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Sieben Worte für ein Wunder - Gefangen

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2 Kapitel - 1.319 Wörter - Erstellt von: - Entwickelt am: - 683 mal aufgerufen- Die Geschichte ist fertiggestellt

Mein Beitrag zu torden! s Schreibwettbewerb im November. | Farm, Firmament, Farn, Fakultät, frösteln, fingieren, fern

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    Gefangen
    Was muss ich tun, um das hier hinter mir lassen zu können?
    Ich weiß es nicht.

    Es gibt so vieles, das ich nicht weiß. Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken in meinem Leben, sowohl auf der Farm, auf der ich aufgewachsen bin als auch seitdem ich hier bin, jedoch bin ich nie zu einem vernünftigen Schluss gekommen. Einige Male habe ich versucht zu beschreiben, was ich denke, auch wenn es niemanden gibt, der mir zuhören würde. Natürlich gibt es all diese Gesichter, die ich durch die gläsernen Wände dieses Ortes sehen kann, aber es gibt genau zwei Arten von ihnen. Diejenigen, die sich von mir wegdrehen, sobald ich ihnen etwas von mir und meiner Gefangenschaft erzählen möchte und diejenigen, denen ich nichts von meinen Gefühlen erzählen möchte, weil mein Gehirn etwas Positives mit ihnen verbindet. Größtenteils weiß ich nicht einmal, was genau das ist, aber etwas in mir sagt mir, dass diese Menschen es nicht verdienen, meinem Gejammer zuhören zu müssen. Dass ich sie nicht mit meinen Problemen belasten soll. Dass sie auch ohne mich genug Sorgen haben, dass ich sie nicht unnötig belasten soll.

    Ich höre meist auf meine innere Stimme.

    Auch wenn ich weiß, dass sie lügt, dass sie naiv und einseitig ist und sie nicht ich ist, ich höre auf sie, ich folge ihren Anweisungen. Sie ist auf einen mir unbekannten Weg in mein Herz und mein Gehirn gelangt und ist dort geblieben, vielleicht ist es auch meine Schuld, dass sie dort ist. Vielleicht habe ich sie erst erschaffen. Vielleicht entstand sie als Produkt meiner unendlichen Zweifel. Doch wenn dem so ist, dann ist sie etwas, das ganz allein mir gehört. Sie ist ganz genau auf mich zugeschnitten, und das bedeutet, dass sie mich wahrscheinlich besser kennt als ich selbst. Und sagt mir das nicht, dass sie in Bezug auf mich besser Bescheid weiß als jeder andere? Sagt mir das nicht, dass sie weiß, was ich brauche, was in bestimmten Situationen gut für mich ist? Sagt mir das nicht, dass ich auf sie hören sollte?

    Manchmal kämpfe ich gegen mein eigenes Gehirn. Ich weiß nicht, warum oder wie das überhaupt möglich ist. Es ist, als wäre es in zwei Seiten gespalten, die stets uneinig sind. Alle Entscheidungen, die ich treffe, gefällt einer der beiden Seiten nicht und wenn ich sie zu mir kommen lasse, verliere ich mich stundenlang in Gedanken.

    So weiß die eine Seite meines Gehirns, dass all dies nur in meinem Kopf stattfindet. Der gläserne Käfig, die Gesichter, meine gesamte Gefangenschaft. Vielleicht ist das der Grund, weshalb ich nicht einmal mehr weiß, wie ich hierhergekommen bin. Ich gehe davon aus, dass der Käfig schon immer dort war, doch als ich ein Kind war, waren die Wände hauchzart. Ich hätte sie so leicht zerstören können, ein gezielter Schlag und das Glas wäre zersplittert. Doch ich habe es nicht bemerkt, ich saß seelenruhig inmitten des Käfigs, meine Gedanken in Zaum haltend, friedlich, zufrieden, glücklich. Ich wünschte, ich hätte die Wände bemerkt, anstatt all die Bücher zu lesen, in denen der Himmel „Firmament“ genannt wurde und die mir so viel unnötiges Wissen vermittelten. Ich glaube, ich habe all das nie gebrauchen können. So viel verschwendete Zeit.

    Leider änderte sich das auch nicht, als ich älter wurde. Ich las zwar keine weitläufigen Bücher mehr, aber ich begann, Stunden damit zu verbringen, mir über meine Zukunft Gedanken zu machen. Meine Träume bestanden aus einem Ich, das Medizin studierte und sich an Fakultäten dieses Bereiches einschrieb. Ein glückliches Ich, mit Chancen auf eine gute Karriere als Arzt, mit vielen Freunden und einem rundum zufriedenstellendem Leben.

    Es dauerte lange, viel zu lange, bis ich endlich bemerkte, dass es keine perfekte Zukunft für mich geben würde. Die gläsernen Wände wurden dicker, doch ich ignorierte sie immer noch.

    Und hier bin ich nun. Nach all den Jahren habe ich endlich den Käfig bemerkt, der mich hier festhält, aber es ist zu spät, ich kann ihn nicht zerstören. Ich habe es versucht. Ich habe nachgedacht, wahrscheinlich das einzige, in dem ich wirklich gut bin. Mir kam der Gedanke, dass es etwas geben muss, das diesen Käfig aufgebaut hat. Dass es etwas gibt, das mich hier festhält.

    Vielleicht gehe ich zu rational an die ganze Sache ran, vielleicht hat meine eine Gehirnhälfte Recht und all das ist nur in meinem Kopf. Vielleicht hat meine Psyche das Glas erschaffen, vielleicht bin ich nicht wirklich gefangen. Aber es fühlt sich so real an, es macht vermutlich keinen Unterschied, ob es das jetzt ist oder nicht. Ich werde versuchen, das Problem mit Lösungen aus der echten Welt zu lösen und werde immer wieder scheitern. Doch bis ich bereit bin, aufzugeben, ist es noch ein weiter Weg.

    Vielleicht würde es funktionieren, wenn ich einen Unfall fingiere, vielleicht würde ich dann fortgebracht werden, weil ich in den Augen des Systems nicht mehr tauglich für das grauenvolle Experiment bin, das sie zu meinem Leben gemacht haben. Vielleicht könnte ich irgendwo an einem fernen Ort einen Neubeginn wagen. Dazu müsste man allerdings wissen, ob es überhaupt ein System gibt.

    Einer plötzlichen Eingebung folgend werfe ich mich mit meiner Schulter gegen das Glas, das mich einfängt. Nichts passiert, außer dass Schmerz in mir aufflammt. Ich bilde mir ein, von irgendwoher ein fieses, kaltes Lachen zu hören.

    Ich fröstle. Entwickle ich jetzt Halluzinationen? Oder habe ich es mir nicht bloß eingebildet?

    Ich lasse mich an der Wand herabsinken, die ich eben noch gerammt habe und eine plötzliche Müdigkeit übermannt mich. Ich schließe die Augen, bleibe aber wach und lasse meine Gedanken schweifen.

    Das Bild eines Flusses kommt mir in den Sinn, um ihm herum ist es vollständig grün. Unberührte Natur. Bäume, Büsche, alle möglichen Gewächse, selbst Farnwedel umgeben ihn. Ich war noch nie an diesem Ort, weiß nicht einmal, ob es ihn wirklich gibt. Aber er verstärkt meine Sehnsucht nach einem normalen Leben, nach einem Leben außerhalb meines gläsernen Käfigs noch.

    Ich öffne die Augen und schüttle den Kopf. Es hat keinen Sinn, mir die schönen Dinge vorzustellen, die ich tun oder sehen würde, wenn ich nicht hier wäre, wenn ich nicht gefangen wäre. Denn ich bin gefangen, und ich werde wahrscheinlich niemals entkommen können, egal was ich versuche.

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    Ich hoffe, euch diese etwas wirre Geschichte gefallen - ich habe nicht noch einmal darübergelesen, bevor ich sie hochgeladen habe, ich bin ziemlich fertig.:')
    Oh, und danke an Eisblatt, dass sie mich motiviert hat, diesen Monat mitzumachen - wenn du das auch tun möchtest oder diese und weitere Geschichten bewerten möchtest, dann schau beim Original vorbei. -> https://www.testedich.de/quiz44/quiz/1475077173/Sieben-Worte-fuer-ein-Wunder-Ein-Schreibwettbewerb

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