächer werde. Das Atmen fällt mir immer schwerer, ich habe wenig Hunger, verliere an Gewicht und bin ständig müde.
    Mein Stolz erlaubt mir kaum, das zu sagen, aber: Ich glaube, dies ist ein Kampf, den ich nicht gewinnen werde.

    Als ich die Augen öffne, stehen sie alle bei meinem Bett. Meine Mutter, mein Vater. Meine Schwester, meine Oma. Selbst meine Lieblingskrankenschwester. Mit Ausnahme meiner kleinen Schwester scheinen sie alle sich ein Tränchen verdrücken zu müssen. Allein deswegen würde ich ihnen gerne ein Toastbrot an den Kopf werfen. Ich hole pfeifend Luft und ringe mir ein Lächeln ab. “Nicht mit Schuhen werfen”, befehle ich ihnen. Pause. “Gute Nacht.”
    Ich bin erschöpft. Ich bin so müde.

    Zitternd schließe ich die Augen und lasse mich von der Dunkelheit mitreißen.

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